Seid umschlungen, Diktatoren!
geschrieben am 08. Februar 2011 von Spiegelfechter
Undank ist der Welten Lohn! Was sollen eigentlich junge, aufstrebende Talente, die sich für das Berufsbild des Diktators entschieden haben, denken, wenn sie sich das unwürdige Geschachere um die wohlverdiente Altersruhestätte des scheidenden ägyptischen Diktators Husni Mubarak anschauen müssen? Der gute Mann hat dem Westen immerhin über 30 Jahre treu gedient und die Erwartungen, die man in ihn setzte, übererfüllt. Ja meint denn die verweichlichte westliche Öffentlichkeit, der Herr Mubarak hätte freiwillig Oppositionelle foltern lassen? Nein, das tat ihm sicherlich genau so weh wie den Folteropfern und der Westen sollte lieber dankbar sein, dass es immer noch selbstlose Diktatoren gibt, die ihm die Drecksarbeit abnehmen.
Dass sich Husni Mubarak seine treuen Dienste mit einer inoffiziellen Aufwandsentschädigung von rund 50 Milliarden Euro kompensiert hat, kann doch niemanden ernsthaft stören. Das Volk hätte das Geld eh nur für sinnlose Dinge wie Brot oder Billigtextilien aus China ausgegeben – davon profitiert die deutsche Volkswirtschaft nicht. Wer bitteschön soll sich denn unsere schönen Luxusexporte vom Schlage eines Porsche Cayenne leisten? Ägyptische Bauern? Wohl kaum. Aber das sieht in diesem Land natürlich wieder einmal niemand ein. Stattdessen wird unser treuer Diener am Suez-Kanal auch noch in den Dreck gezogen. Er soll in Deutschland Milliardenwerte “gebunkert” haben, so ein FDP-Außenpolitiker. Seit wann spricht man eigentlich so despektierlich von Direktinvestitionen? Sind die Abermilliarden, die Jahr für Jahr aus den Musterdemokratien am Persischen Golf in Deutschland investiert werden, nun etwa auch Bunkergut? Nein, denn es gibt schließlich einen kleinen aber feinen Unterschied zwischen Diktatoren und Ex-Diktatoren. Um sich das Wohlwollen – und natürlich das Geld – aktiver Diktatoren zu sichern, sollte man jedoch gesteigerten Wert auf den Umgang mit Ex-Diktatoren legen. Denn jeder aktive Diktator weiß, dass er schon morgen Ex-Diktator sein kann und legt daher natürlich einen besonderen Wert auf das Diktatoren-Entsorgungsprogramm seiner demokratischen Förderer und Verbündeten.
Dictator-Relationship-Management für Dummies
In Zeiten des Kalten Krieges gab es zwei potentielle Großabnehmer für ausgebrannte Diktatoren – die USA und die Sowjetunion. In der Sowjetunion war es jedoch kalt und dummerweise brach sie zum gleichen Zeitpunkt zusammen wie die meisten der von ihr gestützten Diktaturen, was eine fachgerechte Entsorgung erschwerte. Auch die USA waren nie ein wirklich guter Altersruhesitz für Diktatoren. Als besonders ärgerlich stellte sich im Laufe der Zeit die politische Wankelmütigkeit und der immanente Undank des demokratischen Systems heraus. So wurde beispielsweise der treue Schah, Mohammad Reza Pahlavi, der von den USA erst ins Amt geputscht wurde, nach seinem Sturz und einem kurzen Krankenhausaufenthalt in New York auf einem abgeschirmten Luftwaffenstützpunkt entsorgt und dann mit Hilfe der treuen Diktatur Ägypten in Kairo endgelagert. All dies nur, weil bärtige Islamisten aus Protest die US-Botschaft in Teheran besetzt hatten.
Auch der nicaraguanische Diktator Anastasio “Tachito” Somoza wurde ein Opfer des demokratischen Wankelmuts. Obwohl seine ultrarechten Nationalgarden über Generationen hinweg von den Amerikanern finanziert und ausgebildet wurden, ließ ihn Uncle Sam fallen wie eine heiße Kartoffel. Als Somoza auf der Flucht vor den Sandinisten in Miami an die Tür klopfte, wies ihn der damalige Präsident Jimmy Carter, der damals der fixen Idee, Lateinamerika zu demokratisieren anhing, ab und ließ ihn wissen, er solle doch bleiben, wo der Pfeffer wächst. Somoza verzog sich schmollend zu seinem ultrarechten Diktatorenfreund Alfredo Stroessner nach Paraguay. Bereits ein Jahr später fanden ihn die Sandinisten jedoch und ermordeten ihn kaltblütig. Was für ein Pech.
Standortnachteil Justiz
Nicht ganz so schlimm erging es dem treuen US-Statthalter Manuel Noriega. Der Mann mit dem Spitznamen “Ananasgesicht” unterstützte die USA bei unzähligen Geheimoperationen in Lateinamerika. Irgendwann entdeckte die amerikanische Presse, dass Noriega sich sein spärliches Diktatorengehalt durch Nebenjobs in Drogenschmuggel und Geldwäsche aufbesserte. Da US-Präsidenten meist wiedergewählt werden wollen, schickten die USA gleich ihre Fallschirmspringertruppen und zerrten Noriega vor Gericht. Nach Verbüßung seiner Strafe in Miami wurde er dann an die undankbaren Franzosen überstellt, die ihn zu weiteren sieben Jahren Haft verurteilten.
Es ist jedoch nicht nur die wankelmütige Demokratie, sondern vor allem das exotische Rechtssystem, dass die USA zu einem schlechten Altersruhesitz für Diktatoren macht. Sammelklagen von vermeintlichen Opfern sind bei geldgierigen US-Anwälten sehr beliebt. So musste der Clan des nach Hawaii geflohenen philippinischen Diktators Ferdinand Marcos sich beispielsweise von amerikanischen Gerichten zu einer demütigenden Zwei-Milliarden-Dollar-Kompensationszahlung für die Opfer des Marcos-Regimes verdonnern lassen. Das schöne Geld! Gut, dass Profikleptokrat Marcos für seine Familie vorgesorgt hatte und vorrausschauend viel mehr Geld unterschlagen hatte.
Vive le dictateur!
Ein gemütlicherer Ort für autokratisch ausgerichtete Staatsmänner ist da schon Frankreich. Die “Grande Nation” bietet nun einmal alles, was das Diktatorenherz begehrt – schnuckelige Schlösser, teuere Boutiquen, standesgemäße Paläste am Cap d’Antibes und das gewisse savoir-vivre. Die Nähe zur Schweiz, die immer noch als Schatztruhe der Diktatoren bekannt ist, ist ein weiterer Standortvorteil. Frankreich liebt vor allem seine schwarzen Diktatoren, die das frankophone Afrika liebevoll während der postkolonialen Zeit betreuten. Doch auch Frankreich ist mit dem Fluch der Demokratie behaftet, der die Regierenden mitunter zu populistischen Querschüssen treibt. Dies musste beispielsweise der legendäre Jean-Bédel Bokassa erfahren. Bokassa ließ sich einst zum Kaiser von Zentralafrika krönen und man muss sicherlich keine Klage wegen übler Nachrede befürchten, wenn man ihn als komplett verrückten Menschenschlächter bezeichnet – Attribute, die für Diktatoren weder selten noch ehrenrührig sind. 1976 landeten französische Spezialeinheiten in Bokassas Reich und putschten die kaiserliche Hoheit zugunsten eines noch frankophileren – aber weniger verrückten – Diktatoren weg. Über den Umweg Elfenbeinküste ließ sich Bokassa schließlich in Frankreich nieder und verbrachte samt seiner Entourage ein luxuriöses Leben im Chateau d´Hadricourt in der Nähe von Paris. Alles hätte so schön sein können, hätte Bokassa nicht angefangen, seine Memoiren zu schreiben, in denen er unter anderem “enthüllte”, er habe sich mit dem französischen Präsidenten Giscard d´Estaing bei dessen Staatsbesuchen die Frauen geteilt. Das gefiel weder Giscard d´Estaing noch den französischen Wählern, die ihren Präsidenten nicht mehr wiederwählten. Bokassa musste daraufhin das Land verlassen und kehrte in der Hoffnung auf einen Blumenregen nach Zentralafrika zurück. Der Blumenregen blieb aus, Bokassa wurde stattdessen zum Tode verurteilt. Natürlich revidierte der amtierende Präsident das Urteil zunächst in lebenslange Haft und wenige Jahre später wurde der Kaiser im Rahmen einer allgemeinen Amnestie freigelassen. Wieder auf freiem Fuß ernannte er sich noch schnell zum 13. Apostel, starb wenige Tage später und hinterließ 17 Witwen und über 50 Kinder. Das ist der Stoff, aus dem Dikatoren-Legenden sind.
Solch bunte Biographien sind jedoch nur Diktatoren vergönnt, die es gut mit dem Westen meinen. Der ehemalige äthiopische Diktator Mengistu Haile Mariam beging den großen Fehler, seiner Junta einen kommunistischen Anstrich zu verpassen. Nachdem er gestürzt wurde, gab es jedoch nur noch im fernen Kuba waschechte Revolutionäre, die jedoch kein Interesse an den Altlasten der Weltrevolution hatten. Mengistu, dessen “Roter Terror” rund eine halbe Millionen Opfer forderte, lebt seitdem in einer Villa in Harare – Simbabwes Diktator Robert Mugabe ist der letzte Anlaufpunkt für schwer vermittelbare Diktatoren. Das Leben in Harare ist jedoch wenig glamourös, weshalb Mengistu mittlerweile an der Flasche hängt und wehmütig den guten alten Zeiten nachtrauert.
Altersruhesitz in der Wüste?
