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  • Sozialproteste in Tunesien und Algerien

    geschrieben am 07. Januar 2011 von Spiegelfechter

    ein Gastartikel von Andreas Fecke

    Kurz vor unserem Weihnachtsfest verbrannte sich der junge Tunesier Mohamed Bouazizi mit lauten Protestschreien gegen Armut und Arbeitslosigkeit direkt vor dem Gebäude der Präfektur seiner Stadt Sidi Bouzid, etwa 250 km von Tunis entfernt. Mohamed hatte seine zahlreichen Verwandten durch den illegalen Straßenverkauf von Obst und Gemüse ernährt – sehr viele tunesische Hochschulabsolventen tun dies mangels Perspektive. Er selber war allerdings ein Kind der Arbeiterklasse, ohne Bildung. Vor seinem Selbstmord hatte die Polizei seine Waren muskelspielend beschlagnahmt. Seit seinem Selbstmord kocht die Volksseele auf, die Staatsmacht reagiert nur mit fadenscheinigen Erklärungen und brutaler Repression der Protestierenden.

    “Er wollte die Aufmerksamkeit auf die Situation des Volkes lenken”, sagte hinterher ein Onkel. Tragisch ist es, aber so gelang es ihm. Er legte den Funken an ein Pulverfass: neben weiteren Selbstmorden oder Selbstmordversuchen in diesem sozialen Kontext schwappt jetzt eine Welle von völlig unkontrollierten und völlig berechtigten und spontanen Sozialprotesten nicht nur – dank Internet (so Karim Pakzad, vom l’Institut des relations internationales et stratégiques (IRIS), à Paris) über Tunesien. Demonstrationen, Tote, Verletzte, Polizeirepression, Verhaftungen, und nun gibt es einen Solidaritätstreik der tunesischen Rechtsanwälte.

    Im Nachbarland Algerien gärt der Sozialprotest schon lange und brach auch hin und wieder aus. Die gegenwärtigen “völlig unkontrollierten” Proteste dort gegen Preisexplosionen und Wohnungsnot werden von Beobachtern allerdings in direkte Verbindung mit den tunesischen Ereignissen gebracht: Internet macht es möglich, die algerische Jugend sihet, was die tunesische Jugend macht.

    Andresas Fecke

    Mehr zu Tunesien: TUNESIEN: SELBSTVERBRENNUNGEN GEGEN ARMUT, PROTESTE, POLIZEIGEWALT – Tunisie: tensions pour les adieux à Mohamed Bouazizi, qui s’était immolé par le feu

    Mehr zu Algerien: ALGERIEN: UNFRIEDLICHE PROTESTE GEGEN PREISEXPLOSION – Emeutes à Alger contre la flambée des prix

    Andreas Fecke betreibt das Blog Afrikanews

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    ein Gastartikel von Andreas Fecke Kurz vor unserem Weihnachtsfest verbrannte sich der junge Tunesier Mohamed Bouazizi mit lauten Protestschreien gegen Armut und Arbeitslosigkeit direkt vor dem Gebäude der Präfektur seiner Stadt Sidi Bouzid, etwa 250 km von Tunis entfernt. Mohamed hatte seine zahlreichen Verwandten durch den illegalen Straßenverkauf von Obst und Gemüse ernährt - sehr ...
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    1. Sozialproteste in Tunesien und Algerien » Spiegelfechter
    2. Aufstand in Tunesien | Produktivkraft

    130 Kommentare:

    1. Robert schrieb am 7. Januar 2011 at 16:52 - Permalink

      Der Artikel ist eine schöne Einleitung. Klingt interessant. Wo ist der Rest?

      • andreas_fecke schrieb am 7. Januar 2011 at 18:33 - Permalink

        Der Rest ist in der Wirklichkeit. Diese Dinge passieren genau jetzt, wo wir am PC sitzen und lesen und kommentieren.
        Der Artikel ist kein normaler Spiegelfechterartikel, es gibt keine Hintergrundforschung, mit oder ohne Meinungsbildung. Es ist eine Reportage. Ich habe sie dem Spiegelfechter angeboten, weil sie vielleicht schlecht, aber im wahrsten Sinne des Wortes brandaktuell ist.
        Wie immer werden unsere mainstream-Medien sich des Themas annehmen, sobald Badewannen voll Blut geflossen sind. Ich schätze, in zwei, drei Tagen ist es soweit. Wie immer würde dann eine (für Afrikathemen zumindest mit ein bißchen Personal ausgestattete) Spiegelfechterredaktion hinterher so schnell wie möglich die kritische Berichterstattung, die Hinterfragung, die Ansätze zur Systemkritik liefern.
        Diesmal ist es nicht so. Der Spiegelfechter reportiert mal als erster. Ist das so übel? Der Spiegelfechter meinte: Okay, und danke.

        • Robert schrieb am 8. Januar 2011 at 23:25 - Permalink

          Es ist überhaupt nicht übel! Ich bin ja dankbar darüber zu hören. Aber was ist dein Ziel? Cui bono?

          Einfach nur informieren willst du nicht, denn das hier liest sich nicht wie eine Tickermeldung.

          Aufrütteln zu politischen Aktionen in Deutschland kannst du nicht, da du dafür zu wenig Grund lieferst. Wer ist Schuld? Unsere Regierung? Frankreich? Die EU? Die Regierung vor Ort? Die Menschen vor Ort?

          Wem muss ich zur Seite springen, wenn auch nur durch mein weitererzählen?

          Ich will nicht undankbar erscheinen, aber wenn du verhindern willst, dass die Konzernmedien wieder ihre Story als erstes erzählen, dann musst du anfangen eine eigene Story zu erzählen. Sonst bleiben dem Spiegelfechter wieder nur die Scherben zum aufsammeln.

          • andreas_fecke schrieb am 9. Januar 2011 at 05:02 - Permalink

            50.000 Sofortarbeitsplätze hat die tunesische Wirtschaft vor einigen Stunden versprochen, die Regierung hat regionale Entwicklungsprogramme aufgelegt; in Algerien sind ebenfalls vor ein paar Stunden die Steuern auf 2 Grundnahrungsmittel um 41% gesenkt worden, und weitere Maßnahmen werden eingeleitet.

            Du hast ja recht, und meine Story ist das immer noch nicht, es ist die der tunesischen und algerischen Jugenden. Interessant finde ich sie dennoch allemal, auch für uns: Protest muss nicht wirkungslos bleiben, man kann sich auch mal von Nachbarkändern inspirieren lassen, und die Frage, warum sich vor einer Politikkorrektur erst einer von einem Strommast auf die Kabel werfen muss oder eine Mutter mit drei Kindern auf denselben Mast klettert (und glücklicherweise wieder zu Fuß herunterkommt), diese Frage kann man sich doch ab und zu stellen …

            Aber Deine Kritik akzeptiere ich, es ist halt mal nur News pur gewesen….

            • elwu schrieb am 10. Januar 2011 at 21:43 - Permalink

              Protest muss nicht wirkungslos bleiben

              Ja. Und eines ist absolut sicher: ohne Protest gibt es nie eine Wirkung. Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt.

      • elwu schrieb am 10. Januar 2011 at 21:41 - Permalink

        Wo ist der Rest?

        Hier geht es weiter.

        • andreas_fecke schrieb am 11. Januar 2011 at 08:17 - Permalink

          + Eine kleine Analyse: 9. Maghreb: ein tiefes soziales Elend, ein Mangel an politischen Perspektiven
          PARIS (AFP) – 2011.01.06 03.33
          Die gewaltsamen sozialen Proteste in Algerien und Tunesien zeigen ein tiefgreifendes soziales Unbehagen, vor allem bei jungen Absolventen, verschärft von der wirtschaftlichen Krise und der Abnutzung der politischen Eliten, sagen Experten befragt von AFP.
          …
          Analysten zufolge gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ländern sowie mit den benachbarten Marokko. Ihre Volkswirtschaften sind nicht in der Lage, Möglichkeiten für Jugendliche, oft Hochschulabsolventen, zu schaffen, in den Arbeitsmarkt einzutreten.
          “In diesen drei Ländern gibt es Bemühungen auf dem Gebiet der Bildung, aber wir haben nicht über die Mechanismen der Integration von jungen Absolventen in der Gemeinde nachgedacht, einen Integrationskurs, der die durch die Beschäftigung geht”, sagte Driss Benali, Ökonom, Professor an der Universität Mohammed V in Rabat.
          ….
          Die globale Krise hat diese Schwierigkeiten verschärft, sowie die steigenden Lebensmittelpreise in diesen Ländern, obwohl sie doch vom Staat subventioniert sind. Nach den Ereignissen in Algerien hat die Regierung dafür gesorgt, dass der “Staat wird auch weiterhin die Produkte” Grundbedürfnisse subventionieren.
          “Es gibt viel Arbeitslosigkeit, viele arbeitslose Absolventen und es es dauert schon sehr lange. Die Situation hält sich einigermaßen, solange es Wirtschaftswachstum gibt”, bemerkt Peter Vermeren, Dozent an der Universität Paris I.
          “Darüber hinaus hat die Wirtschaftskrise die Emigration blockiert”, welche war ein Ventil für die Volkswirtschaften in Nordafrika und bot eine Perspektive für einige Absolventen”, bemerkt er.
          Darüber hinaus sagte der Forscher, Algerien und Tunesien sind “zwei Länder mit politischen Systemen in der Krise” mit den beiden Präsidenten, Abdelaziz Bouteflika und Zine El Abidine Ben Ali, die kurz vor dem Ende ihrer Karriere stehen. In Abwesenheit von Ablösungen, “das ist eine politische Situation des Wartens, ohne Perspektive”, sagt er.
          Politische Regime der Maghreb-Länder sind sehr unterschiedlich, aber Tunesien ist bekannt für den Mangel an politischen Freiheiten.
          “In Tunesien demonstrieren sie, weil sie ersticken, das ist nicht nur eine soziale Frage, sondern eine gewaltsame Protest gegen den Betrieb des Systems. Die Regierung Ben Ali und die Familie haben alle potenziellen Ersatz verdrängt. Machtwechsel ist fast ausgeschlossen, die Angst regiert “, sagte Antoine Basbous, der Informationsstelle der arabischen Länder.
          In der Tat, Präsident Ben Ali, der das Land mit eiserner Hand regiert, hat einige Befürchtungen, dass seine Macht von sozialen Verwerfungen bedroht ist, sagen Analysten.
          “In Marokko ist die Situation nicht so geschlossen, da gibt es eine organisierte Opposition. Die jungen Arbeitslosen können für Monate vor der Nationalversammlung in Rabat demonstrieren”, sagte Karim Pakzad, das Institut für Internationale und Strategische Beziehungen (IRIS) in Paris.
          “In Algerien, der FLN (an der Macht) hat die Legitimität der Partei der nationalen Befreiung beibehalten” und “in der Öffentlichkeit, Oppositionsparteien sprechen dürfen”, sagt er.
          Für die drei Länder müssen wir jetzt auch berücksichtigen die Dimension möglicher Ansteckung durch das Internet. “Die Menschen sind den ganzen Tag im Internet, auf Facebook, und Algerier sehen sehr gut, was in Tunesien los geht”, sagt Peter Vermeren, der auch die Rolle von Al-Jazeera in der Verbreitung von Informationen in den Maghreb betont.
          © 2011 AFP

    2. Truvor schrieb am 7. Januar 2011 at 17:17 - Permalink

      Unsere Welt ist so ein Misthaufen :(
      Wenn sich ein Mensch selbstverbrennt, dann geht es ihm offensichtlich tatsächlich Scheiße.
      Eine solche Aktion ist viel mehr als ein Verzweiflungsakt.
      Die Kommunisten werden bald (falls es so weiter geht) zurückkehren, das sage ich Euch Liebe Freunde.
      Die Mächtigen kriegen ihre Rachen nicht voll.

      • Spiegelfechter schrieb am 7. Januar 2011 at 17:25 - Permalink

        Die Kommunisten werden bald (falls es so weiter geht) zurückkehren, das sage ich Euch Liebe Freunde.

