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  • Der Schaumschläger

    geschrieben am 09. Juni 2009 von Spiegelfechter

    Er beherrscht es wie kaum ein Zweiter, effektvoll heiße Luft zu verkaufen: Ex-Vorstandschef Thomas Middelhoff ist der Mann, der den Karstadt-Konzern auf dem Gewissen hat

    Einst galt Thomas Middelhoff als Wunderkind der deutschen Wirtschaft, nun steht sein letzter Arbeitgeber vor der Insolvenz und die Staatsanwaltschaft prüft die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens gegen ihn. Aus dem Märchen vom Hans im Glück wurde das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Auch der letzte Aktionär weiß nun, dass hinter Middelhoffs pompösem Kunstgebilde ?Arcandor? nicht viel mehr als heiße Luft steckt.

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    Tags: Deutschland Wirtschaft
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    1. Die Pleite von Arcandor | Spekulantenblog

    48 Kommentare:

    1. Chat Atkins schrieb am 9. Juni 2009 um 16:54 - Permalink

      Yep – er hat, so scheint’s ja nicht nur mir, seinen Arbeitgeber als Melkkuh für eine individualprivatistische Middelhoff & Co. KG betrachtet. Eine kommende Vorstrafe wg. Untreue halte ich deshalb für nicht unwahrscheinlich – wenn schon die ansonsten eher träge Staatsanwaltschaft aus eigenem Antrieb tätig zu werden droht. Ein Mann, gefangen im ewigen Eis seines Gefrierschranklächelns, den die vereinigten Gelfrisuren noch vor ein, zwei Jahren als Einstein der Ökonomie ausschrien und als größtmöglichen Visionär aller Zeiten in den Himmel hoben. Die Wirtschaftspresse vorneweg – sie sah in ihm fast schon den Ulf Porschardt des Kommerzes. Nun ist bei beiden der Lack ab, sie sind in die Realität auf Tom-Kummer-Niveau wieder eingeschwebt. Die ‘Masters of the Universe’ erweisen sich damit – leider erst nachträglich – als Mitglieder einer höchst ehrenwerten Gesellschaft, während die ganze Ära des Neoliberalismus zunehmend einer Schaumschlägerei in globalem Ausmaß gleicht – wobei dieser kleine Mann zu den Ober-Bubblern gezählt haben könnte …

    2. Flinx schrieb am 9. Juni 2009 um 16:57 - Permalink

      Kann schon sein, dass der aalglatte Middelhoff da Insolvenzverschleppung betrieben hat. Hauptgrund für den Niedergang von Karstadt ist aus meiner Sicht aber in erster Linie das geänderte Konsumentenverhalten. Mit zunehmenden Spezialangebote – v.a. im Internet – haben Kaufhäuser einfach nicht mehr dieselbe Bedeutung als noch vor 30 Jahren.

      Insofern kann man kaum davon sprechen, dass Middelhoff Karstadt auf dem Gewissen hat.

      Flinx

    3. Very Cool schrieb am 9. Juni 2009 um 17:03 - Permalink

      Dieses widerliche Grinsen von dem Dre****ck ist ja kaum zu ertragen.
      Eigentlich gibt es da nur eines: Enteignen (so wie die ganze Schickedanz/Schaeffler u.s.w. Riege) und mit dem Knüppel aus dem Land jagen.
      Als Karstadt nicht mehr Karstadt hieß (Arcandor – was für ein bescheuerter Name – wieder mal die BWL Fuzzies, nehme ich an), war mir klar, dass dies das Ende der kaufhauskette bedeutet.
      Genauso bescheuerte und überbezahlte Leute haben ja versucht, das Ruhrgebiet mit “Ruhr hoch n – Teamwork Capital” zu übersetzen. Hochtrabener Bullshit von schwachsinnigen Leuten.
      Diese ganze Manager- und BWLer Riege gehört an den Pranger, wie im Mittelalter.
      Wieviel Arbeitslose werden es wohl noch werden müssen, bis es hier mächtig knallt?
      Boah – ich muß hier weg.

    4. egghat schrieb am 9. Juni 2009 um 17:12 - Permalink

      Insolvenzverschleppung ist der jetzige Chef Eick. Dem Middelhoff wird glaube ich eher Falschbilanzierung und u.U. Untreue in Zusammenhang mit dem Verkauf der Karstadt-Immobilien vorgeworfen.

      Das Grinsen ist echt Hammer!

      (Ich hatte mal Arcandor Aktien und habe die zum Glück noch halbwegs rechtzeitig verkauft, nachdem mal wieder übelste Zahlen kamen und sich nichts aber auch gar nichts von dem materialisiert hat, was Middelhoff versprochen hat. Glück gehabt trotz 30% Minus, das heute aber auf 98% oder gewachsen wäre).

    5. Horscht schrieb am 9. Juni 2009 um 17:17 - Permalink

      > Wieviel Arbeitslose werden es wohl noch werden müssen, bis es hier mächtig knallt?

      Es gibt eine natürliche Obergrenze für die Zahl der Arbeitslosen, nämlich die Zahlkraft der Arbeitenden. Insofern wird nie eine kritische Masse erreicht werden.
      Middelhoff am Foto zu messen, ist schon etwas billig.

      Glaube nicht, dass der bei den Mieten etwas gedreht hat – und wenn, dann kommt das in good old germany sicherlich beizeiten heraus. Das ist ja der Unterschied zu sozialistischen und despotischen Regimen.
      Ich halte es für wahrscheinlich, dass “Arcandor” (schrecklicher Name) schon löngere Zeit halbtot war, möglicherweise hat sich Middelhoff hier ein Spässchen erlaubt und saugt jetzt mit. Es darf aber erst einmal davon ausgegangen werden, dass er sich um Legalität bestmöglich bemüht hat.

