Retten die Blogger die Demokratie?
geschrieben am 15. Februar 2011 von Spiegelfechter
“Retten die Blogger die Demokratie?” – unter diesem bewusst zugespitzten Motto diskutierten am Wochenende auf dem 1. Kölner Bloggerkongress Vertreter der politischen Blogosphäre untereinander und mit dem Publikum. Um es vorwegzunehmen: Eine selbstständige Kraft, die es vermag, große Änderungen zu bewirken, sind die deutschen Politblogs noch lange nicht; als Korrektiv und meinungsbildendes Instrument spielen sie jedoch bereits heute eine relevante Rolle. Um diese Relevanz signifikant zu steigern, wären jedoch Entwicklungen nötig, die aus heutiger Sicht nicht unbedingt realistisch erscheinen.
Bestandsaufnahme
Es existiert keine wissenschaftlich evidente Kartierung der deutschen Bloglandschaft. Laut einer Allensbacher Computer- und Technikanalyse sollen zwar 8,4% der deutschen Internetnutzer ein eigenes Blog führen, wie viele davon überhaupt aktiv geführt werden und wie viele als “politisch” betrachtet werden können, lässt sich jedoch ohne zuverlässiges Zahlenmaterial nicht sagen. Empirisch könnte man die Zahl der politischen Weblogs in Deutschland, die sich auch mit politischen Themen abseits der Netzpolitik beschäftigen, vielleicht auf wenige Tausend schätzen. Selbstverständlich ist diese politische Blogosphäre jedoch sehr heterogen. Neben einer Phalanx von Blogs, die man anhand der klassischen Gesäßgeographie als “links der Mitte” einordnen könnte, gibt es auch zahlreiche Blogs aus dem nationalkonservativen bis rechtsextremen und dem libertären Spektrum. Sehr großer Beliebtheit erfreuen sich auch Blogs, die man am ehesten als “verschwörungstheoretisch” bezeichnen könnte und deren politische Linie oft erstaunlich indifferent ist. Einzig im engeren Umfeld der Volksparteien gibt es erstaunlicherweise fast gar keine Blogs, die nicht von den Vorfeldorganisationen der Parteien selbst betrieben werden.

Wenn man unterstellt, dass Blogger vor allem die Lücken, die der mediale Mainstream entstehen lässt, füllen wollen, kann diese Verteilung nicht überraschen. Würden die klassischen Medien ihre Aufgabe ordentlich erfüllen, gäbe es auch weniger Gründe, die NachDenkSeiten zu lesen. Da die klassischen Medien in ihrer Rolle als “vierte Gewalt” jedoch eklatant versagen, sind Blogs die wahrscheinlich einzige Möglichkeit, sich ohne eine große Kapitaldecke oder Organisationsstruktur publizistisch gegen die Allmacht der Parteien, Verbände, Think-Tanks und der monopolartigen Medienunternehmen zu richten. Genau diese Begründung wird jedoch auch von politischen Extremisten und “bunten Vögeln” angeführt, weshalb man die Blogosphäre auch nicht als monolithischen Block gegen den Mainstream verstehen darf. Nicht alle Blogger wollen die Demokratie retten, und die Blogger, die die Demokratie retten wollen, sind oft in Detailfragen grundverschiedener Meinung.
weiter auf den Nachdenkseiten
Ein “Protokoll” der Veranstaltung hat Stefan vom Oeffinger Freidenker geführt: Samstag und Sonntag.
Die Bilder zum Kongress finden sich auf T-I-X-Weekly
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Medien, die Relevantes präsentieren und vor allem diskutieren sind für eine Demokratie unerlässlich. Da klassische Medien immer weniger dazu in der Lage zu sein scheinen, diese beiden Aufgaben zu erfüllen, bleiben ja nur die Blogs. Tatsächlich stellen Blogs in vielerlei Hinsicht weit überlegene Medien dar, wie ich hier zeige. Doch ich stimme natürlich zu, dass gegenwärtige Blogs diese Vorteile noch bei weitem nicht zur gänze ausspielen. Mit dem Fortschreiten der gesellschaftlichen Entwicklung besteht aber berechtigte Hoffnung, dass Blogs ihre überlegenen Möglichkeiten auch ausspielen.
Man beachte, dass ich oben von “Blogs” schrieb. Tatsächlich handelt es sich aber um ein komplexes System aus Blogs, Leak-Plattformen, Foren, Aggregatoren und sozialen Netzen zur Priorisierung. Erst all diese Komponenten gemeinsam (und vermutlich weitere, die wir noch gar nicht kennen) stellen ein weit überlegenes System dar.
Wirklich? Inwiefern hängen diese Institutionen zusammen, dass sie gemeinsam eine “Allmacht” bilden? Und haben wir nicht von Junge Welt bis Junge Freiheit eigentlich ein ziemlich breites Spektrum in der Medienlandschaft? Oder sagen wir Taz bis Faz, reicht ja auch.
Mir kommen die Parteien immer ziemlich getrieben und verunsichert vor und alles andere als allmächtig. Wird es nicht Zeit, diese alberne Erzählung vom Kampf der Eliten gegen das Volk aufzugeben und sich mal wieder mit Interessensgegensätzen in der Bevölkerung und Sachthemen auseinander zu setzen?
Warum eigentlich nicht? Also jetzt nicht speziell Sigmar Gabriel, aber warum sollte nicht das mitte-links Lager irgendwann auch mal wieder einen Kandidaten haben, der potentielle Wähler und auch die Bloggosphäre begeistert? Dass eine solche Kampagne als völlig undenkbar gilt, ist für mich ein Symptom für das eigentliche Problem der politischen Bloggosphre in Deutschland: Die immer immer immer kritische Haltung zu allem, das Schlechtreden von allem, das fehlen jeglicher realistischer konstruktiver Vorschläge, wie etwas besser zu machen wäre, (Vielleicht lese ich auch die falschen Blogs?)
Ich versuche in fast jedem Artikel Vorschläge zu machen, wie es besser zu machen wäre, aber vermutlich wirst Du das dann als unrealistisch einstufen.
Ich denke nicht, dass JF und JW zu den genannten Kreis der Institutionen gehören. Und bei Taz bis FAZ steht _sehr_häufig_ fast das Gleiche drin. Es herrscht bei diesen Blättern größtenteils (heißt: in der überwältigenden Mehrheit der Artikel) die gleiche Grundrichtung vor. Das äussert sich im kollektiven Weglassen von Informationen (z.B. bei Hintergrundinfos zu den vier Abweichlern bei der Ypsilanti-Geschichte oder auch aktueller bei der Berichterstattung über die europäische Sicht auf Deutschland in wirtschaftspolitischen Fragen uswusf. sehr viel mehr Beispiele möglich). Es äußert sich auch in der kollektiven Übernahme von Falschinformationen (z.B. beim Thema Demografie, Kinderzahl bei Karrierefrauen, Bezeichnung von kleinen Aufschwüngchen als Mega-Aufschwung, TINA uswusf. sehr viel mehr Beispiele möglich). Und es äußert sich im kollektiven Beteiligung beim Sautreiben durchs Dorf (hier wieder Ypsilanti (besonders pikant in Hinblick auf das zeitgleiche Verhalten der Grünen in Hamburg), Vogel- und Schweinegrippe, Knut der Eisbär uswusf. auch hier sehr viele weitere Beispiele möglich).
Also, die Antwort auf deine Frage lautet IMO: Nein.
Die Rede ist von Sigmar Gabriel. Sonst wurde keine Aussage gemacht. Bestimmt hätte niemand was gegen einen begeisternden Kandidaten. Aber der ist irgendwie nicht in Sicht. Mir fällt jedenfalls keiner ein.
Das ist nicht undenkbar. Aber es gibt momentan offenbar kein Kampagnenthema, über das man sich einig werden könnte.
Also wenn du diesen hier liest, wundert mich der Vorwurf doch sehr. SF leistet sich zwar auch gelegentlich die ein oder andere aus meiner Sicht angreifbare “Marotte”, bringt aber oft konstruktive Vorschläge.
Ja, das stimmt, der Spiegelfechter schreibt ja auch eher informativ statt meinungsbildend. Aber Fefe fällt mir da ein, feynsinn, fixmbr usw. Und ich habe da auch einfach mal noch die überwiegende Stimmung in den Kommentarspalten miteinbezogen.
Aber das sind für mich halt zwei Seiten der selben Mediallie. Wer zu dem Urteil kommt, unsere Presse- und Parteienlandschaft sei eine Allmacht, die überwiegend disfunktional ist und nicht im Sinne der Bevölkerung arbeitet, positioniert sich natürlich ganz klar außerhalb dieses Systems. Da spricht ja auch erstmal nichts dagegen, aber es fehlt mir doch teilweise eine relativierende Perspektive darauf, dass in Deutschland ja auch einiges eigentlich nicht so verkehrt läuft. Wenn man sich allerdings nur in den Blogs hier informieren würde, könnte man den Eindruck bekommen, wir lebten in einem Roman von George Orwell.
Insgesamt wird halt so auch eine Dichotomie aus (bösem) System einerseits und (kritischer) Bloggosphäre andererseits konstruiert, die erstens inhaltlich fragwürdig ist und zweitens auch ein Selbstbild der Blogger als Außenseiter immer wieder neu untermauert,. Und vielleicht ist es ja dieses Selbstbild, dass unterbewusst mit dafür verantwortlich ist, dass der Einfluss der Bloggosphäre nicht wächst und man nicht aufschließen kann zu den eingesessenen Medien.
Ich stell’ hier mal die steile These auf, dass wir nur noch von den Errungenschaften des “alten” Systems zehren – da sich Gesellschaftssysteme nun mal nicht von heute auf morgen ändern lassen – und dass die “neue Elite” eigentlich ein völlig anderes Bild vom angestrebten Ziel hat als die bisherigen und (in diesem Zusammenhang: noch) bestehenden Rahmenbedingungen darstellen.
Tun wir das nicht? Nee, Spaß beiseite. Ich bin jedoch der Ansicht: _Noch_ nicht. Alles deutet jedoch auf eine kontinuierliche Annäherung an so ein System hin. Ich sehe keine relevante(!) Kraft, die in eine andere Richtung drängen würde.
Ich denke schon, dass der Einfluss der Blogosphäre wächst. Die NDS haben es in wenigen Jahren von Null auf über 6 Millionen Seitenaufrufe pro Monat geschafft. Ich höre auch im Bekanntenkreis eine wachsende Zahl von kritischen Stimmen. Auch in den Massenmedien tauchen IMO leicht vermehrt kritische Stimmen auf. Außenseiter ist man nur solange, bis die Mehrheit die Seiten wechselt.
Aber: Ich sehe die Veränderung eher bei den “älteren Semestern”. Die Jugend scheint da nicht mitzuziehen. Das ist also alles nicht gerade “nachhaltig”…
Retten die Blogger die Demokratie ?
Wie ?
Die “Bild” hat mehr leser als alle Blogs zusammengenommen.
Das habe ich auch zur Sprache gebracht und werde wohl noch erneut dazu schreiben. Unterschätze aber bitte nicht die “Multiplikatoren-Funktion”.
zitat: “Die “Bild” hat mehr leser als alle Blogs zusammengenommen.”
vielleicht ist das noch so, dennoch habe ich da meine zweifel. ziehe ich nämlich die NUR sport-und tratschleser ab, dann bleiben da nicht viele die wirklich politisch interessiert sind. und mal ehrlich, welcher polit interessierte, der ein bissel hirn hat, liest den schrott der blöd, bzw, nimmt ihn ernst? warum fangen denn schon seit längerem die massenmähdien an um sich zu beissen? warum werden kommentare, die einen propagandaartikel der lüge entlarven, gelöscht oder gar nicht erst freigeschaltet? sicherlich, jede seite darf für sich bestimmen, was an kommentaren veröffentlicht wird, da es deren wohnzimmer ist, das ist auch keine zensur, zensur sind meist die eigenen artikel durch lügen, weglassen oder sonstiges, doch würden sie wirklich interesse am ehrlichen journalismus haben, dann würden sie es auch zulassen. jens berger schrieb schon richtig, dass sie eben nicht ihren auftrag erfüllen. ich sage sogar: nicht erfüllen dürfen. (wes brot ich ess….)
warum werden blogs mit sämtlichen dreck torpediert, wie jüngst hier beim SF veröffentlicht?
sie wissen um die nicht zu beherrschende vernetzung der netzaktivisten, welches über das netz, nämlich durch persönliche verbreitung und oder diskussionen, weit hinausgehen kann.
das prob ist, dass die blogs sich kleiner machen als sie sind und sich teilweise durch persönliche eitelkeiten nicht immer grün sind und somit nach dem motto handeln: wir müssen alle zusammenhalten, aber jeder für sich. und ebenso, dass viele (nicht alle) leser der blogs einfach zu faul sind artikel im mainstream zu verbreiten, falls es zugelassen wird. es ist aber ein leichtes, als bspw weltonline-admin, 50 für die medien gefährliche kommentare zu löschen. wie würde es bei bspw 5000 kommentare pro artikel aussehen? würde wohl auf eine sperrung der kommentarfunktion hinauslaufen.
glaubt man, die medien und gerade die politik weiss die gefahr der blogs und oder unabhängigen medien (halt das internet) sehr wohl einzustufen. es ist nämlich grundsätzlich so, dass alles, ob kunst, musik, radio, neue oder kleine parteien oder sonstwas, was gut sein könnte/wird oder ist, schon im keim durch wegelagerer, vampiere und der herrschenden kaste erstickt wird. letzteres wäre jetzt aber auch ein längeres thema.
ich sage jedenfalls, dass nicht mehr viel zeit vergehen wird, bis man mit diesen schmierblättern auf augenhöhe ist. ich gebe die hoffnung jedenfalls nicht auf. denn alles kann auf einmal ganz schnell passieren.
Das ist ja der Witz. Die Bild trichtert durch plumpe Wiederholung den politisch Un- und Halbinteressierten die “richtige” Meinung ein. Und das funktioniert. Red’ mal mit den Leuten z.B. über Hartz IV. Sehr, sehr, sehr viele sind wirklich der Meinung, die Betroffenen seien größtenteils(!) faule Säcke und Schmarotzer.
Auch nochmal für euch,falls ihr es noch nicht weisst!
Bild liest man nicht,die guggt man. ;-)
Und es stimmt wohl das dieses Schmierblatt mehr Gugger hat als Blogs Leser…
Sollte unter Truvors Beitrag**
Mlg
@ Leslie
“Bild liest man nicht, die guggt man. ….”
Hast Du die Überschrifte übersehen ? ;-)
Bild lesen oder Bild gucken ist beides eigentlich falsch. Wenn ich eine Bild in der Hand halte und versuche zu verstehen was man mir da so sagen möchte, ist das eher ein “Bild ertragen müssen”. Eigentlich brauchst du die keine Bild kaufen, denn eghal was da so verkündet wird, ist eigentlich nur Humbuck.
