Der falsche Frühling der SPD
geschrieben am 05. April 2011 von Stefan Sasse
Von Stefan Sasse
Rot-grüne Mehrheiten im Land scheinen wieder möglich. In der Wahl der Hamburger Bürgerschaftsversammlung erreichte die SPD unter dem Agenda-Boy Olaf Scholz die absolute Mehrheit. In Baden-Württemberg ist zum ersten Mal seit 58 Jahren die CDU abgelöst worden. Der Frühling für die SPD jedoch ist reiner Selbstbetrug. Die scheinbare Stärke der Partei ist in Wirklichkeit eine fortgesetzte Schwäche ihrer Gegner, möglich gemacht durch externe Faktoren, auf die die SPD keinerlei Einfluss besitzt. Das sind: die katastrophale Schwäche von Union und FDP, die gewaltige Stärke der Grünen, die Schwäche der LINKEn. Wird auch nur einer dieser Faktoren geändert, sind die rot-grünen Mehrheiten wieder dahin. Schlimmer noch, die Mehrheiten basieren allein auf der Stärke der Grünen, nicht der der SPD. Die hat sich in den Umfragen in nun zwei Jahren seit Sommer 2009 nicht signifikant verbessert und dümpelt immer noch im niedrigen 20%-Bereich herum. Dort wird sie auch bleiben, wenn ihre derzeitige Schwäche anhält.
Tatsächlich ist die Talfahrt der SPD, die durchaus mit der der FDP vergleichbar ist, noch nicht zwingend zu Ende. Nils Schmid hat in Baden-Württemberg bewiesen, dass es durchaus möglich ist, schlechte SPD-Ergebnisse noch zu unterbieten. Die Strategie der Sozialdemokratie ist dieselbe wie noch in der Großen Koalition: die LINKE ignorieren und marginalisieren und nach Möglichkeit aus dem Parlament drängen, um möglichst nicht mit ihr koalieren zu müssen. Um den Verdacht möglicher Zusammenarbeit oder auch nur inhaltlicher Nähe von sich weisen zu können, wird der “Pragmatismus” der SPD bis ins Lächerliche überhöht. Mit “Pragmatismus” ist dabei nur die reine Verwaltung des Staatswesens unter den Auspizien neoliberaler Wirtschaftsideen gemeint. Für die SPD bedeutet das eine Umsetzung der und Ausrichtung an den Agendareformen.
Es ist aber kaum glaubhaft, dass es der SPD gelingen sollte, bei der Bundestagswahl 2013 mit dieser Strategie tatsächlich zu punkten. Das Verwalten des Staates, das “pragmatische” Regieren, ist geradezu der Markenkern der CDU und ihrer Kanzlerin Merkel. Steinmeier ist selbst einer grauen Maus wie Merkel gegenübergestellt blass. Im besten Fall verbindet der Wähler mit ihm nichts, im schlimmsten Fall erinnert er sich an den Initiator der Agenda-Politik. Trotzdem ist die SPD von der fixen Idee besessen, mit ihrer Verwaltungsregierung und scheinbaren Ideologielosigkeit (die in sich ja schon wieder eine Ideologie ist) zur Wählergunst zurückzufinden, umso mehr nach Hamburg. Dieses Phänomen könnte man die Schmidt-Krankheit nennen.
Das historische Vorbild der Kanzlerschaft Helmut Schmidts scheint die Antriebsfeder dieser Strategie zu sein. Helmut Schmidt ist bis dato der beliebteste Kanzler der Republik, sein Ruf innerhalb der BRD glänzend. Gerne wird er in Talkshows eingeladen, gerne interviewt oder um Rat gefragt. Als die SPD 2009 begann, sich von der Nibelungentreue zur Verlängerung des Afghanistanmandats – oh so zögerlich – zu lösen, gingen Steinmeier und Gabriel vorher zu Helmut Schmidt und holten öffentlich seinen Rat ein, um auf diese Art jeden Vorwurf des Populismus zu umgehen. Schmidt gilt als reiner Pragmatiker, der ohne Ideologie regiert hat. Dieses Bild seiner Kanzlerschaft ist aber überhöht und geschönt: zum einen war Schmidt trotz allem Sozialdemokrat und fühlte als solcher, und zum anderen steigen Steinmeier und Gabriel hier in Schuhe, die ihnen selbst zusammen mehrere Nummern zu groß sind.
