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    geschrieben am 03. Februar 2009 von Spiegelfechter

    Der Mord an einem Tschetschenen in Wien weitet sich zu einer Staatsaffäre aus

    Wien am 13. Januar um 12:30 ? auf offener Straße schießen zwei Männer mit Tarnjacken auf Umar Israilow ein. Der 27jährige Tschetschene erliegt kurze Zeit später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Täter fliehen in einem grünen Volvo, der von einem dritten Mann gefahren wird, vom Tatort. Noch am Nachmittag verhaftet die Polizei den 40jährigen Halter des Volvos ? einen Tschetschenen, der den urösterreichischen Namen Otto Kaltenbrunner angenommen hat. Kaltenbrunner wird verdächtigt, den Fluchtwagen gefahren zu haben und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. In den folgenden Tagen wurden weitere sieben Tschetschenen festgenommen, die Kaltenbrunners Umfeld zugeordnet werden. Ein Mord am hellichten Tag und auf offener Straße ? vom Tatverlauf her sogar eher eine Hinrichtung. Die österreichische Polizei geht zunächst davon aus, dass es sich um einen Mordfall im Umfeld der Organisierten Kriminalität handelt und ermittelt in diese Richtung. Kurze Zeit später kommen jedoch politische Hintergründe ins Spiel und der Mordfall bekommt internationale Brisanz.
    Ramsan Kadyrow

    Der ermordete Umar Israilow gehörte früher der Leibgarde des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow an. Nach eigenen Angaben gehörte er vor der Rekrutierung durch Kadyrow zu einer Jihadisten-Gruppeund wurde von Kadyrow selbst durch Folter und Drohungen vor die Wahl gestellt, bei dessen Miliz anzuheuern, oder umgebracht zu werden. Als er später bei ihm in Ungnade fiel, suchte er in Österreich als politischer Flüchtling Asyl. Israilow wollte im Exil auspacken ? auspacken über Morde, Folter und Kriegsverbrechen, auspacken über Insiderinformationen, die er als Mitglied des engeren Kreises um Kadyrow sammeln konnte. Bereits im Jahre 2006 strengte er beim Europäischen Menschengerichtshof in Straßburg eine Klage gegen Kadyrow an. Die Klage wurde abgewiesen und Israilow gelangte ins Visier tschetschenischer und russischer Sicherheitsdienste.

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    1. Blogosphere strikes back: Blogschau (2/II)

    23 Kommentare:

    1. Florian schrieb am 3. Februar 2009 at 14:57 - Permalink

      Tatsæchlich eine der wenigen Nachrichten, die ich erst hier in Norwegen und dann bei der “Auslandspresse” gelesen habe (Auslandsberichterstattung ist sonst nicht eben so dolle hier).

      Ganz ueberraschend ist das allerdings nicht, Umar Israilovs Vater lebt in Norwegen und ist, neben seinem Sohn und dem seit August in Tschetschenien verschwundenen Mokhmadsalakh Masaev, einer der drei Personen, die gegen Kadyrov Verfahren beim europæischen Gerichtshof für Menschenrechte angestrengt haben; und wohl der einzige von denen, der noch lebt.

      Zu eben diesem Verfahren schribst du:
      “Israilows Vorwürfe sind daher nicht eben neu. Die ?versiegelten Akten?, die Israilow der Times übergeben hat, hatten bereits bei seiner Klage in Straßburg nicht ausgereicht, um ein Verfahren zu eröffnen”

      Das kann laut NYT allerdings auch daran liegen, dass die Israilows fuer Rueckfragen nicht erreichbar waren:
      “To hide their locations, the Israilovs provided only a post office box in a third Western country. Unbeknownst to them, the court sought more information but could not find them. The case was dropped and expunged from files, although the Israilov family is resubmitting documents to have it reinstated.”

    2. Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2009 at 15:18 - Permalink

      @Florian

      Das kann laut NYT allerdings auch daran liegen, dass die Israilows fuer Rueckfragen nicht erreichbar waren:

      Das ist sicher auch möglich – da magst Du recht haben. Genauere Informationen aus Straßburg gibt es leider nicht.

      Interessant in diesem Zusammenhang sind auch die Mordfälle Markelow und Baburowa, die wahrscheinlich mit dem Fall Israilow in Verbindung stehen.

