Ein Land am Rande des Nervenzusammenbruchs
geschrieben am 25. April 2009 von Spiegelfechter
Nur verbohrte Marktliberale können glauben, dass die Menschen sich nicht irgendwann gegen diesen Trend auflehnen werden. Wenn genügend Leute glauben, dass die krasse ökonomische Vernunft sie ihrer Lebenschancen beraubt, werden sie sich erheben. Jedenfalls kann selbst in unserem Teil der Welt niemand die Hand dafür ins Feuer legen, dass es künftig keine Revolution mehr geben wird. Man sollte die Geschichte nicht durch einen Mangel an Phantasie beleidigen. Der Notschrei der Gräfin Dönhoff hat nichts von seiner Aktualität verloren: Zivilisiert den Kapitalismus!
Diese Worte stammen nicht von Gesine Schwan und auch nicht von Michael Sommer und sie wurden lange, bevor die Weltwirtschaftskrise über Deutschland hinwegfegte, geschrieben. Der Mann, der zum Weihnachtsfest 2006 seine Hand nicht dafür ins Feuer legen wollte, dass es hierzulande keine Revolution mehr geben wird, ist Theo Sommer, seines Zeichens ehemaliger Herausgeber der ZEIT. Sommers Worte sind wahrer denn je, die politischen und gesellschaftlichen Eliten beleidigen die Geschichte einmal mehr durch einen Mangel an Phantasie. Anders ist der Sturm der Entrüstung nicht zu erklären, den Gesine Schwan und Michael Sommer durch ihre Warnung vor sozialen Unruhen auslösten.
Wache Mahner wird es immer geben, allerdings gehören weder Gesine Schwan noch Michael Sommer zu diesen. Sommer spielt mit dem Druck der Straße, um seine eigene Verhandlungsposition zu stärken. Eine Organisation wie der DGB ist Teil des Problems und nicht seine Lösung – wann hat der DGB sich in der Vergangenheit denn für prekäre Arbeitsverhältnisse oder Arbeitslose interessiert? Der DGB ist ein Interessenverband der organisierten Facharbeiter, einer Mittelschicht, die sich und ihre Pfründe selbst gegen die neue Unterschicht verteidigen will. Gesine Schwan ist ihrerseits zwar eine honorige Frau, aber wenn man liest, was sie eigentlich genau gesagt hat, verfliegt jeder Hauch echter Kritik aus ihrem Munde. In der Bevölkerung dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass die Verursacher der Krise nicht mit einbezogen würden – sonst könnte sich ein massives Gefühl der Ungerechtigkeit breit machen, so Schwan. Es herrscht also keine Ungerechtigkeit vor, sondern nur ein „Gefühl der Ungerechtigkeit“. Ihr geht es demnach nicht um die Fakten, sondern nur um den „Eindruck“ und das „Gefühl“. Engagieren wir also eine PR-Agentur, die dafür sorgt, dass das Produkt beim Kunden ein neues Image bekommt?
You can fool some people some time, but you can´t fool all the people all the time
Abraham Lincoln
Eine träge politische Kaste, die meint, durch Aussitzen und Verharren auf einer nachweislich fehlerhaften Ideologie jede Krise durchstehen zu können, benötigt vielleicht einen Initialschub, der von den Akteuren kommt, die nicht mit der Kanzlerin an runden Tischen palavern. Die Macht der Straße gefährdet die Demokratie nicht, sie rettet sie vor ihr selbst. Das Erfolgsmodell Deutschland ist von Politik und Eliten in eine Sackgasse gesteuert worden und scheint nun dern Ende angekommen zu sein. Es ist Zeit, Deutschland neu zu erfinden und das Ruder herumzuwerfen. Ohne die Hilfe der Straße wird das politische System dazu aber nicht in der Lage sein.
Natürlich ist das alte Vorurteil, Deutschland sei kulturell nicht fähig, seinen Zorn am System auf der Straße auszuleben und damit sogar Erfolg zu haben nachweislich falsch. Die Ostdeutschen haben es uns 1989 vorgemacht, wie der Druck der Straße ein erstarrtes System in seinen Grundfesten erschüttern kann. Die Bundesrepublik des Jahres 2009 lässt sich natürlich nicht mit der DDR des Jahres 1989 gleichsetzen – vergleichen kann man die Situation aber allemal. Genau so wie sich die Gerontokratenclique aus dem Zentrakomitee von der Idee des Sozialismus längst verabschiedet hatte, hat sich die Größte Koalition aller Zeiten längst von der Idee der sozialen Marktwirtschaft verabschiedet. Hier wie dort – je weiter man sich von seinen Idealen entfernt hat, desto lauter feiert man sie. Kritik kommt nicht aus den reichenweitenstarken Medien, sondern von unten – auch darin sind beide deutsche Momentaufnahmen zu vergleichen. Erich Honecker predigte kurz vor dem Zusammenbruch zum 40. Geburtstag der DDR, dass den Sozialismus in seinem Lauf weder Ochs noch Esel aufhalten könnte. Die Bundesrepublik wird in diesem Jahr 60 und die Durchhalteparolen der politischen und gesellschaftlichen Eliten klingen ähnlich phantasielos wie weiland der alte Erich. Wenige Wochen später jagte ihn das Volk aus dem Amt. Die DDR wurde von der Demokratie einverleibt, doch so demokratisch, wie die beschauliche Bonner Republik, sollte die neue Berliner Republik nie wieder werden.
Auch die 68er Revolten im Westen waren von Erfolg gekrönt – die Bonner Republik änderte sich durch den Druck der Straße, der anderswo kein Ventil fand. Damals schwappten die Revolten aus den Straßen von Paris auf Deutschland über. Wer meint, dies könne heute nicht mehr passieren, irrt und beleidigt die Geschichte durch Phantasielosigkeit. 1968 fühlte sich eine ganze Generation durch ein verknöchertes, selbstgerechtes und durch und durch spießbürgerliches System daran gehindert, ihren Lebenstraum zu leben. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – die gleichen Werte, die schon 1789 das Ancien Régime aus den Amtsstuben verjagten, standen auf den Fahnen der Demonstranten. Die wache Regierung Brandt nahm deren Rufe auf und „wagte ein wenig mehr Demokratie“. Dadurch wurde die Bonner Republik ein wenig freier, ein wenig gleicher und ein wenig brüderlicher. Der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält, muss hin und wieder mal verstärkt werden, sonst droht er auszutrocknen und spröde zu werden; nur dass es heute keine wache Regierung mehr gibt, die „ein wenig mehr Demokratie“ zu wagen bereit ist.
Es muss keine Revolution stattfinden, um den Kitt zu stärken, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Ein demokratisches System besitzt die nötigen Selbstheilungskräfte. Um diese zu mobilisieren, bedarf es allerdings des Drucks der Straße. Die Bonner Republik war ein Zweiparteiensystem mit einer liberalen Partei als Korrektiv. Das Zweiparteiensystem war ein systemimmanentes Korrektiv – bewegte sich eine der zwei Volksparteien zu weit von einem gesellschaftlichen Konsens weg, wurde sie vom Wähler abgestraft und das andere Lager bekam den Regierungsauftrag. Dieses wichtige Korrektiv ist heute weggefallen. Die Berliner Republik ist ein Einparteiensystem – die Große Koalition erdrückt die Demokratie. Der Unterschied zwischen SPD und CDU ist so groß wie der Unterschied zwischen Visa- und Mastercard, und die kleinen Parteien haben sich aus der Rolle des Korrektivs entfernt, um koalitionsfähig zu sein. Das System ist erstarrt und kann sich nicht selbst reformieren. Gab es früher mit den Konservativen und den Sozialdemokraten zwei konkurrierende Lager, so gibt es heute nur noch eine ominöse Mitte. Obwohl laut den Strategen der Parteien fast jeder zu dieser Mitte gehört, wird in deren Namen Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung gemacht. Vielleicht benötigte es die Weltwirtschaftskrise, um dies dem Volk bewusst zu machen.
Das politische System in Deutschland kann und muss sich reformieren. Deutschland ist harmoniesüchtig und scheut den harten Dissens. Wenn die Wut, die momentan noch unter der Oberfläche brodelt, sich dereinst Luft machen wird, wird es den Kabinettsmitgliedern ähnlich ergehen, wie damals den ZK-Mitgliedern. Auch die Berliner Republik wird nicht auf ihre eigenen Bürger schießen lassen. Anders als das hoffnungslos starre System der DDR, bietet das Grundgesetz allerdings genau den ordnungspolitischen Rahmen, um das System von innen heraus zu reformieren. Jede Partei hat Potential, an diesem Reformprozess teilzuhaben. Die SPD muss sich lediglich auf ihre alten sozialdemokratischen Werte berufen – die sind zeitlos. Politiker wie Willy Wimmer oder Peter Gauweiler beweisen, dass es auch in der Union konservative Politik mit Herz geben kann. Wenn die Union dann noch lernt, die soziale Marktwirtschaft in ihrem Kern wieder zu verstehen, kann auch sie ein Anker für einen großen Teil der Bevölkerung werden. Die FDP muss ihrerseits erkennen, dass Liberalismus mehr ist als Wirtschaftsliberalismus, und wenn sie das nicht schaffen kann, nehmen halt die Grünen diesen Platz ein. Die Weltwirtschaftskrise wird dereinst als Endpunkt der marktradikalen angebotsorientierten Wirtschaftspolitik in die Geschichte eingehen, so wie Perestroika und Glasnost das Ende des „real existierenden Sozialismus“ einläuteten.
Die Demokratie und die Bundesrepublik werden bestehen bleiben – in einer reformierten Form, wobei auch das Wort „Reform“ seinen euphemistischen Schrecken verlieren wird. Eine solche Reformierung der Demokratie wird aber nur möglich sein, wenn das alte System von der unabwendbaren Notwendigkeit einer Reformierung überzeugt ist. Dafür aber braucht es den Druck der Straße. Bis dies soweit ist, wird aber noch sehr viel Wasser den Rhein herunterfließen.
Venceremos!
Jens Berger
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| Tags: Deutschland Neoliberalismus | |
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Kommentare
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Ja ein Land und gewaltige Umbrüche und starker Toback aus dem La Mengé! Der Artikel ist Zweifelsohne ein sehr runder geworden, lieber Jens! Nur würde ich es auch begrüßen wenn Du Deine geschätzte Schreibfreude mal in Richtung Problemlösungsversuche lenken könntest! Das ist doch viel spannender als wenn, man nur den Massenmäßigen Kontext so frei bietet.
Sicher ist die DDR ein gutes Beispiel für perfekte Demokratiewahrnehmung.Zumal es in der DDR keinen Hauch davon gab. Aber sag mir bitte wenn Du eine geschichtliche Rolle rückwärts willst.Was dürfen wir denn dann erwarten? Bin ja mal gespannt!
Herzliche Grüße!
@anyway
Ich verstehe nicht, wie Du den “Problemlösungsversuch” nicht erkennen konntest – auf die Straße, ihr Massen! Macht Berlin Feuer unter dem Arsch!
Sachpolitische Lösungsversuche kannst Du hier im Blog genügend lesen – die haben in diesem Artikel allerdings nichts verloren.
Ja – das mache ich ja auch ;-)
Findest Du? Das ist Deine Meinung – ich sehe das anders und habe das auch genau so in diesem Artikel geschrieben. Wer dies missverstehen will, muss sich schon Mühe geben. Das hast Du anscheinend geschafft – Chapeau!
@Spiegelfechter: Geschafft nicht nur eine etwas andere Lesart angewendet.Aber gut noch nochmal zur DDR zurück! Wenn dort nicht weniger zu Krawall bereite vVerunftbegabte Menschen, nicht über Jahre hinaus sondiert hätten. Dann wäre die Wende nicht so friedlich abgegangen.Und wir saßen ja alle auf einem Pulverfass, was jeden Moment hochzugehen drohte.
Aus dieser satten Erfahrung heraus, kann ich nur hoffen, dass sich auch heute solche Menschen finden .Die Menschen mobilisieren können und trotzdem dafür Sorge tragen können, dass wir keine französichen Verhältnisse mit Bürgerkriegsanstrich kriegen werden. In der Regel führt ja Gewalt und Chaos zu Dauerbetrieb im Spiralverkehr.
Ich hoffe Du nimmst mir meine etwas provokante Art nicht übel. Manchmal führt das ja auch zu folgerichtigen Gedankenerweiterungen.Ist ja auch der Sinn eines Blogtextes!
In diesem Sinne schönes Restwochenende!
@anyway
Absolut d´accord – ich rufe ja auch nirgends zu Gewalt auf, sondern zu einem Diskurs, der sich auch außerhalb intellektueller Zirkel Luft machen muss. Sonst wird er nicht, das war auch in der DDR so.
Auch hier d´accord
Absolut – natürlich nehme ich Dir das nicht übel ;-)
Dir auch!
Welche Mitglieder welches Zentralrats meinst Du? Oder ist der Mashup aus Staatsrat und Zentralkomitee stilistisches Mittel?
@lana
Sorry, das ist natürlich ein Typo – ich meinte das ZK und habe das nun auch korrigiert.
Gegen Nervenzusammenbruch hilft das….
‘_’ + __~ = *_*
;-)
Soziale Unruhen wirds nicht geben…
Die Argen haben Order ihre Kunden nett zu behandeln….
Vorallem venn die Kunden anfangen sich mit den Juden zu vergleichen…
Was so langsam berechtigt ist,
denn Hartz 4 ist nix anderes als offener Strafvollzug.
Mlg
Die immerwährende Romatisierung der Revolution. Revolutionen brauchen Steuerungsmschanismen. Die “Revolutionen” in Osteuropa waren direkt und indirekt west-gesteuert, und darum fand sie in dieser Form in der UdSSR nicht statt. Essentiell wurde das System dort nur abgeändert und mit dafür geeigneteren Kadern besetzt.
Wer würde in Deutschland, einem vom naturell her durchaus revolutionsfähigen Volk, bei geeigneten Umständen, so steuern, dass mit einem tatsächlichen Resultat, also gewissen realen Reformen, zu rechnen ist?
Zudem, wir leben in einer Ära quasi gleichgesteuerter Medien. Das Internet ist zwar vorhanden, wo wir in Nischen freudig plaudern können, aber Reichweite hat das keine.
Wir haben zwar Die Linke als effektive Opposition, abe ich sehe kaum Chancen, dass die jemals über quasi Protestparteistatus hinauskommt, also relevant für Koalitionskonstellationen werden könnte. Effektiv wird der Wähler auf absehbare Zeit 85%-90% quasi-konservative Parteien wählen. Diese konservative Mehrheit ist zu gross, um auf irgendwelchen “Druck von der Strasse” reagieren zu müssen.
Manchmal erstaunt mich Gauweiler damit das er wirklich gute Dinge sagt und tut (z.B. gegen VDS zu stimmen). Auch bestätigte einer der LINKEn mir einmal das, auch wenn sie inhaltlich Welten trennen, er der einzigste sei der LINKEe im Bundestag grüße, im Gegensatz zu den anderen Fatzken.
Allerdings hat Peter Gauleiter eindeutige sehr “konservative” Spuren im Lebenslauf, die er nie kommentiert hat. Seine AIDS Maßnahmenkataloge waren ohne Herz.
Ich bin kein Radikalinski (wie manch andere hier), aber die Notwendigkeit auf die Straße zu gehen, die wird für mich jeden Tag größer. Deinen Appell kann ich nur unterstützen.
Gestern, z.B., gab es online eine Meldung auf http://www.tagesschau.de, dass die werte Landwirtschaftsministerin Aigner sich der EU-Verordnung widersetzt, die Empfänger der Agrarsubventionen zu veröffentlichen. Begründet wurde dies mit dem Hinweis auf datenschutzrechtliche Bedenken. Dass diese vorgeschoben sind zeigte ein SPON-Artikel sehr schön auf, “kleine Empfänger” von Agrarsubventionen sind nämlich z.B. schon unter agrar-fischerei-zahlungen.de aufgeführt, man gebe z.B. mal “Fischer, Hans” ein und erhält Namen, Orte und Beträge. Das Ding ist freilich wieder einmal, dass was für einen Hans Fischer gilt, für eine von und zu Thurn und Taxis nicht gelten muss. Wir leben in einer immer krasseren Klassengesellschaft und treffend hat einer in den SPON-Kommentaren geschrieben, wir werden mehr und mehr als Untertanen und nicht mehr als Bürger behandelt.
Genauso sieht es mit der Banken-Krise aus, auch hier kommt der Vorstoß wieder aus Bayern, wo man schnell mal ein Gesetz (oder Verordnung) machen will, um dem Bürger Informationsrechte über Versicherungen oder Banken zu nehmen.
Unser Land ist in einer Krise! Der “kleine Mann” wird zunehmend für blöd verkauft, durch die Medien manipuliert (in der Tagesschau ging, z.B., die Aigner-Weigerung völlig unter, man musste schon den Bildschirmtext oder das Internet bemühen) und die Berliner BRD ist durch einen beispiellosen Lobbyisten-Sumpf gekennzeichnet. Bekanntlich sitzen die Lobbyisten teilweise schon in den Ministerien und schreiben an den Verordnungen mit.
Um nicht missverstanden zu werden, ich will friedliche Massendemonstrationen, keine gewalttätige Revolution! Ein Signal muss her: Stopp, so geht es nicht weiter!
Insgesamt wieder ein brilliater Artikel.
Leider ist es inzwischen nicht mehr der Rhein, sondern die Spree, die durch die Bundeshauptstadt rinnt. Übrigens zogen in den 1980er Jahren mal mehrere Tausend Bergleute gegen Bonn. Leider hat man nie wieder davon gehört.
Daß 1968 auch “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit” auf manchen Plakaten gestanden haben mag, möchte ich garnicht bezweifeln. Wenn hier aber immer so diffus von “französischen Zuständen” als Hoffnungs- oder auch Horrorszenario die Rede ist, lohnt sich vielleicht mal ein genauerer Blick auf den…
http://de.wikipedia.org/wiki/Mai_68
… und die Folgen.
