Die dunkle Seite der Macht
geschrieben am 16. April 2009 von Spiegelfechter
Christopher Flowers galt als ?Jedi-Meister der Finanzen?. Heute ist er ein prominenter Verlierer, dessen Geschäftsmodell vom Orkan der Geldmärkte weggefegt wurde
Billionen Dollar gingen durch die Finanzkrise bereits in Rauch auf. Opfer sind vor allem die Steuerzahler, die für die Exzesse der Finanzjongleure nun geradestehen müssen. Aber auch einige Brandstifter haben sich die Finger verbrannt. Einer von ihnen ist Christopher Flowers. Ihm zu Ehren musste der Bundestag sogar ein eigenes Enteignungsgesetz beschließen.
Der Mann ist eines der bekannteren Gesichter der Finanzkrise. Der studierte Mathematiker erinnert mit seiner hohen Stirn und den stets tragisch dreinblickenden großen Knopfaugen hinter dickem Brillenglas ein wenig an Woody Allen. Doch dieser friedliche Eindruck täuscht.
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Dazu noch:
“Wäre ihm die Finanzkrise nicht in die Parade gefahren, hätte Flowers auch in Deutschland prächtig verdient ? die Kosten für seine Gewinne hätte die Allgemeinheit gezahlt, so wie sie nun für seine Verluste geradestehen muss.”
Wenn Flowers bei seiner Investition Gewinne erzielt hätte, kämen diese aus einer höheren Bewertung der Anteile durch den Markt. Für diesen Fall einen Finanztransfer “Allgemeinheit->Flowers” zu erkennen wäre – dezent formuliert – sehr gewagt.
Nun hat die Investition keine Früchte getragen, den allergrössten Teil der Verluste trägt…
Natürlich Flowers selbst, wieder nicht die Allgemeinheit.
Nun kann man den Investor von mir aus enteignen, wenn der Staat den Laden übernehmen will und keine Mondpreise zahlen soll, aber Nachtreten und Flowers in ein generell schlechtes Licht zu stellen muss doch nicht sein.
Billionen Dollar gingen durch die Finanzkrise bereits in Rauch auf.
Ist das Geld wirklich verbrand?
Nunja, gehe ich in ein Spielcasino und verliere 100 Euro, dann sage ich ja auch nicht, dass 100 Euro + x Gewinn vernichtet wurden. Die 100 Euro hat ja jetzt nur jemand anderes.
Und anders verhällt es sich an der Börse auch nicht. Ich setze x Euro ein auf der Hoffnung, dass die Kurse steigen. Nun sind sie aber gefallen und ich habe mit meiner Wette verloren, das Geld, was ich eingesetzt habe, hat nun ein anderer.
Also man darf den Herr nicht einfach so verunglimpfen, man hat in und sein Geld doch mit offenen Armen empfangen.
Viel erschreckender finde ich mal wieder die deutsche Doppelmoral, wenn in Venezuela amerikanische Ölfirmen enteignet werden, schreit man hier laut auf und verurteilt das ganze, aber im selben Atemzug wird g’schwind ein Gesetz rausgehauen, welches das Zwangsenteignen in einer solchen Form in Deutschland als legetim bezeichnet.
Den Russen wirft man die Zerschlagung des Yukos Konzerns vor, aber selbst will man eine Bank verstaatlichen und bezeichnet es als fair dem Herr Flowers ein Euro und paar Zerquetschte für Aktien für die er 24? gezahlt hat zu zahlen, natürlich alles legetim.
Wer ist den nun eigentlich die grössere Bananen-Republik?
dazu im Zusammenhang der neue Eintrag im Blog von Paul Krugman. Es war ja das kriminelle Handeln von ‘Helden’ wie Flowers, auf dem im Wesentlichen das US-Wachstumswunder beruhte, vom dem Krugman sich nun fragt, in welchem Maßen er auf eine statistisch erzeugte Illusion zurückzuführen ist
“In short, how much of the apparent US productivity miracle, a miracle not shared by Europe, was a statistical illusion created by our bloated finance industry?”
http://krugman.blogs.nytimes.com/2009/04/16/reconsidering-a-miracle/
btw
weil das so schön die abgründig tiefe Verlogenheit unseren Diskurses zeigt: Es ist Piratenzeit
http://www.videosift.com/video/Monty-Pythons-Meaning-Of-Life-Crimson-Permanent-Assurance
“Analysis: Somalia Piracy Began in Response to Illegal Fishing and Toxic Dumping by Western Ships off Somali Coast”
http://www.democracynow.org/2009/4/14/analysis_somalia_piracy_began_in_response
Naja primär HAT Flowers ja eine Menge Geld verloren.
Sowohl Hypreal-Estate als auch HSR Nord (spell.?) wären in die aktuellen Probleme geraten, wenn Flowers nicht eingestiegen wäre.
Für die temporäre Verstaatlichung von Banken existieren gute ökonomische Gründe. Man kann das bei Brad deLong oder Paul Krugman nachlesen. Selbst die letal-anti-sozialistische Regierung Pin8 ließ 1983 Banken verstaatlichen (das ist ein Beispiel, bitte nicht antworten)
Wer sich ernsthaft darüber informieren will, wie solche Leute wie Flowers ticken, empfehle ich nochmal das sehr gut recherchierte William D. Cohans “House of Cards: A Tale of Hubris and Wretched Excess on Wall Street”.
Es müssen nun Regeln für das internationale Finanzsystem gefunden werden. Am besten bevor es sich regeneriert. Bin im Hinblick auf eine Lösung innerhalb des Systems für die nächsten 40 Jahre recht optimistisch. Glaub nicht, das mehr geht.
Wenn man meint gegen das böse Establishment zu disktuieren, sollte man sich mit eben der recht vielfältigen Meinungen und Lösungsansätzen eben jenes auseinandersetzen und nicht einfach willkürlich eine monolytische erfinden.
