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  • Pol Pot und die Wissenschaften

    geschrieben am 09. März 2011 von Spiegelfechter

    ein Gastbeitrag von Christoph Jehle

    Nach der Machtübernahme durch die Roten Khmer unter der Führung von Pol Pot (aka Saloth Sar) im Jahr 1975 kam in Kambodscha ein beachtlicher Teil des Bildungsbürgertums zu Tode. Teilweise geschah dies aufgrund der Strapazen bei der Umsiedlung auf’s Land, teilweise wurden ihre Vertreter systematisch verfolgt und ermordet. Eine Spurensuche.

    Nach der Regierungsübernahme im Jahre 1975 ließ Pol Pot die Stadtbevölkerung zur Arbeit auf das Land vertreiben. Ein Hintergrund dieser Entwicklung war offensichtlich eine massive Aversion gegen die kambodschanische gebildete Mittelschicht. Um zu verstehen, wie sich aus dieser feindseligen Grundstimmung der Tod von bis zu 3 Millionen Einwohnern entwickelte, soll hier die Vorgeschichte von Pol Pot und seinen Gefährten im Vorfeld der Regierungsübernahme in Kambodscha dargestellt werden. Wer nun davon ausgeht, dass es sich hier um eine Geschichte aus dem südostasiatischen Dschungel handelt, übersieht den kulturellen Einfluss Frankreichs auf Indochina (Kambodscha war seit 1863 französisches Protektorat.) und die offensichtlich prägende Studentenzeit von Saloth Sar und seinen Kommilitonen im Paris der 1940/50er-Jahre. Es waren in Europa entstandene Ideen, die in Kambodscha umgesetzt wurden.

    Saloth Sar (ausgesprochen wie: Soloth Sor) wurde am 19. Mai 1925 in Prek Sbauv einem kleinen Fischerdorf am Sen, einem Zufluss des Tonle Sap im Nordosten Kambodschas geboren. Der Tonle Sap zählt zum Flussregime des Mekong und ist über die Region hinaus dadurch bekannt, dass sich dort je nach Wasserführung des Mekong, die Fließrichtung ändert. Die Familie Saloth zählte offensichtlich zur vergleichsweise begüterten dörflichen Mittelschicht und verfügte über gute Kontakte zum Königshaus in Phnom Pen. Sein Bruder Saloth Chhay war als Journalist am Königshof bekannt und zwei seiner Schwestern sollen dort verkehrt haben. Ob als Tänzerinnen am Hof oder als Konkubinen ist nicht eindeutig belegt. Mit sechs Jahren kam Saloth Sar in die Hauptstadt zu einem seiner Brüder, der im königlichen Palast beschäftigt war. Seine schulische Bildung begann im benachbarten buddhistischen Kloster. Nacheinander besuchte er in der Folge mehrere französisch-sprachige Schulen und ein katholisches Gymnasium.

    Im Jahre 1946 soll er dem anti-französischen Widerstand der verbotenen Indochinese Communist Party beigetreten sein, die 1930 von Ho Chi Minh in Kowloon (Hong Kong) gegründet worden war. Ab 1947 durfte Saloth Sar auf das elitäre Gymnasium „Lycée Sisowath“, das auch Kinder des Königshauses besuchten. Er war aber auch dort wohl nicht sehr erfolgreich. Von keiner Schule ist ein Abschluss bekannt.

    Dennoch erhielt er im Jahre 1949 ein Stipendium der Regierung, um in Paris Radiotechnik zu studieren. Auch hier wiederum ohne Abschluss begeisterte er sich offensichtlich für marxistische und sozialistische Literatur und fand Kontakt zu anderen kambodschanischen Studenten wie Ieng Sary, Khieu Samphan, Khieu Ponnary und Song Sen, die als Pariser Studentengruppe später die Führung der Roten Khmer (Khmer Rouge) übernahmen. In seiner Pariser Zeit war Saloth Sar wohl auch Mitglied der französischen KP (KPF) und engagierte sich dafür, den Verband der Khmer-Studenten zu einer links-nationalistischen Organisation zu entwickeln, welche die Regierung unter Sihanouk herausforderte.

    Auch in Paris hatte Saloth Sar keinen akademischen Abschluss erreicht. Zu den aus dieser Zeit aus seiner Hand überlieferten Texten zählt die in der Studentenzeitschrift „Khmer Nisut“ veröffentlichte Abhandlung “Monarchie oder Demokratie“, in welcher er ausführt, dass die Monarchie nur eine widerwärtige Pustel sei, die vom Blut und Schweiß der ländlichen Bevölkerung lebe. Nur die Nationalversammlung und demokratische Rechte könne dem kambodschanischen Volk etwas Luft zu Atmen verschaffen.

    Im Jahre 1951 hatten die USA einen Entwicklungshilfe-Vertrag mit Kambodscha abgeschlossen, das zu diesem Zeitpunkt ein nominell unabhängiger Staat innerhalb der Union de France war. Sihanouk der erst 1953 mit der vollständigen Unabhängigkeit des Landes aus dem Exil zurückgekehrt war, erklärte 1955 die Neutralität Kambodschas im Vietnamkrieg, duldete aber die Anwesenheit kommunistischer Gruppen auf kambodschanischem Staatsgebiet. Er kündigte im November 1963 den USAID-Vertrag und brach offensichtlich im Jahre 1965 die Beziehungen zu den USA ab, weil er sein Land aus den Wirren des Vietnamkriegs heraus halten wollte. Im Laufe der 1960er-Jahre wuchs die politische Opposition in der Mittelklasse und aus dem Kreis der linken Gruppen wie der Kommunistischen Partei unter Führung der Pariser Studenten Son Sen, Ieng Sary und Saloth Sar. Dieser fand während seiner Pariser Zeit offensichtlich Gefallen an der französischen Literatur und an den Büchern von Karl Marx. Ieng Sary (*1930) hatte wie Saloth Sar das Elite-Gymnasium „Lycée Sisowath“ in Phnom Penh besucht, bevor er sein Studium am Institut d’Etudes Politiques in Paris begann. Khieu Samphan (*1931) studierte Wirtschaft und Politologie in Paris und schrieb 1959 seine Dissertation mit dem Titel „Kambodschas Wirtschaft und seine industrielle Entwicklung“. Er wurde an der Pariser Universität ebenso erfolgreich promoviert wie Hou Yuon (*1930), der Wirtschaft und Jura studierte und eine Dissertation unter dem Titel „Die kambodschanische Landbevölkerung und ihre Aussichten für eine Modernisierung“ schrieb. Son Sen (*1930) studierte Erziehungswissenschaften und Literatur. Hu Nim (*1932) studierte Jura und schloss sein Studium im Jahre1965 erfolgreich in Phnom Penh ab.