@Alexander Beitrag 8
Zitat: “Diese konservative Mehrheit ist zu gross, um auf irgendwelchen “Druck von der Strasse” reagieren zu müssen.” Zitatende
Werter Alexander,
1968, es muss eigentlich 1967 heißen, war die “konservative Mehrheit” in diesem unserem Lande riesengroß und trotzdem oder gerade deswegen entstand eine vielschichtige politische Protestbewegung, die die “herrschenden Verhältnisse” in der Bundesrepublik radikal kritisierte und bekämpfte und auch einen gesellschaftlichen Umbruch in Gang setzte. Die Zeit war einfach reif.
mfg
Ich hoffe, dass Du Recht hast, befürchte aber, dass mit diesem Volk im reinsten Wortsinn kein Staat zu machen ist. Ullas Internetzensur, Rolli-Wollis Bundeswehr-Einsatz im Innern, Müntes Initiative für eine neue Verfassung, diverse Datenskandale, HRE und HSH-Nordbank, Bad Bank (kann beliebig fortgesetzt werden) – all das für sich allein genommen bereits ein Grund, um auf die Straße zu gehen – provoziert höchstens temporäres Gemurre, stört aber im Grunde genommen nur beim DSDS- und WWM-Gucken. Machen wir uns doch nichts vor: wir sind in der Minderheit. Für den Großteil sind wir bestenfalls Träumer oder linke Spinner.
Wenn es noch eine Hoffnung gibt, schreibt Winston, so liegt sie bei den Proles.
Die Proles, wenn sie sich nur ihrer Macht bewusst werden könnten, hätten es gar nicht nötig, eine Verschwörung anzuzetteln. Sie brauchten nur aufzustehen und sich zu schütteln, wie ein Pferd, das die Fliegen abschüttelt. Wenn sie wollten konnten sie die Partei morgen in Stücke schlagen. Sicherlich musste ihnen früher oder später der Gedanke dazu kommen!
George ORWELL, “1984″
@krnl
Eindeutig – früher habe ich ihn verachtet. Heute scheint er altersweise geworden zu sein. Für seine Opposition zum Irakkrieg, zum Afghanistaneinsatz, zur VDS, zum Vertrag von Lissabon etc. pp. ringen mir Respekt ab.
@M. Pape
Das ist sicher richtig – es geht auch nicht um uns, sondern um Millionen Angehörige der Mittelschicht, die den Absturz in die Armut fürchten und die es sind, die potentiell die Straßen füllen werden. Angst ist eine kräftige Triebfeder.
Fällt mir ein Spruch ein “Wer jung ist und nicht links, der hat kein Herz. Wer Alt und nicht rechts ist, der hat keinen Verstand.”
Vielleicht sind nur Junge gut im links sein und Alte nur gut im rechts sein.
Ersetzt man das eh bescheuerte rechts-links ding durch progressiv und konservativ erhält man:
“Wer jung ist und nicht progressiv, der hat kein Herz. Wer Alt und nicht konservativ ist, der hat keinen Verstand.”
Was dann fast schon evolutionsphilosophisch ist ;)
Ein sehr schöner Artikel. Allerdings fürchte ich, die Trägheit der Volksmasse wird keine Reformen zulassen. Solange alle zwar knurren aber dennoch weiter zur Wahl gehen, anschließend still schweigen und alles ertragen, wird niemand auf die Idee kommen, dass die Grundwerte unserer demokratischen Gesellschaft einer Reform bedürfen könnten. Erst müssten wohl Nöte entstehen, Existenzen in Massen im Schlund des ungezügelten Kapitalismus verschwinden, bevor überhaupt eine Bewegung in eine bessere Richtung stattfinden kann. Das hingegen würde ich aber nur ungern erleben wollen.
Ach ja, dieses Gefasel von irgendwelchen Unruhen im Volk, das gegen die Staatsobrigkeit revoltiert, das habe ich in letzter Zeit schon mal gehört, im Radio, glaube ich.
Sag mal, wie kommen die Leute eigentlich auf diesen Unsinn? Zwar gab und gibt es reichlich Gründe, um auf die Straße zu gehen und den Damen und Herren in Berlin “Feuer unter’m Arsch” zu machen. Aber passiert deshalb was?
Nö!
Und da wird sich auch in der nahen Zukunft nichts dran ändern!
Die Deutschen sind zwar ganz groß im Klagen auf hohem Niveau. Aber Montag einfach mal wieder ins MediaMarkt-Prospekt schauen. Riesige Flachbildfernseher gibt es heutzutage schon für ‘n Appel und’n Ei. Und dieses Jahr werden einem sogar auch noch Autos hinterher geworfen.
Also, warum sollte hier denn wer auf die Straße gehen?
Wir haben es doch eigentlich ganz gut!
Dieser Vergleich ist ganz grosses Kino. Danke dafür.
@SF
Deine Hoffnung in allen Ehren. Aber du unterschätzt die sog. Neue Bürgerlichkeit als vorherrschende kulturelle Strömung – weltweit. Heute hat keiner mehr “unrealistische” oder “überzogene” Wünsche. Man träumt von Häuschen, Familie und einem schönen Auto, oder vom Aufstieg zur bewunderten Elite.
Die Studenten, üblicherweise eine der Triebfedern für sozialen Wandel, sind von Bologna drangsaliert, und in der Mehrheit brave kleine Spießer geworden, deren Hauptinteresse es geworden ist, sich bei “StudiVZ” zu “gruscheln” und bei Facebook viele “Freunde” zu finden. Die paar, die gegen die Reformen demonstrierten, haben gesehen, wie es einfach unter den Teppich gekehrt und ignoriert wurde, und ihre Lektion dabei gelernt.
Die Schüler – einem Leistungsdruck wie nie zuvor ausgesetzt, lernen fleissig, oder saufen sich andernfalls traurig die Hucke voll.
Kritische Intellektuelle? Wo? Theatermacher, Künstler, Philosophen – wenn sie nicht sowieso schon, zeitgemäß, eine Unternehmungsberatung gegründet haben, sind sie vollkommen zufrieden damit, wenn nur auch ein paar Brosamen für sie abfallen, und die Elite ihre (tw. durchaus “sozialkritischen”) Werke zur Kenntnis nimmt und bewundert (die “kleinen Leute”, die ihre Werke nicht beachten, verachten sie ebenso).
INSM und Bertelsmann haben ganze Arbeit geleistet. “Links” heisst heute, von Helmut “Wer Visionen hat, der muss zum Arzt” Schmidts Wiederkehr zu träumen, oder schwarzgrün seine Klimabilanz auszuwürfeln. Es ist überhaupt kein Bewusstsein mehr dafür da, dass einem mehr zustände als das, was zahme Gewerkschaften so fordern. Man “träumt” heute von einem Arbeitsplatz. 1968 wollten sie die ganze Welt rocken, sie wollten ALLES – und bekamen hier und da dann immerhin eine etwas demokratischere, sozialere und tolerantere Republik. Heute traut sich doch niemand mehr, irgendwas zu wollen, was über das Grünen-Parteiprogramm hinausgeht, und es ist klar, dass sie so noch viel weniger bekommen werden.
Ein weiteres Problem sehe ich in der auf Deutschland beschränkten Sichtweise des obigen Textes – ich denke nicht, dass man die Uhr in die seligen Willy-70er zurückdrehen kann oder sollte (wie es die Nachdenkseiten beispielsweise erträumen). Ein echter Wandel müsste weit über nationale Grenzen hinausgehen, international sein, vernetzt. Südamerika hat da in der letzten Dekade den Anfang gemacht. Die USA probierten alle schlechten Möglichkeiten aus wie immer, bevor sie dann aber immerhin Obama wählten. Europa wirkt dagegen nur noch müde, verknöchert, verspießert und erstarrt – übrigens auch Frankreich, da geht es nur etwas temperamentvoller zu. Aber auch dort haben sie den 68er-Hasser Rolexträger Sarkozy enthusiastisch gewählt. Es ist letztlich eine kulturelle Frage. Vielleicht hat es auch wirklich mit überalterten Gesellschaften zu tun. Auf jeden Fall hat es mit dieser (mehrheitlich) braven angepassten Rest-Jugend zu tun, die alles schluckt, und sich ansonsten in ihren klickibunti-Welten verliert. Ohne solche frischen Impulse bleiben aber nur paar durchs Megaphon röhrende Gewerkschaftsheinis, paar linksradikale Sekten in schwarzen Pullis, und paar melancholische Alt-68er, und wir hier. So ändert sich aber garnix. Ich finds ja auch traurig, aber was hilft es denn, sich in die Tasche zu lügen.
Und Angst ist selten eine gute Triebfeder, die Mut verleiht oder Visionen erschafft. Man klammert sich an das, was man hat, und hofft, die Obrigkeit wird es schon gut richten. Mit Angst hält man die Leute in Schach und nimmt ihnen den Mut. Wer Angst hat, schliesst sich nicht unbedingt zusammen und erkennt sich selbst im Anderen, sondern schubst ihn eher weg, um selber (inkl. Familie) heil rauszukommen. Man muss sich doch nur das Rumgehacke der abstiegsverängstigten Mittelschicht auf die Hartz4-Empfänger ansehen – “leisten nix, lassen sich von uns alimentieren, nur Alkohol und Tabak!”.
Teile und Herrsche – es hat wunderbar funktioniert.
Ich gehöre zum schönen Generationen-Sandwich, der man die private Altersversorgung als Ausweg aus der Pressur angedreht hat. Wenn nun mehr meiner Generation realisieren, dass die private Altersvorsorge verbrannt oder inflationiert wird und zu allen Belastungen noch die Rechnung für die Finanzzocker oben drauf kommt, dann geht’s auch mal vor die Tür.
Danke für den Artikel. Ich fühle mich manchmal ohnmächtig und es tut gut, die Frustration hier konstruktiv verarbeitet zu sehen. Es geht ja nicht um ein anderes System, sei es politisch oder wirtschaftlich, es geht um die Abschaffung des Hauptstadtfilzes und um einfach wieder mehr Gerechtigkeit in der Lastenverteilung gerade im Angesicht der Weltwirtschaftskrise.
Ich bin nur froh, dass es im September nochmal zur GroKo kommt. Denn dann fällt der ganze toxische Müll den Richtigen vor die Füße.
So schön, wie der Artikel geschrieben ist, aber er ist auf der einen Seite zu optimistisch und auf der anderen Seite taugt der ZK DDR Vergleich historisch gesehen eben nicht.
Das ist auch die große Gefahr, die besteht, wenn man 1989 so sieht, ohne den gesamten Prozess seit 1980 und früher dazu zu sehen.
Die These, die DDR Bürger haben eine “Revolution” gemacht, ist leider Jens, ein Mythos, ein gewaltiger Mythos, und die zweite These, diese Demokratie wird bestehen bleiben, und es wird im Zweifel auf das Volk nicht geschossen werden, halte ich leider auch für unhaltbar und eher für die große Aufgabe, für die es zu kämpfen gilt.
@name
Ich weiß – es gibt für nahezu jedes historisches Ereignis auch “alternative” Deutungsvarianten, für jede Weltanschauung ein eigenes. Davon lasse ich mich als Zeitzeuge aber nicht sonderlich beeindrucken ;-)
Wie wär es mit Wut? Wut über die zunehmend unfairen Bedingungen in diesem Land (und “global”).
Schon richtig, die Eurosklerose ist weit fortgeschritten und (noch) geht es den meisten wirtschaftlich gesehen ja wirklich sehr gut, vielen vielleicht zu gut. Da wird man träge und denkfaul.
Trotzdem sollten sich die Eliten in diesem Land nicht zu sicher fühlen. Dank Kurzarbeit und anderen Überbrückungsmaßnahmen hat die Krise noch nicht voll durchgeschlagen. Spätestens wenn im Mittelstand zahlreiche Existenzen wirtschaftlich bedroht sind, reicht die Deutschland-sucht-den-Superdepp-Einlullung hoffentlich nicht mehr aus.
Nur damit sprichst du mir selbst ab, auch Zeuge dieser Zeit zu gewesen zu sein Jens.
Der Punkt ist ein anderer: Zeitzeugen gab es viele, mit unterschiedlichen Einsichtfähigkeiten und Einsichtsmöglichkeiten, auf unterschiedlichen Ebenen, ohne Einsichtsfähigkeiten und Einsichtsmöglichkeiten und ohne Ebenen, und welche Deutung die richtige, oder die falsche ist, oder diejenige, die die Wahrheit am nächsten kommt, um richtige Schlüsse bewertend für die Vergangenheit und Zukunft zu ziehen, darauf kommt es an. Deine Sichtweise und die Schlußfolgerungen aus dieser als Zeitzeuge halte nicht für die, die der Wahrheit am nächsten kommt, und das auch als Zeitzeuge ;)
Schau dir nur als Beispiel, dass erst heute vor zwei Jahren öffentlich bekannt gewordene, organsierte Beispiel der Schabowski Pressekonferenz “ich denke, ab sofort” an, das den Mythos der Spontanität der Äußerung erst jetzt ins historisch wahre Licht gerückt hat.
@name
Aber wohin denkst Du? Frag mal einen Verkehrspolizisten, wieviel grundunterschiedliche Schilderungen eines Verkehrsunfalls es gibt, wenn man nur genügend Zeugen befragt ;-)
Na dann ist ja gut ;-)
Ich vermute ja dass Werbeagenturen die politische Richtung bestimmen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sinus-Milieu
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/b/b2/Sinus_Milieus_in_Deutschland%2C_%C3%96sterreich_und_der_Schweiz.png/800px-Sinus_Milieus_in_Deutschland%2C_%C3%96sterreich_und_der_Schweiz.png
Nicht das ich den Aufruf zum gewaltfreien Widerstand bzw. deutlicher Unmutsbekundung in irgendeiner Weise behindern will.
1. Aber welche der folgenden Aussagen trifft die Wahrheit am nächsten:
a) Die UdSSR brach zusammen, weil die DDR-Bürger durch Unmut ihr Land aus dem Staatenverbund herauslösten.
b) Die Ereignisse sind rein zufällig zeitlich derartig nah beisammen und haben nichts miteinander zu tun.
c) Die UdSSR brach aus anderen mehr oder weniger komplexen Gründen zusammen, im Zuge dessen gab es die Möglichkeit, das geteilte Deutschland wieder zu vereinen (so wie sich auch zahlreiche andere Ostblock-Staaten bzw. -Regionen aus dem Verbund herauslösen konnten).
Ich tendierte bisher immer eher zu c. Ist aber wirklich als Frage gemeint, würde also gerne abweichende Argumentationen hören, die für a oder b sprechen.
2. Davon abgesehen und Stabilitätsbedenken hin oder her, ich vertrete die Meinung, wir alle sollten unbedingt mit all’ unserer Aufklärungs-Kraft darauf hinarbeiten, dass die vier etablierten Parteien die größte Wahlschlappe erleben, die die Welt je gesehen hat.
Zu erreichen wäre dies wohl vor allem durch Mobilisierung der Nicht- und Ungültigwähler, die dann natürlich möglichst für Kleinstparteien (oder auch die Linke) stimmen sollten. Und dafür brauchen wir eine exzellente Graswurzel-PR-Aufklärungs-Kampagne, insbesondere kurz vor der Wahl (wg. der ganzen schlechten Gedächtnisse). Ich denke zur Zeit beispielsweise über Websites nach, die konzentriert die belegten “Machenschaften” der Personen der Führungsriege auflisten (die Nachdenkseiten sind diesbezüglich schon nicht schlecht, aber da was zu finden ist viel zu schwer und oft sind die Kommentare auch nicht neutral genug formuliert).
Und dann noch eine Plattform, die für die vorherrschend diskutierten Themen die Argumente und Gegenargumente (beider bzw. aller Seiten) übersichtlich darstellt, so dass eine halbwegs fundierte Meinungsbildung auch für die zahlreichen Personen möglich wird, die nicht viel Zeit in ihre politische Bildung investieren können oder möchten.
Das Hauptproblem ist IMO die Einfachheit, mit der Politiker beispielsweise mit einem zehnminütigen Dummgeschwätz-Fernseh-Interview, bei dem die Aussagen vom Interviewer nicht hinterfragt werden, einen guten EIndruck bei einer Riesenmenge von Leuten hinterlassen können (das erlebe ich in meinem Bekanntenkreis zumindest ständig). Dies geht nur, weil die meisten Leute durch mangelnde Information keine Ahnung haben, wie weit die Aussagen in diesen PR-Auftritten von den realen Handlungen abweichen. Dieses Informationsdefizit gilt es aufzulösen.
Nachtrag:
Ich habe bei 2 ein paar Sachen etwas ungünstig vermischt. Es gibt erstens die Nicht- und Ungültigwähler. Denen muss man vor allen Dingen klar machen, dass sie aufgrund unseres Wahlsystems (alle Sitze werden verteilt, und zwar prozentual an die Wahlgewinner) durch ihre Handlung die Wahlgewinner sogar noch stärken. Wer das nicht will, _muss_ wählen, und zwar Kleinstparteien (oder noch besser – da sie auf jeden Fall über die Hürde kommt – die Linke, wenn man denn der Meinung ist, diese Partei mache (noch) nicht mit bei dem großen Verfilzungsspiel und/oder wenn mit den anderen Nachteilen leben kann).
Zweitens gibt es die Leute, die zwar schon zum Wählen gehen, aber nicht wollen, dass ihre Stimme “verschenkt” wird, und für die daher nur “das kleinste Übel” der vier Parteien in Frage kommt. Bei denen hilft evtl. die Aufklärung (z.B. durch den erwähnten Politiker-Pranger und die thematische Informationsvermittlung), wie dermaßen daneben diese vier Parteien sind und das ihre Stimme gerade dann “verschenkt” ist, wenn sie diese wählen.
Drittens gibt es die fest überzeugten Stammwähler. Bei denen ist es wohl am Schwierigsten bzw. evtl. auch unmöglich. Da habe ich leider auch kein Patentrezept…
Tatsächlich muss etwas passieren, und es wird etwas passieren. Kennt man jedoch die Reflexe des untergehenden Kapitalismus, ist es möglich, dass uns nicht gefallen wird, was passiert.
