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  • Rauchsignale aus Hamburg

    geschrieben am 04. Juni 2009 von Spiegelfechter

    Wenn die Speerspitze des deutschen Qualitätsjournalismus über wissenschaftliche Studien schreibt, sollte man als qualitätsverwöhnter Konsument annehmen, die veranwortlichen Journalisten hätten sich mit der Thematik beschäftigt und zumindest die Dokumente, über die sie schreiben, auch gelesen. Wenn man den heute erschienen SPIEGEL-Artikel “Krankenversicherer sollen Milliarden in Tabakfirmen investiert haben” ein wenig genauer liest, können einem jedoch Zweifel an der akribischen Arbeit der Alpha-Journalisten aus Hamburg kommen.

    Auf den ersten Blick erscheint der Vorwurf widersinnig: Kranken- und Lebensversicherer in den USA, Kanada und Großbritannien sollen gewaltige Anteile an Tabakkonzernen besitzen, obwohl deren Produkte die Kosten für die Assekuranzen eigentlich erhöhen müssten. Doch genau das ist der Fall, wie drei US-Mediziner jetzt im renommierten Fachblatt “New England Journal of Medicine” (NEJM) schreiben.
    SPIEGEL-ONLINE

    Der SPIEGEL hat in einem Punkt recht – das NEJM ist ein renommiertes Fachblatt. Vor einigen Jahren publizierte dieses renommierte Fachblatt eine aufsehenerregende Studie von Forschern der Erasmus-Universität in Rotterdam, die sich mit den Kosten des Tabakkonsums für das Gesundheitssystem beschäftigte. Die Forscher fanden heraus, dass eine Gesellschaft ohne Raucher langfristig höhere Kosten für das Gesundheitssystem aufbringen müsste. Was auf den ersten Blick widersprüchlich klingen mag, erklärt der angesehene Sozialstatistiker Prof. Walter Krämer folgendermaßen:

    Die berühmte Untersuchung von Leu und Schaub von der Universität Basel zu Rauchen und Gesundheitskosten in der Schweiz, die u.a. zu dem Ergebnis kamen, daß die Schweiz langfristig eher mehr statt weniger für die Gesundheit ausgeben müßte, wenn es dort seit hundert Jahren keine Raucher gäbe. So paradox das auf den ersten Blick auch klingt, aber das Gesundheitswesen würde durch ein totales Rauchverbot nicht billiger, sondern langfristig nur noch teurer (weil nämlich die Kosten, die in den Extra-Lebensjahren des Nichtrauchers entstehen, die vorher gesparten Ausgaben mehr als aufwiegen). Wenn man also ernstnimmt, was man die letzten Monate zu Bonus-Malus beim Krankenkassenbeitrag liest, müßten den Rauchern kein Malus, sondern ein Bonus auf ihren Kassenbeitrag eingeräumt werden (was, nebenbei bemerkt, auch die beste Methode wäre, sie von diesem Laster ein für allemal zu heilen).
    Prof. Walter Krämer

    Glaubt man den Forschern aus den Niederlanden und der Schweiz, dann wäre das Investment der Krankenversicherungskonzerne auf eine geradezu perfide Art und Weise profitabel. Je eher ein Raucher stirbt, desto günstiger ist er für die Kassen. Genau diese Perfidie greifen auch die Autoren des Leserbriefes an das NEJM auf, den der SPIEGEL-Artikel zitiert.

    Aber es geht in dem Brief ja nicht nur um Krankenversicherer, sondern vor allem um Lebens- und Pflegeversicherer. Dass die verkürzte Lebenszeit von Rauchern deren Profite steigert, dürfte unbestritten sein. Jede Lebensversicherung, die verrentet ausgezahlt wird, ist für den Versicherer umso profitabler, je kürzer das Leben des Versicherten ist. Es dürfte daher kaum ein Zweifel daran bestehen, dass Lebensversicherer von Rauchern und somit auch von einer erfolgreichen Tabakindustrie profitieren.

    Die Autoren der Studie werfen den Versicherern vor, dass es ihnen nicht um die Gesundheit der Menschen, sondern lediglich um Profite gehe. Obwohl es auf den ersten Blick widersprüchlich erscheine, verdienten die Konzerne sowohl mit dem Verkauf von Versicherungen als auch am Gewinn der Tabakkonzerne. Zwar mache der Tabakkonsum Menschen krank und erhöhe so die Kosten für die Versicherer. Zugleich aber würden Raucher häufig von Versicherungen ausgeschlossen oder müssten höhere Beiträge bezahlen, so die Autoren.
    SPIEGEL-ONLINE

    Kommerziellen Versicherungskonzernen geht es um Profite und nicht um die Gesundheit der Menschen? Ei der Daus! Das ist eine sensationelle Erkenntnis, die die Welt aus den Fugen hebt. Es ist aber überraschend, was SPIEGEL-Autoren in einen Brief hineininterpretieren. Im fraglichen Brief, der im NEJM abgedruckt wurde, steht nirgends, dass Tabakkonsum die Kosten der Versicherer erhöhe – hier ist den SPIEGEL-Autoren wohl ihre Phantasie durchgegangen. Selbst wenn man die Studien der Erasmus-Forscher nicht kennt oder wahrnehmen will, so gibt es keinen ernsthaften Beleg dafür, dass Lebens- und Pflegeversicherer durch Raucher höhere Kosten hätten – im Gegenteil. Das wissen die NEJM-Autoren, nur die Qualitätsjournalisten vom SPIEGEL wissen dies anscheinend nicht – ein grober handwerklicher Schnitzer.

