Scheitern als Chance?
geschrieben am 11. Januar 2011 von Spiegelfechter
Dieser Artikel ist ein Beitrag zum Blog-Karneval von “Der Kongress bloggt!”
Das Wort “Krise” bezeichnet im Altgriechischen einen Wendepunkt, an dem eine Entscheidung getroffen werden muss, welche Richtung eingeschlagen werden soll. Im modernen Sprachgebrauch ist das Wort “Krise” jedoch rein negativ konnotiert. Während der Kuba-Krise stand die Welt am Abgrund, wenn eine Ehe eine Krise durchlebt, so wird dies grundsätzlich als negativ empfunden – der Nebenbuhler sieht dies freilich etwas anders. Wahrscheinlich ist die durchweg negative Konnotation des Wortes “Krise” eher ein Beleg für unsere Phantasielosigkeit, unsere Risikoscheu und für unsere konservativ geprägte Weltsicht. Eigentlich wäre es uns am Liebsten, wenn die Welt sich ganz einfach weiterdrehen und sich ansonsten nicht allzu viel ändern würde. Ein dramatischer Wendepunkt, an dem ein “weiter so” keine Option ist, entspricht hingegen nicht unserem Bild von einer geordneten Welt.
Die Öffentlichkeit versteht daher unter Krisenbewältigung auch zunächst einmal das Beseitigen des Wendepunkts, der die Krise ausmacht. Populäre Strategien sind daher das “Aussitzen” von Krisen oder besser noch die Verdrängung der Krisensituation aus dem eigenen Bewusstsein. Hätten Kennedy oder Chruschtschow die Kuba-Krise verdrängt oder ausgesessen, gäbe es die Welt vielleicht nicht mehr. Auch bei Ehekrisen ist Verdrängen und Aussitzen die denkbar schlechteste Strategie. Paradoxerweise gelten diese Erkenntnisse im öffentlichen und politischen Bewusstsein jedoch nicht, wenn es um die Finanz- und Wirtschaftskrise geht. Diese Vogel-Strauß-Strategie ist jedoch ein jüngeres Phänomen. Die Weltwirtschaftskrise der 1930er stellte beispielsweise einen Wendepunkt dar, auf den die großen Volkswirtschaften ganz unterschiedliche Richtungsentscheidungen trafen. In den USA gewann der “linke” Kandidat Franklin D. Roosevelt die Präsidentschaftswahlen und läutete mit dem “New Deal” und rigiden Finanzmarktregulierungen einen echten Paradigmenwechsel ein. Die Deutschen trafen die verhängnisvolle Entscheidung, den rechten Populisten Adolf Hitler die Richtung des Landes diktieren zu lassen – Licht und Schatten, die Krise als Wendepunkt.
Wenn man “Krise” als Wendepunkt, an dem Richtungsentscheidungen unternommen werden müssen, definiert, dann hat es die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise nie gegeben. Obwohl es ein relativ kurzes Zeitfenster gab, in dem echte Paradigmenwechsel durchaus möglich waren, hat die Politik es weltweit vorgezogen, den Kopf lieber in den Sand zu stecken. Die Staaten haben zwar weltweit ihre Banken “gerettet” und den Keynesianismus wiederentdeckt, als sie gigantische Konjunkturprogramme auflegten. Jedoch waren die Korrekturen am Finanzsystem eher kosmetischer Natur. Man konnte sich nicht dazu durchringen, die Finanzmarktarchitektur oder die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu reformieren. Alle Welt sieht, dass bereits das Fundament unseres Hauses bröckelt, aber wir begnügen uns damit, die Fensterläden neu zu streichen.
Opfer und Täter – die Grenzen sind verwischt
Wer ist eigentlich “wir”? Ist es nicht vielmehr der unübersichtliche Sumpf aus Lobbys und Politik, der ernsthafte Korrekturen am System vermeiden will? Nein, allen Defiziten zum Trotz haben wir eine Demokratie und es wird niemand mit vorgehaltener Waffe gezwungen, sein Kreuz bei den Parteien zu machen, die jegliche Reformen des Systems ablehnen. Von einem lauten oder auch stillen Protest an der Wahlurne kann aber hierzulande gar keine Rede sein. Im Gegenteil: Ein Volk, das “aus Protest” bei den letzten Bundestagswahlen die FDP gewählt hat, will keinen Paradigmenwechsel. Punkt. Es ist natürlich einfacher, Schuld und Verantwortung auf “die da oben” abzuwälzen, so einfach ist die Welt aber leider nicht. Systemkonforme Politiker, Lobbyisten und Medien mögen uns ja mit ihrer Ideologie indoktriniert und uns die Waffen an den Kopf gesetzt haben, den Abzug haben wir jedoch selbst gedrückt. Das war 1932 nicht anders als heute. Dies alles entlastet die Verantwortlichen aus Politik, Wissenschaft, Medien und Wirtschaft natürlich um kein Jota – der Umkehrschluss, das Volk sei kollektiv ein Opfer, ist jedoch genauso unhaltbar.
Kollektivschuld?
Wer die Folgen kollektiven Handelns nicht auch kollektiv verantworten will, stiehlt sich aus der Verantwortung. Das heißt natürlich nicht, dass man von der Schuld des Kollektivs auch auf die individuelle Schuld des Einzelnen schließen darf. Auch in unserer Gesellschaft gibt es viele Anständige, die weder persönliche noch kollektive Schuld auf sich geladen haben. Die Vogel-Strauß-Strategie unserer politischen Repräsentanten ist jedoch gleich mehrfach durch die absolute Mehrheit des Volkes demokratisch legitimiert worden und auch heute besagen die Umfragen, dass diese Linie von einer übergroßen Mehrheit des Volkes ausdrücklich gebilligt wird. Diese Verdrängungshaltung der Wähler ist dabei mehr als schizophren. In diversen Umfragen bekennt sich die Mehrheit der Wähler zwar zum Wunsch nach grundlegenden Reformen des Finanzsystems. Wenn allerdings zur Urne gerufen wird, macht diese Mehrheit ihr Kreuz bei den Parteien, die grundlegende Reformen ablehnen. Ist dies fortgeschrittene kognitive Dissonanz? Unwissen? Schizophrenie? Oder haben Themen wie das Finanz- und Wirtschaftssystem beim Wähler eine derart geringe Priorität, dass er sein Kreuz bei der Partei mit der größten Schnittmenge macht, obwohl sie beim konkreten Thema teils diametrale Ansichten hat? Wahrscheinlich liegt die Lösung irgendwo zwischen diesen Punkten und ist zudem mit der selbstverschuldeten und selbstauferlegten Unmündigkeit des Wählers zu erklären. Auch wenn der Wähler sich nicht mit dem Programm der Parteien auseinandersetzen will, so glaubt er dennoch felsenfest daran, dass “seine Partei” schon das Richtige tut. Dieses Erfolgsrezept hat der katholischen Kirche immerhin schon zwei Jahrtausende die Schäfchen zugetrieben.
Wenn eine Krise der Wendepunkt ist, an dem eine Richtungsentscheidung nötig ist, kann natürlich auch ein “weiter so” eine Richtungsentscheidung sein, wenn man die Krise ganz einfach vertagt. Wenn es in der Ehe kriselt, kann man sich schließlich vor der nötigen Richtungsentscheidung drücken, indem man ganz einfach auf Tauchstation geht. Langfristig hilfreich ist eine solche Verweigerungsstrategie allerdings nur in den seltensten Fällen. Meist führt das Vertagen der eigenen Richtungsentscheidung lediglich dazu, dass man das Heft des Handelns aus der Hand gibt und die richtungsweisenden Entscheidungen ohne eigenes Zutun geschaffen werden. Das Zeitfenster des Handelns hat sich bei der Finanz- und Wirtschaftskrise bereits wieder geschlossen. Auf nationalstaatlicher Ebene will niemand die notwendigen Reformen anpacken und supra- und internationale Lösungen sind nur dann möglich, wenn die Bedrohung für alle Beteiligten akut ist.
Vertane Chance
Die Krise ist jedoch momentan nicht so akut, als dass sie im öffentlichen Bewusstsein eine relevante Rolle einnehmen würde. Die Angst, morgen am Geldautomaten leer auszugehen ist nun einmal greifbarer als abstrakte Szenarien einer Transferunion oder billionenschwere Rettungsschirme. Die Finanzkrise ist jedoch nicht vorbei, ihre Symptome sind lediglich zeitweilig abgeklungen, die Pathogenese wurde noch nicht einmal ernsthaft in Angriff genommen. Pathologisch lässt sich die Situation wohl am ehesten mit einem Hirntumor vergleichen. Die akute Schmerzphase ist dank wirksamer Medikation erst einmal abgemildert, dafür ist jedoch die aktuelle Wahrnehmung durch Medikation und den Tumor stark eingeschränkt und der Patient will nicht wirklich wahrhaben, dass er eine Richtungsentscheidung treffen muss, die man nicht einfach aussitzen kann.
Unser Versuch, die Krise auszusitzen, ist also eine passive Richtungsentscheidung, die noch auf uns zurückkommen wird. Wie ein kleines Kind sitzen wir auf unserem Bettchen und halten uns Augen und Ohren zu und hoffen, dass unsere Verdrängungsmechanismen die böse Realität wegfegen werden und alles wieder so wird, wie wir es uns wünschen. Nichts Derartiges wird passieren. Unser Scheitern, der Realität ins Auge zu blicken, macht die Sache nur schlimmer. Doch in unserem Scheitern steckt natürlich auch eine Chance. Bei den nächsten akuten Krisensymptomen wird es wieder ein Zeitfenster geben, in dem man Richtungsentscheidungen treffen kann. Hoffentlich werden es die richtigen Entscheidungen sein.
Jens Berger
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Diese sehr richtige Frage wird leider durch den extensiven Gebrauch der Begriffe “wir” und “unsere” im Artikel konterkariert. Das größte Problem ist eben, dass es kein “wir” gibt.
Genau dieser Annahme widerspreche ich ja im Artikel. “Wir” heißt ja nicht “jedes Individuum”, sondern die Gesellschaft.
Kein Widerspruch. Aber ich gebe ein Beispiel, was ich meine:
Einige sind durchaus nicht gescheitert, sondern haben gerade das erreicht, was sie wollten. Und für sie wird die Sache auch gar nicht schlimmer, sondern (zumindest aus deren Sicht) besser. Dass die große Masse gescheitert ist und esfür sie schlimmer wird, ist klar. Aber “wir” alle sind es nicht.
Sicher. Mit “wir” ist dann die Allgemeinheit, also die Gesellschaft, gemeint. Wie immer ist damit natürlich nicht jedes Individuum gemeint.
Deine Intention, dass die Wahlberechtigten nicht einfach die Schuld an den Zuständen an die Politiker abschieben, teile ich ja.
richtig.
Ich glaube, dass die ‘Krise’ ein Systemversagen war.
Wieso sich nichts getan hat?
Die Neoliberalen sassen und sitzen zu 90% an den Hebeln.
Die Gegenkräfte waren einfach zu schwach.
Also geht es weiter.
Beispiel:
Westerwelle als ‘Steuermann’ in stürmischer See.
Der lebt in seiner eigenen, falschen Metapher, bewährt sich aber bis auf weiteres als nützlicher Idiot.
Die Krise als ‘Chance’ a’la Naomi Kleins Disaster-Capitalism kann doch nur nutzen, wer die gesellschaftlichen Ressourcen soweit kontrollieren kann, und auch die ZEIT dazu hat, sie zu seinem Vorteil zu wenden.
In der Krise gibt es erstmal die, die sie erleiden (ob mit Valium oder nicht), und die, die sie zu ihrem Vorteil nutzen, (und die die sie ignorieren.)
Auch wenn die Karre dann noch weiter in den Dreck fährt.
Man würde sich eine weitere Kraft wünschen, kann sie aber leider nicht (als kritische Masse) sehen.
Ich zitiere mal Wallerstein (Commentary No. 251, Feb. 15, 2009)
The key thing to realize is that rebuilding can take us into a far better world – but it can also take us into a far worse one. In either case, it will be a far different one.
Das schreibst Du ja schön. Gerade so, als sei politische Macht von den Schicksalsgöttinnen gestrickt. Und das Volk ist wieder einmal ein bedauernswertes Opfer sinistrer Machenschaft. Die Welt kann ja sooooo einfach sein, wenn wir das nur ganz ganz dolle wollen.
Das habe ich nicht gesagt.
Das war-aus meiner Sicht- eine nüchterne Feststellung der Situation.
(‘sooooo’ und ‘dolle’ interpretiere ich als ad hominem. Ich bin keine Stricktante.)
Das ‘Volk’ (ca 90%) ist normalerweise an Grundsätzlichem nicht interessiert, und interessiert sich hptschl für sein Fortkommen.
(was ich ihm im Normalfall auch gönne.)
Jeder sein kleiner Hedonist, nicht wahr?
Gleich beschimpftst Du mich vielleicht noch als Leninist.
Hast Du eigentlich eine gute Erklärung für Chile-Allende-Milton Friedman. Von Kissinger mal ganz zu schweigen.
Da wär ich vielleicht sogar noch ein Verschwörungstheoretiker.
Was war gleich noch mal die ‘Schuld’ der Chilenen, -so als ‘Volk’, als ‘wir’, dass es so in den Graben ging?
Nee, ich wollte Dich sicher nicht ad hominem beschimpfen, ich rege mich nur – Du kennst mich ja mittlerweile – immer über gedankliche Persilscheine für unsere lieben Mitbürger auf, die sarrazinlesend, bohlenhörend und willguckend vor sich hin existieren und nie und nimmernicht für die Folgen ihres kollektiven Versagens in die Verantwortung genommen werden dürfen.
@SF
Regst du dich auch über mieses Wetter auf?
Unsere lieben Mitbürger sind nun mal so wie sie sind.
Das ist nur noch zur Kenntnis zu nehmen, Punkt!
Würdest Du das miese Wetter reflexartig verteidigen, wenn sich jemand über das Wetter beschwert? Seltsamerweise legen sich stets diverse Kommentatoren für ihre Mitbürger ins Zeug, wenn ich etwas von “Verantwortung” oder gar “Schuld” schreibe.
@SF
Nein, weil es absolut sinnfrei wäre, genau wie Aufregung oder eine Beschwerde darüber. Dem Wetter wäre es sowieso egal und mit einer Beschwerde bringen wir nur unsere Gemütslage zum Ausdruck, mehr nichts. Man kann es lediglich bedauern und … so hinnehmen wie es ist.
Ehrlich gesagt habe ich auch mein Problem damit.
Die schwachem im Geiste sind auch nur schwache Menschen, genau wie die alten Menschen oder Behinderte, die z.B. eine Straße nicht schnell genug überqueren können oder eine Treppe hinaufsteigen.
Ich denke, jede Berufs- oder Interessengruppe hat ihren Anlass zur Aufregung und Beschwerden über die Menschen – sie interessieren sich nicht oder zu wenig für die hohe Kunst, kleiden sich geschmacklos oder zu billig, warten nicht rechtzeitig ihre Autos, ernähren sich ungesund und achten zu wenig auf ihre Gesundheit (manche rauchen sogar;p), meiden Ärzte oder Arztbesuche, kurieren “falsch” ihre Gebrechen, pflegen nicht ihre Heim-PCs und/oder -router etc.pp. je nach Fachbereich des Betrachters. Ich glaube wir alle gehören zu einer oder anderen bedauernswerter Gruppe, die jemanden Aufregt. Nicht?
Und allen können die Bürger nun wirklich nicht recht machen. Jeder hat nun eigene Vorstellungen darüber, was wichtig oder unwichtig sei und worauf es im Leben ankommt.
PS. Im Übrigen habe ich mir überlegt, dass der Vergleich mit dem Geschehen in der (oder um die) IT/TK-Welt gar nicht so verkehrt wäre.
Alle haben heutzutage ihre PCs & sonstige Gadgets und gehen mal “ins Internet” um dies und jenes zu erledigen. Und da werden sie nach Strich und Faden belogen, betrogen, verarscht und abgezockt. Manch einer braucht nicht mal “ins Internet” zu gehen sondern nur ein “passendes” Gadget zu erwerben, um zu der Gemeinde zu gesellen. Man könnte auch hier sagen – selber schuld! Man müsse doch die Technologien zumindest im Ansatz verstehen und seine Werkzeuge beherrschen, seine PC und SW pflegen und updaten, passende Werkzeuge benutzen und von dem und jenem schlicht die Finger lassen.
Das Problem ist aber, dass nicht mal die Fachleute überblicken wirklich das Ganze und die erdrückende Mehrheit, die sich “ins Internet” traut, nicht mal den blassesten Schimmer von all dem hat und kann z.B. mit den Diskussionen um Datenschutz oder Sicherheit so ziemlich gar nichts anfangen. Unmündig, selber schuld?