    3. Christian schrieb am 3. Februar 2009 at 17:08 - Permalink

      Ich brauche echt keine Zeitung mehr. In meiner Zeitung stehen solche Sachen nicht drin. Ich war sehr geschockt, als ich das gelesen habe. Ich weiß gar nicht recht, was ich dazu sagen soll. Wieso sind die Menschen denn so grausam? Wenn ich mir das so durchlese ist das ja ganz schön krass. Ja glauben die denn, dass sie alles mit Gewalt lösen können? Und wenn ich mir dann die anderen Zusammenhänge im Kommentar noch durchlese, ja Wahnsinn. Das sieht wirklich so aus, als würde es da einen Zusammenhang geben.

    4. puzzled schrieb am 3. Februar 2009 at 17:22 - Permalink

      Hierzu ist noch interessant anzumerken, dass Fr. Fekter (Innenministerin) ziemlich dreist gelogen hat bezüglich Personenschutz.

      Links:
      http://derstandard.at/?url=/?id=1231152526788
      http://derstandard.at/?url=/?id=1231152554540
      http://derstandard.at/?url=/?id=1231153089712

      Die Dame hat sich auch sonst noch sehr sehr viel geleistet. Ich schätze mal, in Deutschland wäre sie für sowas rücktrittsreif, hier bei uns in Österreich wird das allerdings leider nicht mal im Ansatz als Anlass für einen Rücktritt genommen (Und jetzt fange ich gar nicht erst an von unserem 3. Nationalratspräsidenten)

    5. Gebintit schrieb am 3. Februar 2009 at 17:58 - Permalink

      Vielen Dank für den Artikel! Auch ich bin wie Christian immer noch geschockt und empört, wenn ich mit solchen Grausamkeiten konfrontiert werde. Im Spiegel (5/26.1.09) hatte ich schon den Artikel “Die Mörder sind unter uns”, über die Morde an Barburowa und Markelow, gelesen. Man kann nur den Hut ziehen, vor Leuten die sich so todesverachtend für Menschenrechte und Aufklärung mafiöser Verstrickungen einsetzen. Dein Beitrag nun war eine sehr interessante Ergänzung. Bleib dran, an diesem wichtigen Thema!
      Wie sind solche Grausamkeiten zu erklären? Vielleicht mit der Verrohung, die mit einer langen Geschichte der Gewalt einher geht.

    6. Eduard schrieb am 3. Februar 2009 at 18:02 - Permalink

      @Spiegelfechter Der Artikel auf Telepolis ist interessant, enthält aber ein paar lustige Stellen. Z.B. “Russe tschetschenischer Herkunft” So so… Das ist ungefähr so als ob man über einen Engländer schottischer Herkunft reden würde oder Franzose flämischer Herkunft (wenn es um Belgien ginge) :)

    7. Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2009 at 18:16 - Permalink

      @Eduard

      Klar ;-)

      Aber ich schreibe dort und hier ja nicht nur für Insider. Hätte ich Tschetschene geschrieben und erwähnt, dass er in sein Heimatland nach Moskau ausgewiesen wurde, hätte sicher ein großer Teil der Leser sich gefragt, warum er dann nicht nach Grozny ausgewiesen wurde. TP und der SF sind ja keine Fachzeitschriften, die ein besonderes Vorwissen unterstellen.

      p.s.: der Belgien-Vergleich stimmt nicht ;-)

    8. name schrieb am 3. Februar 2009 at 19:00 - Permalink

      Spielt der Mord an Ruslan Bekmirsajewitsch Jamadajew in diesem Zusammenhang vielleicht auch eine Rolle ?

    9. Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2009 at 19:43 - Permalink

      @name

      Gute Frage – ich habe da keine direkten Querverbindungen erkannt. Ausschließen will ich aber nichts.

    10. Grazi schrieb am 3. Februar 2009 at 20:04 - Permalink

      Politische Morde, Geheimdienste, “Was wusste Putin?” – werden hier etwa krude Verschwörungstheorien gesponnen?

      Ich sehe schon die Schlagzeile auf Infokrieg: “Die Verschwörungsindustrie – Wie sich Linksliberale der NATO-Propaganda bedienen”… und wo ist eigentlich Nick Abbe?

    11. Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2009 at 20:20 - Permalink

      @Grazi

      Willst Du trollen oder etwas zur Diskussion beitragen? Im ersteren Falle landest Du auch ganz schnell auf der Ignore-Liste.