      Richtig verwurmt werden solche Geschichten eigentlich erst dadurch, dass die Politik ein Interesse daran hat Insolvenzgänge weitestmöglich herauszuzögern. Je politischer Unternehmen agieren, desto wurmiger, so lautet der Umkehrschluss.

      Will gar nicht erst wissen wie kaputt bspw. das Airbus-Unternehmen ist.

    6. Very Cool schrieb am 9. Juni 2009 um 17:34 - Permalink

      “Middelhoff am Foto zu messen, ist schon etwas billig.”
      So grinst jemand, dem man 2,3 Millionen Euronen bei seinem Abgang in den Arsch geblasen hat.
      Mit “messen” hat das nichts zu tun, sondern mit “maßlos”!!!

    7. Karl Heinrich schrieb am 9. Juni 2009 um 17:37 - Permalink

      Solche Geschichten sind jetzt wohlfeil. Es wird auch so sein, dass Middelhoff nicht den Turnaround geschafft hat, den er den Eignern in Aussicht gestellt hat und dessen er sich selber gerühmt hat.

      Allerdings: Die Unternehmen Karstadt und Quelle sind nicht ‘zugrundegerichtet’ worden, wie insinuiert wird, sondern am Markt gescheitert. Das gehört zum Wettbewerb dazu, auch wenn das nicht gerne gehört wird. (Dafür bestellen wir jetzt ja viele Konsumgüter bei Amazon.)

      Im selben Sinn: Erhebliche Unternehmensteile werden natürlich unter neuem Dach weiterexistieren.

      Exzellente Übersicht über die Stakeholders hier beim Blicklog: http://www.blicklog.com/2009/06/09/mindmap-zum-arcandor-geflecht-staatshilfe-und-private-immobiliengeschfte/

    8. Horscht schrieb am 9. Juni 2009 um 18:18 - Permalink

      Arcandor wird möglicherweise wegen Insolvenzverschleppung und Nötigung der Bundesrepublik Deutschland strafrechtlich bearbeitet werden. Strafanzeigen [1] sind gestellt.
      Das wäre doch mal lustig.

      [1] was natürlich erst einmal nicht viel heisst und dem einen oder anderen Anzeigenden eine gewisse Öffentlichkeit gewährt, aber dennoch, mE wäre hier was zu machen …

    9. Spiegelfechter schrieb am 9. Juni 2009 um 18:21 - Permalink

      @Chat Atkins

      Ulf Porschardt des Kommerzes

      *rofl*

      Warum ist mir das nicht eingefallen? ;-)

    10. Spiegelfechter schrieb am 9. Juni 2009 um 18:25 - Permalink

      @Karl-Heinrich

      Allerdings: Die Unternehmen Karstadt und Quelle sind nicht ?zugrundegerichtet? worden, wie insinuiert wird, sondern am Markt gescheitert.

      Ist dem so? Anscheinend schreibt die Konkurrenz bei Kaufhof und Otto ja ganz ordentliche Zahlen. Was können die, was Middelhoff nicht kann?

    11. Horscht schrieb am 9. Juni 2009 um 18:28 - Permalink

      Die Arcandor-Strategie ist nach meiner Kenntnis der Verkauf in guten Lagen, davon kann sich der Markt wegentwickelt haben. Nur ein Verdacht, beste Grüße!

    12. COPOKA schrieb am 9. Juni 2009 um 18:34 - Permalink

      @Flinx, #2

      Hauptgrund für den Niedergang von Karstadt ist aus meiner Sicht aber in erster Linie das geänderte Konsumentenverhalten.

      Tja, schuld an allem ist wie immer die böse Realität. Wäre sie so gewesen, wie der Schaumschläger sie vor- und darstellte, wäre alles gut gelaufen.
      Nur wenn man Millionen dafür bekommt, um Aktionären ihre Allmachtphantasien zu bedienen und sie bei Laune zu halten, entwickelt man schnell eine eigenartige Wahrnehmung der Realität. So gesehen geschieht es den Aktionären nur recht , dass sie ihre Felle wegschwimmen sehen. Sie haben doch den Schaumschläger selber engagiert.

    13. Spiegelfechter schrieb am 9. Juni 2009 um 18:39 - Permalink

      @all

      ein aktueller Artikel von mir zum Thema kommt übrigens um 0.00 auf Telepolis ;-)

    14. Thomas schrieb am 9. Juni 2009 um 19:09 - Permalink

      Habe mal auf die Website von BLM Partners geguckt, bei denen Middelhoff jetzt das Sagen hat. Ein paar Zitate:

      “New ideas for extraordinary times”
      “Invest in highest calibre people”
      “No legacy issues”
      “Focused on providing solutions”
      “A powerful platform for future value creation”

      Klingt fast wie auf der Arcandor-Website… ;-)

      Na, wer schreibt ihm einen Blankoscheck aus?

    15. Flinx schrieb am 9. Juni 2009 um 19:29 - Permalink

      @12 COPOKA
      Keine Frage. Ich wollte damit lediglich sagen, dass es auch ohne Middelhoff so gekommen wäre.

      @10 Cheffe
      Ob da tatsächlich alles so super läuft kann ich nicht beurteilen. Meiner persönlichen Wahrnehmung nach scheint Kaufhof besser aufgestellt zu sein. Ich gehe da zumindest lieber einkaufen als bei Karstadt.

