Wahlradar – Die Vermessung des politischen Webs
geschrieben am 19. Mai 2009 von Spiegelfechter
Selbst für den erfahrenen Blog-Leser stellt die politische Bloglandschaft Deutschlands mitunter ein schwer zu durchschauendes Dickicht dar. Wer sich selbst über die Blogrolls oder die Verlinkungen seiner Lieblingsblogs das politische Netz erschließen will, begibt sich oft auf eine Odyssee. Was für viele Netzenthusiasten ein Spaß ist, schreckt hingegen Gelegenheitsnutzer oft ab ? und auch der Enthusiast wandert meist nur auf bekannten Pfaden und übersieht häufig interessante Gewächse am Wegesrand.
Fiat lux!
Einen Atlas für das politische Web zu entwickeln, ist eine schwere und undankbare Aufgabe. Die Macher von ?Wahlradar? haben sich dieser Aufgabe gestellt und ihnen ist eine beeindruckende Visualisierung des politischen Netzes gelungen, die auch für Netzenthusiasten einige Überraschungen zu bieten hat. Für Neueinsteiger ist das Wahlradar eine sinnvolle Orientierungshilfe, anhand der sich ? abseits von Google und Co. ? ein erster Spaziergang durch die politische Bloglandschaft gut planen lässt. Dieser reale Nutzwert für die breite Masse ist allerdings lediglich ein interessantes Nebenfeature des Wahlradars. Die zentralen Analysetools der mächtigen Software stehen nur zahlenden Kunden offen. Ob und in welcher Form die Software Kampagnenmanagern hilft, das politische Web zu verstehen und zu nutzen, ist allerdings eine ganz andere Frage.

Zur Erstellung des Wahlradars wurden 380.000 Seiten ausgewertet, von denen 3.000 die eigentlichen Kriterien erfüllen konnten und in die Datenbank aufgenommen wurden. Interessant für die Macher sind alle deutschen Internetseiten, die vornehmlich politischen Inhalts sind und von anderen Seiten aus der Datenbank verlinkt werden. Von diesen 3.000 Seiten wurden 555 Seiten herausgesucht, die sich ? angeblich ? ausschließlich nach dem Verlinkungsmuster als besonders ?wichtig? und ?einflussreich? herausgestellt haben. Für Zeitungen und Blogs trifft diese Kategorisierung wohl zu, bei den Seiten der Parteien darf man indes an der ?Relevanz? auf Basis der Linkdichte zweifeln. So hat z.B. die SPD-Landesgruppe Niedersachsen lediglich drei ausgehende und einen wechselseitigen Link innerhalb der 555 Seiten des Wahlradars. Da es den Machern aber vor allem um die Analyse der Kommunikation der zahlenden Kampagneros geht, erscheint es allerdings auch nur konsequent, dass für Parteien anscheinend andere Kriterien gelten als für Blogs.
Alles so schön bunt hier
Die politische Netzlandschaft wurde der Übersichtlichkeit halber für die Visualisierung in farbige Schubladen gesteckt. Blau für konservativ, rosé für sozialdemokratisch, rot für links, braun für rechts, gelb für liberal und grün für sich selbst. Hinzu kommen weiß für die Netzableger ?klassischer? Medien, grau für ?neue? Medien, die sich dem öffentlichen Diskurs widmen, lila für Institutionen und cyan für Satireseiten. Größtenteils ist den Machern die Einordnung in Schubladen gelungen, obgleich es nicht eben erkenntlich ist, warum der Spiegelfechter rot (also links) ist und die Nachdenkseiten rosé (also sozialdemokratisch). Andererseits sind politisch ähnlich gepolte Seiten wie f!xmbr übergreifend grau und der Oeffinger Freidenker wird als gelber Blog den Liberalen zugeordnet. Es ist nun einmal schwer, Fragen zu beantworten, die teilweise nicht einmal die Blogautoren selbst beantworten können.