    Die Mitglieder der Pariser Gruppe zählten zur damaligen kambodschanischen Elite und studierten mit Stipendien der Regierung in Paris. Rückblickend gesehen zählte die Gruppe der Pariser Studenten zur wohl best gebildeten Führungsgruppe asiatischer kommunistischer Parteien und es schien manchem rätselhaft, dass sie nach 1975 eine der blutigsten gesellschaftlichen Umwälzungen in Asien begannen.

    Inspiriert wurden die Studenten offensichtlich von den politischen Diskussionen im Paris der unmittelbaren Nachkriegszeit. Sie orientierten sich zusehends an den Ideen des Marxismus-Leninismus und Saloth Sar sowie Ieng Sary schlossen sich schon bald der Kommunistischen Partei Frankreichs an. Von beiden wird berichtet, dass sie 1951 an einem Jugendfestival in Ostberlin teilnahmen und, dass dies sich als Wendepunkt ihrer ideologischen Entwicklung herauskristallisierte. In Berlin trafen sie offensichtlich andere Kambodschaner, die gemeinsam mit dem Viet Minh kämpften. Den Besuchern aus Paris schien diese Situation zu unterwürfig gegenüber den Vietnamesen und so kamen sie zur Überzeugung, dass die Revolution in Kambodscha nur mit einer streng disziplinierten Parteiorganisation und der Bereitschaft zum militärischen Kampf gelingen konnte.

    Im Jahre 1952 sandten Saloth Sar, Hou Yuon, Ieng Sary und andere einen offenen Brief an Prinz Sihanouk und bezeichneten ihn als „Würger der jungen Demokratie“. Als Konsequenz dieser Entwicklung schlossen die französischen Behörden die KSA im folgenden Jahr. Als Antwort auf das Verbot durch die französischen Behörden beteiligten sich Hou Yuon und Khieu Samphan 1956 an der Gründung der marxistisch ausgerichteten Kambodschanischen Studenten Union. In den 1950er-Jahren wurden in Paris ganz offensichtlich die Grundlagen für die spätere Entwicklung in Kambodscha gelegt. Zu den wichtigsten Grundlagen der späteren Politik der Roten Khmer zählten offensichtlich die erwähnten Dissertationen von Hou Yuon und Khieu Samphan. In seiner Dissertation hatte Hou Yon die Vorstellung, dass Verstädterung und Industrialisierung Voraussetzungen für die Entwicklung eines Landes seien, in Frage gestellt und den Bauern auf dem Land größere Bedeutung beigemessen. Khieu Samphan betonte, dass die Wirtschaft Kambodschas sich selbständig und unabhängig von den Industriestaaten entwickeln müsse. Er sah die Rückständigkeit der Dritten Welt in der wirtschaftlichen Dominanz der Industriestaaten begründet. Interessanterweise gab es in den Industriestaaten noch bis in die 1970er-Jahre die Vorstellung, dass die Länder Südostasien grundsätzlich nicht entwicklungsfähig seien.

    Für Saloth Sar, der bislang weniger durch wissenschaftliche Leistungen, als durch sein politisches Engagement in Erscheinung trat ging die Studentenzeit in Paris im Jahre 1953 zu Ende, als sein Stipendium beendet wurde. Er ging zurück nach Kambodscha und arbeitete für die Kampuchean People’s Revolutionary Party (KPRP). Seinen Lebensunterhalt verdiente er in dieser Zeit als Lehrer für Geschichte und Geografie an einer Privatschule. Er soll bei seinen Schülern beliebt gewesen sein. Es fällt auf, dass Saloth Sar, der in diesen Jahren den Namen Pol Pot angenommen haben muss, bei Menschen die direkt mit ihm zu tun hatten, meist als freundlich und gesellig beschrieben wird. Im Jahre 1960 waren wohl alle Mitlieder der Pariser Studentengruppe nach Kambodscha zurückgekehrt und sie übernahmen die Führung der KPRP und gaben ihr den Namen „Arbeiterpartei von Kampuchea“. Pol Pot, der zuvor schon Mitglied des Zentralkomitees war, wurde 1963 zum Generalsekretär der Arbeiterpartei gewählt, nachdem sein Vorgänger auf mysteriöse Weise verschwunden war. Im Sommer des Jahres verließ die meisten Mitglieder des Zentralkomitees die Hauptstadt und gründeten im Nordosten des Landes, an der Grenze zu Vietnam, das „Büro 100“. Von dort aus reiste Pol Pot 1965 auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad nach Hanoi zu Verhandlungen mit den Nordvietnamesen, die ihn drängten, seine nationale Agenda zurückzustellen, bis die USA Vietnam verlassen hätten. Wesentlich freundlicher wurde er im Folgejahr in China empfangen. Dort hatte kurz zuvor die Kulturrevolution begonnen und die Idee der dauernden Revolution schien auch Pol Pot zu inspirieren, der sich in der Folge von Vietnam löste und mehr nach China hin orientierte. Äußeres Zeichen dieser Veränderung war der erneute Namenswechsel der Partei, die sich nun „Kampuchean Communist Party“ (KCP) nannte. In der Öffentlichkeit wurde sie als Khmer Rouge bekannt.

    Ein weiteres Element, das Pol Pot und seine Politik offensichtlich prägte, war die Zeit, die er 1967 auf der Rückreise aus Nordvietnam bei einem Bergstamm im Nordosten Kambodschas verbrachte. Er war beeindruckt von ihrer einfachsten Lebensweise, die für ihn die Verkörperung der kommunistischen Ideale darstellte.Unter dem Druck der USA änderte Sihanouk seine Politik im Jahre 1969 und gab die Duldung der Kommunisten auf. Nachdem Henry Kissinger im gleichen Jahr Nixon’s Sicherheitsberater wurde, überredete er den Präsidenten, den Krieg in Vietnam auf Kambodscha und Laos auszudehnen. In der Folge wurde das vietnamesisch-kambodschanische Grenzgebiet mit B-52-Bombern angegriffen. Allein in Kambodscha kamen bei diesen Bombardierungen etwa 600.000 Menschen zu Tode.

