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  • Im Rohstoffrausch: Wie die EU-Handelspolitik Entwicklung untergräbt

    geschrieben am 03. März 2011 von Spiegelfechter

    Quelle und Hintergrund: WEED

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    Trackbacks:

    1. Im Rohstoffrausch: Wie die EU-Handelspolitik Entwicklung untergräbt | Reizzentrum

    34 Kommentare:

    1. Bonsaibäumchen schrieb am 3. März 2011 at 20:00 - Permalink

      Ich sag nur Resource Based Economy.
      Hoffnung stirbt zuletzt.

      Im Kapitalismus wird es keine faire Behandlung für rohsstoffreiche unterentwickelte Länder geben.

      Ich mag ein Träumer sein weil ich Hoffnung hege das wir vielleicht irgendwann eine verantwortungsvollere Gesellschaft werden aber ich bin nicht Naiv oder Idealist genug um zu erkennen:

      Es führt kein friedlicher Weg dort hin.

    2. herbert schrieb am 3. März 2011 at 20:15 - Permalink

      Wir müssen einfach der Manipulation der Gleichgeschalteten Medien entgehen, man sieht ja wie die Menschen verdummt werden!
      Es muss ein friedlicher Weg zur gerechten Gesellschaft führen! Gewalt erzeugt Gegengewalt!

    3. leslie schrieb am 3. März 2011 at 20:29 - Permalink

      Ich hab meinen Rohstoffkonsum schon lange reduziert.
      (Trifft aber nicht auf den Grasskonsum zu) :-P

      Und diese ganze Biospritgeschichte spielt da ja auch rein.
      Ordentlich Regenwald roden,
      damit Palmöl und co unter das Benzin gemischt werden kann.
      Wer ist eigentlich auf die hirnrissige Idee gekommen,
      Pflanzen zu verheizen.(Biosprit)

      Guggt mal,urgrüne.
      http://www.youtube.com/watch?v=vd1nh0eL4S8

      Mfg

    4. Unwichtig schrieb am 3. März 2011 at 20:55 - Permalink

      Zu diesem Thema ist auch das hier interessant:

      es geht um die geplante Obsoleszenz, die geplante Produktunbrauchbarkeit. Eine gewaltige Rohstoffsenke, auch so etwas führt zu den genannten Rohstoffbeschaffungszwängen.

      • Unwichtig schrieb am 3. März 2011 at 20:57 - Permalink

        Der Link sollte anders aussehen :(

      • Bonsaibäumchen schrieb am 3. März 2011 at 21:18 - Permalink

        Diese Geschäftspraktik erschliesst sich einem gesunden Menschenverstand recht schnell. Und es ist ja auch im Sinne des Geschäfts absolut logisch.
        Traurig das man es zu sowas überhaupt kommen lässt.

        • Unwichtig schrieb am 4. März 2011 at 07:55 - Permalink

          Sicher erschließt sich sowas schnell – und hier ist eines der Standardargumente für den Kapitalismus ad absurdum geführt:

          “(Nur) der Kapitalismus führt dazu, dass bessere Produkte entwickelt werden, denn nur so bleibt man wettbewerbsfähig.”

          Der Satz ist übrigens richtig – man vergisst nur die Angabe, in welcher Metrik man “besser” misst: das ist im Kapitalismus offensichtlich der erreichte Gewinn, nicht etwa Ressourceneffizienz o.Ä.

