Das Schreien im Walde
geschrieben am 09. Mai 2009 von Spiegelfechter
Print versus Online ? dieses Scheingefecht wird immer wieder gerne ausgefochten, wenn es den großen Zeitungsverlagen mal wieder wirtschaftlich schlecht geht. Print und Online sind dabei nur zwei unterschiedliche Distributionswege für ein und denselben Inhalt. Die Qualität eines Textes wird weder besser noch schlechter, wenn der Text auf Papier gedruckt ist. In diesem Scheingefecht geht es daher auch meist nicht um das Medium selbst, sondern um zwei verschiedene Aspekte. An vorderster Stelle steht der wirtschaftliche Aspekt ? Zeitungen und Zeitschriften haben weltweit mit rückläufigen Auflagenzahlen zu kämpfen, die sich vor allem auf die lebenswichtigen Werbeeinnahmen auswirken. Gleichzeitig steigt die Nutzung von redaktionellen Online-Inhalten rapide. In toto werden so vom Nutzer mehr redaktionelle Texte gelesen, dafür sinken allerdings die Werbeeinahmen der Herausgeber, da Onlinewerbung wesentlich schlechter bezahlt wird als Printwerbung. Von diesem Aspekt völlig unabhängig, gibt es noch die Diskussion um unterschiedliche Konzepte des Online-Journalismus. Vor allem der Bürgerjournalismus, der oft in Form von Blogs daherkommt, ist hier ein oft genanntes Thema. Ist er eine Konkurrenz, ein Korrektiv oder eine positive Ergänzung des traditionellen Journalismus?
Äpfel und Birnen
Gemessen an den großen Online-Publikationen traditioneller Verlage ist die Reichweite von Bürgermedien kläglich ? das heißt aber nicht, dass Bürgermedien irrelevant seien. Ein Artikel auf dem Spiegelfechter hat mehr Reichweite als ein Artikel in der angesehenen Wochenzeitung ?Rheinischer Merkur?, und dies bei ungleichen Verhältnissen. Während der Merkur sechzig Mitarbeiter hat, ist der Spiegelfechter ein Eineinhalbmann-Projekt. Auch vor ambitionierten redaktionellen Projekten wie dem Freitag muss sich das Spiegelfechter-Blog nicht verstecken – und dies bei einem Bruchteil des Budgets und der Manpower.

Der Output pro Mann ist bei Blogs also bemerkenswert, die fehlende Reichweite des gesamten Mediums ist eher darauf zurückzuführen, dass es so wenig Blogger und Bürgerjournalisten gibt. Daher ist das Medium Blog auch keine Konkurrenz für den traditionellen Journalismus ? zumindest nicht, wenn es um Reichweite und Wirtschaftlichkeit geht. Wenn man sich die Reichweite von Spiegel-Online anschaut, so wirkt dagegen die Blogosphäre wie eine Randerscheinung. Im März hatte der Branchenprimus fast 120 Mio. Besucher, 4 Mio. pro Tag – eine gigantische Zahl. Die Spiegel-Gruppe beschäftigt allerdings 1.300 feste Mitarbeiter, pro Mitarbeiter hat Spiegel-Online also auch ?nur? rund 3.100 Besucher pro Tag ? das ist weniger als beim Spiegelfechter. Von den Millionen Euro, die Spiegel-Online für Agenturtexte bezahlt, die eins zu eins als redaktioneller Content weitergegeben werden, ist hierbei noch nicht einmal die Rede. Der Vergleich von großen redaktionellen Medienunternehmen und der Blogosphäre ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen ? es gibt ganz einfach zu wenige Blogger, als dass man das Medium Blog mit dem Medium redaktionell betriebenes Onlineportal vergleichen könnte. So wundert es auch kaum, dass der Bürgerjournalismus ein Nischendasein fristet.
Was ist ein Blog?
Die Euphoriewelle ist an der Blogosphäre vorbeigezogen, nun wird mit Twitter eine neue Sau durchs virtuelle Dorf getrieben. Der Umstand, dass die hippen Shaker und Mover der Republik nun zwitschern, sagt aber wenig über den Wandel im Onlinejournalismus aus. Das Verfassen eigener journalistischer Texte ist eine Disziplin, in der private Blogs und redaktionelle Onlinemedien miteinander konkurrieren ? mit Twitter, Facebook, Studi-VZ und anderen ?In-Medien? hat das aber nichts zu tun. Natürlich kann man in 140 Zeichen keinen journalistischen Artikel verfassen. Twitter kannibalisiert daher auch nicht im journalistischen Teil der Blogosphäre, sondern im Kommentar- und im Verlinkungsbereich. Ein Großteil der deutschen Bloglandschaft besteht aus Link- und Metablogs, die fast ausschließlich aus ? teilweise kommentierten ? Verlinkungen auf andere Angebote bestehen.
Diese Funktion haben zum Teil Twitter und andere soziale Netzwerke übernommen ? daraus resultiert auch die abnehmende Zahl von Verlinkungen innerhalb der Blogosphäre. Die Anzahl der Besucher ist bei Blogs, die eigene Texte publizieren, wie Feynsinn, Oeffinger Freidenker oder Weissgarnix von diesem vermeintlichen Blogsterben trotz rückläufiger Verlinkungen aus der Blogosphäre jedenfalls nicht betroffen. Autorenblogs müssen zwar nicht mit weniger Lesern leben, ein quantitatives Wachstum allerdings ist auch nicht auszumachen. Es scheint, als habe die politische Blogosphäre ihren Sättigungsgrad erreicht, weitere Impulse könnten allerdings von neuen Blogs kommen. Zumindest sind die Stimmen, die bereits unkten, dass die Blogosphäre der ?Holzpresse? den Todesstoß verpassen würde, einstweilen verstummt.
Der Grabenkampf zwischen Bloggern und Journalisten ist kindisch. Wer einen selbstverfassten Artikel über ein Thema, das öffentliche Relevanz besitzt, schreibt, ist Journalist ? Punkt. Da macht es keinen Unterschied, ob der Verfasser sein Geld als festangestellter oder freischaffender Mitarbeiter eines Verlags bekommt oder seinen Artikel ehrenamtlich im eigenen Blog einstellt. Natürlich gibt es auf beiden Seiten Betonköpfe, die der anderen Seite ihre Daseinsberechtigung absprechen, aber diese großen Worte täuschen ? es gibt kaum einen Blogger, dessen Außenverlinkungen nicht auch auf ?klassische Medien? gehen. Ein Blogger, der die Meinung vertritt, die ?Holzpresse? sei überflüssig und im gleichen Atemzug ebenjene ?Holzpresse? als Quelle für seine Texte nutzt, ist unglaubwürdig. Blogs und die Onlineabteilungen klassischer Medien konkurrieren nicht miteinander, sie ergänzen sich und gleichzeitig ist die Blogosphäre ein gutes Korrektiv für die klassischen Medien. Ein äquivalentes Korrektiv für die Blogosphäre lässt indes noch auf sich warten.
