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  • Entschulden, weginflationieren oder aussitzen? Offene Diskussion April 09

    geschrieben am 09. April 2009 von Spiegelfechter

    Es gibt Fragen, da muss selbst ein gestandener Blogger, der gerne über ökonomische Themen schreibt, die Stirn in Falten legen. Freunde, Verwandte, Kollegen – alle interessiert momentan nur ein Thema: Was wird aus der Finanzkrise? Ist sie wirklich in zwei Jahren nurmehr Geschichte? Kommt nun die Deflation und dann die Inflation? Was passiert mit den Unmengen an Geld, mit denen die Märkte geflutet werden?

    Meine Antwort auf solche Fragen ist meist: Die Politik und die Notenbanken werden über kurz oder lang alle Schleusen öffnen und die Krise mit frischem Geld überwinden. Aber nach der Krise ist vor der Krise. Wenn das frische Geld nicht wieder aus dem Kreislauf genommen wird, droht die wirkliche Katastrophe – Deflation, ein Abwertungswettlauf und dann Inflation. Ist die Politik fähig und gewillt, diese Abwärtsspirale zu verhindern? Gewillt wird sie sein – eine echte Inflation würde zwar sämtliche Staatsschulden Makulatur werden lassen, aber hinter der Politik stehen nicht mehr die ostelbischen Junker, denen eine Inflation wenig anhaben konnte, sondern mächtige Interessengruppen, deren Macht auf Geld beruht. Fähig wird sie aber nicht sein. In einer repräsentativen Demokratie erscheint es für mich unmöglich, im großen Stil Geld zu vernichten. Ausgabenkürzungen, Steuererhöhungen, eine Hochzinspolitik, der Abbau der Staatsverschuldung – all dies ist im höchsten Maße konjunkturhemmend. Kann man sich wirklich vorstellen, dass die Bundesregierung oder die amerikanische Regierung freiwillig die Konjunktur bremsen und allen Souffleuren in den Lobbys widerstehen?

    Welche Prognosen habt Ihr? Wohin wird die Krise unsere Welt bringen? Lasst Euren Gedanken freien Lauf. In diesem Thread ist alles erlaubt – Ihr seid eingeladen, munter zu diskutieren, zu fabulieren und zu phantasieren. Ich verabschiede mich einstweilen ins Osterfest und wünsche allen meinen Lesern ein paar schöne Tage. Am Montag wird es hier auf dem Spiegelfechter weitergehen.

    Jens Berger

    (c) c´t
    144 Kommentare Print This Post
    Es gibt Fragen, da muss selbst ein gestandener Blogger, der gerne über ökonomische Themen schreibt, die Stirn in Falten legen. Freunde, Verwandte, Kollegen - alle interessiert momentan nur ein Thema: Was wird aus der Finanzkrise? Ist sie wirklich in zwei Jahren nurmehr Geschichte? Kommt nun die Deflation und dann die Inflation? Was passiert mit ...
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    1. gesinnungslos » Was passiert nach der Krise?
    2. Müffelnde Politiker und Mümmelmänner. Oster-Blogschau (4/II)

    144 Kommentare:

    1. ppp schrieb am 9. April 2009 at 17:01 - Permalink

      Das Problem bei der Inflationierung ist erstmal, dass, jedenfalls in Deutschland,
      die Wirtschaft bestenfalls auf lange Sicht stagnieren wird, selbst wenn die Rezession mal überwunden wird. (Denn unsere Politiker weigern sich ja ein anderes Wachstumsmodell als das des Exportweltmeisters zu etablieren – der Export hat sich aber auf absehbare Zeit als Wachstumsmotor erledigt.) Während einer Stagnation (mit Massenarbeitslosigkeit) aber bewusst eine hohe Inflation zu erzeugen, ist hochgradig riskant und es ist kaum zu glauben, dass sich dieser Kurs lange durchhalten lässt, ohne dass die Massen dagegen rebellieren.

      Man müsste eher das gesamte Finanzsystem verstaatlichen, Schuldner und Schulden zusammenbringen, die Schulden streichen. Das ganze überblähte Finanzkasino wird damit gleichsam geschlossen. Allerdings hätte dies natürlich z.B. für Großbritannien ziemlich harte Folgen, da fast der gesamte Kern der bisherigen Wirtschaft damit wegfallen würde.

    2. king balance schrieb am 9. April 2009 at 17:14 - Permalink

      In einer schweren Krise (wie diese) wird in der Regel ein großer Teil des Geldes, das die Notenbanken bereitstellen, gehortet. Die sogenannte Liquidität bleibt also ungenutzt liegen. Der geldpolitische Übertragungsmechanismus funktioniert nicht ausreichend. Aus diesem Grund ist dann auch die Fiskalpolitik gefragt.

      “Aufträge im deutschen Maschinenbau mit Minus 49%”
      Die Auftragseingänge im Februar 2009 im deutschen Maschinen- und Anlagenbau sind weiter auf Talfahrt. Im Jahresvergleich stürzten im Februar die Auftragseingänge um real -49% ab, dies teilte heute der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit.
      So geht der Absturz der Realwirtschaft ungehindert weiter, bald wird eine Abwrackprämie für Maschinen gefordert werden. Denn einen anderen Lösungsvorschlag haben unsere Politiker nicht zur Hand, da bin ich sicher.

      Willkommen in der realen endlichen Welt, in einer unendlichen Geschichte der Illusionen…

    3. Lemmy Caution schrieb am 9. April 2009 at 17:32 - Permalink

      In der Wahl wird die SED-Nachfolgepartei im Westen 5% und im Osten 35% erreichen. Die FDP/CDU Koalition wird eine Politik zur Stützung der produktiven Industrien fahren. Dies wird Massenproteste im Osten und ein noch höherer Anstieg der SED-Wähler provozieren. In Folge der Ereignisse kommt es zur deutschen Teilung.
      Die Inflation sehe ich eher als geringeres Problem an. Die Erholung und damit die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wird langsam vonstatten gehen.

    4. Der Schachspieler schrieb am 9. April 2009 at 18:11 - Permalink

      Also ich weiss nicht wie ihr es mit dem Osterhasen habt, aber weit entfernt von der Geschichte mit dem Osterhasen ist auch die Finanzkrise nicht.

      Meine Augenbrauen sind schon steif von lauter wundern wie bescheuert das Thema Finanzkrise aussieht und dem gemeinen Volke präsentiert wird.

      Es scheint nicht nur unvollstellbar dämlich und gierig von den ganzen Finanzjongleuren geplant und durchgezogen worden zu sein, sondern auch unvollstellbar korrupt und dämlich wird dieses Problem als ganzes behandelt.
      Die anstehenden Lösungen scheinen nur ein Spiel im Spiel zu sein, und jegliche Diskussion über dieses Thema ist einfach nur noch lächerlich.

      Anstatt dem flötenden Rattenfänger ins Gesicht zu spucken, laufen alle Lemminge den weisen “Theorien” der Wissenschaftswissenschaftler hinterher, und grinsen bei ihrem Freiflug in die Schlucht.
      Weil sie vor den Medien noch hübsch aussehen wollen.
      Und die “ETHSCHEN” Journalisten machen schöne Fotos von dieser Abgangsparty, und meinen sie könnten mit jeder neuen Milliarde eine Schlagzeile machen.

      Da scheinen sogar die Taliban in finanziellen Dingen fortschrittlicher zu sein als die “geleerten” modernen Weisen.

      Ich habe einfach nur noch Frust, Frust über die Dummheit und die unverschämte Blödheit der “geschätzten” Mitglieder der Gesellschaft.

      Sie zerstören langsam und zermürbend alles was sich die menschlichen Ideeale seid Jahrtausenden erarbeitet haben und grinsen dabei, grinsen alle.
      Und zu aller Unverschämtheit haben sie noch “Argumente”, über die man wirklich noch diskutiert.

      Och ja irgendwelche dämlichen Hedge-Fonds sind der Grund, und Inflation , Stagflation und Deflation sind die Begriffe die versuchen unsere geistige Armut zu definieren.
      Es gab Zeiten da nannte man sowas: Verbrechen.

      Frust, nur Frust

      Wenn ich schon an Geld denke könnte ich kotzen.

      Welche geistige Krankheit wäre wohl die richtige Definition dafür?

      Opel, HRE, AIG, GM, Roche, hören wir doch auf mit dem Schwachsinn……

      http://de.sevenload.com/videos/mla6tvD-Die-Kassierer-Das-Lied-vom-Hass

      Glaubt wirklich noch einer das irgendwo in diesen ganzen Diskussionen Argumente zählen?

      Wo verdammt noch einmal sind Gedanken die wenigstens nur einen Hoffnugsschimmer zeigen? Politik? Wirtschaft? Wissenschaft? Religion?
      Ist doch alles Mumpitz, präsentiert und schön verpackt von den achso objektiven Medien.

      PS: frohe Ostern, ich hoffe er aufersteht dieses mal wirklich

      PPS: an alle Opel Mitarbeiter

    5. gerhardq schrieb am 9. April 2009 at 18:23 - Permalink

      Ich gehe davon aus, daß unsere Regierungen immer mehr Geld in das System pumpen. Wenn wir die Krise als Brand betrachten, dann bedeutet das, daß Benzin ins Feuer gegossen wird. Der Anteil von spekulativem Einkommen wird sich immer weiter erhöhen und nach rentablen Anlagen suchen. Rentable Anlagen aus Sicht der Finanzindustrie finden sich aber nicht in der Realwirtschaft, die erwirtschaftet etwa 5%, sondern eher in hochspekulativen Finanzanlagen. Und da unsere Politiker nicht begreifen wollen, daß diese Finanzanlagen nichts weiter als Wetten in einem Spielcasion sind, werden sie diesen Weg natürlich massiv unterstützen. Die Lobby der Finanzwirtschaft wird dabei nicht untätig bleiben und SPD, CDU/CSU und FDP sind zumindest seit der Rot-Grünen-Koalition der Finanzwirtschaft regelrecht hörig (man braucht sich nur die massiven Millionenspenden der Banken und Versicherungen an die Parteien anzusehen!). Es die typische Spielsucht, die hier die Politiker ergriffen hat und die Kasinobetreiber profitieren davon.

      Ich habe in der Zeit einen Artikel über eine andere Wirtschaftsordnung geschrieben:
      http://kommentare.zeit.de/user/gquell/beitrag/2009/04/07/deutschland-braucht-eine-neue-wirtschaftsordnung

      Um dieser Krise zu begegnen, müssen wir im Grunde nur genau das Gegenteil von dem tun, was die Politik gerade tut, also im Grund nur drei Schritte:
      - Verbrauchssteuern runter, um die Realwirtschaft zu beleben,
      - Gewinnsteuern richtig hoch, um die spekulativen Gelder abzuschöpfen, bei einem hohen Spitzensteuersatz brauchen wir uns auch keine Gedanken mehr über die Boni von Managern mehr zu machen, sie werden einfach weggesteuert,
      - und die Sozialabgaben senken, in dem die Beitragsbemessungsgrenzen abgeschafft werden und alle der gesetzlichen Sozialversicherungen nach dem Umlageverfahren unterworfen werden.

      Aber wie heißt es so schön, wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing. Ich habe nicht viel Hoffung, daß in unserer Politik Vernunft einkehrt, nicht bevor es zum richtig großen Knall gekommen ist.

    6. Die Erklaerung schrieb am 9. April 2009 at 19:11 - Permalink

      Man sollte jetzt in die Krise investieren. Keine Branche boomt mehr.

    7. Stephan schrieb am 9. April 2009 at 19:43 - Permalink

      Ich bin der Überzeugung, dass wir im “Westen” (EU und USA) ein Japan-Szenario durchmachen. Man haelt die Zombiebanken am leben erhaelt (der geithnerplan ist wirklich kontraproduktiv, da er die problematischen Institute vom Bieterverfahren nicht ausschließt; wobei der deutsche Hedgefonds soffin noch viel schlimmer ist; in den USA erfaehrt man wenigstens noch, was passiert, waehrend bei uns ein dutzend Maenner darüber entscheidet, was mit 480 Mrd. ? geschieht); anstatt sie ordentlich abzuwickeln. Wenn die Gelddruckerei der FED nicht funktioniert (und ich hoffe wirklich auf Inflation), dann hat B.B. noch eine Moeglichkeit: WAEHRUNGSMANIPUlATION, wenn man es boese ausdrücken moechte, Waehrungskrieg. lasst uns alle hoffen, dass es dazu nicht kommt, denn dann schnappt die Deflationsfalle endgültig zu. das waere 30′ies reloaded.

    8. Thomas schrieb am 9. April 2009 at 20:59 - Permalink

      Meiner Meinung wird 1984 eintreten. Es gibt nur noch drei Mächte die alles kontrollieren und die das Volk durch Kriege bei der Stange halten. Das Volk wird vollkommen gleichgeschaltet, Schäuble ist glücklich und alle sind zufrieden. Nur der Spiegelfechter alias Goldstein und Konsorten leisten von Kuba aus Widerstand.

      Fröhliche Ostern

    9. Stefan schrieb am 9. April 2009 at 21:38 - Permalink

      Ich bin mir nicht so sicher, ob eine Inflation im Sinne von Amerika ist. Wenn die Inflation steigt, fällt der Dollar und fallen US-Bonds. Da praktisch die gesamte Welt Währungsreserven in Dollar hält, insbesondere China und Japan, kann es zu einem enormen Vertrauensverlust kommen. Die USA ist aber essentiell auf dieses Vertrauen angewiesen um neue Kredite zu bekommen! Auch wenn die Schuldenquote der USA sinkt, würde es in diesem Szenario für die USA schwieriger sein, Geld aufzutreiben.

    10. klausi schrieb am 9. April 2009 at 21:45 - Permalink

      Zigarreten ersetzen das Geld – wir tauschen mit Zigaretten und an der Börse wird mit Zigaretten gehandelt. Die Banken vergeben Zigarettenkredite, die mit Zigaretten zurückbezahlt werden. Alle werden zu gierig nach Zigaretten und mehr Zigaretten werden auf den Markt geworfen. Die Zigarettenindustrie kommt zum erliegen; Deflation, dann Inflation. Danach hauen wir uns mit Stöcken und Steinen.

    11. Bö schrieb am 9. April 2009 at 21:47 - Permalink

      Ich glaube nicht, dass nach der Krise – wann immer das auch sein mag – eine Inflation zu verhindern sein wird. Auch nicht, sollte der politische Wille dazu tatsächlich gegeben sein, was auch in meinen Augen eher unwahrscheinlich ist.

      Die Wirtschaftskrise im Moment mag unschön sein, für die Leute, die jetzt ihren Job verlieren. Aber sie ist nicht existenzbedrohend für das derzeitige Gesellschaftsmodell. Das, was nach der Krise kommen wird, wird ist allerdings wesentlich bedrohlicher. Das Problem an der Sache ist, dass dieses Szenario nicht aufzuhalten sein wird. Zumindest nicht mit Mitteln, die ich übersehen kann.

      Weder – ich mach es mal plakativ – weder marktwirtschaftliche Konzepte, noch linksutopische respektive sozialistische Ideen helfen hier weiter. Jetzt rächt sich, dass aus ideologischen Gründen aller Lager, kein kozept oder funktionsfähiges Zukunftsmodell entworfen wurde. Und das ist sowohl Wirtschaftswissenschaftlern, als auch Philosophen vorzuwerfen.

    12. Heiko schrieb am 9. April 2009 at 21:48 - Permalink

      Nach der Krise ist vor der Krise, da man gar nichts, rein gar nichts gegen dieses kranke Finanzsystem unternimmt. Warum auch, zu verlockend wenn man es verstanden hat um ihm selbst zu verfallen. Wie war das gleich mit Selbstregulierung: Der Bauer der darauf vertraut das die Schweine ihren Saustall selber ausmisten?

      Wenn die Krise mich was gelehrt hat, dann ist es da bessere Verständnis unseres Geld- und Finanzsystems. Umso weniger will man damit zu tun haben. Eine realistische Einschätzung für die Zukunft kommt nicht an einem pessimistischen Ausblick vorbei. Wenn man die Menschen einmal kennt… Friedliche Revolutionen sind leider Illusion. Das Mittelalter (nur moderner ^^) kehrt zurück.

    13. Momo schrieb am 9. April 2009 at 22:18 - Permalink

      Ich bin der Auffassung, daß die Inflation nicht notwendigerweise ein Problem wird. Die Inflation wird ganz wesentlich bestimmt von der Entwicklung der Lohnstückkosten. Solange sich die Lohnstückkosten produktivitätsorientiert entwickeln, besteht aus meiner Sicht kein ausgeprägtes Inflationsrisiko (sofern keine inflationstreibenden Preissteigerungen von den durch die hiesige Lohnpolitik nicht beeinflußbaren Rohstoffmärkten, wie z.B. dem Ölmarkt, ausgehen).
      Die produktivitätsorientierte Lohnpolitik führt zu Nominallohnsteigerungen von ca. 3,5%:

      Produktivitätssteigerung (ca. 1,5%)
      + Zielinflationsrate der EZB (ca. 2,0%).

      Hierbei ist zu beachten, daß die in Tarifverträgen ausgehandelten Tarifsteigerungen in den vergangenen Jahren kein guter Gradmesser für die tatsächlichen Steigerungen der Bruttolöhne und -gehälter waren:

      - Ein immer kleinerer Anteil der Unternehmen ist noch an Tarifverträge gebunden. Die sog. “Tarifflucht” vieler Unternehmen hat dazu geführt, daß in Westdeutschland nur noch 70% der Unternehmen tarifgebunden sind. In Ostdeutschland beträgt dieser Anteil nur noch 55%.
      - Bestimmte Beschäftigtengruppen werden nicht von Tarifverträgen erfasst. Dies gilt insbesondere für die 400-Euro-Jobs.
      - In den vergangenen Jahren wurden zunehmenend sog. “Tariföffnungsklauseln” zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden vereinbart. Diese gestatten es den Unternehmen, in wirtschaftlich schwierigen Phasen Lohnsenkungen (z.B. Kürzung oder Wegfall von Urlaubs- und Weihnachtsgeld) vorzunehmen.

      Eine inflationär wirkende Lohnpolitik ist zumindest in Deutschland nicht zu erwarten, da es den Gewerkschaften nicht einmal in den Jahren des sog. “Wirtschaftsbooms” (2006 bis Anfang 2008) gelungen war, Reallohnverluste zu verhindern. Die Kombination von brachliegenden Kapazitäten in den Unternehmen (die gewaltigen Rückgänge des Auftragseingangs in der Industrie lassen grüßen) in Verbindung mit einer weiterhin “moderaten” Lohnpolitik lässt keine “Inflationsschübe” erwarten. Eher das genaue Gegenteil: Eine deflationäre Entwicklung, welche im übrigen im Vergleich zur Inflation wesentlich schwerer zu bekämpfen ist. Japan hatte dies über einen Zeitraum von mehreren Jahren überdeutlich gezeigt.

      Ich bin der Auffassung, daß bei der Analyse der derzeitigen schweren Finanz- und Wirtschaftskrise ein wesentlicher Aspekt sehr vernachlässigt wird: M.E. ist die immer ungleichere Einkommens- und Vermögensverteilung eine ganz wesentliche Ursache für diese Krise.

      Hierauf hat nun aus meiner Sicht völlig zu Recht Jean-Paul Fitoussi (Mitglied der Stiglitz-Kommission bei der Uno) in der Financial Times Deutschland hingewiesen. In der ftd heißt es hierzu:
      http://www.ftd.de/wirtschaftswunder/index.php?op=ViewArticle&articleId=1939&blogId=10

      “Kurz vor dem G20-Gipfel hat die Stiglitz-Kommission bei der Uno ihren Zwischenbericht zur Finanzkrise vorgelegt. Wir sprachen mit dem Pariser Ökonomen Jean-Paul Fitoussi, der in der Kommission die Arbeitsgruppe zu den makroökonomischen Aspekten der Krise leitete.

      Monsieur Fitoussi, was ist für Sie der Kern dessen, was zur Finanzkrise geführt hat?

      Der Kern des Problems liegt darin, dass weltweit zu viel gespart worden ist, nicht zu wenig. Und dieses Problem ist dadurch entstanden, dass es über zweieinhalb Jahrzehnte eine Umverteilung der Einkommen von unten nach oben gab. Damit haben jene plötzlich viel mehr Geld gehabt, die angesichts der Höhe ihres Einkommens ohnehin nur einen relativ kleinen Teil ihres Geldes ausgeben und einen hohen Teil sparen. Mit diesen Ersparnissen haben sie Vermögenswerte gekauft. Diese Umverteilung nach oben war ein weltweit sehr tiefgreifendes Phänomen. Hier liegt die Wurzel der heutigen Krise, nicht in der Finanzwelt.”

      So weit der Interview-Auszug aus der ftd.

      Die immer stärkere Einkommens- und Vermögenskonzentration hat das “internationale Spielkasino” mit enorm hohen Summen an Spekulationskapital geflutet. Dieser Prozeß wurde durch die staatliche Steuerpolitik zusätzlich forciert, so z.B. in Deutschland:

      - Abschaffung der Vermögensteuer,
      - drastische Senkung der Unternehmenssteuer (von 53% auf 42%; die 3%ige sog. “Reichensteuer” lasse ich unberücksichtigt, da es sehr viele Ausnahmen gibt und die Grenze für das zu versteuernde Einkommen, ab der dieser Zuschlag erhoben wird, zu hoch ist).

      Seit einigen Monaten darf selbst in Deutschland der Name Keynes wieder in den Mund genommen werden, ohne daß zugleich die Keule des “Altmodischen”, der “Ewiggestrigkeit”, der “Sozialromantik”, des “Gutmenschentums”, der “Ruckwärtsgewandheit” und des “Bremsertums” geschwungen wird. (Allerdings steht zu befürchten, daß die neoliberalen Wendehälse aus dem Freimarktcamp momentan jede Menge Kreide gefuttert haben und nur den Moment abpassen, ab dem sie wieder die neolberale Ideologie zur allein gültigen “Wissenschaft” erkären können).

      Aus meiner Sicht wird der Keynesianismus jedoch zu eingeschränkt betrachtet: Im Sinne eines “Deficit spendig” zur eher kurzfristigen Bekämpfung der aus der Nachfrageschwäche resultierenden Unterauslastung der Unternehmens-Kapazitäten. Beläßt man es bei dieser eher kurzfristig orientierten Betrachtungsweise, dann besteht die Gefahr, daß dies – bei UNVERÄNDERTER Einkommens- und Vermögensverteilung – zu einem starken Anstieg der Neuverschuldung führen wird und dies dann von den mit den Mainstream-Medien verbündeten Neoliberalen zur Agitation gegen den Keynesianismus ausgeschlachtet wird. Da spielt es dann keine Rolle, daß die Neuverschuldung bei einer neoklassisch ausgerichteten restriktiven Haushaltspolitik möglicherweise noch stärker angestiegen wäre (der neoliberale Zweck heiligt dann die Mittel). Siehe hierzu Heiner Flassbeck: “Die Schuldenbremser”.
      http://www.flassbeck.de/pdf/2009/11.2.2009/Die%20Schuldenbremser.pdf

      Kaum bekannt ist, daß Keynes auch die langfristige wirtschaftliche Entwicklung im Blick hatte. In der von ihm definierten 3. Entwicklungsphase (der man ?entwickelte Volkswirtschaften? wie z.B. die Bundesrepublik zuordnen kann) sah Keynes als Voraussetzung für eine weiterhin prosperierende Entwicklung u.a. die Notwendigkeit stärkerer staatlicher Eingriffe, z.B. in die Einkommensverteilung.

      Keynes strebte jedoch keine ?staatssozialistische? Entwicklung an. Die Produktion von Gütern und Dienstleistungen soll in seinen Augen auch in dieser dritten Entwicklungsphase weitgehend privatwirtschaftlich erfolgen. In meinen Augen orientierten sich die skandinavischen Staaten (Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark) zumindest in den vergangenen Jahrzehnten recht stark an diesem Entwicklungsmodell.

      PD Dr. Norbert Reuter hat zu diesem Thema vor einigen Jahren einen interessanten Aufsatz veröffentlicht:
      “?Antizyklische Fiskalpolitik? und ?deficit spending? als Kern des Keynesianismus? Eine ?schier unausrottbare Fehlinterpretation.”"
      http://www.memo.uni-bremen.de/docs/m6504.pdf

      Zur gleichen Thematik hat auch Prof. Karl Georg Zinn einen Aufsatz veröffentlicht:
      “Mit Keynes zu einer ?anderen Wirtschaft?. Zur Langfristperspektive
      keynesianischer Ökonomie”
      http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Zinn_Keynes.pdf

      Aus meiner Sicht ist es dringend erforderlich, sich diesem langfristig orientierten Ansatz von Keynes zu nähern:
      - Zur Begrenzung der staatlichen Neuverschuldung (dazu ist v.a. eine Neurorientierung der staatlichen Steuerpolitik erforderlich).
      - Zur Vermeidung einer aus der starken Einkommens- und Vermögenskonzentration resultierenden spekulativen Aufblähung der Finanzmärkte.
      - Zur besseren Entwicklung des Binnenmarktes. Dies wird in den kommenden Jahren mit sehr großer Wahrscheinlichkeit erforderlich sein, da von einem Fortbestehen der internationalen Außenhandelsungleichgewichte (hohe Außenhandelsüberschüsse z.B. in Deutschland, China und Japan, hohe Außenhandelsdefizite und damit eine wachsende Auslandsverschuldung z.B. in den USA, in Großbritannien, Spanien, Portugal und Italien) in den kommenden Jahren kaum auszugehen ist.
      Siehe hierzu den Beitrag in der Financial Times Deutschland: “Weltmeister auf Jobsuche”
      http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/:Kolumne-Sch%FCtte-Weltmeister-auf-Jobsuche/496844.html?mode=print

      sowie: “G20 – Kein Platz für Milchmädchen”
      http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:Leitartikel-G20-Kein-Platz-f%FCr-Milchm%E4dchen/495413.html?mode=print

    14. Momo schrieb am 9. April 2009 at 22:28 - Permalink

      @ 13 – Momo

      KORREKTUR:

      In meinen Kommentar hat sich ein Fehler eingeschlichen:

      Im Satz

      “- drastische Senkung der UNTERNEHMENS-Steuer (von 53% auf 42%; …”

      muss es selbstverständlich heißen:

      “- drastische Senkung des SPITZEN-Steuersatzes (von 53% auf 42%; …”

      Die mehrmalige Senkung der Unternehmenssteuern hat darüber hinaus ebenfalls zur Zunahme der Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen beigetragen.

    15. Neu hier schrieb am 9. April 2009 at 23:33 - Permalink

      Christopher Flowers, einer der Großaktionäre der Hypo Real Estate, möchte ja seine Aktien nicht verkaufen( Quelle: Focus), nun droht ihm ja also die Zwangsenteignung…….. die passenden Gesetze hat es ja inzwischen………

      Hmmm vielleicht ist dies ja sogar die “Endlösung” mit der man die Finanzkrise überwinden kann, die Enteignung aller Wertvermögen der jüdischen Bevölkerung,, darin hat man ja in Deutschland bereits früher sehr viele Erfahrungen sammeln können und das dadurch der Staat bereits früher sein finazielles Problem lindern konnte liegt doch auf der (rechten) Hand!!

      Und wer hier zwischen der Wahrheit die Ironie nicht findet, gehört auch Zwangsenteignet……….