    5. condorito schrieb am 3. März 2011 at 21:22 - Permalink

      Ein sehr vielschichtiges Thema.
      Zunächst mal halte ich den aktuellen Preisboom für Rohstoffe für nachhaltig. Hier ist eine gute Seite, von der man sich zu längerfristigen Preiskurven durchklicken kann: http://www.finanzen.net/rohstoffe/rohstoffe_realtime.asp . Die Basis der Länder, die Industriegüter und/oder Dienstleistungen exportieren, wird immer breiter. Unter diesen Ländern finden wir nicht nur Indien oder China sondern auch viele weitere ostasiatische Länder, Türkei, Brasilien und Mexiko. Viele wissen nicht, dass sich die Exportstruktur Mexikos hat sich seit den 80ern komplett gedreht. Die bestand noch zu Beginn der 80er zu 80% aus Rohstoffen (v.a. Erdöl). Heute bestehen die mexikanischen Exporte zu 80% aus Industriegütern. Dadurch verbessern sich die Terms of Trade der Rohstoffexporteure. Übrigens sagt das nicht nur dieser economic hitman sondern auch weissgarnix (http://www.weissgarnix.de/2011/02/28/importpreise-118/)
      Rohstoffexporteur bedeutet nicht automatisch arm und unterdrückt. Chile konnte durch eine rohstoffbasierte offene Außenwirtschaftspolitik ziemliche Erzfolge erzielen. Zur Zeit siehts wirklich so aus, als könnte in 5 Jahren in Sachen BIP/Einwohner Portugal überholt werden. Gestützt auch durch die verbesserten Terms of Trade. Für eine Tonne Kupfer muss zur Zeit 10.000 Dollar bezahlt werden. Ende der 90er waren es noch 3000 Dollar. Eben auch dank des dramatischen Aufstiegs in Ostasien. China ist heute der wichtigste Handelspartner Chiles. Daneben gibts halt noch Wein, Früchte/Gemüse (Äpfel/Avokados), Holz und der sich in den nächsten Jahren nach einer selbstverursachten ökologischen Katastrophe wieder stark erholende Lachs-Zucht in Chiloe/Puerto Montt mit hoffentlich nachhaltigeren Ausgreifen nach Mittel-Patagonien (fingers crossed). Wenn die hohen Gewinne aus den Rohstoffexporten zum Aufbau einer kompetitiven Binnenwirtschaft, Infrastruktur, besseren Schulen und dem Ausbau des Sozialsystems genutzt wird, tuts das. Schliesslich gibts mit Australien ein Beispiel für einen echt okayen Rohstoff-Exporteur. Zur Zeit führt die sehr positive Handelsbilanz zu dem Problem, dass die Regierung meint, den Aufwertungsdruck auf den Peso massiv sterilisieren zu müssen. Zum anderen konterkariert die Finanzierung über Kupfer-Erträge einen sicher wünschenswerten Druck auf ein progressiveres Steuersystem.

      Ähnliches gilt für Argentinien und Uruguay mit ihrer mehr auf Agrargüter basierte Wirtschaftspolitik. Argentinien hat letztlich Erfolge mit Export-Steuern auf Landwirtschaftsexporte erzielt. Das Ding mit den Nahrungsmitteln wird schwierig, wenn der Preisantrieb dazu führt, dass Lebensmittel für die Ärmsten einfach zu teuer werden. Aktuell sieht es so aus. Allerdings sollte dafür nicht die Steuern auf Rohstoffexporte verantwortlich gemacht werden. Auch “dank” der nachfragebedingten Verdrängung von pflanzlicher menschlicher Nahrung durch Viehfutter (Soja). Für mich gibts heute klare Argumente für eine mehr pflanzliche Ernährungsform. Ist sowieso gesünder. Ich persönlich lass Fleisch immer häufiger bewußt weg.

      Die weltweit führenden Rohstoff-Konzerne sind australisch, britisch, brasilianisch und in Sachen Öl auch US-amerikanisch. Die afrikanischen Staaten können den Wettbewerb um Rohstoffe auch für ihre eigene Entwicklung nutzen.

      Eine sehr gute und unterhaltsame Webseite für Rohstoffe und Lateinamerika ist das hier: http://www.incakolanews.blogspot.com/

    6. Gern schrieb am 3. März 2011 at 21:46 - Permalink

      Gibt es die EU-Rohstoffinitiative irgendwo einsehbar?

    7. Mischi schrieb am 3. März 2011 at 21:49 - Permalink

      Ich denke, jeder in diesem Land würde diesen Aktivisten zustimmen. Wenn es aber darum geht selber Einschnitte in Kauf zu nehmen, um deren Situation zu verbessern, hört die Solidarität bei vielen schlagartig auf. Vielmehr wird versucht, diese Probleme von sich fernzuhalten. Allein schon das Desinteresse an EU-Politik hierzulande ist bezeichnend.
      Die Wenigsten wissen wie sehr globale Konzerne von der undurchsichtigen Politik profitieren und das EU-System zu ihren Gunsten einzusetzen wissen.
      Das Problem ist aber offensichtlich. Die Menschen in den Industrienationen sind einfach schwerhörig und die Menschen in den Entwicklungsländern nicht laut genug.

