Herbsttage eines Präsidenten
geschrieben am 14. April 2009 von Spiegelfechter
Weitgehend unbemerkt von den westlichen Medien demonstriert die Opposition in Georgien seit fünf Tagen für den sofortigen Rücktritt des ungeliebten Präsidenten Saakaschwili. Ihren bisherigen Höhepunkt erreichten die Demonstrationen in Tiflis am Samstag, als rund 100.000 Demonstranten an einer zentralen Kundgebung teilnahmen – umgerechnet auf deutsche Maßstäbe, hätten rund 1,8 Millionen Menschen in Berlin demonstrieren müssen. Samstagnacht schlug der Staat mit gewohnter Brutalität zu. Schläger, die dem Innenministerium und den Polizeibehörden der Hauptstadt zugerechnet werden, zerstörten in einem Kommandounternehmen die elektronische Ausrüstung auf der Kundgebungstribüne. Die Oppositionellen lassen sich dadurch aber nicht abschrecken. Notfalls wollen sie solange ausharren, bis Saakaschwili seinen Amtssitz räumt.
Was hat Saakaschwili geritten, als er im August letzten Jahres den großen Nachbarn Russland zum Krieg provozierte? Diese Frage beschäftigt bis heute die Welt – und vor allem interessiert dies die Georgier. Sein Plan, die separatistische Teilrepublik Südossetien im Handstreich zu überrennen und die russischen Verstärkungen am Roki-Tunnel so lange aufzuhalten, bis der Westen am grünen Tisch einen Waffenstillstand erreicht, musste misslingen. Kann man einem solchen Hasardeur die Führung eines Landes anvertrauen? Die Mehrheit der Georgier ist sich darin einig, dass nicht.
Der verlorene Krieg ist dabei eher der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. 250.000 Menschen verloren nach Regierungsangaben durch die marktliberalen Reformen bereits ihren Arbeitsplatz und die Politik Saakaschwilis verstärkt die sozialen Folgen der wirtschaftlichen Dauerkrise in Georgien abermals. Viele Georgier sehen in einer Verbesserung der Handelsbeziehungen zu Russland den Ausweg aus der Krise – aber dies wird unter einem Präsidenten Saakaschwili nicht möglich sein. Auf den wachsenden Widerstand im eigenen Lande reagiert Saakaschwili in altbekannter Autokraten-Manier. Die Pressefreiheit wurde abermals beschnitten, Oppositionelle landeten hinter Gittern – rund 8.000 sind es mittlerweile nach Angaben von Menschenrechtsgruppen alleine in Tiflis.
Dr. Dot – die “Rock´n´Roll-Masseuse”
Was für Bill Clinton Monica Lewinsky war, könnte für Saakaschwili eine gewisse „Rock´n´Roll-Masseuse“ werden, die sich Dr. Dot nennt. Saakaschwili war von den „Massagekünsten“ der halbseidenen Pinup-Schönheit derart angetan, dass er sie in seinem Präsidentenjet ins Land holte und dort für eine ganze Woche engagierte – ob es nur ihre eigenwillige Massagetechnik ist, bei der sie den Kunden mit zarten Bissen in den Rücken verwöhnt, die „ihren Lieblingskunden“ (O-Ton Dr. Dot) so begeisterte, ist nicht bekannt. Die Praxis, „halbseidene Masseusen“ mit dem Regierungsjet einfliegen zu lassen, ist allerdings eher eine Spezialität von Potentaten in Bananenrepubliken. Dass das georgische Volk, das gerade eben eine ökonomische Krise durchlebt, die „Dr. Dot-Affäre“ als Tüpfelchen auf dem I empfindet, ist indes verständlich.
Das Volk erhebt sich
Eine Beteiligung der Opposition an der Macht meidet Saakaschwili wie der Teufel das Weihwasser. Für ernsthafte Dialogbemühungen mag es auch bereits zu spät sein – für die Oppositionsparteien sind der Rücktritt Saakaschwilis und neue Präsidentschaftswahlen eine conditio sine qua non. Während Saakaschwili sich durch die Proteste genötigt sieht, einen Dialog über kleinere konstitutionelle Korrekturen zu führen, hat die Dialogbereitschaft der Oppositionsparteien nur eines zum Ziel – Saakaschwili von der Notwendigkeit von Neuwahlen zu überzeugen. Verhandlungen, bei denen die Grundpositionen beider Parteien derart weit auseinanderliegen, sind bereits zum Scheitern verurteilt, bevor sie überhaupt beginnen. Eine Verhandlungslösung ist daher als Ausweg aus der Krise kaum denkbar.