    Dennoch erklärte Nixon in einem Brief an Sihanouk, dass er die Neutralität Kambodschas weiterhin schätze, sorgte jedoch schon im folgenden Jahr dafür, dass General Lon Nol gegen Sihanouk putschte. Im Oktober 1971 ließ Lon Nol die Nationalversammlung mit der Begründung auflösen, er wolle das Spiel der Demokratie nicht weiter verfolgen. In der Folge der Unterstützung des Lon-Nol-Regimes durch die USA erhielten die Khmer Rouge unter Pol Pot, wie sich Saloth Sar inzwischen nannte, starken Zulauf aus der Bevölkerung. Diese rekrutierten sich einerseits aus der Anhängern von Prinz Sihanouk, andererseits aus der Landbevölkerung, die Opfer der amerikanischen B-52er-Bombardements wurde. Im Jahre 1987 veröffentlichte US-amerikanische Dokumente stützen wohl diesen Zusammenhang.

    In Kambodscha dominierten die Pariser Studenten zusehends über die von Nord-Vietnam ausgebildeten Kräfte. 1974 war der Einflussbereich Lon Nols weitgehend auf Städte wie Phnom Penh reduziert. Am 17. April 1975, fünf Tage nach dem Abzug der US-Amerikaner ergab sich die kambodschanische Hauptstadt den anrückenden Gruppen der Khmer Rouge.

    Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Rothen Khmer wurde Geld ebenso verboten wie Märkte. Schulen, Universitäten und die buddhistischen Klöster wurden geschlossen. Es gab keine Zeitungen und kein Postsystem mehr. Von den etwas über sieben Millionen Einwohnern Kambodschas im Jahre 1975 kamen je nach Schätzung bis zu 3 Millionen während der Herrschaft der Khmer Rouge ums Leben. Viele Kinder und alte Menschen fielen den Strapazen der Evakuierungsmärsche zum Opfer. Lehrer und Intellektuelle wurden ermordet, da sie für die neue Gesellschaft des Demokratischen Kambodscha offensichtlich nicht benötigt wurden.

    Christoph Jehle

    Christoph Jehle schreibt über Themen aus den Bereichen Energie und Industrie und befasst sich seit vielen Jahren mit Themen der interkulturellen Kommunikation mit dem Schwerpunkt Südost- und Ostasien.

    45 Kommentare Print This Post
    ein Gastbeitrag von Christoph Jehle Nach der Machtübernahme durch die Roten Khmer unter der Führung von Pol Pot (aka Saloth Sar) im Jahr 1975 kam in Kambodscha ein beachtlicher Teil des Bildungsbürgertums zu Tode. Teilweise geschah dies aufgrund der Strapazen bei der Umsiedlung auf’s Land, teilweise wurden ihre Vertreter systematisch verfolgt und ermordet. Eine Spurensuche. Nach ...
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    45 Kommentare:

    1. Torsten schrieb am 9. März 2011 at 11:59 - Permalink

      Interessanter Artikel, aber mir scheint am Ende dennoch die anfangs aufgeworfene Frage unerklärt, woher denn nun die Aversion der selbst bestens gebildeten und ausgebildeten Führung der Roten Khmer gegen die gebildete Mittelschicht des Landes kam.

      • SwENSkE schrieb am 9. März 2011 at 13:51 - Permalink

        Ja, die Antwort habe ich auch nicht gefunden, obwohl sie mich interessiert hätte.

        • Leser1 schrieb am 11. März 2011 at 17:17 - Permalink

          “… Für diese Revoluzzer, die die französische Geheimpolizei als Spinner abtat und ungestört ließ waren Industralisierung und moderne Zivilisation Krankheiten, die den Charakter eines Volkes verdürben. Ihrer Ansicht nach waren alle ihre Landsleute die zivilisiert lebten bereits unrettbar verloren. Kambodscha meinten sie könne sich nur auf Basis eines Kommunismus erneuern in dem die unterpriviligten Schichten der Bevölkerung … zu Machthabern erhoben würden. Die Landwirtschaft solle der Hauptaspekt aller Wirtschaft sein, dazu kämen lediglich einige traditionelle Handwerke. Das Volk sei in großen militärisch organisierten Produktionseinheiten zusammenzufassen, die den Bedarf an Lebensmitteln deckten. Ihnen sollte auch die “Umerziehung” der von der Zivilisation geschädigten Städter obliegen, wobei jene aus diesem “neuen Volk” die sich anpaßten Überlebenschancen beständen. Der Rest sollte als “unwert” so schnell wie möglich beseitigt werden.
          Im Grunde lief das auf eine Rückführung der Gesellschaft auf mittelalterliche Dorfgemeinschaft hinaus. Alles was zu den Errungenschaften der Zivilisation zählte … sollte vernichtet werden, samt seiner Nutznießer. ….
          …
          Das Tribunal (Anm. im Jahre 1979) stellte fest die Angkar (Anm. Eigenbezeichnung der Rhoten Khmer) hatte während ihrer Herrschaft etwa 40 Prozent der Einheimischen Bevölkerung ausgerottet. Darunter wahren 90 Prozent der Bürger moslemischen Glaubens (Cham), gleichfalls 90 Prozent aller Künstler, 80 Prozent der Lehrer, sowie 576 der 645 im Lande praktizierenden Ärzte …
          Harry Thürk , Der Reis und das Blut, Brandenburgisches Verlagshaus, ISBN 3-327-00996-1

          Dieses Zitat nur zur Verdeutlichung der Dimension um das es hier geht. Danke für den ausgezeichneten Artikel!

      • Elbarto schrieb am 9. März 2011 at 15:24 - Permalink

        Vermutlich hat er sie einfach als Bedrohung für sein Regime gesehen. Außerdem passten sie ja nicht in die geplante und durchgeführte Umstrukturierung der Gesellschaft.

        • Blixten schrieb am 9. März 2011 at 16:05 - Permalink

          Dem widerspricht, zumindest nach meinem Verständnis, eine Passage im Absatz mit dem 3. Foto:

          Zu den wichtigsten Grundlagen der späteren Politik der Roten Khmer zählten offensichtlich die erwähnten Dissertationen von Hou Yuon und Khieu Samphan. In seiner Dissertation hatte Hou Yon die Vorstellung, dass Verstädterung und Industrialisierung Voraussetzungen für die Entwicklung eines Landes seien, in Frage gestellt und den Bauern auf dem Land größere Bedeutung beigemessen. Khieu Samphan betonte, dass die Wirtschaft Kambodschas sich selbständig und unabhängig von den Industriestaaten entwickeln müsse. Er sah die Rückständigkeit der Dritten Welt in der wirtschaftlichen Dominanz der Industriestaaten begründet.

          Die Ideen hatte es in der Gruppe der Pariser Studenten demnach schon lange vor dem Regime gegeben. Der Einfluss der ciniesischen Kulturrevolution wird später auch noch erwähnt.

          P.s.: Ich finde Texte wie diesen hier im Blog auch klasse.

