Gott wird dich erschießen – wenn ich es nicht mache
geschrieben am 16. März 2009 von Nick Abbe
Die evangelikale Fernsehkirche TBN fordert Spenden von Leuten, die sie sich nicht leisten können, und begleitet Missionare in Afghanistan mit der Kamera.
Das “Trinity Broadcasting Network” (TBN) ist eines der größten Medienunternehmen der Vereinigten Staaten, und der wohl meistgesehene religiöse TV-Sender weltweit. Mit der Verknüpfung von religiösen Inhalten, politischer Ideologie und modernster Technik beschreitet TBN neue Wege ? und erzielt damit hohe finanzielle Profite.
“Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!” ? diese (hochdeutsche) Version eines Zitates des Dominikaner-Mönches Johann Tetzel bringt den Missbrauch des kirchlichen Ablasshandels auf den Punkt. Ging es beim Gnadenakt der Ablassgewährung eigentlich um das Erlassen von Sündenstrafen gegen gute Taten des reuigen Sünders, entwickelte sich der Ablasshandel im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit zu einem Geschäft auf Gegenseitigkeit.
Beschränkte sich der Ablasshandel allerdings auf Katholiken, so findet sich heutzutage ein ähnlicher Ansatz in einem anderen, mit der katholischen Kirche konkurrierenden Segment des Christentums: die so genannte “prosperity theology”. Besonders verbreitet, aber nicht ausschließlich darauf beschränkt, ist diese Lehre in Gemeinden der Pfingstbewegung und der charismatischen Bewegung, die Untergruppen der evangelikalen Bewegung darstellen.
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Dieses “Wohlstandsevangelium” beruht auf der Annahme, Wohlstand ? insbesondere materieller Besitz, persönlicher und geschäftlicher Erfolg, sowie körperliche Gesundheit ? seien sichtbare Zeichen der Gnade Gottes. Diese ließe sich beispielsweise durch die Förderung und Verbreitung des Evangeliums in aller Welt erlangen ? eben auch in Form finanzieller Spenden an selbsternannte Mittler zwischen Gott und der Welt.
Verbreitung erfuhr diese Lehre in den letzten Jahrzehnten vor allem auch durch die “Wort-des-Glaubens”-Bewegung, als deren Vater der 2003 verstorbene Prediger Kenneth Hagin gilt. Diese Bewegung war vor allem in Pfingstgemeinden und in charismatischen Gemeinden vertreten, hat sich aber auch überkonfessionell ausgebreitet. Trotzdem ist sie, aufgrund ihrer Lehren, selbst in evangelikalen Kreisen so heftig umstritten, dass sie teilweise der Häresie bezichtigt wird.
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Ich finde es keine besonders kreative Art mit dem Medium Blog umzugehen hier dauernd Auszüge aus Telepolis Artikeln zu Posten. Mich nervt das als Abonnent des Telepolis feeds regelrecht. Ich erwarte von einem Blogger seine eigenen Gedanken und Wertungen. Ich werde dann wohl dem Spiegelfechter bald den Rücken kehren wenn das so weiter geht,
@Henninng
Reisende soll man nicht aufhalten ;-)
“Reisende soll man nicht aufhalten ;-)”
Man muss nicht jeden Kommentar gut finden, solche Reaktionen darauf sind aber auch Fragwürdig.
Moin,
ich muss Henning da jetzt mal recht geben, wobei mich an dem copy-paste aus TP eigentlich nur stört, das da noch “Anzeige” im Text steht ;-)
Der 2. angesprochen Punkt “Gedanken und Wertungen”: Ich bin zum regelmäßigen Leser geworden, gerade weil das Blog eher objektiv als wertend geschrieben ist. Schön ware es wenn ab und an auch mal ein stärker bewertender, persönlicher Kommentar des Authors als Artikel verfasst und entsprechend gekennzeichnet würde, so als Anregung.
