Wir sind uns darin einig, dass wir uneinig sind
geschrieben am 02. April 2009 von Spiegelfechter
Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Nationen, die zusammen mehr als 80% der Weltwirtschaftskraft und rund zwei Drittel der Weltbevölkerung repräsentieren, trafen sich in London, um das Finanzmonster zu bändigen und gemeinsam gegen die Weltwirtschaftskrise vorzugehen. Große Ziele, große Worte, da ist es kaum verwunderlich, dass die Ergebnisse ?gemessen an den Ansprüchen ? enttäuschen. Es ist so, als habe sich die Besitzerversammlung eines Hauses, dessen Fundament bereits bröckelt, darauf geeinigt, die Fenster im zweiten Stock erneuern zu lassen.
Die von den USA, Großbritannien und Japan erhoffte Koordination zusätzlicher Konjunkturmaßnamen scheiterte am vehementen Widerstand Deutschlands und Frankreichs. Chinas Traum, eine wichtigere Rolle in der Weltfinanzarchitektur zu spielen und eine internationale Reservewährung zu etablieren, die die Abhängigkeit vom Dollar mindert, ging sang- und klanglos unter. Was übrigblieb, sind kosmetische Korrekturen am Weltfinanzsystem und eine Stärkung des IWF. Wohlfeile Worte, die dem eigenen Volk als Meilensteine auf dem Weg zur Bändigung des Finanzmonsters verkauft werden können. Ob diesen Worten auch Taten folgen werden, hängt nun von den Arbeitskreisen ab, die sich in den nächsten Monaten mit der Umsetzung der Detailfragen beschäftigen werden. Hier werden nationale Interessen eine übergeordnete Rolle spielen. Die Krise ist global und lässt sich nur global lösen. Die Führer der Welt haben eine historische Chance verpasst und dort nationale Egoismen gepflegt, wo internationale Kooperation von Nöten gewesen wäre.
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Der IWF ist eine amerikanische Einrichtung und total neoliberal eingestellt.
Das bedeutet, daß die Welt jetzt richtig in die Krise geht. Ich kann nur hoffen, daß die Realitäten diese ganzen inkompetenten Politiker von der Weltbühne fegen. Leider sind die Zeiten der französichen Revolution mit ihren wirksamen Mitteln schon lange vorbei.
Das Hauptproblem liegt darin, die Spekulation einzudämmen. Und das geht nur, wenn die Spitzensteuersätze hoch sind, so daß sich Spekulation nicht lohnt. Beim Lesen von Keynes bin ich darauf gestoßen, daß man drei Stufen des Einkommens definieren kann:
- Einkommen, das die Grundbedürfnisse abdeckt
(Essen, Wohnung, Kleidung, Ausbildung, Mobilität,…)
- Einkommen, das investiert wird
(Vorsorge für Alter, Krankheit und Berufsunfähigkeit, Maschinen, eigenes Haus, …)
- Einkommen, das spekuliert wird
(Geldanlagen, Immobilien für Fremdnutzung, Spielcasino, Luxus,…)
Die meisten Menschen verfügen nur über die ersten beiden Stufen, Grundbedürfnisse und Investition. Erst für die “Reichen” kommt die dritte Stufe hinzu.
Wenn die Renditeerwartungen hoch genug ist, dann kann investives Einkommen auch zu spekulativen Einkommen werden. Das bedeutet, wenn wir einen Börsenboom haben, wird Geld, welches ich beispielsweise zur Altersvorsorge anlege, an der Börse angelegt, weil die Erwartung des Gewinn hier größer ist als die Sicherheitsbedenken für das Alter. Das bedeutet aber, auch, daß Geld dem normalen Wirtschaftskreislauf entzogen wird, denn spekulatives Einkommen wird in der Regel nicht im normalen Wirtschaftskreislauf angelegt. Dazu ist die erzielbare Rendite zu niedrig. Das bedeutet, die spekulativen Gelder fließen in die Spielcasinos dieser Welt. Zu den Spielcasiones gehören auch die Börsen, an denen Wetten auf zukünftige Kursentwicklungen abgeschlossen werden können ohne daß man die entsprechende Papiere hält. Allein dieses Derivate ermöglichen Renditen in den Bereichen, die bei spekulativen Einnahmen erwertet werden > 25%! Gleichzeitig steigt aber auch die Gefahr, daß es zu großen Verlusten kommt.
Wenn also ein Herr Ackermann eine Rendite 25%+ vorgibt, dann bedeutet das, daß er ausschließlich im spekulativen Einkommensbereich arbeiten will, d.h. er arbeitet fast ausschließlich mit Kunden, die ihm ihren investiven und spekulativen Anteil zur Verfügung stellen. Wenn wir weiter davon ausgehen wollen, daß auch diese Kunden entsprechende Renditen erzielen wollen, dann reden wir von Renditen 50%+ auf das eingesetzte Kapital. Dieses ist mit normalem wirtschaften nicht zu erreichen!
Das Regulierungsproblem unserer Regierungen liegt darin, daß sie sich von den Renditen sprich Gewinnen, die im spekulativen Bereich erzielbar sind, blenden ließen. Sie sahen nur eine Seite der Medaille. Sie haben dazu die Steuersätze des spekulativen Anteils heruntergeschraubt und auch sonst alles getan, daß die Spekulation gefördert wurde. Mit mit der weltweiten Zunahme des spekulativen Anteils (ca. 98% der umlaufenden Geldmenge), wurde auch vermehrt Geld des investiven Anteils in den spekulativen Bereich transferiert. Als die Geldzuflüsse sich nicht weiter steigern ließen, brach der Markt zusammen, die geforderten Renditen ließen sich nicht mehr erzielen. Und nun mußte (?) der Staat eingreifen und die fehlenden spekulativen Gelder nachschießen. Diese Gelder fehlen jetzt in den beiden Bereichen Grundbedürfnisse und Investition.
Um der Krise effektiv zu begegnen, wäre eine höhere Abschöpfung des spekulativen Anteils erforderlich. Roosevelt hatte diese Zusammenhänge richtig erkannt und im “New Deal” umgesetzt. Erforderlich sind hohe Spitzensteuersätze und Erbschaftssteuern, je nach Ausmaß der Krise bis zu 90% um die Spekulation zu dämpfen. Mit den Steueroasen kann man ein Doppelbesteuerungsabkommen abschließen, daß eine Abschlagssteuer von sagen wir 75% aus spekulative Erträge für ausländisches Kapital vorsieht. Dann braucht man Länder nicht zu brüskieren, die eine andere Vorstellung vom Umgang mit dem Steuerleister haben als Deutschland, Frankreich und die USA. Wer in Deutschland Steuern für Zinserträge zurückhaben will, der muß eine Steuererklärung abgeben und die ausländischen Einkünfte deklarieren. Dazu braucht man keine Schwarzen oder Grauen Listen und auch keinen Druck.
Quote: “..zusätzliche Konjunkturmaßnamen scheiterten am vehementen Widerstand Deutschlands und Frankreichs..”
Widerstand? *rofl* Die haben nix mehr auf der Kralle, besonders Deutschalnd ist absolut pleite. Die beten schon jeden Tag, dass sie es noch bis über die Bundestagswahl schaffen. Einmal dürfen wir ja wählen, dann kommt erst mal Darkage II an die Reihe.
@Marc Blender
Deutschland pleite? Quark ;-)
Sie habens verzockt…
… eine weitere Billion (Onkel Dagobert würde sich über eine trillion $ freuen). Rund 10 Billionen alleine durch die Amis an Bürgschaften, Garantien oder Bargeld, weitere Billionen durch den Rest der Welt, ein Mehrfaches des Welthandelsvolumens auf Pump – Sie wollen nicht, sie können nicht, es ist vorbei.
Freuen wir uns oder bereiten wir uns vor? Mir ist es schon fast egal. Mich erinnert es, obwohl noch nicht belegt, an “Einen Kurs im Wundern”.
In der Tendenz stimme ich gerhardq zu.
Der wesentliche Ansatz über den Tag hinaus wäre eine weitreichende Regulierung von Spekulationsgewinnen bzw. Konstruktionen (Wetten), die das (überzogenes Spekulieren) nicht mehr ermöglichen mit einer Einbettung in nationales Recht. Also zB die Einführung eines Straftatbestandes “(grob) fahrlässiger volkswirtschaftlicher Schädigung aus niederen Beweggründen”. Die Forderung von Eigenkapitalrenditen, die via Produktivitätsteigerungen in der Realwirtschaft nicht nachvollziehbar sind oder nur durch Lohndumping in anderen Volkswirtschaften (schon gar nicht nachhaltig) könnte darunter fallen.
Aber das bleibt Illusion. Das schafft Politik nicht. Schon gar keine Demokratieen in an sich unverbindlicher Runde und diese (Politik egal ob Demokratie oder nicht) ohnehin in keinem Fall, wenn sie sich auf Berater beruft, die jenen Forderungen eher nahe als fern stehen.
Dazu müßte es unruhig werden auf den Strassen in den Volkswirtschaften. Wird es aber nicht und das ist auch nicht zwingend verkehrt, denn es würde die Situation verschärfen und nicht verbesseren.
Was bleibt also übrig an Handlungsoptionen? Prinzip Hoffnung? Sieht fast so aus.
Zur allgemeinen Information:
Global Change 2009
Es wurde in jahrelanger Arbeit eine Lösung herausgearbeitet. Überzeugt euch selbst in dem 34-minütigen Film:
http://www.global-change-2009.de
Der Text zur technischen Umsetzung und Erklärung des kompletten Konzepts folgt in einigen Tagen…
Verabschieden wir uns also von den Scheinlösungen der ewigen Nachschuldnersuche, die uns hier (wider besseren Wissens oder einfach aus Dummheit?) vorgeworfen werden.
Yes We Can!
