Der Wandel scheitert am Proporz
geschrieben am 05. Februar 2009 von Spiegelfechter
Das deutsche Wahlvolk hat sich auf der Tribüne eingerichtet – auch im Cyberspace. Nur wenn es die Arena betreten darf, bekommt die Politik im Netz den nötigen Schwung
Was haben Barack Obama und Thorsten Schäfer-Gümbel gemeinsam? Sicher, beide setzten in ihrem Wahlkampf auf „Hoffnung“ und „Wandel“. Aber sie haben noch eine weitere Gemeinsamkeit, die dem deutschen Publikum sicher noch nicht einmal bekannt ist. Beide haben in ihrer Kampagne intensiv das Internet und dessen soziale Netzwerke genutzt – mit unterschiedlichem Erfolg. Obama verdankte seinen Sieg bei den Primaries zu einem gehörigen Teil dem aktiven „Graswurzeljournalismus“ im Netz. Schäfer-Gümbels Onlinekampagne konnte bestenfalls durch ihr bewusst eingesetztes Understatement glänzen, blieb ansonsten aber weitgehend unbeachtet. Woran liegt es, dass das Internet im deutschen Wahlkampf so ein Schattendasein fristet? Liegt der Unterschied in der häufig kolportierten Vermutung, dass jenseits des Atlantiks digitale Medien wie Blogs und Netzwerke wie Twitter oder Facebook eine größere Reichweite haben und professioneller genutzt werden als in Deutschland? Nein, denn man muss Medium und Inhalt trennen.
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> Woran liegt es, dass das Internet im deutschen Wahlkampf so ein Schattendasein fristet?
Das liegt daran, dass die Blogger und die neuen “Meinungsmacher” in D zu Unrecht noch nicht ganz ernst genommen werden, die Mainstreammedien werden sich aber an die teilweise bessere Konkurrenz gewöhnen müssen.
Ich denke, der Grund ist ganz einfach: Der Zeitraum, über den diese Aktivitäten betrieben wurden. Schon als Senator hat Obama angefangen, auf das Internet zu setzen. Seine Kampagne war über Jahre hinweg geplant und immer im Netz verwurzelt.
Bei Schäfer-Gümbel war es ein “Mal eben”-Schnellschuss, der durch die kurze Dauer (und eher geringe Bedeutung) des Wahlkampfes noch bedeutungsloser wurde.
@sf
Glückwunsch…Gut angekommen!!! Freut mich! Weiter so!
Leider, leider…..der Freitag ist eine ausgesprochene Minderheitenzeitung. Ärgerlich!
Wer sich allerdings eine 6000er Flat leistet, nur um dafür BILD-ONLINE oder den SPIEGEL lesen will, ist für mich ein Netzdilletant. (Dummheit light?)
Meiner Meinung nach, sollte sich der Freitag, schwerpunktmäßig nur auf die Netzpublikation beschränken, vielleicht höchstens eine Auflage von etwa 5000 einhalten, und das auch nur für Leser, welche nicht mehr mit den neuen Medien umgehen können oder es auch nicht wollen. (der Nachbar kann helfen, und auch ausdrucken!)
Du bist ja jetzt beim Freitag dabei, und kannst Deine Erfahrungen einbringen! Vielleicht lieg ich auch falsch…aber das ist Deine Sache!
Zur Sache kann ich mir aber manche Bemerkung nicht verkneifen!
Schäfer-Gümbels Onlinekampagne konnte bestenfalls durch ihr bewusst eingesetztes Understatement glänzen, blieb ansonsten aber weitgehend unbeachtet. Woran liegt es, dass das Internet im deutschen Wahlkampf so ein Schattendasein fristet?
Also, das ist nicht so ganz richtig erfasst! Die Linke hat fast ihren ganzen Wahlkampf nur über das Internet geleistet!
Im Gegensatz dazu haben “sozialdemokratische” Webseiten einen so fahlen Geschmack, auf daß man geneigt ist, starken Alkoholkonsum endlich mal als Heilmittel zu verstehen. (Nur so!)
Müntefering, der Philosoph und “gelernte Industriekaufmann”, sagte einmal vor geneigtem Publikum, “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!”.