        Oder/und die Islamisten. Und dann ist das Geschrei wieder groß :-(

        • Truvor schrieb am 7. Januar 2011 at 19:11 - Permalink

          @ SF

          Die Islamisten, diese finstere Gestalten sind (leider) die Geißel der islamischen Länder.
          Man kann die Kommunisten für vieles, was sie angerichtet haben, kritisieren, aber diese Islamisten sind das schlimmste, was es überhaupt gibt.
          Ich kann mir (z.B.) nicht vorstellen, daß die Islamisten einen tunesischen bzw. algerischen Juri Gagarin ins Weltall bringen könnten.
          Oder, daß unter der Führung dieser finsteren Kreaturen etwas ähnliches zustande käme, wie die Raumstation “MIR”.

          • R_Winter schrieb am 7. Januar 2011 at 20:22 - Permalink

            Ich kann mir (z.B.) nicht vorstellen, daß die Islamisten einen tunesischen bzw. algerischen Juri Gagarin ins Weltall bringen könnten

            Dieser Vergleich hat hier nichts zu suchen und ist als solcher blödsinnig.

            • Truvor schrieb am 7. Januar 2011 at 20:48 - Permalink

              @ R_Winter

              Was findest Du an diesem Vergleich “blödsinnig” ?
              Erkläre das bitte.

            • Axel schrieb am 7. Januar 2011 at 21:25 - Permalink

              Also wenn das hier jemand blödsinnig findet, dann kann er folgendermaßen aufgeklärt werden.

              Der Titel “Wachstumsbremse” ist viel zu harmlos.
              Der Text gibt seht gut die Gründe für die selbstgemachte Armut der Region wieder. Auch Tunesien taucht auf!

            • Dandyboy schrieb am 7. Januar 2011 at 23:29 - Permalink

              @Axel

              Also wenn das hier jemand blödsinnig findet,

              Die Vergleiche sind absolut Blödsinnig.

              Was habe ich von Juri Gagarin? Was hatte und hat das sowjetische Volk von Gagarin? Mehr zum Essen? Mehr Freizeit? Hatte eine grösserer Bevölkerungsanteil ein schnittiges Auto?

              Was habe ich von der MIR? Was hatte und hat das sowjetische Volk von der MIR? Mehr zum Essen? Keine radioaktive Kontaminierung rund um Tschernobyl? Bessere Zustände in den sowjetischen Weisenheimen?

              Die bösen bösen Islamisten haben übrigens keine grösseren Landstriche radioaktiv verstrahlt. Keine Proteste mit den Panzer niedergerollt. Und nicht beinahe einen Atomkrieg über Vorfälle wie die Kubakrise provoziert.

              dann kann er folgendermaßen aufgeklärt werden:
              http://www.bilanz.ch/edition/artikel.asp?Session=89B5C1C1-7E29-4EF2-BE99-E80EE206D1D4&AssetID=7824

              Selten so einen plump Meinungs machenden Dreck gelesen.

            • Daniel Baulig schrieb am 8. Januar 2011 at 07:52 - Permalink

              @Alex

              The last chapter in any successful genocide is the one in which the oppressor can remove their hands and say, “My God, what are these people doing to themselves?”

              Aaron Huey, America’s native prisoners of war, TEDxDU 2010

            • Axel schrieb am 8. Januar 2011 at 11:47 - Permalink

              Es ist mir persönlich vollkommen einsichtig das der “spirituelle” Überbau einer Gesellschaft selbstverständlich die Menschen in ihrer Lebensweise in ihrem Verhältnis zu Bildung und “Wirtschaften” beeinflußt.

              Ich vermute das in China Konfuzius großen Einfluß hat.

              Max Weber hat versucht, den Zusammenhang zwischen Protestantismus und Herausbildung des Kapitalismus (weniger negativ konnotiert das Wirtschaftsmodell das letztlich moderne Technik hervorbringt) darzustellen. Die Japaner waren in der Lage, dieses Modell zu übernehmen.

              Wer Max Weber unbedingt für einen Märchenerzähler halten muß weil er sich nicht Karl Marx unterworfen hat, dem werden solche Zusammenhänge freilich grundsätzlich verschlossen bleiben.

              Eine rigide Religion wird natürlich die freie Entfaltung des Individuums und damit auch “modernes” wirtschaften verhindern.

              Wenn das Öl alle ist werden die Probleme erst richtig akut werden. Dann hat ein Großteil der islamischen Welt keine Einnahmen mehr und keine Alternativen entwickelt. Das wird dann nicht nur unangenehm für diese Länder.

            • Systemfrager schrieb am 8. Januar 2011 at 13:50 - Permalink

              @ Axel

              Wer Max Weber unbedingt für einen Märchenerzähler halten muß weil er sich nicht Karl Marx unterworfen hat, dem werden solche Zusammenhänge freilich grundsätzlich verschlossen bleiben.

              Axel, du hast wirklich keinen blassen Schimmer. Weber hat die Marxsche Akkumulationstheorie – die völlig falsch ist (!!!!!) – in die Religion eingekleidet. Das war alles.
              Folglich hat Weber behauptet, die östlichen Kulturen würden gerade deshalb nie Industrie aufbauen können, weil ihnen die protestantische Ethik fehle.
              Ja, Pech gehabt – der große Dampfplauderer.

            • Schweigsam schrieb am 8. Januar 2011 at 23:35 - Permalink

              Den kann ich nur zustimmen!
              Vielleicht werden die “Islamisten” sein die den ersten Menschen auf dem Mars bringen werden;-)

          • gebintit schrieb am 7. Januar 2011 at 21:56 - Permalink

            Der Artikel, auf den Axel verlinkt hat, ist wirklich lesenswert. Daraus zu Tunesien:
            “Beispiel Tunesien: 10 Millionen Einwohner, 26,8 Prozent Analphabeten. 2003 wurden 1383 Bücher produziert, der Löwenanteil davon waren Kinder- und Schulbücher. Zwischen 2004 und 2008 wurde kein einziger deutschsprachiger Titel in Lizenz übersetzt.”
            Die Verweigerung einer geistigen Öffnung, eines Diskurses, mag nicht der einzige Grund für die wirtschaftliche Stagnation (bei gleichzeitiger Bevölkerungsexplosion) sein, ein gewichtiger ist es aber auch aus meiner Sicht. Eine interessante Rolle fällt bei diesen Rahmenbedingungen dem Internet zu und hier spielt sich ja im Moment, wie AL JAZEERA berichtet, ein geradezu bizarrer Krieg zwischen Zensoren und “Cyber-Rebellen” ab.

            • Dandyboy schrieb am 7. Januar 2011 at 23:44 - Permalink

              @gebenit

              “Beispiel Tunesien: 10 Millionen Einwohner, 26,8 Prozent Analphabeten. 2003 wurden 1383 Bücher produziert, der Löwenanteil davon waren Kinder- und Schulbücher. Zwischen 2004 und 2008 wurde kein einziger deutschsprachiger Titel in Lizenz übersetzt.”

              Das soll aussagekräftig sein? Nimm mal den christlichen Kongo als Vergleich. Oder das christliche Haiti. Oder das christliche etc.

              Was wollen die mit deutschsprachigen Büchern?
              Die Schulabgänger können eigentlich alle fließend arabisch und fließend französisch.
              Einige können noch deutsch oder englisch.
              Glaubst Du etwa, dass irgendein Buch, welches für Tunesien von Interesse sein könnte, nicht schon in Frankreich aus dem Deutschen in Französische übersetzt wurde?
              Warum soll also ein Land mit 10 Millionen Einwohnern Bücher ins Französische übersetzen, die schon längst in Frankreich ins Französische übersetzt wurden?

            • gebintit schrieb am 8. Januar 2011 at 00:30 - Permalink

              @Dandyboy
              Lies den ganzen Artikel!

              Nimm mal den christlichen Kongo als Vergleich. Oder das christliche Haiti. Oder das christliche etc.

              Ich habe nie behauptet, dass die Welt so einfach zu erklären ist. Im Gegensatz zu Haiti oder dem Kongo haben aber islamische Länder wie Iran, Irak oder Ägypten eine extrem lange und stolze urbane Geschichte. Unbestritten waren diese Gegenden über Jahrhunderte führende kulturelle Innovationszentren. Dann kam der Bruch und die große Stagnation begann, der Okzident überholte den Orient und die spannende Frage ist: warum? Die geringe und langsame Verbreitung des Buchdrucks im Orient war mir neu und kann natürlich selbst schon mehr Symptom als Ursache sein. Der Koran ist sicher auch nicht DIE Ursache, sondern das ängstliche, extrem konservative und intolerante Festhalten an althergebrachten Traditionen.

            • Truvor schrieb am 8. Januar 2011 at 00:48 - Permalink

              @ Dandyboy

              “Was habe ich von Juri Gagarin ?”

              Ach Gott, hättest Du nur ein Bruchteil des Intellekts von Gagarin, dann hättest Du was von ihm.

              “Was hatte und hat das sowjetische Volk von Gagarin ?”

              Ich weiß nicht, was “das sowjetische Volk” von Gagarin hat (existiert “das sowjetische Volk” Deiner Meinung nach, immer noch ? Na ja, Du mußt es besser wissen, Du scheinst hier ein “großer Kenner” des sowjetischen Volkes zu sein), aber ich kann Dir genau sagen, was “das sowjetische Volk” von Gagarin hatte: Gagarin verkörperte Fortschritt, Hoffnung in die Zukunft und vieles, vieles mehr …..

              “Mehr zum Essen ?”

              Hast Du tatsächlich nichts kapiert ?
              Und Du redest hier von “blödsinnig” ?

              “Was habe ich von der MIR ?”

              Nichts, diese Stufe ist leider viel zu hoch für Dich.

            • Truvor schrieb am 9. Januar 2011 at 01:44 - Permalink

              @ Schweigsam

              “Vielleicht werden die “Islamisten” sein die den ersten Menschen auf dem Mars bringen werden;-)”

              Bestünde es die Möglichkeit all diese “Islamisten”, “Nazis” und andere Schweine zum Mars zu verfrachten, dann hätte ich höchstpersönlich ein Raumschiff für sie entwickelt.

        • max motzke schrieb am 8. Januar 2011 at 11:41 - Permalink

          @Spiegelfechter

          schade,
          wollte grade ein fettes Lob dalassen, dass mal ein Artikel ohne die Worte Islamist, Atombombe und Terrorismus geschrieben wurde. Aber hier gilt das Motto: Wer am meisten Wohlstand verspricht und Alles zusammenraubt, der ist mein guter König. Ach, und wo bleibt da der Mensch als Mensch?

        • elwu schrieb am 10. Januar 2011 at 21:46 - Permalink

          Na geh, Kommunisten, Islamisten, Faschisten… Ist doch im Grunde alles dasselbe inhumane Geschmeiß, es variieren nur die Farbschattierungen.

          • Truvor schrieb am 10. Januar 2011 at 22:48 - Permalink

            @ elwu

            “Ist doch im Grunde alles dasselbe inhumane Geschmeiß, …… ”

            Wo hast Du denn das humane gesehen ?
            Wir reden hier doch nicht von einem Kloster.

            “Na geh, Kommunisten, Islamisten, Faschisten …… , es variieren nur die Farbschattierungen.”

            Woher hast Du das, aus Wikipedia ? ;-)

      • Dandyboy schrieb am 7. Januar 2011 at 20:12 - Permalink

        Apropos Kommunismus:

        http://www.spiegel.de/spam/0,1518,738171,00.html

        :-)

        Das man sowas noch mal im Spiegel lesen darf. Vielleicht sollte ich ihn doch mal wieder kaufen.

        • Truvor schrieb am 7. Januar 2011 at 20:57 - Permalink

          @ Dandyboy

          Hat mir auch gefallen :-)

          • TutnichtszurSache schrieb am 8. Januar 2011 at 12:42 - Permalink

            du weißt aber schon, dass Gagarin ein kleiner Bauernjunge und nie im Kosmos war, oder?

        • e schrieb am 7. Januar 2011 at 22:35 - Permalink

          excellent …

          vielleicht hat das ehemalige nachrichtenmagazin ja doch noch eine zukunft.
          als titanik2 ;)

      • carlo schrieb am 9. Januar 2011 at 00:44 - Permalink

        Hei, Truvor, ich hab mir grad mal das ganze Elend angesehen…..