    16. funkytraffic schrieb am 9. April 2009 at 23:58 - Permalink

      Das Prinzip des Kondratjew-Zyklus funktioniert nicht mehr: Software (Kopierbarkeit) hat ein Maß an Effizienz erreicht, daß keine Industriearbeitsplätze mehr produziert. Ein neues Maß an Kapitalkonzentration ist die Folge. Damit ist der klassische Krisenzyklus durchbrochen und man wird dieses System durch Staatinterventionismus und neue Spekulationsblasen noch weitere zehn Jahre über Wasser halten können.

      Am Ende werden die Eigentumsverhältnisse nur mit massiver staatlicher Gewalt in den Kern-/Metropolstaaten am Leben gehalten werden, wenn nicht eine neue Allianz völlig neue Alternativen erarbeitet. Die Alternativen sind also: Nach einer Zeit gescheiterter Konsolidierung (ca. 10 Jahre) ein Bajonett-Kapitalismus mit sog. neuen Sicherheitsstrategien oder eine völlig neue und demokratische Formulierung eines Primates des Gebrauchswertes (Kommunimus, wenn man so will).

    17. firefly schrieb am 9. April 2009 at 23:59 - Permalink

      Ihr schreibt alle wirres Zeug. Dann will ich euch’s mal gleich tun:

      Meine Prognose, Währungen wie der US-Dollar, das Pfund Sterling, Kiwi- und Aussie-Dollar werten massiv ab, 50% bis 60%. Das wird sich dann in Jahresinflationsraten von bis zu 30% ausdrücken. Aber auch in Wechselkursen, die momentan vielleicht noch unglaublich scheinen. ?/$ über 2,00, ?/£ über 1,80, ein Fass Rohöl über $250

      Die massiven Schulden besonders der privaten Haushalte in diesen Ländern lassen gar nichts anderes zu, als dieses Problem wegzuinflationieren. Die geldpolitischen Massnahmen dieser Länder deutet auch sehr stark in diese Richtung.

      Der Euro wird sicherlich auch gerupft. Dennoch glaube ich, dass mit der halbwegs ausgeglichenen Leistungsbilanz und der Orientierung der EZB auf die innere Stabilität des Euro der Euro nicht baden gehen wird. Bis jetzt kann ich mich mit der Geldpolitik der EZB noch halbwegs anfreunden. Sie hat zwar ihre Geldpolitik deutlich gelockert. Doch sie hat noch nicht alle Schleusen geöffnet, wie zum Beispiel die BoE. Ich bleibe vorsichtig optimistisch.
      Dennoch erwarte ich Jahresinflationsraten in der Eurozone von 10% in der Spitze. Darauf werden die südlichen Länder in der Eurozone drängen.

      Am Ende dieser Krise ist China die grösste Volkswirtschaft der Welt. Das klingt momentan vielleicht ziemlich gewagt, ist es aber nicht. Chinas Wirtschaft wächst nominal immer weiter, die der USA schrumpf und es ist kein Ende abzusehen. Dazu kommt, dass sich China und die USA in einer Quasi-Währungsunion befinden, da der RMB ziemlich starr an den Dollar gekoppelt ist. Lösen die Chinesen diese Bindung, wertet ihr RMB auf und der Dollar ab. Gleichzeitig werden die Volkswirtschaften beider Länder auf- und abgewertet. Ich glaube, dass es schon reichen könnte, dass China die Spitze übernimmt.

      Noch ein Wort zu Deutschland. Es interessiert in China keine Sau, wenn in hier ein Sack Kartoffeln umfällt. Wir sind ein Fussnote der Weltgeschichte und wir werden bald nicht mal mehr das sein. Es ist vollkommen egal, ob wir hier auf Export oder Binnennachfrage setzen. Die Entscheidungen, die die Gang der Welt beeinflussen, werden am östlichen Ende unseres Doppelkontinents getroffen.

      Anmerkung: $ bedeutet hier immer US-Dollar

    18. name schrieb am 10. April 2009 at 05:37 - Permalink

      Schöne ruhige Feiertage Jens und danke für die vielen sehr guten Artikel ;)

      Was aus dieser systemantischen Krise des Kapitalismus in den einzelnen Metropolen des Kapitals direkt folgen wird, ist politisch eine neue Form des Faschismus, der mit den direkten Handlungsopition von begrenzten konventionell geführten Weltkriegen gegen die innerkapitalistische Konkurrenz zwingend einhergeht. Wir erleben in den Metropolen der ersten Welt schon heute überall eine direkte Militarisierung, gleichgültig ob in Japan, ob in Europa, in Russland, in China oder ob man den nun schon fast 20 Jahren währenden amerikanischen Kriegskeynianismus sich anschaut. Diese ökonomischen Gegensätze und Konflikte werden zukünftig direkt militärisch zwischen den Zentren des Kapitals ausgetragen werden, vor allem in Asien gegen China.

      (Man schaue sich nur den militärischen Ausbau in AFG, in Bagram und die tatsächlichen militärischen Fähigkeiten Chinas und die militärischen Opitionen samt des Zeitfensters gegen Rußland an, dessen Städte Petersburg und Moskau heute schon militärische Grenzstädte der NATO sind)

      Es lässt sich auf eine Kurzformel bringen: Inflation, Deflation, extreme Militarsierung und konventionell geführte Weltkriege gegen die Produktionskapazitäten der innerkapitalisistschen Konkurrenz. Politisch wird die hier herrschende Klasse keinen Versuch unterlassen, dass europäische Hinterland politisch auf diese Opitionen einzuschwören. Diese werden noch sichtbarer mit einer kompletten Militarisierung auch in Deutschland einhergehen, so wie diese heute schon in den anderen Ländern Europas zu beobachten ist.

      Eine “linke” Option in Europa, vor allem in Deutschland, wird es nicht geben, weil die Vertreter der parteipolitischen “Linken” einerseits keine Kommunisten oder Sozialisten mit sozialistischen Forderungen sind, und andererseits das politische Bewußtsein, durch die antikommunistische Dauerpropaganda seit 60 Jahren in Westeuropa, bei der Mehrheit der Proleten kein proletarisches, kein klassenbewußtes, kein sozialistisches ist.

      Dieses Bewußtsein wird während der folgenden ökonomischen und politischen Verwerfungen in Deutschland durch die politischen Eliten zu Ihrem eigenen Machterhalt und zu ihrem Machtausbau extrem nationalistisch und sozialdarwinistisch medial geprägt werden.

      PS: Die sozialistischen Staaten von Europa und eine gesamtsozialistische demokratische Weltproduktion nach Bedarf wäre die einzig langfristige Opition, die der friedlichen Entwicklung der Menschheit bleibt, welche den Menschen in den Metropolen der ersten Welt aber erst wieder bewußt werden wird, wenn es auch in Metropolen Millionen Tote gegeben hat, und diese Verwerfungen unserer heutigen kapitalitischen Produktionsweise und deren politische Handlungen hier täglich ohne Tittytainment sichtbar werden.

    19. Horscht schrieb am 10. April 2009 at 08:07 - Permalink

      > Die Politik und die Notenbanken werden über kurz oder lang alle Schleusen öffnen und die Krise mit frischem Geld überwinden.

      Das kann gut sein, kann auch gut sein, dass damit die Krise erst zur Dauerkrise verfestigt wird. Ich bin hier aber optimistisch, die “Ölkrise” bspw. war auch eher eine Eintagsfliege.

      Der EURO jedenfalls skaliert sehr schlecht, gehen einzelne Staaten pleite, und es sieht danach aus, dann wird es eine EntEUROisierung oder einen Dauerkrisen-EURO geben. Dürfte zumindest nicht einfach sein bspw. den Bundesdeutschen zu erklären, dass diese “ab jetzt” jahrzehntelang Zahlmeister (gemeint: richtiger Zahlmeister, mit allem drum und dran, also weit über die bsiherige Zahlmeisterrolle hinausgehend, LOL) der EU werden sollen.
      Kann gut sein, dass alle Staaten ausser denjenigen der EURO-Zone die Krise vglw. schnell überwinden werden. Sind ja auch nicht alle direkt involviert, die Bankenkrise ist ja eher ein lokales (US + ins amer. Hypothekengeschäft involvierte europ. Banken) Phänomen.

      Wird aber zu keiner Radikalisierung kommen, auch wenn hier einige sowas meinen: “Die sozialistischen Staaten von Europa und eine gesamtsozialistische demokratische Weltproduktion nach Bedarf wäre die einzig langfristige Opition, die der friedlichen Entwicklung der Menschheit bleibt…” LOL

    20. Horscht schrieb am 10. April 2009 at 08:31 - Permalink

      @SF:
      Schönes Wochenende noch, lass mal wieder die Sau raus. (Bzw. “Frohe Ostern!”)
      Danke auch für Deine ganz bemerkenswerten Beiträge hier!

    21. Matschge schrieb am 10. April 2009 at 09:04 - Permalink

      Im Gegensatz zu meinen Vorschreibern will ich die Aufmerksamkeit auf ein anderes Thema lenken, da die MSM erwartungsgemäss die grandiose Leistung der Wahrheitsbewegung konseqeuent igoriert haben.

      Study claims ‘highly engineered explosive’ found in WTC rubble
      http://rawstory.com/news/2008/Scientists_find_active_superthermite_in_WTC_0404.html

      Komplette Studies als PDF
      http://www.bentham-open.org/pages/content.php?TOCPJ/2009/00000002/00000001/7TOCPJ.SGM

      Man bemerke: Scientific, peer-reviewed journal! Dennoch wird wohl auch diesmal schnell der Ruf nach Spinnern, Verschwörungstheorie etc. erschallen. Wünsch euch dennoch frohe Ostern und immer schön kritisch bleiben ;)

    22. Matschge schrieb am 10. April 2009 at 09:05 - Permalink

      Wenn wir schon dabei sind:

      http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/fernsehen/Osama-bin-Laden-freigesprochen/story/16959775

    23. aquadraht schrieb am 10. April 2009 at 09:08 - Permalink

      @16: (kalauer)Du weisst, dass Prognosen immer riskant sind, vor allem, wenn es um die Zukunft geht (/kalauer). Was den Euro angeht, bin ich mir nicht sicher, ob er die gegenwärtige Krisenphase übersteht. Solange die Konjunktur lief, waren die Widersprüche zu tolerieren. Wenn jetzt eines der Defizitländer massiv einbricht, stellt sich die Frage, wie sich der Euroraum dazu stellt. Abwerten können die nicht, die üblichen neoliberalen Terrorakte für schwache Länder wie alle Sozialleistungen streichen sind ausgereizt und waren schon immer kontraproduktiv. Meine Prognose ist, dass die Eurozone an den Rändern bröckelt (“kaputte” Länder führen wieder eine eigene Währung ein, die sie massiv abwerten). Der daraus entstehende Aufwertungsdruck gegen den Euro erhöht dann die Sprengwirkung im Restsystem.

      Deine Einschätzung, die BRD sei irrelevant, kann ich nicht teilen, und das nicht aus Nationalismus. Die BRD ist der wichtigste und in vieler Hinsicht dominiende Staat in dem EU-Wirtschaftsblock, der selbst die USA an Wirtschaftskraft deutlich übertrifft. China hat erst 2008 die BRD an nominalem BIP übertroffen, das chinesische BIP wird, wenn sich die Entwicklungen wie Schrumpfen oder relative Stagnation in den alten Industrieländern und robustes Wachstum in China fortsetzen, in 5-7 Jahren das doppelte des BIP der BRD betragen und in der Tat könnte China in 10-20 Jahren die grösste Wirtschaftsmacht der Welt sein. Aber China hat fast 18mal soviel Bevölkerung wie Deutschland. Selbst wenn man die etwas anderen Zahlen in PPP-BIP nimmt, wo China heute schon gut 2,5mal so viel BIP hat wie die BRD, muss die chinesische Wirtschaft noch mindestens um den Faktor 3-5 wachsen, um den Menschen in ihrer Mehrheit einen mindestens bescheidenen “westlichen” Lebensstandard zu bieten. Das zu realisieren unter den Bedingungen weltweit knapper Ressourcen, des Klimawandels, der China ziemlich stark trifft usw., ist nicht trivial. Für China steht dabei Zusammenarbeit mit allen Ländern auf der Tagesordnung, und Deutschland wird sehr wohl ernst genommen.

      Wichtiger als alle Vergleiche und Muskelspiele ist, ob ein Land auf dem richtigen Weg ist. Das sehe ich bei einer deutschen Wirtschaftspolitik, die um alles in der Welt die “Exportweltmeisterschaft” und damit eine moderne Form des “beggar thy neighbour” (und die arbeitenden Klassen des eigenen Volkes gleich mit) verteidigt, für die schädlichste und kontraproduktivste, die in der gegenwärtigen Situation denkbar ist. Die Ungleichgewichte des Welthandels sind neben den Eskapaden des Kreditsystems eine der Kernursachen der internationalen Krise.

      China hat die Konsequenzen gezogen, und während es bezüglich des Exports eher defensiv agiert (kein Land kann Hals über Kopf seine Exportwirtschaft opfern), unternimmt es eine aggressive Expansion auf dem Binnenmarkt: Die Ärmsten erhalten Geldgeschenke und Konsumgutscheine, die Renten und die Lehrergehälter werden kräftig erhöht, der öffentliche Dienst ausgeweitet. Die Infrastruktur wird massiv ausgebaut, Wohnungsbauprogramme für Geringverdiener sollen die geplatzte Immobilienblase auffangen, die Krankenversicherung wird drastisch ausgeweitet, so dass binnen 3 Jahren ca. 92% der Bevölkerung dadurch erfasst sind (Aufwand: über 70Mrd.?).

      Während so ein Programm mit Vorrang für die Binnenwirtschaft und ihre Wachstumspotenziale (das seit Jahren diskutiert und für gut befunden worden war) entschlossen umgesetzt wird, gibt es Bestrebungen, den RMB kontrolliert als Reservewährung einzuführen. Erste Swapabkommen gab es mit Russland und Argentinien und weniger geräuschvoll mit allen Ländern Südostasiens sowie mit Nordkorea, nun wird auf der Ebene von ausgewählten Städten und Regionen wie Shanghai, Shenzhen, Guanzhou und anderen die Handelsabwicklung direkt in RMB erprobt. Faktisch bedeutet das den – wie immer vorsichtigen – Einstieg in den Ausstieg der Chinesen aus dem vom US-Dollar dominierten Welthandels- und -währungssystem.

      Übrigens sind auch die USA ökonomisch nicht völlig auf dem Holzweg. Nur sind da die Probleme in der Tat gigantisch. Je mehr jetzt die Realwirtschaft wegbricht, desto fragwürdiger werden die einseitig auf den Finanzsektor zugeschnittenen Stützungsprogramme. Im Unterschied zu den Chinesen und den in dieser Hinsicht abgesehen von den Autos erkenntnisresistenten Deutschen können die USA nicht einfach den Konsum ankurbeln. Aber die Forderung, das nächste Jahrzehnt Gras zu fressen und die Schulden zu bezahlen, ist zwar ein Change, aber wohl nicht der, den sich die Menschen in den USA vorgestellt haben. Und eine Lösung ist das auch nicht.

      Kurz zusammengefasst: Weltwirtschaftlich sieht es Scheisse aus. China hat noch die besten Aussichten, mit einem blauen Auge, aber sonst gestärkt aus der Chose herauszukommen. Bei den USA weiss ich nicht, da sieht es mau aus. Die BRD ist derzeit der Hauptstörenfried und Troublemaker der Weltwirtschaft. Vielleicht sollte man sie zum Schurkenstaat erklären ..

    24. Der Schachspieler schrieb am 10. April 2009 at 09:28 - Permalink

      @Matschge

      wenn ihr Truther wenigstens eure Energie auf die richtigen Probleme lenken würdet….

    25. Spiegelfechter schrieb am 10. April 2009 at 10:01 - Permalink

      @1 ppp

      Während einer Stagnation (mit Massenarbeitslosigkeit) aber bewusst eine hohe Inflation zu erzeugen, ist hochgradig riskant und es ist kaum zu glauben, dass sich dieser Kurs lange durchhalten lässt, ohne dass die Massen dagegen rebellieren.

      Ich glaube auch nicht, dass dies wirklich ein “freiwilliger” Kurs sein könnte. Vielleicht wird dies aber eine zwangsläufige Entwicklung sein, gegen die die Politik nichts unternehmen kann, da sie nicht gewillt ist, dies in letzter Konsequenz auch zu tun.

      Man müsste eher das gesamte Finanzsystem verstaatlichen, Schuldner und Schulden zusammenbringen, die Schulden streichen. Das ganze überblähte Finanzkasino wird damit gleichsam geschlossen.

      Das ist ein vernünftiger Ansatz, da die Schuldner und Gläubiger meist ein und dieselben sind – die Banken. Wenn da nicht die nationalen Fragen wären – “deutsche” Banken sollen “amerikanischen” Banken die Schulden erlassen und vice versa? Schwer vorstellbar.

    26. Spiegelfechter schrieb am 10. April 2009 at 10:17 - Permalink

      @5 gehardq

      Ich teile Deine Ansichten und Vorschläge in allen Punkten nur hast Du mE eine Sache vergessen. Ich möchte das mal mit einem Bildnis darstellen:

      Das Haus, in dem wir wohnen, brennt momentan lichterloh und die Feuerwehr pumpt Löschwasser aus allen Rohren. OK – das Merkelauto mag nicht so richtig mitlöschen, aber dafür löschen Brandmeister Obama und sein Kollege aus China besonders fleißig. Während das Haus brennt, kann man sich zwar bereits Gedanken über künftige Brandschutzmechanismen machen und darüber nachdenken, ob das Löschwasser nicht geschützt werden sollte, da wir in einer Dürreregion leben. Während des Brandes sollte aber niemand auf die Idee kommen, jetzt Wasser zu sparen.

      OK – bis hierhin sind wir mE d´accord. Nun kommt aber ein zweites Problem hinzu. Die Mengen an Löschwasser sammeln sich bereits im Fundament und können von dort nicht abfließen. Alle wissen, dass es höchste Priorität haben muss, das Wasser sofort massiv abzuführen, wenn der Brand erst einmal unter Kontrolle ist. Ansonsten wird der Druck des Wassers das Fundament unseres Hauses zerstören und das Haus wird nicht vom Feuer sondern vom Löschwasser zerstört.

      Das ist mein Punkt – was tun mit dem Löschwasser? Wir müssten wohl – um beim Bildnis zu bleiben – das Fundament aufbohren und einen Drainage-Kanal bauen, der das Wasser am besten dort hinführt, wo es so versickern kann, dass es den Grundwasserspiegel am Löschbrunnen sichert. Nur wollen weder Feuerwehr/Politik (das können sie schlichtweg nicht), noch die Hausbesitzer/das Kapital (denen ist dieser Kanal zu teuer) hier etwas unternehmen. Wir (die Hausbewohner) stehen nun am Rande des Feuers und sehen keine Perspektive. Wenn nicht das Feuer, dann wird das Wasser das Haus, in dem wir leben, zerstören.

    27. Horscht schrieb am 10. April 2009 at 10:23 - Permalink

      Schuldner und Gläubige sind meist “ein und dieselben”, holla.
      “Vernünftige Ansätze” wie das “Schliessen des Finanzkasinos” sind zudem nur in einem international verwalteten lückenlosen Apparat denkbar, ich weise gerne darauf hin, dass damit auch die Kompetivität hopp geht, d.h. verschiedene Gesellschaftsmodelle würden nicht mehr miteinander konkurrieren, was Stagnation bedeuten könnte.
      Ihr habt Ideen…

    28. Lago schrieb am 10. April 2009 at 10:24 - Permalink

      Noch nicht im Urlaub, Jens?

      ppps Vision wäre nur dann vorstellbar, wenn die gesamte Weltfinanz verstaatlicht würde. Und selbst dann bestünde ja immer noch ein gewisses Ungleichgewicht …

      Von den größten Volkswirtschaften haben die USA “nominell” die schlechteste Ausgangsposition, Japan und Deutschland eine bessere, China die beste. Die USA machen im Moment ziemlich viel richtig, aber ob das was nützt? Japan wird gerade von der eigenen Bevölkerung final kaputtgespart und in Deutschland, na reden wir besser nicht darüber. Aber ohne eine “Erholung” entweder der asiatischen oder der “westlichen” Ökonomien wird es auch für China eng, im Moment haben sie mit staatlichen Mitteln die eigene Wirtschaft stabilisiert, das wird aber mittelfristig nicht reichen.

      Unabhängig davon, welche Region sich zuerst erholt, wird das kaum zu “Gewinnern” führen. Lediglich die (gesellschaftlichen) Verluste der “Nachzügler” werden noch gravierender sein.

      So, und nun fröhliche Kreuzigung …

    29. Spiegelfechter schrieb am 10. April 2009 at 10:29 - Permalink

      @7 Stephan

      waehrend bei uns ein dutzend Maenner darüber entscheidet, was mit 480 Mrd. ? geschieht)

      Und der mächtigste dieser Männer hat den Namen Asmussen – es ist wahrlich ein Graus.

      Wenn die Gelddruckerei der FED nicht funktioniert (und ich hoffe wirklich auf Inflation), dann hat B.B. noch eine Moeglichkeit: WAEHRUNGSMANIPUlATION, wenn man es boese ausdrücken moechte, Waehrungskrieg. lasst uns alle hoffen, dass es dazu nicht kommt, denn dann schnappt die Deflationsfalle endgültig zu. das waere 30?ies reloaded.

      Ich sehe darin eher eine Reihenfolge -> erst Deflation und Währungsabwertung und dann (Währungsabwertung kann ja nur relativ sein und nie absolut) kommt auch die Inflation. Ob sie kontrollierbar sein wird – ich bezweifele das.

    30. Spiegelfechter schrieb am 10. April 2009 at 10:39 - Permalink

      @Bö

      Volle Zustimmung in allen Punkten

      Weder – ich mach es mal plakativ – weder marktwirtschaftliche Konzepte, noch linksutopische respektive sozialistische Ideen helfen hier weiter. Jetzt rächt sich, dass aus ideologischen Gründen aller Lager, kein kozept oder funktionsfähiges Zukunftsmodell entworfen wurde. Und das ist sowohl Wirtschaftswissenschaftlern, als auch Philosophen vorzuwerfen.

      Richtig – nur scheint es ein System zu geben, das sehr gut gerüstet erscheint: das chinesische. OK, sie werden ihre Ersparnisse verlieren, aber wenn sie die Krise nutzen, um die Binnenwirtschaft zu stärken, stehen sie nicht einmal so schlecht dar. Das ist schön für die Chinesen, aber natürlich ein Problem – wer will ein chinesisches System für die ganze Welt? Ich nicht. Wahrscheinlich ist ein solches System aber auch nur in einem kräftig wachsenden Entwicklungsland möglich.

    31. gerhardq schrieb am 10. April 2009 at 10:41 - Permalink

      @25: Um beim Vergleich zu bleiben, das Löschwasser wird virtuell erzeugt ( Banken erzeugen mehr Geld als sie Gegenwert haben, ich glaube normale Banken liegen bei 2% Eigenkapital, die Notenbanken haben naturgemäß keine Grenzen).

      Demzufolge muß das Löschwasser auch virtuell wieder aus dem System gezogen werden. Leider ist Geld nicht anzusehen, ob es aus einer virtuellen oder aus einer realwirtschaftlichen Quelle stammt. Wenn die Regierungen also ihr erzeugtes Geld wieder abpumpen wollen, kann es sein, daß sie die Realwirtschaft massiv schädigen.
      Eine, meiner Meinung nach halbwegs sichere, Methode wäre es, die Gewinnsteuern entsprechend der wirtschaftlichen Situation anzupassen, also im Zeichen der aktuellen Krise mit ständig steigenden Geldmengen ließen sich die virtuellen Gelder durch drastische Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf Einkommen ( bei gleichzeitiger Streckung der Kurve, so daß der Durchschnittsverdiener und etwas besser verdienende nicht viel schlechter gestellt wären als heute! ) und eine ebenfalls drastische Erhöhung der Quellensteuer auf Kapitalerträge. Wenn diese beispielsweise bei 85% der Gewinne liegen würde, würde das virtuelle Geld effektiver abgeschöpft als die realwirtschaftlichen Gelder.

      Meiner Überzeugung nach sollten alle Einkommen nach dem Zuflußprinzip zusammengerechnet werden und darauf die Einkommenssteuer nach Abzug der notwendigen Kosten berechnet werden. Zur Zeit können sich die reichen Spekulanten nämlich wunderbar aus der Gemeinschaft abkoppeln, der normale Arbeitnehmer zahlt 35-43% Steuern auf Einkommen, während der Spekulant 25% Steuer auf Kapitalerträge zahlt. Mit der Körperschaftssteuer verhält es sich ähnlich. Der spekulative Idealfall ist eine GmbH, die mit Unternehmensanteilen handelt und nur Kapitalerträge erzielt. Unser neuer Bundeswirtschaftsminister leitete so ein Unternehmen (mit 3 Mitarbeitern), wo er seine umfassenden betriebswirtschaftlichen Kenntnisse erwarb.

      Mein Traum wäre allerdings eine Alternativwährung :-). Damit ließe sich die staatlichen Verzerrungen am besten ausbooten und die Kapitalkummulationen aushebeln. Wenn die Armen doch nur begreifen würden, daß das eine Möglichkeit wäre, dem Hartz IV-Terror ein bißchen zu entgehen, könnten so schöne Inseln des Wohlstandes entstehen. Ich bin zwar heute schon Mitglied eines Tauschringes, nutze diesen aber selten. Vielleicht sollte ich mich wirklich mehr engagieren.

    32. Spiegelfechter schrieb am 10. April 2009 at 10:42 - Permalink

      @12 Heiko

      Wie war das gleich mit Selbstregulierung: Der Bauer der darauf vertraut das die Schweine ihren Saustall selber ausmisten?

      *g*

      Sehr schön, das werde ich mal in einem Artikel aufnehmen ;-)

    33. Spiegelfechter schrieb am 10. April 2009 at 10:46 - Permalink

      @Neu hier

      Christopher Flowers, einer der Großaktionäre…

      Über den Knaben habe ich gerade einen Artikel geschrieben, der (wg. Printausgabe des Freitags) am Mittwoch kommt ;-)

    34. Spiegelfechter schrieb am 10. April 2009 at 10:51 - Permalink

      @30 gerhardq

      Demzufolge muß das Löschwasser auch virtuell wieder aus dem System gezogen werden. Leider ist Geld nicht anzusehen, ob es aus einer virtuellen oder aus einer realwirtschaftlichen Quelle stammt.

      Die Notenbanken haben aber Informationen über die Geldmenge M3. Die können sie als Maßstab nehmen – es ist letztlich egal, welches Geld sie herausnehmen, da aus “virtuellem” Geld auch schnell “reales” werden kann.

      Wenn die Regierungen also ihr erzeugtes Geld wieder abpumpen wollen, kann es sein, daß sie die Realwirtschaft massiv schädigen.

      Das kann nicht nur so sein – das ist so ;-)

      Eine, meiner Meinung nach halbwegs sichere, Methode wäre es, die Gewinnsteuern entsprechend der wirtschaftlichen Situation anzupassen, also im Zeichen der aktuellen Krise mit ständig steigenden Geldmengen ließen sich die virtuellen Gelder durch drastische Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf Einkommen ( bei gleichzeitiger Streckung der Kurve, so daß der Durchschnittsverdiener und etwas besser verdienende nicht viel schlechter gestellt wären als heute! ) und eine ebenfalls drastische Erhöhung der Quellensteuer auf Kapitalerträge. Wenn diese beispielsweise bei 85% der Gewinne liegen würde, würde das virtuelle Geld effektiver abgeschöpft als die realwirtschaftlichen Gelder.