Vergleicht man die Kommunikationsmuster, so stellt man schnell altbekanntes fest. Rechte Seiten beschäftigen sich fast ausschließlich mit sich selbst, ähnlich wie CDU- und SPD-nahe Seiten, obgleich diese kaum vorhanden sind. Offene, linke, liberale und grüne Seiten sind hingegen gut über die Anschauungsgrenzen hinweg vernetzt und Politiker dieser Lager nehmen auch am übergreifenden Diskurs teil. Dieses Phänomen zeigt sich bereits auf der Übersichtskarte ? die CDU ist am weitesten von der Netzmitte entfernt, während vor allem linke und linksliberale Blogs nahe der Netzmitte residieren. Die eigentliche Mitte stellen allerdings die großen Netzportale wie Spiegel-Online oder Süddeutsche dar. Auch wenn diese Medien politisch nicht eben die Mitte sind und die übergroße Entfernung zu den Volksparteien absurd wirkt, so ist dies methodisch vollkommen korrekt. Die Großkopferten des Webs ziehen nun einmal wie Kraken Verlinkungen aus allen Lagern auf sich. Sie sind die wahren Meinungsführer, wie jeder Politprofi weiß.
Wer sagt wem was?
Die Technik, mit der das Netz kartographiert wurde, stammt von der französischen Firma ?rtgi? und dient eigentlich nicht der politischen Kommunikationsforschung, sondern ist ein Marketing-Tool, mit dem man die Reaktionen des Netzes auf die eigenen Produkte überprüfen und beeinflussen kann. Unter der Haube bietet die Software jede Menge Auswertungsmöglichkeiten. Wer greift welche Themen wie auf und wie verbreitet sich dies in sozialen Netzwerken? Wer ist Meinungsführer, wer Mitläufer? Wie werden welche Themen in den Blogs diskutiert und wie kann die Politik darauf reagieren? Letztendlich geht es also um die Frage, wie die Politik die Meinungshoheit über das Netz gewinnen kann. Der Anbieter des Wahlradars ist daher auch keine Universität oder Webschmiede, sondern die internationale PR- und Kommunikationsorganisation ?Publicis Consultants?.

Die Fehler im System
Auch wenn das Wahlradar ein beeindruckendes Stück Technik ist, so muss man den Machern allerdings ins Stammbuch schreiben, dass sie das ?Web 2.0? einfach nicht verstanden haben. Dies wird vor allem aus einer Antwort der Macher im Blog der Seite erkenntlich:
Zum anderen beobachten wir mit Wahlradar neben der Sender-Ebene politischer Botschaften (Webseiten und Blogs von Politikern und Parteien) auch die Empfänger-Ebene (also Webseiten und vor allem Blogs politisch interessierter Bürgerinnen und Bürger).
Diese Definition ist 1.0 und nicht 2.0 ? so funktionieren Blogs nicht. Dieses Kommunikationsschema ist beispielweise Grundlage der gescheiterten kommerziellen Webplattform Trupoli. Die politische Bloglandschaft ist kein Empfänger von Inhalten, die von Parteien und Politikern ausgesandt werden, sie ist Aggregator politischer Botschaften und zunehmend emanzipiert sie sich auch von der Parteiendemokratie und fungiert selbst als Sender. Für eine funktionierende Demokratie wäre es daher der richtige Ansatz, Blogs, also den Bürger, und Politik als dynamisches Kommunikationsmodell zu begreifen. Die Politik muss zuhören und Antworten geben. Die Politikberatung der Macher des Webradars zielt allerdings nicht primär darauf, der Politik ein Meinungsbild zu verschaffen. Vielmehr geht es darum, die Politik zu beraten, wie sie selbst wieder zum Hüter der Meinungshoheit, zum Gatekeeper und Agenda-Setter werden könnte. Wahlkampf 2.0 ? das Netz als neues Schlachtfeld? Das Netz sollte die Augen offen halten. Das Wahlradar ist ein schönes Analyse-Spielzeug und ein sinnvoller Wegweiser für die Weiten des politischen Netzes. Um Meinungsmachern als PR-Werkzeug zu dienen, taugt es allerdings nicht, denn das Netz hat seine eigenen Regeln.
Jens Berger
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Hier fehlt doch irgendetwas?!
@Lago
Yep – ich steckte gerade noch im Lektorat. Ist jetzt natürlich “gefixt” ;-)
Ich halte es da wie der große vorsitzende der ZAF:
http://zenzizenzizenzic.de/archives/2009/05/10/es-kommt-nicht-auf-die-grosse-an-sondern-auf-die-dichte/
Das einzige Positive: Ich werde in keine Schublade gepresst, F!XMBR ist weder links noch rechts, sondern öffentlicher Diskurs.