Ein sehr beliebter Altersruhesitz für Diktatoren ist auch die solidarische Diktatur Saudi-Arabien. Neben dem “Eroberer des Britischen Empires” Idi Amin ist die Küstenstadt Dschidda auch bei gestürzten pakistanischen Diktatoren sehr beliebt. Eine Vorrausetzung für die saudische Endlagerung ist jedoch der islamische Glaube – für viele Diktatoren ein unüberwindbares Hindernis. Vor allem bei den Diktatorenfrauen genießt Dschidda jedoch einen eher schlechten Ruf, da die großspurige Exaltiertheit, die nun einmal von einer echten Diktatorenfrau erwartet wird, unter einer Burka nur sehr schlecht zur Geltung kommt. Der arme tunesische Ex-Diktator Ben Ali kann einem da jetzt schon leid tun – es ist wenig wahrscheinlich, dass seine prunksüchtige Gattin Leïla mit einem Leben unter der Burka zufrieden ist und das Quengeln unzufriedener Frauen kann schlimmer sein als lebenslange Haft.
Standortfaktor Diktatorenfrau
Ginge es nach den Diktatorenfrauen, so könnten sich Hong Kong und Singapur als neue Hochburgen geschasster Diktatoren einen Namen machen. Beide Stadtstaaten haben mittlerweile die Schweiz in punkto Bankgeheimnis eingeholt und bieten durchaus ein würdiges Umfeld, um die geraubten Gelder auch auszugeben – was nützt es, wenn man Milliardär ist und in Dschidda festsitzt, wo es noch nicht einmal einen ordentlichen Single Malt gibt? Robert Mugabes holdes Weib Grace hat in Hong Kong bereits eine dreistöckige Villa im Wert von mehreren Millionen Euro gekauft und bereitet dort den Alterswohnsitz des Diktatorenclans vor. Zwar kommt es dort nicht so gut an, dass Grace Mugabe örtliche Photographen schon einmal mit ihren Brillantringen krankenhausreif schlägt, aber ein wenig Glamour schadet der Freihandelsenklave sicherlich nicht. Die Regierung in Peking sieht dies ohnehin gelassen.
Der aufmerksame Beobachter merkt ohnehin, dass Diktatorenfrauen als Standortfaktor von besonderer Wichtigkeit sind. Sie sind konsumfreudiger als ihre Männer, und meist auch wesentlich jünger und somit langlebiger als die Greise, die von ihrem Volk vertrieben werden. Ein großer Vorteil von Diktatorenfrauen ist es ferner, dass sie persönlich nur sehr schwer für die Verbrechen ihrer Männer haftbar gemacht werden und dadurch auch viel freier mit den Raubgeldern umgehen können. Oft sind Frauen auch die eigentlichen Gewinner millionenschwerer Kleptokratie. Wenn es im Exil zur Scheidung kommt, sitzen sie oft am längeren Hebel. So muss der geschasste haitianische Diktator Jean Claude “Baby Doc” Duvalier sich mittlerweile mit renitenten Schweizer Banken herumschlagen, die sein Geld eingefroren haben, während seine Ex Michelle Bennett nach der Scheidung ein glamouröses Leben an der Côte d’Azur führen kann.
Deutschland kann viel von diesen Fallbeispielen lernen. Wir stehen im internationalen Wettbewerb und haben durchaus Standortvorteile. Hierzulande gibt es keine gierigen Juristen, die wohlgesonnen Diktatoren ihre Investitionen mittels Sammelklagen abluchsen könnten, der Schwarzwald ist vor allem in den letzten Lebensjahren klimatisch wesentlich erträglicher als die saudische Wüste, und die Schweizer Goldschatullen sind auch nur einen Katzensprung entfernt. Wenn Deutschland sich dem globalen Wettbewerb um ausgebrannte Diktatoren stellen würde, müssten jedoch kleinere Änderungen an der Verfassung vorgenommen werden. Wir wollen doch alle, dass sich unsere Freunde hier so wohl wie zu Hause fühlen. Seid umschlungen, Diktatoren! Diesen Kuss, der ganzen Welt!
Jens Berger


YMMD ;-D
Herr Mubarak,
Ich denke ich darf für das ganze Deutsche Volk sprechen, wenn ich Ihnen (und hoffentlich auch Ihrer/n liebreizenden Ehegattin(nen)) nach den turbulenten letzten Wochen einen regenerierenden und erholsamen Aufenthalt in unserem schönen Land wünsche.
lol, sehr gut!
Auch sehr amüsant Frank und El Fefe im letzten Alternativlos. Im hinteren Teil widmen sie sich der Frage, wie man einen Diktator los wird. *g*
http://www.alternativlos.org/11/
Lieber Herr Mubarak,
wahnsinnig nett von Ihnen, dass Sie sich den Schuldenproblemen in Deutschland annehmen und Ihren Altersruhesitz bei uns planen. Danke!
Wie Sie in Heidelberg operiert wurden und jedesmal die ganze Innenstadt gesperrt war und das Krankenhaus für Sie und Ihr Gefolge ganze Flügel reserviert hat, damit haben wir Sie wohl überzeugt!
(…ist echt wahr. Das unterstreicht nochmal dass, was Volker Pispers meint: Der Konservative macht einfach nur gerne Geld, mit wem ist ihm egal. Deswegen ist Hosni in Ba-Wü auch bestens aufgehoben.)
Ich sehe die nächsten euphorischen Prognosen aus Wirtschaft und Politik schon vor mir. Ein richtiger Motor für die Schaffung von Arbeitsplätzen ist dieser Mubarak. ; )
Ein sehr guter Beitrag!
Besonders der Gedanke, dass sich auch Deutschland um solche “amtsmüden” Diktatoren bewerben solle.
Wenn sie sich dann mit einem Riesenclan z.B.in einem netten Schwarzwald-Weler zur Ruhe setzen, wie viele neue Arbeitsplätze könnten da für einheimische “Anständige”, “Arbeitswillige” entstehen.
Um eine sozialverträgliche Tarifgestaltung täte sich dann bestimmt Ver.di gern kümmern.
Wir wissen ja: Sozial ist was Arbeit schafft!
@SF
Ein wenig mehr für unser warmherziges Land hättest du schon werben können. Sonst sticht uns Italien im Konkurrenzkampf aus. Bedenke: Italien als Nachbar der Schweiz. Die schönen Villen. Frauen gibt’s auch spendiert. Mit der Mafia lassen sich kleine Geschäfte betreiben. Und der Vatikan war auch schon oft ein netter Gastgeber für Diktatoren und deren Helfer.
P.S.:
Oh, oh. Der Absatz könnte Ärger geben. ; )
FUCK! Gegen Italien haben wir keine Chance ;-)
Denk optimistisch! Ein richtiger Diktator braucht auch ein Feriendomizil. *hope*
So schlecht stehen wir gar nicht im Standortwettbewerb… In Sachen Kuscheljustiz (mit von oben angeordnetem Kuschelkurs) haben wir die Nase vor den Schweizern.
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,743757,00.html
So viel zur Weisungsgebundenheit der Staatsanwaltschaft.
P.s.: Der verlinkte SPON-Artikel ist nur aus der Printausgabe der SZ vom Wochenende abgeschrieben. Ohne die Quelle zu nennen. (Wie bei offenem Brief zu Gorch Fock hier bei Spiegelfechter). Vielleicht sollte der Süddeutsche Verlag sich mehr auf solche Rechtsverletzungen konzentrieren, statt die IP-Rechts-Keule gegen Commentarist zu schwingen, wo immerhin zitiert und verlinkt wird…
*zustimm*
bin gerade über einen weiteren, offensichtlich zusammengeklauten spon-artikel gestoßen. mehr dazu hier
mit diesem hier und der gorch-fock sache ist das jetzt der dritte der mir innerhalb weniger tage begegnet. zufall oder ein trend?
Das habe ich doch schon mal gesehen:
http://www.thedailyshow.com/watch/mon-january-31-2011/let-s-go-exile—-hosni-mubarak
Großartig!
Zwei Dumme, ein Gedanke … oder wie wir Angelsachsen sagen: Genius minds think alike ;-)
Ich hab das (noch) nicht ganz zu Ende gelesen:
Aber was nun?
Der Westen soll also alle Diktatoren dort stürzen oder immer gestürzt haben. Sie sind also alle nur vom Westen installiert worden? Selber haben die dort nie was (außer … aber lassen wir das) gemacht. Nicht gerade schmeichelhaft für diese Völker.
Wenn der Westen (gegen Diktatoren) eingreift: Kuwait, Irak, Afghanistan ist es aber auch nicht recht. Er macht es ja nur zu seinem eigenen verkommenen Interesse. Was soll er eigentlich tun?
Wie wärs wenn die Diktatur im Iran beseitigt würde?
Wie sagte doch jemand bei Maybrit Illner:
der Westen hat eigentlich immer nur eine der beiden Möglichkeiten: „Er kann es falsch machen oder verkehrt machen, aber er wird für beide Optionen immer zur Verantwortung gezogen“
Ich könnte die Gegenglosse hier sicher leicht fortführen.
Ja, der arme Westen, da hast Du Recht. Welche Diktatoren hat der Westen eigentlich noch mal in Kuwait und Afghanistan gestürzt? Das ist mir doch glatt entfallen.
Also in Kuwait hat “der Westen” Saddam zurückgeschlagen, der hätte Kuwait sonst dem Irak einverleibt und den Ölpreis verteuert. Und in Afghanistan hat er die Taliban zunächst (vorübergehend) mithilfe der Nordallianz gestürzt.
Beide Male ging er (geht er) kriegerisch bzw. “Konflikt-asymmetrisch” gegen Diktatoren (Diktaturen, Terroristen) vor. Wobei ich jetzt nicht weiß ob man das Afghanistan von damals (oder auch das von heute) überhaupt als Diktatur bezeichnen konnte oder ob es nicht eher ein von Terroristen beherrschtes failed Warlord Gebiet war (und leider partiell immer noch ist). Wenn auch die EKD dort Fortschritte zugesteht und ich daher auch glaube, dass es diese gibt, auf wie wackligen Beinen die auch stehen mögen.
Aber es ist schon richtig: meine Ausführungen waren nicht ganz wörtlich zu verstehen und hätten streng genommen noch andere leichte logische Ungereimtheiten. Aber darum ging es ja auch nicht.
Axel schrieb am 8. Februar 2011 at 20:01 – Permalink Antworten Es geht in diesem Beitrag doch nicht um alle Diktatoren sondern um “unsere” Diktatoren.