      Als eines unter vielen Instrumenten wird dies so kommen müssen – ja.

      Mein Traum wäre allerdings eine Alternativwährung :-). Damit ließe sich die staatlichen Verzerrungen am besten ausbooten und die Kapitalkummulationen aushebeln. Wenn die Armen doch nur begreifen würden, daß das eine Möglichkeit wäre, dem Hartz IV-Terror ein bißchen zu entgehen, könnten so schöne Inseln des Wohlstandes entstehen. Ich bin zwar heute schon Mitglied eines Tauschringes, nutze diesen aber selten. Vielleicht sollte ich mich wirklich mehr engagieren.

      Davon halt ich gar nichts – solange diese Alternativwährung nicht weltweit akzeptiert wird (also frei handelbar ist), taugt sie nicht als Ersatz. Woher soll der Bäcker sein Mehl, der Müller seine Maschinen, der Maschinenbauer die Rohstoffe bekommen?

    35. Spiegelfechter schrieb am 10. April 2009 at 11:01 - Permalink

      @firefly

      wenn die Hälfte der frei handelbaren Währung abwerten, muss(!) der Euro auch abwerten, da “uns” sonst die Hälfte des Weltmarktes für unsere schönen Exporte wegbricht. Die angloamerikanische und die kontinentaleuropäische Wirtschaft sind hier nicht zu vergleichen – “wir” sind keine Konsumenten, “wir” sind Produzenten. Als Konsumenten könnten wir uns über eine Abwertung einiger Währung ggüber dem Euro freuen, da dadurch vieles billiger würde. Als Produzent ist dies eine kleine Katastrophe.

      Sollte der Dollar wirklich ggüber dem Euro derart verlieren, wie Du es prognostiziert, wird die Unabhängigkeit und die Inflationsfokussierung der EZB auf eine harte Probe gestellt.

    36. Spiegelfechter schrieb am 10. April 2009 at 11:05 - Permalink

      @Horscht und alle anderen

      Schönes Wochenende noch, lass mal wieder die Sau raus. (Bzw. ?Frohe Ostern!?)

      Das mache ich ;-)

      Als alten Katholiken werden mir am Sonntag mal wieder alle Sünden vergeben – da kann ich heute und morgen sündigen, was das Zeug hält *rofl*

    37. SZenso schrieb am 10. April 2009 at 13:00 - Permalink

      Ich habe viel darüber nachgedacht und diskutiert, ob die Krise eine Systemfrage für das kapitalistische System darstellt. Mein Meinung darüber ist, es ist eine Systemfrage des Wirtschaftens und nicht speziell des Kapitalismus. Jedes auf Tauschmittel basierendes Wirtschaften enthält die Gefahr der Akkumulation des Tauschmittels und wichtiger Güter in den Händen weniger. Diese Anhäufung geht mit dem Wachstum von Macht und Einfluss für diese Gruppe einher, die diesen entsprechend Nutzt, um in noch mehr Besitz der Tauschmittel und Güter zu gelangen.
      Leider gehören nicht die leistungsfähigsten, intelligentesten oder moralischsten dieser raffenden Elite an, sondern diejenigen, die sich am besten dem System anpassen dessen Regeln nutzen. Bisher kenne ich kein wirtschaftspolitisches Modell, in dem dieser Effekt nicht der Fall wäre.
      Die Demokratie enthält im Grunde zahlreiche Kontrollmechanismen, die einem solchen Effekt entgegenwirken soll. Leider haben diese kläglich versagt. Die Politiker haben sich und den Staat entmachten lassen, die Medien sind zu propagierende Hofberichterstatter degradiert, die Wissenschaft hat ihre gesamte Inkompetenz in die Waagschale geworfen und unsere kulturellen und geistigen Eliten haben in den Pausen während des rauschenden Festgelages ein- oder zweimal energisch mit den Zahnstochern gefuchtelt.

      Die aktuelle Krise ist – wie vielmals zuvor in der Geschichte – dadurch entstanden, dass sich die Privilegierten und Mächtigen sich in einen Rausch gesteigert haben. Sie haben die Risiken und Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel des Kapitalismus schlicht ignorierten. Dieser Exzess ging so weit, dass die von Gier zerfressenen Finanzzombies unter kräftiger Mithilfe von Politik, Medien und Wissenschaft das gesamte Finanzsystem in ein Voodoo-Casino verwandelt haben.

      Ich verstehe von Makroökonomie nicht viel, aber diese Erklärung aus dem Jahre 1999 von Dr. Kurt Richebächer scheint mir das Grundübel der Finanzkrise und das Versagen plausibel zu erklären:

      Bis auf den heutigen Tag ist stets und ständig zu hören und zu lesen, eine “asset bubble”, also eine Inflationsblase in Finanz- oder Sachanlagen, sei sehr schwer zu erkennen, bevor sie platzt. So Greenspan und viele andere in ständiger Wiederholung. Das ist einfach eine faule Entschuldigung für diejenigen, die nicht sehen wollen.
      Theoretische Erkenntnis wie geschichtliche Erfahrung geben in dieser Beziehung eine ebenso einfache wie klare Antwort:
      Entscheidendes Kriterium für eine inflatorische Entwicklung jeglicher Art ist die jeweils stattfindende Kreditexpansion, und zwar Kreditexpansion im Vergleich mit zwei volkswirtschaftlichen Aggregaten: erstens dem inländischen Sparaufkommen und zweitens dem Anstieg des nominalen Sozialprodukts, das die gesamtwirtschaftliche Aktivität misst. Noch in den achtziger Jahren gehörte diese Einsicht zu den Binsenweisheiten in der Nationalökonomie.

      http://www.goldseiten.de/content/kolumnen/artikel.php?storyid=147

      Ich sehe in Deutschland und Europa keine Rettungsmaßnahmen, sondern einen stümperhaften Versuch, das kaputte System aufzupäppeln. Mit Abstrichen gilt das meiner Meinung nach auch für Amerika. Für mich hat die Feuerwehr den Großbrand noch immer ignoriert und erst mal mit dem Blumen gießen angefangen, dann das neue Auto gewaschen und fängt jetzt an, die Hundehütte zu löschen. Die Krise bestimmt das Geschehen und die Dynamik. Daher sehe ich – trotz anderer Strategie als damals – das gleiche Drehbuch wie Anno 1929 auf uns zukommen.

      Was wäre die Alternative? Die gesamte Politikerrige, die einzig nur versagt hat, abwählen. Danach rigoros alle systemrelevanten Banken verstaatlichen, die verantwortlichen Manager entlassen und vor Gericht bringen. Die Banken von den toxischen Papieren trennen und in eine Bad Bank überführen, deren Last die privaten Banken primär zu tragen hätten. Die nicht überlebensfähigen Banken ohne Zögern in den kontrollierten Konkurs gehen lassen. Nach dieser Rosskur hätten wird wieder ein vetrauenswürdiges Finanzsystem – das ist in Krisenzeiten der beste Wettbewerbsvorteil, der denkbar ist !!!!!

      Ich persönlich nehme die große Depression schon einmal vorweg

      Danke für diesen tollen und offenen Blog!

      Frohe Ostern!

    38. firefly schrieb am 10. April 2009 at 13:26 - Permalink

      @ aquadraht und Spiegelfechter

      Mir sind die Spannungen in der Eurozone durchaus bewusst. Dennoch glaube ich nicht, dass dieser Währungsblock zerbricht. Auszuscheren und die neue wieder eingeführte Währung abzuwerten hat für die Defizitländer die gleichen Nachteile wie für die Länder, die nie in der Eurozone waren. Mit der Abwertung wird Vertrauen zerstört und damit versiegen die Kapitalströme. Das kann sich aber keiner leisten.

      Die Überschussländer brauchen die Defizitländer und umgekehrt. Diese gegenseitige Abhängigkeit wird die Eurozone zusammenhalten. Ich würde eher meinen, dass die anstehenden Währungskrisen dazu führen werden, dass die Neigung zunimmt, grosse Währungsblöcke zu bilden.

    39. Quotex schrieb am 10. April 2009 at 13:45 - Permalink

      “2010 springt die Konjunktur wieder an”

      Der Steinbrück hat es gesagt,der Ackermann auch und noch ein paar andere Wahrsager aka Ökonomen,aber hat schon mal jemand von denen gehört warum das so sein soll?
      Der Exportwaldmeister Deutschland hat wahrscheinlich nicht sehr viel Einfluss auf den Konsum der Importländer unter gegebenen Bedingungen,daher wäre das einzige wirksame Mittel den Binnenkonsum durch höhere Löhne zu stärken was auch dazu führen würde das unsere Nachbarländer durch den wegfallenden Druck auf die Löhne diese ebenfalls steigern könnten und wieder in der Lage wären zu importieren.Langfristig muss es aber darum gehen die Ungleichgewichte abzubauen.
      Aber das wird voraussichtlich nicht passieren,diese Herren und Damen glauben nach wie vor an Jing und Jang,alles ist im Gleichgewicht.Wir bräuchten eine Politik weg von der Esoterik hin zum Pragmatismus aber das wird bis 2010 nicht der Fall sein befürchte ich.

    40. otti schrieb am 10. April 2009 at 14:06 - Permalink

      Geschichte wiederholt sich!

      ?In der Umwälzung des vorigen Jahrhunderts wurden die alten Genossenschaften der arbeitenden Klassen zerstört, keine neuen Einrichtungen traten zum Ersatz ein, das öffentliche und staatliche Leben entkleidete sich zudem mehr und mehr der christlichen Sitte und Anschauung, und so geschah es, daß die Arbeiter allmählich der Herzlosigkeit reicher Besitzer und der ungezügelten Habgier der Konkurrenz isoliert und schutzlos überantwortet wurden. Ein gieriger Wucher kam hinzu, um das Übel zu vergrößern, und wenn auch die Kirche zum öfteren dem Wucher das Urteil gesprochen, fährt dennoch Habgier und Gewinnsucht fort, denselben unter einer andern Maske auszuüben. Produktion und Handel sind fast zum Monopol von wenigen geworden, und so konnten wenige übermäßig Reiche einer Masse von Besitzlosen ein nahezu sklavisches Joch auflegen.?

      Enzyklika Rerum Novarum, Papst Leo XIII.

      Quelle
      http://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/texte/320.html

    41. uke schrieb am 10. April 2009 at 14:06 - Permalink

      Alles wird passieren und wohl auch in der Reihenfolge wie vom Spiegelfechter angerissen: Deflation und dann Inflation, die bei allen Rohstoffen überdeutlich werden wird. Da hierbei die Ärmsten auf der Strecke bleiben, wird das Ganze von zunehmenden Unwägbarkeiten im globalen Süden begleitet. Was die Eliten im Westen und in Osteuropa mit Mitteln der “normalen” Aufstandsbekämpfung und Überwachung wahrscheinlich bewältigen können, kann in den Megacities vor allem in Afrika und Asien viel schneller außer Kontrolle geraten. Die muslimische Welt wird sich (politisch und gesellschaftlich) noch deutlich stärker vom Westen abschotten. Asymetrische Kriegsführung gegen militante Oppositionsbewegungen (“Terroristen”) wird der Normalfall im Süden. Gehen große westliche Staaten tatsächlich [gemeinsam?] pleite, könnte es auch zu erdrutschartigen Umwälzungen kommen. Zusätzliche Unannehmlichkeiten durch Umweltveränderungen (v.a. ungeschützte Küstenregionen und Trockenzonen in Afrika) werden das Leben auch nicht einfacher machen.

      Diskussionen über politische Regulation der Gier sind derzeit nur auf einem bestimmten technischen Niveau Erfolg versprechend (Tobin Tax, Gewinnbesteuerung, progressive Steuern, neue Entgeltmodelle für’s Management, Kapitalmarrktregulierung, Konjunkturprogramme). Alle wollen scheinbar so weiter machen wie bisher, und deshalb werden die Brandstifter (und die, die ihre Aufsichtspflichten verletzt haben) im Prinzip ungeschoren davon kommen (bzw. wiedergewählt werden). Es hat 30 Jahre gedauert, das neoliberale Modell ein gutes Stück weit durchzusetzen. Und das obwohl es den Interessen maßgeblicher Gruppen weitgehend entsprach… Wie lange wird es wohl dauern, bis das Ruder rumgekurbelt ist und der Kahn mit seinen sieben Milliarden Besatzungsmitgliedern gar seine Fahrtrichtung ändert? Darüber dürfte das 21. Jahrhundert locker vergehen – wenn es überhaupt dazu kommt. Bis auf weiteres ist also das Bohren dicker Bretter angesagt. Ich freu mich drauf. 8-]
      P.S.: Überraschungen sind natürlich nie auszuschließen.

    42. Stephan schrieb am 10. April 2009 at 16:09 - Permalink

      [quote]
      SpiegeIfechter: Ich sehe darin eher eine Reihenfolge -> erst Deflation und Währungsabwertung und dann (Währungsabwertung kann ja nur relativ sein und nie absolut) kommt auch die Inflation. Ob sie kontrollierbar sein wird – ich bezweifele das.[/quote]
      Warum sollte eine Deflation zur Waehrungsabwertung führen? Im Gegenteil: Das Geld wird doch wertvoller. Man sich mit derselben Menge Geld mehr Waren kaufen. Der Außenwert der Waehrung wird somit eher gestützt und die Waehrung wird gegenüber anderen Waehrungen steigen. Und genau das ist das Horrorrszenario. Der Dollar bleibt stark. In den USA verbilligen sich die Importe, waehrend die Exporte weiter zurückgehen. Und so würde man nie das überbordende Handelsdefizit eindaemmen. Deshalb sag ich ja, dass ich auf eine gewisse Inflation hoffe. Ganz abgesehen davon, dass die Haushalte in den USA so verschuldet sind, dass es ihnen ganz gut taete, wenn ihre realen Schulden zurückgingen. Die Kontrollierbarkeit der Inflation ist sicherlich ein Problem, aber imo immer noch besser als ein Jahrzehnt im deflationaeren Umfeld dahinzuvegetieren.
      Ansonsten mach das Mal mit der Westlb, das ist da genauso abgelaufen wie bei der HSH. Die Geschichte hat echt Potential.

    43. Ashitaka schrieb am 10. April 2009 at 17:28 - Permalink

      Aritkel wie dieser sorgen für eine unendliche Verwirrung in Köpfen der Interessierten. Einmal den Kapitalismus als Farce enttarnt weiß der kluge Kopf weshalb wir nur durch eine Entwertung Aller (Währungsreform, Staatsbankrott) aus der jetzigen Epoche der Menschheit entfliehen können. Nur wird der kluge Kopf all zu sehr zugedröhnt durch die noch bestehenden Verwirrung Anderer Mitmenschen und den nur langsam zerfallenden Paradigmen unserer Zeit:

      Bei den Mitmenschen die eine Inflation erwarten muss zuallererst einmal erklärt werden wie sich Geldmengenausweitung z.B. der EZB verläuft. Den meisten Menschen fehlt das Verständnis von Geld, weshalb sie es schnell als wertbestimmendes Gut betrachten und somit unweigerlich daran glauben das man die Geldmenge beliebig erweitern kann, Schulden ohne weitere gesetzliche Eingriffe weginflationieren kann.

      Halten wir fest: Unser heutiges Geld entstammt immer aus der Hingabe eines Pfand bei den Banken. Dieses Pfand kann eine Beleihung von Grund, wie auch eine Ertragserwartung durch Planungsrating sein. Im Endeffekt geht es den Banken um eine Absicherung ihrer Forderung. Solange die Nichtbanken ihre Kredite bedienen bleibt Ihnen ihr Eigentum erhalten. Die Nichtbanken stehen auf der Weiche namens Kapitalismus, d.h.:

      a) Eigene Schuldbefreiungen durch Gewinn
      b) Eigene Schuldauferlegungen durch Verlust

      auf der Ebene eines jeden Wirtschaftssubjektes.

      zu a) Wenn ich mehr Umsatz erziele (Schulden Anderen auferlege) als ich Aufwand erzeuge (Schulden begehe), so errechnet sich eine Schuldbefreiung (Gewinn) als Saldo. d.h. Weitergereichte Schuld > Begangene Schuld

      zu b) Wenn ich weniger Umsatz erziele (Schulden Anderen auferlege) als ich Aufwand erzeuge (Schulden begehe), so errechnet sich eine Schuldauferlegung (Verlust) als Saldo. d.h. Weitergereichte Schuld zu hohe Preise gegenüber dem Endverbraucher verbunden. Die thesaurierenden Sparschweine und Anlageformen am Finanzmarkt halten die Gelder dem Flusskreislauf der Realwirtschaft fern und erzwingen somit durch die zeitliche Wirkung eine gesamtgesellschaftliche Neuverschuldung der Realmärkte (Privathaushalte inbegriffen).

      Die ewige Rationalisierung des Faktors Arbeit hebelt diese Geldungleichgewichte systematisch bedingt. Die Arbeitskraft kann dieses Ungleichgewicht nur bedingt durch Kreditnachfrage ausgleichen. Sie reizt die Kreditnachfrage ohnehin bis zum Limit aus. (Siehe Kreditkartengeschäft, US-Immobilienmarkt etc.)

      Die Arbeitskraft müsste schon selber die Grundlage für Ertragserzielung legen, indem sie sich Selbständig am Wirtschaften beteiligt, Eine Utopie, welche ebenfalls irgendwann an ihre Grenzen stößt.

      Wie weit können wir dieses Spiel ausdehen?

      Solange wie Heinsohn, Paul C. Martin und viele der eigentlichen Richtung Gleichdenkende schon geäußert haben: Solange wie sich jemand gegen Eigentum oder den zukünftlichen Ertragsaussichten verschulden kann oder Neuschuldner (auch geopolitisch, kriegerisch) gefunden werden.

      Es hat sich nichts, absolut nichts an dem Verlauf und der Abwicklung des bestehenden Geldsystems geändert, weshalb es deflationiert bis der Hammer kommt und das Fass zum fluten aufgeschlagen wird.

      Herzlichst,

      Ashitaka

    44. Realist schrieb am 10. April 2009 at 21:15 - Permalink

      12) Heiko, 18) name, 41) uke und 43) Ashitaka kommen bei dieser Diskussion der Sache wohl am nächsten in Angelegenheit “Prognose” mit ihren Ansichten!
      Krisen im Kapitalismus kamen und gingen. Das ist mit der derzeitigen Krise nicht anders.
      Alle anderen Beiträge hier sind doch eigentlich nur dummes Geschwätz? Bla, Bla, Bla…
      Ideologisch Gefangene des Systems. Die haben Illusionen statt Visionen.

    45. Peinhard schrieb am 11. April 2009 at 09:35 - Permalink

      @ 11 Bö

      “Weder – ich mach es mal plakativ – weder marktwirtschaftliche Konzepte, noch linksutopische respektive sozialistische Ideen helfen hier weiter. Jetzt rächt sich, dass aus ideologischen Gründen aller Lager, kein kozept oder funktionsfähiges Zukunftsmodell entworfen wurde. Und das ist sowohl Wirtschaftswissenschaftlern, als auch Philosophen vorzuwerfen.”

      Ein wohlfeiler Vorwurf… welche Konzepte und Zukunftsmodelle kennst du denn…? Vielleicht gibt es ja sogar welche – und ihr mangelnder Einfluss ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass Leute wie du sich nicht einmal die Mühe machen, sie zur Kenntnis zu nehmen? Geschweige denn, sich eigene oder ergänzende Gedanken dazu zu machen…? Vielleicht ist es dummerweise auch einfach so, dass die grundlegenden Gedanken hinter den Sozialismus- und Kommunismus-Ideen immer noch prinzipiell richtig sind, aber trotzdem darauf gewartet wird, dass das Rad neu erfunden wird? Weil zB die allgegenwärtige Propaganda, ‘Sozialismus’ doch sei nur als Staatssozialismus denkbar, so gut verfangen hat? Oder weil Phantasielosigkeit bei gleichzeitiger Reiz- und Informationsüberflutung die Zivilisationskrankheit schlechthin ist? Und jeder Entwurf und jedes Konzept immer schon daran scheitert, dass sich kaum jemand mehr etwas vorstellen mag oder kann? Oder hast du am Ende doch eine Vorstellung davon, was jenseits von ‘Marktwirtschaft’ und ‘linksutopischen’ Ideen gehen könnte und wie…?

      Aber weil die Dinge nun einmal so liegen wie sie gelegt werden – kann ich wohl auch nicht umhin, mich meinem Vorredner anzuschließen…

    46. Troll schrieb am 11. April 2009 at 09:52 - Permalink

      Zur Zeit läuft eine längst überfällige Umverteilung des Wohlstandes von den reichen zu den armen Ländern, auf deren Kosten wir unseren dekadenten Luxus der letzten Jahrzehnten aufgebaut haben.
      die westlichen Währungen, werden sicherlich in den nächsten Jahren an Wert verlieren, während die Währungen der ?Schwellenländer? dementsprechend steigen. So könnte der Westen wieder Marktfähig werden.
      Der nächste Schritt der Globalisierung sollte dann eine Währungsreform sein die Geburt einer Weltwährung.

      Dann wird sich herausstellen, ob wir die vom Spiegelfechter schon einmal zur Diskussion gestellte 80 – 20 Gesellschaft leben dürfen, oder ob wir eine Brasilianisierung der Gesellschaft erleben müssen.

    47. otti schrieb am 11. April 2009 at 10:20 - Permalink

      Great Recession and Great Depression
      http://www.voxeu.org/index.php?q=node/3421

    48. otti schrieb am 11. April 2009 at 10:34 - Permalink

      Nassim Taleb’s
      Ten principles for a Black Swan-proof world
      http://www.ft.com/cms/s/0/5d5aa24e-23a4-11de-996a-00144feabdc0.html

    49. Lago schrieb am 11. April 2009 at 11:39 - Permalink

      Japan hat nunmehr den fiskalischen Ereignishorizont überschritten: Im Staatshaushalt übersteigt die Nettokreditaufnahme die Staatseinahmen aus Steuern. Die Finanzierung der Schulden soll durch eine mittelfristige Erhöhung der Mehrwertsteuer erfolgen, natürlich erst, sobald die Rezession überstanden ist.

    50. Konstantin Schubert schrieb am 11. April 2009 at 13:07 - Permalink

      http://crasscast.de

      Viel mehr ist über Wirschaftskrisen, Euphorie und Panik geschrieben worden, als wir auch mit dem umfassendsten Intellekt zu verfolgen mögen, aber eine Sache ist sicher, dass nämlich zu bestimmten Zeiten viele dumme Menschen eine sehr große Menge dummen Geldes halten [...]

      Zu gewissen Zeiten ist das Kapital dieser Leute [...] besonders groß und anlagebedürftig; es sucht jemanden, der es verschlingt und es entstehen “neue Anlagemöglichkeiten”; es findest diese, es blüht die “Spekulation”; es wird verschlungen und es gibt eine “Panik”

      Walter Bagehot, englischer Finanzjournalist

      http://konnischubert.de

    51. Bö schrieb am 11. April 2009 at 13:16 - Permalink

      @46 Peinhard

      Natürlich kenne ich nicht alle Zukunftsmodelle. Ich bin schließlich kein Wirtschafts- oder Gesellschaftswissenschaftler, sondern nur “interessierter” Bürger. Und wie kommst Du auf das schmale Brett, ich würde mir keine Gedanken darum machen? Diverse Modelle des Bedingungslosen Grundeinkommens halte ich für äußerst interessant, nur leider schwer durchsetzbar (gerade bei nationalen Alleingängen).

      Zu den, Deiner Meinung nach, richtigen Sozialismus- und/oder Kommunismus-Ideen: Ich durfte den Sozialismus einige Jahre am eigenen Leib erfahren. Was richtig an dieser Idee sein soll, ist mir ehrlich gesagt völlig schleierhaft. Von der organisierten Mangelverwaltung möchte ich hier gar nicht sprechen. Das ganze Konzept basierte auf Zwangsbeglückung, bis hin zu Haft und Körperverletzung von Andersdenkenden. Auf Menschen, die das System schlicht nicht wollten (nicht stürzen, nur gehen) wurde geschossen.

      Diese “grundsätzlich richtigen” Ideen, gehören dahin, wo sie sind. Auf den Müllhaufen der Geschichte. Ein System ohne ein Mindestmaß an individueller Freiheit und Verantwortung (wirtschaftlich wie gesellschaftlich) kommt nicht in Frage.

      btw… auf das Argument, das sei alles kein “richtiger” Sozialismus gewesen, werde ich nicht mehr reagieren. Es wurde streng an den marxistisch/leninistischen Lehrsätzen entlanggewurschtelt. Richtiger gehts nicht.

    52. Peinhard schrieb am 11. April 2009 at 13:37 - Permalink

      “btw? auf das Argument, das sei alles kein ?richtiger? Sozialismus gewesen, werde ich nicht mehr reagieren. Es wurde streng an den marxistisch/leninistischen Lehrsätzen entlanggewurschtelt. Richtiger gehts nicht.”

      Wenn du meinst… mir fällt da nur gerade Marx ein, der meinte, er wüsste nur, dass er kein Marxist sei, oder Engels, der den Staatssozialismus als Kinderkrankheit bezeichnete. Was daran ‘richtiger geht’s nicht’ sein soll, das ‘Wertgesetz’ explizit instrumentalisieren zu wollen anstatt es – wie unmißverständlich gefordert – abzuschaffen, war mir wiederum schon immer schleierhaft und wird es auch weiterhin bleiben. Man kann aus dem ‘Marxismus/Leninismus ff’ aber immerhin noch lernen, wie es nicht geht…

    53. name schrieb am 11. April 2009 at 13:55 - Permalink

      Immer wieder schön zu lesen ist die alte Floskel und Lüge von der individuellen Marktfreiheit im real existierenden Monopol- und Oligopolkapitalismus für eine Minderheit von Eigentümer mit der heutigen Besonderheit mit der absoluten Dominanz des Finanzkapitals in allen Bereichen auf alle gesellschaftliche Bereiche.

      Naja, etwas Gutes hat die Verarmung, sie ermöglicht neue Demonstrationsformen, die der Handlung “demonstrieren” endlich real am nächsten kommt, wie sie eben in Thailand geprobt wurde: Es ist schluß mit lustig.

      Ach ja BÖ : du schreibst in und mit deinen Erfahrungen für eine Minderheit der ehemalig dem realen Staatssozialismus Unterworfenen, bei der die Mehrheit heute durchaus versteht, was es trotz aller Mängel dieses System, an diesem System gab und was nicht, und wie dieses zu bewerten ist. Ich halte Dich im übrigen unfähig irgendwas zu bewerten ;)

    54. Bö schrieb am 11. April 2009 at 14:14 - Permalink

      @ 53 name

      Wenn ich Dein Geschreibe richtig deute, schreibst Du mir die Fähigkeit ab, etwas zu bewerten, was ich erlebt habe? Witzig!

      Die Mehrheit, von der Du sprichst, solltest Du dringend mal nachzählen. Nur eine verschwindende Minderheit trauert dieser DDR auch nur eine Träne nach.

