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  • Alle Reeder stehen still

    geschrieben am 21. März 2009 von Spiegelfechter

    Der internationale Seehandel war einer der großen Gewinner der Globalisierung. Mit Zuwachsraten von bis zu 20% im Jahr konnte dieser Sektor wie kaum ein anderer von den Entwicklungen profitieren, die den Welthandel nach vorne trieben ? das Wachstum Chinas, das Handelsgefälle zwischen den USA und dem Rest der Welt, und die Verlagerung von Fertigungskapazitäten in Niedriglohnländer. 90% des Welthandels werden über die Schifffahrt abgewickelt. Es erscheint nur natürlich, dass der internationale Seehandel auch zu den Branchen zählt, der durch die stockende Weltkonjunktur nun gelähmt ist. Auch wenn die aktuellen Handelszahlen für dieses Jahr ?nur? einen Rückgang von rund zwei Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2008 prognostizieren, so trifft diese Entwicklung den Seehandel an einem wunden Punkt.

    Die Frachtraten für Schüttgut konnten sich nach einem dramatischen Absturz im Herbst letzten Jahres zwar auf niedrigem Niveau stabilisieren, nun sind aber die Frachtraten für Container im freien Fall, weil durch den Konjunktureinbruch immer weniger Waren über die Weltmeere transportiert werden. Vor allem europäische Reeder haben ? angefeuert durch kreative Steuerabschreibungsmodelle für Besserverdiener ? voll und ganz auf Gigantismus und endloses Wachstum gesetzt. Wenn die Weltkonjunktur nicht schnell wieder an Fahrt gewinnt, droht Teilen der Branche der wirtschaftliche Ruin. Noch schlimmer trifft es allerdings die Werften und deren Zulieferer ? auf absehbare Zeit hin wird niemand mehr ein Frachtschiff oder einen Tanker ordern, da der Markt bereits jetzt an Überkapazitäten zu ersticken droht. Für Norddeutschland könnte dies dramatische Folgen haben. Hier sind mehr Arbeitsplätze akut gefährdet als beim Automobilbauer Opel.

    Der Baltic Dry Index (BDI) ist ein Indikator für den Schüttgutfrachtpreis. Der Transport von Rohstoffen wie Eisenerz und Kohle geht damit in diesen Index ein ? Güter, die als erste Stufe im Produktionsprozess stehen und daher als Frühindikator für die Konjunktur gelten. Das stetige Wachstum der chinesischen und indischen Volkswirtschaften hat den BDI über Jahre hinweg steigen lassen. Am 20. Mai 2008 notierte der BDI mit 11.793 einen historischen Höchststand. Mit dem weltweiten Finanztsunami stürzte der BDI ins Bodenlose ? am 5. Dezember 2008 schloss er mit einem Schlussstand von 663 Punkten ? dies entspricht einem Rückgang um 94,4 Prozent. Musste man im Juni 2008 noch 233.988 US$ bezahlen, wenn man ein Capesize-Schiff, dies sind Ozeanriesen, die zu groß sind, um durch den Suez-Kanal zu fahren, für einen Tag chartern wollte, so bezahlte man Anfang Dezember 2008 nur noch 2.316 US$. Dies entspricht dem Mietpreis für einen Ferrari 355, nur dass man für ein Auto nicht mindestens 20 Mann Besatzung mitbezahlt. Ein Schiff dieser Größenordnung verursacht dem Besitzer rund 19.000 US$ Kosten pro Tag ? die Charterpreise im Dezember waren also ruinös. Dank des chinesischen Konjunkturprogramms konnte der BDI sich zu Beginn des Jahres wieder auf 2.000 Punkte hocharbeiten ? selbst auf diesem Niveau deckt die Frachtrate allerdings nur die Betriebskosten und nicht die Fixkosten. Mittlerweile hat der BDI seine Konsolidierungsphase wieder beendet und sinkt kontinuierlich ? momentan notiert er bei 1.782 Punkten. Jeden Tag verlieren die Reeder dadurch Geld ? viel Geld, wenn die Konjunktur nicht bald wieder anzieht.

    Gilt der BDI als Frühindikator für konjunkturelle Entwicklungen, so ist der Harpex (Harper Petersen Charterraten Index), der die Frachtpreise für Container misst, ein Indikator für den gegenwärtigen Zustand des Warenhandels. Anders als der BDI brach der Harpex auf dem bisherigen Höhepunkt der Finanzkrise im letzten Sommer nicht ein, sondern gab bis heute kontinuierlich nach ? eine Trendwende ist nicht in Sicht. Im Schnitt kann ein Reeder gerade einmal ein Drittel des Frachtpreises vom letzten Sommer verlangen. Am schlimmsten ist die Frachtroute von Asien nach Europa betroffen. Dort kostet der Transport eines Containers auf dem Spotmarkt teilweise nur noch 250 US$ – normal sind 2.500 US$. Das reicht noch nicht einmal, um die Kosten zu decken. Aber ehe ein Containerschiff ganz stillgelegt wird, akzeptieren einige Reeder lieber diese desaströsen Preise, da so zumindest die Fixkosten zum Teil refinanziert werden können.

    In den letzten Jahren wurde die weltweite Containerschiffflotte nämlich massiv ausgebaut. Die großen Linienreeder unterhalten dabei nur relativ wenig eigene Schiffe ? der Rest wird von Charterreedern geleast oder gechartert. Linienreeder, die große Kapazitäten langfristig geleast haben, stehen bereits jetzt vor dem Problem, diese Kapazitäten nicht auslasten zu können. Charterreeder, deren Flotte größtenteils zu kurzfristigen Spotmarktpreisen gechartert wird, stehen dabei vor einem existenziellen Problem. Die Leihgebühren sind seit dem vergangenen Jahr zum Teil um über 80 Prozent gefallen, und mehr als 450 Containerschiffe liegen bereits ohne Auftrag in den Häfen – doppelt so viele, wie noch im Januar, fast elf Prozent der weltweiten Containerflotte. Claus-Peter Offen, einer der größten Containerreeder der Welt geht davon aus, dass sich die Situation noch weiter verschärfen wird. Für das Jahr 2011 prognostiziert er etwa 1.000 aufliegende Schiffe weltweit. Dabei ist die schleppende Weltkonjunktur nur ein Teil des Problems.

    Alleine in diesem Jahr wird die weltweite Containerflotte um bis zu 15 Prozent zunehmen, da die Reeder in den letzten Jahren auf Gigantismus setzten und den Werften volle Auftragsbücher bescherten. Insgesamt haben Werften weltweit Containerschiffe, Massengutfrachter und Tanker im Wert von rund 540 Mrd. US$ in ihren Auftragsbüchern stehen. 1.350 Containerschiffe werden in den nächsten Jahren fertiggestellt ? laut Branchenkennern wäre dies sogar ohne Weltwirtschaftskrise ein Problem. Ob diese Flotte allerdings wirklich die Weltmeere befahren wird, ist ungewiss. Schiffe werden meist nur zu einem kleinen Teil vom Auftraggeber finanziert ? häufig sind dies Charterreeder oder Schiffsfonds, die sich vor allem in Deutschland als beliebtes Anlageobjekt für Besserverdiener einer großen Beliebtheit erfreuten. Fast 80 Prozent der durch Fonds finanzierten Schiffe sind Containerriesen. In einem komplett übersättigten Markt gibt es für diese Schiffe allerdings keine Verwendung mehr. Da die Werften verständlicherweise kein Interesse an einer Stornierung der Aufträge haben, werden viele neue Schiffe aufgrund der nicht vorhandenen Endfinanzierung keinen Abnehmer mehr finden und so von den Banken, die als Finanzpartner bei diesen Geschäften mitgemacht haben, übernommen werden müssen. Ein Containerschiff, das heute vom Stapel läuft, kann allerdings auf dem freien Markt kaum verkauft werden. Ein Standardschiff mit einer Ladekapazität von 1.700 Standardcontainern, das im letzten Jahr noch 35 bis 40 Mio. Euro gekostet hat, ist heute gerade noch die Hälfte wert.

    Was machen die Banken also mit diesen Schiffen? Als weltgrößter Schiffsfinanzier ist die landeseigene HSH Nordbank mit einem Schiffsfinanzierungsportfolio von rund 27 Mrd. Euro im Geschäft. Wenn man den Wert der Schiffe nur um 20% abwertet, was angesichts der Krise sogar sehr konservativ ist, stünde der Bank ein Verlust von fast 6 Mrd. Euro ins Haus. Erst gestern warnte die BaFin vor einem bevorstehenden Kollaps der HSH Nordbank, wenn der Staat nicht die Eigenkapitalquote erhöht. Mit den zu erwartenden künftigen Abschreibungen aus Schiffsfinanzierungen entsteht so dem Steuerzahler das nächste Milliardengrab.

    Fast die Hälfte der weltweiten Containerschifffahrt wird von Norddeutschland aus kontrolliert. Rund 60.000 Arbeitsplätze in Norddeutschland hängen direkt mit dieser Branche zusammen ? rund doppelt so viele wie beim Automobilbauer Opel. Bei den meisten Reedern ist die Situation zwar angespannt, aber noch nicht dramatisch ? ein guter Reeder legt sich in besseren Zeiten Geld zurück, mit dem er schlechtere Zeiten durchsteht. Sollte die Konjunktur wieder anspringen, werden die Überkapazitäten in einigen Jahren vom Markt verschwunden sein. Bis dahin werden allerdings viele ? vor allem kleinere ? Reedereien ebenfalls vom Markt verschwinden. Düsterer sieht die Situation für Werften und Finanzierer aus. Der Markt für Frachtschiffe wird für viele Jahre tot sein ? neben den deutschen Werften trifft dies allerdings vor allem Südkorea, dessen Werften zur Kernindustrie des Landes gehören.

    Die Krise auf den Meeren wird länger anhalten und die Branche schwer beschädigen. Da es vor allem im wirtschaftlich wichtigen Europa keinen politischen Willen gibt, die Nachfrage durch konjunkturelle Maßnahmen wieder zu stärken, besteht die Gefahr einer langen Rezession, wie sie schon Japan durchmachte. Wann die Konjunktur dreht, ist momentan noch nicht vorherzusehen. Die Preise für Rohstoffe scheinen sich mittlerweile stabilisiert zu haben, die Folgen für die Realwirtschaft sind allerdings noch nicht abzusehen. Je länger die Krise dauern wird, desto härter werden die Folgen für die Seeschifffahrt. Norddeutschland stehen damit harte Zeiten bevor.

    Jens Berger

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    65 Kommentare Print This Post
    Der internationale Seehandel war einer der großen Gewinner der Globalisierung. Mit Zuwachsraten von bis zu 20% im Jahr konnte dieser Sektor wie kaum ein anderer von den Entwicklungen profitieren, die den Welthandel nach vorne trieben ? das Wachstum Chinas, das Handelsgefälle zwischen den USA und dem Rest der Welt, und die Verlagerung von Fertigungskapazitäten ...
    Tags: Wirtschaft
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    65 Kommentare:

    1. warumerstjetzt schrieb am 21. März 2009 at 16:57 - Permalink

      Sehr geehrter Herr Berger,
      ich frage mich, warum sie erst jetzt wenigstens ansatzweise über die wirtschaftlichen Zusammenhänge unserer Welt schreiben.
      Der BDI zum Beispiel ist schon letztes Jahr im November vollkommen zusammengebrochen gewesen. Ebenso hatte sich die radikale Ausdehnung der FED-Bilanz bereits im Dezember letzten Jahres nicht nur bemerkbar gemacht – sie war in vollem Gange.
      Ich frage mich ernsthaft, weshalb sie erst jetzt zaghaft beginnen, auf ihrer sonst so “aufgeklärten” Seite darüber zu berichten.
      Jetzt, da selbst die versammelte Mainstream-Presseaffen beginnen, aufzuwachen, stoßen sie mit ins Horn.

    2. ppp schrieb am 21. März 2009 at 17:12 - Permalink

      Iwo, der nächste Aufschwung hat doch bereits begonnen!

      http://www.cicero.de/259.php?kol_id=10856

      *hüstel*

    3. Spiegelfechter schrieb am 21. März 2009 at 17:23 - Permalink

      @warumerstjetzt

      Über die Gründe, die zur Finanzkrise führten, schreibe ich bereits. seit es das Blog gibt (und woanders auch schon länger). Anders als einige Doomsdayer springe ich aber nicht auf jeden Panikzug auf, sondern versuche die Ereignisse in einen analytischen Zusammenhang zu bringen. Das war beim BDI im November sicher nicht möglich. Wer möglichst dramatische Krisenmeldungen ohne Zusammenhang haben will, ist hier eh fehl am Platze ;-)

    4. Lago schrieb am 21. März 2009 at 17:34 - Permalink

      Springst du nicht? Dann mache ich das mal:

      Besonders hart getroffen sind derzeit die Werften und Containerfabriken in China, die während des Handelsbooms massive Weltmarktanteile gewinnen konnten. Die Nachfrage nach Containern ist negativ, auch der Rohstoffwert ist gesunken mit dem allgemeinen Rückgang der Rohstoffpreise. Da Asien bei weitem am stärksten vom Frachtrückgang getroffen ist, hier waren es im Januar -30%, sind hier kaum noch Arbeitsplätze übrig.

      So, und nun noch ein bisschen unkommentierte Panikmache:

      Exporteinbrüche, Ostasien, Februar:

      China -26%
      Taiwan -45%
      Japan -46%
      Korea -17%

    5. Fried Fertig schrieb am 21. März 2009 at 17:38 - Permalink

      Ja, die kreativen Abschreibungsmodelle. Viele Anleger werden sich noch verwundert die Augen reiben, wenn sie ihre Schiffsbeteiligungen, meist in großen Teilen fremdfinanziert, der wahren Abschreibung anheim führen müssen.

      Ich habe von Hebelgeschäften aller Art nie viel gehalten und auch hier kommt der Bumerang, wie bei geschlossenen Immobilienfonds (insb. Gewerbe/Büroraum) und Filmfonds, die Milliarden steuersubventioniert nach Hollywood geschaufelt haben. Einige haben damit noch gute Geschäfte gemacht (vor allem die Vermittler und Initiatoren), aber bei den meisten in den letzten Jahren gekauften Beteiligungen dieser Art wird der einzige Gewinn die sofortige Steuerentlastung gewesen sein. Doch die Schulden und Kosten dieser Fonds bleiben bestehen, je nach Konstruktion sogar mit “Nachschussverpflichtung”.

      Vielleicht werden auch die Abschreibungen demnächst schon als “Liebhaberei” (fehlende Gewinnerzielungsabsicht) von Steinbrück kassiert, wenn über Jahre nur Verluste anfallen – Auch die Finanzbehörden sind kreativ :-)

    6. Thomas schrieb am 21. März 2009 at 17:55 - Permalink

      Armes Leer.

    7. warumerstjetzt schrieb am 21. März 2009 at 18:10 - Permalink

      Sehr geeehrter Herr Berger,
      meines Achtens hat es nichts mit Panikmache oder dergleichen zu tun, wenn man frühzeitig (nicht erst mit dem Mainstream) über Fakten und Zusammenhänge berichtet.
      Weshalb sehen sie es als Panikmache, wenn bereits im November über 90% Einbruch beim BDI berichtet wird?
      Weshalb sehen sie es als Panikmache, wenn bereits im Dezember über eine Ausdehnung der FED-Bilanz auf über 8 (europäische) Billionen berichtet wird?
      Weshalb betrachten sie es als Panikmache, wenn wirtschaftlich versierte Menschen aufgrund marttechnischer Daten bereits (spätestens) im Januar von Staatsbakrotten in der EU und den USA ausgegangen sind?

      Sie schreiben: “sondern versuche die Ereignisse in einen analytischen Zusammenhang zu bringen. Das war beim BDI im November sicher nicht möglich.”

      Können sie dies auch begründen?
      Weshalb war es nicht möglich?
      Welche Gründe wären zu diesem Zeitpunkt für einen solch radikalen Einbruch des BDI noch denkbar gewesen?

      Analyse bedeutet Fakten in ihre Bestandteile zu zerlegen um ein allgemeines Verständnis über die fraglichen Fakten zu erhalten.

    8. Der Postillon schrieb am 21. März 2009 at 18:21 - Permalink

      Dann dürfte sich das Piratenproblem vor Somalia jetzt ja auf natürliche Weise lösen.

    9. Spiegelfechter schrieb am 21. März 2009 at 18:37 - Permalink

      @warumerstjetzt

      meines Achtens hat es nichts mit Panikmache oder dergleichen zu tun, wenn man frühzeitig (nicht erst mit dem Mainstream) über Fakten und Zusammenhänge berichtet.

      Das hat wenig mit Mainstream kontra Nicht-Mainstream zu tun. Der Mainstream tut sich in letzter Zeit ganz besonders mit Panikmache ohne Substanz vor – das ist nicht unproblematisch, da so etwas oft eine selbsterfüllende Prophezeiung ist.

      Weshalb sehen sie es als Panikmache, wenn bereits im November über 90% Einbruch beim BDI berichtet wird?