Dass z.B. Herr Westerwelle diesen Kim.jun. aus N.-Korea nach einem Sturz nach Deutschland einladen würde, oder Fidel Castro, kann als ausgeschlossen gelten.Der Diktator Erich Honecker erhielt nur “Asyl” in Moabit……
Aber dieser Mubarak, warum erhielt er für seine verschiedenen “Sicherheitsdieste” allein aus den USA in den letzten 30 Jahren gute 70 Mrd. Dollar an “Hilfe”?
Auch unsere Berliner Oberdemokraten pumten zu ähnlichen Zwecken eine Menge Geld, manchmal getarnt unter dem harmlosen Beĝriff “Entwicklungshilfe” zu “unseren” “Stabiltätsfaktor”, nach Kairo.
Mubarak war – und soll es nach den heissen Wünschen unserer Berliner Oberdemokraten “vorläufig” auch bleiben! -nun mal auch “unser” Freund und Partner, verdient(e) daher von unseren demokratischen Politikern allen Respekt und Hochachtung- und natürlich bei Bedarf auch Asyl.
Der Westen kann es richtig machen, wenn er konsequent bliebe. Der Iran wird medienwirksam an seine Menschenrechtsdefizite erinnert, wie ist es mit Saudi Arabien?
Oder anders herum:
Der Westen verzichtet auf das Werben um westliche Werte, hält’s wie China, und sagt, dass seien alles interne Angelegenheiten, in die wir uns nicht einmischen, und benennt die Gründe für schlechte wie gute Beziehungen mit diktatorischen Regimen ganz offen so wie es eben ist: geopolitische Interessen.
Guter Artikel, aber nicht vollständig – es gibt noch 100ter die “wir” aufnehmen könnten. “Wir” sind lernfähig……
Grundgesetzänderung? Wozu? Wer läuft schon mit dem GG unter dem Arm herum? (frei nach Schilly)
Sehr guter Artikel, Jens ! :-)
Schade, daß hier nichts ändern wird. :-(
Lange nicht so breit gegrinst :]
Danke für, auf so einen Beitrag warte ich in der dt. Bloggerszene schon lange, d.h. auch ausserhalb.
Ich hoffe, dass dieser auch bei Nachdenkseiten verlinkt wird.
Die Verlogenheit der letzten Tage kommt übrigens, um es noch einmal zu erwähnen, auch beim Umgang mit kommunistischen Diktaturen der heutigen Tage voll zum Zuge, aber ich will die Thematik um die Volksrepublik China, dem treuesten Handelspartner Deutschlands, und einer eiskalten Gulag-Diktatur, nicht wieder aufwärmen. Wurde ja bereits darüber geschrieben hier.
Ich bleib dabei, sicher macht Deutschland auch Geschäfte mit anderen kommunistischen Diktaturen dieser Tage, die den Untergang des Kommunismus 1992 überlebt haben – Nordkorea z.B. oder (noch besser) die Volksrepublik Vietnam.
Auch der ein oder andere rechtsextreme Diktatur dieser Tage macht sicher glänzende Geschäfte mit Deutschland, z.B. Honduras oder Kolumbien in Lateinamerika, und andere rechtslastige Diktaturen in Afrika bzw. Europa oder Asien.
Ich bin sicher nicht einmal Islamisten stören die Deutschen, wenn es um Handel oder Urlaub geht, Lybien und Saudi Arabien seien hier genannt.
Hauptsache der Rubel rollt, alles andere – insbesondere Menschenrechte im In- und Ausland “rechnen sich” für dt. Wirtschaftsbosse und MachtpolitikerInnen nicht.
Da macht man sogar mit Völkermördern wie Al Baschir, der eigentlich vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag als Massenmörder gehört, glänzende Geschäfte.
Gruß
Bernie
Unterhaltsam zu lesen, danke. Der Grat, auf dem die Politik der westlichen Länder wandeln muss, ist allerdings extrem schmal. Man sollte nicht allzu oft spötteln – das richtige Maß zu finden zwischen strategischen, moralischen und realpolitischen Interessen des eigenen wie der fremden Völker, wer wollte sich das denn anmaßen?
Manchmal sind Real- und Moralpolitik schwer bis gar nicht unter einen Hut zu bekommen. Und im nachhinein wollen es ja eh immer fast alle schon lange besser gewusst haben, vor allem die vom hohen Roß der Moral billig, da ohne Verantwortung für das reale politische Tun und dessen unendlich vernetzten Auswirkungen kommentierenden Medienleute. Einschließlich der Blogger :)
Hier eine (auch sehr unterhaltsam geschriebene) Glosse der ‘anderen Seite’. Aber welcher gute Empörer will sich schon mit Realitäten und Sachzwängen aufhalten, wo er sich doch so schön vom Sessel aus moralisch ereifern kann :)
Ich kam nach Hause,
ich lese und
ich kann es einfach nicht fassen
SF, ich habe deine literarischen Fähigkeiten nie unterschätzt, dass du es so gut kannst, habe ich nicht gedacht (fast schäme ich mich deswegen ein bisschen)
Die besten Infos gibts bei twitter unter #tahrir und #jan25 live und direkt von den Revolutionären.
Ganz gut fand ich Don Alphonsos Blog bei der FAZ zu Ägypten mit Liveblogging schon seit paar Tagen:
http://faz-community.faz.net/blogs/sofa/archive/2011/02/08/in-kairo-nichts-neues-nur-bewundernswerte-geduld.aspx
Ansonsten gibts auch Nachrichtenblogs auf englisch beim Guardian, NYT und bei Al Jazeera. Spiegel Online hat seinen gestern allerdings wieder eingestellt.
Noch mehr Tips?
@SF
Tolle Glosse, nur den Schwarzwald als Diktatorenasyl anpreisen, das geht nun mal gar nicht. Wir haben hier mit dem Mappus schon an einem Möchtegern-Diktatörchen zu leiden. Wenn der sich von altgedienten Diktatoren weiterbilden lässt, wird es hier sehr ungemütlich. Und das nicht nur am Bahnhof des himmlischen Friedens.
Bleibt mir ja weg mit den diktatorischen Typen aus dem Schwarzwald. Muss auch noch das letzte Reservat vollends versaut werden?
Mubaraks Ägypten dürfte im Vergleich mit dem von den Linken so geschätzten Iran gar nicht mal so schlecht abschneiden, hinrichtungsmäßig zum Beispiel. Mubarak hat außerdem – in der Nachfolge Sadats – dafür gesorgt, dass der Antisemitismus nicht zum bestimmenden Element der ägyptischen Außenpolitik wurde, trotz entsprechenden Drucks von innen. Und vielleicht ist die bisherige Abwesenheit von Parolen aus dieser Ecke bei der protestierenden Jugend ja auch Ergebnis dieses Kurses.
Was die Bereicherung anbelangt, so bewegt man sich natürlich im Bereich der schnell hochkochenden Vermutungen. Als guter Tip für den reichsten Politiker war mir bisher jedenfalls Putin bekannt, samt Ehefrau.
Daher weiß ich nicht recht, was das oben wiederholte “der Westen” für eine Bedeutung haben soll.
Familie Mubarak hat durch unermüdliche harte Arbeit 40 Milliarden Dollar Privatvermögen angesammelt. Im Staatsfernsehen wurde bis gestern behauptet, “Ausländer”, speziell “Israelis”, wahlweise auch “Iraner” bzw. “Hamas”, hätten die Unruhen angestiftet. Die Protestierer würden mit “Kentucky Fried Chicken” beliefert.
Richtig, übertroffen wird Iran da nur von China, aber die haben auch ein paar mehr Einwohner. Die Spitze, das Iran “bei den Linken” so geschätzt sei, ist übrigens an Albernheit kaum zu überbieten. Venezuela, Bolivien und oft auch Kuba sind bei vielen Linken idT beliebt, aber Iran? *hüstel*
Antizionismus heißt das Wort, nach dem Du so verzweifelt gesucht hast.
Was die freie Presse so alles schreibt ;-)
So, ist Russland nun der Westen? Seltsam.
Bei mir auch, und wie, und ich bin ganz sicher nicht links sondern sozialliberal. Ach ja, Klasse ist das natürlich auf Kuba, wenn man Geld hat und Toruist ist, also nicht auf Dauer und unter den Verhältnissen der Kubaner leben muss.
@Elwu
Du scheinst bei Kuba noch auf dem Stand von Fidel Castro stehen geblieben zu sein? Oder?
Da hat sich unter Raul Castro, für Kapitalisten, aber so einiges zum Guten gewendet.
Man lese und staune über Kuba dieser Tage:
http://amerika21.de/nachrichten/2011/01/22224/deutschland-kuba-solidaritaet
….man lese aber wirklich, denn die “Kuba Solidarität” stellt sich gerade auf ein folgendes Kuba um:
“[...]Essen/Havanna. Aktivisten der Kuba-Solidaritätsbewegung in Deutschland bezeichnen die aktuelle Debatte in Betrieben und Massenorganisationen über wirtschaftspolitische Neuerungen in dem sozialistischen Karibikstaat als “historische Herausforderung” und heben den “demokratischen Beteiligungsprozess” dabei hervor[...]”
Kuba ist auf dem besten Wege in den Kapitalismus, aber hoffentlich nicht in einen solchen wie den der Volksrepublik China, oder der angelsächsischen Länder.
Übrigens zu deinem Linken-Bashing, “Links” existiert so für mich nicht, denn neuerdings nennt sich jeder Rechtsneoliberale, wie z.B. Guido Westerwelle (FDP) vor den Wahlen “Linker” – frei nach dem Motto: links blinken, aber rechts abbiegen – und dies meist vor wichtigen Landes- oder Bundestagswahlen. Der Begriff “Links” ist ein Opfer der neoliberalen Wortumdeutung geworden, “rechts” noch nicht, da ist noch klar erkennbar wo ein “Rechter” steht – nach den Wahlen an seinen Taten ablesbar – siehe eben Guido Westerwelle und Von Zu Guttenberg, die sich vor der Wahl einmal “links” und “volksnah” geben und danach der Devise von Adenauer folgen “was interessiert mich mein Geschwätz von gestern”.