    Die Rechercheergebnisse der NEJM-Autoren werfen ein schlechtes Licht auf die Versicherungskonzerne. Es kann und darf nicht sein, dass Unternehmen, die ihr Geld mit Dienstleistungen rund um Krankheiten, Pflege und dem Tod verdienen, in die Tabakbranche investieren. Dies ist ein Zeichen der Perversion des profitorientierten Versicherungswesen. Um die wahre Tragweite dieses Skandals herauszufinden, muss man sich allerdings von Fehleinschätzungen verabschieden. Das Investmentverhalten der Versicherungskonzerne ist nicht widersprüchlich, sondern in seiner ganzen Perfidie schlüssig. Wer Elemente der Daseinsvorsorge privatisieren will, muss wissen, wem er seine Bürger anvertraut. Und Unternehmen, die mit der Tabakindustrie ins Bett gehen, sollte man seine Bürger nicht anvertrauen.

    Jens Berger

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    34 Kommentare Print This Post
    Wenn die Speerspitze des deutschen Qualitätsjournalismus über wissenschaftliche Studien schreibt, sollte man als qualitätsverwöhnter Konsument annehmen, die veranwortlichen Journalisten hätten sich mit der Thematik beschäftigt und zumindest die Dokumente, über die sie schreiben, auch gelesen. Wenn man den heute erschienen SPIEGEL-Artikel "Krankenversicherer sollen Milliarden in Tabakfirmen investiert haben" ein wenig genauer liest, können einem ...
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    34 Kommentare:

    1. Horscht schrieb am 4. Juni 2009 at 19:48 - Permalink

      Die Krankenversicherer als Tabak-Investoren?
      Folgerichtig wäre es schon, denn Raucher verursachen geringere Kosten.
      “Heroin auf Rezept” geht in die selbe Richtung?

    2. Karl Heinrich schrieb am 4. Juni 2009 at 19:58 - Permalink

      Natürlich ist es auch wieder nicht im Sinne der Versicherer, wenn Freund Hein sich Beitragszahler holt. Insofern ist die Mortalität altersmäßig wohl zu kalkulieren. Zum Beispiel geht das Pushen von Motorbiking gar nicht.

    3. Spiegelfechter schrieb am 4. Juni 2009 at 20:00 - Permalink

      @Karl-Heinrich

      Und da kommt Tabak ja genau richtig – die (m.W.) 7 Jahre Lebensverkürzung sind ökonomisch optimal. Noch besser wäre nur Soylent Green mit 65 ;-)

    4. Loewie schrieb am 4. Juni 2009 at 20:54 - Permalink

      “Rauchen ist demografischer Anstand” wäre doch ein hübscher Spruch um die geplanten Bildchen abzudecken.

    5. egghat schrieb am 4. Juni 2009 at 21:28 - Permalink

      Ich habe das Ergebnis der (leider sehr unbekannten) Studie anders im Kopf. Ich bin Blogger und muss das nicht recherchieren ;-)

      Ich kenne die (evtl eine andere) Studie so:

      Wenn jemand raucht, produziert er folgende “Vorteile”:

      a) Einnahmen aus Tabaksteuer
      b) weniger Ausgaben für das Gesundheitssystem im Alter durch früheren Tod
      c) weniger Ausgaben für die Rentenkasse im Alter durch früheren Tod

      Dagegen steht folgender Nachteil:

      A) mehr Ausgaben für das Gesundheitssystem durch teure Krankheit (oft Krebs) vor dem Tod
      B) mehr Ausgaben für das Gesundheitssystem durch mehr Krankheiten (Bronchitis, Schlaganfall, …) selbst ohne Tod.

      Du sagst jetzt, dass Punkte b, A und C, also die, die nur das Gesundheitssystem betreffen, bereits eine positive Bilanz ergeben. Das kann ich mir fast nicht vorstellen, denn die Einnahmen aus a) sind *extrem* hoch. Und diese Einnahmen bekommt ja nicht der Krankenversicherer, sondern der Staat. Das entlastet das Gesundheitssystem erst einmal um keinen Cent.

      Wenn man alles mit in die Rechnung einbezieht (früher Tod spart Gesundheitskosten im Alter + weniger Rente) und dagegen die Mehreinnahmen an Tabaksteuer rechnet, ist die Rechnung eindeutig. Wenn man die Ersparnis in der Rente weglässt und die Mehreinnahmen der Tabaksteuer ebenfalls, kann ich mir fast nicht vorstellen, dass ein Raucher dann *allein fürs Gesundheitssystem* auch schon ein Plusfaktor sein kann. Die Krankheiten, die ein Raucher typischerweise bekommt, sind leider ziemlich teuer.

    6. Spiegelfechter schrieb am 4. Juni 2009 at 21:38 - Permalink

      @egghat

      Ich habe das Ergebnis der (leider sehr unbekannten) Studie anders im Kopf. Ich bin Blogger und muss das nicht recherchieren ;-)

      Nee, aber lesen hättest Du die beiden verlinkten Dokumente schon können, dann hätte ich mir diese Antwort ersparen können ;-)

      Wenn jemand raucht, produziert er folgende ?Vorteile?:

      a) Einnahmen aus Tabaksteuer
      b) weniger Ausgaben für das Gesundheitssystem im Alter durch früheren Tod
      c) weniger Ausgaben für die Rentenkasse im Alter durch früheren Tod

      Dagegen steht folgender Nachteil:

      A) mehr Ausgaben für das Gesundheitssystem durch teure Krankheit (oft Krebs) vor dem Tod
      B) mehr Ausgaben für das Gesundheitssystem durch mehr Krankheiten (Bronchitis, Schlaganfall, ?) selbst ohne Tod.

      Nein – A ist falsch, da ein Nichtraucher auch an irgendetwas sterben muss und die Behandlungskosten über den Daumen gepeilt gleich sind.

      Etwas platt gesagt, der Nichtraucher, der nicht mit 65 am Lungenkrebs stirbt, stirb mit 85 an Darmkrebs. Die Kosten für das letze halbe Lebensjahr sind gleich, aber die Jahre zwischen 65 und 85 sind für die Kassen sehr teuer, da in dieser Altersklasse die Kosten für die Kasse die Einnahmen meist deutlich übersteigen.