      Noch eine Frage an den Spiegelfechter: Ist dies ein eigenständiger Bericht oder nur ein kurzer Promo-Clip für eine längere Reportage? Auf der verlinkten Seite konnte ich zumindest nichts genaueres finden. Wäre schön, wenn es da noch mehr zu gäbe.

      Zu der Thematik internationale Märkte und Rohstoffe kann ich aber auch die Dokus “We Feed the World” und “Let’s Make Money” von Erwin Wagenhofer sehr empfehlen.

      • Ko-Mike schrieb am 4. März 2011 at 00:13 - Permalink

        Allein schon das Desinteresse an EU-Politik hierzulande ist bezeichnend.

        Ich denke, es fehlt der Draht zur EU-Politik. Die EU-Bürger können doch gar nicht wirklich mitbestimmen. Warum kann ich für das EU-Parlament nicht wählen? Warum existiert die EU-Politik ohne wirklichen Bezug zu den unterschiedlichen (!) Gesellschaften der EU und deren sozialen Verhältnissen? etc.
        Gewollt???

        • Shitop schrieb am 5. März 2011 at 20:41 - Permalink

          Warum kann ich für das EU-Parlament nicht wählen?

          Gute Frage, ich kann. Vielleicht hast Du’s übersehen. Das Parlament wird gewählt, nur die Kommission wird bestimmt.

          • Ko-Mike schrieb am 5. März 2011 at 23:39 - Permalink

            1. http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4isches_Parlament#Sitzverteilung_nach_L.C3.A4ndern
            2. Wählst du z.B. für Italien!?

            Beides zusammen ist für mich nicht unbedingt das, was ich mir unter “eine Wahl haben” vorstelle – darauf wollte ich hinaus (hatte mich wohl nicht eindeutig ausgedrückt, sorry).

            • Shitop schrieb am 6. März 2011 at 11:54 - Permalink

              Ich stimme Dir insoweit zu, als die Wahl, die man bei einer Wahl hat, auch in Deutschland nicht wirklich eine Wahlmöglichkeit bietet. Die Wahl zum Europaparlament ist da nicht grundsätzlich schlechter von der Struktur her. Ein deutsches Problem besteht darin, dass für das Europaparlament vielfach Politiker aufgestellt werden, die in Deutschland zuvor aus dem Verkehr gezogen wurden.

    8. noLo schrieb am 3. März 2011 at 23:41 - Permalink

      Wann werden die letzten Quellen von nicht-erneuerbaren, nicht-recyclebaren Rohstoffen versiegt sein? Und kann man ohne diese Stoffe Computer bauen oder zum Mars fliegen?

    9. Koriander schrieb am 4. März 2011 at 01:16 - Permalink

      Danke sehr Jens für dieses wichtige Thema!
      Wäre großartig, wenn Du öfters mal “Entwicklungsthemen” bringst.

      Weitere Themen in diesem Kontext sind z.B.
      - die EU-Agrarsubventionen, die etwa in Westafrika lokale Märkte zerstören
      (sehr plakativ die exportierten Hähnchenschenkel; hierzu etwa http://www.fian.de)
      - Die zunehmenden Auswüchse von Landgrabbing (Pacht/ Kauf von Land in großem Stil durch Konzerne, Länder, häufig für Agrotreibstoffe)
      - Genauso aktuell (“leider” ohne Guttenburg…) Bestrebungen, die dt. Bundeswehr “Rohstoffwege” absichern zu lassen (Jens, mach bitte einen Artikel draus!)
      - Ganz allgemein bilaterale Handelsabkommen zwischen Industrie- und armen Ländern (Z.b. EPA) – natürlich sichern sich auch hier die reichen Länder alle möglichen Vorteile.