      • Nemo schrieb am 9. März 2011 at 18:48 - Permalink

        In der Tat, interessanter Text. Was ich nicht verstehe, ist das Gesamkonzept der Roten Khmer. Auf irgendwas müssen mit ihrer Politik doch abgezielt haben. War der massenweise Tod an sich das Ziel? Oder “nur” Begleiterscheinung einer Politik, die über Leichen zu gehen bereit war?

    2. Mikadozappler schrieb am 9. März 2011 at 12:41 - Permalink

      Passendes Buch zu der gescheiterten Umsetzung des erzwungenen Kommunismus “Der weite Weg der Hoffnung”. Ansonsten interessanter Artikel, zeigt er doch das die Revolution fast immer im kleinen, von einer intellektuellen Gruppe ausgeht.

      • Nemo schrieb am 9. März 2011 at 18:41 - Permalink

        Ein paar Verrückte gibt es immer- auch bei (Semi)Akadeikern. Die Frage ist, warum sie einmal an die Macht kommen, das andre Mal nicht.

    3. Paul Scharf schrieb am 9. März 2011 at 12:56 - Permalink

      DANKE! Ich wär sehr erfreut in Zukunft mehr davon zu lesen, Oder hat Christoph Jehle einen eigenen Blog?

    4. Paul Scharf schrieb am 9. März 2011 at 12:56 - Permalink

      DANKE! Ich wär sehr erfreut in Zukunft mehr davon zu lesen, Oder hat Christoph Jehle einen eigenen Blog?

    5. Systemfrager schrieb am 9. März 2011 at 13:07 - Permalink

      War dies Teil 1?
      Wann kommt dann Teil 2?

      • SwENSkE schrieb am 9. März 2011 at 13:52 - Permalink

        Ja, ich habe mich auch gefragt, wo denn der Rest ist. Bricht irgendwie etwas unvermittelt ab :D.

    6. Sepp Aigner schrieb am 9. März 2011 at 13:44 - Permalink

      In CathrinKas Vietnam-Blog gibt es unter dem Stichwort Kambodscha etliche sehr interessante Einträge, die Einblick in die Natur des Pol-Pot-Regimes geben; z. B. den:

      http://cathrinka.blog.de/2009/05/25/mysterium-organisation-angka-laengerer-ausflug-juengere-kambodschanische-geschichte-6175885/

      Das Frappierende an diesen Monstern ist m. E. nicht, dass sie in ihrer Jugend von der französischen büergerlichen Kultur und vom Marxismus beeinflusst waren, sondern wie das in die Adaption einer extrem nationalistischen, sogar rassistischen, Ideologie umschlagen konnte. Die Rolle des Buddhismus bzw. der feudalen buddhistischen Grundherren ist dabei auch interessant.

      • Granado schrieb am 10. März 2011 at 17:15 - Permalink

        Granado schrieb am 9. März 2011 at 14:57
        Your comment is awaiting moderation.

        Wieso immer noch?

    7. Serious Sam schrieb am 9. März 2011 at 14:04 - Permalink

      Ein interessanter aber etwas ‘unrunder’ Artikel, kommt da noch was? Ich war über Sylvester in Vietnam und Kambodscha. Zur Vorbereitung hatte ich auch ‘Der Tod im Reisfeld’ gelesen. Eine empfehlenswerte Lektüre, nicht nur für Reisende in die Region.

      Pol Pots prägende Auslandsaufenthalte, die Entwicklung der Roten Khmer, ihre Greueltaten, und schließlich deren Sturz durch das kommunistische Vietnam werden im Kontext der Kriege in Indochina ganz ausgezeichnet erzählt.

    8. chapultepec schrieb am 9. März 2011 at 14:23 - Permalink

      “…In der Folge wurde das vietnamesisch-kambodschanische Grenzgebiet mit B-52-Bombern angegriffen. Allein in Kambodscha kamen bei diesen Bombardierungen etwa 600.000 Menschen zu Tode…“

      Bombs over Cambodia
      by Taylor Owen and Ben Kiernan,
      The Walrus (Canada), Oct. 2006, pp. 62-69
      http://www.yale.edu/cgp/Walrus_CambodiaBombing_OCT06.pdf

      QUELLE: Yale Genocide Project
      http://www.yale.edu/cgp/resources.html

      „…To put 2,756,941 tons into perspective, the Allies dropped just over 2 million tons of bombs during all of World War II (including the bombs that struck Hiroshima and Nagasaki). Cambodia may be the most heavily bombed country in history. The motives that lead locals to help insurgencies do not fit into strategic rationales. Those whose lives have been ruined don’t care about geopolitics; they tend to blame the attackers…”

      Fläche Deutschland: 357.111,91 km²
      Fläche Kambodscha: 181.040 km² (-> 50% der Fläche D)

      “…The still-incomplete database (it has several “dark” periods) reveals that from October 4, 1965, to August 15, 1973, the United States dropped far more ordnance on Cambodia than was previously believed: 2,756,941 tons’ worth, dropped in 230,516 sorties on 113,716 sites. Just over 10 percent of this bombing was indiscriminate, with 3,580 of the sites listed as having “unknown” targets and another 8,238 sites having no target listed at all. The database also shows that the bombing began four years earlier than is widely believed — not under Nixon, but under Lyndon Johnson.

      ***The impact of this bombing, the subject of much debate for the past three decades, is now clearer than ever. Civilian casualties in Cambodia drove an enraged populace into the arms of an insurgency that had enjoyed relatively little support until the bombing began***

      , setting in motion the expansion of the Vietnam War deeper into Cambodia, a coup d’état in 1970, the rapid rise of the Khmer Rouge, and ultimately the Cambodian genocide…“

    9. Thomas R. schrieb am 9. März 2011 at 16:16 - Permalink

      Es ist offensichtlich so, dass die Idealvorstellungen und Feindbilder von Diktaturen in der Realität weit von dem abweichen, was die Führerfigur auf den ersten Blick nahe legen würde.

      Pol Pot war, wie es scheint, erstaunlich gebildet und bürgerlich für den Hass seines Regimes auf das Bildungsbürgertum.

      Und Hitler hätte kaum weniger arisch sein können.

      • gebintit schrieb am 9. März 2011 at 21:24 - Permalink

        Wie Jehle schreibt, blieb Pol Pot (bzw. Saloth Sar) auf seinem Bildungsweg wiederholt ohne Abschluss. Man könnte ihn somit als Bildungsversager bezeichnen. Vielleicht ist das auch eine Erklärung für die gnadenlosen Verfolgung der Intellektuellen unter seinem Regime.
        Und vielleicht ist das sogar eine Parallele zu Hitler. Dieser fiel bekanntlich durch das zweite Auswahlverfahren für die Kunstakademie in Wien.
        Wenn solche narzisstisch veranlagten Egomanen der Konkurrenz unterliegen, was aus ihrer Sicht gar nicht sein kann, so kann sie die Schmach möglicherweise auf üble Rache-Gedanken bringen. Die Ausschaltung von Konkurrenz als Motiv für Brutalität. Für mich plausibel.