Aus Sicht der Betrüger – Ja! Die letzteren brauchen auch mal ihre moralische Legitimation. Ist es in der Politik anders?
@Groo
Das ist auch meine größte Sorge bei der Geschichte – Peerstrojka und allerlei “Revolutionen” sind mir noch ganz frisch im Gedächtnis.
Ich habe kein Bedenken Linke zu wählen solange sie eine Oppositionspartei ist, würde es aber noch Mal gut überlegen, wenn sie eine reale Machtoption bekommen würde. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Eher ganz selten.
Waren die Gegenkräfte “einfach zu schwach”? Oder haben nicht alle, die eben nicht zur Wahl gegangen sind, damit auch die Entscheidung getroffen, dass sie ebenso gern von einer Wespenkoalition “regiert werden”, wie von jeder anderen möglichen Koalition?
Wie heißt es so schön? Wer nicht für Politik ist, ist für die Politik, die mit ihm gemacht wird…
Die meisten Bürger dieses Landes haben mehr Stellschrauben an denen sie drehen können, als sie wissen (wollen).
Denn um der Wahrheit die Ehre zu geben: sich über die “herrschenden Verhältnisse” zu beschweren und sie als Anlass zu nehmen, außerdem nichts zu tun ist sehr viel bequemer, als aktiv zu werden. Aber wann bitte schön, waren die “herrschenden Verhältnisse” mal nicht “herrschende Verhältnisse”?
Was für mich nur einen Schluss zulässt: solange es für die Mehrheit der Bürger bequemer ist über die Ungerechtigkeit der Welt zu lamentieren, als aktiv als als einer von” vielen kleinen Menschen an einem von vielen kleinen Orten viele kleine Schritte zu tun, die das Gesicht der Welt verändern können” (Popper) – wird sich nichts ändern.
Es ist noch schlimmer – ausgerechnet unser Gehirn, das voller Nervengewebe steckt, ist zugleich ein völlig schmerzunempfindliches Organ. Vielleicht liegt es ja daran?
Diese Feststellung scheint durch Umfragen belegt und entspricht nicht der Denke vieler Menschen. Sehr viele im Denken einfache Bürger erkennen die Ungerechtigkeiten und stehen hilflos dar. Alle Parteien (außer “Die Linke”, die viele nicht wollen auf Grund ihrer Vergangenheit) haben dieses Schlamassel angerichtet.
Viele Wähler verdrängen nicht, aber sie sehen in den Parteien keine Lösung. Sie sind zu ähnlich. Das Finanzsystem ist für die Mehrheit unübersehbar und wird bewusst von den Medien nebelhaft dargestellt. Kommentare in Zeitungen diesbezüglich werden unterdrückt, bezw. Artikel mit Kommentare komplett gelöscht. Bankvertreter haben heute einen schlechteren Ruf als früher Pferdehändler
Wo ist die Alternative für 90% der Wähler? Sollen sie nicht wählen?
In Gesprächen werden Bundespolitiker und Bankvertreter als “Verbrecher” bezeichnet.
Finanzskandal, Sozialbeschneidung, Bürgerbeteiligung, Ernährungsveräppelung haben müde gemacht und dieses ist auch die Absicht.
Wir haben keine “Krise” als Wendepunkt von irgend etwas, sondern nur als Druckmittel bestimmter Kreise ihre Vorstellungen zu realisieren.
“Wir” sollten unsere Prioritäten abstecken. Wenn Finanzmarktreformen denn nun wirklich eine hohe Priorität genießen, dann sollten “wir” z.B. unser Kreuz bei der Linken machen – SED, Mauer, Porsche-Klaus und Kommi-Gesine hin, Defizite in anderen Bereichen her.
Als Ersatz für eine nicht bestehende “links-liberale” Partei bleibt nur noch die Wahl der Linken übrig – nicht aus echter Überzeugung, sondern an Mangel an Alternativen. Recht hast Du.
Richtig.
Nachdem schon Flatter ins Dauer-Jammern verfällt, plädiere ich für eine harte Themenpartei.
Thema #1: monatliche Abwahl eines Regierungsmitglieds.
(Da macht doch ‘Demokratie’ fast schon Spass!)
Thema #2: Ein Führerschein für Wähler.
Alternativ ein Punktesystem (1-10) für nachgewiesene Kompetenz.
Das verlangt man schliesslich auch von Zuzüglern.
Der Wähler muss kompetent sein, und sich nicht von jeder dummschwatzenden Nusche einlullen lassen.
Die EINE Stimme gönne ich jeder Nusche.
Abgesehen davon, dass mir die Idee CDU/CSU Wähler wie Zuzügler zu behandeln zutiefst Sympathisch ist, hallte ich wenig von einem Wahlsystem das auf Bildung oder “Kompetenz” aufbaut. Denn die Wahlergebnisse kommen eben nicht durch einen Mangel an Wissen zustande, sondern durch divergierende (wahrgenommene) Interessen. Und das Interesse der Mehrheit ist eben, dass sich sowenig wie möglich Ändert.
Gute Idee, aber
wer formuliert die Fragen? Eine Kommission, klar
wer besetzt die Kommission? Politkwissenschaftler, wer sonst?
wer wählt die Unis aus, die…. usw.
Nicht unmöglich, aber schwierig.
Wie ein Führerschein für Eltern, Journalisten, Blogger.
@Groo
:D
Wer soll denn prüfen? Leidensgeprüfte Parteigenossen oder wie?
Ob Klaus oder Gesine dann auch wirklich verstehen, was sie in Brüssel oder Washington unterschreiben (müssen)? Ich hab da so meine Zweifel.
deine zweifel seien dir gegönnt. hast du die gleichen zweifel gegenüber dirk und phil? tom und ann?
am besten ist es doch immer, die kompetenz derer zu bezweifeln, die sie nicht nachweisen müssen, weil sie nicht in der position sind. so wird politik gemacht, so wird sie verstanden, und so wird die verantwortung für konkretes handeln auf hypothetische konstellationen abgewälzt. irgendwoher kenne ich das. es ist für mich ein merkmal von kampagnen, die massiv betrieben und als agendasetting schöngeschrieben werden.
Warum gehen deswegen “nicht ganz einfach” die Leute zu Tausenden auf die Strasse und ketten sich vor den Banken an? Warum gibts vor der Deutschen Bank oder in FFM im Bankenviertel keine Dauer”mahnwache” von Attac oder so? Und warum bepfeifen den Banker nicht jeden Morgen um 7.00 und abends um 19.00 Uhr irgendwelche aufgebrachten “kreativen” Demonstranten (Demokraten…)?
Warum geschieht das nicht bereits sein Ende 2008? Und warum tut das _niemand_ über Wochen und Monate?
Warum ist das eigentlich überhaupt kein Wahlkampfthema einer Partei das medial hochgehalten wird, wie z.B. Atomkraftverlängerung oder Volksentscheide bei den Grünen?
Warum kann man eben leider kein Kreuz bei den Linken machen, die zwar schöne Reden halten und tolle Wahlversprechen machen, bei denen aber im Regierungsfalle nix bei rumkommt?
Warum kotzt mich dieses ganze pseudo-solidarische Gutmensch-Getue hinter dem nur das reine Eigeninteresse steckt so dermaßen an?
PS: bei Eurem ersten Bloggerkongress werden Ihr sicher noch keinen “Break-Even” erreicht, aber künftig kannst Du dann wieder 12 Zylinder BMW fahren, lieber Jens…
Auch wenn Du das nicht wahrhaben willst und wahrscheinlich nicht begreifen kannst – vielen Menschen geht es nicht nur um das Eigeninteresse.
ich nehm an Du beziehst das auf den letzten Absatz. Ich begreife sehr wohl, dass es “vielen Menschen” nicht um das Eigeninteresse geht.
Aber die machen vielleicht keine eintrittspflichtigen “Kongresse”. Was soll das sein “BlogAid”? WTF?
aber das Thema ist hier OT… und ich hab da ja tatsächlich so meine Prinzipien. (Siehe Comment beim Feynsinn. Der Artikel bei dem war ja tatsächlich mal witzig).
Gell, Jens, ist schon ein anderes Gefühl, wenn sich mal jemand so in “Euer Business” meinungsmässig reinsetzt? Du hast ne Meinung zu meinem Job, ich zu Deinem. So ist das eben. Meinungsfreiheit…*hust*..oder ..hoheit…oder …
Egal.-
Wenn der Leistungsträger Oliver Mark von sich aus die fixen Kosten, wie z.B. Saalmiete, Miete der Veranstaltungstechnik etc. pp. spenden würde, könnte der Kongress idT ohne Eintritt auskommen. Sowohl die Konrad-Adenauer-Stiftung als auch die INSM haben aber erstaunlicherweise abgelehnt, eine Veranstalltung von und für kritische Blogger zu unterstützen. Komisch.
Na ja, wenn das ganze wenigstens Substanz hätte.
Meinungsfreiheit ist nun einmal universell, sagt aber nichts über die Qualität der Meinung aus.
……dieses stimmt, aber nur sehr wenige entscheiden und dort überwiegt das Eigeninteresse oder sie sind nur einfach überfordert in ihren Funktionen.
Das Peter-Prinzip gilt auch hier.
Hat die Linkspartei denn über Parolen und publikumswirksame Forderungen hinaus (vorgetragen von den “größten lebenden Marxistinnen-Leninistinnen”) da was zu bieten. Was sollen z. B. Parolen wie: Für die Banken waren Milliarden da und für Schulen nicht. Die Milliarden haben ja (zunächst) nicht nur Banken gerettet. Man kann des systemischen Gedanken nicht einfach durch Parolen madig machen.
Nein ich brauch es seriös.
Hat die Linkspartei konkrete Pläne entwickelt das man bestimmte Finanzprodukte verbietet und gibt sie über Parolen wie “gegen Spekulation und Bereicherung usw usf” Gründe an.
Will sie Sorge dafür tragen, das nur solche Produkte zugelassen werden bei denen der Anleger noch direkt sieht worin er investiert, woran er beteiligt ist und das Risiko direkt erkennen kann (im Moment kann ichs nicht konkreter ausdrücken).
Sowas fordert auch Paul Kirchhoff. Läßt sich die Partei notfalls von Kirchhoff (diesem Professor da (Schröder) beraten oder nimmt wenigstens seine Vorschläge auf ohne das diese nicht weit genug gehen usw.
Das muß es für mich schon sein. Mal ganz abgesehen von vielen anderen billigen Effekthaschereien die diese Partei genauso oder sogar noch schlimmer betreibt als andere. Aus Protest hab ich sie zweimal gewählt, aber das nutzt sich ab, zumal bestimmte Aspekte der Realität einfach (wie eh und je) geleugnet werden.
So kommen Wahlüberlegungen auch zustande. Sie sind vielleicht oft individueller als der Artikel durchschnittlich unterstellt.
Für’s weitere Sarkozy’sche Euro-Retten sind die doch gar nicht nötig. Du hast anscheinend nicht mitbekommen, wie die politischen Standpunkte dazu verteilt sind. Unnötigerweise badest du in Selbstmitleid.
Das Problem mit den Prioritäten ist ja die auch wieder die Praxis der parlamentarischen Parteiendemokratie.
Erst wählt man eine Partei aufgrund einer bestimmten Sache die man erreichen will und die Priorität für einen selbst geniesst.
Dann muss diese Partei in die Regierungsbeteiligung kommen (bei der Linken bräuchte man da schon eine Menge Optimismus).
Hiernach wird ein Koalitionsvertrag in irgendwelchen Hinterzimmern aufgelegt.
Und ab diesem Punkt ist man darauf angewiesen das die entsprechende Partei es nicht nur ernst meint und nicht gelogen hat, sondern auch in genau diesem Punkt an dem man seine Prioritäten angesetzt hat, keine faulen Kompromisse eingeht.
Und eben weil Koalitionsgespräche so undurchsichtig sind, ist es schwer nachzuvollziehen ob die eigene Wahl richtig war.
Alles in allem zuviele ‘wenn’ und ‘abers’.
das lässt sich leicht lösen:
zumindest in ihren besseren Zeiten waren die Grünen mal eine Programmpartei /Themenpartei:
Forderungen 1..10, sauber durchpriorisiert, bei Koalitionsverhandlungen.
5%: Forderung 1..2 ohne Kompromisse.
10%: Forderung 1..5 ..
Undsoweiter.
Komplett berechenbar für den Bürger.
Ein sauberes Vorgehen für eine kleine Partei.
Es wird explizit gesagt, dass alles ausserhalb des Forderungskatalogs offene Verhandlungsmasse ist.
So können kleine Parteien effektiv agieren.
Das Problem stellt sich eher für die diffusen Parteien der ‘Mitte’, die es allen und niemandem recht machen.
Ein potentieller Riesenvorteil gegenüber einem reinen Mehrheitswahlsystem!
Was erwartest du denn? Wer sollte denn gewählt werden? Es gibt keine Alternativen. Der ganze Laden könnte theoretisch auch als Einparteiensystem funktionieren. In 10 – 20 Jahren könnte es Veränderungen geben, wenn die CDU Stammwählerschaft in überwiegender Anzahl aus biologischen Gründen nicht mehr da sein wird.
ich gebe da R_Winter ausdrücklich recht.
Zu Deiner These:
Auch richtig. (Im bestehenden System.)
Deshalb muss der Ansatz sein, das Wahlrecht zu ändern!
Demokratie basiert auf der Kompetenz, nicht nur über die eigenen Umstände zu (mit-)entscheiden, sondern die der Gemeinschaft.
Und daran hapert es, diese Kompetenz auch abzufragen und umzusetzen!
Die ‘Gegenseite’, die Jens aus mir unerfindlichen Gründen abflacht in ein ‘wir’, hat längst 90% der Entscheidungen kassiert: Durch Lobbyismus, Korruption und what have you.
‘one dollar, one vote’ ist zwar bei uns noch nicht komplett umgesetzt, aber in diese Richtung geht es.
Und wenn es so ist, dann: Gute Nacht, (Pseudo-)Demokratie!
Die These von Jens, dass diffus ‘wir alle’ schuld sind, halte ich für kontraproduktiv.
Der Esel wird von den PTB ja nicht nur benannt, sondern auch zu einem solchen gemacht!
Das wäre letztlich ein Klassenwahlsystem. Wer bestimmt dann die Kompetenz? Der Schulabschluss? Der Lohnzettel? Du? Ich? Eine Kommission?
Darum schreibt Jens ja auch genau das nicht! Er schreibt etwas von kollektiver Schuld (nicht Kollektivschuld!!!) und schreibt, dass man daraus nicht auf die individuelle Schuld schließen kann und darf.
Jajaja,
Die Bestimmung von ‘Kompetenz’ ist eine höchst heikle Angelegenheit.
(Ich denke seit mehreren Jahren darüber nach, ohne zu einem guten Schluss gekommen zu sein).
Die Idee ist, dass es zwei Komponenten gibt:
a) die Komponente des sozialen Engagements innerhalb der lokalen/globalen Gemeinde (max: 5 Punkte)
b) die Komponente des abgefragten Wissens über gesellschaftliche Prozesse. (internetbasierend?) (max: 5 Punkte)
Was eine Schwachstelle in meinem Konzept ist: dass die Abfrage von flüchtigem Wissen sehr betrugsanfällig ist.
Ist aber mE vermeidbar.
Hoffe, Du verstehst meine Bauchschmerzen und meine Ambitionen.
Ich selbst bin wohl kein 10-Punkte-Kandidat, sondern eher ein 5-Punkter.
Was mich nicht stört. Ich habe halt meine Grenzen, und bin nur ein durchschnittliches Mitglied der Gesellschaft.
Irgendwie fühle ich mich aufgehoben bei Leuten, die meine Schwachstellen kompensieren.
Und nicht echt schwachsinnige Egoisten, die alles übernehmen.
Aber die ART des Durchschnitts wäre vollkommen anders!
Vielleicht bimodal.
Es geht letztlich um Dimensionen:
Dass A a will, B b will. …
Bin aber trotzdem der Meinung, dass so ein Bewertungssystem die ‘Gesellschaft’ so -in die gute Richtung- umkrempeln würde, dass es des Schweisses der Edlen, wie man sagt, wert wäre!
@Groo:
Auf welcher Grundlage fußen deine Vorschläge? Hast du einbezogen, daß
- andere Zeiten/Umstände vielleicht andere Mittel erfordern?
- es Abhängigkeiten von der Gruppengröße gibt?
- der Grad der Betroffenheit sehr unterschiedlich sein kann?
- Gesellschaft ganz allg. ein äußerst dynamisches Gebilde ist, für das es eben keine Standardlösung gibt?
- Feedback-/Korruptionsmechanismen?
- wir vielleicht das Falsche wollen? Was wollen wir überhaupt?
- etc.
Keine Angst – ich werde deine Worte nicht auf die Goldwaage legen. Ich frage mich nur erstmal, über was wir uns klar werden müssen, bevor wir handeln?