      Warum auch? Selbst wenn der Sozialismus die bessere Gesellschaftsordnung sein sollte, war doch die Umsetzung a la DDR völlig verunglückt. Ein Mauer hat es gebraucht, um die eigenen Leute zum Bleiben zu bewegen, eine Spitzelsystem nie gekannten Ausmaßes war nötig, um Ruhe zu halten… Was daran erstrebenswert gewesen sein soll, musst Du mir mal erklären.

    55. Realist schrieb am 11. April 2009 at 15:07 - Permalink

      @ Bö

      Kaum einer wird diese DDR, diesen real existierenden diktatorischen Sowjetsozialismus in dieser Form je wieder haben wollen. Davon hat hier auch keiner gesprochen. Das hat aber nichts mit der Idee eines demokratischen Sozialismus zu tun. Ursprünglich sind viele damals genau dafür auf die Straßen gegangen!
      Deinen ?tiefgründigen? An und Einsichten zu einer sozialistischen Alternative zum Kapitalismus,
      deinem Urteil zur (bewusst) am eigenen Leib erfahrenen DDR, die du als (laut Blog) 1972 Geborener ja anscheinend sehr gut beurteilen kannst (?), zeigen mir eines:
      Dein mangelndes Wissen um Geschichte und die Unfähigkeit zum (Nach)Denken.
      Dem Satz: ??Ich halte Dich im übrigen unfähig irgendwas zu bewerten??
      kann ich mich nur anschließen.

      PS: Ich war auch DDR Bürger. Bin um einiges älter als du. Du warst damals (1989) 17 Jahre.
      Was hast du denn schreckliches am eigenen Leibe erfahren? Berichte doch mal!

    56. Lemmy Caution schrieb am 11. April 2009 at 15:15 - Permalink

      @Bö:
      Die Einstellung der Einwohner der ehemaligen SBZ siehst du imho ein wenig zu positiv.
      Nach jüngsten Umfragen wünschen sich 38% dieser Leute, dass dem Versagersystem des Sozialismus eine neue Chance gegeben werden soll.
      Bei einem weiteren Anstieg dieser Zahlen sind Demokratie und Marktwirtschaft in der Zone demokratisch nicht mehr legitimierbar.
      Wir (der freie Westen) werden selbstverständlich gerne Andersdenkende aufnehmen.
      Die anderen sollen dann aber bitte nicht 40 Jahre später wieder mit völkischen Sprechchören a la “Wir sind das Volk” ankommen.

    57. Peinhard schrieb am 11. April 2009 at 15:31 - Permalink

      “Die anderen sollen dann aber bitte nicht 40 Jahre später wieder mit völkischen Sprechchören a la ?Wir sind das Volk? ankommen.”

      ‘Völkisch’ war wohl eher der andere, springer-konforme (wenn nicht springer-induzierte) Sprechchor mit ‘ein’ statt ‘das’…

      Und zu den Zahlen:

      “Nur noch 53 Prozent der Amerikaner ziehen nach einer aktuellen Umfrage den Kapitalismus dem Sozialismus vor. 27 Prozent sind sich unschlüssig, 20 Prozent ziehen sogar den Sozialismus vor. Während die Älteren noch einigermaßen gefestigt sind, brodelt es bei den Jüngeren. Bei den Unter 30-Jährigen ziehen nur noch 37 Prozent den Kapitalismus vor, 33 Prozent sind für den Sozialismus, 30 Prozent können sich nicht entscheiden.”
      http://www.heise.de/tp/blogs/8/136052

      Im übrigen könnten Titel wie ‘Versagersystem’ momentan auch leicht nach hinten losgehen bzw mehr als nur ein System treffen…

    58. Der Schachspieler schrieb am 11. April 2009 at 16:02 - Permalink

      Solange wir uns nicht den Machtstrukturen bewusst werden und dem gentechnisch bedingten “Machtwillen” und dessen Ausbeutung jeglichen Systems.

      Solange müssen wir uns auch über keine weiteren System unterhalten wollen, weil die einzige Zukunft die ein mögliches “neues” System hat, wird sofort von machtgierigen Opportunisten vereinnahmt.

      egal ob rechts oder links.

      Solange wir nicht die Systeme so auslegen können das sie von unten nach oben Transparenz und Entscheidungsfähigkeit darstellen und zwar auch in der Parxis, solange dürfen wir das Wort Demokratie gar nicht mehr in den Mund nehmen.

      Solange die Spezies mit dem höchsten IQ meint sie hätte den alleinigen Anspruch auf die Philosophie, solange können wir auch die alten Griechen vergessen.

      Kann irgendein linker oder rechter von euch sich überhaupt vorstellen was unten und was oben ist ?

    59. Lemmy Caution schrieb am 11. April 2009 at 16:04 - Permalink

      Danke Peinhard für die Korrektur.
      Ich wollte natürlich “Wir sind ein Volk” sagen.
      53% der Amerikaner sind für die Marktwirtschaft.
      20% der Amerikaner sind für den Sozialismus.
      Resultat: Eine klare bolschevistische Mehrheit für den Sozialismus (har har har).

    60. Peinhard schrieb am 11. April 2009 at 16:11 - Permalink

      @58: Deshalb müsste ein ‘neues System’ vor allem anderen auch Macht ‘systemisch’ begrenzen – imperatives Mandat, Demokratisierung der Wirtschaft etc wären so Stichworte. Vor allem aber auch ein ‘Bewusstsein’, das unter Demokratie eben nicht nur die Legitimation von Herrschaft versteht, sondern es als ein Prinzip zur ‘weitestgehenden’ Abschaffung bzw Minimierung von Herrschaft begreift.

    61. Lemmy Caution schrieb am 11. April 2009 at 16:19 - Permalink

      Otti war heute aber in Hochform!
      Danke!
      Nassim Taleb

      Das sind Vorschläge, die es Wert sind diskutiert zu werden:
      http://www.ft.com/cms/s/0/5d5aa24e-23a4-11de-996a-00144feabdc0.html

    62. name schrieb am 11. April 2009 at 16:52 - Permalink

      Richtig BÖ, ich spreche Dir jede Bewertungsgrundlage trotz deiner vielen angemeldeten “Marken samt Seiten” restlos ab. Du hast weder im Arbeitsleben noch sonst die DDR irgendwie erlebt. Ich bezweifel auch sehr, dass du irgendwie das Klima in einem westlichen Großkonzern, oder in den unerbittlichen Kleinstvarianten je erlebt hast, geschweige denn eine der heutigen justizellen, exekutiven noch legislativen Bereiche von innen kennst.

      Über das angeblich so schreckliche “Spitzelsystem” lacht heute jeder arbeitende Ostdeutsche, und fragt sich eigentlich, bei allen ganz ganz wenigen Fällen, und ich schreibe hier nicht von der Boehme, die maßlos ihre “Erfahrungen” übertreibt und deren Charaktere zu “Krisengewinnlern” sondergleichen mutiert sind, wo wirklich unsagbares und direktes Unrecht an Unschuldigen passiert ist, wo denn die beschworene Unfreiheit und die westliche “Freiheit” ist?

      Diese gibt es nämlich nur im Kauf und Verkauf, sonst nicht und über die politischen Erfahrungen mit der “Weststasi” brauchst du niemanden irgendwelche Illusionen verkaufen zu wollen. Diese ist im Kern direkter, klarer und unerbittlicher, in der staatlichen wie auch in der privatwirtschaftlichen Variante.

    63. Bö schrieb am 11. April 2009 at 17:49 - Permalink

      @ 55 Realist

      Deine arrogante Einstellung anderen gegenüber, die Du nicht kennst und dadurch auch nicht einschätzen kannst, verhindert eine ernsthafte Diskussion mit Dir. Es kann natürlich nicht sein, dass jemand der jünger ist als Du, auch nur ansatzweise eine Diskussion führen kann?

      Ich war 17 zu Wende, richtig. Ich habe aber, scheinbar im Gegensatz zu Dir, ernsthafte Erfahrungen mit dem System gemacht. Diesem System war es herzlich egal, wie alt ich war.

      “Dein mangelndes Wissen um Geschichte und die Unfähigkeit zum (Nach)Denken.
      Dem Satz: ??Ich halte Dich im übrigen unfähig irgendwas zu bewerten??
      kann ich mich nur anschließen.”

      Ich habe mich, augenscheinlich auch im Gegensatz zu Dir, währen und nach meinem Geschichtsstudium, ausführlich mit dem System auseinander gesetzt. Ich habe mich leider von dem Gedanken lösen müssen, dass ein Sozialismus ohne Zwang und Unterdrückung funktionieren kann.

      Aber Deine Einstellung Andersdenkenden gegenüber, verdeutlicht eindrucksvoll die Unfähigkeit der Betonlinken andere Meinungen, als ihre eigene zu akzeptieren.

      Nebenbei: Ich werde mich weiteren Kommentaren enthalten. Die Diskussion ist eh schon zu weit vom ursprünglichen Thema abgekommen.

    64. Anindo schrieb am 11. April 2009 at 17:56 - Permalink

      Ich habe ja schon relativ viel über die Krise gelesen (wenn auch nur wenige Kommentare in diesem Thread), aber zur Analyse und Lösung kann ich nur diese grandiose Rede von Sahra Wagenknecht empfehlen, die quasi eine Quintessenz dessen ist, was ich darüber begriffen habe und mehr:

      Diese Krise wurde durch extreme Umverteilung ausgelöst und eine Lösung kann auch nur Umverteilung in die andere Richtung sein. Die Milliarden, die in die Banken gepumpt werden, bedeuten nichts anderes als Umverteilung von arm nach reich.

      Inflation im Euro-Land wird kommen, wenn die Rohstoffpreise wieder anziehen und ansonsten bei der Klientel, wo das Geld letztenendes immer landet. Aber im Einzelhandel wird man Preiserhöhungen sicherlich vermeiden, weil das Gros der Leute weniger statt mehr Geld in der Tasche hat, egal wie viel Geld in die Taschen der Kapitaleigner gespült wird.

    65. Realist schrieb am 11. April 2009 at 18:30 - Permalink

      @ Bö

      Folgendes!
      Mein Älter sein und die Erwähnung deines Alters zum Zeitpunkt des Mauerfalls haben nicht das Geringste damit zu tun, ob man eine Diskussion miteinander führen kann.
      Ich habe dich ganz konkret nach deinen persönlichen schlechten Erfahrungen gefragt in dieser DDR. Bei deinem Alter damals. Die Antwort steht immer noch aus!
      In keinster Weise habe ich eine von dir hier hineininterpretierte arrogante Einstellung diesbezüglich. Das entbehrt jeder Grundlage.

      Ich war persönlich alles andere als ein Betonlinker. Ich kenne die Menschen aus DDR Zeiten ganz genau in ihrem Wesen und Denken. Von den 2 Millionen SED Mitgliedern waren wohl keine 10 % ehrlichen Herzens dabei. Es waren vor allem Leisetreter und Menschen, welche sich kleine Vorteile im Alltagsleben erhofften wie schnellerer Wohnungsbezug, Auto usw.
      Wenn man wie ich 2-3-mal forsch und bestimmt einen Parteieintritt abgelehnt hat, dann wurde man nicht mehr belästigt damit. Kleinere Schikanen musste man in Kauf nehmen.
      Diese Diktatoren des ehemaligen Ostblocks und ihre willigen Mitläufer haben aber nicht das allergeringste mit der Idee eines demokratischen Sozialismus zu tun.

      Wenn du ein Geschichtsstudium absolviert hast, dann bist du entweder eine absolute Null und Niete oder ein vom aktuellen System zum willigen Büttel gedrillter Fachtrottel. Eigenes Denken spreche ich dir bei deinem bisher hier dargebotenen Auftreten regelrecht ab.
      Diskussion mit Andersdenkenden ja, aber mit Argumenten und Fakten. Nicht billigen Worthülsen.

    66. Gebintit schrieb am 11. April 2009 at 18:44 - Permalink

      Wirtschaftstheorien aufzustellen ist fast noch schöner, als im Sandkasten zu spielen. Nur wenige waren hier so mutig (oder so dumm), konkrete überprüfbare Prognosen abzugeben. Dann könnte man, z.B. in einem Jahr, die Kommentare hier nochmals alle durchlesen und schauen, wer Recht hatte. Vielleicht gibt es ja hier unter den Kommentatoren einen zweiten Nouriel Roubini. Immerhin ein Krisengewinnler, vermutlich hat er auch mittlerweile eine hübsche Frau gefunden, er schaut schon nicht mehr so depressiv in die Kameras, wie früher.

      @61 LC, Vorschlagsliste der FT
      Ich kann all den Punkten nur zustimmen! Besonders gefällt mir “Nothing should ever become too big to fail.”
      Zu kurz gekommen, in den Kommentaren, ist mir bislang der demografische Aspekt. Warum geben denn die Japaner so wenig für den Konsum aus? Vielleicht, weil über ein Fünftel der Bevölkerung über 65 Jahr alt ist und Japan keine nennenswerte Immigration zugelassen hat?! Ab einem bestimmten Alter helfen übrigens auch keine (Auto-)Abwrackprämien mehr, meine 93-jährige Oma hätte ihren 20 Jahre alten Golf höchstens gegen eine Gehhilfe eingetauscht. Einen Opel kauft SIE garantiert nicht mehr!
      Die Chinesen sparen, weil es keine nennenswerte staatliche Absicherung gegen Berufsunfähigkeit gibt, immerhin wollen sie ja daran nun etwas ändern.
      Mein Vorschlag für die Ankurbelung unserer Binnenwirtschaft: Einführung einer staatlichen Entlohnung für Mütter (und Väter), die Kinder großziehen. Niemand tut mehr für den Konsum, als Familien. Und das sage ich als Single ohne Kinder (warum gibt es hier im Blog eigentlich so wenige Frauen?)!

      Frohe Ostern! Frühling liegt in der Luft!

    67. Realist schrieb am 11. April 2009 at 19:20 - Permalink

      @ Bö

      Danke(!) für den später von dir hinzugefügten Nachtrag in deinem Beitrag Nr.63:

      ??Nebenbei: Ich werde mich weiteren Kommentaren enthalten. Die Diskussion ist eh schon zu weit vom ursprünglichen Thema abgekommen??.

      Dieser Nachtrag deklassiert dich regelrecht(!)?aber erspart mir weitere fruchtlose, sinnlose Diskussionen mit dir bis zu deiner entgültigen Entzauberung!
      .

    68. Lemmy Caution schrieb am 11. April 2009 at 19:42 - Permalink

      woo ha boom shaka laka.
      Hermanos,

      ich bin dermassen begeistert über die Vorschläge des super-atomischen Nassim Nicholas Taleb, dass ich sie nun blitzartig ins Deutsche übersetzt habe:

      1. Fragile Strukturen sollten früh zusammenbrechen. Wenn sie noch klein sind. Nichts sollte jemals ?Zu Groß zum Scheitern? werden. Die Evolution im ökonomischen Lebens begünstigt diejenigen mit dem Maximum an versteckten Risiken ? also die Fragilsten ? die Größten zu werden.

      2. Keine Sozialisierung von Verlusten und Privatisierung von Gewinnen.
      Was immer staatlich gerettet werden muss, soll nationalisiert werden; was keine staatliche Rettung benötigt, soll frei, klein und eigenverantwortlich gegenüber den Risiken sein. Wir haben es fertiggebracht, das übelste des Kapitalismus und des Sozialismus zusammenzubringen. Im Frankreich der 80er übernahmen die Sozialisten die Banken. In den USA der 2000er, übernahmen die Banken die Regierung. Das ist surreal.

      3. Leute fuhren einen Schulbus mit verbundenen Augen (und bauten einen Unfall). Ihnen sollte kein neuer Bus zur Verfügung gestellt werden. Das ökonomische Establishment (Universitäten, Regulatoren, Zentral-Banker, Amtsträger der Regierung, verschiedene Organisationen mit Ökonomen) verloren ihre Legitimität mit dem Scheitern des Systems. Es ist unverantwortlich und dumm, den Fähigkeiten dieser Experten zu vertrauen, uns aus der Scheiße herauszubringen. Stattdessen sollte man kluge Leute finden, deren Hände sauber sind.

      4. Jemand mit einem Anreiz-Bonus sollte kein Kernkraftwerk (oder unser Finanzrisiken) managen. Es ist wahrscheinlich, dass er alle eingebauten Sicherheitstoleranzen entfernt und gleichzeitig behauptet, er agiere konservativ. Die Bonusse lassen die versteckten Risiken eines Versagens unberücksichtigt. Die Asymmetrie des Bonussystems hat uns hierhin gebracht. Keine Anreize ohne Strafen. Kapitalismus ist mit Belohnung und Bestrafung. Nicht nur Belohnung.

      5. Komplexität sollte mit Einfachheit gegen-gewichtet werden. Die aus Globalisierung und stark vernetzten Ökonomischen Leben entstehende Komplexität sollte mit Einfachheit in den Finanzprodukten ausgeglichen werden. Die komplexe Ökonomie ist bereits eine Art Hebel. Der Hebel ist Effizienz. Solche Systeme überleben dank von Ruhezeiten (engl.: slack) und Redundanzen. Die Zugabe von Schulden generiert wilde und gefährliche Rotationen, die keinen Raum für Fehler lassen. Kapitalismus kann Wellen und Blasen nicht verhindern: Blasen auf den Aktienmärkten (wie um 2000) wirken mild auf die Gesamtwirtschaft; Schuldenblasen sind bösartig.

      6. Gib Kindern keine Dynamit-Stäbe, selbst wenn dort ein Warnhinweis draufgedruckt ist. Komplexe Derivate gehören verboten. Niemand versteht sie. Wenige sind rational genug, dass sie dies wissen. Bürger müssen vor sich selbst geschützt werden. Und zwar vor Bankern, die ihnen Risiko-Eindämmungs (hedging) Produkte verkaufen. Und auch vor leichtgläubigen Regulatoren, die auf Ökonomie-Theoretiker hören.

      7. Nur Schneeballsysteme (Ponzi schemes) sollen auf Vertrauen basieren. Regierungen sollten niemals ?Vertrauen wiederherstellen?. Sich selbst verstärkende Gerüchte sind das Ergebnis komplexer Systeme. Regierungen können Gerüchte nicht stoppen. Wir müssen einfach in einer Position sein, Gerüchte gelassen hinzunehmen. In der Lage sein, ihnen robust entgegenzutreten.

      8. Gib einen Abhängigen nicht mehr Drogen, wenn er an Entzugsschmerzen leidet. Fremdkapital (leverage) zu nutzen, um Probleme zu lösen, die durch zu hohe Fremdfinanzierung überhaupt erst entstanden sind, ist keine homöopathische Maßnahme. Es ist Problem-Verleugnung. Die Verschuldungskrise ist kein temporäres Problem sondern ein strukturelles. Wir benötigen Reha-Maßnahmen.

      9. Die Rente der Bürger sollte nicht von Finanz-Aktiva oder fehlbaren Experten abhängen. Das ökonomische Leben sollte z.T. vom Finanzsektor abgekoppelt werden. Wir sollten lernen, Märkte nicht als Aufbewahrungsort von Werten zu nutzen: Diese besitzen einfach nicht die Sicherheiten, die normale Bürger benötigen. Bürger sollten Besorgnis in Hinblick auf ihre eigenen Betätigungen erfahren. Die kontrollieren sie. Nicht im Hinblick auf ihre Investitionen. Die kontrollieren sie nicht.

      10. Brate ein Omelette mit aufgeschlagenen Eiern: Abschließend kann diese Krise nicht mit Behelfsreparaturen geflickt werden. Ein Boot mit einem verrotteten Rumpf kann nicht mit ad-hoc Flicken seetüchtig gemacht werden. Wir müssen den Rumpf mit neuem und stärkerem Material aufbauen; Wir müssen das System neu erstellen, bevor es sich selbst regeneriert. Lasst uns aus eigenem Antrieb Kapitalismus 2.0 starten.
      Lasst uns den Prozess der Zerstörung von abzuschaffenden Dingen unterstützen: die Umwandlung von Schulden in Anteilskapital, die Marginalisierung der Ökonomie und Business School Etablissements, keine neuen Nobelpreise für Ökonomie, fremdfinanzierte Unternehmensübernahmen verbieten, Banker den ihnen zustehenden Platz geben, Versteuern der Bonusse derjeniger, die uns hier hin gebracht haben und den Leuten beibringen, sich in einer Welt mit weniger Sicherheiten zurechtzufinden.

    69. Anindo schrieb am 11. April 2009 at 20:14 - Permalink

      @68

      Was bitte ist daran toll? Das sind nur die üblichen Lippenbekenntnisse, auf die man sich auch auf dem G20-Gipfel verständigt hat. Wer ernsthaft glaubt, mit Moral einen Virus bekämpfen zu können, hat das Problem nicht verstanden (siehe meinen Beitrag weiter oben).

      Die deutsche Politik (und nicht nur die) ist schon so sehr von Lobbys, Oligarchen, russischer Mafia und wer weiß was noch kontaminiert, nur noch gewalttätige Aufstände oder wenigstens friedliche Massen-Demos (über 1 Mio.) können da vielleicht einen HAUCH dran ändern. Schon lustig, dass die SPD, die jetzt fast 10 Jahre an der Regierung ist, sich für den nächsten Wahlkampf wieder das Programm der Linken zu sehr angeschaut hat, aber wir müssten doch langsam wissen was passiert, wenn die SPD (re)giert: die übliche Umverteilung nach Oben.

      Und wer sich noch demokratische Illusionen um den politischen Einfluss macht, sollte mal diesen kurzen, aber prägnanten Artikel lesen: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,618360,00.html
      Selbst bei der CSU hat wohl noch nicht jeder die Pille geschluckt.

    70. Gebintit schrieb am 11. April 2009 at 20:32 - Permalink

      @69

      … du hast Scientology vergessen ;).

      @68
      Von mir ein Dankeschön für die Übersetzung, auch wenn ich selbst in der deutschen Version nicht alles verstehe, z.B. “Die Evolution im ökonomischen Lebens begünstigt diejenigen mit dem Maximum an versteckten Risiken ? also die Fragilsten ? die Größten zu werden.” Vielleicht satirische Übertreibung, realistisch ist es aus meiner Sicht nicht. Auch beim fünften Punkt “Der Hebel ist Effizienz.”, habe ich in dem Zusammenhang noch Verständnisprobleme.

    71. Xaver Neid schrieb am 11. April 2009 at 20:39 - Permalink

      Die Fassade brökelt: Sprengung des WTC: Dänische TV-Nachrichten berichten über Spuren Nano-Thermit in den Trümmern

    72. Lago schrieb am 11. April 2009 at 20:46 - Permalink

      @Gebintit

      7. ‘Only Ponzi schemes should depend on confidence. Governments should never need to ?restore confidence?’.

      Nun, spätestens an dieser Stelle musste ich lachen, denn das Ganze liest sich ein bisschen wie das Thesenpapier der sozialisitischen Opposition der DDR, die 88-89 die Regeln für die Reform der DDR zu einem gesunden Sozialismus vorschlugen.

      Der obige Satz versucht, die marktwirtschaftlich-kapitalistische Wirtschaft vom Ponzi-Schema abzugrenzen, einen qualitativen Unterschied zu suggerieren und dazu anzudeuten, es läge dem Kapitalismus eine reale Rationalität zugrunde, so dass auf “fluff” verzichtet werden könnte. Dieser stillschweigend angenommene Unterschied ist aber genauso klar und real, wie die Gewissheit, dass zwar auch die anderen Religionen mit den gleichen Mitteln missionieren, aber eben nicht Recht haben.

      Im Bezug auf Japans Demographie: Tja, das verschärft das Problem, vor allem langfristig, aber momentan ist die kulturell-geschichtliche Lethargie entscheidender. China hat ja demographisch dasselbe Problem, und ist kulturell noch deutlich “konsumfeindlicher”, aber trotz Verdopplung der Wanderarbeiterarbeitslosigkeit (auf 4%) und der Akademikerarbeitslosigkeit haben sehr viele Chinesen die Realität der Krise einfach noch nicht akzeptiert. Und deshalb findet sie eben auch noch nicht statt (in der Binnenwirtschaft).

    73. Realist schrieb am 11. April 2009 at 21:00 - Permalink

      @ 68 Lemmy Caution

      ??ich bin dermassen begeistert über die Vorschläge des super-atomischen Nassim Nicholas Taleb, dass ich sie nun blitzartig ins Deutsche übersetzt habe”:?

      Ich bin allerdings eher ?verwundert? über solche Worte von dir.

      Was fordert denn Nassim Nicholas Taleb ein?
      Deutliche Korrekturen und Veränderungen am derzeitigen Kapitalismus! Oder?
      Ähnliche Forderung nach Korrekturen und Veränderungen fordert ein Teil der Menschen im ?ehemaligen SBZ? (wie du es nennst) doch ein. Im Beitrag 56. wirfst du dieses den Menschen dort aber vor!

      69 Anindo hat Recht wenn er schreibt:
      ? Das sind nur die üblichen Lippenbekenntnisse?
      Die Menschen im ?ehemaligen SBZ? aber lassen es eben nicht bei Lippenbekenntnissen. Sie stellen mit ihrer Wahl der Partei ?Die Linke? die Versager der bürgerlichen Parteien damit zumindest in Frage.

      PS: Wenn man die Punkte 1 bis 10 liest, dann stellt man paradoxerweise auch fest das ein Teil dieser Punkte im Programm oder in der derzeitigen Diskussion (nur) bei den Linken vorkommt.

    74. Anindo schrieb am 11. April 2009 at 21:22 - Permalink

      @73

      Jetzt stell dir mal vor, die Linke gewinnt die Bundestagswahl und könnte so richtig Politik machen. Sozialismus? Niemals! Aber vielleicht ein kleiner Kompromiss, was mehr wäre, als die SPD jemals erreicht hat. Und ich kann mich noch an den Wahlkampf vor bzw. von Schröder erinnern. Da wurde auch viel versprochen und nichts realisiert. Aber so Sachen wie Mindestlohn, mehr Hartz 4 und höherer Spitzensteuersatz wären zumindest mit der Linken halbwegs im Kasten, bevor die Partei unterminiert wird. Im Moment ist das die einzige Partei, der man noch Neutralität unterstellen kann, behaupte ich mal, und Alternativ gibt´s noch die NPD (harhar).

      PS: Meine Eltern, ehemalige CDU-Wähler, würden am liebsten gar nicht mehr wählen gehen, weil sie ihrer “Volkspartei” keineswegs mehr vertrauen. Ich bin gerade dabei, ihnen zumindest die Linke als Alternative zu unterbreiten, obwohl sie Lafontaine nicht mögen (nach all der Medien-Schelte). ich hoffe Sahra kann da was ändern (um noch mal den Link zu bringen):

      PPS: wir wären besser aufgestellt, hätten wir einen gemeinsamen Nenner und eine Führungspersönlichkeit. Ich denke, Sahra wäre die Richtige…

    75. Lemmy Caution schrieb am 11. April 2009 at 21:30 - Permalink

      Lieber Anindo,

      ich besitze vermutlich mehr Optimismus bezüglich der Diskussionen innerhalb des Systems.
      Wir können uns darauf einigen, dass wir uns darüber NICHT einig werden.
      Hab hier von mir akzeptiertes Redeverbot zu Venezuela (das schließt Sarah Wagenknecht mit ein).