Grüsse
Sven
@Sven
Ihr alten Meckerköppe ;-)
Stimmt ;-)
Zur Erklärung: Meine und Nicks Artikel verlinke ich hier im Blog. Nick ist mein Co-Autor, der aufgrund seines Studiums kein Vielschreiber ist und aufgrund des Studiums leider auch auf das Geld von Heise angewiesen ist, das ich natürlich nicht zahlen kann. Da er aber sehr gute Artikel schreibt, die einigen Bloglesern sicher auch gefallen, werde ich es auch weiter so halten, seine und meine Artikel zu “teasern” ;-)
Hmmm, eigentlich sollte das aus den Artikeln ersichtlich sein. Aber ich denke maal darüber nach.
solltet mal bei uns in die Kirche gehen, da dreht der Pfarrer die Heizung ab, um mehr Spenden für die “Kirchenheizung” zu bekommen…
@Nick Abbe,
meinst du nicht das dieses ewiggestrige Thema christlicher Instrumentalisierung zu Machtzwecken schon genug journalistisch ausgebeutet wurde?
Wieso schafft es der Journalismus nicht, die richtigen christlichen Werte hervorzuheben?
Warum meint jeder “objektive” Berichterstatter nur die negativen Seiten eines Themas präsentieren zu müssen?
Wie weit ist der journalismus in humanistischer Form tragbar, wenn er sich nur auf die Kritik und Verteufelung konzentriert?
Oder sind die negativ-Schlagzeilen ein Garant für den “zahlenden” Konsumenten?
Warum schafft es ein “objektiver” Journalist nicht, in kritischer Form gegen seine eigene Zunft als ganzes vorzugehen?
Wenn der Journalismus nicht in der Lage ist sich selber zu kritisieren, dann ist er kein freies Medium.
Sowas nennt man Selbstreflexion, das würde der freien Presse als Medium mitunter zu mehr Glaubwürdigkeit verhelfen.
Tja, sie spinnen halt, die “Christen”. Und nicht erst seit gestern.
@Schachspieler: Was meinst du mit den “richtigen christlichen Werten”?
Echt biblische Werte wie Sklaverei, die Unterdrückung der Frau, die Kriminalisierung der Homosexualität, den göttlichen Auftrag zur Eroberung der Welt…? Nein, ich rede nicht vom Islam ;-/
Es gab da mal was namens “Aufklärung”, engl. “Enlightenment”. Seltsam, wie die Kirche es schafft, die Errungenschaften dieser Bewegung für sich zu reklamieren, nicht wahr?
Genau betrachtet nehmen die Ami-Fundis die Bibel wörtlich, während wir aufgeklärten Europäer uns die besten Teile ausgesucht und modernen Werten angepaßt haben – Liebe deinen Nächsten und sei nicht gierig. Die Sache mit der Ursünde, die Angst vor der Hölle usw. ist aus der Mode gekommen, aber wartet nur auf die Erweckungsprediger!
Wer die Bibel lang nicht mehr (oder noch nie) gelesen hat, dem sei Richard Dawkins’ “The God Delusion” empfohlen. Da werden einige zentrale Aussagen dieses “heiligen” Buches analysiert und seziert.
Hier noch ein TP-Artikel zum Thema: Die Dawkins’sche Gegenbewegung zum Religionswahn will jetzt auch in Deutschland anti-religiöse Werbung machen – und hat es da nicht leicht:
>> TP: Dialektik der Weltanschauungswerbung
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29947/1.html
Speziell die christliche Religion steht eben auch hierzulande unter dem Schutz der “Tradition”. Und wir erleben Religion noch nicht als bedrohlich.
@ 7, Schachspieler
“meinst du nicht das dieses ewiggestrige Thema christlicher Instrumentalisierung zu Machtzwecken schon genug journalistisch ausgebeutet wurde?”
Ausgebeutet? Entschuldige bitte, wer beutet denn hier wen aus? Diejenigen, die eine derartige Bauernfängerei betreiben, oder derjenige, der darüber schreibt?
Weiterhin halte ich die beschriebenen Praktiken TBNs für problematisch genug, um darüber einen Artikel zu schreiben. Und m.W. war das der erste deutschsprachige Artikel über TBN.