Nimm den Hieb als Ansporn und freu dich über die Kritik!
Edit: Du bist KEIN durchschnittliches Mitglied der Gesellschaft, du bist ein Mitglied der Gesellschaft wie jedes andere auch! So ein Spruch würde dir innerhalb deiner Familie im Traum nicht einfallen. Der “Leistungsgedanke”, überhaupt jeglicher Kompetenzvergleich ist auf dieser Ebene völlig fehl am Platze und führt in Elitarismen.
@Linus
Deine Fragen; meine Versuche:
- andere Zeiten/Umstände
Da ist definitiv der Fall.
Was die anthropologische Konstante ist, und was jeweils zeitbedingt ist?
Man müht sich (wieso waren die Inka die Inka, die Mapuche die Mapuche? –bin natürlich Mapuche Sympathisant)
Kurz: ich weiss es in der historischen Tiefe nicht, wer ‘Ich’/'wir’ sind.
Was mich natürlich umtreibt.
- Abhängigkeiten von der Gruppengröße.
Das halte ich bis auf weiteres für eine anthropologische Konstante.
Gruppen >5 000 hierarchisieren sich automatisch.
Ich beziehe mich da auf die schöne Ableitung von P.M: “der 20%-Planet”. Andere sagen 1000. Andere 300.
Wir sind mental nicht in der Lage, mit grösseren Gruppen umzugehen, ohne Hierarchien aufzutürmen.
zB Nördlingen: 10K = absolute Grenze, bzw zusammengebrochen durch diverse externe Einflüsse.
(Kirche, Fernhandel)
- Grad der Betroffenheit.
Das betrifft mich ja auch selber.
Robuste Gestalten sind erstmal von überhauptnichts ‘betroffen’.
‘Betroffenheit’ ist eigentlich ein sozialer Klebstoff, den soziale Menschen produzieren. Mit Aufwand! Die Holzköpfe, die man in begrenzten Communities noch kleben kann, rotten sich in grösseren Communities (New York) zusammen, und sind nicht klebbar, wenn du so willst. Oder leben aneinander vorbei. Invertierter melting-pot. Man ist ja schon froh, dass es keinen Krieg gibt.
-dynamisches Gebilde.
Ja.
Heisst das Krieg oder Frieden?
Gebe Dir recht. ist ein wichtiger Punkt.
-Feedback-/Korruptionsmechanismen?
Naja. da ist meine eigene Rede.
- wollen wir vielleicht das Falsche ? Was wollen wir überhaupt?
Ja. Was wollen wir überhaupt?
Ich für mich selbst fühle mich als Gast hier, und nicht immer wohl.
Was können wir schon wollen in einem fremden Haus?
Camus hat sich hier -in der Welt- als Fremder gefühlt.
Andere fühlen sich als Hausherren, wo sie alles zusammentrampeln können.
Der Gedanke ist erschreckend leicht zuende zu führen.
@Groo: Kurze Antwort ;-)
Gruppengröße 5000:
Welches Organisationsprinzip gilt bis 5000, welches darüber?
Dynamisch:
Stell dir Familie vor, oder eine Schulklasse. Würdest du dir da wirklich vorschreiben lassen wollen, wie du dich zu organisieren hast? Nein, das geht ‘ad hoc’ viel besser. Warum auch nicht? Für größere Strukturen ist das natürlich nicht mehr praktikabel.Dennoch, auch hier ist entscheidend, was in der jeweiligen Situation am besten funktioniert. Ein Modell, was seine Statik oder sonstwas zum Prinzip erklärt, überlebt da keine 5 Sekunden.
Grad der Betroffenheit:
Damit meine ich nicht seelische, sondern physische Betroffenheit, sei es Cholere-Opfer auf Haiti oder Hartz4-Empfänger in Deutschland. Würden die in einer Angelegenheit, die sie selbst betrifft, ein höheres Stimmrecht erhalten?
Was wir wollen:
Erstmal ist das reichlich unklar. Zum zweiten beißt sich da die Katze in den Schwanz. Denn auch das Kondensat daraus, eine Art Gesellschaftsvertrag, müßte man über irgendein Abstimmungsverfahren legitimieren. Wie sieht dieses aus? Gibt es da auch Kompetenzen und unterschiedliche Gewichtung der Stimmen? Wo ist das fixiert, wenn es noch keinen Vertrag gibt?
Feedback, Korruptionsmechanismen:
Die Menschheit ist die einzige Bakterie, die sich selbst infiziert. Wie funktioniert das? Was impliziert das?
Dazu auch: Ein Großteil unserer Probleme resultiert aus dem Dilemma Individual-/Partikular-Interesse vs. Allgemein-Interesse. Würden sich alle einfach als Teile einer Menscheit verstehen, so wäre das Gröbste schon gelöst. Natürlich ist die Sache nicht so einfach. Die Diktatur des Kollektivs hat sich auch nur als Diktatur erwiesen. Nichtsdestoweniger bin ich mir sicher, daß ein Großteil des heute praktizierten Individualismus/Egoismus herbei-geredet, herbei-geschrieben, herbei-geführt ist. Hier wäre eine Suche nach einem neuen Selbstverständnis(!) des Menschen und einem akzeptablen Gleichgewicht der Pole Individuum / Menschheit (oder gar Natur) wohl äußerst fruchtbar.
Kompetenz- /Leistungs-Gedanke:
Hat sich eigentlich mit dem vorherigen Punkt schon erübrigt. Wenn wir alle Teile derselben Suppe sind, dann geht es bei Kompetenz eben nicht um KONKURRENZ, sondern um KOMPENSATION, d.h. Stützung der Schwächeren. Funktioniert aber eben nur mit einem solchen Selbstverständis. Alles klar?
Und zur Konsensfindung: Jede Stimme werde angehört! Nur dann kannst du ihr gerecht werden.
Alles in Allem: Fragen über Fragen. Da gibt es km Bibliotheken dazu. Das sollte uns eine gewisse Ernsthaftigkeit abnötigen.
PS: Ich persönlich setze mehr Hoffnung in strukturelle Prinzipien wie Gewaltenteilung etc., als in die ‘richtige’ Konsensfindung. Diese helfen das Schlimmste zu vermeiden und lassen doch den größten Freiraum für Entwicklungen.
wie auch immer du die Kompetenzen setzen würdest, das ganze wäre danach keine Demokratie mehr. Zumindest nich so eine wie Sie momentan definiert ist.
Das ganze würde außerdem letztendlich zu noch mehr “Ungleichheit” führen. Ich glaube nicht, dass es an der Demokratie bzw dem Wahlrecht liegt, dass “wir” in so einer “alternativlosen” (wie ich dieses Wort hasse, denn es gibt immer eine Alternative) Situation sind.
Man sollte auch einfach mal die empirisch und evolutionär gewachsenen machttheoretischen Grundlagen unseres heutigen Gesellschaftssystems beim Nachdenken beachten.
Eine Wahl zu treffen bedeutet doch eine Entscheidung zw. mind. zwei Alternativen zu treffen. Dabei wird die Grenze des eignen Einfluss-/Freiheitsbereiches allein durch die systembedingte Nichtwahl einer der Alternative immer überschritten und der Einfluss-/Freiheitsbereich eines anderen berührt, d.h. der Wählende übt Macht/Herrschaft über den Nicht-Wählenden aus.
Die Verantwortung übernimmt dabei immer die Wählende, deswegen ist das Nicht-Wählen/Entscheiden auf politischer Ebene so beliebt. Während auf privatwirtschaftlicher Ebene das Nicht-Wählen/Entscheiden keine Option ist, kann sich der Wählende aber gegen diese Verantwortung absichern (D&O-Versicherung).
Wahlberechtigte werden durch den Besitz einer bestimmten Sache/Eigenschaft definiert:
Geschlecht, Religion, Abstammung, Sklaven, Grund/Boden, Gewaltmittel, Produktionsmittel, Zahlungsmittel, legitimierte/erzwungene Autorität etc.
Die Beschränkung der zur Wahl Berechtigten führt immer zu einer Veränderungen auf gesellschaftlicher Ebene, welche diese Beschränkung aufheben will.
Heute und in Deutschland muss, in der untersten politischen Ebene, ein bestimmtes Alter erreicht und in höheren Ebenen eine demokratisch legitimierte Autorität verliehen werden.
Auch gegen diese letzten Beschränkungen gab/gibt und wird es immer wieder gesellschaftl. Initiativen geben, wie die Absenkung des Wahlalters, Bürgerentscheide oder eine verfassungsfeindliche Abschaffung der Demokratie selbst.
Unter den letzten Punkt kann man natürlich auch Inkompetenz und/oder Korruption verstehen, aber diese Probleme sind doch nicht durch eine weitere Beschränkung der Wahlberechtigten lösbar.
die biologische karte zieht schon lange nicht mehr. hatten wir nicht unlängst einen jahreswechsel? es ist 2011, und 1982 war die biologische karte mit birne ausgespielt. es sind die jungen idioten, die sie wählen.
Genau darauf habe ich vor 30 Jahren schon gehofft, allein die wachsen leider immer wieder nach, die Stammwähler!
Ja, da habt ihr ja wohl recht. Hatte ich nicht bedacht.
Der erste Absatz war der aussagekräftigste und der mit den meisten Möglichkeiten,nachzudenken oder zu ändern.
Nachgedacht haben zu wenige-noch sind die meisten behütet und wohlstandsverseucht-
aber die Medien repräsentieren nicht mehr alle Menschen.
Das ist mein Gefühl, wenn ich allein bin.
Von wegen Mehrheit, die ca. 35% der Hornissenkoalition, wollte ich lospoltern und kam gerade noch dazu bis 3 zu zählen. Es stimmt. Die Mehrheit wählt neoliberale Einheitspartei. Was ich sagen wollte – rundum rund, der Artikel, vom Besten. Danke, Spiegelfechter.
Ich war heute sehr angenehm überrascht, diesen mutigen, und in meinen Augen sehr treffenden Artikel des Spiegelfechters zu lesen.
Wir können uns alle winden, erklären, Entschuldigungen herauswürgen, warum alles so weiter geht wie gehabt, die Kernwählerschaften von CDU/CSU/SPD/FDP/Grünen, diese im Kern reaktionäre kompakte Wähler/Stimmvieh-Masse , welche mit immer größerer Sturheit am gegebenen Status Quo sich fest beißt, je mehr der Neoliberalismus sich austobt, diese Masse ist ganz selbstverständlich mitschuldig an den verteinerten verknöcherten Verhältnissen in diesem Land, daran, dass sich auch in Deutschland bisher fast nichts an den Regularien für das Bankwesen geändert hat..
Und da gerade diese feste kompakte “Mittelklasse”-Masse von den Auswirkunge in der Wirtschafts- und Finanzkrise diesesmal noch einigermaßen bewahrt werden konnte, sehen die auch alle keinen Grund, die heutigen Verhältnisse prinzipiell in Frage zustellen.
“Mutti” hatś noch mal geschafft.., “Deutschland” geht mit seinen getürkten Arbeitslosenzahlen, der Finanznot vieler seiner Kommunen, dem Hartz 4 Elend “Dank Mutti”… sogar “gestärkt” aus der Krise, die Arbeitslosenzahlen “sinken”, die Wirtschaft “boomt” …
Und bei so viel verabreichten medialen Soma plus Abwrack-Prämie sollen unsere “Mittelklassen”-Spießer den “staatstragenden” Parteien den Rücken kehren?
Nee Leute, vorerst knallen bei Banken und DaX-Konzernen wieder die Champagnerkorken – bis zum nächsten Krach…., und CDU/CSU/SPD/FDP/GRÜNE erhalten auch in diesem “Superwahljahr wieder und wieder ihre Absegnungen durch den Wähler!(In welchen gegensätzlichen Prozenten innerhalb dieses ganzen CDU/CSU/SPD/FDP/Grünen-Polithaufens ist da völlig unerheblich, sie stehen eh alle für das gleiche…)
@SF
Nun übertreib’ nicht, die Welt würde auch danach ganz sicher geben, höchstwahrscheinlich sogar mir Resten der Menschheit und Zivilisation.
:)
Solange dem Volk einigermaßen gut geht, will es nur noch in Ruhe gelassen werden. Darauf basiert jede politische Macht – auf die “demokratische” Mehrheit ist immer ein Verlass, wenn der Bogen nicht überspannt wird.
Im Übrigen erinnere ich mich noch an eine soziologische Studie, die international durchgeführt und wo es belegt wurde, dass die Mehrheit immer die ggw. Machtstrukturen befürwortet, egal wie die sind (also auch Diktaturen). Gab’s mal einen kurzen Artikel bei tp darüber.
Auch Mehrheit der Iraker oder Afghanen wollten gar nicht ihre Tyrannen weg haben womit sie gar nicht so falsch lagen – jetzt geht ihnen noch beschissener.
Tja, würden “die Wähler” noch die Grundlagen dieses Systems verstehen, so hätte zumindest eine Partei etwas mehr Stimmen bekommen.
AUs den s.g. Volksparteien hat m.W. keine etwas in der Richtung versprochen und sich lieber mit pauschaler Demagogie begnügt. Offensichtlich reichte es “dem Wähler”, der schon einige Erfahrungen mit Schröder’schen “Reformen” gesammelt hat.
Nein, nun überschätze nicht den Wissensstand der “demokratischen Mehrheit”.
Im Ganzen aber sehr guter Anfang für den Blog-Karneval
Klar ;-)
Da trällere ich dann lieber den ollen R.E.M.-Schlager “It´s the end of the world as we know it”
http://www.youtube.com/watch?v=_eyFiClAzq8
So wird das wohl sein.
“Solange dem Volk einigermaßen gut geht, will es nur noch in Ruhe gelassen werden. Darauf basiert jede politische Macht – auf die “demokratische” Mehrheit ist immer ein Verlass, wenn der Bogen nicht überspannt wird.”
(SF):”So wird das wohl sein.”
Diese beiden Aussagen: Sehr trocken, wenig begeisternd, aber leider vorerst noch sehr real! (weshalb wir wohl noch sehr lage die Schrams, Priols, Pispers zum Lachen brauchen werden…, schade, dass man von Thomas Freitag nur noch selten hört)
Copoka, auch bei vielen Russen in Russland und Russland-Deutschen hier ist Putin real viel beliebter als bei unseren Medien! Sonderbar, oder? Das Volk……
das volk…… vs. unsere medien! irgendwo ist hier für mich der haken. die leute glauben ihrer zeitung, ihren nachrichten im fernsehen, im radio, im internetz. lafontaine z.b. wurde anno dunnemals von allen relevanten medien weggemobbt. wie hätten die leute sich ein anderes bild verschaffen sollen?
das volk, was auch immer das sein soll außer der wahlberechtigten bevölkerung, ist immer wieder immer auch opfer der indoktrination und propaganda der herrschenden klasse, ganz unabhängig von individueller verantwortung.
@Bakunin
Ja, das bestätigt nur die Studie. Auch Jelzin war sehr lange “beliebt”, bis es den meisten wirklich mies erginge.
@ Bakunin
Schon wegen Jelzins Alkoholexzessen ist Putin beliebter bei den Russen.
Davor war diese dumme Nuß Chruschtschow, für den sich die Russen ständig schämen mußten und dann diese wandelnde, ewig besoffene Katastrophe Jelzin.
Du hättest Putin, im Vergleich zu diesen beiden Herrn, bestimmt auch gemocht und höchstwahrscheinlich auch gewählt.
Na, Putin finde ich auch irgendwie klasse. Aber nicht klasse im Sinne von gut oder so. Eher die Art seiner Inszenierung mit nacktem Oberkörper und Flinte aufem Pferd, sein Köter oder im Lada durchs Land. Obwohl das wohl ein Fake war. Das ist schon häufig unfreiwillig komisch.
@ Elbarto
Ja, aber dieser Komiker regiert dieses Riesenreich seit über 10 Jahren und seine Popularität ist in seinem Lande viel höher als jedes beliebeigen, europäischen Politikers im jeweiligen Land.
Dabei sind die Russen in keinster Weise dümmer als West-Bürger.
PS. Diese Reise in der Lada durch das Land war übrigens kein Fake.
Truvor: “PS. Diese Reise in der Lada durch das Land war übrigens kein Fake.”
Russische bzw. sowjet. Technik zeichnete sich schon immer oft weniger durch hohe Kompliziertheit aus als viel mehr durch eine hohe Zuverlässigkeit auch unter extremsten Bedingungen.
Wenn nun Putin eine weite Reise durch Sibirien tut, weshalb solte er da keinen Lada benutzen, ein zwar einfaches, aber sehr robustes Fahrzeug?(sicherlich wolte er damit auch ein wenig Werbung für diese Marke machen, vermute ich mal)
Im 2. Weltkrieg mochte Nazi-Landser sehr erbeutete Kalaschnikows, da praktisch unverwüstlich, stets feurend….