      Ich sehe das nicht als Panikmache – nur konnte man im November keine handfesten Gründe für den Einbruch nennen. Damals wurde vor allem über die LoCs debattiert, was sich im nachhinein aber wohl nicht bestätigt hat. Ich halte nichts davon bloße Trends aufzuzeigen, ohne die Zahlen in einen Kontext zu stellen. Abends aus dem Fenster zu schauen und zu rufen “die Sonne verschwindet, wir sind dem Untergang geweiht” ist nun mal nicht mein Stil – das kann man kritisieren, bedauern aber man muss es nun mal so hinnehmen.

      Weshalb sehen sie es als Panikmache, wenn bereits im Dezember über eine Ausdehnung der FED-Bilanz auf über 8 (europäische) Billionen berichtet wird?

      Ich glaube, ich habe darüber auch berichtet. Aber ich halte diese bloße Zahl für nicht sonderlich wichtig, wenn man den Kontext außen vor lässt.

      Weshalb betrachten sie es als Panikmache, wenn wirtschaftlich versierte Menschen aufgrund marttechnischer Daten bereits (spätestens) im Januar von Staatsbakrotten in der EU und den USA ausgegangen sind?

      Diese Menschen sind nicht versiert ;-)

      Sie schreiben: ?sondern versuche die Ereignisse in einen analytischen Zusammenhang zu bringen. Das war beim BDI im November sicher nicht möglich.?

      Können sie dies auch begründen?
      Weshalb war es nicht möglich?
      Welche Gründe wären zu diesem Zeitpunkt für einen solch radikalen Einbruch des BDI noch denkbar gewesen?

      - die LoC
      - Kapazitätenüberschüsse, die plötzlich frei wurden
      - brancheninterne Gründen

      Analyse bedeutet Fakten in ihre Bestandteile zu zerlegen um ein allgemeines Verständnis über die fraglichen Fakten zu erhalten.

      Richtig

    10. Gebintit schrieb am 21. März 2009 at 19:11 - Permalink

      @Der Postillon
      Oder die Reeder schicken ihre Schiffe absichtlich am Horn von Afrika vorbei, gut versichert natürlich.
      Wenigstens bei den Piraten finden die Produkte noch Abnehmer ;-)
      Wäre nicht der eigene Wohlstand in Gefahr, könnte man eigentlich frohlocken, endlich hat dieser Globalisierungs-Wahnsinn ein Ende. Das anglo-amerikanische Modell, nur noch das Geld für sich arbeiten zu lassen, ist gescheitert: gut so! Dem Wahnsinn, dass die Produktion dorthin geht, wo die Sozial- und Umweltstandards am niedrigsten sind, wird hoffentlich ebenfalls Einhalt geboten. Auch das perverse Modell, dass in den alten Industriestaaten die Waren gekauft werden, die in den Billigproduktionsländern produziert werden, mit dem Geld, das immer mehr dadurch verdient wurde, dass Geld aus den besseren Tagen in die aufstrebenden Industrien der Schwellenländer investiert wurde, mit der Hoffnung auf fette Rendite, auch dieses Modell scheint gescheitert zu sein. Gut so!
      Aus meiner Sicht sollte man den Freihandel wieder in seine gesunden Dimensionen zurückdrehen. Wichtige Industrien, Dienstleistungen und erst recht Landwirtschaft sollten alle Nationen sich leisten, auch wenn sie im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig sind. Dann könnten die, die nun durch die Reeder-Krise arbeitslos werden, locker eine andere Beschäftigung finden.

    11. pingel schrieb am 21. März 2009 at 21:45 - Permalink

      “die sich … als beliebtes Anlageobjekt … einer großen Beliebtheit erfreuten”

      ist nicht direkt falsch, aber doppelt gemoppelt

    12. name schrieb am 21. März 2009 at 21:53 - Permalink

      Klasse Artikel Jens, Danke!!

      @10

      Die Piraten sind tatsächlich eine Art positiver Nutzer der gesamten Angelegenheit, wenn von Ihnen die Waren, die sonst irgendwo anders als Überproduktionsausschuß der Vernichtung zugeführt, in eigener Regie ihrem ursprünglich angedachten Gebrauchtwert entsprechend verwendet werden. Dieses Do it yourself ist eine ehrliche, chaotische und wirkliche, wenn auch unfreiwillige Art von Entwicklungshilfe, die an keine Kreditlinien geknüft ist.

      Das Geschäft vor Afrikas Küsten ist der Fang von Fisch und die illegale Verkappung westlichen Giftmülls, und dieses Problem werden die Piraten selbst auch nicht lösen können.

    13. people in motion schrieb am 21. März 2009 at 23:09 - Permalink

      @ Gebintit

      “Aus meiner Sicht sollte man den Freihandel wieder in seine gesunden Dimensionen zurückdrehen.”

      Die Aussage erscheint mir doch sehr unsinnig. Freihandel dreht man nicht auf oder zurück, sondern man gewährt ihn prinzipiell, in dem Glauben, dass ein gesamtwirtschaftlicher Nutzen dabei herausspringt. Sollte sich die Landwirtschaft oder eine bestimmte Industrie in einem Land nicht mehr rentieren, dann ist es zumindest grundsätzlich richtig, sie im freien, internationalen Wettbewerb untergehen zu lassen.

      In Abetracht der Krise den Freihandel überhaupt in Frage zu stellen – und danach klingt dein Kommentar – halte ich für völlig verfehlt. Das, was du hier als “Globalisierungs-Wahnsinn” beschreibst, sind Folgen des freien Marktes, der, sowohl historisch-faktisch als auch theoretisch betrachtet, entscheidende Triebfeder für Wohlstand war und ist.

      Ich will damit nicht völlig undifferenziert allen Auswüchsen des Marktes über die Theorie ihre Absolution erteilen, aber doch darauf hinweisen, dass Einschränkungen der Marktmechanismen zumindest einer fundierten und differenzierten Begründung bedürfen, die sich bei den Punkten in deinem Kommentar, zumindest mir, nicht direkt aufdrängt. Du betrachtest die Vorgänge, meinem Eindruck nach, in erster Linie aus einer moralischen Perspektive, während doch auch eigennützig handelnde Akteure, jenseits aller Moral, wie durch eine “unsichtbare Hand” gelenkt, letztlich gesamtgesellschaftlich Wohlstand erzeugen.

    14. Lemmy Caution schrieb am 22. März 2009 at 00:20 - Permalink

      @people in motion: du bist neu hier, hm. ;-)

      Die vielfachen Problemketten der Krise werden nach wie vor unterschätzt. Die Folgen für die Handelsschiffahrt ist da ein Beispiel.
      Aber jeder Handwerker oder Change/Maintenance Programmierer weiß über die Kosten-Naivität vieler Mitmenschen, wenn so ein komplexes System mal wirklich in den Dreck gefahren ist. Das kann ein Durchlauferhitzer oder eine IT-Infrastruktur sein.
      Die Unterperzeption des Bedrohungspotentials der Krise sieht man allein darin, dass die FDP als einzige Partei (neben den LINKEN), die ihren Diskur nicht angepaßt hat, in Umfragen Stimmen gewinnt
      Die Streßtests der politischen Systeme werden nun langsam anlaufen. Sag jetzt nicht wo { ;-) } .
      Solche Krisen können sehr lange laufen. Und unsere Fähigkeiten, die zu kontrollieren, werden überschätzt. Die Betreuung, Änderung, Implementierung und Planung irgendwie komplexer IT-Systeme liefern da für mich nicht immer schönes, tägliches Anschauungsmaterial. Diese Krise ist natürlich zu existentiell, als dass sie nicht irgendwann überwunden wird. Aber es gibt auch Krisen, die sich immer mehr verschlimmern. Etwa die Überfischung der Weltmeere (Charles Clover, End of the Line) oder in Jared Diamon, Collapse gibts eine Menge interessanter Beispiele.
      Das ist jetzt nicht depressiv. Auf eine Weise kann das auch eine Lehre sein.

    15. aquadraht schrieb am 22. März 2009 at 02:22 - Permalink

      13: Witzig, wie einer 150-200 Jahre Debatte über den Freihandel verschlafen kann. Die Argumente sind in dieser Debatte immer ähnlich. Freihandel nutzt in einem Weltwirtschaftssystem des Typs, der sich in den letzten 500 Jahren als beherrschender durchgesetzt hat (nicht ohne brutalste Gewalt), immer den im Handelssystem Überlegenen.

      Das wurde auch immer und immer wieder artikuliert, von List, Bismarck und Rathenau in Deutschland, von allen US-Politikern bis Wilson (einschliesslich) und von vielen anderen, die in ihrer Epoche nicht den Welthandel dominierten.

      Die Pointe ist, dass derzeit Freihandel eher den Latecomern des Weltsystems zu nutzen scheint, daher China sich vehement gegen Protektionismus ausspricht, während in Europa und den USA die Meinungen eher geteilt sind.

      Deine Behauptung, Freihandel sei der Motor des Wohlstands gewesen, ist ausgesprochen angreifbar. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten die am wenigsten freihändlerischen Nationen, nämlich die USA und Deutschland, das rasanteste Wachstum zu verzeichnen, während die klassische Freihandelsnation England eher stagnierte. Auch in der Folgezeit gibt es entweder keine lineare Beziehung zwischen Handelsliberalität und Wachstum, oder eher eine inverse.

      Einschränkungen der Marktmechanismen bedürfen gar keiner besonderen Begründung, solange nur Marktmechanismen eingeschränkt sind. Es gibt nur einen vernünftigen Grund, Marktmechanismen ihren Lauf zu lassen, nämlich dass davon keine schädlichen Folgen zu erwarten sind.

      Das muss in jedem einzelnen Fall geprüft werden. Oft mag der Marktmechanismus der einfachere Weg sein, mitunter auch durchaus der richtige. Grundsätzlich dem Markt den Vorrang zu geben ist aber in keiner Weise gerechtfertigt.

    16. COPOKA schrieb am 22. März 2009 at 02:32 - Permalink

      @people in motion, #13

      Freihandel dreht man nicht auf oder zurück, sondern man gewährt ihn prinzipiell, in dem Glauben, dass ein gesamtwirtschaftlicher Nutzen dabei herausspringt.

      Möglicherweise war es sogar gut gemeint, das mit dem einzig wahren Glauben.

      Sollte sich die Landwirtschaft oder eine bestimmte Industrie in einem Land nicht mehr rentieren, dann ist es zumindest grundsätzlich richtig, sie im freien, internationalen Wettbewerb untergehen zu lassen.

      Für wen sollte es sich nicht mehr rentieren?
      Hättest du dir die Frage gestellt und beantwortet, würde dir auch die Peinlichkeit mit der grundsätzlichen Richtigkeit erspart geblieben.

      Das, was du hier als ?Globalisierungs-Wahnsinn? beschreibst, sind Folgen des freien Marktes, …

      Das ist eine Binse.

      der, sowohl historisch-faktisch als auch theoretisch betrachtet, entscheidende Triebfeder für Wohlstand war und ist.

      Für wessen Wohlstand?
      Auch wenn alle Nutznießer einer Wirtschaftsordnung grundsätzlich dazu neigen, sie als natürlich zu empfinden, ist es dennoch müßig, eine Ideologie als Theorie zu bezeichnen.

    17. people in motion schrieb am 22. März 2009 at 03:06 - Permalink

      @ aquadraht:

      Ich habe doch gar nicht bestritten, dass der Freihandel bestimmten Akteuren zu bestimmten Zeiten mehr nutzt als anderen. Ich behaupte nur, dass Beschränkungen des Freihandels die Effizienz des gesamten wirtschaftlichen Systems beeinträchtigen. Es mag also aus nationaler Perspektive gute Gründe für, zum Beispiel, Einfuhrzölle geben, diese sind jedoch aus der Sicht eines global Denkenden letztlich kontraproduktiv.

      Der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands und der USA widerspricht meiner These keineswegs. In Deutschland war eine entscheidende Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwung des 19. Jahrhunderts, die Abschaffung der Zölle innerhalb Deutschlands. Auch wenn es dabei um eine Liberalisierung des innerdeutschen Handels geht, liegt doch kein vollkommen anderer Vorgang zu Grunde als beim Handel meinetwegen zwischen Deutschland und Frankreich, oder ganz Europa und Südostasien. Für die USA war zur Zeit ihres wirtschaftlichen Aufschwungs im 19, Jahrhundert eine Erweiterung des Marktes für die wirtschaftlichen Akteure nicht notwendig, da sie erstmal ihre eigenen Grenzen erreichen mussten. Dieses Erreichen der eigenen Grenzen kann man mit dem Bau der Eisenbahn bis zum Pazifik schön illustrieren. Die USA konnten noch innerhalb ihres eigenen Marktes gute Wachstumsergebnisse erzielen. Das sagt nichts über die Beziehung von Freihandel und Wohlstand aus. Also, dass du England, egal in welcher Zeit, als Nation anführst, die verdeutlichen soll, dass der Freihandel nicht in Verbindung mit Wohlstand steht, finde ich witzig.

      Keine deiner Beispiele kann mich davon überzeugen, dass ich entscheidende Teile der 150-200jährigen Debatte über den Freihandel verschlafen haben sollte.

      Darüber hinaus ist die Bedeutung weltweiten Freihandels auch erst mit dem Entstehen globaler Märkte gewachsen. Heute haben wir einen weltweiten Markt und brauchen weltweiten Freihandel zur Erzielung optimaler Ergebnisse. Ob nun China oder Deutschland davon profitiert ist zweitrangig, wenn auch nicht für den nationalen Politiker, dann doch für den Theoretiker und Weltbürger.

      @ Lemmy Caution

      Nein, ich bin nicht neu hier. Ich lese schon seit ein oder zwei Jahren hier mit und mir gefällt der Blog sehr gut. Ich kommentiere allerderdings sehr selten.

    18. people in motion schrieb am 22. März 2009 at 03:21 - Permalink

      @Copoka

      “Möglicherweise war es sogar gut gemeint, das mit dem einzig wahren Glauben.”

      Natürlich steht hinter diesem Glauben auch eine Theorie, die unter Wirtschaftswissenschaftlern zwar mit unterschiedlichem Betonungen doch anerkannt ist, und dessen Schilderung ich mir daher gespart habe.

      “Für wen sollte es sich nicht mehr rentieren?
      Hättest du dir die Frage gestellt und beantwortet, würde dir auch die Peinlichkeit mit der grundsätzlichen Richtigkeit erspart geblieben.”

      Es rentiert sich in erster Linie für die Akteure, die von den Beschränkungen befreit werden und in zweiter Linie, mittelbar, für die gesamte Gesellschaft.
      Die Verwendung des Wortes “grundsätzlich” impliziert lediglich, dass es von diesem Grundsatz auch Ausnahmen gibt. Was daran nun peinlich ist, weiss ich nicht.

      “Für wessen Wohlstand?
      Auch wenn alle Nutznießer einer Wirtschaftsordnung grundsätzlich dazu neigen, sie als natürlich zu empfinden, ist es dennoch müßig, eine Ideologie als Theorie zu bezeichnen.”

      Es geht mir um den Wohlstand aller, nicht nur um den einer bestimmten Gruppe oder eines bestimmten Landes.

    19. people in motion schrieb am 22. März 2009 at 04:02 - Permalink

      @ Copoka

      “Für wen sollte es sich nicht mehr rentieren”

      Die Frage, habe ich nicht richtig beantwortet. Daher jetzt noch einmal im richtigen Zusammenhang: Ein Unternehmen, dass nicht mehr konkurrenzfähig ist, stellt eine Verschwendung von Ressourcen dar, die von anderen effizienter genutzt werden können. Es ist im Sinne der Gesamtheit, dass die verfügbaren Ressourcen so gut wie möglich genutzt werden. Dies wird durch Konkurrenz auf einem freien Markt erreicht. Damit werde ich hier sicherlich niemandem etwas Neues erzählen. In einigen für die Daseinsvorsorge unerlässlichen Tätigkeiten, kann allerdings der freie Markt ungeeignet sein. Daher ist es nur grundsätzlich, nicht ausnahmslos richtig, unwirtschaftliche Unternehmen oder gar ganze Industriezweige ihrem Schicksal zu überlassen.

      Klarstellen möchte ich nocheinmal, dass ich kein Befürworter marktfundamentalistsicher Theorien bin. Das was ich hier als “Wohlstand aller”, “Gesamtnutzen” oder “Effizienz” bezeichne, sollte sich nicht alleine auf wirtschaftliche Kennzahlen beziehen. Ich befürworte eine weite Berücksichtigung realer Lebensverhältnisse, zum Beispiel im Sinne der “Verwirklichungschancen” nach Sen. Es ging mir in meinem Ausgangskommentar mehr darum, deutlich zu machen, dass es verfehlt ist wegen der momentanen Krise die Vorteile freien Wirtschaftens zu vergessen.