Kann man nicht gebrauchen, wird man nie gebrauchen können. Jeder einigermassen gut geführte Blog, selbst wenn er privat ist, enthält ja mehr nützliche daten als diese Bild die auch noch Geld kostet.
Aber solange es Menschen gibt die sich dieses Quatsch jeden Tag reinziehen, wird diese Zeitung wohl nie untergehen.
VG Josef
@truvor:
Und welche Leser hat BILD? Nicht nur Unterschichten, ich war mal eine Zeitlang als Prüferin in einem Landesamt in Düsseldorf beschäftigt, da sollte ich auch fleischverarbeitende Betriebe prüfen. Ein Kollege sollte mich einarbeiten, Prüfen sah bei ihm so aus: Erst im Schweinsgalopp durch den Betrieb, am besten mit geschlossenen Augen, dann den “Bericht” in den Schlepptop (das Ding war eine Militärausführung, 8 kg schwer – wahrscheinlich wegen der Blutspritzer!) gehämmert (max. 10 Minuten) und dann zwei Stunden BILD lesen – ich wusste gar nicht, dass jemand diesen Titel so lange lesen kann … Dann wusste ich, woher die Kollegen ihre politischen Weisheiten hatten …
Traurig, aber wahr. Ich habe früher mal eine Weile bei der Süddeutschen in der Druckerei gearbeitet – und was lasen die Leute dort in der Pause? Richtig, es war nicht das hauseigene Produkt :-(
Übrigens war es auch übel mitansehen zu müssen, wie sich Rentnerinnen am Fließband ein paar Mark dazuverdienen mußten, da ihre kärgliche Rente nicht ausreichte.
@ all
Als ich die “Bild” zur Sprache brachte, da habe ich vielleicht den schlimmsten Vertreter der Mainstreammedien erwähnt, aber die “Bild” ist nicht die/der Einzige Böse auf dieser Welt.
Eine Armee von anderen Mainstreamverführern, a la Welt-Online etc. , steht der “Bild” bei.
Ich weiß nicht ehrlich zu sagen, wie weit die Demokratie bei uns bedroht ist, daß die Blogger sie retten müßten.
Ich bin aber der Meinung, daß die Blogger (zumindest seriöse Blogger, wie Spiegelfechter) sich das Ziel (bzw. die Aufgabe) stellen sollten (nicht unbedingt als Hauptaufgabe), die Leser (insbesondere junge Leser) von all diesen Schmierblättern wegzujagen bzw. wegzulocken.
Denn, was wir heute in Deutschland (und vielleicht Rest der Welt) erleben, dafür gibt es nur ein Wort: “Volksverdummung” und all diese Bilds & Co. helfen hier fleißig bei.
Wie gesagt, man sollte erstmal die Leser von den Mainstreammediem weglocken, aus ihnen Homo-Sapiens (was nicht so leicht wird bzw. wäre) machen (heute wissen sie leider nicht so genau, was eine Demokratie ist) und dann könnte man, bei Bedarf, die Demokratie retten.
Klingt für mich nach Teile-und-Herrsche und klappt doch sowieso nicht.
Gibt es irgendeine neuartige Idee oder Meinung im deutschen Teil des weltweiten elektronischen Netzes (in Blogs und anderswo), die es nicht schon gab, bevor sich das Internet verbreitete? Ich rede von der politischen Meinungsbildung in Parteien und sonstigen Gruppierungen, in Presse und Rundfunk (Radio und Fernsehen), in Büchern und auf Versammlungen.
Das Internet ist doch lediglich ein weiterer Verbreitungsweg für Texte, Töne und Bilder. Allein schon die Frage “Retten die Blogger die Demokratie” hat einen Hauch von Größenwahn.
Wohl eher Übertreibung als Größenwahn. Steht auch irgendwo in der Ankündigung das der Titel bewusst so gewählt wurde, da sich viele Blogger als Gegenöffentlichkeit zu den Mainstreammedien sehen.
Natürlich gibt es haufenweise neue Ideen seit der Verbreitung des Internet. Z.B. dies hier: http://schrotie.de/extremeGoverning/
“Gibt es irgendeine neuartige Idee oder Meinung im deutschen Teil des weltweiten elektronischen Netzes (in Blogs und anderswo), die es nicht schon gab, bevor sich das Internet verbreitete?
Ideen gibts wohl genug, da brauchts keine neuen…muss auch gar nicht. Wichtig ist eben genau das “Verbreiten”. Das ist DER Unterschied zu früher und ich hoffe, dass immer mehr Menschen das net auch nutzen werden. Leider sind BLÖD und co auch hier stark vertreten.
Meine Weltanschauung hat sich durch das www ganz schön verändert.
Idee: Journalisten an der Besserung der Lage in Form von Geld teilhaben lassen, die durch Journalismus im Sinne aller Bürger erreicht wird. Problem: Wieso auf Geld warten, was ich jetzt auch schon haben kann?
Ein Schritt in die richtige Richtung: http://istlokal.de/, Zusammenschluss hyperlokal berichtender Blogs. Finde ich ein denkbares Modell auch für andere Interessen (wie ihr es ja untereinander bereits macht oder bei den Frauenblogs seit etwa einem Jahr). Schwierig bleibt es trotzdem.
nur eine randbemerkung: investigativer, unabhängiger journalismus scheint zumindest in teilen des gebührenfinanzierten funk & fernsehens (noch?) sehr wohl möglich und wird auch praktiziert. man beachte z.bsp. die aktulle maschmeyer-geschichte der ARD, aber auch vieles was auf arte läuft. wenn, wie im falle der maschmeyer-story, politische blogger und fernsehjournalsiten zusammenarbeiten, scheint mir da einiges möglich. mal sehen, wie es weitergeht, ich sehe da der zukünftigen entwicklung durchaus mit freudig-interessierter erwartung entgegen.
Bei Maschmeyer geht’s um Millionen. Sind “die Milliarden” nicht wichtiger?
ich erlaube mir, den autor zu zitieren:
Und wenn der Marsch darin besteht, stets die härteren Fakten auszublenden?
@ Gregor: die massenmedien sind rein personell gar nicht mehr so aufgestellt, dass es für wirklich investigativen journalismus reichen könnte, was auch so gewollt ist, denn die schreiben auch nur noch ab und oder bekommen vorgelegt was sie schreiben sollen. wenn es denn mal wie im fall maschmeyer passiert, muss man auch die gesamtlage vieler geschehnisse einschätzen und vor allem das medienverhalten kennen. machmeyer ist eine kleine nebelkerze, welche die menschen beschäftigen soll. irgendwie scheint er in ungnade gefallen zu sein. mir fällt da auch der fall zumwinkel ein. was wurde da geschrieben und es ging um 1 million. gleichzeitig bekam die IKB aber über 10 Milliarden in den hintern gestopft. halt ne große nebelkerze. im laufe der jahre bekam ich bei vielen dingen nur noch den *augenroller*. es wird staub aufgewirbelt und die wirklichen schweinereien passieren dann im hintergrund, bzw, zwar öffentlich aber ohne medienaufwand. als beispiel sind auch sportereignisse zu nennen. wie ich oben schon schrieb, sie dürfen vieles einfach nicht bringen.
man hat es am beispiel ägypten gesehen, wie sie maulaffen gehalten haben und gar nicht wussten wie sie das einstufen sollten. nebst den politdeppen natürlich. dann wurde gerade bei springer die muslim-terroristen und taliban-blödelei geschmiert, damit ja das alte system bleibt (“scheiss auf menschenrechte und diktator (ist ja nicht der iran)” und die massen nicht mitbekommen sollten, was mit einfachen mitteln möglich ist, wenn ein volk zusammensteht. das mögen unsere saubermänner nämlich nicht. vor allem die blosstellung, dass man ja 30 jahre eine diktatur unterstützt hat.
irgendwie steckt da auch immer das geld dahinter. medien leben von einnahmen (die zwangsgebühreneintreiber mal ein wenig ausgenommen). schreibst du investigativ, dann sagt firma xy, dass sie mal eben die gelder an die politik (spenden) und der zeitung (werbung) einstellen wird. das gefällt den marionetten der parteien und dem bspw verlag/medium ,oder was auch immer, auch nicht. so einfach ist das. solche schmierblätter wie die blöd, leben ja nicht von ihren printauflagen. ich glaube imo sind es 3 mio blödzeitungskäufer meine ich. berichtigt mich wenn es falsch ist. doch selbst bei mehr, würde das geld nicht reichen die größenordnung beizubehalten.
wir leben in einem riesigen saustall…so einfach ist das.
ach so, noch was: man muss auch mal schauen wer hinter sämtlichen medien auch steckt. da gehen einem auch schon die lichter auf. ;-)
http://www.mediadb.eu/
Die leider wichtigere Frage ist in meinen Augen: Können die Blogger die Demokratie noch retten?
Die Qualitätsmedien sind oft nur noch ein schlechter Witz und bilden sehr schön Zwiedenken ab.
Zu der Frage: Ich sehe eine Chance, dass Blogs und die Internetfunktionalität es in der nahen Zukunft schaffen könnten, den Wirtschafts-Totalitarismus aufzuhalten. Für wahrscheinlich halte ich es jedoch nicht.
Andererseits: Wer hätte schon gedacht, dass ein brennender, tunesischer Arbeitsloser eine Ereigniskette in Gang setzen kann, wie wir sie gerade betrachten können. Nichts ist sicher. Selbst das nicht. :-)
ich hätte gerade eben fast die gleichen worte geschrieben ;)
Zustimmung.
Naja, aber wenn ich den Berichten glauben darf, war die Stimmung in der Bevölkerung schon Monate vorher mehr als unruhig. Das Ereignis war dann “nur” der Zündfunke (pun intended -> ich böser, böser Mensch, ich).
KLEINER HISTORISCHER HINWEIS
Quelle: ZVAB
Lessing:
“Was einmal gedruckt ist,
gehört der ganzen Welt.
Niemand hat das Recht,
es zu vertilgen.”
“Was einmal gedruckt ist, gehört der ganzen Welt”. Zensur während Aufklärung und Klassik
Adolph Freiherr Knigge
Zensur während der Aufklärung: Knigge und Rebmann
Über lange Zeit waren Päpste und Kardinäle die mächtigsten Zensoren. Im 18. Jahrhundert forderten Aufklärung und Französische Revolution dann jedoch vor allem Kaiser und Könige heraus. Damit der revolutionäre Funke nicht auf andere Länder übersprang, sprachen nun in erster Linie weltliche Gerichte Verbote aus und verhängten Strafen. Die deutschen Aufklärer wie Lessing standen der Zensur ohnmächtig gegenüber.
So wurde 1792 eine Schrift von Adolph Freiherr Knigge zur Französischen Revolution (Josephs von Wurmbrand politisches Glaubensbekenntnis, mit Hinsicht auf die Französische Revolution und deren Folgen) unmittelbar nach ihrem Erscheinen verboten und der Verleger zu einer Geldstrafe verurteilt. Auch Georg Friedrich Rebmann, der sich in seiner Zeitschrift Das neue graue Ungeheuer für die Revolution engagierte, erregte den Unmut der Behörden. Nachdem er 1795 in Erfurt steckbrieflich gesucht wurde, floh er ins dänisch verwaltete Altona – und entging dabei seinen Verfolgern nur um Haaresbreite, weil er sich, so Rebmann in seinen Erinnerungen, »in einer Schlucht [verbarg], deren gesammeltes Regenwasser mich bis auf die Haut benetzte. Dies war meine Rettung.«
Zensur der Klassiker: Goethe und Schiller
Wie Rebmanns dramatische Flucht aus Erfurt zeigt, war es in Deutschland mitunter nicht allzu schwer, Verfolgung und Verboten zu entgehen: Schließlich gab es keine zentrale Macht und damit keine zentrale Zensurbehörde. Stattdessen entschieden Könige, Herzöge und Bischöfe in den vielen deutschen Teilstaaten autonom, was zensiert werden sollte, und manche Bücher, die in einem Land verboten waren, durften vielleicht nur wenige Kilometer entfernt veröffentlicht werden. Zu einer besonders liberalen Oase entwickelte sich der Kleinstaat Sachsen-Weimar unter Herzogin Anna Amalia und ihrem Sohn Karl August. Hier fanden Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller ihre geistige Heimat. Doch selbst die großen Dichter der Klassik mussten sich außerhalb von Weimar mit Zensurbehörden auseinandersetzen und dabei, wie Schiller bei seinen Räubern, teilweise massive Eingriffe in ihre Werke hinnehmen. Denn da die zuständigen Behörden in Berlin einen Zwist zwischen leiblichen Brüdern für moralisch verwerflich hielten, wurden für die dortige Aufführung aus Karl und Franz Moor kurzerhand Halbbrüder.
Napoleons Herrschaft
Die Opposition gegen Fremdherrschaft schlug sich vor allem in der Literatur und in politischen Broschüren nieder. Der Nürnberger Verlagsbuchhändler Johann Philipp Palm musste sein Engagement gegen Napoleon mit seinem Leben bezahlen – er hatte u. a. die Broschüre “Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung” gedruckt und wurde von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt. Politische Literatur wurde nun vor allem im Ausland gedruckt und gelangte nur über Umwege nach Deutschland. Im fiktiven Verlag Peter Hammer erschienen z. B. die “Betrachtungen und Gedanken” von Friedrich Maximilian Klinger” <<
Sicher. Allerdings dürfte das vice versa nicht minder zutreffen. Auch in Blogs wird jede Menge dummes Zeug geschrieben, auch in Massenmedien gibt es kluge Artikel.
So sympathisch ich Teile der Blogszene finde, manche sogar ab und an finanziell unterstütze, und so wichtig ich sie für die informationelle Ausdifferenzierung halte: sie sollte stets selbstkritisch achtsam sein, sich nicht in Sachen Moral, Anstand, journalistischer Sorgfalt und inhaltlicher Präzision höher anzusiedeln als die seriös(er)en der etablierten Medien.
100% Zustimmung. Leider gibt es in Teilen der Blogosphäre eine Art falschverstandene Gruppensolidarität und Fehler bzw. Lügen in den Blogs werden toleriert. Man kann es aber nun einmal nicht jedem Recht machen – wenn ich beispielsweise hin und wieder gegen die “VT-Blogs” austeile, hagelt es regelmäßig Beschwerden seitens einiger Leser. Mir ist das relativ wurscht, einige Kollegen scheinen das anders zu sehen und schweigen.
@ Spiegelfechter:
Nun, zu dem, was der VP schrieb, habe ich Dir gestern ja auch was gesagt. “Dummes Zeug” findet sich leider überall und seit es mit dem Netz eine Möglichkeit gibt, ohne großen Aufwand oder Kosten theoretisch global seine Meinung(!) zu streuen, hat das, was die Kommunikationsfachleute als “white noise” bezeichnen, deutlich zugenommen.