Das Phänomen war sehr gut bei Ex-Kanzler Schröder und seinem Vize Joschka Fischer zu beobachten, und nun fahren deren Nachfolger queerbeet durch alle Parteien eben dieselbe Schiene, die da heißt “links blinken, aber rechts abbiegen”.
Gruß
Bernie
“sozialliberal” ist das nicht die neueste Wortverballhornung von rechtsneoliberal? Da erklärt sich dein Linken-Bashing ja ganz von allein: Zuerst die Wirtschaft an die Wand fahren, und die Schuld dann auf Unschuldige (=Linke) abschieben, das nennt man in Zeiten der Aufschwung-Lüge “sozialliberal”.
Nicht wahr
frägt sich
Bernie
Ah, mal wieder einer, der sich gar nicht erst nicht mit Sachlichkeit und Themenbezogheit aufhält, sondern ad personam stänkert. Aber jeder wie er kann.
Davon ab: welches Linken-Bashing betreibe ich in dem Dreizeiler, zeig? Und dein kurioses Verständnis von ‘sozialliberal’ nehme ich zur Kenntnis, kommentiere den verkrampften Unsinn aber natürlich nicht weiter.
Stimmt. Ohne Geld sind freie, demokratische Staaten wie die USA viel angenehmer. Man findet eventuell ein Zelt auf dem Müll. Essen liegt da sowieso immer rum. Super. Das ist ein Leben in Saus und Braus.
Gut, dafür muss man Abstriche bei der Krankenversorgung machen, aber welches System ist schon perfekt? Gelle.
Natürlich darf Mubarak nach Deutschland, er ist ein alter Freund und herzlich willkommen. Aber nur mit Integrationstest und deutschen Sprachkenntnissen.
Aber eine Arbeitserlaubnis bekommt er trotzdem nicht!
Brauch er auch nicht. Er hat ja quasi ein leistungsloses Einkommen.
Natürlich nur, wenn er all seinen Milliarden mitbringt. Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass er diese in Ägypten “vergisst”.
Schöne Satire. Schade, dass es eine Realsatire ist :-). Zwei Fehler haben sich eingeschlichen:
1)
Das Grundgesetz muss nicht geändert werden. Man läßt die Softies vom BVerfG ihre Urteilchen herunterlabern und beachtet sie einfach nicht.
2)
Freudscher Verschreiber?: “Vo r r ausetzung” Bevor er zu Rau (Johannes – also ins Jenseits) gesetzt wird? Und (Korinthenkack) ein “vorrausschauend” habe ich auch noch gefunden :-).
Und ich spalte mal Haare: “halbe Millionen Opfer”
Ansonsten ein köstlicher Text mit einem bitteren Nachgeschmack!
Wie seht ihr die Stabilität der Regime in anderen Ländern so wie Russland, China oder auch Venezuela? Könnte es dort in einigen Monaten/Jahren ebenfalls zu Revolutionsbestrebungen kommen? Immerhin werden diese Länder ebenfalls von “Nicht-Demokraten” geführt und der Aufschwung geht in den Provinzen an den Ländern komplett vorbei.
Warum gehen eigentlich die Menschen in Kuba nicht auf die Straßen?
@ TutnichtszurSache
Keine Bange, Putin hat sein Land im Griff.
Vergiß nicht, er ist ein ex-KGB-Mann (in Wirklichkeit gibt es keine “ex” beim KGB. “Einmal KGB, immer KGB”) und die Jungs lernen ganz gut aus den Fehlern von Anderen.
PS. Ich wußte nicht, daß Rußland eine Diktatur ist. ;-)
China: “Platz des himmlischen Friedens”.
Ein zweites Mal wird sowas nie passieren.
Die westlichen Geheimdienste haben keinen Zugang zu Kuba und Venezuellas Chef lernt von Castro sehr viel.
“[...]Die westlichen Geheimdienste haben keinen Zugang zu Kuba und Venezuellas Chef lernt von Castro sehr viel[...]”
Yep, aber zu Honduras, und den Massenmördern in Kolumbien schon, und die dortigen Chefs lernen so einiges von der rechtsextremen fdp-Friedrich-Nauman-Stiftung – Insbesondere wie man Menschen spurlos in Massengräbern verscharren darf.
Ich wüßte nicht wo ein Völkermord in Venezuela und Kuba stattfindet, aber bei Honduras und Kolumbien sehe ich da einige Anlässe zu einer Klage in Den Haag – Ganz im Gegensatz zu Kuba und Honduras.
Venezuela in einem Atemzug mit Russland und China zu nennen, ist schon gewagt. Ganz so diktatorisch ist Chavez nicht, wie der Westen es immer gern hinstellt.
Die Wahl im Herbst letzten Jahres zeigte, dass die Zustimmung für Chavez zurückgeht. Das liegt vor allem daran, dass – wie du bereits sagtest – der “Aufschwung” bei der Mehrheit nicht ankommt. Chavez hat es verpasst die Wirtschaft massiv umzustrukturieren. Das zeigte sich z.B. als ziemlich genau vor einem Jahr noch der Strom rationiert worden war (Hindergrund: Hauptquellen für Strom sind die Wasserkraftwerke; im Winter aber herrscht dort meist Trockenheit; ab Januar musste die Stromgewinnung zeitweilig gedrosselt werden). In den Städten fiel somit zwei-/dreimal die Woche meist nachmittags für ein paar Stunden der Strom aus.
Desweiteren ist die Korruption immer noch enorm hoch. Auch die Kriminalität (besonders die “Kleinkriminalität”) ist beachtlich. Problematisch ist auch der Geld-Schwarzmarkt, der von den Banken gestützt wird. Probleme gab es auch, als die Supermärkte ihre Preise anzogen (Folgen: Verstaatlichung; zeitweise Lebensmittel vom Militär geliefert).
Aber es gab auch einige anerkennenswerte Reformen – u.a. auch außenpolitisch (ALBA). Doch die anfängliche Euphorie mündete bald im Verdruss. Immer wieder gab es auch im letzten Jahr kleinere Proteste, die vor allem von jungen Leuten getragen werden.
Häufig zeigt sich aber in Venezuela ein gewisses Desinteresse an Politik. Die Menschen sind, nachdem es anfangs Hoffnung gab, abermals enttäuscht worden. Man sieht wenig Alternativen. Der Opposition stehen viele skeptisch gegenüber, da es zweifelhaft ist, ob diese das Land überhaupt geordnet(!) führen könnten. Auch wenn sich in den Medien vorort ein anderes Bild darstellt, was daher kommt, dass die meisten Medien mit der Opposition “im Konsens stehen”.
Da die meisten Venezolaner generell misstrauisch/kritisch gegenüber den Medien sind (nicht nur gegenüber den Medien; Venezolaner sind an und für sich misstrauisch; gut zu sehen an den Gittern der Türen und Fenster => Grund: u.a. Kriminalität, Korruption), ging der Schuss der Opposition teilweise nach hinten los.
(Trotzdem lassen sich viele Venezolaner ab und an gern vom US-Amerikanischen Programm einlullen. Und nebenbei verfällt man auch schonmal der Propaganda.)
Was soll nach Chavez kommen? Die Mehrheit ist aus Erfahrung skeptisch, gleich welche Alternative ihr geboten wird. Es gibt dennoch viele Anhänger von Chavez. Einen derart gewaltsamen Umsturz wie in Ägypten halte ich für unwahrscheinlich.
Venezuela ist reich, an Rohstoffen mangelt es nicht – aber der Gewinn ist eben falsch verteilt (wie so oft). Mal im Klartext: Mit der USA und Europa liegt man im argen, da Chavez nicht einfach billig das Öl rausrücken will. Und da verteufelt man Chavez schnell, wenn dieser Interesse am iranischen Atomprogramm zeigt (Klingelt’s? Nee, keine Bomben. Kraftwerke für Strom.). Ein weitere Grund, warum das Verhältnis zw. USA und Venezuela sich weiter abkühlte, war der Austritt Venezuelas aus der Andengemeinschaft. Klar, da muss dann auch der Friedensnobelpreisträger Obama (*rolleyes*) erst einmal Pläne schmieden, wie er denn die neuen Militärstationen in Kolumbien errichtet. Laut den westlichen Mainstream-Medien (und den westlichen Politikern) hat sich Kolumbien in den letzten Jahren angeblich gebessert. Und wie üblich wird gern über Para-Militärs, Drogenhandel und Menschenrechtsverletzungen (z.B. Vertreibung) hinweggesehen.
Was die Menschen wollen? – Wohlstand, kein Krieg und schon gar nicht eine Revolution Chavez stellt sich hier selbst das Bein, wenn er immer über Revolution im Süden spricht. Die Menschen wollen Veränderung, aber Revolutionen haben sie genug erlebt. Also was braucht das Land? – Starke Reformer.
@Ko-Mike
Die Venezuela-Basher wollen einfach nicht informiert sein, denn die sehen allein im Wort “sozial” schon den reinsten Sozialismus/Kommunismus.
Die sollten eher einmal hier vorbeischauen, um informiert zu sein:
http://amerika21.de
….Tun die aber sicher nicht, denn die pflegen lieber uralte Vorurteile, siehe oben.
Gruß
Bernie
@TutnichtszurSache
Was deine Vorurteile über Venezuela und Kuba angeht, da empfehle ich dringendst einen Besuch dieser Seite:
http://amerika21.de
Die einzigen Diktaturen in diesen Ländern sind Kolumbien, Honduras (FDP-Putschisten regieren dort), und die anderen rechtsneoliberalen Länder (z.B. Peru, Mexiko oder Chile).
Die ALBA-Länder sind schon seit Jahren auf dem Weg der wirtschaftlichen Besserung – Einzig was du über China und Russland schreibst stimmt, aber das andere ist eben unqualifiziert, da du die Verhältnisse in Lateinamerika offensichtlich nicht zur Kenntnis nehmen willst.
Gruß
Bernie
@Bernie @Ko-Mike
Vielen Dank für eure Ausführungen. Ich habe mich letztes Jahr in Kanada mit vielen jungen Menschen (meist Studenten) aus Venezuela unterhalten und was die mir berichtet haben klang nicht sehr schön.