      Du sagst jetzt, dass Punkte b, A und C, also die, die nur das Gesundheitssystem betreffen, bereits eine positive Bilanz ergeben. Das kann ich mir fast nicht vorstellen, denn die Einnahmen aus a) sind *extrem* hoch. Und diese Einnahmen bekommt ja nicht der Krankenversicherer, sondern der Staat. Das entlastet das Gesundheitssystem erst einmal um keinen Cent.

      Richtig – darum spielt a) bei der ganzen Rechnung auch gar keine Rolle.

    7. nescio quis schrieb am 4. Juni 2009 at 22:00 - Permalink

      Starker Tobak

      Erst “100 Zeilen Hass für Sabine Bätzing”
      und jetzt “Rauchsignale aus Hamburg”…hmmm listig!

      Für Desorientierte

      Der verlinkte Artikel von Prof. Walter Krämer erinnert mich
      irgenwie an Opa’s Ratschlag: “…von Pfaffen, Ärtzen und Apothekern halte
      dich fern!”

      btw ” img src” funktioniert nur in der Vorschau!???

    8. Spiegelfechter schrieb am 4. Juni 2009 at 22:16 - Permalink

      @nescio quis

      Koinzindenz der Ereignisse – reiner Zufall ;-)

      Zum Thema Bilder:

    9. 1000Sunny schrieb am 4. Juni 2009 at 22:24 - Permalink

      @Loewi
      ?Rauchen ist demografischer Anstand? – der gefällt mir als Spruch – die Wahrheit dahinter gefällt mir nicht.

      @SF 7
      A stimmt. Du hast vergessen Inflation, Verzinsung und medizinischen Fortschritt mit einzurechnen. Wenn also die “gleichen” Kosten erst 20 Jahre später getragen werden müssen, dann sind es doch nicht die gleichen Kosten.

      Ansonsten finde ich, dass Leben nicht in Geld gemessen werden kann. Da hört für mich der Kapitalismus auf.

      Und was ich sehr interessant finde ist Dein Hang über Politiker zu schimpfen und dann im nächsten Satz mehr staatliche Regulierung zu fordern.
      Ich glaube Du müsstest mal wieder richtig durchregiert werden ;)

    10. Spiegelfechter schrieb am 4. Juni 2009 at 22:35 - Permalink

      @1000Sunny

      A stimmt. Du hast vergessen Inflation, Verzinsung und medizinischen Fortschritt mit einzurechnen. Wenn also die ?gleichen? Kosten erst 20 Jahre später getragen werden müssen, dann sind es doch nicht die gleichen Kosten.

      Die Inflation macht natürlich nicht vor medizinischen Kosten halt – daher ist sie natürlich da auch mit eingepreist. Wenn ich von den “gleichen” Kosten spreche, meine ich natürlich die inflationsbereinigten gleichen Kosten..

      Und der medizinische Fortschritt stützt eher meine Argumentation, als Deine. Wie Du weißt – und gerne bei Krämer (Link im Text) nachlesen kannst – wird das Gesundheitssystem durch den Fortschritt nicht billiger, sondern ganz gehörig teurer.

      A stimmt also auf keinen Fall.

      Ansonsten finde ich, dass Leben nicht in Geld gemessen werden kann. Da hört für mich der Kapitalismus auf.

      100% ACK

      Und was ich sehr interessant finde ist Dein Hang über Politiker zu schimpfen und dann im nächsten Satz mehr staatliche Regulierung zu fordern.

      Das ist kein Widerspruch. Gewisse Bereiche muss(!) der Staat managen – selbst mit schlechten Politikern.

    11. egghat schrieb am 4. Juni 2009 at 23:07 - Permalink

      Hmmm. Das ist ja interessant, aber ich zweifle trotzdem. Irgendwie fehlt mir in der Rechnung eine Erwähnung der EINNAHMEN. Wo sind die Kosten durch mehr Krankheit (Bronchitis)? Wo sind die Mindereinnahmen der Krankenkassen durch die Raucher, die mit 50 sterben?

      Ich akzeptiere, dass jemand, der mit 50 stirbt in etwa die gleichen Kosten verursacht, wie jemand, der mit 80 stirbt, weil eh nur die letzten Tage (besser Monate) vor dem Tod kostenmäßig so richtig reinhauen.

      Klar. Der Raucher könnte im Schnitt genau bei Rentenbeginn sterben. Dann wäre er (aus Kostengesichtspunkten) ziemlich optimal – immer bezahlt, Kosten im Schnitt wie alle anderen.

      Übrigens will ich jetzt nicht zu besserwisserisch sein, aber ich bin mir fast sicher, dass man Studien mit anderen Ergebnissen finden könnte. Ich geh noch mal auf die Suche ;-)

      OK, hab’s schon.

      Der Suchbegriff nach den Autoren und der Studie, auf die sich scheinbar alle berufen, gibt folgendes: http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/4b04788c-a151-4231-a0a4-4a00ebb1fd6d.aspx

      Das ist das Ergebnis, das ich auch kenne. Raucher SIND für das Gesundheitssystem teurer, selbst nach Berücksichtigung der gesparten Pensions/Rentenansprüche bleibt noch ein Minus. Die “Ersparnis” für den Staat tritt erst ein, wenn die Einnahmen der Tabaksteuer dagegen gerechnet werden.

      Das sind alles keine absoluten Ergebnisse. Die Studie ist auch schon über 20 Jahre alt (und die Datenbasis noch älter).

    12. Spiegelfechter schrieb am 4. Juni 2009 at 23:42 - Permalink

      @egghat

      Hmmm. Das ist ja interessant, aber ich zweifle trotzdem. Irgendwie fehlt mir in der Rechnung eine Erwähnung der EINNAHMEN. Wo sind die Kosten durch mehr Krankheit (Bronchitis)? Wo sind die Mindereinnahmen der Krankenkassen durch die Raucher, die mit 50 sterben?