    20. Frans schrieb am 22. März 2009 at 08:00 - Permalink

      Die Länder Hamburg und Schleswig Holstein müssen Entscheidungen über das weitere Vorgehen mit der HSH Nordbank treffen. In den ihnen vorliegenden Unterlagen wird weiterhin von guten Entwicklungen am Schiffsmarkt ausgegangen. Hier können riesige Verluste für die Länder auflaufen.

      http://tinyurl.com/Nordbank

    21. Spiegelfechter schrieb am 22. März 2009 at 10:12 - Permalink

      @peopleinmotion

      Die Aussage erscheint mir doch sehr unsinnig. Freihandel dreht man nicht auf oder zurück, sondern man gewährt ihn prinzipiell, in dem Glauben, dass ein gesamtwirtschaftlicher Nutzen dabei herausspringt. Sollte sich die Landwirtschaft oder eine bestimmte Industrie in einem Land nicht mehr rentieren, dann ist es zumindest grundsätzlich richtig, sie im freien, internationalen Wettbewerb untergehen zu lassen.

      Aus der Perspektive der OECD-Staaten hast Du im Kern sicher recht – das läuft auf die Theorie der komparativen Kostenvorteile von Ricardo/Smith aus der grauen Vorzeit der Ökonomie hinaus. In einer hoch arbeitsteiligen, globalisierten Welt mit Internet und Capesize-Schiffen hat sich diese Theorie aber überholt – es gibt Volkswirtschaften, die können eigentlich nichts “besser” anbieten als die Konkurrenz. Diese Volkswirtschaften würden in einem wirklich freien Handel natürlich untergehen. Natürlich kann Protektionismus nicht die Antwort sein – aber ein “faires Handelssystem” mit Regeln, die aus dem Freihandel einen zivilisierten Handel machen, der möglichst gleiche Chancen bietet, ist anzustreben. Davon sind wir aber meilenweit entfernt, wie die WTO-Runden zeigen.

      In Abetracht der Krise den Freihandel überhaupt in Frage zu stellen – und danach klingt dein Kommentar – halte ich für völlig verfehlt. Das, was du hier als ?Globalisierungs-Wahnsinn? beschreibst, sind Folgen des freien Marktes, der, sowohl historisch-faktisch als auch theoretisch betrachtet, entscheidende Triebfeder für Wohlstand war und ist.

      Richtig – aber auch hier sprichst Du aus der Position der OECD-Staaten … und neuerdings auch Chinas. Der freie Markt ist nach den Regeln der “Starken” gewachsen, Interessen der südlichen Länder haben nie eine Rolle gespielt und dort ist historisch-faktisch auch nichts vom Wohlstand als Triebfeder zu vermerkten, wenn man die Zentren der Peripherie einmal herauslässt.

      Ich will damit nicht völlig undifferenziert allen Auswüchsen des Marktes über die Theorie ihre Absolution erteilen, aber doch darauf hinweisen, dass Einschränkungen der Marktmechanismen zumindest einer fundierten und differenzierten Begründung bedürfen, die sich bei den Punkten in deinem Kommentar, zumindest mir, nicht direkt aufdrängt. Du betrachtest die Vorgänge, meinem Eindruck nach, in erster Linie aus einer moralischen Perspektive, während doch auch eigennützig handelnde Akteure, jenseits aller Moral, wie durch eine ?unsichtbare Hand? gelenkt, letztlich gesamtgesellschaftlich Wohlstand erzeugen.

      Marktwirtschaft und freier Handel haben in gewissen Kreisen ein schlechtes Standing. Alternativen werden allerdings auch nicht angeboten – das ist nun einmal so ;-)

    22. Spiegelfechter schrieb am 22. März 2009 at 10:21 - Permalink

      @aquadraht

      Deine Behauptung, Freihandel sei der Motor des Wohlstands gewesen, ist ausgesprochen angreifbar. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten die am wenigsten freihändlerischen Nationen, nämlich die USA und Deutschland, das rasanteste Wachstum zu verzeichnen, während die klassische Freihandelsnation England eher stagnierte. Auch in der Folgezeit gibt es entweder keine lineare Beziehung zwischen Handelsliberalität und Wachstum, oder eher eine inverse.

      Da vergleichst Du mE Apfel und Birnen. England war durch seine Position (Insel, Peripherie, Frühindustriestaat, Kolonialmacht) natürlich ein Freihandelsstaat, der nie einen anderen Weg einschlagen konnte. Deutschland und die USA waren damals Nachzügler, die auf das englische Niveau aufschlossen und es später auch überholten. In einem solchen Position erzielt man natürlich höhere Wachstumsraten. Für die Moderne gilt das (für OECD-Staaten) allerdings natürlich nicht mehr. Wir sind mittlerweile alle Engländer ;-)

    23. meine_meinung schrieb am 22. März 2009 at 15:41 - Permalink

      …” Am schlimmsten ist die Frachtroute von Asien nach Europa betroffen”…

      Daraus ziehe ich jetzt mal meine ganz persönlichen Rückschlüsse über die zu erwartende steigende Qualität von Spielsachen, Kleidung und ähnlichem. Das freut mich.

    24. Peinhard schrieb am 22. März 2009 at 16:00 - Permalink

      “Marktwirtschaft und freier Handel haben in gewissen Kreisen ein schlechtes Standing. Alternativen werden allerdings auch nicht angeboten – das ist nun einmal so ;-)”

      Die werden immer wieder angeboten – aber von den Adepten der ‘unsichtbaren Hand’ (einer wahrhaft religiösen Vorstellung) entweder gar nicht erst wahrgenommen oder mit Hinweis auf untaugliche historische Versuche schon vor jeder eigentlichen inhaltlichen Diskussion abgelehnt. Auch hört man immer wieder Unsinn der Art, die Welt sei schon immer ‘markwirtschaftlich’ gewesen oder Sozialismus baue auf Altruismus und ‘der Mensch’ sei nun einmal nicht so. Auch die Tatsache, dass jeder Vorschlag in ‘marktwirtschaftlichen’ Kategorien diskutiert und an ‘marktwirtschaftlichen’ Kriterien gemessen werden soll, trägt natürlich dazu bei.

      Stattdessen verlegt man sich auf eben die ‘links-liberalen’ und ‘sozialdemokratischen’ Vorstellungen, die gerade so erbärmlich an der Wirklichkeit der ‘Verwertung des Wertes’ un der Geldvermehrung zerschellen. Hauptmanko dabei ist die offenbare Unfähigkeit oder der Unwillen, in ‘stofflichen’ Kategorien zu denken statt in den gewohnten monetären. Da fällt dann auch nicht mehr auf, dass insbesondere die Mär von der ‘optimalen Allokation der Ressourcen’ eben nichts als eine Mär ist – schliesslich trifft es doch – und zwar einzig und allein – auf diese eine Ressource mit Namen ‘Geld’ tatsächlich zu. Nur nicht auf die ‘eigentlichen’ Ressourcen Energie, Rohstoffe, Arbeitskraft, kurz Mensch und Natur. Da wird verschwendet, was das Zeug hält. Und dafür sind gerade die unsinnigen Transportströme der ‘Globalisierung’ kapitalistischen Zuschnitts der beste Beweis…

    25. Karl Heinrich schrieb am 22. März 2009 at 16:21 - Permalink

      @Sf #21

      Natürlich kann Protektionismus nicht die Antwort sein – aber ein ?faires Handelssystem? mit Regeln, die aus dem Freihandel einen zivilisierten Handel machen, der möglichst gleiche Chancen bietet, ist anzustreben.

      Jeder ist ja frei, mehr für Kaffee und Kleidung auszugeben. Alle erzwungene ‘Fairness’ hingegen wäre natürlich nichts weiter als – Protektionismus.

      Zum Verständnis dieser Dinge beigetragen zu haben, dafür hat der aktuelle Nobelpreisträger ja auch seine Auszeichnung bekommen.

    26. Shitop schrieb am 22. März 2009 at 16:23 - Permalink

      @23
      Jetzt eine steigende Qualität von Spielsachen, Kleidung und ähnlichem zu erwarten könnte sich als Fehlschluss herausstellen.
      Viele Produkte wird es nach Abverkauf der Lagerware einfach nicht mehr als Neuware geben. Was ich nicht unbedingt bedauere. Es lebe die zweite Hand. :-)

    27. Spiegelfechter schrieb am 22. März 2009 at 16:49 - Permalink

      @Karl-Heinrich

      Jeder ist ja frei, mehr für Kaffee und Kleidung auszugeben. Alle erzwungene ?Fairness? hingegen wäre natürlich nichts weiter als – Protektionismus.

      Nun, ich meine natürlich nicht das gutmenschliche “Fair-Trade”-System. Wenn man sich beispielsweise die Subventionspolitik der EU anschaut, so ist dies Protektionismus, was auch sonst? Das ist gut für die EU-Bürger, aber weniger gut für die Opfer dieses Protektionismus in der sog. Dritten Welt. Ein Welthandelsabkommen, das allen Ländern eine “faire” Chance gibt, steht nicht unbedingt in Verdacht, den Freihandel komplett außer kraft zu setzten.

    28. people in motion schrieb am 22. März 2009 at 17:23 - Permalink

      @ Spiegelfechter

      Du schreibst:
      “Richtig – aber auch hier sprichst Du aus der Position der OECD-Staaten ? und neuerdings auch Chinas. Der freie Markt ist nach den Regeln der ?Starken? gewachsen, Interessen der südlichen Länder haben nie eine Rolle gespielt und dort ist historisch-faktisch auch nichts vom Wohlstand als Triebfeder zu vermerkten, wenn man die Zentren der Peripherie einmal herauslässt.”

      Ganz Unrecht hast du damit sicher nicht. Aber zum Beispiel in Bereichen landwirtschaftlicher Produktion könnten auch viele kleinere südliche Länder konkurrenzfähige Produkte anbieten, die allerdings durch die Abschottung des westlichen Marktes und gigantische wettbewerbsverzerrende Subventionen zum Schutze der eigenen Landwirtschaft, keine faire Chance auf dem Weltmarkt bekommen. Ein Abbau dieser Ungleichheiten und eine Herrstellung freien Wettbewerbs könnte ein erster Schritt sein, den südlichen Ländern am Freihandel als Triebfeder für Wohlstand teilhaben zu lassen.

      “Diese Volkswirtschaften würden in einem wirklich freien Handel natürlich untergehen. Natürlich kann Protektionismus nicht die Antwort sein – aber ein ?faires Handelssystem? mit Regeln, die aus dem Freihandel einen zivilisierten Handel machen, der möglichst gleiche Chancen bietet, ist anzustreben. Davon sind wir aber meilenweit entfernt, wie die WTO-Runden zeigen.”

      Die Theorie trennt sich, meiner Meinung nach völlig zu Recht, von der Betrachtung einzelner Nationalstaaten hin zu einer globalen Effizienzrechnung. Bezüglich des fairen Handels und der Chancengleichheit, zwar nicht auf Nationalstaaten, sondern auf einzelen Akteure gemünzt, stimme ich zu.

    29. people in motion schrieb am 22. März 2009 at 18:07 - Permalink

      Gehen wir einmal davon aus, dass der freie Wettbewerb dazu geeignet ist, die Nutzung aller Ressourcen zu optimieren und so das Beste gesamtwirtschaftliche Ergebnis zu erzielen. Dieser Gedanke lässt sich dann grundsätzlich auch auf den Handel zwischen einzelenen Staaten erweitern.

      Direkt positiv wirkt sich der freie Wettbewerb natürlich auf diejenigen wirtschaftlichen Akteure aus, welche zum jeweiligen Zeitpunkt, durch die Möglichkeit günstig zu produzieren oder die beste Qualität zu liefern, die stärkste Position auf dem Markt haben. Mittelbar wirkt sich das dann positiv auf die gesamte Bevölkerung aus, da Arbeitslosigkeit und Preise geringer sind.

      Ohne Zweifel hat so ein System auch seine Verlierer, die erstmal rücksichtslos aus dem Kreislauf des Wirtschaftens verdrängt werden. Nach diesem Ausscheiden ist, meiner Meinung nach, der Staat gefordert, diese Verlierer zuerst einmal durch finanzielle Unterstützung aufzufangen und ihnen zum Beispiel durch Fortbildung neue Optionen zu eröffnen. Wichtig ist mir dabei, dass der Staat nicht zum Schutze wirtschaftlicher Auslaufmodelle in den freien Marktprozess eingreift, sondern erst in einem zweiten Schritt, die für bestimmte Menschen bedrohlichen Konsequenzen mit seinen Mitteln zu entschärfen versucht.

      So würde ich zum Beispiel einen Mindestlohn ablehnen, großzügigerer Unterstützung von Arbeitslosen hingegen, insbesondere durch Schaffung neuer Perspektiven, befürworten.

      Ich sehe die Ursache der Unzulänglichkeiten des Freihandels nicht in der Theorie, sondern in der Tatsache, dass er häufig nicht vollständig, sondern nur im Sinne bestimmter nationalstaatlicher Interessen umgesetzt ist, und dass die wirtschaftsrechtlichen Rahmenbedingungen in den verschiedenen Ländern so unterschiedlich sind. An diesen Punkten sollte angesetzt werden.

    30. name schrieb am 22. März 2009 at 19:09 - Permalink

      @24

      Absolut richtig. Die Rechnung mit der verreckten Menschen und der zerstörten Natur taucht in keiner privatwirtschaftlichen Bilanz der ach so freien Marktfloskeln auf. Diese Rechnungen exportiert man, und bekommt sie in einem gewissen Zeitfenster wieder selbst präsentiert.

      Geradezu grotesk, weltfremd und klassenbewusst ist der Kommentar des britischen Wirtschaftsministers in der Wochenendausgabe der FTD, der industrieell mittellos, auf einer zusammengebrochenen Finanzmetropole London sitzend, Freiheit für das spekulative Finanzkapital brüllt. Werte entstehen in der Produktion, und diese Erkenntnis besitzt man sowohl noch in Paris, als auch in Berlin, und in London bildet man sich ernsthaft ein, im Zweifel liessen sich Bartergeschäfte auch über wertloses Papier abwickeln. Während zwischen Paris und Berlin der Wirtschaftskrieg um die verbleibende eigene industrielle Basis geführt wird, winken die Taschenspieler in London mit heissen Empfehlungen an Europa. Mandelson wankt wie eine Leiche, die immer noch nicht begriffen hat, was überhaupt vor sich geht.

      http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:Gastkommentar-Peter-Mandelson-Vorsicht-vor-den-Neo-Colberts/490083.html

      Die Ideologie der freien Märkte ist erledigt, sie ist, was sie immer war, ein politisches Propagandainstrument der Monopole und deren Verkäufer, derjenigen, die freie Märkte fordern, um die Konkurrenz auszurotten, und die tatsächlich entstehenden Kosten profitorientiert zu sozialisieren.

    31. aquadraht schrieb am 22. März 2009 at 19:22 - Permalink

      @SF: Ich vergleiche nicht Äpfel mit Birnen, sondern widerspreche marktfundamentalistischen Dogmen wie dem, Freihandel sei das Effektivste und völlig neutral gegenüber der Marktmacht der Teilnehmer. Die Korrelation zwischen hohem Wachstum und Protektionismus soll nur demonstrieren, dass die Behauptung, Freihandel sei das Effektivste, ideologisch und durch die Empirie nicht gestützt ist.

      Interessanter als der Vergleich mit der Führungsmacht England ist der Vergleich zwischen Nationen, die zu völligem Freihandel gezwungen waren, wie Indien, Irland, Ägypten und China, mit Nationen, die dem Freihandel ganz oder teilweise widerstehen konnten, wie Japan, Deutschland und Amerika (und auch Frankreich). Die Fähigkeit, dem Freihandelsanspruch zu widerstehen, war eine militärische. Wo England das vermochte, setzte es die angeblich wohlfahrtssteigernde Freihandelsdoktrin durch, notfalls mit Kanonenbooten. In Bengalen führte das Ende der 1770er Jahre zu einer Hungersnot, die 35-40% der Bevölkerung dahinraffte, 13-15 Millionen Menschen in einem Land, das bis dahin wegen des Wohlstands und der milden Regierung als eines der Paradiese des Orients galt (dem folgten 3-5 weitere Hungersnöte mit ähnlichen Menschenverlusten bis zur indischen Unabhängigkeit).

      Von den Opiumkriegen rede ich mal nicht, die kommentieren sich selbst. Aber auch in Irland und Ägypten wurden Regierungen, die wirtschaftliche Unabhängigkeit mit einem Schutz des Binnenmarkts erreichen wollten, gewaltsam beseitigt, die Folge war die Zerstörung der heimischen Industrie und waren ausgedehnte Hungersnöte mit Millionen Toten.

      Es hat im 19. und frühen 20. Jahrhundert Debatten über den Freihandel und seine Wohlfahrt stiftende Wirkung gegeben. So verschiedene Persönlichkeiten wie Friedrich List, Friedrich Engels, Walter Rathenau und Otto von Bismarck vertraten dabei die Auffassung, dass aufstrebende Nationen sich Freihandel gegenüber einer übermächtigen wirtschaftlichen Führungsmacht nicht leisten können.