Schmidt besaß Sachverstand und eine Gabe zur Analyse, die zumindest Steinmeier völlig abgeht. Schmidt war geradezu das Abziehbild eines Hanseaten; seine Attitüde war genuin, seine berühmte “Schmidt-Schnauze” gehörte zu ihm. Die Versuche, diese Haltung und Politik einfach nur zu kopieren, müssen ins Desaster führen. In Schmidts Heimat, wo die CDU ohnehin strukturell schwach ist und die Sozialdemokratie eine ihrer Hochburgen besitzt, konnte das gelingen. Auf Bundesebene aber ist es kein Rezept. Merkel fehlt zwar völlig die bodenständige Glaubwürdigkeit Schmidts, aber einem Steinmeier ist sie immer noch um Längen voraus. Die SPD kann und darf sich nicht mehr an Schmidt orientieren, sie hat das viel zu lange getan und verkennt dabei auch, dass es Schmidt war, unter dem die SPD zunehmend an Terrain verlor. Seine Ignoranz und hochmütige Verdrängung der Umwelt- und Friedensbewegung entfremdete diese bis heute der SPD und führte zum Aufstieg der Grünen. Die SPD muss auf Brandt schauen, nicht Schmidt.
Allein, Brandt ist vergiftet. Nicht nur gilt er als Visionär und Hans-kuck-in-die-Luft – zu Unrecht. Oskar Lafontaine hat die Wirkung, die vom ersten sozialdemokratischen Kanzler der BRD ausgeht, richtig erkannt und ihn gerne für sich mit Beschlag genommen, was ihm wegen seiner persönlichen Vergangenheit mit Brandt umso leichter fallen musste. Brandt als neues Vorbild auszugeben führte die SPD deswegen in die Nähe der LINKEn, in die sie partout nicht will. Es führt für die Sozialdemokratie aber kein Weg daran vorbei, endlich eine neue, eigene Vision der bundesdeutschen Gesellschaft zu entwerfen und dieses Ziel zu vertreten. Es kann nicht mehr damit getan sein, die Agenda zu verwalten und daran herumzubessern. Schmidt hatte auch deswegen Erfolg, weil er Brandts Reformen verwaltete. Hätte er mit seiner Politik ein Erbe wie das Schröders antreten müssen – Kohl hätte 1976 die Wahl gewonnen.
Die Frühlingsluft, die die SPD gerade zu schnuppern vermeint, ist vergiftet. Sie ist durchsetzt von den Grünen, denen allein sich die rechnerische Mehrheit für Rot-Grün verdankt. Und nirgendwo findet sich gerade auch nur eine kleine Duftmarke von Schwarz, Gelb oder Dunkelrot. Die SPD feiert einen falschen Frühling und wenn der Winter erneut hereinbricht, wird er das mit Gewalt tun und den einen oder anderen, der allzu euphorisch alle Vorsicht fahren lässt, in den Abgrund reißen.
Stefan Sasse
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entscheidend wird fuer die 2004 aufgeloeste SPD sein, ob sie sich 2013 in der Wirtschaftspolitik als Alternative zu dem neoliberalen Unsinn positionieren kann.
Ein Hoffnungsschimmer diesbezueglich ist, dass sich Gabriel immerhin von Flassbeck und CO beraten laesst, andererseits wird im Moment Steinbrueck zum Kanzlerkandidaten hochstilisiert, jemand der genauso wenig wie Steinmeier erklaeren kann, wie er Kanzler werden will; und die Vorstellung, dass es zu einer rot gruenen Mehrheit reichen wird, ist abwegig, da man davon ausgehen kann, dass in 2 Jahren Fukushima laengst abgeharkt ist bzw. dass sich die schwarzgelben als die besseren Atomaussteiger erweisen.