      Das ist ja eben die Feinheit von Statistik. Natürlich stimmt die Aussage für den 50-jährigen Toten nicht, für den 65-jährigen aber schon. Entscheidend ist hier, dass viel mehr 65-jährige an den Folgen des Rauchens sterben als 50-jährige. Die Summe ist mehr als ihre Einzelteile :-)

      Ich akzeptiere, dass jemand, der mit 50 stirbt in etwa die gleichen Kosten verursacht, wie jemand, der mit 80 stirbt, weil eh nur die letzten Tage (besser Monate) vor dem Tod kostenmäßig so richtig reinhauen.

      Richtig

      Klar. Der Raucher könnte im Schnitt genau bei Rentenbeginn sterben. Dann wäre er (aus Kostengesichtspunkten) ziemlich optimal – immer bezahlt, Kosten im Schnitt wie alle anderen.

      Richtig.

      Übrigens will ich jetzt nicht zu besserwisserisch sein, aber ich bin mir fast sicher, dass man Studien mit anderen Ergebnissen finden könnte. Ich geh noch mal auf die Suche ;-)

      OK, hab?s schon.

      Jein – ich habe die Studie der Holländer verlinkt und Krämer, der idT eine(!) der beiden Studien anspricht, die im verlinkten NZZ-Artikel genannte wurden. Im Artikel bezieht sich der Autor aber auch auf die amerikanische Studie von Rand. Die USA haben nun aber ein ganz anderes Gesundheits-, Renten- und Pflegesystem, dass da keine großen Ersparnisse durch vorzeitiges Ableben entstehen, ist klar. Je mehr Staat in den Systemen ist, desto mehr spart der Staat durch Raucher – in den USA sparen die Privaten ;-)

      Ich würde mal die Einbeziehung der Tabaksteuer ganz heraus lassen, zumal das ansonsten sehr komplex würde, da jeder Euro nur einmal ausgegeben werden kann und der Raucher für Ausgaben jenseits der Zigaretten auch Steuern bezahlt.

    13. 1000Sunny schrieb am 4. Juni 2009 at 23:48 - Permalink

      @SF
      Bei der Inflation d’accord.
      Mit Krämers Analyse der Kostenentwicklung bin ich aber nicht einverstanden. Er benützt zwei Punkte. Wenn Du Dir das graphisch vorstellst, so könnte ich durch die beiden Punkte eine lineare Gerade, oder eine logarithmische Kurve zeichnen, oder was auch immer ich will. Ich glaube zwischen 1955 ist ein drastischer Anstieg. Zwischen 1955 und 1960 auch – aber zwischen 2004 und 2009 dürfte der Anstieg nicht so dramatisch ausfallen. Außerdem misst er Krankenhaustage – viele Dinge, die damals im Krankenhaus behandelt werden mussten, werden heute ambulant in einer Praxis behandelt – das ist ein deutliches Absinken der Kosten.
      Zusätzlich hast Du eine explodierende Verwaltung und einen Overhead, der sich nicht mehr mit dem von 1955 messen kann. Heute kommt also ein viel kleinerer Bruchteil bei der echten medizinischen Versorgung an, als noch 1955.

      Vielleicht wäre Ivan Illich mal eine interessante Denkanregung für Dich in dieser Richtung (Fortschrittsmythen bzgl. Gesundheit).

      Vielleicht muss “der Staat” gewisse Dinge regulieren – aktuell ist er aber deutlich am überborden und die Gesetze veranlassen Leute dazu Gehorsam an die Stelle von umsichtigen Handeln zu setzen – wo dann keine Gesetze ist, fehlt aber das frühere umsichtige Handeln.

    14. Max Krapp schrieb am 5. Juni 2009 at 00:03 - Permalink

      @ 3 SF
      “You got to tell them! Syolent green is people!”

      Hat schon jemand die Sozialverträgliche Frühversterbung erwähnt ?-)

      @ 8 SF
      Wie ist das mit Videos?
      Genauso?

      Lg,
      Max

    15. nescio quis schrieb am 5. Juni 2009 at 00:27 - Permalink

      Off topic

      Testbild

      WordPress + XHTML 1.0 Transitional scheint irgenwie nicht zu funzen
      weder das benötigte “alt” Attribut bzw. optionale “height=” u, “width=” Attribute
      bringen Abhilfe. Funktioniert leider nur in der Vorschau.
      Könnte am “WP Ajax Edit Script” liegen?

    16. Ernte23 schrieb am 5. Juni 2009 at 06:36 - Permalink

      Natürlich sind Raucher für eine Krankenversicherung ein “gutes”Risiko. Sie zahlen ein Leben lang ein und sterben früher als der Durchschnitt. Die größten Kosten für die Kassen kommen hauptsächlich im höheren Alter. Und da hat der NR bzw. der Fettleibige oder Otto Normalverbraucher seine Zipperlein… Wenn es Krebs ist: Morphium ist im Krankenhaus billiger als auf der Straße!
      Ergo: Es ist mal wieder erfolgreich eine Meinung etabliert worden, mit der sich gut verdienen läßt.

    17. Goldener Reiter schrieb am 5. Juni 2009 at 07:37 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Danke, dass Du noch mal darauf hinweist, dass Raucher durch ihr sozialvertraegliches Fruehableben einen wichtigen Beitrag zu Wachstum und Wohlstand leisten. Es wird Zeit, dass auch das Gesundheitswesen endlich nach rationalen, oekonomischen Kriterien umgestaltet wird. Denn schliesslich leben wir in einer freien, kapitalistischen Gesellschaft, in der alles, auch die Gesundheit, nach rein objektiven (=monetaeren) Kriterien zu beurteilen ist.