        Alle links sind Mist…………eine Beleidung der Roten Armee, weil, mal so gefragt, wer hat den Deutschen denn überhaupt Demokratie beigebracht? Übrigens diese Finnischen Äffchen übersehe bitte, mir ging das genauso………….

      • carlo schrieb am 9. Januar 2011 at 01:10 - Permalink

        Truvor hat recht…..

    3. Lazarus09 schrieb am 7. Januar 2011 at 17:26 - Permalink

      Ja … der gewuenschte Zustand fuer Deutschland oder gar Weltweit ?

      Und wer da glaubt ein Kreuz auf dem Stimmzettel wuerde Besserung bringen der irrt…warum sollte das Kapital diese himmlischen und fuer es so ertraeglichen Umstaende aendern..des sozialen Friedens Willen.?

      Ich habe nun bewust uebertrieben denn vor 20 Jahren haette man da den Kopf geschuttelt um die Bananenrepublik im Ausland mit dem Verweis : Sooooo was gaebe es bei uns nicht … nieeeeeeeeeeeemals.

      Frage .. Wie weit sind wir von diesen so assozialen Zustande wie in Tunesien und Algerien entfernt ? Jetzt nicht sooo weit wegwerfen .. Ich kenn noch das “Chef mehr Geld oder ich gehe zu einem anderen”… Steuerfrei Weihnachts und Urlaubsgeld , freies oder saubilliges Kantinen Essen, Sozialleistungen u.s.w. wenn ich das heut erzaehle staunen die Jungen da ist schon Gewoehnung eingetreten das es dass nicht gibt .. PROBEARBEITEN …??!! Da haett’ jeder in den 70′ gelacht wenn nicht dem Affen eine auf’s Maul in Aussicht gestellt !

      Heute akzeptanz … also … wie weit ist Deutschland von Tunesien weg ?? Und nicht in KM ;-)

      • landbewohner schrieb am 7. Januar 2011 at 18:07 - Permalink

        stimmt, seit den 70ern sind die einkommen ständig gesunken, jeder hats gesehen, aber kaum einer hat sich gewehrt.
        weiß noch, wies war, als die von den schon damals systemtragenden gewerkschaften tariflöhne gefordert wurden, die unter den tatsächlich gezahlten lagen.
        damals fand ichs abartig – heute makaber. und ich verstehe bis heute nicht, wie man menschen dahin bringen kann, sich selbst zu enteignen.
        und – leider – ich glaub die gratisarbeit wird auch demnächst auch noch als wohltätigkeit ins bewusstsein der blöden masse eingeimpft werden.
        die zukunft ist rabenschwarz!!!

        • Truvor schrieb am 10. Januar 2011 at 03:53 - Permalink

          @ Lazarus09 & @ landbewohner

          Wäre Ost-Europa bzw. Ost-Block (unter der Führung der Sowjetunion) heute noch kommunistisch, dann wären die Einkommen und der Lebensstandart im Westen immer noch hoch.

      • frank schrieb am 7. Januar 2011 at 18:23 - Permalink

        Wie weit? Ungefähr in der Mitte liegen Spanien, Italien und Frankreich, weiter östlich Griechenland. Es gärt zunehmend auch in Europa, neuerdings sogar wieder in England, seit der Zerschlagung der Gewerkschaften durch Thatcher eigentlich unvorstellbar…

        • Lazarus09 schrieb am 7. Januar 2011 at 18:36 - Permalink

          Yep … hier in UK werden sie langsam sauer :-)

          • frank schrieb am 7. Januar 2011 at 20:03 - Permalink

            Sturm auf die konservative Parteizentrale, das hat ja auch einen echten Symbolwert…

          • Bile schrieb am 8. Januar 2011 at 16:34 - Permalink

            Let’s Play A Game: Anarchist Or Photo Op?

            http://www.techdirt.com/articles/20101113/01213611842/let-s-play-a-game-anarchist-or-photo-op.shtml

    4. Systemfrager schrieb am 7. Januar 2011 at 17:48 - Permalink

      H. H. von Arnim
      Das System

      Jeder Deutsche hat die Freiheit, Gesetzen zu gehorchen, denen er niemals zugestimmt hat; er darf die Erhabenheit des Grundgesetzes bewundern, dessen Geltung er nie legitimiert hat, er ist frei, Politikern zu huldigen, die kein Bürger je gewählt hat, und sie üppig zu versorgen – mit seinen Steuergeldern, über deren Verwendung er niemals befragt wurde.

    5. R_Winter schrieb am 7. Januar 2011 at 17:58 - Permalink

      Was ist neu gegenüber dem Stand vor 20 Jahren? Nichts.
      Ali konnte in Tunesien schon immer nur mit schußsicheren Westen auftreten und sah damit immer wie ein Schwerathlet aus. Früher gab es Brotaufstände, die mit Panzern niedergewalzt wurden.
      In Tunesien und Marokko bestehen bis zu sechs sich gegenseitig kontrollierende Geheimdienste, die jeden Widerstand im Keim ersticken.
      Die Raten der jungen Menschen unter 25 Jahren mit sehr guter Ausbildung war schon immer hoch und eine Perspektive hatten sie nie. Vor 20 Jahren wurden die Länder auf Grund des niedrigen Lohnniveau von Lohnarbeit überschwemmt. Die Länder haben verfügt, dass jeder Betrieb Universitätsabsolventen einzustellen habe, aber es gibt einfach keine entsprechenden Jobs. Wir haben die Auftrag-geben Betriebe in Westeuropa vorsätzlich mit Zustimmung der Politik durch die Banken vernichten lassen.
      Der Kommunismus ist in diesen Ländern keine Alternative, jedoch der Islamismus und er war es immer. Der Islamismus in seiner extrem. menschenverachtender Form wird zunehmen, zumal wir diesen Ländern keine wirtschaftliche Perspektiven geben und glauben, dass wir mit Sperrwällen das Überschappen nach Europa verhindern können.
      Über WAS reden wir eigentlich?

      • andreas_fecke schrieb am 7. Januar 2011 at 18:38 - Permalink

        Darüber. Und Danke. Kleiner Einsatz, große Wirkung, eine Flanke, ein Tor.

      • carlo schrieb am 8. Januar 2011 at 05:08 - Permalink

        Abwarten! Auch Moslems können gute Kommunisten sein.

    6. Lazarus09 schrieb am 7. Januar 2011 at 18:08 - Permalink

      Bei Betrachtung auf deren Umstaende nichts …. bei Betrachtung auf die Umstaende in Deutschland und den anderen Industrienationen faellt einem schon was auf…..so im Vergleich….oder ?

    7. Schierke-Nee-Sama schrieb am 7. Januar 2011 at 19:50 - Permalink

      Die toben sich nur aus.
      Aber auch wenn sich die politischen Verhältnisse dort ändern sollten, bedeutet dies für diese Länder längst keinen größeren Wohlstand.

      Auch wenn diese Leute über ihr Handeln groß nachdenken, so hoffe ich doch ist ihnen das zumindest bewusst.

    8. Yoshi schrieb am 7. Januar 2011 at 19:50 - Permalink

      Ein etwas längerer Artikel von Al Jazeera, Tunisia’s bitter cyberwar.

    9. Heldentasse schrieb am 7. Januar 2011 at 19:58 - Permalink

      @Andreas Fecke

      Vielen Dank für diesen rudimentären Artikel, er lenkt auch ein Augenmerk auf eine verfehlte EU Politik der Ausgrenzung von Menschen in großer Not, manche sprechen sogar von einem europäischen Krieg gegen Flüchtlinge.

      Diese Menschen wehren sich, was in der Natur der Sache liegt. Aufhalten kann man aber Menschen auch mit Gewalt auf Dauer nicht. Darum sollte auch dem größten Egoisten (Kapitalisten) in D-Land daran gelegen sein, dass die Völker Afrikas einen Lebensstandard erreichen, der zumindest die Grundbedürfnisse abdeckt.

      Ich bin mir aber fast ganz sicher, dass mein Wunsch nicht in Erfüllung geht, u.a. auch deshalb weil wir um unsere eigenen relativ marginalen Probleme kreisen, wie die Motten ums Licht.

      • andreas_fecke schrieb am 7. Januar 2011 at 20:31 - Permalink

        Danke für das Kompliment. Ich kann diese ganzen Diskussionen leider nicht mehr mitmachen, mein Artikel war auch nur als verspäteter Sylvesterböller gedacht. Knall, es scheint zu funktionieren.
        Dir - wir kennen uns überhaupt nicht -gilt mein Dank für “weil wir um unsere eigenen relativ marginalen Probleme kreisen, wie die Motten ums Licht”. Das ganz große Problem, ausgedrückt mit einer ganz kleinen Metapher, die ich seit Jahren suche, und nun hier finde.
        Gutes Neues, Andreas

        • gebintit schrieb am 7. Januar 2011 at 21:38 - Permalink

          Sylvesterböller, so so.
          Hauptsache Anstoß für eine Diskussion?
          Man könnte das noch weiter verkürzen, z.B. nur noch eine Schlagzeile: Tunesier verbrennt sich aus Verzweiflung! Ist der Westen schuld?

          Wer ein bisschen Englisch kann, dem sei z.B. AL JAZEERA nahe gelegt, Feedadresse: http://english.aljazeera.net/Services/Rss/?PostingId=2007731105943979989

          Da gibt es ein bisschen mehr als einen Böller ;-)

      • Dandyboy schrieb am 7. Januar 2011 at 20:40 - Permalink

        @Heldentasse

        er lenkt auch ein Augenmerk auf eine verfehlte EU Politik der Ausgrenzung von Menschen in großer Not

        Würde sich irgendetwas in Tunesien zum Besseren verändern, wenn die leistungsfähigen, starken und intelligenten Menschen alle nach Europa auswanderten?
        Wie hätte sich Deutschland entwickelt, wenn in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die treibenden Kräfte der Arbeiterbewegung den leichteren und egoistischen Weg gewählt, sich nicht für eine Verbesserung der Verhältnisse in Deutschland eingesetzt hätten und stattdessen alle ausgewandert wären?

        Würde es Dir und mir dann so gut gehen, wie es uns relativ betrachtet geht?

        Nehmen nicht Menschen unseres Volkes bis zum heutigen Tag viele Nachteile in Kauf, nur um aus altruistischer Motivation diesem Land zu helfen und die Lebensbedingungen für unser Volk zu verbessern?
        z.B. Peter Grotian

        • Dandyboy schrieb am 8. Januar 2011 at 00:03 - Permalink

          Deswegen ist die strikte Einwanderungs- und Grenzpolitik der EU zu begrüssen.
          Menschen, die anstatt zu versuchen, ihr Land voranzubringen, den egoistischen Weg gehen und in den Westen auswandern, lösen bei mir keine Begeisterungsstürme aus.

          • Truvor schrieb am 8. Januar 2011 at 01:00 - Permalink

            @ Dandyboy

            Ich bin zwar von Natur kein Böser Mensch, aber Dir persönlich wünsche ich mal in die Lage dieser Menschen zu geraten.
            Die Menschen verbrennen sich selbst nicht einfach so.

          • Schweigsam schrieb am 9. Januar 2011 at 09:56 - Permalink

            Also Dandyboy, was du da schreibst ist menschenverachtend und realitätsfern.
            Geh lieber noch ein bisschen spielen.

          • Systemfrager schrieb am 9. Januar 2011 at 10:38 - Permalink

            @ Dandyboy
            Meine volle Zustimmung

            Gott schütze uns vor den Gutmenschen, vor den schlechten können wir uns selbst schützen ;-)

    10. Dr. Kimble schrieb am 7. Januar 2011 at 20:09 - Permalink

      Andreas ich glaub dir das jetzt einfach mal. Tunesien ist bis jetzt für mich nur ein billiges Urlaubsland. Was ich davon weiss, ist , dass das es da nur Hühnchen mit Reis gibt. So ne Sch… direkt vor der europäischen Haustür und ich hatte nicht mal den blassesten Schimmer was da los ist. Ich schäme mich deswegen. Und die Medien hoaxen uns mit Grenzwertüberschreitungen von Dioxin in Hühnereiern zu.