Ihrer Meinung nach ist alles aber auch wirklich alles unter Chavez schlechter geworden. Die Wirtschaft, die Inflation, die Korruption und vorallem die Kriminalität! Den Menschen geht es schlechter als vorher, weshalb diese Studenten nach Kanada auswandern wollten bzw schon ausgewandert sind.
Interpretiert bitte nicht zu viel in meine Fragen hinein. Ich habe lediglich mal einzelne Länder als Beispiel genannt, weil über die sozialen Zustände der genannten Länder in den deutschen Mainstream MEdien wenig bis gar nicht berichtet wird. Man schreibt lieber über Chodorkowskis Veruteilung, Chinas Immobillienboom, Chaves Enteignungen und über Kastros möglichen Tod. Ich habe also weder die Absicht gehabt Kuba mit China oder Russland mit Venezuela zu vergleichen!
@ Truvor
Wenn Putin das Land im Griff hätte, gäbe es keine Terrorangriffe in Russlands Großstädten und desweiteren habe ich Russland nicht als Diktatur bezeichnet.
Die Studenten aus Venezuela sind sicher vom rechtsneoliberalen kanadischen Regime mit Einbürgerungszusagen bestochen worden, um derart unverschämte Lügen über die Zustände in ihrem Heimatland unter dem Heiland der Linken, Chavez, zu verbreiten :)
@Elwu
Danke für deine Ausführungen, aber siehe hier:
“[...]1. Feb 2011 | Deutschland | Venezuela | Militär
Adenauer-Stiftung präsentiert Chávez-Gegner in Berlin und Brüssel[...]”
Quelle und kompletter Text:
http://amerika21.de/meldung/2011/01/22231/kas-venezuela-opposition
Seltsame Diktatur die eine Opposition, ganz im Gegensatz zu den neoliberalen “Eliten” anderer lateinamerikanischer Länder, nicht einsperrt und ermorden läßt – diese Diktatur des Hugo Chavez, die gescheiterte Neoliberale so sehen wollen.
Gruß
Bernie
Was hast du für einen Heiland? A.H. oder Mubarak doch gleich ;-)
@TutnichtszurSache
Subjektiv gesehen mag das so sein. In der Tat gibt es viele Menschen die auswandern – gemessen an der Gesamtbevölkerung ist das aber gar nicht sooo viel. Bevorzugt wird vor allem Spanien bzw. die Kanaren. Zwischen Venezuela und den Kanaren besteht eine enge Verbindung diesbezüglich.
In diesem Zusammenhang sei erwähnt: Wer waren denn die Leute die Kuba verließen nach Castros Machtergreifung? *Augenzwinker* Und die kanadische Staatsbürgerschaft zu erlangen, ist um einiges “schwieriger”.
Ich möchte keineswegs an der Politik Venezuelas beschönigen. Aber man muss das schon eindeutig differenzierter im Vergleich zu China und Russland sehen. Die Verhältnisse sind sehr verschieden (man betrachte z.B., wie bereits hier erwähnt, die Opposition in der Öffentlichkeit; oder die militärische Konstellation).
Salopp und kurz gesagt: Chavez hatte einen guten Start. Leider konnte auch er die Wirtschaft nicht anders bändigen als mit Verstaatlichung. Dabei muss man sich natürlich auch die Absichten der Wirtschaft und deren Rolle klar machen (z.B. Geld-Schwarzmarkt, Öl-Industrie).
Mach ich auch nicht, aber deine erste Aussage kann für andere ein falsches Bild erzeugen. Dieses versuchte ich nur ein wenig richtig zu stellen.
Da liegt das Problem. Informationsmangel bis hin zu falschen Interpretationen. Vor ein paar Jahren war ich auch noch ein wenig ahnungslos, was Südamerika anbelangt.
@Bernie
Ich werde mich mal mit deinen Links beschäftigen. Meine Einschätzung fußt aber weniger auf Medien-Berichten etc., sondern von Menschen vorort (Quellen in der Region Bolivar, der Stadt Caracas und der Uni-Stadt Merida).
@ TutnichtszurSache
Du vergleichst unvergleichbare Sachen.
Einen Terrorangriff (-anschlag) kann man nicht mit einer Revolution bzw. einem Aufstand vergleichen.
Einen Terroranschlag kann sogar ein Einzelner (z.B. irgendein bekloppter Idiot und kein “Beruflicher”-Terrorist) ausführen.
In den USA hat es einen Mega-Terroranschlag (in Wirklichkeit mehrere) am 11.09.01 gegeben.
Du willst doch nicht sagen, daß die US-Regierung nach diesen Anschlägen ihr Land nicht im Griff hat ?
In Großbrittanien und Spanien hat es auch mehrere Terroranschläge gegeben.
Du willst doch nicht sagen, daß die Regierungen, der oben genannten Staaten, ihre Länder nicht beherrschen ?
Eine Revolution/Aufstand und ein Terrorangriff sind zwei absolut verschiedene Dinge, die nie und nimmer vergleichbar sind.
In Jelzin-Ära hat es unzählige Terroranschläge in Russland gegeben.
Russland lebte trotzdem weiter.
In Putins- und Medwedews-Epochen gab es auch mehrere Terroranschläge in Russland, die sich im Endeffekt als Mückenstiche für den Staat bzw. das Regime erwiesen und erweisen.
Russland hat zwei sehr blutige (für beide Seiten) Kriege überstanden, die an ihrem Ausmaß gleich hunderte Terroranschläge übertreffen.
Und wie Du siehst, das ganze hat nicht das Regime erschüttert.
Man braucht viel mehr, um in Russland eine Revolution einzuleiten.
Die Studenten wären die Letzten auf der Welt, die ich über ein (egal auch welches) Land (bzw. Regime) befragen würde.
Sie (Studenten) sehen meist diese Welt durch eine liberale Brille und ihnen fehlt auch das praktische Wissen über (sogar) ihr eigenes Land.
Wenn Du über Hugo und seine Erfolge was erfahren willst, dann suche Dir am Liebsten andere Quellen (Ist nur ein Rat von mir. Will in keinem Fall belehrerisch sein).
@ Ko-Mike
Zitat:
Chavez hatte einen guten Start. Leider konnte auch er die Wirtschaft nicht anders bändigen als mit Verstaatlichung.”
Genau dies wurde mir ebenfalls berichtet. Chavez hat es salopp gesagt verkackt. Hab Dank für deine Ausführungen!
@ Truvor
Ich will gar nichts vergleichen. Ich sage nur, wie es ist. Russlands Machthaber haben weniger im Griff als sie denken, insbesondere was Terroranschläge/ Kaukasus aber auch was die soziale Ungerechtigkeit im Land angeht.
Naja Studenten, die aus ärmeren Familien kommen (aus meiner Sicht) und den letzten Cent zusammen gespart haben und als Putzhilfen oder Küchenhilfen anfangen zu arbeiten um ein neues Leben zu starten oder sich ein wenig Geld zu erarbeiten, weil dies im eigenen Land kaum möglich ist, kann man wohl kaum liberal bezeichnen ;)
@ TutnichtszurSache 9.Februar 2011 at 15:25
Denkst Du es interessiert jemanden im Kreml, was im Kaukasus geschieht und wie es den Menschen dort geht ?
Nicht umsonst hat Putin all diesen Kadyrows & Co. die ganze Macht im Kaukasus geschenkt.
Kreml überweist jeden Monat riesige Summen (der ganze Kaukasus existiert auf Kosten der Russen) an die Klein-Fürste da unten.
Und was mit diesem Geld passiert interessiert im Kreml niemanden.
Die soziale Ungerechtigkeit in Russland und die soziale Ungerechtigkeit in einem anderen (insbesondere westlichen) Land sind zwei verschiedene Sachen.
Das, was Du als “soziale Ungerechtigkeit” bezeichnest, ist ein normaler Zustand in Russland (bzw. für die Russen).
Sie können einfach viel mehr zurückstecken als die meisten anderen.
Also, um das Volk auf die Straße zu bringen, müßte noch einiges passieren in Russland (sie haben einfach keinen Bock mehr auf irgendwelche Revolutionen).
Noch eine kleine Empfehlung von mir: Nicht so viel Mainstreammedien im Bezug auf Russland zukonsumieren.
Die Studenten (beispielweise) aus der Sowjetunion kamen aus den gleichen, wie von Dir beschriebenen, Verhältnissen.
Viele von ihnen hatten sogar gewisse Lebenserfahrung vor dem Studentenleben.
Trotzdem wußten sie nichts über ihr Land.
Nach wenigen Monaten ihren Studentendaseins haben die Meisten von ihnen nur noch naiven Scheiß von sich gegeben.
Dieser liberale Gequatsche ist offensichtlich ansteckend.
Du sollst aber nicht denken, daß nur die sowjetische Studenten so naiv waren oder sind.
Die Studenten dieser Welt sind alle gleich, egal ob sie in einem demokratischen Land kommen oder aus einer Diktatur.
Mir fällt folgendes ein:
(ich hab immer die Glosse noch kaum gelesen, muß bis Morgen warten)
Der Westen hat ja Mubarak gestützt.
Ein Faktum!!
Natürlich hat er ihn dann auch als seinen Gewährsmann installiert.
Ein Faktum??
Ich habe zwar beim Studium der Wikipedia über Ägypten keinen direkten Hinweis darauf gefunden. Aber es wird sicher so gewesen sein. Wenn nicht, dann hätte der Westen freilich versuchen können die Diktatur(en) dort zu “unterminieren”, Aber wie? Doch vorzugsweise nur mit Krieg. Sanktionen treffen nur das Volk und fromme Wünsche nützen wenig. Aber Krieg darf er doch auf keinen Fall. Und auch ich wüßte nicht, wie ich Krieg für diesen Zweck befürworten sollte.
In der aktuellen Situation hat der Westen ja Mubarak nicht oder nicht schnell genug gestürzt und zögert immer noch?. Dadurch können sich die Eliten dort sammeln und eventuell eine vom Westen wiederum initiierte neue Diktatur ausdenken. Denn wer sagt, daß der Westen im Hintergrund nicht schon wieder die Fäden zieht. Also Vorsicht mit Hoffnung auf Demokratie. Und wenn dann nur zu den Interessen des Westens?