Manchmal wird dieser “noise” aber zu laut, weshalb ich wie Du dafür plädiere, gegen allzu großen Quatsch auch schon mal anzuschreiben. Ganz massiv gesagt: Wir sollten das Internet nicht “den Deppen” überlassen! Ansonsten können wir den Gedanken an eine “neue Aufklärung” gleich ad acta legen.
Und bevor ein paar LeserInnen getroffen aufheuelen: Hat dies etwas mit “Verantwortungsbewußtsein” zu tun? Ja! Hat es etwas mit “elitärem Gebaren” zu tun? Nein!
Da gebe ich Dir ja auch Recht. Wobei man natürlich auch bedenken muss, dass man solchen “Idioten” dadurch u.U. unfreiwillig zu mehr Aufmerksamkeit verhilft. Daher ignoriere ich solche Sachen ja auch weitestgehend … manchmal muss aber der Hammer herausgeholt werden ;-)
Deshalb lasse ich mich ja auch gelegentlich auf “Infights” ein, auch wenn die LeserInnen und Du mir davon abraten ;-)
Deftige Kritik an Fehler/Lüge in Blog XY, weil…(inhaltliche Begründung). Kein Problem, ganz im Gegenteil, wäre sehr hilfreich.
Doch, in der Form, wie es hier betrieben wird, hat es das!
Schon dass ich mich als getroffen Aufheulender begreifen muss, sollte ich hier widersprechen, ist elitäres Gebaren.
Ebenso Jens Aussage: “dass man solchen “Idioten” dadurch u.U. unfreiwillig zu mehr Aufmerksamkeit verhilft.”
Radio Utopie hat über die ganzen 18 Tage Ägypten einen engagierten Live ticker gemacht. Niemals würde hier darauf verwiesen.
Umgekehrt entgeht einem dort kein relevanter Artikel der Nachdenkseiten.
Die MSM von Zeit bis Bild sind hier schlauer, Hauptsache Staats- und Konzern-tragend und nicht gegen die Interessen von USrael verstoßen, ansonsten ist jeder Blödsinn erlaubt.
Ich find’s jedenfalls bedauerlich, dass die linken Intellektuellen das mit der Solidarität nicht gebacken kriegen.
D’accord. Dazu sagte ich was.
Doppelt falsch verstanden. Ich habe das mal zugespitzt, auch um selber nicht gleich Prügel zu beziehen. Das “elitär” bezieht sich obendrein darauf, daß wir BloggerInnen ganz schnell uns ebenfalls diesem Vorwurf ausgesetzt sehen könnten.
Was Daniel drüben bei “Radio Utopie” macht, entzieht sich meiner Kenntnis, da wir einander nicht vernetzen. Ich habe da eine klare Position, die besagt: “Keine Zusammenarbeit mit Vtlern und Querfrontlern” und dies schließt auch Daniel ein – selbst wenn ich ihn und sein Engagemnt persönlich schätze. Daniel wäre längst “hier”, wenn er sich denn von ein paar unangenehmen Zeitgenossen trennen könnte. So aber bleibt immer “ein Gschmäckle” …
Nein, weil Radio Utopie seine Quellen leider nicht ausreichend prüft. Das ist nun einmal nicht mein Qualitätsanspruch.
Noch in Ergänzung zu Jens, da die Kommentartiefe es nicht anders zuläßt:
Die Qualität/Verifizierbarkeit von Information ist halt auch ganz wesentlich. Mit Halbwahrheiten ist imo niemand von uns gedient und auch dies werfe ich – als Blogger, der ich selbst bin – einigen anderen BloggerInnen vor: Ungeprüft “Information” zu übernehmen und auch selbst noch diese in den eigenen Kontext einzupassen. Die Wahrheit ™ ist leider selten bequem …
Also ich versuch‘s noch mal.
Ich war positiv beeindruckt, dass es in deutschen Alternativmedien möglich war, den Liveticker solange durchzuhalten- ein Haufen Arbeit. Nachdem was ich verifiziert habe, folgte dieser praktisch ausschließlich der Berichterstattung von Al Jazeera, einem Sender, den ich persönlich nicht für eine fragwürdige Quelle halte.
Hätte ich über Eure Qualitätswarnung Bescheid gewusst, hätte ich vielleicht noch etwas mehr überprüft, wäre schlimmstenfalls das ein oder andere Mal etwas weniger begeistert gewesen und hätte rumgemeckert.
Was aber ist die Alternative? Liveticker ARD, ZDF, N-TV? Dann übernehme ich zwar geprüfte aber vorselektierte Information und diese ist dann in deren Kontext eingepasst. Da ist mir ein gemäßigter VT-ler allemal lieber und bringt viel mehr Spaß. (was um Himmelswillen ist ein Querfrontler?)
Nein, ich bleibe dabei, diese rigide Ausgrenzung halte ich lediglich dem braunen Spektrum gegenüber für sinnvoll und notwendig. Bei der anderen Seite, würde ich eher vermuten, dass sich, bei mehr Durchlässigkeit und weniger verächtlicher Abwertung, Eure hohen Qualitätskriterien auf Dauer durchsetzen und sich so die eine oder andere VT ganz von selbst erledigt.
Richtig. Wirklich etwas bewegen zu wollen ist halt auch nicht bequem. Das bloße Beharren auf den eigenen “elitären” Ansprüchen genügt nicht.
Die Frage ist doch: Ist die Demokratie noch zu retten?
Und die Antwort ist erstaunlich einfach: Die Demokratie ist nur zu retten, wenn jemand einen demokratischen Weg aus dem ökonomischen Desaster weisen kann, das sich vor unserer aller Augen aufbaut. NB: ich glaube, das ist das erste Mal, daß ich Fettdruck verwende.
Ich will die Diskussion an dieser Stelle nicht einengen oder abwürgen, aber gegen diese Bedrohung sind alle anderen Peanuts. Es geht um nichts Geringeres als ein neues Wirtschaftssystem zu finden.
Wirtschaft ist nur ein Teil eines “neuen Gesellschaftssystems”.
Das war nur ein (schlechter) Witz – nicht wahr?
Jawohl! Aber es ist der Teil, mit dem die Abschaffung der Demokratie begründet werden wird!
Begründet
UND
durchgeführt
Man würde eine breitere Öffentlichkeit erreichen, wenn man auf den Blogs Kommentare nicht nur aber bevorzugt (also es wird einem erst vorgeschlagen, es unter seinem Account zu machen und nur wenn man das nicht will, drückt man “Anonym kommentieren”) über den Facebook-Login verfassen könnte und sie gleichzeitig auf den Pinnwänden der Leute auftauchen würden. Das sorgt für Diskussionsstoff im eigenen Bekanntenkreis und es werden sich nach und nach immer mehr Leute an der Gegenöffentlichkeit beteiligen,
Nach und nach und eine nach der anderen professionalisierten die deutschen Parteien ihr Politikmanagement und vor allem ihre Außenkommunikation, sowohl die in den Medien wahrnehmbare wie die auf ihren eigenen Webseiten. Das hat sehr wesentlich zur Verflachung und Entleerung ihres politischen Diskurses und der gesamten politischen Kultur sowie der Entkernung ihres eigenen ursprünglichen Wesens beigetragen. Dieser Beitrag hat sie auch von der (dadurch zudem noch zunehmend entpolitisierten) Bevölkerung entfernt, nicht nur ihr Elitarismus und ihre Politik. Das Volk ist nicht “professionell”.
So eine Professionalität soll beispielgebend für Blogs sein, ihren Einfluss, gar ihre Mobilisierungsfähigkeit erhöhen?
Im Nordafrikavergleich bleibt die Frage, inwieweit in einer stark individualisierten, politisch nicht unterdrückten sondern passiv gewordenen Gesellschaft eine “Masse” beispielsweise via facebook überhaupt mobilisierbar ist. Sogar in Frankreich, wo regelmäßig Massenproteste stattfinden, werden diese stets von Gewerkschaften oder Studentenorganisationen initiiert und auch dort wäre ein erfolgreicher Startschuss seitens der “Internauten” unvorstellbar.
So gesehen stehen Blogger vor der Frage, ob sie überhaupt eine Masse ansprechen können oder ihr Adressat nicht vielmehr der Einzelne ist, am besten natürlich sehr viele Einzelne. In logischer Folge wäre wieder die Frage der Professionalisierung, die Blogs zwangsläufig einander ähnlicher machen, wenige weiter in den Vordergrund stellen und die Blogsphäre in Punkto Vielfalt und Attraktivität verarmen würde, siehe Parteienlandschaft, siehe Medienlandschaft.
Diesen Gedanken lege ich insbesondere den sehr vielen kleinen und kleinsten Bloggern nahe, denn er läuft darauf hinaus, dass ihre Miniarbeit nicht einen Deut weniger wert und wichtig ist als die der Blogs, die “Meinungsbildung” oder gar eine Führungsrolle in der Blogwelt anstreben.
Damit verbunden ist auch die Frage, hinter wie vielen der Millionen Seitenaufrufe bei den guten kritischen Webseiten tatsächlich auch ein aufnahmebereiter Leser steht und hinter wie vielen ein “(Vorbei-)Gugger, ach nö, ab in die nächste Seite”, und damit die Frage, ob eine Professionalisierung nicht eher lediglich auf eine Art Quotenfrage hinausläuft.
Ich denke, kritische Blogs sind heutzutage ein unverzichtbarer Bestandteil der Demokratie, können allerdings neben dem Aspekt der Information ihren besten Beitrag zu Veränderungen respektive Rettungen leisten, indem sie aktive Kräfte der Zivilgesellschaft unterstützen, gegen Passivität Stellung beziehen etc.. Change und Save finden nach wie vor draußen statt nzw. nicht, deswegen nennt man Medien wohl auch Medien.
Für Sigmar Gabriel ? Eher nicht.
Für den zukünftigen Bundespräsidenten ?
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/2930/gauck-hype-welcher-gauck-hype
Tatsächlich halte ich das für überhaupt nicht abwegig.
Ganz bestimmt, werden interessierte Kreise versuchen Guttenberg später zum hoffnungsvollen Kanzlerkandiaten zu küren. Ich sehe jetzt schon wie manch ein Medienprofi sich die Hände reibt.
“200.000″ Facebookfans finden den GUT”. Dann könnte es tatsächlich soweit kommen, das dort richtige Demonstrationen organisiert werden, mit relevanten Teilnehmerzahlen.
Und wenn sich die etablierten Medien den Ball mit Facebook,, und seinen Auswirkungen, hin und her spielen, sehe ich ein Problem/Potential.
Demokratie wird einfach überbewertet. Ich glaube zudem auch nicht, dass ich innerhalb einer freiheitlich geprägten Demokratie lebe. Das muss irgendetwas völlig anderes sein.
Demokratie ist ein vichtiges Gut welches leider zu oft missbraucht wird. Ich meine das die Politiker sich Demokratie auf die Fahnen schreinen aber im Endefekt sich selber die Nächsten sind.
Demokratie retten? Vor was fragt sich da? Vor dem Standardbürger etwa, vor dem der schon seit Jahren keinen Bock mehr hat an Demokratie weil “die da oben ja doch machen was Sie wollen”? Das haben die übrigens immer…
Demokratie kann nur “von oben” gerettet bzw. zugeteilt werden da diese eher selten von unten her erkämpft worden ist. Die Aenderungen in den Nordafrika sind da ein sehr anschauliches Beispiel, aber auch schon in der Ukraine un den anderen ex.GUS Ländern konnte man sich mit eigenen Augen ansehen wie Demokratie von oben gemacht wird. Die Mitspracherechte werden also zugeteilt. Noch nie gewudnert wo den plötzlich die viele bunten Symbole herkommen… auch im Iran etwa? Wer fianziert das ganze und warum haben plötzlich alle die gleichen Farben auf T-Shrits. Käppis, Zelten, Fahnen?
Die Unabhängigkeitskämpfe die alle Nationen für den Pöbel in ihren Geschichtsbüchern verbreiten…das sind ausnahmslos Ammenmächen für Heimatverbundene Schüler die bereits von jungen Jahren so herangezogen werden das diese Ihr ganzes Leben lang glauben in einem, dem einzigen fortschrittlichen Land zu wohnen und zu leben.
Dazu kommt noch die übliche Symbolik wie Währung, Flaggen, Hymne und ein Schwur das Vaterland bis auf’s Blut gegen den bösen Angreifer zu verteidigen… doch verteidigt wurden ausnahmslos die Macht und Investitiosansprüche der Mächtigen… aber so weit nach oben zu schauen ist anstrengender als mit den Füssen nach unten auf die schwächeren zu treten.
Dem ist aber eben genau nichtso. Auch andere Länder haben Mitpracherechte, Demokratie, Forschung und ENtwicklung, den Drang nach Freiheit. Nur weil in den hiesigen Medien technologische Entwicklungen (oder auch andere Entwicklungen, speziell das Kapital- und Finanzsystem) die der Menschheit nur zum guten dienen nur aus westlich orientierten Ländern zu kommen scheinen wärend etwa Angriffswaffen nur aus dem Feindesgebiet zu kommen scheinen… wundert hier niemanden?
Nur weil wir in beinahe alle Länder reisen können sind wir nicht freier als andere.
Nur weil wir in anderen Ländern mehr kaufen können sind wir nicht reicher
Nur weil wir “alles” sagen “dürfen” was wir wollen ist das keine verbindliche Mitsprache und somit im grossen und ganzen irrelevant für die Demokratie.
Was wenn wir alles sagen dürfen aber niemand hört zu? Was nützt dann die Meinungs- und Redefreiheit?
Die Demokratischen Nationen, um mal bei der EU zu bleiben, haben wohl eines der grössten Demokratiedefizite in der Verfassung die es in neuerer Zeit gegeben hat. Und man hatte da alle, wirklicha lle Chancen etwas grossartigesn aufzubauen.. man hat es aber nicht. Demokratie in der EU ist ein Feigenblatt zur beruhigung, mehr aber leider nicht. Es wurde hier keinerlei Kontrolle abgegeben welche den Schutz von Investitionen und die gewünschten Renditen in irgendeiner Art und Wiese gefärden könnten. In der EU Verfassung wurde die Demokratie den gloabal agierenden und in der Regel Steuerbefreiten Investoren geopfert…. in typisch Neoliberaler Geisteshaltung wurde eine Gesellschaft von nicht partizipierenden Bürgern geschaffen. Mitsprachewünsche sind Renditegefärdend! An alles was Investionen und Eigentum fördert wurde gedacht… an die täglichen “kleinen” Bedürfnisse der bald 500 Mio. Europäer dachte niemand…
Die EU braucht eine zumindest elekttronische Initiativmöglichkeit, also im Internet bei der etwa aus jeder Nation Bürgerinitiativen regisitriert werden können. Egal ob diese nun Transnational oder National von Interesse sind. Damit diese von allen anderen Bürgern in anderssprachigen Nationen auch verstanden werden sollen die üblichen Uebersetzungsdienste hier gratis zur Verfügung gestellt werden. Demokratie bzw. Partitzipation und der Sprachenübergreifende Austausch darf den EU Bürger nicht’s kosten…
Willst du hier gerade ernsthaft behaupten, dass wir „unfreier“ sind, als z.B. die Chinesen? Sorry, aber das ist einfach nur Bullshit.