      Otto ist aus meiner Sicht ein Sonderfall und nicht ohne Weiteres mit Quelle vergleichbar, da er lange Jahre inhabergeführt war. Seit letztem Jahr ist das Unternehmen auch wieder vollständig in Familienhand. Gründe für den Rückkauf des WAZ/Brost-Anteils waren dem Vernehmen nach “Unstimmigkeiten zwischen den Familien Otto, Brost und Funke, etwa um die Renditeansprüche der WAZ-Eigentümer an Otto”. Wenn das so stimmt, ist es ein gute Beispiel dafür, dass maßvolle Renditeerwartungen und das Reinvestieren von Gewinnen am Ende dauerhaften Unternehmenserfolg sichern.

      Porsche ist auch so ein Fall, der zeigt was passiert, wenn nahezu alle Gewinne an die Eigentümer ausgeschüttet werden. Ich würde echt gern mal wissen, was die Familien Porsche und Piech mit der ganze Kohle (15 Mrd. in 2 Jahren) so anstellen. Reinvestiert wird das Geld jedenfalls nicht wie es scheint.

      Flinx

    16. aquadraht schrieb am 9. Juni 2009 um 19:50 - Permalink

      @Karl-Heinrich: Durch meine eigene Wohnsituation schräg gegenüber einem Karstadt und die weiterer Verwandter in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem anderen, jeweils in Berlin, kann ich zumindest die Situation von vier Prozent der “Arcandor”-Häuser aus eigener Anschauung beurteilen. Die haben in den letzten 20 Jahren die Belegschaften gut halbiert, vorsichtig geschätzt, bei verlängerten Öffnungszeiten, und man kann nicht sagen, dass da weniger Leute einkaufen. Die Preise bewegen sich auch eher im höheren Segment. Selbst wenn die Umsätze abgegeben haben, an Onlinehandel oder Märkte auf der grünen Wiese, bleiben das Gelddruckmaschinen. Wenn man natürlich die Immobilien mit sell and lease back verhökert und den Ertrag an die Aktionäre verteilt oder gar an den Börsen verspielt hat, und nur dann, wird die Insolvenz erklärlich.

    17. COPOKA schrieb am 9. Juni 2009 um 19:58 - Permalink

      @ Flinx, #15

      Ich wollte damit lediglich sagen, dass es auch ohne Middelhoff so gekommen wäre.

      Wenn es wirklich so wäre, dann stellt sich die Frage, wofür eigentlich die ganze Menagerie so fürstlich bezahlt wird?

    18. Flinx schrieb am 9. Juni 2009 um 20:16 - Permalink

      @17 COPOKA:
      Naja, irgendein Hansel muss ja auf dem Parkett Schönwetter machen … ach, was weiß ich :-)

    19. Karl Heinrich schrieb am 9. Juni 2009 um 20:27 - Permalink

      @aquadraht #16

      Selbst wenn die Umsätze abgegeben haben, an Onlinehandel oder Märkte auf der grünen Wiese, bleiben das Gelddruckmaschinen.

      Oh, sicher nicht. Signifikante Rentabilität hat Middelhoff da nie erreicht.

      Wenn man natürlich die Immobilien mit sell and lease back verhökert und den Ertrag an die Aktionäre verteilt oder gar an den Börsen verspielt hat, und nur dann, wird die Insolvenz erklärlich.

      Bloß war das eben nicht so. Mit dem Immobilien-Erlös wurden Schulden bedient.

    20. Karl Heinrich schrieb am 9. Juni 2009 um 20:42 - Permalink

      @Sf #10

      Anscheinend schreibt die Konkurrenz bei Kaufhof und Otto ja ganz ordentliche Zahlen.

      Naja, voriges Jahr wollte Metro Kaufhof ja loswerden (an Middelhoff, wurde vermutet ;-) So doll verdienen die nicht. Also, das ist jetzt eine Marktbereinigung. Arcandor ist etwas schlechter dran.

    21. egghat schrieb am 9. Juni 2009 um 21:00 - Permalink

      Zur Diskussion, ob Middelhoff was falsch gemacht hat. JAAA!

      Karstadt ist im Vergleich zum Kaufhof ein *klarer* Underperformer. Und das, obwohl Karstadt viel mehr der schlechten Lagen verkauft hat (was dann zu Hertie wurde und jetzt auch Pleite ist). Der Kaufhof hat also nicht nur mehr Standorte erhalten, sondern war damit über die letzten Jahre sogar im Schnitt in den schwarzen Zahlen. Wenn auch die Rendite sehr mager ist, hat der Kaufhof immerhin eine positive.

      Die Konkurrenz steht auch in den anderen Bereichen besser da. Das betrifft nicht nur Karstadt. Otto geht es zum Beispiel auch besser als Quelle/Neckermann (die Middelhoff unbedingt zu Primondis umbenennen musste).

      Es hapert also in dem ganzen Konstrukt massiv an Effizienz. Wahrscheinlich sind Einkauf, Lagerhaltung, Logistik, etc. deutlich unter Branchenschnitt. Aber sowas ist halt unsexy. So etwas langweilt den Herrn Middelhoff. Der will lieber den großen Luxuskaufhäuser-Deal mit Italien, Frankreich und Spanien machen. Aber die lachen sich wahrscheinlich heute noch kaputt über die Visionen von Middelhoff.