@misterL
Da bin ich weit weniger optimistisch, als Du. Demokratien scheinen sich im 21 Jahrhundert, nach Erfindung der PR durch Edward Bernays und der Perfektionierung dieses Handwerks, nicht mehr gegen die Auswüchse des Finanzkapitalismus´ schützen zu können und der Wille gemeinsam gegen den Finanzkapitalismus vorzugehen scheitert immer wieder an Egoismen, wobei Deutschland stets an erster Stelle steht. Ich sehe die Demokratie dadurch schwerstens gefährdet und muss immer schmunzeln, wenn betroffene Gewerkschaftler und SPDler die NPD als größte Gefährdung der Demokratie bezeichnen ;-)
Das Zeitalter der Demokratien, wie wir sie kennen, neigt sich dem Ende zu. Es war nicht alles schlecht im Kapitalismus ;-)
Der Wunsch nach mehr Regulierung lässt sich in der Wirtschaft eben nicht international umsetzen. Zumindest nicht auf gleichem Niveau, wir wollen ja nicht vergessen, dass Staaten konkurrieren.
Setzt ein Staat bes. restriktiv um (wir stellen uns hier bildlich Armeen von Regulierern vor, die Sache ist ja sehr aufwendig), dann grunzt ein anderer Staat auf und lässt der Wirtschaft eine höhere Volatilität und auch mehr Erfolgschancen.
Das deutsche Wunschbild der standardisierten Weltwirtschaft wird sich nie realisieren lassen (eine diktatorische Weltregierung ausgenommen), kommt der nächste konjunkturelle Aufschwung, dann wird man in D im Hemd dastehen und es geht weiter bergab.
Zurzeit geht es für die sozialchristdemokratische Regierung einfach nur darum die Bundestagswahl zu überstehen. BTW, auch Obama will ein zweites mal gewählt werden, der Kollege wird vorsichtig sein nationale Interessen hintanzustellen.
Wer sich noch an die größte aller Krisen, an die Ölkrise, erinnert, wird möglicherweise nur müde abwinken. Die Wirtschaft findet immer einen Weg.
BTW, ergänzend noch der Hinweis auf die Ursache der jetzigen Krise, auf die sozialstaatliche Maßnahme “Community Reinvestment Act”:
http://en.wikipedia.org/wiki/Community_Reinvestment_Act
(Leider kein deutschsprachiger Wikipedia-Eintrag verfügbar, in D glaubt man ja noch an die Ursache “Managergier” und will mehr regulieren, LOL.)
Wenn sich das Zeitalter der Demokratien dem Ende neigt, was soll dann folgen ?
@Bob
Chaos und ungezügelte Selbstbedienung der Gewalttätigen.
“…siegten einmal mehr nationale Egoismen”
Wen bitte soll das wundern? Das ist doch gerade das Credo und der Kern dieser Wirtschaftsweise: Gemeinwohl ergibt sich ‘automatisch’ (bzw ‘von unsichtbarer Hand’) aus der Verfolgung von ‘Egoismen’. Ansonsten müsste man ja zumindest erstmal Schluß machen mit der ‘Standortkonkurrenz’ – und wohin möchte das wohl führen, wenn man es einmal konsequent weiterdenkt…?
@tar
Oh, JUBELIO! Ein neues Internetfilmchen, das mit einfachen Lösungen für komplexe Probleme aufwartet! Eins muss man den Freiwirtschaftlern ja lassen – nette Filmchen können sie produzieren … aber das war´s dann auch. Wer den schleichenden Sozialismus für das Kernproblem des jetzigen Systems sieht, hat einiges nicht verstanden.
Wieso schleichender Sozialismus?
Die Kernaussage des Films ist nun wirklich nicht schwer zu verstehen. Schau dir doch nochmal 7:12 bis 16:00 nochmal an. Vielleicht wird dir dann die wahre Krisenursache endlich mal bewußt.
Gruß!
Aus meiner Sicht ist es fast unethisch in Kommentatorenbereichen auf fremde Inhalte zu verweisen, deren Konsum 34 Minuten in Anspruch nimmt, LOL.
Ansonsten gilt natürlich: Je freier die Wirtschaft, desto grösser der langfristige Erfolg, desto übler aber auch die Krisen, die wirtschaftsimmanent scheinen.
Vielleicht erfinden die Sozen ja mal ein Wirtschaftssystem ohne Downswings…
@Bob
Ich halte eine schleichende Tendenz zum Autoritarismus und zum Totalitarismus für wahrscheinlich, wenn(!!!) die Krise zu tiefen Verwerfungen führt. Der Reset, der momentan angestrebt wird, klappt nicht. Im Rahmen der Krisenbewältigung wurden die Finanzmärkte derart geflutet, dass die nächste Krise bereits ausgelöst wurde. Das kann alles nur gehen, wenn nach Beendigung der gegenwärtigen Krise massivst(!) Geld vernichtet (also aus dem Kreislauf genommen) wird. Dazu fehlt allerdings der politische Wille in einer auf Wachstum programmierten Demokratie, deren Einflüsterer ein Eigeninteresse daran haben, dass die “Anderen” Geld vernichten, die eigenen Volkswirtschaft aber nicht.
@Horscht
Och Horscht ;-)
Ein kommunales Programm soll schuld dafür sein, dass Banker mit grandiosen Finanzinnovationen das Risiko bei Finanzgeschäften endlich abgeschafft hatten und so das finanzmathematische El Dorado aufgebaut haben, in dem jeder ohne Risiko Traumrenditen “erwirtschaften” kann? Das glaubst Du doch selbst nicht.
@SF #15
Das hört sich somehow unsinnig an (sorry, dafür dass ich Deine Kompetenz damit anzweifle. ;-)).
Wenn die Folgekrise die Kohle aus der vorherigen Krise vernichtet, vernichtet sie die falsch versprochenen Versprechen der vorherigen Krise. Das ist im Prinzip nur eine Verlagerung auf der Zeitachse. Man könnte also bereits heute die Schulden vernichten (es käme inhaltlich aufs selbe heraus) statt morgen die Kohle, mit denen jene Schulden (hoffentlich) getilgt werden sollten.
Der “Reset”-Button hat nur eine andere Aufschrift – die Verwerfungen für die breite Masse bleiben die selben.
Das “kommunale Programm” hat Millionen Bürgern ohne oder fast ohne Eigenkapital (und ohne Kreditwürdigkeit) die Finanzierung von Immobilien ermöglicht. Das ging gut so lange die Immobilienpreise stiegen, als diese sanken entstand Notleidigkeit und Kreditrisiken in Billionenhöhe (also jetzt die deutschen Billionen :–). Diese Kreditregelung wurde seinerzeit von Bill Clinton angewiesen und unter Bush – trotz Widerstands in der eigenen Partei – weitergeführt. Die Kredite waren “staatlich gesponsort” (so wars wirklich, d.h. Freddie Mac&Co, aber auch andere Banken konnten die Risiken auf den Staat buchen).
Dieser Sachverhalt ist in D, anders als in den Staaten bspw., weitgehend unbekannt.
In D gings bekanntlich auch mit der Bankenkrise los, da unsere Banken – weiss der Teufel warum – dort an diesem merkwürdigen Geschäft partizipiert haben und an den Risiken beteiligt waren (ohne angewiesen worden zu sein, wie Freddie Mac&Co).
Natürlich ist das nur die Ursache, ich vermute, dass ein konjunktureller Abschwung hier multiplizierend wirkte (sonst wäre es ja auch noch einige Zeit gut gegangen mit dem Immo-Geschäft für Nichtshaber in den Staaten).
Recherchiere die Sache mal en detail, es ist wirklich so.
Man kann natürlich der Meinung sein, dass der oben beschriebene Banken-GAU nur ein Teilaspekt der Krise ist, sehe das aber nicht so. Es ging in den Staaten beim Immo-Monoply um unglaublich hohe Beträge. In D ist dieser Sachverhalt also wirklich vglw. unbekannt (wenn man nicht gerade Wirtschaftswissenschaftler ist :–), gell?
@14 Horscht
“Vielleicht erfinden die Sozen ja mal ein Wirtschaftssystem ohne Downswings?”
‘Gegenfrage’ – wieso sollte eine kooperative, koordinierte und primär auf die Bedürfnisse ausgerichtete Wirtschaft von derart ungewollten ‘Downswings’ betroffen sein wie eine primär an der Geldvermehrung ausgerichtete?
@15 SF
“Ich halte eine schleichende Tendenz zum Autoritarismus und zum Totalitarismus für wahrscheinlich, wenn(!!!) die Krise zu tiefen Verwerfungen führt.”
‘Tendenz’ ist gut…
“Das kann alles nur gehen, wenn nach Beendigung der gegenwärtigen Krise massivst(!) Geld vernichtet (also aus dem Kreislauf genommen) wird.”
Wie könnte/sollte das deiner Meinung nach geschehen – zB große Vermögen besteuern und damit Schulden bedienen?
Die bürgerlichen Eliten bilden sich momentan auf der einen Seite ein, sie könnten die bürgerkriegsähnlichen Zustände in ihren eigenen Metropolen mit direkter Gewalt beherrschen. Überall in Europa werden dafür paramilitärische Strukturen geschaffen, die im Zweifel diese Aufstände niederschlagen werden. (würde mich nicht wundern, wenn man da auf die alten Gladiostrukturen und Konzepte in veränderter Form zurückgreifen wird)
Auf der anderen Seite herrscht innerhalb der Eliten ein gnadenloser Konkurrenzkampf, was London sehr schön bewiesen hat. Leitwolf Nummer Odin hat gewaltig von den politischen Vorstellungen der deutschen Eliten Europas, sogar Hand in Hand mit dem kleinen Franzosen, auf die Fresse bekommen. Die Richtung wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen.
Einigkeit innerhalb der westlichen Eliten besteht zumindest darin, dass der möglich direkte Konkurrent China und Russland im Zweifel mit Krieg rechnen dürfen. Wir erleben eine dreifache Militarisierung. Eine in den westlichen Metropolen in Europa und den Vereinigten Staaten, und die andere direkt vor den Augen und Ohren der Konkurrenz in Asien, und die dritte im Nahen Osten.
Rosa hatte recht: Sozialismus oder kapitalistische Barbarei. Momentan laufen wir in barbarische Richtung, mit allen Folgen, die diese für die Menschen mit sich führen wird.