Oder hat der Westen vielleicht aktuell weise gehandelt. Der Westen doch nicht!
Oder hat er jetzt gar keinen Einfluß auf den Prozeß?
Dann hat man seine Einflußmöglichkeiten zuvor vielleicht überschätzt?
Ah, auf die Russen ist auch kein Verlass mehr. Das Casino in Baden-Baden hat letzten Monat zum ersten mal (nach langer Zeit oder überhaupt?) Verlust gemacht und da kann so eine Diktatorfamilie nicht schaden. Wäre ja nur ein Katzensprunk von Bühl runter nach Baden-Baden. Und wenn so eine Familie aus dem heissen Süden zu uns kommen würde, dann würden sicherlich auch die Pelzläden profitieren.
Als Freund kranker Diktaturen (im Sinne des Betrachters) und langjähriger Leser diverser Bücher über diese Erscheinungen möchte ich gerne drei Bücher empfehlen, welche auf das ganze Elend hinzielen:
1. Author : The Shahs Last Ride von William Shawcross .
Welch ein Elend; ein großer Kumpel des USA wird abgefertigt. Und dazu noch die ganze Elendsgeschichte des Iran. Ganz amüsant; spannend und ein wenig hat man fast Mitleid mit diesem Diktator. Aber zum Schluss geht es ja gut aus, wie wir alle wissen; oder ???
2. Margaret Thatcher – Downing Street No. 10 von Margret Thatcher
Eigentlich fast nur eine Anweisung, wie man eine Demokratie demütigt; ganz im Diktatorenstil. Es wird ja jetzt ein Film mit Merryl Streep als Thatcher herauskommen. Mal sehen, ob sie das Biest wirklich spielen kann.
3. Zu Besuch bei Diktatoren von Peter York.
Eines meiner Lieblinge. Schöne Bilder und eine zerklitternde Analyse von Peter York; einem Stil- und Einrichtungsspezialisten. Was will man mehr; Diktatoren in ihrer lächerlichen Möblierung zu analysieren. Macht wirklich Spass.
Zu Mubarak : Ich denke, es geht ihm wirklich nur darum, seine Pfründe rauszuschaffen. Im Schwarzwald ? Was für eine Vorstellung. Aber eigentlich kein dummer Gedanke dieses Staates. Wer unterstützt kann auch aufnehmem. Fast schon christlich oder wie Roland Polandtz CDU sagt: Menschenrechtlich ! Was für eine fürsorgende Seele.
Danke an Dich Spiegelfechter. Langjähriger Leser von Dir. Wie immer; Dein Artikel passt !
Es wird von Tag zu Tag immer offenbarer, welch verlogender Sauhaufen diese “demokratische” Bundesrepublik Deutschland doch ist. Da geben unsere Polütiker den Ägyptern Revolutionstipps und zuhause werden die Stuttgarter Anti-Bahnhof- Demonstranten wie die letzten Staatsfeinde zusammengeknüppelt und zusammengespritzt.
Derweil streng man sich an, einen Unterdrücker zu hofieren und ihm Asyl zu gewähren.
Und dann auch noch “Westliche Werte”? Dass ich nicht lache. Wenn wir schon jemanden aufnehmen, dann sollte es Julian Assange sein. Dann könnte Madame Merkel endlich beweisen, dass sie Titten in der Bluse hat und Deutschland wirklich souverän ist.
Du irrst dich. Das sind in der Tat westliche Werte.
@Systemfrager
An Jean Zieglers “Der Hass auf den Westen” gedacht?
Dieser Schweizer Globalisierungskritiker schreibt ja schon seit Jahren gegen die westliche Doppelmoral an, die im Falle Ägypten nun auch in Deutschland immer mehr ersichtlich wird.
Die “westlichen Werte” kranken ja schon seit 1789 an der Doppelmoral:
Auf der einstigen Insel Haiti wurde damals ein schwarzer Spartakus besiegt, von Revolutionstruppen der Franzosen, während man in Europa das hohe Lied der Großen Französischen Revolution sang, die “Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit” für alle Menschen bringen sollte.
Man hat aber bald gemerkt, dass dies nur für weißhäutige Menschen gelten sollte – Der Geburtsfehler der “westlichen Werte”, der heute wieder immer offener zu Tage tritt – nicht allein beim Fall Ägypten.
Gruß
Bernie
Ich denke an die Wahrnehmung des “Westens” in dem geographischen Beriech Oder-Neiße bis Kamtschatka. Da habe ich einen gewissen Überblick
Die Zeiten, als man vom Westen nur das Gute erwartete, sind schon längst vorbei. Nun stellte ich fest, dass sich die neue östliche Einschätzung ziemlich mit der Einschätzung der Araber deckt. Man will den Kommunismus nicht – noch nicht -, das “Neue” kann man kaum noch ertragen. Meine Erklärung:
Eine Generation ist psychisch und geistig nich im Stande, zwei Revolutionen zu machen.
“[...]Die Zeiten, als man vom Westen nur das Gute erwartete, sind schon längst vorbei[...]”
Zynisch ausgedrückt:
George W. Bush, Abu Ghraib, und Guantamo Bay auf Kuba (das man anfangs Fidel Castro in die Schuhe schieben wollte, CIA-lügenhaft) sei Dank.
Gruß
Bernie
Dass ich mich irre stimmt wohl.
Ich dachte eigentlich, dass die westliche Demokratie eine Volksherrschaft wäre und dort dem Volk die Werte des zivilisierten Zusammenlebens zugute kommen. Besonders im Lichte der Geschichte dachte ich dies.
Wie närrisch diese Ansicht ist zeigt sich jedoch jeden Tag aufs Neue.
Seit ich mich u.a. mit der amerikanischen Geschichte näher befasse wird meine Abneigung gegen unsere “Werte-Bannerträger” nur noch größer.
Und so frage ich mich:
Wie können Staaten, die ihren eigenen Werten zuwider handeln überhaupt die Legitimation besitzen, andere zu sanktionieren und zu bedrängen? Wo bleibt die Glaubwürdigkeit?
Alleine die seit gut 50 Jahren bestehende Kuba-Blockade ist ein Witz, der an Schäbigkeit, Hinterfotzigkeit und Schlangenzüngigkeit nicht zu überbieten ist, wenn man all die anderen bedenklichen Fälle in Betracht zieht, die vom “Westen” mit Schwung und Elan unterstützt wurden und dies nur aus wirtschaftlichen oder strategischen Erwägungen heraus.
Ich komme mir nicht mehr vor wie ein Demokrat, sondern wie ein Mitläufer und williger Vollstrecker eines Systems, welches nur noch aus Lug und Trug besteht.
Das alles kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch ich bin einmal voller Zutrauen in diese Demokratie westlicher Prägung hineinmarschiert. Mag sein, vielleicht ein klein wenig zu blauäugig. Was ich aber inzwischen weiß und auch immer wieder tagtäglich bewiesen bekomme, erzeugt in mir tiefste Abscheu.
Ach, westliche Werte sind aber etwas schönes. Schöner wäre es jedoch wenn die westlichen Werte auch endlich zu den westlichen Regierungen vordrängen. Aber in dieser Art Demokratie kann nichts anderes erwartet werden, da die Ochsentour der Politikkarriere jegliche Idealisten aussiebt und nur Karriere Politiker ohne Werte zurückbleiben.
Nicht nur zu den Regierungen.
Man kann Werte auf der Basis einer Ideologie aufbauen, die Praxis sieht oft anders aus. Auf dem Papier steht viel geschrieben. Im Gesprochenen hört es sich viel(ver)sprechend an. Doch in den Taten stolpert der Mensch allzu oft. Ein Grund, warum ich der Praxis mehr Zeit widme als der Theorie. Nicht selten wird in schwierigen Zeiten vom Realen abgelenkt, um sich in ideologische Debatten und Geschwafel zu flüchten. Die Theorie ist imaginär, also irreal – allenfalls kognitiv. Aber Hunger, Armut und Krieg führen in den Tod; mit diesem endet jegliche Bedeutungshoheit, jede Moral und jede Ideologie.
Die Politiker mögen auf dem Papier als Volksvertreter gelten, aber in der Praxis…
Wie weit darf man sich von der Richtlinie entfernen?
Ist eine Ideologie eine Assoziation?
Sind wir wirklich zu bekloppt?
Fragen über Fragen.
Die Philosophie, Psychologie, Soziologie, Politologie, Theologie, Ökonomie, Ökologie werden sich nicht einig. (Schön, wie man all diese Gebiete menschlicher Geistesverwirrung in einem Atemzug nennen kann.)
Ich empfehle
Weltherrschaft für Anfänger: Das Handbuch für angehende Diktatoren … Hab ich mal im Urlaub gelesen. :-)
Der Westen hat jahrzehntelang mit Mubarak persönlich zusammen gearbeitet, weil er und Ägypten ein wichtiger Faktor in dieser Region (Israel, Palestina, Iran, Irakkriege) waren. Vermutlich hat der auch öfters mal auf westlichen bzw. europäischen Wunsch in vielen Angelegenheiten seine Kontakte spielen lassen und hat westlichen Staaten sehr geholfen.
Deshalb fällt es der westlichen Politik jetzt so schwer den fallen zu lassen.
In der Öffentlichkeit würde das zwar Glaubwürdigkeit bringen, innerhalb der Diplomatie und in Verhandlungen und Besprechungen mit anderen Diktaturen, auf die man aber angewiesen ist, Unglaubwürdigkeit und eine Schwächung der Verhandlungsbasis. Und was danach kommt, weiß auch keiner.
Abgesehen davon, ist es in einer aufgeheizten Lage oft besser, wenn ein Diktator erstmal ins Exil geht oder unerkannt verschwindet, als wie dass ihm der Prozess gemacht wird, was ja doch wieder Gegner und Befürworter gegeneinander aufhetzt.