      Lieber Gebinitt,

      Fragilsten am Größten: Bear Stearns konnte z.B. ein großer Anbieter von verbrieften in handelbare Finanzpapiere umgewandelte Hypothekenkredite werden, indem sie ziemlich konsequent Risiken ausser Acht ließen und dann innerhalb von 2 Wochen von einer “erfolgreichen Wall Street Firma” zu einer Pleite-Firma wurden. Die wußten einfach nicht was sie taten und hatten deshalb Erfolg. In der IT gibts so Phänomene auch, aber nicht in dem Ausmaß wie in der Wall Street. Komplexität erzeugt eine Menge möglicher Geschäftsstrategien.

      meine unautorisierte Blitz-Übersetzung enthält natürlich Unschärfen. Ich bin über 10 Jahre aus der theoretischen Ökonomie draussen. Ökonomie ist sowieso keine exakte Wissenschaft.

      The complex economy is already a form of leverage: the leverage of efficiency.

      Das meint aus meiner Sicht, dass die heutige technologisierte und globalisierte Ökonomie gewaltige Effizienz-Hebelkräfte erzeugen kann. Es gibt all diese technologischen Möglichkeiten des Austausches von Informationen. Es ist sehr günstig geworden, Leute auf dem gesamten Erdball in Produktionsketten zu integrieren. Neue Ideen werden sehr schnell adaptiert, etc.
      Man benötigt da keine super-sophistizierten Finanzprodukte, um da zu dem Preis von Finanzrisiken noch mehr Möglichkeiten anzubieten.
      Zumal man ohnehin nicht die ganze Zeit auf voller Effizienz arbeiten kann, da wir sonst alle durchdrehen würden und sich ganz natürlich Redundanzen und Ruheräume bilden, die das System insgesamt sicherer machen.

      In meiner eigenen Arbeitserfahrung sind die Werkzeuge, Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und oft auch vielleicht meine Erfahrung mit dem Zeugs einfach so umfassend, dass ich wesentlich schneller arbeiten könnte. Ich würde nur nach 4 Wochen durchknallen und die Ruhephasen und Trennung von dem System geben Möglichkeiten, um sich nicht kostpielig zu verennen.

    76. Gebintit schrieb am 11. April 2009 at 21:33 - Permalink

      Was tut man nicht alles, wenn man auf den Osterhasen wartet, jetzt habe ich mir mal Sahra Wagenknecht im Youtube-Wettbewerb zu Andreas Nahle angeschaut und muss sagen, aus meiner männlich objektiven Sicht steht es 1:0 für Wagenknecht (youtube Wagenknecht Wirschaftskrise). Jedenfalls kann ich der Sahra besser zuhören, als der Andrea (youtube Nahles Wahlkampf 09).

      @Lago
      Deine Analyse, China betreffend, teile ich nicht ganz. Die Japaner sind den Chinesen auch in der Überalterung voraus, allerdings werden die Chinesen die Probleme der Japaner in einigen Jahren potenziert bekommen, siehe z.B. bpb .

    77. Lemmy Caution schrieb am 11. April 2009 at 21:51 - Permalink

      Deutliche Korrekturen und Veränderungen am derzeitigen Kapitalismus! Oder?

      Das will ich.

      Ähnliche Forderung nach Korrekturen und Veränderungen fordert ein Teil der Menschen im ?ehemaligen SBZ? (wie du es nennst) doch ein. Im Beitrag 56. wirfst du dieses den Menschen dort aber vor!

      Ich sehe eben genau einen großen Teil der Forderungen der LINKE als genau nicht wünschenswert an.
      Dies zu diskutieren führt aber zu weit.
      War in meinem Leben ca. 3 Monate wirklich vollprogramm-neoliberal.
      Wir können uns vielleicht darauf einigen, dass wir auf verschiedene Art gegen das aktuelle System des Kapitalismus sind. Das macht uns nicht zu Verbündeten.

      es läge dem Kapitalismus eine reale Rationalität zugrunde

      @Lago: Ich denke, Taleb sagt, dass in einer Ökonomie eine durchgängige Rationalität völlig unmöglich ist.
      Blasen und Wellen werden immer generiert. Im Osten wie im Westen. Nur hatte der Westen die Fähigkeit schneller aufzuwischen und in eine andere Richtung zu rennen. Die hoch integrierten Systeme der Globalisierung sichern gerade im Finanzsektor gegen kleine bekannte Krisen ab. Deshalb steigt gerade durch die Robustheit gegen kleine Wellen und Blasen die Wahrscheinlichkeit einer großen, unbekannten Krise.

    78. Anindo schrieb am 11. April 2009 at 21:53 - Permalink

      @Gebintit

      Wir sollten den Sahra Wagenknecht Link so verbreiten, dass da bald 7-stellige Klickzahlen stehen. Was die Frau sagt, hat alles Sinn, kann jeder begreifen und vieles verändern! Die Frau ist jedenfalls besser als (Wallstreet-)Obama. Man muss nicht mit allem konform stehen was die Frau sagt, Hauptsache die Richtung stimmt! Ich finde, der Link ist jedenfalls ein starkes Mittel für einen Angriff auf die herrschenden Meinungen:

      Mein erster Gedanke beim Schauen war übrigens: ich liebe dich und will ein T-Shirt von dir! Dann habe ich geweint.

    79. Gebintit schrieb am 11. April 2009 at 22:15 - Permalink

      @Anindo
      Du hast wohl zu tief in ihre hübschen dunklen Augen geschaut! Laut Wikipedia ist sie mit einem Geschäftsmann mit Verfassungsschutz-Kontakten verheiratet, vielleicht macht sie das für deine bürgerlichen Eltern wählbar ;-).
      @Lemmy
      Danke für deine Erklärungen.

    80. Lago schrieb am 11. April 2009 at 22:18 - Permalink

      Deine Analyse, China betreffend, teile ich nicht ganz. Die Japaner sind den Chinesen auch in der Überalterung voraus, allerdings werden die Chinesen die Probleme der Japaner in einigen Jahren potenziert bekommen, siehe z.B. bpb .

      Mir ging es primär um den derzeitigen “Binnenkonsum”-Aspekt. Diesbezüglich gibt es kaum “demographische” Unterschiede. Gesellschaftlich und im Bezug auf den Arbeitsmarkt gibt es sowohl zeitliche als auch strukturelle Unterschiede.

      Ich denke, Taleb sagt, dass in einer Ökonomie eine durchgängige Rationalität völlig unmöglich ist.
      Blasen und Wellen werden immer generiert.

      Ich finde weniger die Binse, dass jede Wirtschaft eine Blasenwirtschaft ist, bemerkenswert, als die anscheinende Überzeugung, dass der Kapitalismus keine “Überzeugungsarbeit” leisten müsse, da er ja einfach funktioniere (anders als ein Schneeballsystem). Diese These wäre noch zu beweisen, sie widerspricht zumindest dem Stand der Wirtschaftswissenschaften. Aber die haben erfahrungsgemäßg ja keine Ahnung. ;)

      Btw.: Ihr wundert euch, bei dem sexistischen Grundton hier in den Kommentaren, ernsthaft über den fehlenden Frauenanteil an Kommentatoren?! ;)

    81. Anindo schrieb am 11. April 2009 at 22:34 - Permalink

      @ Gebintit

      Mir ist da fast kack egal, aber Links braucht vor allem jetzt eine Person, die eine Richtung bestimmt. Das wäre mehr, als CDU& Co. bringen könnten. Die Linken haben immer Recht, aber scheitern an zu vielen Meinungen und wenigen Führungspersönlichkeiten. Ich kenne keine Alternativen zu Sahra Wagenknecht. http://www.youtube.com/watch?gl=DE∓hl=de∓v=7nwFsTXWUkk

    82. aquadraht schrieb am 11. April 2009 at 22:42 - Permalink

      @76 und andere: Was Sahra Wagenknecht angeht, habe ich das Youtube-Video aus Zeitmangel immer noch nicht gesehen, ich habe aber ihre Bücher und Zeitschriftenartikel gelesen, und die sind stringent und rational. Bezüglich der Hormone: Nunja, meine Töchter sind im gleichen Alter und zum Teil sogar älter, da überlasse ich die jüngeren Herren ihren Schwärmereien.

      Was ein angebliches chinesisches Überalterungsproblem angeht: Derzeit ist die chinesische Bevölkerungs”pyramide” noch recht flach. Die scharfen Restriktionen haben verhindert, dass der Mao-Babyboom zu einer demographischen Sturmflut führte, dennoch sind die Jahrgänge der letzten Jahre unter den stärksten der chinesischen Geschichte (der Höhepunkt der demographischen Welle vor ca. 20 Jahren brachte nur 3-4 Mill. stärkere Jahrgänge). Vor in 40 Jahren werden die Chinesen auf keinen Fall überaltern. Und bis dahin werden sie die Einkindpolitik (in den Städten) aufgegeben haben. Derzeit liegt die generelle Reproduktionsrate in China noch knapp über 2 Kinder je Frau, trotz der Restriktionen. Das für die, die an Informationen interessiert sind, nicht an Vorurteilen

    83. Anindo schrieb am 11. April 2009 at 22:52 - Permalink

      So verstritten wie die Linke alleine hier ist, so beschissen wird es wohl nach der Bundestagswahl ausschauen. 50% Wahlbeiteiligung und alle haben vor allem CDU und FDP gewählt. Aber dann gibt es ja noch genug Spaß in diesem Forum, weil diese Regierung nur noch Scheiße baut.

    84. Lago schrieb am 11. April 2009 at 23:14 - Permalink

      OT China, Japan, Demographie:

      Die Lebenserwartung in Japan ist immer noch fast 8 Jahre höher als die in China, was sich natürlich mit dem, äh, Squeeze-out der Großen-Sprung-Generation ändern wird. Wenn die stärksten Kohorten – die der Kulturrevolution – welche für die Lebenserwartung wesentlich geringere Belastungen durchleben musste, in 10-20 Jahren aus der Arbeit ausscheidet, muss das Rentensystem in China entsprechend angepasst sein. Aber da ist hoffentlich die Wirtschaftskrise bereits überstanden.

    85. Chat Atkins schrieb am 12. April 2009 at 08:08 - Permalink

      Wohin es die Welt treibt? Vielleicht hierhin: “… Und der Engel tat den Brunnen des Abgrunds auf; und es ging auf ein Rauch aus dem Brunnen wie ein Rauch eines großen Ofens, und es ward verfinstert die Sonne und die Luft von dem Rauch des Brunnens. Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken auf die Erde; und ihnen ward Macht gegeben, wie die Skorpione auf Erden Macht haben. …”.

    86. Realist schrieb am 12. April 2009 at 08:36 - Permalink

      @ Anindo

      Mit dem Gedanken, die Linkspartei als derzeit einzige Alternative wählen zu können um endlich Veränderungen im Interesse der Menschen herbeizuführen, liegen wir wohl auf gleicher Wellenlänge.
      Wenn die (leider viel zu wenigen) Menschen, die Nachdenken und auch nach Ursachen fragen,
      nicht endlich den Mut haben voranzugehen und politisch klar Stellung zu beziehen,
      nicht endlich aufhören nur an Äußerlichkeiten dieser ?Marktkonformen? Welt herumzubasteln,
      nicht endlich aufhören nur zu ?warten? bis irgendwo der letzte im Volk begriffen hat, das es so nicht weitergehen kann, dann ist das nicht nur einfältig und wirkungslos, es ist unverantwortlich!
      Ich glaube, das ist ein Argument das auch deine Eltern sicher mittragen würden. :)

      Der Beitrag von Sahra Wagenknecht ist ein toller Beitrag um Menschen die Augen zu öffnen und ihnen eine wirkliche Alternative aufzuzeigen. Auch das unterscheidet sie von diesen ganzen Schönrednern, die aber nichts wirklich ändern wollen.
      Aber, auch wenn Sahra dazu auch noch schöne braune Augen hat und sicher besser anzusehen ist wie der Oskar ;)
      Ausschlaggebend sollte das politische Programm einer Partei sein und weniger, wer an deren Spitze steht.

    87. Realist schrieb am 12. April 2009 at 08:37 - Permalink

      @ 77. Lemmy Caution

      ??Wir können uns vielleicht darauf einigen, dass wir auf verschiedene Art gegen das aktuelle System des Kapitalismus sind. Das macht uns nicht zu Verbündeten.??

      Richtig ist, dass uns das nicht zu Verbündenden macht. Das lässt schon das simple Weltbild nicht zu, dass du unter Punkt 56. zum Ausdruck bringst.

      Auf meine Zeilen: ?Die Menschen im ?ehemaligen SBZ? aber lassen es eben nicht bei Lippenbekenntnissen. Sie stellen mit ihrer Wahl der Partei ?Die Linke? die Versager der bürgerlichen Parteien damit zumindest in Frage.? gehst du nicht ein. Es passt nicht in dein Konzept.
      Es ist aber genau der Unterschied, den ich meinte.
      Reden und philosophieren, wichtig tun, mit Fingern auf andere zeigen. Die Welt ist voll solcher selbstgefälligen Typen die Garant dafür sind das diese Welt in Gier und Ungerechtigkeit verharrt. Du bist einer davon.

    88. gerhardq schrieb am 12. April 2009 at 08:49 - Permalink

      Ich hatte gerade eine Mail von jemanden erhalten, der mich als Kommunist bezeichnete, weil ich für einen Einkommensteuersatz von über 50% plädiere.
      Meine Frage darauf hin an ihn war, ob wir in Deutschland in den Jahren bis 2000 eigentlich eine kommunistische Staatsform hatten? Die meisten Menschen haben vergessen, daß der Spitzensteuersatz in den Jahren 1996/97 bei 55% lag. Wer Lust hat, der kann ja mal den Abgabenrechner aufrufen (www.abgabenrechner.de/ekst), der vom BMF zur Verfügung gestellt wird.
      Allerdings lag der Mehrwertsteuersatz etwas niedrige, ich glaube bei 14%. Ach ja, auch die sozialen Sicherungssysteme funktionierten noch ohne Hartz IV.

    89. Realist schrieb am 12. April 2009 at 08:59 - Permalink

      @ gerhardq

      Da geht mir folgender Spruch durch den Kopf:

      Wenn ich den Armen zu essen gebe, nennt man mich einen Heiligen.
      Wenn ich aber frage, warum die Armen nichts zu essen haben, nennt man mich einen Kommunisten. (Dom Helder Camara)

    90. Goldener Reiter schrieb am 12. April 2009 at 09:49 - Permalink

      @88 gerhardq

      Im Heilsland der Neoliberalen, den USA gab es sogar mal 80%. Und nicht nur da, auch in Japan. Also keine Sorge, dass Du “Kommunist” seist.

      “Kommunismus” und auch “Sozialismus” ist eben nur noch reine Kampfbegriffe, mit dem man den Andersdenkenden diffamiert, wenn einem die Sachargumente ausgehen.

      @ Lago
      Mmmh, das mit der (angeblichen) Ueberalterung der Japanischen Gesellschaft. Nach eigener Anschauung scheint mir das mehr ein Alibi zu sein, um von dem viel gravierenderen Verteilungsproblem abzulenken.
      Dass die Chinesen die Krise nicht einfach nicht wahrhabe wollen, kann ich aber aus eigener Erfahrung bestaetigen.

    91. OAlexander schrieb am 12. April 2009 at 10:22 - Permalink

      Beginnen wir mal: Pi mal Daumen gibt es ungefähr 30% zuviel Buchgeld auf der Welt. Wahrscheinlich sogar mehr. Das ist Geld ohne Werte dahinter, für das es nichts zu kaufen gibt.

      Das kann man so oder so abschreiben: Mit Zinseszins abzahlen oder eben abinflationieren. Was auch immer Milton Friedman sagt, Inflation muss ein legitimes wirtschaftspolitisches Instrument sein. Abinflationieren ist schneller, und billiger, und hat weniger von der Umverteilung nach oben an sich. Das Ende ist das gleiche, der monetäre Wohlstand fällt zwangsläufig um rund ein Drittel.

      Die Banken sind praktisch alle unerhohlbar Pleite. Verstaatlichen, reorganisieren und irgendeinmal re-privatisieren. Entschädigungen anzubieten, wie das derzeit bei HRE geschieht ist sinnlos und entspricht einer gezielten Umverteilung von Kapital von unten nach oben. Das derzeit angewandte US-Modell bezüglich der Banken enspricht dem HRE-Modell, ist aber eleganter, da das das Wort “Verstaatlichung” vermieden wird.

      Im grossen und ganzen befinde ich mich hier auf einer Linie mit dem vormaligen australischen Finanz- und Premierminister Paul Keating (Interviews s. abc.net.au), Dieser Tage ist er ein hinlänglich unabhängiger Geist, im Gegensatz zu bspw. Helmut Schmidt, der scheinbar nurmehr in Propagandaeinheiten denkt.

      Leitwährung

      Das nächste Problem ist der Welthandel. Jeder weiss, dass die Chinesen gerne irgendetwas in den USA kaufen würden, Bloss, es gibt dort wirklich nichts, was der Mensch haben wollte. Für den interessierten: zur Zeit kann man da noch saugünstig tolle 2nd-hand Motoryachten, Flieger, und automobile Oldtimer erstehen. Der Kleinmillionär sollte sich jetzt dort entsprechend eindecken.

      Darüberhinaus ist die Problematik der US-Währung als Leitwährung das grosse unterliegende Problem der Weltwirtschaft. Es ist technisch sehr problematisch eine Leitwahrung zu haben die sowohl intern als auch extern hoch-defizitär ist. Die Welt war im letzten halben Jahrhundert quasi als Zulieferbetrieb der USA organisiert. Das funktioniert jetzt nicht mehr so. Da kann man sich noch solange G20-mässig treffen, Da muss etwas neues her. Wie das genau aussieht, das weiss keiner. Das wird innnerhalb der nächsten 10-20 Jahre in verräucherten Hinterzimmern der globalen Finanzwirtschaft austariert werden. Vielleicht kommt von da eine Lösung, vielleicht auch nicht. Die Gewissheit der vergangenen Jahrzehnte mag historisch ein Ausnahmefall gewesen sein.

      Ausblick

      Es gibt hier keine wie auch immer geartete Silberne Kugel. Irgendwelche sozialistischen Heilsideologien tun da auch nichts zur Sache. Planwirtschaft ist nicht. Wie wir sehen, hat hier keiner eine Lösung bei der einfach alles wieder gut wird. Der Markt wird das alles in irgendeiner Form handhaben. Die Regierungen haben hier ein gewisses Mitspracherecht wie sozialverträglich alles abläuft. Mehr nicht. Der Geneigte Leser möge sich informieren wie südamerikanische Nationen wie Argentinien und Brasilien mit dem Normalfall Krise regelmässig fertig werden. Hoffnung kann vielleicht aus dem Wirken des Schaffers des schwedischen “Volksheimes” Tage Erlander bezogen werden.

      Irgendwo dort ist vielleicht eine Lösung mit der wir am Ende einigermassen glücklich leben können. Richtig ist auch, dass in der glücklichsten Zeit der USA, so zwischen 1942 und 1964 der Spitzensteuersatz dort bei 91% lag. Ob das was zu bedeuten hat bedarf eines neuen Tests. Das Ende des Goldenen Zeitalters des Westens wird mit dem Jahr 2008 assoziert bleiben. Wir bewegen uns in ein neues Zeitalter. Nostalgie wird hier niemanden helfen.

      Im Moment wird sich durch die Ausuferung des Ursprünglichen Kernübels, der Überschuldung noch ein bis zwei recht erträgliche Jahre geschaffen. Geniessen wir das – das Ende wird nur unwesentlich schlimmer. Der Bank Westpac Global Chief Economics, James Shugg, meint, dass das Licht am Ende des Tunnels das Licht eines heraneilenden Zuges ist. Dem ist so.

    92. OAlexander schrieb am 12. April 2009 at 11:46 - Permalink

      Anzumerken, übrigens:

      Ich habe bereits bei einem meiner ersten Posts hier beim SF gemeint, dass die Krise schon eher handhabbarer gemacht haben werden konnte, wenn per Inflation die Hauspreise in den USA nicht unter par gefallen wären und die Banken die Hypotheken deshalb nicht unter Einstandspreis inihren Büchern gehabt hätten. Rechtzeitige Inflation hält Immobilienpreise aufrecht.

    93. Peinhard schrieb am 12. April 2009 at 11:50 - Permalink

      “Planwirtschaft ist nicht.”

      Kurz und bündig. Gibt’s vielleicht noch ‘ne bündige Begründung dazu? Oder muss – Phantasielosigkeit lässt grüßen – dazu wieder nur das zu recht gescheiterte ‘realsozialistische Experiment’ herhalten?

    94. Der Schachspieler schrieb am 12. April 2009 at 12:04 - Permalink

      Einerseits sehr beeindruckend wie sich die “linke” Szene für die untere Bevölkerungsschicht einzusetzen scheint, andererseits auch sehr ernüchternd die Erkenntniss das sich das linke Staatsmodell auch an Machtorientierter Hierarchie orientiert.

      Prinzipiell, wenn man das Geld einfach nur als eine auf Papier gedruckte Urkunde für Macht sieht, und das ganze Gerede bezüglich Inflation , Deflation u.s.w sinnblidlich nur als eine Machterhaltungsmassnahme interpretiert, wird die ganze Geschichte als solches viel klarer.

      Das Problem das ich grundsätzlich dabei auf der linken Seite sehe ist zwar die Abkehr von Geld auf der einen Seite, aber dér gewünschte Machterhalt der Eliten auf der anderen Seite.
      Machttechnisch gesehen ändert sich da für mich nichts.

      Die jeweiligen Staatswirtschaften, Kapitalismus und Planwirtschaft beruhen beide auf wohl gefeilten Machtstrukturverhältnissen, und wo es nach Macht schmeckt , da ist der Opportunismus nicht weit.

      Prinzipiell bleibt es egal ob es ein rechter oder linker nach oben schafft, solange die Instanzen klar Hierarchistisch auf Macht basierend aufgebaut werden entseht ein Freifahrtsschein des Opportunismus.

      Die einzig mögliche Wirtschaft kann nur auf einer Kalkulation von den möglichen Reccourcen, hin zu einer fairen Verteilung passieren.
      Nicht im Sinne von der Planwirtschaft, im Sinne von einer ethischen Vernunftswirtschaft.

      Verbunden mit einer klaren medialen und philosophischen Abkehr vom Materialismus als Höchstes Gedankengut, sehe ich in einer solchen Staatsform den einzigen Ausweg.

    95. tar schrieb am 12. April 2009 at 13:03 - Permalink

      Es fehlen Nachschuldner, weil vorhandene monetäre Sparguthaben nicht nachfragewirksam werden.

      Was bitte ist daran so schwer zu verstehen?

      Dass seit Jahrzehnten der Staat einspringt, um diese Nachfragelücke zu schließen, ändert dabei nichts an dieser krisenverursachenden Misere. Im Gegenteil, durch eine teilweise forcierte Kapitalakkumulation vergrößern sich diese zurückgehaltenen Sparguthaben immer mehr. Sei es durch die Gebrüder Albrecht, Lebensversicherungen, Rentenfonds oder ganz einfach die zigtausenden minimal positiv verzinsten Sparguthaben von uns allen.

      Aussicht in Europa: eintreten der deflationären Depression, ähnlich Japan.
      Aussicht in USA: leichte Inflationsaussichten, mlg. Umschwenken in Hyperinfla, wenn Ben endlich mal den Helikopter finden würde. Bis dahin nur bankeninternes hin- und hergeschiebe von Luftwerten.

      Langfristig: Staatsbankrott/Bürgerkrieg/Krieg.

      Gruß

    96. qwertz schrieb am 12. April 2009 at 13:08 - Permalink

      Ich wüsste nicht, was man politisch korrektes dazu sagen könnte, wenn man nicht die Worte Standgericht, Lynchen, Erhängen, oder elektrischer Stuhl benutzen darf.

    97. gerhardq schrieb am 12. April 2009 at 13:24 - Permalink

      @96: Ich würde vorschlagen: französisch revolutionieren

    98. Realist schrieb am 12. April 2009 at 13:44 - Permalink

      @ 91. OAlexander

      Der Markt wird das alles in irgendeiner Form handhaben. Die Regierungen haben hier ein gewisses Mitspracherecht wie sozialverträglich alles abläuft. Mehr nicht.

      Diese Zuschauer und Heilsarmeementalität bringen niemanden weiter. Schon gar nicht wird solch eine Einstellung die Welt verändern.

      @ 94. Der Schachspieler

      Einerseits sehr beeindruckend wie sich die ?linke? Szene für die untere Bevölkerungsschicht einzusetzen scheint, andererseits auch sehr ernüchternd die Erkenntnis das sich das linke Staatsmodell auch an Machtorientierter Hierarchie orientiert.

      Zum einen ist eine linke Szene (was immer das ist?) nicht gleich zusetzen mit einer Linken parlamentarischen Politik.
      Zum anderen wird und muss in einer komplexen Gesellschaft jedes Staatsmodell immer eine gewisse ?Machtorientierter Hierarchie? ausüben. Das gestehen wir selbst in einem Hotel dem Küchenchef oder Chefkoch gegenüber dem anderen Küchenpersonal zu.
      Wenn es zu Missbrauch von Macht kommt, dann haben vor allem die Bürger versagt, die unfähig sind diese Demokratie zu nutzen.
      Menschen die Weltweit durch Kriege sterben, am Hunger verrecken oder täglich mehrere Jobs machen und trotzdem im Elend der Armut landen, fragen mit Sicherheit (zu Recht) nicht zuerst nach diesem ?Kriterium? das du als Punkt 1 auf die Liste setzt.

      Die einzig mögliche Wirtschaft kann nur auf einer Kalkulation von den möglichen Reccourcen, hin zu einer fairen Verteilung passieren. Nicht im Sinne von der Planwirtschaft, im Sinne von einer ethischen Vernunftswirtschaft.
      Verbunden mit einer klaren medialen und philosophischen Abkehr vom Materialismus als Höchstes Gedankengut, sehe ich in einer solchen Staatsform den einzigen Ausweg.

      Frage dich mal ehrlich, wie wohl die Chance ist in absehbarer Zeit dieses gesellschaftlich umzusetzen und mit WEM?

    99. OAlexander schrieb am 12. April 2009 at 14:43 - Permalink

      @ 93. / Peinhard

      “Planwirtschaft ist nicht.”

      Kurz und bündig. Gibt?s vielleicht noch ?ne bündige Begründung dazu? Oder muss – Phantasielosigkeit lässt grüßen – dazu wieder nur das zu recht gescheiterte ?realsozialistische Experiment? herhalten?

      Eine Myriade von Einzelentscheidungen kann, auch bei modernster Computertechnologie, nicht von einem zentralen Entscheidungsmechanismus getroffen werden. Nur der Markt kann rasch Preise an aktuelle Gegebenheiten anpassen und Produkte an die Marktgegebenheiten anpassen. Dass General Motors bspw. nicht mehr geeignet war letzteres zu gewähleisten spricht für Marktregulierung, aber nicht gegen den Markt. Falls ehemaliges Europa mit “realsozialistische Experiment” gemeint war, dann betrachte ich dies als gescheitertes marktwirtschaftliches Experiment mit nur einem “Player”.

      @ 98. / Realist

      Du verweist hier auf einen klaren Formulierungsfehler von mir.

      “Der Markt wird das alles in irgendeiner Form handhaben. Die Regierungen haben hier ein gewisses Mitspracherecht wie sozialverträglich alles abläuft. Mehr nicht.”

      Wäre eindeutiger in meinem Sinne schlampigst in etwa so formuliert:

      “Der Markt reagiert normalerweise auf gegebene Aufgabenstellungen mit gewisser Optimalität. Regierungen haben hier die Aufgabe soziale Grundlagen zu gewährleisten . Mehr ist nicht wirklich drin.”