Den Eingangs zitierten Theo Sommer muss ich jedoch berichtigen, wenn er die „krasse ökonomische Vernunft“ bemüht.
Das Gegenteil der Planwirtschaft, und niemand wird’s bestreiten, ist Planloswirtschaft. Und genau die lässt sich bewundern, wenn man einfach einmal in die Runde schaut. Der grundsätzliche Widerspruch, die Menschen nicht für Produktion, wohl aber für Konsumption zu benötigen, spricht hier schon Bände, denn dümmer geht’s nimmer.
Der ganz im Gegenteil Sommers krasseste ökonomische und eben auch ökologischste Dilettantismus, geschieht hingegen jeden Tag.
Bayrische Elektrofirmen bauen in Stralsund, nicht weil die Günstigsten, wohl aber Billigsten, mecklenburgische Elektrofirmen bauen in München, nicht weil die Günstigsten, wohl aber Billigsten. Ambulante Pflegedienste toben für 5Minuten Medgabe durch halbe Großstädte, um im Treppenaufgang des nächsten Patienten, zehn Kilometer Luftlinie zum vorigen den gleichen Konkurrenzpflegedienst zu treffen, wie 10Minuten zuvor im anderen Haus. Eine wirtschaftliche und ökologische Dummheit hoch 10, zum Schaden der Pflegenden, der Gepflegten, der Natur und der Volkswirtschaft.
Soviel dummen Dilettantismus sah ich nie. Und sehe ich die Lakaien dieser Planlosigkeit dann noch im TV verlautbaren, dass WIR über unsere Verhältnisse gelebt haben, kann ich nur noch lachen.
Nachhaltigkeit ist den Planlosen ein Fremdwort. Und Ökonomie ganz sicher auch.
@SF
Wieso denn nicht?
Sind doch ohnehin nur “asoziale Schmarotzer”, “HartzIV-Parasiten” und “linke Terroristen”…
(die kleine Minderheit auf die dann geschossen wird)
Wenn denen mit anderen Mitteln nicht mehr beizukommen ist (Verhaeltnismaessigkeitsgrundsatz!) dann wird man eben zum Schutz der hart arbeiten, ehrlichen Steuerzahler notfalls auch von der Waffe gebrauch machen muessen.
Oder siehst Du da etwa irgendein ernstzunehmendes Hindernis?
@Alexander Tetzlaf
auf den Punkt gebracht!
das Problem geht in der Tat nicht vom Überbau aus, sondern vom ökonomischen Unterbau: Wir leisten uns eine Ökonomie, die im Grunde gar keine ist, wie Du richtig schreibst, weil sie das Ganze völlig aus den Augen verliert, der Rationalität des Profitmaximierung hier und jetzt folgend: prinzipiell unnachhaltig
ps ich vermute, dass Jens mit seinem Artikel trotzdem halbwegs richtig liegt: In dieser Un-Ökonomie, in der wir leben (müssen), wird die systemische Stabilität so lange wahren, wie die Massen selbst ihre ihnen gegebene Konsumentenrolle auch noch ‘leben’ können, was das tatsächliche Leiden, die Entrechtung, zunehmende Ungleichheit und Ausschluß aus der gesellschaftlichen Entscheidungsfindung, in welcher Form auch immer erträglich macht. Jens hat schon recht, wenn er meint, dass mit der durch elitäre Dummheit verursachte Krise dieser Un-Ökonomie, auch dieser stabilitätswirkende Konsumentenrolle zunehmend ihre Mächtigkeit einbüßt.
@Karsten Bier
Ganz genau, nur das ist ein Kampf gegen Windmühlen ;-)
@Alexander Tetzlaf
Du verwechselst Gemein- und Einzelwirtschaft. Etwas, das einzelwirtschaftlich durchaus “vernünftig” ist und Sinn macht, kann gemeinwirtschaftlich natürlich auch “unvernünftig” sein, so meint das auch Sommer. Es ist ja eben an der Politik, den Fokus auf die Gemeinwirtschaft zu legen und einzelwirtschaftliche Interessen dem unterzuordnen – dies wird in Teilen der Gesellschaft bereits als Planwirtschaft gesehen – es ist gruselig.
Nachhaltigkeit ist genau so ein Blähwort wie Ökonomie – damit kann man so ziemlich alles begründen oder auch ablehnen ;-)
ich bin eher pessimistisch. wenn es um die wurst geht, haben sich die verschiedenen interessengruppen der arbeiterschaft schon immer seppariert. in den 80ern haben die bergleute autobahnen gesperrt und ne menge geld rausgeschlagen, gleichzeitig sind aber tausende arbeitsplaetze in der textilindustrie des muensterlandes sang und klanglos abgebaut worden. aehnliches kuerzlich beim bahnstreik, wo die lockfuehrer sich einen guten schluck aus der pulle nehmen konnten, der rest sich aber mit einen schnapspinneken begnuegen mussten.
solange der neoliberale mediale mainstream diese haltung erfolgreich befoerdern und die splittergewerkschaften nur ihr klientel bedienen, kann keine einheitliche front gegen diese marktradikalen auswuechse der letzten jahrzehnte wachsen! z.b. ein generalstreik ist imho undenkbar. und es gibt leider kein gegengewicht zu bertelsmann!
@Goldener Reiter
Aber natürlich ;-)
Deutschland ist ein öffentliches Land und die Politik hat vor nicht so viel Angst, wie davor, medial ihren moralischen Führungsanspruch abgesprochen zu bekommen. Hartz-IV Empfänger lassen sich nicht als islamistische Terroristen verkaufen.
Das Ganze kann man mit der Wurst auf dem Frühstückstisch verglichen werden. Der Michel mag seine Mettwurst, früher wußte er auch noch aus eigener Anschauung, wie diese produziert wird. Heute leben wir aber in einer rosaroten Medienwelt und wenn der Michel Tag für Tag vor Augen geführt bekommt, dass seine Mettwurst etwas mit Leiden und Gewalt zu tun hat, dann will er sie nicht mehr … und ißt dann Schinken.
Deutschland ist ein PR-Republik – und das Schießen auf Demonstranten kann ernsthaft das Vertrauen in die Regierung stören, auch wenn man nicht mit den Demonstranten einer Meinung ist. Wenn ein Jungspund vor meinem Fenster mit seinem Automobil und lautstarker Gruselmusik nachts auf und ab fährt, würde ich (in Gedanken) am liebsten eine Pumpgun haben – wenn nun aber die Polizei diesen Störenfried abschießt, so wäre das für mich unverhältnismäßig und ich würde mich (argumentativ) auf die Seite des Störenfrieds stellen.
@Karsten Bier
Deine Idee mal eine Site mit Auflistungen zu kreieren, finde ich klasse! Meine Gedanken kreisen auch schon seit längerem um sowas. Für wirklich interessierte Menschen gibt es ja mittlerweile schon recht viele Seiten (wie auch Spiegelfechter!:-) sich alternativ zu informieren, bzw. Gedanken für weitere Nachforschungen aufzugreifen. Allerdings erreichen diese eben nur die Aktiven…
Eine solche Seite müsste nach allen Regeln der PR-Kunst auf die große Masse der Menschen zugeschnitten sein, deren Aufmerksamkeit spätestens nach 500 Buchstaben erschöpft ist. …Also fettgedruckte Headlines, drei Zeilen Info und bunte Bildchen. Man könnte u.a. in übersichtlichen Zeittafeln die Aussagen ’systemrelevanter’ Menschen in einzelnen Sätzen darstellen, zB. sowas wie:
- ‘keine Rezension herbeireden’,
- ‘keine Krise herbeireden’,
- ‘keine Unruhen herbeireden’… usw.
Für interessierte kann man ja Links zu mehr Text einbauen… Man könnte auch das dann auch zu wissenschaftlichen Meinungen tun, zu brisante Themen wie Atomkraft oder Gentechnik; aufgliedern in verschiedene Punkte und in kurzform die jeweiligen Ansichten aufzeigen. Auch wäre ein Auflistung bzw. grafische Darstellung interessant, wer mit wem zu tun hat, wer von wem seine Brötchen bekommt. Alles in allem also einfach nur die Dinge wie sie sind Tranparent zu machen. …Und ich meine echte Transparenz, nicht das was Politik und Wirtschaft darunter verstehen!…
Vielleicht sollte das ganze auch möglichst Wertfrei gehalten werden werden. Einfach nur eine nüchterne Auflistung von Tatsachen, die ganz von selbst beim Leser neuartige ’selbsgemachte’ Rückschlüsse provozieren soll.
Ich glaube ein großes Problem unserer Zeit ist, dass die meisten Menschen entweder kein Interesse haben oder einfach nicht in der Lage sind, die immer mehr werdenden Information in Beziehung zueinander zu setzen, ein größeres Bild zu sehen, Zusammenhänge zu erkennen. Auf Gesellschaftskritischen Websites die Mißstände unserer Zeit aufzuzählen ist zwar sehr wichtig, erreicht aber nur Menschen die (wieder) angefangen haben wirklich selber zu denken. Vielleicht müssten sich alle kritischen Websites bzw. Menschen zusammenschliessen und überlegen, wie man Otto-Normal wieder zum selbst denken bewegen kann, dort liegt der Kern des Problems. Im Haus der realen Welt kann man das Stockwerk ‘ausführliche Information’ nicht ohne den ‘bereit Information aufzunehmen’-Keller aufbauen.
Genausowenig wie die Konzepte des Establishments bis in alle Ewigkeit funktionierten und noch funktionieren, genausowenig funktionieren die altmodischen Methoden des geistigen Widerstand bzw. Aufklärung. Was ich jetzt nicht meine sind anstatt Hanzettel eMails oder SMS zu verschicken! Wer so denkt ist noch nicht im Jetzt angekommen. Der Schlüssel um in’s Denken der Menschen zu gelangen findet man u.a. bei PR-Techniken. So verachtend wie es sich anhört, man sollte die gleichen miesen Manipulationstricks anwenden um über Hintertürchen sich Aufmerksamkeit zu verschaffen, wie die, die zur Zeit bemüht sind das Volk vom selberdenken abzuhalten. Hier ist eine neue Art von Kreativität gefragt.
…Das Problem sind nicht politische und wirtschaftliche Gruppen, die sich alles so zurechtbiegen wie sie es gerne hätten! Das Problem sind die, die denen glauben und sie somit unterstützen, die große Masse. Regelmäßig rollen sich mir die Zehennägel wenn ich kurz vor Wahlen in den Medien höre, dass die Hälfte der Wähler sich noch nicht entschlossen hat wen sie wählen soll. …Nach welchen Kriterien gehen denn solche Leute wählen? Nicht die bisherigen Handlungen und Aussagen der Parteien werden zur Entscheidung herangezogen, sondern wohl nur bestenfalls die Wahlkampfsprüche und die Qualität der verschenkten Dauerschreiber… …Vielleicht sollte die Gegenöffentlichkeit (die ich lieber als Alternativöffentlichkeit bezeichnen würde) im Semptember USB-Sticks und Mont-Blanc Füllfederhalter verschenken… ;-)
…Ich frage mich ja schon lange welche Zustände noch eintreffen müssen, bis Nachbar A mit seinen blauen Gartenzwergen sich mit Nachbar B und dessen gelbe Gartenzwergen vertragen werden und bemerken, dass in der politischen Schublade bereits die Blaupause für den Einheitsgartenzwerg liegen. Und der ist in Perlmut, was den Grundstein für viele Jahre weitere Streitereien legen wird, da selbiger bei A rötlich schimmert und bei B grünlich… (…das dann auch noch der Zwerg aus China kommt und das Perlmut eine giftige Fälschung ist, ist ein ganz anderes Thema, für das die Kontrahenten aber keine Zeit mehr haben wegen dem Schimmer-Streit…) ;-)
Keiner der sich ernsthaft mit Politik und Geschichte auseinandersetzt kann doch glauben das der Kapitalismus die letzte und endgültige Gesellschaftsordnung ist.Kapitalismus lässt sich nicht zähmen,ein bisschen Revolution um für ein paar Tage einige Zugeständnisse zu erreichen ist Augenwischerei.Übrigens zu dem Spruch der hier in den Kommentaren erwähnt wurde “Wer jung ist und nicht links, der hat kein Herz. Wer alt und nicht rechts ist, der hat keinen Verstand”,er kommt aus der gleichen Ecke aus der uns eingeredet wird,wir als Menschen wären für einen Sozialismus nicht geeignet weil wir moralisch zu verkommen sind.Man sollte sich mal klar machen wer so etwas unters Volk streut.Wir hatten noch keinen Sozialismus,es waren lediglich menschenverachtende Diktaturen,aber wir sind in der Lage einen wirklichen Sozialismus aufzubauen.
@Thomas E.
Du meinst sowas wie “campact”. Gibt es schon, ist aber mehr auf dem versöhnlichen Ökotrip, sozusagend die “schnelle Eingreiftruppe” für die Grünen.
http://www.campact.de/campact/home
Es würde vielleicht reichen, wenn 100, 200 der bekannteren Intellektuellen einen Appell veröffentlichen würden: “Wir spielen bei dieser katastrophalen Politik nicht mehr mit!”, o.ä.
Dagegen wäre PR-mässig schwer anzugehen. Aber was tun die Heinze, Peter Glaser, Daniel Kehlmann, etc?? Sie veröffentlichen einen weinerlichen “Das Internet nimmt uns unsere schweinsledern gebundenen Bücher weg!elf”-Appell. In der Faz. Als obs nichts wichtigeres gäbe. Nabelschau und Neue Bürgerlichkeit, eben. Traurige Gestalten. Also, ich seh schwarz. Will aber niemandem ausreden, etwas zu unternehmen, damit keine Missverständnisse aufkommen.
Stimmt!!! Ein Land am Rande des Nervenzusammenbruchs
ueberwachungsstaat
So reagieren die Telekomiker auf Anfragen bzgl. Sonderkündigungsrecht:
Zur Internet-Zensur gibt es hier einen amüsanten Schriftwechsel, bei dem ein Blogger bei der Telekom u.a. angefragt hat, ob ihm angesichts der Internetzensur ein Sonderkündigungsrecht zusteht. Die Telekom hat das intern rumgeforwarded und dann am Ende bei der Antwort auch den Rattenschwanz der internen Kommentare dran gelassen. Und da stehen dann so Perlen wie:
Hinweis zur Bearbeitung: Hallo Herr Hxxx, hat er Recht oder ist er nur ein potenzieller Nutzer der demnächst gesperrten Seiten, der nun maulig wird? Bitte um Prüfung oder Weiterleitung. Vielen Dank und frohe Ostertage! Anja
Wenig überraschend ist die Antwort dann
Der Kunde hat nicht Recht. Ihm steht aufgrund der Vertragsunterzeichnung kein Sonderkündigungsrecht zu. [...]
Die Vertragsunterzeichnung bedeutet keinerlei Änderung in der Leistungserbringung der DTAG.
Und da sieht man mal, wie das so ist. Wer gegen Internetzensur ist, muss ein fieser Pädophiler sein.
80 Prozent der Leute haben von dem was im Lande passiert doch keinen blassen Schimmer…
Soziale Unruhen. In diesem Land. Aber wann? Wir prophezeien doch schon seit Ewigkeiten den Zusammenbruch. Wir sind doch schon alle mit Gold und Reis und Wasser eingedeckt. Und nichts passiert. Der Mediamarkt bringt eine 0 Prozent Finanzierung raus und die Aktion Autobahnbenutzung mit Neuwagen für alle läuft an.
Der Lidl und Aldi senken die Preise und alle können sich wieder Futter kaufen (Essen will ich es nicht mehr nennen). Die Leute werden halt nur ein bisschen schneller krank.
Ich glaube wir haben alle in der Schule 1000 Mal den Satz gehört: “Das aktuelle System ist nicht perfekt, aber das beste, das wir kennen”
Solange der Staat die Bürger bildet und es keine zivilen Bildungssektor gibt, solange können wir nicht von einer Demokratie sprechen. Die Staatsgläubigkeit wird sich nur tiefer und tiefer in unsere Gehirne fressen.
@firefly
Das habe ich auch gedacht *fg
Sorry, wenn ich mich hier mal einmische: Ich gebe mich hier gleich mal als überzeugter Ossi zu erkennen. Soll aber vorerst nicht mehr heißen, als dass ich zu meiner Sozialisierung stehe. Diese bringt es allerdings mit sich, dass mir jedes Mal der Kamm schwillt, wenn jemand den Beitritt Ostdeutschlands zur Revolution hochstilisiert. Zwar fand hierzulande de facto eine gesellschaftliche Umwälzung statt, doch das im Begriff intendierte progressive Potential war schon vor der eigentlichen Vereinigung wieder auf Null geschrumpft. Um es mal etwas sexistisch auszudrücken: Die Revolution hatte einen Hänger – es kam nicht zum Höhepunkt.
Ich weiß nicht ob Bananen impotent machen, doch zwischen Fettsucht und Impotenz gibt es ganz sicher Korrelationen. Tatsächlich konnte ich auch an mir selbst feststellen, dass mein revolutionäres Potential mit jedem zusätzlichen Kilo schrumpfte. Jetzt habe ich Übergewicht. Aber eben nicht nur ich.
Das Fleisch ist schwach und ruhig geworden. Nur im Kopf will sich die Ruhe nicht einstellen. Zu offensichtlich sind die Widersprüche. Es ist nicht einfach, still zu halten, wenn man zusehen muss, wie eine allumfassende Dummheit täglich Raum gewinnt.
Doch, was haben wir dem entgegenzusetzen. Wir alle befinden uns in der Welt des Mannes von La Mancha. Wir sind die neuen Ritter von der traurigen Gestalt. Und Du selbst Jens, hast mit der Wahl Deines Seitentitels – auch wenn die Zielrichtung ganz sicher eine andere war – hinreichend die Situation beschrieben, in der wir Revoluzzer uns alle befinden. Was wir betreiben ist Spiegelfechterei.