Wahrscheinlich wird Putin im Nato-Westen überhaupt recht falsch eingeschätzt.
Viele Leute aus Russland, die ich so kenne, schätzen ihn zumindest.
@ Bakunin
Ja, so ist es.
Die sowjetische/russische Technik war schon immer unkompliziert.
Komplizierte Technik, (wie Du vermutlich auch weißt), ist meist unzuverlässig und die unzuverlässige Technik, (wie Du vermutlich auch schon weißt), könnte in einem Land wie Kühlschrank-Russland es ist, einem zum Verhängnis werden. ;-)
In dieser Geschichte mit der Lada hat Putin an erster Stelle nicht für das Auto geworben, sondern für die neue Autobahn, die in Sibirien (in seiner Amtszeit ;-)) gebaut wurde.
Die MP-Kalaschnikow wurde im Jahre 1947 entwickelt.
Nicht umsonst heißt sie AK-47.
Die deutsche Lanzer haben höchstwahrscheinlich eine “P-P-SCHa” (Pistolet-Pulemöt Schpagina (bzw. Spagina) = Schpagin war ein Konstrukteur vom MPs und MGs) hochgepriesen.
Ist auch nachvollziehbar, die P-P-SCHa war die robusteste und zuverlässigste MP im 2-Weltkrieg.
ich habe es zumindest ehemals versucht in NRW nicht die aSPD zu wählen, um Steinbrück als MP zu verhindern; hat ja “toll” geklappt – oder?
Ohne Veränderung der Listenwahl(-en) können wir jegliche polit. Veränderung vergessen.
Groo schrieb am 11. Januar 2011 at 20:37 –
Du hältst die Wählermasse für “dumm” und möchtest diese daher mit einem Kompetenz-Punktesystem kurrieren oder gar von den Urnen fernhalten?
Nee , die sind nicht dumm, einfach nur opportunistisch(Spatz in der Hand besser wie…), konservativ, verknöchert…., größtenteils noch satt, zufrieden, sozial gesichert……, mit einer “gesunden” Portion Ignoranz versehen……, einfach: SPIEßER eben!
werter Bakunin,
Es geht nicht um ‘dumm’, sondern ‘ignorant’.
Aus dem Grund, dass sie -die ‘Wählermasse’- garkeine Zeit hat, darüber nachzudenken.
Oder sie sich nicht nimmt.
Klar ist das ein altes Thema des ‘aufgeklärten Bewusstseins’.
Was Du Opportunismus nennst, nenne ich Hedonismus.
Und schwupps, ändert sich das:
Wo der Opportunist sich den Mächtigen beugt, beugt sich der Hedonist seinen eingebildeten Bedürfnissen.
Ungeachtet der ‘Welt’.
Amen.
Also dass mit dem Opportunismus, Hedonismus……, tief in der Seele bzw. Psyche der Menschen scheint es da wohl schon Berührungspunkte zu geben.
Gehörten und gehören nicht noch immer auch eine Menge typischer Opportunisten, egal aus welcher Ecke dieser Gesellschaft zu den eifrigsten Konsumenten der Sex-Industrie, waren Bums-Urlaube an den Peripherien der entwickelten imperialistischen Welt nicht gerade auch bei großen und kleinen Opportunisten, einschließlich “gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmern” schon immer sehr beliebt?
Wollten nicht vor schon längerer Zeit ausgerechnet “Grüne” sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern “freigeben”, ausgerechnet jene “Grünen”, die etwas später – 1999 – nur noch von Nato-”Missionen” begeistert waren, noch etwas später für Hartz 4?
Oder man schaue sich nur Outfit und Physiognomie einschließlich Bäuchen und Doppelkinns so vieler “Grüner” an, ebenso vieler anderer gut bestallter Mitmacher in Verbänden, Parteien, Gewerkschaften etc…, da kann man Hedonismus schon mit Augen und Händen greifen.
Und dazu noch geile, gekaufte korrumpierte Betriebsräte mit brasilianischen “Geliebten”, finanziert aus Konzernkassen nicht zu vergessen……
Opportunismus und Hedonismus, da könnte in der Tat was dran sein.
Dennoch groo, wir müssen aufpassen, die ganze Politik nicht ganz in reiner (Tiefen?)Psychologie zu ersäufen, alles hat seinen Grund auch in flotter Mehrprodukt-Mitverzehrerei, ganz gewöhnlichen Kapitalismus, Klassengesellschaft eben!
“Die wachsende Spannung bewog die damalige Bundeskanzlerin dazu, den richtigen Leuten zuzuhören, zu reflektieren und dann erst zu handeln. Nach meiner Erinnerung waren es vor allem drei Schritte, die eine Wende einleiteten:”
http://www.zeit.de/2011/02/Reformland-Deutschland
Das ist Propaganda vom Feinsten.
Mit solchen Informationen werden die Bürger gefüttert.
Was für eine Propaganda, von der Zeit kann man auch nicht wirklich was anderes erwarten. Hier mal das “Kleeblatt” Deuschland, deren Blätter allesamt Lügen sind:
Und genau deswegen wurden erstmal die Laufzeiten für die Atommeiler verlängert. Es ist ja eine “Brückentechnologie”.
Wird nicht eher überlegt Bürgerbeteiligungen an Großprojekten zu begrenzen?
http://www.tagesspiegel.de/politik/regierung-will-offenbar-weniger-buergerbeteiligung-bei-grossprojekten/3692302.html
Ja, sicher, deswegen sieht es an den öffentlichen Schulen und Unis so aus, wie es aussieht.
Schon wieder dieses ominöse W-Wort. Die Gesellschaft in D ist eine völlig entsolidarisierte Individualgesellschaft dank jahrzehntelanger erfolgreicher Spaltung und Verdummung durch die Medien.
Wer sich diesen Mist kauft und liest, wird bei der nächsten Wahl wahrscheinlich wieder sein Kreuz an der gewohnten Stelle machen. Die Regierung hat ja alles im Griff.
wundervoll formuliert ;)
Guter Artikel, der ein Gefühl beschreibt, das ich auch habe. Dann fällt mir aber ein warum dieses Nachdenken über uns als Kollektiv und die “große Politik” so unterhaltsam ist, und meiner Meinung nach auch so oft praktiziert wird: Es verschafft einem Ablenkung von den unangenehmen Fragen, die ich mir persönlich stelle. Was kann ich jetzt und hier dafür tun das sich etwas zum meiner Ansicht nach Positiven ändert? Ich habe das Gefühl die gierigen, unsozialen Mächte sind ansich nur deswegen so stark, weil ihr Gegenpart (zudem ich mich meistens gerne zählen möchte) einfach im Moment ziemlich schwach ist. Oh bin schon wieder ins Kollektive gerutscht.
Also was mach ich jetzt gleich, oder morgen früh nach dem Frühstück. Oder schon währenddessen. Statt Nutella, was nachhaltig produziertes essen? Das klingt ja lächerlich für den revolutionären Idealisten in mir. Mit dem Fahrrad zur Arbeit (bergauf, ca 8 Kilometer) oder doch alleine im 5-Sitzer Benziner. Es ist ja noch Winter, wenn auch kein Schnee hier liegt. Einen reichen Freund (wohl dem der einen hat) fragen, ob er mir 2 Wochen Geld leiht, oder der Bank die Überziehungszinsen schenken. Und so weiter und so fort.
Ihr versteht, was ich meine. Ist ja auch nix Neues. Kleine aber konkrete Schritte. Sachen halt mit denen man nicht mal ansatzweise eine Profil-Neurose befriedigen kann. Wenn man mal nachdenkt, fallen einem da glaube ich schon einige Sachen ein.
Und noch eins zur Parteien-Jammerei. Man kann auch ohne Parteibuch politisch aktiv werden. Oft höre und lese ich Klagen über die kurzfristiges Denken und Handeln von politisch oder sonstwie Verantwortlichen. Wer aber nicht mal die Phantasie besitz, sich neue politische Kräfte (vielleicht Parteien, vielleicht anderes) jenseits der existierenden vorzustellen (auch wenn das lange Jahre/Jahrzehnte dauern sollte), der braucht sich nicht wundern, das sich nichts verändert.
Yes, Sir.
Der Parteienklüngel hat ziemlich fertig.
Attac, wenn Du mutig bist. (8000 Mitglieder weltweit)
Greenpeace.
(habe das kürzlich hier runtergebetet, was so die Mitgliederzahlen sind)
Wenn Du echt mehrheitsfähg sein willst, geh zum ADAC!
Dann hast du freie Fahrt.
Striktemang an die Wand.
Naja.
Wenigstens bist Du dann mehrheitsfähig ;)
aber dafür medial sehr aktiv wie ich finde. Mit “mutig” meinst Du wohl eher “geduldig”?
Von Attac bekommt man so Papieraufkleber, die haben den Vorteil, dass sie nach so 3-4 Wochen entweder verblassen, verschmieren oder sich selbst auflösen.
Ideal fürs Auto. Man kann öfters mal Themen wechseln ohne die Karre dauerhaft vollzukleben.
Chic genug für unsere SUV´s…
Hab nur erste Zeile gelesen und an Naomi Kleins “Schock Strategie” gedacht.
Jetzt mal sehen was im Artikel steht ;)
haha,
dann lies mal die Kommentare!
Gute Intuition!
da christoph schlingensief im gesamten text unerwähnt bleibt ist die überschrift wohl eher selbstbedienung denn referenz.
Yes.
Schlingensief als der latter day Achternbusch:
Du hast keine Chance, aber nutze sie!
Nur:
Achternbusch lebt und säuft immer noch um die Ecke im Hofbräuhaus.
Schlingensief winkt hinunter zu seinem afrikanischen Opernhaus.
Und der Herrgott lacht sich wieder mal einen Ast.
Wenn das Wort Krise wirklich einen Wendepunkt bedeutet , dann ist meine Frage folgende : Warum wenden wir den Punkt den nicht ?
Du als Neusystemverweigerer fängst wirklich so einen neuen Artikel an.
Was du unter “unserer” Phantasielosigkeit verstehen magst , bleibt mir als Phantast verschlossen, ich versuche es zu verstehen.
Kann es wirklich sein das du umschwenkst und anfängst einen Systenwechsel zu befürworten ?
” O wie wahr dein zweiter Absatz für mich erscheint”
Was ich an deinem dritten Absatz nicht verstehe:
Im Blog vertrittst du sehr oft die Argumentationskette des Aussitzens und der Finanzkosmetik, und dabei scheint es so zu sein als ob du eben diese in diesem Absatz kritisierst.
Was du in deinem vierten Absatz verkennst ist die manipulative 4te Gewalt die den einzelnen zu seinem Kreuzchen bewegt.
Wieviel kann der einzelne entscheiden ? Wieviel wird indoktriniert ?
Wieviel Alternativen hat der einzelne ?
Was kann er Angesichts der “dubiosen” Tatsachen den tun ? Autos anzünden ?
Wieso meinst du in deinem 5ten Absatz das sich das Zeitfenster für die nötigen “Umwandlungsstrukturen” bereits geschlossen hat ?
Welche wissenschaftliche Tatsache lässt dich glauben das sich das Zeitfenster geschlossen hat ?
Bei der vertanen Chance sprichst du viel wahres……….abgesehen von der tatsache das die Chance nicht vertan ist.
Sagen wir mal so:
Jens ist ein chronischer Optimist.
Oder er stellt sich als solcher dar.
Er gefällt sich darin, wie ein Don Qixote gegen die Tatsachen die Windmühlen des Pragmatismus zu halluzinieren.
Wenn er das nicht täte, könnte er seinen Blog ja gleich einstellen.
Insofern dient Jens einem höheren Zweck: Dem Absurden.
Psst. Das soll keiner wissen!
Wirkt nämlich dann am besten, wenn Keiner es merkt!
Und Groo, mit seinem Skeptizismus und Agnostizismus, also mit senier konservativistischen Heuchelei dient dem Zweck, dass sich nichts ändert, weil es sowieso nicht möglich ist, dass sich etwas ändert, und wenn schon, dann würde dies nichts bringen, …
Psst. Das soll keiner wissen!
Wirkt nämlich dann am besten, wenn Keiner es merkt!
Allerdings, die westliche Demokratie, so wie wir sie kennen, taugt nichts (wenn man die restlichen Lösungen schon verworfen hat)
Wenn sich hier nichts ändert, wird das Volk genau das tun, was es schon ewig und immer (wussten schon Platon und Aristoteles) in solchen Situationen getan hat
Das Volk wird das kleinere Übel wählen: Die Diktatur
PS
Ich werde dann vielleicht nicht im Blog kommentieren können, (Wahlen wird natürlich kein Diktator mehr verbieten – wozu auch) aber man wird unseren Kindern irgendwelche sinnvolle(re) Zukunft ermöglichen
Ja, warum haben unsere Großeltern Adolf von ganzem Herzen geliebt
“Ja, warum haben unsere Großeltern Adolf von ganzem Herzen geliebt?” wird da so ganz trocken von einem Kommentator gefragt.
Nun, wahrscheinlich deshalb, weil der gute Adolf seinem mindestens ebenso guten Deutschen Volke ganz ehrlich, auf “Notwendigkeiten”, “keine Alternative” verweisend vor allem mehr Kanonen als Butter versprochen hat.
Und S O wurde damals der Führer unendlich vom ganzen Herzen geliebt und heute von CDU/CSU/SPD/FDP/”Grünen” Gemeinsam alle Wahlen wieder und wieder gewonnen!
Die Sache mit der Befreiung 1945 muss irgendwie bei den guten Deutschen in die Hose gegangen sein…..(wenigstens mussten sie die anderen Länder wieder verlassen)
Wie denkt man darüber in historisch gebildeten Kreisen?
Erwähnenswert im Zusammenhang mit dem Artikel ist auch der Begriff der “kognitiven Dissonanz”, welche “gefühlt” auch auf gesellschaftlicher Ebene stattfindet. Wie die Wiki so schön schreibt (Hervorhebung von mir):
Eine wesentliche Reaktion ist leider NICHT aufgeführt, nämlich die, daß unwillkommene Teile der Realität völlig ausgeblendet werden. Im Extremfall geht das bis zur psychischen Persönlichkeitsspaltung. Schrägerweise führt das bisweilen sogar dazu, daß Leute lieber von der Brücke springen, als die Stimmigkeit des Selbstkonzeptes aufzugeben.
Dieses Verhalten bewirkt, daß notwendige Anpassungen des Selbstbildes aufgeschoben werden, bis es zur Katastrophe kommt. Die Anpassung NACH der Katastrophe scheint dagegen verhältnismäßig leicht zu fallen. Offensichtlich ist der Zustand der Zerstörung des Selbstbildes ein so unerträglicher, daß er zeitlich möglichst kurz gehalten werden muß. Der “Abschwung” erfolgt also nicht in kleinen Schritten, sondern als Krisenereignis.
Persönlich kann man durchaus üben, den Tatsachen ins Auge zu schauen. Wäre interessant, ob sich das auch für die Gesellschaft machen ließe.
@Linus,
Like minds think alike.
Mein Beitrag 16.b.
Hat sich überschnitten.
(Ich muss jetzt leider aufhören. Morgen ist ein neuer Tag.)
Gute Nacht!
Aus der WiKi:
Oder auch, wenn die Alternativen genauso beschissen wären und man im Grunde gar keine sieht oder ggf. erkennen kann.
Sehe ich nicht so. Bei attraktiven Alternativen hast du was zu verlieren, bei beschissenen Alternativen hast du nichts zu verlieren.
@Spiegelfechter
Vielen Dank für diesen wirklich tollen Artikel! Zum einen weil dieser mir aus der Seele spricht und zudem noch einige Aspekte unverblümt aufgeführt werden, die man sonst nur in ganz kleinen Dosen serviert bekommt.
Die für mich wichtigsten Feststellungen sind:
Wobei man das Verhalten der Menschen teilweise mit der extrem komplexen Entscheidungsfindung (sachlich, rechtlich, politisch) erklären kann, wer blickt den überhaupt noch auf der ganzen Linie durch? Wichtige Entscheidungen werden von Experten vorbereitet und vom Volke indirekt durch dessen Vertreter abgenickt ohne diese in ihrer ganzen Tragweite zu durchschauen, oder sie werden durchschaut von den Entscheidern/ Experten und aus Eigeninteressen dem Volk falsch vermittelt, bzw. des Volk wird für dumm verkauft.
Ich glaube, wenn sich die Demokratie weiter entwickeln soll, muss die Gesellschaft “einfacher” werden! Antikes extrem Beispiel: Die alten Griechen Demokratie haben “gelebt” in dem auch höchste Ämter verlost wurden! Praktisch jeder konnte “mächtig” werden. Für uns ist das Heute unvorstellbar, aber vom Grundgedanken IMO viel viel näher Gleichheitsprinzip als das, was aktuell so abgeht. Nein, ich befürworte natürlich das Losverfahren für unsere Demokratie nicht, weil die heutige Gesellschaft weitaus komplexer ist als die der alten Griechen, und auch beim besten Willen eine zufällig ausgewählte Person keine vernünftigen Entscheidungen treffen kann.