Die Sinnkrise der klassischen Medien hat tiefgreifende Gründe ? die Finanzierung über Online-Werbung ist ein zweischneidiges Schwert. Ein hochqualitativer Artikel hat oft weniger Leser als eine Boulevardmeldung, und da man seine Einnahmen über Klicks erzielt, ist jede Klickorgie durch Bilder leicht bekleideter Starlets profitabler, als anspruchsvoller Journalismus. Die Boulevardisierung von Online-Ablegern klassischer Medien ist daher eine zwangsläufige Folge ? man muss sich nur die Angebote von Spiegel-Online oder der Süddeutschen anschauen. Natürlich gibt es auch seriöse Medien, wie beispielsweise die FAZ oder die NZZ, die einen Namen zu verlieren haben und daher auch im Online-Angebot eher im Zweireiher als in Bermuda-Shorts daherkommen. Den Werbeeinnahmen wird es nicht dienen ? bei den Besucherzahlen liegt die Süddeutsche klar vor der FAZ.
Wer braucht noch Papier?
Die größte Gefahr für die Verlage ist jedoch eine Kannibalisierung in den eigenen Reihen. Wer die Online-Artikel der FAZ liest, muss nicht unbedingt die Printausgabe abonnieren. Es ist allerdings auch nicht möglich, exklusive Inhalte ausschließlich in der Printausgabe unterzubringen ? dafür ist die Online-Konkurrenz zu groß. Jeder Leser, der von Print zu Online wechselt, macht sich allerdings in der Kasse bemerkbar. Der entgangene Verkaufspreis der Printausgabe spielt dabei kaum eine Rolle ? dieser deckt gerade einmal die Druck- und Distributionskosten. Eine Zeitung lebt nicht vom Verkaufserlös, sie lebt von den Werbeeinahmen; diese sind pro Leser im Online-Bereich allerdings spürbar geringer. So stehen die Zeitungen vor dem Paradoxon, dass ihre Artikel dank Online zwar häufiger gelesen werden, die Werbeeinnahmen allerdings rückläufig sind. Kosten sparen ist die Devise ? Honorare für freie Autoren sind da meist der erste Punkt auf der Sparliste. Redaktionen werden ausgedünnt, Inhalte syndiziert und einige Blätter haben mittlerweile sogar schon die kostenintensiven Agenturticker gekündigt. Die Qualität leidet selbstverständlich unter diesen Sparmaßnahmen. Mit der Qualität sinkt die Auflage, mit der Auflage die Werbeeinahmen und durch rückläufige Werbeeinnahmen steigt der Druck, weitere Sparmaßnahmen zu ergreifen ? ein Teufelskreis.
Die besten Perspektiven haben dabei wohl noch die Lokalzeitungen ? trotz ihrer geringen Größe. Der lokale Supermarkt inseriert nun einmal nicht bei Spiegel-Online und es gibt auch kaum Blogger oder andere kostenlose Content-Provider, die sich um Lokalnachrichten kümmern. Hier hat die Zeitung ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Überregionale Zeitungen sind da schon in einer schlechteren Ausgangsposition ? wer würde ernsthaft die WELT vermissen?
Quo vadis?
Wenn kein Wunder geschieht, wird das Monopol der klassischen Medien aber auf absehbare Zeit nicht durch unabhängige Netzmedien gebrochen werden können. Wer professionell arbeitet, muss auch bezahlt werden. Die einsamen Wölfe der Blogosphäre haben hier keine Chance, ein Stück vom Kuchen abzubekommen ? viele wollen dies auch gar nicht. Um den Sättigungsgrad zu überschreiten, ist eine Professionalisierung allerdings unerlässlich ? zumindest zeigt der Status Quo, dass der Umkehrschluss nicht zulässig ist. Für eine Professionalisierung ist aber neben regelmäßigen Einnahmen auch eine steigende Vernetzung vonnöten. Dies wäre beispielsweise über eine zentrale Plattform zu erreichen, die für viele Leser der Einstiegspunkt sein könnte ? ein seriöses Portal für politische Blogs. Ein solches Portal umzusetzen, ist allerdings harte Arbeit und ohne Engagement und Manpower nicht zu stemmen. Bis es soweit ist, werden noch viele Bäume abgeholzt werden, um als Zeitung auf dem Frühstückstisch zu landen.
Hintergrund:
Hajo Schuhmacher: U – wie Untergang
Felix Salmon: B – wie Blog
Jens Berger
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ich finde es falsch alle Spiegelmitarbeiter in die rechnung einzubeziehen,,,
@nox
ich nicht – verwaltungsaufwand hat ein Blogger auch und da SPON auch sehr viele Texte des Print-Spiegels zweitverwertet, ist es mE legitim so vorzugehen.
Schöner Artikel, aber ich muss auch nox zustimmen. Die Rechnung passt so nicht, ist doch SPON nicht der einzige Output der Spiegel-Gruppe. Auch wenn SPON viele Texte zweitverwertet muss dennoch die Reichweite vom Print-Spiegel miteingerechnet werden. Und Spiegel-TV gibts ja auch noch sowie Sonderausgaben vom Spiegel wie den Jahresrückblick und ähnliches.
Zwar mag das mit den 3100 Klicks pro Mitarbeiter stimmen, aber den Rest der Reichweite, der sich nicht durch Klicks zusammen setzt, einfach unter den Tisch fallen zu lassen ist auch nicht fair.
P.S.: Warum kann man eigentlich in vielen Blogs seinen Kommentar nur eine bestimmte Zeit lang bearbeiten?
Ich stimme zu, was den Teil über die Rolle von Bloggern als Journalisten angeht. Tatsächlich kann man den Lokalzeitungen als Einzelkämpfer keine Konkurrenz machen, aber ich erlebe zunehmend, dass meine lokalpolitischen (und in meinem Fall auch fußballvereinsbezogenen) Artikel vor Ort Resonanz finden – sogar in den klassischen Printmedien. Angesprochen werde ich zunehmend von Lokalpoltikern, die teilweise darum bitten, mal inerviewt zu werden. Das mag aber auch an der mangelhaften und abnehmenden Qualität der hiesigen Zeitungen (insbesondere der Rheinischen Post) liegen.
Trotzdem werde ich mich nicht auf Lokalbezüge beschränken, sondern auch überregionale und nicht-politische Themen verfolgen.
Erst mal Hut ab vor deiner Produktivität! Was du als 1-Mann-”Betrieb” mit Gastautoren stemmst, grenzt für mich fast an ein Wunder. Und trotzdem stimmt die Qualität, deshalb hast du ja auch viele Stammleser.