Ich möchte hier auf keinen Fall die Fehler unserer Gesellschaft, Regierung, etc. verteidigen, aber viele Dinge haben auch einen bestimmten Zweck und Ursprung.
Was du in Wahrheit kritisieren solltest, ist die passive Masse. Den Großteil der Menschen die sich nicht für Politik und Gesellschaft interessieren, denn durch exakt diese Menschen entstehen die von dir genannten Demokratiedefizite. Was bedeutet Demokratie überhaupt? Herrschaft des Volkes, wenn ich mich recht entsinne. Aber dazu sollte das Volk auch herrschen wollen. Es passt den Leuten also nicht, dass die Banken einen Riesenschutzschirm bekommen? Ab auf die Straße und demonstrieren. Es passt ihnen nicht, dass es zu wenig Geld für Schule und Bildung gibt? Ab auf die Straße und demonstrieren. Es passt ihnen nicht, dass wir immernoch unser Geld in AFG versenken? Ab auf die Straße und demonstrieren.
Was bringt mehr, jammern und nichts tun oder mit 5 Millionen anderen auf der Straße stehen und Signale setzen?
Habe ich das behauptet? trotzdem… ich möchte gerne wissen was denn der Unterschied zwischen Tianmen und Heiligendamm ist?
Das mit den Demonstrationen geht für mich in die gleiche Kategorie wie die der freien Meinungsäusserung… was wenn niemand relevantes zuhört. Der Wert dieses Rechts geht also gegen 0 da man in den meisten Fällen schweigen könnte. Stuttgart 21 mag da als aktuelles Beispiel dienen…
Das gleiche mit den 1000′ von Blogs. Was wenn ich schreiben darf was ich will, aber keiner liest mit. Zudem finde ich die Internetszene viel zu fragmentiert als das diese Massenauslöser für etwas sein könnten…
Wir sind ja schon soweit das wir etwa im Internet initierte Konsumentenproteste bei denen Unternehmen zu Handlungen gezwungen werden als eine Art Demokratieersatz wahrzunehmen. dabei läuft das lediglich darauf hinaus das alles schön unverbindlich bleibt…
Nach meiner Erfahrung wird die Meinungsfreiheit, das Demonstrationsrecht und überhaupt viele andere Rechte bei Gefärdung bestimmter Individuen, Investitionen, Machtverhältnisse schnell sehr stark dezimiert wenn nicht gar aufgehoben.
Fehlt nur noch das irgendwann eine Lizenz beantragt werden muss wenn man im Internet eine Seite publizieren möchte, man sich also die Rechte dafür erstmal bestätigen lassen muss…
Hmmmmm ….
Man könnte aber meinen, gerade die “Heterogenität”, wo der eine den anderen nicht wirklich stören kann, wäre eigentlich förderlich, was die Vernetzung betrifft
Wie kommst Du darauf?
Die “Heterogenität”. Was ist damit gemeint?
1 Die Blogger haben bei gleichen Fragen verschiedene Antworten
2 Die Blogger sind auf verschiedenen Feldern (geistig) aktiv
Ich habe 2 gemeint, aber es wurde vielleicht 1 gemeint
Nun, ich habe bei der Podiumsdiskussion am Samstag ganz bescheiden angemerkt, daß ich es ja gut finden würde, daß die Blogs eine derartige Meinungsvielfalt bieten und sie auch so eine Art Korrektiv zu den althergebrachten Medien darstellen würden. Die Blogs verstehe ich quasi als virtuelles Abbild der bundesrepublikanischen Gesellschaft und gedenke, im Rahmen meiner eigenen Nachlese zu Köln auch dazu noch was zu schreiben, da die Diskussion leider doch recht aus dem Ruder gelaufen schien.
Nun, eben das sind sie ja nicht. Sie sind und bleiben ein Ausdrucksmittel von Menschen, die – aus welchem Grund auch immer – sich nicht genügend gehört finden. Die “große Mitte” bloggt nicht.
Oder die “ihr Thema” nicht genügend behandelt finden. Es geht nicht immer um “sich” zu Gehör zu bringen.
In Betrag #9 wurde eine relativ kleines Ereignis (tragische Selbstverbrennung) als Auslöser der politischen Umwälzungen in Nordafrika postuliert. Das schon kleinste Ursachen große Wirkungen haben können ist u.a. aus der Physik bekannt, und wird dort populärwissenschaftlich unter “Schmetterlingseffekt” eingeordnet. Dieser weisst in der Regel auf komplexe nichtlineare dynamische Systeme hin, die u.a. auch in der Chaosforschung untersucht werden.
Sehr interessant empfinde ich in diesem Zusammenhang unter Berücksichtigung dieses Artikels:
Journalismus als konstruktives Chaos
Es könnte also durchaus sein, dass die Medien als komplexes Subsystem der Gesellschaft “chaotisch” funktionieren, und das hätte wiederum eine grundsätzlich Unberechenbarkeit/ Prognostizierbarkeit der weiteren Entwicklungen und Einflüsse zur Folge.
Fazit: Mag die Sphäre der Blogger auch sehr klein sein, gemessen an den Mainstream- Medien, der (positive) Einfluss auf die weiteren gesellschaftlichen/ demokratischen Entwicklungen ist durchaus möglich, zumal die Gesellschaft zur Zeit mindestens eine Krise durchlebt, was das System als Ganzes anfälliger für den “Schmetterlingseffekt” macht.
Auch die Realität ist ein Attraktor, sogar ein ziemlich wirksamer.
Quelle
Nicht so prickelnd ist die Möglichkeit das keine Gleichgewichtszustände mehr gefunden werden, was dann den Zusammenbruch des Systems bedeutet.
ich habe den Text gelesen. Theoretisch mag das interessant sein und möglicherweise auch tatsächlich Aspekte der aussersprachlichen Realität abbilden. So auf dem ertsen Blick, läßt dieser Ansatz ein in meinen Augen entscheidendes Element ausser Acht, wenn er von einem sozialen System handelt: nämlich Macht, Interesse und Habitus, wie sie sich in sozialen Systemen als strukturierten Feldern mit eigenen Formen von Kapital und Werten organisieren. Ich finde den Ansatz von Bourdieu in diesem Sinne plausibler.
Ich lese derzeit seine ‘Ökonomie des sprachlichen Tausches’. Er analysiert hier zwar nicht explizit das Feld des Journalismus, aber ich find man könnte strukturelle Ähnlichkeiten aus seiner Analyse des politischen Felds ausmachen.
“Will man verstehen, wie das politische Feld in modernen Gesellschaften funktioniert, muss man vor allem sehen, dass die Entwicklung dieses Feldes mit einem Professionalisierungsprozess einherging, der zu einer zunehmenden Konzentration der politischen Produktionsmittel (d.h. der Mittel zur Produktion von politischen Produkten wie Programmen, Strategien usw) in den Händen von Berufspolitikern führte. Seinen offensichtlichsten Ausdruck findet dieser Prozess in der Bildung von politischen Parteien mit eigenen bürokratischen Strukturen, Vollzeitfunktionären usw. Diese Professionalisierung der politischen Betätigung aber hat in Verbindung mit der zunehmenden Autonomie des politischen Felds eine paradoxe Folge: Individuen können sich nur dann als Gruppe konstituieren, die eine Stimme hat und sich im politischen Feld Gehör verschafft, wenn sie sich selbst zugunsten eines Sprechers enteignen, den sie mit dem Recht belehnen, in ihrem Namen zu sprechen. Und je weniger die Einzelnen selbst über die spezifischen Fähigkeiten und Eigenschaften (kulturelles Kapital) verfügen, die für eine Beteiligung an einem professionalisierten politischen Feld notwendig sind,desto wahrscheinlicher ist es, dass sie die Politik den Berufspolitikern überlassen. daher sind die mit der politischen Enteignung verbundenen Risiken bei linken Parteien besonders groß. da sie diejenigen vertreten wollen, denen es am meisten an ökonomischen und kulturellen Kapital mangelt, laufen sie ganz besonders Gefahr, vollkommen von den Menschen abgeschnitten zu werden, in deren Namen sie zu sprechen behaupten….Bourdieu analylsert das Phänomen der politischen Enteignung als einen zweistufigen Prozess der ‘Delegation’. Der erste Schritt besteht darin, dass sich eine Gruppe gründet, indem sie sich einen institutionellen Rahmen gibt – ein ständiges Büro, eine Bürokratie, bezahlte Funktionäre usw. Der zweite Schritt ist dann, dass die Organisation einem oder mehreren Individuen das ‘Mandat erteilt’, im Namen der Gruppe zu sprechen. Dieser Delegierte (französisch mandataire, also Inhaber eines Mandats) hat damit bereits zweifach Abstand von den Individuen (den mandants, also denen, die ihm das Mandat erteilen), die er oder sie repräsentiert. Auf Grund dieses Abstands können Delegierte sich und andere davon überzeugen, dass sie sich politisch selbst genügen, selber den Ursprung ihrer Macht und ihrer Wirkung sind (In Anspielung auf Marx’ Begriff des Warenfetischismus, nach dem die Produkte der menschlichen Arbeit ein eigenes Leben und einen eigenen Wert zu haben scheinen, spricht Bourdieu von politischem Fetischismus. Haben die Delegierten diesen Anschein der Selbstgenügsamkeit erst aufgebaut, können sie in die Wortgefechte eintreten, die für ein politisches Feld mit einem gewissen Grad an Autonomie kennzeichnend sind, und sich selbst und andere über die sozialen Grundlagen hinwegtäuschen, von denen ihre Macht und die Macht ihrer Wörter abhängt.”
Ich vermute, dass trotz der Unterschiede zwischen beiden Feldern, es dennoch strukturelle Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten gibt, schon allein deshalb, weil beide Felder von ihren Akteuren, sofern diese am Spiel, an dem sie glauben müssen, beteiligt sein wollen, ein relativ hohes kulturelles Kapital erfordert. Man sehe sich nur aus welchem sozialen Milieu die Alphatierchen in beiden Feldern stammen.
Den Prozess der Enteignung könnte sicher auf das journalistische Feld übertragen werden mit seinem spezifischen Produktion von Diskurs. Immerhin bestimmt dieser Diskurs als ver-öffentlichter Diskurs in großem Masse das öffentliche Bewußtsein, spielt also auch auf das politische Feld hinein, als sich Politiker auf dieses feld beziehen müssen, wenn sie ihren eigenen Diskurs führen. Blogger könnte man in diesem Sinne als eine Art ‘Revolte’ der Enteigneten sehen.
Was der Text auch völlig ausser Acht läßt, ist die Eingenschaft der Produkte im journalistischen Feld, denn als Sprachprodukte (was in erster Linie auch die vermittleten Bilder sind, da diese in einem Bedeutungskontext stehen) zeichnet sie das aus , was Bourdieu Selbstzensur bezeichnet.
“Die Sprecher berücksichtigen auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichem Maße bei der Reproduktion sprachlicher Ausdrucksweisen die Marktverhältnisse (Markt in weitem ökonomischen Sinne, als strukturiertes Feld mit spezifischen Kapitalformen und Werten, in dem unterschiedlich ausgestattete Akteure um Positionen kämpfen), unter denen ihre Produkte von anderen rezipiert und bewertet werden. Die Einschätzung der Marktverhältnisse durch den Sprecher und seine Antizipation der wahrscheinlichen Rezeption seines sprachlichen Produkts wirken als verinnerlichte Zwänge auf den Produktionsprozess selbst ein. In Antizipation der wahrscheinlichen Rezeption modifizieren die Individuen implizit und wie selbstverständlich ihre Ausdrucksweisen … Daher sind alle sprachlichen Ausdrucksweisen in gewissem Sinne euphemisiert: Sie wurden durch eine gewisse Art von Zensur verändert, die von der Marktstruktur ausgeht, aber über den Prozess der Antizipation zur Selbstzensur wird.”
Es kommt als Spezifikum des journalistischen Feld hinzu, dass auf Grund der anerkannten wohl aber nicht verstandenen priviligierten Stellung des Journalismus im ver-öffentlichten Diskurs (Gatekeeper) sich dieses Merkmal der Selbstzensur (der der sprachlichen bzw symbolischen Produktion an sich eignet) potenziert und zu einem manipulativen Herschaftsintrument erster Klasse wird.
um das weiter auszuführen, d.h. die Ähnlichkeiten zum politischen Feld ausarbeiten: Man könnte den Journalisten auch als eine Art Delegierten betrachten, den eine Gruppe von Individuen ermächtigt hat, in ihrem Auftrag eine bestimmte soziale Funktion zu bekleiden, deren Produkte eben Informationen sind, nach denen es in dieser Gruppe ein Bedürfnis gibt. Wenn man das tut, stellen sich weitere Fragen: Kann diese Funktion überhaupt privatisiert werden, da solche Privatisierung per se die Enteignung nochmals verstärken würde, als der Mandatsträger auch formal nicht mehr denen verpflichtet ist, die ihm den sozialen Auftrag, das Mandat, erteilt haben, sondern den jeweils geltenden Interessen einer privaten Minderheit, die über die Mittel verfügt, sich dieses Mandat anzueignen? Eine andere Frage betrifft dann den Prozess der Enteignung selbst, der vielleicht erklären kann, wie aus dem ursprünglichen Mandat, das Bedürfnis der Gruppe, informiert zu werden, eine dieser Gruppe aüßeren Machtstellung wird, die ihren priviligierten Zugang zu Information dazu nutzt, die eigenen Interessen oder die einer anderen sozialen Gruppe wahrzunehmen, indem sie manipuliert. Also durch diese Enteignung wird aus dem ursprünglichen sozialen Bedürfnis nach Information das herrschaftliche Instrument der Manipulation. Die Frage, die sich daraus ergibt: Wie kann denn diese Enteignung umgekehrt werden? D.h. dem Journalismus seine ursprüngliche soziale Funktion zurückgegeben werden. Können Blogger ein solcher sozialer Akteur sein?
@salvo
Vielen Dank für Deine ausführliche Resonanz, die ich aber erst einmal in aller Ruhe durcharbeiten muss, um überhaupt eine Chance zu haben qualifiziert zu kommentieren.
Das ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit der Schwachpunkt einer rein systematischen (im Sinne der Chaostheorie) Betrachtung.
P.S.:
Aber für mich (als Person) gilt gerade im Bereich der Sozialwissenschaften:
Paul Watzlawick
@salvo:
Was du hier ansprichst, ist ein “technisches” Problem: Die Bildung von Hierarchien in einem von Arbeitsteilung und Spezialisierung geprägten System.