      Der Unterschied der heutigen Globalisierung zu damals liegt in etwas, was Hegel als List der Vernunft bezeichnet hätte. Die Globalisierer sind ihrer eigenen Ideologie aufgesessen, nach der zwischen finanzwirtschaftlicher Papierakrobatik und materieller Produktion kein Unterschied besteht (Du sitzt dieser Ideologie mit Deinem Nutzenbegriff zumindest ein wenig auch auf). Deshalb war es für sie kein Problem, die materielle Produktion in die Billiglohn- oder im Falle Chinas Billigwährungsländer zu verpflanzen, solange sie daraus Profite ziehen und “Finanzvehikel” und “Kapitalmarktprodukte” generieren konnten.

      Die Entwicklungs- und Schwellenländer waren gar nicht weiser, sie hatten nur keine andere Chance, als die Brosamen aufzunehmen. Ironischerweise sind es die “Brosamen”, die sich nun als werthaltig erweisen, während die “Vehikel” und “Produkte” sich in Rauch auflösen.

      Sicher ist die Situation der Schwellenländer auch nicht komfortabel, und das meiste, was Du beschrieben hast, trifft zu. Allerdings weiss ich nicht von Brücken, die ins Leere führen, und das chinesische Stimulusprogramm zielt nicht auf noch mehr Büroraum, im Gegenteil wird der Bau von Sozialwohnungen massiv gefördert, und bis 2010 sollen 95% der Chinesen in einer gesetzlichen Krankenversicherung erfasst sein.

      Egal. Wirtschaftsgeschichte ist faszinierend. Aber Hinweise darauf, dass freier Markt und Freihandel die beste Effizienz bieten, konnte ich in Jahrzehnten darin nicht finden.

    32. COPOKA schrieb am 22. März 2009 at 19:47 - Permalink

      @people in motion, #18

      Natürlich steht hinter diesem Glauben auch eine Theorie, …

      Sorry, aber das, was hinter einem Glauben steht, ist nun mal eine Ideologie.
      Es stimmt zwar, dass in der letzten Zeit eine bestimmte Ideologie Oberhand in menschlichen Köpfen gewonnen hat, nur das alleine macht diese noch lange nicht zu einer Theorie: http://de.wikipedia.org/wiki/Theorie#Bestandteile_von_Theorien
      Oder betrachtest du auch die katholische Lehre als eine Theorie?
      Wenn du diesen Begriff nur als Synonym für Weltanschauung nimmst, so sind wir wieder bei Ideologie angelangt. Einer Ideologie, von denen es wohl gemerkt mehrere gibt und noch mehr geben kann. Jede Ideologie speist sich zwar von einer theoretischen Anschauung, die sind aber alles andere als endgültiges Wissen: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15825/1.html (um nur ein Paar populäre zu nennen).
      Ginge es um naturwissenschaftliche Weltanschauungen, so könnten wir bei diesem Begriff belassen. Nur in unserem Fall betrifft diese Weltanschauung unmittelbar menschliches Handeln und Interessenlagen der Betrachter. In solchen Fällen wäre es angemessener, diese Weltanschauung als das zu bezeichnen, was sie ist – eine Ideologie.

      … noch einmal im richtigen Zusammenhang: Ein Unternehmen, dass nicht mehr konkurrenzfähig ist, stellt eine Verschwendung von Ressourcen dar, die von anderen effizienter genutzt werden können.

      Sorry, aber das ist nun mal Quatsch. Sogar aus theoretischer Anschauung wäre es nur dann der Fall gewesen, wenn alle anderen Randbedingungen identisch oder vergleichbar wären, so wie z.B. “Opel vs. VW” in Deutschland. Und da wäre es wirklich keine Katastrophe, wenn ein Autohersteller untergehen würde.
      In globalisierter Welt ist es so gut wie nie gegeben.

      Es ist im Sinne der Gesamtheit, dass die verfügbaren Ressourcen so gut wie möglich genutzt werden.

      Da reitest du schon auf deinem ideologischen Wunschdenken. Es ist mitnichten im Sinne der Gesamtheit, wenn eine Produktion in einen Ort mit schlechtesten Umweltauflagen verlegt wird, wo die s.g. Humanressorces bis zu ihrer Grenze ausgereizt werden dürften, weil der Landesfürst ganz dicke geschmiert wurde.
      Es sei denn, du meinst die Gesamtheit in ganz engen Grenzen, halt ideologisch.

      Daher ist es nur grundsätzlich, nicht ausnahmslos richtig, unwirtschaftliche Unternehmen oder gar ganze Industriezweige ihrem Schicksal zu überlassen.

      Ja, manchmal ist es sinnvoll. Nur leider wird die Unwirtschaftlichkeit von den Unternehmen und der Gesellschaft ganz verschieden aufgefasst. Aus Sicht der s.g. Finanzindustrie waren in den letzten Jahren sogar fast alle produzierenden Unternehmen unwirtschaftlich geworden, und der Sozialstaat sowieso eine pure Ressourcenverschwendung. So verhält es sich nun mal mit Ideologien.

      Klarstellen möchte ich nocheinmal, dass ich kein Befürworter marktfundamentalistsicher Theorien bin.

      Na ja, dann solltest du etwas differenzierter mit ideologischen Mantras der Marktradikalen umgehen, wie z.B.:

      Es rentiert sich in erster Linie für die Akteure, die von den Beschränkungen befreit werden und in zweiter Linie, mittelbar, für die gesamte Gesellschaft.

      Der zweite Teil dieses Ideologems ist pure Alibiausrede.

      Es ging mir in meinem Ausgangskommentar mehr darum, deutlich zu machen, dass es verfehlt ist wegen der momentanen Krise die Vorteile freien Wirtschaftens zu vergessen.

      Immer, wenn eine Sache oder Idee absolutiert und zu einzig wahrer Vorgehensweise erhoben wird, wird sie zu ihrem Gegenteil umkehrt. An sich ist freie Marktwirtschaft nichts böses. Nur fällt es Menschen verdammt schwer, unideologisch über die Freiheit zu sinnieren, das ist das Problem dabei.

    33. people in motion schrieb am 22. März 2009 at 20:37 - Permalink

      @ Copoka

      Ich kann aus Mangel an Zeit leider nicht mehr auf jedes Detail deiner Kritik eingehen, möchte allerdings noch mal aufzeigen, wieso ich die von mir vertretene Auffassung bezüglich der Effizienz des freien Marktes für eine Theorie und nicht für eine Ideologie halte. Ich werde mich anhand der Bestandteile einer Theorie laut dem von dir verlinkten Wikipedia Artikel voranarbeiten:

      Grundannahme ist (hier bediene ich mich in erster Linie bei Hayek):
      - es gibt kein gesichertes Wissen in menschlichen Angelegenheiten; es lassen sich die Folgen einer Entscheidung nie bis ins letzte Details voraussehen
      - es hängt bei einer menschlichen Entscheidung letztlich alles von Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten ab

      Theoriekern:
      - aufgrund dieser Unkenntnis kann es keinen allgemeinen Planer, im Sinne sozialistischer Wirtschaftssysteme, geben, der Vorgaben zur wirtschaftlichen Betätigung macht
      - um die Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten voll auszuschöpfen und die Kenntnis jedes Einzelnen in das System bestmöglich zu integrieren bedarf es der Freiheit
      - nur bei Gewährleistung freier wirtschaftlicher Entscheidung der Einzelnen kann sich das Wissen der Akteure in Form der Mechanismen von Angebot und Nachfrage, zu angemessenen Ergebnissen verdichten (Smith als Begründer und nahezu alle anderen heutigen Wirtschaftswissenschaftler vertreten diese Auffassung)
      - nur in einem freien System können die häufig im Vorfeld nicht erkennbaren Fortschrittschancen so oft wie möglich genutzt, Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden

      Empirische Belege:
      - ich sehe in der wirtschaftlichen Stärke der westlichen Staaten einen Beleg für meine These, auch wenn die Verbindung von Freiheit im Wirtschaften und Wohlstand schwer herauszuarbeiten ist, da viele andere Faktoren das Bild mit beeinflussen

      Prognosen, Korrektur:
      - eine reine Berücksichtigung wirtschaftlicher Größen, wie das Einkommen und das Bruttoinlandsprodukt, kann nicht entscheidend sein, um die Vernunft eines Systems zu bestimmen
      - es bedarf der Berücksichtigung des Menschen in all seinen Bedürfnissen, welche zum Beispiel durch eine Erweiterung des Gedankens der Nützlichkeit hin zu den Verwirklichungschancen (Sen), in das System der Freiheit integriert werden kann
      - dadurch erweitert sich die Aufgabe des Staates von der Schaffung reiner Rahmenbedingungen für die Wirtschaft hin zum Abbau von Ungleichheiten, Schutz der Umwelt und ganz besonders Förderung von Erziehung und Bildung

      Wieso soll es sich dabei also um eine Ideologie und keine Theorie handeln? Ich verstehe es nicht. Erlangung “endgültigen Wissens”, wie du es schreibst, halte ich (mit Popper) ohnehin für unmöglich. Wenn du das forderst, gibt es in meinen Augen ausschließlich Ideologien und keine Theorien mehr.

    34. Lemmy Caution schrieb am 23. März 2009 at 09:42 - Permalink

      es gibt Volkswirtschaften, die können eigentlich nichts ?besser? anbieten als die Konkurrenz. Diese Volkswirtschaften würden in einem wirklich freien Handel natürlich untergehen.

      Bist du dir wirklich sicher, dass du Ricardos Theorie des komparativen Vorteils wirklich verstanden hast?
      Ich empfehle, das noch einmal durchzulesen:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Komparativer_Kostenvorteil

      Und für die anderen. WECKRUF AUS DER REALEN WELT:
      … und wenn hier immer auf die Schwellen/Entwicklungsländer Tränendrüse gedrückt wird…
      und zwar von Leuten, die es für völlig normal halten, dass ein im Weltmaßstab relativ reiches Land (ehemalige Tätärä) unglaubliche Ströme an Subventionen erhält.

      Viele Schwellenländer v.a. in Asien und Südamerika haben sich in den letzten Jahren vergleichsweise besser als die klassischen Industrieländer entwickelt. Sie sind zwar von der Krise betroffen, aber kurz- mittel- und langfristig geringer als Europa und die USA. Allein schon deshalb, da in Asien und Südamerika die Bankenproblematik deutlich geringer ist, weil die nämlich vernünftige Regulierungen am Start hatten.

      Die underperformer der 50er bis 80er Jahre des letztens Jahrhunderts hatten im COMECON die Möglichkeit die tolle Idee eines gelenkten Handels auszuprobieren. Das Ergebnis war deutlich lachhaft.

      Heute schöpft das im Außenhandel offene Brasilien nicht mal die Zölle aus, die sie gemäß WTO eigentlich setzen könnten.

      Zahlreiche ostasiatische Schwellenländer (v.a. Südkorea, Malaysia, Taiwan, Thailand, Singapur) und in einem geringeren Maße auch Brasilien und Argentinien haben gezeigt, dass Schwellenländer sehr wohl auf der Basis der aktuellen Handelsregeln eine kompetitive Industrie auch in technologie-intensiven Bereichen aufziehen können. Und zwar in einem Ausmaß von dem die selbsternannten “Volksgenossen” aus der Tätärä noch in Hundert Jahren träumen werden.

      Viel näher am klassischen rohstoff-ausbeuterischen Zentrum-Peripherie agieren heute übrigens Venezuela und Bolivien. Da sie über Jahre Ressourcen mit vollen Händen an Parteikader und in einem geringeren Maß an ihre Wählerbasis verteilt haben, sind nun keine Rücklagen da. Venezuela vercheckt gerade die Öleinkünfte der folgenden Jahre zu Dumping-Preisen an chinesische und japanische Banken. Bolivien verkauft Schürfrechte an den Lithium-Vorkommen an französische und russische Konglomerate.

    35. name schrieb am 23. März 2009 at 10:17 - Permalink

      Lemmys Märchenstunde ist mal wieder eröffnet :)

      Chavez hat eben ganz gemein die reiche Oberschicht geschröpft, und in der Krise die Löhne der armen Schweine erhöht, und Lemmy weint und zittert in seiner Provinz hin und her.

      Das kurzfristige asiatische Wirtschaftswunder Lemmy hatte seine direkte Ursache in der Systemauseinandersetzung in Ost und West in Asien, und mit dem Verschwinden dieser, ist von Südkorea, Thailand, Taiwan auch nichts übrig geblieben. Vor allem Lemmy, war dieses direkt über amerikanisches Kapital aus dem militärischen Bereich und der direkten Militarisierung durch das amerikanische Militär in Asiens geprägt. Da ist nichts mit Riccardo, null, nichts von den schönen pseudoliberalen Theorien. In Indonesien brachten diese Diktaturen, von dir “vernünftige Regierungen” genannt, über eine Million Menschen um, und Big Bang Onkel Kohl ging mit diesen Massenmördern fischen.

      Diese politischen Systeme waren politische Diktaturen, die direkt ihrem freiheitlichen Mafiapaten in ökonomischer, politischer und militärischer Hinsicht unterstellt waren. Dieser hat sämtliche Geschicke dieser Staaten mittelbar und unmittelbar bestimmt.

      Das gilt und galt für Südkorea, Taiwan, Thailand selbst für Japan direkt: Sigapur macht als Finanzmetropole und Stadtstaat eine kleine Ausnahme.

      Jetzt kannst du wieder in deinem Märchenbuch blättern Lemmy ;)

    36. Peinhard schrieb am 23. März 2009 at 10:23 - Permalink

      “Gehen wir einmal davon aus, dass der freie Wettbewerb dazu geeignet ist, die Nutzung aller Ressourcen zu optimieren und so das Beste gesamtwirtschaftliche Ergebnis zu erzielen.”

      Dumm nur, dass man genau davon nicht ausgehen kann – wie eben schon ein eher flüchtiger Blick auf die ‘stofflichen’ im Gegensatz zu den ‘monetären’ Bewegungen zeigt. Ein kreuz und quer durch Europa irrender Joghurt, eine Faser, die dreimal den Erdball umrundet bevor sie zum Strumpf wird…

      Umgekehrt wird erst ein Schuh draus: wenn die Vermehrung der abstrakten ‘Ressource’ Geld das Hauptkriterium für Investionen ist, führt das regelmäßig zu katastrophal fehlerhaften Entscheidungen was Bedürfnisbefriedigung und Belastung für Mensch und Umwelt angeht. Dann werden Ferraris gebaut, während gleichzeitig Menschen verhungern, werden wertvolle Rohstoffe in Müll in Form von billigem Tand verwandelt, werden Menschen reduziert zu ‘Humankapital’. Die vielgepriesene ‘optimale Allokation’ gilt in Wahrheit nur für diese eine Ressource namens Geld – alle anderen, vor allem auch die ‘eigentlichen’ Kriterien werden von diesem einen, ‘virtuellen’ Kriterium überlagert und finden allenfalls noch durch Verbote und Verordnungen Berücksichtigung – ein deutliches Zeichen für fehlerhafte Anreize.

      ‘Optimal’ ist dann eben einzig und allein die Geldvermehrung. Und das sieht man ‘der Welt’ auch auf Schritt und Tritt an. Da kann die Wirtschaft auch zusammenbröseln oder ganz darniederliegen, obwohl alle ‘eigentlichen’ Mittel zur Bedürfnisbefriedigung intakt sind – wenn sich nicht aus Geld noch mehr Geld machen lässt, unterbleibt sie eben. Obwohl sich ja schon rumgesprochen haben dürfte, dass man Geld nicht essen kann, und auch zu Behausung und Bekleidung taugt es nicht.

    37. Der Schachspieler schrieb am 23. März 2009 at 10:30 - Permalink

      @COPOKA

      Ob es eine Ideologie, Theorie oder sonst was ist spielt im Prinzip keine Rolle.

      Das was versagt ist immer das gleiche.

      Versagen beruht ausschliesslich auf Sturheit, Machtwillen, Intoleranz, Rücksichtslosigkeit, Bestechlichkeit u.s.w.

      Ob da ein Ideologe, Theoretiker, Naturwisenschaftler oder Theologe der Verursacher ist, bleibt im Endeffekt egal.

      Da nützen meiner Meinung nach auch die “Detaildiskussionen” recht wenig, weil sie am eigentlichen Problem vorbeireden.

      Es geht nicht um die Problempunkte in den gewissen Ideologien-Theorien sondern den Umgang und willkürlichen Missbrauch derer.

    38. Goldener Reiter schrieb am 23. März 2009 at 12:10 - Permalink

      @34 Lemmy Caution

      Allein schon deshalb, da in Asien und Südamerika die Bankenproblematik deutlich geringer ist, weil die nämlich vernünftige Regulierungen am Start hatten.

      Fuer Suedamerkia bist natuerlich Du der Fachmann.
      Aber Asien? Vernuenftige Regulierung des Bankensektors?
      Hast wohl die 90er verschlafen. Selbst der Japanische Bankensektor, der mittlerweile (nach amerikanischen Vorbild!) reformiert wurde (Oh Du heilige Transparenz, die du uns vor allem boesen schuetzt) sitzt noch auf faulen Krediten aus dieser Zeit. Aber auch in den anderen Ostasiatischen Laendern dueften die Banken noch so einige neuere Leichen im Keller haben. Die riechen nur noch nicht, weil vernuenftig gekuehlt wird.