        • Mir schrieb am 10. März 2011 at 03:33 - Permalink

          Bei Pol Pot kann man soetwas spekulieren, er kann auch einfach kein Interesse an den Abschlüssen gehabt haben und wollte nur etwas lernen oder in ein bestimmtes Umfeld.
          Offensichtlich brauchte er sie ja auch nicht, wenn er trotzdem Lehrer wurde.
          Aber Hitler ? Pardon, bei ihm fand ja wohl eher eine beidseitige Umarmung mit dem Bürgertum statt.
          Man könnte maximal vermuten, dass soetwas ähnliches mit der Arisierung der Kunst und seinem Judenhass zu tun hatte – armer Arier findet keine Anerkennung, weil die Kunst entartet ist und weil er seiner Ansicht nach daran scheitert, rächt er sich – ein Zusammenhang, den er selbst vermutlich nie so herstellen würde, er hatte sicher einen viel hübscher klingenden Grund dafür.

          Ich denke aber eher, dass es etwas mit der theoretischen Beschäftigung mit Völkern, Wirtschaft u.Ä. zu tun hat, da theoretische Lösungen praktischer Probleme die erstmal total hübsch klingen eben in der Praxis recht…dämlich, abgehoben und eben auch brutal sein können.
          Dieser oder jener verdient halt (im Extremfall) den Tot, meint X,weil abstrakte Gruppe Y ,der dieser per Definition von X angehört, abstrakter Gruppe Z jenes angetan hat.
          Die Definitionen hat er aus einzelnen persönlichen Erfahrungen oder schlimmer noch, aus Büchern.

    10. chapultepec schrieb am 9. März 2011 at 17:41 - Permalink

      “…Diese rekrutierten sich einerseits aus der Anhängern von Prinz Sihanouk, andererseits aus der Landbevölkerung, die Opfer der amerikanischen B-52er-Bombardements wurde. Im Jahre 1987 veröffentlichte US-amerikanische Dokumente stützen wohl diesen Zusammenhang…”

      Bombs over Cambodia
      by Taylor Owen and Ben Kiernan,
      The Walrus (Canada), Oct. 2006, pp. 62-69
      http://www.yale.edu/cgp/Walrus_CambodiaBombing_OCT06.pdf

      “…After telling Kissinger that the US Air Force was being unimaginative, Nixon demanded more bombing, deeper into the country: “They have got to go in there and I mean really go in … I want everything that can fly to go in there and crack the hell out of them. There is no limitation on mileage and there is no limitation on budget. Is that clear? ”

      (…)

      Five minutes after his conversation with Nixon ended, Kissinger called General Alexander Haig to relay the new orders from the president: “He wants a massive bombing campaign in Cambodia. He doesn’t want to hear anything. It’s an order, it’s to be done. Anything that flies, on anything that moves. You got that? ” The response from Haig, barely audible on tape, sounds like laughter…”

      „…Years after the war ended, journalist Bruce Palling asked Chhit Do, a former Khmer Rouge officer, if his forces had used the bombing as anti-American propaganda. Chhit replied:

      Every time after there had been bombing, they would take the people to see the craters, to see how big and deep the craters were, to see how the earth had been gouged out and scorched …. The ordinary people sometimes literally shit in their pants when the big bombs and shells came. Their minds just froze up and they would wander around mute for three or four days. Terrified and half crazy, the people were ready to believe what they were told. It was because of their dissatisfaction with the bombing that they kept on co-operating with the Khmer Rouge, joining up with the Khmer Rouge, sending their children off to go with them …. Sometimes the bombs fell and hit little children, and their fathers would be all for the Khmer Rouge…”

    11. chapultepec schrieb am 9. März 2011 at 18:03 - Permalink

      “…Um zu verstehen, wie sich aus dieser feindseligen Grundstimmung der Tod von bis zu 3 Millionen Einwohnern entwickelte…”

      Bombs over Cambodia
      by Taylor Owen and Ben Kiernan,
      The Walrus (Canada), Oct. 2006, pp. 62-69
      http://www.yale.edu/cgp/Walrus_CambodiaBombing_OCT06.pdf

      “…The Nixon administration kept the air war secret for so long that debate over its impact came far too late. It wasn’t until 1973 that Congress, angered by the destruction the campaign had caused and the systematic deception that had masked it, legislated a halt to the bombing of Cambodia. By then, the damage was already done. Having grown to more than two hundred thousand troops and militia forces by 1973, the Khmer Rouge captured Phnom Penh two years later. They went on to subject Cambodia to a Maoist agrarian revolution and a genocide in which 1.7 million people perished…“

    12. chapultepec schrieb am 9. März 2011 at 18:12 - Permalink

      “…Henry A. Kissinger erhielt am 20. Mai 1998 während eines feierlichen, weltweit beachteten Festaktes die höchste Auszeichnung, die Fürth zu vergeben hat. Die Stadt Fürth würdigte mit dem Ehrenbürgerrecht sein politisches Lebenswerk, das ihn zu einer der herausragendsten Persönlichkeiten dieses Jahrhunderts gemacht hat…”
      http://www.fuerth.de/home/tourismus/stadtportrait/persoenlichkeiten/Henry-Kissinger-Persoenlichkeiten.aspx

      • Benjamin schrieb am 9. März 2011 at 20:44 - Permalink

        Knallst du einen ab -> Mörder
        Knallst du 1 Mio ab -> Feldherr

    13. aeroween schrieb am 9. März 2011 at 18:23 - Permalink

      Was hatte Nixon zu gewinnen? Wo war sein geopolitisches Interesse an dem Land? Rohstoffe? Fehlanzeige. Und dann mehr Bombenkapazität als im II. Weltkrieg? Völliger Irrsinn!
      Ein Beitrag, der die Biographie von Pol Pot gut illustriert. Ich bin für solche Artikel immer dankbar. Danke, Herr Jehle.

      • Nemo schrieb am 9. März 2011 at 18:36 - Permalink

        Durch Kambodscha lief die Hauptnachschublinie aus Nordvietnam für die Vietcong.