      Ich fuer meinen Teil bleibe aber trotzem Sozialschmarotzer (=Nichtraucher) mit der Absicht, den nachfolgenden Generationen noch moeglichst lange auf der Tasche zu liegen.

      PS: Musste beim Lesen des Artikel doch irgendwie an Schramms Stiftungsinitiative “Leben jetzt” denken ;)

    18. OAlexander schrieb am 5. Juni 2009 at 08:13 - Permalink

      Alle wollen bis 100 leben. Bis 70 arbeiten will keiner, und die Rentenbeiträge sind sowieso zu hoch. Türken, Afrikaner und Raucher will auch keiner. Lang lebe Willie Wonka!

    19. misterL schrieb am 5. Juni 2009 at 08:42 - Permalink

      Insgesamt ein “schönes” Beispiel einer mental kranken Gesellschaft. Aber an sich erwartet man nichts anderes.

      Allerdings einen Einwand hätte ich:

      Und Unternehmen, die mit der Tabakindustrie ins Bett gehen, sollte man seine Bürger nicht anvertrauen.

      nicht nur Unternehmen sollten nicht mit der “Tabakindustrie ins Bett gehen”. ;-)

    20. egghat schrieb am 5. Juni 2009 at 10:33 - Permalink

      OK, einigen wir uns darauf: Es gibt eine Studie, die sagt, Raucher sind für die Kosten im Gesundheitssystem eine Entlastung (“Deine” Studie) und es gibt eine Studie, die sagt, dass Raucher zwar Mehrkosten im Gesundheitssystem verursachen, diese aber durch die Ersparnis im Rentensystem und die Einnahmen durch Tabaksteuer überkompensiert werden (“Meine” Studie).

      Desweiteren können wir noch konstatieren, dass mein Gedächtnis das Ergebnis “meiner” Studie noch ganz gut zusammenbekommen hat, dass ich die verlinkten Seiten nicht alle gelesen habe, aber trotzdem feststellen musste, dass “deine” Studie just aus dem Land (NL) kommt, in dem Altria (Phillip Morris) seinen Hauptsitz hat. Ich könnte daraus was basteln, aber verschwörungstheoretisch bin ich nicht fit.

      Spannend ist “deine ” Studie auf jeden Fall. Die meisten Leute sind schon völlig schockiert, wenn ich ihnen das erzählt habe, was ich wusste. Und deine Ergebnisse sind ja noch krasser.

    21. Spiegelfechter schrieb am 5. Juni 2009 at 10:42 - Permalink

      @Egghat

      Yep – summa summarum können wir uns darauf einigen. Aber deine “VT” finde ich doch ein wenig seltsam – das erzähle mal der Erasmus-Universität und dem NEJM ;-)

      Ich musste auch stutzen, als ich vor enigen Jahren zum ersten mal in einem Fachartikel von Walter Krämer über diese Zahlen gelesen habe. Dieser Artikel war mit vielen Daten und Studien unterfüttert, die keien Zweifel an seiner Aussage aukommen ließen. Leider weiß ich nicht mehr, in welchem Fachmagazin der Artikel seinerzeit publiziert wurde.

      Es gab auch mal einen schweizer Kranken(!)versicherer, der Rauchern einen Bonus angeboten hatte – dieses Modell wurde aber von einer schweizer Aufsichtsbehörde (?) aus ethischen Gründen verboten.

    22. misterL schrieb am 5. Juni 2009 at 11:13 - Permalink

      Eine Frage hätte ich noch. Wer hat die Studie bezahlt?

    23. egghat schrieb am 5. Juni 2009 at 12:35 - Permalink

      Die VT war nicht ernst gemeint, nur zur Klarstellung.

      Und was das Original der Studie angeht: Ja, die wäre natürlich hilfreich, weil wir nur über Zusammenfassung und Zweitquellen diskutieren. Aber das Ergebnis ist auch so interessant genug; Nachrechnen wollte ich das sowieso nicht ;-)

    24. Thomas schrieb am 5. Juni 2009 at 16:08 - Permalink

      Mal ein ganz anderer Punkt:

      Ob Versicherungskonzerne in die Aktien von Tabakherstellern investieren oder nicht hat doch keinen Einfluß darauf, wieviele Zigaretten von den Tabakherstellern verkauft werden. Das wäre höchstens dann der Fall, wenn auch sonst niemand die Aktien haben will, und die Tabakhersteller sich deswegen selbst liquidieren. Das ist aber eher nicht zu erwarten.

    25. Karl Heinrich schrieb am 5. Juni 2009 at 17:07 - Permalink

      @Goldener Reiter #17

      Es wird Zeit, dass auch das Gesundheitswesen endlich nach rationalen, oekonomischen Kriterien umgestaltet wird. Denn schliesslich leben wir in einer freien, kapitalistischen Gesellschaft, in der alles, auch die Gesundheit, nach rein objektiven (=monetaeren) Kriterien zu beurteilen ist.

      Mal wieder der alte linke Gutmenschen-Sprech, nach dem Gesundheitsleistungen nur in einer perversen, kapitalistischen Welt nicht for free zur Verfügung stehen.

      Und ja, mit dem begrenzten monetären Wert des statistischen Lebens hantieren wir implizit andauernd. Andernfalls wären die Kosten von Vorsorgemaßnahmen unendlich.

    26. Chat Atkins schrieb am 5. Juni 2009 at 18:11 - Permalink

      Generell ist es wohl allgemein so, dass ein Mensch den Löwenanteil der individuellen Gesundheitskosten in seinem letzten Lebensjahr verursacht. Hierbei ist es völlig unerheblich, ob er zu dem Zeitpunkt 30 Jahre oder 90 Jahre alt ist, ob er dick oder dünn ist, ob Raucher oder Nichtraucher. Der letzte Unfall oder die ‘Krankheit zum Tode’ verursacht die höchsten Kosten durch den großen Aufwand an Intensivmedizin.