    10. Ko-Mike schrieb am 4. März 2011 at 01:27 - Permalink

      Du. Ja, du vor deinem Bildschirm und der klappernden Tastatur. Mit diesen vielen Rohstoffen drin. Du möchtest vielleicht gleich einen Kommentar schreiben. Vielleicht über Ausbeutung in Afrika? Oder Kriege um Rohstoffe? Über Handelsabkommen? Neoliberalismus? Wie die EU mitmischt in diesem häßlichen Pokerspiel? Und wie beschissen doch das kapitalistische System ist?
      Aber Moment!
      Bevor du schreibst…
      Stell dir vor, ein Kind, ein kleiner Winzling liegt draußen vor deiner Haustür. Ja, ein kleiner Winzling. Vor deiner Tür! Eingepackt in einem dicken Knäuel aus Decken – es gibt ja noch Frost um diese Jahreszeit. In diese Welt geboren. Heute früh am Morgen. Bei Sonnenaufgang.
      Und nun schaut der Winzling dich fragend an.
      Erklär ihm doch all die seltsamen Dingen, die Erwachsene machen.
      Versuch es ruhig…
      Na!? Und?
      Lächelst du?

      • noname schrieb am 4. März 2011 at 02:38 - Permalink

        Nein.

      • Netti schrieb am 4. März 2011 at 23:31 - Permalink

        Was gibts da zu lächeln?
        Das ist zum Heulen.
        Wenn ich z.B. an die Winzlinge denke, die fragend geguckt haben, bevor sie an profitoptimiertem Milchpulver gestorben sind. Oder in Mamis Tragetuch von einer Landmine zefetzt wurden. Oder verhungert sind. Oder von einem ISAF-Piloten versehentlich weggebombt wurden.
        Na!? Und?
        Lächelst du noch?
        Dann solltest Du mal die Dosis Deiner Drogen / Psychopharmaka checken!

        • Ko-Mike schrieb am 5. März 2011 at 06:27 - Permalink

          Das ist von mir eine Suggestiv-Frage, deren Antwort nur sein kann – und muss (ich zitiere dich jetzt mal dafür, weil deine Antwort es am besten trifft):

          Was gibts da zu lächeln?
          Das ist zum Heulen.

          Ich wollte darauf aufmerksam machen, dass wir unsere Taten irgendwann erklären müssen, wir sind die Schuldigen – vor allem gegenüber den Kindern, der nächsten Generation. Denn ich glaube nicht, dass es damit getan ist, wenn wir den Neoliberalismus, die Politik, den Kapitalismus etc…. kurz: jegliches ausbeuterische System allein dafür verantwortlich machen – wie es häufig hier getan wird. Denn in den Kommentaren wird scheinbar oft allzu schnell vergessen, dass wir über Menschen, über Leben sprechen – und eben nicht über eine beschissene Ideologie und ein beschissenes System etc. Wir alle haben dafür Verantwortung zu tragen. Ich bin es leid, den endlosen Debatten über raffgierige Wirtschaft und Politik zu folgen. Wer nur redet, tut nichts.
          Das Ziel sollte sein, die Welt so zu gestalten, dass wir den Winzlingen aufrichtig und mit Freude zulächeln können (und nicht unter Einfluss von Drogen oder einer Geisteskrankheit etc.)! Und zu dieser Gestaltung sollte (und muss) jeder dazu beitragen, der sich dem menschlichen Leben versprochen hat. Dieses Versprechen haben wir mit unserer Geburt gegeben!

      • Axel schrieb am 7. März 2011 at 12:03 - Permalink

        Vom Winzling zum Erwachsenen macht der Mensch nunmal eine Wandlung durch, die nicht nur erziehungsbedingt ist.

        Kleine Tiger sind das drolligste der Welt. Aber wehe sie sind einige Wochen älter.

        Außerdem sind die Winzlinge nunmal die Erwachsenen von Morgen. So schlimm es sich anhört, aber der Winzling der vor Dir liegt, kann ein Humanist werden oder ….. !

        Als Kinder sind die Winzlinge zunächst oft grausam. Es heißt doch, nichts ist grausamer als Kinder. Nie erlebt wie Außenseiter gehänselt werden?