      • JensJ schrieb am 14. März 2011 at 15:24 - Permalink

        “Was hatte Nixon zu gewinnen? Wo war sein geopolitisches Interesse an dem Land? Rohstoffe? Fehlanzeige. Und dann mehr Bombenkapazität als im II. Weltkrieg? Völliger Irrsinn!”

        dabei ging es wohl weniger darum, etwas zu gewinnen – sondern viel mehr darum, nicht noch mehr zu verlieren

        siehe auch unter “Domino-Theorie”:

        http://de.wikipedia.org/wiki/Domino-Theorie

        ansonsten, sehr guter Beitrag!
        auch wenn für diejenigen, die diese Zeit miterlebt und das Geschehen verfolgt haben, nicht alles grundsätzlich neu war
        aber es schadet ja nicht, sich zu erinnern…

        nun könnte ich mir einen zweiten Teil vorstellen, der die Unterstützung der Khmer Rouge durch die Allianz USA/China nach dem vietnamesischen Einmarsch noch etwas genauer beleuchtet (Nichtanerkennung der neuen Regierung, Khmer Rouge weiter als offizielle Vertreter Kambodschas in der UNO usw.)

        ich könnte mir vorstellen, daß diese Dinge für einige hier ziemlich neu sein dürften, da sie ja in der offiziellen Geschichtsschreibung heutzutage nicht mehr vorkommmen

        Jens

      • chapultepec schrieb am 14. März 2011 at 23:24 - Permalink

        “….nun könnte ich mir einen zweiten Teil vorstellen, der die Unterstützung der Khmer Rouge durch die Allianz USA/China nach dem vietnamesischen Einmarsch noch etwas genauer beleuchtet…”

        Ich würde mir auch sowas wünschen.

        Herr Jehle diese Quelle hier könnte für Sie hilfreich sein

        Humanitarian Imperialism: The New Doctrine of Imperial Right
        Noam Chomsky
        Monthly Review, September, 2008
        http://www.chomsky.info/articles/200809–.htm

        “…The second category of evidence consists of military intervention that had benign effects, whatever its motives: not quite humanitarian intervention, but at least partially approaching it. Here too there are illustrations. The most significant ones by far during the post–Second World War era are in the 1970s: India’s invasion of East Pakistan (now Bangladesh), ending a huge massacre; and Vietnam’s invasion of Cambodia in December 1978, driving out the Khmer Rouge just as their atrocities were peaking. But these two cases are excluded from the canon on principled grounds. The invasions were not carried out by the West, hence do not serve the cause of establishing the West’s right to use force in violation of the UN Charter. Even more decisively, both interventions were vigorously opposed by the “idealistic new world bent on ending inhumanity.” The United States sent an aircraft carrier to Indian waters to threaten the miscreants. Washington supported a Chinese invasion to punish Vietnam for the crime of ending Pol Pot’s atrocities, and along with Britain, immediately turned to diplomatic and military support for the Khmer Rouge.

        The State Department even explained to Congress why it was supporting both the remnants of the Pol Pot regime (Democratic Kampuchea) and the Indonesian aggressors who were engaged in crimes in East Timor that were comparable to Pol Pot’s. The reason for this remarkable decision was that the “continuity” of Democratic Kampuchea with the Khmer Rouge regime “unquestionably” makes it “more representative of the Cambodian people than the Fretilin [the East Timorese resistance] is of the Timorese people.” The explanation was not reported, and has been effaced from properly sanitized history…”

        und noch was. Hier ist was B. Kiernan zu Nixon schreibt

        “„…Thanks to the database, we now know that the US bombardment started three-and-a-half years earlier, in 1965, under the Johnson administration. What happened in 1969 was not the start of bombings in Cambodia but the escalation into carpet bombing. From 1965 to 1968, 2,565 sorties took place over Cambodia, with 214 tons of bombs dropped. These early strikes were likely tactical, designed to support the nearly two thousand secret ground incursions conducted by the cia and US Special Forces during that period. B-52s — longrange bombers capable of carrying very heavy loads — were not deployed, whether out of concern for Cambodian lives or the country’s neutrality, or because carpet bombing was believed to be of limited strategic value.

        Nixon decided on a different course, and beginning in 1969 the Air Force deployed B-52s over Cambodia. The new rationale for the bombings was that they would keep enemy forces at bay long enough to allow the United States to withdraw from Vietnam. Former US General Theodore Mataxis depicted the move as “a holding action …. The troika’s going down the road and the wolves are closing in, and so you throw them something off and let them chew it.” The result was that Cambodians essentially became cannon fodder to protect American lives…“

        Bombs over Cambodia
        by Taylor Owen and Ben Kiernan,
        The Walrus (Canada), Oct. 2006, pp. 62-69
        http://www.yale.edu/cgp/Walrus_CambodiaBombing_OCT06.pdf

        und zur Datenbank folgendes
        “…„…As a humanitarian gesture, Clinton released extensive Air Force data on all American bombings of Indochina between 1964 and 1975. Recorded using a groundbreaking ibm-designed system, the database provided extensive information on sorties conducted over Vietnam, Laos, and Cambodia.

        Clinton’s gift was intended to assist in the search for unexploded ordnance left behind during the carpet bombing of the region. Littering the countryside, often submerged under farmland, this ordnance remains a significant humanitarian concern. It has maimed and killed farmers, and rendered valuable land all but unusable. Development and demining organizations have put the Air Force data to good use over the past six years, but have done so without noting its full implications, which turn out to be staggering…“

    14. salvo schrieb am 9. März 2011 at 19:12 - Permalink

      wens interessiert

      hier finden sich ausgewählte Dokumente der Khmers rouges

      http://www.archive.org/details/SelectedDocumentsOfTheKhmerRouge

    15. salvo schrieb am 9. März 2011 at 20:41 - Permalink

      Es waren in Europa entstandene Ideen, die in Kambodscha umgesetzt wurden.

      ich glaube aber nicht, dass das Genozid auf die Bewußtseinsbildung in der Pariser Zeit zurückzuführen ist, zumindest nachdem ich ein Teil der oben verlinkten Dokumente gelesen habe, scheint es, als wäre diese Idee des Kleinbürgers als ‘Verräter’ erst zu der Zeit des bewaffneten Kampfes entstanden. Sie schreiben ja von einer ‘Erfahrung’ jener Zeit. Es ist auch interessant und zugleich erschreckend zu sehen, wie auch hier die Objektivierung von anderen Menschen nach abstrakten Kategorien die theoretische Grundlage für die Praxis des Genozids geliefert hat. Diese paranoide Einstellung ähnelt der der heutigen Islamkritiker.

    16. Schweigsam schrieb am 9. März 2011 at 21:10 - Permalink

      Ein interessanter Artikel.
      Für mich als ungebildeter in dieser Region wirft dieser Artikel viele neue Fragen auf.