      • Dandyboy schrieb am 7. Januar 2011 at 20:15 - Permalink

        hey Kimble,
        freut mich von Dir zu hören.
        Hast Dir jetzt in Australien neben deiner geilen Villa, um die ich Dich sehr beneide, auch einen Doktortitel gekauft?

        Grüsse

        Dandyboy

        PS: Kann ich dich mal in deiner Villa in Australien besuchen? Hab mit ein paar in Australien wohnenden Personen noch eine Rechnung offen. Bräuchte eine Bleibe, von der ich agieren könnte.

        • Dandyboy schrieb am 7. Januar 2011 at 20:17 - Permalink

          Fuck, deine Villa ist ja gar nicht in Australien.

          • Dr. Kimble schrieb am 7. Januar 2011 at 20:55 - Permalink

            Fress mehr Hühnereier!! m(

            • Dandyboy schrieb am 7. Januar 2011 at 22:28 - Permalink

              Fress mehr Hühnereier!! m(

              Die mit Dioxin oder die ohne?

      • andreas_fecke schrieb am 12. Januar 2011 at 12:18 - Permalink

        Wie nah ist Tunesien? Ungeachtet der Kommentare von Dandyboy und unbekannterweise will ich als der obige Gastautor abschließend Deinem Kommentar noch mal respektvoll antworten:

        Ich denke nicht, dass man sich dafür schämen muss, mal einen Urlaub a la billig + Buffet + Sonne + Strand gebucht zu haben. Ich habe auch mal an so etwas gedacht, die Reiseprospekte durchgesehen, und (ich spreche französisch) sofort Tunesien im Visier gehabt.

        Solange solcher Tourismus nichts kaputtmacht (siehe Mallorca), im kleinen Tunesien macht er das nicht, sondern schafft auch als arbeitsintensive Wirtschaft zwar “nur” Billig- aber immerhin viele Arbeitsplätze, solange sollte er trotz aller globalen Wohlstandsgefälle nicht nur den Reichen möglich sein.
        Das ist kein Grund zur Scham.

        Dennoch gibt es hier aktuell wieder mal ein Beispiel dafür, was alles sich hinter Kulissen verbergen kann, und nicht nur das: jeder Bangkok-Sextourist kennt die Landessituation ziemlich gut, schämen würde er sich trotzdem nicht. Warum? Er ist schlechter als Du und ich? Nein, es ist weit weg.

        Und da kommt die Frage der Nähe ins Spiel. Die allein erklärt auch nur, warum gestern bei google-news.de fast 300 Artikel verzeichnet wurden, bezeichnenderweise keiner über Algerien, alle über Tunesien: Tourismusindustrie + Immigrationsängste, das ist ein Thema.

        Als Afrikabeobachter stelle ich da die Frage: Wieso ist Tunesien jetzt so nah, und die nur etwas südlicher gelegene Sahelzone, insbesondere der Niger, so unendlich fern?

        Ich habe dem Spiegelfechter für Mitte Februar einen guten Hintergrundartikel versprochen,
        bis dahin, …..

        • R_Winter schrieb am 12. Januar 2011 at 12:49 - Permalink

          ….Als Afrikabeobachter stelle ich da die Frage: Wieso ist Tunesien jetzt so nah, und die nur etwas südlicher gelegene Sahelzone, insbesondere der Niger, so unendlich fern?

          Tunesien ist so nah, denn es ist europäisch geprägt wie kein anderes Land in Afrika.
          Du brauchst kein französisch zu sprechen in den Städten und an der Küste.
          Deutsch wird fast überall verstanden und um die ländlichen Gebiete zu erschließen, bedarf es arabisch. Das Problem von Nordafrika ist das gleiche Problem vom dem Rest in Afrika: Wir verstehen die Menschen nicht.

    11. Sebastianus schrieb am 8. Januar 2011 at 02:08 - Permalink

      Zum Phänomen weltweiter sozialer Proteste muss auf diese interesannte arte-Reportage hingewiesen werden. Sie versucht einen Zusammenhang zwischen ökonomischer Globalisierung und globalen Protest darzulegen:

      http://le-bohemien.net/2010/12/22/fur-eine-andere-welt/

      Grüsse, Sebastian

      • carlo schrieb am 8. Januar 2011 at 05:14 - Permalink

        @Sebastianus
        Danke, ein sehr guter Tip!

      • Andy schrieb am 9. Januar 2011 at 13:26 - Permalink

        Auch von mir ein Danke. Ich habe diese Doku bis jetzt nie gesehen, hätte sie fast vergessen.

    12. name schrieb am 8. Januar 2011 at 06:50 - Permalink

      Danke für den Artikel. Die äußeren und inneren Speckgürtel der kapitalistischen Kernimperien und Kernmetropolen tragen genau das Gesicht, wie es sich in Tunesien zeigt.

      Im Imperium Europa sind die Zustände sehr ähnlich:

      http://www.funkhauseuropa.de/vielfalt/serien/2011/jugendarbeitslosigkeit/jugendarbeitslosigkeit_in_europa.phtml

      Und ja, das kapitalistische Wirtschaftsmodell hat abgewirtschaftet, global, lokal, und national: Dauerspekulation und Dauerkrieg waren die einzig tragenden Pfeiler dieser Form der Ökonomie in den letzten 20 Jahren.

      • Systemfrager schrieb am 8. Januar 2011 at 10:52 - Permalink

        Das kapitalistische Wirtschaftsmodell hat abgewirtschaftet, global, lokal, und national: Dauerspekulation und Dauerkrieg waren die einzig tragenden Pfeiler dieser Form der Ökonomie in den letzten 20 Jahren.

        Sehr richtig gesagt. Unsere rafgierigen, rücksichtslosen und räuberischen “Eliten” werden aber nicht aufhören, bis man ihnen den Widerstand nicht leistet.

        • lemmy cookiemonster schrieb am 8. Januar 2011 at 12:33 - Permalink

          Sehr richtig!
          Das wirkliche Ausmaß der Verschwörung wird vom Blogger Fidel Castro erfasst, dessen Reflexiones von den bürgerlichen Medien todgeschwiegen werden. Hier eine Passage (das ist die offizielle Übersetzung)
          http://www.cuba.cu/gobierno/reflexiones/2010/ale/f170810a.html

          kleine Leseprobe:

          Estulin beginnt bei den Wurzeln:

          „‘Zwei aufeinander folgende Sonntage, etwas nie Dagewesenes, sahen über fünfundsiebzig Millionen US-Amerikaner im Programm von Ed Sullivan, – so erzählt uns Donald Phau in The Satanic Roots of Rock – wie die Beatles ihre Köpfe hin und herschwenkten und das Skelett in solch einem Ritual bewegten, der bald von hunderten zukünftiger Rockgruppen imitiert werden sollte’.”

          „Der damit beauftragte Mann, den US-Amerikanern die Beatles ‘schmackhaft’ zu machen, war derselbe Walter Lippmann. The Beatles, die am meisten parodierte und als Remix nachgemachte Gruppe der Musikgeschichte, wurden dem US-amerikanischen Publikum vorgestellt, um entdeckt zu werden.”

          „Theo Adorno kommt ins Spiel“, so lautet eine der ersten Überschriften. „Die Verantwortung, eine soziale Theorie des Rock and Roll auszuarbeiten, fiel auf den deutschen Soziologen, Musikwissenschaftler und Komponisten Theodor Adorno, ‘einer der wichtigsten Philosophen der Frankfurter Schule, d.h. des Instituts für Sozialforschung… ’ Adorno wurde 1939 in die Vereinigten Staaten geschickt, um das Rundfunkforschungsprojekt von Princeton zu leiten, eine gemeinsame Unternehmung des Instituts Tavistock und der Frankfurter Schule mit dem Ziel, die Massen zu kontrollieren, welche von der Rockefeller-Stiftung finanziert und von Hadley Cantril, einem engen Vertrauten von David Rockefeller, gegründet wurde…“

          „De facto hatten die Nazis schon intensiv die Rundfunkpropaganda als Instrument zur Gehirnwäsche genutzt und sie in einen integralen Bestandteil des faschistischen Staates verwandelt. Diese Tatsache wurde vom Tavistock-Netzwerk beobachtet und untersucht und extensiv bei dessen eigenen Experimenten verwendet. Die Zielstellung dieses Projekts bestand darin, wie es in der Einführung in die Soziologie der Musik von Adorno selbst zum Ausdruck gebracht wird, «eine Massen‘musik’kultur zu programmieren, und zwar als Art und Weise der massiven sozialen Kontrolle…“
          usw.

          • name schrieb am 8. Januar 2011 at 12:58 - Permalink

            Dein Versuch Castro zu diskredieren zu wollen, ist neben deiner entstellenden Godardfigurkopie hier ja bekannt, nur Lemmy, die CIA hat tatsächlich den westdeutschen Kulturbetrieb ideologisch geprägt, finanziert und bestimmt, ganz gleichgültig, ob du das geistig erfassen willst, oder nicht.

            http://de.wikipedia.org/wiki/Kongress_f%C3%BCr_kulturelle_Freiheit

            Alles seit Jahren bekannt, wie, von wem und woher diese linksintellektuellen Leuchten mit geistiger “Nahrung” gefüttert wurden.

            Im übrigen liegst Du falsch Lemmy, daß die bürgerlichen Medien dieses Thema nicht aufgegriffen hätten: im Gegensteil, im Überschwang des eigenen Sieges, haben sich die beteiligten Organisiatoren und CIA Offiziere sogar prallend vor die Kameras gewagt, und als kulturelle antikommunistische Masterleistung, liefen diese Eingeständnisse und Bekenntnisse sogar im tiefschwarzen ZDF.

            http://www.arbeiterfotografie.com/medien/2006-11-29-cia-fuer-die-freiheit.html

        • frank schrieb am 8. Januar 2011 at 13:39 - Permalink

          Sorry Systemfrager, aber der war einfach zu gut: “rafgierig”…

          … gierig auf die Rote Armee Fraktion oder Royal Air Force? Sorry wie gesagt…

          Aber mal im Ernst: Wenn Du mich fragst, ich weiß Du tust das nicht, solltest Du Deine Wut auf das System mal ein wenig von der persönlichen Ebene runterholen und Dir das System, das nun mal auf Profit basiert, in Ruhe ansehen. Und Du wirst merken, daß alle nur ihre Rolle spielen. Und genau das ist das wirkliche Problem, von der hilflose Anklagen angeblicher “Raffgier” und “Rücksichtslosigkeit” nur ablenken: Du wirst Dir die Rücksicht der Eliten nie erbetteln, System und Umstände geben es nicht her.

          (Daß das vor 30 oder 40 Jahren zweitweise mal anders gewesen zu sein scheint im gleichen System, ist den Zeitumständen geschuldet, die aber nicht wiederherstellbar sind.)

          Also runter von der persönlichen Ebene. Sorry.

          • Systemfrager schrieb am 8. Januar 2011 at 13:57 - Permalink

            @ frank

            Wenn Du Systemfrager … mal ein wenig von der persönlichen Ebene runterholen und Dir das System, das nun mal auf Profit basiert, in Ruhe ansehen. Und Du wirst merken, daß alle nur ihre Rolle spielen. Und genau das ist das wirkliche Problem, …

            Genau so ist es. 100% zustimmun. Aber vorsicht!!!!!!

            Ja, unsere “Eliten” sind raffgierig, rücksichtlos und räuberisch, wei das System so ist. Aber nur deshalb ist es nicht falsch zu sagen, dass
            unsere “Eliten” raffgierig, rücksichtlos und räuberisch sind
            Du wirst mir jetzt nicht widersprechen – würde ich sagen

            (Ja, ein System, in dem sogar Teufel nichts falsches machen würden – du verstehst mich: Kant – ist unser Ziel. Ja, ich arbeite daran, würdest du es auch tun, dann erhöht sich dei Wahrscheinlichkeit, dass es gelingt ;-)

            PS
            Seltsam, warum ich noch nie deine Seite geöffnet habe ?????