        Erziehung? Erziehungswissenschaft? Ein Philosophieprofessor meinte mal in einem Kolloquium dazu,: wenn mans denn lehren könnte.
        Nein, das hat man nicht wirklich im Griff. Man kann sich nur bemühen.

        • Ko-Mike schrieb am 7. März 2011 at 19:01 - Permalink

          @Axel

          Es ging mir hier nicht um Erziehung der Kinder oder das Erwachsenwerden (wobei das auch u.a. eine Rolle spielt). Es ging mir darum, welche Welt die Winzlinge vorfinden, und: Was können wir tun, damit diese nicht allzu grausam ist?

          Nein, das hat man nicht wirklich im Griff. Man kann sich nur bemühen.

          (Deine Aussage hat zwar einen anderen Kontext, passt aber trotzdem – sie ist beinahe allgemeingültig.)

    11. Leserin schrieb am 4. März 2011 at 08:10 - Permalink

      @condorito

      Das BIP/Einwohner sagt gar nichts über die wirklichen Verhältnisse in einem Land.
      Chile ist immer noch eines der Länder mit der größen sozialen Ungleichheit weltweit (da hat sich in den letzten Jahren nicht viel geändert), siehe http://www.giga-hamburg.de/dl/download.php?d=/content/publikationen/pdf/gf_lateinamerika_0705.pdf

      Die afrikanischen Staaten im übrigen können den Wettbewerb um Rohstoffe für gar nix nutzen, sie haben nämlich keine Macht.

      Das ist ja das eigentliche Problem: Wer das Geld hat, hat die Macht. Wer die Macht hat, hat die Rohstoffe. Da konkurriert die EU (für die europäischen Konzerne, das Wort Volkswirtschaften ist nur noch ein Euphemismus) mit den USA, Indien und China, alle anderen haben fein stille zu sein und die Brosamen zu essen.

      Es ist sicher richtig, dass das eine Land mehr, das andere Land weniger vom Kuchen bekommt, aber wovon hängt das ab? Doch nicht vom Wert des Rohstoffs. Oder glaubt irgendwer, der Irak sei nicht wegen des Öls, sondern Saddams wegen bekriegt worden?

      Wenn die Krümel dann verteilt werden, ist es sicher ein Unterschied, ob die Regierung allein ist oder auch etwas für ihr Land und seine Menschen tut, aber genau das soll ja nun egal sein, wenn Europa nur seine Rohstoffe bekommt.

      • Leserin schrieb am 4. März 2011 at 08:11 - Permalink

        die Regierung allein isst, natürlich

      • condorito schrieb am 4. März 2011 at 09:48 - Permalink

        Das BIP/Einwohner sagt gar nichts über die wirklichen Verhältnisse in einem Land.

        Höchstens für Neid-Linke. BIP/Einwohner Kaufkraft Parität beschreibt den Wert der in einem Land PRODUZIERTEN Güter und Dienstleistungen. Und um konsumieren zu können, muss man zunächst einmal PRODUZIEREN. Dieser Schritt wird von Linken gerne vergessen.
        In Chile gibts sicher große Einkommensunterschiede. Gemessen in GINI nahe 50. Das ist sicher viel zu hoch, nur hat sich dieser Wert seit dem Ende der Diktatur nicht verändert. Und zwischen 1990 und heute hat sich das BIP verdreifacht. Rein rechnerisch haben die Armen damit heute 3 x so viele Güter zur Verfügung. Tatsächlich hat sich – trotz aller Probleme – eben genau auch eine Menge verbessert, insbesondere im heute stark subventionierten Wohnungsbau, in der Infrastruktur und auch den Schulen.
        Und im übrigen besteht eine Gesellschaft nicht nur aus Armen, sondern insbesondere auch einer wachsenden wirklichen Mittelschicht. Alles Dinge, die ich angesichts einer engen Verbundenheit seit 1997 SELBST ERLEBT habe.