      Bei einer volkswirtschaftlichen Betrachtung quer über alle Sozialversicherungen hinweg – Rente, Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Ausbildungskosten usw. – kommt dagegen ein Mensch, der etwa mit 58 Jahren abnibbelt, die Gesellschaft wohl ‘am günstigsten’. Jetzt ist seine Ausbildung allmählich veraltet, physiologisch wird er zum ‘Minderleister’, einer Frühverrentung, welche die Allgemeinheit nur Geld kosten würde, entzieht er sich freundlicherweise. Er war immer nur Einzahler ins System – und er erhält nichts mehr ausbezahlt. Das alles klingt zwar äußest zynisch, es ist aber auch nicht zynischer, als manche ‘Versicherungsbetrachtungen’.

    27. Dorian schrieb am 5. Juni 2009 at 20:42 - Permalink

      Erinnert sich noch einer an Brave New World, in welcher die Alten genetisch vorprogrammiert konsequent bis 60 (??) jung und leistungsfähig blieben und dann schlagartig dement wurden, in “Sterbeanstalten” dann mit Soma (Droge) versorgt wurden, bis sie dann genetisch vorprogrammiert recht bald starben?
      Wir sind wohl mal wieder soweit.

      Was Gesundheitssysteme angeht: es ist erstrebenswert, der gesamten Bevölkerung eine bestmögliche Krankenversicherung zur Verfügung zu stellen. Da Arbeit immer weniger physisch anstrengend wird und Menschen bis ins hohe Alter geistig fit bleiben können (und physisch auf Teilzeit gehen könnten), macht das volkswirtschaftlich gesehen sogar Sinn.

      Eigentlich müsste es für Krankenversicherungen gerade auch Sinn machen, in Sportvereine zu investieren, wegen all der guten vorbeugenden Effekte von sportlicher Betätigung (weniger teure Bandscheibenvorfälle, weniger Fettleibigkeit, weniger Rückenprobleme bei Büroarbeitern, psychologisch ausgeglichener, soziale Kontakte, Sportler rauchen weniger häufig…).

      Ich sehe es ähnlich wie Spiegelfechter: gewisse Bereiche dürfen nicht oder nicht vollständig privatisiert werden, siehe Riesterrente, Krankenversicherung, Polizei, Justizvollzug, Schulwesen, Bildung und Wissenschaft etc.

      Allein die Perversion von Pensionsfonds ist ja folgende: wenn ein Pensionsfonds in ein Unternehmen investiert und dieses Unternehmen dann seine Produktion ins Ausland outsourct, dann werden die Kinder der Pensionäre arbeitslos, aber die Pensionäre kriegen erstmal mehr Rente.
      Pervers.
      Darüberhinaus werden andere Länder nicht ewig ihre eigene Bevölkerung für ausländische Pensionsfondsinhaber arbeiten lassen. Dazu kommt noch Technologietransfer, legaler wie illegaler und Weiterentwicklung der Produkte, die dann ja auch im Ausland stattfindet und neue Partnerschaften im Ausland. Und irgendwann folgt dann Management und Verwaltung und aus dem ursprünglichen Unternehmen ist ein ausländisches Unternehmen geworden.

      Die Angelsachsen sprechen übrigens schon ganz offen darüber, dass der Staat eine gerechte, faire Verteilung nicht effektiv garantieren könnte und wollen sowas dann privaten Unternehmen überlassen. Irgendwie setzt in der angelsächsischen Welt gerade das Hirn aus: anstatt dem Staat die Verteilung eines gewissen Anteils des volkswirtschaftlichen Reichtums zum Wohle aller zu überlassen, arbeiten gerade besagte Staatsapparate an ihrer eigenen Abschaffung, indem sie ganze Schulsysteme, ganze Krankenversorgungssysteme und ganze Wissenschafts- und Forschungsbereiche ausschließlich nur noch von privaten Unternehmen, die der Profitmaxime folgen, regiert und organisiert sehen wollen.

      Dass bei einem privaten Unternehmen immer die Maximierung des eigenen Profits im Fordergrund steht und keineswegs ein langfristiges Allgemeinwohl, hat sich bei denen noch nicht herumgesprochen.
      Dass private Unternehmen noch wesentlich korrupter sind als Politiker und noch seltener erwischt werden, haben die auch noch nicht kapiert.
      Die wählen nicht nur die Knute, die sie schlägt, die küssen sie auch noch.

      Und über allem stehen immer die Ideen, dass private Unternehmen weniger korrupt seien, effektiver seien und dass staatliche Verwaltungen “too big” seien.

      Ist schon witzig: da crashen gerade dutzende Pensionsfunds und deren Pensionäre stehen vor dem Nichts, dennoch hält man die Privatisierung von Renten für gelungen, profitabel und zukunftsfähig.
      Die britische Eisenbahn ist dreimal so teuer wie die Deutsche Bahn, dennoch hält man das für eine gelungene Privatisierung.
      Die angelsächsischen Schulsysteme haben zwar exzellente Privatschulen, bieten aber für die breite Masse nur eine miserable und darüberhinaus auch noch überteuerte Ausbildung an. Dennoch halten die Angelsachsen an ihrem Privatschulwesen fest …

      Nur die dümmsten Kälber suchen ihre Schlächter selber …

    28. Goldener Reiter schrieb am 5. Juni 2009 at 21:04 - Permalink

      @25

      Mal wieder der Kamerad mit dem “Gutmenschen”-Tick.

      Aber Du hast mich falsch verstanden: Ich habe gar nichts dagegen, dass Mitmenschen von mir durch freiwilliges Fruehableben den Sozialstaat entlasten.

      Aber anders als die Asozialen-Fraktion aus dem buergerlichen Lager habe ich nichts dagegen etwas von “meinem” Einkommen abzugeben, damit anderen geholfen werden kann. Und nicht nur nach eigenem Gusto auf Wohltaetigkeitsveranstaltungen und mit dem Sektglas in der Hand. Nein, auch ganz demokratisch auf Grundlage von Gesetzen!