    12. name schrieb am 3. Februar 2009 at 20:32 - Permalink

      (Verdammt guter Artikel übrigens Jens !!)

      Das schlimme ist die Motivlage und Interessensüberschneidungen, die für alle “Mitspieler” in diesem dortigen extrem dreckigen Spiel gilt. Die offene und verdeckte kriminelle Schattenökonomie in der Gegenwart und Vergangenheit,die sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR und den Kriegen voll entwickelte, hat dort solche Profimargen und Dimensionen,dass diejenigen dort überhaupt keinen Spass verstehen, wenn es um ihre “Geschäfte” geht.

      Der Artikel aus der TAZ ist auch wirklich sehr gut, und wen es stimmt, was dort steht, war der Mord an Stanislav ?Stas? Markelov und Anastasia ?Skat? Baburova, höchst “professionell” ausgeführt.

      Man darf auch nicht vergessen, dass es im russischen Militär und in der politischen Führung Gegensätze bestehen, was den Bereich der Aufklärung und Aburteilung von Kriegsverbrechen russischer Kommandeure betrifft. Putin selbst persönlich viel positives gegen die berüchtigte Dedowschtschina und auch für ein anderes Klima, für die Ächtung der Verbrechen der eigenen Militärs, getan, auch gegen die diese Kreise.

      Ein insgesamt schlimmes und gefährliches Thema.

    13. Der Unbequeme schrieb am 3. Februar 2009 at 20:52 - Permalink

      Mir ist ein schlechter Friede in Tschetschenien immer noch lieber, als ein guter Krieg. Daher kann ich die Morde an Jihadisten und ihren Sympathisanten nicht wirklich bedauern, wenngleich ich sie auch nicht begrüße.

    14. name schrieb am 3. Februar 2009 at 21:02 - Permalink

      Und, wenn jetzt nach Jahren des Krieges wirklich eine Aburteilung für die Kriegsverbrechen auf allen Seiten drohen sollte, weil sich das politische Klima und die politischen Interessen geändert haben, dann haben da einige auf allen Seiten wirklich ein klares Motiv, nicht von Zeugen aus der Vergangenheit über neue Urteile mit deren Aussagen durch ein europäisches Gericht, und durch diese Urteile vor russischen Gerichten wegen Mord angeklagt zu werden.

      Die Olymischen Spiele in Sotschi sind auch nicht zeitlich weit entfernt. Das politische Klima hat sich auf jeden Fall geändert, vielleicht liegen da die Gründe.

    15. tony schrieb am 4. Februar 2009 at 02:19 - Permalink

      ”
      Politische Morde, Geheimdienste, ?Was wusste Putin?? – werden hier etwa krude Verschwörungstheorien gesponnen?

      Ich sehe schon die Schlagzeile auf Infokrieg: ?Die Verschwörungsindustrie – Wie sich Linksliberale der NATO-Propaganda bedienen?? und wo ist eigentlich Nick Abbe?

      @Grazi

      Willst Du trollen oder etwas zur Diskussion beitragen? Im ersteren Falle landest Du auch ganz schnell auf der Ignore-Liste.
      ”

      Sorry Herr SF, aber genau diese amüsanten Gedanken hatte ich auch beim lesen des Artikels im Kopf ;)
      Nichts für ungut, einfach mit Humor nehmen .

      mfg

      the fanatic fundamentalistic freedomfighter

    16. Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2009 at 03:47 - Permalink

      @Tony

      Das ist dann wohl der Beweis, dass das alte Sprichwort “Wer einen Hammer in der Hand hat, sieht nur Nägel” stimmt. Kinders, lest mal was vernünftiges und nicht immer nur den Infowar-Mist. Dann kommt ihr auch bei der Lektüre eines Textes, wie diesem, nicht auf so dumme Gedanken ;-)

    17. misterL schrieb am 4. Februar 2009 at 09:02 - Permalink

      Spannende Lektüre Jens.

      Diese Geschichten lassen mich immer an unsere demokratischen Instanzen (ver-)zweifeln. Die Methode. ‘tut uns leid aber so können wir Ihr Anliegen nicht bearbeiten. Fliegen Sie mal kurz nach hause und bringen uns passende Unterlagen, falls Sie es überleben’ macht mich wahnsinnig. Gleichzeitig machen wir lustig mit den Putins dieser Welt Geschäfte in lockerer Runde und unser Ex-Bundeskanzler erklärt Putin darselbst zum lupenreinen Demokraten, der sich in Tschetschenien mafiöse Statthalter hält.