In einem Interview mit Newsweek offenbarte Saakaschwili seine Version der jüngsten Ereignisse – die Demonstranten seien Angehörige von Kriminellen, welche er verhaften ließ, und Opfer der wirtschaftlichen Reformen. Bezahlt seien die Proteste von russischen Oligarchen, militärische Kreise in Russland würden außerdem Anstrengungen unternehmen, im Lande Unruhen zu schüren, um einen neuen Krieg gegen den kleinen Nachbarn zu rechtfertigen. Saakaschwilis Sicht der Dinge ist abstrus und zeugt entweder von totaler Realitätsferne oder vom verzweifelten Versuch, seine PR-Offensive während des letztjährigen Krieges zu kopieren – nur, dass ihm heute niemand mehr zuhört, geschweige denn glaubt.
Saakaschwilis Anschuldigungen, die Proteste seien von russischen Interessen orchestriert, gehen ganz offensichtlich an der Realität vorbei. Die Wortführer der Demonstranten sind vielmehr alte pro-westliche Waffenbrüder Saakaschwilis. In einem gemeinsamen Kommunique nennen die 13 Oppositionsparteien, die gemeinsam die Proteste organisieren, eine Fortsetzung der Politik der Rosenrevolution, mit einer Anbindung an Europa als Ziel. Pro-russische Proteste sehen anders aus. Die Demonstranten sind – im besten Sinne – Demokraten, die in Saakaschwili einen Antidemokraten ausgemacht haben, der den Weg für eine Demokratisierung des Landes freimachen soll.
Gewalt gegen das Volk
Einen schweren Rückschlag mussten die Demonstranten bereits in der ersten Nacht hinnehmen. Randalierer machten sich nächtens über die elektronischen Geräte her, die auf der Tribüne der Demonstranten untergebracht waren. Bei diesem Überfall wurden auch drei Oppositionelle schwer verletzt. Von der „uniformierten“ Polizei war bei diesem Übergriff nichts zu sehen. Das verwundert nicht – nach Aussagen von Menschenrechtsgruppen wurden diese „Randalierer“ von ehemaligen Beamten des Innenministeriums und vom Chef der Streifenpolizei in Tiflis koordiniert. Videoaufzeichnungen der Überwachungskameras, die diesen Vorfall aufgenommen haben, werden den Oppositionellen und Menschenrechtsgruppen vorenthalten – dies sei „technisch nicht möglich“, so heißt es von offizieller Stelle.

Dieser Vorfall ist allerdings wohl nicht der einzige Gewaltakt, mit dem sich die Regierung Saakaschwili gegen das eigene Volk wenden. Menschenrechtsgruppen sprechen auch von Übergriffen auf Oppositionelle, bei denen die Polizei bestenfalls die Augen verschließt. Tiflis soll abgeriegelt und Fahrern öffentlicher Verkehrsmittel soll es bei Strafe verboten sein, Menschen in die Hauptstadt zu befördern. In einigen Teilen des Landes soll ferner der Strom abgestellt worden sein, um die Bevölkerung außerhalb der Hauptstadt desinformiert zu halten. Ob diese schweren Vorwürfe der Realität entsprechen, ist allerdings bis dato unklar, da es noch keine unabhängigen Bestätigungen dieser Vorfälle gibt.