Ein jeder schlaumeiert hier etwas in die Tasten, lehnt sich dann zurück, um danach einen halben Tag lang ein Gefühl von Bedeutung zu haben. Und das gilt nicht nur für diese Seiten.
Tatsächlich besteht da kaum ein Unterschied zur Arbeit anderer Redakteure in anderen Medien. Auch die sind für sich genommen Einzelkämpfer und ihr Antrieb geht selten über Selbstbefriedigung hinaus. Der wirkliche Unterschied besteht in der redaktionellen und herausgeberischen Zielgerichtetheit, die die wirkenden journalistischen Kräfte bündelt und dem einzigen Zweck unterordnet: Der angestrebten Marktmacht.
Ich verfolge das hier und Ähnliches nun seit zwei Jahren. Dabei fand ich durchaus Lesenswertes. Ich kann mich jedoch an keinen Vorschlag auf keiner Seite erinnern, der jemals zum Ziel gehabt hätte, die hier und auf anderen ähnlichen Seiten wirkenden Kräfte zu bündeln. Vermutlich würde jeder Vorstoß in diese Richtung an der Eitelkeit der einzelnen Seitenherausgeber scheitern.
Und da liegt das Problem. Jede Änderung der Verhältnisse setzt organisierte zielgerichtete Arbeit voraus. Herausgeber und Medienmanager aller Couleur wissen das und haben ihre Redaktionen deshalb fest im Griff. Die Bloggerszene dagegen arbeitet ins Nirwana. Ihre Kräfte werden nicht gebündelt, sondern sie heben sich gegenseitig auf. Und dies nicht zuletzt zur Freude der Machthaber und der etablierten Medien.
Wer über die Änderung der Verhältnisse nachdenkt, sollte wissen, dass diese sich nicht per Akklamation ändern. Doch mehr als Beifall erwarten wir Blogger nun mal nicht – oder?
Zu 35 SF:
Das mag ja sein, aber warum denn nicht gegen Windmühlen kämpfen? Hast du groß was besseres zu tun? Vielleicht kann man ja ein paar Steine rausbrechen und dadurch weitere Dons zum Kampf animieren. Rumsitzen und jammern bringt jedenfalls gar nichts. Das ist kein Vorwurf gegen dich, denn du machst das ja jetzt schon gerade nicht, im Gegenteil.
@postgrün
…Danke für den Link, werd’s mir mal anschauen!
Eine Frage die ich mir ganz allgemein im Zusammenhang mit Protest stelle ist: was hat 2 Millionen Franzosen vor kurzem auf die Straße getrieben, um gegen die aktuelle Sozial- und Krisenpolitik zu demonstrieren, Leute aller Schichten, aller Coleur? Bei der ‘Wir zahlen nicht Eure Schulden’-Aktion, bei der es ja doch wohl um das gleiche ging, reichte es nur für ein paar (10-) Tausend…
Ist es jetzt so, dass die Situation der Franzosen wesentlich schlechter ist als bei uns? Oder liegt es doch an deren geistigen Haltung, die noch so was wie ein ‘Wir’ kennt? Liegt es an deren allgemeinen Kultur, an deren Freude sich ständig und überall zu treffen und zu plaudern, während dazu im Gegensatz hierzulande die Menschen sich lieber abschotten, für sich bleiben? Wenn ja, woran liegt denn dieser Isolationsdrang? Am Klima? An der Sprache? An der Ernährung? An der Professionalität der Herrschenden? (…das jetzt nur auf das Handling des einfachen Volkes bezogen!)
Ist zufälligerweise ein Kenner der Franzosen unter den Lesern?
@Thomas E.
Ja, ich war mal fast ein Jahr in Frankreich. Und ich werde wieder dorthin zurückkehren!
Für die ist Kommunikation nicht nur ein Weg um arbeitgeberrelevante Informationen auszutauschen. Da gibt es noch ein Miteinander. Nachdem ich wieder nach Deutschland zurückgekehrt war, war ich schockiert über diese Isoliertheit, diese Einge-Igel hier.
Außerdem haben die ein anderes Rechtsverständnis – das merkt man an ihrer Fernsehkultur. Kommt ein neuer Film ins Kino. So setzt sich da einer mit der Kamera hin und spielt ihn dann ins Internet ein. Inklusive Übersetzung ins Französische.
Und sie erlauben Homeschooling und Unschooling, hier hat der Staat ja den Finger drauf, wenn sich jemand selber bilden will. Das heißt Gefängnis für die Eltern.
@Spiegelfechter
Dass die 68er Erfolg hier hatten, wage ich zu bezweifeln. Es wurde nicht restlos aufgeklärt und Nazi-Gesetze haben wir noch zu Hauf in Deutschland. Wir werden noch lange brauchen um uns vor der Gehirnwäsche des ganzen Volkes zu erholen. Blogs wie Deiner (und ganz besonders meiner :) ) und andere und alle die Don Quichottes hier sind ein Schritt auf dem langen Weg.
@Pit
Volle Zustimmung. Diese ganzen schlauen Sprüche sind genauso idiotisch, wie die Behauptung, dass schon einmal ein sozialistisches System implementiert wurde (natürlich gibt es auch funktionierende Beispiele in der Geschichte – aber die werden gut ignoriert).
Bin neu hier und schon einmal mit einem längeren Text im Aus gelandet. Deshalb nur eine kurze Anmerkung:
Am allerwenigsten wird sich Frau Merkel über einen Putsch aufregen. Ihre damalige Partei, und sie als FDJ-Sekretärin mit, wurden ja bereits vor zwanzig Jahren schon einmal aus ihren Ämtern geputscht. Und wo hat Frau Merkel dieser Volksaufstand hingeschwemmt? Richtig! Ins Kanzleramt der BRD. Also wird sie auch beim nächsten Putsch, so denkt sie vielleicht, diese einfache Seele aus der Uckermark, wird sie beim nächsten Mal sicher einen Posten bei der UNO oder der Nato oder der NASA oder …
Zu 41 postgrün:
Bzgl. campact: Die versuchen doch nur Partikularinteressen (wenn auch wichtige) in das Bewusstsein der Bürger zu bringen. Das ist zwar vielen Leuten wichtig, aber thematisch haben die meisten Menschen im Moment wohl andere Sorgen. Ich meinte etwas anderes, und zwar die gezielte Demontage der momentanen Politikerriege. Ich merke sowohl in meinem Umfeld als auch im Internet sehr deutlich, die Unzufriedenheit wächst. Die Leute suchen wahltechnisch nach Auswegen. Die finden sie aber nicht bzw. sie haben die Notwendigkeit noch nicht begriffen, den momentan Herrschenden einen _richtigen_ Warnschuß zu verpassen. Notwendigkeit, weil mittelfristig keine andere Partei auftauchen wird, die alles für alle richtig oder wenigstens signifikant besser macht (auch bei der Linken habe ich da wenig Hoffnung, wie man in Berlin und in Erfahrungsberichten von Leuten, die wirklich was bewegen wollten, sehen kann). Daher _müssen_ wir wohl oder übel die bestehenden Parteien dazu zwingen einen anderen Kurs einzuschlagen. Ich sehe da keinen anderen (sinnvollen) Weg, als ihnen so viele Verluste wie möglich zu bescheren. So viele, dass sie sich nicht mehr rausreden können, die Wähler hätten nur alles nicht begriffen. Seht mal nach Bayern. Zwar hat sich nach außen letztendlich nicht viel getan (weil die Situation sich im Rest des Bundes nicht auch verändert hat), aber die 17% Minus hat zumindest innerhalb der CSU durchaus einen Erdrutsch bewirkt. Es hat Seehofer nach oben gespült, der eigentlich bereits aufs Abstellgleis gestellt wurde. Stellt euch das mal bundesweit und bei allen vier Parteien vor. Dazu noch eine (oder ein paar) neue Partei im Parlament. Und eine starke Linke. Die Parteibasen würden dann massive Veränderungen erzwingen.
Zu 39 Thomas E.:
Jo, so ungefähr stelle ich mir das auch vor.
Ich bin zwar IT-ler, aber leider nicht im Bereich Webdesign oder überhaupt Design tätig. Ich habe aber vor, so weit es meine Berufstätigkeit zulässt, mich in nächster Zeit mal mit den technischen Grundlagen zu beschäftigen und ein Grundkonzept zu ersinnen. Selbst wenn das alles nichts bringt, es wäre auch für mich selbst als leidenschaftlicher Diskutant sehr schön, einmal eine strukturierte Übersicht von Argumenten bzgl. Themen und Politikern zu haben. Die Arbeit ist also in keinem Fall umsonst.
Ich persönlich bin durchaus wesentlich eher der Seite zugeneigt bin, die in einem friedlichen Zusammenleben auf ungefährer Augenhöhe aller Menschen die einzige Möglichkeit zum Überleben der Menschheit sieht – im Gegensatz zur anderen Seite, die Egoismus und Repression als den richtigen Weg ansieht. Dennoch ist das Ziel für mich eine sachliche Darstellung, nicht die Verbreitung einer ideologischen Lehre (gerade die Nachdenkseiten schlagen diesbezüglich IMO (zu) oft über die Strenge). Das bedeutet, dass auch Argumente, die nach Fällung eines persönlichen Urteil gegen die eigene Sicht der Dinge sprechen, aber dennoch stichhaltig sind, ihren Raum haben müssen bzw. keinesfalls unterschlagen werden dürfen. Kurz gesagt: Aufklärung, nicht Propaganda.
Alle Leute, die das auch so sehen, etwas unternehmen wollen und keinen besseren Plan haben, seien herzlich zur Mitwirkung eingeladen.
Zu den Bildern:
“Zorn” und Wut – und Hass.
(Auch) Bananen haben sie gewollt (in der Ex-DDR), und bekommen haben sie gleich eine ganze Bananenrepublik.
“Krisen kommen und gehen – die CDU bleibt.” Gilt das aber auch für Merkel? Das Gesicht der Finanz- und Wirtschaftkrise, die intellektuell betroffen, wenn nicht gar besoffen macht!
Ein Wrack des neoliberalen Kapitalismus.
Abwracken!
Staatsrat und ZK der staatstragenden kapitalistischen Einheitsparteien treten, wie in der Ex-DDR, unter verschiedenen Namen auf, drin ist immer kapitalistischer Einheitsbrei.
Natürlich fürchten die Machthaber Unruhen. Kein Wunder, dass bei einem Abweichen von der offizellen Linie (es is’ nix) jetzt medial aufgerüstet (“unverantwortlich”) und nach der Wahl (Bundeswehr im Inneren) gegebenenfalls zurückgeschossen wird, wenn es denn zu ‘terroristischen’ Aufständen kommen sollte.
Ob Ochs und Esel den Sozialismus aufgehalten haben, braucht hier nicht erörtert zu werden; festgestellt werden darf aber, dass die Eseleien kapitalistischer Finanzalchemisten und neoliberaler Götzenanbeter dies ganz ohne’Kommunisten’ (SED, PDS, Linke) in unserem Wirtschaftssystem geschafft haben.
Insoweit hat sich der Kapitalismus, ohne äußeren Feind oder Anlass, selbst zerstört.
Auch ein ‘Fortschritt’!
@ Joss Fritz
Danke dass Du dich mit meinem Kommentar befasst hast. 1967/68 war die “konservative Mehrheit in unserem Land” nicht “riesengroß”. Es gab durchaus noch breite ideologische Dufferenzen zwischen den seinerzeitigen Großkoalitionären, und die FDP erfand gerade ihr Gesicht als Bürgerrechtspartei.
Zudem waren die “1968er” gut finanziert. Die UdSSR hat da die meisten Kosten zwecks Weltrevolution und Destabilisierung des Gegners getragen. Später bei den Grünen war das ja genauso. Die erblickten das Licht der Welt ja nicht als Umweltler, sondern als Pershing-Nachrüstungsgegner. Zu deren Gunsten verzichtete die DDR ja schliesslich auf die bis dahinige “5. Kolonne”, die DKP, die ja auch gutteils in den Grünen personalmässig eine neue Heimat fand.
Zudem gab es in beiden Fällen eine gewisse Akzeptanz durch die Presse, die weiland noch wesentlich breitgefächerter war, als dies heute noch der Fall ist. Auch die Ausschliesslichkeit des ÖR-Fernsehens spielt eine wesentliche Rolle und bot mit “Panorama” bspw. ein regelmässiges Forum. Privatfernsehem muss per se systemerhaltend sein.
Kollege postgrün hat bereits hinreichend erklärt, dass die heutige Studentenschaft keinerlei Revolutionspotential mehr hat. Dies wohl auch, weil “widerspenstige” Gruppierungen keinerlei finanzielle Förderung mehr haben. Protestgründe gäbe es ja zu Hauf, mal mit Studiengebühren angefangen. Vor 35 Jahren wäre da eine Reaktion noch ganz anders ausgefallen.
Überdacht werden muss auch das Ziel einer Revolutions/Reformbewegung. Natürlich sind fast alle der Ansicht, so kann’s nicht weitergehen und der Saustall muss ein anderer werden, nur bei konkreten Lösungen gehen die Ansichten – wie auch hier bei Blog von Jens – weit auseinander.
Seit dem Fall der UdSSR gibt es auch keinen Finanzierer mehr. Hugo C. aus V. beschränkt sich auf Südamerika, und diverse islamische Länder spezialisieren sich seit einigen Jahren auf die Förderung des Muselmanentums in vielen Schattierungen.
Und die Finanzierung bleibt das wichtigste bei einer Revoultions-/Reformbewegung. Nach dem Motto “wer zahlt schafft an” kann dann auch eine gemeinsame Positivvorstellung eines Zieles durchgesetzt werden.
Schiessen auf Demonstranten ist “legitim”, wenn zurückgeschossen wird, wenn man verhindern muss, dass noch mehr Ladengeschäfte in Flammen aufgehen. Bei der nächsten Demo kann man dann schon vorbeugend agieren um die Republik und Demokratie nach Grundgesetzauftrag vor Schaden zu bewahren. Das Volk will solche Schusslichkeiten nicht mehr sehen wollen und die Radikalen dürfen nicht die Oberhand in unserem Rechtsstaat bekommen.
Die meinungsbildende Presse, die bereits heute Träger der realen Macht in den Westlichen Demokratien ist, wird das mittragen.
Ups, “die” SPD bekommt trotzdem keine Stimme!
http://www.euprofiler.eu/
@39/52
Klingt nach einer sehr guten Idee. Die Hinweise des Tages der Nachdenkseiten garniert mit ausgewählten Artikeln unabhängiger Schreiber ähnlich wie auf Telepolis (nur qualitativ hochwertiger mit klarer politischer Ausrichtung), hätten einiges an Potential ein Millionenpublikum anzusprechen und einen Gegenpol zu Meinungsmachern wie SPON zu werden.
Aber dafür bräuchte es natürlich eine Kommentarfunktion ähnlich wie hier, mehr Bilder ähnlich wie hier. Ja mir scheint, spiegelfechter.com hat schon eine sehr gute technische Basis für so ein Projekt und einen prägnanten Namen. Vielleicht sollte Jens mal ein paar Co-Autoren ins Boot holen, die dann auch für einen stetigen Fluss von News- und Wissensstoff und sicherlich deutlich mehr Klicks sorgen. Was in Deutschland fehlt ist halt ein großes linkes Sprachrohr im Netz, welches undogmatisch und unabhängig berichtet ohne eigentlich Zeitungen verkaufen zu wollen.
Die Blogosphäre hier und anderswo ist zwar ganz toll, aber kackt einfach zu kleine Haufen im Vergleich zu den etablierten Riesen. Wahlergebnisse kann man so höchstens im Promillebereich beeinflussen und sicherlich auch keine Großdemos provozieren.
@1000sunny
Eben – Crywolf, darum halte ich mich mit solchen Prophezeiungen auch immer sehr zurück ;-)
Das ist zwar richtig, aber nur eine Momentaufnahme. Von unten wird nichts kommen, wenn dann aus der Mitte. Wer sein Leben lang Tütenwein getrunken hat, der findet daran nicht schlechtes. Wer aber immer gewohnt war, den guten Öko-Dornfelder direkt vom Winzer zu beziehen, dem schmeckt Tütenwein nicht und der wird sauer, wenn er keine Perspektive sieht, irgendwann einmal wieder zum Dornfelder greifen zu können.
Von Lidl-Essen wird niemand krank – das ist Quark.
Stimmt – und wir kennen auch den Satz “kein System kann so pefekt sein, dass man es nicht immer wieder neu gestalten muß”, nur dass wir das vergessen haben.
Blödsinn ;-)
@Yoshi98
Darum vermeide ich es tunlichst das Wort “Revolution” in diesem Zusammenhang überhaupt in den Mund zu nehmen ;-)
Ich habe geschrieben, dass die DDR-Bürger ihren Zorn auf der Straße ausgelebt haben, den partiellen Erfolg erzielten, dass sie ihr altes System los wurden und dann von der BRD vereinleibt wurden. Was soll daran falsch sein?
@46 Karsten Bier
Gute Frage ;-)
Ich kämpfe ja mit diesem Blog gegen Windmühlen – das ist mir schon klar.
@Anindo
Es ist ja nicht so, dass ich noch nie Co-Autoren beworben hätte – mehrfach habe im Blog Leser aufgefordert, Artikel zu schreiben, aber es kam nichts. Grundsätzlich bin ich immer bereit, Artikel von Externen zu veröffentlichen – sie müssen nicht einmal 100% meiner Meinung entsprechen, nur ein gewisses Qualitätsmerkmal sollte natürlich vorhanden sein.
@Spiegelfechter
-BilligEssen
Ich habe mal mit einer dieser Eigenmarken-Frühstückflocken einen Selbsttest gemacht und ich hatte nach 3 Tagen Zahnschmerzen. Vielleicht bin ich aber nur überempfindlich. Dennoch glaube ich nicht, dass dieses ganze Billigfutter gesund ist. Aber wer Aldi-Hirschragout dem Frischfisch vorzieht, dem sei das unbenommen.