@Chris
Mich dünkt, der Große Vorsitzende hat da so einiges nicht verstanden ;-)
Der sieht das schon ganz richtig. Das ist Blödsinn, den die Welt nicht braucht. Es dient dazu, irgendwas zu verkaufen, wie schon dieser Schwachsinn Wahlgetwitter. Irgendwelche Honks meinen, sie können. Sie sollten Viagra nehmen. Hätte mehr Erfolg.
Irgendwelchen PR-Mist kann ich auch woanders haben. ;-)
@Chris
Tröste Dich – Du und Ich gehören auch nicht zur potentiellen Kundschaft ;-)
@SF
Mhhhhhhh….
Zwei Ansätze.
Erstmal der Verfolgungswahnbeitrag: ;-) Auf der einen Seite die Frage, wer ist wo mit welchem Thema und welcher Intention/Meinung in welchem Blogg aktiv. Freitag, Nachdenkseiten, Telepolis, etcpp.? So kann man schon mal Netzwerke einer Meinungsrichtung bilden. Eine wehrhafte Demokratie braucht das vielleicht beizeiten.
Anderer Ansatz, wenn da nicht mal für politische Parteien und Organisationen/Verbände interessante Portale zwecks Meinungsverfielfältigung existieren, der man sich ggf. bedienen oder sie gar feindlich übernehmen kann.
Nicht das hier der Spiegelfechter demnächst ein Portal einer SED-Nachfolgorganisation ist. Lemmy ich höre Dich bereits Luft holen. ;-))
Interessant, sowohl die Analysen von Wahlradar und die hübschen Visualisierungen, als auch deine Wahlradar-Analyse!
Dem in die FDP-Schublade zugeordneten Blog http://oeffingerfreidenker.blogspot.com/ habe ich gerade einen Besuch abgestattet. Erste Zeile, oberster Artikel: “Kaum eine andere Partei kann dieser Tage mit einem Wahlprogramm aufwarten, das so unseriös ist wie das der FDP.” Das sind aber kritische Worte für einen FDP-Blog ;-)
Köstlich! Begriffe wie liberal können auch ganz schön verwirrend sein ;-) .
Das Ganze ist überflüssiger Müll.
Hübsches Spielzeug ;)
Allerdings extrem lahm und Ressourcenfressend.
Jep, in der Mitte der Darstellung befinden sich schlicht die Knoten, die am häufigsten von allen Seiten verlinkt sind – so ist nun mal einfacher und übersichtlicher ein Netz planar darzustellen: http://www.graphviz.org/
Das sagt überhaupt nichts über politische Orientierung des Knoten aus.
Je breiter Themenspektrum einer Seite, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Knoten bei Darstellung übersichtlichkeitshalber von Software in die Mitte der Darstellung verschoben wird. Und die verbohrten Randgruppen, ob ‘rinks’ oder ‘lechts’ werden durch Software geballt auf die Ränder der Darstellung verdrängt, damit’s übersichtlicher wird.
In Netzen gibt’s halt weder ‘rinks’ noch ‘lechts’, weder Oben noch Unten. Und in der Mitte befinden sich lediglich die populärsten und einflussreichsten Seiten.
Jö, sie muss es lediglich vor den Wahlen, ansonsten muss sie es überhaupt nicht, auch wenn sie es eigentlich soll.
Genau darum geht es vorrangig politischen Spielern bei der öffentlichen ‘Politik’, die eigentlich keine Politik im eigenen Sinne ist.
Und die Macher des Wahlradars wollen vor allem das Spielzeug gewinnbringend an die Interessenten verkaufen. Daher werden die schon den Interessenten weiss machen, was alles damit anstellen ließe, auch wenn es wieder mal nur ein technisch spektakulärer Griff ins Klo ist.
So ist nun mal in IT – es wird gemacht, was geht, und versprochen, was von Kunden erwartet wird. Im nächsten Schritt wird Kunden nahe gebracht, dass sie genau das erwartet haben und unbedingt brauchen, was geht ;)
Eine Sache an der Sache finde ich dann schon spannend. Sobald anfängt sich die “Gruppen” einzeln in ihrer Vernetzung anzuschauen, wird sichtbar, wie sehr sich Linke mit Liberalen “befassen” und umgekehrt. ;-)
Konservative hingegen befassen sich lieber mit “Unabhängigen” Medien und Organisationen.