      Ausserdem:
      Suedkorea und Taiwan als Schwellenlaender zu bezeichnen ist auch etwas veraltet! Wennman die rasante wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre schon bemerkt, sollte man auch deren Effekt nicht verkennen.

      Und,
      was bitte ist Tätärä?
      Sind wir auf dem Gefechtsfeld, oder warum verschleierst Du?

    39. Lemmy Caution schrieb am 23. März 2009 at 12:53 - Permalink

      @name: Zu Venezuela sag ich nach diesem Paket vom Samstags nichts mehr. Ich trete nicht auf Regierungen, die schon im Staub liegen!
      Nur so viel: Chávez kündigte eine Steigerung des nominellen Mindestlohns in 2 Schritten um jeweils 10% an. Im Mai und im November. Allerdings ist das ein Reallohnverlust, da die interanuale Inflation noch bei ca. 30% liegt. Und bei den aktuellen Maßnahmen
      - Erhöhung der MwSt
      - Erhöhung der Erdölpreise
      - äußerst fragwürdige geldpolitische Eingriffe
      ist damit zu rechnen, dass der Preisverlust bei Importpreisen zu einem großen Teil durch diese Maßnahmen konterkariert wird.
      Kein lateinamerikanisches Land reagiert so wenig anti-zyklisch wie Chávez.
      http://tinyurl.com/cwmzg2
      http://tinyurl.com/cm5cns

      Kuba wurde im Kalten Krieg deutlich mehr von der SU unterstützt als Südkorea, Taiwan, Singapur von den USA. Trotzdem generieren diese Ökonomien einen unvergleichlich höheren Wohlstand als Castros Insel-Plantage.

      @Goldener Reiter:
      Ostasien hat aus der Krise der 90er gelernt und die Regulierungen für Banken und v.a. von volatilen Finanzinvestitions-Importen verstärkt. Die meisten asiatischen Banken haben sich von der letzten Krise inzwischen recht gut erholt und haben aufgrund von strikteren Regulierungen und Erfahrungen weitgehend nicht an dem Casino-Banking teilgenommen.

    40. people in motion schrieb am 23. März 2009 at 15:28 - Permalink

      @ Peinhardt

      Du schreibst:
      “Ein kreuz und quer durch Europa irrender Joghurt, eine Faser, die dreimal den Erdball umrundet bevor sie zum Strumpf wird?”

      Was du da schreibst, ist Quatsch. Niedrige Transportkosten sind einer von verschiedenen Faktoren, die bei Bestehen freien Wettbewerbs Vorteile bringen und somit äußerst erstrebenswert für den Anbieter sind. Das System fördert also keineswegs unsinniges Umrunden des Erdballs.

      Richtig ist, dass es für den Anbieter einer Ware sinnvoll ist, aufgrund geringerer Transportkosten, besserer Kenntnis der Rechtslage und Überschaubarkeit der Risiken, im eigenen Land oder zumindest nahe des Vertriebs zu produzieren. Dies sind allerdings nur einige Faktoren, welche von anderen überlagert werden können und somit eine weiter entfernt liegende Produktion oder Rohstoffgewinnung sinnvoll machen können.

      Als Beispiel mag hier die Kohle dienen: Die Kosten Braunkohle weiterhin im Ruhrgebiet abzubauen sind weit höher, als würde man sie aus Australien importieren. Die Messung der Rentabilität in Form von Geld, verschleiert hier allerdings keineswegs, dass es dahinter um eine Divergenz im Einsatz anderer Ressourcen geht, wie zum Beispiel Arbeitskraft, Maschinen, die wiederum anderer Ressourcen zur Herstellung bedürfen, oder die Beseitigung von Folgeschäden an darüber liegender Bebauung. Es wäre also im Sinne der Optimierung vorhandener Güter die Subvention des Kohlebergbaus im Ruhrgebiet einzustellen und diesem dem Wettbewerbsdruck auszusetzen, der voraussichtlich zur Einstellung des Abbaus führen wird. Eine Übergangszeit zur Ermöglichung des Strukturwandels im Ruhrgebiet würde ich trotzdem befürworten.

      Die Verwendung von Geld als Zwischentauschmittel hat keinerlei Einfluss auf die effizienzsteigernde Wirkung des freien Marktes. Deine Aussagen diesbezüglich scheinen, zumindest mir, jeder Grundlage zu entbehren, aber das könntest du ja vielleicht noch mal näher ausführen. Ich sehe Verfehlungen der Finanzinstitute, möglich wegen mangelhafter Regulierung, als Hauptgrund und Ausgangspunkt der momentanen Krise. Das mag ultraliberale Theorien widerlegen, nicht jedoch die von mir, in Anlehnung an verschiedene Wirtschaftswissenschaftler, aufgestellten Thesen.

      Zustimmen würde ich dir, dass langfristige Auswirkungen des Wirtschaftens, wie negative Einwirkungen auf die Umwelt, durch die Mechanismen des Marktes nicht ausreichend zur Geltung kommen. Daher muss dort der Staat zum Beispiel durch bestimmte Verordnungen tätig werden.

      Ich sehe mich selber nicht als Verteidiger der herrschenden Ordnung, sondern als ein Mann der Theorie, der am momentanen Zustand vieles zu kritisieren hat und über ein Konzept für ein vernünftiges System nachdenkt. Nur weil etwas nicht funktioniert, ist es also nicht gleich ein Argument gegen mein Vorbringen.

    41. people in motion schrieb am 23. März 2009 at 15:46 - Permalink

      @ Schachspieler

      Wie man bezeichnet, was versagt, mag egal sein; nicht jedoch, was genau versagt. Und das ist meiner Meinung nach nicht das Konzept des freien Marktes zur Schaffung von Wohlstand und Ermöglichung eines selbstbestimmten Lebens. Nur wenn man das Konzept falsch, im Sinne freien Wirtschaftesn als Selbstzweck ohne Einschränkung, versteht, dann ist es auch in meinen Augen Grundlage so manchen Versagens.

    42. Spiegelfechter schrieb am 23. März 2009 at 16:41 - Permalink

      @Lemmy

      Bist du dir wirklich sicher, dass du Ricardos Theorie des komparativen Vorteils wirklich verstanden hast?
      Ich empfehle, das noch einmal durchzulesen:

      Nun, Humor hast Du ja ;-)

      Viele Schwellenländer v.a. in Asien und Südamerika haben sich in den letzten Jahren vergleichsweise besser als die klassischen Industrieländer entwickelt.

      Ja natürlich

      Sie sind zwar von der Krise betroffen, aber kurz- mittel- und langfristig geringer als Europa und die USA.

      Damit widersprichst Du so ziemlich Experten – aber Dein unerschütterlicher Starrsinn obsiegt halt häufiger über vernunft und Wissen.

      Allein schon deshalb, da in Asien und Südamerika die Bankenproblematik deutlich geringer ist, weil die nämlich vernünftige Regulierungen am Start hatten.

      Die Krise ist vielmehr als “Banken”. Schon mal überlegt, wer eigentlich dort investiert hat? Mit welchem Geld? Und wohin fließt eben dieses Geld momentan?

    43. Peinhard schrieb am 23. März 2009 at 17:21 - Permalink

      @40 people in motion

      “Die Verwendung von Geld als Zwischentauschmittel hat keinerlei Einfluss auf die effizienzsteigernde Wirkung des freien Marktes.”

      Darauf könnten wir uns vermutlich sogar einigen – wenn denn Geld tatsächlich nur ein Tauschmittel wäre und wenn die ‘Wirtschaftssubjekte’ jeweils (wenigstens in etwa) gleich stark wären. Geld ist aber in nicht unbeträchtlichem Maße auch ein Machtmittel, und diese Wirtschaft produziert ‘systematisch’ Ungleichheit. Damit sollte auch klar sein, dass es natürlich nicht ‘am Geld liegt’ und dass etwa eine Abschaffung des Geldes unter Beibehaltung des Restes (wie immer das gehen soll mal beiseite gelassen) hier Abhilfe bringen würde.

      “Ich sehe Verfehlungen der Finanzinstitute, möglich wegen mangelhafter Regulierung, als Hauptgrund und Ausgangspunkt der momentanen Krise.”

      Ich sehe dagegen in der ausufernden Spekulation eine Art ‘letzter Zuflucht’ eines Systems, dessen ‘Mehrwertproduktion’ aus ‘lebendiger Arbeit’ zusehends stockt und dass aus eben dieser immer weiter abnehmenden Absorbtion von Arbeit den Grundwiderspruch, mehr produzieren als konsumieren zu können, auf immer ‘systemgefährdendere’ Höhen treibt. Ich sehe daher auch in irgendwelchen Regulierungen der Finanzmärkte keine ‘Lösung’ des Problems.

    44. people in motion schrieb am 23. März 2009 at 18:04 - Permalink

      @ Peinhard

      Aus Zeitgründen zumindest vorerst nur zwei Anmerkungen von mir:

      “dessen ?Mehrwertproduktion? aus ?lebendiger Arbeit? zusehends stockt”

      Stockt die Mehrwertproduktion aus lebendiger Arbeit tatsächlich? Ist nicht die weltweite Produktion in den letzten 50 Jahren kontinuierlich gestiegen? Mein Eindruck ist, dass es noch immer und für unabsehbare Zeit Möglichkeiten der Expansion wirtschaftlicher Art gibt. Sich jetzt auf ein System zurückzuziehen, dass bereits generierten Wohlstand nur noch verwaltet, halte ich, insbesondere in Anbetracht der Situation, in der sich viele Menschen in der dritten Welt befinden, für absurd.

      “Grundwiderspruch, mehr produzieren als konsumieren zu können”

      Wird nicht nur das produziert, was auch jemand konsumieren will? Zumindest auf einem freien Markt sollte das der Fall sein. Ich gewinne mehr und mehr den Eindruck deiner Logik nicht gewachsen zu sein.

    45. Peinhard schrieb am 23. März 2009 at 18:23 - Permalink

      “Ist nicht die weltweite Produktion in den letzten 50 Jahren kontinuierlich gestiegen? Mein Eindruck ist, dass es noch immer und für unabsehbare Zeit Möglichkeiten der Expansion wirtschaftlicher Art gibt.”

      Wenn man die Bedürfnisse betrachtet, ja. Aber wie steht es um die kaufkräftige Nachfrage, die entsprecfhend Beschäftigung braucht? Die Produktivität steigt schon geraume Zeit mehr als durch Produktionsausweitung noch kompensiert werden kann.

      “Sich jetzt auf ein System zurückzuziehen, dass bereits generierten Wohlstand nur noch verwaltet, halte ich, insbesondere in Anbetracht der Situation, in der sich viele Menschen in der dritten Welt befinden, für absurd.”

      Wieso sollte ein alternatives System nur noch ‘Stillstand verwalten’ können? Mir scheint es im Gegenteil wenig Hoffnung für die dritte Welt zu geben, wenn die Dinge so bleiben.

      “Wird nicht nur das produziert, was auch jemand konsumieren will?”

      Und bezahlen kann – ‘Konsumwille’ allein zählt gar nichts. Und wie steht es denn nun um die Produktion, wo die ‘virtuelle Nachfrage’ durch spekulatives Geld fehlt?

    46. Karl Heinrich schrieb am 23. März 2009 at 20:59 - Permalink

      @Peinhard #45

      ?Ist nicht die weltweite Produktion in den letzten 50 Jahren kontinuierlich gestiegen? Mein Eindruck ist, dass es noch immer und für unabsehbare Zeit Möglichkeiten der Expansion wirtschaftlicher Art gibt.?

      Wenn man die Bedürfnisse betrachtet, ja. Aber wie steht es um die kaufkräftige Nachfrage, die entsprecfhend Beschäftigung braucht?

      Das Welt-Bruttosozialprodukt hat sich von 1950 bis 2006 ungefähr verzehnfacht, pro Kopf ver-dreieinhalb-facht. Feine Sache, und in dem Maße wurden natürlich auch Bedürfnisse befriedigt, was denn sonst?

      Dieses Jahr wird es möglicherweise zum ersten Mal nicht steigen, was ja nicht an sich schon katastrophal ist.

    47. Der Schachspieler schrieb am 23. März 2009 at 23:35 - Permalink

      @42 people in motion

      Der Kommunismus hat auch nicht versagt, es waren vielmehr die Einzelheiten.

    48. COPOKA schrieb am 24. März 2009 at 01:05 - Permalink

      @ people in motion, #41

      Wie man bezeichnet, was versagt, mag egal sein; nicht jedoch, was genau versagt. Und das ist meiner Meinung nach nicht das Konzept des freien Marktes zur Schaffung von Wohlstand und Ermöglichung eines selbstbestimmten Lebens.

      Ich schätze, du hast es doch nicht verstanden, was ich dir sagen wollte. Nein, dieses Konzept des freien Marktes ist an sich nicht falsch, nur hat es wie alle theoretischen Konzepte und Prinzipien einen begrenzten Gültigkeitsbereich, was gerne bei derart “Begründungen” vergessen oder übersehen wird. Und genau mit diesem Vergessen oder Ausblenden wird der Bereich der Ideologie betreten: http://de.wikipedia.org/wiki/Ideologie#Allgemeine_Merkmale

      In #33 führst du die wirtschaftliche Stärke der westlichen Staaten als empirischer Beleg für “die Theorie” ein, sprichst jedoch dieser “Theorie” paar Sätze davor und danach allgemeine Gültigkeit zu, obwohl die Empirie auf der globalen Ebene genau das Gegenteil von den Heilsversprechen dieser “Theorie” ist. Ich denke nicht, dass du noch nie Armutsberichte gelesen hast. Eben bin ich über folgendes “gestolpert”: «Die Armen in Entwicklungsländern haben keine dieser Annehmlichkeiten, was sich jedes Jahr für schätzungsweise 18 Millionen von ihnen als tödlich erweist. Die Anzahl der Todesopfer pro Jahr ist höher als während des Zweiten Weltkriegs, …» http://www.project-syndicate.org/commentary/psinger46/German

      Im Übrigen wage ich auch zu bezweifeln, dass dieses Konzept sogar innerhalb westlicher Staaten seine unbegrenzte Gültigkeit auf alle Ewigkeiten hat. Aber damit, da wir doch bei “Globalisierung” waren, möchte ich mich jetzt nicht aufhalten.

      Was bei Extrapolation des “freien” Handels und “freien” Marktes sehr gerne ausgeblendet wird, ist die Tatsache, dass da die Freiheit sehr oft nur auf einer Seite vorhanden ist. Aber für die Partei, die in dieser Lage wirklich frei handeln kann, ist es selbstverständlich “die Freiheit” schlechthin. Genau das nenne ich ideologische Verarbeitung gewisser theoretischen Konzepte.

      Nur wenn man das Konzept falsch, im Sinne freien Wirtschaftesn als Selbstzweck ohne Einschränkung, versteht, dann ist es auch in meinen Augen Grundlage so manchen Versagens.

      Ja, dass ist noch ein Grundstein des ideologisierten “Theoretisierens” – das Wirtschaften wird zum Selbstzweck erklärt und das Nutzen daraus für die Allgemeinheit nur auf mystische Weise deklariert, u.z. bedingungslos und auf alle Ewigkeit – hat’s doch früher funktioniert!
      Es ist durchaus verständlich und nachvollziehbar, wenn Ökonomen bei Analyse marktwirtschaftlicher Mechanismen und Gesetzmäßigkeiten sich von dem Politischen abstrahieren müssen, nur wenn diese abstrakte Konzepte dann als Grundlage für das politische Handeln übernommen werden, so ist es entweder bewusste Irreführung durch “theoretische Begründungen” oder eine banale Dummheit. Für jene, die in gegenwärtiger Lage freier als der Rest sind oder auch andere Vorteile für sich aus diesem Handeln versprechen, ist nun das theoretische Konzept zum Ideologem geworden.
      Nein, das Konzept wird dadurch nicht falsch, aber fehl am Platz.

    49. Goldener Reiter schrieb am 24. März 2009 at 07:47 - Permalink

      @39 Lemmy

      Dein Wort in Gottes Ohr, rein persoenlich wuerde es mich freuen, wenn Du recht behieltest.

      Aber Die Pauschale Aussage, das Ostasien aus der Krise der 90er gelernt hat, ueberzeugt mich nach wie vor nicht. Den Eindruck will man natuerlich erwecken. Insbesondere Japan hat vor diesem Hintergrund seine Regelungen im Bereich Finanz- und Rechnungswesen an das amerikanische Vorbild angepasst, um (wie kreativ) auslaendische Investoren anzulocken.

      Nichtdesdotrotz stehen die Privatbanken in Japan immer noch auf toenernen Fuessen. Und da der Bankensektor ein Dienstleistungssektor der Realwirtschaft ist, werden die aktuellen realwirtschaftlichen Probleme sich auf die Banken uebertragen. Habe gerade heute morgen ein paar “alarmistische” Artikel ueber sinkende Grundstueckspreise in der Tagespresse gefunden.
      Dumm, wenn nicht nur Kredite ausfallen, sondern auch noch die Sicherheiten an Wert verloren haben…

      Mit der Situation in Taiwan, Suedkorea etc. kenne ich mich nicht so gut aus, aber viel besser und beruhigender als in Japan ist die Lage da auch nicht.

