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  • Ägypten vor dem Showdown

    geschrieben am 03. Februar 2011 von Spiegelfechter

    Wer glaubte, dass die Ägypter tatsächlich mit friedlichen Protesten eine Demokratisierung des Landes erreichen könnten, muss seit den gestrigen Auseinandersetzungen am Kairoer Tahrir-Platz leider umdenken. Es scheint vielmehr so, als ob die Hardliner innerhalb der ägyptischen Junta nicht viel von einem “geordneten Übergang” halten. Morgen läuft das Ultimatum der Demonstranten ab. Sollte Husni Mubarak morgen nicht zurücktreten, droht Ägypten ein blutiges Wochenende. Es ist jedoch schwer zu sagen, welche Machtverschiebungen in den letzten Tage innerhalb der Junta stattgefunden haben. Die anfängliche Neutralität des Militärs ist jedoch bereits Geschichte. Für die Ägypter selbst sind diese Entwicklungen alarmierend. Dem westlichen Beobachter drängt sich zudem die Frage auf, ob die USA der Demokratiebewegung nicht hinter den Kulissen in den Rücken fallen.

    Der Marsch der Millionen, der am Dienstag eindrucksvoll gezeigt hat, welches Potential die friedliche Revolution besitzt, mag Beobachtern Sand in die Augen gestreut haben. “Das Volk” gegen “das Regime”, so der stark verkürzte Plot des Konflikts. So einfach ist es aber nicht. Rund um das Regime gibt es verschiedene Kräfte, denen sicherlich nichts an Reformen oder gar einem Systemwechsel gelegen ist. Die ägyptischen Streitkräfte sind ein Staat im Staate. Sie besitzen Unternehmen, Immobilien und Infrastrukturprojekte – ein großer Teil der Hotels am Roten Meer, in denen westliche Touristen ihre Devisen ausgeben, gehört beispielsweise dem ägyptischen Militär. Innerhalb des Systems hat das Militär einen eigenen Versorgungssektor aufgebaut, der ehemalige Stabsoffiziere mit sehr gut dotierten Posten außerhalb der Armee versorgen kann. Diese gut vernetzten Profiteure des Systems können natürlich kein Interesse an einem Systemwechsel haben. Auch in den aktiven Streitkräften gibt es eine signifikante Gruppe, die jeglichen Reformen kritisch gegenübersteht.

    Die Kräfte der Konterrevolution

    Wenn man die Fraktionen innerhalb der ägyptischen Eliten betrachtet, so kann man sie grob in die Autokraten (die alte Offiziersclique um Mubarak), die Plutokraten (Großindustrielle und Unternehmer, die dank der Protektion durch den Staat enorme Gewinne erzielen) und die Technokraten (in der Verwaltung, den Ministerien und dem Militär) aufteilen. Reformer finden sich naturgemäß am ehesten unter den Technokraten, bilden aber insgesamt eine verschwindende Minderheit innerhalb der Eliten. Neben den Eliten gibt es noch die Regierungspartei NDP mit ihren drei Millionen Mitgliedern, die ebenfalls kein homogenes Gebilde ist, sondern verschiedene Fraktionen von den Strukturreformern bis zu den Kleptokraten umfasst. Nicht vergessen sollte man zudem den gigantischen Sicherheitsapparat rund um das Innenministerium, der 1,5 Millionen Menschen einschließt. All diese Gruppen haben sehr viel zu verlieren, wenn das System tatsächlich stürzen sollte. Die Revolution des Volkes stößt somit auf eine gewaltige Konterrevolution der Systembegünstigten.

    Gestern zeigte sich die Konterrevolution erstmals auch auf der Straße. Medienberichten zufolge handelt es sich bei der Pro-Mubarak-Fraktion vornehmlich um Polizisten in Zivil und Schläger, die für ein karges Handgeld gegen die Demonstranten vorgehen sollen. Das Geld für die Fußsoldaten der Konterrevolution stammt offensichtlich aus der milliardenschweren Plutokraten-Fraktion hinter Mubarak. Während die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz sämtliche Waffen bei selbstorganisierten Einlasskontrollen abgeben mussten, überrannten die Schläger der Konterrevolution diese Kontrollen ganz einfach und gingen – teilweise beritten – mit Waffen auf die Demonstranten los. Diese Kämpfe dauern bis zum Moment an und die Armee versteht sich als ordnende Kraft, die mit Waffengewalt die beiden Fraktionen auseinanderhält. Berichte von Übergriffen auf Journalisten, Zivilisten und verschiedene Einrichtungen nehmen allerdings im Stundentakt zu.

    Systemerhaltende Eskalation

    Es ist offensichtlich, dass die Eskalation der Gewalt nicht den Demonstranten, sondern dem Regime nutzt. Einerseits hält die Gewalt potentielle Systemgegner davon ab, auf die Straße zu gehen, andererseits erzeugt die inszenierte Gewalt den Eindruck, dass die Straßen im Chaos versinken und nur die Armee mit starker Hand die Ordnung wieder herstellen kann. Dieser Eindruck ist keinesfalls nur eine Außenwahrnehmung, sondern – Al Jazeera zufolge – vor allem auf das ägyptische Volk gemünzt, das selbst wankelmütig ist. Es ist dabei keinesfalls überraschend, dass das Regime mit verdeckten Karten den offenen Kampf gegen das Volk führt, sondern eher, dass dies erst seit gestern geschieht und die Demonstrationen nicht bereits in der letzten Woche auf diese Art und Weise unterminiert wurden.

    Der ominöse Sonderbotschafter

    Der jüngste Strategiewechsel seit Mittwochmorgen ist vielmehr ein Zeichen für eine Machtverschiebung innerhalb der Junta. Was könnte diese Machtverschiebung ausgelöst haben? Als am Dienstag zwei Millionen Ägypter auf die Straße gingen, traf Frank Wisner in Kairo ein. Wisner ist Sonderbotschafter der USA, er wurde nach Ägypten geschickt, um das Regime beim “geordneten Übergang” (Obama) zu beraten. Dabei erscheint alleine die Personalie Wisner bereits fragwürdig. Frank Wisner ist zwar ein ehemaliger Geheimdienstler und Karrierediplomat, der über Jahrzehnte hinweg in der arabischen Welt tätig war (unter Ronald Reagan war er US-Botschafter in Kairo); seit seinem Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst betätigt er sich aber – neben lukrativer Nebenjobs in der Finanzbranche – vor allem als Mubaraks Chef-Lobbyist in Washington. Es ist also keinesfalls auszuschließen, dass die USA ein doppeltes Spiel betreiben, in dem sie öffentlich einen “geordneten Übergang” fordern und dem ägyptischen Regime hinter den Kulissen grünes Licht dafür geben, jetzt die Unruhen zu provozieren, die dann mittels beherztem Durchgreifen des Militärs bekämpft werden müssen. Die Zeichen stehen auf Sturm und es scheint so, als stünden die USA wieder einmal auf der falschen Seite.

    Von Demokratie und Menschenrechten scheint der Friedensnobelpreisträger Obama offensichtlich nicht allzu viel zu halten. Aber die Diskussion um Demokratie und Menschenrechte ist ohnehin verlogen. Die Ägypter wollen Demokratie und Menschenrechte, sehen allerdings keine Verbindung dieser beiden Dinge mit den USA oder Europa. Wenn Barak Obama und Angela Merkel gegenüber den Ägyptern das Wort “Demokratie” in den Mund nehmen, klingt dies – wie Jakob Augstein zu Recht anmerkt – so wie Breschnews Lob auf Freiheit und Sozialismus in den Ohren der besetzten Polen. Warum sollte ein Ägypter die USA, die jahrzehntelang die ägyptische Militärdiktatur freundschaftlich unterstützt haben, eigentlich als Förderer der Demokratie ansehen? Die arabische Welt sieht, dass der Westen Israel bei der Unterdrückung der demokratisch legitimierten Hamas unterstützt, und dass der Westen jede arabische Diktatur nach bestem Wissen und Gewissen unterstützt. Seit dem Sturz des demokratisch gewählten iranischen Premiers Mohammad Mosaddegh und der darauffolgenden Inthronisation des blutrünstigen Schahs hat der Westen seinen demokratischen Ruf in der arabischen Welt verloren und er tut auch nichts dafür, sich diesen Ruf zurückzuerobern. Der Drahtzieher des Mosaddegh-Sturzes auf amerikanischer Seite war übrigens Frank Wisner sr., der Vater des gleichnamigen Sonderbotschafters Obamas. Manchmal ist die Welt sehr klein.

    Türkisches Gambit

    Während Merkel laviert und Obama für die Ägypter betet, hat sich ein europäischer Staat zum glaubwürdigen Anwalt des ägyptischen Volkes gemacht – die Türkei. Sowohl Präsident Gül als auch Premier Erdogan forderten das ägyptische Regime bereits mehrfach auf, schnellstmöglich zurückzutreten und auf die Forderungen der Demonstranten einzugehen. Das ist kein Zufall, denn die Türkei ist nicht nur darum bemüht, eine Hegemonialrolle in der arabischen Welt einzunehmen, sondern sie könnte auch ein Vorbild für Ägypten sein. Die Türkei ist eine Demokratie, und der Hüter dieser Demokratie ist das türkische Militär. Ein Systemwechsel in Ägypten ist ohne Einbindung des mächtigen Militärapparats schlichtweg unmöglich. Sollte es gelingen, das Militär als Garant der Demokratie einzubinden, so wäre dies die bestmögliche Lösung für das ägyptische Volk. Vielleicht sollte die Türkei eine aktivere Rolle im ägyptischen Transformationsprozess spielen? Den USA ist nicht an einer friedlichen Transformation und auch nicht an Demokratie gelegen. Die Entscheidungen, welche Zukunft Ägypten haben wird, fallen wahrscheinlich an diesem Wochenende und sie werden innerhalb der Junta gefällt. Wir können nur hoffen, dass die Autokraten und Plutokraten mitsamt ihrem Verbündeten jenseits des Atlantiks ein Blutvergießen scheuen, still abtreten und den zivilgesellschaftlichen Kräften und Reformern das Feld überlassen.

    Jens Berger

    Leseempfehlungen:
    Pepe Escobar – Dead men walking, with license to kill
    Pepe Escobar – Who’s to cut off the head of the snake?
    Simon Allison – Let them eat bread
    Jakob Augstein – Das Ende der westlichen Glaubwürdigkeit
    Frank Furedi – This yearning for freedom will not lead to theocracy
    Rami G. Khouri – The Middle East’s freedom train has just left the station
    Brendan O’Neill – The truth about the Muslim Brotherhood

    191 Kommentare Print This Post
    Wer glaubte, dass die Ägypter tatsächlich mit friedlichen Protesten eine Demokratisierung des Landes erreichen könnten, muss seit den gestrigen Auseinandersetzungen am Kairoer Tahrir-Platz leider umdenken. Es scheint vielmehr so, als ob die Hardliner innerhalb der ägyptischen Junta nicht viel von einem "geordneten Übergang" halten. Morgen läuft das Ultimatum der Demonstranten ab. Sollte Husni Mubarak ...
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    191 Kommentare:

    1. Systemfrager schrieb am 3. Februar 2011 at 18:54 - Permalink

      Ja, die westlichen Werte!
      Man hat das eigene Volk ausgeplündert und ruiniert, und für jemenden sollen Araber interessant sein?
      Ist der Ruf erst ruiniert, lebste nachher ungeniert

    2. Lazarus09 schrieb am 3. Februar 2011 at 19:34 - Permalink

      Ja.. die westlichen Werte . Drauf geschi…….n !
      In Aegypten wird der Despot mit der Staatskasse die Fliege machen ,nach alter Tradition wird sich seine “Amtszeit” vergolden lassen. Der naechste Hampelmann steht garantiert schon in den Startloechern .. solange er die westlichen KAPITAL Werte vertritt wird er jede Unterstuetzung der USA und Europa bekommen ;-)

      Der Koenig ist tot es lebe der Koenig .. fuers Volk wir hier wie da nur in soweit ein Finger geruehrt um es in soweit zu beruhigen um weiterhin ungehindert die Ausbeutung zum Wohle weniger voran zu treiben.

      666

    3. abusalma schrieb am 3. Februar 2011 at 19:46 - Permalink

      Nur ergänzend als Verstehenshilfe für diesen Konflikt ist Liebe für mich der zentrale Begriff. Die Ägypter haben eine nicht so verkopfte Beziehung zu ihrem Heimatland wie die Deutschen und zu ihrem Präsidenten. eine väterliche Beziehung Die Ägypter, die 1973 noch erlebt haben, vergessen nicht, wer ihnen geholfen kann. Sie lieben ihr Land und sehen nicht in erster Linie Schwierigkeiten und schauen sehr aus einer eigenen Perspektive im Sinne von: Die Polizei hat sich mir gegenüber die letzten 30 Jahre nicht schlecht verhalten; Ich konnte studieren, obwohl ich aus einer einfachen Familie stamme; Ich verdiene doch mein Geld hier und kann leben ……. Jedwede Einmischung von außen wird dabei abgelehnt.
      Nun schmerzt es sehr, dass Ägypter auf Ägypter losgehen und es wird zu gerne geglaubt, dass irgendwelche Kräfte von außen schuld sind: jahrelang zurückliegende durch wikileaks veröffentlichte Besprechungen, (Fernseh-) journalisten etc.
      Ägypten ist wie ein verletztes Tier. Es kämpft und fragt zur Zeit niemanden um nichts.
      Ägyptens Liebe wird in den Grundfesten erschüttert.
      Auf dass die Liebe schnell wiederkomme.

      Autor lebt mit seiner deutsch/ägyptischen Familie in Kairo

      • Ko-Mike schrieb am 3. Februar 2011 at 21:26 - Permalink

        Mit deiner Schlussbemerkung…

        Autor lebt mit seiner deutsch/ägyptischen Familie in Kairo

        …scheint mir deine Bemerkung am Anfang sehr subjektiv…

        Die Ägypter haben eine nicht so verkopfte Beziehung zu ihrem Heimatland wie die Deutschen

        Wobei ich nicht bestreiten möchte, dass Ägypter eine “nicht so verkopfte Beziehung zu ihrem Heimatland” haben. Das ist durchaus zum Teil richtig. Zum Teil. (Obwohl ich ein wenig unsicher bin, in der Interpretation von “verkopfte Beziehung”).
        Aber du scheint Verdruss gegenüber Deutschland zu spüren. Ich kann deine Haltung aus deiner Perspektive auch verstehen. Dennoch scheint sie mir zu sehr auf eigene Emotionen in Beziehung zu Deutschland aufzubauen. Das ist nur so meine Vermutung.

        Mit der Liebe zur Heimat gehe ich mit, aber die Liebe…

        …zu ihrem Präsidenten.

        ??? Da sehe und höre ich aber andere Dinge (nicht im Fernsehen, sondern von Verwandtschaft und Freunden vorort. Das erwähne ich mal, um dem Vorwurf der Ahnungslosigkeit vorzubeugen ;) ). Das muss man differenzierter sehen!

        Ich konnte studieren

        Und was kommt danach???

        Ich verdiene doch mein Geld hier und kann leben

        Stellt sich mir die Frage, wie das konkret aussieht dieses Leben – nach dem Studium.
        Für viele Ägypter sehen die Perspektiven nicht so rosig aus, wie du sie hier schilderst.

        es wird zu gerne geglaubt, dass irgendwelche Kräfte von außen schuld sind

        Nö, zumindest ich für meinen Teil schätze dies anders ein.

        Ägypten ist wie ein verletztes Tier.

        Das ist mir zu melodramatisch. Ägyptens Gesellschaft ist aufgrund falscher Staatsführung geteilt. Und diese Teilung fehlt mir in deiner Einschätzung. Das Herz mag eines sein, aber es kann nicht allzu oft über die (pragmatischen) Probleme hinwegtrösten. Die Missstände müssen jetzt (möglichst friedlich) behoben werden. Das ist ein schwieriger Weg, aber kein Weg der Unmöglichkeit.

        P.S.:
        Liebe zum Land mag eine Rolle spielen. Aber was man liebt, dem soll es auch gut gehen(also dem Land), oder. Doch wenn man die Fähigkeiten der jungen Generation aufs Abstellgleis schiebt, stehen am Ende Forderungen.

    4. Toiletman schrieb am 3. Februar 2011 at 19:51 - Permalink

      Die Türkei ist nicht europäisch sondern nur ein kleiner Teil von ihr. Aber dennoch könnte die Türkei sehr positiv auf diese Gebiete einwirken.

    5. R_Winter schrieb am 3. Februar 2011 at 19:58 - Permalink

      Der Westen hat seine Maske verloren. Es geht nicht um demokratische Werte, sondern um Einfluss und Kapitalerhaltung. Demokratische Rechte sind nur das Todschlagargument westlicher Politiker.

      Dem westlichen Beobachter drängt sich zudem die Frage auf, ob die USA der Demokratiebewegung nicht hinter den Kulissen in den Rücken fallen.

      Es geht den USA um Macht, denn sie könnten leicht anders (SF hat wieder recht) und Mubarak um seine Milliarden $, die er angeblich im Ausland hat. Dem Beispiel von Ali will er nicht folgen.

    6. Heldentasse schrieb am 3. Februar 2011 at 20:08 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Vielen Dank für diesen Artikel und Deinen Mut auch mal ein Thema anzupacken das (nach Deinen eigenen Worten) noch nicht 100% in Deinem Erkenntnisbereich liegt.

      Der letzte Absatz hebt, IMO vollkommen zu Recht, die Macht des Militärs in Ägypten hervor. Dieser Faktor ist m.E. der Dreh und Angelpunkt des Konflikts, die haben es in der Hand ob es zu einer friedlichen Lösung kommt oder zu einem Bürgerkrieg. Wenn die freiheitlichen Kräfte in Ägypten “Glück” haben, steht das Land nach dem Konflikt da wie die Türkei noch vor 10 Jahren mit ihrem Militär, keine optimale Lösung aber womöglich der z.Z. einzige gangbare Weg.

      P.S.: Ich persönlich glaube, dass die Situation in Ägypten gefährlicher ist als wie es aktuell in den Massenmedien vermittelt wird.

      • Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2011 at 20:11 - Permalink

        Vielen Dank für diesen Artikel und Deinen Mut auch mal ein Thema anzupacken das (nach Deinen eigenen Worten) noch nicht 100% in Deinem Erkenntnisbereich liegt.

        Zum Glück habe ich mittlerweile einige Einschätzungen und Analysen von Ägyptern und Deutschen, die in Ägypten lebten/leben, bekommen.

        • Ko-Mike schrieb am 3. Februar 2011 at 21:46 - Permalink

          Auf ähnliche Quellen stütze ich mich auch und werde vielleicht einiges hier dazu beitragen können. Momentan ist dies aber schwierig, da es ein wenig unübersichtlich ist und ich auch nicht immer Kontakt habe. Deshalb konnte ich zu dem vorigen Artikel auch noch nicht viel dazu schreiben.
          Aber vorsichtig, denn schnell neigt man sich zu einer Seite. Den Überblick zu bewahren und objektiv zu bleiben ist (auch) hier besonders schwierig. Aber das weiß der Herr Berger ja schon alles, und weiß auch wie man damit umgeht. ;)

          Auch von mir vielen Dank!

    7. Axel schrieb am 3. Februar 2011 at 20:25 - Permalink

      Während …… Obama für die Ägypter betet

      Einerseits beschreibt der Artikel sehr gut (einen Großteil) der ägyptischen Interna und auch wohl die Motive der “Konterrevolution”

      Aber dann kommt die Meinung.