Horscht: das amerikanische Immosystem basierte auf globalen Grundlagen. Man hat dort politisch die Löhne der Arbeiterklasse seit den siebziger Jahren durch billige Verschuldungsmöglichkeiten ersetzt, weil nur noch über diese Variante die Ware Arbeitskraft unter kapitalistischen Bedingungen verwertbar war. Die inneren Systemschranken des ökonomischen Systems geben und gaben die Richtung vor
@Peinhard:
Weiss nicht genau wie Du es meinst, aber auch sozialistische Staaten hatten ihre “Downswings”. Auch merkwürdig aufgestellte ölexportierende Staaten haben, ganz zentral natürlich am “aussersystemischen” rezessionsbedingten Ölpreisrückgang, zu leiden.
“Geldvermehrung” ist zudem nie ein Ziel, es geht um Werte; Geld ist in der Marktwirtschaft nur ein Mittel, das wirtschaftliche Kooperationen unterstützt.
Auch bspw. im Ostblock gab es Banken und Hypotheken und Geld natürlich. Also Handel; der war einfach nicht wegzukriegen, man kommunizierte das als “Sozialismus”, dem der geldlose “Kommunismus” irgendwann folgen sollte. “Irgendwann” war hier ein Euphemismus, das wusste jeder, sogar Versuche in der SSSR scheiterten, wenn Metro-Nutzer unkontrolliert irgendwo Münzen einwerfen sollten, um den Transport zu vergüten. Die Bürger zahlten dann – trotz zivilen Überwachungspersonals und flächendeckender Agitation – zumindest ungerne und lückenhaft.
“Weiss nicht genau wie Du es meinst, aber auch sozialistische Staaten hatten ihre ?Downswings?.
Waren die ‘kooperativ koordiniert’ – oder nicht doch auch nur wieder ‘geldvermittelt’ unterwegs?
“?Geldvermehrung? ist zudem nie ein Ziel, es geht um Werte; Geld ist in der Marktwirtschaft nur ein Mittel, das wirtschaftliche Kooperationen unterstützt.”
Diese ‘Werte’ aber sind ‘Geldwerte’. Deshalb wird auch erst umgekehrt der Schuh draus – Bedürfnisse sind Mittel zum Zweck des Gelderwerbs bzw der Geldvermehrung. Dass es immer am Geld hängt und eben nicht an den Bedürfnissen sieht man gerade in Krisen immer besonders deutlich – der ‘Downswing’ hat seinen Grund weder in rückläufigen Bedürfnissen noch in ‘stofflich’ veränderten Produktionsbedingungen, er ist rein ‘geldinduziert’. Und es geht beim Geld im übrigen auch nicht um ‘wirtschaftliche Kooperation’, sondern im Gegenteil um ‘wirtschaftliche Konkurrenz’, allenfalls um ‘Austausch’, aber wie gesagt nicht um Kooperation.
@Horscht #18
Klar ist, dass die Interessen der Dems fatal waren, ihren Wählern Zugang zu Immobilieneigentum zu verschaffen, das die sich eigentlich nicht leisten konnten. (Sozialdemokratie kann bekanntermaßen adverse Effekte haben.)
Auf der anderen Seite: In der Verwertung eine wesentliche Rolle gespielt hat die Deregulierung der Credit Default Swaps durch den Commodity Futures Modernization Act (CFMA), ein Derivattyp, dessen Markt sich bis 2007 auf 60 Billionen Dollar aufgebläht hatte.
Außerdem sind natürlich die zu lange anhaltenden Niedrigzinsen von Greenspan ursächlich gewesen. (Der idiotischerweise zugleich für Deregulierung der Derivate eintrat!) Auf der Marktseite die Bonussysteme.
Und dann natürlich die Steuerparadiese. Hier bin ich durchaus bereit, Merkel und Sarkozy Anerkennung zu zollen, dass sie in London bei dem Problem insistiert haben. Sarkozy hat zum Beispiel den chinesischen Präsidenten wegen Hong Kong und Macao auf offener Szene attackiert.
@Karl-Heinrich:
Kannst ja mal erläutern welche Rolle der genannte Derivattyp genau spielte und wie der sich so handelte. Als Immobilienrisikomultiplikator wohl nicht mehr so gut am Schluss, LOL.
Webverweis ist genehm.
Ansonsten benötigte es nach meiner Einschätzung nur einen anhaltenden Rückgang der amer. Immobilienpreise um den hier diskutierten GAU zu evozieren.
“Steuerparadiese” haben nach meiner Einschätzung bei unserem kleinen Problem keinen Einfluss, dienen eher als Ablenkungswaffe der Politiker.
Die Niedrigzinspolitik dagegen sehr wohl, hierzu gibt es vglw. viel Material im Web, die den schädigenden Effekt der platzenden Immobilienblase vor dem Hintergrund günstiger Refinanzierung beleuchtet.
@misterL
Nur das die Summen immer größer, die Probleme für die Realwirtschaft immer gravierender und die damit einhergehenden Folgen für die Gesellschaft immer destaströser werden.
Schulden vernichten, heißt aber auch Guthaben vernichten, da diese Schulden nicht aus dem Nexus kommen. Klar – aber dann bräche die Wirtschaft genau so zusammen ;-)
Wirf einfach mal einen Blick auf die Zahlen der BIZ Horscht, dann weisst du , was da noch aus dem Derivatewahnsinn folgen wird. Wir sind erst am Anfang der Show. Von Vergangenheit im Sinne von “waren” kann gar keine Rede sein, wir sind noch nicht einmal am Anfang.
Jens hat das gut dargestellt, und vorallem auch das Fazit von London ist richtig. Der Wettunsinn darf weiter gehen, solange die “Wetten” nicht systemrelevant sind. Was für ein Hohn und dazu gab es eine Billion Selbstgemachtes aus der Tüte für den IWF, damit die Party wenigstens noch ein kleines Zeitfenster weiter gehen darf, bis die Fälligkeitstermine Hurra schreien.
@Horscht #24
http://www.cbsnews.com/video/watch/?id=4546583n
@Horscht
Mag sein – aber dieser Sachverhalt ist mE auch irreführend, da Fannie und Freddie zwar sicher keine vorbildlichen Unternehmen sind, aber an der akuten Immobilienkrise nicht die entscheidende Rolle gespielt haben. Die Verzwanzigfachung des Preises für Penthouse-Wohnungen in der 5th Ave geht sicher nicht auf Fannie und Freddie zurück und die Subprimes wurden auch v.a. von privaten Kreditgebern ermöglicht, die diese Kredite gebündelt an Investoren in der ganzen Welt verhökert haben.
Fannie und Freddie haben nicht auf die Bremse getreten und ihre Geschäfte haben die Blase unnötig angeheizt – ja, das stimmt. Aber sie nun als Alleinschuldige darzustellen ist falsch.
Klar – aber Papiere aus dem Kommunalprogramm waren mW nicht in signifikantem Maße unter den Ramschpapieren der deutschen Superbanker.
Ich sehe eher die Geldvermehrung in Folge von 9/11 und der New-Economy-Blase als Ursache. Kombiniert mit einer zu laxen Aufsicht entstand so eine brodelnde Maße. Wenn alle “seriösen” Anlagemöglichkeiten weg sind, sucht sich das Kapital nun einmal “unseriöse” Wege, vor allem wenn diese von den Finanzmagiern nicht als solche ausgewiesen werden.
na klar doch – aber es ging ja nie(!) um die Immobilen als solche. Jede halbwegs konservativ geführte Bausparkasse oder Bank kann solche Ausfälle absorbieren. Es geht um die finanztechnische Mischung dieser Kredite, die die Risiken und Ausfälle bis zur Unkenntlichkeit verschleierte. Wenn “nur” 20% der Kredite ausfallen … so what? Durch die Finanzmagie entstanden aber Produkte, die bei einer kleineren Ausfallrate zu Totalverlusten (100% und mehr!!!) führten – hier steckt der Kern des Problems.
@Peinhard
Ja – einerseits. Andererseits aber durch eine Hochzinspolitik, die die Aufnahme von Krediten unattraktiv macht. Je weniger Kredite aufgenommen werden, desto weniger Geld schwirrt im Orkus. Nur – und das ist der Haken – das ist natürlich eine Konjunkturbremse. Um die Krise zu bewältigen wäre also eine lange Phase des “künstlich” gehemmten Wachstums von Nöten. Nur welcher Politiker will so etwas? Das klappt in China, aber nicht im Westen ;-)
Außerdem müssten die frischen und die alten Staatsschulden radikal zurückgefahren werden – ein geradezu absurder Gedanke ;-)
@name
Wenn das mal so wäre ;-)
Die Umsetzung der großen Worte ist ja noch nicht geschehen. Abwarten, was da an “Wetten” überhaupt erschwert wird. Ich glaube noch nicht, dass da im Detail etwas vernünftiges passieren wird. Die Fenster im Haus mit bröckelndem Fundament, wie ich – angelehnt an Lucas Zeise ;-) – schrieb.
Diese Billionen halte ich für eine irrige Annahme. Diese Kredite müssen ja erst einmal in Anspruch genommen werden. Wer soll das Geld denn aufnehmen wollen? Niemand – es kann nur Staaten im Konkurs aufgezwungen werden. Kein Land nimmt freiwillig Kredite des IWF, wenn China diese Kredite gerne auch ohne Bedingungen gibt.
@24 Horscht
Da kann ich Dir sogar einen Artikel von mir nahelegen ;-)
Was die “Steueroasen” angeht: Es werden Schweiz, Liechtenstein und andere kontinentaleuropäische in den Medien und von der Politik angeprangert. Kein Wort aber von den angloamerikanischen wie die Kanalinseln, Cayman Islands und Virgin Islands.
Die US-Finanzbehörden jagen nun “böse” UBS-Kunden, die ein paar Millionen (meist weniger als 5 Mio.) pro Nase mehr oder weniger legal am Fiskus vorbeischaffen. Keine Maßnahmen aber gegen die Big Boys, die Konzerne, die Großbanken und vor allem deren Mehrheitsaktionäre, die nach wie vor schalten und walten wie sie wollen.
