Sinnfreies Politgezwitscher
geschrieben am 08. Mai 2009 von Spiegelfechter
Wenn Politiker twittern, so kommt dabei oft nur Banales und Peinliches zum Vorschein. Wer braucht so was?
?TSG is coming home. Gelandet!? ? wer kennt sie nicht, die kryptischen Kurznachrichten, mit denen man seinen Mitmenschen in maximal 140 Zeichen die wichtigen und unwichtigen Dinge des Lebens mitteilen will. TSG ist Thorsten Schäfer-Gümbel und die kryptische Kurznachricht ist keine SMS an seine Lebensgefährtin, sondern ein sogenannter Tweet an seine Fan-Gemeinde im Internetdienst Twitter. Schäfer-Gümbel ist der zweiterfolgreichste twitternde Politiker der Bundesrepublik. 2.785 ?Follower? werden mehrfach am Tag informiert, was der SPD-Politiker so treibt und was ihn bewegt. Sonderlich spannend und informativ ist das allerdings nicht ? Banalitäten wie ?Treffe gerade ganz viele liebe Menschen? oder ?Meine Tochter war mal wieder puenktlich um sechs wach. Kaffee!? mögen zwar authentisch wirken, aber wer will so etwas eigentlich wissen? Kaum jemand ? laut Zahlen des Marktforschungsinstitutes Nielsen kehren 60% der Twitter-Nutzer bereits einen Monat nach ihrer Anmeldung nicht mehr zurück. Neben diesen Karteileichen besteht ein Großteil der nominellen Gümbel-Leserschaft vor allem aus jüngeren Parteifreunden, die ganz besoffen vor Freude sind, wenn ?die da oben? ihr Lieblingsmedium nutzen. Wie viele potentielle Wähler unter dem Strich von den 2.785 ?Lesern? überbleiben, ist nicht messbar ? es drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass Schäfer-Gümbel bei jeder Wahlkampfveranstaltung im Altenheim mehr Wähler erreicht, als über seinen viel gelobten Twitter-Kanal.
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Dennoch ist twitter ein nettes Medium um z.B. Aufrufe zu Peditionen zu verbreiten, jaja die Internetausdrucker, da kann man nur den Kopf schütteln.
Manchmal, zu später Stunde in der Nacht, haben die Internetausdrucker auch noch die Begabung sich zu vertwittern/verplappern.
Siehe hier:
http://zwischenzeit.de/blog/2009/04/10/hsh-nordbank-selbstzweifel-eines-abgeordneten/
Imo ist das Konzept Twitter in den Augen der Politker eher weniger auf Grund des direkten Kontaks zum Wähler interessant, als wegen der Multiplikatorfunktion.
Deine Abneigung gegenüber Twitter hast du ja nun schon öfters zum Ausdruck gebracht. ;-)
@Hein
Abneigung ist falsch – ich sehe in Twitter aber eher eine Chat-Plattform und nicht die Killer-Applikation des Web 2.0, als die es immer wieder dargestellt wird. Aber das liegt wohl auch an meinem Alter und meiner Art – als alter Schwafelkopp kann ich mich nun einmal nicht in 140 Zeichen ausdrücken und ich bevorzuge auch das Telefonat gegenüber der SMS ;-)
Aber wenn´s den Shakern und Movern Spaß macht … laissez faire ;-)
Schön noch einen Menschen zu treffen, der wie ich auch den persönlichen Kontakt bevorzugt.
@Spiegelfechter
Hm, naja als “Killer-Applikation des Web 2.0″ würde ich Twitter auch nicht sehen. Man sollte halt in der Lage sein Relevantes von Unrelevantem zu trennen, bzw. wissen wozu man Twitter nutzt. Ich persönlich nutze Twitter für mich als ein kleines Tagebuch, um Highlights meines Tages festzuhalten. Nebenbei ist es auch beim Tatort-Gucken ganz interessant die Tweets von anderen Leuten zu lesen. Da macht die 140 Zeichen-Beschränkung auch Sinn. :)
Und bezüglich der Politik: Auch da kommt es wieder aufs Filtern an. Es ist natürlich uninteressant, ob Schäfer-Gümbel ein Wurst- oder Käsebrot isst, aber wenn man bei Volker Beck auf Wahlkampfveranstaltungen hingewiesen wird, oder interessante Links findet, dann hat es für mich schon einen gewissen Mehrwert.
So so, authentisch also, wo doch schon vor der Hessenwahl bekannt wurde, dass
das TSG von seiner PR-Agentur twittern ließ.
http://www.spuer-sinn.net/blog3/zwischenruf-11-alles-luge/
Unter authentisch stelle ich mir was anderes vor.
@all
habe ich aktuell bei ftd online gefunden und wollte es der gemeinde nicht vor enthalten.
@misterL
gibt´s auch (ohne Klickorige) bei der SZ und der taz ;-)
Guter Text – ich stimme ihm fast 100% zu!
Felix Salmon der die 10 Punkte zusammengertragen hat bezieht sich auf die Econ Blogger in Deutschland und nicht auf die Blogger im Allgemeinem.
http://www.blicklog.com/2009/04/23/us-blogger-streiten-ber-qualitt-deutscher-wirtschaftsblogs/