Wirklich? Hast du eine Quelle, ich würd das gern nachlesen. (:
Nicht nur Flassbeck, auch Bofinger gehört dazu:
http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/617262/Ederer-beraet-SPD-in-Wirtschaftsfragen-
Ich sehe da alles andere als einen Hoffnungsschimmer. Es sind dieselben Leute an der Spitze, die die Auslieferung der SPD an den neoliberalen Mainstream betrieben oder aktiv unterstützt haben: Die Stones, Gabriel, Nahles. Im Hintergrund wirken solche obskuren Figuren wie Dohnany, Schröder und die Seeheimer. Die alle sind für die Wendung der SPD von einer solidarischen Volkspartei zu dem, was sie jetzt ist, verantwortlich. Dafür haben sie zu Recht die Quittung bekommen. Ich sehe weder den Willen noch die dafür notwendigen Köpfe zur Änderung dieses verhängnisvollen Kurses. Deshalb denke ich, dass die Hoffnung auf die SPD auf absehbare Zeit, vielleicht für immer, vergebens ist.
Ich sehe da nicht ganz so schwarz. Neben den von Dir genannten Figuren gibt es noch andere: Die Demokratische Linke und die Solidarische Moderne. Auch die Gewerkschaften werden da nachhelfen, nachdem die Entfremdung nach Schröder geringer geworden ist.
Dieser Satz beschreibt Steinmeier und seine Wirkung auf die Wähler punktgenau. Am Ende bleibt nichts hängen, als eine große schwarze Brille.
Es ist aber auch kein potenzieller Emporkömmling vorhanden, der etwas verändern könnte. Was derzeit aber das Problem jeder Partei ist. Wenn mal was Junges nachkommt, dann sind das so blasse Gestalten wie Rößler etc. oder direkt in der SPD unser hessischer George Clooney, Thorsten Schäfer-Gümbel (aber ohne Bunga-Bunga).
Im Politbarometer steht er ziemlich weit vorne. Das kann man beklagen, aber im Hinblick auf eine mögliche rosa-grüne Mehrheit ist das schon von Bedeutung.
Es wäre auch gut möglich, dass Peer Steinbrück 2013, oder ggf. früher, als Kanzler kandidiert.
Und sorry, jedwede Rot-Grüne Regierung kann nur sein besser sein, als Merkel/Westerwelle. – Völlig egal wer. Ich glaube, die Wähler sehen das mit deutlicher Mehrheit zur Zeit ähnlich.
Mit ein bisschen Glück, wenn uns neuer FDP-Chef Rösler wegen irgend etwas zurück treten muss oder sonstwie scheitert (der ist ja unerfahren und hat noch Brüderle/Westerwelle im Kabinett), gibt es vielleicht sogar vorgezogene Neuwahlen. Das wäre jedenfalls für uns alle das Beste.
Hmm, und der Rösler wollte ja das Gesundheitssystem zur Kopfpauschale pkv-ähnlich umbauen. Mit der Union gab es deshalb großen Stress. Als Vizekanzler und Parteivorsitzender hat der jedoch deutlich mehr Gewicht. Vielleicht gibt das noch richtig Krach. Man darf vielleicht hoffen. :)
Da bin ich anderer Ansicht: Ohne Schröder wäre die Asozial-Politik und die heutige CDU/FDP-Organisierte Kriminalität nicht möglich gewesen. Hätte Kohl den Kurs der SPD versucht, wäre er gesteinigt worden. Die SPD ist die mit Abstand gefährlichste Partei für die Restdemokratie, da immer noch viele nicht hinter den Etikettenschwindel blicken und sie so die Möglichkeit hat, “Maßnahmen” durchzusetzen, für die eine SchwarzGeld-Regierung sofort bitter abgestraft werden würde. Das Schlimme daran: Der Doof-Michel straft die SPD in der nächsten Wahlperiode für ihre Taten ab und entblödet sich nicht, statt dessen die CDU – also die, die kontinierlich übelstmöglich versagt haben – zu wählen, die dann völlig ungehindert das SPD-Programm umsetzt.
Diese Partei muss sterben und zwar so schnell wie möglich, denn andernfalls wird es nicht mehr lange dauern, bis die CDU mit Hilfe der Wegbereitung der SPD unser Land für 90% der Bevölkerung in einen Alptraum verwandelt hat.
Dummerweise zuckt das tote Pferd derzeit recht heftig, indem ein Gabriel vordergründig vom Saulus zum Paulus mutiert. Der deutsche Wähler ist erwiesenermaßen dämlich genug, ihm das abzunehmen. Fatal.