      • gebintit schrieb am 9. März 2011 at 21:39 - Permalink

        Es lohnt sich auch heute noch, sich mit diesem Konflikt rückblickend zu beschäftigen. Das Buch “Tod im Reisfeld” von P. Scholl-Latour wurde schon von einem anderen Kommentator empfohlen. Man wird dann sehr viel vorsichtiger, im Rufen nach militärischen Interventionen, wie sie jetzt auch von manchem Linken und Grünen im Falle Libyens gefordert wird. Wer hätte z.B. die Entwicklung Vietnams damals vorhersehen können? Vietnam ist heute ein modernes und in der Praxis kapitalistisches Land. Westlicher als sich das Nixon und Kissinger je hätten erträumen können und das unter der Flagge des “Viet-Kong” (Nordvietnams). Und diese Leute hat die USA mit unvorstellbarem Terror bekämpft. Nicht nur ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sondern auch gegen den gesunden Menschenverstand!

    17. Schweigsam schrieb am 9. März 2011 at 22:13 - Permalink

      @gebintit

      Man wird dann sehr viel vorsichtiger, im Rufen nach militärischen Interventionen, wie sie jetzt auch von manchem Linken und Grünen im Falle Libyens gefordert wird.

      In Fall Libyen bin ich auch eher skeptisch ob man und wie man intervenieren soll.

      • Brixius schrieb am 9. März 2011 at 23:32 - Permalink

        Ein Appell dagegen

        Wer da wo unterstützt wird ist, sowas von nicht klar, dass ich es auch kritisch finde.
        Cohn Bendit dazu:
        Vor dreißig Jahren sei die Europäische Gemeinschaft nicht so zögerlich gewesen: “Als sich das polnische Volk erhob, hat niemand gefragt, ob Solidarnosc demokratisch gewählt wäre”, erinnerte Cohn-Bendit. “Wir haben sie anerkannt, wir haben geholfen und wir fordern, dass Sie nun diese Übergangsregierung anerkennen, weil sie die einzige Kraft ist, die Demokratie bringen kann.”

        Also ohne Abstimmung mit der vll bis dahin anerkannten Opposition schonmal gar nicht und dann auch geschlossen und nicht völkerrechtswidrig. Wie das genau aussieht weiß ich leider nicht.
        Verlogen ist es allemal, das die die den Diktator immer schön beliefert haben jetzt die großen Retter spielen. Das ist niedergeschossenen Demonstranten aber egal.
        Vll kommt ja dazu noch ein Artikel?

    18. Julia schrieb am 9. März 2011 at 23:05 - Permalink

      Lieber Aurtor, danke für deinen Beitrag zu einem sehr interessanten Thema.

      Undankbarerweise möchte ich allerdings bemerken, dass ich mich an den vielen Fehlern im Text, die oft verschwommen bleibenden Argumentationslinien und dem zu abrupten Schluss gestoßen habe.

      Bin selber keine Heldin der Rechtschreibung und ich find’s total gut, dass Menschen wie du Blogs mit Beiträgen füllen. Der Anspruch daran kann und soll ja auch unterschiedlich sein.

      Aber das hier ist der “Spiegelfechter” und da ist der Leser und die Leserin halt an saubere Arbeit gewöhnt. Genau das genieße ich hier so – Kompliment an Jens, dass er Themen, Argumente und Sprache auf hohem Niveau zu verknüpfen weiß. Ein echtes Vergnügen für mich.

      Trotzdem, guter Beitrag und einmal mehr drüber lesen vorm Posten könnte schon viel bringen.

      P.S. Sorry, bin vielleicht etwas überempfindlich heute

    19. gebintit schrieb am 9. März 2011 at 23:52 - Permalink

      Vll kommt ja dazu noch ein Artikel?

      Der Konflikt in Libyen wäre jedenfalls etwas aktueller als Pol Pot in Kambotscha ;-). Die Lage in Libyen ist halt ziemlich unübersichtlich. Wofür Solidarnosc stand, war relativ klar, bei der bunten Anti-Gaddafi-Gruppe mit ihrer sehr provisorisch wirkenden Übergangsregierung ist das nicht so klar. Keiner weiß, was am Ende heraus kommt.

      • Schweigsam schrieb am 10. März 2011 at 02:09 - Permalink

        Keiner weiß, was am Ende heraus kommt.

        Für mich stellt sich ein ganz anderes Problem ein. Denn der Westen hat seine Glaubwürdigkeit schon öfters verspielt. Und unsere Regierungen interessieren sich vielmehr für wirtschaftliche Interessen als für die Menschenrechte (siehe Guantanamo, Irak). Und deshalb haben wir, ich sag mal kein moralisches “Mandat” da einzugreifen. Wir machen uns mit eine Intervention wieder einmal Unglaubwürdig bei den Menschen dieser Region. Und das alles ohne UN-Mandat wäre doch Fatal. Oder sehe ich das Falsch?

        • Carsten Penkella (Guttenzwerg) schrieb am 11. März 2011 at 01:10 - Permalink

          Warum eilen die Ägypter ihren libyschen Brüdern nicht zur Hilfe? Die haben doch die stärkste Armee in der Gegend.

    20. Teja552 schrieb am 10. März 2011 at 14:40 - Permalink

      Sehr interessanter Beitrag, wobei es zum Ende hin ruhig etwas mehr hätte sein können.
      Traurig genug wenn man weiß wie viele Menschen den Pol Pot-Regime zum Opfer gefallen sind.

      • Culatello schrieb am 10. März 2011 at 16:56 - Permalink

        Traurig genug wenn man weiß wie viele Menschen den Pol Pot-Regime zum Opfer gefallen sind.

        …und traurig auch, wenn man liest, wie viele Menschen dem US-Bombardement zum Opfer gefallen sind (was mir bisher nicht bekannt war).

        • Teja552 schrieb am 10. März 2011 at 18:34 - Permalink

          das stimmt, ich kannte die Zahlen vorher auch nicht!

          Naja US-Bombardements würden schon wieder einen neuen Beitrag füllen können.

    21. Christoph Jehle schrieb am 10. März 2011 at 18:14 - Permalink

      Es wird einen weiteren Artikel zur Gruppe der Pariser Studenten und den Khmer Rouge geben. Wann der kommen wird, hängt auch davon ab, wie erfolgreich die Recherchen nach den beiden im Text erwähnten Dissertationen aus der Pariser Zeit verläuft. Die Zeit nach der Machtübernahme 1975 ist schon ausführlich dokumentiert und ich beabsichtige nicht, mit Opferzahlen zu jonglieren.