            • frank schrieb am 8. Januar 2011 at 15:09 - Permalink

              Doch, ich widerspreche Dir insofern, als ich nicht glaube, das Raffgier das Problem ist. Eine sinnvolle, rationale Wirtschaftsordnung, in der statt des Profit- das Bedürfnisprinzip die erste Geige spielte, würde aus meiner Sicht vieles ändern.

          • Linus schrieb am 8. Januar 2011 at 15:46 - Permalink

            Nebenbemerkung zu den raffgierigen Eliten: Die griffige Kurzform ist

            Raffaeliten

        • Shitop schrieb am 9. Januar 2011 at 19:26 - Permalink

          Unsere rafgierigen, rücksichtslosen und räuberischen “Eliten”

          rafgierig ist ein schöner Typo.

    13. Mustafa Durmaz schrieb am 8. Januar 2011 at 15:05 - Permalink

      Weil es gerade aktuell ist, ein frage an alle :
      Was meint ihr? wie lange es dauert bis die Eier & Hühner aus Deutschem lande in Afrika landen??

      • Lazarus09 schrieb am 8. Januar 2011 at 17:02 - Permalink

        Gar nicht …. die kommen stillschweigend nach dieversen Aus und Einfuhren sowie Umdeklarierungen in die verarbeitende Industrie.

        Man erinnere an die sieben Huehnchen die wirklich in den Nudeln waren :-),Gammelfleisch ect die Liste ist unendlich lang .. besonders die, der Karavanen von LKW die nur wegen Subventionen unsere Lebensmittel durch ganz Europa fahren,…..
        wer glaubt den den Scheiss in der Werbung … Handverlesene Zutaten Muuuhaaahaaaaa :-D

        Und wer glaubt das nur beste Zutaten zu Tueten und Buechsenfrass verarbeitet werden der sollte sich ausstopfen lassen ;-)

      • R_Winter schrieb am 8. Januar 2011 at 18:51 - Permalink

        Meines Wissens werden unverkäuflich Hühnerteile (Köpfe, Pfoten, Innereien) schon seit Jahren nach Afrika exportiert und auf den Märkten verkauft.
        Wahrscheinlich sind die Dioxin belasten Hühnerteile lange in Afrika.
        Die Länder in Europa und einige andere Länder haben den Import von deutschen Fleisch bereits gestoppt. und es ist auch gut so, denn wir sollen unseren Mist selber konsumieren.
        Ich hoffe, in den Kantinen des Bundestag, der Landtage und der verantwortlichen Behörden-Kantinen gibt es in den nächsten Monaten das belastete Fleisch als Vorspeise, im Salat und als Hauptgericht – so können wir wenigstens Pensionszahlungen einsparen.

        • Lazarus09 schrieb am 8. Januar 2011 at 19:28 - Permalink

          Da die Belastung zwar oberhalb des Hysterielevels aber unterhalb dessen was den Steuerzahler von der Pensionszahlung entbinden würde liegt ….wird’s nix mit sparen :-(

        • Heldentasse schrieb am 9. Januar 2011 at 11:56 - Permalink

          Meines Wissens werden unverkäuflich Hühnerteile (Köpfe, Pfoten, Innereien) schon seit Jahren nach Afrika exportiert und auf den Märkten verkauft.
          Wahrscheinlich sind die Dioxin belasten Hühnerteile lange in Afrika.

          Unabhängig von dieser unappetitlichen Möglichkeit gilt als gesichert, dass die EU mit ihren Geflügelexporten die dortigen Märkte massiv schädigt!

          Die EU-Geflügelexporte nach Westafrika wachsen nach Medienberichten weiterhin massiv an. Vor Ort schädigen die Dupmingexporte die Geflügelmärkte der Importländer und führen zur Ausweitung des Fleischschmuggels. Der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) in Bonn fordert von der EU eine Exportregulierung, damit Geflügelproduktion und Geflügelmärkte in Westafrika nicht noch weiter zerstört werden.

          Quelle
          Manchmal gelange ich zum Eindruck, dass der erste Schritt zu einer wirksamen Entwicklungshilfe der sein könnte, sich nicht zum wohle der eigenen Wirtschaft mit subventionierten Produkten in die dortigen Märkte zu drängen. Weiter nehme ich an, dass diese Exporte gegen besseres Wissen durchgeführt werden. Der Schaden für die Afrikaner wird sehr wahrscheinlich billigend in Kauf genommen.
          Zitat von Klaus Kinkel:

          Die wachsende Armut Afrikas bedroht auch die Stabilität Europas.

          Ergo schädigen wir uns auf dauer selber.

      • andreas_fecke schrieb am 12. Januar 2011 at 11:39 - Permalink

        Ein großes Problem ist der subventionierte europäische Export von Milchpulver.
        => Immer mehr Importmilch im Senegal | 3 Oxfam- Studien zu Milchkrise Nord-Süd, Kleinbauern und Einzelhandel in armen Ländern

    14. gebintit schrieb am 8. Januar 2011 at 15:50 - Permalink

      @Mustafa
      Das ist wohl eine rhetorische Frage. Wie We-Feed-the-World und andere Dokus zeigen, landen Nahrungsmittel, die hier auf dem europ. Markt nicht absetzbar sind, sehr schnell auf den Märkten armer Länder, vor allem auch in Afrika. Die Eier und Hühner sind also schon dort und für Nachschub wird gesorgt.
      Aber ich will nicht übertreiben, die Behörden werden schon auch einige Eier und Tiere beschlagnahmen und vernichtet lassen. Halt nicht alle.

    15. Axel schrieb am 8. Januar 2011 at 16:07 - Permalink

      @Systemfrager

      Axel, du hast wirklich keinen blassen Schimmer.

      Na und selbst wenn ich einen Fehler gemacht haben sollte, als ich mich auf ein wenig Polemik eingelassen habe. Und selbst wenn Weber Fehler gemacht haben sollte.

      Ist es damit völlig falsch wenn man meint das der spirituelle Überbau einen teilweise kausal herleitbaren Einfluß auf das Leben und wirtschaften in einer Gesellschaft hat. Weber selbst war sehr vorsichtig und hat keineswegs einseitig einer spiritualistisch kausalen Kultur- (und Geschichts)deutung das Wort geredet.

      Der von mir verlinkte Artikel zur “Wachstumsbremse Koran” ist im übrigen völlig unabhängig von den Theorien Max Webers auf seine Sinnhaftigkeit zu prüfen. Setz dich doch mit den Thesen des Wachstumsbremse-Artikels auseinander.

    16. lemmy cookiemonster schrieb am 8. Januar 2011 at 18:40 - Permalink

      Die Situation in diesen Maghreb-Ländern war ja bereits seit langer, langer Zeit sehr explosiv. Ich kenne da einige home-stories dank eines marokkanischen Arbeitskollegen, der aus einem armen Berberdorf im Atlas stammt. Zumindest sind seit 10 bis 20 Jahren die zuvor explodierenden Geburtenraten starkst rückläufig. Und mit der Türkei kristallisiert sich ja nun eine islamische Gesellschaft heraus, die für so naive Menschen wie mich wie ein Tiger aussieht. Und ich kenn so Schwellenland-Tiger von innen und nein, ich glaub nicht, dass da alles in Butter ist. Es könnte viel schlimmer sein.
      Sicher zu wenig, aber zumindest die Huffington Post, Al Jazeera und The Guardian berichten glaubwürdig.
      http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/jan/04/tunisia-riots-economic-miracle-ben-ali?INTCMP=SRCH
      (sehr lesenswert)
      http://www.huffingtonpost.com/david-nassar/another-tragedy-in-tunisi_b_805621.html
      http://english.aljazeera.net/news/africa/2011/01/201115141743297407.html (videos)
      http://english.aljazeera.net/news/africa/2011/01/201114101752467578.html
      http://english.aljazeera.net/news/africa/2010/12/20101229122733122341.html (sehr lesenswert)

    17. Axel schrieb am 8. Januar 2011 at 19:46 - Permalink

      @Systemfrager

      Folglich hat Weber behauptet, die östlichen Kulturen würden gerade deshalb nie Industrie aufbauen können, weil ihnen die protestantische Ethik fehle.
      Ja, Pech gehabt – der große Dampfplauderer.

      Ich habe es vorhin vergessen. Es ist OT, aber sollte der Ordnung halber festgehalten werden.

      Es ist mir nicht gewärtig (ich lasse mich aber anders belehren) daß Max Weber behauptet hat die östlichen Kulturen könnten keine Industrie aufbauen. Weber sollte wissen warum die Industrie bzw, der Kapitalismus zunächst im Westen entstand.

    18. Prinzregent schrieb am 9. Januar 2011 at 01:19 - Permalink

      Na ja, wenigstens rührt sich in Tunesien und anderswo etwas. Als ich am 13. November 2010 gegen den Sozialabbau auf die Straße gegangen bin waren es bundesweit nur rund 100.000 Unzufriedene. Und das bei Millionen Leiharbeitern, Niedriglöhnern, Armutsrentnern, Praktikanten und Vergessenen. Mal sehen, ob sich der deutsche Michel weiterhin in die Nudelsuppe spucken lässt.
      Ich selber bin seit 10 Jahren gehaltsmäßig im Sinkflug begriffen, der Chef kürzt, dass die Fetzen fliegen. Zukunft ungewiss.

      Der Zustand unseres Landes ist kein bisschen besser als die so gerne vorgetragenen Beispiele aus den Schwellenländern. Verfall allerorten, der von einer selbstherrlichen, saublöden Propaganda übertüncht wird.
      Aber wir sind Schland, wir sind Exportweltmeister. Jawoll, das sind wir. Im Selbstbetrug.

    19. Prinzregent schrieb am 9. Januar 2011 at 01:23 - Permalink

      Noch etwas.
      Die Islamisten sollen sich nicht zu früh freuen, wenn die dortigen Staaten ins Schlingern geraten. Auf Dauer wirkt das Korangesülze nämlich nichts, wenn das weltliche Wirtschaftswunder ausbleibt. Sehr lebhaft kann man das auch im Iran sehen. Nur traut man sich dort (noch) nicht, seinen Unmut laut zu äußern und den Mullahs die Socken aufzublasen.

      • carlo schrieb am 9. Januar 2011 at 12:07 - Permalink

        @prinzregent
        Tu was dafür…..schenk jedem Islamisten den Du kennst das kommunistische Manifest. Das wäre heilsam, und überhaupt? Warum sollen Moslems nicht gute Kommunisten werden?;-)

        • Axel schrieb am 9. Januar 2011 at 14:34 - Permalink

          Warum sollen Moslems nicht gute Kommunisten werden?;-)

          Wenn ihnen ihr Leben lieb ist dann sollten sie besser Muslime bleiben.

          Atheismus ist im Islam mit dem Tod bestraft. Und sollte der Kommunismus an nur einer Stelle nicht Allahs Wort gemäß sein, hätte die Hinwendung zum Kommunismus nahezu dieselben Folgen.

          Ihr müßt Euch mal mit dem Islam befassen.

      • Toiletman schrieb am 9. Januar 2011 at 12:19 - Permalink

        Das ist leider falsch. Guck dir doch den islamistischen Jemen an, oder Afghanistan vor der Befreiung (die sich später leider immer mehr in eine Besatzung verwandelte) oder so ziemlich jedes andere islamistische Land, was nicht mit Öl vollgepumpt ist. Der Iran ist kein gutes Beispiel. Vor der islamistischen Machtübernahme war der Iran schon sehr entwickelt, verwestlicht und schon mit soetwas wie einer Zivilgesellschaft. Es gab auch viele soziale Aufstände und Wahlen, in denen die Opposition an die macht kam. Aber immer, wenn jemand, der die sozial ungleichen Verhältnisse verbessern wollte wie Mossadeq (oder so), hat die Anglo-Amerikanische Allianz einen Staatsstreich gemacht und einen Tyrannen eingesetzt, der alle Opposition wirklich gewalttätig (also viel schlimmer als jetzt in Ägypten oder selbst letztes Jahr im Iran) und geheimdienstlich unterdrückte. Folter war ganz normal unter dem letzten Schah. Da Iran immernoch ein islamisches Land war, fanden die Menschen ihre einzige Möglichkeit den Schah loszuwerden im Islam, den man ja schlecht verbieten konnte. Ich denke nur ein kleiner Teil wollte wirklich die heutige “islamische Republik” haben.