Meine Prognose:
2013 = Rot-Grün.
Wenn es 2017 noch Wahlen gibt, wird wieder der CDU-Schmutz an die Oberfläche gewählt, der dem Land dann den Rest gibt. Auf den Blödmichel ist Verlaß.
Hinterher wird sich der Blödmichel übrigens an nichts erinnern.
Alle Blödmichel, außer Schwitzig.
Ich wußte ja schon, dass Du Deine Potentiale bestenfalls suboptimal nutzt, aber dass Du noch nicht einmal eine Ahnung bezüglich der prozentualen Verteilung der Wählerstimmen hast, finde ich nun doch schockierend.
Schwitzig hat schon völlig recht. Allein wie dünn diese Erfolgs-Firniss von Rot-Grün ist wird man vermutlich schon sehr schnell (in Ba-Wü) sehen. Alle SPDGRÜNECDUFDPLINKECSU-Parteien sind hohl und – mehr oder weniger erfolgreiche – Marketingmaschinen, die uns jetzt “FDP/SPD XY NEU” jetzt mit zwei Rot- oder Grünmachern verkaufen wollen. Allerdings gilt immer noch der alte Lincoln Spruch: “Man kann sehr viele Menschen sehr lange belügen, aber nie alle Menschen für immer.” Na gut, mit der gelungenden Verblödung weiter Teile der Bevölkerung mittels privater Medien, wird das noch länger dauern und vermutlich leider auch noch vieler Katastrophen bedürfen, bis “Blödmichel” mal den Fernseher ausschaltet und was unternimmt.
Was soll Max Mustermann, anfang Vierzig und von allen Seiten (familiär, im Betrieb, Zeitung, teilweise Internet, medikamentös etc.) eingelullt und mit den Bildern von S21 im Kopf bitte unternehmen?
Einmal den Lieblingsspruch aller Heuchler gehört (“In anderen Ländern, gehts den Leuten noch viiel dreckiger”) und Max Mustermann wird sich sagen “Stimmt eigentlich” und sich wieder seinen drei Jobs widmen, denn ansonsten werden seine Kinder in der Schule gemobbt, wegen fehlender Markenklamotten und außerdem hat Ratiopharm da was “gegen schlechte Laune”, die Scheidung war ja auch nicht gerade billig etc.
Kritisch sein ist eh spießig und peinlich, jaja…
Ich glaube mittlerweile, dass es schon zu spät ist.
Auch wenn es für viele nur eine Provinzposse ist, aber S21 war so ein typisches Beispiel, wie die BRD mittlerweile drauf ist.
die Macher haben zuerst CDU und SPD gekauft, die Proteste niedergeschlagen, die Kritiker mit netten Begriffen “z.B. Sittler-Jugend” verhöhnt und die Tatsachen verdreht “S21-Befürworter sind fortschrittlich, Kritiker sind rückschrittlich” und schließlich diese Pseudoschlichtung tagen lassen; mit einem grünen Sieg konnten die Mächtigen nicht rechnen.
Jetzt hängt meiner Meinung nach alles daran ob S21 verhindert werden kann,
Gelingt es, haben wir noch eine Chance, wenn nicht, dann ist es WIRKLICH zu spät und das GELD regiert ALLES; kein Entkommen.
Und es geht hier NICHT um einen Bahnhof.
Genau das passiert zur Zeit in Spanien!
Manche lernen aus Ihren Fehlern einfach nix oder aus den Fehlern Anderer, gilt für die SPD, Grüne und S 21!
Hier ein kleiner Ausblick auf S 21 in zehn Jahren!
http://nachrichten.lvz-online.de/leipzig/citynews/citytunnel-kostet-sachsen-500-millionen-euro-rechnungshof-kritisiert-mehrbelastung/r-citynews-a-82914.html
Und das war nur ein Tunnel!
Die BW-SPD klammert sich jetzt daran, dass sie vor der Wahl für S21 war eine Volksabstimmung versprochen hatte und jetzt nicht davon abgehen könne. Ist schon schwer, aus der Falle wieder rauszukommen.