Es wäre sinnvoll, das Problem zu formalisieren und dann zu analysieren. Das würde dabei helfen, so tendenziöse Begriffe wie Macht, Enteignung, Privatisierung, Delegation, Manipulation, sozial etc. mal nüchtern zu betrachten. Dann würde das ganze Kauderwelsch der Sozialwissenschaftler auch verständlicher. Aber sind die eigentlich daran interessiert?
ja das ist die ‘übergeordnete Perspektive’. Jeden Begriff zu analysieren würde aber wohl den Rahmen hier sprengen, auch meinen zeitlichen. Um das zu klären, sollte man aber letzten Endes doch Bourdieu lesen ….
@Linus
Unabhängig davon, dass diese Vorgehen vielleicht auch für verbal etwas “Minderbemittelte” (relativ zu salvo – meine Person könnte evtl. dazu gehören ;-)) die Chance auf ein klein wenig Erkenntnis in dem wichtigen Bereich der Sozialwissenschaften erbringen könnte, gibt es wohl durchaus noch viel wichtigere Vorteile:
Theorie, Modell, Formalisierung
Wenn in diesem Sinne weiter geforscht wird könnte sich evtl. herausstellen, das sich auch gesellschaftliche Entwicklungen im Grunde mathematisch Abbilden lassen. Von da aus wäre es nur noch ein “Katzensprung” z.B. zur Chaostheorie.
@Heldentasse:
Danke für das Zitat und den Link. Ziemlich so sehe ich das auch. Wobei auch diese Vorgehensweise nicht vor Mißbrauch schützt, s. WiWi. Ein Modell kann nur so gut sein wie seine Prämissen. Deshalb unterstreiche ich: Es geht nicht darum, dies dann zur Wahrheit zu erklären, sondern zusätzliche, hoffentlich auch klarere Einsichten und Blickwinkel zu gewinnen.
ich möchte das weiter ausführen, wobei ich zunächst klarstellen möchte, dass ich nur aus einer der möglichen Perspektiven zu diesem Gegenstand schreibe: Damit ist von meiner Seite kein Wahrheitsanspruch verbunden, ich drücke damit nicht meine Meinung zu diesem Thema aus. Ganz abgesehen davon, dass Meinungen nichts Anderes als symbolische Gefängnisse darstellen, worin sich ihre Insassen von der Wirklichkeit abschotten, indem sie am Eingang ein Schild “nicht stören” hängen (frei nach Bill Moyer :-))
Wenn man von der Annahme einer Enteignung ausgeht, welche Stellung könnten denn die Blogger haben? Sind sie die sozialen Akteure einer Rebellion gegen diese Enteignung? Zeichnet die Blogger ein gemeinsames Selbstbewußtsein aus, in dem Sinne, dass sie jenseits aller sozialen und persönlichen Unterschiede sich des gemeinsamen Interesses gegen diese Enteignung bewußt sind und gemeinsam dagegen handeln könn(t)en (vernetzen oder was auch immer)? Vorweg: Ich bezeichne mich selbst nicht als ‘Experte’ von Blogs, und gehe deshalb von meinem beschränkten Erfahrungshorizont aus. Wenn ich aber von der an Bourdieu angelehnten Perspektive ausgehe, der der Enteignung einer sozialen Gruppe durch den Akt der Delegation von Macht an einen Träger einer ursprünglich sozialen Funktion, so stellt sich u.a. die Frage nach dem Charakter dieser spezifischen Funktion aus. Der Journalismus, dessen soziale Funktion die Vermittlung von Informationen ist. Im Gegensatz zur Annahme des Textes, übt der Journalist an seiner priviligierten Position zweierlei Macht aus. Er entscheidet nicht nur darüber, was als Information bzw Nachricht zu gelten hat, welcher Wert diese bekommt und daher ob und an welcher Stelle sie vermittelt wird. Zunächst einmal ist einzuwenden, dass diese Information oder Nachricht kein Ding an sich ist, sondern selbst ein Produkt symbolischer Art, das den Anspruch hat, Wirklichkeit abzubilden. D.h. der Journalist konstruiert Wirklichkeit: das gehört zu seiner Mächtigkeit (ungeachtet dessen, welche soziale Gruppe über den Journalisten selbst Macht ausübt – in privatisierten Bereich sind es eben die private Gruppen, die über die Produktionsmittel verfügen). Weiterhin hat der Journalist kraft seiner Tätigkeit, symbolisch Wirklichkeit zu re-konstruieren, die Macht, implizit diesen Konstrukt an Stelle der referenzierten Wirklichkeit zu setzen. Der Journalist ist ja kein bloßer neutraler Bote, der beim Rezipienten ein unverändertes Stück Wirklichkeit abliefert. Er hat sie vielmehr geschaffen, kaschiert aber diesen kreativen Akt hinter seinem Anspruch, eine Information bzw Nachricht zu liefern.
So, wenn man sich dieser besonderen Stellung bewußt ist, stellt sich die Frage nach der Art des ursprünglich dem Journalisten erteilten sozialen Mandats. Was erwartet die soziale Gruppe, wenn sie dem Journalisten das Mandat erteilt, sie mit Informationen bzw Nachrichten zu versorgen? Idealerweise erwartet sie die unverfälschte Widergabe der referenzierten Wirklichkeit, was auf Grund der objektiven Produktionsbedingungen nicht möglich ist, denn der Journalist liefert nur eine konstruierte symbolische Wirklichkeit ab. Die Frage ist dann, ob der Rezipient sich dieses Unterschieds bewußt ist und wenn ja, wie er damit umgeht.
Es stellt sich dann die Frage, ob und wenn ja wogegen der Blogger rebelliert. Ich möchte diese Frage anhand einer grundsätzlichen Unterscheidung zu beantworten versuchen.
Wenn ich mir einige der Blogs anschaue, die ich mehr oder weniger regelmäßig besuche, dann kann ich grob zwei Kategorien erkennen: den Blogger mit journalistischem Anspruch und der Blogger ohne journalistischen Anspruch. Der erste rebelliert gar nicht gegen diese Enteignung, der zweite tut es, wenn auch vielleicht nicht bewußt. Zur ersten Kategorie gehört zB der spiegelfechter. Er möchte, warum auch immer, diese Enteignung nicht aufheben, sondern die ursprünglich ‘gute’ soziale Funktion des Journalismus widerherstellen. Er möchte als Blogger auch von den Akteuren, die auf dem journalistischen Feld agieren, den ‘echten’ Journalisten also, vielleicht nur als gleichberechtigt in ihr Feld an-erkannt werden. Das ist aber keine Rebellion gegen die Enteignung der sozialen Gruppe, die dem Journalimus seine soziale Legitimität gab. Die andere Kategorie sind Blogs wie zB Feynsinn, Kritik und Kunst, Autismuskritik. Diese stellen in meinen Augen eine bewußte Rebellion gegen den Akt der Enteignung dar, und zwar spezifisch gegen den journalistischen Anspruch symbolische Wirklichkeiten zu konstruieren und damit die jeweils gelebten subjektiven Lebenswelten objektiv auszulöschen. Dagegen wehrt sich das lebendige Subjekt. Schwer diese beiden Positionen praktisch zusammenzubringen. Theoretisch ja, denn Theorie kann ja alles :-)
Vielleicht ist eine Antwort auf die vielen Frage die nach der Schaffung von Kontrollinstanzen, mit denen sich die soziale Gruppe die Funktion und Loyalität des journalistischen Funktionsträgers vergewissern kann. Wie die politischen Funktionsträger sollten sich journalistische sich bei der sozialen Gruppe rechtfertigen, von der sie ursprünglich ihre Macht erteilt bekommen haben, und diese sollte die Möglichkeit haben, sie zu sanktionieren. Aber das hebt nicht die Enteignung auf. Offene Fragen also …
Demokratie? O.o
Die Mehrheit will nicht diskutieren, sie möchte unterhalten werden.
Vielleicht sollten Blogger von Shakespeare lernen? ; )
“…weshalb man die Blogosphäre auch nicht als monolithischen Block gegen den Mainstream verstehen darf. Nicht alle Blogger wollen die Demokratie retten, und die Blogger, die die Demokratie retten wollen, sind oft in Detailfragen grundverschiedener Meinung.”
Ist aber nicht das gerade das, was Blogs für ihre Leser so anziehend macht? Die gelebte Meinungsvielfalt, die immer in Bewegung bleibende Diskussion, so sie denn sachlich bleibt?
Zweifelsohne – nur dass dadurch die Kampagnenfähigkeit verloren geht. Natürlich kann man fragen, ob diese Kampagnenfähigkeit überhaupt wünschenswert ist. Ich bin mir da noch nicht einmal so sicher.
Wieso geht die “Kampagnenfähigkeit” darüber verloren? Haben wir nicht bei der letzten Bundestagswahl gezeigt, daß wir – trotz aller Unterschiedlichkeit – auch mal an einem Strang ziehen können? Dafür müssen wir doch nicht im Gleichschritt marschieren und gerade Du solltest das wissen ;-)
Nichts gegen Dein kleines Experiment, aber als “Kampagne” würde ich das nun nicht bezeichnen ;-)
Es war ja nur ein “Auftakt”. Mehr ist drin und auch Du weißt das. Sollten wir uns mal mehr als nur inoffiziell auf etwas Gemeinsames verständigt haben, können wir auch eine echte “Kampagne” fahren.
Da sind wir schon so ziemlich eins.
Ich bin seit Jahren eine Ein-Frau-Kampagne so gut ich kann, was kann ich anderes tun?
“Erwischt!” Du bist doch m.W. eine “Zwei-Frauen-Kampagne” und das ist auch gut so :-) Mach nur so weiter, aber vernetzt Euch auch besser, denn “die Revolution” benötigt auch Musik!
Lieber Frank,
siehst Du, da fängt die Problematik schon an. Du verstehst gerade etwas völlig anderes als ich ausdrücken wollte, mir fehlt mitunter auch die Zeit, längere Kommentare zu hinterlassen, um genauer zu werden, ich gelobe Besserung. Das vernetzen kommt schon noch, nur Geduld, die hab ich ja auch und warte geduldig auf Deinen Bericht vom Blogger-Kongreß. :-)))
Eine gewisse Kampagnenfähigkeit haben die Blogs vom weit-rechten politischen Ufer bewiesen, v.a. Herres Hassblog PINEws. Ein paar lahme Ortgruppen, aber teils immerhin tätig hat man auf die Beine gestellt, außerdem ist man in der Lage zu bestimmten Themen Online-Umfragen und Zeitungs-Leserkommentare zu fluten, bzw. – wie Stefan Herre kurz nach seiner Ausbildung bei SPRINGER als Zielstellung formulierte: zu “freepen”.
Vorbild dieses Hassblogs und seiner Methoden ist/war das amerikanische “Free Republik” – und die Methode des “Freepens” ist teils überraschend wirksam in Hinblick auf die Beeinflussung des allgemeinen Meinungsklimas. In gewisser Hinsicht könnte man vielleicht sogar sagen, dass diese Blogs eine wichtige Grundlage für die Schundveröffentlichung des T. Sarrazin gelegt haben bzw. ein wirksamer Faktor im Vorfeld waren. Was hinsichtlich der politischen Wirkung doch ganz beachtlich ist.
(… und mich schüttelts)
Ein anderer Bereich, wo rechtsgerichtete Blogs Auswirkung auf politische Prozesse haben, ist das von der FNS teils koordinierte rechtslibertäre Bloggernetzwerk (dessen Wirkmacht allerdings in den letzten Jahren deutlich schrumpfte), das – immerhin – teils deutlich in die FDP hinein wirken (u.a. mit Schäffler als Gefolgsmann dieser sozialdarwinistischen und wirtschaftsutopistischen Bewegung), und sogar von der Parteispitze (C. Lindner) wahrgenommen wird – und zwar auch in der Hinsicht, dass die FDP-Parteispitze auf diese Richtung Rücksichten nimmt bzw. deren Diskurse sich teils aneignet.
(… und mich schüttelts erneut)
Das Wort Kampagnenfähigkeit beschreibt die dabei wirkenden politischen Prozesse m.E. nur unzureichend. Ich habe ohnehin gewisse Zweifel, abgesehen von Konstrukten wie dem rechtslibertären Bloggernetzwerk, ob Blogs die Vorstufe zur Kampagne, nämlich das Agendasetting überhaupt leisten können – fehlt es ihnen doch i.d.R. an gemeinsamer Ideologie, von zentraler Führung ganz zu schweigen.
Andererseits: Ein Blick in die Bloggerszene nach Italien oder nach Ägypten (z.B. Shayfeen.com) macht deutlich, dass durchaus politische Kampagnen mittels Blogs, Facebook, Twitter und Internet durchgeführt werden können. Dann aber muss imho nicht “das Bloggen”, bzw. politischer Mitteilsungsdrang (so nenne ich es mal – ohne damit despektierlich sein zu wollen), sondern in erheblichen Maß die politische Zielsetzung der Antrieb hinter den Blogs bestimmen.
Noch ein Gedanke:
Die gezielte Vernetzung bzw. Verbindung zwischen Facebook, Twitter, Youtube & Blogs könnte eine Voraussetzung dafür darstellen, so etwas wie “Kampagnenfähigkeit” zu entwickeln.
Andererseits: Das ständige Scheitern der deutschen Parteien, etwas derartiges auf die Beine zu stellen, zeigt jedenfalls, dass die Erreichung von Kampagnenfähigkeit ein offenkundig schwieriges Unterfangen ist.
Unabhängig von einer Analyse des Scheiterns und der Gründe für dieses Scheitern (da würde mir allerhand dazu einfallen) ist imho (wie von vielen anderen hier schon angemerkt) ein gewisses Ausmaß von “Gegenöffentlichkeit” bzw. das Besetzung von “relevanten Marktlücken in der politischen Aufmerksamkeit” – in Konkurrenz zu den etablierten Medien – wichtig, damit sich mittels Blogs ein gewisses politisches Gewicht bilden kann.
Noch ein Ansatz: Würde “man” (d.h. sehr viele Blogs) darauf setzten, innerhalb der Parteien z.B. “linksliberale Plattformen” zu gründen, welche mit der Bloggerszene vernetzt sind und zugleich in die Parteien und Politik herein wirken, dann ließe sich auf diesem Weg ein gewisses politisches Gewicht, sogar eine Kampagnenfähigkeit erarbeiten.
Die Frage ist allerdings: Wollen wir das?
(nicht zuletzt wäre das mit eine großen Menge zusätzlicher Mühen verbunden)
Interessante Infos, gute Gedanken. Wir werden wohl nicht immer einer Meinung sein, aber ich lese Dich gerne und freue mich über Deine ernsthaften Beiträge zur bestehenden “Demokratie”. Daß ich mir die Angelegenheit besser vorstellen kann, steht halt auf einem anderen Blatt … ;-)
Wie will man etwas retten was es nicht gibt?
