Ein Staat am Rande des Zusammenbruchs
geschrieben am 07. März 2009 von Spiegelfechter
Mit dem Punjab droht nun auch eine Kernregion Pakistans ins Chaos zu stürzen
Der Anschlag auf das Kricket-Team Sri Lankas im punjabischen Lahore stellt eine neue Stufe im Erosionsprozess des Staates Pakistan dar. Mit dem Punjab droht nun auch die größte Provinz Pakistans im Chaos zu versinken. Weder die korrupte Regierung in Islamabad, noch die Armee haben die stetig eskalierende Sicherheitslage im Lande noch unter Kontrolle. Religiöser Fundamentalismus, Nationalismus und der Widerstand gegen den amerikanischen “Krieg gegen den Terrorismus” haben das Land schwer destabilisiert. Sogar ein Bürgerkrieg scheint möglich. Pakistan ist ein gespaltenes Land und ein Funke könnte ausreichen, um einen Flächenbrand zu entfachen. Jahrzehntelange Korruption und Misswirtschaft haben das Land in ein Pulverfass verwandelt.
Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen wurden in Pakistan bislang vor allem durch den Druck von außen zusammengehalten ? der mächtige Feind Indien schweißte zusammen, was vielleicht nicht zusammengehört. Zu den traditionellen ethnischen Differenzen zwischen Paschtunen, Punjabi, Belutschen, Sindhi und anderen kamen im letzten Jahrzehnt zunehmend religiöse Differenzen hinzu. Während im Süden ein toleranter, spirituell vom Sufismus geprägter Islam vorherrscht, hat der zunehmende Einfluss des konservativen, dogmatischen Wahabismus im Norden eine neue Bruchlinie innerhalb des Landes entstehen lassen.
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Ich kann mir schon gut vorstellen woher der Funke kommen wird, der das Pulverfass zünden wird…. die amerikanische Destabilisierungspolitik scheint ja gut zu funktionieren.
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Bemerkungen zur Lage Pakistans, in dem kürzlich geleakten NATO Dokument…… http://schraeg.ilohost.com/?p=109
Also bei _der_ Überschrift dachte ich sofort an Schäubleland, weniger an Amis Helfer am Hindukusch.
Vorposter Frankie hat die Lage erkannt, zwei Staaten, eng miteinander verbündet, haben grosses Interesse, gebraucht zu werden. Lange genug Spielball imperialistischer Geheimdienste, hat das Land endlich Ruhe verdient, die ihm nicht gegönnt wird.
Die Amis haben in der Region viel Mist gebaut, ohne Frage, sie alleine für die Misere in Pakistan verantwortlich zu machen, ist aber etwas billig. Das Land ist seit seiner Gründung instabil und in vielen Regionen hatte der Staat noch nie viel zu sagen.
Für mich ist Pakistan momentan das gefährlichste Land der Erde. Pulverfass ist hier wirklich die passende Metapher und im Gegensatz zum Iran ist der Besitz von Atomwaffen bei Pakistan absolut gesichert.
Wir ernten nur, was wir gesät haben! Wir haben zugesehen, wie ein gewisser Mann das ganze Gefüge in der Welt aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Wir haben gewußt, daß Saddam, so schlimm er auch war, die ganze Region im Gleichgewicht gehalten hat. Nun ist es außer Kontrolle. Ich frage mich nur wo das Ganze enden wird! Jetzt kracht es nämlich gerade bei Atommächten! Herzlichen Glückwunsch, Junior!!!
Aus dem TP Artikel:
[...]In den letzten Jahren sind zehntausende Medresen (Koranschulen) entstanden, die unabhängig vom Staat, weitestgehend unkontrolliert und aus saudischen Quellen finanziert…[...]
und witzigerweise ist ja Saudiarbien bei den Guten und wird toleriert, obwohl dort genauso die Menschenrechte mit Füssen getreten werden wie in den Staaten der Achse des Bösen.
bombjack
Höchste Priorität für wen? Die aufgeklärte Welt muss sich fragen: Wollen wir bei der Ausbreitung verrückter Ideologien wie dem Wahabismus beziehungsweise Talibanismus zuschauen, oder wollen wir etwas dagegen unternehmen, dass die weibliche Hälfte der Bevölkerung in grausamste Sklaverei geschickt wird? Angesichts der Hilflosigkeit, die westliche Staaten in Afghanistan gegenüber diesen Kräften an den Tag legen, mag man für die erste Möglichkeit optieren. Jedenfalls solange dieser Art des Faschismus den Westen in Ruhe lässt. Man kann nur hoffen, dass sich solche Systeme des kollektiven Wahnsinns am Ende von innen reformieren. Unter der Dusche der Ölgelder ist das in Saudi-Arabien ja in kleinen Dimensionen der Fall.
Vermutlich werden sich die 25 Millionen Panjabis in Indien jeden Tag beglückwünschen, nicht an den Segnungen der ‘Religion des Friedens’ teilhaben zu müssen.
@Frankie
Mir fehlt leider jede Phantasie, die These, nach der die Amerikaner Vorteile hätten, wenn Pakistan destabilisiert wird, nachzuvollziehen.
@Karl-Heinrich
Für alle die, die eine Eskalation verhindern wollen.
Nun lass mal den Frauenrechtler ruhen ;-)
Natürlich will niemand in der “aufgeklärten” Welt, dass die Taliban an Einfluss oder Macht gewinnen. Wie aber soll man das verhindern? Die Taktik der Reg. Bush ist grandios gescheitert.
Eines scheint hier vielen nicht klar zu sein.