Die Abschaffung des Bankgeheimnisses ist für EUCH gedacht, nicht für die Global Player, OK?
Keine Debatte um die private FED und ihr privates Anhängsel, dem verfassungswidrigen IRS
Es ist gefährlich, nach “globaler Regulierung” zu rufen wenn klar ist, dass diese globale Regulierungsinstanz selber nicht reguliert werden kann (demokratisch legitimiert und gesteuert wird sie sowieso nicht). Es ist töricht, in Institutionen wie IWF und Weltbank die “Retter” der Krise zu sehen wenn diese maßgeblich zur heutigen Situation beigetragen haben und Ausbeutungsinstrumente für die Dritte Welt sind. Indonesien, Argentinien und so viele mehr wurden mit Hilfe des IWF rasiert und geknechtet. Nun sind wir dran, wir Europäer, Nordamerikaner, Industrienationenbewohner.
Alter Wein in neuen Schläuchen. Und bitte, hört auf Obama als etwas zu sehen was er nicht ist und nie war. Schaut Euch für den Anfang die exzellente Doku “The Obama Deception” an (knapp 1 Mio. hits auf Youtube, 2 Wochen nach Vö.)
Hier noch ein exzellenter Artikel von Bill Engdahl zu den Ursachen der Finanzkrise:
http://info.kopp-verlag.de/news/banken-ausser-kontrolle.html
Ich gebe der Hoffnug immer viel zu viel Raum und habe die Trübung der Tatsachen durch den Schlachtruf “Arbeitsgruppen voran” dabei mal wieder übersehen Jens ;)
Was die Liga der staatlichen Konkursanwärter betrifft, warten mir mal ab, ich wette, da finden sich ganz schnell noch ein paar Unfreiwillige, die gezwungenermaßen auf diese zurückgreifen werden müssen. Das sind dann die berühmten IWF Angebote, die man nicht ausschlagen kann. Die Veränderung, dass China jetzt ein größeres Mitspracherecht im IWF hat, wird sicher auch noch für politischen Sprengstoff innerhalb der alten Geberländer sorgen.
Wenn das alles nicht so schlimme Auswirkungen hätte, könnte man glatt lachen ;)
@Martin
Ach herrjeh – und wieder diese Leier von der “privaten FED”. Es nervt – die FED ist demokratisch um einiges legitimierter, als die EZB oder die alte BuBa. Das Geseier aus den rechts-libertären “alternativen” US-Medien ist sicher nicht die Lösung des Problems ;-)
@ 8 – Horcht
Zum ?Community Reinvestment Act? schreiben Sie:
“BTW, ergänzend noch der Hinweis auf die Ursache der jetzigen Krise, auf die sozialstaatliche Maßnahme ?Community Reinvestment Act?”
In einem Konkurrenzblog gab es zu diesem Thema folgenden Kommentar eines Foristen:
1.) Die US-Hypothekenkrise war eher zufällig das auslösende Moment für die Finanz- und Wirtschaftskrise. Im Weltfinanzsystem wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche ?Sprengsätze? gelegt, die alle die potenzielle Kraft haben, eine schwere Finanzkrise auszulösen.
Auch Wikipedia schreibt zutreffend:
http://de.wikipedia.org/wiki/Finanzkrise_ab_2007
?Die Subprimekrise gilt als Auslöser der Krise, nicht als Ursache.?
2.) In Wikipedia heißt es zudem zum Community Reinvestment Act :
http://de.wikipedia.org/wiki/Community_Reinvestment_Act
?Der CRA wurde 1977 unter Präsident Jimmy Carter beschlossen und mehrmals geändert, v. a. in den 1990er Jahren unter Präsident Bill Clinton. Der CRA war in den USA im Kontext der Finanzkrise 2007 in der Diskussion. Man warf den Demokraten von republikanischer Seite vor, die Regulierungsmaßnahmen hätten zur Krise beigetragen, da Banken ermutigt worden seien, Kredite an kreditunwürdige Schuldner zu vergeben. Ökonomen von der US-Notenbank und von der Federal Deposit Insurance Corporation widersprachen.?
Ich gebe zu bedenken, daß die US-Notenbank von den konservativen Republikanern beherrscht wird (sowohl Greenspan als auch der heutige US-Notenbank-Chef Bernanke gehören der republikanischen Partei an).
3.) DIE ZEIT beschreibt den Prozeß der Hypothekenkreditvergabe durch die Banken sowie der Hypothekenkreditaufnahme durch die privaten Haushalte wie folgt:
http://www.zeit.de/2008/49/DOS-Wo-steckt-das-Geld?page=2
?In den vergangenen Jahren konnte sich fast jeder in Amerika einen Kredit leisten. Die Zinsen waren niedrig wie selten zuvor. Die Nachfrage nach Häusern stieg, und damit stiegen auch die Preise. Und weil die Preise so sehr stiegen, riefen die Immobilienmakler auf einmal Putzfrauen oder Erntehelfer an, die fünf Dollar in der Stunde verdienten. Sie erklärten ihnen: Wenn ihr ein Haus für 200.000 Dollar kauft und den Kredit nicht zurückzahlen könnt, dann macht das nichts. Die Preise steigen. In fünf Jahren wird das Haus 300.000 Dollar wert sein. Dann könnt ihr einen neuen Kredit auf das Haus aufnehmen und damit den alten bezahlen. Es kann nichts schiefgehen.
Also gingen die Erntehelfer und Putzfrauen zu den Banken. Und die Banken gaben ihnen Kredit. Sie wussten, wenn sie das geliehene Geld nicht zurückbekommen, macht das nichts. Denn dann würde das Haus ihnen gehören. Und in fünf Jahren würde es ja 300.000 Dollar wert sein.
Es war ein Geschäft, bei dem es nur Gewinner gab. Solange die Preise stiegen. Und darum bauten die Baufirmen immer mehr Häuser, 1,2 Millionen Jahr für Jahr. Und immer mehr Menschen liehen sich immer mehr Geld, um sie zu kaufen.
Bis das passierte, was der renommierte amerikanische Ökonom Robert Shiller von der Universität Yale lapidar beschreibt: »Das riesige Angebot neuer Häuser begann den Markt zu übersättigen, und die Immobilienpreise begannen zu fallen.«?
So weit der Auszug aus der ZEIT.
Sie sehen: Die Banken sanken mehr, als daß sie gezogen wurden. Auch sie waren fixiert auf den schnellen Profit. Ihnen war das Geschäft der Hypothekenkredite hochwillkommen. An deren ?Mildtätigkeit? für die ?armen unterprivilegierten US-Amerikaner? mußte gar nicht erst appelliert werden und ?Zwang? war ebenfalls nicht erforderlich.
Das verbindende Element der im Weltfinanzsystem im Zuge der Umsetzung der neoliberalen Ideologie platzierten ?Sprengsätze? ist das in den vergangenen Jahrzehnten weltweit betriebene Hochfahren der Einkommens- und Vermögenskonzentration. Eine der zentralen Lehren für die Zukunft muß darin bestehen, die sozialpolitisch unerwünschte und wirtschaftspolitisch schädliche Einkommens- und Vermögenskonzentration zu stoppen und dann umzukehren. Ein zentrales Instrument hierfür ist die Steuerpolitik. Hierauf hat in den vergangenen Jahren unter anderem auch der Ökonomie-Nobelpreisträger des Jahres 2008, Prof. Paul Krugman, des öfteren hingewiesen (so auch in seinem Buch ?Nach Bush – Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten?).
4.) Der Anstieg der Immobilienpreise war von den ?Finanzmärkten?, der US-Notenbank und der US-Regierung durchaus gewollt, wie aus dem Interview des österreichischen ?Standard? mit Paul Krugman vom Juni 2005 hervorgeht:
http://www.wallstreet-online.de/diskussion/989749-1-10/ezb-muss-zinsen-senken-krugman
STANDARD: Sie loben die Fed, aber warnen davor, dass die Blase im überhitzten US-Immobilienmarkt platzen könnte. Ist daran nicht die Fed mit ihrer Niedrigzinspolitik schuld?
KRUGMAN: Das ist ein Dilemma. Die Technologieblase ist im Jahr 2000 geplatzt, und um mit den Folgen fertig zu werden, hat die Fed Zinsen gesenkt. Das hat zur Immobilienblase geführt.
Der Immobilienboom war nur als Überbrückung gedacht, bis die Unternehmensinvestitionen wieder anziehen, aber das ist nicht passiert. Grundsätzlich lag die Fed richtig, aber es sind unerwartete Probleme aufgetaucht. Die Häuserpreise sind irrational hoch. Das ist eine Gefahr.
So weit der Auszug aus dem ?Standard?-Interview mit Krugman.
Dieses Interview aus dem Juni 2005 macht auf einen weiteren interessanten Fakt aufmerksam. In dem Interview heißt es:
? Die Technologieblase ist im Jahr 2000 geplatzt, und um mit den Folgen fertig zu werden, hat die Fed Zinsen gesenkt. Das hat zur Immobilienblase geführt.?
Das heißt konkret: Die aus der Immobilienblase resultierende Hypotheken-Krise ist eine unmittelbare Folge der Technologieblase an den Aktienmärkten und der daraus resultierenden negativen Folgen für die Realwirtschaft zur Jahrtausendwende.
Und: Die Ineffizienz des angeblich ?effizienten? Kapitalmarktes wurde am Beispiel der Internet- bzw. Technologieblase einmal mehr demonstriert.
5.) Einen weiteren Fall von Kapitalmarkt-Ineffizienz schildert die ?Wirtschaftswoche? (Titel: Beinahe eine weltweite Finanzkrise ausgelöst – Eine Formel verhalf Robert Merton zum Nobelpreis?).
http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/eine-formel-verhalf-robert-merton-zum-nobelpreis-356580/
Der Beitrag schildert den Beinahe-Zusammenbruch des Hedge-Fonds LTCM im Jahre 1998:
?Mit selbst gebastelten Flügeln stieg Ikarus in die Lüfte, flog höher und höher und stürzte schließlich ab, weil er der Sonne zu nahe kam. Ihre Wärme ließ die mit Wachs zusammengeklebten Federn seiner Flügel schmelzen. Nur um Haaresbreite ist der Nobelpreisträger Robert Merton dem Schicksal der Figur aus der griechischen Mythologie entkommen. Und beinahe hätte Merton dabei das Weltfinanzsystem in die Tiefe gerissen.