      Und strategische Fehler hat Middelhoff auch gemacht. Statt mit den 3,7 Mrd. aus dem Verkauf der Immobilien in das marode Geschäft zu investieren, hat er (mit Hilfe vieler Milliarden weiterer Schulden) Thomas Cook gekauft. Juhuuh. Damit hat er das margenarme Geschäft um ein weiteres margenarmes Geschäft ergänzt. Synergieeffekte mit dem Kerngeschäft: NULL. Außerdem hätte Arcandor viel mehr ins Internet gehen müssen, so wie es z.B. Otto macht.

      Nein, die Kritik, auch der hämischen Art, ist angebracht. Middelhoff hat jahrelang das Blaue vom Himmel versprochen und weder im laufenden Geschäft noch strategisch irgendwas richtig gemacht.

    22. misterL schrieb am 9. Juni 2009 um 21:02 - Permalink

      @Karl-Heinrich Part I

      Thanks für den Link http://www.blicklog.com/wp-content/Finanzkrise/Arcandor/map.htm . Der ist ohne Ende spannend. So ist der Berater des Managment, ein Herr Roland Berger, nun mit Herrn Middelhoff in der BLM Partners verbunden derweil Herr Eick Vorstand war.

      Zudem der schon fast lakonische Satz auf der Seite: “Unter Mithilfe von Roland Berger wurde ein Sanierungskonzept für die nächsten fünf Jahre erarbeitet.” und ein Hinweis: “Der neue Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick hat bereits eine externe Kanzlei beauftragt, juristische Schritte gegen frühere Entscheidungsträger und Geschäftspartner zu prüfen.” vom 8.6. des Jahres, wenn ich das richtig verstehe.

      An sich sind nicht (nur) Schaumschläger das Problem es ist eine Art von Subkultur auf hohem Niveau. Dallas aus den 80er (?) des letzten Jahrtausends feiert weiter feine Umstände.

      @Karl-Heinrich Part II

      Im Vergleich zu Kaufhof wären noch andere Dinge zu klären. Z.B. Einkaufsmacht. Wo Kaufhof (also Metro) draufsteht ist auch in loser Folge so wie ich es ad hoc weiß:

      real Märkte
      Saturn
      Mediamarkt
      Metro Grosshandel

      und bis vor kurzem
      Adler
      Praktiker

      Wäre die Frage welche Einkaufsmacht hinter der Metro steckt und welche hinter Arcandor.

      Ausserdem muss man die Personalsituation sehen (wenn man sie kennt). Wer hat wieviel Beschäftigte in welcher Anstellungsform.

      Möglich, dass man ein wenig Äpfel mit Birnen vergleicht.

    23. Horscht schrieb am 9. Juni 2009 um 21:06 - Permalink

      Firmen können auch scheitern, wenn sich deren Geschäftsmodelle überlebt haben und nicht rechtzeitig angepasst worden ist (was aber schwierig ist, es ist eben Pech, wenn das jahrzehntelang gefahrene Geschäftsmodell nicht mehr tragfähig ist).
      Insofern kann aus dem Scheitern eines Hr.Eick oder Hr.Middelhoff nicht auf Unfähigkeit geschlossen werden, jedenfalls nicht zwingend.
      Das sind doch eigentlich Selbstverständlichkeiten, oder?

    24. Thomas schrieb am 9. Juni 2009 um 21:13 - Permalink

      @misterL

      Zum Thema Einkaufsmacht: Das ZDF brachte gerade die Behauptung, daß Karstadt einerseits und die Versandhausgruppe andererseits bis zuletzt keinerlei koordinierte Einkaufsstrategie hatten, sondern völlig separat am Markt auftraten. Wenn das stimmt, dann ist das eine tolle Synergienutzung…

    25. egghat schrieb am 9. Juni 2009 um 21:17 - Permalink

      @Horscht:

      Versandhandel geht nicht? Ich sage nur Amazon.
      Einzelhandel in Innenstädte funktioniert nicht? Saturn funktioniert. Kaufhof funktioniert. Etc.pp.

      Aber Karstadt musste ja alles machen. Küchen. Möbel. Elektro. Mode. Lebensmittel. Jetzt kann man sagen: Ja das ist halt Warenhaus. Aber das ist es eben nicht. Der Kaufhof ist zwar Warenhaus, aber z.B. ohne Küchen und Möbel. Und Kaufhof hat die EInkaufsmacht der Metro + Real + Saturn/Mediemarkt im Rücken. Karstadt hatte das nicht, zumindest nicht in diesen Bereichen. Statt sich auf das zu fokussieren, was man kann, hat Karstadt weiterhin alles gemacht und ist ohne das Geld zu haben in andere Bereiche (Thomas Cook) gewachsen.

    26. Horscht schrieb am 9. Juni 2009 um 21:36 - Permalink

      @egghat:
      Das kann an “Kleinigkeiten” scheitern, bspw. wenn Arcandor (KdW etc.) im gehobenen Segment tätig war, wie ich spekuliere, dann kann alles wegbrechen.
      Versand geht nicht, MAs zu teuer, billiger geht nicht, Mieten zu teuer, Imagewechsel fast unmöglich, ALDI und LIDL machen unten alles dicht, etc…

    27. dat krokodil schrieb am 9. Juni 2009 um 22:02 - Permalink

      Was für eine Hackfresse!

    28. Flying Circus schrieb am 10. Juni 2009 um 09:12 - Permalink

      @19/Karl-Heinrich:

      Bloß war das eben nicht so. Mit dem Immobilien-Erlös wurden Schulden bedient.