Ein Fehler ist es aber nur für die Allgemeinheit. Die Profiteure, sei es durch Gewinne oder durch Schadenersatzzahlungen, gewinnen auf jeden Fall.
schwitzig
Da bin ich bei dir … auch das auf des Michels Demenz Verlass ist, sowie seiner Liebe zum Baeumchen Spiel
Die Beurteilung der SPD und ihrer “Spitzenkräfte” ist fast richtig – aber nur fast.
Die Feststellung……
…….betrifft die Lehrer- und Beamten-Partei die Grünen ebenso. Nehmen wir das Thema “Energiepolitik/AKW” weg, was bleibt dann noch übrig? Die CDU der 70er/80er-Jahre.
Deutschland ist leider mit Politikern mit Versionen für unsere Zukunft sehr schwach aufgestellt und dieses betrifft auch Die Linke.
Auch wenn Jens Berger sich noch ziert……es führt kein Weg vorbei……..
Die Politik ist deswegen von mittelmäßigen Schwachmaten überlaufen, weil die Musik woanders spielt.
Bis irgendwann das gesamte Finanzsystem kollabiert und auch die beste Medienmanipulation das nicht mehr übertünchen kann.
Dann kommen die Wilders’ und Sarrazins und fahren die Ernte ein.
Dann bekommen wir Visionen!!
Meinethalben kann die SPD zusammen mit der CDU im Orkus der Geschichte verschwinden. Die kriegen doch nix mehr auf die Reihe. All die anderen allerdings leider auch nicht :/
Aber eine Frage habe ich: was soll diese komische Schreibweise “LINKEn”? Als ich das zum ersten Mal sah, hielt ich es noch für einen Tippfehler, aber inzwischen ist klar, dass dahinter Absicht steckt. Das ist doch genauso dämlich wie das Binnen-I der Femischranzen. Wobei es gegen letzteres immerhin ein Add-on gibt, das den Schwachsinn aus Webseiten eliminiert.
Die Partei heißt halt LINKE. Deswegen, wenn gramatisch das “n” dazu muss, ist das klein. Die Grünen waren schlau genug nicht auf reine Großbuchstaben zu setzen. Dazu kommt, dass “die Linke” verwechselbar mit der Strömung ist.
Die Partei nennt sich DIE LINKE, was sprachlich genauso bescheuert ist wie die Partei, von daher passt es also.
Es lautet immer ‘DIE LINKE’. Das ‘DIE’ gehört untrennbar zum Parteinamen, es ist ein fester Namensbestandteil. Die LINKEn gibt es nicht.
Daher muss es z.B. statt ‘…führte die SPD deswegen in die Nähe der LINKEn, in die sie…’ lauten ‘führte die SPD deswegen in die Nähe der DIE LINKE, in die sie…’
Das sind so Artikel, die mich immer eher nerven.
Alles so ein destruktives, unkonkretes, verschwurbeltes Bla, Bla. ^^
Macht doch lieber mal Vorschläge, welche “neue, eigene Vision der bundesdeutschen Gesellschaft” und Ideen, die SPD oder sonst wer denn umsetzen und auf die Tagesordnung bringen soll.
Eine gemeinsame Wirtschaftsregierung und EU/Euro-Rettung mit Frankreich und ganze Europa, selbst wenn es uns Milliarden kostet, weil wir aber am meisten davon profitieren und nicht dieses dumme, nationalistische Merkel-hüh-hott. Wenigstens von Stil her etwas eleganter.
Die Bürgerversicherung für alle bei der KV, Ausstieg aus der Atomkraft bis 2020 und ein großes Aktionsprogramm für erneuerbaren Energien, Verbesserungen beim ALG II bis hin zu einem bedingungslosen ALG II.
Eine bessere Einwanderungs und Integrationspolitik, die uns die dringend benötigten ausländischen Facharbeiter bringt und Sarrazin aus den Köpfen.
Es gäbe doch so vieles, was eine neue Regierung als Vision einbringen könnte. Da würde ich mal ein paar konstruktive, finanzierbare Vorschläge für ein Deutschland im Jahre 2020 machen. ^^
Und dass die Grünen unter dem Eindruck von Fukushima stark sind und auch der SPD Stimmen weg nehmen, sollte wohl nicht überraschen. Und unter solchen Bedingungen im konservativen BW als SPD mit diesem “Jungspund” wenig Stimmen zu bekommen, ist wohl auch kein Kunststück. Usw, usw. ^^
Ich glaube, hier ging es erstmal nur um die Analyse des IST-Zustands der SPD – und da gibt es eben nichts Konstruktives zu vermelden, oder doch?