        In anderen Ländern könnte es eine alternative geben. In Ägypten mit dem Oppositionsführer. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man sich lieber für die Muslimbruderschaft entscheidet, wenn man Mubarak loswird. Und das ist auch der Grund, warum die westlichen Regierungen ihn an der Macht halten.

    20. klaus58 schrieb am 9. Januar 2011 at 15:24 - Permalink

      @ 18. Prinzregent
      Genau, wenn der Wohlstand ausbleibt, werden die Leute irgendwann die Schnauze vollhaben von der Verlegung des Wohlbefindens ins Jenseits. Daran ist auch der Sozialismus gescheitert und wird es weiterhin. Die Alternative Sozialismus anstatt Islamismus führt zur Verlängerung der Armut – ausgenommen die Kohle kommt locker vom Ölverkauf. In diesen Ländern stellen die Scheichs ihre Untertanen mit sozialen Wohltaten ruhig.

    21. frank schrieb am 9. Januar 2011 at 22:33 - Permalink

      Heute haben es die Revolten in Algerien und Tunesien sogar in die aktuelle kamera um 20 Uhr geschafft. Das will schon etwas heißen.

      @klaus58: Von was für einem Sozialismus sprichst Du?

      • Axel schrieb am 9. Januar 2011 at 23:22 - Permalink

        Ja aber dabei wurde gesagt, daß man sogar gegen das System revoltiert.

    22. Michael Stepper schrieb am 10. Januar 2011 at 00:28 - Permalink

      Den “Rest” gibt es hier:

      Tunesien steht auf

      und hier:

      Hacker starten Operation Tunesien

      und hier:

      Tunesiens Freiheitskampf im Netz

      und hier:

      Tunesien erlebt den Bürgerkrieg

      Gruß,
      Michael

    23. klaus58 schrieb am 10. Januar 2011 at 09:00 - Permalink

      @20 Frank
      1. Von jenen Sozialismusversuchen die bereits gescheitert sind.
      2. Von jenem Sozialismus, der nur mit einem “neuen” Menschen realisierbar ist.
      3. Von jenem, der gegen den Willen der Mehrheit scheinbar funktioniert.
      4. Und von jenem, den sich Jungsozialisten ausdenken, also: demokratisch und ohne die alten Nachteile und mit einer Versorgung von Gütern und Dienstleistungen wie heute in der BRD – oder noch besser? Diese Sozis leiden (auch in diesem Forum) weniger unter der alten “Verelendung der Arbeitermassen” als Quelle revolutionärer Bewegung, sondern an der ihnen zurecht verweigerten gesellschaftlichen Anerkennung. Kurzum werden die Eliten zu den Raffelliten umdeklariert und das Wahlvolk ist einfach zu blöd. Da bleibt nur ein ganz kleiner Rest von “Guten und Klugen” übrig, die sich selbst bejammern.
      Ich plädiere für die bereits gut funktionierende kapitalistische Nutzbarmachung auch der scheinbar negativen menschlichen Eigenschaften wie Geltungssucht, Neid etc. zwecks Erschaffung des guten alten “Mehrwertes” unter anderem für soziale Wohltaten.

      • frank schrieb am 10. Januar 2011 at 12:13 - Permalink

        Schon recht, hättest Du weniger Schaum vor dem Mund, könnte man sich Deine Argumentation ja vielleicht mal anhören. So nicht.

    24. Prinzregent schrieb am 10. Januar 2011 at 12:11 - Permalink

      Die vermeintlichen “Sozialisten” und “Sozialdemokraten” hätten jeden Tag die Gelegenheit, ihre Qualifikation zu beweisen.
      Und, haben die Roten jemals ernsthaft die Bereiche der sozialen Schieflage thematisiert?

      Im Moment gibt es Brosamen fürs Volk: Man erwähnt, dass Leiharbeiter den gleichen Lohn erhalten sollen wie die Festangestellten und außerdem “muss man etwas gegen die Altersarmut tun”. Die Botschaft hör’ ich wohl – allein, mir fehlt der Glaube.
      Und wo bleiben die Gewerkschaften? Die haben ihren “heißen Herbst” mit der Großkundgebung am 13. November letzten Jahres abgeschlossen.
      Und jetzt? Jetzt müsste man mit Protesten die Politik solange unter Druck setzen, bis sich endlich was bewegt. Doch nichts passiert. Die Gewerkschaftsoberen sind genauso korrupt und verlottert wie der Rest der “Elite”.
      Das schreibe ich als ehemaliger Linker und als noch immer aktiver Gewerkschafter. Mir reichts. Und hört mir auf mit dem Kommunismus, dieser Augenwischerei für Sozialromantiker vom Mars.
      Dieses Pack ist keinen Deut besser als das kapitalistische Gegenstück.

      • frank schrieb am 10. Januar 2011 at 12:16 - Permalink

        Scheint als seist Du verbittert. Kann ich einerseits nachvollziehen, andererseits solltest Du Dir mal überlegen, Dein Heil nicht bei Parteien oder Gewerkschaften zu suchen…

    25. Prinzregent schrieb am 10. Januar 2011 at 12:55 - Permalink

      @frank

      Mein Heil, mein Seelenheil, vertraue ich jemandem anderen an.

      Wer aber schon einmal in die traurigen Augen eines gekündigten Kollegen gesehen hat, der einen auf zwei Jahre befristeten Arbeitsvertrag hatte, Vater von zwei Kindern war und sich nicht zutraute, statt der viel zu kleinen Wohnung eine größere zu mieten, weil er eben den Arbeitsplatzverlust befürchtete, der hat für das lauwarme Geschwätz der “Volksvertreter” jeglicher Couleur nichts mehr übrig.

      An ihren Taten sollt ihr sie erkennen, das gilt auch für “Linke”.

      Freundlicher Gruß, Prinzregent

      • Truvor schrieb am 10. Januar 2011 at 16:41 - Permalink

        @ Prinzregent

        In der Sowjetunion mangelte in vielen Branchen an Arbeitskraft.
        Das Wort “Arbeitslosigkeit” war dem sowjetischen Bürger absolut unbekannt.
        Es gab aber auch keine “geschwätzige (im westlichen Sinne) Volksvertreter”.
        Vielleicht deswegen hat es keine Arbeitslosigkeit gegeben ? ;-)

      • frank schrieb am 10. Januar 2011 at 17:09 - Permalink

        @Prinzregent:

        Ich kann keinen Widerspruch zu meiner Aussage entdecken.

        Und wen meinst Du mit “Linke”? Du hattest das Wort ja auch schon kurioserweise in Gänsefüßchen gesetzt. Die Partei? Der würde ich auch nicht vertrauen, siehe oben. Und das nicht wegen der K-Wort-Äußerungen und des absurden Medienboheis der vergangenen Tage darum, sondern schlicht und ergreifend, weil es sich um die Neuauflage einer sozialdemokratischen Partei handelt, nachdem die erste spätestens mit der Agenda abgedankt hat…

    26. Axel schrieb am 12. Januar 2011 at 16:58 - Permalink

      Ich lese gerade: Unruhen erreichen Tunis, Bis vor wenigen Tagen habe ich nur gedacht das ein großer Teil der islamischen Kern-Welt (an Tunesien hatte ich gar nicht dabei gedacht, auch hinsichtlich Terrors ist mir nur Djerba gewärtig) erst bei Auslauf des Öls zusammenbricht und dann Europa mitreißen kann.

      Aber das sieht jetzt ja echt gefährlich aus. Also das riecht nach Putsch. Ich kenn jetzt nicht die Rolle der Armee in Tunesien. Mit Armee haben wir dann hier in Europa noch wieder eine zusätzliche Gnadenfrist. Für die Tunesier sieht das natürlich nicht gut aus.

    27. Axel schrieb am 12. Januar 2011 at 17:24 - Permalink

      Also entweder lief was schief oder mein Kommentar #26 wurde um meine letzten zwei Eingebungen gekürzt. Aber der eine Gedanke war rein sachlich. Der andere war zwar ein wenig polemisch formuliert stellte aber auch eine berechtigte Frage. Ich kann das jetzt natürlich zunächst nicht konkretisieren.

      Übrigens man muß keine Angst haben. Natürlich könnte ich hier voll, wenn die Zeit reicht durchziehen (das Thema bewegt mich seit meiner Kindheit), aber wenn man mir sagt man will das nicht dann mach ich das nicht,

    28. Axel schrieb am 16. Januar 2011 at 19:13 - Permalink

      Der (ein) Witz des Tages:

      Merkel fordert wirkliche Demokratie von neuer Regierung!

      • Groo schrieb am 16. Januar 2011 at 20:13 - Permalink

        @Axel,
        das wundert Dich nicht wirklich, oder?

        Es ist kein Geheimnis, dass die französischsprachigen Maghreb-Staaten (Marokko, Algerien und Tunesien) überaus interessante Perspektiven für die deutsche Wirtschaft bieten.

        Mehr und mehr wird dieser Markt nicht mehr über französische Tochtergesellschaften bedient, wie es bisher der Fall war. Um Reibungs- und Margenverluste zu vermeiden, geht die Tendenz deutscher Unternehmen zunehmend dahin, unmittelbar von Deutschland aus im Maghreb Präsenz zu zeigen. Für diesen Ansatz spricht nicht zuletzt, dass deutsche Investoren in der Region traditionell über einen sehr guten Ruf verfügen

        Link

        Kanzlerin dankt Staatschef Bouteflika für Unterstützung
        (2008)

        Ist halt Realpolitik.
        Das verstehen die bovi (wir) nicht.
        Tunesien ist ja nur ein Bürzel im Vergleich zu Algerien.
        Die Probleme scheinen da recht ähnlich zu sein.

        Stichwort Desertec.
        Was soll das scheue Kapital denn machen?
        Es schreit nach ‘Demokratie’, wenns mit den Autokraten und Pseudodemokraten nicht mehr so recht klappt.
        Kommt ja auch immer gut an.
        Das Arme. Muss sich mit minderer ‘Effizienz’ einer Demokratie abfinden.
        Demokratie=Profitschmälerung=besser als Nichts.
        Haha.

        • Axel schrieb am 16. Januar 2011 at 21:56 - Permalink

          Ich kenne nichts über Tunesien außer der Staatsreligion.

          Mein vernetzter Denkansatz sagt mir in diesem Fall:

          Chaos, Machtkämpfe, keine Erfahrung mit Demokratie und wenn dann viel zu lange unterdrückt und viel zu zart, keine Arbeit, wer soll neue kreieren, weiter keine Arbeit, Tourismus mindestens längere Zeit tot, die Bevölkerung überzieht jetzt wie immer wenn auch verständlich, richtet sich also gegen sich selbst,

          Einzige ökonomische Hoffnung: weiter so wie bisher mit dem Westen, aber das ist jetzt angeschlagen , also wenn möglich Exodus übers Mittelmeer. Wer soll Alle aufnehmen?

          und Merkel mahnt Demokratie an, Das Schicksal, Kanzlerin zu sein.

          Also wenn sich nicht grundlegend intern in diesen Ländern was ändert und ich wüßte nicht wie, seh ich da schwarz. Ich seh einen “Rückschritt” voraus.

          • Groo schrieb am 16. Januar 2011 at 22:46 - Permalink

            @Axel ,
            da hast Du recht.

            Gesellschaftliche Prozesse dauern.
            Sieht man ja an der Wiedervereinigung:
            40Jahre Trennung => 40Jahre Annäherung.
            Nur als Grössenordnung.

            Ein kollabierendes System ist in grosser Gefahr, zu einem failed state zu mutieren.
            Kongo, Somalia, Sudan, Afghanistan, Pakistan…

            Der ‘Westen’, ganz nüchtern sozialengineerisch betrachtet, hat eine >> 50jährige Geschichte falscher Politik.
            Geht mindestens zurück bis Mossadeq oder der Aufteilung der Splitter des osmanischen Reichs durch die Westmächte.