      Die Schulden, die vorher mit dem Kauf von Cook gemacht worden waren. Mit anderen Worten: völlig sinnlose Schulden. Null Bezug zum Kerngeschäft, daher null Synergieeffekte. Aber dafür mal massiv Schulden machen und was machen wir, um die zu verlagern? Genau, wir verkaufen Immobilien und mieten sie dann zurück. Diese Idee ist so blöde, daß sie verboten gehört.

      Wenn ich schon lese, daß der Typ sich eine Gehaltserhöhung von 47% hat genehmigen lassen, während die Mitarbeiter Lohnkürzungen hinnehmen mußten, packt mich die kalte Wut.
      Geht es dem Unternehmen gut, ist der Manager dafür verantwortlich und wird fürstlich bezahlt. Geht es dem Unternehmen schlecht, ist der Markt, sonstige Umstände oder die faule Belegschaft verantwortlich. Nie aber das Management. Diese Doppeldenke, die kotzt mich mal wirklich an. Wer sich jegliche Erfolge persönlich gut schreiben läßt, der hat auch für die Mißerfolge zu haften. So einfach ist das.

    29. DJ Doena schrieb am 10. Juni 2009 um 10:56 - Permalink

      @egghat:

      Saturn funktioniert? Es gibt doch keine schlimmere Apotheke, als Saturn. Da ist ja sogar MediaMarkt preiswert dagegen – und dass, obwohl sie zum gleichen Konzern (Metro) gehören.

      Ich bin seit Jahren in keinem Kaufhof mehr gewesen und in den örtlichen Karstadt wegen dessen DVD-Abteilung. Nachdem sie die aber letztes Jahr umgebaut und auf gefühlte 3 Regale zusammengestaucht haben, hatte sich das auch erledigt.

      Beim besten Willen, ich weine weder um Quelle, noch um Karstadt. Keines von beiden war je wirklich meine Welt – und ich kenne auch sonst niemanden in meiner Generation (30), der sich noch diesen 4-Kilogramm-Katalog nehmen würde, um irgendwas zu bestellen.

    30. Very Cool schrieb am 10. Juni 2009 um 10:58 - Permalink

      @ Flying Circus

      Wenn ich schon lese, daß der Typ sich eine Gehaltserhöhung von 47% hat genehmigen lassen, während die Mitarbeiter Lohnkürzungen hinnehmen mußten, packt mich die kalte Wut. Geht es dem Unternehmen gut, ist der Manager dafür verantwortlich und wird fürstlich bezahlt. Geht es dem Unternehmen schlecht, ist der Markt, sonstige Umstände oder die faule Belegschaft verantwortlich. Nie aber das Management. Diese Doppeldenke, die kotzt mich mal wirklich an. Wer sich jegliche Erfolge persönlich gut schreiben läßt, der hat auch für die Mißerfolge zu haften. So einfach ist das.

      100% Zustimmung! Besser kann man das nicht sagen.

    31. bismodo schrieb am 10. Juni 2009 um 11:12 - Permalink

      “Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane hat nach der Arcandor-Pleite die Strategie des früheren Vorstandschefs Thomas Middelhoff verteidigt”

      Die Gute sitzt im Aufsichtsrat von Arcandor …

      Nicht schlecht auch:

      “Die Hälfte der Immobilien zu verkaufen, um diese Schulden zu bezahlen und wieder investieren zu können, sei eine gute Lösung gewesen.”

      Ich lese: “wieder investieren”… und reib mir grad die Augen…

      http://www.ksta.de/html/artikel/1244612073145.shtml

    32. Karl Heinrich schrieb am 10. Juni 2009 um 11:13 - Permalink

      @Flying Circus #28

      Bloß war das eben nicht so. Mit dem Immobilien-Erlös wurden Schulden bedient.

      Die Schulden, die vorher mit dem Kauf von Cook gemacht worden waren.

      Nee. 3,7 Milliarden hatte KarstadtQuelle schon vorher für die Mehrheit an den Immobilien bekommen. Nur die Minderheit im Wert von 800 Mio. diente später der Finanzierung von Thomas Cook. (Ein Kauf, der übrigens gar nicht so abwegig war, weil man schon lange in dem Laden drin war und außerdem von Neckermann ja NUR hatte.)

      Fazit: KarstadtQuelle war schon vor Middelhoff in problematischer Lage. Und Middelhoff konnte daran nichts ändern. Wozu beigetragen hat, dass er nicht aus der Branche stammte.

    33. misterL schrieb am 10. Juni 2009 um 11:30 - Permalink

      @Karl-Heinrich

      Es ist bös überschlägig gerechnet:

      “Der geschlossene hauseigene Immobilienfonds Oppenheim-Esch hat in fünf Karstadt-Häuser investiert. Jährlich sollten dafür 20 Mio. Euro an Miete fließen.

      Quelle: ftd.de”

      Es gibt 107 Häuser rechnen wir pro Haus 4 Millionen per anno, so kommt man auf rund 428 Millionen Mietkosten per anno. Die Schulden zum Zeitpunkt der Verkaufslöse habe ich nicht gefunden. Aber 3700 Millionen minus (Schuldentilgung Zeitpunkt X + 800 Millionen Investment + (428 Millionen Miete * Anzahl Jahre)). Wann waren die Erlöse absehbar verbraucht?

    34. egghat schrieb am 10. Juni 2009 um 13:07 - Permalink

      @DJ Doena:

      Saturn funktioniert aus Sicht der Eigner: Es wird Geld verdient. Dass dir der Laden zu teuer ist, tut relativ wenig zur Sache. Es gibt scheinbar ausreichend viele Leute, die dort kaufen.