        Deine Argumentation ist einer Beteiligung an öffentlichen Diskussionen nicht würdig. Sorry. Sprüche wie “Wer das Geld hat, hat die Macht” helfen nun wirklich nicht weiter. Die Rohstoffpreise sind aktuell einfach sehr hoch. Und davon profitieren zu einem großen Teil halt auch die Regierungen, in deren Gebiet sich die Minen befinden. Durch höhere Abgaben und ähnliches. Nur bleibt das Geld in Afrika halt im engeren Machtzirkel. Ganz ähnlich wie übrigens die Milliarden, die die SED vor dem endgültigen Zusammenbruch beseite geschafft hat, aber das nur am Rande.
        Unter den großen Mining Konzernen wirst du kaum europäische finden. Dort dominieren australische, brasilianische, britische (ok: ist halbeuropäisch) und immer mehr chinesische.

        Europas Rohstoffnachfrage sinkt eher als sie steigt. Auch dank von effektiven Recycling Kreisläufen. China importiert mittlerweile mehr von dem Zeug. Wir generieren 50% unseres Kupfers aus Recycling. Und dank der hohen Preise werden nun ja mit bolivianischen Geld Minen in Ost-Deutschland eröffnet.

        • Leserin schrieb am 6. März 2011 at 12:24 - Permalink

          Höchstens für Neid-Linke. BIP/Einwohner Kaufkraft Parität beschreibt den Wert der in einem Land PRODUZIERTEN Güter und Dienstleistungen. Und um konsumieren zu können, muss man zunächst einmal PRODUZIEREN. Dieser Schritt wird von Linken gerne vergessen.

          Ich habe immer gedacht, das fällt alles vom Himmel und mich gewundert, warum ich nichts hatte.

          Aber im Ernst: Wenn ich weiß, wieviel in einem Land produziert wird und wieviel das in diesem Land wert ist, weiß ich Ihrer Meinung nach auch, wie gut es den Leuten dort geht? Und wenn ich das anzweifle, bin ich erstens links und zweitens neidisch? Haben Sie auch Argumente?

          In Chile gibts sicher große Einkommensunterschiede. Gemessen in GINI nahe 50. Das ist sicher viel zu hoch, nur hat sich dieser Wert seit dem Ende der Diktatur nicht verändert.

          Im Jahr 2000 war der GINI-Koeffizient in Chile nahe 60, nämlich 57,1, wobei GINI allein ja auch nicht viel aussagt, aber das scheinen Sie ja zu wissen. Nur wenn er sich seit Ende der Diktatur nicht verändert hat und es jetzt eine

          “wachsende wirkliche Mittelschicht gibt”

          , mögen den Armen zwar rein rechnerisch 3x so viele Güter zur Verfügung stehen (wobei ich wirklich sehr gern wüsste, wie Sie das rechnen), in der Praxis aber, wenn man den GINI verstanden hat, weiß man auch, dass, wenn er tatsächlich unverändert geblieben sein sollte und die Mittelschicht tatsächlich gewachsen ist, die Armen im Verhältnis ärmer geworden sein müssen und irgendwer anders sehr viel reicher. Oder die Armen müssten sehr sehr viel reicher geworden sein und irgendwer anders sehr sehr viel ärmer.

          Was natürlich nicht ausschließt, dass es subventionierten Wohnungsbau gibt, der aber offensichtlich auch nicht dazu beitragen konnte, die Ungleichheit in Chile signifikant zu verbessern.

          Die Rohstoffpreise sind aktuell einfach sehr hoch.

          Ja, die bösen Rohstoffpreise aber auch, warum machen die denn das? Treffen sich da Kupfer- und Seltene-Erde-Preise mit den Eisenerz-Preisen, feiern ein bisschen und beschließen dann, mal ein bisschen hoch zu sein?

          Und davon profitieren zu einem großen Teil halt auch die Regierungen, in deren Gebiet sich die Minen befinden.

          Ach so. Und wer bekommt den größten Teil? Bestimmt die Produzierenden. Nicht? Dann werden es wohl die Minenbesitzer sein. Ohne die geht es ja ganz und gar nicht, bzw. ohne deren in Kapital verwandeltes Geld. Alles sehr gerecht.

          Nur bleibt das Geld in Afrika halt im engeren Machtzirkel.

          Na sowas aber auch. Ist Ihnen, aber nicht nur Ihnen, anscheinend egal.

          Europas Rohstoffnachfrage sinkt eher als sie steigt. Auch dank von effektiven Recycling Kreisläufen.