International isoliert
Die Gefahr einer neuerlichen Südossetien-Kampagne Saakaschwilis, mit der von den Problemen abgelenkt werden soll, ist nach Einschätzungen des amerikanischen Politologen Lincoln Mitchell minimal. Sowohl das georgische Volk als auch der Westen würden sich nicht noch einmal zum Narren halten lassen. Vor allem der Rückhalt in den USA schmilzt von Tag zu Tag mehr. Aber auch andere Staaten üben sich im aktuellen Konflikt vor allem in Zurückhaltung. Eine offizielle Delegation aus Frankreich hat ihren Besuch in Tiflis verschoben, türkische und arabische Unternehmen haben die Unterzeichnung von Verträgen mit Georgien einstweilen auf Eis gelegt – die internationale Gemeinschaft will erst einmal abwarten, in welche Richtung sich die Proteste wenden. „Was ist los mit diesen Menschen? Verzichten wir etwa auf unsere Besuche in Paris und Straßburg wegen der dortigen Proteste?“, so Saakaschwili im Newsweek-Interview.
Die internationale Zurückhaltung zeigt, dass Saakaschwili bei der Bewältigung der inneren Probleme nicht mehr freie Hand hat. Die EU hält sich neutral und bietet sich als Vermittler zwischen Regierung und Opposition an. Die USA gehen sogar noch weiter und mahnen beide Seiten an, einen friedlichen Ablauf der Demonstrationen zu gewährleisten, wobei man sich einen Dialog mit den Oppositionellen wünscht und anbietet, bei der Umsetzung demokratischer Reformen mitzuhelfen. Für Saakaschwili ist dies freilich ein Schlag ins Gesicht. Entsprechend konsterniert äußerte er sich dann auch gegenüber Newsweek:
„Ich habe Amerika unter Bush idealisiert, als Ideen über pragmatischer Politik standen. Nun ist eine neue Zeit gekommen, die Ideen richten sich nach der pragmatischen Politik. Das kann dem Amerika, das ich kenne, schaden.“
Derlei offene Warnungen werden in Washington niemanden beunruhigen. Saakaschwili, der sich zwar guter Beziehungen zu Hillary Clinton, Joseph Biden und Richard Holbrooke rühmt, könnte ein erstes Opfer von Obamas „Pragmatismus“ werden. Anstatt die soziale Schere im Lande zu schließen, investierte er nach dem Wahlsieg Obamas über eine Millionen US$ in neue Lobby-Kontakte in Washington und tauschte sein Beraterteam aus. Allzu lange hatte sich Saakaschwili auf den McCain-Berater Randy Scheunemann als zentralen Anker in seiner Lobbying-Strategie verlassen. In den nächsten Wochen wird nun John McCain, den Saakaschwili seinen „besten Freund“ nennt, nach Georgien kommen. Ob der etwas an der pragmatischen Haltung des Westens ändern kann, ist allerdings zu bezweifeln. Saakaschwili ist ein „totes Pferd“ und niemand im Westen möchte auf dieses Pferd aufsteigen. Wenn es Saakaschwili nicht schafft, den Anschein zu erwecken, die Demonstrationen seien „aus Moskau ferngesteuert“, wird der Westen ihn wohl fallenlassen wie eine heiße Kartoffel.
Ob die friedlichen Demonstrationen Erfolg haben werden, ist allerdings ungewiss. Saakaschwili hat bereits im November 2007 friedliche Demonstrationen mit roher Gewalt erstickt und die Opposition mit diktatorischen Mitteln mundtot gemacht. Damals hatte er allerdings auch noch einen gewissen Rückhalt in der Bevölkerung. Heute würde eine Eskalation der Gewalt wohl einen Bürgerkrieg auslösen. Saakaschwilis politische Karriere ist in ihrem Spätherbst angekommen – wenn der Westen ein Blutvergießen verhindern will, so sollte er auf Saakaschwili einwirken, so dass dieser seinen Hut nimmt und den Weg für Neuwahlen freimacht. Noch könnte es gelingen, dass dieser Weg ein unblutiger sein wird.
Jens Berger
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| Tags: Ausland Geopolitik Russland | |
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Die Tommy’s scheinen jetzt woll langsam aber sicher immer mehr “Satellitenstaaten” zu verliehren und viele Trumpfkarten können auch nicht mehr ausgespielt werden, Georgien ist verlohren, da konnten auch die Black Water Söldner letztes Jahr, welche die Invasion in Südossetien koordiniert haben nicht helfen.
Naja und das russische “Bonzen” die Demonstranten finanzieren ist auch völliger Quatsch, den die russischen Milliardäre müssen durch die Finanzkrise auch um ihr Hab und Gut bangen.