Wundern tue ich mich allerdings auch schon lange über die wirtschaftliche Seite vieler Internetangebote, selbst solcher wie Youtube. Klar, da sind die Werbeeinnahmen. Die sind aber – wie du schreibst – relativ niedrig. Außerdem birgt die Abhängigkeit von Werbeeinnahmen Risiken der “Prostituierung” , die du ja selbst angesprochen hast. Für die Unabhängigkeit und für die Qualität wäre eine Bezahlung durch Leser besser. Dazu sind die meisten Leser aber vermutlich (noch) nicht bereit. Dies mag man verurteilen, liegt aber wohl in der Natur der Menschen (nicht nur der Schwaben ;-) ). So lange es eine große Konkurrenz kostenloser Angebote gibt, wird auch ein Rupert Murdoch mit einem Bezahl-Web (siehe http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,623478,00.html) Probleme haben.
Zum Glück arbeitet der Mensch nicht alleine für das Geld. Gerade bei Blogs spielt sicher auch der soziale Aspekt, die Kommunikation mit anderen eine wichtige Rolle. Schade wäre es aber schon, wenn du aus wirtschaftlichen Gründen die begrenzte Zeit für lukrativere Erwerbsformen nutzen müsstest und deine Produktivität sinken würde. (Andererseits komme ich manchmal kaum noch mit dem Lesen nach ;) )
Danke für den schönen Artikel der mal nicht die eingestammften Grabenpositionen einnimmt :)
Insbesondere diesen Satz:
“Wer einen selbstverfassten Artikel über ein Thema, das öffentliche Relevanz besitzt, schreibt, ist Journalist ? Punkt.”
würde ich gerne allen Teilnehmer ans Herz liegen. So denke ich das ganze auch.
Wie man aus dem Dilemna kommt weiß ich selber nicht, aber wie man es nicht machen sollte zeigt z.B. auch das Portal der französischen Zeitung “Le Monde”. Die trennen nämlich strickt Web und Papier, was im Web erscheint ist meistens schlecht recherchiert, von Praktikanten geschrieben, zu miserablen Löhnen (falls überhaupt). Den Traffic kriegen sie vor allem durch die Reputation das sich die print Ausgabe mühsam erarbeitet hat. Leider machen sie durch ihre schlechten Artikel eben diesen Ruf auch kaput… Ich zumindest lese die Artikeln des redaktionellen Teils nicht mehr. Andersrum hatten sie aber eine gute Idee in der Form von “eingeladenen Blogs” diese sind im schnitt hochqualitativ und sehr interessant zu lesen. Da es viele unterschiedene Spezialisten gibt, ist auch relativ oft “neuer Content” vorhanden, selbst wenn der einzelne so selten wie alle 1-2 Wochen schreiben kann(z.B. Déchiffrage).
Die echte Trennung ist imho “redaktioneller Texte” vs. “freie(nicht-redaktionelle) Texte” aber dies wird scheinbar weniger analysiert. Das ist schade, da mir nicht so oft klar ist, was an der Aufsicht einer Redaktion so gut sein soll, außer vieleicht der “peer-review” Aspekt.
@SF: Eineinhalb Mann? Ich dachte, die bessere Hälfte wäre ne Frau? SCNR
@ Gebintit: kleine Randnote: youtube schreibt momentan rote Zahlen (http://www.guardian.co.uk/business/2008/may/09/google.youtube)
@SF: das von dir erwähnte Portal ist eine wirklich gute und nötige Idee aus meiner Sicht. Wie oft schon habe ich mir wie viele andere auch genau so etwas gewünscht. Engagement und Manpower sollte doch sicher zu finden sein?
Falls es Neuigkeiten geben sollte bezüglich so einem Projekt: ich verdiene mein Geld mit Webdesign und wäre mit Feuer dabei.
Hallo Spiegelfechter,
danke für diesen guten Artikel. Ich verstehe auch nicht, weshalb es es diesen überzeichneten Frontenkrieg zwischen traditionellen Medien und Blogs gibt. Die Traditionsmedien haben meiner Meinung nach noch nicht begriffen, was das Internet ist und verstehen noch nicht, dass sie sich dem Wandel nicht entziehen können. Bisher wird das Phänomen Internet von ihnen als Bedrohung für den Qualitätsjournalismus angesehen, dass bekämpft werden muss. Die naheliegende Tatsache, dass das Internet einen Weg zu den Lesern und somit den eigenen Kunden bietet, verstehen nur wenige. SPON, Freitag und das SZ-Magazin haben diesen konstruktiven Weg gewählt. Dabei sind die Möglichkeiten noch nicht einmal im Ansatz ausgeschöpft. Geld verdienen lässt sich mit dem Internet, nur nicht mehr mit den klassischen Modellen. Überspitzt gesagt, fehlt ein iTunes Store für den Journalismus. Wie könnte der aussehen? Ein klassisches Abo ist nicht möglich, die journalistischen Inhalte müssen frei zugänglich sein. Aber die Beteiligung der Community, wie dies Freitag vormacht, oder die Möglichkeiten eines Prämienabos wie bei SPON eröffnen neue Wege. Ein Prämienabo funktioniert allerdings nur, wenn es einen qualitativen Unterschied zum den frei zugänglichen Angeboten hat. So könnten bspw. die Abonnenten die Artikel der Redaktion schon in einer Vorabversion lesen und Fehler rückmelden – das ersetzt den bereits wegrationalisierten Lektor. Oder man bietet exklusive Live-Chats mit der Redaktion an. Die besten Leserkommentare könnten exponiert auf der Startseite präsentieren werden oder man darf auf die Überwachungskamera in der Damentoilette zugreifen. Wenn allerdings die hier im Artikel beschriebene Boulevardisierung weiter voran schreitet, dann machen sich die Traditionsmedien selbst überflüssig. Boulevard braucht keine Journalisten und keine Recherche. Und virale Meinungsmache bekommen die sozialen Netzwerke im Internet besser hin. Die Kids wachsen mit den neuen Medien auf und werden die alten Medien in der heutigen Form ohnehin nicht mehr akzeptieren.
Ich habe den Artikel noch nicht zu Ende gelesen, weiss aber jetzt schon, dass es sich hierbei um eine gute Gelegenheit handelt, dir meinen größten Respekt vor deiner journalitischen Tätigkeit auszusprechen. Vielen Dank dafür!
[schnipp]
>…gleichzeitig ist die Blogosphäre ein gutes Korrektiv für die klassischen Medien.
>Ein äquivalentes Korrektiv für die Blogosphäre lässt indes noch auf sich warten.