Aber womöglich wäre es schon ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, wenn man Gesetze und Vorhaben im Vorfeld auf Unnötigkeiten hin untersucht, die das System ohne Grund noch komplexer machen.
Hier bitte ich um eine Erklärung, für mich ist heute noch im Prinzip eine Veränderung der Finanzspielregeln möglich, man muss es “nur” demokratisch durchsetzen. Aber evtl. liegt darin der Hund begaben bzw. die Katze beisst sich in den Schwanz.
Ja, das “nur” halten Jens, ich und anschenend auch Du für extrem unwahrscheinlich. Die Möglichkeit hätte es auf dem Höhepunkt der Finanzkrise (als diese noch als solche bezeichnet wurde) gegeben. Dann haben zuerst die Politiker mit Volgestrauß und “weiter so” und dann die Bürger mit “FDP wählen, Augen zu, Ohren zu, Hirn ausschalten und durch” enttäuscht. Nu ist der Schwung raus.
@Kalle
Das Problem an der auch von mir persönlich (subjektiv) als widerwärtigen empfundenen FDP fest zu machen greift viel zu kurz. IMO sind die anderen Parteien, bis partiell (auch subjektiv empfunden) DIE LINKE, auch nicht viel besser. Z.B. “glänzt” neuerdings die SPD mit einem Fortschrittsprogramm wo zu fragen ist, warum haben die nur denn aller kleinsten Konsens ausgekaspert? Ich komme mir da echt ver*scht vor!
Grundsätzlich fehlen Visionen und Konzepte wie eine bessere Gesellschaft aussehen könnte, was diese leisten muss, und wie wir dahin kommen. Auch an dieser Stelle möchte ich auf Erich Fromm, der gescheite Analysen zu den gesellschaftlichen Fehlentwicklungen und Möglichkeiten zur Behebung wissenschaftlich erarbeitet hat, hinweisen.
Die vom Spiegelfechter deklarierte Schizophrenie des Einzelnen kann u.a. gut mit Fromms Festellung:
erklärt werden. (Quelle)
Naja, ich sehe da die Defizete bei der Linken nicht so, aber seis drum.
Mit der gegenwärtigen Einstellung der Mehrheit wird sich (bei der Finanzpolitik/-regulierung) wenig bis nichts tun. Als die Krise zumindest medial auf ihrem Höchststand war, hat die FDP ein hervorragendes Ergebnis (ihr bestes?) bei den Bundestagswahlen erreicht. Die Partei, bei der selbst das Wahlvieh wissen muss, dass sie für genau die Politik steht, die in die Krise geführt hat, wird massenhaft gewählt. Bei den anderen Parteien, mag es dem Normalbürger gar nicht klar sein, weil medial nur Images verbreitet werden und wer mit wem, aber nicht für welche Politik sie tatsächlich stehen. Der Bürger denkt er wählt grün, sozial oder konservativ. Dass das inzwischen alles das Gleiche ist (zumindest Finanzpolirisch), mag den meisten nicht bewusst sein. Deshalb hat die Wahl der FDP von mir besondere Betonung gefunden. Nicht weil sie oder ihre Politik allein verantwortlich für die Probleme wären.
Aber ein Volk, dass in der Krise so stark krisenverursachende Politik wählt, will keinen Wechsel. Die FDP jetzt natürlich für Politik zu verurteilen, für die sie schon immer stand, ist natürlich wieder schizophren…
Weder ist dem Bürger rationales Verhalten zuzutrauen, noch sehe ich eine Chance für deutliche Veränderungen auch wenn diese “nur” demokratisch umgesetzt werden müssten. Womit wir wieder bei deiner Frage und meiner Antwort wären ;)
@Kalle
Deine Aussage ist richtig! Aber wie relevant sind solche Betrachtungen? Ständen wie heute besser da, wenn wir 2009 eine rot/grüne oder rot/rote Regierung bekommen hätten?
Z.z. stellen alle wichtigen demokratischen Kräfte nach meiner Kenntnis das Wirtschaftssystem grundsätzlich nicht in Frage. Selbst wenn DIE LINKE mal ganz leicht kritische Ansätze (die ich persönlich nicht für sehr erfolgversprechend halte) formuliert, wird gleich reflexartig über die pösen Kommunisten hergezogen.
Ich persönlich sehe leider keine Lösung weder im Kapitalismus noch im Sozialismus/ Kommunismus. Es müssen wahrscheinlich ganz neue Lösungsansätze her u.a. auch – und das ist m.E. viel wesentlicher als die aktuelle Finanzkrise – damit die Menschheit sich auf Dauer “etablieren” kann.(Stichworte: Umweltkrise, knappe Ressourcen, “Grenzen des Wachstums”), da kommt man nicht weiter wenn in alten überkommenen Denkstrukturen gedacht wird und sich die Menschen gegenseitig ihre quasi religiösen Dogmen vorwerfen, um damit den jeweils anderen als Quelle des Übels definieren.
Mahatma Gandhi
Ah, aber das hat nix mit deiner anfänglichen Frage zu tun ;)
Nebenbei sind die Linken, die einzigen, die überhaupt über (Witschafts)Systemveränderungen diskutieren.
Persönlich bin ich übrigens so konservativ, dass ich eine stark regulierte, soziale Marktwirtschaft mit allen Gebieten der öffentlichen Daseinsfürsorge in öffentlicher Hand, (die sich dem Volk verpflichtet fühlt) für das geringste aller Übel halte. Zumindest solange mir niemand eine Alternative präsentiert, die besser ist und tatsächlich funktionieren kann.
Rot/Rot und Rot/Rot/Grün wäre an der SPDGRÜNE gescheitert. Könntest mich genauso gut fragen, wie wir heute dastünden, wenn eine Koalition aus FDP und Linken gegeben hätte. Aber was realistisch zu erwarten gewesen wäre, wäre eine deutlich stärkere Linke, während die Teflon-Grünen relativ wenig, CDU ein bischen und SPD/FDP relativ stark verlieren. Denkbare Koalitionen hätten Schwarz/Rot, Jamaika, Rot/Grün oder sogar Schwarz/Rot/Grün sein können. (Außer vielleicht bei Jamaika) hätte es unter keiner dieser Koalitionen solche Steuergeschenke an Hotelbesitzer gegeben, keine Koalition wäre so vollständig aus dem Atomausstieg wieder ausgestiegen, das Sparpaket wäre nicht ganz so sehr zu Lasten der Armen ausgefallen, die Einführung der Kopfpauschale wäre nicht so weit fortgeschritten und bei Boni für Manager und Finanzmarktregulierung hätte es zumindest ein oder zwei Placebos gegeben. Eine starke Linke in der Opposition zwingt zumindest SPD, Grüne (und Union) zu leicht sozialen Anstrichen. Bei Schwarzgeld kann die CDU aber immer alles schön auf die FDP schieben und die FDP geilt sich an Asozialität eh nur auf. Außerdem sind SPD und Grüne in der Opposition wertlos.
Fazit: Keine Ahnung ;) In einigen Bereichen stünden wir wahrscheinlich schon besser da. Finanzmarktpolitisch nimmt es sich wahrscheinlich wenig. Wenn der Wähler sich jetzt mal ein paar Jahre dran erinnert, wie schlecht die FDP ist, könnte es in Zukunft zu besseren (IMHO) Wahlergebnissen führen. Ich war übrigens für eine Schwargelbe Regierung, nur um den Menschen ein abschreckendes Beispiel zu geben. Ich hatte meine Rechnung allerdings nicht mit den kriecherischen Medien und der schwachen Opposition gemacht. Ich glaube nicht, dass die aktuelle Schwäche der FDP von Dauer sein wird.
Aber du glaubst doch nicht ernsthaft, dass FDP in der Krise gewählt wurde, weil der Wähler überzeugt war, dass die anderen Parteien auch keine andere Politik betreiben würden? Die die glauben, dass die Parteien eh alle den gleichen Quatsch machen (und mit der Linken nix anfangen können), wandern ins Lager der Nicht-/Falsch-/oder Protestwähler.
@Kalle
TNX für die ausführliche Resonanz, deren wesentliche Aussagen gut nachvollziehen kann und zum einem großen Teil mittrage. Im besonderen, möchte ich diesen Absatz,
hervorheben, und IMO ist ein streiche “geringste aller Übel”, setze “Notwendigkeit”, solange noch nichts Besseres gefunden/ installiert wurde, erforderlich!
Aber gerade daran kann man gut klar machen, dass die meisten Parteien doch im wesentlichen die gleiche Politik machen, mit der einen oder anderen Nuancen die aber auf Dauer IMO keinen großen Einfluss auf das Geschehen haben werden. Denn (fast) alle Parteien haben mehrheitlich das Grundgesetz geändert und eine Schuldenbremse in die Verfassung eingesetzt, welche dazu führen wird, dass weite Teile des Gemeinwesens privatisiert werden werden müssen, mit drastischen Folgen für die Menschen die staatliche Fürsorge angewiesen sind.
Dazu sind die Folgen einer ungerechten Erhebung der Mehrwertsteuer oder die 5% bis 10% Differenz bei den Einkommensteuervorschlägen der Parteien für Reiche wirklich nur eine Kleinigkeit. Man darf auch nie vergessen, dass die alte SPD/GRÜNE Regierung z.B. mit den Hartz Gesetzen und Nettigkeiten für die Bonzen/ Konzerne Positionen durchgesetzt haben, die damals Kohl& Konsorten so niemals durch bekommen hätten. Die Jugoslawienkriege der Nato die durch die GRÜNEN erst möglich wurden, werde ich denen nie verzeihen, ich habe damals (1999) mit guter Hoffnung (in eine Partei deren Wurzeln in der auch in der Freidensbewegung liegen) den Parteitag verfolgt, meine damalige Enttäuschung nach der Abstimmung für einen Kriegseinsatz war maßlos. Aber ich schweife ab…
Wieder zum Thema. Dazu ein Zitat welches meine Meinung gut wiedergibt:
Quelle
Guter Artikel, vor allem weil er die Motivation des Einzelnen richtig deutet (offenbar auch aus persönlicher Reife) und richtig beurteilt, wie sich das auf den Staat auswirkt.
Danke für die vielen nachdenklichen Zuschriften mit vielen guten Formulierungen von Dingen, die man schon wußte, aber nicht treffender formulieren konnte.
Ich bin ganz erstaunt, wo die Pöbellinken hier abgeblieben sind. Ihre Konzepte zu einem drastischen Systemwechsel gehören ebenfalls auf die vom Spiegelfechter beschriebene “psychologisch-demokratische Goldwaage”.
Zum Finanzsystem: Unsere Politiker wissen, dass die Bankenrettung zu wenig von den Banken selbst abverlangt hat. Das Problem ist die Flüchtigkeit von Kapital innerhalb einer Sekunde in andere Länder / Rechtsräume / Investitionsbedingungen. Lanfontaine hat Recht mit einer stärkeren Haftung der Banken und geringerem Hebel ihrer Kredit- und Risikoübernahme.
Ich würde DIE LINKE auch wählen wg. Afghanistan – aber ansonsten nicht.
@klaus58
“Das Problem ist die Flüchtigkeit von Kapital innerhalb einer Sekunde in andere Länder / Rechtsräume / Investitionsbedingungen.”
Aha, deswegen wählt man dann FDP/CDU/CSU, damit diese 2011 eine kapitalgedeckte Zwangs-Pflegeversicherung einführen, d.h. noch mehr Kapital an einer Stelle sammeln und mit diesem möglichst sicher aber auch mit Rendite, zu großen Teilen AAA bewertete Staatsanleihen kaufen können?
Anstatt über ein Umlageverfahren das Kapital im eigenen Land zu halten und sich die Zinskosten zu sparen…
Aber mit dem Kapitalexport haben ‘wir’ ja grade ‘gute’ Erfahrungen in der Eurozone gemacht, oder nicht?
@klaus58
“Das Problem ist die Flüchtigkeit von Kapital innerhalb einer Sekunde in andere Länder / Rechtsräume / Investitionsbedingungen.”
Aha, deswegen wählt man dann FDP/CDU/CSU, damit diese 2011 eine kapitalgedeckte Zwangs-Pflegeversicherung einführen, d.h. noch mehr Kapital an einer Stelle sammeln und mit diesem möglichst sicher aber auch mit Rendite, zu großen Teilen AAA bewertete Staatsanleihen kaufen können?
Anstatt über ein Umlageverfahren das Kapital im eigenen Land zu halten und sich die Zinskosten zu sparen…
Aber mit dem Kapitalexport haben ‘wir’ ja grade ‘gute’ Erfahrungen in der Eurozone gemacht, oder nicht?
Nimmst Du die Gesamtheit der Wahlberechtigten stimmt das mit der absoluten Mehrheit nicht! In unserer Zirkeldemokratie vertreten CDU/CDU bspw. nur einen Bruchteil davon.
Richtungsentscheidungen werden wohl am ehesten dort getroffen werden, wo man sich Zeit für die Auseinandersetzung mit den drängenden Systemfragen nehmen kann/muss. Dies dürfte vorwiegend in der europäischen Peripherie sein. Dabei werden die, welche für sich die Entscheidung treffen, hinsichtlich der Mittel und Wege auf die ihnen verfügbaren Erfahrungen zurückgreifen. Diese Entwicklung wird sich wellenförmig ins europäische Zentrum fortbewegen. Mit etwas “Glück” kommen die Wellen dort gleichzeitig an. …
ich meine das ist oberflächlich und zu kurz gedacht (sorry – aber wer hätte das gedacht;-)).
Die Begriffe “links” und “rechts”, wie man sie eben heute kennt, waren damals ja nicht mit solchen geschichtlichen Erfahrungen verbunden. Die Entscheidungen des Volkes für Parteien waren eher mit den Personen dahinter verbunden. Du bewegst diese Begriffe in einen modernen Zusammenhang und betrachtest die Geschichte aus der heutigen Sicht ohne auf die Grundlagen damals genau einzugehen (was Du ja nicht textlich tun musst, aber wenigstens logisch tun solltest, denn dann ist so ein Artikel auch nicht so belanglos).
Die Entscheidung Hitler diktieren zu lassen war das Ergebnis eines längerfristigen Schwelbrands (mit mehreren wirklichen Bränden) und dem frühzeitigen Tode Stresemanns (Stichwort Ruhrbesetzung und Währungsreform, beides Folgen des Ersten Weltkriegs und der Versailler Verträge) als fehlende Alternative zu Hitler bzw. der Schwäche der restlichen Politik im Sinne des Volkes zu handeln (und unbequeme aber richtige Entscheidungen wie die Stresemanns zu treffen) und statt dessen dem “Volkswillen” zu entsprechen anstelle Hitler entgegen zu stehen (und die Situation “auszusitzen”).
Indem Du wohl das “Licht Roosevelts” dem “Schatten Hitlers” entgegensetzt und wohl die Weltwirtschaftskrise als “verbindendes Element” annimmst machst Du den Fehler zu kurz anzusetzen.
Die Krise war vielleicht der zeitliche Wendepunkt dieser beiden Ereignisse, doch kausal haben beide keinen Zusammenhang. Außer dass der erste Weltkrieg die Ursache der Krise wäre, was er aber m.K.n. nicht war.
Roosevelt kam wegen der Krise, Hitler wegen dem Ersten Weltkrieg. Das ist ein riesen Unterschied! Die deutsche Politik hat damals bereits “ausgesessen”.
stimm ich zu, weil es in meinem Falle stimmte. Warum ist es aber denkbar die schlechteste Strategie? Kennst Du alle Beziehungsvariationen und Menschen dahinter? Das ist doch pauschale Polemik. Ein Satzfüller sonst nichts.
wobei die USA das Thema tatsächlich “ausgesessen” haben, soweit ich weiss:
Selbst das Russland den USA anbot die Raketen in Kuba abzuziehen, saß die US-Regierung aus und der endgültige Abzug der amerikanischen Raketen aus der Türkei fand nur statt, weil sie durch U-Boot-gestützte Nuklearwaffen ausgestauscht wurden. Schon damals waren es nicht die USA, die die Situation deeskaliert hatten.
Es ist also _nicht_ so, dass das Volk alles aussitzt. Ganz im Gegenteil. Und dementsprechend ist da auch nix Neues oder Paradoxes bei. Das Volk ist heute wie damals mehr als aktiv. Seh´ ich jeden Morgen am Bauzaun. (wo sie aber falsch sind, sie sollten in Frankfurt bei den Banken stehen); und die Politik bewegt sich – leider ganz unparadox – wieder auf den Volkswillen hin.