Wenn also Mubarak irgendwo ins Exil geht und gar nicht oder erst in 10 Jahren für seine Missetaten vor Gericht kommt, dann ist das akzeptabel, wenn es dafür in Ägypten eine für alle akzeptable Lösung und keinen Bürgerkrieg gibt und sich die Verhältnisse bessern. Das ist oft wichtiger, als eine Strafe für Einzelne.
Aber das kann man natürlich auch genau so gut anders sehen. :)
@Spiegelfechter
Herzlichen Dank für den tollen Artikel. So pöse und unterhaltsam geschrieben, aber das Lachen bleibt einem schnell aufgrund der Tatsachen im Halse strecken.
Ein etwas anders “Konzept” zum Asyl wurde dereinst von Erich Kästner vorgestellt:
Die Schule der Diktatoren
Ich empfinde diese Fiktion genauso grotesk wie die vom Spiegelfechter beschriebene Realität.
@Spiegelfechter
Was mir bei der Debatte über die Aufnahme von Ex-Dikatoren auffällt, die sehr gut beschreibst, und was ich gestern vergessen habe ist der schäbige Umgang unserer dt. Landsleute mit Asylanten/-innen aus Ägypten & Co:
Die schickt man weg, auch wenn die in der Heimat mit Folter und Ermordung durch Mubarak & Co. rechnen müssen, aber die Folterknechte und Hinrichter nimmt man als Asylanten/-innen gerne in der EU, den USA und Deutschland auf.
Wer das nicht für pervers befindet, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Oder rechnen die Diktatorenfreunde gar in Ägypten & Co. unterzukommen, wenn in Deutschland einmal der Aufstand kommt?
Grüße
Bernie
Und wenn die deutsche Öffentlichkeit seit Jahrzehnten kein Problem damit hat, in Ägypten bei Mubaraks Urlaub zu machen, wüsste ich nicht, warum die selben Leute sich aufregen, wenn Mubarak jetzt mal Urlaub bei uns macht. ^^
hach, wie pragamtisch ;-)
Der wird eh nicht kommen, weil hierzulande ja nur irgendein Staatsanwalt ne Anklage schreiben muss und es ist aus mit der schönen Kur.
Und ich finde es auch einfach so heuchlerisch, dass Ägypten jahrzehntelang praktisch ausschließlich als Urlaubsland und als “Land der Pyramiden”, etc. gesehen wurde, aber jetzt plötzlich in der Öffentlichkeit die Proteste los gehen, wenn ein Mubarak möglicherweise her kommen soll. Gegen Last-Minute-Urlaubsreisen hat aber keiner protestiert. ^^
Irgendwelche Misstände in Ägypten waren in den Jahren zuvor doch niemals ein Thema. Höchstens, als Islamisten damals mal Touristen beschossen haben. Aber jetzt auf ein mal, steht die Politik am Pranger und ein Verbrecher Mubarak dar nicht her. Noch nicht mal, wenn es in Ägypten eine friedliche politische Lösung erleichtern könnte.
@Sukram71, all
Interessant was die Heuchelei angeht ist auch das derzeitige Schweigen zum offensichtlich geistesgestörten Potentaten von Lybien Gaddafi, und anderen beliebten Urlaubsländern, wo es, wegen massiver Repressionen vielleicht, derzeit noch keine Massenproteste in Nordafrika gibt.
Ich bin mal gespannt was passiert, wenn dem Liebling aller Rechten in der EU, dem Obersten Gaddafi, die Bevölkerung wegläuft.
Gruß
Bernie
@Sukram71
So kann man es auch sehen *grins*
Gruß
Bernie
Ích empfehle eine Ansiedlung von Ex-Diktatoren in den unbesiedelten Gebieten der Uckermark. Da kann der Hosenanzug sozusagen ein diktatorisches Konjukturprogramm für dieses strukturschwache Gebiet auflegen und getreu Wester-Willies Motto “sozial ist, was Arbeit schafft” staatlich finanzierte 1€-Jobber von der ARGE/KOBA unter Androhung von Sanktionen als Personal zwangsverpflichten lassen. Schließlich soll der nette Ex-Diktator ja sein sauer “verdientes” Geld nicht dem Personal in den Rachen werfen. Viel besser angelegt ist es doch in einer Sammlung der Meisterwerke deutscher Ingenieurskunst, aka Mercedes, BMW oder Audi, Und Platz ist in der Uckermark ja auch genug, so dass er ja auch bei Krauss-Maffay für ein paar Milliönchen noch ein paar Leopard-Panzer (ohne Kanone) bestellen kann um in der Heide rumzuheizen. Das wäre doch was für den Wirtschaftsstandort D. ;-)
Ach, hätten wir uns in der Vergangenheit doch nur mehr um Kolonien bemüht und mehr Einfluss auf Regime ausgeübt, statt immer nur Waffen und Giftgas zu liefern. *seufz*
Wir könnten schon so viele berühmte Diktatoren bei uns haben… *schmacht*
So können wir uns nur alle paar Jahre mal in ihrem Glanze sonnen, wenn sie für 1-2 Monate zur Darmspiegelung herkommen.
Aber mit unserer aktiveren Rolle in der Weltpolitik sorgen wir jetzt für die Zukunft vor.
Roberto Micheletti und Porfirio Lobo Sosa werden von der FDP ja schon umgarnt. Und wenn es eins gibt, was die FDP kann, dann ist es schleimen.
Auch Karsai sieht aus wie ein weiser Mann, die Zukunft fest im Blick. Den können wir bestimmt auch kriegen.
Die dt. Polizei ist von Mubarak auch nicht begeistert:
“[...]Proteste: Polizei warnt vor Mubarak-Reise nach Deutschland
Nachrichten, 08.02.2011, DerWesten[...]”
Quelle und kompletter Text:
http://www.derwesten.de/nachrichten/Polizei-warnt-vor-Mubarak-Reise-nach-Deutschland-id4257597.html
Tja, vielleicht wird dann etwas mit den Massenprotesten in Deutschland, die nicht einmal eine Neue Weltwirtschaftskrise, die zum Aufschwung XXL herbeigelogen wird, bewirken kann?
Gruß
Bernie
Was wäre denn, wenn ein Kim Jong-il aus Nordkorea samt Familie und Tross sagen würde:
“Wir geben Nordkorea frei und erlauben die Wiedervereinigung mit Südkorea, aber nur, wenn wir alle den Rest des Lebens und samt unseren Millionen unbehelligt bei unseren Freunden in Deutschland leben dürfen.”
Sollte man, mit Blick auf die Menschen in Nordkorea, darauf eingehen, oder nicht? :)
@Sukram71
Ich bin mir fast sicher, dass Nordkorea, trotz, oder gerade wegen, der stalinistischen Ausbeuterkultur, mittlerweile einer der billigen asiatischen Handelspartner von Deutschland – über China – ist.
Die Doppelmoral zeigt sich wohl aber erst, wenn Nordkorea mit Südkorea vereinigt ist, und die dortige Aufarbeitung der Vergangenheit – wie bei den Stasi-Akten in der DDR – beginnt.
Gruß
Bernie
PS: Man sollte es nie vergessen: Die Volksrepublik China und Nordkorea sind Verbündete, und genau dies ist der Grund warum Nordkorea solange weiterexistiert, trotz Scheitern des Kommunismus 1992.
Ja, geringfügig. Aber du lenkst geschickt von der ursprünglichen Frage ab. ^^ Du solltest Politiker werden. :-)
@Sukram71
Danke für die Blumen ;-)
Was war den die ursprüngliche Frage?
Ich bin mir fast sicher, dass sich Merkel-Westerwelle Deutschland eben nicht so verhalten würde, der gute Kim Jong-Il hat einfach die falsche Ideologie, den gescheiterten Stalinismus alter Prägung. Dt. Antikommunisten mögen so etwas nicht, aber wenn er vorher Faschist würde, und ein paar Massenmorde…ja, dann würde Maggie Merkel mit sich reden lassen…und Westerwelle erst….
Gruß
Bernie
Sollte man, mit Blick auf die Menschen in Nordkorea, darauf eingehen, oder nicht? – Wenn du das Sagen hättest.
Wurden diese Freunde nicht erst letzte Woche von der Berliner Polizei zwangsgeräumt? ;-)
*duckundweg*
Elwu schreibt:
“[...]Ah, mal wieder einer, der sich gar nicht erst nicht mit Sachlichkeit und Themenbezogheit aufhält, sondern ad personam stänkert. Aber jeder wie er kann[...]”
Scheinst mit solchen Menschen wie mir Erfahrung zu haben? Woran liegt das wohl: Daran, dass Du selbst Unsachlichkeit und Unthemenbezogenheit verbreitest? Fühlst Du Dich deswegen gleich persönlich angegriffen? Dein Kompliment: “Aber jeder wie er kann” gebe ich gerne zurück, ist mir auch bei Dir so aufgefallen, als hier Mitlesender.
“[...]Davon ab: welches Linken-Bashing betreibe ich in dem Dreizeiler, zeig? Und dein kurioses Verständnis von ‘sozialliberal’ nehme ich zur Kenntnis, kommentiere den verkrampften Unsinn aber natürlich nicht weiter[...]”
Tja, es soll noch Menschen geben, die zwischen den Zeilen, die Du hier verbreitest sehr wohl lesen können – Dumm gelaufen für Dich *grins*
Was habe ich den für ein “kurioses Verständnis von “sozialliberal”? Wieso kommentierst du den angeblichen “verkrampften Unsinn” nicht weiter? Liegt es daran, dass ich richtig liege? Die FDP hat gemerkt, dass der Neoliberalismus gescheitert ist, ergo verkauft man sich nun mit dem Etikett “sozialliberal”, aber demselben Inhalt wie vorher – vor den Wahlen.
Frägt sich
Bernie
Mal wieder ein schöner Text, wenn mir auch der leicht frauenfeindliche Duktus der Passage “… das Quengeln unzufriedener Frauen kann schlimmer sein als lebenslange Haft” für mich ein wenig altherrenhaft pointengeil klingt. Und als kleine besserwisserische Info: Burkas sind hauptsächlich in Afghanistan üblich, in abgewandelter Form auch in Pakistan und in Indien. In Saudi-Arabien findet man kaum welche.