[/schnipp]
Also ich weiss nicht. Ich glaub da kommt nix mehr.. Besser gesagt, ich _hoffe_ da kommt nichts mehr.. Denn wenn schon der Bürger(journalist) den Verlagen auf die Finger schaut, wer soll dann dem Bürger auf die Finger schauen? Ausser dem Staat mit seinen Zensurfantasien fiele mir da keiner ein… Naja, der Staatsanwalt vielleicht noch, aber der ist bereits überall quasi als Meta-korrektiv für die harten fälle zuständig…
Denke eher die blogosphäre überwacht sich selbst. Durch die niedrigen einstiegshürden haben wir derzeit noch keine Zusammenschlüsse und Blogmonopolisierungstendenzen zu befürchten, die kritiker in den eigenen reihen mundtot machen könnten. Bestes beispiel ist dons blogbar, da wird gern und kräftig ausgeteilt wenn etwas schief läuft in der sphäre…
Deswegen meine These: Die Blogosphäre ist ein funktionierendes, selbstheilendes System, solange sie noch so versprenkelt bleibt und eben nicht unter dem “Dachverband” eines großen Blogportals zusammenrückt.
Ich denke, dass einige “politische blogs” deswegen eine große Leserschaft/Reichweite haben, weil sie die gute Mischung an Kritik, viel eigener Meinung und Qualität liefern.Denn Qualität ist das einzige, womit Blogs an Popularität gewinnen. Die Texte an sich überzeugen – oder die Diskussion hinterher und nicht der “große Name der Zeitung/des Journals”. Blogautoren müssen nicht darauf achten, ob sie konform zur herrschenden Meinung schreiben. Und ich denke das die Überregionalen sich noch warm anziehen müssen :-) , da gehen noch ein paar Jahre ins Land, aber es wird interessant sein, welche Seiten wir in Zukunft zuerst anklicken, wenn es um Informationen geht.
(nebenbei: in wie weit ist alexa wirklich repräsentativ – oder sind das nicht die klicks der Leute, die ihre temporären Dateien nicht löschen ? )
Alexa ist für Deutschland nicht repräsentativ. Die messen den Traffic der Leute, die diese Toolbar installiert haben. Als ich das Teil mal installieren wollte, hat mein Antivir das Plugin als Spyware identifiziert;-)
Die Diskussion über die Zukunft ist wichtig, auch wenn ich das andauernde Lamento der Verlage ermüdend finde. Wichtig ist, dass diese debatte heute überall geführt werden kann, dass unter anderem Blogger sich daran beteiligen können. Vor zehn Jahren wäre das noch eine Diskussion von Medienwissenschaftlern und Oberjournalisten wie Markwort und Aust gewesen.
Was die politische Plattform angeht, wundere ich mich schon lange, wo die Vernetzung der politischen Blogs bleibt. Ich dachte eigentlich, republica usw. würden darauf hinauslaufen.
Was ich wirklich dämlich finde, ist der Mangel an echtem Online-Journalismus in den etablierten Medien. Da schreibt die taz über irgendwelche Internet-Dinge und setzt tatsächlich keinen einzigen Link.
ciao
@Sebastian
Dann passt wenigstens die Kapitelüberschrift “Äppel und Börnen” ;-)
@Sebastian (zum Zweiten)
Das liegt am Plugin – ohne Programmierkenntnisse kann man das als Betreiber auch nicht ändern.
@Rainersche
Du bist da sicher eher die Ausnahme, die die Regel bestätigt ;-)
Ausgezeichneter Text!
@Skl8em
Die Redaktion koordiniert zu einem die Texte – so dass sich nichts überschneidet und dass die Texte konzeptionell ins Blatt passen. Außerdem prüft sie – sowohl Qualität, als auch die sogenannte Schlußredaktion, bei der Behauptungen quergescheckt werden. Bei kleineren Blättern fällt diese Schlußredaktion eher sparsam aus – SPIEGEL, SZ und Co sind das sehr(!) penibel. Generell ist diese Konzept mE schlüssig – als Nachteil ist natürlich v.a. bei kleineren Medien (wie Freitag oder Telepolis) zu vermerken, dass diese Arbeit dort von normalen Redakteuren gemacht werden muß, was natürlich deren eigene Arbeitszeit in Anspruch nimmt.
@aquadraht
Nö – das Hannilein ist ein Cyber-Transvestit *lol*
@nerdbert
Vielleicht gehe ich so etwas wirklich mal an – was natürlich nicht einfach ist, da Blogger bekanntermaßen Einzelkämpfer sind ;-)
@Szenso
Ich persönlich finde ja das Kaschingle-Modell (ist im Artikel verlinkt) recht überzeugend – klar gibt es da auch Nachteile (Datenschutz und Gebühren für den Dienstleister). Aber da – wie Du ja richtig schreibst – ein solches Modell nur auf Freiwilligkeit basieren kann, finde ich die Idee von Kaschingle überzeugend.
Ich könnte mir beispielsweise bei der SZ oder dem SPIEGEL auch vorstellen, eine PDF-Ausgabe der Printversion als Goodie gegen eine kleinere Abogebühr zu nehmen. Für Abonnenten der Printausgabe gibt es das ja – aber über 300 Euro p.a. für eine Papierzeitung, die den Briefkasten verstopft und die man eh nie komplett lesen kann (außer im Urlaub) ist einfach too much. Für 50 Euro im Jahr ließe sich darüber reden, zumal der Verlag ja bei einer PDF-Ausgabe keine Distributionskosten hat.
@people in motion (und andere)
Danke, Danke – ohne Euch Kommentatoren würde ich auch gar nicht bloggen ;-)
@FK
Der Bürger selbst ;-)
Ich lese viel Unfug in den klassischen Medien aber ich lese auch in Blogs unglaublich viel Quatsch – eine Blogs sind mE derart unseriös, dass die Schwarte kracht *g*
Wenn man als Blogger die klassischen Medien kritisiert, so gilt man als “Aufklärer” (ein blödes Wort), kritisiert man andere Blogs ist man ein/e “Nestbeschmutzer”, “Agent des Kapitals”, “Mietfeder”, “Verschleierer” uvm – alles schon gehört ;-)
Das ist durchaus kritisch, da ich bei einigen Lesern eine fehlende Medienkompetenz ausmache – immer wieder höre ich Sätze wie “der Presse glaube ich gar nichts, den Blogs alles”. Und das ist ein Problem, Blogs sind per se nicht glaubwürdiger und nich unglaubwürdiger als “die Presse”. Ich würde sogar sagen, dass Online mehr Unfug geschrieben wird, als auf Papier. Hier zu trennen, ist eine wichtige Sache, die man dem Leser aber nicht wirklich abnehmen kann – Medienkompetenz muss wohl jeder selbst entwickeln.
Mir fällt da immer das schöne Lied “Füchsen” von Reinhard Mey ein (achte v.a. auf die letzte Strophe)
Hör was der alte Reineke dir sagt:
Wenn auch nur der allerkleinste Zweifel an dir nagt,
Füchschen, glaub? ihm nicht!