Der Islamismus wird weiter voranschreiten,in dem er die Armen unterstützt und gegen die Unterdrückung kämpft.
Und solange die angebliche Demokratisierung nur ein unterstützen der Mächtigen und des Kapitals ist, sollten die “demokratischen” Staaten lieber kleinlaut sein.
Das was fehlt ist eine ehrliche Menschlichkeit, und nicht vorgespielte Demokratie.
In den Augen eines Pakistanis gibt es keine andere “Macht” die ihm hilft, als wie die Hilfe von Allah.
Und solange der Westen mit dem Dollar Zeichen wedelt, und meint damit “Menschenwürde” in Scheindemokratien verpackt präsentieren zu müssen, solange brauchen wir uns nicht zu wundern das die Pakistanis den Islam wenigstens als die ehrlichere Varainte erkennen.
Ich bin sehr optimistisch.
Die Außenpolitik der U.S. o A. ist auf dem richtigen Weg.
Mit gemäßigten Talibans sollte verhandelt werden.
Gegen Folter und Massenmord sollte allerdings m.u.l.t.i.p.o.l.a.r vorgegangen werden. Die Grenzen sollte man nicht ZU eng setzen. Wenn so ein Drittwelt-Macho meint, Unternehmen in erstaunlichen Menge zu verstaatlichen, die Scharia einzuführen oder sonstigen Schabernack zu treiben… Soll er machen. Irgendwann wird es die Gesellschaft merken, dass man von dollen Sprüchen nicht satt wird.
Gewalt gegen radikale Bestrebungen in insgesamt verdienten Weltreligionen wie dem Islam sollte nur im äußersten Notfall eingesetzt werden (extreme Folter und Massenerschiessungen). Das stärkt nämlich eher das Unrechtsregime.
Wir brauchen uns nicht einbilden, dass wir problematische Gesellschaften mit viel zu hohen Geburtenraten irgendwie kontrollieren könnten. Das müssen die schon selber auf die Reihe kriegen.
Wenn in einem demokratischen Land Gruppen permanent rumnörgeln, sollten sie auch die Dinge selbst in die Hand nehmen und versuchen in einem Teilgebiet, in dem es eine Möglichkeit zu einer Mehrheit für eine andere Form von “Demokratie” gibt, eben diese Mehrheit zu erlangen und zur allgemeinen Erheiterung ihre Ideen umsetzen (Belgische Lösung).
@Lemmy
Ich sehe die jetzige US-Regierung zwar auch auf dem richtigen Weg, bin aber nicht so optimistisch, da ich nicht glaube, dass die USA in Pakistan überhaupt noch eine größere Einflussmöglichkeit haben.
Sehr richtig, aber das ist natürlich komplizierter, als es zunächst den Anschein hat. jeder kocht sein eigenes Süpplein und wenn es schon nicht möglich ist, Deutschland, Frankreich und Polen in ein Boot zu kriegen, wie soll dies dann mit Indien, China, Russland und den USA funktionieren?
Im äußersten Notfall Folter und Massenerschießungen? ;-)
Ich weiß, Du hast es anders herum gemeint – d´accord.
Das hat Indien (sehr hohe Geburtenrate) auch geschafft. Bildung ist der Schlüssel. Je gebildeter und wirtschaftlich prosperierender die Gesellschaft ist, desto niedriger wird die Geburtenrate.
@Sf #8
Leider lässt sich das nicht bagatellisieren.
Ich bin voller Vertrauen in General Petraeus ;-) Sehr guter Artikel über ihn und seine Strategien im Foreign Policy Magazine.
Ein Kollege ist Pakistani. Er kommt aus Lahore, der Hauptstadt der Provinz Punjab. Ich hab heute morgen mal mit ihm gerdet wegen der im Blog angesprochenen Punkte. Er hat mich verständnislos angeschaut.
Diese Leute, die andere umbringen, sei es durch Waffengewalt oder Bomben, das sind für ihn einfach Terroristen. Natürlich hat Pakistan Probleme. Da sind sie 2000km Grenze, die sie sich mit Afghanistan teilen und durch die viele Taliban geflüchtet sind. Die pakistanische Armee kämpft gegen diese Eindringlinge aber das ist bei der Länge der Grenze ein Kampf gegen Windmühlen, vor allem, weil die Grenze in kargem Gebirgsland verläuft.. Dann wäre da noch der Kampf um Kaschmir. Der wie so oft rein wirtschaftliche Gründe hat. Zugang zum Himalaja, Wasser – Pakistan und Indien sind beides sehr arme Entwicklungsländer und auch Wasser ist im Flachland rar, dafür gibts an den Hängen des Himalaja – so z.B. in Kaschmir – reichlich.
Gefühlt würde ich sagen, werden die Probleme in Pakistan dort bei weitem lockerer gesehen als hier. Natürlich gibts dort auch einflussreiche Kreise, die großen Einfluss haben aber wie sagte mein Kollege – die Bevölkerung hat keine Zeit für Politik und Fanatismus, erst mal müssen sie ihr Überleben durch harte Arbeit sichern.
gruß
Macht Euch keine Sorgen, lasst die Israelis für Ruhe sorgen. Lasst Sie sich doch gegenseitig abmurksen. Wer einmal in diesen Ländern war und nicht nur klug hinter dem Schreibtisch quatscht, weis denen ist sowieso nicht zu helfen. In der Zwischenzeit ABSOLUTER Einreisestopp für das Pack aus der Ecke oder nur nach Vollhaftung der Einladenen!
PS: Deutsche Truppen raus aus der Geröllwüste Afghanistan!