Ach was, das ist doch nicht frauenfreindlich. Wer sagt denn, dass alle Frauen quengeln? Wir wollten hier doch nicht positive Diskriminierung betreiben. Außerdem bin ich gerne “altherrenhaft”, wenn die jungen Herren so fürchterlich politisch korrekt und fad sind ;-)
Wusst ich’s doch. Tja SF, ich hatte es dir ja oben schon gesagt. ; )
“[...]Sollte man, mit Blick auf die Menschen in Nordkorea, darauf eingehen, oder nicht? – Wenn du das Sagen hättest[...]”
Tja, die Freiheit und die Einheit gönne ich den Menschen in Süd- und Nordkorea, aber die Volksrepublik China hat da sicher was dagegen, als größter Handelspartner Deutschlands.
Man müßte wohl eher dafür sorgen, dass auch China demokratisch wird, nicht nur wirtschaftsfreiheitlich, und dann kommt das eine zum anderen.
Gruß
Bernie
Ist es doch! Demokratie herrscht dort, wo der Herrscher behauptet, dass es sich um Demokratie handelt.
@Schwitzig
Stimmt, Hauptsache “wirtschaftsfreiheitlich”, da ist es egal ob “demokratisch” oder nicht.
Übrigens, auch die DDR hieß einmal Deutsche Demokratische Republik, und Du willst mir nicht weiß machen, dass Honecker, SED & Co. Vorzeigedemokraten waren, ebensowenig wie die FDJ-Sekretärin der SED für Agitation und Propaganda Angela Merkel, die heute Bundeskanzlerin spielen darf!
Gruß
Bernhard Hau
D. h. du würdest diese Verbrecher und Massenmörder Kim-Jong-Il samt Familien und Tross bei uns aufnehmen und mit ihren gestohlenen Millionen unbescholten im Luxus-Kurhaus leben lassen, damit sie die Menschen in Nordkorea frei geben und als Politiker in der Öffentlichkeit deinen Kopf dafür hinhalten?
(Zumindest ein paar Jahre, bevor man sie dann doch vor Gericht stellt. Aber das kann/darf man ja vorher nicht sagen.)
Oder sollte man die Menschen in Norkorea lieber weiter hungern und leiden lassen, weil es nicht richtig wäre, Verbrecher laufen zu lassen oder gar noch bei uns aufzunehmen.
@Sukram71
Willst wohl jemanden auf’s Glatteis führen? Ich schreibe es doch: Ich wäre dagegen Dikatoren aufzunehmen, egal ob die nun stalinistisch, oder anders herum, orientiert sind.
Ich bin dagegen Menschen in Nordkorea, wenn sie denn wirklich hungern und leiden, leiden zu lassen, aber ich bin mir fast sicher, dass dies Marktradikalen, zu denen ich nicht gehöre, ziemlich egal sein dürfte – Hauptsache: Geschäfte machen würde Guido Westerwelle dazu sagen, und da ist es herzlich egal – aus neoliberaler Sicht gesehen – mit wem man Geschäfte macht.
Lieber Sukram71, so ist nun mal nicht meine Utopie, aber die hat derzeit eh keine Chance auf Durchsetzung, da die neoliberalen Taliban regieren, und zwar nicht allein in Deutschland sondern als globale Staatsterroristen.
Gruß
Bernie
Es könnte sich aber vielleicht irgendwann (ähnlich wie in Ägypten) unverhofft eine Möglichkeit dazu ergeben. King-Jong-Il wird zu alt, der Sohn bekommt die Macht nicht richtig in den Griff und hat keine Lust mehr, China hat die Nase voll. Was auch immer. So was kann ganz schnell gehen.
Dann müsste man unter Umständen genau so etwas entscheiden.
Bei Nordkorea gibt es, auch so, nur 2 Möglichkeiten diese schlimme Diktatur zu beenden. Entweder man kauft die Klicke mit Luxus-Angeboten raus oder man führt extrem blutigen Krieg mit hundertausenden von Toten.
Und wer wen früher unterstützt hat, ob stalinistisch oder nicht, uns Westerwelle hin oder her, spielt da alles keine Rolle.
Wie man sieht, ist es halt auch alles nicht ganz einfach, wenn man sowas selber entscheiden und die Verantwortung dafür tragen muss.
Und egal was man tut – Kritik fängt man sich immer ein.
Ich würde diesen Kim-Clan aus Nordkorea rauskaufen, wenn sich mal eine Gelegenheit bieten sollte und hier in ner Kurklinik leben lassen, wenn das ginge.
“[...]Wie man sieht, ist es halt auch alles nicht ganz einfach, wenn man sowas selber entscheiden und die Verantwortung dafür tragen muss.
Und egal was man tut – Kritik fängt man sich immer ein[...]”
Stimmt, vergessen wir die ganze Moral, den wie sagte schon Bert Brecht “Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral”.
So, dass war’s aber für heute, denn nun muß ich in die Krankengymnastik, und was für meinen gebrochenen Arm tun.
Tschö
Bernie
Wenn sowas hilft einen friedlichen Übergang ohne Blutvergießen zustande zu bringen, ist das moralisch und ich könnte auch gut mit der heftigen Kritik leben. ^^
Oh, und gute Besserung!
Weil’s so schön ist:
Klaus erklärt: Mubarak – EXTRA 3 – NDR
Mein Vorschlag: Die Diktatoren in die Freiheitsstatue einsperren! ; )))
Wo soll so eine große Freiheitsstatue denn stehen?
Stimmt. Da müssen die Amis ein größeres Monument bauen. Eine Art Friedens-Obama-Statue vielleicht. Sozusagen ein politischer Oscar. Hier bietet sich Guantanamo als symbolträchtiger Baugrund an.
@ Ko-Mike
Lieber ins Meer werfen.
Die Fischlein hätten zumindest was zu fressen.
PS. Nein, nein, Ko-Mike ich bin kein böser Mensch, aber eine solche Maßnahme hätte bestimmt eine abschreckende Wirkung auf die Diktatoren.
Und immer wieder beweisen Menschen, sie kennen nicht den Unterschied – zwischen einer Diktatur und einer Tyrannis.
Ein Diktator ist nicht immer ein Tyrann, und eine Tyrannis muss keine Diktatur sein.
Es gibt auch Parteiendiktaturen – sowie Parteien die im Grunde genommen nur eine Tyrannis wollen.
Das war ja schon in der ehemaligen DDR ein Hit – Die Partei … hat immer Recht. Und diesen Grundsatz pflegen auch viele Abgeordnete in diesem unserem Lande.
Heute habe ich gelesen,dass der franz.Präsident eine Anordnung gegeben hat,dass keiner mehr sich unerlaubt bei den Dikatoren einladen lassen darf!
Jede Einladung muß bei ihm persönlich abgesegnet werden.
Zeitungen in Frankreich haben moniert,dass zu viele Abgeordnete sich von den Diktatoren einladen liesen und dort Urlaub machen dúrften.
Nun wissen wir, warum alle so still gehalten haben und keinen Diktator angeprangert haben.
Bei uns kontrolliert wohl niemand,außer dass unser Präsident Wulff seinen Urlaub auf Herrn Maschmeyers Feriendomizil machen durfte?
So, jetzt haben wir den Salat:
Der saudische König bezeichnet Mubarak als “seinen Freund”, weist US-Präsident Obama wegen der Einmischung zurecht und warnt davor, die US-Hilfe an Ägypten anzutasten.
Da flattert wohl einem der Kittel, gelle Herr König Abdullah?
http://www.focus.de/politik/ausland/reformen-arabische-giftpfeile-auf-washington_aid_598628.html
Der saudische Königs-/Prinzen- und Prinzessinnen-Apparat ist mindestens genauso korrupt und verlottert wie der Staat Ägypten.
Wird aber “Der Westen” den Mut haben, den öligen Saudis zu trotzen?
Ich glaube es nicht. Zeit wärs aber. Auch wenn es Waxtum kostet.
Quelle:
http://blogs.taz.de/reptilienfonds/2011/02/07/kurze_verstaendnisfrage_in_sachen_aegypten
DANKE fuer den Artikel, Jens, lange nichts so Amuesantes gelesen!
Aber ich frage mich doch, ob die Schwarzwaldidee so durchdacht ist: Der arme ist nicht mehr ganz jung, und das winterliche Schwarzwaldklima ganz sicher nicht gewohnt. Seine Familie wird murren und ihm am Ende allein lassen, und das ist kein schoener Lebensabend!
Konstruktiv betrachtet – haben wir nicht gute Freunde in waermeren Breiten, wo er es sich (nach einem Kuraufenthalt?) gemuetlich machen koennte? Die Tuerkei? Marokko? Oder wuerde er sich bei Berlusconi wohlfuehlen? In Spanien haben Viele ein Herz fuer den eigenen ex-Diktator, vielleicht wuerden sie auch diesen nehmen? Georgien ist wunderschoen und bereitet sich gerade auf den Zustrom reicher Touristen vor – nur leider weiss kein Mensch, wo die herkommen sollen. Ist es etwa Sakaschwilis wahrer Plan, das Land mit ex-Dikatorengeldern flottzumachen? Und wie sieht es eigentlich mit Thailand aus, dem Weltmeister in Sachen Internetzensur?
Gruss aus der lupenreinen Demokratie China
smukster
(weil es irgendwo auftauchte: In China kommt sehr viel Geld und Aufschwung in den Provinzen an, leider zu einem guten Teil in Form von Bauboom und Spekulation)
Auch die Kollegen von Quer schlugen in die gleiche Kerbe :)
http://blog.br-online.de/quer/diktatoren-suchen-ein-zuhause-09022011.html
… “wenns geht” …
Zizek lesenwert
http://www.alternet.org/world/149880/zizek%3A_miracle_of_tahrir_square_–_no_room_for_compromise%2C_mubarak_must_go/
und noch was
“Cessons d’entretenir la méfiance sur la révolte des peuples musulmans”
http://www.lemonde.fr/idees/article/2011/02/11/cessons-d-entretenir-la-mefiance-sur-la-revolte-des-peuples-musulmans_1478639_3232.html
Oho, inspiriert von der Daily Show, aber tatsächlich besser! Weil mehr Fakten. Nicely done!