Ich sage nur, Münte: Weiter so….Projekt 18% (etwa Apfelkorn!). (Und das ist gut so!)
hm…..Du gibts ja irgendwie selbst die Antwort!
…..Kadavergehorsam…..sowas prägt Generationen!
…kann schon, erahnt aber die einfachste Willensbildung nicht, siehe: Kadavergehorsam!
Richtig @sf
La France pense, l’Allemagne sense!
(Nicht Sense, nicht falschverstehen!)
Trotzdem alles Gute und weiter so…..gerne gebe ich Ausdrucke des Freitag an Nachbarn weiter….und das bleibt auch so!
>Was haben Barack Obama und Thorsten Schäfer-Gümbel gemeinsam?
Wenig!
Sie haben vor allem viele Unterschiede. Obama hat, ganz bewusst, breiten Teilen des amerikanischen (Wahl)volkes eine Identifikationsmoeglichkeit geboten. Er hat die Waehler (uber lange Zeit) direkt angesprochen, vor allem emotional angesprochen.
Demgegenueber ist so ziemlich alles was unsere Parteien und Kandidaten an Wahlkampf leisten sehr fade, nicht nur im Internet.
Auch die LINKE versagt da leider:
Was bat alleine schon die Weihnachtsansprache Koehlers an Angriffsflaeche!
Haette man da den eigenen Kandidaten auf YouTube eine offene “Gegenansprache” machen lassen…
Aber die vielzitierten “Sorgen und Noete der Buerger” spricht keiner an. Schon gar nicht in der Sprache der Buerger.
Da kann man sich dann auch wirklich die Kosten fuer den Internetwahlkampf sparen!
@Carlo
Das sag mal Herrn Augstein jr – Mit 5.000 verkauften Exemplaren lässt sich ein solches Blatt nicht finanzieren … außer man packt 1kg Werbebeilagen von Aldi, Lidl und Co mit rein ;-)
Das sag mal dem Freitag *g*
Einstweilen bin ich dort nur ein freier Autor von vielen.
@st
Sch…..! (und das ehrlich!) Ich dachte Du wärst da jetzt fest unter! Hätte mich für Dich und Uns alle gefreut!
Dagegen versteh ich nur nicht, warum ein dummes Gelall, wie es Peter Hahne (ehem. evangelischer Pastor) verbreitet, von den Medien so angenommen wird. Also gut, ich werde mich mal, bemühen, Herrn Augstein eine Einschätzung meinerseits zu lieferen.
Ob er das überhaupt liest, ist ja auch noch fraglich!?
Nur ….Bitte….gebe Deinen Blog nicht auf…auch wenn Du jetzt beim Freitag bist!
(Übrigens: Das Beipacken von Aldi, Lidl etc. schadet in diesem Zusammenhang eigentlich(!?) nicht. )
@carlo
Zunächst einmal – ich bin ja nicht beim Freitag. Ich bin dort mehr oder weniger (eher letzteres) genau so wie bei TP. Alle Artikel, die ich für Onlinemedien schreibe, werden von mir ja auch “geteasert” und den SF gibt es noch oben drauf und das für lau *lol*
Wichtig für Dich (Euch): Weder TP, noch Freitag, üben einen Einfluß auf den Inhalt aus! Und sollte (was noch nicht geschehen ist), einmal ein Artikel wegen eines umstrittenen Inhalts nicht veröffentlicht werden, dann kommt er natürlich in den SF als Volltext. Die Postingfrequenz von drei Exklusivartikel, die nur für den Blog sind, werde ich – so Bob will – auch weiter einhalten.
Schöner Artikel. Schöner Gastbeitrag im FREITAG. Ich werde wohl gleich noch an den Kiosk gehen müssen.
Jetzt das Aber: :)
Es fällt mir schwer zwei Wahlkämpfe zu vergleichen, die in Länge und Geldmitteln so unterschiedlich sind. Als vergliche man einen Ritter, der seit zwei Jahren von Turnier zu Turnier zieht. Mit einem Ritter, der gerade das Geld zusammenkratzen kann, eine Lanze zu kaufen und dann zwei Tage Turnierluft schnuppert.