      Am Ende solcher zusammen gehängten Zusammenhänge stelle ich dann für mich immer fest. Auch Westeuropa ist bloß eine Bananenrepublik, die jederzeit von einer x-beliebigen Mafia regiert werden könnte. Die Mitarbeiter und Beamten müßten sich gar nicht so doll umstellen.

    18. Dominik schrieb am 4. Februar 2009 at 09:55 - Permalink

      eine Schande, dass der Kreml diesen Primitivling scheinbar braucht, um einen brüchigen Frieden zu erhalten.
      Ich habe mir einige Interviews von Kadyrow auf russisch angesehen, und glaubt mir, der Typ scheint unglaublich dumm und vor allem naiv zu sein. Er hat sogar einmal Putin vorgeschlagen, Männern in Tschetschenien die Vielehe zu gestatten – einfach nur absurd.

      Ich sehe ihn daher nur als ein Mittel, das momentan leider gebraucht wird, aber eins könnt ihr mir glauben – die Russen werden keinen Internationalen Strafgerichtshof brauchen, um ihn seiner gerechten Strafe zuzuführen – wenn er seinen Job erledigt hat, werden sie ihn selbst erledigen.

      Gruß

    19. der Russe schrieb am 4. Februar 2009 at 10:20 - Permalink

      @Spiegelfechter
      lest mal was vernünftiges und nicht immer nur den Infowar-Mist.

      Mir fehlt zwar der Vergleich zu den Infowar-Mist (lese ich nicht), aber der Artikel oben als “was vernünftiges” zu bezeichnen ist weit hergeholt.

    20. Der Schachspieler schrieb am 4. Februar 2009 at 17:58 - Permalink

      In einer Gesellschaft in der 007 als einer der grössten Helden aus Hollywood gefeiert wird, braucht es nicht zu wundern das wir Attentate die in Geheimdienstkreisen passieren mit einem Schulterzucken als selbsverständlich wahrnehmen.

      Da soll mir noch einer sagen das Hollywood Demokratie fördert.

      Und das ist keine Verschwörungstheorie sondern Tatsache. Jeder sieht es im Kino,jeder liebt es und es wird mit Millionen Werbung in das Hirn von ach noch so kleinen Kindern eingeprügelt.

      Die wahren Verschwörungstheorien müsst ihr nicht im dunkeln suchen , sie sind viel zu offensichtlich.

      Oder haltet ihr es für ein Zeichen von “normaler” Gesellschaft das sie Mörderfilme kultiviert, und etwas so normales wie Erotikfilme als pervers darstellt?

      Wer ist denn nun krank?
      Sind es die Macher oder sind es wir Konsumenten?

    21. Neu hier schrieb am 5. Februar 2009 at 22:35 - Permalink

      Zitat:

      “Die Klage wurde abgewiesen und Israilow gelangte ins Visier tschetschenischer und russischer Sicherheitsdienste. ”

      Also, dass sind doch alles Interpretationen, und dann dazu noch wirklich schlechte,
      dass erinnert mich an das “Phantom” von Heilbronn, weil es einen Polizisten mit einer Kalaschnikow erschossen hatte, ging man am Anfang davon aus das die Russen dahinterstecken…

      In der Quelle wird ja auch von dem Polonium-Mord gesprochen, dass ist auch wieder so eine Sache, warum haben den die Briten nie genauere Angaben über das Polonium gemacht, es gibt fast 30 verschiedene Polonium-Isotope… man hätte zurückverfolgen können woher das Polonium stammt…..
      Darüber hinaus ist Polonium nix besonderes… findet sich auch in Zigaretten, in Amerika kann man sich sogar Polonium online kaufen, und es wird per Post geliefert… nur in die USA…. klar nur kleine Mengen, aber es ist Polonium 210….

      aber um mal wieder zurück zum Thema zu kommen…..

      back to the roots, baby… recharchieren statt interpretieren……..

    22. Meinnameisthase schrieb am 25. Februar 2009 at 08:55 - Permalink

      Hallo Spiegelfechter, hier eine Weiterführung deines Artikels. Besser spät als nie…

      http://www.russland.ru/mainmore.php?tpl=Politik&iditem=21142

      http://www.russland.ru/mainmore.php?tpl=Tschetschenien&iditem=710


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