@Neu hier:
Ohne jetzt über Venezuela diskutieren zu wollen, aber es gab einfach keinen Aufschrei gegen die Verstaatlichungen des Besitzes von US-amerikanischen Ölfirmen in Venezuela. Zum einen ist der bei weitem bedeutenste Erdölkonzern Venezuelas PVDSA seit mindestens Ende der 60er staatlich und zum anderen wurden die betroffenen Unternehmen von Venezuela abgefunden. Es gab ein paar unterschiedliche Meinungen bzgl. des Drucks der von der venezoelanischen Regierung aufgebaut wurde, aber das war selbst für einen bekennenden Chávez-Haßer wie mich absolut im Rahmen.
Die Kritik an der aktuellen Regierung Venezuelas richtet sich an ganz andere Punkte. Müßte ich in einem eigenen Blog machen.
Woody Allen ist ein gerichtlich dokumentierter Kinderbelästiger (hat das Gericht in seinem Scheidungspozess mit Mia Farrow festgestellt), der seine soziale Tochter geheiratet hat.
Wieso täuscht da also der Eindruck ? Ich finde eher, er trifft voll zu.
@Horscht:
Weshalb Jens die Gewinne Flowers’ für durch die Allgemeinheit finanziert ist, schreibt er einen Absatz später:
“Flowers hatte über ein Zusatzabkommen, das von Goldman Sachs eingefädelt wurde, die ?schlechten? Schulden der Bank beim Staat abgeladen.”
Bezüglich der Verstaatlichung der Banken gehts um die Intention.
Das aktuelle Lex Flowers zielt lediglich darauf ab, die Kosten des bailouts der systemisch als wichtig perzipierten Banken zu minimieren. Es geht nicht darum, dass der Staat dauerhaft als Banker agiert. Das ist ein fundamentaler Unterschied.
@Horscht
Dazu hat Lago ja schon etwas geschrieben. Das “reine” Modell der perfekten Banksanierung funktioniert nun einmal nicht, wenn man nicht irgendwo einen “Schrottplatz” findet, auf dem man die Altlasten entsorgen kann. Und dieser Schrottplatz wird nun einmal meistens von der Allgemeinheit getragen, die dann auch die Kosten zu tragen hat.
So so – die Allgemeinheit trägt nicht die Kosten für das Fehlmanagment der HSH Nordbank und der HRE? Das ist – gelinde gesagt – mutig. Natürlich hat auch Flowers viel Geld verloren, aber als Aktionär – sprich Risikokapitalgeber – ist er für die Schäden seines Handelns nicht haftbar zu machen.
@2 Phil
Ja. Die “Buchgewinne” durch hohe Bewertungen sind zwar virtuell, die auf diese Bewertungen basierenden Papiere und Kredite aber sehr real.
@Lemmy
Das ist die Frage. Bei der HSH Nordbank hatte sein Einstieg ganz sicher auch einen programmatischen Hintergrund, der – das darf man nicht verschweigen – von den anderen Eigentümern ausdrücklich gewünscht war.
Diese Regeln werden aber nicht gefunden – G20 in London lässt grüßen.
Das tut auch niemand – auch der von Dir oben zitierte Krugman ist ein ausgesprochener Kritiker der aktuellen Reglementierung – oder besser deren Nichtvorhandensein.
Na, bei der HSH hat er ja jede Menge Schüler: Dark Siths wie Darth Peiner, Freytag, Nonnenmacher usw. haben im Auftrag der Dark Lords OTTO, Herz, Kühne, Springer den Todesstern HSH lustig weiter auf Steuerdroiden Kosten gebaut. Grinsend zugesehen hat natürlich JodavonBeust und die ObiBürgerschaft. Komplettes Kontrollversagen endet im galaktischen schwarzen Schuldenloch! Michse können die mal, denn von der HRE wollen wir gar nicht anfangen!
@12 John David
Und vergiss mir mal nicht Jabba the Farmer Carstensen und Prinzessin Heide ;-)
@Jens:
Kann man ja alles so oder so sehen. :–)
Der SPOn weiss zu berichten, dass Flowers nun “Totalverlust” droht.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,619580,00.html
Deutschland droht im Falle einer Enteignung dagegen nur ein “kleiner” Imageverlust.
Auch vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestagswahl ein köstlicher Konflikt. Kann mir vorstellen, dass Flowers zum Äussersten entschlossen ist (und Steinbrück noch ein wenig nachbessert), wir dürfen gespannt sein…
@Horscht
Abwarten – er ist eigentlich nicht als “politischer” Investor bekannt
@Jens
Ja. Die ?Buchgewinne? durch hohe Bewertungen sind zwar virtuell, die auf diese Bewertungen basierenden Papiere und Kredite aber sehr real.
Ok, dann gehe ich in die nächste Spielbank (Bad Harzburg lässt grüßen ;) ), setze 100 Euro und vorher kalkuliere ich x-Euro Gewinn. Nun ist es ja so, dass letztlich die Bank als Gewinner herausgeht (von ein paar Ausnahmen abgesehen), so darf ich mich nicht wundern, wenn ich ohne die 100 Euro plus x-Euro Gewinn wieder herauskomme, auch wenn ich diese Summe schon verplant habe. Es ist halt nichts weiter als Spielgeld, was verloren gegangen ist. Doch das Geld wurde weder verbrannt noch vernichtet. Zumal eine Warnung besagt: Nur Geld, was tatsächlich zur Verfügung steht, darf auch als Spielgeld bei Spekulationen, Lotto, etc. eingesetzt werden. Und der evtl. Gewinn sollte auch erst dann verplant und ausgegeben werden, wenn dieser auch tatsächlich zur Verfügung steht. (Sagen das nicht immer Verbraucherschützer?)