      So ein toller “Gutmensch” bin ich :P

    29. Rudi Blitzableiter schrieb am 6. Juni 2009 at 07:27 - Permalink

      na da bin ich aber froh, dass das nur angloamerikanische Versicherer betrifft ;-)

      Nein im Ernst. Für deutsche Versicherer lässt sich nichts zum Investitionsverhalten sagen, da dazu nichts veröffentlicht werden muss. Was im Geschäftsbericht zu stehen hat, entscheidet das International Accounting Standard Board mit Sitz in London. Und in diesem Gremium sitzen nicht etwa Volksvertreter, sondern Unternehmensvertreter und von Unternehmensvertretern bezahlte Rechnungsprüfer.
      Also – das was Unternehmen in unserer Demokratie an Rechenschaft über ihr Verhalten ablegen müssen entscheidet nicht das Volk respektive “seine” Vertreter – sondern faktisch die Unternehmensvertreter selbst. Das die (von den Banken und Versicherungen finanzierte) BaFin nichts zur Transparenz beiträgt kann in einem Nebensatz erwähnt bleiben.

      Achso. Das Geld was da so angelegt wird gehört gar nicht den Versicherungen. Es ist das Geld der Kunden. Die Versicherung investiert es nur im Auftrag ihres Kunden. Allerdings ohne ihn zu Fragen – oder ihn zu informieren – was mit seiner Altersversorgung angerichtet wird.

      Der Gedanke aus ethisch fundierten Anlageentscheidungen einen Wettbewerbsvorteil zu ziehen scheint derzeit noch nicht zu funktionieren. Die meisten Menschen kommen gar nicht auf die Idee, dass sie einen Einfluss darauf haben könnten, was mit ihrem Geld geschehen soll. Ich habe es getestet und blickte in verblüffte bis irritierte Gesichter. Ein sehr hinderlicher Gesichtsausdruck für einen Verkaufserfolg.

      Wenn man schon mal dabei wäre Anlageentscheidungen nach anderen Kriterien als Risiko & Rendite zu durchleuchten, könnte man neben dem Gutmenschenkram (Ökologie, Arbeitsbedingungen, Negativliste für böse Produkte) auch weitere ökonomische Kriterien berücksichtigen. Wie z.B. eine Arbeitsplatz-Ratio Arbeitsplätze pro eingesetztem Kapital. Oder man überprüft wie schnell die Unternehmen in die investiert wird wachsen.
      Die Definition dessen was offen gelegt werden soll – was die Menschen am Handeln der Unternehmen interessiert – wäre eine dankbare Aufgabe in einer funktionierenden Demokratie. Übrigens egal ob es sich dabei um eine sozialistische oder eine kapitalistische Demokratie handelt.

    30. fpk schrieb am 6. Juni 2009 at 09:36 - Permalink

      Wer Elemente der Daseinsvorsorge privatisieren will, muss wissen, wem er seine Bürger anvertraut. Und Unternehmen, die mit der Tabakindustrie ins Bett gehen, sollte man seine Bürger nicht anvertrauen.

      Bezeichnend, der paternalistische Geist, der aus diesen Sätzen atmet.

      Papa Staat vertraut seine Schäfchen also profitgeilen Blutsaugern an.
      Nirgends ein autonomes Individuum, ein mündiger Bürger in Sicht, der irgendwie zu vernünftigen eigenen Entscheidungen über seine Zukunft in der Lage ist. Und vielleicht gern selbst entscheiden möchte, wem er sich anvertraut. Nein, Papa Staat macht das.

      Und dann wundert man sich an anderer Stelle, dass Politiker einen beim Wort nehmen und die ihnen anvertrauten mit Rauch- und anderen Verboten zu ihrem Glück zwingen wollen.

      Btw, der gute Papa geht selbst mit der Tabaklobby fremd. Zuerst den Tabakanbau subventionieren und dann seine Schäfchen gängeln, wenn sie dem Laster frönen. Und nicht zu vergessen schön zur Ader lassen, und das Staatssäckel füllen, um anderen Ortes Goodies verteilen zu können.

      Um es mal etwas umzuformulieren, es können einem als Bürger schon seine Zweifel kommen, ob man sich diesem Staat und seiner politischen Klasse anvertrauen kann – hätte man die Wahl. Auf jeden Fall sollte man vorsichtig sein, wie viel Entscheiungsgewalt über die eigene Zukunft man Staat und Politikern einräumt.

    31. Spiegelfechter schrieb am 6. Juni 2009 at 10:09 - Permalink

      @fpk

      Papa Staat vertraut seine Schäfchen also profitgeilen Blutsaugern an.
      Nirgends ein autonomes Individuum, ein mündiger Bürger in Sicht, der irgendwie zu vernünftigen eigenen Entscheidungen über seine Zukunft in der Lage ist. Und vielleicht gern selbst entscheiden möchte, wem er sich anvertraut. Nein, Papa Staat macht das.

      Welcher Verlass auf die privaten Vermögens- und Daseinsvorsoger ist, hat uns ja die Finanzkrise par excellence gezeigt. Da war die Altersvorsorge mündiger Bürger schwuppdiwupp auch schon mal nichts mehr wert. Ja, da muss der Papa aufpassen ;-)

      Btw, der gute Papa geht selbst mit der Tabaklobby fremd. Zuerst den Tabakanbau subventionieren und dann seine Schäfchen gängeln, wenn sie dem Laster frönen.

      Der Staat subventioniert auf Waffenproduzenten, ohne dass es sinnvoll wären, deren Produkte an Otto Normalbürger zu verkaufen.