      Ich will jetzt nicht danach googlen. Es mag sein das Obama auch für die Ägypter betet, aber ich habe im TV gehört das er Mubarak zum Rücktritt aufgefordert hat. Ich habe das gesehen und gehört. Ob er das so gemeint hat und ob er sofortigen Rücktritt gemeint hat weiß ich jetzt nicht. Soll er mehr tun? Die Türkei tut auch nicht mehr und hat auch ganz konkrete Interessen und hat auch durch keine Entwicklung dort viel zu verlieren. Freilich ist man sich in den USA nicht einig. Ein Republikaner widersprach Obama wohl, so ist das nunmal in einer Demokratie.

      Man macht sich mit Sicherheit berechtigte Sorgen um die zukünftige Rolle der Muslim-Bruderschaft. Ob das doppeltes Spiel rechtfertigen darf (das ist ja im Artikel zunächst nur eine Vermutung bzw. Unterstellung) sei dahingestellt. Klar ist: Jenseits von Moral: Auf Dauer ist es jedenfalls mit Sicherheit keine Lösung.

      • Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2011 at 20:32 - Permalink

        Ich will jetzt nicht danach googlen. Es mag sein das Obama auch für die Ägypter betet, aber ich habe im TV gehört das er Mubarak zum Rücktritt aufgefordert hat.

        Nun und ich habe heute den ganzen Tag Al Jazeera geschaut und Obama eröffnete seine PK mit den Worten “We pray for the egyptian people”. Forderungen an Mubarak, die über sein eigenes Angebot, sich erst im August/September abwählen zu lassen, stellt Obama hingegen nicht.

        Soll er mehr tun? Die Türkei tut auch nicht mehr

        Doch, doch, das tut sie. Aber sie hat natürlich nicht den gleichen Hebel wie die USA.

        • Axel schrieb am 3. Februar 2011 at 21:59 - Permalink

          Zu meiner Ehrenrettung möchte ich aber zunächst doch sagen das ich das gestern oder vorgestern (vermutlich) doch (ziemlich) richtig gehört habe. (im USA-TV)

          Ich habe das zunächst in einem Focus-Artikel ergoogled.

          Obama ist im Dilemma. Was soll er machen wenn Mubarak nicht auf ihn hört?

          Auszug aus dem Focus-Link:

          “Die wollen vor allem wissen, wie der Präsident, der sich der Welt einst selbst als „Mr. Change“ präsentierte, jetzt auf eben jene Ereignisse reagieren will. Immerhin habe Obama seinen Kollegen Husni Mubarak ja in aller Öffentlichkeit ziemlich unmissverständlich zum Rücktritt aufgefordert – und sich daraufhin einen Korb aus Kairo eingehandelt.”

          Vielleicht hat Obama keine weiter Macht. Soll er Mubarak mit Sanktionen drohen, Was wenn Mubarak nicht auf Obama hören will? Konkret was soll Obama tun wenn er nicht auf ihn hört.

          Noch was ich habe gerade mit einem Bekannten telefoniert und der brachte etwas ganz provokantes womit ich gar nicht gerechnet hatte. Er meinte: Wieso soll Obama sich überhaupt anmaßen Mubarak zum Rücktritt aufzufordern. Mubarak sei gewählt (wobei ich die Umstände jetzt nicht kenne) und dann wäre die Frage ob das Volk das Recht habe, ihn zu stürzen.
          Ich meine ja das nimmt da jetzt seinen Lauf und die Frage wird nicht nach Recht sondern nach Übermacht entschieden, sowas kann man nicht mehr steuern. Und ob die Muslim-Brüder ein Segen sein werden werden wir dann ja sehen. Ich habe kein Problem damit widerlegt zu werden. Ich würde in meiner Sorge gerne widerlegt.

          Ich habe allerdings den Verdacht, dass eine mögliche “unrühmliche” Rolle der Muslim-Bruderschaft dann wieder dem Westen angelastet wird. So das wir uns auch da dann wieder nicht einigen können.
          Aber jetzt muß man abwarten, beeinflussen können wir hier nichts.

          • Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2011 at 22:47 - Permalink

            Da hat der Focus aber gnädig über die sehr sorgsam gewählten Worte Obamas (die in gleicher Form auch aus dem State Departement komen) hinweggesehen ;-)

            Dass Mubarak als Person nicht mehr zu halten ist, weiß jeder. Es geht den Demonstranten aber nicht nur um die Person Mubarak, sondern um das System. Und zu einer Transformation des Systems haben weder Obama noch Clinton etwas greifbares gesagt – wen wundert es? Aber sogar das Statement zur Person Mubarak ist sehr vage und widerspricht in keinem Punkt der offiziellen Kairoer Linie. Abritt ja, aber ohne konkreten Zeitpunkt, ohne Bedingungen und ohne konkrete Hinweise, was danach kommen soll.

            • SubcommandanteMarkus schrieb am 4. Februar 2011 at 12:17 - Permalink

              Etwas konkretes zu dem Thema wie so eine Transformation aussehen soll kann man auch nicht wirklich sagen , sollte man auch nicht , besonders wenn man die US Regierung ist . Insofern verhalten sich die USA, zumindest nachdem wie sie sich geben auch absolut korrekt, im Rahmen der Möglichkeiten, das sage ich als nicht-Fan der US-Außenpolitik :)

      • Count Krey schrieb am 4. Februar 2011 at 10:01 - Permalink

        Ich frage mich eher, ob sich ein Präsident von einem anderen Staat, in die Angelegenheiten eines souveränen Staates einmischen sollte. Was würden denn die USA davon halten, wenn Merkel fordern würde, dass Obama zurücktreten solle? Nur weil man gerade innenpolitische Probleme hat, heißt es nicht, dass andere das Recht haben sich da einzumischen. Die USA haben momentan genug eigene Probleme..

    8. schwitzig schrieb am 3. Februar 2011 at 20:40 - Permalink

      @SF

      Es ist dabei keinesfalls überraschend, dass das Regime mit verdeckten Karten den offenen Kampf gegen das Volk führt, sondern eher, dass dies erst seit gestern geschieht und die Demonstrationen nicht bereits in der letzten Woche auf diese Art und Weise unterminiert wurden.

      Ich finde es nicht unbedingt überraschend, dass die Eskalationsstrategie erst seit gestern richtig angelaufen ist. Ich vermute, dass ägyptischen Pluto- und Kleptokraten soviel Zeit benötigten, um komfortabel ausreisen zu können – mit dem Ziel, dass sie auf keinen Fall die unmittelbaren Auswirkungen ihrer Entscheidungen selbst spüren wollen. Wenn Ägypten dann erfolgreich “befriedet” (quasi demokratisiert) wurde, werden sie wieder in einen sicheren Hafen zurückkehren und ihre Geschäfte weiterbetreiben – zumindest erscheint es mir wahrscheinlich, dass sie sich das so vorstellen. Mittlerweile bin ich angesichts der Vorgänge in fast allen Staaten der Überzeugung, dass “Eliten” überproportional häufig aus feigen und ängstlichen Drecksäcken bestehen, deren Charakteristikum es ist, die Scheisse von anderen ausbuddeln zu lassen. Diese Elitenimmanente Feigheit wäre auch ein möglicher Ansatzpunkt zur Enfernung dieses Packs aus der gesellschaftlichen Verantwortung.

    9. Chat Atkins schrieb am 3. Februar 2011 at 20:59 - Permalink

      Die wir-sind-neutral-oder-dafür-oder-doch-nicht-dafür Wackelposition des ägyptischen Militärs ist bei den Interessen, die für die Generalität auf dem Spiel stehen, tatsächlich seltsam. Sie ist auch nicht allein mit der amerikanischen Militärhilfe zu erklären. Ägypten wird ja von eben diesem Militär schon seit Anno Gummibaum regiert – Mubarak ist nur der Kopf dieser Militärjunta.

      Die einzige Erklärung für mich besteht daher darin, dass diese Millionario-Generalität befürchtet, einen Putsch auf der Ebene ‘Major abwärts’ zu erleben, sobald sie den Soldaten befehlen würde, gegen die Demonstranten vorzugehen. Ganz schnell könnten sich dann die Panzerrohre einer neuen ‘Volksarmee’ in Richtung Mubarak und Generalität drehen. Die Generäle sind, vermute ich, gar nicht mehr Herr ihrer Armee …

      • Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2011 at 21:01 - Permalink

        Ein guter Gedanke, so wird das wohl sein.

        • Ko-Mike schrieb am 4. Februar 2011 at 00:59 - Permalink

          Interessante Vermutung. Der Zusammenhang leuchtet mir ein. Aber nach ein paar Überlegungen, tendiere ich eher zu der Haltung, dass Mubarak nicht mehr ganz Herr des Militärs ist. Die Generäle sitzen noch am Hebel, doch sie halten sich eine Hintertür offen und gehen nicht gegen die Demonstranten vor(eben aus den vermuteten Gründen). Gleichzeitig versuchen sie sich keineswegs gegen Mubarak zu stellen, denn ohne ihn könnten sie auch eine Abkappung “Major abwärts” erleben. Standen sie doch dem Regime sehr nahe und haben davon profitiert. Befehle werden zwar noch von “ganz oben” erteilt, aber die Generäle zögern in der Umsetzung/Weiterleitung. Das zieht sich natürlich von oben nach unten fort.
          Aber das ist nur eine Vermutung von mir. Selbstverständlich ändert sich die Lage von Tag zu Tag.

          • Ko-Mike schrieb am 4. Februar 2011 at 02:37 - Permalink

            Nachtrag:
            Die neutrale Passivität zeigt eines: Die oberen Riegen des Militärs (ich fasse mich ein wenig allgemeiner, da ich jetzt nicht nur von den Generälen spreche) sind unschlüssig. Auf Seiten von Mubarak befürchten sie nach dessen Fall, dass auch sie fallen. Auf Seiten der Demonstranten befürchten sie, dass sich nach einem Fall Mubaraks jene Demonstranten sehr bald daran erinnern werden, wie Nahe sie, die oberen Riegen, dem Regime standen und somit ebenfalls fallen müssen. Aber genau diese passive Neutralität könnte diese baldige Erinnerung umso mehr fördern. Auf Seiten der Demonstranten oder in neutraler Haltung können sie sich ihrer Zukunft nicht sicher sein (wobei es auf der Seite der Demonstranten möglich wäre, seinen Arsch zu retten – aber 100% sicher ist das auch nicht). Auf Seiten Mubaraks stellt sich ihnen die Frage, ob die Niederschlagung des Aufstandes erfolgreich wäre (leider, wahrscheinlich schon – vorerst).
            Wären die obersten Riegen nicht mehr Herr ihrer Armee, so gäbe es aus meiner Sicht keinen Grund für die Passivität der “Untergeordneten” – da sie dem Volk aufgrund der Wehrpflicht nahe stehen. Demzufolge schließe ich weiter: Hätte sich das Militär für eine Position entschieden, gäbe es keinen Grund für dessen Neutralität und Passivität.

            Soviel zu meiner Sicht der Dinge.
            Warten wir die nächsten Tage ab.

            • GrooveX schrieb am 4. Februar 2011 at 07:23 - Permalink

              das glaube ich nicht. wenn dem so wäre, dann wäre das militär bereits weggefegt. die machen gerade einen hochkonzentrierten und ziemlich komplexen job. was man nicht übersehen sollte ist, dass das ganze sich auch wieder auflösen kann. daran arbeiten sie. wenn sie damit erfolg haben sollten, wird der westen in ägypten noch mehr von seinem eh schon schwindenden renommee verlieren.

              wir wissen sehr wenig von den tatsächlichen diplomatischen aktivitäten. oder kannst du mir kurz erklären, wie sich libyen momentan engagiert? man hört nix gescheites, oder? für mich war etwa netanjahus appell (bis ich mehr darüber weiss) nicht mehr und nicht weniger als ein gefallen, den er mubarak nach einen längeren telefonat getan hat.

            • Ko-Mike schrieb am 4. Februar 2011 at 11:27 - Permalink

              Was mich zu der Vermutung veranlasste, ist vor allem die Dauer des Aufstandes. Obwohl das Militär die Mittel dazu hat, den Aufstand niederzuschlagen, oder Mubarak u.a. zu stürzen. Aber es stimmt: Wir bewegen uns im Raum von Vermutungen. In der Tat verhält sich das Militär seltsam, was Spekulationen zulässt. Diese -meine obigen Aussagen eingeschlossen- sind mit Vorsicht zu genießen.
              Die tatsächlichen diplomatischen Vorgänge finden hinter den Kulissen statt. Und diese werden selbst nach den Ereignissen nicht bis ins Detail aufgeklärt sein.

    10. Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2011 at 20:59 - Permalink

      aktuell aus dem Ticker:

      [20.50] Auf den Straßen Kairos schlagen Mubarak-Anhänger ausländische Journalisten zusammen. Doch der ABC-News-Journalistin Christiane Amanpour ist es dennoch gelungen, zu Präsident Husni Mubarak durchzudringen. In einem 30-minütigen Interview schildert Mubarak seine ganz eigene Sicht der Dinge. Laut ABC habe genug von seinem Amt, könne aber nicht zurücktreten. Als Grund gab er an, sein Land würde nach einem solchen Schritt im Chaos versinken. Außerdem zeigte sich Mubarak bestürzt über die Gewalt in der Hauptstadt. Seine Regierung trage jedoch keine Verantwortung. Stattdessen gab er der Muslimbruderschaft die Schuld an den Ausschreitungen. “Ich war gestern sehr unglücklich. Ich will nicht, dass sich Ägypter gegenseitig bekämpfen”, so Mubarak weiter.

      Tja, wen wundert´s ;-) Mubarak als Hüter der Sicherheit und die böse Muslimbruderschaft. Ob er das von Wisner hat oder ist er da selbst drauf gekommen? Nun sollte eigentlich klar sein, welchen Zweck die Gewalt der “Mubarak-Unterstützer” und die Gewalt gegen die Journalisten hat.

      • abusalma schrieb am 3. Februar 2011 at 21:06 - Permalink

        Feindbilder als Mittel zur Durchsetzung von Politik ist ja nun auch nicht das Superneue, aber auf die Gefahr sich zu wiederholen. Die Ägypter machen Mubarak nur zu einem sehr kleinen Prozentsatz dafür verantwortlich.
        Auch wenn die Geschichte das anders bewerten wird ,ist hier maßgeblich, was man im Moment für Wahrheit hält!

        • Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2011 at 21:15 - Permalink

          Die Ägypter machen Mubarak nur zu einem sehr kleinen Prozentsatz dafür verantwortlich.

          Zumindest die Ägypter, die auf den Strassen demonstrieren, scheinen das anders zu sehen.

          • Ko-Mike schrieb am 3. Februar 2011 at 22:20 - Permalink

            Die Ägypter machen Mubarak nur zu einem sehr kleinen Prozentsatz dafür verantwortlich.

            Das würde ich nun nicht unterschreiben.

            Zumindest die Ägypter, die auf den Strassen demonstrieren, scheinen das anders zu sehen.

            Ja und nein. Nach meiner Einschätzung ist das ein wenig naiv gedacht. Ich versuche es metaphorisch zu erklären:
            Der Drache hat mehrere Köpfe, und Mubarak ist sein Reiter. (Nein, der Drache ist nicht das Militär, aber es ist ein Kopf dessen.) Ohne den Drachen wäre Mubarak natürlich machtlos. Und der Drache ohne Mubarak brächte wahrscheinlich Chaos.
            Man könnte nun den Reiter einfach austauschen. Vielleicht wird dann der Drache auch zahm. Aber letztlich änderte dies nichts am System – es bliebe eine Diktatur (der Drache), die sich öffentlich als Demokratie gibt.

            (Kann man auch in einigen lateinamerikanischen Länder sehen, als nach einem Umsturz sich offenbarte, wer alles an den Strippen zog und – trotz Umsturz – immer noch zieht.)

            • Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2011 at 22:48 - Permalink

              ja, schon klar. Ich mache das nicht an der Person fest.

            • Ko-Mike schrieb am 3. Februar 2011 at 23:11 - Permalink

              Nachtrag: Mubarak u.a. verkörpert das bisherige System. Was aber gefordert wird, ist nicht der bloße Sturz des Präsidenten, sondern gleichzeitig eine Umstrukturierung (darin liegt meiner Meinung nach auch die eigentliche Herausforderung). Weg mit Mubarak… ok, gut. Aber man darf nicht vergessen, dass ohne Mubarak ein Hohlraum in der Landesführung entsteht. Diese gilt es “effektiv” zu schließen um anschließend die Umstrukturierung/Demokratiesierung voranzubringen – deshalb “effektiv”. Hier gibt es noch viel Ungewissheit, deshalb bin ich um dies vielmehr besorgt.

              P.S.:
              Wahrscheinlich bezog sich der SF nur auf die im Satz integrierte Aussage:

              nur zu einem sehr kleinen Prozentsatz

      • Chat Atkins schrieb am 3. Februar 2011 at 21:19 - Permalink

        So ein Quark: Die Muslimbruderschaft demonstriert doch mit auf dem zentral Platz – und dann soll sie Schlägertrupps gegen sich selber losschicken? Wer so dämlich lügt, ist nicht nur argumentativ am Ende.

        Nebenbei: Die Geschichte von den Popanzen ‘Muslimbrüder’ und drohender Scharia, die unsere Islamophoben immer wieder gern auf der Bühne ihres Kasperletheaters aufführen, die kann ich allmählich auch nicht mehr hören: Kann den Trotteln mal jemand sagen, dass in Ägypten längst, seit ungefähr 30 Jahren schon, die Scharia in Kraft ist – und zwar unter ebenjenem Mubarak, der mit dieser Gefahr dann trotzdem immer bei den Ahnungslosen des Westens hausieren geht!

    11. brandubh schrieb am 3. Februar 2011 at 21:07 - Permalink

      Woher wissen wir eigentlich, dass die revoltierenden Ägypter Demokratie wollen?
      Gibt es eigentlich ein Wort im Arabischen für Demokratie?
      Wir schauen auf Ägypten und benutzen unsere Definition von Demokratie.

      • Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2011 at 21:14 - Permalink

        Nö, die Ägypter sagen auch was und – man staune – sie können sogar Englisch ;-)

    12. landbewohner schrieb am 3. Februar 2011 at 21:17 - Permalink

      fakt ist ja nun mal, daß das militär ohne washingtons milliarden schlecht dastünde. und wenn die generäle noch lavieren, dann nur, weil sie nicht sicher sind, daß ihr untergebenes fußvolk auf ihre freunde, verwandte und bekannte losgeht.
      die 100 %ge unterstützung obamas dürfte jeder “egalwiedemokrat” haben, der weiterhin dafür sorgt, daß im amerikanischen sinne regiert wird -100 000
      oder 1 million toter ägypter dürften da keine rolle spielen.
      und da die wächter und erfinder der demokratie ja schon reichlich im lande herumreisen befürchte ich, daß, wenn der grosse volksbetrug mit demokratischen wahlen nicht klappen sollte, ein blutbad stattfinden wird.
      zum optimismus gibt es, glaub ich , wenig anlass.

    13. anonym schrieb am 3. Februar 2011 at 21:20 - Permalink

    14. anonym schrieb am 3. Februar 2011 at 21:46 - Permalink

    15. Schweigsam schrieb am 3. Februar 2011 at 22:01 - Permalink

      Ja, was ich befürchte das Ägypten zu sehr Spielball anderer Machtinteressen ist.
      Und dabei wird die Bevölkerung Ägyptens höchst wahrscheinlich auf der Strecke bleiben.

      • Lazarus09 schrieb am 3. Februar 2011 at 22:54 - Permalink

        Das kann man so stehen lassen ….

    16. R. Walser schrieb am 3. Februar 2011 at 22:15 - Permalink

      Link zum Artikel von Simon Allisonl fehlt

      • Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2011 at 22:54 - Permalink

        sorry, ich hab´s repariert

    17. elwu schrieb am 3. Februar 2011 at 22:49 - Permalink

      Gestern abend habe ich lange mit einem ägyptischen Kollegen telefoniert. Er wohnt mit Frau und Baby in Kairo, in einem bislang ruhigen Vorort. Nichts exklusives, ganz normale Mietshäuser.