Dennoch natuerlich sinnvolle weiterfuehrende Fragen!
Was Du nennst, sind Einzelprojekte. Was bedeuten diese fuer die Verfasstheit der Gesamtgesellschaft?
- Kooperation statt Konkurrenz (auf manchen Gebieten)
- Staerkung der Gemeinschaft
- Prioritaet fuer Oekologie
- demokratische Lenkung statt dem Markt ueberlassen
Also insgesamt ein Zurueckdraengen kapitalistischer und ein Staerken demokratischer Prinzipien. imho bedeutet das eine Vergesellschaftung und Demokratisierung von Schluesselsektoren (Energie, Wasser, Transport, Medien, Finanzen, Kommunikation, Bildung, Gesundheit) – und eine Orientierung an Beduerfnissen statt an Gewinnerwartungen. Ueber kurz oder lang bedeutet das auch eine Infragestellung des Wirtschaftswachstums.
Gruesse
Das finde ich ein bisschen dürftig.
Außerdem liest sich das alles so, als wollte da jemand mit voller Absicht die SPD runter schreiben.
Dabei kann der SPD ja nun wirklich Schlimmeres passieren, also unter dem Eindruck von Fukushima von den Grünen überholt zu werden und “nur” mit deren Hilfe die “rechnerische Mehrheit” zu erlagen.
Alleine nur die Wortwahl … (“vergiftet”, “Selbstbetrug”, usw.)
Als wenn die Leute da nicht selber um die reale Situation wüssten.
Ach was. Umsetzung von Visionen und gesellschaftlichen Zukunftsideen sind natürlich immer Einzelprojekte. Und umgekehrt.
Parteien machen Politik in Form von Einzelprojekten, die umgesetzt werden. Ansonsten soll man in die Kirche gehen, beten und singen. :)
Es ist muessig, darueber zu diskutieren, welche “Absicht” hinter etwas steckt (und wird deshalb z.B. seit den 70ern in Germanistik nicht mehr gemacht), da wir sie eh nicht kennen. Vielleicht hast Du Recht – vielleicht sollen solche Artikel auch die SPD “wachruetteln” und in eine bessere Richtung lenken. Fuer mich ist es einfach sachlich richtig, und die Wortwahl ist (auch) eine Frage des individuellen Stils.
Und fuer die SPD (Ursprung: soziale Frage) selbst muss es ein Alarmsignal sein, wenn die Gruenen (Ursprung: oekologische Frage) staerker sind als sie, obwohl es immer mehr Menschen wirtschaftlich nicht gut geht. Klar, schlimmer geht immer…
Was die Einzelprojekte angeht, hast Du einerseits Recht – und widersprichst Dir gleichzeitig damit selbst, da Du zuvor eine “neue, eigene Vision der bundesdeutschen Gesellschaft” gefordert hast.
Du schreibst: “Umsetzung von Visionen und gesellschaftlichen Zukunftsideen sind natürlich immer Einzelprojekte.” – voellig richtig, aber dafuer braucht es eben erstmal (logisch, nicht zeitlich) eben diese Visionen.
Energie – Ich glaube z. B. RWE gehört zum großen Teil bereits den Kommunen und Gemeinden in NRW. EnBW ist verstaatlicht. ;-)
Wasser, Transport – Die Stadtwerke sind doch oft in Besitz der Städte.
Medien – Also kein privates TV und Zeitungen mehr, sondern statt dessen alles über eine verdoppelte GEZ-Gebühr? :)
Kommunikation – Ich möchte gerne auch in Zukunft noch preiswertes Internet über Telefon, TV-Kabel oders Handy-Netz. Außerdem steht davor die EU.
Bildung – ist staatlich und demokratisch
Gesundheit – Gesundheitstfond, Selbstverwaltung der Sozialversicherung. Irgendwann hatte ich sogar mal so Wahlunterlagen zugeschickt bekommen. :)
Ohne Gewähr auf vollständige Richtigkeit. ;-)
Demokratisierung und Verstaatlichung sind voellig verschiedene Dinge, das sollte nicht verwechselt werden!