Hervorragender Artikel Jens!
Gut beobachtet und treffsicher geschlussfolgert!
Mehr kann ich dazu nicht sagen.
@7st
ok………..manchmal spinnt man halt, wie ich…aber Deine Antwort freut mich!
Ach daher die positive Propaganda für den Freitag. Ts Ts.
Die jetzige Beta-Seite des FREITAG ist momentan nicht nutzbar. Mäßig designt fordert sie unverhältnismäßig viele Ressourcen. Ein Geruckel, dass die Augen tränen.
Zumal einem auf der Startseite gleich die Boulevard-Artikel um die Ohren gehauen werden (Schnurrbärte? WZH). Kein guter Start.
Jammertst net…und spinnst net….
Er hod hoid de Spitz erroicht!
Mir gefoidst!
Derra moch des schoi!!!
Woida so.
Unna blossa koi Noid!
Goids….?
Zu der Politik und Unterstützung der Parteifunktionäre durchs Wahlvolk.
Vor wenigen Tagen bin ich auf einem etablierten Online-Portal (zeit.de ?, ftd.de?, …) auf eine Leserumfrage gestoßen: ob man nun den Wahlversprechen der Politiker glaube? Nun habe ich ohne zu zögern darauf geantwortet und war über Einigkeit der Leserschaft nicht schlecht überrascht – lediglich knapp unter 5% Leser in der Anzahl von mehreren Hunderten nahmen solche Versprechen ernst. Bei anderen Fragestellungen fiel das Votum nicht so eindeutig aus.
Und was Obama anbetrifft, so hat er m.E. einen großen Teil seines Erfolges dem GW zu verdanken.
ach beim Freitag muss ich mich erst registrieren. Dann kommentier ich doch lieber hier.
“Aber ebenso wenig, wie ein deutscher Kanzler mit der Machtfülle eines US-Präsidenten konkurrieren kann, kann das deutsche Politiksystem basisdemokratische Schnittstellen einbauen, die das Volk an der politischen Entscheidungsfindung ernsthaft teilhaben lassen.”
Vielleicht bräuchte es auch einfach nur politische Blogger, die solche Schnittstellen einfordern. Statt ernüchtert festzustellen: in Deutschland kann das nicht. Punkt.
Zumindest eine Erklärung, warum die Einbeziehung des Volkes in die politische Entscheidungsfindung nicht geht wäre nett.
Übrigens nur weil Dein Artikel darüber handelt: die Schnittstelle zwischen Bürger und Politiker im Internet heißt in Deutschland: Abgeordnetenwatch. Hätte man vielleicht in einem Nebensatz erwähnen können, damit es ein bisschen bekannter wird. (aber hat wohl nicht zur Aussage des Artikels gepasst)
Und noch ein Tipp für den recycelten Absatz. Wenn man Größen vergleicht. Möglichst die gleichen Einheiten verwenden. Leser pro Tag z.B. Das macht es etwas einfacher nachvollziehbar.
Spannende Zeiten sind das… Mein Lieblings-Print-Produkt (“der Freitag”) in neuem Gewand, und mein Lieblings-Blogger schreibt jetzt schwarz auf weiß für den Freitag. Erstaunlich, wie das die Wahrnehmung gegenüber dem gleichbleibend guten Inhalt des Artikels verändert, wenn man ihn dann gedruckt sieht.
Zum neuen “Freitag” bin ich noch etwas zwiegespalten: leichter konsumierbar aber austauschbarer erscheint er mir beim ersten Lesen. Trotz insgesamt leichter Verschlechterung beim ersten Eindruck aber immernoch um Längen besser als der Rest auf dem Markt. Aber vielleicht brauch ich ja nur noch etwas Eingewöhnung.
schön, dass im neuen Freitag jetzt auch noch die marktlibertären Cretins ihren Schwachsinn verbreiten können
sorry, aber dafür ist mir meine Lebens-Zeit wirklich zu schade
e-democracy allein reicht keinesfalls. ganz real muß sich das volk versammeln, zu einem bürger-verfassungskonvent 2009 – für D und die EU!