Städte planen ja auch oftmals den Erlös von Tickets im Haushalt ein (btw. Gifhorn braucht scheinbar viel Geld, die B4 ist dort mit Blitzkisten übersäht) und spielen letztlich Lotto, wobei hier die Gewinnchance doch wesentlich höher zu sein scheint als in einer Spielbank, Börse oder beim Lotto, da es doch einige Raser gibt, die meinen, sich nicht an Spielregeln halten zu müssen. Wobei doch ab und zu/oftmals diese Kisten nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, wo dann wiederum die Chance besteht, die Forderungen nichtig werden zu lassen, was wiederum die geplanten Einnahmen minimieren könnte.
Im Übrigen hätten wir diese Probleme gar nicht, gäbe es keinen Zinseszins. Besser wäre ein Negativzins, wie es die alternativen lokalen Geldsysteme vormachen. So wirst du letztendlich gezwungen bist, das Geld im Umlauf zu halten, da du ansonsten eine “Strafe” zahlst.
Die Freigeld-Modelle mögen zwar noch nicht optimal sein, vorallem mit dem Entwerten der Geldscheine sowie des regelmäßigen Druckes neuer Scheine – hier wäre mMn. der Einsatz von Plastikgeld sinnvoll, wobei die Lese- und Schreibgeräte sowie die Geldkarten an sich noch wesentlich schneller werden müssen – scheinen aber wesentlich besser geeignet zu sein, um zumindest die Habgier nach Geld, Macht und Unterdrückung zu kontrollieren.
Was mMn. noch unzureichend geklärt ist ist die Frage nach Kapital, welches als Reserve zurückgelegt werden darf. Wie hoch darf die Rücklage sein? Soll auch hier der Negativzins, möglicherweise, reduziert, greifen? Wie soll es berechnet werden vorallem bei Firmen? Einige Firmen brauchen bspw. höhere Rücklagen als reine Dienstleister, die im geringsten Fall nur ein neues Fahrzeug und ein wenig Handwerksmaterial brauchen im Gegensatz zu z. B. Fahrzeugsherstellern, die doch ein wenig mehr investieren müssten, um überhaupt den Betrieb aufnehmen zu können.
Btw. hat sich schon einmal jemand mit dem System im Star Trek-Universum auseinander gesetzt? In einem Film, ich meine es war in dem, wo die Borg in die Vergangenheit reisen um die Erde zum Ende des 20. Jahrhunderts zu assimllieren, wurde gesagt, dass das Geld in der Zukunft abgeschafft worden sei. Gibt es dazu eigentlich nähere Ausführungen oder wurde da schonmal etwas ausgearbeitet wie das funktionieren soll ohne einem Tauschmittel wie Geld? Oder werden jegliche Güter durch Replikatoren den Menschen bereit gestellt?
Btw.: Jens, kannst Du bitte das Engabefenster ein wenig vergrößern? Lange Texte lassen sich so schlecht darin eingeben. Die Live-Vorschaufunktion ist zwar schön und nett, doch scheint sie eine Menge Ressourcen zu schlucken. Vllt. wäre es auch gut, wenn der Submit-Button zuerst eine Vorschau des Textes generiert ähnlich wie es in den Foren von heise.de ist (einstellbar) anstatt ihn gleich in die DB einzutragen.
Anm.: Spielgeld nicht im Sinne wie Spielgeld aus Spielen wie Monopoly & Co.
Menschlich, dieser Finanzkrise ein Gesicht geben zu wollen, sei es ein so bleiches, mit übermüdeten Aktenstudieraugen, wie das von Flowers. Könnte man ihn doch auf den Potsdamer Platz an den Pranger stellen lassen und ihn solange mit Geldmünzen bewerfen, bis er anfängt Geld zu hassen. Manch einer mag sich das wünschen, sehr erhellend wäre das aber auch nicht. Und an Erhellendem, in dieser Finsternis, mangelt es wirklich!
Die tatsächlichen Verstrickungen im Falle HRE sind ja nicht einmal dem Parlament in ausreichendem Maße klar, weshalb es ein Skandal ist, dass die SPD gegen einen HRE-Untersuchungsausschuss mauert und diesen hinauszögert.
Und warum bekommt Herr Flowers eigentlich überhaupt noch Geld für seine Anteile? Der Grünen-Finanzexperte Schick sagt in einem Interview mit dem Focus: “Die Bank ist nichts mehr wert, im Gegenteil, sie hat aufgrund der zu erwartenden weiteren Verluste sogar einen Minuswert. Es kann nicht sein, dass die verbliebenen Aktionäre dafür noch Geld bekommen. Im Grunde müsste Herr Flowers Geld bezahlen, um diese Bank vom Staat sanieren zu lassen. ”
Da ist doch noch viel im dunkeln! Was waren angeblich die letzten Worte Goethes: Mehr Licht!
@Phil
Noch nicht einmal die Finanzmagier an der Wall-Street schaffen es, das Verlustrisiko beim Roulette herauszurechnen. Das Beispiel passt also nicht ;-)
Außerdem bist Du auch auf der falschen Fährte. Es geht ja nicht um die Einsätze beim Spiel, sondern um Geschäfte, die mit den “virtuellen Gewinnen” gemacht wurden. Der Einsatz für diese Geschäfte hat nie real existiert – das hat dann auch zufolge, dass sämtliche Gewinne, die auf diesen basieren, weg sind. Und diese Geschäfte der zweiten Ebene sind mit realem Geld hinterlegt, das nun “verbrannt” ist.
… und das wird noch schlimmer, da die Kommunen mit den Geldern aus dem Konjunkturpaket 2 fleißig Starenkästen kaufen ;-) …
Jo – das ist nichts anderes, als eine zusätzliche Zwangsinflation. Das kann die EZB auch machen, daran ist nichts “alternatives” und mE auch nichts innovatives.
Stimmt – das wurde durch goldgepresstes Latinum ersetzt ;-)
Stimmt – ich werde da mal ein sparsameres Plugin suchen.