      D. h. der Staat hat eben den Rahmen festzulegen innerhalb welchen der Markt operiert. Dazu gehören sozialstaatliche Absicherungsmechanismen und anderweitige Regulierungen. Idiotien wie “Carbon Trading” sind etwas anderes.

      Mit “Zuschauer und Heilsarmeementalität” hat das nichts zu tun. Ob das die Welt verändert? Vielleicht macht es diese in Details besser. Grandiose Weltverbesserungen auf Gesetzgebung und Revolution beruhend sind mir unbekannt. Desweiteren siehe meinen Verweis auf Tage Erlander, der wohl doch etwas erreicht hat, mal abgesehen von den hohen Bierpreisen.

    100. Peinhard schrieb am 12. April 2009 at 15:03 - Permalink

      @94 Schachspieler

      “Die einzig mögliche Wirtschaft kann nur auf einer Kalkulation von den möglichen Reccourcen, hin zu einer fairen Verteilung passieren.
      Nicht im Sinne von der Planwirtschaft, im Sinne von einer ethischen Vernunftswirtschaft.”

      Die kommt aber auch nicht ohne so etwas wie einen an Bedürfnissen und Gebrauchswerten orientierten ‘Plan’ aus – auch wenn der ganz anders aussieht, als das, was man (fälschlicherweise) unter ‘Planwirtschaft’ zu verstehen gewohnt ist.

      @99 OAlexander

      “Eine Myriade von Einzelentscheidungen kann, auch bei modernster Computertechnologie, nicht von einem zentralen Entscheidungsmechanismus getroffen werden.”

      Eine zentrale Instanz wäre auch vollkommen kontraproduktiv. Ausserdem wird gerne vergessen, dass es selbstverständlich immer so etwas wie eine Interaktion zwischen ‘Angebot und Nachfrage’ geben muss und wird. Nur muss das eben noch lange kein ‘Markt’ wie in ‘Marktwirtschaft’ sein – der umfasst einiges mehr.

    101. Realist schrieb am 12. April 2009 at 15:50 - Permalink

      @ 99 OAlexander

      Auch deine neue Formulierung sagt nichts anderes aus als die alte.
      Du stellst den Markt über die Interessen des Volkes (Regierungen).
      Du machst damit die Menschen die in diesem Markt arbeiten (Staat soll nur ?soziale Grundlagen gewährleisten?) und die Demokratie, zu Bittstellern.

      Wer oder was ist denn dieser Markt?
      Ein Gott? Eine Erscheinung? Ein Naturgesetz?
      Er ist eine von Menschen ?konstruierte? Sache. Und weil wir zulange zugelassen haben, das der Markt den Menschen diktiert, was sie zu tun haben und wie sie leben sollen, ist er das geworden was er heute ist. Ein Alptraum für Milliarden Menschen. Ein Markt von Verbrechern für Verbrecher!

      Anbei ein interessanter Artikel zum Thema Kapitalismus
      http://www.flegel-g.de/kapitalismus-wagen.html

    102. Manfred schrieb am 12. April 2009 at 16:32 - Permalink

      Wow, ganz schön voll hier.
      Eine Prognose, wohin die Krise die Welt bringen wird? Vorhersagen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Dazu kommt, dass ich von Ökonomie ganz wenig Ahnung habe (oder ist das eher ein positives Merkmal?). Deshalb bin ich auch von Talkshow zu talkshow, von Leitartikel zu Blogbeiträgen nicht schlauer geworden. Vielleicht stellt sich ja heraus, dass Merkel & Co. mit ihrer vorsichtigen Schrauberei Recht behalten.
      Eins möchte ich gerne loswerden: Wenn es nicht gelingt, das Ausmaß von Bilanzfälschungen und -verschleierungen (die es vor der Krise gegeben haben muss, wenn man die schiere Unkenntnis von Aktionären, Aufsichtsräten und Wirtschaftsprüfern in Betracht zieht) aufzudecken und straf- und zivilrechtliche aufzuarbeiten, kann der daraus resultierende Schaden für den Rechtsstaat und damit für die Offene Gesellschaft ungleich größer werden, als die Krise selbst.

    103. tar schrieb am 12. April 2009 at 17:51 - Permalink

      … die Gesetze des Markts scheinen über jenen der Welt zu stehen. In der Ökonomie scheint man zu glauben, dass die Gesetze der Schwerkraft, der Gravitation, ja des Lebens nicht gelten. Da fallen Äpfel von unten nach oben, da wird bei ständiger Beschleunigung niemand aus der Kurve getragen, da darf ein Teil eines lebenden Systems ? nämlich die ökonomischen Zellen und Organe ? auf Kosten des ganzen Körpers immer weiter wachsen. Da scheint ? mit anderen Worten ? der Krebs zum Vorbild geworden zu sein. Wer bislang so argumentierte, wurde des ?naturalistischen Fehlschlusses? angeklagt und durfte im öffentlichen Diskurs nicht mehr mitreden.

      …

      Deutlich muss zudem endlich werden, dass die Spekulation, die nun reihenweise die Banken ins ­Trudeln bringt, nicht nur auf Fehlern allzu risikofreudiger Manager basiert, sondern vom System zwingend vorgegeben wird. Wer für Zins und Zinseszins Gelder generieren muss, die über den Wert der tatsächlich vorhandenen Güter hinausgehen, der muss irgendwann auf Wetten und faule Kredite zurückgreifen, wenn sich das System nicht selbst in Frage stellen soll. Die jüngst geplatzte Spekulationsblase, die allein im internationalen Währungsgeschäft um das 98-Fache größer war, als die tatsächlich vorhandenen Güterwerte, ist also nicht das Problem, sondern nur ein Symptom des kranken Geldsys­tems selbst. Und das kranke Geldsystem ist wiederum Teil eines Systems, dass auch auf anderen Ebenen wild und rücksichtslos auf faule Kredite und Spekulationen baut. Schon der Begriff der ?Krise? ist falsch, suggeriert er doch, dass vor diesem Ereignis alles in bester Ordnung war. Und das war es eben nicht!

      …

      Um zukunftsfähig zu werden, darf das Geld nicht mehr weiter wie bisher dem Zwang ausgesetzt sein, sich ständig zu vermehren. Wirkungsvolle Reformen müssten dafür sorgen, dass Geld nicht länger angehäuft und für Geld verliehen wird, sondern im Umlauf bleibt, um dauerhaft Zukunft zu ermöglichen.

      Quelle: Wohin man blickt: Faule Kredite

      Und auch hier nochmal… eine mögliche Lösung: Global Change 2009

      Gruß

    104. Der Schachspieler schrieb am 12. April 2009 at 18:25 - Permalink

      @98 Realist

      Das gestehen wir selbst in einem Hotel dem Küchenchef oder Chefkoch gegenüber dem anderen Küchenpersonal zu.
      Wenn es zu Missbrauch von Macht kommt, dann haben vor allem die Bürger versagt, die unfähig sind diese Demokratie zu nutzen.
      Menschen die Weltweit durch Kriege sterben, am Hunger verrecken oder täglich mehrere Jobs machen und trotzdem im Elend der Armut landen, fragen mit Sicherheit (zu Recht) nicht zuerst nach diesem ?Kriterium? das du als Punkt 1 auf die Liste setzt.

      Es ist halt ein kleiner Unterschied ob man die Menschheit in Ihrem Sippenverhalten wahrnimmt und meint die bewährte Form der alteingebrachten Hierarchie als solches , wie im Beispiel Chefkoch verwenden zu müssen, oder ob man sie “Real” sieht und entdeckt das sie nicht mehr in kleinen Sippen funktioniert, sondern “globalen” Strukturen unterliegt.

      Das die Hierarchieform in einer Sippe recht bewährt und angebracht ist hat die Vergangenheit gezeigt, und auch die Mammuts wurden in einer solchen besser erledigt.
      Nur heutzutage sich auf die Hierarchie einzulassen wo die “Könige” nicht mehr Transparent sind, und kein Mensch mehr weiss wer der bestimmende Sippenchef ist , halte ich für ziemlich verantwortungslos.

      Genau dieser Zustand wird von den Opportunisten jeglichen Lagers ausgenutzt.
      Das die Menschen nicht mehr wissen wer eigentlich der Chef ist, oder was die bestimmende Kraft ist.
      Aber immer noch Obrigkeitshörig sind wie Lemminge.
      Die Hierarchie geht heutzutage sehr weit, global gesehen ist die Finanzkrise ein Paradebeispiel von gelebtem Opportunismus, und zwar bedingt durch Loyalität zu falschen Hierarchieformen.

      Unter Umständen ist es halt auch wichtig zu sehen, das die Verursacher von Hunger und Leid genau diese undurchschaubaren Imperatoren sind, die eine allgemein akzeptierte Hierarchie hervorbringt, und das in einem globalen Verhältniss.

      Wie gesagt , da scheint das linke und rechte Gedankengut genau die gleichen, selbstverständlich anerkannnten Strukturen der Hierarchie weiter zu pflegen und in diesem Sinne dem Grundübel nicht zu begegnen, egal ob das parlamentarisch stattfindet oder nicht.
      Wohlgesagt, was soll den genau der Unterschied sein zwischen parlamentarische Linke und realer Linke? Aso , ja klar, die empfangene Macht.

      Da finde ich das von Peinhard eingeworfene Argument mit dem imperativen Mandat, auch etwas das die parlamentarischen “Kräfte” mal zur Vernunft führen würde, und dem Opportunismus weniger Möglichkeit bieten würde.

      @100 Peinhard

      Die Planwirtschaft wie sie auch immer genannt wird, scheint die natürlichen Reccourcen des ökölogischen Systems nicht in ethischer Hinsicht zu berücksichtigen, und im allgemeinen den Menschen nur auf die zur Produktion benötigten Mittel zu beschränken.
      Abgesehen davon auch nur eine rein materialistische Theorie.

    105. Gebintit schrieb am 12. April 2009 at 19:39 - Permalink

      @aquadrat, Nr. 82 (Demographie-Diskussion, China)

      Vor 40 Jahren werden die Chinesen auf keinen Fall überaltern. Und bis dahin werden sie die Einkindpolitik (in den Städten) aufgegeben haben. Derzeit liegt die generelle Reproduktionsrate in China noch knapp über 2 Kinder je Frau, trotz der Restriktionen. Das für die, die an Informationen interessiert sind, nicht an Vorurteilen.

      Wo hast du deine Zahlen her? Ich bezog mich, wie angegeben, auf einen Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb…). Deren Daten sind wohl von einer Projektion der Vereinten Nationen von 2006. Es waren somit keine so aus der Luft gegriffenen Vorurteile. Richtig ist aber deine Aussage, dass die Überalterungsproblematik in China nicht so bald akut wird. 40 Jahre könnten schon realistisch sein, da ist also in der Tat noch Zeit für eine korrigierende Politik, die zum Teil ja schon eingesetzt hat (Lockerung der Ein-Kind-Politik).

      Ich behaupte auch nicht, dass demografische Rahmenbedingungen, ob in Japan, Deutschland, oder China, alleine für das wirtschaftliche Wohlergehen verantwortlich sind, aber sie sollten nicht ignoriert werden. Dass die aktuelle Krise vor allem auch eine Verteilungskrise (von Geld, Wohlstand, Arbeit, …) ist, global wie national, das sehe ich auch so.

    106. Realist schrieb am 12. April 2009 at 20:49 - Permalink

      @ 104. Der Schachspieler

      Ob du nun den Mensch in einer kleinen Sippe wahrnimmst oder ?Real? in ?globalen? Strukturen. Eines ist ihm bis heute (genetisch) geblieben. Gruppenverhalten und damit verbundenes Denken und Handeln. Damals wie heute wollen die meisten Menschen zu einer ?Leitfigur? aufblicken. Die USA sind ein Paradebeispiel für diesen Personenkult. Ob dir das nun gefällt oder nicht. Es ist (leider) so. Und das gilt nicht nur für die Politik.
      Ob du mich mit Absicht mit dem Küchenchefbeispiel falsch verstanden hast, oder es nicht deutlich genug rüber kam bei dir, weis ich nicht. Also klarer formuliert.
      In kleinerem Umfang (Gemeinde, Kreis) funktioniert ein imperatives Mandat sehr wohl. Man kennt den Abgeordneten oft persönlich und kann dessen Entscheidungen sofort und direkt nachvollziehen. Bereits in einer Millionen von Einwohnern zählenden Stadt funktioniert dies nicht mehr. Auf Staatsebene würden die Nachteile gravierend werden. Die folgenden Links stellen es anschaulich dar.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Imperatives_Mandat
      http://www.flegel-g.de/willi-weise-konzept.html
      Auf Ebene des Staates, gar bei ?globalen Strukturen? wie du so schön schreibst, verkommt dieses Model regelrecht zur Farce.

      Nur heutzutage sich auf die Hierarchie einzulassen wo die ?Könige? nicht mehr Transparent sind, und kein Mensch mehr weiß wer der bestimmende Sippenchef ist, halte ich für ziemlich verantwortungslos?.
      Das die Menschen nicht mehr wissen wer eigentlich der Chef ist, oder was die bestimmende Kraft ist.

      Ich denke nicht das es das Problem ist, dass die Menschen nicht mehr sehen wer der Sippenchef ist (mag eines deiner Probleme sein) oder die bestimmende Kraft (für mich der ?freie Markt?). Ich sehe das Problem darin, das sie deren Handeln (jeden Tag immer wieder erlebbar, weltweit) nicht in Frage stellen, kritisieren oder gar ablösen wollen! Das sie mangels Interesse an Politik und Geschichte seit Jahrzehnten ihre Volksvertreter gewähren lassen oder durch Wahlen immer wieder legitimieren. Ich nenne es mal Unfähigkeit die Mittel der Demokratie zu nutzen.

      Transparent? (Übrigens ein Lieblingswort von Frau Merkel).
      Die Menschen brauchen keine 100% Sicht auf einen Misthaufen, es gilt den Misthaufen zu entfernen. Und der ist jetzt schon nicht zu übersehen! Die Köpfe der Menschen sind aus meiner Sicht das Problem!

      Unter Umständen ist es halt auch wichtig zu sehen, das die Verursacher von Hunger und Leid genau diese undurchschaubaren Imperatoren sind, die eine allgemein akzeptierte Hierarchie hervorbringt, und das in einem globalen Verhältnis.

      Verursacher von Hunger und Leid sind doch bekannt. (siehe auch Video Wagenknecht)
      Gewollte Abgabe der Macht (Regierung) an die Kräfte eines freien Marktes und ihre Hauptprofiteure. Man nennt es Kapitalismus. Demokratisch legitimiert durch den Bürger.
      Verursacher dieser Zustände ist keinesfalls eine Hierarchie, sondern handfeste Interessen bestimmter sogenannter Wirtschaftseliten.

      da scheint das linke und rechte Gedankengut genau die gleichen, selbstverständlich anerkannten Strukturen der Hierarchie weiter zu pflegen und in diesem Sinne dem Grundübel nicht zu begegnen, egal ob das parlamentarisch stattfindet oder nicht.

      Es ist die ?Mitte?, der wir diesen Misthaufen zu verdanken haben, in dem wir stecken. Die ?Mitte?. Was ist das. Politisch wie Knetmasse, in jede Richtung zu bewegen, schön neutral!
      Deine Beiträge überzeugen mich mitnichten. Selbst unfähig den Menschen im Hier und Heute nur im Ansatz greifbare und machbare Alternativen anzubieten, aber mit dem Finger auf andere zeigen!

      ?was soll den genau der Unterschied sein zwischen parlamentarische Linke und realer Linke?

      Es war deinerseits (unter 94.) von linker ?Szene? die Rede. Nicht ?realer? Linke
      Reale Linke und parlamentarische Linke:
      ist aus meiner Sicht ein und dasselbe. Sie verkörpern in ihren derzeitigen Ansichten die SPD von vor 30-40 Jahren. Schon daran erkennt man, wie dieses System sich von sozialen Errungenschaften verabschiedet hat. Sie sind im Parlament als Partei organisiert um die Mittel der Demokratie gezielt als Interessenvertretung zu nutzen.
      Linke ?Szene? aus meiner Sicht:
      Menschen, die sich nicht parlamentarisch organisieren wollen, glauben, mit Steinewerfen oder gelegentlichen Aktionen die Welt ändern zu können und die meinen jeden Schwarzfahrer in der S-Bahn als revolutionären Kämpfer darstellen zu müssen. Mit “Links” hat diese Szene aus meiner Sicht nichts zu tun.

    107. Der Schachspieler schrieb am 12. April 2009 at 21:44 - Permalink

      Schön, Respekt dem Realisms

      ich als alter Computerspieler habe natürlich auch immer den Lemmingen die Schuld gegeben als ich sie verwenden musste um meine auferlegten Aufgaben zu erfüllen.
      Naja, schliesslich ist ein Computerspiel nicht die reale Welt sondern rein virtuell.

      Von “unten” lassen sich natürlich sämtliche Probleme erklären.

      Warum bin ich auch nicht selber früher darauf gekommen, die Schweine sind Schuld wenn sie der Bauer schlachtet, sind ja selber Schuld das man aus ihnen schöne Koteletts machen kann.

      Was kann der Bauer dafür das er Hunger hat?

      Ist natürlich eine der einfachsten Varianten, die ganzen Grundprobleme den gewöhnlichen Menschen in die Schuhe zu schieben.

      Klaro, nur die parlamentarisch organisierten , machtgeilen sind die einzigen Freiheits-Kämpfer.
      Sie kämpfen ja schlussendlich um die einzig wertvollen Machtinstanzen.

      Du willst Alternativen von mir?

      Wozu braucht es denn Alternativen, bewegen wir doch die faulen Ärsche vor die Wahlurne und lassen wir sie doch alle 4 Jahre mal ein Kreuzchen machen wo sie sich entscheiden können, welcher Parlamentarier sie vertreten darf, natürlich muss dieser Parlamentarier geschützt werden, und auf keinen Fall dürfen wir diesen Parlamentarier für seine nicht eingehaltenen Wahlversprechen bestrafen, weil wir sonst das Grundgesetz brechen.

      Und selbstverständlich , falls der Parlamentarier seine Wahlkampagne nicht rechtzeitig startet , und nicht genug Lobbyismus in den Medien betreibt, werden wir ihn in 4 Jahren mit dem Abwählen bestrafen.

      Ach komm, es ist doch einfach nur lächerlich.

      Für mich ist eine Sache ganz klar, die Alternativen bestehen schon seit geraumer Zeit, und die Art und Weise wie diese Aternativen missbraucht werden ist auch schon so alt wie die Alternativen selbst.

      Vergiss nicht das die Inhalte der einzelnen Köpfe , indoktriniert sind und durch die Medien und die Gesellschaft bestimmt werden. Wen dem nicht so wäre könntest du wirklich die Menschen dafür verantwortlich machen.

    108. Lago schrieb am 12. April 2009 at 21:51 - Permalink

      Ob du nun den Mensch in einer kleinen Sippe wahrnimmst oder ?Real? in ?globalen? Strukturen. Eines ist ihm bis heute (genetisch) geblieben. Gruppenverhalten und damit verbundenes Denken und Handeln. Damals wie heute wollen die meisten Menschen zu einer ?Leitfigur? aufblicken.

      Du vermengst hier verschiedene Dinge: Menschen denken einerseits in Beziehungen und andererseits in Kategorien, Ihre Lebensgemeinschaft (z.B. die Sippe, der Stamm, das Dorf) mit allen Mitgliedern und deren Rollen und Verantwortlichkeiten ist insofern auch mit allen möglichen Beziehungsqualitäten gut beherrschbar für den Menschen, der Evolution sei Dank. Eine generelle “Leitfigur” brauchen sie dabei nicht, vielmehr merken sie sich, wer bei welcher Aufgabe üblicherweise die Verantwortung übernimmt.

      Schwieriger wird das bei Intergruppen-Beziehungen, hier ist es für den Menschen tatsächlich am einfachsten, die andere Gruppe über einen Repräsentaten, also die “Leitfigur” der anderen Gruppe, zu behandeln. Ähnlich sieht es bei hierarchischen Gruppen aus (mit “Schnittstellenrepräsentanten”, die aus Subgruppen/Obergruppen-Beziehung eine klassische Intergruppen-Beziehung erzeugen – all das sind “neue” kulturelle Errungenschaften der Menschen der letzten zehntausend+ Jahre, um die Beschränkungen, die Menschen nun einmal in ihrem Beziehungsmanagement haben, zu überwinden. Leider ist die Niederlassung und Urbanisierung noch nicht so lange her, dass die Evolution da genug Zeit gehabt hätte, ein “Hardware-Upgrade” vorzunehmen.).

      Bereits in einer Millionen von Einwohnern zählenden Stadt funktioniert dies nicht mehr. Auf Staatsebene würden die Nachteile gravierend werden.

      Eine Million ist da allerdings bereits eine riesige Zahl. Zuverlässig funktioniert eine “gute” Repräsentation nur bis etwa 250. Mehr Repräsentierte kann der Repräsentant nur noch quantitativ, nicht mehr qualitativ “behalten”. (Deshalb ist 250 in jeder vernünftigen Hierarchie die absolute Obergrenze der maximalen Zahl von Menschen, für die jemand “direkt” verantwortlich sein darf.)

      Ich denke nicht das es das Problem ist, dass die Menschen nicht mehr sehen wer der Sippenchef ist (mag eines deiner Probleme sein) oder die bestimmende Kraft (für mich der ?freie Markt?).

      Nun, der “Sippenchef” ist wahrlich nicht immer klar, bei den unzähligen Sippen-Dimensionen, deren Mitglied ich bin. Auch die bestimmenden Kräfte sind nicht für jede dieser Dimensionen einfach “der Markt”.

      Ich sehe das Problem darin, das sie deren Handeln (jeden Tag immer wieder erlebbar, weltweit) nicht in Frage stellen, kritisieren oder gar ablösen wollen!

      Hast du das mal probiert? Ich schaffe es üblicherweise ungefähr einmal am Tag, das Handeln eines meiner Myriaden von Sippenchefs in Frage zu stellen, das kostet dermaßen Resourcen. Ich muss mir eine genaue Vorstellung der genauen Sippe dieser Dimension machen, herausfinden, wer der Chef gerade ist, herausfinden, was seine Handlungen so alles sind und waren und dann in Erfahrung bringen, inwiefern diese gut, wahr und schön sind. Alleine das ist nicht selten die Arbeit von Monaten. Es ist schlicht unmöglich, dies tatsächlich für alle Dimensionen ständig zu tun.

      Verursacher dieser Zustände ist keinesfalls eine Hierarchie, sondern handfeste Interessen bestimmter sogenannter Wirtschaftseliten.

      Das kommt immer darauf an, wie man misst. Verursacher sind wir, die wir unsere demokratische Pflicht nicht tun (aus oben geschilderten Gründen), und damit diejenigen, die ihre demokratische Pflicht tun, nicht daran hindern.

    109. aquadraht schrieb am 13. April 2009 at 00:14 - Permalink

      @105 gebintit: Ich habe den BPB-Artikel gelesen und mich geärgert. Ein Aussenamtsdiplomat, Dr. jur., sowas ist sich zu fein, sich mit numerischen Modellen zu beschäftigen, schwätzen ist billiger und weniger zeitaufwändig. Die Struktur der chinesischen Alters”pyramide” kannst Du Dir bei der chinesischen Regierung und vermutlich auch bei UNO und UNesco runterladen oder aus der Bibliothek holen. Wenn es Dich wirklich interessiert, gib mir ein paar Tage Zeit, ein paar Links zu finden, wo Du das halbwegs bequem einsehen kannst.

      Bis dahin ein paar Stichpunkte: Es dauert noch gut 4-5 Jahre, bis weniger Chinesen aus dem Erwerbsleben ausscheiden als in es eintreten. Die von unserem Aussenamtsdiplomaten genannte Altersgrenze gilt nur für Staatsunternehmen. Wenn man berücksichtigt, dass immer noch gut 45% der Chinesen in der Landwirtschaft arbeiten, mit Altersgrenze Umfallen, dazu 25% im privaten Sektor, mit Altersgrenze 65+, und 5-10% im informellen und “Shanzhai”-Sektor, mit Altersgrenze schlimmer als Landwirtschaft (wer umfällt, arbeitet im Liegen weiter), dann wird solches Gefasel zuschanden, schade, dass die BPB dafür Steuergelder rauswirft.

      Sieht man sich die chinesische Altersverteilung an, dann fällt natürlich die demographische Welle der sechziger und frühen siebziger Jahre ins Auge, und ihre durch die Einkindpolitik abgeschwächte Folgewelle in den neunzigern. Derzeit treten noch 5-6 Millionen Menschen mehr pro Jahr ins Erwerbsleben ein, als ausscheiden. Ab ca. 2013/15 wird dieses Verhältnis sich allmählich umkehren, um 2025 werden rund 10-12 Millionen Menschen mehr aus dem Erwerbsleben ausscheiden, als in es eintreten. Bei gleichbleibenden Geburten wird sich diese Welle abschwächen, um 20 Jahre später, mit dem Ausscheiden der nächsten demographischen Welle aus dem Erwerbsleben, nochmals zu steigen, vorausgesetzt, die Geburten sind dann nicht gestiegen. Ich darf erwähnen, dass in China die Arbeitsproduktivität stark zunimmt, der Arbeitskräftebedarf sich damit tendenziell verengt.

      Allein daraus, dass man für Projektionen über 15 Jahre hinaus mit Ungeborenen hantieren muss, haben alle solche Projektionen etwas sehr Hypothetisches und Spekulatives. Wenn man kein Aussenamtsjurist ist, neigt man sehr zur Vorsicht, wenn man diesen Horizont überschreitet. Die Chinesen selbst, die derzeit ja noch eine positive Geburtenrate (landesweit ca. 2,2 Kinder/Frau) haben, sind sehr im Zweifel, was bei einer Lockerung der Einkindpolitik geschehen wird. Da niemand in China indische Zustände will, hält man sich da eher zurück.

    110. fpk schrieb am 13. April 2009 at 05:47 - Permalink

      Hab leider wenig Hoffnung. Die nächsten zehn Jahre werden düster. Ein wichtiger Grund für die Krise, die massive Ausweitung der Geldmenge und ein Leben auf Pump, soll jetzt helfen, die Krise zu bekämpfen?
      Derzeit wird das Geld, das die Regierungen gerade drucken noch gehortet. Das wird sich ändern, wenn die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt.
      So weit ich das überschauen kann, wirds im Euroraum (wenn er in einem Jahr noch existiert) nicht so schlimm werden wie in den USA, da die EZB immer noch relativ konservativ agiert. Die USA haben aber alle Hemmungen verloren und drucken Geld wie die Wahnsinnigen (17% Geldmengenwachstum im letzten Jahr).
      Schwer vorzustellen, dass irgendeine Regierung oder Notenbank, wenn die Konjunktur wieder anspringt, den Mut aufbringt das ganze schöne Geld wieder aus dem Markt zu nehmen und sich der Kritik aus zu setzten, das zarte Pflänzchen Konjunkturerholung zu zerstören.

      @ Peinhard 100
      was ist denn Planwirtschaft sonst, als die Planung der Wirtschaft eines Staates durch eine zentrale Instanz?