Das die Medien hier, das Thema nicht mal mit der Kneifzange anpacken wollen ist auch verständlich, die Geschichte letztes Jahr vom bösen Ivan der seine Klauen ausgestreckt um georgische Kinder zu fressen glaubt inzwischen kaum einer mehr, ausser vielleicht die treuen Tagesschau-Schauer ( dem ARD kann man wirklich Antislawismus vorwerfen), aber was will man jetzt Berichten? Die Medien würden sich doch selbst zum Gespött machen wenn nun dem damaligen “Helden der Stunde” die im eigentlich zustehnde Rolle als Narzist geben würden, naja trotzdem ab und an steht zwar bei n-tv und co im Ticker das da in Georgien demonstriert wird, aber über die Ausmaße der Demonstartion schweigt man.
Dass der Westen Georgien so einseitig im letzten Sommer unterstützt hat, erweist sich langsam als ein Eigentor. Nun schweigt man bis die Bombe platzt. Ehrlich gesagt ich sehe in der georgischen Opposition keine wirklich neue Alternative, weil viele von ihnen auch davor mit Mischa gemeinsame Sachen gehabt haben. Es sieht eher danach aus, daß das georgische Volk eine Wahl zwischen Pest und Cholera hat, aber Mischa als Präsident andererseits ist auch unerträglich.
Auf alle Fälle interessant dieses Thema jetzt aufzugreifen, vorallem der Zusatz, noch könne Schlimmeres verhindert werden, ist sehr richtig. Leider eine kluge Schlussfolgerung, die so kaum real werden wird.
Und wie sah das Ganze noch vor einem Jahr aus? Diesen Mann zu unterstützen, dieses Georgien in die NATO und in Europa eingliedern zu wollen… “Eigentor” reicht kaum aus um diese Lächerlichkeit zu beschreiben.
Ich würde mir sehr wünschen, dass es so kommt und Saakashvili seinen Hut nimmt. Damit der Weg frei ist für eine neue Regierung, die sich auf das Wesentliche konzentriert. Nämlich das Land wirtschaftlich voran zu bringen und vielleicht ein bißchen was für die Reputation Georgiens tun.
Erwähnenswert wäre auch, das trotz den Protesten und vor allem trotz dem Krieg den Georgien letztes Jahr angezettelt hat, die NATO doch tatsächlich vom 3. Mai bis zum 3 Juni 2009 dort eine Militärübung durchführen wird, an der Soldaten aus 23 Mitgliedsstaaten teilnehmen werden.
Hallo,
was soll das mit Dr. Dot? Das ist doch unterste Schublade.
Herr Spiegelfechter, so verlieren Sie mich als regelmaessigen Leser. Haben Sie sich denn mal mit der guten Frau unterhalten? Sie waere sicher gespraechig gewesen.
Daß Sakaschwili Mitarbeiter der CIA ist ,ist hinlänglich bekannt.Die Operation im August 08 ist schiefgegangen.Einer muß die Verantwortung übernehmen.Offenbar kann man bei der CIA erfolglose Mitarbeiter nicht gebrauchen.Also muß er weg.Anscheinend geht er nicht freiwillig also wird die bereits erprobte Methodik der “Rosenrevolution” angewandt.Kein Wunder ,daß die Akteure alte Bekannte sind.
Für die “Affäre” gibt es keine Beweise. Da bist ein Opfer der skandalsüchtigen Medien geworden.
@Sven
Keinesfalls – den Beweis liefert ja die Masseuse in ihrem Blog selbst, wie der verlinkte Artikel zweifelsfrei feststellt.
@6 Imperator
Eine kühne These, die allerdings weder belegbar ist (wer sagt, das Sw CIA-Mitarbeiter ist), noch plausibel ist. Hättest Du recht, würde Moskau auch nicht zuschauen – oder ist Medwedjew auch ein CIA-Agent? ;-)
@OK
Ach wie tragisch ;-)
Ich wüßte nicht, warum das nötig ist. In ihrem Blog steht ja alles.
Es war schon immer klar, dass Saakaschwili mit äusserster Vorsicht zu geniessen ist.