Winston Churchill
Hobby-Empörer und Kaffeetanten können garnichts retten. Politische Blogger sollten Strategen und zielorientierte Revolutionäre sein. Dann wäre ein Wandel möglich, lieber Jens ;-)
P.S.: Beleidigt, wegen der Wortwahl/Verlinkung “Unterschicht”?
Das ist sicher richtig.
Aus dem Bergerschen Artikel:
“Kann ein stärke Vernetzung innerhalb der Blogosphäre möglich und zielführend sein?”
Da spielt auch die faktische Hierarchie mit rein. Es gibt ein paar wenige, (durchaus zurecht) extrem populäre Blogs wie den Spiegelfechter, 90 oder 95 Prozent der übrigen Blogs sind “ferner liefen”. Wie soll da eine “stärkere Vernetzung” aussehen? Wer vernetzt wen?
Diese Hierarchisierungsfragen wäre doch erstmal zu klären. Es läuft ja beispielsweise so, dass ein Jens Berger darauf “angewiesen” ist, dass Tag für Tag unaufhörlich Leute bei ihm posten, während er das anderswo wahrscheinlich nicht macht. Diese Aufmerksamkeitsökonomie ist in der Blogosphäre bekanntlich ein ganz wesentlicher Aspekt. Die bekannten Blogger geben teilweise ganz offen zu, dass sie keine anderen Blogs lesen und dort nicht kommentieren.
Vor diesem Hintergrund ist mir diese Vernetzungsdiskussion ein wenig zu selbstunkritisch, gerade wenn es um den Aspekt “Demokratie” geht.
Gegenseitig. So etwas könnte z.B. durch ein Cross-Posting sehr guter Artikel geschehen. Der Autor des kleinen Blogs bekommt dadurch mehr Leser und einen “Bekanntheitsschub”, der Betreiber des großen Blogs bekommt guten Content. Eine Win-Win-Situation ;-)
Und dies ist nur ein Beispiel. Vor allem, wenn es um die Kampagnenfähigkeit geht, ist ein Netzwerk zwingend notwendig.
Richtig, das ist aber mehr eine Frage des Zeitaufwands. Der Tag hat leider nur 24 Stunden.
Das gilt für alle Blogger, nicht nur für die bekannten. Alle Blogger, die auch hier posten, nehmen sich die Zeit.
Aber dass man mehr auf gute Artikel in anderen Blogs hinweisen könnte, stimmt schon. Werde ich mir merken.
Ich würe aber schon bescheiden anmerken, dass die “großen Blogger” tendenziell ein wenig mehr Arbeit in den eigenen Blog stecken. Das fängt schon bei den Kommentaren an ;-)
Sehr gut möglich. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass du mehr Arbeit in deinen Blog steckst als ich in meinen :-)
Hier wird gegenseitig verlinkt (also “vernetzt”) – auf Augenhöhe. Der Spiegelfechter ist da in meinen Augen auch ein löbliches Beispiel, da er andere AutorInnen eben nicht nur wahrnimmt, sondern sie wahlweise verlinkt oder als Gastautoren zu Wort kommen läßt, damit ihre Anliegen mehr Verbreitung finden. Viele von “uns Kleineren” profitieren davon (der Spiegelfechter umgekehrt ja eher nicht) und ich mag mich da – vermutlich im Einvernehmen mit meiner Nachbarschaft im Netz – auch mal offen bei Jens Berger bedanken, dessen Engagement nicht zu gering zu schätzen ist und auch dieses Wochenende in Köln wieder zu Tage trat. Ohne Jens hätte es einige von uns deutlich schwerer, für ihre Anliegen Gehör zu finden! Wenn das kein demokratischer Prozess ist, was dann?
Nein, mit der Demokratie hat dies gar nichts zu tun,
sondern mit dem Charakter
(man “besitzt” so etwas oder eben nicht)
Danke für die warmen Worte ;-)
Es stimmt aber nicht, dass ich nichts davon hätte. Wenn ich einen Gastartikel einstelle, habe ich immerhin Content. Und wenn der Artikel halbwegs ordentlich angeliefert wird und ich wenig – oder gar nicht – redigieren muss, ist das schon eine feine Sache.
Selbsverständlich
(Es gibt aber die sogenannten Gutmenschen, die “wissen”, dass nur sie alleine die Welt retten könnten – etwas anders wäre gar nicht möglich.)
(Du traust Bösmenschen Besseres zu?)
Die Demokratie retten? – Dafür fehlt die Mehrheit. Ich halte Blogs im demokratischem Prozess generell für Aufklärungsplattformen und/oder Initiativkräfte. Alles was darüber hinaus geht, könnte mehr Schaden anrichten, als Nutzen bringen. Hinzu kommt die alte Frage: Quantität oder Qualität? In der medialen Welt kann man sich das aussuchen. Man kann mit beidem jeweils gut fahren. Aber demokratische Prozesse sind in erster Linie quantitativ ausgerichtet (Ein Problem der Demokratie?). Eine stärkere Vernetzung wie sie hier auch schon erwähnt wurde, könnte den Blogs mehr Leserschaft verschaffen. Ohne Qualitätsverlust? Mmmhh, das ist nicht sicher. Eine andere Frage ist: Würde sich die neue Leserschaft auch an der Diskussion beteiligen? Desweiteren sollte die Vernetzung auch über die mediale Welt hinausreichen. Der “Kongress” kann hier nur ein erster Schritt sein. Vor allem hier fehlen mir die Ansätze.
vielleicht eine der möglichen Antworten auf Deine Frage Quantität vs. Qualität
“The Controversial Huffington Post-AOL Merger: 7 Questions That Matter”
http://www.alternet.org/media/149860/the_controversial_huffington_post-aol_merger%3A_7_questions_that_matter/
ich bin zwar skeptisch, wenn von einem Diskurs jenseits links und rechts gesprochen wird, denn in der Regel haben sich diese Ansätze eine ‘dritten Weges’ als bloße PR-Hülle, mit der sich der modifizierte Diskurs der politischen Rechte verschleiert
man kann es aber, zumindest theoretisch, auch so betrachten, als diskursive Strategie den progressiven Diskurs von der symbolischen Last zu befreien, die durch das Links-Rechts-Schema gekennzeichnet ist
“Let’s start with what Huffington told Politico: “We don’t see ourselves as left … And I think it’s one area where news consumers are ahead of the media, because they know that continuing to see everything that’s happening as a right-left issue is missing what’s happening, and is also making it much harder for us to be properly informed.”
I happen to agree with her on this point. The tendency of the corporate media and for that matter progressives, to automatically categorize everything as left and right, is actually quite a disservice to the left. Why? Because progressive ideas, when polled on their own, are often very popular with large segments of the population. But the terms “left” and “liberal” are not popular at all. For years, they’ve been mindlessly trashed by the right and much of the media, who’ve helped to create a certain toxicity around those terms. Large majorities of Americans do not call themselves liberal or left. So framing ideas and people as left tends to tarnish good ideas and the progressive brand, keeping the audience for them smaller than it should be.”
also wenn ich mir diese Abziehbildblogroll angucke und die shorties auf Artikel der “üblichen Verdächtigen” und dann auch noch Gastartikel von auch immer den Selben, dann habe ich eher den Eindruck, dass dieses Netzwerk nicht minder “gleichgeschaltet” ist, als die altvorderen Medien. Nur das es hier noch mehr auffällt.
Allein die Tatsache das sich die Kommentarherde der aktuellen Artikelsau teilweise im Minutentakt hinterherwirft macht doch die Vergänglich- und Oberflächlichkeit _dieses Informationsmediums_ deutlich.
Für mich zumindest. Die Karawane zieht weiter. Der Rest verschwindet wieder in der Versenkung.
“Aktionismus” nenne ich sowas.
“Counter-Lobbyism” nenne ich dergleichen :-P Warum wohl fühlen sich so unterschiedliche Menschen wie z.B. Jens Berger (hier der Hausherr), Stefan Sasse (“Oeffinger Freidenker“), Roberto DeLapuente (“ad sinistram“), Dr. Klaus Baum (“Notizen aus der Unterwelt“), Frank Kopperschläger (“kopperschlaegerdotnet“) und ich uns anscheinend genötigt, an einem gemeinsamen Strang ziehen und ein Gegengewicht bilden zu wollen?
Es gibt auch sicher noch mehr AutorInnen in der Nachbarschaft, aber meist ist uns die Qualität zu lausig, denn dies ist auch ein “Selektionsprozess”, weshalb wir dann lieber mit den Menschen kooperieren, von denen (und ihrer Meinung) wir auch etwas halten.
Eine breitere Palette an Gastautoren könnte evtl. das Schubladendenken gegenüber Blogs mehr oder weniger entkräften. Aber man trifft sich ja auch nicht mit jedem. Das hängt ganz vom “Blogchef” und den Gastautoren ab. Doch wenn die (polit.) Blogs tendenziell nach diesem links-rechts-Schema angesiedelt sind, wird es schwierig dieses aufzulösen.
Generell: Ein Objektivitätsanspruch ist fehl am Platz – sowohl vom Blogbetreiber/Autor als auch vom Leser/Kommentator. Der gesamte Journalismus ist immer subjektiv. Es geht nicht um Wissenschaft, sondern darum gewisse Perspektiven zu einem Geschehen/ Thema etc. zu vermitteln.
Interessant wird es, wenn das jeweilige Geschehen/Thema von neuen Blickwinkeln betrachtet wird (ohne an Qualität in der Betrachtung zu verlieren). Das macht auch den investigativen Journalismus aus. Es ist eben nicht nur einfach die tiefgründige Recherche und die Beleuchtung des Hindergrunds. Man darf aber nicht vergessen, dass hier auch u.a. oft ein großer personeller Aufwand (z.B. für Recherche) dahinter steckt.
Interessant fände ich es, wenn mehrere Autoren (vllt. 3-4) verschiedener Blogs an einem Artikel schreiben – eine vorübergehende Zweckgemeinschaft, wenn man so will. Hier gibt es einige Gestaltungsmöglichkeiten (nicht nur für den Text). Es kommt ja nicht selten vor, dass sich Themen gleichen oder kreuzen. Das bringt evtl. auch mehr Perspektiven ein. Bis zur Veröffentlichung kann es dann auch gern mal etwas länger dauern – wenn der Artikel gut ist. Hier könnte auch der Multiplikationsfaktor wirken, anstatt bei einem Artikel, der von einem einzelnen Gastautor verfasst wurde (Hier wirkt allenfalls Addition => Die (polit.) Blogosphäre ist nicht sehr groß. Gastautoren kennt man meistens, deren Blogs auch.)
Dann können wir uns den Meinungsaustausch auch gleich sparen. Jetzt sieh zu, wie du dich da wieder rauswindest ;-)
Objektivität ist kommentierbar.
Subjektivität ist diskutierbar.
; )
Wer mag, kann zu den Stichworten “Vernetzung” und “Attraktoren” ein bisschen über diesem Foto meditieren.
Ich bin der Auffassung: Die Blogger und Kommentatoren retten in erster Linie sich selbst – durchaus auch gegenseitig. Das Einzige, was einem bleibt, ist dies auch zuzugeben.
Sich selbst retten? Äh – meinst du das ernst? Falls ja, wie kommst du darauf?
Weil es gilt, die eigenen kulturellen Wurzeln zu verteidigen und sich dabei zu behaupten.
Um mit Harvey zu sprechen: “I don’t have a solution – I think I know what the nature of the problem is”.
@ daniel:
you got it!
Ja. Für diesen Beitrag hat mein Vater bezahlt.
Hier gibt’s obiges Bild nochmal in groß, wegen mangelndem Speicherplatz aber nur für eine gewisse Zeit.
Desweiteren möchte ich den Hinweis loswerden, dass es sich bei meinem oben formulierten Gedanken um eine Paradoxie handelt:
Paul Watzlawick, “Wie wirklich ist die Wirklichkeit”, R. Piper&Co. Verlag, München 1976, S.32/33 (16. Auflage)
Zur Überwindung dieser Paradoxie kann die Bloggerwelt insofern beitragen, indem sie Argumente zusammenträgt, die auf ein erreichbares Ziel hinauslaufen. Genau das findet statt und ist unverzichtbar, wird allerdings gestört durch ein ausuferndes Themen-Hopping (da bin ich leider vorne mit dabei). Vielleicht wäre es ein Ansatz für den SF und andere Blogger, sowas wie eine Themenwoche einzuführen, statt täglich auf ein anderes Fass zu zeigen?
Wenn sich’s spontan nicht entwickelt, will’s wohl geplant sein.
Ja, dann möchte ich mal das Beste hoffen für gute Blogs wie dieser.
Ist eigentlich Politically Incorrect oder der Spiegelfechter das größte politische Blog hierzulande? Ich meine, die PI’ler haben ~50.000 Besucher am Tag. Wieviel hat der Spiegelfechter?
Übrigens: Ich halte beide Blogs – so verrückt das für manche klingen mag – auf ihre Weise für wichtig. Der Spiegelfechter beleuchtet die Hintergründe der Politik und diverse Verstrickungen und bei PI wir dem Volk aufs Maul geschaut: “Schon wieder ein Deutscher durch Migranten ins Koma geprügelt” (aktueller Fall in Berlin).
Viel weniger – in Spitzen habe ich ungefähr die Hälfte, im Schnitt sind es rund 15.000. Die NachDenkSeiten haben jedoch – teils wesentlich – mehr Leser als PI und m.W. haben auch das BildBlog, Netzpolitik und Fefe sehr viele Leser. Es gibt auch noch einige VT-Blogs, die in dieser Liga spielen.
Nun, “Cheffe” – da ich in etwa Deine und die Zahlen von NDS persönlich gehört habe und auch überblicken kann, was “die Konkurrenz” treibt, habe ich eben unten Zahlen angeführt. Frank Westphal hätte das sicher noch besser als ich machen können, aber ich denke, ich bin auch nicht schlecht. Nicht umsonst gehe ich ja eben den Statistikkrams durch ;-)
Wer ist Frank Westphal?
Banause ;-) Das ist der Typ, der bis neulich “Rivva” gemacht hat.
ah, damit konnte ich nie etwas anfangen. Ich halte eh nichts von irgenwelchen Technikspielereien, die redaktionelle Arbeit ersetzen sollen.
Ja das stimmt, so automatsich generierte Linkverzeichnisse sind immer blöd. Viel schöner wär ein deutsches Reddit.
Die PIler haben mit Sicherheit keine 50.000 Hits pro Tag. Die dort angegebenen Zahlen sind getürkt* – und massiv übertrieben, ca. um den Faktor 10.