Hey Füchschen, siehst du Isegrimm, den Ehrenmann,
Das noble Wams mit dem Designertüchlein dran?
Wie er so erdverbunden scherzt, bemüht, sich anzubiedern.
Wie er so freundlich tut, wie er so volksnah lacht,
Wie er auf ?ich bin doch auch einer von Euch!? macht.
Der Isegrimm beginnt, mich anzuwidern.
Hat er doch lange schon vergessen, wo und wer wir sind,
Vor Geltungssucht zerfressen und vor Machtgier blind,
Sieht er sich nur noch selbst, der aufgeblas?ne Gockel.
Der beim Försterball noch eben mit der Wölfin tanzt
Und dreist schon hinterm Schuppen mit der Ziege ranzt,
Will jetzt mit eit?lem Ehrgeiz auf den Sockel.
Du hast gesehn, wie Isegrimm die Treue bricht.
Und wenn er dir das Blaue vom Himmel verspricht:
Füchschen, glaub? ihm nicht!
Hör was der alte Reineke dir sagt:
Wenn auch nur der allerkleinste Zweifel an dir nagt,
Füchschen, glaub? ihm nicht!
Und vor Schwarzkittel, Füchschen, nimm dich ja in acht,
Er heuchelt Demut, doch er schielt nach der Macht,
Er täuscht und trügt mit frommen Redensarten.
Er predigt Wasser, dabei trinkt er selber Wein
Und redet dir Schuld und Sünden ein
Und wildert an der Brut im eignen Garten.
Immer salbungsvoll, immer verkorkst und geil,
Sorgt sich der schlimme Finger um dein Seelenheil.
Sieh ihn selbstgerecht die teig?gen Hände reiben!
Er will dich eingeschüchtert und verschreckt und brav,
Will dich als willenloses, stummes Schaf,
Denn nur mit Ahnungslosen kann er?s so bunt treiben.
Doch gleichviel ob der schmierige Wicht
Dir Fegefeuer oder Paradies verspricht,
Füchschen, glaub? ihm nicht!
Hör was der alte Reineke dir sagt:
Wenn auch nur der allerkleinste Zweifel an dir nagt,
Füchschen, glaub ihm nicht!
Und Füchschen, hüte dich vor der Frau Gieremund.
Nur Gift und Geifer sprudeln aus ihrem Schlund.
Sie unterwirft sich hündisch und aus freien Stücken.
Mit ihrem immer gestrigen Gejaul
Redet sie dem Pfaffen nach dem Maul
Und fällt den eignen Schwestern in den Rücken.
Und meide klug den Bullenbeißer Rüsteviel,
Seine Spießgesellen und sein Narrenspiel.
Wo du die witterst, mußt du schlimmes ahnen.
Sie haben nie dem dunklen Bösen abgeschwor?n.
Sie ziehen dir das Fell über die Ohr?n
Und die alte Losung* steht noch auf ihren Fahnen.
Und wenn da einer von Ehre, Stolz und Pflicht,
Von Vaterland und Gehorsam spricht,
Füchschen, glaub ihm nicht!
Hör was der alte Reineke dir sagt:
Wenn auch nur der allerkleinste Zweifel an dir nagt,
Füchschen, glaub ihm nicht!
Ich bin ein alter Knochen und mein Fell wird grau,
Ich kenn? die Fallen und die Wolfseisen genau,
Kenn? die Schrunden und die Beul?n, wenn sie das Fell dir gerben.
Ich kann dich lehr?n, vor der kläffenden Meute zu flieh?n,
Die Kunst, den Kopf aus der Schlinge zu zieh?n,
Diesen Schlitz im Ohr, den kann ich dir vererben.
Lehr dich geschmeidig gehn, gegen den Wind,
Lehr dich Worte, die wie giftige Köder sind,
Dann werd? ich lautlos seitwärts im Gebüsch verschwinden.
Dann halt die Augen auf, pass? auf wie ein Luchs,
Wasch dich mit allen Wassern, kleiner Fuchs,
Du mußt allein die eigne Wahrheit finden.
Und wenn jemand aus dem Unterholz bricht
Und die allein seligmachende Weisheit verspricht,
Füchschen, glaub ihm nicht!
Hör was der alte Reineke dir sagt:
Wenn auch nur der allerkleinste Zweifel an dir nagt,
Füchschen, glaub m i r nicht!
@Nachhaltigkeit
Sie sind sicher nicht wirklich repräsentativ – aber die offiziellen Zahlen der ivw sagen das Gleiche … haben aber keine so schöne Grafik ;-)
@SF
Das ist ja sozusagen peer review. Das sie eine “redaktionelle Linie” sicher stellen war mir klar, aber wenn man sich vom Konzept des “Blatts” eh entfernt… (ich halte nicht so viel von Großportale die eine “Linie” haben).
Warum nicht alles wieder auflösen, Journalisten publizieren selber, haben ähnlich wie in der Wissenschafft einen internen peer review Prozess (mit anonymen Korrektor). Dort könnte man auch ähnliche Zitier und Verlinkungs Auflagen haben wie in der Wissenschaft (dazu zusätzlich eine Art “private communication” Zitate, die ganz von der Kredibilität des einzelnen Journalisten abhängt). Dann getrennt davon Große “News-Portale” die Artikeln Kaufen/Präsentieren o.Ä. , so wie du es mit Telepolis oder “Der Freitag” machst. Das mit der Großredaktion wie Spiegel, F.A.Z, oder Süddeutsche macht auch nur Sinn wenn die Publikation der minderheit vorenthalten ist (Print, Fernsehen, Radio).
Was die lokalen Zeitungen angeht, das stimmt auch nicht ganz. Ich befürchte das diese nur mehr Zeit haben werden um sich umzustellen… Lokalen Zeitungen wie SF Chronicles haben jetzt die selben Probleme wie Spiegel oder Welt. Irgendwann schwapt das auch nach Deutschland rüber.
@Skl8em
Was Du beschreibst, entspricht ja ziemlich genau dem Prinzip eines Gemeinschaftblogs, wenn ich Dich richtig verstehe. Für den Leser wäre das natürlich gut, für den Journalisten wäre das aber alles andere als gut, da es ein herber Rückschlag für die finanzielle Situation wäre ;-)
@Spiegelfechter
Daran dachte ich eigentlich nicht. Eher an deinem Model :D Jeder Journalist hat seinen eigenen “Blog”, in dem es volle, Anfänge von oder links zu Artikeln gäbe, die er verfasst hat. Diese erscheinen halt eben wo immer er sie verkaufen oder verbreiten konnte.