-staatliche Schule vor ziviler Bildung
Ich finde das leider keinen Blödsinn. Deine Begründung kann ich allerdings nicht widerlegen ;) Dennoch denke ich, dass wir keine neutrale Bildung bekommen in Bezug auf “Menschenbild” und dass dies nun mal eben das Wahlverhalten und die Manipulierbarkeit der Massen prägt. Anders kann ich mir “Nachrichten” und “Mainstream-Presse” nicht erklären, die ihre Neuigkeiten ohne jede Quellenangabe unters gebildete Volk bringen können. Kennst Du das Buch “Dumbing us down” ?
@Sunny1000
Lag vielleicht am “echten” Zucker, den ich jedem Chemiesubstitut vorziehe. Auf jeden Fall solltest Du mal zum Zahnarzt gehen ;-)
Aber was hat das mit dem Schulsystem zu tun? Ich hatte beispielsweise auf der staatlichen Schule, die übrigens ganz hervorragend war, gleich mehrere äußerst kritische Lehrer, die nicht nur in puncto Menschenbild (Humanismus) guten Unterricht machten, sondern mich auch zu einem kritischen Menschen erzogen, der Medien und Autoritäten hinterfragt. Wir wurden sogar in die Tiefenpsychologie eingewiesen, verbunden mit einer kritischen Analyse von PR und Werbung. Nicht jede staatliche Schule leistet dies – das ist mir klar.
Was hat das mit dem Schulsystem zu tun? Denkst Du ernsthaft, ein Chefredakteur, der von christlichen Fundamentalisten geschult wurde, würde da anders verfahren? ;–)
Ach lassen wir meine Zähne :D Ich esse das Zeug einfach nicht mehr. Und das Thema ist mir auch nicht wichtig genug um da noch tiefer einzusteigen.
>Zur zivilen Bildung
Nehmen wir einfach Deine letzte Frage:
Was hat das mit dem Schulsystem zu tun? Denkst Du ernsthaft, ein Chefredakteur, der von christlichen Fundamentalisten geschult wurde, würde da anders verfahren? ;–)
Du nimmst an, dass jeder, der nicht in eine staatliche Schule geschickt wurde gleich ein christlicher Fundamentalist ist. Woher hast Du dieses Vorurteil her?
Ich bin seit ungefähr 3 Jahren Unschooler. Und seitdem höre ich fast von jedem Menschen dieselben Vorurteile. Kinder seien von Natur aus faul. Man müsse sie zum lernen zwingen oder “motivieren” usw. Ohne Schule gehe das nicht. Wenn man dieses Menschenbild aus der Schule herausprojiziert sind wir bei dem bedingungslosen Grundeinkommen. Da lauten die Vorurteile isomorph: Erwachsene würden sofort aufhören zu arbeiten. Man bräuchte ein Mittel um sie zur Arbeit zu motivieren. Menschen sind von Natur aus faul.
Wenn man dann seine Erfahrung sagt, dass Kinder ohne Schule viel schneller, tiefer und besser lernen, dann will das keiner hören. Bis jetzt hat mich in 3 Jahren nur einer gefragt: “Und wie ist es”. Der Rest fing gleich an alle gängigen Vorurteile runterzurasseln. Inklusive religiöser Fundamentalismus.
Es ist interessant, dass wir uns dauernd über den Staat beschweren. Dass wir ihn an jeder Stelle kritisieren und uns wundern, dass das System so lange durchhält. Geht es aber um die Bildung unserer Kinder, dann sagen wir: “Hier Staat nimm, Du willst sie jetzt den ganzen Tag und wir haben nur noch die Wochenenden abzüglich Hausaufgaben? Ah das ist schon OK. Du bist ja der Staat und willst nur das Beste für unsere Kinder.”
Der Treppenwitz an der ganzen Sache ist, dass die intellektuelle Elite das wirklich glaubt. Sie war ja schließlich auch in der Schule. Sie hatte ja gute Lehrer. Niemand kommt darauf, dass er genau aus diesem Grund zu den Intellektuellen gehört. Nämlich weil er zum Glück gute Lehrer hatte, die eben nicht 100% den staatlichen Lehrplan befolgten und von ihren Schülern kritisches Denken forderten.
@Spiegelfechter
“Ich habe geschrieben, dass die DDR-Bürger ihren Zorn auf der Straße ausgelebt haben, den partiellen Erfolg erzielten, dass sie ihr altes System los wurden und dann von der BRD vereinleibt wurden. Was soll daran falsch sein?”
Daran ist gar nichts falsch. Das bezog sich mehr auf einen diesbezüglichen Tenor in den Kommentaren. Grundsätzlich ist nach meiner Erfahrung in Deutschland das revolutionäre Potential gleich Null. Auch die 68er waren nicht mehr und nicht weniger als eine selbstgerechte und selbstgefällige Politschickeria, denen ihre Selbstverliebtheit wichtiger war, als die tatsächlichen sozialen und politischen Tendenzen.
Kein Volk ist wie das Deutsche auf seine Obrigkeit bezogen. Und für das, was in Deutschland aus selbstverliebten Revolutionären wird, ist doch wohl Joschka Fischer das beste Beispiel.
Das einzigste was mir dazu einfällt, ist das ich hoffentlich ein paar von euch am 1 Mai in Berlin sehe, ich bin der schwarz gekleidete im Autonomen Block :D
sry, musste sein………
und
@30
Du hast noch einen Punkt vergessen, die UDSSR ist auseinander gefallen, weil der Herr Gorbatschow einfach unfähig war, gar schlimmer als Jelzin, der die Strafe für Gorbatschow’s Unfähigkeit abbekommen hat.
Die grösste Lachnummer ist ja das man dem Gorbatschow den Friedensnobelpreis gegeben hat, mein Gott, den Friedensnobelpreis haben die russischen Atomraketen verdient, den wenn Russland nach dem zerfall der UDSSR nicht auf diese zur Abschreckung hätte zurückgreifen können, hätten die Amis einen Satellitenstaat mehr gehabt……
aber das is alles offtopic… sry……
Ok 1000Sunny, du bist gegen die Schulpflicht, das wissen aufmerksame Spiegelfechter-Leser seit dem Artikel über den Medienhype um Tim K.. Auch an seinem Amoklauf war ja die Schulpflicht schuld.
Fakt ist aber auch, dass unter der Lehrerschaft überdurchschnittlich viele systemkritische Menschen sind, wie du überhaupt unter Intellektuellen eher mehr, als weniger Systemkritiker findest. Die Schulen für die Systemangepasstheit der Jugend verantwortlich zu machen ist – mit Verlaub – etwas billig.
Noch ein Punkt. Wir haben ein staatliches Schulsystem mit einer Marktabdeckung von über 99.9% und das stört keinen einzigen liberal denkenden Menschen. Auch nicht die ansonst kritischen.
Auch stellt sich bei uns praktisch kein Mensch mehr die Frage: Schicke ich meine Kinder in die Schule oder nicht? Für Leute, deren Kinder jeden Tag vergnügt in die Schule gehen und es gar nicht abwarten können bis die Ferien vorbei sind, kann ich das ja verstehen. Aber alle anderen. Die fragen sich aber auch nicht.
Nicht mal die ansonsten liberalsten Denker.
Wir beschränken uns alle auf ein seichtes Motzen übers Schulsystem und machen dann weiter mit. Und keinem gibt es zu denken. Nicht mal Deine sonst so guten Lehrer haben dieses Thema angesprochen und gesagt: Hey, wusstet ihr schon, dass man auch ohne Schule lernen kann. Und besonders Du mein kleiner intelligenter Spiegelfechter, Dir stehe ich und dieses ganze System mit seinem administrativen Überbau sowieso nur im Wege.
Das wäre doch mal kritisch gewesen ;)
Ein ausgezeichneter Artikel! Ja, eine “Bundesrepublik Neu” muss dringend her. Eine “BRD 2.0″ oder besser noch “2.1″, für das 21ste Jahrhundert! Und ja, das wird noch dauern. Der Leidensdruck (auf der Straße) ist lange noch nicht groß genug. Es ist doch bezeichnend, dass die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise bereits so ziemlich alle Bereiche erfasst hat. Mit einer Ausnahme: dem privaten Konsum. Oh ja, die Leute gehen schon auf die Straße – zum Einkaufen!
Apropos “weltweit”. Einer von zwei Punkten, die mich an diesem Artikel stören, ist der leider doch typisch deutsche beschränkte Horizont und dieser ebenfalls typisch deutsche Willen, immer ganz vorn dabei zu sein. Selbst wenn’s darum geht, ganz besonders mies dran zu sein. Die ganze Welt steckt in der Krise, aber es sind natürlich allein die deutschen Politiker, die das arme Deutschland ganz besonders heftig in die Sackgasse gefahren haben. Das ist dann doch etwas zu einfach gedacht (bzw gesagt).
Zweiter Kritikpunkt: der übliche Ruf nach „der Politik“. Wer den Politikern die (All)macht zuschreibt, für alles verantwortlich zu sein und entsprechend alles lösen zu können (und zu müssen), der ist durchaus auch Teil des Problems und nicht der Lösung. Und vom Gang auf die Straße noch ein gutes Stück entfernt.
Aber wie richtig bemerkt. Es wird noch dauern. Und das Jahrhundert ist ja noch jung!
@68
Ja, dieser Ruf nach den Politikern. Der scheint am Ende für jeden Artikel obligatorisch zu sein :)
@Gebintit
Lass mich doch gegen die Schulpflicht sein. Ich bin doch eh der letzte hier in Deutschland. Aber ich kapier einfach nicht, dass während die Revolution gegen den Staat auf den Straßen tobt, die Kinder hinter staatlichen Mauern bei staatlich zertifizierten Lehrer staatlich ausgewählten Stoff lernen sollen, nach einem vom Staat definierten System.
Die Schule ist übrigens für die Anpassung der Kinder an die Gesellschaft verantwortlich. Das ist eine ihrer 3 Hauptaufgaben und nennt sich “Sozialisation”.
Und ich finde es super, dass die Schule so viele intellektuelle Systemkritiker in sich vereint – dann haben wir doch alle ein gemeinsames Interesse an der Umsetzung der Humboldtschen (und aller bekannten Pädagogen) Gedanken den Staat aus der Bildung so weit wie möglich herauszudrängen. Ich frage mich, wieso bin ich dann hier der Einzige Schulpflichtbezweifler? Und circa 80 Millionen Befürworter.
(Meine Theorie über Tim war allerdings ein bisschen komplizierter, als von Dir beschrieben)
Nur eine kurze Anmerkung zum Thema Bildung: Ich habe vor etwa vier Jahren an einem westdeutschen Gymnasium mein Abitur gemacht und ca. 80 Prozent meiner Lehrer waren sog. 68er, von denen ein Großteil damals auch auf die Strasse gegangen ist. Sicherlich sind auch viele von besagten Lehrern heute weit konformistischer als damals. Dennoch kann ich keineswegs zustimmen, wenn hier behauptet wird, der Staat erziehe die Menschen an den Schulen zu Gehorsam. Ich habe so einiges an unserem Bildungssystem zu kritisieren, aber eine unkritische Position zu den politischen und gesellschaftlichen Vorgängen in unserem Land wurde da niemandem eingetrichtert.
Ich bin auch der Meinung dass nichts passiert. Zum einen haben viele vom Sozialabbau durch massive Steuererleichterungen profitiert, zum anderen stabilisiert sich eine Gesellschaft durch die Ausgegrenzten. 1933 war es nicht anders.
Wenn ein Hartz IV – Empfänger Anspruch auf 177 Euro Kaltmiete hat, kommt es zwangsläufig zu einer Gettoisierung. Und die ist von der Mehrheit gewollt.
@1000Sunny
So weit ich da informiert bin, kommt aus dieser Ecke der größte Widerstand gegen die Schulpflicht. Wenn ich da also mal rekapituliere, würde eine Aufösung der Schulpflicht daher zuförderst von christlichen undamentalisten genutzt.
Die ersten zwei Behauptungen sind Unfug, womit das ganze nichts mit der Schulpflicht zu tun haben kann.
Das ist typisch neoliberaler Quark. Einzelen benötigen den Staat nicht, das ist klar. Aber ein Grioßteil der Gesellscahft kann aus diversen Gründen nicht auf den Staat und auch auf das staatliche Schulsystem verzichten. Ich will Dir ja gar nicht Deine positiven Erfahrungen madig machen, aber sie lassen sich nicht auf die Gesellscahft in toto übertragen.
Mit der Schule hat das nun sicher nichts zu tun.
Das ist natürlich einmal mehr Quark und zeigt, dass Du das staatliche Schulsystem gar nicht kennst, bzw. Deine schlechten erfahrungen generalisierst.
Ich möchte auch keine private Polizei, keine private Armee, keine private Flugüberwachung, kein privates Gesundheitsamt etc. pp., obwohl ich dem Staat kritisch gegenüber stehe.
Richtig – warum sollte es auch. Die staatliche Polizei deckt auch 99% des öffentlichen Sicherheitsmarktes ab und das stört mich nicht im geringsten.
Ein Glück!
wo?
@Spiegelfechter
Ja, wahrscheinlich hast Du Recht – die Schulpflicht sollten wir wirklich nicht hinterfragen.
Aber ich bin kein neoliberaler christlicher Fundamentalist – dazu fehlt mir das Geld und das Kreuz :)
Ich habe den Weihnachtsartikel von Theo Sommer auf Zeit.de damals im Original gelesen, fühlte mich aber spontan an einen anderen, ebenso visionären wie auffallend-kritischen ZEIT-Onlineartikel erinnert, der sich speziell mit dem Wirtschaftssystem, den politischen Folgen der Standort-Konkurrenz und dem damit einhergehenden Freiheits- und Souveränitätsverfall auseinandersetzt. Hier der Link, lohnt sich zu lesen!
http://www.afptech.de/conpresso/_rubric/detail.php?nr=108&rubric=Aktuelles&
@Sf
Und gerade diese Krise wirkt sich auf dem Arbeitsmarkt der Facharbeiter massiv aus, im Gegensatz zu den Problemen um 2003. Deswegen sind spezielle Reaktionen der Politik zum Erhalt des Arbeitskräftepotenzials (beziehungsweise Humankapitals) ja auch so wichtig.
Du versuchst natürlich selber damit Elitismus zu betreiben: Deine Freunde und du wissen, wie’s richtig geht, und deshalb sollen die Gewählten weggetreten werden.
Einem ähnlichen Irrtum unterliegt die französische Linke andauernd. Sie rennt furchtbar aufgeregt auf die Straße, und zieht bei Wahlen regelmäßig den Kürzeren. Diejenigen auf der Straße vergessen nämlich immer diejenigen, die gerade nicht auf der Straße sind.
Apropos Frankreich: Ich bin eigentlich froh, dass man in Deutschland nicht so bescheuert ist, bei Entlassungen den Geschäftsführer festzusetzen. Denn den Leuten ist klar, dass das ja auch keine Aufträge heranschafft.
Ach, Unsinn. Was man von der nicht-gewählten kommunistischen Nomenklatura verlangte, ist klar: Freiheit. Was sollten aber die Forderungen sein, die man an die “Kabinettsmitglieder” richtet? Beendet die Weltwirtschaftskrise, und zwar sofort? So naiv werden nicht viele sein.
Das Thema klingt ja schön und gut.
Was ist das Ziel, was wollt ihr erreichen ?
Die “soziale Marktwirtschaft”, die erst aufgebaut werden kann, nachdem die ganzen Kredite abgetragen sind oder gibt es noch “andere Alternativen”?
Wollt ihr die “Protestanten” finanzieren über Kredite von der Deutschen Bank?
@76
Wer träumt denn vom Kredite abtragen. Immer diese Märchen, dass Kinder und Enkelkinder die Schulden abtragen müssten. Das Problem wird weginflationiert und/oder mittels Währungsreform entsorgt.
1. Hört auf uns für dumm zu verkaufen!
2. Dient dem Volk und nicht dem Kapital!
Die 2-Klassen-Politik hat sich jüngst, bei der von Frau Aigner verweigerten Offenlegung der EU-Agrarsubventionen besonders plump gezeigt (siehe Kommentar oben). Die Subvention der Großen mit Hilfe von Steuern der Kleinen und Mittleren gibt es nicht nur im Agrarbereich! Steuerzahler tragen dann auch noch das Risiko der Spekulanten. Verständlich, wenn man all das als Politiker vertuschen will.
Die Politiker müssen leider daran erinnert werden, dass sie “Im Namen des Volkes” und nicht “Im Namen des Kapitals” regieren. Außerdem würde ich mir wünschen
3. Mehr direkte Demokratie!
Denn die Parteien-Demokratie hat in den letzten Jahren viel Glaubwürdigkeit verspielt.
@75
“…Du versuchst natürlich selber damit Elitismus zu betreiben: Deine Freunde und du wissen, wie’s richtig geht, und deshalb sollen die Gewählten weggetreten werden.”
-Wo? Wenn, beispielsweise, die Leute ihre Betriebe, wo sie arbeiten (und bestimmten, demokratisch zuvor gewählten, Arbeitsbedingungen unterliegen), massenweise besetzen und bestreiken, wie 1968 in Frankreich, und wenn sie damit dann die komplette Wirtschaft blockieren, und so ihre (Verweigerungs-)macht demonstrieren, dann ist das genauso demokratisch – denn es müssen ja erstaml genügend Menschen, eine überwiegende Mehrheit, davon überzeugt sein, dieses Risiko auf sich zu nehmen (Arbeitsplatzverlust, juristische Schritte, etc), weil sie anders keinen Weg der Besserung mehr sehen. Wenn sie beispielsweise, wie 1968 in Paris, weder von der damaligen KP, noch den Sozialisten, noch von den konservativen Gaullisten noch irgendwie überzeugt sind oder ihre Ziele da vertreten finden.
Sind es nur ein paar elitäre Hanseln, so funktioniert das ja garnicht. Demokratie findet nicht nur an Wahlurnen statt, und elitär ist eher der ekelerregende Dünkel von oben gegenüber dem so. “Druck der Straße” (Helmut Kohl), dem man sich aus irgendwelchen Gründen niemals beugen dürfe (dem Druck einzelner Lobbyisten aber schon).