      Kataloge sind tot, das stimmt. Und Otto hat das wesentlich früher verstanden. Neckermann und Quelle haben

      @KarlHeinrich:

      “Fazit: KarstadtQuelle war schon vor Middelhoff in problematischer Lage. Und Middelhoff konnte daran nichts ändern. Wozu beigetragen hat, dass er nicht aus der Branche stammte.”

      Häh? Middelhoff in Schutz zu nehmen weil er branchenfremd ist?!? Der Mann hat sich in einem Jahr das auf die Tasche getan, was andere in ihrem gesamten Leben verdienen. Und wenn man ihn daran misst, kommt ein “war branchenfremd, er kann nix dafür”. Sorry, aber hast du *so* einen Job auch bitte für mich? Ich bin auch branchenfremd und kann nix dafür.

      Und wie du die Einnahmen aus dem Immobilienverkauf auf die zwei Firmen verteilst, wüsste ich auch mal gerne. Fakt ist, dass Arcandor für Thomas Cook Geld bezahlt hat. Wenn ich mich richtig erinnere, war das eine knappe Milliarden für die Hälfte. Hätte Arcandor die Hälfte *ver*kauft, wäre die Liquidität knappe 2 Milliarden höher. Damit bräuchte Arcandor keine Hilfe. Sorry, aber wie soll ich sowas nicht als Fehler bezeichnen?!?

    35. Flying Circus schrieb am 10. Juni 2009 um 13:52 - Permalink

      @Karl-Heinrich:

      ‘tschuldige, aber das Middlehoff “branchenfremd” ist, ist sein Problem. Das entschuldigt seine Minderleistungen in keinster Weise (und bei einem normalen Arbeitnehmer würde es vermutlich – und zu recht – als Frechheit angesehen, sich auf diese Weise für Minderleistungen entschuldigen zu wollen. Dann tritt man eben den Job nicht an, wenn man davon keine Ahnung hat ).

      Was das “sell and lease back” angeht, dazu will ich mich gar nicht mehr äußern, damit sind schon genügend Unternehmen (und auch Gemeinden …) auf die Fresse gefallen.

      Betreffend des Zukaufs von Cook bin ich nach wie vor nicht Deiner Meinung. Weil mir schon ein Teil gehört, muß ich alles haben? Weiß nicht recht.

      Im übrigen gilt, was ich oben geschrieben habe: wer sich die Erfolge des Unternehmens anrechnen und über entsprechende Gehaltszahlungen vergüten läßt, der steht gefälligst auch für den Mißerfolg ein.

    36. Horscht schrieb am 10. Juni 2009 um 14:01 - Permalink

      KH hat – wie so oft – natürlich Recht, wenn er die grinsende Person im Fototeil des Beitrags in Schutz nimmt. Wo ist das Problem?
      M. hat den Laden in sehr schwieriger Position übernommen und drei Jahre später bei doppeltem Umsatz, strukturell vereinfacht und international positioniert in schwieriger Position (“sehr schwieriger Position?”) wieder verlassen.
      Branchenfremdheit ist nichts Ungewöhnliches und hat Vor- und Nachteile, die Vorteile bestehen bspw. in einer anderen Sicht auf die G-Logik und andere Vernetzung, die Nachteile darin, dass er von einigen Sachen, LOL, keine Ahnung hat.
      Alles aber nicht schlimm und somit nicht verurteilenswert.
      Stört mich auch ein wenig wie ein solcher Könner (Bertelsmann) hier so im Vorübergehenabgewertet wird (von Leuten, denen ich keine Pommesbundenkette anvertrauen würde – nur ein Spas ;–).
      Nachtrag:
      Der Verkauf und das Zurückleasen von immobilen Gegenständen ist OK – es sei denn, wir sind eine staatliche Organisation, dann ist es oft im übertragenden Sinne verbrecherisch.

    37. Thomas schrieb am 10. Juni 2009 um 16:01 - Permalink

      Wieso “doppelter Umsatz”? Bei Karstadt und Quelle ist nichts gewachsen.

    38. Horscht schrieb am 10. Juni 2009 um 16:11 - Permalink

      @Thomas:
      Ich bezog mich auf diese Angabe:
      http://www.faz.net/s/Rub4D8A76D29ABA43699D9E59C0413A582C/Doc~EC34F3E5B83954FEFB2350251C387C71A~ATpl~Ecommon~Scontent.html

      Der geschätzte SPIEGELFECHTER ist jetzt gerade im Niedermachmodus, aber zur Kenntnis genommen hat er diese Angabe sicherlich auch.

      Schwer zu sagen um was es bei der aktuellen Subventionswelle zurzeit wirklich geht, als alter Hase sehe ich jedenfalls keine Systemkrise. Es wird halt rumgemacht und die SPD ist merkwürdigerweise in der Defensive. Wir, äh, dürfen gespannt sein…

    39. egghat schrieb am 10. Juni 2009 um 18:41 - Permalink

      Verdoppelter Umsatz ist ja nett,
      aber bei
      halbiertem Eigenkapital,
      erhöhten Schulden,
      keinerlei Substanz nach dem Verkauf der Immobilien
      tiefroten Zahlen und
      einem Aktienkurs, der statt bei 40 (wie versprochen) bei 2 lag (als Middelhoff aufgehört hat

      ist für mich das Urteil klar: Negativ. Versager.