      Seit über einer Woche ist unsere Niederlassung in Kairo dicht. Und auch das ganze Industriegebiet, in dem sie liegt. Ein Grund ist, das einige Kilometer davon entfernt dieser Tage ein Gefängnis geleert wurde, man geht davon aus, dass dies auf Anweisung des Regimes geschah. Die Insassen streifen nun durch die Gegend und plündern und rauben, was geht. Ein anderer Grund ist, dass die Kommunikation äußerst erratisch ist, umd das vorsichtig zu formulieren. Wir haben zwar ein weltweites, an sich strikt firmeninterenes Netzwerk, aber selbst das wurde vom Regime gekappt.

      In ganz Kairo treiben sich Banden von brutalen Plünderern herum. Auch ind en Wohngebieten. Daher ist z.B. mein Kollege seit einer Woche zusammen mit den Nachbarn in Schichten in Dreierstreifen unterwegs, um zumindest die Wohnhäuser so weit möglich abzuschirmen. Einkaufen geht man nie allein sondern nur in Gruppen.

      Das größte Problem ist, das die öffentliche Ordnung und Sicherheit völlig zusammengebrochen ist. Die mehrheitlich regimetreue (weil vom Regime völlig abhängige) Polizei und die Geheimdienstler treten in Zivilkleidung zu professionell orchstrierten Gewaltakten gegen die friedlichen Protestanten an. Sie rauben und plündern. Das Militär hält sich da (noch) weitestgehend heraus. Es gibt zudem offenbar widerstreitende Befehle an das Militär.

      • Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2011 at 22:59 - Permalink

        danke für den Hinweis. Das deckt sich mit den Infos, die ich aus Ägypten bekommen habe.

        • elwu schrieb am 3. Februar 2011 at 23:36 - Permalink

          Eine Ergänzung noch. Ich habe ihn nach seiner Ansicht zu den 40 Milliarden Euro gefragt, der der Mubarak-Kleptomanenklan nach diversen Medienberichten außer Landes geschafft haben soll. Er meinte, das sei weit zu kurz gegriffen, denn in 30 Jahren absoluter Korruptheit haben Mubarak und sein familiäres Umfeld plus die unzähligen Systemgünstlinge weit mehr zusammengerafft.

          Da fällt mir ein, Ägypten ist ein perfektes Beispiel dafür, dass die ‘trickle down’ Schule der Ökonomie nicht funktionert. Beim Volk kam jedenfalls sicher nichts vom zunehmenden Reichtum der Unternehmen etc. an.

          Jens, du als VWLer: hat diese Theorie, die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, eigentlich schon mal nachweislich irgendwo irgendwann in großem Maßstab funktioniert, oder ist sie, wie auch der Sozialismus, stets an der Realität gescheitert?

          • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 10:08 - Permalink

            Jens, du als VWLer: hat diese Theorie, die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, eigentlich schon mal nachweislich irgendwo irgendwann in großem Maßstab funktioniert, oder ist sie, wie auch der Sozialismus, stets an der Realität gescheitert?

            Die größten Freilandexperimente in den USA, GB und Chile sind jedenfalls gescheitert, obgleich auch hier eine Bewertung natürlich immer komplex ist. Die USA und GB waren vor der großen neoliberalen Wende einerseits immer noch von den Folgen der großen Ölkrise betroffen und außerdem zu diesem Zeitpunkt industriell und strukturell rückständig. Ein Teil der Reformen hat also durchaus Erfolg gehabt – nur, dass diese erfolgreichen Teile nicht zwingend angebeotsorientiert waren und beinahe zeitgleich in anderen Ländern (z.B. F, I, E) ohne angebotsorientierte Doktrin ebenfalls erfolgreich vorgenommen wurden.

      • Stefan K. schrieb am 4. Februar 2011 at 09:45 - Permalink

        In ganz Kairo treiben sich Banden von brutalen Plünderern herum.

        Das scheint auch eine der Taktiken des Regimes zu sein: Nicht primär Angst und Schrecken zu verbreiten, um ein Chaos zu inszenieren das den Ruf nach den staatlichen Sicherheitskräften provozieren soll, sondern vor allem um oppositionelle Kräfte lokal zu binden und somit von der Teilnahme an den großen Demonstrationen auszuschließen.

        Von Außen ist es sicher schwer zu glauben, wie perfide ein totalitäres System auf Bedrohungen reagieren kann, aber wer sich an die Zeiten des Umbruchs im Ostblock erinnert bekommt eine Vorstellung von den jetzigen Ereignissen.

        Die Diskreditierung der Regimegegner als vom Westen gelenkt, das Stören der Rundfunk- und Fernsehsender, Behinderung der Berichterstattung, gezielte Desinformation usw.
        Für mich ist das ein déja vu.

        Das Militär wird sich meiner Einschätzung nach auch weiterhin zurückhalten, entscheidend in der Auseinandersetzung wird der Einsatz der Sicherheitskräfte und des Geheimdienstes sein.
        Je breiter die Unterstützung der Regimegegner in der Bevölkerung ist, desto wahrscheinlicher wird das jetzige System aufgebrochen werden können – die Demonstranten sind immer nur der sichtbare Teil des Unmuts.

    18. Spiegelfechter schrieb am 3. Februar 2011 at 23:00 - Permalink

      @all

      Ich habe den ganzen UFO-Schwachsinn (inkl. der Antworten darauf) gelöscht und jeder, der hier jetzt noch mit UFOs ankommt, riskiert eine Sperre ;-)

      • schwitzig schrieb am 4. Februar 2011 at 05:33 - Permalink

        Ich scheine etwas verpasst zu haben :-)

      • Lennard schrieb am 4. Februar 2011 at 09:41 - Permalink

        Ach menno, oller Spielverderber :/

    19. GrooveX schrieb am 3. Februar 2011 at 23:08 - Permalink

      wie kommst du auf die idee, die türkei häbe ambitionen auf eine hegemonialrolle im arabischen raum??? der traum ist seit mustafa kemal ausgeträumt, und genau das militär sorgt dafür, dass das so bleibt. und im gegensatz zu ägypten ist das militär in der türkei ein bestimmender (definierender) teil seiner parlamentarischen demokratie, seit es die türkei gibt. im grunde genommen ist das seine ideelle rolle. ich bezweifle stark, dass in ägypten eine solche rolle für das militär implantiert werden könnte. die türkei ist in diese hinsicht schon einmalig auf unserem planeten. das sehe ich so, gut finden muss ich es jedoch nicht.

      • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 10:19 - Permalink

        Hegemonial hat in diesem Fall nichts mit Panarabismus zu tun. Die Türkei ist schon länger bemüht (Stichworte: Moderation zwischen Palästinensern und Israelis, Moderation in Syrien und Jordanien) sich zu einer Art “ehrlichen Makler” für die arabische Welt zu machen. Diesen Trend setzen sie nun bei den Unruhen in Nordafrika fort. Wenn man den Türken den “ehrlichen Makler” nun nicht 100% abnimmt, kann man das ganze m.E. sehr wohl Hegemonialpolitik nennen.

        • GrooveX schrieb am 4. Februar 2011 at 10:34 - Permalink

          es besteht aber immerhin auch die möglichkeit, dass die türkei als NATO-partner und EU-anwärter anderer leute arbeit macht. natürlich lässt sie dabei ihre eigenen interessen nicht aus den augen. aber hegemonialbestrebungen kann ich beim schlechtesten willen weder erkennen noch mutmaßen. der ‘ehrliche makler’ ist eher eine unpassende metapher für die bemühungen der türkei. aber wissen tu ichs natürlich auch nicht.

          • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 10:38 - Permalink

            Das wäre das Beste, was “dem Westen” passieren kann. Wenn die Türkei als NATO-Partner und künftiges EU-Mitglied ihre Hegemonialrolle (oder die des “ehrlichen Maklers”) beibehalten kann, behält der Westen seinen Einfluss ohne sich selbst exponieren zu müssen. Ein “willenloser Handlager” des Westen wird die Türkei jedoch nicht sein. Vielleicht werden die NATO und die EU ja ein wenig “arabischer”. Warum nicht?

            • GrooveX schrieb am 4. Februar 2011 at 11:10 - Permalink

              Vielleicht werden die NATO und die EU ja ein wenig “arabischer”

              rofl. wär doch auch mal ne maßnahme nach all dem vatikanösen und anglikanischen mist.

    20. Eska schrieb am 3. Februar 2011 at 23:13 - Permalink

      http://www.voltairenet.org/article168337.html
      Noch ein Link zu Frank G. Wisner mit ein paar interessanten Querverweisen.

    21. Ko-Mike schrieb am 4. Februar 2011 at 00:12 - Permalink

      die Diskussion um Demokratie und Menschenrechte ist ohnehin verlogen

      Dazu aktuell aus The European:

      Die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung GKKE … kritisiert, dass 12 Monate nach dem Berichtsjahr noch immer keine amtlichen Zahlen über Rüstungsexportgenehmigungen im Jahr 2009 vorlagen; weder die Bundesregierung noch das Generalsekretariat des Europäischen Rates hatte sie zur Verfügung gestellt.

      http://www.theeuropean.de/gertrud-casel/5175-deutsche-ruestungsstatistik
      (Der Rüstungsexportbericht der GKKE ist dort über einen Link auch zu finden.)

      P.S.: Wer sich erinnert… den Bericht hatte der SF auch schonmal in den Kommentaren zu folgendem Artikel erwähnt: Deutsche Motoren für thailändische Panzer

    22. Truvor schrieb am 4. Februar 2011 at 01:35 - Permalink

      http://www.rosbalt.ru/2011/02/03/815611.html

    23. ge-kniffke schrieb am 4. Februar 2011 at 02:04 - Permalink

      wie schon Kai Gniffke zerknirscht eingestanden hat, haben wir uns nicht grade mit Rum beklekert bezüglich der Menschenrechtssituation im Dauerausnahmezustands-Urlaubsland.
      Tja, gradezu mit verkniffenen Mundwinkeln wurde da über Belanglosigkeiten geschwafelt. Ein Regime kann auch ein “gutes Regime” sein, wie ein Bösartiger Hund, für den man doch noch einen Anwendungsfall gefunden hatte. Gatekeeper für den Nahen Osten, Tor nach Afrika, wie auch immer.
      Unser Gutmenschenweltbild der Demokraten, fleissig schaffenden Exportweltmeister (mit kläglich scheiternden Ambitionen auf den Fussballpokal!) ist, ganz objektiv in der Retrospektive betrachtet,

      FÜR’N ARSCH!!

    24. ge-kniffke schrieb am 4. Februar 2011 at 02:20 - Permalink

      …in der ARD, überlegt sich zu dieser Zeit ein gewisser Tim in der Daily-Soap „Rote Rosen“ gerade, ob er einer gewissen Gesa Hoffnungen machen soll. Im ZDF gibt Alfons Schuhbeck den jovialen Conferencier in der „Küchenschlacht“. Nicht einmal ein Nachrichtenband am unteren Bildschirm irritiert die deutsche Frühnachmittagsgemütlichkeit. …

      Jochen Hieber hat mit seinem Beitrag in der FAZ unsere Hofberichterstattung im Einlullungsmodus quasi versenkt. Nichtswertige Unterhaltungsmaschinerie, Frühnachmittagsgemütlichkeit bis zum Herzinfarkt.

      • GrooveX schrieb am 4. Februar 2011 at 06:47 - Permalink

        oh, haben wir jetzt nen anspruch darauf, im sekundentakt embedded corpses zu gesicht zu bekommen? isses schon so weit?

      • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 10:21 - Permalink

        *g*

        Heute vormittag scheint zumindest Phoenix gut aufgestellt zu sein.

    25. schwitzig schrieb am 4. Februar 2011 at 05:46 - Permalink

      Geht es eigentlich nur mir so, dass man sich regelrecht verarscht fühlt, wenn z.B. eine Person Merkel wiederholt Worthülsen wie “angemahnt” etc. absondert? Ich habe gestern auf WDR2 einen Merkel O-Ton gehört und wusste währenddessen schon im Vorhinein genau, welche genauen Worte sie absondern würde. Dass man (wenn vorhanden) die Bedeutung der Aussagen im Voraus weiss, ist ja nachvollziehbar, aber dass unsere Eliten mittlerweile derart niveaubefreit sind, dass schon im Voraus klar ist, welcher Satzbau und welche Worte für die nächsten paar Sätze benutzt werden, ist schon frappierend.
      OK – es spart Zeit, weil man sich das Geblubber dank Vorhersagbarkeit nicht anhören muss.

      Im Moment geht mir das Politikerschmutz-Wort “angemahnt” unheimlich auf den Geist. Merkel hat z.B. im Gespräch mit M. “angemahnt”, dass die Gewalt aufhören müsse … hat man da noch Worte?
      Ich denke, dass die “westlichen Demokratien” ein gefährliches Spiel spielen, wenn sie sich der arabischen Welt weiterhin derart schamlos als Gewissensbefreite Heuchler darstellen.

      • GrooveX schrieb am 4. Februar 2011 at 06:56 - Permalink

        na ja, es ist ja nicht ganz einfach, da eine sprachregelung zu finden, die nicht auf sie selbst zurückschlägt. schließlich müssen hier ja noch polizeieinsätze in stuttgart, gorleben und berlin rechtfertigt werden. da bekommen eben ihre referenten die aufgabe, mal wieder nichts in viele worte zu verpacken. das ist business as usual.

      • Lennard schrieb am 4. Februar 2011 at 09:37 - Permalink

        Jein.
        Ich denke nicht, dass das immer normale Heuchelei ist. Ich vermute, es interessiert die Politik einfach nicht, was in diesen Ländern abläuft. Wie vorher schon jemand schrieb: “Tunesien war ein schwarzer Fleck auf der politischen Landkarte”.
        Und das wird auch für sehr viele andere Länder gelten. Man hat Geschäfte mit dem Iran und Irak gemacht, mit China, Südkorea (welches ein sehr autoritäres Regime hat), Tunesien und eben besagtem Ägypten. Ich glaube, nein unterstelle, dass man sich überhaupt nicht für komplizierte innenpolitische Zusammenhänge interessiert, solange die guten Wirtschaftsbeziehungen nicht tangiert werden. Nur wenn die doofen Journalisten und nervigen Menschenrechtsfuzzies auftauchen, muss man halt in die muffige Synonymwörterkiste greifen, um zu zeigen: “Mir ham des im Griff. Keine Sorgen liebes Volk. Wir bleiben am Ball.”
        Das führt dann (imho) zu solchen Automatismen bei Reaktionen auf Kameras und Mikrophone.
        Schlimm nur, dass sie das anscheinend nicht mehr bemerken und glauben, das Palaver würde ausreichen.
        Die Heuchelei halte ich also eher für ein Symptom, weniger für die Ursache.

    26. Shitop schrieb am 4. Februar 2011 at 08:15 - Permalink

      So etwas würde ich gerne mal aus dem Mund eines “westlichen” Politikers hören:

      Die stehen aber alle hinter dem Ofen und warten bis der Sieger feststeht.

      • Systemfrager schrieb am 4. Februar 2011 at 08:30 - Permalink

        Großartig!

        Genau das gilt auch für Lukaschenko in Weißrussland

        Der ist, verglichen mit den Demokraten von Westens Gnaden in Ukraine und Georgien ein lupenreiner Demokrat, aber das zählt nicht, wenn er nicht unser (Schurke) ist

        • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 10:24 - Permalink

          Blödsinn. Lukaschenko ist ein lupenreiner Diktator. Der große Unterschied zwischen Lukaschenko und Mubarak ist, dass der eine “unser” Gegner, der andere unser Verbündeter ist. Das macht Lukaschenko aber kein Jota besser oder gar demokratischer.

          • Systemfrager schrieb am 4. Februar 2011 at 10:30 - Permalink

            Ich lese das mit großem Interesse
            Wäre es aber möglich zu wissen, warum Lukaschenko ein so schrecklicher Diktator ist und woher du deine Informationen hast
            (Ich bin immer bereit, was neues zu lernen)

            • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 10:35 - Permalink

              Ganz einfach: Unter Lukaschenko gibt es in Belarus keine freien Wahlen, es gibt keine echte Opposition, keine freien Medien und auch keine Pressefreiheit. Und nun komm mir nicht mit: “Klar, die ganze Opposition ist ja auch vom Westen finanziert”. Das trifft zwar auf einige kleinere Gruppen zu, lässt sich aber nicht verallgemeinern. Die Gewerkschaftsbewegung hat beispielsweise überhaupt nichts mit dem Westen am Hut und wird ebenfalls unterdrückt. Ein kleiner Tipp: Unterhalte Dich über dieses Thema mal mit Menschen aus Belarus – viele von Ihnen können sehr gut Englisch ;-)

          • Systemfrager schrieb am 4. Februar 2011 at 10:47 - Permalink

            In Weißrussland gab es freie Wahlen, nur die amerikanischen und die EU-Beobachter haben was herausgefunden (was sie zB in Georgien nie merken würden) Die Oposition konnte nicht siegen, weil die “farbigen” Revolution total kompromitiert sind

            Natürlich freie Reisefreiheit

            In Weißrussland ist Internet uneingeschränkt zugänglich (hat gestern Milienkievic – oder wie er heißt -, in seiner Rede in der Adenauer-Stiftung gesagt)

            Natürlich hat man auch freie Presse (noch bei Milosevic war die Presse frei, das ist für die “postmodernen” Diktaturen kein Problem)

            Vor ein paar Tagen hat man in Polen (die würden so gern Weißrussland nach Polen “zurückholen”) knapp 20 Mill. für die Opposition zur Verfügung gestellt – wurde ganz öffentlich und feierlich verkündet

            PS
            Bitte, jetz nicht mit dem Vorwurf, ich würde Lukaschenko aus irgendwelchen privaten Interessen verteidigen (er bedeutet mir nichts)

            PS
            “die können sehr gut Englisch” na sowas – fast hätte ich mir es gedacht. Aber du informierst dich auch nur auf Englisch – nehme ich an.

            • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 10:55 - Permalink

              Hach jeh, die Kommentarfunktion in Blogs mag manchmal ein Segen sein, oft ist jedoch ein Fluch. Gestern behauptete hier jemand, der Bund würde keine Zuschüsse ins Rentensystem einzahlen, heute kommst Du und willst mir sagen, das Belarus eine lupenreine Demokratie sei.

              Sorry, aber ich habe heute keine Luste auf solche Null-Diskussionen.

          • Systemfrager schrieb am 4. Februar 2011 at 10:59 - Permalink

            Naja, jetzt wird es schwierig – nicht wahr
            PS
            Nein, ich habe nie behauptet, dass dies eine lupenreine Demokratie ist

            • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 11:01 - Permalink

              Nein, es wird nicht schwierig. Ich habe nur die Schnauze voll von diesen Diktatorenfanboys. Wäre Lukaschenko ein Mann des Westens und Mubarak ein anti-westlicher Despot würdest Du genau das Gegenteil sagen. Es ist fad. EOD.

    27. Outlook schrieb am 4. Februar 2011 at 08:39 - Permalink

      Der Westen hat sich vor der Weltöffentlichkeit delegitimiert, gegenüber Weißrussland, China, Russland, Venezuela, Iran, Ukraine, UNO etc. noch von Menschenrechten und Demokratie zu fasseln.
      Die Bilder und Berichte aus Ägypten entlarven eine verlogene Demokratieauslegung des Westens.
      Der EU-Auftragsjournalismus ist an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten.