@Jens
Klar, das Verlustrisiko kann nie herausgerechnet werden. Doch es wird suggeriert, dass kein Risiko bestehen würde. Und genau da liegt doch der Hase begraben.
Nur wird sie es nie machen.
Das wurde erst mit Cpt. Picard eingeführt, wenn ich mich nicht irre und betrifft mWn. nur die Ferengi, die hinter diesem Zahlungsmittel wie wild her sind.
Da bin ich fundamental anderer Auffassung. Das ist derUnterschied.
Solche Reglementierungen brauchen eine gewisse Zeit der Ausarbeitung.
Macht keinen Sinn darüber zu diskutieren, aber das ist was ich glaube.
Der hypertrophierte Finanzkapitalismus der USA/UK ist schwer getroffen. So wie die eher sozialdemokratische Verfassung dieser Volkswirtschaften 1980. Das Pendel wird in eine andere Richtung ausschlagen. General Motors ist quasi Pleite. Das wird weitere Schockwellen durch die USA treiben. Und dieses Austrian-Zeugs – über das ich nicht viel weiss – erscheint mir eher wie politisch nicht umsetzbar.
HRE besitzt einen Minuswert. Flowers hat aber selbst bei den Aktien-Preisen, die in letzter Zeit im Gespräch waren, Hunderte von Millionen verloren. Würd aber die aktuell zu Disposition stehende temporäre Verstaatlichung präferieren.
@Lemmy
Das wundert mich kaum – da sind wohl die ideologischen Scheuklappen im Wege.
Was Du nicht sagst ;-)
Und was meinst Du was in der Zeit passiert? Glaubst Du ernsthaft Herr Assmusen und seine Freunde von Wall Street und City of London haben ein Interesse daran, Gemeininteresse über Partikularinteresse der Finanzbranche zu stellen? Wenn ja, dann bist Du naiver als ich dachte.
Über den Glauben lässt sich idT nicht diskutieren. Der eine glaubt an Gott, der andere an den Osterhasen und Du glaubst an selbstregulierende Märkte … jedem Tierchen sein Pläsierchen.
Überraschenderweise stimme ich Dir da sogar zu.
Ohne Staatseingriffe hätte momentan jede Großbank einen “Minuswert” – Aktienpreis und Wert sind aber etwas unterschiedliches. Wenn ich davon überzeugt bin, dass der Staat eine AG nicht pleite gehen lassen wird, hat die Aktie einen Wert, da sie ja die zukünftigen Ergebnisse bereits eingepreist hat.
Richtige und wichtige Ergänzung, hatte ich übersehen! Flowers hat also kühl einen Systemfehler analysiert und versucht, daraus Geld zu machen. Der Systemfehler liegt darin, bei einer systemrelevanten Bank eine Aktienbeteiligung zuzulassen. Eine systemrelevante Bank muss staatlich sein, denn der Staat ist in diesem Fall ja das System! Die “Flowers-Masche” war also die, Aktien von einer “kranken” systemrelevanten Bank aufzukaufen, wohl wissend, dass der Staat alles tun wird, um den Patienten zu heilen und dann nach der teuren Heilung die Aktien wieder zu verkaufen.
Wenn diesmal die Masche nicht funktioniert, dann deshalb, weil diesmal die Spielregeln “im Spiel” geändert werden. Das macht der Staat (zu Recht) jetzt, das ärgert natürlich den Herrn Flowers, schließlich ist so etwas bei allen anderen Spielen (Schach, Monopoly, …) äußerst unsportlich. Womöglich will nun keiner mehr mit Deutschland spielen, wie traurig.
Kann man sich nicht einfach darauf einigen, nicht übereinzustimmen. Statt mit Wertungen zu kommen. Weder Du noch ich kennen die Zukunft.
Nochmal. Ich glaube nicht an grundsätzlich sich selbst regulierende Märkte. Ich glaube, dass der Markt oft aber nicht immer und sicher nicht völlig unreglementiert, ein effektive Mittel zur Allokation von Ressourcen darstellt.
Für eine Menge Banken trifft das sicher nicht zu. Etwa für die Deutsche Bank. Eine Menge US-Banken haben in den letzten Wochen überraschend gute Zahlen gemeldet.
Das ist so. Und das ist Flowers opportunistisches Spiel (opportunitistisch als Suche nach wahrscheinlichen Szenarien). Ich halte dieses Gezocke für gefährlich, assozial und nicht im Sinne des eigentlichen Zwecks von Finanzinvestoren. Deshalb würde ich mich über eine Verstaatlichung freuen.
Soweit ich mich davon informiert habe, hängt das Geschäftsmodell der HRE sehr von der Kosten kurzfristiger Anleihen ab. Deutlich stärker als die von praktisch sämltichen übrigen Banken. Die ist schon ziemlich speziell.
Eben genau nicht. Flowers hat sich die Aktien gekauft als sie deutlichst höher waren als sie heute sind. Die Kühle seiner Kalkulation hat eben seine Grenzen. Er hofft halt, dass sich der Kurs der Aktien nach der Rettung wieder in einem vertretbaren Zeitrahmen auf den Preis zubewegen, zu dem er sie gekauft hat. Angesichts des jetzigen Preis hat er massivste Verluste gemacht. Nur muß er die Verluste nicht realisieren, indem er die Aktien jetzt nicht liquidiert.
Seine aktuellen Kursverluste sind gewaltigst höher als die zusätzlichen Verluste, die ihm im Falle einer Enteignung entstünden.
@Lemmy
Du darfst nicht immer alles glauben, was auf SPON steht ;-)
Die Deutsche Bank steht also gut da?