            Retrospektiv kann man fragen, wer dafür eigentlich die Verantwortung trägt?
            Oder war das historisch notwendig?
            NEIN!
            Diese Fehlentscheidungen sind TUTTO COMPLETTO dem mindset unserer sogenannten Eliten anzulasten!

            Und das geht weiter und weiter und weiter…

            Time ist running out!
            Ich glaube nicht, dass wir nochmal 100-200 Jahre Zeit haben, diesen ganzen Unsinn piano zu heilen.
            Insofern bin ich fest im pessimistischen Lager.

            Und meine Wut steigt, da die Sachwalter der gegenwärtigen Situation entweder ahnungslos sind, oder absichtlich mit dem Feuer spielen.
            Dumm genug wären sie ja.
            Beweisen sie jeden Tag.
            Blubbern dümmliche Spruchblasen von ‘Demokratie’ ab.

            Man könnte an strikte UN-Mandate denken, die strauchelnden Staaten sensibel auf die Beine helfen.
            Aber da sind die big brothers USA und China vor.
            Also auch kein Weg.

            Ich bin ratlos.

            • Axel schrieb am 17. Januar 2011 at 16:21 - Permalink

              Vielleicht gibt es ja Hoffnung?

              Was mich vornherein stutzig machte war, das der Auslöser kein Terroranschlag oder langjähriger Terror sondern eine Selbstverbrennung war.
              Mit Tunesien assoziere ich damit nur Djerba.

              Ich hoffe meine eigentliche Theorie wird teilweise widerlegt. Glauben kann ich nicht dran.

    29. Axel schrieb am 17. Januar 2011 at 09:24 - Permalink

      @Groo

      Die US-Demokratie ist dermassen defekt, dass sie sich eigentlich nicht aus sich selbst erholen kann.

      Ich frage aus reinem Interesse, da ich immer meine daß zwar Europa verloren ist, man aber in den USA prinzipiell vielleicht noch Asyl finden könnte.

      Meinst Du den letzten Anschlag?

      Also Palins fundamentalistische Äußerungen gegen die Einführung der Krankenversicherung sind natürlich schlimm usw. Aber heißt das damit das der Rechtsstaat soweit ausgehebelt ist, das Schicht ist?

      Eine ideale Demokratie gibts nicht, Demokratie ist immer gefährdet!

      Ich habe die Hintergründe des Anschlags nicht verfolgt.

      Aber ich habe schon mal gedacht: Wie tragisch die Amokläufe in den USA auch sind, aber wenn man bedenkt das man sich dort prinzipiell auf der Flucht vor der Polizei legal im Einzelhandel noch bewaffnen kann, dann gibt es eigentlich recht wenig Amokläufe und Anschläge in den USA.

      Die USA sind zwar derzeit die einzig übrig gebliebene imperiale Macht (was ja auch deren Staatshaushalt überstrapaziert). Aber ich denke China und Rußland werden einer USA-Weltregierung entgegenstehen. Positiv wie negativ.

      • Groo schrieb am 17. Januar 2011 at 23:46 - Permalink

        @Axel,

        Meinst Du den letzten Anschlag?

        Nein. Meine ich nicht.
        Der Defekt:
        a) Freedom of speech (jeder bullshit darf gesagt werden)
        b) right to bear arms (jeder Psychopath darf Waffen tragen -> Angst )
        c) Parteienfinanzierung i.w. durch big spenders (1$ = 1 vote )
        d) weitgehende Gleichschaltung aller ‘vier Gewalten’
        e) ‘Religiosität’ auf dem Niveau der Türkei (Kreationismus, rapture)
        f) weitgehend kommerzialisierte Medien ( invisible hand der Meinungsbildung)
        g) personhood of the corporation (was wieder auf (c) ) rückwirkt.
        h) Gefühl der Auserwähltheit (shining city upon the hill. new Jerusalem)
        i) Ignoranz allem auserhalb der USA gegenüber (wer findet Afghanistan auf Landkarte?)
        j) new frontier Denken (can do. go west)
        k) Medien als Distraction/Angstproduzenten (ich wiederhole mich)
        i) falschverstandener Individualismus (can do)
        – einiges ist redundant — sorry.

        Das Ganze erzeugt ein fatales Geflecht von Fehlhaltungen, das mE unreparierbar ist, weil es sich robust selbst-stabilisiert.

        Die USA sind zwar derzeit die einzig übrig gebliebene imperiale Macht (was ja auch …

        Yes. Vor allem, was das was ‘ja auch …’ betrifft.
        Und: Noch! Dieser imperial overstretch hat auch den Römern schon das Kreuz gebrochen.
        War einfach zu teuer!

        Der grosse Faktor, den die Amis gemäss ihrem Selbstverständnis ideologisch nicht verkraften werden, ist der Verlust ihrer eingebildeten Alleinstellung im Weltkonzert.
        Dadurch zerbricht der unausgesprochene ‘Kontrakt’ zwischen den Plutokraten und dem Plebs, der im Krieg die Knochen hinhält.
        Motto: ich bin zwar der letzte A… im Imperium, aber immerhin sind ‘wir’ das Imperium. Die Grössten. Die Besten.

        Der ‘war on terror’ ist/war ein letztes Aufbäumen gegen diesen Zerfall der bindenden Ideologie.
        Jetzt führt man schon Krieg gegen Abstrakta. (Vonnegut/Gore Vidal sind meine Zeugen)
        Da die Dummköpfe die Begriffe nicht verstehen, funktioniert das eine Zeitlang.

        Mit ziemlich grobem Pinsel gemalt.
        Aber hoffentlich besser als nichts.

        • Axel schrieb am 18. Januar 2011 at 08:06 - Permalink

          Das schicke ich jetzt in Auszügen einem Freund der ein absoluter USA Fan ist und mit dem ich mich immer darum prügele ob die USA wirklich besser sind.

          Die meisten Deiner Punkte bringe ich dann auch an, empfinde aber auch das Positive, daß es eben eine Demokratie ist.

        • Axel schrieb am 18. Januar 2011 at 10:46 - Permalink

          a) Freedom of speech (jeder bullshit darf gesagt werden)

          Tja was soll ich sagen. Ich hoffe immer, das die Demokratie als solche in den USA so viel Impetus hat, daß sie sich robust selbst stabilisiert.

          Gegen die einzelnen Punkte kann ich nicht viel sagen. Ich sehe das auch alles kritisch.

          Vielleicht zu a): Ich habe auch immer die Ansicht vertreten, daß man die Holocaust-Lüge bestrafen soll und war irritiert, daß Paul Feyerabend in Konsequenz seiner anarchistischen Wissenschafts”theorie” freie Betätigung auch für Nazis (hat er so gesagt) forderte. Bei uns in Deutschland kaum vorstellbar. Aber mittlerweile meine ich, es ist besser die Äußerungen nicht unter Strafe zu stellen. Denn es gibt ja auch Leute die 9/11 “leugnen”. Die dürfen das ja auch äußern. Wo soll man also anfangen und wo hört das auf?

          Ach so, zwar sind die USA religiös verrückt aber mit der Türkei kann man das doch nun überhaupt nicht vergleichen! Das versteh ich nicht!

          Ansonsten, sieh es mir nach, bei Terror vs. USA weiß ich nur nicht wie man das Böse besiegen soll.

          Beim Terror und bei seinen Ursachen endet meine selbstzerfleischende Selbstreflexion, Und das nicht nur, weil wohl jedes Gehirn wenigstens ein wenig Ruhe benötigt.

          Übrigens Wikileaks soll enthüllt haben daß die Araber Brast auf die Hamas haben. Für mich ein Funken Hoffnung.

          • Systemfrager schrieb am 18. Januar 2011 at 11:53 - Permalink

            Paul Feyerabend forderte in Konsequenz seiner anarchistischen Wissenschafts”theorie” freie Betätigung auch für Nazis (hat er so gesagt). Bei uns in Deutschland kaum vorstellbar. Aber mittlerweile meine ich, es ist besser die Äußerungen nicht unter Strafe zu stellen.

            Richtig. Und erst Recht der Unsinn, Mein Kampf zu verbieten

            Ach so, zwar sind die USA religiös verrückt aber mit der Türkei kann man das doch nun überhaupt nicht vergleichen!

            Natürlich nicht. Man kann dies nur mit Taliban vergleichen.

          • Groo schrieb am 18. Januar 2011 at 18:55 - Permalink

            @Axel,

            nur mal zum Vergleich:
            Ernst Zündel, Horst Mahler und David Irving sind in Europa wegen Volksverhetzung etc eingesessen.
            Bei Verbreitung von erwiesenen Unwahrheiten müssen in D Gegendarstellungen in gleicher Grösse an vergleichbarer Stelle abgedruckt werden.

            Nur zwei Beispiele aus USA

            Bzgl ‘Meinungsfreiheit’ USA da

            Sarah Palin yesterday accused Julian Assange of a “treasonous” act, and urged the US to “use all necessary means” to hunt him down like an al-Qaeda terrorist.

            da:

            On November 29, Fox News’s Bill O’Reilly declared on air that those responsible for the leaked documents are “traitors in America” and that they “should be executed,” adding “or put in prison for life,” as a dismissive afterthought.

            The next day, Bill Kristol, in a The Weekly Standard article entitled “Whack WikiLeaks,” urged the United States government to “neutralize Julian Assange and his collaborators, wherever they are”

            Hier nochmal der Link zum allgemeinen backgrund:
            Authoritarianism and the American Political Divide
            So sehr ich mit Feyerabend sympathisiere, glaube ich, dass er da an der Empirie vorbeiargumentiert.
            Dummes Gerede hat Wirkungen bei Dummköpfen!

            Zu Systemfragers Einwand: ‘Mein Kampf’ (nicht) verbieten.
            Meine Güte. Bei Leuten unseres Informationsstands hier habe ich da kein Problem. Zieht man sich ggf aus dem Netz. Habe ich sogar irgendwo auf einer Festplatte.(angelesen. Interessiert mich nicht.)

            Was anderes ist es, wenn Multiplikatoren (Medien, Politiker…) beliebigen Unsinn verzapfen können.

            Kann mich noch an eine Sendung mit fünf Rep. Präsidentschaftskandidaten vor 3Jahren erinnern:
            ‘Do You believe in evolution or creationism?’
            Kurz schauen sie sich um, wer evtl die Hand hebt, dann heben DREI die Hand! -Creationism.
            Tja.
            Man sagt das, was die Mehrheit der Wählerschaft erwartet.
            Erst wird das Publikum mit wirrer Rede verdummt, dann bedient man seine Erwartungen.
            Das ist ein rückgekoppeltes System!
            ‘The dumbing down of the american mind’ nennt man das.
            In meinen polemischen 5Minuten sage ich immer, die Amis sind das statistisch-in Anbetracht ihrer theoretischen Möglichkeiten dümmste/verdummteste Volk auf dem Planeten.
            Den Rest der Zeit denke ich mir das nur.

            • Axel schrieb am 18. Januar 2011 at 20:05 - Permalink

              Was Palin da abzieht ist natürlich “inakzeptabel”. Aber Friedrich Merz hat so meine ich Hans Eichel auch mal als Terrorist bezeichnet und damit vielleicht sogar recht gehabt. Ein anständiger Mensch wird heutzutage nun mal nicht Politiker. Das ist schlimm.

              Aber Sarrazin muß sich auch Rassist nennen lassen oder bei Demos sogar Nazi und Du weißt ich halte das für nicht nachweisbar,

              Also man kann das nicht regeln.

              Daß man das regeln kann glauben wir in Deutschland, weil es uns beim 3. Reich selbstverständlich erscheint. So kann man geprägt werden.

              Feyerabend habe ich nur angeführt weil mir die Forderung da zum ersten mal überraschend unterkam, nicht das ich glaube daß man das kausal aus seiner anarchistischen Erkenntnistheorie ableiten kann,

            • Groo schrieb am 18. Januar 2011 at 20:46 - Permalink

              @Axel,

              Friedrich Merz hat so meine ich Hans Eichel auch mal als Terrorist bezeichnet

              Das ist gefährlich!
              Es gibt eine weiche ‘Definition’ von ‘Terrorismus’.
              Keine harte. Umso schlimmer, das zu einem Etikett zu machen!