      Und zum Finanzcasino: Die werbetechnische und die preudowissenschaftliche Propaganda fuer die “modernen Finanzprodukte” wurde hier (Japan) noch fleissig betrieben, als die Subprime-Krise bereits in vollem Gange war. (Nicht von den Banken natuerlich, sondern von den Wertpapier-Brokern.)

      Wie gesagt, wuerde mich freuen, wenn Du recht behieltest. Trotzdem befuerchte ich, dass dadurch erheblicher Schaden angerichtet wurde, der nur noch nicht zum Vorschein gekommen ist.

      Zu glauben, dass die ostasiatische Geschaeftswelt aus der Finanzkrise der 90er gelernt hat “offen und ehrlich” zu werden, ist jedenfalls grob fahrlaessig. Genauso, dass staatliche Regelungen hier wirklich dass Ziel haetten zu Regulieren.

      Aber dass ist ja auch bei unsereins nicht immer der Fall.

    50. Lemmy Caution schrieb am 24. März 2009 at 08:50 - Permalink

      SF:
      zu David Ricardo:
      du schreibst:

      Aus der Perspektive der OECD-Staaten hast Du im Kern sicher recht – das läuft auf die Theorie der komparativen Kostenvorteile von Ricardo/Smith aus der grauen Vorzeit der Ökonomie hinaus. In einer hoch arbeitsteiligen, globalisierten Welt mit Internet und Capesize-Schiffen hat sich diese Theorie aber überholt – es gibt Volkswirtschaften, die können eigentlich nichts ?besser? anbieten als die Konkurrenz.

      Bei Ricardo geht es nicht darum, irgendwas besser herzustellen als der Handelspartner. Ein Land, das alles schlechter herstellen kann profitiert bereits vom Handel.
      Wikipedia:

      Nach Ricardo lohnt sich Außenhandel für alle Volkswirtschaften, auch für jene, die gegenüber anderen Staaten bei allen Gütern Kostennachteile haben. Weil jedes Land den größtmöglichen Güterertrag erzielt, wenn es die Produkte mit den geringeren Arbeitskosten selbst herstellt und die übrigen Güter im Austausch bezieht, wobei schon die relativen Kostenvorteile die internationale Arbeitsteilung und ihre weitere Spezialisierung gewährleisten.

      Soll ich noch ein bischen Mathe nachliefern oder einigen wir uns darauf, dass die Aussage

      es gibt Volkswirtschaften, die können eigentlich nichts ?besser? anbieten als die Konkurrenz

      für Ricardos Theorie keine Relevanz besitzt?

      Damit sage ich übrigens nicht, dass ich das infant industry Argument rundweg ablehne. Es geht darum, diese einfachen theoretischen Modelle in eine richtige Perspektive zu setzen.

      Damit widersprichst Du so ziemlich Experten – aber Dein unerschütterlicher Starrsinn obsiegt halt häufiger über vernunft und Wissen.

      Wieso? Brasilien, Chile und Uruguay erwarten dieses Jahr ein deutlich besseres BIP-Wachstum als die USA und sämtliche europäischen Staaten ausser vielleicht Polen.
      Ich beobachte die chilenische Wirtschaft sehr intensiv. Gestern wurde bekannt, dass die chinesische Nachfrage nach Kupfer in den ersten 3 Monaten gegenüber dem Vorjahr um 44% gestiegen ist. Und China ist ein BEDEUTENDER Nachfrager von Kupfer.
      Chile, Uruguay und Brasilien bleiben – im Gegensatz zu Argentinien – politisch ruhig. Sogar die Handelsbilanz bleibt leicht positiv. Der Staat hat keine Finanzierungslücke. Es gibt keine Bankenkrise. Im Gegensatz dazu versteht zur Zeit kein Mensch, wie Venezuela seine Haushaltslücke von 30 Mrd schliessen will. Vergleich mal die Risiko-Prämien für Venezuela und Chile. Venezuela muss sich das Geld intern besorgen. Dafür gibts aber überhaupt nicht ausreichend Kredit-Anbieter. Venezoelanische Minister sagen, dass es für einen Staat immer Möglichkeiten gibt, sich zu refinanzieren. Das ist richtig… Es wird immer deutlicher, dass das “neue” von Chávez ein reiner Erdölpreis-Konsum-Boom war, den es dort bereits in den 70ern unter CAP gegeben hat. Es wurden so gut wie keine neuen Produktionskapazitäten geschaffen.

      Die Krise ist vielmehr als ?Banken?. Schon mal überlegt, wer eigentlich dort investiert hat? Mit welchem Geld? Und wohin fließt eben dieses Geld momentan?

      Die Krise ist auf die Gütermärkte übergegangen. In den letzten Monaten wurden eine Menge Buchwerte vernichtet. Auch die recht umfangreichen Anlagen der Asiaten in den USA. Trotzdem war die Politik der Finanzierung der USA durch China nicht dumm für China. China besitzt einfach nicht ausreichend Konsumenten für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Ich hoffe nichts sehnlicher, dass sich die chinesischen Konjunkturprogramme mittelfristig so auswirken, dass in China mehr konsumiert sind. In den USA ist bereits die Sparquote gestiegen. Und ich hoffe ebenfalls, dass dies so bleibt.
      Mit irgendwelchen Kolonial-Theorien kommst du für die Erklärung der Beziehung zwischen uns und den Schwellenländern einfach nicht weiter, wenn du das meinst. Die sind alle am Ausbau ihrer technologischen Kompetenz interessiert. Schwellenländer besitzen davon bereits eine Menge und werden die weiter ausbauen.

    51. Lemmy Caution schrieb am 24. März 2009 at 09:09 - Permalink

      Warum kann ein Öl-Exporteur innerhalb 1 Jahres nach den höchsten Ölpreisen der Weltgeschichte in finanzielle Turbulenzen geraten?
      http://blogs.salon.com/0001330/

    52. Peinhard schrieb am 24. März 2009 at 10:12 - Permalink

      “Das Welt-Bruttosozialprodukt hat sich von 1950 bis 2006 ungefähr verzehnfacht, pro Kopf ver-dreieinhalb-facht. Feine Sache, und in dem Maße wurden natürlich auch Bedürfnisse befriedigt, was denn sonst?”

      Und wie sind in diesem Zeitraum die Preise gestiegen? Darüber hinaus verschleiert die ‘Pro-Kopf-Rechnung’ wieder einmal mehr als sie aussagt… Ferraris und Hochseeyachten auf der einen, Hunger und Obdachlosigkeit auf der anderen Seite sieht man so natürlich nicht.

      “Dieses Jahr wird es möglicherweise zum ersten Mal nicht steigen, was ja nicht an sich schon katastrophal ist.”

      Für viele sicher nicht – für wesentlich mehr allerdings schon… Säuberlich pro Kopf gerechnet – als ob es eine egalitäre Verteilung gäbe oder diese auch nur ansatzweise gewollt wäre – fällt das natürlich wieder nicht auf.

    53. Lemmy Caution schrieb am 24. März 2009 at 11:17 - Permalink

      Peinhard, solche BIP Vergleichsrechnungen sind zu konstanten Preisen, d.h. die Inflation wird da rausgerechnet.
      Mit der egalitären Verteilung ist es so eine Sache. Ich bin sehr gegen eine stark un-egalitäre Verteilung.
      Nur scheint es irgendwo schon eine negative Korrelation zwischen egalitärer Verteilung und wirtschaftlicher Dynamik zu geben. Der indische Bundesstaat Karnakata besitzt eine insbesonders für indische Verhältnisse sehr egalitäre Verteilung. Gleichzeitig ist seine wirtschaftliche Dynamik auch nicht besonders groß. Viele Einwohner sind gezwungen im Ausland zu arbeiten.
      Ich denke, dass die Mehrheit immer dafür sein wird, einen Kompromiß zwischen egalitärer Verteilung und wirtschaftlicher Dynamik zu suchen.
      Egalitäre Verteilung hat einen Preis, der von verschiedenen Leuten unterschiedlich bewertet wird. Ich schätze ihn niedriger ein als Marktradikale und höher als Sozialisten.
      Hab grad 30 hochbezahlte Consulting-Tage bei einem Kunden mit Kurzarbeit adquiriert (ohne Vertriebler zu sein). Dafür mußt du eine gewisse Verrücktheit besitzen, die vom Sozialismus unterdrückt wird. Es macht für den Kunden Sinn. Für uns selbstverständlich auch.

    54. Claus Pichlo schrieb am 24. März 2009 at 17:33 - Permalink

      Die ?Tonnagesteuer? stellt alle Gewinne der Reeder steuerfrei.
      Oder: Wie das einst kriminelle Hinterziehen von Steuern legalisiert wurde.

      Kapt. Claus Pichlo
      13 April 2006
      *
      Die Besteuerung von Gewinnen für eine kleine Gruppe der deutschen Elite, den sogenannten Reedern, wurde ersatzlos gestrichen. Lediglich eine ganz geringe Gebühr für die Schiffstonnage wird fällig, die sogenannte ?Tonnagesteuer?. Die wird aber von den Begünstigten aus der Portokasse bezahlt.
      Die Neuregelung erfolgte durch das Seeschifffahrtanpassungsgesetz vom 01.01.1999, wurde in § 5a EstG niedergelegt und vom Finanzminister Oskar Lafontaine in Kraft gesetzt!
      Durch die Bindung dieser Abgaben (fälschlich ?Tonnagesteuer? genannt um den wahren Sachverhalt zu verschleiern, nämlich die totale Steuerbefreiung) lediglich an das Schiffsregister (und nicht an die Flagge) stellt die so praktizierte Steuerbefreiung geradezu eine Einladung zur Ausflaggung und damit zur weiteren Vernichtung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen deutscher und europäischer Seeleute dar.

      Die verheerende Anwendung der ?Tonnagesteuer? auch für ausgeflaggte Schiffe und die damit verbundene Verschleuderung von Steuergeldern, ist einer der Hauptgründe für den weiteren rasanten Verlust an Arbeitsplätzen an Bord von Schiffen deutscher Eigner.
      Diese schifffahrtspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung haben bereits 1999-2001 die Reduzierung der Arbeitsplätze für deutsche Seeleute um 2.665, also um 18,4 %, innerhalb von nur 15 Monaten, nicht verhindert.
      Die Behauptung der Reeder-Lobbyistin MdB Frau A. Faße (SPD), dass innerhalb der letzten 12 Monate (bis zum 31.12.05) die Beschäftigtenzahl auf deutschen Schiffen um 2500 zugenommen habe, ist eine dreiste Täuschung. Die Zunahme an Arbeitsplätzen für deutsche Seeleute beträgt tatsächlich nur 380, nach Auskunft der Seeberufsgenossenschaft (SeeBG).Die Zahl der Arbeitsplätze für ausländische Seeleute auf deutschen Schiffen hat allerdingst im letzten Jahr um 1782 (!) zugenommen. (Das sind zusammen nur 2162 Arbeitsstellen). Faktisch trommelt die Reederlobbyistin MdB. A. Faße, ganz im Sinne ihrer Klientel, somit für die Besetzung von Arbeitsstellen auf deutschen Schiffen mit ausländischen Seeleuten!
      Die positive Darstellung der Situation in der deutschen Seefahrt durch MdB Frau Anette Fasse, in der Presse vom 02.02.06, ist eine reine Veralberung einer unwissenden und gleichgültigen Öffentlichkeit.
      Seit Einführung der ?Tonnagesteuer? am 01.01.1999 hat die Zahl der deutschen Seeleute tatsächlich von etwa 7600 damals auf 7664 heute (31.12.05) zugenommen, das sind etwa 64 Leute, eine Zunahme von 0,8% in 7 Jahren (!). Da die Beschäftigtenzahlen für deutsche Seeleute aber erheblich im Monatsryhtmus schwanken, kann diese Zahl in wenigen Tagen aber schon satt im Minus sein. Der Abbau an Arbeitsplätzen auf deutschen Schiffen (für Deutsche und Ausländer) überhaupt, betrug für diesen Zeitraum aber 4213 Stellen, ein Rückgang von 24,5% (!).
      Nach Kenntnis der wirklichen Zahlen der SeeBG. stellt sich also die ?Tonnagesteuer? eher als ein Jobkiller für deutsche Seeleute dar. Besonders wenn man die gewaltige Tonnagesteigerung deutscher Reeder seit 1999 sieht!

      Die ?Tonnagesteuer?, eine Umverteilungsmaschine von unten nach oben, an Abschreibungskünstler, Spekulanten und Investoren in Schiffsbeteiligungsfonds, die bereits übermäßig mit Steuergeschenken gesegnet sind, muß sofort beendet werden weil diese Riesensummen nicht als Investitionen in die deutsche Wirtschaft zurückfließen, auch nachweislich keine Arbeitsplätze auf deutschen Schiffen schaffen, sondern auf Nummernkonten im Ausland landen. Wenn dieses Steuergeschenk aber tatsächlich in Schiffsneubauten investiert wird, werden die Aufträge an ausländische Werften vergeben. Die ?Tonnagesteuer? macht keinen Sinn wenn zwar Unmengen Schiffe für deutsche Anleger gebaut werden ( 70% der Weltcontainerschifftonnage gehört bereits deutschen Anlegern) aber kein Cent Steuern gezahlt wird und deutsche Seeleute weiter von Bord gejagt werden?
      Die Behauptung, dass bei ersatzloser Streichung der ?Tonnagesteuer? alle sogenannten Reeder sofort wieder ihre Schiffe unter Liberiaflagge bringen würden und wieder unter die Flagge des Massenmörders Taylor (oder dessen kriminelle Nachfolger) in Liberia flüchten, ist nur bedingt wahr. Denn erstens kassieren die Reeder ja bereits sowieso Subventionen und geniessen die ?Tonnagesteuer? auch wenn sie ihre Schiffe unter ausländischer Flagge weiter laufen lassen und zweitens schaffen sie weder Arbeitsplätze noch andere Werte für unser Land wenn sie ?Tonnagesteuer? kassieren.
      Die Reeder, die damit drohen sich bei Streichung der ?Tonnagesteuer? wieder mit Verbrecherstaaten zu verbünden (Liberia und andere), stellen keinen Verlust für das deutsche Volk dar.
      Im Gegenteil, ein schon fast kriminelles Steuer ? und Subventionssystem, das durch skrupellose Finanzstaatssekretäre (Horst Köhler) und Politiker (O. Lafontaine) gesetzlich legalisiert wurde, Leute für die das Sozialstaatsgebot unserer Verfassung wohl eher ein Lippenbekenntnis ist, wird endlich abgeschafft und der Steuergerechtigkeit ein kleiner Dienst erwiesen. Dem Staat entsteht kein finanzieller Schaden weil die Spekulanten und Abschreibungskünstler so oder so keine Steuern in unserem Lande bezahlen.
      Auch das sogenannte ?Zweitregister? hat der deutschen Volkswirtschaft nur finanziellen Schaden verursacht und die Arbeitsplätze für deutsche Seeleute vernichtet. Das Register sollte ebenfalls sofort geschlossen werden.
      Auch wenn die Spekulanten ihr Kapital nach Streichung der ?Tonnagesteuer? wieder ausschließlich in ausländischen Fonds anlegen ist das überhaupt kein Verlust, denn unser Staat spart dadurch große Summen an sonst auch noch zusätzlich fälligen Subventionen mit denen die Personalkosten auch noch sozialisiert wurden, aber nicht den geringsten Nutzen für die deutschen Seeleute brachte. Reeder die wieder zurück zu ihrem Gesinnungsgenossen Präsident Taylor & Co. , bzw. dessen Nachfolgerin nach Liberia laufen, sollen sich dann auch alle ihren übrigen Subventionen dort abholen!
      Sowohl die Streichung der ?Tonnagesteuer?, als auch von gesetzlichen Sonderregeln bei der Schiffsbesetzung sowie sämtlicher Subventionen für die Schiffseigner sind nach dem Debakel mit diesen Instrumenten zur Schaffung von Arbeitsplätzen auf ?deutschen? Schiffen, unerlässlich.
      Besonders auch wenn man nicht weiter einer sehr kleinen Gruppe von Abkassierern und Sozialschmarotzern sowie ihren Politikern bei der Plünderung von Volksvermögen tatenlos zusehen will. Es ist außerdem für einen Rechtstaat und eine Demokratie absolut unmöglich und sinnlos mit einem Verbrecherstaat wie Liberia konkurieren zu wollen wenn es um Sonderrechte für Superreiche geht.