D´accord
[...] obwohl die Deutsche Bank 2008 ein Minus von 5,7 Milliarden Euro machte.
http://www.welt.de/wirtschaft/article3151133/Deutsche-Bank-trotz-Riesenverlust-optimistisch.html
@Lemmy
Die Frage ist, wie du selbst sagst, wann er die Aktien wieder liquidiert. Dass er momentan einen riesigen Verlust einfährt, wenn er die Aktien verkauft, das ist klar. Hätte man nicht im Spiel die Spielregeln verändert, so könnte er sich zumindest noch der Illusion hingeben, die Aktien zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit einem deutlich geringeren Verlust, oder gar mit Gewinn zu verkaufen. Dieses Ändern der Regeln im Spiel hatte er halt nicht auf seinem Radar, das ist ja auch für diese Großzocker ein schwerer Tabubruch.
Der Beitrag vom Spiegelfechter zeigt doch am Beispiel Christopher Flowers auf, wohin uns dieses kapitalistische Wirtschaftssystem, ihre Akteure und diese liberale ?Mitte? immer und immer wieder hinführen.
Weiter so und nur Symptome bekämpfen?!
Es ist schon beeindruckend mit welcher Hingabe hier einige über die Berechtigung der weiteren Existenz eines ?Misthaufens? überhaupt noch diskutieren.
Hier mitdiskutieren?! Da geht es wohl so Einigen wie Heinrich Mann.
@Realist
Ich sehe niemanden, der den Misthaufen so schnell bei Seite räumt. Also müssen wir wohl noch eine Weile mit, im, auf oder unter dem Misthaufen leben, je nach Perspektive.
> Der Beitrag vom Spiegelfechter zeigt doch am Beispiel Christopher Flowers auf, wohin uns dieses kapitalistische Wirtschaftssystem, ihre Akteure und diese liberale ?Mitte? immer und immer wieder hinführen.
Und wenn wir ehrlich sind, dann hat dieses verdammte System ja doch ein paar nette Sachen gebracht wie bspw. eine hohe Lebenserwartung, Sozialsysteme, das Internet, das dicke Auto und genug zu fressen.
War früher mal anders.
Ich frage mich immer, bei diesen vielen Systemkritikern hier, was die wohl machen würden, wenn sie könnten. Und wenn da mal was Konstruktives kommt, dann klingt das verblüffend oft nach Sozialismus.
Es spricht ja nichts gegen eine organische Weiterentwicklung der Systeme und auch die eine oder andere Utopie darf genannt werden, aber so ist es ein Jammern auf hohen Niveau.
BTW, die Deutsche Bank steht bei 41,70EUR im Xetra, LOL, nicht so töfte, aber wenn ich daran denke das Ding vor ca. 12 Jahren für ca. 75,-DM gekauft und ein Jahr später für ca. 90,-DM verkauft zu haben, dann gehts ja noch – in Anbetracht der doch recht üblen Rezession und Bankenkrise.
Also, die Unzufriedenen sollten sich mal wieder ein großes Schnitzel reinhauen und dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Allerdings scheint angeraten die Freude bzgl. der möglichen Flowers-Enteignung noch etwas zurückstellen.
@ 29 Gebintit
Ja, aber zu mindestens anfangen, grundlegend anders zu denken. Grundlegend das Wertesystem in Frage zu stellen. Nicht mit unrealistischen Zielen beginnen, die Menschen da abholen, wo sie stehen, aber eben beginnen!
Dieser geistigen Armut nicht widersprechen? :
@ 30 Horscht
Zum Teil haltlose und unwahre Phrasen. Für den Rest gilt: Der Preis dafür aber ist hoch, viel zu hoch. In jedem Belang.
Die Menschen werden seit Jahrzehnten auf primitives Niveau gezüchtet und dumm gehalten. BILD Niveau eben. Worthülsen einiger User hier im Forum wie:
sprechen für sich, oder? Und man kann die dümmlichen Worthülsen so manch Users hier fortsetzen.
@Realist:
Ich bin halt blöd, aber glücklich. :–)
Was Dir fehlt und was Deine negative Einstellung begründet ist _der_Maßstab_.
Selbstverständlich ist Deine Kritik, die ich nicht teile, konsistent, aber es ist nun mal so, dass es heute und hier, also im Jahr 2009 und in Mitteleuropa, verglichen mit den historischen Verhältnissen, sehr gut steht.
Woraus willst Du also Deine Unzufriedenheit ableiten? Sinds vielleicht “nur” Befindlichkeiten?
@ Horscht
Diese Zeilen drücken doch alles aus, oder?
Als Maßstab Vergleiche zu historischen Verhältnissen heranzuziehen ist geradezu lächerlich.
?Befindlichkeiten? als Grund für eine grundlegend ablehnende Einstellung zu diesem System mögen in deinem Geisteshorizont eine Hauptrolle spielen. Bei mir nicht.
Aber zumindest stimme ich dir in deiner ?Selbsteinschätzung? ? ich bin halt blöd, aber glücklich?voll zu.
@Realist:
Also keine Maßstäbe da. Dann wohl Ideologe. Aber eben nicht “Realist”. :–)
Ich kenne einige Leute, die auf Grund von Befindlichkeiten Unzufriedenheiten hegen, mein grundsätzlicher Rat ist dann meist: Einfach mal doof werden und dann langsam wieder die Einstellungen neu aufsetzen. Dabei natürlich Maßstäbe entwickeln und berücksichtigen.
Mir ist klar, dass das schwierig ist, aber es ist die einzige Möglichkeit aus dem Teufelskreis der Unzufriedenheit ausbrechen zu können. Das Leben ist doch schön (für diejenigen, die nicht sehr ernsthafte Probleme haben).
So, genug der Beratung, Ohren steif halten!
@ Horscht
Du wirst staunen, aber auch ich kenne einige Leute?
Alledings ist mein grundsätzlicher Rat dann :endlich mal klug werden und mit Nachdenken anfangen.