am 10./11.2.09 verhandelt das bundesverfassungsgericht über den lissabon-verfassungsvertrag. es geht um ein referendum in D und EU zu diesem vertrag oder besser einem optimierten. und die einberufung von konventen. auswahl der mitglieder mehrheitlich per los, vielleicht einige per wahl. in meinem verfahren 2 BvR 1203/08 habe ich beides thematisiert. wenn die richterInnen (wieder) nicht die kurve kriegen in dieser sache, die rechte des volks als staatsorgan SOUVERÄN mißachten, sollten alle interesierten etwa im sommer eine INITIATIVE VERFASSUNGSKONVENT gründen und die sache selbst in die hand nehmen. artikel 146 grundgesetz läßt dies ausdrücklich zu.
in frankreich machen sie generalstreik, in island wird die regierung wegdemonstriert. und bei uns?
get up, stand up, fight for your rights!
siehe auch meine online-petition an den bundestag vom 6.2.09 (schulte/di fabio)
>carlo.difabio@gmx.de
>”carlo di fabio” GOOGLE
Hallo,
warum wird im Artikel der Blogg “Nachdenkseiten” mit tgl. 25000 Zugriffen als größter deutscher Blogg bezeichnet?
Der Blogg “PI-News” kann doch deutlich mehr Zugriffe tgl. zählen. Oder ist der zu politisch unbequem, um ihn zu erwähnen?
Was heißt denn hier undemokratisch durch Proporz? Undemokratisch durch die deutsche Umsetzung allenfalls. Es gibt aber noch andere Wahlsysteme außer geschlossenen Listen und Mehrheitswahlrecht. Die Möglichkeiten proportionaler Systeme sind mit offenen Listen auch noch lange nicht erschöpft. (Wobei ich Wahlen mit offenen Listen bereits „graswurzeliger“ finde als die amerikanische 2-Parteien-Geldsack-Veranstaltung.)
Es gibt nämlich auch proportionale Systeme bei denen man ausschließlich für Kandidaten stimmt und es 0 Parteiprivilegien gibt.
Bei der Thiele-Methode darf der Wähler soviele Kandidaten ankreuzen, wie er möchte, pro Kandidat maximal 1 Kreuz. Im Gegensatz zum Kumulieren ist es kostenlos, einen Verlierer anzukreuzen. Die Stärke eines Kreuzes auf einem Wahlzettel wird nur reduziert basierend darauf, wie viele darauf angekreuzte Kandidaten bereits einen Sitz erlangt haben. Das ist also ähnlich wie bei einer Auktion: Nur weil du „Will haben“ sagst, musst du noch lange nichts abdrücken, nur im Erfolgsfall.
Es gibt außerdem noch eine ganze Familie an Ranglisten-Systemen, die sogenannten STV-Methoden.
@R
Deutlich mehr sind es sicher nicht:
Zum Zeitpunkt, als ich den Artikel geschrieben habe, rangierten die NDS gerade vor den Pipi-Brüdern ;-)
@S
“Zum Zeitpunkt, als ich den Artikel geschrieben habe, rangierten die NDS gerade vor den Pipi-Brüdern ;-)”
Wow! Das muss ja schon wirklich lange her sein…. ;-)
@Rudi
1 Woche … ja, wirklich lang.
@Rudi & @SF
Man kann es sehr schön auf der http://www.deutscheblogcharts.de/archiv/2009-5.html sehen:
…
20. NachDenkSeiten
…
24. Der SF
…
42. Pipi-Brüder
(Schöner Name ;)
———–
PS. “Kommentar bearbeiten” – klasse!
@COPOKA
Nö nö! Die Blogcharts haben nichts mit der Besucherzahl zu tun – dort werden lediglich die Verlinkungen innerhalb der Bloggossphäre ausgewertet. Ein mE zweifelhaftes Rankingsystem.
Ich weis nicht, was ihr alle mit dem scheiss Obama habt.
Der wird am Ende auch keine andere Politik machen als all die Anderen! Die USA sind und waren eine 2 Parteien-Diktatur, die sich nur abwechseln, damit das jeweilige Klientel sein “Geld” machen kann.