      Ich weiss nicht, wie man das noch schönreden soll.

      Wenn das Warenhaus-Modell nicht mehr tragfähig ist, dann muss man sich davon trennen. Wenn man in der Logistik nicht wettbewerbsfähig ist, dann muss man da investieren, Synergien heben, etc. pp. Und nicht eine Touristikfirma zukaufen. Aber ich wiederhole mich.

    40. Horscht schrieb am 10. Juni 2009 um 19:07 - Permalink

      Thomas Cook gilt als Top-Einkauf, so zu sagen als Spitzenleistung von M., vom Scheitern darf nicht zwingend auf eine Minder-, Mangel-, Fehl- und Minusleistung geschlossen werden.
      Es soll Manager geben, die “von Haus aus” auf toten Kühen gesessen haben,

    41. Karl Heinrich schrieb am 10. Juni 2009 um 20:29 - Permalink

      @misterL #33

      Unabhängig von den konkreten Zahlen, hast du vom Prinzip her recht: Sale-and-lease-back ist Umfinanzierung. Es ist nur wenig besser als die langfristige Beleihung der Immobilie, mindestens aber so viel, wie einem die Aufgabe zukünftiger Beleihbarkeit wert ist. Aus Scheiße Bonbons machen kann man damit auch nicht.

      Aber es ist nicht von vornherein Ausweis von Dilettantismus, das Instrument anzuwenden.

      @egghat #34

      Middelhoff in Schutz zu nehmen weil er branchenfremd ist?!?

      Eine Entschuldigung soll das nicht sein, nur eine Erklärung. (Denn es scheint ja Konsens zu sein, dass er das Sortiment hätte durchforsten müssen.) Rechtfertigen müssen die Eigentümer das vor sich selber.

      Hätte Arcandor die Hälfte *ver*kauft, wäre die Liquidität knappe 2 Milliarden höher. Damit bräuchte Arcandor keine Hilfe.

      Nunja, du schreibst das with the benefit of hindsight. Die Welt wimmelt derzeit von Leuten, die alles schon vorher gewusst haben wollen. Ich nehme aber an, du hast seinerzeit keine Kampagne gestartet, umgekehrt den KarstadtQuelle-Anteil der Lufthansa überzuhängen.

      Wie Horscht schon schreibt, für’s Konzernergebnis ist Thomas Cook gut gewesen.

      @Flying Circus #35

      Im übrigen gilt, was ich oben geschrieben habe: wer sich die Erfolge des Unternehmens anrechnen und über entsprechende Gehaltszahlungen vergüten läßt, der steht gefälligst auch für den Mißerfolg ein.

      Das kannst du ja beim nächsten CEO, den du einstellst, vertraglich so festlegen. Vermutlich wirst du dann allerdings ein kleines bisschen länger suchen müssen.

    42. aquadraht schrieb am 10. Juni 2009 um 21:45 - Permalink

      Karl-heinrich: Deinen Ausführungen zu sell and lease back stimme ich soweit zu. Es ist eine Finanzierungsstrategie, das ist eine Anleihe oder eine Kapitalerhöhung auch. Es kommt darauf an, wozu.

      Doch Deinen Ausführungen zu Karstadt, abgesehen von der richtigen Feststellung, dass die Fehler und Probleme nicht mit Middelhoff anfingen, stimme ich nicht zu. Es mag ja sein, dass mehrere Häuser defizitär waren, es gibt ja das Problem der faktisch seit 1992 stagnierenden Einkommen und dazu der Konkurrenz, erst durch Märkte auf der grünen Wiese, dann auch noch durch das Internet. Die Verkaufsflächen sind explodiert bei stagnierender Kaufkraft. Dennoch: Karstadt hat nach dem, was ich lese, 3% Marktanteil eingebüsst. In der gleichen Zeit wurden die Belegschaften geschrumpft, bei Lohnopfern, und obendrein brachten die “Steuerreformen” gewaltige Kostenentlastungen.

      Wenn ich dann lese, dass “Investoren” in 5 Häuser “investiert” haben und 20 Millionen Mieten im Jahr verlangen, sorry, dann muss keiner weitererzählen. Ich habe mal geschaut, was Grosskaufhaus_neubauten_ mit Abriss des alten Teils, so kosten, das sind selbst im teuren München (Synagogenstrasse, 15000m^3 Verkaufsfläsche auf 6 Etagen, 5 Etagen Tiefgarage) bloss 35 Millionen. Der Karstadt mir gegenüber wurde in den neunzigern abgerissen und neugebaut, für damals 28 Mill. DM. Wer aus sowas 4 Mill. Euro im Jahr saugt, ist ein Vampir oder ein Dieb.

      Dass obendrein Mist gebaut wurde, zu grosse Diversifikation, ineffizienter Einkauf etc., und das nicht erst von Middelhoff, ist wohl so gewesen.

    43. John Dean schrieb am 11. Juni 2009 um 00:17 - Permalink

      Wenn man bedenkt, dass die Mieten der Karstadt-Häuser oftmals nicht marktgerecht sind, dann ist eine Insolvenz in diesem Fall tatsächlich eine gute Lösung. Spannend ist dabei der Themenkomplex rund um den Immobilienentwickler Esch (dessen Spezialität scheinen überteuerte Mieten und andere Tricks zu sein).

      Ausgerechnet hier (Jahresgewinn im Jahr 2008 über 30 Mio Euro) haben sowohl der Manager Middelhoff, als auch Frau M. Schickedanz erhebliche Anteile (wie man hört: jeweils über 10 Prozent), die man auch so interpretieren könnte, dass die Betreffenden sich auf Kosten von Karstadt bereichern wollten.