Will schreiben Konservative suchen die Machtoptionen. Alle anderen lieber den politischen Gegner oder Mitstreiter. ;-)
@misterL 11
Ja, die Konservativen haben Geld, um die wichtigsten Medien so in der Hand zu haben, wie damals die Kommunisten ihre Medien. Internet noch nicht – noch nicht!
Vorerst müssen sich die Konservativen auch nicht viel Sorgen machen, weil die ?Linken? – der Begriff ist heutzutage nur ein archaischer Unsinn – schon immer Freischärler waren. Sie konnten sich nie einigen. Es hat zwar auch mit der Sache selbst zu tun: Der Konservative verteidigt Status quo und da ist die Lage klar: Die Welt und die Ordnung so wie sie sind. Der ?Linke? hat nur Visionen, und die können sich voneinander unendlich unterscheiden. Deshalb ist der ?Linke? nur dürftig kooperationsfähig. Das sieht man auch im Internet ganz klar. Zwar wird ein bisschen verlinkt, aber das ist alles.
Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.
P.S. Antiferengi versucht eine soz. ?linke Plattform? zu entwerfen, wo man kritisch diskutieren (?chatten?) und neue Gedanken sammeln könnte – mal sehen, was daraus wird.
http://www.antiferengi.de/
@Systemfrager #12
Was solle es schon geben alte Gedanken in neue Worte gekleidet. Mehr geht gar nicht. Es gibt keine neuen Gedanken. Schon gar nicht entlang ideologischer Linien.
Als “linke” weiß man gemeinsam immer wogegen man ist, aber nie gemeinsam wofür. Das ist dann auch der Grund warum selbst bei strategisch möglichen linken Mehrheiten eher bürgerliche Bündnisse gibt. Die Bindung für das gemeinsame wofür ist ausgeprägter. Also auch wenn RRG mit 60% möglich wäre wird es eher Ampel, Jamaika oder eine große Koalition geben, wenn dort es eine Mehrheit von 50% + 1 gäbe. Das ist quasi eine ideelogisches Naturgesetz. ;-)
Was es bedürfte wären idelogische Selbstbefreiungen. Abbau von Feindbildern und neue Freunde finden. Aber dann besteht die “Gefahr” bürgerlich zu werden.
weil ich soeben zum ‘Links’-Sein dies gelesen habe:
“Links ist kein Spaß, der keine Mühe macht, sondern die Mühe um die Entwicklung und
Hegemoniegewinnung eines Projekts solidarisch-ökologischer Vergesellschaftung; eine
Mühe, die auch Spaß machen kann, aber zunächst wirklich Mühe ist: Links ist alles Handeln,
das Welt aus dem Reich des Privateigentums zurückgewinnt, ohne sie dem Reich
des Staatsapparats auszuliefern.” (1997, 20) (W.F. Haug)
Ausgangs- und Zielpunkt jeglicher Untersuchung von Herrschaftsverhältnissen
(nicht nur der immer wieder notwendigen Faschismusanalyse) ist »eine Gesellschaft
der individuellen Freiheit, in der jede und jeder in sozial gleicher Weise an den
Bedingungen eines selbstbestimmten Lebens in sozialer Sicherheit und Solidarität
teilhaben kann« (Klein 2008, 49).”
http://www.linksnet.de/de/artikel/24496
p.s. absolut lesenswert ist in dem ohnehin lesenswerten Artikel auch das zitierte Gespräch mit Hellmut Traub
@misterL 13
Kennt man ganz wenig die Naturwissenschaften, weiß man, dass die ?gedanklichen? Revolutionen möglich ist. Man kann völlig anders denken als gewohnt (Paradigmenwechsel). Deshalb sind die Naturwissenschaften Lichtjahre erfolgreicher als die anderen. In den Sozialwissenschaften und vor allem in der Wirtschaftswissenschaft haben wir seit Adam Smith kein richtiges Paradigmenwechsel. Das ist die wahre Katastrophe. Keynes ist ein richtiges Paradigmenwechsel nicht gelungen, Marx und Neoliberalismus sind reine akademische Idiotien.