    32. fpk schrieb am 7. Juni 2009 at 08:04 - Permalink

      Welcher Verlass auf die privaten Vermögens- und Daseinsvorsoger ist, hat uns ja die Finanzkrise par excellence gezeigt. Da war die Altersvorsorge mündiger Bürger schwuppdiwupp auch schon mal nichts mehr wert. Ja, da muss der Papa aufpassen ;-)

      Als wäre die staatliche Option auf lange Sicht sicherer. Glaubt irgendwer wirklich noch daran, von der Rente, die er in 30 Jahren bekommen wird, leben zu können. Aber waren wir nicht beim Gesundheitssystem? Damit ists bei uns ja auchn nicht wirklich gut bestellt. Schon mal versucht in letzter Zeit einen Termin bei nem Facharzt zu bekommen? Ganz zu scheigen von dem Kartell aus Ärtze- und Aphotekerverbänden, Krankenkassen und Pharmafimen.

      Der Staat subventioniert auf Waffenproduzenten, ohne dass es sinnvoll wären, deren Produkte an Otto Normalbürger zu verkaufen.

      Und was hat das jetzt mit meinem Argument zu tun? Der Staat subventioniert einen Haufen Blödsinn. Da sind wir uns einig. Deshalb bin ich ja immer sehr skeptisch, wenn bei jedem Problem gleich nach ner staatlichen Lösung gerufen wird. Ich sehe nicht, dass der Staat die besseren Lösungen zu bieten hat. Aber sehr viele Externalitäten und ungewollte Konsquenzen produziert. Mal abgesehen von der Alimetierung aller möglichen Interessengruppen.

      In diesem Fall scheinst du mit zweierlei Maß zu messen. Der gute Papi darf fremd gehen, ein Gesundheitssystem betreiben und mit der Tabakindustrie verbandelt sein. Scheint nicht so schlimm zu sein.

      Wenns aber ein Unternehmen macht, schwillt dir der Kamm und du fühlst dich mal wieder bestätigt, dass hinter jedem privaten Unternehmer ein staatlicher Wächter stehen muss, da sie per se schlecht sind, weil es ihnen um Profit geht.

      Der Staat ist hier (und bei vielen anderen Gelegenheiten) eben auch nicht besser oder moralischer, als das profitgetriebene Unternehmen.

    33. Phil schrieb am 8. Juni 2009 at 04:45 - Permalink

      Als wäre die staatliche Option auf lange Sicht sicherer. Glaubt irgendwer wirklich noch daran, von der Rente, die er in 30 Jahren bekommen wird, leben zu können. Aber waren wir nicht beim Gesundheitssystem? Damit ists bei uns ja auchn nicht wirklich gut bestellt. Schon mal versucht in letzter Zeit einen Termin bei nem Facharzt zu bekommen? Ganz zu scheigen von dem Kartell aus Ärtze- und Aphotekerverbänden, Krankenkassen und Pharmafimen.

      Dafür ist letztlich diese politische Marschrichtung schuld, dass die Kassen geleert werden:
      Massiver Ausbau von Niedriglohnsklaven als auch die bewusste Kürzung von Renteneinnahmen zum fragwürdigen Wohle privater Versicherungsanbieter.
      Dann kommt noch hinzu, dass in den letzten Jahren massiv die Löhne auf breiter Front gegrückt worden sind, was auch wieder, ich las von 140 Milliarden Euro jährlich im Vergleich zu 2000, den Leuten, Renten- und Krankenkassen etc. fehlen.

      Und dann darfst auch nicht vergessen, dass beispielsweise die private Rentenvorsorge mit 10 – 20% wesentlich teurer ist als die staatliche Verwaltung mit unter 5%.
      Und bei Riester soll ich auf die Überschussbeteiligung hoffen, damit unter Umständen ein Plus dabei heraus springt? Also ich weiß nicht, gerade in Bezug auf die alten Lebensversicherungen, die in den letzten Jahren sukzessive heruntergefahren wurde und wird?

      Dass man mittlerweile bei Fachärzten so lange Wartezeiten zu ertragen hat liegt einfach daran, dass der Arzt immer mehr Patienten “betreut” um so mehr Geld in seine Kasse zu bekommen. Zwar werden die Ärzte wohl (regelmäßig) gefragt, ob sie nicht zuviel Arbeit hätten – das wäre letztlich dann eine medizinische Unterversorgung, doch sie wären ja auch schön doof, zu sagen, sie hätten übervolle Auftragsbücher. Denn wenn nun ein neuer Arzt in den Bezirk kommt, so nimmt dieser ja seinen Kollegen die Arbeit weg und damit deren Einkommen, die eh schon niedrig(?) sind.

      Der Staat ist hier (und bei vielen anderen Gelegenheiten) eben auch nicht besser oder moralischer, als das profitgetriebene Unternehmen.

      Mit _dieser_ Politik. Mit einer anderen Politik, die das Wohl der Allgemeinheit im Auge hat, wohl nicht.

    34. fpk schrieb am 11. Juni 2009 at 15:24 - Permalink

      @Phil

      Demographie! Realation Alt und Jung?

      Zwar werden die Ärzte wohl (regelmäßig) gefragt, ob sie nicht zuviel Arbeit hätten – das wäre letztlich dann eine medizinische Unterversorgung, doch sie wären ja auch schön doof, zu sagen, sie hätten übervolle Auftragsbücher. Denn wenn nun ein neuer Arzt in den Bezirk kommt, so nimmt dieser ja seinen Kollegen die Arbeit weg und damit deren Einkommen, die eh schon niedrig(?) sind.

      Wenn es eine Möglichkeit gibt, das Angebot künstiich klein zu halten, Kartelle legal, ja sogar gewünscht sind, passiert so was. Vielleicht wäre hier ein wenig mehr freier Markt doch nicht so schlecht.

      Mit _dieser_ Politik. Mit einer anderen Politik, die das Wohl der Allgemeinheit im Auge hat, wohl nicht.

      Wenn es das nur gäbe, das Allgemeinwohl. Was ist das Allgemeinwohl von 90 Millionen Individuen.


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