@Horscht
Wie Du weißt, lehne ich die Marktwirtschaft nicht ab – aber diese Argumente sind recht fadenscheinig ;-)
Der sozialistische Staat Kuba hat beispielsweise eine höhere Lebenserwartung, als die Hälfte aller EU-Staaten und wenn ich mir das Sozialsystem im “kapitalistischen Vorzeigestaat” USA anschaue, kommt mir das Schaudern. “Dicke Autos” als etwas besonders erstrebenswertes zu sehen, finde ich auch etwas grenzwertig.
Die Annehmlichkeiten einer modernen Welt haben viel mehr etwas mit Fortschritt und Verteilungsgerechtigkeit zu tun – und diese beiden Faktoren sind nicht systemgebunden.
Ich kann natürlich nicht für “die vielen Systemkritiker hier” sprechen, sondern nur für mich – leider hört sich heutzutage eine wirtschaftspolitische Argumentation, wie sie bis in die 1980er Jahre in Westdeutschland noch konsensfähig war, heute wie “Sozialismus” an. Das liegt aber eher an der seltsamen Zeit, in der wir leben, als an den Argumenten selbst. Ökonomen, wie Flassbeck, Stiglitz, Akerlof, Bofinger, Sen, Krugman oder Horn sind sicherlich keine “Sozialisten”.
Schon klar, lieber SPIEGELFECHTER, es ist auch der Fortschritt der Technologien. Den man dann nicht von der Marktwirtschaft ableiten muss. Wenn man nicht möchte.
BTW, ich habe längere Zeit gelegentlich rechte Webbiotope analysiert und dort liegt dann oft eine tiefgehende Unzufriedenheit vor, die irrational ist. Da ist mir dann die Idee gekommen, dass auch Linke hier irgendwie vergleichbar irrational leiden (Fachwort: Leidensdruck (vs. echtes Leiden)). Ist da was dran?
@Horscht
Sicherlich ist da “was dran” – wenn man zufrieden mit den Gegebenheiten ist, wird man kaum zu einem der politischen Ränder tendieren, sondern in der Mitte verharren, was ja auch einfacher ist. An den Rändern des politischen Spektrums gibt es auch großflächige Überschneidungen – Antifa und Skinheads haben mehr gemein, als sie wahrhaben wollen.
Yo, danke für Deine Einschätzung.
Ein wichtiger Grund bei Dir zu kommentieren (und zu lesen) ist natürlich neben den oft interessanten Texten (im Guten wie im Bösen :–), dass Du undepressiv kommunizierst.
Also, schönes WE, ich muss noch ein wenig…
Wenn ich die treffenden Worte vom Spiegelfechter
lese, wird mir so richtig bewusst, das der Spruch:
heute genauso Gültigkeit hat wie früher.
Eine Erfahrung kann man aus der Geschichte ziehen. Die wohl mancher Zeitgenosse und auch ich selbst durch persönlichen Lebenserfahrung bestätigen kann:
Nehmen wir nur einmal die Grausamkeiten, Ungerechtigkeiten und sozialen Verwerfungen durch die jeweils herrschenden Diktatoren, Wirtschaftseliten und willigen Büttel der Politik der letzten 100 Jahre auch in Deutschland. Möglich war dies den Obengenannten auch und durch ein Millionenheer von Stillhaltern, Leisetretern, Mitläufern, Tätern, Mittätern in Beamtenstuben ?, die ja leider nur ?müssen? aber doch ganz anders ?wollen?.
Genau diese “Mitte” sorgt mit ihrem verlogenem, scheinheiligen, egoistischen Verhalten dafür, dass Rechte und Linke “Ränder” möglch sind!
Seufz. 4 Worte: Flieg da mal hin.
Ich les beispielsweise Krugman und Spiegelfechter regelmässig. Da gibts schon gewaltige Unterschiede. Bei Krugman und Stiglitz stimm ich mit sehr, sehr vielem überein. Hier ärgert mich vieles. Krugman ist btw. ein großer Freund moderater politischer Einstellungen.
Oh heroisierende teutonische Romantik. Genau umgekehrt. Es ist unendlich einfacher, irgendwelchen Heilslehren zu folgen als einem kritischen moderaten Standpunkt.
Genau Jens, Skinheads, kann man schon mal bringen, wenn man überhaupt keine Ahnung hat, und Mainstreamschwachsinn nachplappert. :(
Die ach so Liberalen sind immer in ihren Ansichten, in ihrem Verhalten, in ihrem Gefasel vom naturgegeben Istzustand des Gesamten und des Menschen an Sich nichts weiter als Sozialdarwinisten und Rassisten, die nach ihren blutigen Geschäften mit dicken Fingern auf die angeblichen Räder zeigen.
Über das bürgerliche liberale Bewußtsein gilt, was Hilferding schon vor 150 Jahren festgestellt hat: es ist gewaltätig, aggressiv, und töte mal mit, mal ohne bürgerliche Verträge und erhebt den bürgerlichen Staat samt seinen Gewalten in die Stellung eines Gottesaltars.
Du kannst dir bei Gelegenheit mal anschauen, wie wahnsinnig man schon Teile der bürgerlichen Gewalten geworden sind.
In Erfurt räumt der Staat in Bürgerkriegsmanier ein paar harmlose Hausbesetzer weg: mit scharfen Waffen, Hubschraubern und Räumpanzern.
http://de.indymedia.org/2009/04/247278.shtml
> Die ach so Liberalen sind immer in ihren Ansichten, in ihrem Verhalten, in ihrem Gefasel vom naturgegeben Istzustand des Gesamten und des Menschen an Sich nichts weiter als Sozialdarwinisten und Rassisten, die nach ihren blutigen Geschäften mit dicken Fingern auf die angeblichen Räder zeigen.
Wow, revolutionäre Lyrik, wo lernt man sowas? Noch alte Schule oder schon Retro?
Was war mit den “angeblichen Rädern” genau gemeint?