* Vorsicht: Insider-Wortwitz
Nö, ich fürchte, die sind real. Wenn ich auch keine genauen Zahlen von einem der – wenigstens halbwegs brauchbaren – Counter und Zähldienste vorliegen habe, trifft es das in etwa. Leider. Es ist auch nicht unrealistisch, diese Zahl für glaubhaft zu halten, da ja bereits “Fakten – Fiktionen” rund 10.000 Leser am Tag hat. Eloquentere “Islambasher”, “Florida-Rolf- und Migrantenhasser” können da m.E. noch deutlich höhere Zahlen erreichen.
Es ist nicht, was Ihr bei Euch drüben schreibt (oder Jens bei sich), denn wir sind trotz allem “demokratisch” und stehen für Menschenrechte, – es ist, was diese Spinner vertreten und verbreiten.
Weder noch ;-) M.W. sind es die NachDenkSeiten mit gut 60.000 Lesern am Tag. Der Spiegelfechter hat derzeit rund 25k am Tag, so ich aus dem Nähkästchen plaudern darf (ist aber auch im Netz nachlesbar, also bitte nicht mich hauen, Jens *g*).
“PI” ist leider nur ein kleiner Teil der rechten “Gegenöffentlichkeit” :-( Da findest Du auch “Fakten – Fiktionen” (etwa 10.000 Leser täglich), “Scusi” (weniger Leser) und andere. Die sind auch deutlich “härter” als “PI” und zumindest ich beobachte die mit Sorge.
Fakten – Fiktionen kannte ich bislang nicht, danke für den Hinweis. Da geht es ja “nett” ab, richtig sympatisch. Schön gegen Türkei und Tunesien und so hetzen, aber der Server steht laut Flag-Fox Plugin in der Türkei. *g*
Als ich zuletzt nachsah, stand er in den USA ;-)
Gerade “Fakten – Fiktionen” angeschaut. Und jetzt habe ich ein Problem. Ich dachte mir manchmal, ich bin zu “hart”, aber denen kann ich nicht einmal Wasser reichen
(Naja, die sind auch kein Kriterium – aber trotzem, solll man es laut sagen.)
Wenn ich mal so offen sein darf – “Fakten – Fiktionen” sind Scheißer am anderen Ende des politischen Spektrums. Voller Hass und Vorurteile, aber es wird toleriert und nicht etwa mit einer “Netzsperre” belegt. Begriffe wie “Honecker-Hure” sprechen eigentlich für sich und nein – DU bist ein “Kollege”, der durchaus härter Fragen stellt und auch bestimmt nicht für alle hier bequem ist, aber Du gehörst m.E. dennoch zu uns – DIE nicht!
Hart darf es von mir aus gerne hin und wieder sein, bloß aber nicht dumm (voller Voruteile) – oder gar dumm-gefährlich (voller Hass).
Wenn ich an einen anderen Thread denke, muss ich sagen, dass ich Systemfrager für wesentlich drastischer, verbal-brutaler halte ;)
Fact-Fiction und PI lese ich übrigens – dazu stehe ich – ebenso gerne, wie den Spiegelfechter (wahrscheinlich falle ich mit diesem Bekenntnis jetzt in Ungade). Einfach weil man dort eine ganz andere Perspektive erfährt. Die berühmte Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte zwischen SF, NDS, PI und FF, denn weder die Rechte noch die die Linke hat die Wahrheit für sich gepachtet. Gerade beim Thema Migrantengewalt (neuester Fall in Berlin) neigen Linke ja eher dazu, Vorfälle unter den Teppich zu kehren, während die Rechte diese z.T. überspitzt. Eine realistische, ehrliche Betrachungsweise solcher Vorfälle wäre nötig.
Gegenöffentlichkeit finde ich immer wichtig und richtig, zumindest solange es keine Nazis, Linksextremisten oder Islamisten sind. Bei PI und FF sind deutlich rechts, aber nichts rechtsextrem. Der SF ist ja auch nicht linksextrem. Insofern alles legitim.
“Retten die Blogger die Demokratie?”
SIE jedenfalls nicht Herr Berger! :-/
Sie wollen hiermit auch nur Kohle scheffeln wie jeder andere auch. Ihnen geht es um gar nix außer sich selbst und ihre eigene pseudo intellektuelle Meinung. Das haben sie in der Vergangenheit hier schon mehrfach bewiesen.
Das Internet ist wegen Leuten wie Ihnen schon längst Tod. Meinung und Frei? Wer will das in Nazideutschland wirklich ehrlich? Ich sags ihnen: Niemand. Dafür gibts viel zu viele gute plausible “es kann doch nicht sein, dass…” Trivialgründe von Jedermann und Bidermann. Freiheit? Das war hier für uns schon immer die Freiheit die man anderen weggenommen hat… aus den banalsten wie doch so praktischen weil besonders billigen Gründen.
Deshalb sag ich es ihnen ganz ehrlich – meine Meinung: Deutschland hätte schon längst die Atombome treffen sollen. Wir d.h. unsere ach so tolle zivilisierte deutsche Gesellschaft sind längst überfällig und ich verurteile die USA dass sie nicht das schlimmere Weltübel von dieser befreit haben. :-(
Mit freundlichem Gruß
das sehe ich genau so ;-)
Toll. Binabell Öchsler II (Königin von Schwachmatien) hat einen neuen Fan. Auf sowas muss man erst einmal kommen!
Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! ; )
Die Frau sollte ein Buch schreiben ;-)
@Inabel Döscher2
Herrliche Satire ;-) – wenn auch womöglich ungewollt. Darunter hätte durchaus auch noch stehen können:
LOL
apropos massenvernichtungs’waffen’, das poste ich mal hier, auch wenns OT ist, da es sonst hier keinen Platz für solche Hinweise gibt – vielleicht könnte er eingerichtet werden
“Empirical Proof that America’s Libertarians Are Completely Insane…”
“The Volokh Conspiracy » Asteroid defense and libertarianism: I think there’s a good case to be made that taxing people to protect the Earth from an asteroid… is an illegitimate function of government from a moral perspective…. [I]t’s O.K. to violate people’s rights (e.g. through taxation) if the result is that you protect people’s rights to some greater extent (e.g. through police, courts, the military). But it’s not obvious to me that the Earth being hit by an asteroid (or, say, someone being hit by lightning or a falling tree) violates anyone’s rights….
[I]f you could show that, once the impending asteroid impact became known, all hell would break loose and lots of rights be violated by looters et al. during the ensuing anarchy, I could justify the taxation as a way of preventing those rights violations; but this wouldn’t apply if, say, the asteroid impact were unknown to the public…”
http://delong.typepad.com/sdj/2011/02/empirical-proof-that-americas-libertarians-are-completely-insane.html
Ist das Satire oder ernstgemeint? Unabhängig davon, ob man den SF mag oder nicht: Ihr Beitrag ist linker Selbsthass in Reinkultur. Danke für dieses anschauliche Lehrbeispiel.
Wenn Sie meinen, Deutschland – mit seiner ganzen Zivilbevölkerung inkl. Kindern – hätte einen Atomschlag verdient, dann schlage ich vor, Sie campen ab heute vor einem AKW. Vielleicht kommen Sie dann zu einer strahlenden Erleuchtung.
usw.
Öhm, das war jetzt wohl der 0190-Werbeblock. Profi-VTerinnen jetzt noch schriller. ;-)
@Inabel Döscher2
Bullshit is’nt ?
Übrigens…
Freiheit wird in Hanf gemessen. ;-)
Und Pi kenn ich nur das.
http://www.youtube.com/watch?v=dvPq8wmYzMc
http://www.youtube.com/watch?v=MI466DAkaAc
Mlg
bähhhh, shit music -:D. So ein Gangsterzeugs hat mir gerade noch gefehlt. :-(
Aber das hier ist schön und passend zum Thema Freiheit :-)
Georg Kreisler – Meine Freiheit, Deine Freiheit
Hallo Jens Berger,
es gibt auch viele Frauen, die bloggen. Die werden von den Männern aber seltsamerweise meist ignoriert. Es fällt auch auf: Z.B: Du und die nachdenkseiten verlinken leider so gut wie nie Artikel von Frauen. Total einseitig männerlastig das Ganze.
An der Qualität kann das nicht liegen.
Beispiele, blogs von Frauen auf Deutsch
* Die Kaltmamsell
* Eva Hillreiner
* Flannel Apparel
* Franziskript
* Frl. Zucker
* Julia Seeliger
* Moulinettes
* Mrs. Pepstein
* Noah Sow
* Plastikmädchen
* AK linker Feminismus
* Antje Schrupp
* Frau Emanze
* Genderblog
* I Heart Digital Life
* inFemme unterstellt
* L-Talk
* Les petits Plaisirs
* mädchenblog
* Medienelite
* Meldungen aus dem Exil
* Miss Tilly Blog
* Moderne Mädchen
* Queer-o-mat
* side-glance
* Sina’s Blog
* Sociae’s Blog
* stadtpiratin
* Take these lies
* Väterblog
* Watch-Salon
Blogs von Frauen auf Englisch
* Amanda Hess
* Angry Black Woman
* Bitch Ph.D.
* Broadsheet@Salon
* CupCate
* F*Bomb
* F-Words
* Feminist Allies
* Feministe
* Feministing
* FWD/Forward
* Geek Feminism
* Gender Across Borders
* Harlot’s Parlour
* Hell On Hairy Legs
* I Blame The Patriarchy
* i don’t know either
* Muslimah Media Watch
* Our Bodies Ourselves
* Pandagon
* Sawt Al Niswa
* Scanner by Nerve
* Shakesville
* The Curvature
* The F-Word UK
* WIMNs Voices
* Yes Means Yes
* Young Feminist Wire
Nun, an der Qualität liegt es vielleicht doch. Viele der von Dir genannten Damen sind leider “sehr dogmatisch” und das sage “ich als Anarchist”. Zudem kennen “wir, die Männer” die Damen meist nicht, da sie sich nicht etwa einzubringen versuchen, sondern ihr Ding in spezifischen “Girlgroups” durchzuziehen versuchen. Was können “wir Kerle” da machen? Wir sind von vorneherein exkludiert, ein Diskussionsversuch findet nicht statt und wir sind die Ärsche. Traurig, aber leider ebenfalls wahr. Können wir nicht mal endlich ohne Vorurteile und auf Augenhöhe sein?
“Was können “wir Kerle” da machen?”
hast Du Marco Ferreri “Die letzte Frau” gesehen?
das Zauberwort heißt Selbstkastration :-)
Ein paar gute Blogs sind doch darunter. Wenn Julia Zeit hat, ist sie – denke ich – für praktisch jedes Podium ein Gewinn.
Ich denke, wir werden im Vorfeld des nächsten Treffens sicher auch mit ein paar Kolleginnen Kontakt auf nehmen, wobei es bestimmt nicht verkehrt wäre, wenn diese auch mal von sich aus aktiv werden und sich selbst vorschlagen ;-) Das ist ja beileibe kein “Herrenclub”, auch wenn uns dieser Vorwurf gemacht wurde und es dank der geringen Frauenbeteiligung dieses Mal auch glatt so aussehen konnte.
Die Hinweise in den NDS kommen nahezu ausschließlich aus den Hinweismails der Leser. Wenn kein Leser diese Damenblogs vorschlägt, können wir sie leider auch nicht in die Hinweise aufnehmen. Aber das können die Leser ja gerne ändern.
Vielleicht würde es helfen, wenn die Bloggerinen in ihren Blogs nicht die “feminine” Seite (manche tun dies bereits im Titel) ihres Projekts betonen würden, sondern eher “geschlechtsneutral” schreiben würden – so wie der SF hier und die meisten anderen Blogs. Denen merkt man ja auch keine besonders “maskulinen” Merkmale an.
Nochmal zum Thema Agendasetting.
Obwohl mich das Wort Kampagnenfähigkeit ein wenig gruseln lässt, frage ich mich doch ob es nicht möglich wäre so etwas wie einen Kristalisationspunkt für eine linksliberale Gegenöffenlichkeit herzustellen.
Ich würde mir vorstellen, das Wort Agendasetting wörtlich zu nehmen und eine Platform für eine gemeinsame Agenda ( Wiederertüchtigung des umlagefinanzierten Renten- und Sozialversicherungssystem, Mindestlohn, särkere Inanspruchnahme der ökonomisch starken Schultern, massive Reglementierung des Finanzsystems, Rückabwicklung der Privatisierung Von Bahn, Energieversorgern etc. so was in der Art ) etwa in Form einer Internetseite (“Initiative alte soziale Marktwirtschaft”;-) ) herzustellen.
Das Thema Grundeinkommen wurde schließlich auf ähnliche Weise ins öffentliche Bewußtsein gepusht.
Das Problem der gemäßigten Linken in Deutschland ist, dass die wichtigsten politischen Akteure alle auf die eine oder andere Weise verschlissen sind. Klar zeigte sich dies etwa bei der weitgehenden intellektuellen Ratlosigkeit linker Kommentatoren bei Beginn der Finanzkrise.
Die Gewerkschaften sind zu sehr auf Besitzstandswahrung bedacht und im Verbändestaat einzementiert, die SPD wurde kaputtge-newlabourt, “Die Linke” kann trotz guter Ansätze von Kommunismus und Politromantik nicht lassen, die Grünen und Zeitungen wie die TAZ stehen inzwischen mehr für ein unklares Ökobiedermeier-, Hausbesetzernostalgie-, evangelischer Kirchentags- Lebensgefühl denn für eine politische Richtung.
Diese Gemengelage wartetet gradezu auf neue Impulse um sich neu zu formieren.
Allerdings muß man sich fragen ob gerade die individualistische Blogosphere so ein Impulsgeber sein kann und soll, oder ob man so nicht das Kind mit dem Bade ausschüttet.
Nun ja, beim Mindestlohn, Stopp/Rückabwicklung der Bahnprivatisierung wären wir uns einig. Den Ansatz, die “ökonomisch starken Schultern” (wenn Sie damit Spitzenverdiener meinen) noch stärker zu beanspruchen, halte ich jedoch für falsch. Wollen Sie die Leistungsträger mit über 50% Steuern demotivieren oder gar vergraulen?
Die Kritik am derzeitigen Kapitalismus ist natürlich berechtigt. Hier muss man wieder zu einer echten sozialen Marktwirtschaft zurückfinden. Es bringt nichts, jetzt dem Kommunismus und Sozialismus das Wort zu reden. Diese Systeme haben versagt und ich persönlich möchte (relative) Freiheit und (relativen) Wohlstand nicht gegen eine Sowjetunion Light oder DDR 2.0 eintauschen müssen.
Es gäbe in Deutschland abseits von Steuern genügend Möglichkeiten, Gelder einzusparen. Man könnte z.B. die Einwanderung stärker begrenzen/steuern, um zu vermeiden, dass noch mehr Alis und Murrats in unsere Sozialsysteme “einwandern”. Oder man könnte Scheinasylanten konsequent abschieben. Oder kriminellen Großfamilien (“Miris”) die Tür zeigen… oder, oder, oder.