      Nur um das Problem mit den Preisen, das entsteht, wenn es kein Privateigentum und keine Märkte gibt und Planer Preise festsetzen, etwas plastischer zu machen, ein schönes Beispiel aus dem realen Leben:

      In 1982, to stimulate the production of gloves from moleskins, the Soviet government raised the price it was willing to pay for moleskins from twenty to fifty kopecks per pelt. Smelev and Popov noted:

      State purchases increased, and now all the distribution centers are filled with these pelts. Industry is unable to use them all, and they often rot in warehouses before they can be processed. The Ministry of Light Industry has already requested Goskomtsen [the State Committee on Prices] twice to lower prices, but ?the question has not been decided? yet. This is not surprising. Its members are too busy to decide. They have no time: besides setting prices on these pelts, they have to keep track of another 24 million prices. And how can they possibly know how much to lower the price today, so they won?t have to raise it tomorrow?

      http://tinyurl.com/yb5owr

      @ Realist

      der Markt ist eben nichts konstruiertes, sondern das was entsteht, wenn Menschen frei interagieren. Ein Prozess von unten nach oben.
      Ein viel demokratischerer Prozess als Regierungsentscheidungen von oben nach unten.

      Regierungsentscheidungen, die im Gegensatz zu der schönen Rhetorik die (meist faulen, weil politischen, nicht ökonomische, sozialen oder andere wirklich lösungsorientierten Überlegungen geschuldeten) Kompromisse der verschiedenen Interessengruppen widerspiegeln, aber sicherlich nicht die Interessen des Volkes. Was immer das sein soll. Hatten wir die Volxretorik nicht mit dem 20. Jh. hinter uns gelassen?

    111. Realist schrieb am 13. April 2009 at 08:10 - Permalink

      @ 107. Der Schachspieler

      Dümmlicher kann ein Vergleich nicht sein. Das unterscheidet uns eben von den Schweinen oder den Lemmingen auf deinem PC. Wir Menschen können alle denken und durchaus Einfluss nehmen auf unser ?Los?.
      Diese Demokratie ist längst keine mehr, die noch zuverlässig funktioniert. Das ist auch meine Ansicht. Aber du hast vor allem ein Problem. Wenn man, wie du, dieses Mittel der Einflussnahme nur als Machtgeil abtut, dann muss sie verkommen. Es gilt diese Chance zu nutzen.
      In der heutigen Zeit gilt es mehr denn je im Parlament Einfluss zu nehmen und Gesetze zu verhindern die sich gegen die Menschen richten und dem freien Markt Vorrang geben. Außerparlamentarische Aktionen werden oft erst aktiv, wenn Tatsachen geschaffen wurden. Eines der Gründe für die heutige Situation.

      Vergiss nicht das die Inhalte der einzelnen Köpfe, indoktriniert sind und durch die Medien und die Gesellschaft bestimmt werden. Wen dem nicht so wäre könntest du wirklich die Menschen dafür verantwortlich machen.

      Wie einfach du es dir machst. Natürlich, die Medien sind eine wichtige Waffe um die Köpfe zu erreichen. Und die Herrschenden haben sie schon immer zu nutzen gewusst. Aber seit einigen Jahrzehnten, haben zumindest in den entwickelten Industrienationen, viele Menschen Zugang auch zu anderen Information und Wissensquellen. Und hier ist dann durchaus ein Vorwurf auch an die ?einfachen? Menschen zu machen, wenn sie ihren Verstand nicht gebrauchen.
      Nein. Du hast keine Alternativen zu bieten. Frage dich doch mal warum deine ?Ideen? (das sind sie) die Menschen nicht anspricht und begeistern kann?
      Mach nicht die Medien wieder nur verantwortlich.

      @ 110. fpk

      der Markt ist eben nichts konstruiertes, sondern das was entsteht, wenn Menschen frei interagieren. Ein Prozess von unten nach oben. Ein viel demokratischerer Prozess als Regierungsentscheidungen von oben nach unten.

      Diese These der alles selbst regulierenden Märkte, Vertreten z.B. durch Prof. (Un)Sinn vom Ifo Institut, sind längst widerlegt. Im Kapitalismus ist die Triebfeder des Marktes das Profitstreben der Kapitalinhaber. Überlässt man dem Markt dieser Interessengruppe ohne klare ?Spielregeln? das Feld, kommt es immer wieder zu Verwerfungen wie wir sie auch heute wieder erleben.
      Wo siehst du darin einen ?viel demokratischerer Prozess als Regierungsentscheidungen? darin?

      Regierungsentscheidungen, die im Gegensatz zu der schönen Rhetorik die ? Kompromisse der verschiedenen Interessengruppen widerspiegeln, aber sicherlich nicht die Interessen des Volkes.

      Deine Worte widersprechen sich. Die Interessen des Volkes sind vielschichtig! Deshalb gibt es Kompromisse, vertreten durch Parteien, als Vertreter dieser Interessengruppen. Das der Wähler, seit Bestehen dieser Republik, immer auf die ?schönen Rhetorik? und Lügen der Politiker reinfällt, ist eine andere Sache.

      Was meine Zeilen mit Volksrhetorik zu tun haben, entzieht sich ebenfalls meinem Verständnis.

    112. Realist schrieb am 13. April 2009 at 09:13 - Permalink

      @ 108. Lago

      Ich wollte kein Buch schreiben, sondern mit wenigen Zeilen das Verhalten des Menschen als soziales Wesen und das damit verbundene Gruppenwesen grob aufzeigen. Natürlich ist das eine Komplexere Sache.

      Leider ist die Niederlassung und Urbanisierung noch nicht so lange her, dass die Evolution da genug Zeit gehabt hätte, ein ?Hardware-Upgrade? vorzunehmen.)

      Das ist die Tatsache, die ich auch versucht habe darzustellen. Es nützt nichts zu träumen und sich einen Menschen herbei zu wünschen, den es einfach noch nicht gibt. Daran sind schon ganze Gesellschaftssysteme gescheitert.

      So wie es aus dem Umfeld, das ein Mensch persönlich überblicken kann, hinausgeht, gelten nun mal andere Regeln wie in der kleinen Gruppe. Der Link zur Seite von G. Flegelskamp, den ich gesetzt hatte, setzt mit treffenden Worten eines dieser Träume auf den Boden der Tatsachen. http://www.flegel-g.de/willi-weise-konzept.html

      Ich schrieb:
      Verursacher dieser Zustände ist keinesfalls eine Hierarchie, sondern handfeste Interessen bestimmter sogenannter Wirtschaftseliten.
      Deine Antwort:
      Das kommt immer darauf an, wie man misst. Verursacher sind wir, die wir unsere demokratische Pflicht nicht tun (aus oben geschilderten Gründen), und damit diejenigen, die ihre demokratische Pflicht tun, nicht daran hindern.

      Du hast Recht. Aber Deine Zeilen verwundern mich etwas. Wenn du meine Beiträge richtig gelesen hast, dann würdest du feststellen dass ich genau diesen Punkt auch so sehe.
      Der Mensch, der Bürger, der Wähler mit seinem derzeitigen Verhalten ist eines (nicht die einzige) der Ursachen für die Zustände auf dieser Welt!

    113. gerhardq schrieb am 13. April 2009 at 09:34 - Permalink

      @111: Im Grunde hat der Prof. (Un)Sinn recht, wenn er sagt, der Markt wird es regulieren. Nur dürfte die Regulation nicht so erfolgen, wie wir es als “richtig” empfinden. Eine Regulation ist es nämlich auch, wenn nur ein paar “Superreiche” übrigbleiben und der Rest der Menschen ist tiefer Armut verharren müssen. Genau damit das nicht passiert, brauchen wir eben Regeln, festgelegt im demokratischen Verfahren – auch Gesetze genannt.
      Nach Prof. (Un)Sinn wäre ein Staat mit wenig Reichen und vielen Armen in Ordnung, da von den Reichen genug abfällt, damit die Armen leben können. Das ist dieses fatale neoliberale Dogma, dieser Glauben an den Altruismus der Reichen. Aber wie wir aus den USA sehen, verfolgen die Reichen eben auch grundsätzlich ihre eigenen Ziele, wenn sie dem “Gemeinwohl” etwas Gutes tun wollen.

      Eine Planwirtschaft, die alles regeln will, muß versagen. In dynamischen Systemen, wie es eine Volkswirtschaft nun einmal darstellt, kann Planwirtschaft auf Grund der Wechselwirkungen und Komplexität nicht funktionieren, so etwas geht nur bei sehr einfachen Systemen. Allerdings kann man als Regierung durch Gesetze, Vorschriften sowie Bevorzugung genehme Richtungen unterstützen. Genaugenommen haben die Planwirtschaftler einen großen Fehler gemacht, sie versuchten, alles zu planen und zu kontrollieren, anstatt eine allgemeine Vision vorzugeben. Es ist wie bei Unternehmen, die Vision hilft, den Kurs zu halten, bzw. zu finden. Daher benötigen wir eine Vision der Gesellschaft, die wir haben wollen. Wollen wir eine soziale Gesellschaft, die auch die Schwachen unterstützt? Oder wollen wir eine Gesellschaft der Starken, die bevorzugt werden und die Schwachen können selbst sehen, wie sie klar kommen.
      Genaugenommen ist es eine Grundsatzfrage, nämlich die Antwort auf die Frage, wem ist der Erfolg zuzuordnen. Wer der Meinung ist, daß Erfolg einem Einzelnen (in der Regel sich selbst) zuzuordnen ist (der einzelne kann auch eine Gruppe sein), der bevorzugt das neoliberale Gedankengut der Stärke und Selbstverantwortung. Dieses Gedankengut spiegelt sich dann auch in den Gesetzen wider, z.B. dem Verhältnis zu Patenten, Urheberrechten, kurz gesagt zu Besitz jeder Art.
      Dann gibt es noch die Menschen, die meinen, daß der Erfolg Einzelner im Grunde immer auf der Gemeinschaft aller aufbaut, es gibt keine isolierten Erfolge. Erfolg ist nur in einem bestimmten Kontext möglich gewesen. Das sind Menschen, die auch den Schwachen und den Andersartigen einer Gesellschaft eine wichtige Rolle zubilligen. Das sind beispielsweise die Vertreter von OpenSource oder Wikipedia, die Vertreter von Gemeinnützigkeit.

      Wir haben uns in Deutschland von den starken gemeinnützigen, den sozialen Gedanken der Vergangenheit wegbewegt. Das hat auch viel damit zu tun, daß die Parteien, die sich sozial auf ihre Fahnen geschrieben hatten, sich schrittweise von diesen Positionen zugunsten einer Einstellung der Stärke verabschiedeten.

    114. fpk schrieb am 13. April 2009 at 10:04 - Permalink

      Sorry, aber wo hab ich geschrieben es bräuchte keine Regeln in ner Marktwirtschaft?

      Du meintest “der Markt” (Plural wäre wohl angebrachter) wäre etwas konstruiertes. Märkte entstehen spontan, wenn Menschen Dinge austauschen und interagieren. Da gibts nichts konstruiertes, zumindest so wie ich das Wort verstehe, nämlich als einen zentral geplanten Prozess. Wenn das nicht deiner Def. entspricht, dann klär m ich auf, was du mit konstruiert meinst.

      Und

      Du hattest doch geschrieben,

      Du stellst den Markt über die Interessen des Volkes (Regierungen).

      Das meinte ich mit Volxrhetorik. Das Volk gibt es ebensowenig wie die Gesellschaft oder den Markt.

      Wie du jetzt ganz richtig schreibst, sind die Interessen der Menschen im Land sehr verschieden. Weshalb ich nicht sehen, wie die Regierung die Interessen des ganzen Volkes vertreten kann.

      Regierungen vertreten die Interessen einzelner gut organisierter Gruppen. Meist der schon Etablierten. Selten derer, die wirklich Hilfe brauchen. Starke Regierungen (im sinne von viele Gesetzte und viel Geld) vertreten diese Interessen stärker zu Ungunsten der nicht so gut organisierten.

      Und

      Märkte sind nichts anderes als die ökonomischen Interaktionen aller Menschen im Land, weshalb es schwierig wird “den Markt” über “das Volk” zu stellen.

      Die Marktwirtschaft ist das erfolgreichste Wirtschaftssystem aller Zeiten. Und das nicht, weil Leute ausgebeutet werden wie oft behautet, sondern weil sie durch das Preissystem am effektivesten mit Informationen umgeht wie Ressourcen am besten zu verteilen sind.
      Und weil sie dem Einzelnen die Freiheit gewährt zu wirtschaften wie es ihm gefällt. Das meine ich mit dem demokratischen Element von Marktwirtschaft im Gegensatz zu einer Wirtschaft durch Regierungen etwa.

      Märkte sind nicht perfekt. Idealisierung ist nicht angebracht. Es braucht Regeln und einen Staat, der sie durchsetzen kann. Aber ebenso wenig ist eine Verteuflung angebracht, wie sie aus deinen Statments rausklingt.

    115. Momo schrieb am 13. April 2009 at 11:21 - Permalink

      @ 110 – fpk

      “Hab leider wenig Hoffnung. Die nächsten zehn Jahre werden düster. Ein wichtiger Grund für die Krise, die massive Ausweitung der Geldmenge und ein Leben auf Pump, soll jetzt helfen, die Krise zu bekämpfen?
      Derzeit wird das Geld, das die Regierungen gerade drucken noch gehortet. Das wird sich ändern, wenn die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt.”

      Auf den GÜTERMÄRKTEN muß eine ansteigenden Inflation aus meiner Sicht nicht eintreten:

      - Eine “Kosteninflation” entsteht, wenn die Lohnstückkosten stärker steigen als die Summe aus Produktivitätswachstum und Zielinflationsrate der EZB.
      - Eine “Nachfrageinflation” entsteht, wenn die Produktionskapazitäten der Unternehmen voll ausgelastet sind und zusätzliche Nachfrage zu Preiserhöhungen führt.

      Beide Inflatonsrisiken sehe ich für die absehbare Zukunft nicht. Siehe hierzu auch meinen Kommentar mit der Nummer 13 (sowie den Korrekturhinweis in Kommentar 14).

      Aus heutiger Sicht droht auf den GÜTERMÄRKTEN eher eine deflationäre Entwicklung, die im übrigen im Vergleich zu einer inflationären Entwicklung wesentlich schwerer zu bekämpfen ist.

      Eine ganz andere Frage ist aus meiner Sicht, ob die von den Zentralbanken in den Wirtschaftskreislauf gepumpte Liquidität auf den FINANZMÄRKTEN zu dem Entstehen neuer Spekulationsblasen mit beitragen wird. Hierauf habe ich keine schlüssige Antwort.

    116. Realist schrieb am 13. April 2009 at 12:19 - Permalink

      @ 113. gerhardq

      Deinen Zeilen kann ich mich in allen Punkten anschließen.

      Ich bin kein Anhänger einer Planwirtschaft. Das ist eines der Dinge die ich auch meinte mit:
      ??Es nützt nichts zu träumen und sich einen Menschen herbei zu wünschen, den es einfach noch nicht gibt. Daran sind schon ganze Gesellschaftssysteme gescheitert.?

      Wenn ich für ein Modell eines demokratischen Sozialismus eintrete (ich bin kein Mitglied einer Partei), dann ist es die Idee die dahinter steckt.
      Demokratie, eine soziale Marktwirtschaft und die wichtige Frage nach dem Verändern der Besitzverhältnisse (gemeint ist damit das Niveau, was vor 50 Jahren auch noch in der alten BRD als ?normal? angesehen wurde). Es gilt die Verhältnisse zu ändern und nicht Symptome zu bekämpfen.
      Sicher nicht die Vollkommenheit. Aber das derzeit Machbare, das viele Menschen mit tragen würden. Dies umzusetzen wäre schon eine gewaltige Aufgabe, im Umfeld dieser globalisierten Märkte.

      Das hat auch viel damit zu tun, dass die Parteien, die sich sozial auf ihre Fahnen geschrieben hatten, sich schrittweise von diesen Positionen zugunsten einer Einstellung der Stärke verabschiedeten.

      Ich habe mich auch an verantwortliche Vertreter in Politik, Gewerkschaften, ARGEN dazu gewandt. Eines kommt bei allen aber als harsches Argument:
      ??Es ist der Wähler, der uns für unser Handeln legitimiert, es sind die Interessen unserer Klientel, die wir in erster Linie zu vertreten haben, es liegt an den Menschen uns zu zeigen, das sie dies so nicht wollen?…
      Und das sagte mir fast wörtlich der Chef meiner ARGE bei einem persönlichen Gespräch. Es ist die traurige Wahrheit.

      @ 114. fpk

      Sorry, aber wo hab ich geschrieben es bräuchte keine Regeln in ner Marktwirtschaft?

      Deine Zeilen, die ich zitiert habe, lassen nur diesen Schluss zu.
      So wie deine Zeilen die Ideen und Wörthülsen eines Prof. (Un)Sinn wiederspiegeln. Man kann da gar nicht missverstehen.

      ?Du stellst den Markt über die Interessen des Volkes (Regierungen)?.
      Das meinte ich mit Volxrhetorik. Das Volk gibt es ebenso wenig wie die Gesellschaft oder den Markt.

      Bitte Bodenhaftung bewahren. Selbstverständlich gibt es ein Volk, eine Gesellschaft und einen Markt!
      Ich bin kein Anhänger der Planwirtschaft. Du wirst keine Zeile von mir finden, wo ich dieses schreibe. Ein demokratischer Sozialismus will das auch nicht. Auch wenn die Bildzeitung und ein Prof. Sinn das vielleicht behaupten.

      @ alle

      Abschließend möchte ich einen Link setzen, in dem Aussagen von Carl Friedrich von Weizäcker aus seinem Buch der “bedrohte Frieden” sinnbildlich geäußert werden. Zu allen Punkten stehe ich. Auch zu seiner Meinung zu den Menschen in Deutschland.

      Am Ende analysierte er?

      Die kleine Clique, denen die Welt schon jetzt gehört, herrscht nach dem einfachen aber klaren Motto: Eine Welt in der wir nicht das alleinige Sagen haben, die braucht es auch in Zukunft nicht mehr zu geben?

      Zumindest wird deutlich dargestellt. Diese Clique ist nicht abschaffbar durch romantisch verklärte Weltbilder und simple Fantasien vonTagträumern, nicht durch Bla, Bla Diskussionen in Blogs in denen mehr oder weniger inhaltsvoll gelabert wird! Glaubt mir, von den Herrschenden interessieren eure Vorschläge keinen.

      Hier und Heute muss man politisch Stellung beziehen, mit den Mitteln die wir haben und nicht erst, wenn sich die Schlinge unwiederbringlich zugezogen hat. Haben wir erst eine Diktatur, Faschismus, dann endet es blutig. So wie es Carl Friedrich von Weizäcker vorher sieht.
      http://www.flegel-g.de/weizaecker.html

      Ich hab zum Thema meine Ansicht und Meinung dargestellt und will hier einfach Schluss machen.

      Niemand soll sich durch mich gehindert sehen, über ?Entschulden, weginflationieren oder aussitzen?? dieser Krise weiter zu philosophieren.

    117. Peinhard schrieb am 13. April 2009 at 12:40 - Permalink

      @fpk

      “Du meintest ?der Markt? (Plural wäre wohl angebrachter) wäre etwas konstruiertes. Märkte entstehen spontan, wenn Menschen Dinge austauschen und interagieren.”

      Verzeihung, aber das ist weder sachlich noch historisch haltbar. ‘Der Markt’ wie in ‘Marktwirtschaft’ umfasst weit mehr als ein ‘spontanes Interagieren’, es erfordert zB all die rechtlichen Setzungen zum Eigentumsbegriff, die ua dazu führen, dass man Arbeitskraft einkaufen und sich deren Ergebnisse als Eigentümer von Produktionsmitteln aneignen kann. Und ja, das ist immer ‘Ausbeutung’ – es sei denn, du erklärst mir mal, wie sonst ‘Profit’ entsteht. Und dieser ganze ‘Rechtekanon’ ist unter durchaus blutigem Einsatz von Macht entstanden, und braucht auch zu seiner Aufrechterhaltung weiterhin derselben – mal mehr, mal weniger, in Zukunft wohl erstmal wieder mehr…

      Unter ‘Planwirtschaft’ verstehe ich zunächst mal alle Ansätze, die sich im Vorfeld der Produktion unter Berücksichtigung der Bedürfnisse (die im übrigen nicht identisch sind mit dem, was in der ‘Marktwirtschaft’ als ‘Nachfrage’ auftritt), der Gebrauchswerte (und nicht der Tauschwerte) sowie der produktiven Möglichkeiten (Verfügbarkeit von Arbeitskraft, Energie und Rohstoffen) ‘Gedanken’ über die Produktion machen, also einen ‘Plan’ machen. Das hat nichts mit zentralen Instanzen und schon gar nichts mit dem Staat zu tun, der bei einer solchen koordinierten Interaktion in seiner heutigen Form eh obsolet würde, da dies eine Organisation ergäbe, in der der Einzelne zwar wie heute in mehreren ‘Reichweiten’ gleichzeitig vertreten wäre (Kommune, Region, Land, Staat, ‘global’), die aber nicht mehr wie heute hierarchisch ‘vom kleinen zum großen’ aufgebaut wären, sondern gleichberechtigt je nach ‘Produktionsanforderungen’. So wäre die Produktion von Brötchen in einem anderen ‘geographischen Rahmen’ zu organisieren als zB die Produktion von Computern oder Autos.

      Der ‘Preis’ kann im übrigen diese vielfältigen Anforderungen – über die mE eben gemeinsam und demokratisch zu entscheiden wäre – als singuläre Kenngröße nur höchst unzureichend abbilden, wenn etwas ‘billig’ ist, sieht man dem Preis nicht an, ob er durch besonders effektive und gewitzte Produktionsmethoden oder einfach nur als Folge besonders drastischer Ausbeutung in der sog. ‘Dritten Welt’ entstanden ist. Auch nicht, ob durch besonders sparsame Verwendung oder im Gegenteil besonders schamlose Verschwendung von Rohstoffen usw usf. Das Gerede von der ‘optimalen Allokation’ nur durch den ‘Preismechanismus’ ist eine (eigentlich spätestens auf den zweiten Blick erkennbare) Mär, die durch ewige Wiederholung auch nicht glaubhafter wird.

      Und was ist deiner Meinung nach eigentlich ‘Materialismus’?

    118. Peinhard schrieb am 13. April 2009 at 14:11 - Permalink

      @116 Realist

      “Ich bin kein Anhänger der Planwirtschaft. Du wirst keine Zeile von mir finden, wo ich dieses schreibe. Ein demokratischer Sozialismus will das auch nicht.”

      Was will er denn…? Auch nur wieder ‘planlos’ drauflosproduzieren…?

    119. Der Schachspieler schrieb am 13. April 2009 at 14:38 - Permalink

      @111 Realist

      Auch wenn für dich meine Vergleiche blödsinnig erscheinen, so finde ich doch das du in gewissen Punkten Recht hast. Ich formuliere es gerne in einem “frustriert” übertriebener Darstellung, aber egal

      Machtgeil finde ich nicht die Menschen die versuchen mit demokratischen Mitteln Einfluss zu nehmen auf die Entscheidung der Obrigkeit, Machtgeil finde ich nur dir gezüchteten Erfolgsmenschen die es als politisches Vorbild heutzutage meistens and die Machtspitze schaffen.

      Nicht nur die Demokratie scheint eine starke Leckage und Durchlässigkeit zu haben die es “profilierten” Rhetorikern leicht macht an die Spitze der “Intelligenzia” zu schaffen.
      Das absurde an der menschenverachtenden Rhetorik sind oft die wunderbar “logischen” Argumente, mit denen auch noch so falsche Tatsachen, richtig argumentiert werden.

      Der Weizsäcker scheint eine gute Vorstellungskraft, oder geheimes Wissen gehabt zu haben, ändert nichts an der Tatsache das auch er ziemlich abgehoben durch seine gelebte Intelligenz zu sein scheint.

      Die nichtinanspruchnahme von demokratischen Mitteln, einer unteren “Intelligenz-Schicht” vorzuwerfen, und damit die “profilierten” Opportunisten zu bestätigen, ganz speziell die Horden von schönen Versprechen und die “gezielte” Meinung der Spezialisten nicht sehen zu wollen…..naja

      Die ganze Gesellschaftsform ist mittlerweile auf Spezialisten aufgebaut, und du willst doch wohl nicht vom “unteren” Intelligenzrand erwarten, jegliche Fragethematik richtig zu erkennen und mit Wahlstimmen zu bestätigen oder abzuwerten.
      Und wenn wir schon Spezialisten als das non plus Ultra der Meinungsbildung haben, dann müssen wir auch so weit gehen und die Spezialisten zur Verantwortung ziehen, und nicht die “Spezialistengläubigen” oder wie auch immer diese neue Religion heissen soll.

      Das Modell der sozialen Marktwirtschaft wird in letzter Zeit immer wieder als das Top-Modell dargestellt. Für mich scheint die soziale Markwirtschaft nur in der Zeit des Kommunismus , als kapitalistischer Gegenpart geduldet worden zu sein.
      Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, zerfiel auch die soziale Markwirtschaft.
      Das einzige was meiner Meinung nach einer sozialen Markwirtschaft fehlt ist die ökölogische Komponente.

      Speziell in einem westlich-europäischen Land scheint die soziale Marktwirtschaft ein mögliches Modell zu sein, unterliegt aber immer noch dem “neoliberalistischen” Kreditvergabesystem und ist heutztage kaum mehr realisierbar, da zuerst die Schuldenberge mit Zins und Zinseszins abgetragen werden müssen.

      Soziale Markwirtschaft in geschichtlicher Verantwortung zu den Entwicklungsländern und den ausgebeuteten Staaten die das merkwürdige Glück hatten, Reccourcen zu haben, scheint die Menschen auch nicht zu interressieren.
      Sozusagen: Sozial aber nur National.

      Du sagst meine Ideen finden kein Feedback?

      Das braucht dich doch als alten Menschenkenner nicht zu wundern, das die ungemütlichen Wahrheiten keiner hören will.
      Populismus ist eine Opportunistische Machtmetode.

      PS: Eine sehr falsch verbreitete Meinung sehe ich in dem Irrglauben das die Marktwirtschaft der Erzeuger des Wohlstandes in dem letzten Jahrhundert ist.
      Ohne die europäische Vorherrschaft und dem Kolonialismus, und die damit verbundene Ausbeutung des Planeten hätte es keine Grundlage für den Wohlstand gegeben.
      Die technischen Entwicklungen , die primär militärisch genutzt wurden, erlaubten dann die weitere technische Entwicklung hin zu noch grösserem, wohl gesagt materiellem, Wohlstand.
      Marktwirtschaft, ohne Grundkapital?
      Wie soll eine Marktwirtschaft fair sein können, wenn nicht jeglicher Teilnehmer die gleichen Ausgangsbedingungen erhält?

    120. Neu hier schrieb am 13. April 2009 at 15:00 - Permalink

      Zwei Monologe, die sich gegenseitig immer und immer wieder störend unterbrechen, nennt man eine Diskussion.

      Zitat von Charles Tschopp

      Und irgendwie diskutiert, ihr hier um den heissen Brei herum… eins der wichtigsten Probleme wird immer wieder vergessen und zwar der : ZINSESZINS

      Es darf einfach nicht sein das sich Geld, einfach so vermehren darf ohne das hierfür eine reale Leistung erbracht wird, mein Gott 100? bei 5% Zinsen über 100 Jahre machen fast 14000?, aber ohne Zinseszins nur 600?, was wir brauchen ist keine neues Marktwirtschaftssystem oder sonst irgendwas sondern das aller wichtigste wäre zuerst die Abschaffung des ZINSESZINS!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    121. Lago schrieb am 13. April 2009 at 15:13 - Permalink

      Ich würde noch einen Schritt weitergehen: ABSCHAFFUNG DER MATHEMATIK!!!!