      Genau das ist die große Unbekannte:

      “Die einzige Erklärung für mich besteht daher darin, dass diese Millionario-Generalität befürchtet, einen Putsch auf der Ebene ‘Major abwärts’ zu erleben, sobald sie den Soldaten befehlen würde, gegen die Demonstranten vorzugehen. Ganz schnell könnten sich dann die Panzerrohre einer neuen ‘Volksarmee’ in Richtung Mubarak und Generalität drehen. Die Generäle sind, vermute ich, gar nicht mehr Herr ihrer Armee …”

      Und würde die Moslembrüderschaft in eine komfortable Position bringen.

      Auch in der Türkei findet bei den Miliärs eine subtile Anpassung an Erdogans Kurs statt.
      Dort werden die neuen globalen Kräftverhältnisse pragmatisch verankert.

      • Systemfrager schrieb am 4. Februar 2011 at 09:23 - Permalink

        Und würde die Moslembrüderschaft in eine komfortable Position bringen.

        Noch klarer ausgedrückt:
        Wenn die CSU in Bayern herrschen darf, warum die Moslembrüderschaft in Ägypten nicht herrschen darf?

      • GrooveX schrieb am 4. Februar 2011 at 09:31 - Permalink

        vor welcher weltöffentlichkeit? vor der ganzen? also vor der libischen, kenianischen, indischen, argentischischen usw.? nun, das hat ‘der westen’ schon vor langem, und es war ihm schon immer egal. die letzten sauereien in jugoslawien, im irak, in afghanistan, in pakistan wurden doch auch völlig kaltschnäuzig durchgezogen, ohne auch nur einen gedanken an die rezeption im rest der welt zu verschwenden.

        den letzten absatz kann ich nicht ganz nachvollziehen. der thematische zusammenhang erschließt sich mir auch nicht so ganz.

        • Outlook schrieb am 4. Februar 2011 at 09:51 - Permalink

          Mit jedem dem Tag, wo die Panzer und Panzerfahrzeuge auf den Straßen stehen, schwindet der Einfluß des Kaserengehorsams und wachsen die Sympathien zwischen Soldaten und Regimegegnern.
          Der tägliche direkte Kontakt mit dem vermeindlichen Gegener ist für die Kampfmoral zersetzend.
          Das ist der Vorteil dieser Kraftdemonstration auf den Straßen Kairos.
          Bei einem Einsatzbefehl könnte es zu Desertationen und Befehlsverweigerungen kommen, im schlimmsten Fall eine Gegenreaktion.
          Ihre Notdurft müssen die Soldaten wie die Demonstanten auch in irgend einem Dreckloch machen.
          Das verbindet auch.

          Die Armee in der Türkei war in der Vergangenheit oft das “entscheidende Verfassungsorgan”.
          Erdogan hat aus meiner Sicht begonnen, eine Armeereform für ihre eigentliche Zweckbestimmung zu beginnen.
          Im weiteren hat sich sich die Politik der Türkei neu ausgerichtet.
          Ist auch hier im Blog unter “Türkei” viel nachzulesen.

          • GrooveX schrieb am 4. Februar 2011 at 10:26 - Permalink

            Ihre Notdurft müssen die Soldaten wie die Demonstanten auch in irgend einem Dreckloch machen. Das verbindet auch.

            ich kann mir kaum vorstellen, dass es einen ort im orient gibt, an dem ausgerechnet so etwas verbindet. da wuchert wohl eine romantik der unwissenheit. ‘tschulljung.

            jetzt will ich auch mal angeben dürfen: nach vier jahren ununterbrochenen aufenthalts in der öztürkischen türkei in reichlich schwierigen Zeiten verlasse ich mich lieber auf meine rudimentären kenntnisse des landes.

        • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 10:26 - Permalink

          sehr richtig! Ich glaube die Sonntagsreden unserer Politiker werden ausschließlich hierzulande noch “halbwegs” ernst genommen.

          • Wolle schrieb am 4. Februar 2011 at 12:47 - Permalink

            Du nimmst dieses Gesabbel noch “halbwegs” ernst?
            Die gestrigen Bilder aus EG waren wirklich beängstigend. Besonders wenn man daran denkt, das man wahrscheinlich nur die Spitze des Eisberges sieht. Mein Bekannter in Kairo hat sich noch nicht gemeldet. Bin aber noch nicht beunruhigt, Email ging an Firmenadresse und ich weiß nicht, ob er die auch Zuhause empfangen kann. Die Firma ist wohl dicht, liegt in der Nähe des Messegeländes nahe des Nationalstadions.

    28. Linus schrieb am 4. Februar 2011 at 10:08 - Permalink

      @SF: Großes Lob ;-) So aufschlußreich hab ich das bisher nirgendwo gelesen. Das Puzzle wird deutlicher. Auch Chat Atkins Kommentar bzgl. des Dilemmas des Militärs ist sehr treffend.
      Eines fehlt mir trotzdem noch. Was werden die Imame während des Freitagsgebetes erzählen?
      Ist das relevant? Hast du Hintergründe dazu?

      • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 10:13 - Permalink

        Schwer zu sagen. Dafür kenne ich die Strukturen des ägyptischen Islam zu schlecht. Das einzige, was ich dazu sagen kann, ist dass der Großmufti von Ägypten – der von Mubarak “ernannt” wurde – die Leute in den letzten Tagen dazu aufgefordert hat, zu Hause zu bleiben. Inwieweit der Großmufti Einfluss auf die Predigten der Imame hat, kann ich Dir aber nicht sagen.

    29. Lazarus09 schrieb am 4. Februar 2011 at 11:47 - Permalink

      Ich will ja nicht Teufel an die Wand malen, aber das Oel des Vorderen Orients ist für “unsere “wirtschaftlichen Interessen mindestens so wichtig, wie der Oel-Transfer-Standort Afghanistan. Und dort verteidigen wir “unsere” Freiheit der wirtschaftlichen Interessen im umgangssprachlichen Krieg seit Jahren. Vielleicht werden wir bald ” unsere Jungs ” in den Vorderen Orient schicken duerfen um sich dort vorerst einmal zu angagieren ;-)

      Denn sollte sich der Clan Saud dazu durchringen die Schatztruhen in ihre Privat Jet’s zu verfrachten und sich eine neue Bleibe zu suchen ……..

    30. Jacques Roux schrieb am 4. Februar 2011 at 11:55 - Permalink

      Mr. “Change” (und Israel) arbeitet gerade fieberhaft an der Rettung des “Ancien Regime”, Vize Pharao Suleiman solls wohl richten:

      http://www.sueddeutsche.de/politik/krise-in-aegypten-obama-arbeitet-an-mubaraks-abgang-1.1055214

      • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 12:02 - Permalink

        das ist überhaupt nicht überraschend, aber das wird das Volk sicher nicht akzeptieren.

        • Stefan K. schrieb am 4. Februar 2011 at 12:22 - Permalink

          Darüber sind die Ägypter schon längst hinaus – diese haben seit mehr als einer Woche die freie Rede geübt, ihre Sprache wiedergefunden und können nicht wieder zurück.
          Die Angst vor einem Rückfall in die Vergangenheit ist mittlerweile größer als die vor der Gewalt des Regimes.

      • Dirk schrieb am 5. Februar 2011 at 09:42 - Permalink

        Also ich weiß nicht, aber ich finde das eine positive Sache. Natürliuch ist der Vize auch in dem Regime völlig verstrickt, aber zumindest wäre erstmal die hassfigur Mubarak weg , temporär Frieden hergestellt und es könnte dann hoffentlich so schnell wie möglich freie Wahlen geben. Klingt für mich nach einem akzeptablen Weg.

        Der Kommentar deckt sich ja auch mit dem sehr Obama-kritischen Artikel. Ich sehe das anders und finde es schade, dass der SF in der Hinsicht eine solch Anti-Amerikanische Einstellung hat. Von Obama scheint man immer übermenschliches zu erwarten – Denn was soll er in der Situation erreichen? Dass Mubarak zurücktritt und ein weiser, friedlicher und allwissender Demokrat danach das Ruder übernimmt?Das scheint mir hier stellenweise die Erwartungshaltung zu sein.

        (Und man bedenke auch immer, was möglich wäre wenn Bush noch an der Macht wäre. Da wäre Mubarak mit Sicherheit radikal gestützt worden)

    31. baumbaron schrieb am 4. Februar 2011 at 11:57 - Permalink

      Jetzt haben wir sie wieder, die spätrömische Dekandenz, die allerdings darin besteht, dass dieses angeblich so überlegene Abendland seine moralischen Grundlagen systematisch und endgültig verspielt hat. Insofern wirken die Beschwichtigungsabsonderungen unserer Regierungsmöchtegerns in Richtung Ägypten bestenfalls abstoßend und peinlich.
      Kein Wunder ist doch unsere Außenpolitik ausschließlich zur Schenkelspreizerin wirtschaftlicher Interessen verkommen. Da geht ein Flieger los, drin hockt der Westerwelle mit Vertrretern der deutschen Wirtschaft und ausgewählten Journalisten, also Hofschranzen. Einziger Zweck: Geschäftsanbahnung. Einziges Ergebnis: moralischer Bankrott und die Erkenntnis der Despoten: für Geld tun die Alles. Erkenntnis der dortigen Völker, auch wenn es manchmal lange dauert: von dieser Verkommenheit westlichen Menschenrechts- und Demiokratiegewabers ist nichts aber auch gar nichts zu erwarten. Wenn dann auch dort Ergebnis ist, dass Wutbürger entstehen, die sich nicht mehr anders zu helfen wissen, als dass sie Hochhäuser anfliegen und Botschaften sprengen, dann erklären wir jeden Muslem eben zu unserem Feind und fahren nach Afganistan.
      Die Welt hats kapiert, dass Demokratie, so wie sie unsere Granden exportieren wollen , eben nicht dem Volk verpflichtet ist, sondern der sogenannten globalen und neoliberalen Wirtschaftsdoktrin und dem Finanzkapital. Und diesen Götzen sind sie ja bereits ausgeliefert, dazu brauchen sie uns Musterdemokraten doch nicht.

      • Systemfrager schrieb am 4. Februar 2011 at 12:19 - Permalink

        Ja, man kann Englisch und ließt, was die ach so freien amerikanischen Medien ausbrüten; mit der Welt (Weißrussland, usw.) hat dies allmählich nicht das Geringste zu tun

      • Lazarus09 schrieb am 4. Februar 2011 at 12:20 - Permalink

        Gut geschrieben ! Damit ist es eigentlich gesagt ;-) Die Internationale Sorge gild einzig und allein den Intressen derer die sich “die Märkte” nennen lassen.

        That’s it …..

    32. Stefan K. schrieb am 4. Februar 2011 at 11:58 - Permalink

      Hosni Mubarak said: He is “fed up with being a president”
      Quelle:
      http://www.youtube.com/aljazeeraenglish

      Die Welt bzw. das Außen wird kleiner.

    33. Sukram71 schrieb am 4. Februar 2011 at 12:46 - Permalink

      Ich frag mich die ganze Zeit wie es wohl in Marokko aussieht, weil ich da vor ein paar Jahren in Urlaub war.

      In Wikipedia hatte ich damals gelesen, dass in Marokko wohl der vom Volk verehrte König per Verfassung das letzte Wort hat und alle wichtigen Funktionsträger ernennt, es in der Praxis aber wohl eine weitgehende Demokratie ist und der gewählte Ministerpräsident die Geschäfte führt.
      Auf der andern Seite hab ich noch niemals soviel echte Armut und im Dreck lebende Bettler gesehen, wie in Marokko (und die Polizisten gaben für den Strafzettel auch keine Quittung … ^^).

      • Linus schrieb am 4. Februar 2011 at 12:50 - Permalink

        “und die Polizisten gaben für den Strafzettel auch keine Quittung …”
        *LOL*

        • Sukram71 schrieb am 4. Februar 2011 at 12:55 - Permalink

          Ja, vor Marrakesch haben so Polizisten ihre neue Laser-Pistole ausprobiert und 400 Dirham war sicher so ein Extra-Ausländer-Tarif. Vermutlich ein ganzer Monatslohn, oder so. :)
          Einen Bescheid mit Widerspruchsmöglichkeit hab ich auch nicht bekommen. :D

          • Ja Sowas schrieb am 4. Februar 2011 at 22:24 - Permalink

            Das hab ich in NRW aber auch gehabt, zwei etwas übergewichtige Leute (mit Bauchansatz) die in einem Zivilwagen hinter mir hockten. Ich hatte die Nummernschilder anders montiert, hinten war vorne und vorne war hinten, so das die hinter mir herfahrend keine Tüv-plakette zu sehen bekamen.

            Dabei war ich schnell genug, das die schon sehen konnten, das der Wagen verkehrstauglich war, Tüv okay, Bremsen okay, Motorleistung ausgesprochen gut entwickelt.

            Bar zahle ich bei den Brüdern nie, seit dem ich “Auf Achse” gesehen habe. Immer mit Schriftwechsel, direkt über deren Arbeitgeber.

    34. Lazarus09 schrieb am 4. Februar 2011 at 13:18 - Permalink

      Das Qualitätsmedium SPON schreibt

      Berlusconi stärkt Mubarak den Rücken

      http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743485,00.html

      Während Mr. Yes we can betet ( was sonst ) und sich für eine schnelle Lösung ausspricht (was immer das sein soll) übt man in EU vornehme zurückhaltung und will die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton nach Kairo schicken um Gespräche zu beginnen … was soll der Scheiss ?
      Berlusconi kann man eh nicht für voll nehmen.. ;-) Wie gewohnt passiert unter leisem Getöse nichts .. man eiert rum und versucht die wahren Interessen als Sorge um den Frieden zu verpacken .. Bullshit eben

      • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 14:04 - Permalink

        na kein Wunder. Er hatte ja auch Sex mit Mubaraks minderjährigen Nichte ;-)

        • Lazarus09 schrieb am 4. Februar 2011 at 14:35 - Permalink

          Und lebt noch ? Wo sind ihre Brüder in Sachen Ehrenmord …? LOL

        • anonym schrieb am 4. Februar 2011 at 16:36 - Permalink

          @spiegelfechter

          na kein Wunder. Er hatte ja auch Sex mit Mubaraks minderjährigen Nichte ;-)

          Ich darf doch sehr bitten. Dem Cavaliere ging es nur darum, einer in Not geratenen jungen Frau eine Stütze zu sein und ein wenig Last von ihren jungen Schultern nehmen. Sexuelle Interessen spielten keine Rolle.

          • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 16:41 - Permalink

            Oh, ich vergaß mich ;-)

    35. DerFleischermeister schrieb am 4. Februar 2011 at 14:11 - Permalink

      So, wie sich AlJazeera heute gibt, läuft alles auf eine Regierung El-Baradei hinaus.

      Und dieser Baradei war doch 2003 Chef der IAEO und meinte, der Hussein hätte da Pläne zum Bau einer Nuklearwaffe. Damit wurden die eingangs von MI6 verbreiteten Verschwörungstheorien untermalt, Irak wolle sich Spaltmaterial in Afrika kaufen.

      Für mich ist dieser El Baradei genauso zwielichtig, wie AlJazeera.
      Danke für den Artikel.

      Im Übrigen funktionieren so fast alle Diktaturen. Unter anderem auch in Thailand.
      Die Armee kontrolliert diverse Geschäftsbereiche und finanziert so ihre ungeheuren materiellen Bedürfnisse.

      Wie war das in den USA mit dem militärisch-industriellen-Komplex?

      • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 14:57 - Permalink

        So, wie sich AlJazeera heute gibt, läuft alles auf eine Regierung El-Baradei hinaus.

        Ich frage mich, welches Al Jazeera Du schaust. Auf dem Al Jazeera, das bei mir läuft, spekuliert man darüber, ob Amr Mussa ein gemeinsamer Oppositionskandidat für die Übergangszeit werden könnte.

        Und dieser Baradei war doch 2003 Chef der IAEO und meinte, der Hussein hätte da Pläne zum Bau einer Nuklearwaffe.

        Nein, dieser Baradei hat sich bei den USA und GB großen Ärger eingefangen, weil er damals nicht zu Protokoll bringen wollte, dass Hussein an einer A-Bombe baut und dieser Baradei war es auch, der unbedingt die Inspektoren im Lande behalten wollte und militärische Interventionen kategorisch ablehnte.

        Vielleicht ein bisschen weniger VT-Mist lesen, das verdummt auf Dauer nur ;-)

        • DerFleischermeister schrieb am 4. Februar 2011 at 15:04 - Permalink

          Vielleicht ein bisschen weniger VT-Mist lesen, das verdummt auf Dauer nur ;-)

          Ah, danke für den Hinweis.

        • Jacques Roux schrieb am 4. Februar 2011 at 15:05 - Permalink

          Mir ist suspekt,, das er sich selbst so in den Vordergrund rückt,, dieses Statement von ihm war letzte Woche in verschiedenen Medien zu lesen:

          «Es herrscht Einigkeit darüber, dass die Regierung diktatorisch ist», sagte Al-Baradei weiter. Mubaraks Fernsehansprache in der Nacht sei «komplett enttäuschend» gewesen, fügte er hinzu. Ägypten brauche einen Neuanfang. «Wenn ein Regime sich derart niederträchtig verhält und mit Wasserwerfern gegen einen Friedensnobelpreisträger vorgeht, dann ist dies der Anfang vom Ende dieses Regimes», sagte Al-Baradei. «Ich hoffe, dass Mubarak die Botschaft versteht, bevor die Sache ungemütlich wird.»

          http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Eine-Beleidigung-der-Intelligenz-des-aegyptischen-Volkes/story/14863800

          Als er das sagte waren schon dutzende Menschen bei den Protesten ums Leben gekommen

        • Ja Sowas schrieb am 4. Februar 2011 at 22:57 - Permalink

          …dieser Beitrag ist vielleicht auch ein wenig zur Desinformation und Diskreditierung verfasst worden. Hier schreiben schliesslich, da es sich um einen signifikanteren Ort der Meinungsbildung handelt als z.B. Florian Silbereisens TV Auftritt im Mutantenstadl, etliche Spindoktoren mit.

          Gruß aus dem Think Tank :)

    36. Outlook schrieb am 4. Februar 2011 at 15:56 - Permalink

      Nein, dieser Baradei hat sich bei den USA und GB großen Ärger eingefangen, weil er damals nicht zu Protokoll bringen wollte, dass Hussein an einer A-Bombe baut und dieser Baradei war es auch, der unbedingt die Inspektoren im Lande behalten wollte und militärische Interventionen kategorisch ablehnte.

      So war es.

      Er wollte den Krieg verhindern oder mindestens verzögern. Der Mann weiß auch heute, auf welche Gefahren und Konflikte er sich einlässt. Ein respektierter Vermittler mit internationalen Erfahrungen könnte er auch hier werden.
      Er ist in Kairo geboren.

    37. R_Winter schrieb am 4. Februar 2011 at 16:48 - Permalink

      Jetzt ist mir ein Stein vom Herzen gefallen.
      Guttenberg nimmt endlich die Sache in die Hand (hoffentlich auch bald eine live Talk Show mit Kerner aus Kairo).
      Die ftd schreibt:

      “….16:25 Uhr Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) warnt Mubarak vor dem Einsatz von Gewalt. “Gewalt wird die politische Krise nur verschlimmern”, sagte Guttenberg. ….”

      und wenn er sagt , dann sagt er……..

      • Spiegelfechter schrieb am 4. Februar 2011 at 16:49 - Permalink

        und wenn er sagt , dann sagt er……..

        … und wenn der Pharao nicht pariert, schickt unser schneidiger Baron die Gorch Fock in den Suez-Kanal ;-)

        • benny schrieb am 4. Februar 2011 at 19:23 - Permalink

          haha schreibst du auch für die titanic? :D

      • Peter schrieb am 5. Februar 2011 at 00:51 - Permalink

        Ehrlich gesagt finde ich es stark von Herrn Guttenberg (vgl. auch: ), dass er sich so äußert und möchte ihn dafür loben.