Der Druck der Strasse ist in dem Moment, wo er massenweise entsteht, urdemokratisches Ausdrucksmittel. 1968 konnte man die Ziele der Streikenden – etwa Dmokratisierung der Betriebe und Universität/direkte Demokratie, Lohnerhöhungen, massive Verbesserung der Arbeitsbedingungen, mehr Freiheit (!) und Sozialismus- nirgendwo an der Wahlurne wählen, am allerwenigsten bei den damaligen, stalinistischen Kommunisten.
Nach dem Mai 68 wählten sie dann konsequenterweise wieder – de Gaulle, also genau den, den die selben Leute nur kurz zuvor beinahe gestürzt hätten. Es gab damals gegen Ende auch Gegendemonstrationen – aber weitaus schwächer besucht. Ob das nun daran liegt, dass die Elite/das konservative Bürgertum ungern massenweise auf die Strassen strömt, oder ob es zahlenmässig einfach etwas geringer ausgestattet, aber dafür mit gutem PR-Apparat versehen ist, der es bei Wahlen trotzdem gewinnen lässt, sei mal dahingestellt.
1789 wollte sich der französiche Sonnen-König sicher auch nicht dem “Druck der Straße”, der Wut des “Pöbels” beugen, und der Adel und Klerus wollten sicher gerne ihre Vorrechte gegenüber Bürgern, Handwerkern, Prostituierten, Philosophen, Gaunern und anderen nichtswürdigen Nicht-Eliten behalten – das interessierte da aber irgendwann einfach nicht mehr.
“. Was man von der nicht-gewählten kommunistischen Nomenklatura verlangte, ist klar: Freiheit. Was sollten aber die Forderungen sein, die man an die “Kabinettsmitglieder” richtet? Beendet die Weltwirtschaftskrise, und zwar sofort? So naiv werden nicht viele sein.”
Was ist daran naiv, zu fordern, dass diejenigen, die den Schaden angerichtet haben (in dem Fall: die politische Voraussetzungen dafür erst schufen – wir können auch gerne in Details gehen…), ihn gefälligst auch wieder ordentlich aufräumen, und außerdem dafür sorgen, dass so etwas nicht noch einmal geschieht? Im Moment scheint es ja eher darum zu gehen, ein paar zusätzliche Sicherheitseinreichtungen ins Casino einzubauen, um es dann endlich wieder anwerfen zu können. Das würde ich eher naiv nennen.
Du sprichst hingegen der Politik an sich scheinbar jede Möglichkeit ab, zuvor oder danach überhaupt – schnell oder langsam – Einfluß zu nehmen.
Dazu passend:
Lafontaine rief offen zum Rechtsbruch auf: “Wenn die französischen Arbeiter sauer sind, dann sperren sie ihre Manager mal ein. Ich würde mir das auch mal wünschen, damit die hier mal merken, dass Zorn da ist, dass da Menschen um ihre Existenz fürchten”. Freiheitsberaubung als Ratschlag der Politik. Derselbe Mann, der jetzt die Menschen gegen die Regeln des Rechtsstaates aufhetzen will, bewirbt sich in diesem Jahr wieder um staatliche Verantwortung – als Ministerpräsidenten-Kandidat im Saarland. Verlogenener geht`s nicht. aus http://www.sprengsatz.de/?p=1103
Und noch was, bei aller Revolutionsromantik. Revolutionen sind gefährlich und destruktiv.
Bei Revolution wird viel Kleinholz gemacht und meistens sterben Unschuldige. Hinterher bliebt alles beim Alten und die Veteranen schwelgen sich in Romantik und klüngeln sich selber nach oben.
Warum keine Evolution, gut der Unmut muss raus, aber wir können dazu ja ein paar Betonstatuen umschmeissen, aber das bringt kein Brot an den Herd.
Jeder soziale Veränderung muss ein Ziel haben, wird das Ergebnis dem Individuum besser schmecken, kann es darin besser wohnen oder damit jemanden beeindrucken? Nicht aus linker Fürsorge, sondern rein pragmatisch. Denn bringt diese Veränderung nur eine Stopp des Bisherigen so sieht keiner die die Notwendigkeit mitzumachen. Nur um den Zorn zu kühlen und den radikalen giftigen Zorn der jeweiligen pseudo-intellektuellen Revolutionsführer zu absolutieren, sollte niemand auf die Straße gehen. Denn es bringt nix. Nach dem meisten echten, also blutigen, Revolutionen wurde nur das Regime ausgetauscht und bald war wieder die ewige Wiederkehr des Gleichen, nur in anderer Farbe (z.B. das gleiche in Grün ;) eingetreten.
Wenn soziale Veränderung, dann doch bitte konstruktiv. Die Kultur der Hygiene hat wahrscheinlich mehr Menschen gerettet als jeder Freiheitskämpfer davor. Allerdings ist Ignaz Semmelweis nicht ganz so sexy wie Che, leider!
Also was müsste an heute machen um die Menschheit™ vorwärts zu bringen? Ein System, genannt “real existierende Neoliberalismus” beschert uns zu viel Kummer. Können wir zurück zur sozialen Marktwirtschaft, die sich versucht in einem durchglobalisierten Finanz und Währungssytem zu behaupten? Ich würde sie gern wieder haben, aber jeder Versuch einer Reinstallation wird doch aufs infamste von den globalen “Eliten” schändlichst missbraucht.
Also ich finde das nun nicht passend, nach dem schönen Beitrag alles im Rückblick auf eine DDR zu zerreden!
Was in Berlin gebraucht wird, ist Druck! Ganz klar hat das am 23. der Innenausschusssprecher (CDU) geäußert: Es ist kein Druck vom Volk zu spüren!
Da ging es um Volksentscheide, die fraktionell behindert wurden und von Koalition zerredet.
In der ehemaligen DDR haben es die Bürger als Meisterstück vorgemacht, wie das geht, ganz friedlich aber mit Nachdruck!
Ein bisschen mehr Courage meine Damen und Herren und ein bisschen mehr Selbstbewusstsein, damit mal wieder aus unserem Land für alle Bürger etwas wird!
Es kann doch nicht angehen, dass dieser Fraktionsklüngel in Selbstbehinderung Volkes Wille ignoriert.
Wer ist denn nun Souverän?
Herr Sommer, Frau Merkel, Herr Müntefering, Herr Steinmeier, Herr Westerwelle?
WIR SIND DAS!
@81
“Jeder soziale Veränderung muss ein Ziel haben, wird das Ergebnis dem Individuum besser schmecken, kann es darin besser wohnen oder damit jemanden beeindrucken?”
- Das ist richtig, aber das ist auch bereits eine typisch linke Idee. Weil es ja dann für alle Individuen gilt oder gelten soll, nicht wahr? Für “den” Menschen, nicht für manche Menschen.
Rechts mag man so ein Denken garnicht, und nennt es polemisch “Gleichmacherei”. Rechts glaubt man nicht daran, dass alle Menschen gleich sind, gleich empfinden, ihnen gleichermaßen Teilhabe an der Welt zusteht. Rechts reicht es nämlich schon, wenn – je nach dem jeweiligen rechten Denksystem – nur paar “Eliten”, “die Leistungsträger”, “die Rechtgläubigen”, oder – im schlimmsten, rechtsextremen Extremfall, die “Träger der guten Gene” oder die “Herrenrasse” – gut wohnt und sich wohlfühlt. Der Rest hat nicht aufzumucken, bzw. wird ruhiggestellt – ihm steht das alles garnicht zu, er soll schon froh sein, wenn er gerade das Nötigste kriegt.
Die Agenda2010 war daher kein linkes Projekt. Lenins “Kommunismus” mit seiner Führungselite aber auch nicht.
Und es gibt ja bekanntermaßen auch friedliche Revoluitionen, und nein, die sind nicht immer von George Soros und dem CIA gesteuert, selbst wenn die oder andere da manchmal auch mitmischen mögen. Ein Generalstreik etwa, wie 1968 in Frankreich, ist zunächst eine sehr friedliche Angelegenheit, gekennzeichnet von nicht-mitmachen. Gewalt kommt da erst ins Spiel, wenn versucht wird, die Streikenden gewaltsam zur Arbeit zu bewegen. Was nicht in der Verantwortung der Streikenden liegt, und ihnen nicht angelastet werden kann. Da hat der Gewaltanwender moralisch aber schon verloren.
Die letzten Revolutionen, die die Welt erlebt hat und so nennt, waren dadurch gekennzeichnet, dass die Revoluzzer Zelte vor den Regierungsgebäuden aufbauten, nur “nein” sagten, und einfach nicht mehr weggingen, so zahlreich, dass man sie nicht mehr ignorieren konnte.
@lutz&all:
,DAS VOLK!
@47, Thomas E.
“Ist es jetzt so, dass die Situation der Franzosen wesentlich schlechter ist als bei uns? Oder liegt es doch an deren geistigen Haltung, die noch so was wie ein ‘Wir’ kennt? Liegt es an deren allgemeinen Kultur, …..”
Das wir hier alle so brav sind, liegt ganz einfach daran, dass Pfaffengeschwätz in unserem pseudodemokratischem Gottesstaat jedem Schäfchen sein Paradies im Jenseits garantiert. Unter der Voraussetzung freilich nur, dass wir uns dafür zeitlebens und mit aller Inbrunst Gott (den menschlichen Wölfen) zum Fraß anbieten und nie vergessen, dass uns jeder brav erduldete Biß ein Stück weiter – und manchmal auch schneller – ins jenseitige Paradies befördert. Halleluja! Keine Gewalt gegen Gewalt. Amen!
@38 SF
Ich sehe, Du bist nach wie vor Optimist.
Immerhin, das macht dich zweifellos sympathischer als mich mein dauernder Zweckpessimismus.
Der veranlasst mich dann doch eher zu der Annahme, dass es den Kreisen, die bereits die Regierungsmarionetten kontrollieren, auch gelingen wird die einseitig selektive “Berichterstattung” der Medien weiter auszubauen.
Und: Schiessen werden Polizei und Bundeswehr natuerlich nur zur Selbstverteidigung und weil ihnen “gewalttaetige Gefaehrder” trotz deutlicher Warnung keine Wahl gelassen haben…die sind dann halt selbst schuld.
Aber ich bin jetzt auch nicht sonderlich erpicht darauf zu sehen, dass meine Befuerchtungen wahr werden ;-)
@81
“Wenn soziale Veränderung, dann doch bitte konstruktiv. Die Kultur der Hygiene hat wahrscheinlich mehr Menschen gerettet als jeder Freiheitskämpfer davor. Allerdings ist Ignaz Semmelweis nicht ganz so sexy wie Che, leider!”
Du solltest Deine Vorstellungen von Revolution und Evolution noch einmal überprüfen und in eine konkrete und sachliche Begrifflichkeit überführen. Die Entdeckungen und Schlußfolgerungen von Semmelweiß und die tatsächliche Umsetzung seiner Erfahrungen stellten für die Medizin seiner Zeit eine revolutionäre Umwälzung dar. Viele damals zementierte Vorstellungen mussten in kürzester Zeit über Bord geworfen werden. Das meint Revolution.
Ich finde es schade, dass hier Revolutionen so schlecht wegkommen. Mir geht es jetzt nicht um den Sexappeal der einen oder anderen Widerstandsform. Dennoch hatte die französische Revolution extreme Nachwirkungen auf die ganze Welt. Auch andere Revolutionen wurden nicht aus reiner Blutgier durchgeführt. Genauso wenig wie die französische Revolution aus reiner Blutlust ausgeartet ist. Das Ancien Regime war einfach schon in den Köpfen aller Menschen verankert. Und irgendwie hatte jeder schon einmal mit dem Ancien Regime eine Grausamkeit begangen oder irgendwie kollaboriert. Und so erweiterte sich der Kreis der Verdächtigen stetig. Aber auch daraus haben Teile der Menschheit gelernt. Und so gab es hier keine komplette Aufklärung nach der Nazi-Zeit. Gesetze, Professoren und Richter wurden übernommen. Und wir liegen immer noch in den Nachwehen dieses Ideenguts.
wie die Wut selbst sonst so kühle Isländer erfaßt
http://www.nytimes.com/imagepages/2009/04/26/world/26icelandB.ca0.ready.html
Sehr schöner Artikel.
Ja, der “deutsche Michel” ist träge und bis der sich von seinem Fernsehsessel hochquält, muss viel passieren. Wenn es denn passiert, wird der Aufschrei in der ganzen Welt zu hören sein.
Allerdings sehe ich keine Chancen mit dem existierenden “Ermächtigungsgesetz” namens GG. Es braucht eine echte Verfassung, mehr Kontrolle durch den Bürger. Wahl des Präsidenten und Kanzlers durch das Volk. Wahl der obersten Richter durch das Volk. Strikte Trennung von Judikative, Exekutive und Legislative – momentan hat man nur den Eindruck eines riesigen, wabernden, vekrnasterten, verschleimten Apparats, der mehr mit sich selbst zu tun hat denn mit den Belangen der Bürger. Dann wäre da noch die Volksabstimmung über alle Gesetze, welche die Freiheit oder Gleichheit angehen und keine Zeile der Verfassung sollte geändert werden können ohne Volksabstimmung. Dann gleich noch die EU-Verfassung kippen, den EU-Beamten/Behördenwahnsinn abschaffen und innerhalb der EU eine enge Zusammenarbeit zwischen den Ministerien ohne EU-Wasserkopf.
Ich fühle mich als Europäer – wenn nicht gar als Weltbürger – aber mit dem “Apparat EU” kann ich mich nicht identifizieren. Ich wünsche mir einen Staatenbund, der die jeweiligen Eigenheiten der Staaten respektiert und der sich darum kümmert, seinen Bewohnern das Leben in Europa zu erleichtern. Ich brauche keine künstliche Marktverzerrung durch aberwitzige Subventionen. Faire Preise für faire Produkte, Stärkung der Kleinbauern/kleinen, landwirtschaftlichen Betriebe durch vernünftige Preise und entsprechend eine Kennzeichnung a la “Lokaler landwirtschaftlicher Betrieb” und “Agrarindustrie”.
Mehr Demokratie muss kommen, egal wie. So geht es nicht weiter.
gruß, Frank
So, muß mal kucken….Aha, Ausflugsdampfer fahren vorbei, Kinder winken, Touristen kaufen Ramsch, im Eiscaffee sitzen entspannte junge Leute und dösen in der Mittagssonne.
Nee, soweit alles noch ganz unauffällig. Vom vorrevolutionärem Zorn ist hier, im tiefen Osten, noch nicht soviel angekommen.
Aber ich glaube schon, das wird in einem Jahr ganz anders aussehen. Wie kleine Kinder schauen wir im Moment alle nur fasziniert zu, wie die Lawine von Ferne auf uns zurollt, ohne zu wissen was konkret das alles demnächst mit uns selbst zu tun haben wird (X% Arbeitslosigkeit, Rentenkürzungen, Kollaps der Sozialsysteme….).
Wir hier im Osten können ja aufziehende Revolutionen von weitem spüren. Ich rieche oder fühle aber noch nichts. Noch. Wichtigstes Merkmal (für Revolutionsunerfahrene): Die Krise muß für alle (die Mehrheit) eine persönliche Erfahrung sein. Diese Erfahrungen können/ müssen voneinander abweichen (für den Arzt hat sie ein anderes Antlitz als für den Bauarbeiter). Die persönlichen Schlußfolgerungen werden auch voneinander abweichen, trotzdem wird die gefühlte Ausweglosigkeit dazu führen, daß eigentlich völlig verschiedene Menschen für eine zeitlang ein gemeinsames Ziel anstreben. Hier wurde ja Gauweiler erwähnt. Wenn also Gauweiler und Gysi sich gemeinsam auf den Barrikaden wiederfinden, wird es ernst. Hinterher werden sie sich dann wieder spinnefeind. Achso, und idealerweise sollte das revolutionäre Ziel überschaubar und für alle Beteiligten zwingend und einleuchtend sein (Sturz der herrschenden Clique, oder sowas).
These, Antithese, Synthese, Mayonaise, Ketchup…. und wieder haben wir spaltende Diskussionen über Nebenschauplätze und Deutungshochheiten, anstatt den Schreiberlingen mit den Megaphonen keine Angriffsfläche fürs zerreden mehr zu bieten und den kleinsten gemeinsamen Nenner zu verfolgen: Wir haben genug, basta!
Zeigen wir ihnen, wie viele wir sind. Auflistungen von Dingen, die verbockt wurden gibt es zu genüge.
Oh ja, bitte .. Revolution als der Vorgang, eine schlechte Regierung durch eine noch schlechtere zu ersetzen, wie es Wilde mal treffend formuliert hat.
Von mir aus Straße, Unruhe, Volkszorn und dergleichen, aber wofür bitte? Ich vermisse Agitation mit Idee, oder soll die ach so heilsame Welle aus Michels Unmut blos um ihrer selbst Willen zustandekommen?
Prekariat und Demokrat in der gerechten Sache vereint, und wenn die Revolution dann gelaufen ist machen wir – ja was eigentlich?
Es wäre mal interesannt, zu diskutieren, welche Staats-/Gesellschaftsform die beste ist. Momentan sind alle Staats-/Gesellschaftsformen am scheitern und früher sind auch alle Staats-/Gesellschaftsformen gescheitert. Welche soll denn für die Zukunft her und alles wieder richten?
Über die zornigen Mittelständler, die das Großkapital und die Banken zu Proleten zermalmt, werden die Proleten, die seit 20 Jahren schon Proleten sind, am Minimum existieren, nicht einmal müde und solidarisch lächeln, so wie diese über diese jahrelang gelacht und sie verhöhnt haben.
Es wird anders, als anders kommen: statt den Kapitalismus radikal in Frage zu stellen, werden sich diese Charaktere unter einer neuen politisch faschistischen Flagge sammeln, die vom Bankenkapital als Rettung der eigenen Vorteile gegen die kapitalistische Konkurrenz der Anderen vorgegeben wird.