WTF? Hast Du die Rotgrüne Koalition zuvor schon vergessen? Waren das Paradigmenwechsel bei denen? Haben die anders regiert als die jetzt? Meinst Du z.B. die Linken böten ein Paradigma? Soll ich jetzt anfangen laut zu lachen? Paradigmen? Dickes fettes schlaues Wort. Platitüden!
PS: Nein obwohl ich bei der EU-Wahl mal einen riesen Fehler machte, bin ich kein FDP Wähler.
Es gibt selbstverständlich gute Ansätze, auch den sozialen Protest auf die Strasse zu tragen. Mangels Masse mußte der in Frankfurt geplante leider scheitern. De heiße Herbst 2010 blieb aus, weil die Krise zwar -wie hier- in den Köpfen, aber noch nicht in den Beinen angekommen ist.
http://wolfwetzel.wordpress.com/2010/09/27/27-9-2010-blockade-am-18-oktober-ausgesetzt/
Als eines der größtes Verbrechen in Deutschland gilt heute immer noch der Ungehorsam gegen den Staat – eine Kontinuität aus der NS-Ideologie. Darauf spekulierend kann sich das System sogar noch als generös zeigen, wenn es Demos, Blockaden und Kundgebungen gegen sich selbst duldet. Es ist daher eine Illusion vieler Diskutanten in diesem Blog, dass das kapitalistische System den Unterdrückten, Protestierenden, Unzufriedenen, Ausgebeuteten,die politischen Werkzeuge zur Verfügung stellt, die geeignet sind, sich selbst abzuschaffen. Worüber hier im Einzelnen durchaus klug und kreativ diskutiert wird, wurde vor 30 Jahren bereits als repressive Toleranz erkannt.
Hm, wenn man annimmt, die Werkzeuge zur Veränderung müssten einem zu Verfügung gestellt werden, glaubt man gerne an die repressive Toleranz. Das riesige Potenzial zur Veränderung, das in jedem Mensch steckt und sich auch nicht unterdrücken lässt, halte ich für furchterregend und wie jedes Potenzial für unaufhaltbar. Die repressive Toleranz oder Intoleranz ist meiner Meinung nur zeitlich gesehen relevant für den Prozess der Veränderung, der dadurch etwas verlangsamt wird. Andererseits ist sie auch ein eindeutiges Zeichen der Erosion der gegenwärtigen Zustände.
Übrigens, die Millionen von Schwarzarbeitern und sonstigen Steuerhinterziehern sowie die vielen Rechtsverfahren gegen staatliche Stellen sprechen nicht gerade für die Kontinuität des deutschen “Untertanen”. Das finde ich etwas pauschal so. Ausserdem glaube ich auch nicht, das die Nationalsozialisten da die Erfinder waren.
Die wirklich reforminitiierende Krise muß von einer Totalität sein, die man sich als sittlich normal veranlagter Mensch nicht herbeiwünschen kann, denn schließlich ist in solchen Fällen meist auch eine fundamentale Umdeutung der Wertigkeit menschlichen Lebens anhängig, man sollte sich nicht der Illusion hingeben, daß das bloße Abreissen von Kalenderblättern seit ’33 unsere Grundveranlagung als Art verändert hätte. Auf dieser Grundlage betreibt die herrschende Klasse ihre kalmierende, das Morsche erhaltende, jedoch bereits mittelfristig zum Scheitern verurteilte Politik. Daß der Bürger angesichts des neoliberalen Desasters ausgerechnet F.D.P. wählte spricht Bände: er will diese Gesellen einfach nicht an Straßenlaternen baumeln sehen, genaugenommen will er niemanden an Straßenlaternen baumeln sehen. Landsknechte im bunten Wichs sind ihm ein Greuel: was im Grunde ja für uns spricht.
Das mag ja alles so sein, aber welche Partei soll man denn nun wählen, die das Finanzsystem reformieren würde, so sie es denn könnte?
So wie du die Frage gestellt hast: Da gibt’s keine.
Ich habe ‘ne bessere Frage: Welche Partei sollte man wählen, wenn man die Chance auf eine halbwegs vernünftige Finanzmarktregulierung maximieren möchte?
Antwort: Die LINKE
Es wird hier im Blog sehr schön dargestellt, dass die Krise des Wirtschaftssystems eben auch eine Krise des politischen Systems offenlegt. Die Unfähigkeit mit dieser Krise unseres demokratischen Systems fertig zu werden offenbart wiederrum eine Krise der gesamten Gesellschaft. Wer jedoch ist die “Gesellschaft”. Das sind nun wirklich “wir”. Wir Banker, wir HARTZer, wir Politiker, wir Alleinerziehenden, wir Penner, wird BLOGer, wir Pfarrer, wir Kleinkrminellen, wir Schüler, Rentner etc pp.
Jeder Einzelne muss sich in Frage stellen. In was für einer Welt möchte ich leben? Möchte ich Konsument sein oder Akteur? Möchte ich weiterhin jedes Jahr ein Kreuzchen machen um mich dann über die “Anderen” aufzuregen? Möchte ich weiter mein iPad haben ohne zu wissen was die Produktion für einen Horror das in Afrika und Asien auslöst? Will ich weiter meinen schicken BMW fahren über den Wirtschaftskrieg den Gutti in sgepräch bringt aber nix wissen?
Wenn jedes Mitglied der Gesellschaft dazu gebracht würde einmal im Jahr für eine Woche in Klausur zu gehen (und Klausur meine ich wörtlich, keine Zeitung, kein Fernsehen, kein Internet!) um sich zu fragen wo steh ich wohin geh ich und was erwarte ich. Dann würde sich schon sehr vieles zum Besseren kehren jenseits jeder Ideologie.
Antwort an SF:
@Spiegelfechter:
Ihr habt nur 2 angefragt? Kann nicht wahr sein oder? Vielleicht schreiben hier ja einige Selbständige wie viele Akquisitionsschreiben die wegschicken müssen um mal zum Ziel zu kommen. Dann doch eher schnell die Kosten auf den zahlenden Bürger abgedrückt, hm…?
Veranstaltungstechnik? Bei so vielen Musikern? Die können keine PA beischaffen für lau? Und erfordert Euer “Maßstab” ne Lightshow oder wie? Kein Kommentator da, der mal gerne bei ein paar Alphas in Netzwerk reinschnuppern möchte? Gäb sicher genügend Jünger die das tatsächlich aus “Idealismus” machen würden.
Saalmiete? Wieder eine Frage des Maßstabs! Wie habt Ihr denn Eure Besucherzahlen prognostiziert? Das läuft doch sowieso über irgend eine Zwischenfinanzierung, oder?
das ist genauso pauschal wie diese kognitive Dissonanzkiste die sich beliebig umdrehen lässt. Auch bei Dir geht es um Meinungshoheiten, nicht um -Freiheiten. Das ist es ja, was mich so an Dir enttäuscht.
Ihr habt Euch da ein “Projekt” gemacht und mit Euch zusammen gibt es Leute, die wollen ganz einfach nur Kohle verdienen mit dem momentanen Moralhype. So nehm ich das einfach mal an. Entweder werden Ihr ausgenutzt (“neee, wir sind schlauer”) oder ihr habt eben Eigeninteressen. Vielleicht liegen die bei Dir ja wirklich im Idealismus begründet.
Naja, wenn es stimmt, was F. Benedikt beim Feynsinn kommentiert, dann macht Ihr das ehrenamtlich und der Veranstalter verdient (oder nicht). Wie passt das mit Deiner Aussage zu den angefragten Sponsoren zusammen? Klingt nicht plausibel.
aber, hey…das ist ja alles ohne Substanz…ist klar, ne?
Wie wärs statt dessen mit “Fakten auf den Tisch!” Ja, Jens und das Argument: “nicht vergleichbar, weil keine Steuergelder”, zieht in dem Falle wo Ihr Geld von den Besuchern nehmt nicht mehr.
Ich hätte grade von Dir, wo du so ein kritischer chinesischer Rundumschläger bist mehr Transparenz bzw. Sensibilität erwartet.
Aber das ist nur meine Meinung.
@Anon
Ich verstehe nicht, wie Du das Kapital am Flüchten hindern willst. Die Renditeerwartung besteht doch bei Reichen, Kleinsparern, Pensionsfonds etc. genauso. Und deshalb müssen Banken und sonstige institutionellen Anleger mehr als das erwirtschaften, um noch ihre Kosten und Zusatzprofite zu decken. Die Verzinsung ist ein Teil des aus der Investition erwirtschafteten Mehrwertes – wenn man sich vernüftigerweise nicht für mehr Konsum verschuldet.
Was hat das mit der Wahl irgendeiner Partei zu tun?
“Der Kongress bloggt?”
…
Rettet dem Kommentariat! … ๏̯͡๏
Seit Bestehen der Menschheit gab und gibt es Krisen. Ob durch die Natur oder durch den Menschen verursacht, Krisen wird es immer geben.
Es ist nur die Frage, wie man mit einer Krise umgeht. Ist man bereit, aus der Krise, ihren Ursachen und dem eigenen unguten Zutun zu lernen? Oder ist man ignorant, man ist froh, mit heiler Haut davongekommen zu sein und deshalb geht es weiter im Text -weil vor der Krise ging es ja nicht schlecht, man hat halt ein kleines Tief zu überwinden- oder gehört man gar zu dem Kreis, der eine Krise zum eigenen Fortkommen auf Kosten anderer Menschen nutzt? Kriegs-und Krisengewinnler zu sein ist schließlich eine famose Möglichkeit, wie man am schnellsten zu Reichtum kommt.
In der Tat kommt es mir so vor, als ob “gewisse Kreise” die Krise zum Abschütteln ungeliebter Klötze am ökonomischen Bein nutzen; man sieht ja, wie sich der Sozialabbau beschleunigt.
Und wenn man sich das Weltgetriebe so ansieht muss man wohl feststellen, dass man aus dieser Krise nicht sonderlich viel gelernt hat.
Was die im Artikel erwähnten “Richtungsentscheidungen” angeht bin ich skeptisch. Ohne Eigennutz werden diese nicht gefällt, was auch bei der Betrachtung der politisch-wirtschaftlichen Verflechtungen klar wird.
Lieber Jens,
Dein gut gemeinter Artikel basiert für mich auf falschen Grundannahmen. Erstens: 1932 ist nicht durch die Wahl einer Mehrheit der Deutschen möglich gemacht worden, sondern eher durch die hohe Anzahl der Nichtwähler! Zweitens: genau das Problem haben wir heute, denn die größte Partei ist die “Partei der Nichtwähler”! Ich denke hier sollte der Denkansatz stattfinden. Aus eigener Erfahrung kann ich die Gründe für das Nichtwählen, wie Enttäuschung durch nicht eingehaltene Wahlversprechen oder “Die da oben machen doch was Sie wollen”, nachvollziehen. Ich habe oft eine Engelsgeduld aufbringen müssen. solchen Personen klar zumachen, das gerade eine nicht-abgegebene Stimme eine verschenkte Stimme ist. Die steigende Anzahl der Stimmen für Die Linke und der sogenannten “Sonstigen” bei den letzten Wahlen gibt mir langsam wieder Hoffnung und Mut!
Lieben Gruß von fancy
fancy schrieb am 12. Januar 2011 at 20:40 – Permalink Antworten
fancy, so habe ich auch sehr lange gedacht, habe bei den Wahlen in meiner Umgebung immer für eine Stimmabgabe zu Gunsten der Linkspartei geworben.
Aber so ganz langsam beschleicht mich doch der Verdacht, dass dieses korrupte Parlament, dass zu etwas mehr als der Hälfte aus “Abgeordneten” besteht die allein über einen Listenplatz, d.h. konkret auf Grund von reinem Wohlverhalten gegenüber den jeweiligen Parteiführungen, in den Bundestag “gerutscht” sind, auch bei einer Wahlbeteiligung von nur noch 10% aller Stimmberechtigten genauso wie jetzt schon die Befehle und “Anregungen” des Kapitals 1 zu 1 umsetzen würde.
Wäre es nicht langsam Zeit, aus dem Traum aufzuwachen, mit Hilfe dieses beinahe schon Scheinparlamentes noch irgend welche Dinge in diesem Lande zu Gunsten der schlechter gestellten Teile der Bevvölkerung verändern zu können?
“Die Linke stärken”, dieser Slogan klingt ja schön, doch w a s bewegen sie dort im Bundestag denn wirklich, oder in den Koalitionen mit der aSPD in den Ländern?
Die netten tollen Reden, Anklagen von Gysi oder Lafontaine im Bundestag, man schaue sich die Reaktionen der übrigen Abgeordneten doch an(wenn sie denn überhaupt anwesend sind!), könnten sie diese Reden nicht genauso gut auch den Bäumen im Berliner Tiergarten halten, mit den letztlich gleichen “Resultaten”?
Ich würde dem Tenor des Artikels bezüglich der Mitverantwortung der Wähler zustimmen, wenn nicht unsere Qualitätsmedien derart wären, wie sie es sind. Die Medien werden nicht umsonst die 4te Säule der Demokratie genannt, denn sie sind es, die möglichst objektive oder alternativ pluralistische Informationen als Vehikel zur Bildung der Weltbilder der Wählerschaft bereitstellen.
Bei unseren Medien hat ein Großteil der Wähler allerdings keine Chance, der Propagandawirkung zu entgehen. Darüber hinaus wird die Kompetenz des Wählers über Rahmenbedingungen gebildet bzw. abgebaut – interessant sind da z.B. unser Bildungs- und Erziehungssystem, welches mittels positiver als auch negativer Konditionierung einen Charakter- und Bildungsauftrag ausführt – nur bestimmt hier der Auftraggeber, welcher nicht der Wähler ist, das Wesen des Auftrages.
Die real existierende Demokratie erinnert mich bei diesen Rahmenbedingungen vielmehr an das Szenario im Buch “Unternehmen Stahlsprung” von Per Wahlöö, das sie bis auf wenige Details sehr treffend charakterisiert.
Auch wenn mich persönlich z.B. die BTW maßlos verärgert, halte ich die getroffene Entscheidung angesichts der Zustände hier für eine logische Folge.
@ Heldentasse
Nach der Demokratietheorie von Downs (“Ökonomische Theorie der Demokratie”) betreiben die Parteien Stimmenmaximierung (analog zur Gewinnmaximierung von Unternehmen) und übertragen dadurch den Willen ihrer Wähler, gleichsam als Transmissionsriemen, in die politischen Institutionen (Parlament und Regierung). Sie wären also eine Art methodischer Ersatz für eine direkte Demokratie, mit allen Risiken und Nebenwirkungen, die der Volkswille so hat.
Befremdlich, klar. Aber man kann den Parteien nicht gleichzeitig Opportunismus und Nichtbeachtung des Wählerwillens vorwerfen, logisch gesehen.
Ich denke wenn man “den Willen der Wähler” durch “den Eindruck den Wählerwillen erfüllen so wollen” ersetzt, könnte man IMO “Opportunismus” sogar fett unterstreichen.
Der erste Halbsatz ist ok, der zweite mE kompletter Käse. Eine rein mechanistische Sicht, die weder die hier versteckten Skalierungsprobleme der Konsensfindung berücksichtigt noch die – zumindest vorgesehene – Entscheidungsautonomie des Politikers.
Ich sehe das anders und will mal die Diskussion anstoßen (Kritik erwünscht!):
Wir verformen unser Selbstkonzept in Richtung der Funktionalität, die wir innehaben. Der Ingenieur gewöhnt sich an, in Modulen zu denken. Der Banker denkt in Geld, der Arzt in Krankheiten. Wir optimieren uns in Richtung der uns gestellten Aufgabe. Das führt dann zu “Wer einen Hammer hat, der sieht überall Nägel”. Der Hammer hat sich ja auch “bewährt” in “meiner” Welt.
Also ganz natürlich, und bis zu einem gewissen Grad auch richtig. Halt ökonomisch in der Methodenwahl. Haben wir dann mal in unseren Platz gefunden, dann stellen wir den auch nicht mehr permanent in Frage. Ich kann mir schließlich nicht jeden Tag Gedanken machen, warum ich mir die Zähne putze. Im Endeffekt läuft das auf Folgendes hinaus: Der Mensch baut sich sein Selbstkonzept gemäß der Welt, in der lebt (dazu gehört übrigens auch die Moral). Dieses wird dann wesentlich(!) bestimmt von der Reichweite, für die es tragfähig sein soll. Je kleiner die Reichweite, desto simpler.
Der Politiker gewöhnt sich an, in Mehrheiten, letztendlich in Wählerstimmen zu denken. Dabei gerät der eigentliche Meta-Auftrag, nämlich sich um den ‘Kurs des Staatsschiffes’ im Sinne Aller zu sorgen, ins Hintertreffen. Dieser ist bei der optimierenden Verkürzung der Reichweite hinten runtergefallen. Ähnlich wie beim Banker, der den gesellschaftlichen Auftrag einer Bank (die sinnvolle Allokation von Geld für die Gesellschaft), aus dem Fadenkreuz verloren hat. Im selben Zuge wird natürlich auch die Reichweite der Verantwortlichkeit reduziert. Wir machen halt unseren Job und den so gut wie möglich. Mögen die anderen ihren machen.