“Wieso schafft es der Journalismus nicht, die richtigen christlichen Werte hervorzuheben?”
Ich sehe meine Aufgabe darin, Mißstände aufzuzeigen. Was “die richtigen christlichen Werte” sind, kann sich ein jeder selbst ausmalen. Und obgleich mein Verständnis von christlichen Werten die Praktiken TBNs nicht als “christlich” (im Sinne von Nächstenliebe, etc.) einstuft, ist es leider Realität, dass andere Menschen durchaus auch andere Vorstellungen von”christlichen Werten” haben. Religion ist halt instrumentalisierbar.
“Warum meint jeder ?objektive? Berichterstatter nur die negativen Seiten eines Themas präsentieren zu müssen?”
Du könntest mir ja mal positive Seiten der “prosperity theology” oder von TBN nennen. Ich habe keine gefunden.
“Warum schafft es ein ?objektiver? Journalist nicht, in kritischer Form gegen seine eigene Zunft als ganzes vorzugehen?”
Keine Sorge, ich werde in Zukunft sicher auch dazu schreiben. Jetzt und hier habe ich zum Thema TBN geschrieben.
Mfg,
N.A.
@9 Nick Abbe
Die mediale Aufmerksamkeit “nur” auf die negativen Seiten einer Thematik zu lenken, produziert wie in diesem Falle massenweise “Dawkins-Jünger” Zustimmung, siehe Beitrag 8.
Durch die journalistische Fokusierung auf die negativen Seiten eines Themas, schafft es ein Journalist sich instrumentalisieren zu lassen und verliert dabei seine Objektivität.
Dein Artikel, und besonders die unterstützende Antwort von EM, ergänzen sich.
In diesem Falle bist du als Journalist “darwinistisch” instrumentalisiert worden, wie die Religion bei TBN “kapitalistisch” instrumentalisiert worden ist.
Und die Art und Weise wie du den Artikel gestaltet hast, ladet gerade dazu ein, dich in irgendeine Parteiecke zu drängen.
Oder fällt es dir nicht auf das du mit der Überschrift, und dem hinzugefügten Jesusbild zugleich die “richtigen” Assoziationen zu erwecken vermagst?
TBN muss angesprochen werden, das Thema ist sicher einen Artikel Wert.
Missstände aufzuzeigen ist eine Sache, Objektivität eine andere.
Auch freundliche Grüsse
PS:
Was würde mit einem “seriösen” Journalisten passieren wenn er in seinen Artikeln Spuren von “christlichen” Argumenten durchsikern lassen würde?
Wäre er da nicht von der Zunft verpönt?
Man liest immer wieder einmal über die Freikirchler in den USA. Interessant wäre es, zu wissen, wie mächtig die Freikirchler in Deutschland organisiert sind und in wie weit sie die beschriebenen Entwicklungen schon mitgemacht haben.
Meine Bekannten aus diesen Kreisen sehen die amerikanischen Super-Gemeinden mit ihren Starpredigern und Missionsveranstaltungen als großes Vorbild an, daher würde es mich schon interessieren, wie weit sich das europäische Pendant zu der Bewegung entwickelt hat.
@ 10
“Die mediale Aufmerksamkeit ?nur? auf die negativen Seiten einer Thematik zu lenken, produziert wie in diesem Falle massenweise ?Dawkins-Jünger? Zustimmung, siehe Beitrag 8.”
Durch die journalistische Fokusierung auf die negativen Seiten eines Themas, schafft es ein Journalist sich instrumentalisieren zu lassen und verliert dabei seine Objektivität.”
Lieber Schachspieler, dies ist ein Artikel über die TV- und Internetkirche TBN. Es handelt sich um keine Abhandlung über das Christentum.
Wenn ich in dem Artikel deiner Meinung nach Objektivität vermissen lasse, dann bitte ich um einen Nachweis dessen, z.B. Angabe der Textstelle usw.
Sollten deiner Meinung nach Stellen im Artikel zu finden sein, an denen eine wie auch immer gerartete, pauschale Ablehnung der christlichen Religion und des Glaubens durchscheinen, bitte ich um Angabe der Stelle und, wenn möglich, eine Begründung deinerseits.