Davon unabhängig kann er seine Artikel zum Beispiel an dich weiterreichen, der es an einem anonymen korrektor weitereicht, der dir seine Meinung darüber sagt, nach eventuellen Korrekturen würde er den Siegel: “vom Spiegelfechter reviewed” erhalten. Damit würde man unabhängige Garantie-Stellen bekommen (von unterschiedlicher Güte), und man würde eines der Hauptschwächen von Blogs entgegen tretten: die fehlende Korrektur und Fakten überprüfung.
Ich frage mich ja nur ob man diese doppelte aufgabe der Redaktion zwischen Auswahl von Inhalten und Überprüfen von Inhalten trennen könnte. So wäre es zum Beispiel auch denkbar, ein und den selben Artikeln auf verschieden Portale (für verschiedene Leserschafften) zu veröffentlichen. So könnten aber auch Journalisten freier schreiben, ich kenne ein paar, die bestimmte Artikeln nicht geschrieben haben, weil sie genau wussten das sie nicht von ihrer Redaktion angenommen sein würden, da man zur Zeit aber nicht so wählerisch sein kann, was den Arbeitsgeber angeht, schweigen sie lieber…
Wie sich sowas Finanziel auflöst weiß ich auch nicht, ich nehme ja auch immer den Standpunkt des Lesers… ;) dennoch wäre das mit dem Kaschingle Projekt gut vereinbar oder?
@Skl8em
Das ich Sympathie für ein solches Modell habe, ist ja klar ;-)
Ich befürchte halt nur, dass dies für viele Kollegen ein herber finanzieller Rückschlag wäre, da sie ihr Festgehalt mit mageren Honoraren eintauschen müssten.
Ich war ja ganz baff, als ich mich im letzen Jahr mit einem älteren Herren unterhalten habe, der in 50ern und 60ern als freier Journalist gearbeitet hat. Damals hat man von den Zeitungen rund 100 DM für eine DinA4-Seite bekommen – in den damaligen Zeiten eine fürstliche Entlohnung. O tempores o mores ;-)
Das ist ja das Prinzip von Syndikationen – im englischsprachigen Bereich klappt das ganz gut, in D fehlt wohl die Masse. Grundsätzlich wäre das sicher ein gutes Konzept.
Die Schere im Kopf – ja. Dafür habe ich ja (u.a.) das Blog.
Yep – sogar hervorragend. Leider gibt es aber ein solches Projekt ja noch nicht. Jenseits des Teichs scheint auch die Finanzierung über Spenden recht gut zu funktionieren, da hat D noch Nachholbedarf. Man spendet zwar gerne für Notleidende, aber nicht dafür, dass Anbieter von Dienstleistungen ihren Lebensunterhalt bestreiten können ;-)
@Spiegelfechter
War mir klar, dass Du so ein zentrales Portal gut finden würdest – bist halt ein Zentralisierer :)
Bloggen als einsamer Wolf ist doch auch etwas – der Wolf ist eines der wenigen Tiere (oder das Einzige?), das größere Tiere als es selbst als Beute hat.
Und wenn es große Aufgaben gibt (z.B. Zensursula), dann bilden wir ein Rudel.
Die Debatte ist vielleicht ein bisschen eine Neid-Angst-Debatte. Die Blogger würden gerne etwas mehr verdienen mit ihrer Arbeit – die Journalisten haben Angst als Blogger zu enden und nicht mehr bezahlt zu werden.
@1000sunny
Neid-Angst -> ja, das mag sicher sein, das dies auch eine Rolle spielt
Aber den Wolf, den kann ich so nicht stehen lassen. Wenn der Wolf nicht ausgehungert ist, ernährt er sich mW hauptsächlich von Kleinsttieren wie Mäusen ;-)
Aber vielleicht ist das bei Journalisten ja auch so *g*
Es wäre doch schade wenn “die WELT” verschwindet. Denn es ist doch ein Vergnügen dort zu lesen. Da gibt es doch so tolle Artikel. Den Lesern werden Dinge erklärt die sie nie für möglich gehalten hätten. Beispielsweise das Pflanzenschutzmittel harmlos sind, das Gentechnik nur gut ist und mit Gentechnik der Hunger auf der Welt besiegt werden kann, das Atomenergie die Patentlösung aller Energieprobleme ist und das Bioprodukte einfach nur Mist und einfach böse sind, das es keinen Klimawandel gibt so wie es auch nie ein Waldsterben gegeben hat.
Außerdem erklären die doch jeden Tag das der Markt alles an besten regelt, das die armen Unternehmer immer noch zu viel Steuern bezahlen und ihre Leute nicht leicht genug entlassen können und warnen immer vor sogenannter “Staatsgläubigkeit” und dem “Linksruck”.
Es wäre doch schade wenn ein Blatt in dem so viel Unsinn steht, über das man nur lachen kann, einfach verschwindet. Worüber soll man dann noch lachen? Ach ja, es gibt ja noch die “Bild”.
Ob die Amis wirklich spendabler sind, oder ob das nicht auch wieder mit ihrer größeren Bevölkerung zusammenhängt?
Bei aller Internet-Euphorie vergisst man oft, dass es einige Leidtragende der Entwicklung gibt. Für viele Daten (z.B. Wetterdaten), die man vor allem in den 90ern im Internet noch oft für umme bekam, musste man vorher oft teuer blechen. Hier hat allerdings mittlerweile bei den meisten Anbietern ein Umdenken stattgefunden und die paradiesischen Zustände (für die Nachfrageseite) massiger Gratisangebote sind vorbei. Schlecht für die Schnäppchenjäger, gut für die Dienstleister. Auch bei den Medien ist ja schon eine ähnliche Entwicklung zu erkennen. Nur noch selten werden Print-Angebote 1:1 kostenlos online angeboten. Wirtschaftlich betrachtet sehr gut nachvollziehbar. Wenn es Medienzar Murdoch nun schafft, Komplizen für eine weitere Einschränkung der Gratis-Angebote zu finden, könnte dies durchaus die journalistische Arbeit wieder profitabler machen. Im Web 3.0 wird es weniger Gratisangebote geben, da bin ich mir ziemlich sicher!
Bezahlblogs werden sich aber auch im Web 3.0 schwer tun, es sei denn sie haben sich einen Namen gemacht und eine wirklich große und treue Fangemeinde. Extrem schwierig für Ein-Mann-Betriebe, aus meiner Sicht. Persönlich könnte ich mir im Augenblick nur vorstellen, für eine breit aufgestellte politische Online-Zeitung mit “Insider-Korrespondenten” wie Nick Abbe, zu zahlen, die wirklich nur ausgewiesen kompetente Schreiberlinge und Grafiker beschäftigt. Über Qualitätssicherungs-, “Rating-” oder Zertifizierungsmaßnahmen müsste man sich auch Gedanken machen, denn – wie du sagst – es gibt unglaublich viele Blender und Aufschneider im Internet.