        Ich symphatisiere in keinster Weise mit Herrn Guttenberg und seinem politischem Lager, geschweige denn seiner Medienpolitik, die ich widerlich finde (auch wenn es sicherlich nicht seine Schuld ist, dass unsere Demokratie nur auf Darstellung beruht und er geschickt auf der Medienklaviatur zu spielen weiß)!

        Aber wenn er sich so, im Gegensatz zu den anderen Vertretern unseres Landes äußert, zeugt das von Rückgrat und verdient Respekt, egal wie man sonst zu seiner Person stehen mag.

        Ihren Hohn kann ich somit nicht gutheißen und möchte anregen, aus Denkschablonen auszubrechen.

        • Dietrich schrieb am 5. Februar 2011 at 21:47 - Permalink

          Also, falls das tatsächlich ein ernstgemeinter Beitrag war.
          Guttenberg sprach in Zusammenhang mit der Entwicklung in Ägypten: “Sie berge das Risiko eines infektiösen Momentums…”. Von der ekelhaft gestelzten Sprache mal abgesehen, der Adel hat immer schon jegliche Bewegung in eine demokratische Richtung für eine Seuche wie Pest und Cholera gehalten.
          Jutta Ditfurth hat mal einen Witz aus Adelskreisen erzählt, wenn sonst keiner dabei ist. Frage: “Welches Tier ist uns Menschen am ähnlichsten?”
          Antwort: ” Der Bürger.”
          Aus dieser Denkschablone wird Guttengerg niemals ausbrechen.

      • Peter schrieb am 5. Februar 2011 at 00:56 - Permalink

        Ehrlich gesagt finde ich es stark von Herrn Guttenberg (vgl. auch seine neuen Aussagen), dass er sich so äußert und möchte ihn dafür loben.

        Ich symphatisiere in keinster Weise mit Herrn Guttenberg und seinem politischem Lager, geschweige denn seiner Medienpolitik, die ich widerlich finde (auch wenn es sicherlich nicht seine Schuld ist, dass unsere Demokratie nur auf Darstellung beruht und er geschickt auf der Medienklaviatur zu spielen weiß)!

        Aber wenn er sich so, im Gegensatz zu den anderen Vertretern unseres Landes äußert, zeugt das von Rückgrat und verdient Respekt, egal wie man sonst zu seiner Person stehen mag.

        Ihren Hohn kann ich somit nicht gutheißen und möchte anregen, aus Denkschablonen auszubrechen.

        • Ko-Mike schrieb am 5. Februar 2011 at 02:15 - Permalink

          Pah!!! Das ist Ironie, oder? O.o
          Freitag abends bin ich auch manchmal lustig drauf. ;))))

    38. Elbarto schrieb am 4. Februar 2011 at 17:05 - Permalink

      Freitag, 04. Februar 2011 14:00 Uhr
      Bundesregierung stoppt Rüstungsexporte nach Ägypten

      Die Bundesregierung hat alle Rüstungsexporte nach Ägypten gestoppt. Vorerst seien sämtliche Aufträge ausgesetzt, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Berlin.

      http://www.dradio.de/nachrichten/201102041400/3

      Na, die reagieren aber mal schnell. Wie die Rüstungsindustrie das wohl findet?

      • Lazarus09 schrieb am 4. Februar 2011 at 17:21 - Permalink

        Man hat Angst vor unbezahlten Rechnungen…Wenn da erst der Ansprechpartner weg ist wer soll dann für die Begleichung bürgen ?

        Man rettet mal wieder das Geld der Anteilseigner …BRAVO schnelle Reaktion ;-)
        zu unser aller Wohl ..so soll’s zumindest aussehen ( LOL )

        • R_Winter schrieb am 4. Februar 2011 at 17:41 - Permalink

          Schon einmal von Hermes-Exportversicherung gehört?

          80% sind abgesichert durch Hermes, also auf kalkuliertem Preis mindestens 25% aufschlagen und diesen Preis “anmelden”……und “in Rechnung stellen”….
          Im Rüstungsgeschäft ist es doch alles kein Problem.
          Wer liefert dann schon Rüstungsgüter direkt in Spannungsgebiete…………………

          • Lazarus09 schrieb am 4. Februar 2011 at 17:58 - Permalink

            Macht aber Ärger und lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit auf’s Geschehen und kostet Geld weil die Versicherung lebt auch nicht vom drauflegen…und beim regulieren sind die alle lahm und zickig. Ganz so glatt und einfach ist es dann doch nicht ;-)

    39. brandubh schrieb am 4. Februar 2011 at 17:51 - Permalink

      Brandubh:

      Woher wissen wir eigentlich, dass die revoltierenden Ägypter Demokratie wollen?
      Gibt es eigentlich ein Wort im Arabischen für Demokratie?
      Wir schauen auf Ägypten und benutzen unsere Definition von Demokratie.

      Soiegelfechter:

      Nö, die Ägypter sagen auch was und – man staune – sie können sogar Englisch ;-)

      Offenbar sind sprachwissenschaftliche Gedanken nicht Jörgs Thema.

      Man geht ja normalerweise davon aus, daß Sprache nichts anderes ist, als etwas, das die Wirklichkeit beschreibt. Sprache beeinflusst aber das Denken. Sie gibt das Denken vor.

      Seit zwei Jahren beschäftige ich mich mit der arabischen Sprache.
      Ein arabisches Wort für Demokratie gibt es nicht. Für den normalen Ägypter ist “Demokratie” دين = diin, was soviel wie Religion bedeutet.

      Demokratie ist ein Modell, das man nur denken kann, wenn man weiß, was ein aufgeklärter, laizistischer Staat ist. Die meisten Ägypter wissen das nicht.
      Was “Democracy” ist, weiß der Normal-Ägypter nicht. Die meisten Ägypter sprechen kein Englisch und sie haben keine Vorstellung von “Democracy”.

      Vergleicht man das Deutsche (oder meinetwegen auch das Englische, Französische , Russische etc.) mit dem Arabischen, so fällt auf, dass das Arabische für viele Dinge keine Namen hat.
      Es gibt im Arabischen kein Wort für “Volk” oder auch keines für die “Nation”.
      Es gibt wohl kaum eine Sprache, die derart unbestimmt ist.
      Ein Schreiber ist ein Schreiber, egal ob es sich um einen Schriftsteller handelt, um einen Briefeschreiber oder um einen Amtsschreiber.
      Die Araber benutzen generische Begriffe. Ob Judentum, Christentum, Diktatatur oder Demokratie, alles das ist für einen Araber دين.

      • Jacques Roux schrieb am 4. Februar 2011 at 18:11 - Permalink

        Demokratie ist ein Modell, das man nur denken kann, wenn man weiß, was ein aufgeklärter, laizistischer Staat ist.

        Welcher Staat könnte das sein ?

      • Bernd schrieb am 4. Februar 2011 at 22:44 - Permalink

        So ein Schwachsinn! Zwei Jahre reichen da wohl nicht… Vielleicht mal ein arabisches Wörterbuch konsultieren, oder mal mit Arabern diskutieren – vielleicht hilft’s ja!

        OMG

      • Mile schrieb am 5. Februar 2011 at 12:39 - Permalink

        Das ist jetzt Satiere, oder?
        Demnach dürfte es also nur eine Demokratie in Griechenland geben, da sonst kein Staat einene eigenen Begriff dafür hat. Die Deutschen müssen es kompliziert mit Volksherrschaft umschreiben

      • noname schrieb am 5. Februar 2011 at 15:24 - Permalink

        Ich glaube, als jemand der mit den Muttersprachen deutsch und arabisch aufgewachsen ist, bin ich in der Lage ihnen mitzuteilen dass das Blödsinn ist.

        الديمقراطية = Dimoqratiyya = Demokratie
        Die anderen Wörter kannste ganz einfach in google eingeben, gibt genug arabisch-deutsche oder arabisch-englische Online-Übersetzer im Internet.

        Der letzte Satz ist übrigens absoluter Schwachsinn. Sowohl Judentum als auch Christentum kamen sehr viele Jahre früher mit der arabischen Sprache und Kultur in Kontakt als mit der römischen, geschweige denn der anderen aufgeführten Sprachen, warum also sollte es dafür keine eigenen Begriffe geben?
        Desweiteren gibt es für “Volk” und “Nation” mindestens sieben Wörter (die mir jetzt spontan einfallen). Generell hat die arabische Sprache (wenn man technische und chemische Begriffe vielleicht weglässt) ein weitaus größeres Vokabular als die englische, deutsche oder russische Sprache, frage mich daher auch worauf Du diese Aussagen stützt.

        • brandubh schrieb am 6. Februar 2011 at 01:03 - Permalink

          Du sagst es!

          Desweiteren gibt es für “Volk” und “Nation” mindestens sieben Wörter

          Aber eben kein eindeutiges Wort für “Nation” oder “Volk”.

          Laut Wikipedia:
          So gibt es zum Beispiel kein Wort, das dem europäischen Wort “Nation” relativ genau entspricht.
          Das dafür gebrauchte Wort (‏أمة‎, Umma) bedeutete ursprünglich und im religiösen Kontext bis heute “Gemeinschaft der Gläubigen (Muslime)”; oder z. B. “Nationalität” (‏جنسية‎, ǧinsiyya) eigentlich “Geschlechtszugehörigkeit” im Sinne von “Sippenzugehörigkeit”, “Geschlechtsleben” z. B. heißt (‏الحياة الجنسية‎, al-ḥayāt al-ǧinsiyya), wobei al-ḥayāt “das Leben” heißt.
          Das Wort für “Nationalismus” (‏قومية‎, qawmiyya) bezieht sich ursprünglich auf die Rivalität von “(Nomaden-)Stämmen” und kommt von qawm, was ursprünglich und bis heute oft noch “Stamm” im Sinne von “Nomadenstamm” bedeutet. So überlagern sich oft in einem Wort sehr alte und sehr moderne Konzepte, ohne dass das eine über das andere obsiegen würde. “Umma” z. B. gewinnt wieder mehr seine alte religiöse Bedeutung zurück. Es gibt zahlreiche alte Lehnwörter aus dem Aramäischen und Griechischen und viele neuere aus dem Englischen und Französischen, die aber oft wie Fremdkörper im Arabischen wirken, da aus diesen nominalen Lehnwörtern keine verbalen Stämme abgeleitet werden können.

          Bereits vor über hundertfünfzig Jahren prägte der berühmte englische Sprachforscher Samuel Johnson: “Das Wort ist nicht das Ding”.

          Aber was soll man hier Leute mit den einfachsten sprachwissenschaftlichen Gegebenheiten belästigen, wenn sie das sowieso nur ins Lächerliche ziehen.

          • Axel schrieb am 6. Februar 2011 at 09:34 - Permalink

            Ich habs nie gewußt, aber ich habe auch schon gelesen das die arabische Sprache oft mannigfach auslegbar ist und das dies auch bei der Übersetzung von Texten dann zu Beliebigkeiten führen kann. Und das dies auch bewußt ausgenutzt werden kann (wird),

            Was das dann im Einzelfall bedeutet muß man sehen!

            Aber ich nehm so etwas ernst!

            Freilich können viele Ausdrücke für “Eines” auch eine größere Ausdruckkraft der Sprache bedeuten. Ich denke an “Fräulein Smillas Gespür für Schnee”. Die Eskimos haben wohl eine Menge Ausdrücke für Schnee weil der ihr Leben bestimmt wie sonst gar nichts.

            Im Fall Volk/Nation im arabischen seh ich weniger die größere Ausdruckskraft als vielmehr Bedeutungen die nicht mit der modernen Bedeutung einhergehen.
            Vorausgesetzt brandubhs Ausführungen “stimmen”.

            • GrooveX schrieb am 8. Februar 2011 at 14:00 - Permalink

              hör auf, wild und uninspiriert rumzuspekulieren. das tut weh beim lesen.

              na ja, das gilt für einige andere auch.

              du solltest es besser nicht so ernst nehmen. :-)

          • Axel schrieb am 6. Februar 2011 at 10:29 - Permalink

            Ludwig Wittgenstein:

            Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.

            Vielleicht nicht für immer, aber zumindest für eine (lange) Übergangszeit?

            • Heldentasse schrieb am 6. Februar 2011 at 10:55 - Permalink

              Ich würde dem auch zustimmen, wenn man unter “Sprache” auch die Mathematik versteht, denn viele Naturgesetze und deren Anwendungen würde wir ohne Mathematik nicht verstehen.
              Die Sprache des Universums – Geschichte der Mathematik

          • noname schrieb am 7. Februar 2011 at 17:21 - Permalink

            Doch, für das Wort gibt es einen ziemlich treffenden Terminus. Vorausgesetzt, du weißt welches Wort du suchst, weil auch im deutschen ein Unterschied zwischen “Volk” und “Nation” besteht. Allerdings braucht man Dir ja ohnehin nichts zu erklären, weil Du ja sowieso Bescheid weißt aka wikipedia auf Deiner Seite hast. Das kann doch nicht Dein Ernst sein… was würdest Du einem Chinesen (um mal eine Sprache zu wählen, die nichts mit dem Deutschen zu tun hat) entgegnen, der Dich mithilfe von wiki über die Feinheiten der deutschen Sprache aufklären will?

    40. er schon wieder schrieb am 4. Februar 2011 at 19:23 - Permalink

      Die Touristen in Ägypten sind mit der gegenwärtigen Lage auch sehr unzufrieden,
      es soll schon erste Aufstände in den Urlaubsgebieten geben.

      http://www.der-postillon.com/2011/01/touristen-protestieren-gegen-schlechten.html

    41. Dietrich schrieb am 4. Februar 2011 at 20:31 - Permalink

      Uff, ich bin richtig erleichtert. Ein richtig guter und engagierter Artikel.
      Nach dem ganzen Assange Bashing hatte ich mich schon gefragt, ob ich nicht aus Versehen auf der Abwiegelseite eines öffentlichen Bedenkenträgers gelandet sei.
      Danke.

    42. Outlook schrieb am 4. Februar 2011 at 21:51 - Permalink

      Die Bilder werden zum Symbol:
      http://www.youtube.com/user/RussiaToday#p/u/2/RIYSLilpoBw

      Sollte Mubarak seinen Machterhalt weiter radikalisieren oder verlängern, wird es seine eigenen Reihen noch weiter schwächen und damit auch die USA und die EU.
      Desertec kann sich zum Alptraum entwickeln.
      Die EU gerät tiefer in die eigens ideologisch konzipierte Energiefalle.
      Nabucco-Fischer betreibt ja noch das Pipeline -Projekt von nirgend woher nach nirgend wohin.
      Und da haben die Gasdespoten des Schwarzen Meeres noch ihren politischen Anspruch.
      No Demokratie.
      Überall Tretminen.

    43. Jacques Roux schrieb am 5. Februar 2011 at 10:54 - Permalink

      Unter derartigen Halluzinationen leiden gewöhnlich nur PI-sser

      Vielleicht hat er auch nur das Tourette-Syndrom

    44. Outlook schrieb am 5. Februar 2011 at 11:33 - Permalink

      Pipeline explodiert – Gaslieferung nach Israel ist unterbrochen -
      vermeldet der Tagesanzeiger aus der Schweiz

      http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Pipeline-explodiert–Gaslieferung-nach-Israel-ist-unterbrochen/story/11788680

    45. smukster schrieb am 5. Februar 2011 at 16:53 - Permalink

      Hmm, die Pipeline ist fast schon zu offensichtlich ein Werk der Polizei (oder anderes staatliches Organ), was soll das bringen? Kann irgendwer ernsthaft glauben, dass das Protestler gewesen sein sollen?

    46. daniel schrieb am 5. Februar 2011 at 19:27 - Permalink

      mal sehen wo das noch hingeht bzw. endet !
      es kann einem schon angst machen wenn man sich ausmalt, was alles noch kausal passieren kann. ist das vielleicht der anfang eines neuen kriges der uns auch in europa ereillt ?

      • Heldentasse schrieb am 5. Februar 2011 at 20:16 - Permalink

        Auch für dieses Szenario gibt es eine gewisse (hoffentlich kleine) Wahrscheinlichkeit. Ägypten ist für unsere Herrscher aus mehrfacher Hinsicht heraus strategisch und wirtschaftlich extrem wichtig. Wenn dort – die nach deren Meinung – die falschen Leute an die Macht kommen, und diese womöglich Energie und Warenströme und regionale Politik kontrollieren, mit der Option das noch weitere Staaten in die “falsche Richtung umfallen” (z.B. die Saudi Arabien), hätte dies durchaus kriegerisches Konfliktpotential für einen wirklich großen Krieg.

        • Systemfrager schrieb am 6. Februar 2011 at 08:02 - Permalink

          Es ist durchaus vorstellbar, dass der Westen schon seit mehreren Jahrzehnten den Dritten Weltkrieg vorbereitet. In zwei Stufen:
          1) Zuerst Wohlfahrtstaat zerschlagen, um massenhaft Armut und Arbeitslosigkeit zu produzieren
          2) Dann werden unsere rrr-Eliten mit dem Taschengeld große private Armeen finanzieren können

          Nur, bisher läuft doch nicht alles nach dem Plan, wie es noch 1989 aussah
          - Das mit der Zerschlagung des Wohlfahrtstaates, mit der Produktion von Armut und Arbeitslosigkeit schon, aber nicht so ganz: der verdammte Pöbel will nicht Kinder produzieren (ich habe 2, ich fühle mich auch verarscht)
          - In Russland hat die westliche Mission “Demokratie & Freiheit” kollabiert. Die Russen wissen nicht, was sie wollen und wohin sie sich bewegen, sie wissen aber ganz genau, dass die „westlichen Werte“ für sie nichts bedeuten
          - Die Chinesen haben immer noch einen Kommunismus, und es ist zu befürchten, dass sie für die Marktwirtschaft (die ist eine zivilisatorische Errungenschaft!) einen anderen, nicht westlichen „geistigen Überbau“ herausfinden. Nein, der Kommunismus ist nicht tot – möglicherweise nicht einmal das Wort Kommunismus ist tot
          - Und nun, der arabischen Welt ist nach dem kurzen ägyptischen Frühling klar, dass der Westen gar nichts anderes von ihr will, außer Klappe halten und unter den Diktatoren für den Westen malochen
          - Schließlich ist auch noch das Finanzsystem kollabiert, und für US-$ sieht es nicht gut aus

          • Linus schrieb am 6. Februar 2011 at 09:14 - Permalink

            Sehr schön, eine Verschwörung, die nicht ganz nach Plan läuft. Da wird es zunehmend schwierig, die Verschwörung zu erkennen.

            Zuerst Wohlfahrtstaat zerschlagen, um massenhaft Armut und Arbeitslosigkeit zu produzieren

            Ok, die Wiederkehr des Feudalismus.

            Dann werden unsere rrr-Eliten mit dem Taschengeld große private Armeen finanzieren können

            Wozu soll das gut sein?
            Ähnliche Entwicklungen gab es schon öfter in der Geschichte. Vielleicht braucht es gar keine VT. Vielleicht ist das der normale Gang der Dinge.

            • Systemfrager schrieb am 6. Februar 2011 at 09:25 - Permalink

              Vielleicht ist das der normale Gang der Dinge.

              Ja, das befürchte ich auch

              Und das mit der Kinderlosigkeit:
              Es ist durchaus vorstellbar, dass die Natur in ihrem Prozess der Selektion es so eingerichtet hat, dass die aggressivsten Arten, weil sonst würden sie das Leben völlig vernichten, durch Kinderlosigkeit zum Aussterben beseitigt werden, um die Evolution nicht zu stören

              Der Kulturhistoriker und Geschichtsphilosoph Jacob Burckhardt (1818-1897) hat seine Zweifel auf folgende drastische Weise zum Ausdruck gebracht: In der Natur „sterben Bastarde aus, oder sie sind von Anfang an unfruchtbar. Im geschichtlichen Leben ist alles voll Bastardtum“.