Merkwürdig wie doof die Standardmedien immer wieder bei Konflikten, von denen sie nichts verstehen, Partei ergreifen. Ich erinnere gerne auch an die “orangene Revolution” in der Ukraine. Das sind fürwahr Tiefpunkte des deutschen Journalismus gewesen.
Man hat fast den Eindruck, dass da irgendwo Leute das Freund-Feindbild entwerfen und allgemein durchsetzen. Anders sind die gleich klingenden Bocksgesänge kaum zu erklären. Ist natürlich nicht so, aber irgendeinen bemerkenswerten sozialen Prozess muss es in der Journie-Szene schon geben.
Jetzt weiß man endlich, warum dieser Kerl nicht mehr ganz richtig tickt, dieses Silikon-Wunder hat ihn sonstwo hin gebissen …
Wir sollten Georgien unbedingt in die NATO aufnehmen, durch Albanien alleine, fühle ich mich nicht beschützt genug!
Ich denke vor dem Hintergrund der allseits statt finden Finanz.-, Wirtschafts.-, Werte.- und Systemkrise mitsamt einem neuen US-Präsidenten wird sich niemand in Europa dafür interessieren, wer wann, wen wohin gebissen hat. Warum es zu einem zentralen Punkt machen?
@misterL
Weil die Leute nun einmal so ticken ;-)
Für den Michel und den Willi auf der Strasse sind abstrakte Theoriediskussionen und komplexe Systemfragen nicht so leicht zu greifen – ein Chef oder Präsident, der sich Frauen auf Staatskosten einfliegen lässt, ist da schon “greifbarer”. So sehen es zumindest viele Georgier, für die – wie ich schrieb – dies das Tüpfelchen auf dem I war.
@SF #14
Hieße das im Umkehrschluß, falls die Dame (und für die Damen ein Herr) jeden der es möchte auch mal beißen würde, das Ganze wäre ein Wahlkampf-Gag der politischen Führung? ;-)
Manchmal scheinen mir die Tropfen, die ein Faß überlaufen lassen dann doch deutlich überstrapaziert zu werden (um nicht instrumentalisiert zu schreiben). Oder in Fragestellung gegossen. Brauchen wir noch mehr Leute in unseren Gemeinschaften, die so ticken und “nur” deshalb ein Faß überquellen lassen?
@misterL
Ich verstehe Deinen Punkt nicht so ganz. Ich bin ja kein Moralapostel – von mir aus kann ein Politiker im Bett machen, was er will und sich auch gegen Geld mit jeder Dame vergnügen, mit der er das will. Das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist vielmehr, dass dies offensichtlich nicht aus der Privatkasse von Swilli bezahlt wurde. Was würdest Du denn sagen, wenn sich Frau Merkel einen “California-Boy” als Masseur mit der Flugbereitschaft der Luftwaffe einfliegen ließe? Ich schätze mal, so etwas wäre auch in D ein Rücktrittsgrund.
Das ist nicht die Frage – man kann sich das Volk nun einmal nicht backen. Natürlich könnten wir hier eine riesige Meta-Diskussion über Bildung und Medien anfangen, aber was soll das bringen? Am Status-Quo ändert sich so schnell “leider” nichts. Das Volk der BILD-Leser wird nicht so schnell ein Volk der politischen Analysten.
@SF
Schmunzeln und mich darüber aufregen, daß sowas in D ein Rücktrittsgrund ist aber 100 andere Rücktrittsgründe keine sind. Offensichtlich bin ich im Bezug auf solche Dinge anders gestrickt.
@misterL
Offensichtlich – wenn eine Kassierin wg. einer Veruntreuung von Pfandbons iWv 1,30 Euro entlassen werden kann, dann sollten für die Politik ähnliche Maßstäbe gelten.
Die Auslandsmitarbeiterin der Konrad-Adenauer-Stiftung in Georgien, Katja Plate, schreibt zur aktuellen Lage:
Im Hinblick auf eine drohende Wirtschaftskrise benötigt Georgien dringend überzeugende politische Konzepte. Auch die Sicherheitslage des Landes ist weiterhin äußerst angespannt. Nicht nur sind Teile des georgischen Territoriums von der Russischen Föderation besetzt und als unabhängig anerkannt worden, es kommt weiterhin regelmäßig zu Zwischenfällen. Eine Eskalation dieser Lage kann nicht ausgeschlossen werden.