      • chapultepec schrieb am 11. März 2011 at 18:20 - Permalink

        @Spiegelfechter

        Wann kommt ein Artikel über die (vom Westen [aka: int. Weltgemeinschaft] kräftig unterstützten) und zur selben Zeit erfolgten Verbrechen in Ost Timor (immerhin wurde in diesem Zeitraum [1975-1978] fast ein drittel der Bevölkerung massakriert)? So hätte man ein Beitrag über die Verbrechen der Anderen und ein anderer über Unsere Verbrechen. Das nenne ich Ausgewogenheit!

        “…By 1978 it was approaching really genocidal levels. The church and other sources estimated about two hundred thousand people killed.

        The U.S. backed it all the way. The U.S. provided ninety percent of the arms. Right after the invasion arms shipments were stepped up. When the Indonesians actually began to run out of arms in 1978, the Carter administration moved in and increased arms sales. Other western countries did the same. Canada, England, Holland, everybody who could make a buck was in there trying to make sure they could kill more Timorese.

        There is no Western concern for issues of aggression, atrocities, human rights abuses and so on if there’s a profit to be made from them. Nothing could show it more clearly than this case…” [engl. Quelle: s. unten]

        Rainer Werning hat die dt. Unterstützung f. Suharto hier erwähnt
        http://www.freitag.de/2005/40/05401001.php

        “…Verantwortlich für diese “repressiven Maßnahmen” war wie gesagt Generalmajor Suharto, Kommandeur der Eliteeinheit KOSTRAD, der strategischen Reservetruppen des Heeres. Ihm zur Seite stand auch der Bundesnachrichtendienst (BND), der die indonesischen Militärs mit Logistik und Waffen unterstützte. Über Bundeswehr und Bundesgrenzschutz gab es für die fernen Freunde Hilfestellung in Form von Ausbildungskursen für Offiziere an der Bundeswehrakademie Hamburg-Blankenese sowie ein Spezialtraining bei der Elitetruppe GSG 9 in Hangelar bei Bonn. Der damalige BND-Chef Reinhard Gehlen schrieb nach Suhartos Militärputsch: “Der Erfolg der indonesischen Armee, die (…) die Ausschaltung der gesamten kommunistischen Partei mit Konsequenz und Härte verfolgte, kann nach meiner Überzeugung in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.”…”

        ****

        “…It wasn’t that nobody had ever heard of East Timor; crucial to remember that there was plenty of coverage in The New York Times and elsewhere before the invasion.

        (…)

        As the atrocities reached their maximum peak in 1978 when it really was becoming genocidal, coverage dropped to zero in the United States and Canada, the two countries I’ve looked at closely. Literally dropped to zero.

        All this was going on at exactly the same time as the great protest of outrage over Cambodia. The level of atrocities was comparable-in relative terms it was probably considerably higher in Timor.

        It turns out that right in Cambodia in the preceding years, 1973-1975, there was also a comparable atrocity for which we were responsible…”

        “…The major U.S. attack against Cambodia started with the bombings of the early 1970s. They reached a peak in 1973 and continued up to 1975. They were directed against inner Cambodia. Very little is known about them because the media wanted it to be secret. They knew it was going on they just didn’t want to know what was happening. The CIA estimates about six hundred thousand killed during that five-year period which is mostly either U.S. bombing or a U.S.-sponsored war. So that’s pretty significant killing. Also the conditions in which it left Cambodia were such that high U.S. officials predicted that about a million people would die in the aftermath just from hunger and disease because of the wreckage of the country.

        There’s also pretty good evidence from U.S. government sources and scholarly sources that the intense bombardment was a significant force-maybe a critical force-in building up peasant support for the Khmer Rouge, who before that were a pretty marginal element. Well that’s just the wrong story.

        After 1975, atrocities continued and that became the right story, because now they are being carried out by the bad guys. Well, it was bad enough, in fact current estimates are that — well, you know, they vary. I mean,

        * the CIA claim fifty to a hundred thousand people killed and maybe another million or so who died one way or another.
        * Michael Vickery is the one person who has given a really close detailed analysis. His figure is maybe seven hundred fifty thousand deaths above the normal.
        * Others, like Ben Kiernan, suggest higher figures but so far without a detailed analysis. Anyway, it was terrible, no doubt about it.

        Although the atrocities — the real atrocities — were bad enough, they weren’t quite good enough for the purposes needed.

        Within a few weeks after the Khmer Rouge takeover, The New York Times was already accusing them of genocide. At that point maybe a couple of hundred or maybe a few thousand people had been killed. And from then on it was a drum beat, a chorus of genocide.

        The big best-seller on Cambodia, on Pol Pot, is called Murder in a Gentle Land. Up until April 17, 1975, it was a gentle land of peaceful smiling people and after that some horrible holocaust took place.

        Very quickly, a figure of two million killed was hit upon. In fact, what was claimed was the Khmer Rouge boast of having murdered two million people. The facts were very dramatic. In the case of atrocities committed by the official enemy, extraordinary show of outrage, exaggeration, no evidence required, faked photographs were fine, anything goes…”

        QUELLE:
        s. Manufacturing Consent, 1992 (ab 01:07:25 [hh:mm:ss])
        http://video.google.com/videoplay?docid=-5631882395226827730#

        Transkript:
        http://web.archive.org/web/*/http://www.zmag.org/chomsky/mc/mc-script-6.html
        [e.g. http://web.archive.org/web/20000302235422/http://www.zmag.org/chomsky/mc/mc-script-6.html

        dt. Transkript
        http://www.buecherkiste.org/-ebook-noam-chomsky-wege-zur-intellektuellen-selbstverteidigung

        • Spiegelfechter schrieb am 11. März 2011 at 18:34 - Permalink

          Wann kommt ein Artikel über die (vom Westen [aka: int. Weltgemeinschaft] kräftig unterstützten) und zur selben Zeit erfolgten Verbrechen in Ost Timor

          Dann, wenn Du ihn mir als Gastautor schreibst.

          So hätte man ein Beitrag über die Verbrechen der Anderen und ein anderer über Unsere Verbrechen. Das nenne ich Ausgewogenheit!

          Echt? Ich wüßte nicht, dass ich zu dieser Zeit (in der ich noch gar nicht geboren war) in Osttimor unterwegs war.

          • chapultepec schrieb am 11. März 2011 at 19:25 - Permalink

            sehr witzig

    22. Carsten Penkella (Guttenzwerg) schrieb am 11. März 2011 at 01:00 - Permalink

      Und in Deutschland schwärmten damals Teile der sogenannten K-Gruppen für Pol Pot und seinen Kommunismus. Etliche gingen dann zu den Grünen.


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