      Das Problem mit der Bereitstellung von ausreichend zivilen deutschen Schiffen und Besatzungen für die Versorgung von deutschen Kampftruppen in Entwicklungsländern kann nur dadurch behoben werden, dass man sich einfach an solchen Kriegsverbrechen nicht beteiligt und sich auf die Verteidigung des eigenen Staatsgebietes beschränkt!
      Ansonsten hat man ja beste Erfahrungen mit Zwangsverordnungen gemacht, wenn es darum geht dass deutsche Staatsbürger, im ?Verteidigungsfalle?, ihre Transportkapazitäten dem Staat zur Verfügung zu stellen haben. Warum sollen eigentlich ?Reeder? davon ausgenommen werden?
      Reeder, die sich ihrem Land im ?Überlebenskampf gegen den Terror? am Hindukusch nicht verpflichtet fühlen, und sich und ihre Schiffe dem Zugriff durch ihren Staat entziehen, sind überhaupt kein Verlust für ihr Land, auch wenn sie sich in Florida oder sonstwo im Ausland ansiedeln. Wir sollten solchen ?Staatsbürgern? keine Träne nachweinen!
      Es wird allerhöchste Zeit, dass ein wichtiger Artikel unseres Grundgesetzes (Artikel 14 [2]), nämlich dass (hochsubventioniertes) (Schiffs)Eigentum verpflichtet, wieder mit aller nötigen Konsequenz durchgesetzt wird.
      Wie lange will sich das Deutsche Volk die Plünderung der Staatskasse durch eine total enthemmte Elite noch gefallen lassen?
      Mit der verlogenen Begründung der Reeder und ihrer Politiker, dass die gewaltigen Subventionen an die Reeder gezahlt werden müssten, damit sie deutsche Seeleute einstellen könnten, füllen sie sich die Taschen und kommen ihren Versprechen trotzdem nicht nach. Die Reeder stellen bereits seit 20 Jahren keine Deutschen mehr ein und bilden auch keine aus. Der Beruf des Seemannes ist seit langem tot in diesem Lande und nicht mehr zu beleben. Unter diesen Umständen sollte darum der Beruf des Seemannes in unserem Lande in keiner Weise mehr gefördert werden, wenn der Gesetzgeber nicht willens ist, die sinnvolle Verwendung der Subventionen auch zu überprüfen und zu verantworten.
      Mit den dann eingesparten Subventionen könnte sich die Bundesmarine eine eigene Versorgungsflotte vom Feinsten auf dem freien Markt leasen oder chartern, oder sogar selbst bauen, und der Staat wäre nicht mehr durch die Reeder erpressbar.
      Das diese geleasten Schiffe dann mit ihren ausländischen Besatzungen zur Versorgung im Kriegseinsatz eingesetzt werden, und also gegen das Völkerrecht und die Genfer Konvention verstoßen, ist belang- und folgenlos . Die Bundesregierung beteiligt sich bereits seit längerem an Kriegsverbrechen in großem Umfang, (Überfall und Besetzung Afghanistans, den Irak, Einmarsch in den Kongo nach eigenem Gutdünken etc.) und wird dabei von den USA zuverlässig vor jeglicher Rechenschaftslegung geschützt.
      Und wie gewaltig die einzusparenden Subventionen tatsächlich wären, kann jedermann feststellen wenn er zu einem versierten Steuerberater geht und sich nach den Förderungen erkundigt, die er ab Indienststellung seines ersten Schiffes in Anspruch nehmen könnte.
      Die sogenannte ?Küstengang? der SPD, zu der die Abgeordneten Herr Reinhold Robbe MdB aus Ostfriesland, (neuerdings sinnigerweise Beauftragter des Parlamentes für die Bundeswehr), Frau Anette Faße MdB aus dem Wahlkreis Osterholz-Cuxhaven und Herr Roberts MdL aus Cuxhaven gehören, sind die eifrigsten Verfechter dieses Geschenkes an die deutschen Spekulanten und Couponschneider im Reedereigeschäft. Damit outen sie sich als Lobbyisten der Konzerne und Aktionäre zu Lasten der deutschen Steuerzahler und der deutschen Seeleute.
      Die Behauptungen dieser Lobbyisten des maritimen Unternehmertums und seiner Aktionäre, dass die ?Tonnagesteuer? Arbeitsplätze für Seeleute schaffe und zu Investitionen in die Infrastruktur der deutschen Häfen führe, ist also falsch und eine glatte Schutzbehauptung.
      Subventionen dieser Art, reine Geldgeschenke die einzig und alleine dem Erlangen des Wohlwollens der Eliten, der reichen und mächtigen Lokalmatadore in den fraglichen Wahlkreisen der Politiker dienen, sind mitverantwortlich für die großen Haushaltsprobleme unseres Landes. Haushaltsprobleme die dann kaltblütig als Argument für Kahlschläge im sozialen Bereich herhalten müssen, die die Agenda 2010 und andere Frontalangriffe auf den Sozialstaat legalisieren sollen. Das ist Neoliberalismus in Reinkultur.
      Die neoliberale, treffender wohl eher neokonservative (asoziale) ?Reformpolitik? der Herrn Kohl und Schröder und der Dame Merkel ist ein Raubzug der Reichen an den unteren und mittleren Einkommensgruppen und damit auch genauso gegen die kleinen national operierenden Unternehmer und Handwerker unseres Landes gerichtet.
      Es handelt sich um einen regelrechten Rollback in längst vergangene Zeiten durch die reaktionären Schichten unserer Gesellschaft.
      Der Klassenkampf der Elite unseres Landes wird der Bevölkerung aufgezwungen und geht nun in die Endphase.
      Es ist erstaunlich wie lange bereits solche unverschämten Rollgriffe in die Staatskasse wie die ?Tonnagesteuer? von den Betroffenen klaglos hingenommen wird!
      Es besteht der Verdacht, dass eine gewisse Verblödung in weiten Kreisen der Unterprivilegierten bereits soweit fortgeschritten ist, dass sie ihre demokratischen Pflichten (an der Wahlurne wenigstens) überhaupt nicht mehr wahrnehmen können. Dass darum die Seelenruhe und Unverfrorenheit mit der die Elite sich diesen Staat zur Beute macht, vollauf begründet ist.
      Wahrscheinlich ist die ?Moralische Wende? von Kanzler Kohl, von 1982, das erfolgreichste politische Programm der Nachkriegszeit. Genauso durchschlagend waren seine Erfolge bei der Einführung der privaten Fernsehsender und bei der freiwilligen Gleichschaltung weiter Kreise der deutschen Medien überhaupt (Mainstreampresse). Diese Frontalangriffe gegen die Demokratie in unserem Lande zeigen bereits Folgen, die wohl nicht mehr zu reparieren sind.

      Würde noch jemand in diesem Lande den Willen und den Mut haben solche Verhöhnungen des Sozialstaatsgebotes unserer Verfassung wie die sogenannte ?Tonnagesteuer? ernsthaft zu bekämpfen, und könnten die Bundesländer sich auf eine sorgfältigere Steuerpraxis verstehen, ließen sich viele zig Milliarden an legaler und illegaler Steuerhinterziehung vermeiden.
      Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums gehen dem Staat jährlich ca. 345 Milliarden ? alleine durch Schwarzarbeit verloren, von der in erster Linie auch die (großen) Unternehmen profitieren! (Stand:April 06).
      Die Behauptung aller Neoliberalen, dass die Steuerflucht der Asozialen (der Elite unseres Landes) nicht zu verhindern sei wenn man sie zu sozialem Verhalten zwingen will, ist eine Lüge und zeigt dass die Politik mit den Eliten (den scheuen Rehen) gegen das Volk unter einer Decke steckt.
      Alle Nachbarstaaten und auch die U.S.A. kennen ein solches von der Politik sanktioniertes Verbrechen der Steuerflucht garnicht, weil sie bereits vor Jahrzehnten entsprechende Gesetze erlassen haben. Was sich bei uns auf dem Gebiet der ?Steuervermeidung? abspielt ist nur deswegen nicht kriminell, weil es von Politikern aus allen Parteien, die sich als Lobbyisten des Kapitals gegen das Volk verstehen, gesetzlich legalisiert wurde. Diese schamlose Ausplünderung des Volksvermögens durch eine kleine aber mächtige asoziale Gruppe (Elite) zerstört auf mittlere Sicht alles notwendige Vertrauen in unseren Rechtstaat und macht die Demokratie dann zu einer Farce.
      Während der Anteil der Gewinne am Volkseinkommen kräftig angestiegen ist und auch die Vermögen beträchtlich angewachsen sind, sind die Einnahmen des Staates aus Gewinn- und Vermögensbesteuerung von 1991 bis 2004 von 69 Mrd. Euro auf 67 Mrd. Euro gefallen. Die Massensteuern dagegen haben in demselben Zeitraum kräftig zugelegt. Sie sind von 236 Mrd. auf 317 Mrd. angestiegen.
      Damit ist eines klar: Der Staat verzichtet zunehmend darauf, Gewinn und Vermögen zu besteuern. Um das Defizit nicht zu groß werden zu lassen, werden erstens soziale Leistungen und die öffentlichen Personalausgaben gekürzt und zweitens die Massensteuern erhöht.
      Die geplante Mehrwertsteuererhöhung ab 2007 und die weiteren Kürzungen im sozialen Bereich setzen diese Strategie fort.
      Steuergeschenke wie die ?Tonnagesteuer? rechtfertigen den Vorwurf der legalen Steuerveruntreuung durch den Staat und belegen den Ausspruch:

      ?Der Staat, die soziale Hängematte der Reichen?.

      Die Zustände aus den USA nun auch bei uns! Die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident, beide eingefleischte Anhänger der Politik der Neo-Cons in den U.S.A., garantieren dafür.
      Einer der Hauptdrahtzieher bei der Einführung der ?Tonnagesteuer? war der ehemalige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium (bis Herbst 1998) Herr Horst Köhler, ein strammer Verfechter des Neoliberalismus und der Globalisierung, nun Bundespräsident.
      Aus der Sicht der Menschen in diesem Lande, die ohne wenn und aber für das Grundgesetz und die Demokratie eintreten, wurde mit Herrn Köhler ein Bock zum Gärtner gemacht!
      Herr Köhler diente den USA, als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington, zur Durchsetzung ihrer globalen Interessen, auch in unserem Lande. Dieser Posten wird von den USA normalerweise stets nur mit handverlesenen US-Bürgern besetzt, denn der IWF, obwohl eine UN-Unterbehörde, ist die finanzielle Keule der USA gegenüber armen Ländern, die sich den imperialen Interessen der USA widersetzen. Genau diesen Ansprüchen genügte Herr Köhler bis zu seiner Versetzung durch das US-Regime in das Bundespräsidialamt, wo er aber nun weiter dafür sorgt, dass der Sozialstaat deutscher Prägung (Soziale Marktwirtschaft) nicht mehr als leuchtendes Beispiel für das amerikanische Volk gelten kann, dass der Sozialstaat ein und für alle male abgeschafft wird. Und zwar gründlich. Das US-Kapital erwartet die zügige Handhabbarmachung der deutschen Wirtschaft und Sozialsysteme für US-Spekulanten.
      Die Inkarnation dieser Politik ist die von Herrn Köhler als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium einst geschaffene ?Tonnagesteuer?.

      ANHANG.

      Was sind Billigflaggen?
      Dieses den Reedern nützende System in der Weltwirtschaft hat seinen Ursprung in den 1920er Jahren in Panama, als Schiffseigentümer aus den USA und Europa die strengen Vorschriften und Inspektionen (TÜV für Schiffe) zu unterlaufen suchten und ihre Schiffe gegen eine geringe Gebühr unter panamesischer Flagge laufen ließen. Heute ist mehr als die Hälfte der Welthandelsflotte in solchen Billigflaggenländern registriert. Die Reeder zahlen dadurch keine oder kaum Steuern für ihre Schiffe, Schiffsbesatzungen werden mit Hungerlöhnen abgespeist. Soziale-und Sicherheitsstandards sind Fremdworte oder werden auf niedrigstem Niveau gehalten.
      Zu diesen Konditionen unter Billigflagge fährt heute auch fast die gesamte ?deutsche? Handelsflotte. Diese Konditionen können auch nicht mehr durch die ?Tonnagesteuer? getoppt werden wenn sie nicht zusätzlich noch durch erhebliche Subventionen und gesetzliche Sondervorschriften bei der Schiffsbesetzungsverordnung ergänzt werden!
      ?Die Arbeitsbedingungen auf den Billigflaggenschiffen sind zum Teil dramatisch schlecht?, sagte eine ver.di-Sprecherin.

      Was heißt Zweitregister?
      Der Deutsche Bundestag verabschiedete 1989 das ?Gesetz zur Einführung eines zusätzlichen Registers für Seeschiffe unter der Bundesflagge im internationalen Verkehr ( Internationales Schifffahrtsregister ? ISR )?.
      Danach können Seeleute, die in Deutschland keinen festen Wohnsitz oder ständigen Aufenthalt haben und nicht dem Deutschen Recht unterliegen, nach der üblichen Heuer ihrer Herkunftsländer oder nach frei vereinbarten Heuertarifen bezahlt werden. ( Hungerlöhne auf deutschen Schiffen). Gegen das Gesetz der damaligen CDU/FDP-Bundesregierung stimmten die SPD und die Grünen. Die SPD sprach von einem Arbeitsplatzvernichtungsprogramm für etwa 10.000 deutsche Seeleute. (Diese Vorhersage hat sich bis Ende 2005 voll bestätigt) Alle großen deutschen Reedereien wie Hapag Lloyd oder Hamburg Süd haben heute ihre Schiffe ausgeflaggt oder lassen sie unter dem ISR laufen.
      Das Zweitregister, nach dem deutsche Reeder ihre Schiffe unter deutscher Flagge betreiben können, ohne die gesamte Besatzung, sondern nur bestimmte Führungspositionen nach deutschem Tarifen bezahlen zu müssen, wurde 1999 geändert. Die Anzahl der Leute in ?bestimmten Führungspositionen? ist mit der Schiffsbesetzungsverordnung vom 01.01.1999 noch einmal erheblich reduziert worden (!). Schiffsoffiziere kommen nun auch aus Drittländern. Von den ?bestimmten Führungspositionen? ist nur noch der Kapitän übrig geblieben. Das bedeutet das keine deutschen Schiffsoffiziere mehr zu Kapitänen ausgebildet werden können! Und noch verheerender: die Nachwuchsnautiker die man heute in die Seefahrt lockt, werden keinen Ausbildungsplatz mehr finden solange sie nicht zu den Standards (vor allen Dingen was die Bezahlung betrifft) wie ihre Kollegen von den Gilbertinseln fahren wollen.
      Die viel später in Europa bekannt und berüchtigt gewordene Bolkensteinrichtlinie ist in der deutschen Seefahrt seit 1989 bereits feste Praxis. Es herrscht auf Schiffen des Zweitregisters praktisch ein regelrechtes Apartheid – Regime. Eine soziale Diskriminierung von Menschen aus den Elendsländern der sogenannten ?Dritten Welt?, an Bord deutscher Schiffe, wie es sie in dieser Form niemals vorher gab.

      Was ist eine bareboat ? charter?
      (Vermietung des Schiffes ohne Besatzung).
      Zitat: ??Die Reeder, erläutert indes Benze (der für Seefahrt bei ver.di ehemals zuständige Funktionär, Anm. C.Pichlo), hätten schnell entdeckt, dass sie billiger fahren, wenn ihre Schiffe zwar im deutschen Register eingetragen sind, aber unter Billigflagge betrieben werden. Das geht mit einem Trick, der “bareboat- charter” heißt: Der Reeder stellt für sein Schiff einen Antrag es aus wirtschaftlichen Gründen befristet – für zwei Jahre – unter andere Flagge stellen zu dürfen. Das Schiff wird “bare”, also ohne Besatzung, verchartert, am Heck eine Billigflagge gesetzt, obwohl dort weiter “Bremen” oder “Hamburg” als Heimathafen stehen, der Charterer besorgt billige Arbeitskräfte und schickt das Schiff auf Fahrt. Die Sache hat laut Benze drei Haken: Erstens wird der Reeder nach wie vor durch die Tonnagesteuer begünstigt; zweitens ist das Ganze nur ein formaler Trick; der neue Charterer kann eine fremde Firma, ein Tochterunternehmen oder der Reeder selbst sein; und drittens ist die Befristung Makulatur, weil jederzeit beliebig viele Verlängerungsanträge möglich sind… Zitat Ende.
      Fazit der ÖTV: “Die Tonnagesteuer in der jetzigen Ausgestaltung stärkt eher die billigen Flaggen als die deutsche Handelsflotte.”

      Was bedeutet Kombilohn in der deutschen Seeschifffahrt?
      Am 01.01.1999 wurde vom Finanzminister O. Lafontaine das Gesetz eingeführt, dass den Reedern 40% (ab 2005 dann 80%, laut den sog. ?Lübecker Absprachen? mit Kanzler Schröder vom 26.Mai 2003) der Lohnsteuer der deutschen Seeleute zuspricht. Es handelt sich also hierbei praktisch um eine weitere Übernahme von Lohnkosten der Reeder durch den Staat, zusätzlich zu den bisher üblichen Lohnsubventionen für Auszubildende z.B. (25000 ? einmalig pro Mann) und auch für Kapitäne z.B. (16500? pro Mann und Jahr) sowie für den Rest der Crew! ( Bundesanzeiger Nr 76 vom 22.April 2005 / Pos.3.2 und Bundesanzeiger Nr.243 vom 31.Dezember 2003 / Pos.3.5)
      Damit wurde in der deutschen Seeschifffahrt der Kombilohn verdeckt bereits 1999 eingeführt. Angeblich haben die Gewerkschaften nichts davon gemerkt. Herr Sommer vom DGB jedenfalls kämpft immer weiter unverdrossen gegen den Kombilohn, weil sich das auf Kundgebungen so schön anhört, obwohl die ÖTV damals den Kombilohn in der deutschen Seeschifffahrt skrupellos mit aushandelte und verteidigte! Wenn das die Gewerkschafter wüssten……..