Die US-Notenbank konnte das gerade noch verhindern. Am 23. September 1998 trommelte sie 14 US-Investmentbanken zu einer Krisensitzung in New York zusammen und brachte sie dazu, Mertons Firma, dem Hedge-Fonds Long Term Capital Management (LTCM), mit 3,6 Mrd. Dollar aus der Klemme zu helfen. Die Banken willigten ein, weil ein Kollaps von LTCM vermutlich einige von ihnen mit in die Tiefe gerissen hätte. Die Banken willigten ein, weil ein Kollaps von LTCM vermutlich einige von ihnen mit in die Tiefe gerissen hätte. Hedge-Fonds investieren in hoch spekulative Investments, beispielsweise in Derivate und Optionen. Damit nicht genug: Wenig später sah sich die US-Notenbank zu einer Leitzinssenkung genötigt, um die Finanzmärkte zu beruhigen.?
So weit der Auszug aus dem ?Wirtschaftswoche?-Artikel.
Dreierlei ist festzuhalten:
- Schon im Jahre 1998 war infolge des Beinahezusammenbruchs des Hedge-Fonds LTCM bekannt, welch hochexplosives Potenzial die Hedgefonds in sich bergen. Und trotzdem man die pervertierten Hedgefonds bisher nicht verboten (mit ein bisschen mehr ?Regulierung? alla Merkel ist es bei den Hedgefonds in keinster Weise getan!).
- Schon im Jahre 1998 mußte die US-Notenbank für die Perversionen vermögender Privat-Zocker geradestehen (die ?kleinen Leute? haben nicht das nötige ?Kleingeld?, um in Hedgefonds mitzocken zu ?dürfen?).
- Auch im Jahre 1998 mußte die US-Notenbank mit Zinssenkungen auf den Beinahe-Zusammenbruch des Hedgefonds LTCM reagieren, um einen Desaster an den Weltfinanzmärkten zu verhindern.
- Die in den vergangenen 15 Jahren mehr und mehr in Mode gekommene Zocker-Mentalität an den Weltinanzmärkten hat die Zinspolitik der US-Zentralbank (und in deren Gefolge auch die Zinspolitik anderer Zentralbanken) massiv beeinflußt. ?Wenn es dem Esel zu wohl geht dann geht er aufs Eis.? Übertragen auf die fast weltweit zu beobachtenden ökonomischen Schiefstände als Folge der Fehlentwicklungen an den Weltfinanzmärkten heißt das: Die zunehmende Einkommens- und Vermögenskonzentration hat den weltweiten ?Eliten? dermaßen viel Kapital in die Kassen gespült, daß sie mit dem ?überschüssigen? Kapital ins ?internationale Spielkasino? gegangen sind und dort kräftig dazu beigetragen haben, die diversen Spekulationsblasen zu aufzupumpen
Zur Rolle der Spekulanten stellte der britische Ökonom John Maynard Keynes bereits in den dreissiger Jahren des vorigen Jahrhunderts fest:
?Spekulanten mögen als Seifenblasen auf einem steten Strom des Unternehmertums keinen Schaden anrichten. Aber die Lage wird ernst, wenn das Unternehmertum die Seifenblase auf einem Strudel der Spekulation wird.?
@Momo
Guter Beitrag – volle Zustimmung ;-)
@SF #25
Wie man es auch dreht – es bricht passiert nicht doch noch ein mittleres Wunder und man kann mit Hilfe von diesem mittels Zusatzwachstum die Schuldtilgung auf eine längerer Bank schieben. ;-)
Was für Kalauer. *g*
Der Punkt ist. die jetzigen Massnahmen greifen sehr viel deutlicher in die Realwirtschaft ein. Die Schuldvernichtung von Höchstspekulanten wäre zu einem Teil (die Frage zu welchem) die Vernichtung virtueller Gewinne (also somehow schon aus dem Nichts). Damit kann ich persönlich eher Leben als mit einer ruinierten Realwirtschaft.
@all
Wenn es um die Ursachen der Finanzkrise geht, mag ich auch auf einen meiner ersten Artikel in diesem Blog hinweisen.
@misterL
wer nicht? Das Dumme an der Sache ist nur, dass Real- und Finanzwirtschaft wie zwei Schiffbrüchige, die mit Handschellen aneinandergekettet sind, aber keinen Schlüssel haben, sind. Wenn einer untergeht, geht der andere auch unter.
@Momo:
Die “Ursache” ist der “Auslöser”, da gibts semantisch keinen Unterschied.
Ich sehe zurzeit auch nicht, wie der CRA mit einem bspw. von der FT geschätzten Gesamtschaden von 1.400,- Mrd. Dollar nebensächlich sein kann.
Richtig ist natürlich, dass die Banken, deren Manager, die amer. Politiker (die gewannen so Wahlen) _und_ auch die Kunden liebende gerne dieses Spiel mitgespielt haben.
Warum auch nicht, wenn sich der deutsche Staat bspw. mit Serien von Abwrackprämien ruinieren möchte wäre ich auch gerne dabei. Wer nicht?
Falsch ist aber nun einmal, dass – wie in D oft kommuniziert – die “Managergier” die Krise verursacht hat. Richtig dagegen ist, dass die Dummheit einiger deutscher Bankmanager die Krise nach Deutschland gebracht hat (es gab _gar_keinen_Grund_ sich in das dortige staatssubventierte Geschäft zu involvieren). Gerade bei den staatseigenen Landesbanken war man voll dabei, dumme Banker wie die bei der HRE hats dann auch erwischt. Viele Banken aber nicht.
Das Dominospiel mit den amer. Hypotheken hatte nämlich ein absehbares Ende, von Anfang an haben Kritiker der sozialstaatlichen Maßnahme “Community Reinvestment Act” dieses vorhergesehen. Hatte gestern noch einen Text aus 2000 in der Hand, der genau prognostiziert hat, was geschehen könnte, LOL.
Irgendwie passt das alles nicht zu der jetzt von denselben Politikern, die es verbockt haben, geforderte grössere Regulierung der Finanzmärkte, gell?
@Momo #35
Ja, so war das.
Gerade hast du doch geschildert, wie die Blase sich bildete, und dann platzte. Was ist daran ineffizient?
Blasen kommen immer wieder vor, weil die Anleger glauben, einen Trend nicht verpassen zu dürfen. Dagegen ist nichts zu machen.
Es ist im Gegenteil auch nützlich, weil man nicht wissen kann, in wieweit eine Investitionsmöglichkeit ausgeschöpft ist, und inwieweit sie schon überhitzt ist. Millionen Familien, die in den letzten Jahren ein Haus zu günstigen Konditionen erworben haben, werden es behalten können.
Doch haben sie. Nur machen das ihre Pensionskassenverwaltungen für sie.
Der “Die Bösen da oben, wir Guten hier unten”-Narrativ ist zwar in jeder Krise populär, führt aber nicht weiter.
@ 41 – Karl Heinrich
Du zitierst mich wie folgt:
“Die Ineffizienz des angeblich ?effizienten? Kapitalmarktes wurde am Beispiel der Internet- bzw. Technologieblase einmal mehr demonstriert.”
Und antwortest:
Gerade hast du doch geschildert, wie die Blase sich bildete, und dann platzte. Was ist daran ineffizient?
Der “Neue-Markt-Index” war zur Jahrtausendwende innerhalb mehrerer Monate um mehr als 90% gefallen. Die Kurse vieler Technologie-Firmen erwiesen sich als reine Luftbuchungen. Die Höchstkurse wurden uns in diversen Börsensendungen und Börsenzeitschriften als “korrekt” und “fundamental getützt wegen hervorragender Marktperspektiven” verkauft. Zweifler wurden abgebürstet (“kein Verständnis für die neue Dynamik der Weltwirtschaft” und dergleichen).
Die von neoliberaler Seite behauptete “Effizienz der Kapitalmärkte” ist in keinster Weise gegeben, zudem auch nach der Jahrtausendwende, als Folge des Einbruchs an den Weltbörsen, die Realwirtschaft ins Schlingern kam!
Du zitierst mich wie folgt:
“Die ?kleinen Leute? haben nicht das nötige ?Kleingeld?, um in Hedgefonds mitzocken zu ?dürfen?”
Und antwortest:
“Doch haben sie. Nur machen das ihre Pensionskassenverwaltungen für sie.”
Die DIW-Analyse zur Vermögensverteilung der Personen über 17 Jahre für das Jahr 2007 zeigt:
http://www.fr-online.de/top_news/?em_cnt=1663126&em_src=637818&em_ivw=fr_topnews
Die “kleinen Leute” haben in der Tat gar nicht das nötige “Spielgeld”, um auf den Kapitalmärkten mitzuzocken. Denn die unteren 50% der Bevölkerung verfügen in Summe über keinerlei Nettovermögen!
Die unteren 10% der Bevölkerung sind sogar verschuldet. Demgegenüber entfallen
- auf die oberen 20% der Bevölkerung 80,1% des gesamten Nettovermögens,
- auf die oberen 10% der Bevölkerung 61,1% des gesamten Nettovermögens.
Nicht zwingend SF #39.
Es war und ist schon möglich zum Beispiel durch massive Verstattlichung von Schuld (Hypotheken zB) an den Staat die Schuldner (also die, die in der Immobilie leben und der sehr einmal gehören soll(te)) durch nun Staatskredite mit ganz anderen Zinsen zu stützen und die Zocker, die daraus “Wert”-Papiere gemacht haben vor die Wand fahren zu lassen.
Mit etwas gutem Willen ginge das. ;-)
Dein alter Artikel von 2007 Jens, war schon damals zutreffend in seiner Analyse..Spricht für Dich ;) Ich kann mich daran erinnern, wie schon Anfang 2001 eine mir gut bekannte Bankerin erschrocken darüber berichtete, wie die amerikanischen Banken Kredite an Jeden ohne Bonitätsprüfungen, ohne Nichts, gewährten.