      Bislang waren die Renditen der Esch-Anleger blendend – und dank der Insolvenz wird sich das ändern. Gut so!

    44. Horscht schrieb am 11. Juni 2009 um 04:11 - Permalink

      Kann durchaus sein, dass Karstadt kaputtgefahren worden ist, da es vom Geschäftsmodell her nicht renditeträchtig ist und die Rendite über ein spannendes Immobilienmodell generiert worden ist. Zynisch, aber vielleicht legal, sofern bestimmte Interessenkollisionen ausgeschlossen werden können.
      Die Sozialisierung der Verluste (teilweise) verhindert zu haben ist das Verdienst der Union. Münte hätte hier eiskalt gesponsort (zumindest bis zur Wahl).

    45. aquadraht schrieb am 11. Juni 2009 um 07:49 - Permalink

      Horscht: Niemand behauptet (jedenfalls nicht, ehe es einen tragfähigen Verdacht gibt), die Verantwortlichen hätten Gesetze gebrochen, wo sie es ganz offenbar nicht nötig hatten. Allerdings wären diese Transaktionen ohne die “Steuerreformen” vor allem der letzten 15 Jahre nicht oder nicht so leicht möglich gewesen, da dann erhebliche Summen der Beute hätten abgeführt werden müssen.

      Insofern hat der Staat sehr wohl interveniert, nur jetzt nicht mehr. Er schützt Renditen, nicht Arbeitsplätze.

    46. egghat schrieb am 11. Juni 2009 um 21:30 - Permalink

      @Horscht:

      Der Kauf von Thomas Cook soll die Meisterleistung gewesen sein? Hmmm, ich erinnere daran, dass Middelhoff nur die restlichen 50% gekauft hat, ein wenig überraschender Schritt also. Übrigens geht darauf wohl auch die Umsatzverdopplung zurück: Er konnte Thomas Cook konsolidieren. Wirkliches Umsatzwachstum im Kerngeschäft war nicht zu erkennen.

      @Karl Heinrich:

      Natürlich kann man nachher immer schön klugscheissen. Aber es ist immer ein fragwürdiges Argument, wenn du mir vorwirfst, dass ich damals nicht dagegen gewesen sei. Das Argument kann ich umdrehen und fragen, ob du denn damals dafür warst, wenn du es heute verteidigst. Aber was hilft das?

      Soll ich dir was sagen: Ich hatte sogar NACH der Immobiliengeschichte und dem Thomas Cook Kauf Arcandor Aktien. Allerdings hat mich im August das Ergebnis für das Q2-08 so geschockt, dass ich die Aktie verkauft habe (mit Verlust, aber wer ist aus der Aktie in den letzten Jahren mal mit Gewinn rausgegangen).

      Ich bloggte damals:
      “Die Zahlen heute waren einfach zu schlecht. Durch die Bank. Schlimmer noch: Ein strategisch wichtiger Deal wie der Verkauf von Condor sind geplatzt und damit hat Arcandor weiterhin einen Klotz am Bein. Und das bei einem Kerngeschäft, das eh sanierungsresistent zu sein scheint. Über 50 Mio Miese bei Karstadt sind schon übel … Auch der Tourismusbereich hebt nicht wirklich ab und der Versandhandel eiert so um die Nulllinie (was im Vergleich zu Karstadt allerdings durchaus als Erfolg gewertet werden muss). Und was in Zukunft passieren soll? In der angedachten Partnerschaft mit erfolgreichen Kaufhäusern aus Frankreich und/oder Spanien gibt es keine News. Und den viel spekulierten Kauf von Kaufhof will ich ehrlich gesagt gar nicht mehr. Scheinbar ist das Kaufhaus dem Tode geweiht. Und dass die mirnichtsdirnichts die Prognose für’s Gesamtjahr kassieren, hebt die Stimmung auch nicht gerade …”

      Meine Erkenntnis war vom letzten August. Middelhoff hat noch dieses Jahr von “gut aufgestellt”, “gut aufgestellt” geredet – Blabla, natürlich im besten Middelhoffschen Manager-Denglisch. Der Mann war blind für die Wahrheit. Deshalb hat er auch nicht nachhaltig saniert. Deshalb meinte er auch, irgendwo Cashflow zu generieren, über den man den Thomas Cook Kauf finanzieren konnte. Nur den gab es nicht. Geld kam immer nur durch Verkäufe von Geschäftsteilen oder Immobilien rein und dieses Geld wurde nicht zur Sanierung es Kerngeschäfts investiert. Man sieht im meinem Text von oben aus einem Blog auch, dass noch im letzten Spätsommer Middelhoff Kaufhof kaufen wollte – und nicht umgekehrt!

      Der Mann war blind, verblendet. Wahrscheinlich glaubt Middelhoff den Mist, den der absondert, sogar noch.

      Das Handelsblatt wirft dem Eick (erst seit ein paar Monaten im Amt) vor, er habe die Planungen für die Insolvenz nicht früh genug begonnen. Aber immerhin hat Eick schnell gemerkt, wie schlecht es um Arcandor steht und um Hilfe gerufen. Middelhoff würde wahrscheinlich heute noch versuchen, den Kaufhof zu kaufen. Oder TUI. Oder so.

    47. Horscht schrieb am 12. Juni 2009 um 15:43 - Permalink

      @eggie:
      Nein, lies doch bitte “alles”.
      LG Horscht


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