    122. Neu hier schrieb am 13. April 2009 at 17:18 - Permalink

      @121 rechne halt nach, bevor du hier so rum “rumquirlst” durch den Zinseszins kommt es zu solchen extremen…..

    123. Realist schrieb am 13. April 2009 at 17:34 - Permalink

      @ 118. Peinhard

      Ich wollte mich zwar nun aus der weiteren Diskussion heraushalten, aber möchte dir doch noch diese Zeilen schreiben

      Was will er denn?? Auch nur wieder ?planlos? drauflosproduzieren??

      Nein, das will er bestimmt nicht! Aber warum Begriffe so verbissen mit alten Vorstellungen verbinden?

      Planwirtschaft ausgeführt wie in den ehemaligen Ostblockstaaten konnte nicht funktionieren. Lächerlich billigste Mieten da, dafür als Ausgleich andere Güter unverhältnismäßig teuer usw.
      Deine Vorstellung von Planwirtschaft kann ich teilen. Die Vernunft und die Natur zwingen längst dazu diesen Weg zu gehen.
      Im Kapitalismus eine praktizierte Marktwirtschaft. Aber auch hier gegen jede menschliche Vernunft. Soll heißen: sinnlose Überproduktion auf Halde, damit unfähig zu von vornherein vernünftig geplante Erzeugung von Gütern.

      Aber glaubst du wirklich, dass wir diese Art des längst überfälligen Planens, die du ansprichst, durchsetzen können ohne den Kapitalismus, der diesem Model zutiefst entgegensteht, vorher abgelöst zu haben?
      Nur eines ist derzeit sicher. Die Zeit läuft gegen die Menschheit mit ihrer alles zerstörende Art des Kapitalistischen Wirtschaftens. Ein Wirtschaften das keine Grenzen akzeptiert, bis wir diese Welt zugrunde gerichtet haben.

    124. Realist schrieb am 13. April 2009 at 18:47 - Permalink

      @ 119. Der Schachspieler

      Nochmal ein ?Tabubruch? von mir (wollte mich aus der weiteren Diskussion ja heraushalten).

      Wenn ich einige Sätze in deinen Zeilen auch nicht ganz so zu deuten weis. Aber im Grunde verbindet uns doch die Einsicht, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Nur über den Weg sind wir wohl völlig verschiedener Meinung.
      Ich bin entschiedener Gegner des Kapitalismus, eine soziale Marktwirtschaft unter diesem System kann es nicht geben, weil Einer immer die Zeche für den Wohlstand des Anderen zahlt.

      Ich habe in den Jahren nach 1989 viel lernen müssen und so manche Vorurteile fallen lassen. Vor allem aber habe ich eines begriffen. Die Menschen so zu nehmen wie sie sind und sich keinen Illusionen mehr hinzugeben. Denn dann bist du mit Sicherheit der Verlierer im Kampf um die Köpfe um eine andere Welt.
      Organisation bedingt immer auch Strukturen. Das muss doch nicht zwangsläufig Antidemokratisch oder Machtbesessen sein.
      Du verteufelst Eigenschaften von Menschen, die aber nun einmal zu uns Menschen gehören. Eine ?graue Maus?, die verschüchtert vor Publikum steht oder ein Mensch der nicht mehr wie 2 Sätze zu einem Thema zusammenbringt wird nun mal leider niemanden für eine Sache begeistern können. So gut seine Idee auch sein mag.

      Als Resümee bleibt mir eigentlich nur zu sagen:
      Man muss die Menschen da abholen wo sie im Augenblick stehen und als Gegenkräfte zu dieser derzeitigen menschenverachtenden Welt jene einbinden, die real vorhanden sind. Auch eine Partei die Linke.

    125. Der Schachspieler schrieb am 14. April 2009 at 09:38 - Permalink

      Tabubruch ist wenigstens ein Anfang.

      Die einzige Lösung die ich sehe ist eine “sozialistische Leistungsgesellschaft”.

    126. Peinhard schrieb am 14. April 2009 at 09:39 - Permalink

      @123 Realist

      “Nein, das will er bestimmt nicht! Aber warum Begriffe so verbissen mit alten Vorstellungen verbinden?”

      Tu ich ja gar nicht, im Gegenteil. ;) Aber du hast natürlich völlig recht, wenn du die ‘Begrifflichkeit’ ansprichst. Begriffe wie Sozialismus, Kommunismus und natürlich auch Planwirtschaft sind scheinbar hoffnungslos mit dem ‘real existent gewesenen Fehlversuch’ verknüpft, und Medien wie Eliten tun in der Mehrzahl alles, damit das auch so bleibt und auch die damit verbundene Tabuisierung der Inhalte gleich mit. Und die ohnehin schon ‘traditionell’ gespaltene ‘Linke’ kann sich auch nicht darauf einigen, ob sie diese Begriffe nun ‘zurückerobern’ oder sich um eine neue Begrifflichkeit bemühen soll. Wobei es bei letzterem allerdings schwierig werden dürfte, zB Begriffe wie ‘Plan’ oder ‘Planung’ zu vermeiden, wenn es um die Darstellung dessen geht, was man für sinnvoll und geboten hält. Andererseits aber bei den meisten eben gleich die Rollläden runtergehen, wenn man sie dennoch verwendet.

      “Aber glaubst du wirklich, dass wir diese Art des längst überfälligen Planens, die du ansprichst, durchsetzen können ohne den Kapitalismus, der diesem Model zutiefst entgegensteht, vorher abgelöst zu haben?”

      Die Durchsetzung würde die Ablösung bedingen, täte ich mal sagen, also weniger als ‘vorher – nachher’, sondern (notwendigerweise) als Gleichzeitigkeit. ‘Geistig’ würde es natürlich schon die Ablösung voraussetzen – und wenn ich auch mal ‘Realist’ sein darf, sehe ich in dem gegenwärtigen ‘Klima’ auch wenig ‘reale’ Chancen dafür, allein die ‘neoliberalen Verheerungen’ sitzen schon zu tief. Andererseits sitzt allerdings auch das Unbehagen am gegenwärtigen Zustand tief. Und ‘wir’ sollten uns also auch nicht davon abhalten lassen, weiterhin für richtig zu halten, was richtig ist. ;)

      P.S. Gerade lese ich von einer neuen Blüte des ‘Neosprech’ – das Angie bezeichnet den Bad-Bank-Vorschlag Steinbrücks offenbar als ‘faire Lastenteilung’. Irgendwann hat auch der Letzte mal die Schnauze voll von den allfälligen Umdeutungen – ‘Reform’, ‘Individualismus’, ‘Eigenverantwortung’ usw usf…

    127. misterL schrieb am 14. April 2009 at 10:55 - Permalink

      Krise – welche Krise?

      Vor der Krise ist nach der Krise und in der Krise ist in der Krise. Dort sieht sowieso alles etwas dunkler aus als in den Phasen dazwischen. Das Problem an der dunklen Sicht ist, dass man vergisst, dass die lichten Sichten dennoch nicht verloren gegangen sind, sondern nur die Optionen sie optimal zu nutzen (oder leider üblicher zu missbrauchen).

      So ist der Export nach wie vor ein wichtige Option, den in der Welt geht es der Menschheit eher mässig gut und das ist schon ein sehr positivistische Beschreibung. Also die Wachstumsmärkte fehlen zu keiner Zeit auch in der dunklen Phase nicht, sondern nur die Option, heftig viel in möglichst kurzer Zeit zu verdienen. Der Binnenmarkt funktioniert, wenn er subventioniert wird. Die aktuelle Abwrackprämie belegt, dass ein Vorteil in durchaus geringer Dimension in Relation zum Grundpreis die Leute zum Kaufen anregt. Es sei dahin gestellt ob bar oder per Kredit. Der Binnenmarkt funktionierte besser, hätten die Leute ganz unten mehr Geld und die Leute zwischen ganz unten und mitten drin eine bessere Zukunftsprognose für sich selber. Aber das ist kein Problem der aktuell dunkleren Zeit, sondern das ist ein Teil des Problems warum es dunkler wurde.

      Wir kommen wir nun zu mehr Licht? In dem man am Schluß des letzten Absatzes anfängt und Geld dort verteilt, wo es wenige Tage (oder Stunden) sich wieder im Binnenkreislauf befindet. Als nächstes entschleunigt man den im System enthalten Kern in immer kürzeren Zyklen mehr verdienen (müssen) zu wollen. Wachstumsraten bewußt kappen (in der Finanz.- und Realwirtschaft), weil es für (mein persönliches Bähwort) die Nachhaltigkeit gut ist.

      International muss man nicht nur den Finanzmarkt regeln man muß die Realwirtschaft gleich mitregeln. International abgestimmte Subventionen nur noch dort, wo im Inland für den Binnenmarkt produziert wird, aber nicht dort, wo der Weltmarkt per Lohn.- und Kostendumping versucht jene Wachstumsarten in der Realwirtschaft zu realisieren, zu dem der Finanzmarkt quasi zwingt. Internationale Standards in der gesamten Palette der sozialen Vorsorgebereiche und im Arbeitsrecht.

      OK.

      Es war Ostern und nicht Weihnachten. Es ist auch keine gute Fee in Sicht (auch Merkel nicht), die fromme Wünsche erfüllt. Eher das Gegenteil. Wir haben in D Wahlen und das spricht eher für dunklere Zeiten als für die Bereitschaft nach Licht zu suchen.

      Es ist schon eine Krux in D als Eingeborener. In dunklen Zeiten landet man auch wenn man es nicht will automatisch in mehr dunkel. Da reicht ein virtuell visualisertes Bild unserer Politiker(Innen)wirklichkeit völlig aus. Es wird dann deutlich, dass auch der Rest der Welt sich auf demokratische Weise nicht ohne riesiges Zerstörungswerk (gemeint ist zB Krieg) im Vorlauf auf ein vernunftsbezogenes, reguliertes Wirtschaftssystem einigen kann. Allenfals die enorme Vernetzheit scheint ein Garant zu sein, das sich Demokraten wie Despoten, Demokratien wie Schein-Demokratien und Diktaturen sich weder bekriegen können, sondern am Ende einigen müssen.

      Das ist dann das Licht im internationalen dunklen – die Hoffnung, dass sich die Welt konstruktiv einigen muss. Die Perspektiven für Wachstum und die Teilhabe aller daran sind an sich ungebrochen riesig.

    128. Frank Schenk schrieb am 14. April 2009 at 13:22 - Permalink

      Das kommt davon, wenn die Feuerwehr aus Pyromanen, die Aufsichtsräte aus gierigen Milliardären bestehen und weder das Grundgesetz noch dir parlamentarische Demokratie noch das Papier wert sind, auf dem sie dokumentiert werden.

      Noch sind wir von der französischen Revolution gegen den (Geld-)Adel weit entfernt und Politik, Geld, Journaille und Gerichte werden uns weiterhin mit dem Radlader Sand in die Augen streuen – aber irgendwann schnallt auch der letzte “Deutschland sucht den Bespaßungskasper”-Fan kapieren, daß das doch auch nur Panem et Cirsenses fürs dumme Volk sind.

      Ich hätte von einer Dr. rer. nat. etwas mehr Realitätssinn erwartet aber da war ich wohl fehlgeleitet. Die ganze Politprominenz gehört in Rente geschickt, die Macht dem Volke wieder übertragen.

      gruß

    129. misterL schrieb am 14. April 2009 at 13:50 - Permalink

      Ich vermute, Du zielst damit auf Frau Merkel.

      Ich hätte von einer Dr. rer. nat. etwas mehr Realitätssinn erwartet aber da war ich wohl fehlgeleitet.

      Wo man sich positiv mit Strahlung und Halbwertszeiten jenseits der Wahrnehmungsgrenze befaßt darf man nicht grundsätzlich Realitätssinn ausschliessen. Das Vorhandensein davon ist allerdings eher unwahrscheinlich. ;-)

      Taktisches Geschick ist übrigens kein Ausgleich, sondern bestenfals gelernte Verhaltensmuster rhetorisch bewandert (aus-)nutzen. Darin scheint sie nicht ungeschickt sein.

    130. timeout71 schrieb am 14. April 2009 at 14:24 - Permalink

      Was spricht eigentlich gegen eine andere Lösung ?
      Das Geld weltweit abschaffen!
      Wo seht ihr Nach- oder Vorteile?

      So aber für alle denen Wählen nicht reicht, auch ohne Mitgliedschaft
      in der Partei kann man Linke Politik fördern: http://die-linke.de/index.php?id=2396&rid=f_30726&mid=98&aC=ff6148eb&jumpurl=24

      Man kann aber auch z.B. die Hinweise des Tages der http://www.nachdenkseiten.de
      oder Artikel von Jens http://www.spiegelfechter.com
      einfach in Kantinen, Aufenthaltsräumen oder im Öffentlichen Nahverkehr verlieren…

      Es gibt eine menge Möglichkeiten, also macht mit!

    131. Lago schrieb am 14. April 2009 at 14:30 - Permalink

      Was spricht eigentlich gegen eine andere Lösung ?
      Das Geld weltweit abschaffen!
      Wo seht ihr Nach- oder Vorteile?

      Vorteile: Hmm, gäbe kein Geld mehr. Ein Problem weniger. Finanzmarkt wäre unnötig, also auch keine Krisen daher.

      Nachteile: Zusammenbruch des Handels weltweit, globale Hungersnot, globaler Bürgerkrieg um Nahrung und Infrastruktur, vollständige Vernichtung der Menschheit.

      Tja, alles hat halt seine Vor- und Nachteile.

    132. Lemmy Caution schrieb am 14. April 2009 at 14:55 - Permalink

      Ich bin ja wirtschaftspolitisch polysexuell. Dh. ich lache über die FDP und die SED Nachfolgepartei gleichermassen.
      Wisst ihr was gut an konservativeren Leuten wie ihr ist?
      Sie arbeiten einfach in den vorhandenen wirtschaftlichen Strukturen und versuchen diese von Zeit zu Zeit vorsichtig zu verbessern.
      In der Zeit denkt ihr euch große Ideen-Luftbalons aus und zwar oft ohne eine wirklich halbwegs ernstzunehmende volkswirtschaftliche Vorbildung.

    133. Lago schrieb am 14. April 2009 at 15:05 - Permalink

      Tja Lemmy, mittelfristig ist verbessernde Wartung der Tod jedes Systems, und spätestens dann steht ein Reengineering an.

    134. misterL schrieb am 14. April 2009 at 15:25 - Permalink

      @Lago #133
      Das weiß jeder mittelprächtige Softwareentwickler. ;-)

      @Lago #131
      Das Problem am Geld ist nicht das Geld an sich, sondern die Notwendigkeit es zu vermehren, um es an mehr Leute zu verteilen, damit mehr Leute an der Systementwicklung teilhaben können.

      In modernen Kulturen wird nicht die Notwendigkeit der Vermehrung bestritten, sondern lediglich die Verteilung von Mehrgeld und Teilhabe anderer am System. Letztlich ist jenes das Problem. Mehr nicht.

    135. Lemmy Caution schrieb am 14. April 2009 at 15:37 - Permalink

      Gute Ingenieure kennen sich halt auch im Maschinenraum aus.
      Es gibt keine Situation ohne System, d.h. Arbeit im alten System und Reengineering sind synchrone Tätigkeiten.
      Ein System ist auch nie perfekt.

    136. misterL schrieb am 14. April 2009 at 15:58 - Permalink

      @LC #135

      Kein System, dass nicht versucht sich zu optimieren, wird Bestand haben. Jedes System, dass sich optimiert und dabei auch in seinen Kernparametern flexibel bleibt wird als System überleben, auch wenn es “am Ende” nicht wieder erkennen ist im Vergleich zum “Ursprung”.

      Unser Wirtschaftsystem versucht sich zwar zu optimieren aber es will auf keinen Fall an seinen Kernparametern schrauben lassen. Auch dann nicht, wenn sie sich als fehlerhaft erwiesen haben. Das macht das System nicht nur un”perfekt” es macht es überlebensunfähig ohne große Zerstörung.

      Das ist die Perversion in unserem “System”. Es funktioniert eher wie ein altes Uhrwerk. Ist die Spirale abgelaufen, muss es “Bumm” machen und das Uhrwerk neu gestartet werden. Von daher ist es nicht einmal ein richtiges System. Es ist eine sehr große und komplexe aber dennoch linear ablaufende Systematik mit vielen kleinen Seitenarmen. Es hat aber eben keine systemischen Rückkopplungen um sich selber neu zu stabilisieren. Es hat statt dessen ein paar Elemente um zB auf unterschiedlichen Eben unterschiedlich schnell zu laufen. Immer aber mit einem definierten Anfangszustand und einem definierten Endzustand. Wie in einem Computerspiel das mitteilt: next level.

      Das für sich betrachtet ist aber kein System mit systemischen Wechselwirkungen. ;-)

    137. otti schrieb am 14. April 2009 at 17:31 - Permalink

      Derivate sind finanzielle Massenvernichtungswaffen (Warren Buffett)!

      Obamas Ersatzkapitalismus
      von Joseph Stiglitz
      http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1714013_Wirtschaftskrise-Obamas-Ersatzkapitalismus.html

      Die Finanzkrise
      NZZ Folio, ausgezeichnete Zusammenfassung!
      http://www.nzzfolio.ch/www/61554707-6925-4a17-854b-b42244d0559d/showbooklet/63d7c281-bb7a-45ce-a4e6-e778de3432f3.aspx

      Arbeitsmarkt
      Historische Systemkrise
      von Robert Kurz
      http://www.freitag.de/positionen/0907-arbeitsmarkt-rezession-staatshilfen

      Kettenbrief unter Kapitalisten
      von Stephan A. Jansen, brand eins, 4/2008
      http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2644&MenuID=130&MagID=100&sid=su91492252013010921&umenuid=1

      Rezessiönle
      Wie es ist, wenn die Krise da ankommt, wo der Wohlstand zu Hause ist?
      Ein Stimmungsbild aus Reutlingen.
      brand eins, Andreas Molitor
      http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2877&umenuid=1&wh=finanzkrise&MenuID=130&MagID=109&sid=su91492252013010921

      Eine ?Verbriefung? der Hypo Real Estate Bank
      (rechts Downloads von Prospekt und Ratingananlysen!)
      http://www.hyporealestate.com/5921.php

      Asset backed securities (ABS) und Verbriefungen
      Bundesbank, 7/97
      http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/mba/1997/199707mba_assetbac.pdf

      Die Stabilität von Finanzmärkten:
      Wie kann die Wirtschaftspolitik Vertrauen schaffen?
      Von Jan Pieter Krahnen
      http://www.ifk-cfs.de/index.php?id=597

      Politik und Vertrauen …
      … ist wie Teufel und Weihwasser.
      Das geht nie und nimmer zusammen!

      Der Handel von Kreditrisiken: Eine neue Dimension des Kapitalmarktes
      Von Jan Pieter Krahnen
      http://www.ifk-cfs.de/index.php?id=543

      Das Risiko (2005), das böse (2009), wo hat es sich nur versteckt?
      Verschwunden ist es jedenfalls keineswegs!
      Und nart uns nun alle …
      … oder vergiftet gar alles?
      Sowas!

      Verbriefungen:
      Eine Finanzinnovation und ihre fatalen Folgen
      Finanzmarktexperten sind sich weitgehend einig: Zentrale Ursache für die Finanzmarktkrise
      ist die fehlende Transparenz der mit Kreditverbriefungen einhergehenden
      Risiken. Strittig ist hingegen, welche Schlüsse für die Abwehr künftiger
      Krisen zu ziehen sind. Eines indes ist klar: Zur Risikoprävention zählt vor allem
      eine deutlich verbesserte Datenlage über Kreditrisiken.
      von Georg Erber
      http://www.diw.de/documents/publikationen/73/89791/08-43-1.pdf

      … und bei Verbriefungen darf Jörg Asmussen vom Bundesfinanzministerium nicht fehlen…
      http://www.scribd.com/doc/7456229/Verbriefungen-aus-Sicht-des-Bundesfinanzministeriums

      … oder der IKB-Skandal!
      http://www.t-blog.de/Members/admin/ikb-skandal-durch-ministerialdirektor-im-bmf-mitveranlast

      Der Kapitalismus ruiniert sich selbst
      Von Friedrich Krotz
      http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-finanzkrise/artikel/1/der-kapitalismus-ruiniert-sich-selbst/

      Bleibt uns nur Armut und Verzicht?

      Johano Strasser
      Armut als politisches Problem
      http://www.nachdenkseiten.de/?p=3784#more-3784

      Oder gibt es noch Hoffnung?

      Capitalism Beyond the Crisis
      By Amartya Sen
      http://www.nybooks.com/articles/22490

      @all
      Mit S. Wagenknecht macht selbst der Untergang des Kapitalismus noch Spass!

    138. Peinhard schrieb am 15. April 2009 at 08:02 - Permalink

      “Mit S. Wagenknecht macht selbst der Untergang des Kapitalismus noch Spass!”

      Bei aller Liebe – aber der Kapitalismus wird nicht untergehen, nicht, solange eine Mehrheit es nicht wirklich will. Untergehen werden statt dessen eine Menge ‘Existenzen’, Träume vom besseren Leben, Hoffnungen auf eine zumindest materiell einigermaßen sichere Zukunft. Da ist der Trost, den Anblick und Rhetorik einer Sarah Wagenknecht bieten mögen, sehr schnell auch nur noch ‘sehr relativ’.

      Siehe dazu auch: “Drôle de crise – Trotz Rezession kann von einem schwächelnden Kapitalismus zur Zeit keine Rede sein”
      http://www.jungewelt.de/2009/04-14/006.php

    139. Hantigk ohne O schrieb am 15. April 2009 at 22:29 - Permalink

      Ich würde gerne auf zwei Aussagen im einleitenden Text eingehen: “Wenn das frische Geld nicht wieder aus dem Kreislauf genommen wird, droht die wirkliche Katastrophe”. Das sehe ich auch so, jedoch aus einem etwas anderen Grund. Meine Sorge wäre eher, das “nach der Krise”, im zweifellos folgenden Aufschwung, die Gesellschaft nachhaltig zerreist. Nach russischem Vorbild in eine große, stark Armuts bedrohte Masse und eine noch kleinere aber noch um ein Vielfaches reichere elitäre Oberschicht. Es wäre in der Tat so, dass man höllisch aufpassen müsste, das Geld, das jetzt in die Märkte gepumpt wird, möglichst zeitnah wieder herauszunehmen. Jedoch sehe ich bei denen, die in der Position und Lage wären, höllisch aufzupassen, keinerlei Tendenzen dies auch tatsächlich zu tun. Im allgemeinen Geldkreislauf werden- so befürchte ich – die Billionen an “Stumulus” Geldern auch nicht bleiben. Sie werden vielmehr der natürlichen Gravitation (gegenseitige Anziehung von Masse) folgend, dort landen, wo sich bereits jetzt die Mehrheit des “Volksvermögens” befindet. Bei einigen wenigen. Und das ganz ohne diabolischen Masterplan. Es wird “einfach passieren”. Ein paar weiter ausführende Gedanken dazu übrigens auch auf meinem Blog unter: http://hantigkohneo.wordpress.com/2009/04/05/passt-auf-was-ihr-euch-wunscht/

      Und der zweite Satz, auf den ich gerne eingehen würde: “In einer repräsentativen Demokratie erscheint es für mich unmöglich, im großen Stil Geld zu vernichten.”
      Dem möchte ich widersprechen und zwar insweit, als doch genau dies bereits geschehen ist. Es sind doch – so steht es landauf landab – Billionen “vernichtet” worden, durch die Finanzkrise. Was insofern erstaunt, da Geld als Tauschmittel ja an sich gar nicht verloren gehen kann, global betrachtet.
      Das Ganze könnte man so betrachten, dass die Staaten seit ca 20 Jahren kontinuierlich das Monopol auf Zahlungsmittel und Geldmenge aufgegeben haben. Aktien, Hypotheken, Derivate sind zunächst zu Parallelwährungen geworden, die dann tragischerweise durch die Banken mit den realen Währungen kompatibel gemacht wurden. Wieviel Geld auf diese Weise – physisch und virtuell – heutzutage in Umlauf ist, kann niemand mehr sagen. Sehr im Unterschied zum Anfang der 80er Jahre beispielsweise, als die Bundesbank die im Umlauf befindliche Geldmenge sehr wohl noch beziffern und durch die Leitzinsen auch noch steuern konnte. Dass dieses Instrument inzwischen absolut keine Wirkung mehr hat, ist daher nicht verwunderlich.

      Man kann es auch andersherum betrachten: Wir haben und ahtten die Hyperinflation längst. Würden die Preissteigerungen von Aktien und “Wertpapieren” in den für die Inflationsrate maßgeblichen “Warenkorb” in angemessener Größenordnung berücksichtigt, so lägen die jährlichen Teuerungsraten mit Sicherheit längst weit Jenseits der Maastrichtkriterien. Die Inflation ist also schon da, wir haben es nur noch nicht bemerkt?

      Oder liegt das ganze Geld, dass derzeit an allen Ecken und Enden entschwunden sein soll, doch in irgendwelchen verschwörerischen Geldspeichern?

      Was mich zu dem Punkt brint, dass diese Frage eigentlich noch viel zu wenig durchleuchtet wurde: WO IST DAS GELD?

      Und genau zu einer solchen Diskussion möchte ich ebenfalls gerne einladen unter http://www.woistdasgeld.de

    140. AK schrieb am 20. April 2009 at 10:42 - Permalink

      Bei China scheint Keynes so gut zu funktionieren, dass sie in Zentralasian shoppen gehen:
      http://www.atimes.com/atimes/Central_Asia/KD18Ag01.html

      Man hat ja lang nichts mehr übers Great Game auf diesen Seiten gelesen… ;-)

    141. misterL schrieb am 20. April 2009 at 16:29 - Permalink

      Ach ja, China. Die Luft beginnt dünner zu werden oder warum auch wegen Cut&Paste Investitionen in Bildung hier allenfals den Status quo sichert…

      Wir brauchen Alternativen für die Zukunft und was liefert zB aktuell die ?PD als Zukunftsprogramm? 300 Euro Prämie wenn man seine Steuererklärung nicht abgibt.

    142. Antje Gloeckner schrieb am 8. Mai 2009 at 16:39 - Permalink

      Die Wurzel allen Übels liegt im Geldsystem selbst, als alter Fan des Spiegelfechters würde ich mich über einen Artikel dieser Art freuen. Ideologien -Parteien- ob rechts, ob links, doktern nur -vergeblich- an den Problemen herum.

      mehr infos für interessierte:
      Warum überall Geld fehlt “Gib mir die Welt plus 5 Prozent”

      Die Geschichte vom Goldschmied Fabian: 50 aufschlussreiche Minuten über den grundlegenden Fehler in unserem Geldsystem und das grundlegende Geheimnis des Banken- und Geldwesens
      Die neueste Filmproduktion von “Neue Impulse” ( http://www.neueimpulse.org/index.php?id=80 )

      Ich hätte mir persönlich gewünscht diese Doku schon viel früher gesehen zu haben, mein Weltbild hat sich seit dem grundlegend geändert!

      Die Doku sollte man schon als Kind oder spätestens als Heranwachsender gesehen haben!

      gruss ..


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