@Momo ..Danke für die beiden Zusammenfassungen ;)
Die einzige realistische Chance, die ganzen Krisen einigermaßen in den Griff zu bekommen, besteht meiner Ansicht nach in einer extrem hohen Besteuerung hoher Einkommen. Ein Zinsabschlagssteuer von 70% und einen Spitzensteuersatz von 80-90% auf Einkommen ab 500.000,- , dazu von Versteuerung von Unternehmensverkäufen und eine Erbschaftssteuer auch in Größenordnungen ab 80%, könnte den spekulativen Anteil der Großverdiener zurückfahren.
Nur bezweifle ich, daß der politische Wille besteht, das kollabierende System wirklich zu heilen. Die kombinierte Macht von Medien und Finanzwirtschaft wird sich einer Lösung so lange wie möglich widersetzen und uns alle glauben machen, die oben genannten Eingriffe würden nicht greifen, bzw. wären unverantwortliche Eingriffe in Eigentum (die Bereicherung der letzten Jahrzehnte der oberen 20% war natürlich kein Eingriff in das Eigentum der restlichen 80%!).
Ich gehe davon aus, daß es zum einen richtig krachen wird, d.h. auch einige der großen Industriestaaten werden zahlungsunfähig (Deutschland könnte da ein Kandidat sein). Und es werden immer mehr Bereiche unseres Lebens kommerzialisiert und an die wenigen übrigbleibenden Kapitalbesitzer verteilt. Wir werden einige wenige Ogliopole auf dieser Welt haben, die fast alles besitzen oder kontrollieren werden.
Und dann in der Folge davon kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, einfach um Kapital zu vernichten, bzw. umzuverteilen.
Die aktuelle Regierungen werden ohne ein anderslautendes Wählervotum den Kurs in Richtung Kapitalkonzentration und Ogliopole nicht ändern. Und für ein Wählervotum müssen die Wähler die Zusammenhänge erkennen und eine wählbare Alternative haben. Beides sehe ich in Deutschland zumindest zur Zeit nicht.
@momo #42
Nicht immer ist der Schwenk zum deutschen Lieblingsthema passend ;-)
Offen gesprochen ist das JammerOstlerTum auf crack.
Ich find diese absolut überzogene Negativität unerträglich.
Internationale Einigungen sind IMMER schwierig.
Es ist einiges erreicht worden. Auch der US-amerikanische Diskurs deutet in Richtung auf eine effektive Regulierung des Schattenbanksystems. Die USA hat selbst mit ihrer Aktion gegen die Schweizer UBS den Steueroasen einen wichtigen Schlag versetzt.
Armen Ländern, die in der Vergangenheit zu wenig gespart haben, werden ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt. Als Kandidaten sehe ich Mexiko, Rußland, zentralasiatische Staaten, einige afrikanische Staaten und [Lemmy tägliches Südamerika-Trollen habe ich gelöscht/SF]
gerhardq:
Jeden Monat Begrüßungsgeld ;-)
@LC #47
Das “lustige” ist ja, das zum Beispiel der US-Präsident (gleich wie er sich nennen darf) in Delaware (USA) nix machen kann.
Und dann war da noch… Monitor also Linkes Kampf-TV. ;-)
@Lemmy
Ich auch – grauenhaft. Gentlemen wie wir beide sollten den Untergang der Titanic lieber bei Streichquartett und Single-Malt genießen ;-)
Natürlich – aber das darf nicht die Analyse trüben.
Das hoffe ich zumindest – warten wir mal die Ausarbeitung ab. Ich werde das Thema natürlich aufnehmen, sobald es da etwas konkretes gibt.
Nicht wirklich – die UBS half Steuerstraftaten zu begehen, hat aber nichts mit Offshore-Finanzinstituten zu tun, die eine Gefahr für die Stabilität darstellen. Gegen diese Institute ist die UBS Seriosität in Granit gegossen ;-)
Russland als Kreditnehmer? Du verkennst da wohl etwas mein lieber Lemmy ;-)
p.s.: Deinen Sermon über SAm habe ich gelöscht – Du weißt wieso.
Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott!
Bei euch muß immer irgendeine Autorität die EINE WAHRHEIT definieren.
Ich hab in der DotComBlase sogar für eine solche Börsen-notierte Unternehmung gearbeitet. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, mir irgendwelche Aktien von so Firmen zu kaufen. Hab einfach die recht attraktiv Vergütung eingesteckt und die Zeit sinnvoll zur Fortbildung genutzt. In der Zeit krochen die Ossi-Kollegen in den Arsch von dem großen tollen Manager, wie es halt ihrem Wesen entspricht. Die glaubten das ganze Programm. Har Har Har.
Spätestens seit dem Asien-Crash hatte ich so meine Zweifel bezüglich dieser moderner Kapitalmärkte.
@SF:
http://www.aktuell.ru/russland/wirtschaft/russlands_wirtschaft_schrumpft_staerker_als_erwartet_1912.html
Ich hab so einige der häufigen Krisen in verschiedenen Ländern einer Region mitbekommen. Leider darf ich über diese Region hier nicht mehr reden.
Ich kann dir aber versichern, dass ich wirklich hoffe, dass die bei hoher Inflation, BIP-Schrumpfung und unelastische Sozialausgaben über ausreichend Reserven verfügen.
Die 4 Dinge auf einmal stellen nämlich einen explosiven Mix dar.
Da meinen ja wirklich noch welche sie könnten die Grundprobleme des Materialismus,mit materialistischen Massnahmen bekämpfen, lol
Genauso wie sich die Weltpolitik uneinig ist, genauso seid ihr uneinig, und egal was kommt, jeder wird es besser gewusst haben.
Seht doch endlich ein, das kleine Scheinchen und “erfundene” Werte etwas sind das ihr beruhigt in die Schublade der letzten Jahrtausende buchen könnt.
Fast schon lächerlich wie die Sklaven darum betteln wieder die “Fusskette” zu bekommen, lol.
Das ganze Gefasel, Tagaus Tagein, von Steuer, Umsatz, Schulden, Tilgung, Kredite und dabei nichtmal erkennen das man sowas von tief im geistigen Schlamm steckt, das man da alleine wahrscheinlich nicht mehr rauskommt.
Die Unsichtbare Hand des Marktes?
Aus welcher Bibel kommt den dieser Quatsch?
Wie können es sich alternde Atheisten erlauben an so was wie die unsichtbare Hand des Marktes zu glauben?
Ich weiss einfach nicht mehr ob ich lachen oder weinen soll wenn ich den ganzen “marktwirtschaftlichen” Unfug lese.
Verwechselt da jemand die Wirtschaft mit Humanismus?
Wann lernt ein Fisch endlich das der Haken an dem der Wurm hängt ihn aus dem Wasser zieht?
Schachspieler,
ich kann ja verstehen, das man sich damit nicht identifizieren kann.
Wenn es 2 so gegensätzliche Lebensichten gibt, sollte man über eine 2-Staatenlösung nachdenken.
So ist das von beiden Seiten nur “laughing and fingerpointing” Har Har Har.
Muß aber sagen, dass ich über die F.D.P. und ihrer Wirtschaftskompetenz genauso gut lache.
Ursache der Krise war nicht die Subventionierung billiger Kredite sondern der Zustand des Finanzsystems inklusive eines überzogenen und auf jeden Fall mit viel Privatvermögen gesponsorten ultra-Libertarismus.
Nur besitzen eben Gesellschaften mit Demokratie/Marktwirtschaft eine sehr hohe Fähigkeit der Regeneration.
http://ccinsider.comedycentral.com/2009/03/26/south-park-explains-the-us-treasury-system/
explains it all
http://www.xepisodes.com/episodes/1303/Margaritaville.html
and im GONE!
@Lemmy:
“Ursache der Krise war nicht die Subventionierung billiger Kredite sondern der Zustand des Finanzsystems inklusive eines überzogenen und auf jeden Fall mit viel Privatvermögen gesponsorten ultra-Libertarismus.”
Dass der Zusammenbruch des amer. Hypothekengeschäfts ursächlich war ist doch auf das beste belegt. Auch schon zeitlich. Du meinst vielleicht, dass die Ursache (“Ur-Sache”) nicht verantwortlich zu machen ist für die Krise. Das mag so sein, Korrelation und Kausalität sind zu unterscheiden. Manche verbeissen sich in der Niedrigzinspolitik, die unabhängig vom Platzen der CRA-Blase ohnehin krisenauslösend geworden wäre. Also Alan G. als Sündenbock.
Wenn Du aber solche Wortspaghettis raushaust – “Zustand des Finanzsystems inklusive eines überzogenen und auf jeden Fall mit viel Privatvermögen gesponsorten ultra-Libertarismus” – bist Du verpflichtet substanziell beizutragen. Sonst ist es nur Heckmeck. (BTW, bitte von Verweisen auf Lateinamerika dieses Mal Abstand halten, danke.)
Horscht,
die Hebel im Schattenbank-Bereich waren einfach viel zu hoch.
Überzeugend find ich auch diesen Black Swan Typen mit dem arabischen Namen (vorletzter EconTalk). Die Risiko-Modelle auf deren Basis die Banken ihr Geld anlegten waren sehr ausgetüftelt, gaben aber die Realität in Form der Möglichkeit einer sehr großen Krise nicht wieder. Ist für mich täglich Brot in komplexen IT-Projekten, das Leute zwar schön modellieren. Diese Modelle haben dann aber eine hohe Wahrscheinlichkeit, gewisse Faktoren ausser Acht zu lassen.
Große Blasen können sich bilden, wenn ein System für kleinere Krisen an sich scheinbar gut gemanaged wird. Wir hatten solche Fälle vorher. In Lateinamerika 82, in Japan um 91. in Mexiko 95, in Ostasien 97, in Argentinien 2001. Der eigentliche Anlaß, d.h. die Probleme am Hypothekenmarkt der USA waren an sich nicht so groß. Wie viel der Hypothekenkredite waren faul (8% oder so afaik)? Ein Finanzsystem müßte robust genug sein, um damit umzugehen. Aber wenn die dadrauf noch Hebel setzen, um mehr Geld zu verdienen.