          Und was hat das zu sagen? Auf Null wird die Rohstoffnachfrage Europas wohl nicht so bald sinken. Die eine oder andere Ressource ist aber auf dem Weg dahin. Die hohen Rohstoffpreise sind ja nicht nur der Spekulation geschuldet, sondern teilweise auch der Knappheit.

          Und offenbar will die EU den Rohstoffmangel nicht bekämpfen, indem Spekulation bekämpft wird.

          • condorito schrieb am 7. März 2011 at 11:41 - Permalink

            Aber im Ernst: Wenn ich weiß, wieviel in einem Land produziert wird und wieviel das in diesem Land wert ist, weiß ich Ihrer Meinung nach auch, wie gut es den Leuten dort geht? Und wenn ich das anzweifle, bin ich erstens links und zweitens neidisch? Haben Sie auch Argumente?

            Ein Land hat 1990 eine sehr ungleiche Einkommensverteilung.
            Einem Land gelingt es, 2010 3mal so viel zu produzieren wie 1990.
            Die ungleiche Einkommensverteilung verbessert sich nicht, verschlechtert sich aber auch nicht. Damit haben auch die Einkommen 3x so viel Mittel zur Verfügung. In Chile haben heute Verkäuferinnen ihr eigenes Auto, es gibt praktisch keine Slums mehr und und und.
            Zu glauben, dass ein sehr robustes und recht hohes Wachstum das Leben der Armen nicht erleichtert ist genauso naiv wie der Glaube, dass Wachstum automatisch zu den Armen heruntertrickled. Die Wahrheit liegt zwischen diesen Extremen. Tatsächlich wird das nach wie vor sehr lückenhafte Sozialsystem insbesondere in den letzten 5 Jahren ausgebaut. Übrigens auch unter der aktuellen Pinera-Regierung.

            enn man den GINI verstanden hat, weiß man auch, dass, wenn er tatsächlich unverändert geblieben sein sollte und die Mittelschicht tatsächlich gewachsen ist, die Armen im Verhältnis ärmer geworden sein müssen und irgendwer anders sehr viel reicher. Oder die Armen müssten sehr sehr viel reicher geworden sein und irgendwer anders sehr sehr viel ärmer.

            OK. Ich versuchs mal ein bischen weniger abstrakt:
            Deine Nachbarin hat 5 Barbie Puppen und du aber nur eine. Nach 20 Jahren gibts eine 3 mal so hohe Gesamtproduktion.
            Du hast dann 3 Barbie-Puppen und die reiche Nachbarin 15 Barbie-Puppen. Wachstum kann Armutsprobleme auch lindern, wenn die gesamte Einkommensverteilung sehr ungerecht bleibt.
            Nach wie vor weniger als deine Nachbarin, aber immerhin ist da eine Barbie, eine Freundinn von Barbie und ein Pferd drin. In weiteren 5 Jahren dann auch ein Ken. Das heißt deine Lage hätte sich klar gebessert.

            Ja, die bösen Rohstoffpreise aber auch, warum machen die denn das? Treffen sich da Kupfer- und Seltene-Erde-Preise mit den Eisenerz-Preisen, feiern ein bisschen und beschließen dann, mal ein bisschen hoch zu sein?

            Nein. Dank der sehr großen Nachfrage aus China erziehlt Kupfer halt höhere Preise. Neue Minen aufzumachen ist ein zeitaufwendiger Prozess. Und Rohstoffe sind halt auch endlich. Der chilenische Staat erzielt aber bei den sehr hohen Preisen äußerst signifikante windfall profits.

            Ach so. Und wer bekommt den größten Teil? Bestimmt die Produzierenden. Nicht? Dann werden es wohl die Minenbesitzer sein. Ohne die geht es ja ganz und gar nicht, bzw. ohne deren in Kapital verwandeltes Geld. Alles sehr gerecht.

            40% des chilenischen Kupfers wird vom Staatsunternehmen CODELCO gefördert und vertrieben. 30% gehen an chilenische Minenkonzerne. 30% an ausländische. Die Löhne der Minenarbeiter sind in den letzten 10 Jahren stark überdurchschnittlich gestiegen. Ausserdem nimmt der Staat mehr Geld durch Abgaben der Minenbetreiber ein.