Dieses fundamentale Problem ist eine Folge von Arbeitsteilung, Spezialisierung und Prozeß-Optimierung. Beim ‘Politiker’ ist diese Reduzierung auf die Frage der Mehrheitenfindung – und letzlich Stimmenfang – besonders fatal, weil eigentlich genau diese Kaste die Klammer für das sinnvolle Zusammenspiel der gesellschaftlichen Tätigkeiten liefern sollte. Dieser ‘Lenkungs-’Auftrag erfordert per se eine hohe Komplexität und panoramische Sichtweise. Damit ist eine PAUSCHALE Reduktion/ Vereinfachung/ Verantwortungsteilung eigentlich unzulässig.
Ich gehe jetzt bewußt nicht so weit, generell zu behaupten, die Politik hätte das Volk verraten, auch wenn das in weiten Teilen zutrifft. Aber es ist doch offensichtlich, daß eine Arbeitsteilung stattgefunden hat in ‘Verkauf von Politik’, also im weitesten Sinne Stimmenfang, und in Entscheidungsmacht, die sich von Ersterem unabhängig zu machen sucht. Damit wird das Prinzip der demokratischen Entscheidungsfindung de facto ausgehebelt.
Folgt man diesen Überlegungen, so fragt man sich, ob die repräsentative Demokratie mit ihrem Wahlsystem – und noch fragwürdiger, ihrem Parteiensystem – tatsächlich der geeignete “Auswahlmechanismus” für die Aufgabe der Staatsführung ist? Inbesondere ist die Figur des Berufspolitikers eine höchst zweischneidige Erfindung (alternativ könnte man sich z.B. auch eine Art Schöffen-System oder gar ein Losverfahren vorstellen. Ein solches würde den Politiker von der Notwendigkeit des Stimmenfangs befreien).
Freilich ist die Notwendigkeit der Macht-Kontrolle ein noch wichtigerer Faktor, deswegen Demokratie. Dies bedeutet jedoch keinewegs, daß die heutige repräsentative Demokratie die alleinseligmachende Form der Demokratie wäre.
Eine zweite Frage, ob nämlich unsere organisatorischen Strukturen nicht schlichtweg zu groß geworden sind, ob wir also mit einem ‘föderalistischeren’ Konzept nicht besser fahren würden, lasse ich mal außen vor (wobei sie genau das Dilemma zwischen Effizienz und Mitverantwortung addressiert).
Die Diskussion über unsere politischen Strukturen hat seit Einführung des Grundgesetzes praktisch nicht mehr stattgefunden. Das ist fatal, wenn man bedenkt, daß die Gesellschaft ein lebender Organismus ist, für den es eben kein statisches Konzept geben kann.
Wenn Frau Merkel sinngemäß sagt, “Volksentscheid – das würde unser gesamtes Staatskonzept über den Haufen werfen”, dann wird es Zeit für Veränderungen.
Tut mir leid, daß es so lang und verschwurbelt geworden ist. Ist halt ein abgehobenes Thema.
Nochmal: Kritik erwünscht!
@ Linus
Ob wir eine Scheindemokratie haben und ob die Politiker NUR Marionetten an den Fäden anderer sind, halte ich schon für ein wichtiges Thema.
Aber zunächst: Ich habe nur die Grundlinien der Theorie von Downs skizziert, weil ich die Stelle bei Heldentasse missverständlich fand. Darauf wollte ich hinweisen. Ich halte es für nützlich, die Überlegungen von Downs im Hinterkopf zu haben und nicht blindlings “Opportunismus” zu schreien. Das Konzept krankt natürlich an den gleichen Mängeln wie die “Konsumentendemokratie” der Marktwirtschaft, von dem es abgeleitet ist. So naiv, das nicht zu sehen, bin ich schon nicht.
Parteienbashing ist populär, von ganz links bis ganz rechts. Mir ist das zu billig. Bis jetzt kenne ich kein besseres (= weniger schlechtes) Medium, das den Volkswillen in die politischen Schaltstellen übertragen könnte. Das Schweizer Modell hat andere Tücken.
Gängige Vorwürfe an die Parteien, auch in dem Zitat bei Heldentasse:
- sie wollen Stimmen für die Macht
- vor der Wahl reden sie anders als sie nach der Wahl handeln
- sie verfolgen Eigeninteressen, bringen “ihre” Leute an die Macht
Alles wahr, aber wahr ist auch:
- jede (auch gemeinnützige) Organisation entwickelt ein Eigenleben und Eigeninteresse, wie die Organisationssoziologie immer wieder zeigt. Das gilt auch für Hilfsorganisationen und NGOs.
- die “Macht” zu wollen und sie zu behalten, kann man ihnen nicht vorwerfen. Ohne die können sie ihre Ziele nicht umsetzen
-”Missachtung des Wählerwillens” und “Stimmenfang aus Opportunismus” schließen sich aus, stehen logisch im Widerspruch zueinander. “Opportunismus” heißt doch tun, was Stimmen bringt. Ohne Lügen und Täuschung natürlich.
Hier hat SF einfach recht: Der Wähler, das “Volk” ist mitverantwortlich, ist nicht unschuldig. Das hören und lesen einige nicht gern. Auf die Rolle der Medien und ihr Versagen hat oben schon jemand hingewiesen, aber auch für die Informationswahl ist der Wähler mit verantwortlich. Um das Zeit- und Bildungsproblem weiß ich auch.
Was in der Politik (wie in der Wirtschaft) zum System hinzukommen muss: Akteure, die verantwortungsbewusst (wenn man will: ethisch) handeln. Dieser Typus ist seltener geworden. Wie man das wieder ändern kann weiß ich auch nicht.
Auch von mir: Kritik erwünscht.
@Peleo:
Du hast mich vielleicht mißverstanden. Nicht deiner Meinung v.w. ”Missachtung des Wählerwillens und Stimmenfang aus Opportunismus schließen sich aus”, habe ich widersprochen. Lediglich der zweie Halbsatz im Zitat hat mich gestört.
Zu deinem neuen Post:
Das sind in der Tat gravierende Mißstände.
Bezogen auf unser politische Führung, sind das noch gravierendere Mißstände!!!
Es kann nicht angehen, daß eine Gruppe, die mit der Bestimmung des gesellschaftlichen Kurses beauftragt ist, sich iW von Machtfragen leiten läßt. Damit gerät die Gesellschaft zum Spielball der Macht von Partikulär-Interessen.
Es mag ja sein, daß sich das in der Realität niemals ganz verhindern läßt. Schön. Dann geht es darum, das soweit als möglich abzustellen. Das ist die Aufgabe!
Wesentliche Machtfaktoren:
- Gewalt
- Geld
- Justiz
- Meinungsmache
- Wissen
Diese Liste ist ein guter Anfang. Darüber sollten wir nachdenken und das System entsprechend umbauen.
Ergänzung:
Das ist ein wesentlicher Punkt, der das “Parteien”-System so fragwürdig macht.
@Peleo: Entschuldige den harschen Ton. Ich habe mich von der Dringlichkeit des Anliegens fortreißen lassen. Wie gehabt – Kritik erwünscht!
Kein Problem, klare Worte sind gut.
Verständnisfrage: Kann es sein, dass Du Macht für etwas grundsätzlich Schlechtes und Böses hältst? Dann reden wir aneinander vorbei.
Demokratie ist Herrschaft (= Macht) auf Zeit, aber auch während dieser Zeit kontrolliert. Wie will z. B. man ohne Macht (ohnmächtig) eine Bankenregulierung durchsetzen oder wenigstens eine Transaktionssteuer oder eine Vermögenssteuer einführen?
@Peleo,
Du hast mich zwar nicht gefragt, aber für mich ist ‘Macht’ erstmal was GRUNDSÄTZLICH Problematisches.
Vor allem dann, wenn sie sich per Basta nicht mehr hinterfragen lässt, Angelegenheiten von öffentlichem Interesse geheimhält, etc.
Das ist leider der Normalfall!
Die checks-and-balances der vier oder fünf Gewalten funktionieren doch mehr schlecht als recht.
Eine halbe Grössenordnung schlechter noch in USA.
Und wir als Zauberlehrlinge wie üblich 10Jahre hinterher!
Na Danke, Transantlatiker!
Es gibt einen länglichen Artikel von David de Graw:
The Economic Elite Vs. The People of the United States of America
wo er mit hunderten links den Status Quo beschreibt.
Das ist keine VT! Jedenfalls sehe ich das ganz ähnlich.
Ist angewandte Power-Structure-Analyse a la Krysmanski, Domhoff etc.
Mittlerweile packt selbst einen Krugman oder Stiglitz die Wut!
Ich habe kein Problem mit natürlicher Autorität, die auf Kompetenz, Wissen, Weitsicht, vielleicht sogar Weisheit beruht.
Wo ich oft längere Zeit brauche, überhaupt zu verstehen, was die grösseren Zusammenhänge sind.
Im Ökonomischen und Politischen sind solche Leute allerdings ausgesprochen rar. (Auch einen Steve Jobs oder einen Kennedy zähle ich nicht dazu, wenn Du das meinen solltest. Hermann Scheer war vielleicht so einer. Oder FD Roosevelt. der allerdings ein feines Näschen für einen Keynes hatte, mit dem er sich verbündete.)
Also wo ordnest DU Dich ein?
Hallo Linus,
ich fürchte, dass man die Fragen, die Du da aufwirfst, in einem Kommentarthread nicht vernünftig behandeln kann.
Man kann nur immer was anreissen.
Man bräuchte eine Art wiki, wo man solche Fragen kollaborativ als Gruppe angehen kann.
Individuelle Webseiten (zB Systemfrager) gibt es ja schon etliche.
Das müsste dann eine Grobstruktur haben:
Historisches,
Länderspezifisches,
Demokratieformen.
Alternative Gesellschaftsformen (Mapuche, südostasiatische Gesellschaften The Art of Not Being Governed)
Deine Frage nach der Rolle von Komplexität/Spezialisierung könnte/müsste man dann vertiefen.
—–
Deine Bauchschmerzen (…Selbstkonzept in Richtung der Funktionalität, die wir innehaben…) habe ich genauso, und sicher Viele andere auch.
Ich habe das für mich schon zu Schulzeiten mal ‘Selbstkorruption’ genannt.
Man tut das (gerne) was man kann, und leitet daraus ab, dass das irgendwie wichtig ist.
Man kann genauso sagen: man soll das tun, was man NICHT kann!
Wie oft, ist halt die Frage.
Ansonsten muss man an eine ‘invisible hand’ glauben, dass all die Spezialisten in Summe schon das gesamtgesellschaftlich Wünschenswerte machen.
Was mE klar NICHT der Fall ist.
Vor Jahren (2002) gab es mal eine nette Schrift ‘der 20 Prozent Planet’ von einem Schweizer ‘P.M.’.
Im Netz nicht mehr zu finden, bis auf eine mit Comics aufgemotzte Kurzfassung:
Was kommt nach dem Kapitalismus? (pdf!)
Das geht in die Richtung, dass Gemeinschaften mit mehr als ca5-10000 Leuten kein menschliches Mass mehr haben.
Und so entwirft er ein Gemeinwesen, das aus weitgehend autarken Zonen besteht, mit ein paar Ballungszentren.
Schön gedacht!
Sowas müsste diskutiert und ggf weiterentwickelt werden!
Tut man das nicht, muss man sich mit der Kunstfigur ‘global citizen’ mit seinen ‘near’-'far’ Schizophrenien im ‘globalen Dorf’ abfinden.
Mit multinationalen Konzernen und allen Problemen.
Dass unter solchen -dezentralen- Bedingungen keine Halbleiterfabriken mit Kapitaleinsatz 10Mia$/Fab entstehen können, nur nebenbei! Mit allen Konsequenzen. Keine 100mio iPads/y.
Alles etwas langsamer. Oder garnicht.
Aber was mit denen, die ihren einprogrammierten Konsumerismus haben, und zu einem kompostierbaren Appendix der Technologie geworden sind, anstatt menschliche Wesen zu sein?
Was mir da vorschweben würde, ist eine Art doppelter Ebene.
a) Leben dezentral in 10K-Knoten.
b) technisch/wissenschaftliche Komplexität, wo global erwünscht/notwendig, unter strikter Kontrolle.
Sorry.
Nur ein paar Gedanken zu Deiner Kritik-Aufforderung.
@Groo:
Na wunderbar! Da machen wir ein Faß auf und stellen fest. “Hmm, das müffelt aber komisch, schnell wieder zu”.
- Warum Staat?
- Warum Demokratie?
- Warum Geld?
- Warum Menschenrechte?
- Warum Privateigentum?
- Warum keine Studiengebühren?
- Warum öffentliche Einrichtungen und nicht private?
Geh mal raus und frag die Leute. Ich bin mir sicher, unter tausend kann dir vielleicht einer auf Anhieb die korrekten Antworten geben.
90% der Bevölkerung gehn Arbeiten und Fernsehen, Arbeiten und Fernsehen, Arbeiten und Fernsehen! So ist das.
Nu, das ist jetzt nur ‘ne halbe Antwort. Später mehr, sorry ;-)
Lieber Linus,
bevor Du mich jetzt in der Luft zerreisst:
Meine (hoffentlich) nüchterne Analyse der Situation: wer steht wo? – in welchen Prozentsätzen? Was ist sein Änderungspotential? ) habe ich weiter oben schon abgehandelt, und mittlerweile unzählige Male anderswo.
Die Frage ist (für mich), wie man PRAKTIKABLE Auswege finden kann, ohne den Status Quo und seine sehr begrenzte Dynamik zu ignorieren.
Von meinen 1000 Ideen sind wohl 999 für den Müll.
Deshalb reden wir ja miteinander!
Wir sollten aber nicht ZU selbstkritisch sein, sodass die ‘Gegenseite’ das automatisch als Schwäche deutet.
Und. Ja. ich glaube an eine Gegenseite.
(Allein gestern: die Porsches/Piechs, die Quandts(arte), Maschmeyer und Freunde(ard). Das ist kein Zufall oder zufälliger Systemschaden!)
Also Gnade, bitte!
@Groo: War ja auch nur ne halbe Antwort, ist aber schon spät (ich MUSSTE noch ‘n Bier trinken). Bis morgen also, sonst übermorgen in Tora Bora oder bei mir auf´m Floß :-)
Hier finden Sie Nachrichten und Informationen zum Thema Schizophrenie. Wir möchten eine Art soziales Erklärungsmodell schaffen, das dazu beiträgt, den Namen “Schizophrenie” im sprachlichem Umgang, in neutralerem Umgang in unserer Gesellschaft gewinnbringend zu Begreifen.
Magazin Denkausbruch
Andreas Knoblauch
Moin.
Die Debatte läuft mir hier zu sehr aus dem Ruder. Wenn ich den Grundgedanken des Artikels von Jens richtig verstanden habe, geht es um die Tatsache, dass der statistische Durchschnitts- Bundesbürger nicht begreift, dass und wie er von interessierten Kreisen über den sprichwörtlichen Tisch gezogen wird.
Ich stamme noch aus der Generation (Examen OSI-FU-Berlin 1973), die so bescheuert war anzunehmen, man könne das Proletariat durch Beschallung mit Tatsachen so weit agitieren, dass es sich von den herrschenden Meinungen, insbesondere der von einer gewissen Presse , verabschieden würde. Das war, wie man weiß, ein Irrtum. Machen wir, “wir” im Sinne von politisch interessierten Bürgern uns doch nichts vor: Für einen nicht unbeträchtlichen Teil der Bevölkerung ist die Lektüre der Blödzeitung eine intellektuelle Herausforderung. Inzwischen haben wir mit den elektronischen Medien die Entwicklung des statischen gedruckten “Bild”(es) zu fortlaufenden Bildern. Diese Informationen dort sind offenbar für ein Großteil der Bevölkerung zur Bestreitung des täglichen Lebenswandels völlig hinreichend. Nur wenn es an´s Fell geht wie mit H4, dann werden einige langsam wach. Aber sonst? – Kranke Kassen – ich bin nicht krank, kranke Rente – habe geriestert, kranke Berufsunfähigkeitsversicherung – habe privat aufgestockt, kranke Banken – ist ja nicht mein Sparbuch (hat das Märkel jesacht). Und so weiter. Und bitteschön: wo sollen die paar Bürger, die sich mit den aktuellen Dingen beschäftigen, sich politisch einbringen? – Wenn man die H4-Parteien außen vorlässt, bleibt ein Laden, der sich gegenwärtig in eine “Kommunismus”-Debatte versteigert und wo der andere Vorsitzende erklären muss, warum er gern einen alten Porsche fährt. Das ist unser Niveau. Es ist alles andere wichtig als das, was uns hier in den nächsten Jahren die Socken ausziehen wird.