@name
Ach “name”, ich hatte in meiner Studienzeit recht engen Kontakt mit “Basisgruppen” und der Antifa. Seitdem bin ich diesbezüglich sehr desillusioniert. “Hass” ist keine rechtes Alleinstellungsmerkmal – wobei ich an den Rändern auch gar nicht von rechts oder links sprechen würde.
Ach Jens, ich lass dir ja deine Erfahrung, und du wirst dann sicher auch wissen, wir sehr der ganze Bereich dort direkt unter staatlicher Repression steht und stand. Ich weiß ja nicht, wo und vor allem wann du studiert hast, aber das 129 Verfahren in Göttingen gegen die Autonome Antifa (M) Anfang der neunziger Jahre hatte es mehr als in sich. Das die Leute da anfangen haben zu hassen, ist bei der staatlichen Gewalt nur das Gegenprodukt des staatliches Hasses.
Ich habe mich vor allem daran gestört, dass wieder die alte Skinheadarbeiterkultur als Beispiel für deutsche Faschisten herhalten musste, die mit rassistisch politischen Bestreungen gar nichts zu hat.
@name
Anfang der 90er und Göttingen passt schon. Den “Hass” auf “staatliche Repression” zu schieben, ist mE aber mehr als billig.
OK – da gebe ich Dir recht. “Skinhead” ist leider zu einer Metapher für rechtsextreme Glatzköpfe geworden, obgleich dies natürlich nichts mit den ursprünglichen Skins zu tun hat.
Schwierig, nur die Zustände in Göttingen mit allen Folgeerscheinungen hätte es ohne die Räumungen und massive staatliche Gewalt in Berlin Anfang der neunziger, die massiven Räumungen wie im Bürgerkrieg und ohne die Progrome so auch nicht gegeben.
Für billig halte ich diesen Zusammenhang nicht. Wer heute über Schäuble schimpft, kannte Heinrich Lummer nicht…
http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A4umung_der_Mainzer_Stra%C3%9Fe
Wie auch immer ..
http://www.drmotte.de/wordpress/2009/03/03/kurt-tucholsky-wenn-die-borsenkurse-fallen/
Ich glaube, dieses Gedicht beschreibt das ganze Geschehen wohl am besten. Ob es von Kurt Tucholsky ist oder nicht, tut dabei nichts zur Sache.
“Den ?Hass? auf ?staatliche Repression? zu schieben, ist mE aber mehr als billig.”
Na ja, billig…
Naheliegend, auch für die Antifa, der Staat repräsentiert nunmal auch das “System”.
Moralisch liegen Welten zwischen Antifas und Neonazis auch wenn es Ausnahmen gibt.
Halte die meißten Aktionen der Antifas auch für Schwachsinn oder besser gesagt kontraproduktiv nicht nur nach außen.
@Ingo
Das Gedicht ist in der Tat NICHT von einem prophetisch veranlagten Tucholsky, sondern von einem Österreicher namens Kerschhofer, der politisch eher rechts zu verorten ist.
Siehe ORF, oder Arichivalia.
Was mir bei den Kommentaren (und beim Artikel) leider zu kurz kommt, sind Fragen, die sich aus etwas lateralem Denken eigentlich von selbst ergeben müßten:
Da Flowers kein Dummkopf ist – welche Geschäfte mit HRE Optionen haben seine anderen “rechtlich selbständigen” Firmen zwischenzeitlich gemacht?
Investoren seines Schlages kalkulieren mit (Eigen-)Kapitalwiedergewinnungszeiten von unter einem Jahr! Wann hat er sich nochmal an HSH unf HRE beteiligt?
Wie Jens richtig beschreibt, arbeitet auch er mit OPM (Other People’s Money) – sein “Eigenkapitaleinsatz” war deshalb wahrscheinlich kleiner.
Was an den Aktivitäten rund um die genannten Institute waren “Market Maker” Manöver?
(“Someone who buys and sells the same item for his own account to make a market. Typically on the NYSE and NASDAQ.”)
… und da war dann noch “The Clout” – eines geschäftstüchtigen Windhundes, der ihm auch andere lukrative Geschäfte möglich machte – kann sich noch kemand an die Methode “Baulöwe Schneiber” erinnern? (http://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Schneider)
Also m.E. genügend Gründe kein Mitleid zu empfinden – der Herr Flowers hat seine Schäfchen mit Sicherheit im Trock’nen!
Tja, wen wundert es in der heutigen neoliberalen Welt das die grösste und populärste Moraldiskussion im Parlament darüber geführt wird ob ein Milliardär genug Millionen für etwas bekommt das nichts mehr wert ist.
Scheinen ja die wichtigsten moralischen Entscheidungen zu sein, die wirklich Mitleid erzeugen müssten.
Ich trauere mit ihm, sagt mir Bescheid wann es soweit ist und ich meine “raiffeisen” Fahne auf Halbmast setzen soll……..
Wer hat hier Mitleid mit Herrn Flowers? Leider gibt es unzählige Flowers, für die gesellschaftliche Verantwortung nichts anderes als eine Spaß- und Profitbremse ist. Die Politiker sollten endlich begreifen, dass nicht Spieler wie Flowers die wirklich Bösen sind, es sind die Spielregeln! Und die Spielregeln sollten eigentlich die Politiker festlegen!
Meinst du wirklich das die Politiker diejenigen sind die begreifen müssen was das wirklich böse ist, oder basiert ihre Begriffsstutzigkeit eher auf Selbstschutz?
Die Spielregeln sind einfach, und Spielverderber sind unerwünscht.
Korrektur: unabhängig von den geltenden “Spielregeln” (Gesetze, Verordnungen, …) sollte jeder die Ethik seines Handeln überprüfen und dafür verantwortlich sein. Die Spielregeln dürfen natürlich keine Entschuldigung sein.