Ein Dialog zwischen allen politischen Kräften auf Basis eines demokratischen Grundkonsenses wäre in dieser Situation dringend notwendig. Wünschenswert wäre, dass die außerparlamentarische Opposition gemeinsam mit der parlamentarischen Opposition das Angebot der Regierung zu Gesprächen über verschiedene Sachthemen annimmt. Und sei es nur, um die Bereitschaft der Regierung zu einem ernsthaften Dialog zu testen.
Friedliche Demonstrationen sind ein wichtiger Bestandteil jeder Demokratie. Demonstrationen sind ein akzeptabler Weg, politische Ansichten zum Ausdruck zu bringen. Für eine starke Demokratie ist es jedoch auch notwendig, dass mindestens das gemeinsame Gespräch zwischen Regierung und Opposition möglich ist. Beide Seiten sind in Georgien aufgerufen hierzu jeweils ihren Teil beizutragen.
s.a.: http://www.kas.de/proj/home/pub/122/1/-/dokument_id-16184/index.html
> Offensichtlich – wenn eine Kassierin wg. einer Veruntreuung von Pfandbons iWv 1,30 Euro entlassen werden kann, dann sollten für die Politik ähnliche Maßstäbe gelten.
Upps, lese ich hier heraus, dass auch der sog. Bagatelldiebstahl für den Blogmaster ein berechtigter Kündigungsgrund ist? BTW, wie stehts denn da jetzt bei Emmy und ihrem Gang zum Verfassungsgericht?
@Horscht
Nein, das liest Du nicht richtig, wie ich in einem diesbezüglichen Artikel seinerzeit auch klar darstellte. Ich mache aber auch die Gesetze nicht.
@ KASonline
Ihre Analyse impliziert viele Behautungen, die bereits durch verschiedene Fakten widerlegt wurden.
p.s.: wenn jemand von der Demokratie redet, muss auch konsequent bis zum Ende demoktratisch denken können, geschweige handeln.
@freerk #22
Absolutheitsansprüche an Demokratie/Demokratien schliessen sich aus. Demokratien leben davon, dass sie sich wandeln, weil sich die Mehrheiten wandeln. Von daher gibt es kein absolut definiertes Handeln. Ansonsten gäbe es keinerlei Debattenbedarf, ob jemand bei riesigen Summen, einigen Peanuts oder bei 1.13 Euro Probleme bekäme.
Dieser Zwischenruf bedeutet nicht, dass ich den Herrn Saakaschwili für einen Demokraten halte, der eine Demokratie als Chef führt.
Der Beitrag von KASonline appeliert einfach nur an die Vernunft von echten Demokraten. An sich das Beste, was einem System passieren kann. Erst recht wenn es mangels demokratischer Spielregeln vor dem Absturz steht.
Der Artikel ist interessant, es fehlt aber ein interessanter und wichtiger Punkt bei diesem.
Willi hat im russischen Vorhof ein gewisses Zeitfenster lang die alte imperiale amerikanische Politik vertreten. Die zweite politisch personelle Reihe in Georgien jedoch, zu dem auch ein Teil der heutigen Demonstranten gehören, wurden und werden vom europäischen Imperium direkt unterstützt.
Diesen Machtkampf in Georgien zwischen und in den politisch westlichen Linien gab es schon immer, hinter dem unterschiedliche, gegensätzliche ökonomische Interessen des Machtblocks EU und der Vereinigten Staaten stehen und standen.
In den Kreisen der westliche politischen Eliten sorgt man sich nicht um die Demokratie als Staatsform, sondern um die verspielte geopolitische Lage in Georgien als Aufmarschgebiet, Truppenstützpunkt und Raktenzeitfenster gegen Rußland, deren Wiederherstellung aus gemeinsamer westlich imperialer Sicht nur ohne die Figur des Willi stattfinden kann, da sogar die KAS-Verkäufer erkannt haben, dass die Gefahr einer erneuten blutigen Revolte innerhalb der georgischen Eliten zu einer völlig eigenständigen, vom Westen abgewandten Politik führen könnte.