Sozialdarwinistische Ansichten vertreten die Menschen hier im Lande schon lange, schon verdammt lange, in den staatlichen Gewalten herrscht ein legalisisertes, über Rechtsinstitute abgesichertes, korruptes Stechen und Schlagen und nach unten auf Andere treten, gilt schon als natürlicher, völlig gewöhnlicher Reflex.
Das Spannungsverhältnis vor der Krise bleibt bestehen.
Globalisierung, d.h. verstärkter Standort-Wettbewerb um hochtechnologisierte Produktion und Rohstoffe.
Auch wenn von den Besserverdienern wieder ein höherer Beitrag für die Gesellschaft gefordert wird, bedeutet das nicht, dass demnächst hier die gebratenen Hähnchen durch die Luft fliegen.
Und bitte: In der ehemaligen SBZ hat keine “Revolution” stattgefunden.
Der Sozialismus hat sich weitgehend von selbst erledigt.
Beschleunigt wurde der Niedergang durch Tschnernobyl, Gorbatchov, den Pabst, polnische Katholiken sowie mutige Ungarn, Tschechen und Slowaken. Ok. Einige mutige Ostdeutsche und zwar vornehmlich solche, die in Kirchen organisiert waren.
Die Ostdeutschen gingen in allerletzter Minute mit ihrer Heim-ins-Reich Forderung auf die Straße. Die Motive waren dabei materialistischer Natur.
Revolutionäre Stimmungen breiten sich in vergleichsweise gut regierten Wohlfahrtsgesellschaften (wie die unsere) eben nicht in Krisen-Situationen aus, sondern wenn die Gesellschaft sich frei von Sorgen wähnt.
sieht so aus, als könnte es mit dem Ende dieser ‘Rezession’ schwierig werden
“For what it’s worth, a key conclusion from the IMF’s new World Economic Outlook is that recessions caused by financial crisis typically end with export booms, with the trade balance improving, on average, by more than 3 percent of GDP. I find this a disturbing result: we’re now suffering from a global financial crisis, which means that the usual driver of recovery will only be available if we can find another planet to export to.”
http://krugman.blogs.nytimes.com/
so werden die Menschen möglicherweise noch lange Zeit Gelegenheit haben, es sich doch mit der ‘Revolution’ zu überlegen
@salvo
Siehste, und ich Idiot hab mich immer wieder gefragt, warum die Amis unbedingt auf den Mars wollen.
Hab vor nicht allzulanger Zeit sowas gelesen… vielleicht kennt es nicht jeder:
Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.
Trifft?s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.
(Verfasser unbekannt)
Google-Suche “Wenn die Börsenkurse fallen”: 336.000 Treffer.
Wohl eines der erfolgreichsten Gedichte im Internet! Ich kann es bald auswendig ;)
jetzt zeigen Sie ihr wahres Gesicht, Herr Spiegelfechter ;-)
den meisten menschen in deutschland gehts doch besser den je und wenn man mal ein bisschen rumgereist ist, merkt man das Deutschland das reinste Schlaraffenland ist.
man muss ja nicht immer alles so schwarz malen…
ich bin froh hier zu leben und denke dass der laden im Großen und Ganzen ganz gut läuft. den krassen wohlstand denn wir hier alle genießen haben wir allerdings den ehrlich schaffenden ingenieuren, naturwissenschaftlern, ärzten, facharbeitern, handwerkern etc. zu verdanken, und nicht der “Straße”. “schwarze block”, die linke, antifa, leistungsverweigerer, nörgeler etc sind eine plage für dieses land. der 68er bewegung haben wir zweifellos großartiges zu verdanken, aber man darf nicht vergessen, dass es sich hierbei um eine Bewegung einer kleinen, lautstarken minderheit handelte.
@Lemmy Caution
Oje … gibt es also wieder die üblichen trolligen Geschichten von dir.
Das Spannungsverhältnis vor der Krise bleibt bestehen.
Globalisierung, d.h. verstärkter Standort-Wettbewerb um hochtechnologisierte Produktion und Rohstoffe.
Kann sein, dass du recht unflexibel in deiner Denkweise bist? DARIN siehst ganz wirklich den Grund für die Krise? Fehlt noch die Anmerkung von dir, dass man diesem Dilemma nur durch entsprechenden Lohnverzicht der Angestellten im Westen entkommen kann. Gähn.
Und bitte: In der ehemaligen SBZ hat keine “Revolution” stattgefunden.
Der Sozialismus hat sich weitgehend von selbst erledigt.
Huihui … das Politbüro erlebte eine göttliches Offenbarung, erkannte die eigenen Fehler und trat daraufhin in seiner Erleuchtung – Gott sei Dank! – freiwillig zurück?
Deine Definition von Revolution möcht’ ich doch zu gerne kennenlernen.
Beschleunigt wurde der Niedergang durch Tschnernobyl, Gorbatchov, den Pabst, polnische Katholiken sowie mutige Ungarn, Tschechen und Slowaken. Ok. Einige mutige Ostdeutsche und zwar vornehmlich solche, die in Kirchen organisiert waren.
Ein bisschen kirchenlastig deine These. BTW, die Solidarnosc war kein katholischer Protestverein. Sei versichert: Auch im Stalinismus hat die Kirche (besonders die oberen Leitungsebenen) wie üblich mit vorbildlichem Opportunismus geglänzt. Auch wenn heute ein Trend auszumachen ist, es nicht so zu sehen: Nur weil kirchliche Räumlichkeiten genutzt wurden, hatte hatte die Bewegung nichts mit dem christlichen Glauben zu schaffen.
Hätte es in einem anderen Umfeld (z.B. Verein der deutsch-sowjetischen-Freundschaft :P ) entsprechende Freiräume gegeben, so wären eben diese “genutzt” worden.
Die Ostdeutschen gingen in allerletzter Minute mit ihrer Heim-ins-Reich Forderung auf die Straße.
Lächerliche Aussage. Selten solchen Bullshit hier gelesen:
1.) Natürlich gingen die Leute in “allerletzter Minute” auf die Strasse. Wie sollte es anders sein, wenn dadurch dem System die letzte Minute beschert wurde?
2.) Eine wie von dir unterstellte “Heim-ins-Reich”-Attitüde der Menschen in der DDR war KEINERLEI Grund für den Umbruch. “Wir sind DAS Volk” stand als Ruf am Beginn der Proteste. “Wir sind EIN Volk” gab es erst, nach dem (konservative) Politiker in der Bundesrepublik die Möglichkeit einer deutschen Wiedervereinigung ins Spiel gebracht hatten. Zu diesem Zeitpunkt war der DDR-Stalinismus aber so-oder-so bereits Geschichte.
3.) Merke: Historisch gab es also 3 Aussagen:
Wir sind DAS Volk.Wir sind EIN Volk.Wir sind EIN BLÖDES Volk (nach der Wiedervereinigung, frei nach H. Müller)
Die Motive waren dabei materialistischer Natur.
Ist der Ruf nach Transparenz, Versammlungs-, Publikations-, Meinungs-, Parteien- und Pressefreiheit materialistischer Natur? Ich glaube eher, eine (dir nicht ganz eigene) spezifische “Befangenheit” lässt dich nur in sehr engen Grenzen historische Gegebenheiten erkennen.
Revolutionäre Stimmungen breiten sich in vergleichsweise gut regierten Wohlfahrtsgesellschaften (wie die unsere) eben nicht in Krisen-Situationen aus, sondern wenn die Gesellschaft sich frei von Sorgen wähnt.
Tolle Wurst. Dem kann man einiges entnehmen: Es gibt also “revolutionäre Stimmungen” in “gut” regierten Gesellschaften, die so gut regiert sind, das Sie neben den revolutionären Stimmungen auch noch Krisen erfahren? Die Krise kommt für deinereiner immer vom Himmel herab, also von außen. Und die Ursachen für revolutionäre Stimmungen haben natürlich nichts mit der “guten/schlechten” Qualität von Regierungen zu tun, sondern resultieren aus einem verderblichen Einfluss falscher (z.B. kommunistischer) Ideen? Richtig?
Und noch was: Gibt es Beispiele für deine hingeworfene Behauptung – außer DDR 89′ (ach Mist, das war ja in deinem historischen Verständnis gar keine Revolution, sorry…)
Mist, verpasst. Ich wollte eigentlich den 100sten hierzu abgeben.
Anyway, es ist in ein paar der vorangegangenen Beiträgen schon angesprochen worden, aber ich möchte es noch einmal ausbreiten: die Frag nämlich, wofür auf die Straße gehen?
Was dem Land wahrscheinlich viel eher fehlt, als revolutionärer Geist und revolutionäre Köpfe, sind revolutionäre Ideen. Ach, was sag ich, EINE neue Idee wäre schon mal toll.
Wir haben die Krise des Jahrhunderts (was im Jahr 9 keine wirklich Kunst ist, eigentlich), eine echte Herausforderung also, und hüben wie drüben werden Rezepte aus dem VORLETZTEN Jahrhundert ausgepackt. Neoliberalismus versus Sozialismus. Packend!
Ich perönlich finde ja, dass “links” und “rechts” etwas für Joghurt-Teilchen ist. Auf die wirklichen Fragen unserer Zeit hat weder das eine noch das anderer auch nur ansatzweise eine Antwort.
Barack Obama hat noch während der Transistion Periode eine Arbeitsgruppe zusammen gestellt, die er “Sky Team” genannt hat. Mit dem Auftrag, Ideen auszubrüten, “der Sky sei dabei der Limit”. Nun ja, ich schätze diesen Präsidenten, aber von diesem Sky Team haben wir bis jetzt auch nichts gehört. Autokonzerne zu verstaatlichen ist jetzt auch nicht gerade ein Innovationshammer. Naja, für die USA vielleicht schon.
Aber wie sieht’s bei uns aus. Wir haben Superwahljahr. Könnte da nicht wenigstens einem der vielen g’scheiten Journalisten eine neue Idee über den Weg laufen.
Bis land bildet die “Verschrottungsprämie” noch quasi die Avantgarde auf dem Gebiet der Geistesblitze….. Da muss man dann nicht mehr viel sagen.
Also, um es damit klar zu stellen. Ich hätte bitte gerne eine Idee, für die sich das ja doch immer recht anstrengende Revolutionieren auch lohnt.
Anregungen bitte gerne jederzeit auch auf http://hantigkohneo.wordpress.com
@Hantigk
Ein paar revolutionäre Ideen gibt es schon. Aber da wird man ja in Deutschland gleich damit nieder geschrien.
http://freiebildung.wordpress.com/2009/04/24/das-fortschrittlichste-schulsystem-der-welt/
und hier
http://freiebildung.wordpress.com/2009/04/18/grunde-fur-unschooling-in-munchen-und-anderswo/
und das bedingungslose Grundeinkommen war da doch auch noch irgendwo.
Ach ja und die faule Jugend schmeißt sich woanders ziemlich ins Zeug und startet die Rebelution – A teenage rebellion against low expectations.
http://songbirdsfamily.blogspot.com/2009/04/homeschoolers-of-world.html
Aber das ist hier ja verboten und außerdem sind die auch noch Christen und damit sowieso in Deutschland nicht gesellschaftsfähig.
Was mir noch einfällt. Es scheint ein paar ganz Subversive zu geben, die in Deutschland echte Gewaltenteilung einführen wollen, oder eine Möglichkeit Steuern aus Gewissensgründen zu verweigern (ähnlich wie in USA, wo Teilbeträge an gemeinnützige Organisationen gezahlt werden können).
Ideen und Initiativen gibt es eine Menge. Allerdings werden wir wohl alle nicht über eine Rechtschreibreform hinauskommen. Wir sind halt das Land der Dichter und Denker. Die Macher leben wohl woanders.
Na da machen wir doch gerade mal 112 draus, weil vorher 111 war. Ob das wohl klappt?
Euer Carlo meint, das sei die Alternative…….aber diesmal nicht verlieren…..voll draufhalten und kein zurück!!!
Ken Loachs Hommage an die spanische Revolution unter dem Titel “Land and Freedom”, ganz gewiss nicht so gemeint wie es heute unter Christen verstanden wird.
Schaut Euch den Film schnell an, ich weiß nicht wie lange er noch im Netz steht! Wer den Film haben will, soll ihn sich aus dem Cache hohlen. (sic!)
Unten links ist ein Dreieck, das ist der Schalter zum starten des Films, aber das nur nebenbei…..
Warum das……
Weil es heißt ja immer, wir hätten keine Alternativen!
Nachträglich: Kleine Frage: Warum ist es denn so verboten, überhaupt nur die Frage nach einer Revolution in Deutschland zu stellen? Nur, deshalb vielleicht, weil man deshalb nicht in die Talkshow von Anne Will kommt?
Anne Will ist gewiss Lateinerin und weiß, daß Revolution ein Umdrehen der gegenwärtigen Verhältnisse ist.
Wovor hat sie denn Angst. Als Hosenanzug wird sie sowieso nicht angegriffen und ihren Lesbenbonus hat sie doch schon. Warum stellt sie sich als sogenannte “Moderatorin” dem Mainstream zur Verfügung? Soweit mein Küchenlatein weist, weiß ich; daß eine Moderatorin eine Bremserin ist. Was soll das dann alles und warum?
(moderate=bremsen, verhindern etc.)
Weil ich leider noch eigenständliches Denken gewöhnt bin, und die Sendungen von Frau Will definifiv alberne Bestätigung, unsinniger Verhältnisse sind, verwahre ich mich dagegen als “Ewiggestriger” verleumdet zu werden. Und von wem? Immer wieder von den gleichen Verdächtigen, nämlich der Bourgeoisie!!
So eine Unverschämtheit lasse ich mir nicht bieten. (selbst Karl Marx hätte zum Duell gefordert!!!)
Wieder einmal wird es Zeit, von der Geschichte zu lernen – was heißt “Begreifen lernen”.
Gestern sah ich zufällig beim WDR “Operation Wunderland” Teil 2
Bitte schaut euch diese 3teilige Doku an, sie ist sehr betrachtenswert.
http://www.youtube.com/results?search_type=&search_query=WDR+Operation+Wunderland&aq=f
Natürlich geht es uns gut, die Medien mit ihrer Präsenz reden uns das Tag für Tag ein. Und wenn wir irgendwann 40mio Hartz4-Empfänger haben, gehts uns immer noch gut, denn die “Leistungsträger” dieser Gesellschaft, opfern ja quasi den letzten Pfennig, daß auch noch der letzte Proletarier knapp über dem Existenzminimum existieren darf…
Vive la revolucion!
“Völker! Auf die Straßen! Massendemonstrationen! Generalstreik! Verbündet Euch!”
und dann kam die Schweinegrippe…
also ich find das plakat oag…
Bravo
von Zeit zu Zeit sind eben “Systemwartungen” notwendig
Ich find die Wertungen meiner Beiträge hier inzwischen amüsant.
Wir besitzen offenbar unterschiedliche Denkweisen. Und wie kann da die eigene Denkweise für sich “mehr Flexibilität” beanspruchen. Auf solche Pauschalvorwürfe läßt sich nicht antworten.
Wo habe ich das gesagt?
Lech Walesa hat einmal sinngemäß gesagt, dass es vor dem Pabstbesuch eine Handvoll Aufrechter gegen das Unrechtsregime aufbegehrte. Danach Hunderttausende.
Ich bin übrigens persönlich aus der katholischen Kirche ausgetreten, habe aber in vielen Punkten eine große Achtung vor ihr.
In den meisten Ostblockländern begann der massive Widerstand viel früher als in der ehemaligen SBZ. Dies ist auch verständlich. Schließlich profitierten die Ostler von 2 Besonderheiten:
1. Andersdenkende konnten in die Lager Bautzen 1 und Bautzen 2 verbracht werden und für teuer Geld an West-Deutschland verkauft werden.
2. Von der SU konnte mit dem Hinweis auf den “Schaufenster zum Westen” Status Extra-Würste erpresst werden.
Ach so. Die Ostler wollten also gar keinen Anschluß an den Westen? Warum gabs denn dann diese ganzen “Helmut nehm uns an der Hand und führe uns ins Wirtschaftswunderland” Plakate? Ich denke, die Verklärung der ex-SBZ inklusive ihres unrühmlichen Untergangs nimmt langsam seltsame Formen an.
Die Masse der ex-SBZ Bewohner war von materialistischen Interessen getrieben.
Krisen kommen in gut regierten Gesellschaften schon einmal vor.
Ein Kennzeichen für gut regiert ist, dass die bundesrepublikanischen Andersdenkende trotz der angeblich völlig üblen Regierung immer noch freiwillig im Land bleiben. Genau das kann man von den Andersdenkenden der ehemaligen SBZ, Kuba oder Venezuela nicht behaupten.
Die Bereitschaft Andersdenkender im Land zu bleiben sehe ich als einen guten Indikator für die Qualität einer Regierung.
Aber das war doch lange nach der Demonstrationswelle im Herbst 89. Ich stimme dir insofern zu, dass, sobald der etwas unerwartete Erfolg eingetreten war, einen Dialog mit den Oppositionen zu erzwingen, der Konsens in der Opposition zerbrach und dem rein kurzfristigen, materialistischen “Bananen statt Freiheit”-Geunke Platz machte. Die Revolution allerdings fand davon unabhängig statt. Bei den Leipziger Demos ging es um alles mögliche: Eindämmung der Umweltzerstörung z.B., vor allem natürlich Anerkennung einer politischen Opposition (Neues Forum), Emmanzipation der DDR, Reisefreiheit, Verbesserung der Arbeitsbedingungen uvm. Aber kein einziger forderte damals einen Anschluss der DDR an die BRD oder die Einführung der D-Mark.
Die stärksten beiden Impulse waren lokal (Umweltthemen, Kultur, Kirche) sowie der importierte Impuls verbunden mit dem Gefühl, dass das, was weiter im Osten akzeptabel zu sein schien, in der DDR doch nicht völlig falsch sein könne.