            Und was hat das zu sagen? Auf Null wird die Rohstoffnachfrage Europas wohl nicht so bald sinken. Die eine oder andere Ressource ist aber auf dem Weg dahin. Die hohen Rohstoffpreise sind ja nicht nur der Spekulation geschuldet, sondern teilweise auch der Knappheit.

            China verbraucht heute pro BIP mehr Rohstoffe als Europa. Und insbesondere in Deutschland wird mehr Geld in ressourcensparende Produktionsverfahren investiert.

            • Leserin schrieb am 7. März 2011 at 18:29 - Permalink

              Sorry, mit Barbie-Puppen kenne ich mich nicht aus. Dafür habe ich begriffen, dass es für Sie in Ordnung ist, wie die Dinge in Chile liegen. Ich sehe das anders.

              Was China verbraucht, ist mir egal, da es hier um Europas Rohstoffpolitik geht. Sicher ist es schön, wenn hier Ressourcen gespart werden, dennoch bleiben die fragwürdigen Beschaffungsmethoden.

      • noLo schrieb am 4. März 2011 at 15:07 - Permalink

        Oder glaubt irgendwer, der Irak sei nicht wegen des Öls, sondern Saddams wegen bekriegt worden?

        Ich darf das ehemals aufm Spiegelfechter empfohlene Buch CRASHKURS von Dirk Müller zitieren:

        Im Jahr 2000 erklärte er (Saddam Hussein), für das irakische Öl nur noch Euro statt US-Dollar zu akzeptieren. Des Weiteren wechselte er einen Großteil seiner US-Dollar-Reserven in Euro um. Damit war sein Schicksal besiegelt.

        Und was glauben sie warum der Iran im Fokus ist? Er will auch vom US-Dollar weg, hin zu Euro und Yen, hat bisher aber nur auf Rial umgestellt, soweit ich weiß.
        China will sich auch immer mehr vom USD lösen.
        Ich frage mich, ob die Börsen ausreichend gegen Manipulationen geschützt sind, sonst könnten irgendwelche Kurse vorgegaukelt werden.
        Leute kauft n bissel Silber, damit ihr über die Runden kommt, wenn alles zusammen bricht.

    12. chriwi schrieb am 4. März 2011 at 08:53 - Permalink

      Das ist ja leider nichts neues. Die USA betreiben diese Politik wahrscheinlich noch länger. Immer wenn ein Entwicklungsland Ressourcen verstaatlichte, um eine Verbesserung der Lebensqualität der Menschen und eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen, wurde eingegriffen.

    13. Barbara schrieb am 4. März 2011 at 08:53 - Permalink

      Ja, danke Jens Berger!
      Das ist ein wichtiges Thema.

    14. na sowas schrieb am 4. März 2011 at 10:30 - Permalink

      ¿Rohstoffinitiative‽

      Unter dem Titel “aktive Rohstoffdiplomatie” sollen die verschiedenen Bereiche der EU-Außenpolitik wie Außenbeziehungen, Handel, Entwicklung, Sicherheit usw. koordiniert werden, um den “diskriminierungsfreien Zugang” [sic!] zu Rohstoffen zu sichern…usw. …u.s.f.
      Zum einen versucht die EU, von Entwicklungsländern die Zustimmung zu einem Verbot bzw. einer Eindämmung von Ausfuhrbeschränkungen auf Rohstoffe zu erwirken.
      [Vgl. weed-online.org]

      …
      Zynischerweise hat man keine Skrupel aus diesen Rohstoffen hergestellte Produkte z.b. als Müll wieder nach Afrika zu exportieren, sozusagen die umgekehrte Variante von “aktiver Rohstoffdiplomatie” unter dem Titel “Hidden Flow”
      …
      a detto
      Africa's Plight : Foreign Toxic Waste von neteraset9

    15. Dogu schrieb am 9. März 2011 at 14:22 - Permalink

      Ich bedanke mich bei dir. Denn au dem Planeten gibt es immer Rohstof krisen. Und ich höre mir gerne solche an und hoffe, dass es auch Lösungen dafür gibts.


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