@SF: Stimmt, Wölfe fressen meist Mäuse, und höchstens mal ein Karnickel. Menschen beissen sie seltener als Dackel. Vielleicht sollten sich Journalisten eher am Dackel als am Wolf ein Beispiel nehmen: laut und unverdrossen wadenbeissend, die Grösse des Opfers missachtend, dazu schnell, um den Tritten auszuweichen. Nein, eigentlich mag ich keine Dackel (ausser an Reis mit Bambussprossen), aber die Metapher haut trotzdem besser hin.
Die Metapher mit den Wölfen scheint ja vorne und hinten nicht zu stimmen. Die leben nur sehr selten alleine und hauptsächlich im Rudel.
@Gebintit
>>Über Qualitätssicherungs-, ?Rating-? oder Zertifizierungsmaßnahmen müsste man sich auch Gedanken machen, denn – wie du sagst – es gibt unglaublich viele Blender und Aufschneider im Internet.<<
Jawoll, zerreißen sollte man sie! Gute Argumente statt Zertifikate.
@aquadraht
Aber “einsamer Dackel” hört sich irgendwie wenig glamourös an ;-)
@Gebintit
Beides – und dann kommt hinzu, dass die Lingua franca Englisch weit verbreitet ist und so weltweit gespendet wird.
Ich auch – da wird wohl kein Weg dran vorbeiführen.
An Bezahlblogs glaube ich nicht – außer es geht um sehr exklusive Inhalte für eine zahlungswillige Kundschaft. Im Finanzbereich ist so etwas sicher möglich, im Politikbereich allerdings sicher nicht.
Die “kritische Masse” lässt sich so aber mE kaum zusammenbekommen. Ich halte nach wie vor ein freiwilliges Modell für besser, zumal es niemanden ausperrt.
Yep – aber nicht jeder Leser will so etwas wissen. Im Gegenteil – die schlimmsten Blender und Aufschneider haben oft auch die meisten Fans ;-)
@SF: Man muss halt ein Markenzeichen draus machen: Einsamer Dackel, der Steppendackel, die Einsamkeit des Langstreckenwadenbeissers :)
@Spiegelfechter
Gibt es denn verlässliche Daten zum Spendenaufkommen bei angelsächsischen Blogs?
Daß die damit ordentlich Einnahmen erzielen, ist mir neu.
@Thomas
Handfeste Zahlen habe ich da nicht, das ist mehr so ein Eindruck von mir. Wenn Counterpunch, Common Dreams oder andere mal wieder ihre “Spendenampel” einblenden, so kommen da mirnxdirdix mal mehrere 10K Dollar pro Tag zusammen.
Dass lokale Zeitungen, wenn sie es richtig anstellen, großen Erfolg haben können zeigt z. B. der Zeitungsverlag ?World Company? aus Lawrence in Kansas. Ihr Online- und Offlineproduktion speisen sich aus den gleichen Quellen: Fotografen, Reporter und private Contentproduzenten geben Ihren Content dank ihres Web-Frameworks ?Django? direkt online ein, woraus auch die Print-Magazine produziert werden. Ihre diversen Online-Portale wie http://www.ljworld.com oder http://www.lawrence.com sind ein Musterbeispiel für Online-Portale.
@ #27, Skl8em
Wieso eigentlich “anonym”? Der “Korrektor” (eigentlich ja die Lektorin) ist zumindest beim SF nicht gänzlich unbekannt ;-)
Eine schöne Woche wünscht
hannilein
@ hanniein
Wie gesagt ich inspiriere mich vom peer review Prozess im wissenschaftlichem Bereich. Da der Korrektor für den Autor anonym bleibt, kann dieser ohne Hemmungen den Artikel kritisieren, korrigieren oder verwerfen… Das größte Problem (zur Zeit in der Wissenschaft) ist das die Anreize zum korrigieren relativ gering sind: viel Arbeit, keine Anerkennung -bis auf die des Editors- kein Geld…
Im Model das ich zu beschreiben Versuchte werden die Artikeln an andere fachkompetente Journalisten geschickt, die es dann qualitativ bewerten und evtl korrigieren. Ich meinte damit nicht die Lektorin des Spiegelfechters, sorry fürs Durchaneinander… -_-;
@Hannilein
Ich glaube, Du hast Skl8em da falsch verstanden. Ihm geht es da nicht um Orthographie und Kommasetzung, sondern um die inhaltliche Kontrolle im Sinne einer Schlussredaktion. Ich kenne keinen Blogger, der momentan so etwas macht – das wäre wirklich ein Qualitätszugewinn … leider auch mit Zeitaufwand verbunden.
p.s.: Ich habe natürlich wieder mal drauf los getippt ohne vorher den Kommentar von Skl8em gelesen zu haben – er erklärt das ja schon selbst ;-)
@ #43, Cheffe:
Ich hab ihn schon ganz richtig verstanden ;-) Korrektur ist aber Teil davon. Und inhaltlich habe ich schon ein Auge auf die Texte …. Für eine sorgfältige Endkontrolle müßte ich allerdings bezahlt werden, da dies einen nicht unerheblichen Zeitaufwand bedeutet, denn auch der Lektor ist nicht “allwissend”.
Schöne Woche
Dein hannilein
@ Cheffe: Wieso geht hier eigentlich die Uhr eine Stunde nach? Keine Sommerzeit?
@hannilein
Zwischen “ein Auge auf den Inhalt werfen” und einer echten Schlussredaktion besteht aber ein riesiger Unterschied. Nichts gegen Deine Fachkompetenz – aber wenn ich beispielsweise CDS und CDO vertauschen würde, würdest das sicher nicht merken. Dafür würdest Du mir im letzten Satz zurecht das doppelte “würde” ankreiden ;-)
p.s.: Die Zeit werde ich heute Nacht umstellen, da ich ansonsten die Timestamps der letzten Kommentare händisch ändern müsste und Du weißt ja, wie faul ich bin ;-)
@ #46, Cheffe:
Jein :-) Bei Sachen wie CDS und CDO hake ich ja nach (haben wir schon gehabt), was wiederum Dir die Möglichkeit bietet, das nochmalig zu prüfen. Wär das Lektorat bezahlt, würde ich es ja auch eigenhändig nachschlagen, so ich es nicht weiß. Außerdem hast Du ja sowieso immer Eile :-p
Immerhin hast Du imho mehr “Schlußredaktion” als gewisse befreundete Kollegen ;-)
Gruß
hannilein
P.s.: Wat is heute mit’m Zeitplan? Auf Mail hast Du noch nicht reagiert und bei Skype bist Du auch noch off. Ich bin jetzt dann mal weg – Du kannst mich entweder mobil oder über die Ramersdorfer Festnetznummer erreichen.
Der Spiegel: früher das Sturmgeschütz der Demokratie, heute die Wasserpistole von Frau Merkel. Mein Vertrauen in die klassischen Medien ist einfach ein wenig erschüttert. Große Namen, ich weiß, aber Luther oder “Die weiße Rose” wären heute Blogger, oder?