Ich erinnere mich noch ziemlich gut an die Zeit, als plötzlich dieses “D-Mark”-Gekreische losging. Das war etwa fünf Wochen, nachdem klar war, dass es plötzlich eine Möglichkeit gab, aus der DDR ein demokratisches Land zu machen. Und es fiel ziemlich genau auf den Termin, in welcher sich die Menschen wieder von dieser Idee verabschiedeten.
Diese fünf Wochen waren, was mich betrifft (obwohl ich noch ein Kind war), das wunderbarste, was mir jemals passiert ist. Ich wünsche jedem, vor allem Wessi, einmal dieses Gefühl zu erleben, das Gefühl, _wirklich_ der Souverän sein zu können.
Es war emotional. Ich selbst bin was politische Dinge angeht ein Kaltblüter.
Selbst die für mich emotional nähere no-Kampagne zur Beendigung der Pin8 Diktatur Ende der 80er war in ihren Hoffnungen nicht wirklich realistisch. Letztlich gings vor allem auch darum, dass für die dortigen Unternehmer die Kosten des im internationalen Rahmen Paria-Status der Diktatur höher wurden als die Furcht vor einer Wiederholung eines sozialistischen Experiments.
Gesellschaften ändern sich vor allem langsam und zumeist in einem konsensualen Prozeß.
So ist das mit Revolutionen. Für ideale Ziele begeistert sich immer nur eine Minderheit. Aus meiner Sicht zum Glück, da diese Leute zumeist die komplexen Folgen ihres Tuns nicht überblicken können. Die Wahrscheinlichkeit einer Veränderung zum Besseren (mehr soziale Ausgewogenheit, eine angesichts der durch die Verwerfungen der Globalisierung wünschenswerte aktivere Politik) steigt mit einem stärkeren Konsens und einem Weiterbau des Bestehenden durch Reformen.
@113 Lemmy
Ich finde es amuesant, dass Dexter sich ueberhaupt noch die Muehe macht,
Deine “Beitraege” zu “werten”.
Insbesondere wo Du sie ohnehin schon von vorneherein selbst entwertest.
Aber mach Du ruhig weiter mit Deinen tapferen Anstrengungen, die “gut regierte Wohlfartsgesellschaft” BRD vor den Windmuehlen zu verteidigen, damit sie weiter frei von Sorgen dahinexistieren kann.
Wuensche Dir dabei viel Erfolg…aus dem Ausland.
@113 Lemmy Caution,
“Ein Kennzeichen für gut regiert ist, dass die bundesrepublikanischen Andersdenkende trotz der angeblich völlig üblen Regierung immer noch freiwillig im Land bleiben”
Demzufolge wäre die Zahl der Auswander, die seit 1900 beständig ansteigt, ein Kennzeichen wie schlecht Deutschland regiert wird. Laut Statistischem Bundesamt erreichen die Auswandungszahlen seit etlichen Jahren gar ein Niveau, das an Nachkriegszeiten erinnert.
falsch: die seit 1900 beständig ansteigt
richtig: die seit 1990 beständig ansteigt
Die Zahl der Auswanderer steigt von einem äußerst niedrigen Niveau an. Und wo wandern diese Leute hin? Viele in die Schweiz … findet ihr diese Steuer-Raubritter irgendwie gut regiert?
Besser als in Deutschland schon! Es gibt dort z.B. mehr direkte Demokratie. Aber natürlich hat auch die Schweiz ihre Leichen im Keller.
Niemand bestreitet, dass Deutschland, im Vergleich zu den allermeisten Staaten auf diesem Planeten (noch) gut dasteht. Wer aber nicht gekauft ist, oder noch nicht resigniert hat, der muss doch Entwicklungen in diesem Land wahrnehmen, die einem nicht gefallen können, gerade wenn man seine Heimat liebt!
Das heißt nur, dass sie nicht im Knast landen, umgebracht werden oder verhungern müssen. Das bedeutet für dich bereits eine hohe Regierungs-Qualität?
Es gibt eben immer Stufenleitern. In autoritär regierten Ländern wie der DDR oder Cuba darf der Systemgegner eben je nach Grad der Repression entweder gar nicht öffentlich das Maul aufreissen oder mindestens nicht im Konzert mit Medien und “NGOs” des Typs “Radio Free Sonstwo” oder HRW. In Ländern wie Venezuela gibt es eine grosse Opposition im Land, mit Parteien, Radiosendern, Zeitungen und vielem anderem. Man kann die Korruptionsanklage gegen Rosales so oder so sehen (ich will das auch grad nicht diskutieren), es ist keinesfalls so, dass Oppositionelle in Scharen das Land verlassen müssen.
Und selbst Länder wie Cuba und die DDR sind bzw. waren Paradiese der Rechtsaatlichkeit im Vergleich zu “Demokratien” wie Columbien oder (bis vor kurzem) El Salvador, wo Oppositionelle und Gewerkschafter stets fürchten müssen, entführt und ermordet oder mindestens gefoltert zu werden. Ansätze zu solchen Zuständen gibt es auch in Mexico und anderswo.
Dass es im Vergleich dazu in der BRD viel besser aussieht, bestreitet, so weit ich sehe, niemand hier. Emigrationsraten sind aber nie ein Gradmesser, ausser für wirtschaftliche Unterschiede, es sei denn, ein Regime bedrohe grosse Menschengruppen direkt mit dem Tod wie das NS-Regime oder das Pinochets.
Manche Dinge – Texte zum Beispiel – besitzen eine Tiefe, die einem erst nach einiger Zeit auffällt. Oder anders gesagt, manchmal muss Gelesenes erst eine gewisse „Sickertiefe“ erreichen, bis es zu bestimmten Reaktionen kommt.
So ging es mir mit diesem Artikel.
Beim ersten Lesen fand ich ihn ausgesprochen ansprechend und konnte ihm viel Zustimmung entgegenbringen. Jedoch, nach einiger Zeit – einigem Sickern – wuchs bei mir mehr und mehr das Gefühl, dass die Grundeinstellung, die sich tief in den Worten und Sätzen verbirgt, viel mehr Teil der Probleme als deren Lösung ist.
Dies und eine innenpolitische Begebenheit im schönen Österreich, haben mich dazu inspiriert eine kleine Geschichte zu schreiben. Keine „Gegenstory. Vielmehr eine Anschlusserzählung, die damit beginnt, dass Außenminister und SPD Kanzlerkandidat Fran-Walter Steinmeier auf einer Dienstfahrt durch Österreich eben diesen Spiegelfechter-Artikel zu lesen bekommt. Warum er daraufhin selbst am Rande des Nervenzusammenbruchs steht und was sich daraus entwickelt, lesen Sie in „Ihr seid das Volk“ unter: http://hantigkohneo.wordpress.com/2009/05/03/ihr-seid-das-volk/
Mit herzlichem und ernsthaftem Dank für’s Gedankenanregen an den Spiegelfechter,
Ihr Hantigk ohne O
Unternehmer haben das Land verlassen. Nicht wenige Pendejos-sin-fronteros (also eine aus meiner Sicht etwas merkwürdige Linke) sind eingewandert.
Wird sich nun zeigen, ob das gut für das Land ist.
Die Situation Kolumbiens bleibt komplex. Uribe besitzt über 60% Zustimmung in der Bevölkerung. Ich hab nie bestritten, das Hugo Chávez (noch) eine Mehrheit in Venezuela besitzt. Nachhaltige Entwicklung ist das nicht. Wo bleibt eigentlich die Wirtschaftskrise in Chile, von der sich deine Gäste so gefürchtet haben aquadraht?
Geb mir einen Link zu Gewerkschaftermorden in El Salvador oder Mexiko (!).
Lesetipp: http://tinyurl.com/db4con (sehr, sehr, sehr, sehr gut).
Wenn Venezuela nicht mal 12 Monate nach Beendigung des größten Ölpreisbooms aller Zeiten Bonds ausgeben muß, um PVDSA Kontraktoren bezahlen zu können, müssen doch langsam ein paar Zweifel aufkommen.
Lemmy, nein, keine Venezueladebatte. Ausgangspunkt war: “Die Bereitschaft Andersdenkender im Land zu bleiben sehe ich als einen guten Indikator für die Qualität einer Regierung.” Das wurde weitverbreitet als untauglicher Gradmesser angesehen, und darum ging es. Unternehmer, die das Land verlassen oder mindestens damit drohen, sind ein alter Hut, das gab es sogar bei “drohendem” Rotgrün bei uns.
In Deutschland waren es Einzelfälle. In Venezuela betraf es ganze Industriezweige (Automobil-Zulieferer). Unter anderem deshalb liegt das nicht-Öl pro-Kopf BIP inzwischen auf dem Niveau von 1977 (!). http://tinyurl.com/d95gaq
In Kolumbien wird halt alles durch Kokain und den FARC-Konflikt überlagert. Viele dieser als Gewerkschafter geführte Personen besitzen FARC-Kontakte. Die Parapóliticas (rechte Todesschwadrone) sind nicht Bestandteil der offiziellen Politik, wobei Verbindungen zwischen Militärs sowie auch Uribes Umfeld mit diesen Leuten existieren. Auf der anderen Seite wurden aber auch viele dieser Parapóliticas festgenommen. Diese in der machtvollsten Phase der FARC in den 90ern gegründeten Organisationen verlieren gott-sei-dank an Stärke.
Die Mehrheit der Kolumbianer unterstützt Uribes Politik, weil er Erfolge gegen die inzwischen höchst unbeliebte FARC erzielt.
Ansonsten existiert auch in Kolumbien im Gegensatz zu Kuba eine unabhängige Presse, die ständig die Verbindungen zwischen Parapólitica und offizieller Politik / Militärs aufdeckt.
Wo bleiben die Links zu Gewerkschaftermorden in El Salvador und Mexiko. Du vermittelst so den Eindruck, dass in Lateinamerika die Ermordung von Gewerkschaftern etwas “normales” wäre. Dem ist eindeutig nicht so. Der Präsident des größten Landes der Region Lula da Silva besitzt sogar einen ausgesprochenen Industriearbeiter Gewerkschafts-Hintergrund.
Du vergleichst also Mangos mit Papayas.
Da dich der SubKontinent zu interessieren scheint, mach ich noch einmal Werbung für das oben verlinkte Buch.
Es gibt auch noch einen anderen Grund aus Deutschland auszuwandern ;)
http://www.focus.de/schule/schule/schulwahl/tid-8536/heimunterricht_aid_233038.html
http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,617050,00.html
Lemmy hat mal wieder seine Märchenstunde eröffnet ;)
Uribe ist ein Capo der Capos und nichts anderes, der seine Macht zwischen den US Militärdollarmilliarden, die Kolumbien aus geostrategischer Sicht zufliessen, und der eigenen Kokaproduktion über seine Para Mara Freunde und der gesamten kriminellen Ökonomie und Kultur, die mit dieser einhergeht, abwägt, und von dieser lebt.
Andere Opitionen hat er nämlich nicht: Eine Bodenreform gegen die mächtige Oligarchie in Kolumbien gibt es für ihn nicht, eine Nationalisierung der Bodenschätze für die gesamte Bevölkerung, die eines der Grundübel der Ungleichheit in Kolumbien ist, die die massenweise Landflucht und den Krieg innerhalb Kolumbiens prägt.
Ach ja, weil wir gerade bei Zahlen sind:
Allein aus dem Gebiet der Ex DDR sind seit der Wende über 3 Millionen Menschen geflohen, weil der blühnende Kapitalismus so schön ist.
Das sind allerdings weniger als vor der “Wende”. Und die jetzt sind nicht geflohen, sondern wollen natürlich den Reinen Westen unterwandern. Die Wirklich Wahren Menschen sind ja bereits alle vor der Wende weg.
@name: Deine Parolen ändern auch nichts an der Tatsache, dass Uribe in der kolumbianischen Bevölkerung sehr beliebt ist, da die Beendigung der FARC Guerrilla als vordringlich angesehen wird.
Der größte Anteil des Kokain-Geschäfts gehört unpolitischen kleinen Kartellen. Danach kommt die FARC und an dritter Stelle liegen die Parapóliticas, die unabhängig von Uribe.
Kolumbien erlebt gerade auch im Zusammenhang der erfolgreichen Zurückdrängen des Konflikts seit ein paar Jahren einen Wirtschaftsaufschwung. War im Januar auf einer Hochzeit in Santiago und das Hochzeitspaar ist nach Kolumbien in die Flitterwochen geflogen. Vor 2 Jahren war das noch undenkbar. Sie wären eher nach Venezuela geflogen, aber bei den Preisen dort dank massivst überbewerteter Währung….
Ach so: Beide sind gerade mit ihrem BWL Studium fertig. Sein Vater hat Jahrzehnte als Automechaniker gearbeitet, bevor er Autohausbesitzer wurde und sie kommt aus deutlich bescheideneren Verhältnissen. Soweit zur extrem dramatischen Situation, die ich so mitkriege.
Die Mehrzahl der DDR-Bürger flieht seit Gründung dieses Staates im Jahr 1949 in die Bundesrepublik Deutschland. An dieser Tendenz hat sich seit 1989 nichts geändert, da die Strukturen dieses Staats nach wie vor weiterwirken.
Lemmy, tut mir leid, dass du Dir die Wirklichkeit zurechtlügen musst und feuchte Träume von den DDR-Illuminaten träumst, nur an den Zahlen und der Wirklichkeit ändern deine Phobien trotzdem nichts: die Bundesrepublik Deutschland hat das geschafft, was die DDR nicht geschafft hat:
3 Millionen Binnenflüchtlinge in 19 Jahren. Für diese Zahlen hat die EX-DDR 50 Jahre gebraucht ;) Das kann man natürlich auch als qualitativen Aufschwung verkaufen.
Was Uribe betrifft, au weia: die Typ verballert eben die US Dollarmilitärmilliarden und von dieser Kohle bezahlt er alles, wenn diese nicht mehr reicht, springen halt seine Para Mara Mörderbanden ein, wie früher und den Schwachsinn von den “unpolitischen Kleinstkartellen” kannst du versuchen jemanden zu verkaufen, der genau so lügt wie Du.
Vergiß dabei nur nicht Lemmy, wenigstens diesen Informationen die Senatorenliste der Para Maras mit den direkten Uribekontakten beizulegen. Es wäre peinlich, wenn dieses Unterlassen sofort auffallen würde. ;)
That it Lemmy. Mehr Aufschwung kannst auch Du da nicht herbeifantasieren, auch wenn du das dir noch so erträumst.
@name: klar. Inzwischen meldet ja bereits die deutlich rechtslastige Webseite amerika21.de, dass die Chávez-Regierung Uribe in seinem Kampf gegen die FARC unterstützen will.
http://www.amerika21.de/nachrichten/inhalt/2009/mai/das-ist-nicht-unser-krieg/
Und bezüglich der deutschen Ost-West Migranten: Die Grenzanlagen sind heute schon ein bischen weniger martialisch als im Zeitraum zwischen 1961 und 1989.
@all und v.a. @Lemmy
Jeder Kommentar mit reinem Südamerika-Bezug wird ab jetzt gelöscht, da komplett OT. Vielleicht sollte ich wirklich für Lemmy eine Südamerika-Zone einrichten ;-)
Da ist man eile Weile abwesend und schon bollert man schon wieder rum. ;-) LC, war Dir nicht danach keine Lust mehr zu haben, weil sinnlos? ;-)))
Egal. Jens. Glückwunsch zum Artikel. Deine Hoffnungen möchte ich haben. Alleine, mir fehlt der Glaube daran. Die Schlagzeilen des Tages im Internet drehen sich denn auch nicht um Sozialpolitik sondern darum, ob bei der allgemeinen Verblödung der “Jugend” (unserer Zukunft) ->DSDS<- beschissen wurde oder nicht. Vor dem Hintergund wird mir dann real Angst und Bang ums Land. Woher LC und Freunde die Furcht nehmen, die BRD wird sich zur 2. DDR wandeln, wenn bloss die alte Bonner Republik wieder etwas einziehen würde entzieht sich jeder sachlichen Grundlage. Aber so ist das halt im Jahr 2009 in D. Die Mittelschicht hat Angst vorm Teilen und irgendwer (oder sind es die selben) schickt die zumindest politisch nutzlose Jugend zu DSDS. Entweder zum Casting oder zum Applaudieren. Das Vorbild heißt dann Bohlen.
Wo nimmst Du nur Deinen Optimismus her?
sehr schön dieser Artikel
“Eloge des révolutions”
http://www.monde-diplomatique.fr/2009/05/HALIMI/17050
“Car, aux yeux de ceux qui ne l’apprécient guère, le tort principal de la révolution n’est pas la violence, un phénomène tristement banal dans l’histoire, mais, chose infiniment plus rare, le bouleversement de l’ordre social qui intervient à l’occasion d’une guerre entre nantis et prolétaires.”
In den Augen derer, die sie nicht mögen, ist das Hauptunrecht der Revolution nicht die Gewalt, was leider ein banales Ereignis in der Geschichte ist, sondern etwas, was sehr viel seltener ist: Die Umwälzung der sozialen Ordnung, die aus dem Kampf zwischen Wohlhabenden und Armen hervorgeht
“On reproche leur violence aux grandes révolutions. On s’offusque par exemple du massacre des gardes suisses à l’occasion de la prise des Tuileries en août 1792, ou de celui de la famille impériale russe en juillet 1918 à Iekaterinbourg, ou de la liquidation des officiers de l’armée de Tchang Kaï-chek après la prise du pouvoir par les communistes chinois en 1949. Mais mieux vaudrait alors ne pas avoir précédemment occulté les famines de l’Ancien Régime sur fond de bals à Versailles et de dîme extorquée par les prêtres ; les centaines de manifestants pacifiques de Saint-Pétersbourg fauchés un « dimanche rouge » de janvier 1905 par les soldats de Nicolas II ; les révolutionnaires de Canton et de Shanghaï précipités vivants, en 1927, dans les chaudières des locomotives. Sans rien dire des violences quotidiennes de l’ordre social qu’on entendait autrefois mettre bas.”