            • Linus schrieb am 6. Februar 2011 at 10:08 - Permalink

              @Systemfrager:

              Es ist durchaus vorstellbar, dass die Natur in ihrem Prozess der Selektion es so eingerichtet hat, dass die aggressivsten Arten, weil sonst würden sie das Leben völlig vernichten, durch Kinderlosigkeit zum Aussterben beseitigt werden, um die Evolution nicht zu stören

              Diesen Schluß wage ich daraus noch nicht zu ziehen. Dennoch, ein Muster wird besonders in unserer Zeit immer deutlicher: Die Alten sind so frech geworden, daß sie der Jugend keine Perspektive mehr lassen. Da bildet sich überall, ja weltweit ein Generationenkonflikt heraus, sei er ökonomisch oder ökologisch begründet.
              Ein interessanter Link von Eclair:
              http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/kultur/329829/329830.php

            • Systemfrager schrieb am 6. Februar 2011 at 10:53 - Permalink

              @ Linus

              Ich weiß nicht, wie ich dir danken soll

              Aber heute, viertausend Jahre nach dem Text von Nepi, sage ich zu ihm, dass ich mich zu den Glücklichen auf der Welt zähle, weil ich nicht gestorben bin, bevor ich Zeuge wurde, wie sich das ägyptische Volk erhebt, um das ausmerzen, was du über seinen finsteren Zustand geschrieben hast. Es ist ein erster Schritt auf dem Weg, auf dem die vier Milliarden Menschen unter vierzig Jahren auf der ganzen Welt eine neues System schaffen werden, das den Platz der abgenutzten Weltordnung einnehmen wird, die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde und die heute im Sterben liegt und nur darauf wartet, dass jemand ihr Grab gräbt.

              Weißt du, ich bin nicht ein Blogger, der morgen früh mit dem Kaffee sich in Washington-ONLINE informiert, wie die Welt aussieht, wer der wahre Diktator ist und wer auf dem Wege ist, unsere „Werte“ zu begreifen … und so der Blödsinn
              Ich weiß nicht, was ganz unten (Afrika) geschieht, ich habe aber ein Bild davon, wie die Blogger zwischen Oder-Neiße-Grenze und Kamtschatka „ticken“. Und das ist jetzt mein Punkt. Ich sage:

              Großer Gott
              Der Geist, der unter deinem Link beschrieben ist, ist genau darselbe, der zwischen Oder-Neiße-Grenze und Kamtschatka immer mehr herrscht: Dem Westen ging es schon immer nur darum

              eine gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung zu verwirklichen … unter dem Beifall der USA … Weil der ägyptische Präsident sich an das magische Rezept des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank hielt, um das Land zu zerstören, nachdem jene Institutionen bereits die Ökonomien großer Staaten auf der Welt zerstört haben, angefangen mit den lateinamerikanischen Staaten in den Siebziger- und Achtziger- jahren des letzten Jahrhunderts.

            • Linus schrieb am 6. Februar 2011 at 12:46 - Permalink

              @Systemfrager:

              Weißt du, ich bin nicht ein Blogger, der morgen früh mit dem Kaffee sich in Washington-ONLINE informiert, wie die Welt aussieht, wer der wahre Diktator ist und wer auf dem Wege ist, unsere „Werte“ zu begreifen … und so der Blödsinn
              Ich weiß nicht, was ganz unten (Afrika) geschieht, ich habe aber ein Bild davon, wie die Blogger zwischen Oder-Neiße-Grenze und Kamtschatka „ticken“. Und das ist jetzt mein Punkt.

              Ich lese daraus: Ein Mensch mit Empathie. Das ist mir Dank genug :-)
              (daß du kein Gutmensch bist, hast du hinreichend bewiesen).

              Ich möchte trotzdem noch ein paar Punkte anfügen:
              Offensichtlich gibt es nicht das ideale System – wäre ja auch schlimm, wenn es anders wäre. Jede Generation schreibt die ihr angemessene Fortsetzung der Geschichte.
              Dennoch macht es mE Sinn, jetzt nicht in Fatalismus zu versinken, sondern sich den Verlauf der Geschichte anzusehen. Viele Muster kehren wieder, so z.B. die zyklischen Krisen des Kapitalismus oder der oben angesprochene Generationenkonflikt.
              Natürlich wird sich der Wandel nicht verhindern lassen, im Gegenteil, nur durch ihn ist Freiheit möglich, und ohne die geht es nicht. Jedoch kann es vielleicht gelingen, schlimmsten Auswüchsen zuvorzukommen, um nicht jedesmal wieder in existenzbedrohende Situationen zu geraten. Was wir also brauchen, ist also ein gutes Erinnerungsvermögen und, darauf aufbauend, ein Bewußtwerden des Wandels.

              Einige Grundsätze sind wohl tatsächlich fundamental, wie die Bindung der Eltern an ihre Kinder, also der Generationenvertrag (der neoliberale Spin vom losgelösten, nur auf sich selbst bezogenen Individuum funktioniert ganz offensichtlich nicht und wendet sich inzwischen auch gegen seine Erfinder).
              Faßt man das ein bißchen weiter, so kommt man zu dem Wunsch nach Bewußtsein der eigenen Geschichtlichkeit.

              Da tauchen dann so einige Fragen auf, z.B.
              - ist die Perspektive, das Individuum sei der Nabel der Welt, noch haltbar.
              oder auch konkretere wie
              - ist die schiere Größe der Staaten überhaupt sinnvoll? Oder wären kleinere Strukturen angemessener?
              - wo ist eine hierarchische Organisation sinnvoll, wo nicht?
              Da wird an den Grundpfeilern des abendländischen Denkens gerüttelt. Das geht weit über die bisherige Diskussion von Kapitalismus vs. Kommunismus hinaus.

              Keine Ahnung, ob das Sinn macht, was ich da schreibe. Sind das, neben anderen, die Fragen unserer Zeit? Ich tu mich schon schwer, sie überhaupt zu formulieren.

            • Systemfrager schrieb am 6. Februar 2011 at 13:03 - Permalink

              @ Linus

              Keine Ahnung, ob das Sinn macht, was ich da schreibe.

              Würde ich an die Telepathie glauben, würde ich sagen, das in dem Kommentar war ich. (Ist kein Kompliment: man kann sich auch zu zweit täuschen)

              Sind das, neben anderen, die Fragen unserer Zeit?

              Ich glaube, es geht um Antworten und nicht um Fragen. Naja, natürlich gibt es keine Antwort, wo es keine Frage gab – deshalb besser als “Frage” nehmen wir “Problem”

              Und weil ich weiß – aus den exakten Wissenschaften -, dass man nicht etwas realisieren kann, was man zuerst nich theoretisch kreiert/entworfen hat, bin ich der Überzeugung:
              Nur wenn unserer Epoche neue Ideen und Lösungsentwürfe einfallen, lässt sich die Menschheit retten.

          • Heldentasse schrieb am 6. Februar 2011 at 10:14 - Permalink

            Es ist durchaus vorstellbar, dass der Westen schon seit mehreren Jahrzehnten den Dritten Weltkrieg vorbereitet.

            Dazu mal was erbauliches (ist ja heut Sonntag) von Meister Degenhardt:

            Diesmal werd ich nicht mit ihnen ziehn,
            werd nicht mal winken, nicht an meinem Hoftor stehn,
            wenn sie die schwarzen Boote strandwärts tragen,
            verschwitzt, im Gleichschritt, den die Trommeln schlagen.
            Wenn man im Chor die Killerhymne singt,
            der Priester seinen nassen Besen schwingt,
            diesmal werd ich nicht.
            …
            Ich will nur durch meine Ställe gehn,
            das Wetter riechen und bei meinen Leuten stehn,
            hier trinken und mit jenen was erzählen
            und meinen Söhnen ihre Weiber wählen,
            drauf achten, daß kein Kind mit Beilen schlägt
            und eine Kinderschlächterschürze trägt.
            Darauf achte ich.
            …

            Franz Josef Degenhardt – Diesmal werd ich nicht

      • GrooveX schrieb am 8. Februar 2011 at 13:54 - Permalink

        daniel, wenigstens eine antwort auf deine frage:
        vielleicht oder so.

        die gefahr aus dem orient ist ja immer noch nicht gebannt, nicht, solange es so was wie den orient gibt, diese gegend, wo die skorpione zuhause sind und all das zeug. halte dich davon fern. schon die doors wussten ‘the west is the best’. und ansonsten hilft vielleicht beten.

    47. Lemmy das olle Phantom der Oper schrieb am 5. Februar 2011 at 21:24 - Permalink

      Intelligente Artikel und Blogs zum Thema:
      http://www.jadaliyya.com/pages/index/516/why-mubarak-is-out (UNBEDINGT)
      http://www.arabist.net/ (wird vieles verlinkt)
      http://english.aljazeera.net/watch_now/ (mein Hauptfernsehsender der letzten Woche)
      http://twitter.com/JacobPark/tweeting-from-egypt (twitter der Demokratie-Bewegung)
      http://www.sandmonkey.org/

      Ich schäme mich für europäische Mit-”menschen”, die meinen, dass Demokratie für Moslems viel zu gefährlich ist.

    48. Axel schrieb am 5. Februar 2011 at 22:27 - Permalink

      Auch das gibts im bösen Westen:

      Die USA distanzieren sich von ihrem Sondergesandten (Wisner).

      http://www.fr-online.de/politik/usa-distanzieren-sich-vom-sondergesandten/-/1472596/7158984/-/index.html

      Sondergesandte dürfen eine eigene Meinung haben.

      (ja Linus, falsch kopiert und wenn man dann im Editor ist dann wirds schwierig dem Link einen Namen zu geben, zuviel Aufwand so spät)

      • Linus schrieb am 5. Februar 2011 at 22:41 - Permalink

        Schätze mal, der ist die längste Zeit Sondergesandter gewesen.
        Wäre mir neu, daß Sondergesandte sich verplappern dürfen.

    49. Axel schrieb am 6. Februar 2011 at 11:56 - Permalink

      Der Weg zu Demokratie und Wohlstand wird weit sein. Bei einem abrupten angeblichen “Übergang” entstehen z. B. solche Mißverständnisse wie der hier für Tunesien geschilderte.

      Und noch wichtiger: Der Westen hat damit nichts zu tun und kann auch kaum helfen.

    50. Lazarus09 schrieb am 6. Februar 2011 at 16:04 - Permalink

      Grade lese ich in der FAZ-Net

      Warum sind die Ägypter nur so arm?
      Kaum ein Land hat so wenig aus seinen Möglichkeiten gemacht wie Ägypten. Eine korrupte Elite lenkte die Einnahmen aus Entwicklungshilfe, Ölverkäufen und dem Suezkanal in die eigenen Taschen – und übersah die demografische Zeitbombe.

      Eine korrupte Elite lenkte die Einnahmen….wohin in Deutschland ?

      und übersah die demografische Zeitbombe … ach ja ....

      Alles Dinge die es in Besserdeutschland nieeeeee geben wird ..? !

      Folgenschwere Bildungsdefizite….Bildung sei ein Faktor..ach ja ,wie ist es inzwischen in Deutschland mit der Bildung bestellt?

      Der Herr Winand von Petersdorff scheint ja Meilenweit vom Normalbürger entfernt zu sein ..

    51. Normalbürger schrieb am 6. Februar 2011 at 18:15 - Permalink

      @Lazarus

      Die korrupten Eliten Ägyptens mit den Politikern Deutschlands zu vergleichen, ist hanebüchen.
      Ansonsten bitte konkrete Beispiele aus Deutschland nennen!

      Meinst du, dass Deutschland auch eine “demografische Zeitbombe” hat? Sicher, wenn man die Folgen einer überalterten Gesellschaft (Durchschnittsalter 44 Jahre, Geburtenrate 1,4) z.B. auf das hiesige Sozial- und Rentensystem bezieht.
      In Ägypten (wie in den meisten arabischen und afrikanischen Staaten ähnlich) sieht es aber genau umgekehrt aus: Das Durchschnittsalter liegt bei 24 Jahren, mindestens 50% der Bevölkerung ist unter 30. Jedes Jahr wird fast eine Million Kinder geboren, in Deutschland sind es 300.000 – beide Länder haben derzeit 80 Millionen Einwohner.
      Natürlich führt ein youth bulge in Ägypten zu Problemen, v.a. wenn die Wirtschaft schwach ist. Wo sollen die jungen Leute arbeiten – die meisten wollen emigrieren.
      Leider wird eine neue Regierung dieses Problem auch nicht lösen können.
      Demografie ist natürlich nur ein Faktor, aber wer diesen Faktor ignoriert oder leugnet, den kann man nicht Ernst nehmen.

      Auch der Vergleich der beiden Bildungssysteme ist realitäts- und weltfemd.
      Wie viele Analpheten gibt es in Ägypten, wie viele beenden die Schule, wie viele gehen dort auf eine Universität?
      Ich will die Probleme im deutschen Bildungswesen nicht schönreden, aber die öffentlichen Unis in Deutschland gehören international zu den besten. Natürlich sind teure private Unis in den USA oder England besser, aber die öffentlichen?
      Das deutsche Ingenieursstudium gilt als das beste weltweit – zumindest bis diese unsägliche Bologna-Reform eingeführt worden ist.
      Deutschland steht auf Platz 3 der beliebtesten Studienstandorte weltweit (Quelle: DAAD).
      Und das obwohl man für ein Studium in Deutschland (natürlich) noch eine zweite Fremdsprache – eben Deutsch – lernen muss. Aber viele Tausende von Chinesen, Arabern, Osteuropäern nehmen die Mühe des Spracherwerbs auf sich, um in Deutschland studieren zu können – und pfeifen auf ein paar hundert Euro Studiengebühren.
      Und dann studieren sie hier fleißig und machen ihre Abschlüsse – nicht selten sogar besser als die Muttersprachler (wenn diese es überhaupt schaffen, ihr Studium abzuschließen – Schuld haben beim Studienabbruch sowieso immer die anderen oder das System!).

      Diese Fakten interessieren dich natürlich nicht, denn ich vergaß:
      WIR müssen unser Land hassen (und uns selber). Aber wenn WIR an der Macht sind, dann lassen WIR unserem Hass freien Lauf und verwandeln es in einen Gulag. Na ja, zum Glück wird das nicht passieren…

      Wie weit bist du eigentlich vom Normalbürger entfernt?

      Ich bewundere übrigens die Ägypter, die voller Lebenskraft (und sogar Humor!) in ihrem alltäglichen Leben um ihre Existenz kämpfen müssen. Sie können den Schwermut der Wohlstandskinder im (noch) reichen Deutschland bestimmt nicht verstehen.

      • Heldentasse schrieb am 6. Februar 2011 at 19:12 - Permalink

        …
        Schlaraffia und Kanaan,
        Ardistan, Kommunistan,
        wo ist das gelobte Land?
        Dan man so en passant, ganz leicht,
        und notfalls auch zu Fuß erreicht?
        Das Gelobte Land?
        Nicht in der Herde, die ein Zischler treibt,
        und die dann nachher doch im Grießbrei steckenbleibt,
        vor dem gelobten Land.

        Franz Josef Degenhardt – gelobtes Land

      • Lazarus09 schrieb am 6. Februar 2011 at 19:44 - Permalink

        Nun … man sollte das nicht 1:1 vergleichen sondern unter dem ” Kaum ein Land hat so wenig aus seinen Möglichkeiten gemacht ” Satiere Blick ..zwischen den Zeilen

        Man bejammert heuchlerisch Aegyptens Unfaehigkeit die ihm gegebenen Chancen fuer sich sprich das Land was ja nicht nur aus ” Eliten ” besteht zu nutzen …. aus einer Warte und mit einer blasiertheit die einen Aussenstehenden vermuten lassen koennte in Deutschland wurden alle Chancen bestmoeglichst genutzt ….. na daemmert es langsam worauf ich hiunaus wollte ?

        Wenn du nun noch korrekte Beispiele brauchst, dann sieh dich hier im Blog um .. Fakten scheinen auch dich nicht zu interessieren den “weil nicht sein kann was nicht sein darf ” haengt du an deiner Scheuklappensicht .

        Die demoskopischen Werte sind wohl bekannt … In D wie du schon selbst schreibst zu viele Alte die Rente brauchen und keine Jungen die einzahlen ..

        Bildung … Deutschland das Land der Dichter und Denker gibt weniger fuer Bildung aus als Polen … Bildungsstudien sprechen Baende ..

        Und nun zum Schluss alle leute meines Alters koennen bestaetigen das es seit den 70′ in D bergab geht Lebensstandart ,Bildung,Gesundheitssystem,Sozialsystem seit 10 Jahren massiv .

        WAS HAT DEUTSCHLAND AUS SEINEN CHANCEN GEMACHT DAS WIR DEN AEGYPTERN EINEN SPIEGEL VORHALTEN KOENNEN ?

        Darum wie weit bist du entfernt vom Durchschnitt …solange in Deutschland die Bildung besser ist als in Afrikanischen Armuts -Staaten,die Bezahlung hoeher als die des Indischen Tageloehners und die Lebenumstaende und der Wohlstand hoeher als der des entrechteten Chinesischen Wanderarbeiters ist alles Suuuuupie in Jubeldeutschland ?

        • Axel schrieb am 6. Februar 2011 at 20:47 - Permalink

          Wenn die Ägypter mehr aus sich gemacht haben als Deutschland warum protestieren nun dort die Massen? Wenn Ägypten viel aus sich gemacht hat, was bedauern dann die Linken Ägypten? Warum soll der Westen denen helfen, die mehr aus sich machen als er selbst aus sich machen kann? Wie soll jemand der nichts aus sich macht, anderen helfen etwas aus sich zu machen?

          Ob wir denen nun den Spiegel vorhalten oder nicht irgendwie bzw. mit irgendwas scheinen die Menschen dort nicht sehr zufrieden zu sein.

          Wahrscheinlich mit dem Westen!

          Natürlich soll man helfen aber man muß auch selber maximal mithelfen. Aber die können sich ja sicher selber besser helfen.

    52. artikelwunsch schrieb am 7. Februar 2011 at 01:26 - Permalink

      Ägypten ist/war auch eine neoliberale Diktatur, der verhasste Präsidentensohn Gamal, ein Investmentbanker, führte die “Reformen” durch und “liberalisierte”, auch dagegen wird protestiert, und ich habe noch keinen einzigen fundierten Artikel darüber gefunden…

      • Systemfrager schrieb am 7. Februar 2011 at 06:37 - Permalink

        Ja, so ist es
        In Ägypten stirbt ein im Grunde westliches neoliberales Modell, deshalb sind die europäischen “Eliten” – also die Ausplünderer des Volkes – so sprachlos

    53. salvo schrieb am 7. Februar 2011 at 10:20 - Permalink

      Ich bewundere übrigens die Ägypter, die voller Lebenskraft (und sogar Humor!) in ihrem alltäglichen Leben um ihre Existenz kämpfen müssen. Sie können den Schwermut der Wohlstandskinder im (noch) reichen Deutschland bestimmt nicht verstehen.

      genau, täglicher Überlebenskampf schaftt Freude, die heutigen Jünger des totalitären Kapitalismus sind einen großen weiten Schritt weiter als ihre mörderischen Vorfahren. Diese mußten zum wahrhaften Lebensglück ganz unten noch über den Weg von Vernichtungskriegen geführt werden. Das wäre heute nicht mehr nötig, wenn man dem ‘freien’ Markt nur freien Lauf ließe, man ist heute aber auf gutem Wege. So guckt voller Sehnsucht das ‘Wohlstandskind’ auf das Leben unten, das im systemisch aufgezwungenen täglichen Überlebenskampf zu existentieller Selbsterfahrung und sogar kollektiver Beglückung gelangt und sieht voller Selbst-Verachtung auf seinesgleichen herab, denen ein Irrlauf der Geschichte, der gutmenschliche Reformismus, diesen täglichen Überlebenskampf eine Zeitlang mehr oder weniger entfremdet und so zu psychischen Störungen und explodierenden Gesundheitskosten geführt hat, die man sich erst leisten können muss. Was auch nicht notwendig ist, wenn man bedenkt, wie der tägliche Überlebenskampf unten die beste gesundheitliche Vorsorge ist. Es ist wie im Krieg, entweder, man findet im totalen Kamkurrenzkampf zum wahren Selbst, indem man den Anderen auslöscht, oder man ist selbst weg. Vorbei ist es es mit der Domestizierung des Kapitalismus, auch wenn die Vertreter der linken Establishments unentwegt davon reden, die, sofern sie aufrichtig daran glauben, nicht merken, dass es die Bestie ist, die sie längst domestiziert hat.
      Noch, denn der Weg nach unten, zur urprünglichen Einfachheit des Lebensglück, ist vorgezeichnet: socialism for the rich, bare bones capitalism for the rest of us.

      p.s.

      ein schwarzer Blick auf die ägyptische Revolution

      http://www.theroot.com/views/egypt-s-race-problem

      und welcome home huffington post :-)

      http://www.huffingtonpost.com/

    54. Axel schrieb am 7. Februar 2011 at 10:56 - Permalink

      In Ägypten stirbt ein im Grunde westliches neoliberales Modell,

      Was da so alles reininterpretiert wird.