“Dein Artikel, und besonders die unterstützende Antwort von EM, ergänzen sich.
In diesem Falle bist du als Journalist ?darwinistisch? instrumentalisiert worden, wie die Religion bei TBN ?kapitalistisch? instrumentalisiert worden ist.”
“Darwinistisch instrumentalisiert”? Was hat denn meine Meinung zu TBN mit der Evolution zu tun? :-)
Könntest du bitte argumentativ ausführen, was du damit meinst?
“Und die Art und Weise wie du den Artikel gestaltet hast, ladet gerade dazu ein, dich in irgendeine Parteiecke zu drängen.”
Tue dir keinen Zwang an.
“Oder fällt es dir nicht auf das du mit der Überschrift, und dem hinzugefügten Jesusbild zugleich die ?richtigen? Assoziationen zu erwecken vermagst?”
Nein, erklär mal.
“TBN muss angesprochen werden, das Thema ist sicher einen Artikel Wert.
Missstände aufzuzeigen ist eine Sache, Objektivität eine andere.”
Ja, wie auch immer. Ich muss gestehen, du sprichst eine wenig in Rätseln. Du unterstellst mir indirekt, ein Dawkins-Jünger zu sein ohne dies irgendwie zu begründen.
Ich hoffe du lieferst eine Begründung noch nach.
Mfg,
N.A.
@ 11
“Was würde mit einem ?seriösen? Journalisten passieren wenn er in seinen Artikeln Spuren von ?christlichen? Argumenten durchsikern lassen würde?
Wäre er da nicht von der Zunft verpönt?”
Entschuldigung, lieber Schachspieler, aber ich sehe es weder als meine Aufgabe an, noch habe ich den Wunsch, den Job des Pfarrers zu übernehmen. :-)
Nichts für ungut.
Fangen wir doch mit der Überschrift an, und dem Jesus-Bild.
Was versucht diese Assoziation zu bewirken und wie weit hat sie was mit TBN zu tun?
In deinem ganzen Artikel findet sich kein Bild von den angesprochenen “Predigern”. Die einzige bildliche Darstellung ist eine TBN Version von Jesus.
Wenn ich deinen Artikel lese, dann kann ich ja ganz klar den Bösewicht erkennen:
Sehe ihn ja.
@ 15
Lieber Schachspieler,
ich denke du interpretierst da etwas hinein, was nicht in meiner Intention lag. Ich sehe wenig Sinn darin, gegen Jesus Christus, Mohammed, Shiva o.ä. zu polemisieren, denn es sind immer die Menschen, die Glauben und Religionen “positiv” wie “negativ” instrumentalisieren.
Darüber hinaus kann ich nur darauf hinweisen, dass man als Autor seine Artikel i.a.Regel nicht alleine gestaltet. Ich habe den von dir angesprochenen Kritikpunkt allerdings nicht antizipiert und bin dir deshalb dankbar für deinen Hinweis. Sachlich vorgetragene Kritik ist mir sehr willkommen, da lehrreich.
Im übrigen zeigt das Bild einen Ausschnitt aus einem TBN-produzierten Film (“The Revolutionary”), so dass – streng genommen – nicht Jesus zu sehen ist sondern dessen Darstellung durch die TBN. Der Bildkommentar (“Die Frisur sitzt”) dient als ironische Anspielung auf die durch TBN erzeugten, “durchgestylten e-church-Produkte”. Dieses Bild und die Überschrift – immerhin ein Zitat des TBN-Gründers – verdeutlichen einmal mehr die Instrumentalisierung des Glaubens durch Scharlatane wie die Crouchs.
Schönen Sonntag,
N.A.
Hallo,
darfst mich nicht als “Prediger” sehen , der seine religiöse Seite verletzt sieht.
Wie gesagt, finde es nur auffällig wie sehr dem Thema Religion von der journalistischen Seite der schwarze Peter zugeschoben wird.
Will dir auch nichts unterstellen.
Freundliche Grüsse