Daher betonen die westlichen Imperialisten den innerdemokratischen Gesprächsbedarf zwischen der Opposition und der Regierung.
@OK: Herr Spiegelfechter, so verlieren Sie mich als regelmaessigen Leser.
@Spiegelfechter: Ach wie tragisch ;-)
========================
Herr OK: Sie zu verlieren kann doch nur ein Gewinn sein. Oder wollten Sie nur witzig sein?
@misterL
die implizierte Botschaft der KAS-Analyse widerspricht einfach den Tatsachen, es wird anhand selektiv ausgebauter Thesen viele Fakten ausgeblendet und anhand dieser Thesen an eine demoktratische Lösung appelliert.
Meinerseits gibt’s keinesfalls irgendwelche Einwände gegen einen demokratischen Dialog, und ich behaupte auch keinen Absolutheitsanspruch an Demoktratien (solcher Mensch lebt nicht in der realen Welt). Aber bevor demokratisch debattiert wird, müssen zuerst auch die Tatsachen genannt werden! Ansonsten ähnelt das eher dem Kasperletheater als einer Demokratie.
Aus diesem Grund bleibt meine Kritik an KAS_beitrag die gleiche:
bevor man an demoktratische Lösungen appelliert, muss man zuerst demokratisch (fair) analysieren können.
Man muss nicht so weit gehen, um solche Fakten zu finden: http://www.spiegelfechter.com/wordpress/?s=georgien
@name
Vielleicht liegt ein kalter Krieg näher als man denkt hinter den Konsequenzen aus der “Finanzkrise” aber
aber die geistige mentale Nähe zu DEN kalten Kriegszeiten, die sich in dem Absatz wiederfinden fasse ich zu antiquiert zusammen.
Dr.Dot war aber schon recht sexy.
@25 Systemfrager
Ich wollte nicht witzig sein, ich habe meine Enttäuschung kundgetan. Welchen Sinn es dem Artikel geben sollte, Frau Dot nocheinmal extra “halbseiden” darzustellen, das mochte sich mir nicht erschliessen. Letztendlich empfand ich es als niveaulos.
So und nicht anders, jawohlja. :-)
@29 OK
Niveaulos ist, wenn sich Kasparow und ein paar Psychopaten und Narren auf dem Roten Platz aufhalten und die westliche Presse beschäftigt sich tagen- oder wochenlang damit.
Unsere Medien sind nur wenig (wenn überhaupt) verlogener als damals die kommunistischen.
Ja wird schwierig für ihn
…. ganz schön zusammengeschustert, herr fechtmeister … aber was willst du denn eigentlich nun sagen? manchmal sogar regelrechter stuss mit kritischer attitüde! Lewinsky – Dr. Dot …
schon wieder “halbseidene Besserwisserei” … und wieso ist Georgien eigentlich international isoliert ? Ach Mensch …. nicht immer nur vor dem Spiegel rumfuchteln … bitte!
Ich weiß nicht, ob das hier der richtige Platz ist, aber nach dem Olympiakrieg sollte doch eine Kommission die Ursache/den Verursacher des Krieges ermitteln. Wurde da schon was ermittelt?
spigelfechter hat nen coolen und nüchternen schreibstil. die tatsachen, dass die artikeln leicht zynische und ironische merkmale aufweisen und sich sehr kritisch mit den themen auseinandersetzer, machen diesen blog sehr lesenswert.
@Anonymer Leser
Die OSZE hat schon berichtet – der “Westen” hat aber naturgemäß kein übersteigertes Interesse an einer öffentlichen Aufklärung. Das dröhnende Schweigen, das momentan zu hören ist, sagt aber mehr als 1000 Worte.
@Spiegelfechter
Danke!
Ich hatte schon so etwas vermutet, aber ich wußte nicht, ob die Welt so schlecht ist, wie ich vermutete.
Hiess es nicht die Ergebnisse der Untersuchung sind für August 2009 zu erwarten? Oder war es Oktober? Weiß nicht mehr genau. Auf alle Fälle dauert es noch an.
Nachtrag:
Weder noch. November 2009 wird die Schweizerin Heidi Tagliavin den Abschlussbericht vorlegen.