      Klar was dort vor sich geht, spricht für eine außergewöhnliche Krise der dortigen Systeme, die mit westlichen Systemen freilich gar nichts gemein haben. Deshalb auch die für westliche Verhältnisse außergewöhnliche Reaktion der Bevölkerung. Selbst in Saudi Arabien gärt es.

      In Ägypten (wechseln) verschieben sich zunächst nur die Machtverhältnisse. Da es keine Demokratie war kann man den Herrscher nicht völlig gewaltfrei loswerden. Da es sicher zunächst keine Demokratie im westlichen Sinn sein wird und die Versorgung der Bevölkerung nicht besser werden (wahrscheinlich auf lange Zeit) wird (woher kommt Arbeit für die Jungen? Auswanderung?), wird alles auf unsicheren Füßen stehen und da auch die Demokratie sehr fragwürdig sein wird, sind die Folgen auch für die westliche Welt zunächst mal unabsehbar.

      • Ko-Mike schrieb am 7. Februar 2011 at 14:17 - Permalink

        Es ist in der Tat so, dass die arabischen Länder vor einiger Zeit (je nach dem) sich hin zum neoliberalen Modell öffneten. Das geschieht/geschah auch in anderen (3. Welt-)Ländern (z.B. Südamerika, Afrika). An den Gewinnen sind/waren jedoch nur sehr wenige beteiligt. Aus einige Regionen wachsen/wuchsen Schwellenländer, aus anderen Revolten und Aufstände – oft verbindet sich beides. Das ganze geschah unter dem Deckmantel der Globalisierung, die übrigens schon viel früher bekann, als manche zu glauben scheinen. (ein damit verbundenes Phänomen ist auch die “Zurückdrängung” der kommunistischen/sozialistischen Idee – so mal am Rande erwähnt)
        Dass das neoliberale Modell (und seine Varianten) seine Schwierigkeiten hat, sich derzeit zu behaupten, steht für mich außer Frage. Aber ich glaube nicht, dass eine Änderung des Wirtschaftsmodells für Ägypten zwangsweise eine bessere Perspektive sein kann. Vielmehr liegen die Probleme doch – salopp gesagt – in der Verteilung der Gewinne. Daher kann ich in Ägypten (noch) kein Sterben des neoliberalen Modells sehen – schon gar nicht das eines westlichen, da die westliche Variante (!) unter entsprechendem politischem Rahmen anders aufgebaut ist (man bedenke z.B. die Rolle der Zentralbanken). Selbstverständlich könnte die globale Entwicklung in Ägypten und anderen arabischen Ländern (und auch anderen Ländern der Welt – z.B. Südamerika) dazu führen, dass man sich vom neoliberalen Modell komplett verabschiedet. Ob dies ein Segen wäre? Ich bleibe skeptisch. Fakt ist aber, dass eine vom Westen verschiedene Variante angestrebt wird. Dies geschieht gleichzeitig mit der politischen Forderung nach Demokratisierung (auch hier evtl. eine vom westlichen Modell verschiedene Variante).
        Staatsmodelle und Wirtschaftsmodelle sind jeweils in ihren Varianten zu betrachten, deren Synthesen wiederum die Vielfalt ausmacht. Deshalb bin ich der Meinung, es ist spekulativ in Ägypten vom Sterben des neoliberalen Modells zu sprechen – ein westliches hat in Ägypten dabei nie existiert.

        • R_Winter schrieb am 7. Februar 2011 at 14:28 - Permalink

          Gute, kurze Beurteilung – die treffend ist.

        • GrooveX schrieb am 7. Februar 2011 at 16:50 - Permalink

          das orientalische ägypten existiert noch, und es hat mit deinem blick auf die welt, auf ihre wirtschaftlichen und politischen bedingungen und phänomene, nicht sehr viel zu tun. was du das neoliberale nennst, ist einer alteingesessenen ägyptischen familie von besitzenden ziemlich egal. die hat schon mit dem empire ihre verträge ausgehandelt und gebrochen oder eingehalten. die wird das mit jedem anderen ‘system’ genauso machen und warten, bis die ernte eingefahren ist. diese familien regieren an jeder stelle im system. das ist streng patriarchalisch geregelt: wer anwalt wird, wer offizier, wer verwalter (manager), wer politiker, wer popstar, wer wen heiratet, einfach alles. diese familien haben ihre demonstranten auf beiden seiten, sind gläubige moslems, juden, christen und achten darauf, dass die familie prosperiert. das ist anders als in lateinamerika, völlig anders. denen ist es auch egal, ob sie in der dritten welt leben, solange das haus sauber ist und die tochter anständig verheiratet werden kann. den rest erledigen die jüngeren, also die anwälte, offiziere, politiker und manager. demokratie, militärdiktatur, theokratie, monarchie – alles egal, wenn der schwiegersohn da seine rolle ausfüllt.

          staats- und wirtschaftsmodelle sind ihre sandkästen.

          der orient ist eine gesellschaft. die wirft niemand so einfach per handy und notebook über den haufen. und falls doch, dann wüsste ich schon ganz gerne, welche gesellschaftsform das denn werden soll, so ganz ohne enteignung.

          • Ko-Mike schrieb am 7. Februar 2011 at 19:26 - Permalink

            Ich dementiere deine Schilderungen keineswegs. Das “Orientalische” ist auch in anderen arabischen Ländern vorhanden. Kein Krieg wird diese Kultur so schnell umwerfen (siehe z.B. einige entlegene Gebiete in den Bergen Afghanistans). Hier werden Traditionen bewahrt, die selbstverständlich von Südamerika und anderen Regionen zu unterscheiden sind.
            Und selbstverständlich nehmen diese auch Einfluss auf Politik und Wirtschaft – auch wenn dies indirekt und weniger offensichtlich geschieht/geschehen kann. Sie sind Teil der Gesellschaft, Teil der Nation.
            Aber die Gesellschaft ist vielschichtig. In Ägypten sind es jetzt vor allem die jungen Leute, die den Aufstand auf die Straße bringen. Aber gleichgültig wird dies auch der gesellschaftlichen Gruppe nicht sein, die du beschrieben hast. Es mag für sie nicht sehr nötig sein, zu verstehen, wie das System funktioniert, aber sie sind interessiert daran, was es für sie “bereit hält”. Ganz so in ihren Traditionen vertieft sind sie dann doch nicht.
            Man kann mutmaßen, dass durch die Öffnung zur Globalisierung, die Traditionen nicht gekippt wurden, aber zumindest einen Wandel erfuhren. Doch so umfangreich möchte ich dies jetzt nicht ausführen.
            Selbstverständlich gibt es auch in Südamerika verschiedene Mitglieder der Gesellschaft, die mit dem (-es ist nicht meiner ;) )

            blick auf die welt, auf ihre wirtschaftlichen und politischen bedingungen und phänomene, nicht sehr viel zu tun

            haben. Man denke dabei an die Bewohner der Hochgebirge. Schau mal z.B. nach Peru – um nur ein Beispiel zu nennen. Oder Großgrundbesitzer in Argentinien, Brasilien, Venezuela, Kolumbien etc. Und hier hast du auch schon die richtige Problematik angesprochen:

            und falls doch, dann wüsste ich schon ganz gerne, welche gesellschaftsform das denn werden soll, so ganz ohne enteignung

            Auch in anderen Teilen der Welt gibt es traditionelle Strukturen. Der Unterschied bezieht sich aber in deinem Kommentar vielmehr auf die soziokulturelle Analyse. Dies ist keineswegs unabhängig von Wirtschafts- und Staatsform zu betrachten, sondern vielmehr in einer Synthese – sowie ich es oben angesprochen habe. Und so lieferst du uns einen weiteren Aspekt, der hierzu wichtig ist. Denn selbst, wenn die Mitglieder einer Gesellschaft Wirtschafts- und Staatsform wenig/keine Bedeutung schenken, so sind sie doch in diese integriert.
            Meine persönliche Einschätzung ist aber, dass sich hier eine gewisse “neuen Aufklärung” vollzieht. Der patriachaische Großgrundbesitzer, der Kleinbauer aus dem Bergdorf, die Näherin in ihrer Wellblechhütte, der Fischer auf seinem Boot oder der Viehzüchter am Rande der Steppe etc. haben erkannt, dass andere an den Strippen ziehen (siehe Lebensmittelpreise auf dem Markt, Grundstückspreise, evtl. drohende Enteignung etc.). Der Kleinbauer hat begriffen, dass die Bananenplantagen (andere Region) mit Entbehrungen verbunden sind. Und jetzt wird dieser sein Recht einfordern. Und der Großgrundbesitzer hat schon längst begriffen, dass viele ihm zu Leibe rücken wollen. Und so nahm er Platz in “gewisse vorteilhafte” Positionen (Anwälte, Politiker, Offiziere etc.). Das deren Motive andere sind als die, der jungen Generation in den Straßen von Kairo, ist einleuchtend.

            Zum Schluss…. zugespitzt formuliert: Coke versteht man überall!

            • Ko-Mike schrieb am 7. Februar 2011 at 19:50 - Permalink

              @SF Ich bin ein wenig pingelig mit Grammatik und Rechtschreibung, aber viel Zeit für eine Korrektur meines Kommentars bleibt mir nicht. :(

              @all
              Es sollte heißen: patriarchalischer Großgrundbesitzer
              Den Rest lass ich mal so stehen. ;)

            • uuuu schrieb am 8. Februar 2011 at 00:42 - Permalink

              So ein Schwachsinn. Wo hast du Wohnzimmerexperte dir denn deine “funderten” soziologischen Kenntnisse der arabischen Welt angelesen, beim Brockhaus Ausgabe 1920?

            • Ko-Mike schrieb am 8. Februar 2011 at 01:45 - Permalink

              @uuuu

              Klar, eine hingerotzte Beleidigung macht schon was her. Dabei besitze ich noch nicht einmal ein Wohnzimmer! Erhelle uns doch mit deinem Wissen, bevor du mich beleidigst. Was genau hälst du für Schwachsinn? Und lies dir doch bitte auch alle Kommentare durch, damit du dir ein Urteil über mich bilden kannst, dann findest du auch etwas darüber, wo ich meine Kenntnisse gewinne. Sehr eindringlich scheinst du dich ja nicht mit dem Artikel und den Kommentaren beschäftgt zu haben.

              Wo hast du Wohnzimmerexperte dir denn deine “funderten” soziologischen Kenntnisse der arabischen Welt angelesen

              Du wohl offensichtlich im SPON. ;))))

              P.S.: Bevor ich es vergesse…

              Brockhaus Ausgabe 1920

              De facto gab es 1920 nur eine Neuausgabe der 14. Auflage. Aber das weißt du Weltenkenner selbstverständlich alles schon.

    55. Heldentasse schrieb am 7. Februar 2011 at 11:59 - Permalink

      Ich möchte einen anderen Gesichtspunkt, der m.E. hier noch nicht diskutiert wurde, zu den Konflikten in Nordafrika vorstellen:

      Proteste und Unruhen im Nahen Osten hängen mit weltweit steigenden Nahrungsmittelpreisen zusammen

      Wer die politischen Konsequenzen daraus nicht erkennt, verschließt die Augen vor der Zukunft: Nahrungsmittelpreise explodieren weltweit. Dies führt zu Unruhen. Auch in Tunesien und Ägypten spielt dies ein Rolle. In einer wichtigen Pressemeldung des World Food Programm (WFP), der weltweit größten humanitären Organisation im Kampf gegen Hunger, wird dieser Zusammenhang klar unterstrichen:…

      Quelle
      Diese Zusammenhänge sind leicht nachvollziehbar, und werden auch von anderen Quellen (was die Preise für Nahrung anbelangt) unterstützt.

      Ist es auszuschließen, dass die Unruhen zum Teil keine Hungeraufstände sind?
      Warum werden diese ggf. elementaren Zusammenhänge m.W. nach in den Mainstream Medien nicht diskutiert?

      Fazit: Sollten die Probleme der Ägypter u.a. auch auf dieser Ursache (Lebensmittel für viele nicht mehr bezahlbar) beruhen, reicht eine Absetzung Mubaraks sowie ein Systemwechsel alleine nicht aus um diese zu lösen.

    56. Jacques Roux schrieb am 7. Februar 2011 at 12:29 - Permalink

      Ist es auszuschließen, dass die Unruhen zum Teil keine Hungeraufstände sind?
      Warum werden diese ggf. elementaren Zusammenhänge m.W. nach in den Mainstream Medien nicht diskutiert?

      So ist es, die erste Demonstration, am 25.01. der “Tag des Zorns” richtete sich gegen:

      Folter, Armut, Korruption und Arbeitslosigkeit

      z.B.

      http://www.faz.net/s/Rub87AD10DD0AE246EF840F23C9CBCBED2C/Doc~E7245E4B39E4D4FBB918A905F5F8F852B~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    57. smukster schrieb am 7. Februar 2011 at 17:26 - Permalink

      Natuerlich bedeutet “Neoliberalismus” in Aegypten nicht exakt dasselbe wie in der BRD, gab es dort kein “westliches neoliberales Modell” – N. ist eine Ideologie, die Politik in Gesellschaft in eine bestimmte Richtung draengt, und je nach Ausgangspunkt ist natuerlich auch der Weg ein anderer. Gemeinsam haben sie jedoch, dass die Einkommens- und Vermoegensverteilung ungleicher wird, da der Staat sich mit Regulierung und eigener wirtschaftlicher Taetigkeit zurueckhaelt und dies notwendigerweise den Starken zugute kommt (Mensch denke an Fussball ohne Regeln und Schiri…).
      Der Neoliberalismus mag faktisch am Ende sein, im Norden (Bankenrettung) wie im Sueden (Hungeraufstaende), ideologisch entfaltet er jedoch (erstaunlicherweise) immer noch seine Wirkung.

      Zur Hungerfrage – gibt es serioese Studien ueber die Ursachen der steigenden Lebensmittelpreise? Spekulation? Klimawandel und Erosion? Agrosprit bzw. Aufkauf von Ackerland? Mensch liest immer wieder andere Erklaerungen, ich zumindest.
      Als vor 3 Jahren etwa die Preise fuer Grundnahrungsmittel sich verdoppelten, war das noch ein Thema, inzwischen scheint es bei uns nicht mehr zu interessieren, wenn Mais- oder Weizenpreise sich in kurzer Zeit (annaehernd) verdoppeln.

    58. Heldentasse schrieb am 7. Februar 2011 at 20:01 - Permalink

      Zur Hungerfrage – gibt es serioese Studien ueber die Ursachen der steigenden Lebensmittelpreise? Spekulation? Klimawandel und Erosion? Agrosprit bzw. Aufkauf von Ackerland? Mensch liest immer wieder andere Erklaerungen, ich zumindest.

      Ich halte diese Studie/ Kurzzusammenfassung “OECD-FAO Agricultural Outlook 2010” für seriös, relativ betrachtet, aus Sicht der Mitgliedsstaaten und deren Interessen, bzw. der der Nahrungsmittelkonzerne. Das wird objektiv IMO allerdings “nur” die halbe Wahrheit sein.
      Etwas andere Sichten findet sich hier. Hungerkrise und IWF

    59. uuuu schrieb am 7. Februar 2011 at 22:15 - Permalink

      http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,744005,00.html
      Experte Hacke bezweifelt, ob die Grundlage für die gewünschte Zivilgesellschaft mit liberaler Demokratie in Ägypten schon gegeben ist: “Wir sollten auch die Perspektive einer aufgeklärten Militärdiktatur mit mehr Rechtssicherheit nicht ausschließen.”

      • Ko-Mike schrieb am 8. Februar 2011 at 02:03 - Permalink

        Da sei in den letzten Jahren wenig falsch gemacht worden. Die deutsche Außenpolitik sei allenfalls “etwas zu moralingetränkt”.

        Dem stimmen noch nicht einmal derzeitige Politiker zu. Hacke ist auch kein Experte für Ägypten. Und schon gar nicht für Nahost.

        “Wir sollten auch die Perspektive einer aufgeklärten Militärdiktatur mit mehr Rechtssicherheit nicht ausschließen.”

        Dem stimme ich zu, aber sonderlich neu ist das nicht. Dazu brauche ich jedenfalls keinen Experten Hacke.

        • uuuu schrieb am 8. Februar 2011 at 02:34 - Permalink

          Tja, Freundchen, du und dein Kollege Hacke verlassen damit blos leider den Boden unserer freiheitlichen Grundordnung und Wertegemeinschaft. Das ist nämlich NPD-Niveau. Dein halbgares Geschwafel hier ist unerträglich.

          http://womensmediacenter.com/blog/2011/02/exclusive-from-tahrir-square-the-city-in-the-field/


          Even some of the youth of the Muslim Brotherhood told me, “We disagree with some your writings but love you because you did not change opportunistically, you have been consistent.” Another young man came to embrace me and say, “Oh Nawal, we are the new generations who read your books. I did and was guided by creativity and rebellion and the revolution of your thoughts.”

          Swallowing tears, I said to them, “This Eid [festival] is to us all the festival of freedom, dignity, creativity, rebellion, and the revolution.”

          A young woman called Rania said, “We call for a new constitution that does not distinguish between people on the basis of religion, sex, or creed, race, or other.” A young Christian named Boutros added, “We want a uniform civil code of personal status for all people without distinction as to religion, sex, or sect.” A young man called Tariq told me, “We who made the revolution have to choose our transitional government and a national commission to change the constitution.” Another, named Mohammad Amin, cried, “We want a solution to the People’s Assembly and Shura Council and the work of fair elections to choose a new president and boards of a new popularity.” Yet another named Jalal, said, “We are a popular revolution for a new social contract, we want to select the transitional government, and to choose the National Committee, which can change the constitution. We do not want the new-formed Committee of the Elders of the Revolution, imposing their ideas on us. They are opportunists who did not participate here with us, suffer here with us. They arrive now from Europe or America, Egyptians who have lived their lives outside the homeland, come now to assume the leadership of the revolution. To them we say: ‘We lead the revolution, having among us our own “Elders” of young people aged thirty or forty or fifty years; we have specialists in all scientific, political, economic and other fields.’” And a young man named Mohammed said “I feel proud for the first time in my life because I am an Egyptian. Some of us were killed, but we turned the defeat into victory, paying the price of freedom with the blood of our martyrs. There is no force that can bring us back to back. Never.”