@lowie
… und auf der Sperrliste des BKA, wer weiß, vielleicht sind ja “Krypto-Pädophile”?
schöne Wortschöpfung ;-) notiere mir besser schon mal die IP vom spiegelfechter.com
Schön definiert den Teufelskreis :-)
Etwas vermisse ich hier lediglich den kritischen Blick auf das generelle Überangebot an Papierinformation. Dies übt mE nach einen noch weit höheren Druck auf den Markt aus, als die Blogger u./o. die Onlineangebote generell. Schon vor dem Aufleben dieses I-Netzes kam es z.B. allein durch einem enormen Anstieg des Drucks durch die sog. Regional(werbe)blätter. Die kennst Du ja. Papiere die sich als Zeitungen ausgeben/darstellen, aber fast ausschließlich Werbung/Kleinanzeigen enthalten (sich dadurch allein finanzieren). Der Fall “Focus” als Teil des sog. Wettbewerbes um den gleichen Markt, kann als bizarr interessant betrachtet werden. Auch wenn die Leser von Spiegel und Stern sich garantiert nicht mit Lesern dieses Blattes gleichstellen lassen wollten (wollen?), ist doch der Werbemarkt (hier das Zielpublikum) dennoch identisch. Ergo müssen sich dann drei Häuser die Werbeeinnahmen teilen, die vorher auf zwei bemessen waren. Die Unternehmen werden natürlich nicht mehr Geld für Werbung ausgeben, nur weil mehr Zeitungen erscheinen…
Könnte es also sein, dass das Finanzierungskonzept der Verlage generell fraglich ist? Immerhin lernt man als Kaufmann/-frau schon im ersten Lehrjahr, man solle sich niemals von nur ein paar wenigen Kunden (Einnahmequellen) abhängig machen. Hierdurch wird man erpress- wie manipulierbar, doch die Verlage unternehmen exakt dies? Also präzise ein Paar? Zeitungsleser/ Werbewirtschaft. Wie schlau ist das denn?
@Michael
Klar, Konkurrenz belebt nicht nur das Geschäft, sie senkt auch die Preise. Langfristig wird dies einige Wettbewerber aus dem Markt drängen. Das ist aber kein reines Papier-Problem, online gilt exakt das gleiche.
Als ich mir den Spiegel-Artikel “Die Beta-Blogger” durchlas hatte ich den Eindruck als ob die den potentiellen Konkurrenten Blogosphäre unter allen Umständen niederschreiben wollten.
Ich bin ziemlich froh, dass es engagierte Blogger gibt, die auf so vieles hinweisen was in den Massenmedien verschwiegen und verdreht wird.
Klar, dass die Regierung mit “Zensursula” & Co. da der Vierten Gewalt ein bißchen unter die Arme greifen muss. Auf Springer (WELT, BILD) und Bertelsmann (SPIEGEL) kann die Welt wohl verzichten.
Hallo Jens,
warum meinst du braucht es soviel Manpower ein Politblogportal zu stemmen? Ich habe sowas mit einfachen Mitteln versucht. Klar, ein reiner Aggregator ist langweilig. Aber 1-3 Leute, die sich 2-4x am Tag die aktuellen Politblogs anschauen und das interessanteste verlinken, da könnte schon was schönes draus werden. Schau(t) doch mal dieses interessante Projekt aus den USA an http://publishing2.com/ und http://www.publish2.com/
Es muss und kann ja auch nicht (nur) Werbung sein, die einen Blogger ernährt, aber gute Artikel weiterverkaufen ist vielleicht eine Lösung. Von einem Cousin drüben weiss ich auch, das spot.us anfängt gut zu laufen…
@Jim
Hast recht – aber eine handvoll Leute die jeweils rund 4 Stunden am Tag (und das 7mal pro Woche) in das Projekt stecken, ist schon ganz schön viel Manpower. “Drüben” läuft das mit Syndizierungen und Artikelverkauf idT besser. Vielleicht wacht die deutsche Medienlandschaft ja noch auf ;-)
“Die besten Perspektiven haben dabei wohl noch die Lokalzeitungen ? trotz ihrer geringen Größe. Der lokale Supermarkt inseriert nun einmal nicht bei Spiegel-Online und es gibt auch kaum Blogger oder andere kostenlose Content-Provider, die sich um Lokalnachrichten kümmern. Hier hat die Zeitung ein echtes Alleinstellungsmerkmal.”
Nein, die Lokalzeitungen denken nur noch an die Leserbindung und wie sie das mit geringsten Aufwand erreichen. Partyreporter, 100er Geburtstag, Verein stellt sich vor…
Eine politische Funktion als 4. Gewalt nimmt die monopolisierte Lokalpresse nicht mehr wahr, sie ist zur Hofberichterstattung mutiert. Wenn sie über ein Stadtverordnetensversammlung schreibt, dann gibt es einen Satz für jede Partei, so ist die Neutralität gewahrt. Hintergründe, Zusammenhänge, gar Recherche der offiziellen Verlautbarungen alles Fehlanzeige.
Das ist die Chance und Notwendigkeit für einen lokalen Bürgejrournalismus. Es ist nicht so, dass die Bürger das alles nicht interessiert. Mein Blog zur lokalen Kommunalpolitik verzeichnet wachsende Leserzahl, heftige Diskussionen und vor allem hat er Wirkung auf die Tagespolitik. Da werden dann Themen abgesetzt, nachdem im Vorfeld darüber berichtet wurde. Vor allem aber füllt ein solcher Blog die Lücke aus, die die Lokalpresse hinterlassen hat. Gegenüber dem Printmedium hat der Blog auch noch die Chronistenaufgabe, denn es lassen sich Themen in der Entwicklung beobachten.
Ich kann nur allem empfehlen die lokalen Themen aufzugreifen ( und sich mit auf die vernachlässigte lokale Leserschaft zu beschränken), die sonst rechts liegen gelassen wird. An den lokalen Themen kann dann auch der Zusammenhang bzw. die Abhängigkeit von den überregionalen Entwicklungen dargestellt werden. Diese Übersetzungarbeit auf die erlebbare näher kommunalen Verhältnisse ist nach meinen Erfahrungen dringend notwendig.
Ein weiterer Aspekt eines lokalpolitsichen Blogs ist die Kontrollfunktion für die kommunale Politik, über einen solchen Blog nur wird über Mißstände berichtet. Kommunalpolitik ohne funktionierende Öffentlichkeit gibt es schon genug, die Folge ist eine sogenannte “Refeudalisierung” in den Rathäusern.
Geld kann man allerding damit nicht verdienen, es ist aber eine wirksamere politische Arbeit als die Teilnahme an Sitzungen.