Solche Firmen wie Bear Stearns haben zweistellige Milliardensummen als Tagesgeld geliehen, um liquide zu bleiben. Das war der ihr “normaler” Re-Finanzierungsprozeß. Les mal Cohan, House of Cards. Das war vor dem Internet-Zeitalter technisch vermutlich gar nicht möglich.
Nein. Das war eine fundamentale Blase in einigen Volkswirtschaften der reicheren Länder. US, UK, so Dinge wie die spanische Bauwirtschaft.
Man kann das nicht einfach auf sozialpolitische Entscheidungen bezgl. der Hypothekenvergabe in den USA zurückführen. Solche Anläße generieren dynamische Volkswirtschaften immer. Das Gesamtsystem muß robuster werden.
Der Finanzsektor machte in den USA in den 60ern 4% BIP. Unmittelbar vor der Krise 8%.
Ihr nehmt das alle viel zu ernst ;-)
Ich verdien hier kein Geld. Es dient meiner Entspannung.
Hab mal gehört, das Karl Marx einen ganz ähnlichen Schreibstil pflegte. Dachte deshalb das wär hier passend ;-)
Natürlich haben Think Tanks politisch intendierte papers erzeugt, die die Risiken von Finanzmarktliberalisierungen kleinredeten. Modelle mit Lücken. Wir lernen im Prozeß. Und selbstverständlich war das politisch intendiert, weil so nämlich an manchen Stellen sehr viel Geld verdient werden konnte. Und die durchaus vorhandenen kritischen Stimmen wurden leise gedreht. Als shrill abgetan wie Krugman.
@Lemmy:
Ich weise darauf hin, dass nicht nur die Schadensfälle bei der staatlich verordneten Hypothekenblase ein Problem waren (schwer zu sagen wieviele Hypotheken nun geplatzt sind, es waren jedenfalls nicht mehr als 20%), sondern dass die Sicherheiten, nämlich die Immobilien, massiv an Wert verloren, was die Hypotheken ungesichert werden liess und wiederum die Refinanzierung der Hypothekengeber schwierig werden liess, was wiederum allgemeinen Vertrauensschwund bewirkte, was wiederum, der Rest ist dann bekannt, als _MANAGERGIER_ kommuniert worden ist, LOL…
Aber sicher, es gab mehrere Problemgründe, die heiss laufende Konjunktur über viele Jahre, die Niedrigzinspolitik, die internationale Verzahnung wie zuvor unbekannt, das Hochschnellen der amer. Staatsausgaben und des Handelsdefizits, den islamisch motivierter Terrorismus, ein erstarkendes China und Rußland, wohl auch das eine oder andere ungeeignete Finanzinstrument und natürlich auch die Entführung von Bernd das Brot.
Horscht,
wenn wir so eine Krise alle 10 Jahre haben, sehe ich wirklich Schicht mit Demokratie, Marktwirtschaft und Rechtsstaatlichkeit. Deshalb benötigen wir ein robusteres Finanzsystem.
Geh mal von meiner persönlichen Erfahrung aus:
Ich bin selbstverständlich auch gierig. Nehme Projekte an, von deren Technologien ich am Anfang auch schon mal weniger verstehe als ich denen sage. Das ganze ist auf Vertrauen aufgebaut, dass so Leute wie ich nicht immer ganz bei der Wahrheit sind, aber trotzdem in der Lage sind auszugleichen und das Ganze am Ende zu einem für alle erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Nun wurden aber insbesondere bei den Schattenbanken Risiken systematisch außer Acht gelassen. Das hat sich so eingebürgert. Gier ist ein normales menschliches Gefühl. Das war natürlich eine wichtige Ursache für die Blindheit gegenüber den Risiken. Und weil es sich so über Jahre eingebürgert hat, war es auch so schwierig und praktisch leider unmöglich, diese Krise einzudämmen, bevor sie über die ganze Welt schwappte.
Wir benötigen schon ein paar Änderungen der Spielregeln, um die Wahrscheinlichkeit einer solchen Krise für die nächsten 40 Jahre drastisch zu minimieren. Und wir können das. Da bin ich optimistisch.
Ich seh die Stärke unseres Systems darin, dass solche Probleme ab einer gewissen Schwelle der Ernsthaftigkeit auch offensiv angegangen werden. Und ich hoffe im Finanzsystem auf ein wenig mehr Markt-Mißtrauen. Die menschliche Gier werden wir nicht abschaffen können. Aber ein paar hinreichenden Sicherheiten einbauen. Das ja.
@Lemmy:
Könnte durchaus sein, dass mehr Regulierung, mehr Staat, mehr Abwrackprämien und mehr “Gesoze” die nächste Krise vorprogrammieren, die dann noch übler ausfallen wird wie diese. Wenns dieses mal erfolgreich als Managergier kommuniziert werden kann und darauf aufbauend dieselben Fehler noch einmal, aber zahlreicher, gemacht werden, dann haben wir endlich ein zuverlässiges Mittel entwickelt die Marktwirtschaft zum Scheitern zu bringen. Vielleicht nicht in der nächsten Iteration, aber dann doch in einer späteren.
Hat ja nix mit Gier und den internationalen Spielregeln zu tun, auch wenn es die Öffentlichkeit anscheinend so braucht.
Dazu kommt natürlich noch die mangelnde fiskalische Skalierbarkeit im EURO-Raum. irgendwann wird man den Leuten erklären müssen: Irland, Spanien und Griechenland bankrott, wir zahlen.
Zurzeit sehe ich auch schwarz.
Der einzige Lichtblick, dass pol. radikale Kräfte in D nicht nur nicht profitieren von dieser Krise, sondern gar zurückgedrängt werden: Welcher alternative fusselbärtige Lehrer vom Typus SZ-Leser will jetzt noch DIE LINKE wählen? Wäre doch viel zu riskant für die Pension und die sonstige Habenseite.
Rechts kriegt sowieso keiner etwas auf die Beine, da mangelts so zu sagen allem, was natürlich sehr zu begrüssen ist.
Yes. Aber man muss sich eben klarmachen, dass die Beschlüsse jetzt auf die Zukunft gerichtet sind, und uns noch nicht aus dem jetzigen Schlamassel rausführen. Wie kriegt man dem Mist aus dem System gekehrt? Hierzulande relativ unbemerkt geblieben ist die Lockerung von Mark-to-Market durch den FASB gestern. (Banken müssen nicht mehr so schnell abschreiben, können as of now sogar zuschreiben.) Sowas ist derzeit vermutlich wichtiger die G20-Geschichten.
@Karl-Heinrich:
Das Verstecken von Kreditrisiken in Bankenbilanzen wird natürlich so leichter. Etwas zweifelhaft, dass so irgendwelche Vorteile entstehen, ausser eben bei der psychologischen Marktbearbeitung. Könnte sogar der nächsten Megakrise Haus und Tor öffnen.
@Horscht
Wir haben nach der deutschen Rechnungslegung auch kein Mark-to-Market ;-)
Wie auch immer – entgegen allen Doomsayers gibt es keine “finale” Krise, wir müssen uns allenfalls auf einen weltwirtschaftlichen Winter einstellen. Beruhigend ist, dass der Grad der nationalen Bescheuertheit im Vergleich mit den 30ern abgenommen hat, worüber immerhin solche Treffen wie in London Zeugnis ablegen. Der ökonomische Frühling kommt bestimmt, denn Fleiß und Ideenreichtum von Indern, Chinesen, Amerikanern etc. sind nicht kleinzukriegen.
@Horscht:
Nach der Krise der 30er Jahre gabs über lange Zeit in den USA auch mehr Gesoze. Die Marktwirtschaft ist trotzdem nicht untergegangen, sondern hat sich prima weiterentwickelt.
In den 60ern gabs in den USA einen Spitzensteuersatz von 70%. Ich bin nicht für so hohe Steuern. Aber die Marktwirtschaft zerstört haben sie nicht.
Deine Verachtung für die “Öffentlichkeit” in allen Ehren (mein ich nicht mal ironisch), aber besagte Öffentlichkeit ist nun einmal der Souverän.
Und was ich so von der Argumentation der FDP mitbekomme, erscheint mir das zur Zeit oft recht eindimensional und polemisch. Z.B. dieses hartnäckige Beharren darauf, dass Derivate Versicherungen sind. Sie wurden auch zu ganz anderen Zwecken eingesetzt (Zocken). Oder sie haben etwa bei Bear Stearns zu einem Weg geführt, dass investierte Leute sehr kurzfristig aus ihrem Engagement herauskamen, indem sie nämlich put-Optionen zu sehr niedrigen Preisen kauften. Ansonsten wären vielleicht mehr Finanzinvestoren mit einer stabilisierenden Wirkung da drin geblieben.
Es werden Vorschläge gemacht werden. Man kann die dann prüfen.
Erfolgreiche Gesellschaften haben immer ein Mischsystem aus Markt und sonstwie geregelten Elementen. Der Markt ist oft ein effektives Mittel zur Allokation von Ressourcen. Aber er ist kein Ziel, nach dessen vollkommenen Implementierung irgendwie Milch und Honig ausbrechen würden.
Spanien besitzt aufgrund seiner vergleichsweise geringen Gesamtverschuldung noch eine Menge Spielraum. Natürlich wäre nach der ihrem crash auf dem hypertrophierten Bausektor die Abwertung der Pesete eine gute Sache. Nur gibts die halt nicht mehr. Gleichzeitig hat natürlich Deutschland als Exportnation stark vom Euro profitiert.
Ich hab Blasen-Erfahrung aus dotCom um 2000. Miterlebt wie Menschen im Namen von etwas, das sie Markt nannten, immer mehr gesunden Menschenverstand über Bord warfen. Denke von den gruppenpsychologischen Grundmechanismen war das nun im Finanzsektor recht ähnlich. Dort ist es wesentlich gefährlicher.
@LC
Ich will Dir aus persönlicher Erfahrung heftig widersprechen.