Marx ist der wahre Totengräber des linken Denkens. Bekantlich behauptet er: Die Geschichte sorgt für alles, Paradies inklusive, man braucht nur den Kapitalismus zu zerschlagen und alles wird für immer gut sein. Unvorstellbar! Und nun ist seitdem die Kritik das einzige, wofür der Linke überhaupt fähig ist – in Deutschland insbesondere. Der Neoliberale kann wie dumm und dämlich lachen. Der einzige Ausweg:
Vor allem müssen wir unsere Ungeduld zügeln und nicht Wünsche über Realität, Moral über Logik und Tun über Denken stellen. Dies führt nur zum Scheitern und folglich bringt man auch die Idee der Emanzipation und des Fortschritts in Verruf. Die finsteren Kräfte der Vergangenheit – die Unterdrückung, die Ausbeutung und die Unmenschlichkeit – kehren zurück, wie der Kapitalismus des 19. Jahrhunderts heute. Zuerst denken, dann handeln. Denk mit!
@salvo #14
Ich könnte mir verwegen vorstellen, dass das ein bürgerlicher (“Links-”)Liberaler fast wörtlich so sagen und meinen könnte – oder ein AltGrüner. ;-)
@Systemfrager #15
Die Naturwissenschaft selbst hatten (und haben) auch (noch) einige Befreiungskriege zu führen gegen Zeitgeist, Kirche, Staat.
@misterL #16 => #14
“… individuellen Freiheit, in der jede und jeder in sozial gleicher Weise an den Bedingungen eines selbstbestimmten Lebens in sozialer Sicherheit und Solidarität teilhaben kann.”
Recht hast du, darüber hinaus ein Vorzeigebeispiel für eine inhaltsleere Phrasendrescherei ;-)
@Systemfrager #17
Yepp, solange es an einer realistischen Umsetzung mangelt mit einem Menschenbild das funktioniert….
Ich hatte, denke ich ,auch recht mit 16–>15. ;-)
es wäre schön, wenn sich die aggressive Rhetorik etwas zügeln würde und sachlich erläutern, was denn ‘inhaltsleer’ ist. Vielleicht liegt es ja auch an meiner nichtdeutschen naivität, dass ich einen Inhalt ausmachen kann :-)
“Ich könnte mir verwegen vorstellen, dass das ein bürgerlicher (?Links-?)Liberaler fast wörtlich so sagen und meinen könnte – oder ein AltGrüner”
ja und? das gilt für die Sprache an sich, macht das denn auch das revolutionäre “liberté, égalité, fraternité” zur ‘inhaltsleeren Phrasendrescherei” ?
@salvo #19
Jeder rhetorisch geschulter Schöngeist einer fast x-beliebigen ideologischen “Grund-”Schule könnte den Auszug aussprechen. Ausnahme vielleicht Betonköpfe neoliberaler Schule oder Rassisten.
@salvo #20
So leid es mir für meine eigene politische Heimat selber tut. Am Ende: ja.
“Jeder C könnte den Auszug aussprechen. Ausnahme vielleicht Betonköpfe neoliberaler Schule oder Rassisten.”
ich weiß nicht, was Du unter einem ‘Schöngeist’ versteht, klingt ziemlich arrogant, aber bitte, selbst wenn es dem so wäre, was macht der Umstand, dass ein Jeder sich einer Sprache bedienen kann, aus dieser ‘inhaltsleere Phrasendrescherei”?
@salvo #22
Die Realität?!?
@salvo #20
Frage: Macht das denn auch das revolutionäre ?liberté, égalité, fraternité? zur “inhaltsleeren Phrasendrescherei?
Antwort: Nein, hinter diesen Begriffen steht:
1) Kurz zusammengefasst: Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte
http://de.wikipedia.org/wiki/Erkl%C3%A4rung_der_Menschen-_und_B%C3%BCrgerrechte
2) Die ganze frühliberale Theorie über die ?natürliche Freiheit?
Bemerkung: Zwischen der frühliberalen ?natürlichen Freiheit? und der neoliberalen ?individuellen Freihat? ist der Unterschied so groß wie zwischen Marx und Stalinismus.
(Vergleich hinkt ein bisschen, weil der Marxismus ein Schwachsinn ist, der Frühliberalismus der großartigste Sieg der Vernunft und der Humanität in der ganzen Geschichte.)