Doch das scheitert regelmäßig am verkorksten Gutmenschentum in Deutschland. Hier müsste man erstmal aufräumen. Dadurch würde außerdem nicht nur der Haushalt, sondern auch die Gesellschaft sozial-kriminalistisch entlastet – z.B. läge dann der 30-jährige Handwerker aus Berlin jetzt wohl nicht im Koma, den eine Migrantengang in der U-Bahn fast getötet haben.
Auf keinen Fall demotivieren, sondern
wie alle anderen Kriminellen einkerkern
Dann würden sogar Alis und Murrats sich bilden können und irgendwann auch einen anständigen Arbeitsplatz bekommen.
Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen!
apropos ‘Leistungsträger’ einkerkern
“Why Isn’t Wall Street in Jail?
Financial crooks brought down the world’s economy — but the feds are doing more to protect them than to prosecute them”
http://www.rollingstone.com/politics/news/why-isnt-wall-street-in-jail-20110216
übrigens … kennt Ihr schon den?
“Du musst den Gürtel enger schnallen!”
@Systemfrager Das unterschreibe ich !
@Franz L.
Ihr Beitrag zeugt von hoher BILDung !
Danke für diesen Einblick,solange solch geBILDete wählen … dürfte Schwarz-Geld weiter gelassen durchregieren
Ist das jetzt irgendwie gerade “in”, Personen mit anderen Ansichten den Konsum von Boulevardzeitungen zu unterstellen?
Das ist aber eine sehr ineffiziente Methode beim Aufbau der klassenlosen Gesellschaft. Die Leistungsträger würden ja weiter mitessen. Pol Pot hat diese Leute in Kambodscha damals einfach umgebracht bzw. erst gefoltert und danach umgebracht.
Freilich nachdem über die Hälfte der Bevölkerung umgebracht war (es reichte eine Brille zu tragen, was ein Zeichen dafür war das man Lesen und Schreiben konnte) fehlte für den Aufbau einer effektiven Landwirtschaft das nötige “Personal”. So das dann darauf auch keine klassenlose Industriegesellschaft mehr gebaut werden konnte. Natürlich, man weiß nicht ob es funktioniert hätte, wenn der kommunistische Konkurrent Vietnam sich nicht in die inneren Angelegenheiten Pol Pots eingemischt hätte.
Es könnte natürlich sein das Systemfrager daraus gelernt hat und die Leistungsträger leben läßt damit sie aus dem Gefängnis heraus vielleicht doch noch gezwungen werden können, beratend einzugreifen.
Ob diese Gesellschaft dann allerdings die ideale Demokratie wäre sollte jeder Leser hier selbst entscheiden.
Leistung muss sich wieder lohnen.Nicht für den Exporteur, nicht für den Banker, nicht für den sog. “Investor”, sondern für den,
der sie erbringt.Solange ein Großteil der Arbeitsfähigen Bevölkerung dank Hartz(Hurenbock)-IV Erpresserpotenzial in Bittstellerrolle zu den für den Arbeitgeber so rentabelen Niedrigstlöhnen arbeiten darf, während andere den Rahm abschöpfen,kann dies nicht gelingen….
Von der Eltiären Besteuerung wollen wir erst gar nicht anfangen..Vermögenssteuer ? Erbschaftssteuer ? etc. ?
Ehrlich gesagt, ich kann es nicht mehr hören.
Die reine Orientierung an diesen ominösen 50 Prozent besagt noch gar nichts. “Entscheidend ist, was hinten raus kommt!” :-) Ich möchte dies mal mit dem Begriff “Ergebnisgerechtigkeit” beschreiben wollen. Dieser prozentuale Wert wird überhaupt erst etwas aussagekräftig, wenn man ihn mit einer Datenbasis verknüpft. Eine 50-Prozent-Steuer bei einem Einkommen von 100.000 Euro bringt ein ganz anderes Endergebnis als eine 50-Prozent-Steuer bei 20 Millionen. In dem einen Fall bleiben 50.000 effektiv zum Leben übrig, im anderen 10 Millionen.
Dieses ganze Leistungsträger-Geschwurbel ist doch keine Pfifferling wert. Kein Mensch kann objektiv und faktisch begründen, warum die Arbeit des Einen fünfzig-, einhundert- oder eintausendmal mehr “wert” sein sollte als die eines Anderen. Und diese Zahlen gehen ja immer weiter auseinander, ohne dass es jemand vernünftig erklären kann.
Sogenannte Leistungsträger, die aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit sich massiv bei ihrer Promotion unterstützen lassen. Leistungsträger, deren Promotionsgrundlagen, zumindest laut aktuellen Kenntnisstand, auf reichlich wackligen Füßen stehen. Leistungsträger, die während ihrer (an sich schon überbezahlten) Arbeitszeit privat Bücher schreiben und damit Millionen scheffeln. Leistungsträger, deren Leistung darin besteht, andere Menschen größtmöglich über Ohr zu hauen und dann öffentlich mit einem Bruchteil des ergaunerten Geldes den großen Wohltäter zu spielen. Wo ist denn deren Leistung?
Eine ganz normale Moderatorin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen soll “leistungsgerecht” 875.000 Euro p.a. bekommen? Andere, die im wahrsten Sinne des Wortes im Schweiße ihres Angesichts richtig hart arbeiten, kommen aber gerademal auf 10.000 Euro p.a. oder noch weniger?
Es ist richtig, wenn jemand bis zu einem gewissen Betrag auch niedrig besteuert wird. Und dass dann die Steuer mit steigendem Einkommen auch immer weiter steigt. Und dass auch ab einem gewissen Punkt, wo dieses Einkommen (und ich spreche hier wohlgemerkt von der Summe aller Einkomensmöglichkeiten) nicht mehr verhältnismäßig ist, eben dieser übersteigende Betrag “weggesteuert” wird. Von mir aus auch zu 99 Prozent. Oder wenn sich selbst dies als unwirksam erweisen sollte, notfalls auch zu 100 Prozent. Ansonsten hätten wir irgendwann einmal den Punkt, wo jemand selbst ein Einkommen von 10 Milliarden als “leistungsgerecht” bezeichnen würde und trotz den 99 Prozent immer noch exorbitant über dem Sinnvollen liegen würde.
Nein, die 50-Prozent-Linie ist nur Dogma. Das Ergebnis ist entscheidend.
Wer entscheidet denn, was verhältnismäßig ist und was nicht? Sie?
Ich stimme ja insoweit zu, dass die “Elite”-Gehälter zu hoch sind. Mir ging es um den ehrlichen Unternehmer (also nicht um z.B. Bahn- oder Bankenvorstände), der richtig ranklotzt, einen 12+ Stunden Tag hat, viel verdient und am Ende rund die Hälfte abgeben “darf”, um irgendwelche Leute, die hier nie eingezahlt haben, zu alimentieren.
Bei der angesprochenen Moderation liegt der eigentliche Skandal eher darin, dass die über GEZ-Zwangsgebühren bezahlt wird (na ja, wer halt – je nach Sichtweise – so ehrlich oder dumm ist, diese tatsächlich noch zu zahlen).
Korrektur: Moderatorin.
Das möchte ich mir nicht anmaßen. Gleichwohl mir aber als Mitglied dieser Gesellschaft ein Mitspracherecht zusteht, so wie jedem Anderen.
An dieser Stelle ist es doch aber nicht anders als bei (angestellten) Mangern. Ein selbstständiger Unternehmer, der einen Gewinn von z.B. 100.000 Euro Gewinn einfährt, kann (nicht: muss!) dies doch unbestritten mit eigener harter Arbeit erreicht werden. Ein Jahresgewinn von 20 Millionen schließt hingegen aus, dass er dies mit harter, eigenhändiger, ehrlicher Arbeit vollbracht hat. An einer Stelle dieser Punkte hapert es zwangsläufig immer.
Insofern wäre eine höhere Besteuerung, ab einer gewissen Grenze, auch für ihn nicht “schlecht”. Erst recht, wenn diese dann noch mit einer größeren Sicherheit einhergehen würde, die ihn im Misserfolgsfall absichern würde.
Da bin ich anderer Meinung. Ich finde solch einen Betrag für eine Moderatorin/Moderator o.ä. an und für sich unanständig und nicht einmal in Ansätzen angemessen.
Moin.
“Verschlissen” kann man nicht sagen. Die ältere Generation tritt langsam ab und neue Strategen kommen nicht dazu – oder nur ganz paar wenige. Weil: Wie soll ich heute z.B. in den Sozialwissenschaften dringend nötige Untersuchungen anstellen, wenn das Institut Drittmittel von Berdelsmähn und Co.. zieht? Bei der Friedrich-Ebert-Stiftung? Ich war in meiner Schulzeit (<1969) Mitstreiter beim AUSS (Aktionsgemeinschaft unabhängiger und sozialistischer Schüler, sponsored by IG-Metall) und bei Provo in den Niederlanden. Für uns war es damals sehr wichtig, überhaupt an Informationen über das "System" zu kommen. Das war gar nicht so einfach. Deswegen sehe ich die Rolle der blogs nicht so pessimistisch. Was fehlt, ist das linke Netzwerk, dass alle Nachdenk- und Erforschungsseiten koordiniert in dem Sinne, dass für Kontinuität gesorgt wird. Ich habe doch nix dagegen, wenn mit meinem Gewerkschaftsbeitrag Verdi bestimmte Projekte in der Blogszene unterstützt. Wer soll hingegen wild darauf sein, sich an der "Kommunismus"-Debatte zu beteiligen? Da waren die Soziologen in der Babelsberger Straße von Berlin anno 1970 schon weiter nach dem Zerfetzen von Lenin-Werke Band 5.
Genau so, wie das Kapital es fertiggebracht hat, die arbeitende Bevölkerung in so viele Fraktionen aufzuteilen, dass die sich gegenseitig zur Schnecke machen, ist es gelungen, jegliche Gegenmacht zu atomisieren. Das muss man erst mal neidlos zugestehen. Denn das ist auch eine strategische Leistung.
gruß fb
Nein diese Art der “Argumentation” ist hier bei Vielen gang und gäbe, seit immer. Mir ist immer noch nicht klar, welche Position der Blog-Inhaber zu dieser Art der “Argumentation” einnimmt und ob er meint, dass diese Art der Argumentation die Demokratie rettet.
Ich habe allerdings aus Seiner Position ganz zu Beginn meines Einstiegs hier, dass so sinngemäß “der Kapitalismus die quasi natürliche Art das Wirtschaftens sei” (biite verbessern, falls nicht korrekt) darauf geschlossen, das Er grundsätzlich eher einer punktweisen Kritik und punktweiser Verbesserung des Systems zuneigt und daher dafür grundsätzlich prinzipiell saubere Argumentation bevorzugt.
Frank Lübberding:
Der unterscheidet Meinungsfreiheit und Demokratie nicht
peinlich, peinlich
mehr>>>
Da scheint jemand einen recht geringen Anspruch an Demokratie zu haben.
Ich finde, Du siehst das zu kurz (Lübberding auch): Meinungsfreiheit ist einer Demokratie inhärent und nicht von ihr zu trennen. Daß Frank Lübberding allerdings nur Sorge hat, daß morgen die “Geheimpolizei” klingeln könnte … Nun ja.
Eine Demokratie “erodiert” m.E. eher, denn daß sie einfach von heute auf mMorgen zu einem neuen Unrechtssystem wird. sehen wir dem einfach zu?
So, und jetzt habe auch ich endlich meinen Senf zum “Kongress” abgegeben, würde mich über ein paar Diskutanten zum Thema freuen und hoffe, daß mich der hiesige Hausherr nicht wegen “Schleichwerbung” sperrt bzw. abmahnt ;-)
Mir fällt gerade mal was ganz Prinzipielles ein.
Über welche Art von Demokratie geht es hier eigentlich. Dem Blog-Inhaber will ich ja unterstellen, dass er prinzipiell die westliche Demokratie meint, wobei mir dann allerdings nicht klar ist, wie diese in einem “demokratischen Sozialismus” überleben soll.
Aber bei vielen anderen (nicht allen) scheint Demokratie zu bedeuten:
Jedem nach seinen Bedürfnissen, Fähigkeiten egal.
Ist das so richtig interpretiert?
Was nun wenn das einigen wichtigen Leistungsträgern nicht gefällt. Es gibt solche, glaubt es mir. Es gibt Unterschiede zwischen den Menschen.
Einem Koroljow oder Wernher v. Braun z. B. können wir alle zusammen hier sicher nicht das Wasser reichen. Auch wenn wir bessere Startchancen gehabt hätten sicher nicht.
Leute, wenn ich nur wüßte, was ihr euch unter “kampagnenfähig” vorstellt. Scheint mir auch eine Menge Selbstüberschätzung dabei zu sein. Andererseits kann man mit einem guten Artikel Kampagnen lostreten und dann auf Tweets oder Petitionsseiten verlinken – das wird von den Netzaktivisten auch schon so gemacht.
Getreu dem Vorbild von Fefe und Andreas von CCC könntet ihr euch auch mal an einem Podcast versuchen, das schafft zusätzliche Präsenz für kleines Geld.
Gegenüber den beiden habt ihr den Nachteil, dass Politik-Hacks um einiges schwieriger und unpopulärer sind, aber man kann, siehe Andreas & Fefe, auch zu zweit oder dritt unterhaltsam schmutzige Wäsche waschen. Die sind mindestens so politisch wie ihr, wenn auch nicht völlig informiert. Und die guten deutschen Podcasts sind hauptsächlich nicht vorhanden.
Die Huffington Post hat übrigens einen gräßlichen Ruf als Bullshit-Schleuder, übler als die meisten Mainstream-Medien. Zumindest was alles Überprüfbare oder Quasi-Wissenschaftliche angeht.
Hinter der Popularität von Leuten wie Geert Wilders oder anderen sogenannten “Islamophoben” muss man gar nicht (nur) die Neocons oder die Israelis sehen, da reicht ein Blick auf den Meine Flucht aus der islamischen Welt-Buchmarkt. Von Waris Dirie bis Ayaan Hirsi Ali, wer hat die Dinger nicht wenigstens gesehen? Ich habe mir mal den Spaß gemacht, alle Quellenangaben aus Udo Ulfkottes “SOS Abendland” zu checken (okay, die ersten 80) – das Zeug ist authentisch. Und wer sich mal eingehend mit einem muslimischen Mitbewohner oder Studienkollegen unterhalten hat, den überrascht das auch nicht, nachdem man über den ersten Schock hinweg ist. Wo jetzt auch der christliche Fundamentalismus der USA zu uns rüberschwappt, sollte man sich wohl oder übel Fragen zur eigenen Religionstoleranz stellen und wo da die Schmerzgrenze erreicht ist.
Die Werte der Aufklärung gehen unter, wenn sie keiner verteidigt. Die christlich-westliche Presse und Politik ist in der Mohammed-Karikaturen-Debatte so schön eingeknickt, da freut man sich schon fast über rabble rousing-Aktionen wie die angedrohte Koran-Verbrennung.