Ist es nicht. Ich weiß wovon ich schreibe.
Ein fast anderes Thema. Die “Blindheit” war denn auch quasi institutionell. Er muß mal wieder herhalten, der wehrte Herr Ackermann. Wo 25% Eigenkapitalrendite als Frontmann einer ganzen Branche als Losung for now and ever ausgegeben wird, da kann ein Sparkassenfachwirt sagen nö, aber kein Kollege von Herrn Ackermann, der gerne so wäre wie Herr Ackermann. Aus “meiner” Firma kenne ich die Losung 20% for now and ever. Sie wurde weniger durch die Ausweitung des operativen Geschäftes erreicht, sondern durch Ausweitung dieses Geschäftes mittels Übernahmen und Übernahmen im Kerngeschäft. Finanziert durch Banken und die Börse, weil die Anleger gingen ja gewohnheitsmässig davon aus: 20% for now and ever. Der Aktienkurs heute? Lass uns schweigen. Die 20% sind auch längst Geschichte. Die Folgen sind allerdings allgegenwärtig.
Wie fast man das jetzt zusammen? Quasi institutionelle Gier im Kern einer Berufsgruppe und deren Vorgesetzte (Anleger) durch (pseudo-)wissenschaftliche Thinktanks begründet und von einer nicht besonders klugen Politik flankiert? Einem Millionenheer von Durchschnittsbürgern als neue Elite verkaufte Raffkes auf das sie auch Raffkes werden?
Die Krise auf den Tropfen zu reduzieren, der ein Faß überlaufen läßt ist wenig kybnertisch gedacht. Da stecken mehr Regelkreise drinn. Gier ist ein zentraler Regelkreis weniger – aber nicht alle und alles im System reagieren bzw. reagiert üblich (also gierig) sondern durchaus ziemlich normal.
Das ist ein Unterschied. ;-)
Richtig, final ist die Krise nicht, sie spielt lediglich eine bereits etwas größere Geige im Krisencrescendo. Die bisherigen Krisen wurden jeweils wunderbar gemeistert, und mit ihrer Lösung auch gleich die Voraussetzungen für eine nächste, potentiell größere geschaffen. Ein Zusammenbruch und Neuaufbau wie in den 30ern ist daher nicht nötig, zumindest noch nicht. Noch reichen die Puffer der meisten Staaten aus.
Inwiefern London ein Maßstab für die nationale Bescheuertheit sein kann – die Tatsache, das man überhaupt miteinander redet, wenn auch völlig aneinander vorbei und ohne jedes Ergebnis stimmt auf den ersten Blick natürlich optimistisch.
Tja, dummerweise wissen weder der Fleiß noch der Ideenreichtum, ob sie gerade aus der Krise heraus oder in die Krise hineinarbeiten. Der Weg in die Hölle ist mit Fleiß und reichen Ideen gepflastert …
Hier kann jeder seine eigenen Schlüsse ziehen, besser kann ich es nicht ausdrücken:
@29 SF
“Andererseits aber durch eine Hochzinspolitik, die die Aufnahme von Krediten unattraktiv macht. Je weniger Kredite aufgenommen werden, desto weniger Geld schwirrt im Orkus. Nur – und das ist der Haken – das ist natürlich eine Konjunkturbremse. Um die Krise zu bewältigen wäre also eine lange Phase des ?künstlich? gehemmten Wachstums von Nöten. Nur welcher Politiker will so etwas? Das klappt in China, aber nicht im Westen ;-)”
Ich fürchte, das klappt auch in China längst nicht mehr. ‘Konjunkturbremse’ scheint mir auch etwas niedlich ausgedrückt – Zinsen legen ja auch immer die Latte für Profitabilität, und so manchem Unternehmen, das jetzt noch so gerade kreucht und fleucht, dürfte dabei die Luft, sprich das Kapital ausgehen. Und abgezogenes oder gar nicht erst investiertes Kapital – von dem es eh schon zuviel gibt – macht dann wiederum was…? Nee, Hochzinspolitik als ‘Antwort’ auf ohnehin sinkende Profitraten, die sich nur noch durch ‘Freisetzungen’, Lohndumping und Ausweitung unbezahlter Mehrarbeit über Wasser halten – das war schon in der Vergangenheit keine Option und dürfte jetzt auch keine sein. Es sei denn, man nimmt vermehrte ‘Repression’ eben gleich auch noch in den Katalog mit auf. Aber auch die ‘kostet’…
Ich nehme an, eine bewusste Abkehr von der ‘Profitwirtschaft’ ist für dich immer noch keine ernsthafte Option, auch nicht auf mittlere Sicht und zB mit einem Grundeinkommen als ‘Pufferlösung’ für den Übergang…? Oder vielleicht doch schon ‘irgendwie’…?
@Lemmy:
Einigen wir uns darauf, dass die Menge (vs. Mob) in D über die (nicht singulären) Ursachen und Zusammenhänge der aktuellen Wirtschaftskrise völlig ahnungslos [1] ist.
Sollten die Politiker weder besser informiert noch verständiger sein – und ich habe keinen Grund anzunehmen, dass dem so ist -, dann werden auch die Maßnahmen unserer Politiker unzureichend sein, im schlimmsten Fall werden sie eine noch größere zukünftige Krise evozieren oder festschreiben. Je mehr Staatsbedienstete “regulieren”, desto schwieriger wird es für die Marktwirtschaft ihre natürlichen Kräfte zu entfalten. Hier besteht aus meiner Sicht durchaus die “Chance” eine Dauerkrise herbeizuverordnen. Und je mehr falsche Reaktionen, desto grösser die Krisen, desto mehr “Gesoze”, das ist ein Teufelskreis.
[1] bei der Ölkrise wars nicht viel anders, damals setzte “von oben” aus Reihen der Politik eine gezielte Desinformation ein, nur mal so ein paar Kostproben: Schüler lernten, dass 1990 definitiv Ende sei mit dem Erdöl, andere fossile Brennstoffe würden nicht viel länger halten und u.a. der legendär dummbatzige Club of Rome prognostizierte das endgültige Ende des Wachstums (sowas ging auch in die Schulmaterialien ein); das “Ende der Marktwirtschaft” stand ohnehin als fester Glaubensbezugspunkt im Raum – die Ölkrise war aber insofern nicht kritisch für die Marktwirtschaften, da sie auf einem Irrtum beruhte, es gab nämlich genug Öl und die Ölpreise sanken bald wieder und die hysterisch-dummen Reaktionen verschwanden ebenso schnell
OT: Erdogan will NATO mit Brezel blockieren
Vielleicht kamen bei dem Gipfel wenig konkrete Ergebnisse heraus, aber das hat eh kein Realist erwartet. Trotzdem ist der Gipfel in meinen Augen ein historischer Gipfel. Zum einen werden Steueroasen, die keine Protektion mächtiger G20-Staaten genießen, aggressiver als bislang angegangen- man betrachte nur die Reaktionen der Schweizer auf diesen Gipfel – zum anderen wurde schon im Vorfeld deutlich, wie misstrauisch die großen Gläubiger der US-Amerikaner gegenüber deren Wirtschaftspolitik geworden sind. Auch wenn die Chinesen zu diesem frühen Zeitpunkt natürlich noch nicht die Ablösung des Dollars als Leitwährung erreichen konnten, jeder weiß nun, dass das große China die Zukunft des Dollars in Frage stellt. Strahlemann Obama kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Amerikaner zu den Verlierern dieses Gipfels gehören. Die letzten Luftschlösser der amerikanischen Traumfabriken werden bald auf dem Boden der Realität zerplatzen.
@Horscht:
Ich hab deutliche Zweifel, ob die selbsternannten politisch Großkopferten die Ursachen der Krise bereits begriffen haben. Die Linken glauben eine marxsche Brise in ihren Nasenlöchern zu spüren und die Libertären suchen die Ursache in Sozialmaßnahmen von Jimmy Carter aus dem Jahre 1977 oder so.
Nochmal: Regulierung kann Marktkräfte auch in eine dem Gemeinwohl dienliche Richtung lenken. Es kommt drauf an. Ich bin Sozialdemokrat ohne Parteimitglied zu sein. Denke wir können darin übereinstimmen, dass wir nicht übereinstimmen. Gesoze kann für mich durchaus positiv sein. Unendlich intelligenter als die Verwechselung von fragwürdigen Modellen mit der Realität (rechts wie links).
@Lemmy:
Der CRA von Erdnuss-Jimmy (ca. 1978) wurde ca. 1995 von Bill Clinton auf die hier am Rande als Ursache (gerne auch: eine der Ursachen, “Startpunkt” wäre vielleicht am präzisesten) der Wirtschaftskrise diskutierte Politik “Häuser für alle, Sicherheiten brauchen wa nich” angepasst. Versuche das endlich einmal zu verstehen.
Um diesen Fakt zur Kenntnis zu nehmen muss man nicht libertär sein. Ich bins jedenfalls nicht, schwul auch nicht, LOL.
Zudem mal an der Wortwahl arbeiten, “Regulierung” ist negativ besetzt und stark mit dem schnüffelnden Staatsbediensteten assoziiert, “Regulierung” ist immer etwas für die anderen (also “Gesoze”, ich binde das ausdrücklich nicht an eine bestimmte Partei, es gibt auch in der FDP Gesoze, aber vglw. wenig – nein, ich bin nicht in der FDP).
Das “Setzen von Rahmenbedingungen” für die Wirtschaft wiederum ist OK. Das ist auch Aufgabe des Staates, und wie “Aufgabe des Staates” nahelegt, funktioniert das am besten national. Anders formuliert: Werden bei diesem G20(G7? G8? G100? – ein homogener Haufen ist wohl eher nicht mehr gegeben, LOL)-Gesprächen irgendwelche Beschlüsse gefasst, so werden diese – nationalen Interessen folgend – eine kurze Halbwertzeit haben bzw. national gar nicht erst richtig umgesetzt werden.
BTW, Du hast “Wolfgang Clement-Status”.
Sicherlich nicht Nahle oder Lügilanti.
In jedem Fall links von Johnny Ramone.
http://www.geocities.com/robertofotografie/jr.html