              Common definitions of terrorism refer only to those violent acts which are intended to create fear (terror), are perpetrated for a religious, political or ideological goal, deliberately target or disregard the safety of non-combatants (civilians), and are committed by non-government agencies.

              Da:
              Beachte das Ausklammern von ‘Staatsterrorismus’.

              Ich sehe das so:
              Es ist höchst gefährlich, an wichtigen Begriffen herumzuschrauben.
              Gore Vidal hat mal einen vernichtenden Artikel über den ‘War against terror’ geschrieben.
              Historisch der erste Krieg gegen einen Begriff.

              Merz ist Jurist, so wie viele seiner Politikerkollegen auch.
              (ich bin keiner)
              Von einem Juristen nehme ich erstmal an, dass er seine Begriffe im ‘Griff’ hat. Wozu sollte er sonst gut sein?
              Entweder hat er die nicht, oder missbraucht seine ‘Kompetenz’.

              Seit heute haben wir das ‘Unwort des Jahres 2010′: ‘alternativlos’.
              Das Wort des Jahres war ‘Wutbürger’. Auch gut.

              Beenden wir das.
              Gibt sicher wieder Gelegenheit, das aufzukochen, weil das wichtig ist!
              Also bis später!

    30. Systemfrager schrieb am 17. Januar 2011 at 09:49 - Permalink

      Aber ich denke China und Rußland werden einer USA-Weltregierung entgegenstehen. Positiv wie negativ.
      Positiv wie negativ?

      Ja, positiv: Wenn es Konkurrenz der Systeme wieder geben wird, wird man nicht unter dem Schild “Demokratie” eine brutale Oligarchie und Plutokratie betreiben können.

      Und negativ? Warum negativ

    31. Linus schrieb am 17. Januar 2011 at 10:00 - Permalink

      @SF: Da waren bis vor wenigen Minten noch zwei Kommentare von Groo und eine Antwort von mir (bin mir nicht sicher, ob es in diesem Thread war). Die sind plötzlich weg. Nix v.w. ‘awaiting moderation’ oder so. Weg, einfach so! Sind die der Zensur anheimgefallen???

      • Spiegelfechter schrieb am 17. Januar 2011 at 10:04 - Permalink

        Groo hatte mich per Mail gebeten, zwei seiner Kommentare zu löschen. Dem bin ich nachgekommen und Antworten auf die gelöschten Kommentare sind dabei natürlich mit gelöscht wurden.

        • Linus schrieb am 17. Januar 2011 at 10:36 - Permalink

          Kann ich nachvollziehen ;-)
          Andrerseits hat der Kommentar sehr schön aufgezeigt, welche Geister, deren Namen nicht genannt werden dürfen, derzeit in den Köpfen rumspuken (ich habe den Kommentar übrigens nicht persönlich genommen). Es wäre eine Chance gewesen, das mal auseinander zu nehmen.
          Schade um meinen schönen Link, jetzt hat er keinen Kontext mehr. Ich stell ihn mal trotzdem rein. Er zeigt so vieles :-)
          http://wuchampion.blog.163.com/blog/static/172987384201011933448502/

          • Axel schrieb am 17. Januar 2011 at 14:31 - Permalink

            Ich muß dem Vortrag widersprechen!

            Zwar muß man im Konflikt-Einzelfall die Dinge pragmatisch lösen, da kann die Philosophie nicht helfen.

            Aber grundsätzlich hat die Philosophie die Lösung längst geliefert. Es kommt nicht häufig vor, daß die Philosophie eine Lösung und dann eine endgültige formuliert. Ich kenne nicht den ganzen Weg auf dem die Lösung gefunden wurde. Bei den Römern waren wir noch nicht so weit. Aber Kant hat mit seinem kategorischen Imperativ philosophisch umständlich einen Meilenstein geliefert. Und auf dieser Basis sind die Menschenrechte begründbar.

            Die Unverletzbarkeit und auch kulturelle Unteilbarkeit der Menschenrechte muß nur überall anerkannt werden. Dabei kann die Philosophie leider nicht helfen.

            Die üblichen Gegenargumente kenne ich vermutlich. Deshalb wars das wohl von meiner Seite zum Thema.

            • Linus schrieb am 17. Januar 2011 at 15:04 - Permalink

              Aber grundsätzlich hat die Philosophie die Lösung längst geliefert.

              Ach ja?

              Die Unverletzbarkeit und auch kulturelle Unteilbarkeit der Menschenrechte muß nur überall anerkannt werden. Dabei kann die Philosophie leider nicht helfen.

              Wäre dem so, dann wären die Philosophen Maulhelden. So was braucht keiner! Sieh dir dazu auch meinen Link unten aus der ZEIT an.

              Zum Link oben:
              Ich habe ihn u.a. reingestellt, weil er sehr schön zeigt, welche Meister der Doppelbödigkeit “die Chinesen” sind. Mach dir nichts vor. Der Vortrag ist gewiß nicht nur persönliche Meinung, sondern steht auch ‘nicht im Widerspruch zur offiziellen Doktrin’. Ich teile durchaus NICHT seine Position! Ich finde es vielmehr bemerkenswert, wie höflich und doch entschieden hier der hegemoniale Anspruch formuliert wird. Das sind Umgangsformen, da werden wir Westler uns noch die Augen reiben.

          • Groo schrieb am 17. Januar 2011 at 22:51 - Permalink

            ah, lese ich jetzt erst.

            Danke an Jens fürs löschen!

            Manchmal geht mir so gegen 2Uhr Nachts der sarkastische Gaul durch, und ich entwerfe ein fiktives Szenario, das möglicherweise nur jemand versteht, der mich besser kennt als es in Blogs möglich ist. Und dann übersetze ich das auch noch für die amerikanischen Freunde! ;)

            Aber Linus scheints verstanden zu haben.

            So what would a good philosopher, an ironist, do? Instead of searching for a philosophical, that means, universally valid, foundation, an ironist directly deals with the problem at hands, to solve the problem with what is available in that specific situation within which the problem emerges. And… hope for the best.

            Haha!

            • Linus schrieb am 17. Januar 2011 at 23:24 - Permalink

              @Groo: Vorsicht mit diesem Text! Der ist dermaßen mit Gift getränkt, daß man jeden Satz dreimal umdrehen muß, bevor man ihn aufhebt. Mit dem, den du da grade rausgezogen hast, hast du nochmal halbwegs Glück gehabt.
              Die beiden Links waren natürlich von deinem Kommentar ‘inspiriert’.
              Dazu nur: Auch Künstler sind schon auf dem Scheiterhaufen gelandet, welch Ironie des Schicksals.
              Deine Links lese ich morgen :-)

            • Groo schrieb am 18. Januar 2011 at 00:49 - Permalink

              @Linus,
              ich identifiziere mich nicht mit dem Zitat.

              Allenfalls insoweit, als Ironie eine Schicht aufbaut wie 1cm dünnes Eis. Mit genau dem Zweck, durchzubrechen.
              Was darunter ist, ist eine andere Frage.
              Hast Du das mit ‘Gift getränkt’ gemeint?
              Also das, was in meinem Bild ‘darunter’ ist?

              Btw, ich habe mal eine Sendung über die Denkweise von Hongkong-Chinesen aus der Achiever-Klasse gehört. Mit O-Ton.
              Die sind in der Mitte zerrissen zwischen konfuzianischer Ethik und westlichem Erfolgsstreben.

              Arme Wurschtel.

      • Linus schrieb am 17. Januar 2011 at 14:24 - Permalink

        Und noch ein Link: http://www.zeit.de/2004/13/fundamentalismus

        • Axel schrieb am 17. Januar 2011 at 21:45 - Permalink

          Was mir an dem Vortrag von Richard Rorty auffällt:

          Ich wartete ständig darauf, zu erfahren zu welchen konkreten Maßnahmen denn nun die Demokratie nach einem atomaren Terroranschlag greifen würde. Aber irgendwann gab ich das auf und meinte da kommt nichts mehr.

          Und wenn ich mich nicht getäuscht habe, so ist da auch nichts außer das die Demokratie angeblich abgeschafft wird.

          Aber zum einen empfinde ich z, B. unser System ohnehin nicht mehr als echte Demokratie, da sie u. a. nicht mehr wehrhaft ist, bzw. sich nicht wehrhaft verhält.

          Zum zweiten kenne ich für mich persönlich keine Einschränkung seit 9/11.

          Zum dritten könnte man sicher von Israel lernen wie man sich effizient (was zeigen würde das die Demokratie wehrhaft ist, im Moment ist der Aufwand zu hoch) gegen Terrorismus schützt. Die kämpfen seit Jahrzehnten dagegen um ihr Überleben. Ich würde grundsätzlich immer denjenigen fragen der am meisten Erfahrung hat.

          Ich bin Philosophie verrückt, aber manchmal ist das praktische Denken überlegen.

          • Groo schrieb am 17. Januar 2011 at 22:34 - Permalink

            @Axel, (u. @Linus)
            wenn ich das so lese, was Du schreibst, habe ich ein bisschen den Eindruck, dass Du die Angelegenheit etwas zu monokausal deutest. (Kein Vorwurf, bitteschön)

            Den Rorty-Artikel habe ich überflogen.
            Hat mich nicht angesprochen, obwohl Rorty sicherlich ein kluger Mensch ist.

            Vielleicht, weil meine Stossrichtung eine etwas andere ist.
            Mich interessiert die Dynamik des politischen Spektrums.
            Da weiss man inzwischen Einiges. zB, dass ungleiche Gesellschaften sich stärker polarisieren, was ja irgendwie selbstverständlich ist. (zB Wilkinson/Pickett)

            Einen anderen Aspekt hat Bob Altemeyer in seinen ‘the Authoritarians’ über 25Jahre wissenschaftlich aufgearbeitet.

            Ich bin kürzlich in dem Zusammenhang auf einen Artikel gestossen, der für mich eine gewisse Erleuchtung brachte:
            Authoritarianism and the American Political Divide
            Das ist auch verallgemeinerungsfähig und SEHR richtig.
            Man kann da erkennen, wie politische Rhethorik mit konditionierten Haltungen in jedem von uns wechselwirken, und so das politische Spektrum verschoben werden kann.
            (zB ‘Angst’, die ‘Anderen’, ‘Fremden’ etc)
            Dazu gibt es einen Blogeintrag von einem sehr klugen Menschen: Ian Welsh ‘Ideologies have overlap’, mit dem ich eigentlich nur vage einverstanden bin.
            Vor allem die Kommentare von Bruce Wilder sind sehr interessant und unbedingt lesenswert!

            Da siehst Du, wo Rorty seine -ähem- blinden Flecken hat.
            Jedenfalls mir ist es so gegangen.

            Sicherlich habe ich einen etwas anderen Blickwinkel als Du, aber vielleicht gehts Dir ähnlich.

            Was die Israelis betrifft: Von denen können wir nichts lernen.
            allenfalls, wie man’s nicht macht: Jeden Tag das Trauma verstärken. Das verschiebt das Spektrum unweigerlich in die autoritäre Richtung!
            Man muss den Mechanismus verstehen!

    32. Axel schrieb am 17. Januar 2011 at 15:30 - Permalink

      @Linus

      Daß ein chinesischer Philosoph (sofern er kein Dissident ist) zumindest im Klartext keine Lösung zum Thema (Menschenrechte) liefern kann ist klar, Dann hätte er ja eine abgelegene Privatwohnung mit persönlicher Leibgarde.

      Das war mir vorhin noch gar nicht aufgefallen und ich hatte den Vortrag echt unter dem Aspekt eines Lösungsvorschlags gelesen, so als ob ich einen chinesischen Harvard-Physiker vor mir hätte.

      Aber damit wird der Vortrag jetzt eher interessanter. Man könnte ja jetzt auf Zwischentöne achten. Z. b. ob er indirekt Position bezieht.

      • Axel schrieb am 17. Januar 2011 at 15:48 - Permalink

        Zusatz:

        Über den vom Dir angesprochenen Aspekt habe ich mir auch deshalb keine Gedanken gemacht, da sich der Vortrag vom Ergebnis her auch nicht von dem unterschied, was ich von einem westlichen Philosophen erwartet hätte, der die Probleme korrekt umgeht.


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