          Ohne zu zögern werde ich diese Leute Typen wie dir vorziehen, und auf ihrer Seite stehen. Wie jeder Demokrat. Falsche Seite der Barrikade…

          • Ko-Mike schrieb am 8. Februar 2011 at 13:27 - Permalink

            Wenn ich eine aufgeklärte Militärdiktatur mit mehr Rechtsicherheit nicht ausschließe, hat das nur etwas damit zu tun, was erfahrungsgemäß in der Realpolitik für möglich gehalten wird. Selbstverständlich kann dies aber nicht das Ziel der Demonstranten sein, will man einen demokratischen Staat.

            Das ist nämlich NPD-Niveau.

            Jetzt kommt die Keule. *rolleyes* Wo du das in meinem Text reininterpretierst bleibt ein Rätsel. Deine Aussagen sind nun schon stark populistisch.

            unserer freiheitlichen Grundordnung und Wertegemeinschaft

            Von daher kommt der Wind. Du stehst also den US-Republikaner sehr nahe. Und “UNSERE freiheitlichen Grundordnung und Wertegemeinschaft” möchtest du auch in Ägypten errichten, oder.

            Dein halbgares Geschwafel hier ist unerträglich.

            Es scheint dich aber zu interessieren. Ach, was kümmert es die Eiche…. ;)

            Tja, deine Beleidigungen sind höchstes Niveau. Damit kann ich mich leider nicht messen.

    60. Ko-Mike schrieb am 8. Februar 2011 at 00:26 - Permalink

      Mal über den Tellerrand geschaut: Südsudanesen stimmten für Unabhängigkeit. Ob Omar al-Baschir das – entgegen seinen öffentlichen Behauptungen – akzeptiert, bleibt abzuwarten. Möglich wäre, dass aus seinen Rigen die Regierung des “neuen” Südsudans gebildet wird. So abwegig finde ich dies nicht.
      Für den SF bleibt die Hausaufgabe: genauere Recherche für Nahost und Afrika ; )
      Diese Themen werden uns sicherlich in nächster Zeit weiter beschäftigen.

      • uuuu schrieb am 8. Februar 2011 at 02:35 - Permalink

        Was hast du noch so Spannendes in der Zeitung gelesen?

        • Ko-Mike schrieb am 8. Februar 2011 at 02:54 - Permalink

          @uuuu
          Vielleicht ist es besser, wenn du ins Bett gehst, bevor du dich noch mehr lächerlich machst. *rolleyes*

      • Ko-Mike schrieb am 8. Februar 2011 at 03:41 - Permalink

        Möglich wäre, dass aus seinen Rigen die Regierung des “neuen” Südsudans gebildet wird.

        Gemeint ist hier, dass sich NCP und SPLM in einem Kompromiss darauf einigen, einige Mitglieder der NCP in die neue südsudanesische Regierung zu integrieren (nicht unbedingt auf oberster Ebene, aber z.B. als “Lokalminister” in Wirtschaftszweige vorort), um sich weiterhin den Zugang zu den Ölquellen zu sichern. Dem gegenüber steht die Anerkennung der Unabhängigkeit durch den Norden.
        Dies ist aber nur meine Spekulation, die ich dennoch für nicht sehr abwegig halte – besonders im Falle Sudans.

    61. smukster schrieb am 8. Februar 2011 at 07:31 - Permalink

      Hmm, der Gedanke ist mir neu – das waere sicher nicht die schlechteste Loesung, wenn so eine Verzahnung von Nord und Sued gesichert wuerde. Aber…ich fuerchte, das werden die Eliten des Suedens nur solange akzeptieren, bis ihr Staat politisch und oekonomisch (und militaerisch) soweit gefestigt ist, dass sie sich trauen, die Leute aus dem Norden ganz rauszuschmeissen. Die Eliten des Suedsudan sind keinen Deut demokratischer und menschenfreundlicher als die im Norden, soweit ich informiert bin, und brutale Vertreibungen gibt es auch hier zuhauf.

      @Heldentasse – danke fuer die Links, eine Schande, dass so zentrale Fragen wie die Lebensmittelpreise in unseren Breiten fast nicht interessieren. Das wird sich raechen, behaupte ich. Oder raecht es sich jetzt schon, indem Laender “unserer” Kontrolle entgleiten, weil wir das Konflikpotential unterschaetzen?

      smukster

      • Heldentasse schrieb am 8. Februar 2011 at 15:02 - Permalink

        @smukster

        …dass so zentrale Fragen wie die Lebensmittelpreise in unseren Breiten fast nicht interessieren.

        Da wird u.a. auch so was eine Rolle spielen was die Psychologen als Verdrängung bezeichnen. Wenn wir uns vollkommen bewusst wären, was wir mindestens 1E9 Menschen mit unsere Art zu leben/ wirtschaften antun, würden es viele Menschen nicht mehr aushalten hier die Rolle der “guten” Konsumenten zu spielen, einer der wenigen Tatbestände die wirklich systemgefährdend sind.

        Das wird sich raechen, behaupte ich.

        Ja, wahrscheinlich früher als sich so mancher denkt. :-(

        • Axel schrieb am 8. Februar 2011 at 17:43 - Permalink

          Wenn wir uns vollkommen bewusst wären, was wir mindestens 1E9 Menschen mit unsere Art zu leben/ wirtschaften antun ….

          Vermutlich sind die Unruhen in Tunesien und Ägypten letztlich Folge steigender Nahrungsmittelpreise, aber ob nur die Spekulanten oder unsere Lebensweise dafür verantwortlich sind ist fragwürdig.

          Für steigende Lebensmittelpreise ist auch Angebot und Nachfrage verantwortlich. Und Mißernten verknappen nun mal das Angebot. Die Erde ist kein Paradies, der Mensch ist ständig gefährdet je nachdem wo er lebt. Viele leben halt immer zur falschen Zeit am falschen Ort. Es gibt keine Garantie das der Mensch überhaupt global der Natur jemals genug abringen wird, so das die gesamte Menschheit ohne Not (über)leben kann. Die Natur ist nicht nur schön, sondern kann auch Todfeind (wenn auch z. B. für Grüne so etwas Ketzerei ist) sein, auch ohne jegliches Zutun des Menschen.

          Zu steigenden Nahrungsmittelpreisen hier.
          Solche Links sind doch rechtlich zulässig?

          Ich will mich für das was ich hier schreibe gar nicht irgendwie entschuldigen. Die Welt ist nun mal so wie sie ist. Es gibt keinen Beweis das sie so ideal sein kann wie viele es hier einfach mal so postulierend fordern.

          Wenn mir aber jemand hier beweisen kann das alles menschengemacht ist, Ok. Die Behauptungen kenne ich ja alle, aber die Beweise? Was menschengemacht ist, kann man ja versuchen zu ändern.

          • Heldentasse schrieb am 8. Februar 2011 at 20:55 - Permalink

            @Axel

            Vermutlich sind die Unruhen in Tunesien und Ägypten letztlich Folge steigender Nahrungsmittelpreise, aber ob nur die Spekulanten oder unsere Lebensweise dafür verantwortlich sind ist fragwürdig.

            Da stimme ich mit Dir vollkommen überein. Die Interaktionen Mensch/Mensch bzw. Mensch/Lebensraum sind äußerst dynamisch, komplex und stark vernetzt und sehr wahrscheinlich so chaotisch wie das Wetter. Eine grundlegende quantitative Analyse/ Prognose welche Ursache den nun den größten Einfluss auf die Nahrungsmittelpreise hat ist m.E. nicht möglich, man kann aber durchaus qualitativ sagen:
            - Auch Missernten können vom Menschen verursacht werden. Stichwort: globale Erwärmung, deren Ursache liegt zu 90% nicht in den Entwicklungsländern
            - Pflanzen für Biosprit statt Nahrungspflanzen ergeben weniger Nahrung in Summe
            - Einen sehr großen Einfluss hat die auch die stark gewachsene Erdbevölkerung. Mehr Menschen benötigen mehr Wohnraum, ist gibt aber nur endliche Bodenflächen zum Bewirtschaften
            - Wir beeinflussen mit unseren Agrar/ Nahrungsmittelkonzernen ganz erheblich die Produktion von Nahrungsmitteln in der dritten Welt. Stichpunkte: Verdrängung der dortigen Kleinbauern durch subventionierte Importe, Verkauf von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln
            - Der Kapitalismus versucht systematisch aus Mangelzuständen Gewinn zu schlagen
            - Unsere System benötigt Wachstum, wie der Junkie die Nadel
            usw. usw.
            Ich meine viele viele der Ursachen hängen zumindest mittelbar mit der Art wie wir leben und wirtschaften zusammen, direkt zu bewiesen ist es schwerlich.

            Es gibt keine Garantie das der Mensch überhaupt global der Natur jemals genug abringen wird, so das die gesamte Menschheit ohne Not (über)leben kann.

            Der Begriff “abringen” ist in diesem Zusammenhang ähmm… etwas altmodisch. Ich glaube die wirkliche Krux/ Tragödie ist – Wir haben schon heute die Technologie und das Wissen wie ca. 6E9 Menschen auf Dauer ohne allzu große Einschränkungen auf dem Planeten leben könnten (Sagt der Club of Rome) , wenn es *politisch* gewollt und durchsetzbar wäre. Natürlich essen die dann nicht jeden Tag Fleisch oder fahren jeder mit ihrem eigenen PKW durch die Gegend bzw. fliegen für 20Euronen nach Malle oder konsumieren Dinge die sie gar nicht brauchen – die Miltärs müssten dann auch ihre teuren “Spielzeuge” abgeben und das unkontrollierte “schnackseln” wäre verboten. usw.

            Es ist aber völlige Illusion, dass sich die notwendige rationale Einsicht globale durchsetzen wird. Es ist viel viel eher wahrscheinlich das ich meinen Lebensabend als soylent green, oder wie das Zeugs in 30 Jahren heißen wird, verbringen werde. :-(

            • Axel schrieb am 8. Februar 2011 at 21:55 - Permalink

              @Heldentasse

              Klar können Mißernten menschengemacht sein. Vielleicht hätte ich besser sagen sollen bewußt menschengemacht.

              Aber das alleine trifft es auch nicht.

              Es unsinnig zu glauben der Mensch habe die Natur(gewalten) jemals im Griff. Ich weiß ja nicht ob die These stimmt, dass die Sonnenaktivität für Klimawandel verantwortlich ist. Aber wenn jemand sagt, dass wir doch nicht glauben sollten wir winzigen Menschen könnten gegen dieses gigantische Ding da am Himmel etwas ausrichten, dann hat das schon was. Noch können wir diesen Giganten da direkt jedenfalls nicht beeinflussen.

              Die Pioniere im Mittelwesten der USA oder wo es war, waren sich sicher damals nicht darüber klar dass sie durch die Bewirtschaftung des Landes (“um ihren Hunger zu stillen”) einmal jahrelange Sandstürme initiieren würden.
              Schließlich kam ein kluger Mensch auf die Idee was die Ursache war und man reparierte das (tolle Sache). Was übrigens war die Motivation, das zu reparieren in diesem von Profitgier bestimmten Land. Nein zu jeder Zeit gibt es auch etwas darüber hinausgehendes. Jemand der es erlebt hat meinte freilich in einem Interview: Es wird wieder kommen.

              Ich stelle mich u. a. einfach im wesentlich dagegen, alle Mißstände monokausal aus einem Profitprinzip zu erklären, zumal dieses zumindest gegenüber der Natur wohl nötig ist, wenn man über das Leben von Indianern hinausgeht. Vielleicht kehren die Menschen irgendwann wieder zur Natur zurück, aber dann wohl ohne Ipad und Internet.

              Wie wollte der Mensch am Anfang der Industrialisierung eigentlich voraussehen, dass er einmal dadurch Mißernten auslösen würde wenn er denn überhaupt den Klimawandel entscheidend ausgelöst hat?

              Als in früheren Zeiten mal ein Vulkan explodierte gab es ein Jahr ohne Sommer. Das hat damals sicher kein Mensch verursacht. Und wenn heute so ein Ausbruch stattfindet, wird es wieder ein Jahr ohne Sommer geben.

              Und ob der Mensch die Mißernten durch den Klimawandel versursacht ist keineswegs gesichert. Aber sicher ist, das durch Mißernten u. U. nun mal die Preise steigen. Was man dagegen tun kann aber bitte sachlich diskutieren (warum z. B. gibt es überhaupt die “Spekulation” mit Rohstoffen, ist das nur des Teufels? beim Öl scheint es teilweise sinnvoll, aber ich weiß es nicht) und nicht von einem über Allem stehenden “moralischem Totschlagstandpunkt” aus. Wobei ich letzteres jetzt gar nicht vorwiegend auf Dich beziehe.

            • Heldentasse schrieb am 9. Februar 2011 at 08:41 - Permalink

              @Axel

              Ich stelle mich u. a. einfach im wesentlich dagegen, alle Mißstände monokausal aus einem Profitprinzip zu erklären,..

              Deine Meinung kann ich durchaus teilen, es ist eine etwas andere Sicht auf die Dinge und m.E. genauso gut oder schlecht wie meine Ausführungen.
              Vielleicht noch zwei kleine Anmerkungen. Zum Einen, wenn man im guten Glauben und oder aus unmittelbaren Lebensnotwendigkeiten heraus handelt, wie z.B. die von dir aufgeführten ersten weißen Siedler Nordamerikas, ist das schon etwas ganz anderes als z.B. – Zitat:

              Für den Anbau von Ölpalmen werden die Regenwälder und Torfmoorgebiete gerodet, die Artenvielfalt vernichtet, die Ureinwohner und Kleinbauern vertrieben, der Was-serhaushalt und die Böden massiv geschädigt und das Weltklima angeheizt

              Quelle
              Zum Anderen gibt es auch durchaus ernst zu nehmende Theorien, dass der Klimawandel überwiegend nicht von Menschen gemacht ist (Info), aber ist das ein Grund weiter so die fossilen Energieträger zu verheizen wie bisher?

    62. Axel schrieb am 8. Februar 2011 at 14:43 - Permalink

      @GrooveX

      hör auf, wild und uninspiriert rumzuspekulieren. das tut weh beim lesen.
      na ja, das gilt für einige andere auch.
      du solltest es besser nicht so ernst nehmen. :-)

      Das ich den ganzen Reichtum menschlichen Gedankengutes (ich hab (aus ganz spezifischem Interesse)) auch Zeitschriften und CD*s über Sprachwissenschft und Entstehung der Sprache zu Hause stehen und nicht nur das) ernst nehme, im Gegensatz zu eindimenionalem Denken wirst Du der Du Dich mit der Meinungsführerschaft in diesen Blog freilich identisch wissen kannst, mir höchstens in diesem Blog “verbieten” können.

      Weiter dürfte Dein Einfluß noch nicht reichen.

      Heldentasse spricht übrigens in diesem Zusammenhang etwas an was man weiter diskutieren könnte. Aber das wären Spekulationen die in die reine Wissenschaft gehören.

      • GrooveX schrieb am 8. Februar 2011 at 15:00 - Permalink

        oh, da schätzt du meine wirkung hier flasch ein. mein einfluss hier ist faktisch null. mir geht es allerdings auch nicht um einfluss. ich wollte dir auch nichts verbieten. es tut beim lesen trotzdem weh. und es besser nicht zu ernst zu nehmen bezog sich auf dein ‘ich nehme das alles ernst’ und nicht auf meine paar worte.

        hey, immerhin, ich setze mich – auf meine weise – mit den sachen auseinander, die du schreibst.

        sei nicht so zimperlich.

    63. Axel schrieb am 9. Februar 2011 at 14:49 - Permalink

      Tja so siehts wohl aktuell aus.

      Hätte man übrigens, wenn man die Verhältnisse dort genau gekannt hätte wohl voraussagen können. Ein Bekannter der sie kannte, hat mir das übrigens so vor 10 Tagen vorhergesagt. Er sagt auch, dass 40% der jungen Ägypter arbeitslos sind und er sagt etwas provokant, dass diese u. a. die Speerspitze des Widerstand bilden, weil sie sich halt auf dem Tahrir Platz aufhalten können, weil sie halt keine Arbeit haben. Ob das so stimmt sei dahingestellt .Also er sieht das nüchtern und gar nicht so weltrevolutionär. Nüchterne Betrachtungen können immer von Nutzen sein.

      Entweder ändert sich nun so gut wie gar nichts oder es gibt doch noch einmal Gewalt. Das kann man nie wissen. Also wie selbst die USA von außen friedlich auf eine größten Armeen der Welt einwirken soll wenn die nicht will, weiß ich nicht.

      Und ich denke Obama weiß daß es nicht geht! Unabhängig davon was er sollen wollen will.

    64. Axel schrieb am 10. Februar 2011 at 10:31 - Permalink

      Ägyptens Außenminister kritisiert die USA

      Ich will und muß dazu keinen großen Kommentar geben. Es spricht für sich selbst. Man kann (und darf) ja die USA bzw. den Westen zu allem möglichen auffordern, aber (außen)politisch gesehen ist die Angelegenheit eben objektiv heikel.

      Auszüge:

      “Die USA haben das Reformtempo der ägyptischen Führung als zu langsam kritisiert. Die bisher eingeleiteten Schritte erfüllten nicht die “Minimalforderungen” des ägyptischen Volkes, sagte der Sprecher des Weißen Hauses in Washington. Ägyptens Außenminister Ahmed Abdul Gheit warnte, sollten die Proteste gegen Präsident Husni Mubarak eskalieren, werde die Armee einschreiten.

      ………………………………………

      Gheit kritisierte zudem, die USA setzten sein Land mit Forderungen nach politischen Reformen unter zu starken Druck. “Wenn man einem großen Land wie Ägypten Forderungen nach sofortigen Reformen stellt, dann drückt man ihm seinen Willen auf”, sagte Gheit dem US-Sender PBS.”

    65. Serious Sam schrieb am 11. Februar 2011 at 17:18 - Permalink

      Nachdem Mubarak nun zurückgetreten ist, könnte doch vielleicht als nächste inkompetente Absolutherrscherin Frau Merkel…?

      Alles Gute den Ägyptern, dass sie den Wandel gut über die Bühne bekommen.

    66. Systemfrager schrieb am 11. Februar 2011 at 18:58 - Permalink

      Von Arabern lernen, heißt siegen lernen!

      Ich freue mich wie ein kleines Kind :)

    67. Ko-Mike schrieb am 11. Februar 2011 at 19:05 - Permalink

      Ich weiß, man muss mit gewisser Vorsicht in die Zukunft blicken. Es werden noch weitere Anstrengungen zu bewältigen sein. Aber heute tut sich in Ägypten ein weites Tor auf neue Perspektiven zu verwirklichen. Und das auch für die anderen arabischen Länder. Jedenfalls ist heute ein Tag zum feiern! : )

    68. Axel schrieb am 12. Februar 2011 at 19:46 - Permalink

      Im Tunesien Artikel konnte ich das nicht mehr unterbringen, deshalb versuch ichs hier. Ich hatte es ja im Kommentarbereich des Tunesien-Artikels vorhervermutet:

      Tausende-verlassen-Tunesien

      Jetzt fragt sich: wirbt der Westen diese Menschen ab und läßt Tunesien konterrevolutionär ausbluten?

      Andererseits: Wenn die Menschen nur der Not entkommen wollen und der Westen durchblicken läßt das er mit der Hilfe überfordert ist und höchstens Notaufnahmen stellen kann, ist er natürlich auch am Pranger. Es ist nicht einfach, der Westen zu sein.

    69. Outlook schrieb am 19. Februar 2011 at 14:27 - Permalink

      USA vor einer großen Protestwelle?

      Das regionale Parlament in Wisconsin wird gestürmt:
      http://www.youtube.com/watch?v=0XlUsoM4ruQ

      Der Petro-Dollar steht vor dem globalen Zerfall und damit auch alle US-Bündnisse.


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