@Systemfrager #24
Du schwächelst. ;-) Am Ende ist es wie mit dem GG in Papierform und dem gelebten GG. In den vielen kleinen (aber grossen) Abweichungen die dazwischen stecken (im Einzelfall) immer auch die Anteile Phrasendrescherei.
An sich ist die Hartz IV Gesetzgebung schwerlich mit dem GG in Einklang zu bringen (als Beispiel).
Bringe mal Artikel 3 Deines Wiki-Linkes in Verbindung zur Bedeutung der diversen Lobbygruppen mit Sitz in Berlin, oder Brüssel.
Ich glaube, ich könnte es umfassend ausweiten. ;-)
ok, wir reden wohl verschiedene Sprachen :-)
@misterL #25
Nein, nein! Die “natürliche Freiheit” war ein großer Fortschritt. Die “individuelle Freiheit” ihr Verrat.
Schade, dass ich nicht bereits fertig habe, woran ich gerade arbeite. Aber es wird noch Gelegenheiten geben ;-)
Lieber Systemfrager,
ein großes Problem einer gewissen linken Theorie besteht einfach darin, dass versucht wurde einen Ansatz zur Erklärung der gesamten Welt zu liefern. Das führt zu Theoriegebäuden mit immer mehr Erkerchen, Lichtschächten oder direkt ganzen Stockwerken. Das Grundproblem solcher Theoriegebäude besteht darin, dass sie irgendwann nicht mehr mit aussen kommunizieren, da man einfach nicht bereit ist, die Grundprämissen zu hinterfragen. Dies würde nämlich daran hindern, zu radikalen Schlußfolgerungen zu gelangen.
Menschen mit weniger Ambitionen zur Schaffung einer perfekten Welt denken weniger über die großen Erklärungsansätze nach. Sie suchen opportunistisch (von oportunidad: Chance, Möglichkeit) nach Wegen in dieser Welt. Erstaunlich viele sind dabei nicht unzufrieden
@Systemfrager #27
Du wirst also fertig mit Deiner Arbeit? ;-)
@salvo #26
Wie man es nimmt. Es könnte (das ist meiune Vermutung) einfach eine Frage des persönlichen Alters sein. Ab einer Grenze verlieren sich Ideal im Nebel der Realität. Nicht, das man sie nicht mehr hat – die Ideale. Aber der Glaube an die Erreichbarkeit zu persönlichen Lebzeiten reduziert sich. Will schreiben (ganz ohne Arroganz) persönliches Alter macht erfahrener – nicht zwingend intelligenter, in jedem Fall aber entwickelt sich mehr Realitätssinn. ;-) Nicht immer, aber an sich öfter.
@misterL #28
Und ob bin ich (auch zu dem Thema) bald fertig. Was schon fertig sit, kannst du dir anschauen
http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/steuerung.php?tbch=ba
Noch eine Bemerkung: Der Erfahrene sollte aber auch bereits erfahren haben, dass auch die längste Reise mit dem kleinen Schritt beginnt. (Das ist nun meine Erfahrungsreife.)
@COPOCA 10
So ist nun mal in IT – es wird gemacht, was geht, und versprochen, was von Kunden erwartet wird. Im nächsten Schritt wird Kunden nahe gebracht, dass sie genau das erwartet haben und unbedingt brauchen, was geht ;)
Volle Zustimmung.
Tatsächlich hat man bereits in Zeiten des Internethypes überlegt ob man mit Webscannern nicht politische, oder meinungsorientierte Schwerpunkte herausfiltern kann. Viele Gedanken kamen dabei auf. Die ersten Interessenten waren immer die welche selber Schwerpunkte setzen wollten. Die nächsten Interessenten ware fast automatisch Leute mit Absatz- und Werbeinteressen. Ist der Anfang einmal gesetzt werden nicht nur Blogs erfasst.
Generell sollte man diese Art von Software ablehnen. Wenn ihrs nicht macht werdet ihr damit leben müssen. Und es bleibt sicher nicht bei diesen Anfängen. Diese Form von Webscannern sind die Marktforschungsinstitute fürs Internet von morgen.
@Systemfrager
Ist ja schon richtig
und ergänzend, auch die kürzeste Reise endet nicht, sondern ist nur der Startpunkt für die nächste Reise. ;-)
Soso, die blaue Narzisse ist CDU-nah und AI ist links. Interessant ;)