    55. Gebintit schrieb am 24. März 2009 at 18:07 - Permalink

      @ people in motion, Nr.13
      Leider bin auch ich gerade etwas gestresst und kann jetzt erst antworten. Dass mein Plädoyer für weniger Freihandel Widerspruch auslösen würde, war klar. Viele haben ja schon für mich auf deine Aussage, “Freihandel dreht man nicht auf oder zurück, sondern man gewährt ihn prinzipiell, in dem Glauben, dass ein gesamtwirtschaftlicher Nutzen dabei herausspringt.”, geantwortet. Bei einer so “digitalen” Definition von Freihandel: entweder 100% Freihandel oder kein Freihandel, gibt es i.d.T. keinen Freihandel.
      Auf die extrem beschützte Landwirtschaft in Europa und den USA wurde schon hingewiesen. Aber auch Schlüsselindustrien werden selbst von so angeblichen Vorreitern des freien Handels, wie den USA, plump geschützt. Ein besonders dreister Fall war das “Byrd Amendment”, das z.B. die drastischen Strafzölle auf Wälzlager direkt den amerikanischen Konkurrenten zuspielte. Deutsche Hersteller, wie die Schaeffler-Gruppe, waren hier die Opfer, wohingegen einer der größten Profiteure dieser Zölle, der Kugellagerhersteller William Timken war, der dann auch noch zum Botschafter der USA in Deutschland berufen wurde. Mit kaum noch zu überbietender Arroganz soll übrigens das Außenministerium der USA dies wie folgt kommentiert haben “… angesichts der wirtschaftlichen Probleme Deutschlands sei bewusst ein Unternehmer nominiert worden, der die Situation bestens analysieren könne. Deutschland sei zur Lösung dieser Probleme nun einmal nicht selbst fähig.” (nach WIKIPEDIA). Erst die Androhung scharfer Gegenmaßnahmen durch die EU konnte die USA zu einem langsamen Nachgeben bewegen.
      Heutiger “Freihandel” ist also ein Handel, in dem Regeln gelten, die viel mit Feilschen und Macht und eher weniger mit Freiheit und noch weniger mit Fairness zu tun haben.
      Aus meiner Sicht sind protektionistische Maßnahmen in bestimmten Fällen legitim, z.B. wenn a) existentiell bedrohliche Abhängigkeiten vom Ausland entstehen könnten b) soziale und ökologische Standards durch Wettbewerb gefährdet werden. So sind afrikanische Staaten einfach nur dumm, machtlos, oder gekauft, wenn sie europäische, hoch subventionierte Agrarprodukte ungehindert auf ihren Markt lassen.

    56. Lemmy Caution schrieb am 24. März 2009 at 19:48 - Permalink

      Heutiger ?Freihandel? ist also ein Handel, in dem Regeln gelten, die viel mit Feilschen und Macht und eher weniger mit Freiheit und noch weniger mit Fairness zu tun haben.

      Ja klar. Merkt man daran, dass die USA eine so irrsinnig positive Handelsbilanz aufweist.
      Wir sehen doch gerade was in Deutschland passiert, sobald der Export einbricht.

    57. Gebintit schrieb am 24. März 2009 at 21:33 - Permalink

      @Lemmy
      Dass das wachsende Handelsbilanzdefizit der USA gegenüber Europa (seit den 70er Jahren) und gegenüber China nicht zu noch mehr protektionistischen Bestrebungen der USA geführt hat, beruht vielleicht auf einer Selbstüberschätzung (King of Universe), aber wohl auch darauf, dass die tonangebenden Eliten, trotz der Handelsbilanzdefizite, am freien Handel kräftig verdient haben.
      Und dass unser Wohlstand sehr stark am Export hängt, das ist mir natürlich auch klar. Wie gefährlich solche Abhängigkeiten sind, das zeigt sich ja nun.

    58. Sofareeder schrieb am 25. März 2009 at 21:35 - Permalink

      Zum Abschnitt Barboat-Charter von C. Pichlo:

      Seit es deutschen Schiffsbetreibern mitte der 70iger Jahre ermöglicht ist, steuersparend z.B. über Zypern Schiffe zu betreiben, in dem sie den §7 Abs.1 im Flaggenrechtsgesetz missbrauchen, haben die Erträge aus Schiffskapitalanlagen für die Zahnwälte, bezw. Sofareeder zeitweise wahnwitzige Höhen erreicht. Die Historie zeigt, dass und wie sich seit der Kauffahrteischiffahrt mit Segelschiffen, Politik und Schiffseigner, den Steuerzahler für ihre Zwecke haben zahlen lassen.
      Im Zusammenhang mit den jüngsten Piraterieüberfällen vor Somalia, wurden Schiffe als deutsche erwähnt, die ganz sicher keine deutschen sind. Denn nur ein Schiff welches die deutsche Flagge führt, ist auch ein deutsches. Führt ein Schiff nicht die deutsche Flagge, kann am Spiegel eines Schiffes unmöglich ein deutscher Heimathafen zu lesen sein. Entgegen dem deutschen Flaggenrecht ist es dennoch gängige Praxis.

      Eine Konsequenz ist Folgendes: Aufgrund mehrjährigen Rechtsstreites mit den Finanzbehörden ergibt sich die zwingende Schlussfolgerung, dass seit etlichen Jahren durch das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie deutschen Schiffseignern die Genehmigung zum Führen einer ausländischen Flagge widerrechtlich erteilt wird. In Tateinheit mit der widerrechtlichen Genehmigung ergibt sich zwangsläufig der Verdacht auf straftatverdächtige Umgehungstaten und Steuerhinterziehung durch die jeweilige Reederei.

      Das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) kann nach § 7 Abs.1 des Flaggenrechtsgesetzes (FlRG) deutschen Schiffseignern die Genehmigung zum Führen einer fremden Flagge für jeweils 2 Jahre erteilen, wenn die wirtschaftliche Not nachgewiesen wird, d.h. der deutsche Schiffseigner muss glaubhaft begründen, dass ihm die Bereederung unter Berücksichtigung deutscher Steuergesetze und (u.a.) deutschen Arbeitsrechtes aufgrund mangelnder Liquidität nicht länger möglich ist. Nach diesen 2 Jahren werden die Genehmigungen wiederholt erteilt, nach einer juristischen Sekunde unter deutscher Flagge.

      Nach den Vorschriften des FlRG m u ß das BSH v o r Erteilung der Genehmigung genauestens prüfen, ob die notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind. Sollte die wirtschaftliche Not tatsächlich gegeben sein, wird dem deutschen Schiffseigner erlaubt, sein Schiff auf Zeit an einen ausländischen Betreiber zu vermieten. Der deutsche Schiffseigner verliert nach HGB § 484 die Eigenschaft als Reeder, für die Dauer der Genehmigung wird der ausländische “Mieter”, nach HGB § 510, als Reeder angesehen. Zwar bleibt das Schiff zur Eigentumswahrung im deutschen Register registriert, zusätzlich ist die Registrierung im ausländischen Register zwingend vorgeschrieben.

      Nach den Vorschriften des FlRG muß sich der Ort der tatsächlichen Geschäftsleitung der Reederei, die das betreffende Schiff gemietet hat, es betreibt und besetzt, im Ausland befinden. Und nur sie kann die Löhne der Mannschaftsgestellung bezahlen.

      Gängige Praxis war und ist, dass sich deutsche Seeleute auf diesen sogenannten ausgeflaggten Schiffen – mangels Alternativen – anheuern lassen. Damit entfällt für sie das deutsche Arbeitsrecht und der Schutz des deutschen Staates komplett. (So sie nicht kraft Ausstrahlung vom Arbeitgeber in Deutschland soziaversichert werden) Sie werden zu “Zwangsfreiberuflern” und nehmen gezwungenermaßen sämtliche Nachteile, die sich daraus ergeben, in Kauf. Gleichzeitig vertrauen sie – als Ausgleich sozusagen – auf die, durch Doppelbesteuerungsabkommen, gewährleistete Befreiung von der deutschen Lohnsteuer. Zumindest wird ihnen das bei Abschluss des Arbeitsvertrages in vielen Fällen versichert.
      Die Finanzämter behaupten, dass den Reedereien das Führen einer fremden Flagge zu Unrecht erteilt wurde, denn der ausländische “Mieter” betriebe lediglich ein Scheingeschäft, d.h. der Ort der tatsächlichen Geschäftsleitung befände sich in Deutschland, der Schiffseigner würde seine Gewinne (un-) mittelbar um die Heuern der Seeleute mindern, demzufolge fände das Doppelbesteuerungsabkommen keine Anwendung. Die Reedereien bestreiten die Behauptungen der FA.
      Nach neueren Gerichtsurteilen weisen diverse Finanzämter nach, dass deutsche Schiffseigner, ihre Schiffe an einen ausländischen Reeder vermieten, die entsprechenden Verträge vorlegen und für die jeweils zu entrichtende Gebühr, die Genehmigung zum Führen der fremden Flagge nach § 7 Abs. 1 erhalten. Das BSH erkennt die ausländische Reederei als eine rechtmäßig, ordentlich geführte Firma an und bestätigt damit den Ort der tatsächlichen Geschäftsleitung – vorschriftsgemäß – im Ausland.
      Die deutschen Schiffseigner “mieten” nach erteilter Genehmigung ihre Schiffe vom Ausländer zurück und betreiben sie – nach Überzeugung der Finanzämter – vom Standort Deutschland aus. Nach den Beweisen der Finanzämter müssten diese Schiffe zwingend die deutsche Flagge führen (s. Flaggenrechtsgesetz) und die beschäftigten Seeleute unterlägen deutschen Gesetzen und deutschem Arbeitsrecht.

      Durch die, von den Finanzämtern bewiesene, widerrechtliche Inanspruchnahme der Genehmigung zum Führen einer fremden Flagge könnte der Tatbestand des vorsätzlichen Betruges erfüllt sein, denn der deutsche Schiffseigner entledigt sich mit dieser Maßnahme u.a. sämtlicher Verpflichtungen und Kosten, die ihm durch das deutsche Arbeitsrecht entstehen.

      Da es sich bewiesenermaßen um keinen Einzelfall handelt, macht sich das BSH dann nicht schwerwiegender Amtspflichtverletzung schuldig? Das BSH hätte, ebenso wie die Finanzämter die Möglichkeit und – auch die Verpflichtung – vor Erteilung der Genehmigung, sich Auskünfte über die Informationszentrale Ausland zu beschaffen, ob es sich um eine rechtmäßige, ausländische Reederei, die im vorgelegten Vertrag benannt wird oder es sich lediglich um eine sogenannte “Briefkastenfirma” handelt und damit der Tatbestand des Scheingeschäftes erfüllt ist. Die Prüfung der Voraussetzungen zum Führen einer fremden Flagge ist somit mangelhaft.
      Unter den, von den FÄ festgestellten, Umständen hätte die Genehmigung nach § 7 Abs.1 FlRG nicht erteilt werden dürfen.

      Aufgrund ihrer Ermittlungen bestehen die Finanzämter auf der Feststellung, dass die betroffenen Schiffe als deutsche zu behandeln sind und fordern nachdrücklich die Lohnsteuer vom Seemann ein, obwohl die Schiffe weiterhin eine ausländische Flagge führen. Wären die Vorschriften des § 7 FlRG vom BSH sorgfältig eingehalten worden, gäbe es keinerlei Zweifel an der Rechtssicherheit der Ausflaggung.
      Es kann nicht rechtens sein, dass deutschen Schiffseignern mit Hilfe des BSH die Möglichkeit zu erheblicher Kostenersparnis durch Aushebelung des deutschen Arbeitsrechtes gegeben wird, vom Schaden am Volksvermögen wegen nicht gezahlter SozialPFLICHTversicherungsbeiträge etc. ganz zu schweigen.

      Bemerkenswert ist die Tatsache, dass lediglich der deutsche Seemann wegen der Unrechtmäßigkeit des Führens der fremden Flagge des Schiffes, auf dem er gezwungenermaßen arbeitet, bestraft wird.

      Weder werden die deutschen Schiffseigner, die die beschriebenen Umgehungstatbestände erfüllen, von den Finanzämtern zur Verantwortung gezogen, noch widerruft das BSH nach Bekanntgabe der Unrechtmäßigkeit die Genehmigungen, sondern erteilt sie weiterhin äußerst großzügig.
      Dieses ist auch den zuständigen Abteilungen im Bundesministerium für Verkehr, Ministeriums der Finanzen und Ministeriums für Arbeit und Soziales in Bonn und Berlin bekannt!
      Diese Art der Kreisvercharterung sorgt dafür, dass kaum jemand versteht, dass ein Schiff kein deutsches mehr ist, auch wenn es noch im deutschen Register registriert ist. Je nachdem was gebraucht wird, wird mal die Flagge (um sich jeglicher Verantwortung zu entledigen) benutzt oder die Registrierung. Beides sind vollkommen verschiedene Dinge. Ein Schiff ist kein deutsches mehr, wenn eine andere Flagge als die Bundesflagge geführt wird. Ein Schiff ist immer Hoheits- und Rechtsgebiet des jeweiligen Staates, welche Flagge es führt, wobei es vollkommen egal ist, wo es gerade schwimmt. Das ist ebenso eindeutig im deutschen Flaggenrechtsgesetz wie im Übereinkommen über die Hohe See der UN geregelt.

    59. booom... ups schrieb am 26. März 2009 at 18:21 - Permalink

      edit: beitrag verunfallt… muss jetzt weg und mache ihn später nochmals.. sorry

      zu lemy’s 50:

      Die sind alle am Ausbau ihrer technologischen Kompetenz interessiert. Schwellenländer besitzen davon bereits eine Menge und werden die weiter ausbauen.

    60. booom... ups schrieb am 27. März 2009 at 20:28 - Permalink

      erneuter versuch:

      zu lemy?s 50:

      Die sind alle am Ausbau ihrer technologischen Kompetenz interessiert. Schwellenländer besitzen davon bereits eine Menge und werden die weiter ausbauen.

      Inwiefern kann… oder muss sich ein Land heutzutage überhaupt noch technisches/wissenschaftliches Wissen sichern?

      Der grösste Teil an Wissen ist mittlerweile frei verfügbar und wird fortwährend durch die Ergebnisse öffentlicher Forschung ergänzt. Ein anderer Teil wird von gewinnorientierten unternehmungen verwaltet und steht für Geld, und damit faktisch jedem Land, zur verfügung. Genauso steht es mit einer grossen Anzahl an Privatpersonen die bestimmtes wissen oder Fähigkeiten haben.

      Natürlich ist es für ein Land von Vorteil, wenn es möglichst viele gut ausgebildete, arbeitswillige und erfahrene Leute hat, welche mehr oder weniger freiwillig im Land bleiben…

      Ich bitte um Ergänzungen zu diesem Thema, irgendwas übersehe ich doch…

    61. booom... ups schrieb am 28. März 2009 at 16:28 - Permalink

      …ich meine natürlich “technische kompetenzen” wie lemmy caution das geschrieben hat. Wollte ihm mit “Wissen” nicht eine andere Bedeutung unterschieben.

    62. Vogel schrieb am 3. April 2009 at 09:56 - Permalink

      Zum Thema: Spannende Geschichte! Fazit (unter anderem): Sag einem Menschen, er kann sich auf Kosten anderer bereichern (sprich: Steuern sparen): So schnell hat der sich vorher noch nie bewegt – und Du hast einen Freund für`s Leben! Naja, was will man von Menschen anderes erwarten!

      Zum Thema, aber `n bisschen über den Tellerrand hinaus: Gib einem Menschen `nen Globus in die Hand und stell` ihm zwei Fragen. Erstens: Wie ist immer und immer wieder – also unbegrenzt – Wachstum möglich? Zweitens (abstrahiert): Wenn der Planet und seine Resourcen für alle da sind, wie wollen wir`s dann verteilen? Z. Z. ist es so: Die, die auf der oberen Hälfte der Kugel hausen, fressen sich krank, die die auf der unteren Hälfte vegetieren, hungern sich krank. Wie sollen wir’s also verteilen? Den Lebensstandard von oben auch auf unten? Wie soll der Planet das verkraften? Den – leicht angehobenen – Lebensstandard von unten nach oben? Wollen die da oben das? Oder, beim Lebensstandard “der da oben” für alle: Sind wir da vielleicht 4 Mrd. zuviele?

      Es gibt nur einen Organismus auf dem Planeten, der sich freiwilig, wissentlich und willentlich in solche Dilemata begibt und sich Erkenntnis und Vernunft so beharrlich verweigert, das ist …

      Schönes Zeugnis, welches sich da der durchschnittlich einssiebzig hochgestapelte Zellhaufen ausstellt – und sich dann auch noch Krone der Schöpfung nennt!

      Beste Grüße
      Vogel


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