Nehmen wir mal an, der vuz Guttenberg würde mit Sponsorgeldern der INSM die FDP kaufen. Die Partei hätte bei den nächsten Bundestagswahlen 35 %. Datt Märkel mit ihren Alt-Katholen ginge den Bach ´ runter und der fette Pop-Beauftragte der niedergeschröderten Spezialdemokraten auch. Blieben die gefischerten Plapperdemokraten. Deren politische Leistung besteht daran, ihren Anteil am Niedergang der Republik nicht durchscheinen zu lassen. Und unsere Brüder und Schwestern im demokratischen Sozialismus? – Die hätten mit Petra und Sahra wohl die richtigen Cracks, aber wir diskutieren lieber Komminismus und Porschäfahn von Leuten, die den Laden bestimmt nicht weiterbringen.
Bevor ich jetzt endgültig wütend werde, gehe ich zur Tankstelle gegenüber ein Weißbier holen. Diesel steht in Düsseldorf bei 1,37. Mahlzeit.
gruß f
Übrigens: Ich fahre am liebsten DAF FT 105/460. Bin ich jetzt nicht mehr wählbar, weil das Teil 7,5 t leer wiegt und 18 Liter/100 km braucht (plus 1,5 AdBlue wegen Euro5)?
@Folkher Braun
Könnte es nicht auch ein Teil des Problems sein, dass Du teilweise ein nicht richtiges Fremdbild annimmst und somit auf die “kann man eh nichts machen Schiene” kommst? Z.B. die Proteste gegen S21 zeigen doch, dass noch nicht alle Bürger auf den Käse aus der BLÖD hereingefallen sind.
Ich hätte jetzt nicht gedacht, dass die Kneipen bei Dir schon Tankstellen heißen. :-)
aus Wellenreiter von BAB
Danke, kann ich so unterschreiben.
Das muß Herr KTvzu Guttenberg gar nicht, denn er wird der nächste Kanzler. Er oder Ernst Albrechts Tochter Uschi. Wer das in Abrede stellen will, der stelle sich die Frage: welche Partei stellt denn sonst noch Kandidaten auf ?
Suche immer noch den “Gefällt mir nicht”-Button.
Ich bin also selbst schuld am Herzversagen der parlamentarischen Demokratie, weil ich weder Skylla noch Charybdis wählen wollte? Ich dummer, dummer Mensch.
Ich glaube, du, Jens, bist der irrigen Annahme, Politik wird in Berlin gemacht und unsere Politiker hätten was damit zu tun. Dabei wird dort nur alle paar Jahre der Steuermann ausgewechselt, die Reederei bleibt die selbe.
gruß
Es gibt keine Reederei. Es gibt nur miteinander um die Durchsetzung kämpfende Interessen. Die Interessen der “Wohlhabenden” setzen sich in dem Maße mehr durch, wie die Bereitschaft der Masse des Volkes zur ernsthaften Beschäftigung mit politischen Fragen sinkt. Das ist wie beim Tauziehen: Die eine Seite zieht mit aller Kraft, bei der anderen lassen mit zunehmender Zahl Leute das Tau los.
Ich sehe das recht ähnlich wie schwitzig oben (oder auch Albrecht Müller von den Nachdenkseiten): Leider haben die “Wohlhabenden” inzwischen die vierte Gewalt (Massenmedien) zu einem für die Erfüllung des Zwecks ausreichenden Grad unter Kontrolle und sorgen durch ständige Wiederholung ihrer Botschaften dafür, dass die Masse des Volkes Entscheidungen zum Wohle der Schicht der “Wohlhabenden” hinnimmt, sie sogar unterstützt (die Tea – Party – Bewegung ist hier ein modernes und hochinteressantes Phänomen) oder – und das ist der für die Leute hier wahrscheinlich wichtigere Teil – an der Entwicklung verzweifelt und das Tau daher auch loslässt.
“Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten – wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten -, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit”
George Orwell, 1984
“Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch” (Hölderlin)
Wie man hier und auf den Nachdenkseiten sieht. Das braucht natürlich seine Zeit. Wie lange hat es gedauert, bis die Sklaverei abgeschafft wurde?
Ich kann nur für mich sprechen und wen es interessiert, mag weiterlesen – das „System“ ist gescheitert, die Lebensmodelle unserer westlichen Gesellschaft wertlos bis gefährlich für das weitere Überleben der Gattung Mensch, soweit alles klar. Doch welche Alternativen gibt es? Sicherlich auf gedanklicher Ebene in etwa so viele, wie die Anzahl der Menschen, die sich darüber gedanken machen. Denn unter dem bisherigen System haben sich Milliarden von Einzelschicksalen in individuell ganz einzigartigen Realitäten abgespielt, ergo sind auch die Vorstellungen über eine „heile Welt“ individuell verschieden. Fazit: ich handele nicht, weil nur dagegen sein nicht hilft, weil Korrekturen am System nicht helfen, weil ich als Gesellschaftsform keine Alternativen jenseits meiner persönlichen Welt sehe. Alles, was ich tun kann, ist in meiner Welt für mich und meine Familie zu handeln. Die Gattung Mensch funktioniert biologisch betrachtet nicht mehr in der Umwelt, die sie sich geschaffen hat. Entweder gibt es einen Evolutionsschub, oder das Artensterben setzt sich fort. Ich befürchte, die Prozesse haben sich heiß gelaufen und lassen sich nicht mehr aufhalten.
Guter Beitrag. Ein Aufruf an uns alle.
Ich bin der Meinung, daß man das politische System formal nicht grundlegend verbessern kann.
Wenn ich mich privat unterhalte so sage ich oft: Nenn mir eine Äußerung eines Politikers die einen Gehalt hat und nicht trivial ist oder eine Floskel oder ,,,
In diesem Sinne schlage ich vor zu versuchen, die Politiker zu disziplinieren.
Es wird ein Expertensystem erstellt in dem die üblichen Politphrasen -Parolen und -Floskeln unbewiesene Behauptungen, Lügen und Fälschungen, in der Vergangenheit bereits gescheiterte Politikvorschläge unbewiesene Vorschläge für die zukünftige Politik usw, einprogrammiert werden. Ich will das nicht ausarbeiten.
Ach so, die gehaltvollen Trivialitäten benötigen wir eigentlich auch nicht, aber sie sollten anders behandelt werden.
Das System kann bei Bedarf flexibel ausgebaut werden.
Jeder Politiker bekommt ein System implantiert das ihn beim Aussprechen eines der gespeicherten Inhalte “daran erinnert”. Je wortgetreuer er die Phrasen drischt, desto stärker die Erinnerung des Systems. Vermutlich wird er dann überlegen bevor er wie ein Automat etwas von sich gibt.
Dieses System würde uns viel ersparen und die Politiker entweder sprachlos machen oder schöpferisch erfinderisch.
Die Frage ist freilich: Wer programmiert den Chip. Die ganze Bevölkerung könnte in vielen Arbeitsgruppen daran mitarbeiten. Wenn das System erstellt ist, könnte man Parteien und Wahlen abschaffen.
Das Zeitfenster ist doch die ganze Zeit offen. Also meine Zeit ist jetzt. Es heißt in deinem Text wir sollen was machen aber dann nur in einem kurzen Zeitfenster?!
Wenn es doch so schwer ist, die Bevölkerung zu neuen Ideen zu bewegen, dann geht das bestimmt nur durch konstanten Protest, Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten und das Schaffen von alternativen Strukturen, die wirklich existieren. Strukturen die man anfassen kann.
Damit meine ich den Aufbau von neuen kleinen Dingen, wie energieautonome Städte und Dörfer, Nachbarschaftshilfe und vor allem Schaffung von Werten die nicht an Konsum und marktwirtschaftliches Konkurrenzdenken gekoppelt sind. Die müssen dann in dem sozialen Umfeld in dem man so unterwegs ist verteidigt werden entgegen den Einstellungen die sonst so herrschen. Das ist schwer und stößt auf Widerstand aber muss sein.
Es ist vor allem eine Sache die nicht alleine geschafft werden kann und länger dauert als ein Arbeits//Menschen:-)leben. Es kann aber funktionieren.
@Peleo: Grrrr – ich werd versuchen mich, mich kurz zu fassen ;-)
Der einzige, dem ich zutraue, Macht zu übernehmen, ohne diese zu mißbrauchen, ist der Staat. Auch nicht jedem Staat, sondern einem Staat, in dem die Machtkontrolle klar über Gewaltenteilung geregelt ist.
Und um irgendwelchen Geisterfahrern gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen. Keiner kann den Einzelnen besser gegen Übergriffe durch Andere schützen als der Staat. Der Staat ist per se erstmal deine Lebensversicherung.
Zu: Demokratie ist Herrschaft (= Macht) auf Zeit.
Da hast du mE was falsch verstanden. Das Parlament ist nicht als Spielwiese gedacht, wo jeder mal Macht auf Zeit bekommt, gemäß dem Motto “in der Summe kriegt dann jeder was ab”, auch wenn man heutzutage durchaus diesen Eindruck gewinnt. Da landen wir nämlich bei Asterix bei den Schweizern: “Ich bin für ein Jahr als Stadthalter ernannt, also hab ich ein Jahr Zeit, um reich zu werden.”
Nein, das Parlament hat eine ganz andere primäre Aufgabe. Es ist der Lobbyverein der Allgemeinheit. Wer sonst sollte die Interessen der Allgemeinhait vertreten? Das ist die zentrale Aufgabe, und deswegen haben Parteien, Lobbyismus und Lagerbildung dort nichts zu suchen.
Was reg ich mich auf? Nimm´s nicht persönlich, hab wohl nen schlechten Tag :-).
@ Linus
Nur um die Macht im Staat und deren Kontrolle (Gewaltenteilung usw.) geht es doch. Dass diese nicht hinreichend funktioniert, weiß ich doch.
Das Parlament hat Macht (Gesetzgebung) auf Zeit, nämlich für vier Jahre.
Meine ganz kurze Antwort: Pluralismus oder countervailing power i. S. von Galbraith.
Genau! Das ist eine Diskussion wert! Morgen! Schlaf gut :-)
@ Groo, 33
Wo ich mich einordne? Genau da. Scheer und Roosevelt würde ich auch akzeptieren. Dass es bei uns von diesem Typus kaum noch welche gibt, liegt mE am Zeitgeist, Stichwort shareholder value. Aber da ändert sich womöglich gerade etwas, wenn schon im SPIEGEL (Schwennicke) gegen Privatisierung wettern und einen starken Staat fordern darf….
Zu den USA: Die Studie hab ich überflogen; was Du alles kennst, erstaunt mich immer wieder, toll. Schon in meinem alten Gemeinschaftskunde-Lehrbuch gab es eine Karikatur: ein Kind namens “Sam” mit einem Spielzeug-Capitol vor sich – im Hintergrund der Vater mit erhobenem Zeigefinger. Sein Name: “Trusts”.
Macht kann Gutes ermöglichen und Schlechtes verhindern, aber Macht korrumpiert und muss deshalb streng kontrolliert werden. Vergleichbar vielleicht mit dem Feuer n Schillers “Glocke”.
Liebe Leute, das Geschichtsbuch ist voll mit untergegangenen Reichen und gescheiterten Gesellschaftsentwürfen. Aufgrund der globalen Informationsvernetzung wissen wir nur mehr darüber. Im Grunde genommen bilden wir Jetztzeit-Menschen keine Ausnahme zu dem, was bisher geschehen ist.
Das Scheitern gehört zum Leben wie das Salz zur Suppe.
Sträflich ist nur eines: Wenn sich eine Gesellschaft selbst schädigt und obsolet macht. Und da sind wir Deutschen historisch gesehen Spitzenreiter. Aktuell winseln “Experten” herum, Deutschland würde bis zum Jahr 2050 in der Bedeutungslosigkeit versinken und dazu noch aussterben. Selber schuld, würd’ ich mal sagen.
Mal was anderes… gibtz dieses Clown-Foto (John Wayne Gacy vermute ich) auch in besserer auflösung ???
Jetzt mal eine ganz andere Frage:
Ich habe ja Angst :)
Man muss ja vom schlimmsten ausgehen..
Sobald der gesamte europäische Kapitalmarkt zusammenbricht und der Kapitalfluss nicht mehr funktioniert, funktioniert womöglich auch die Nahrungsmittelversorung nicht mehr..
Wie organisiert man regionale Lebensmittelversorgung?
Die Frage die ich habe ist, ob wir uns, wenn der Supermarkt um die Ecke nichts mehr hergibt, wir uns versorgen können?
Ich habe nach einem Artikel gesucht in dem das folgende nicht ganz OT ist und meine hier gehts.
Nur so kann m. E. die Krise, die eben auch durch die Globalisierung hervorgerufen wurde überwunden werden. Aber das ist eigentlich nichts Neues. Seit Jahrzeneten ist dies doch schon klar. Die Entwicklungs- und Schwellenländer müssen sich wandeln (d. h. im Prinzip “go west” gehen von mir aus auch die Fehler des Westens vermeiden, die Chancen dafür sind unterschiedlich) und für den Binnenbedarf produzieren. Das dagt hexder seit jeher. Revolutionen auch eine wie in Ägypten helfen zunächst mal nicht oder gar nicht.
Aber an China zeigt sich wei es gegen kann. Da hat klaus58 völlig recht.
“Ob Holzklötzchen, Puppen oder Tretroller – fast 80 aller Spielsachen in deutschen Kinderzimmern kommen aus China. Jahrelang hatte die Branche das asiatische Riesenreich als billige Werkbank genutzt. Dann knacksten mehrere Rückrufaktionen das Vertrauen in die Sicherheit der Produkte an. Aktuell machen Umwälzungen in der chinesischen Wirtschaft und Gesellschaft die Herstellung deutlich teurer.
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Noch vor der Nürnberger Spielwarenmesse, die als weltgrößte Branchenschau kommenden Donnerstag ihre Tore öffnet, haben Händler und Hersteller Preissteigerungen angekündigt. Bis zu 30 Prozent sollen einzelne Spielsachen teurer werden. Begründet wird dies mit verschiedenen Faktoren. Einer der wichtigsten ist der Wandel in China.”
Die angekündigten Preissteigerungen für Produkte aus China sind Wunschdenken. Ähnliche Aussagen gibt es in anderen Branchen. Die Globalisierung mit den ungeregelten Beschaffungsmärkten wird die Preiserhöhungen verhindern.
Das Problem ist nicht China, sondern die Profitgier. Deutsche Unternehmen verlassen China als reinen, billigen Produktionsstandort schon lange. Unternehmen mit Absatzmärkten oder chinesischer Beteiligung können sich nur vorsichtig bewegen. Chinesische Unternehmen verlagern massiv nach Afrika, um ihre westlichen Kunden nicht zu verlieren. Ich will für einzelne Länder keine Propaganda machen, da diese “neuen” Arbeitsplätze kurzzeitig sein werden und “giftig” sind.
Letzlich wird es nur funktionieren wenn global der Wohlstand steigt. Er steigt aber nicht dadurch das man den Menschen von Natur aus für gut hält oder indem man meint es entsteht von selbst das ideale System. Wie wird es denn entstehenl, Ist es auf einmal da? Wie soll auf einmal ein System ohne Profitgier da sein?
Wenn nun China nach Afrika verlagert, wird dort natürlich ausgebeutet. Aber das ist nun mal in jedem Fall die Anfangs-Durchgangsphase. So funktioniert nun mal der Mensch. Eben auch durch äußere (außer ihm liegende) Umstände (die über ihn herrschen und “deren Geschöpf er bleibt” auch wenn er sich über sie erheben möchte) unter Druck. Eine genauere Theorie gibt es sicher und könnte nachgeliefret werden. Immerhin würde , wenns denn so wäre in Afrika “etwas gemacht was bisher dort nicht gemacht wird.”
Eine fantastische Formulierung. Ich kann mir eine bessere nicht vorstellen. Ja, da sehen wir, was wir Marx zu verdanken haben:
- Nein, Marx hilt die historischen Menschen nie und niemals für gut. Er meinte aber, die Geschichte würde sie zwangläufig gut machen. Hier war Marx ein typischer (bescheuerter) deutscher Metaphysiker
- Und die Geschichte wird einfach so, aus sich heraus, den Menschen (nach der Revolution) automatisch zu einer besser Ordnung (“System”) hineinzwingen. Einfach so. Deshalb hat Marx NIE in seinem GIGANTISCHEN Opus über die zukünftige Ordnung etwas geschriebe. Nie! Hier war Marx ebenfalls ein typischer (bescheuerter) deutscher Metaphysiker. Gerade dazu etwas von Misik hier
inhaltsleere Pose der Radikalen >>>
Ja, Misik sieht klar, auch hier:
http://www.misik.at/fs/163.php