Einfach sind die Spielregeln aus meiner Sicht nicht, wenn man damit die Regeln meint, die momentan unser globales Finanz- und Wirtschaftssystem bestimmen. Auch die Größe des globalen Spielfelds und die Vielzahl der Mitspieler machen die Sache immer unübersichtlicher. Und viele lassen sich zudem nicht in die Karten blicken!
Aber vermutlich meinst du andere Spielregeln, archaischere Regeln und Gebote, die schon galten, als es noch keine Hedge-Fonds gab?
Hier im Blog wird ja oft Sozialdarwinismus als Credo des “herrschenden Bürgertums” angeprangert. Dabei übersehen sowohl Befürworter als auch Gegner des “Sozialdarwinismus”, dass es einen Wettbewerb nicht nur zwischen Individuen, sondern auch zwischen Gruppen gibt und es sogar passieren kann, dass in Gruppen mit besonders leistungsfähigen, aber egoistischen Individuen, die Gruppe so geschädigt wird, dass sie im Wettbewerb mit anderen Gruppen untergeht. Und damit letztlich auch das ihr angehörende Individuum!
Dazu gibt es einen interessanten Züchtungsversuch, den ich noch kurz zitieren möchte (aus Spektr.d.Wissensch., 01/09, S.40):
Verhaltensgenetiker züchteten Hühner auf höhere Legeleistung, es wurden immer mehrere Hennen pro Käfig gehalten. In der ersten Zuchtreihe, wurden immer die Hennen zur Weiterzucht ausgewählt, die am meisten Eier legten. Diese Zucht entspricht der klassischen Individualselektion. In einer zweiten Zuchtreihe wählte der Züchter stets alle Hennen von Käfigen aus, die im Vergleich zu anderen Käfiggemeinschaften hohe Legeleistungen zeigten (Gruppenselektion).
Nach sechs Generationen war bei Einzelselektion ein höchst aggressiver Hühnerstamm entstanden. Diese Hennen schikanierten einander bis aufs Blut und legten in jeder Generation weniger Eier. Ursache: die Henne, die im Käfig die meisten Eier legt, verdankt dies ihrer aggressiven Dominanz. Bei der zweiten Versuchsreihe stieg dagegen die Legeleistung um 160 Prozent, denn diese Hühner harmonisierten friedfertig.
Leider wurde die Gruppenselektion auch von vielen Biologen in den letzten Jahrzehnten zu wenig beachtet.
Ich finde die Spielregeln des Finanz und Wirtschaftsystems eher sehr einfach, sie beruhen nur auf Profit und der Maxime, der Spielerfolg basiert nur darauf.
Klar unterscheiden sich die Mittel und Wege, wie man zu diesem Profit kommt, und die Gesetze und Verordnungen sind nur die “Spielregeln” jeweiliger Zeit und Machthaber, ändert aber auch nichts daran das der Profit grundsätzlich falsch definiert ist.
Die einzig positive Eigenschaft die ein Profit-orientierter Ansatz bietet ist die Leistung die er von den jeweiligen Teilnehmer erwartet.
Ab dem Zeitpunkt , ab dem “Profit” nicht materiell definiert wird, sondern ethisch, geistig , sozial könntest du sogar von mir Leistung erwarten.
Regierung will Ursachen der Finanzkrise verheimlichen
@Zasti
Danke für den Linkhinweis, der Bericht (Kontraste) ist wirklich ein Hammer. Unglaublich, wie in der Presse groß über die Nebelkerzen der Wahlkampfbüros berichtet wird und solche Dinge unter den Tisch fallen.
Auf diesen Skandal sollte man aufmerksam machen, wäre das nicht ein Thema für den Spiegelfechter?
@Schachspieler
Dun nennst die Ziele, nicht die Regeln! Wäre das “Spiel” so trivial, würde man Leuten wie Flowers wohl kaum so absurd hohe Boni und Gagen zahlen und würden nicht ganze Regierungen so deppert dastehen, wie sie das zur Zeit tun. Die einzelnen “Regeln” sind vielleicht gar nicht so kompliziert, das Gesamtsystem aber schon, alleine schon wegen der Vielzahl der Komponenten und ihrer Wechselwirkungen.
@Gebintit
Die Spielregeln sind einfach, gib mir dein Geld ich stecke es in ein riskantes Unternehmen, denn Gewinn teilen wir , den möglichen Verlust schieben wir dem Staat in die Schuhe, und das alles natürlich steuerfrei.
Das einzige das wir studieren müssen ist die jeweilige Rechtslage, daher brauchen wir einen guten Kenner der Schlupflöcher.
Interessant ist hier die Funktion unserer Regierung, insbesondere die von Herrn Seehofer.
Da sollte jedem Bürger aus Bayern ein Licht aufgehen. Und allen Bürgern der
Bundesrepublik sollte das ein Hinweis sein, wie man bei der Bundestagswahl dem
Einhalt gebieten kann.
Auch sehr interessant zu dem Thema aber etwas zeitaufwendiger zum Ansehen.
Aber eines der interessantesten Artiklel im Internet, die ich kenne zu dem Thema:
Bernd Senf – Tiefere Ursachen der Weltfinanzkrise – vollständige Version
http://blip.tv/file/1441621
@Starship Trooper:
[Market Maker Manöver]
Unter einem “Market Maker” versteht man an der Börse jemanden, der gleichzeitig kauft und verkauft und damit einen “Markt” schafft. Seinen Schnitt macht er über den Unterschied zwischen Verkaufs- und Kaufpreis (“Spread”).
Was Du meinst, nämlich die Beeinflussung des Marktes durch geeignete Händel, womöglich gar mit sich selbst (!), ist verboten, zumindest in Deutschland und den USA und zieht bei Entdeckung empfindliche Strafen nach sich. ;) (Klar, man muß entdeckt werden. Passiert das allerdings, sind die Geldbußen (und der Imageschaden) tatsächlich beachtlich.)