Energie: RWE ist sicher nicht demokratisch und ist privatwirtschaftlich organisiert.
Stadtwerke: Oft ja, nicht immer – und demokratisch damit noch nicht.
Medien: Jedenfalls nicht gewinnorientiert und werbefinanziert. Da sind verschiedene Formen moeglich, wie das organisiert und finanziert werden kann – doppelte GEZ-Gebuehr ist mir zu unflexibel (auch wenn es sicher billiger waere als der IST-Zustand). Parteien kriegen Geld vom Staat, warum Zeitungen nicht? Die sind fuer die Demokratie eher noch wichtiger.
Kommunikation – ja, und weiter? Prima, ich auch, tun wir uns zusammen! 1 Handynetz statt 4 senkt die Kosten schonmal um ca. 75%…
Bildung – ist demokratisch? Wie bitte?
Gesundheit – die Finanzierung find ich nicht wirklich das Entscheidende, solange es als gemeinsame Aufgabe betrachtet wird.
Worum es mir geht, ist ein gesellschaftlicher Fortschritt (ja, das ist prinzipiell moeglich) im Sinne von mehr Freiheit und demokratischer Mitbestimmung – so dezentral wie moeglich, so zentral wie noetig.
Schwieriger finde ich aber die Frage, was das fuer das Wirtschaftssystem bedeutet…genuegt eine Zurueckdraengung des Kapitalismus in bestimmte Bereiche? Kann er ohne Wachstum existieren?
Ein solcher Artikel ist auch geplant, keine Bange :) Der braucht aber einfach mehr Inkubationszeit.
Stimme inhaltlich voll zu.
Aber ehrlich gesagt finde in den Artikel etwas duenn – viel (richtiger) Eindruck und Gefuehl, Grobeinschaetzung, aber wenig Fakten zu Personal und Programm, mit denen sich argumentieren liesse. Wer es anders sieht, wird das nach der Lektuere immer noch tun…
Din inhaltliche Debatte findet derzeit zwischen CDU und Gruenen statt, die sich in vielem gar nicht so unaehnlich sind. FDP und SPD haben nichts beizutragen, und die LINKE wird (bisher erfolgreich) ignoriert.
Ich muss den Text noch einmal lesen … ich muss mich vergewissern, ob er wirklich so gut ist, wie es aussieht …. Zuerst füge ich aber was hinzu
Wenn man heute den Blick auf die „postmodernen“ Sozialdemokraten wirft, weckt das starke Erinnerungen an den letzten Akt des Untergangs des sowjetischen Imperiums. Auch dort bekam ein junger ambitiöser Reformer, Gorbatschow große Lust auf Erneuerung. Auch hinter ihm – in Reih und Glied – klatschte pflichtbewusst und stumm die graue alte Garde. Wir wissen, was der „frische Wind der Reformen“ gebracht hat. Gorbatschow hat den Staat rundherum, Schröder immerhin den Sozialstaat zugrunde gerichtet. Beide waren extreme Pragmatiker und Opportunisten. Beide waren unvorstellbar stolz darauf, dass sie „das Richtige und Nötige“ tun, weil ihnen jemand eingetrichtert hatte, dass dies das Richtige und Nötige sei. Und die systemtreuen Medien haben ihre inhaltlich leeren Botschaften mit Schlagwörtern nach PR-Art der Öffentlichkeit in die Köpfe eingehämmert. Ein eigenes Denkvermögen konnte man bei diesen Menschen vergeblich suchen. Keiner hat jemals wenigstens einen einzigen intelligenten Diskurs hingekriegt. Sie waren nicht einmal im Stande sich für ihre „Agenda“ sinnvolle Bezeichnungen auszudenken. So wie es die Meteorologen tun, haben auch sie nach Namen der Vorsitzenden ihrer Kommissionen gegriffen (Hartz) oder sogar nackte Zahlen (2010) genommen.Wie erbärmlich! Gorbatschow und Schröder als große Staatsphilosophen und Werteverkünder – das wirkt wie eine Parodie. Es ist eine seltsame Ironie des Schicksals, dass beide „mutigen Reformer“ im eigenen Land restlos jeden Respekt eingebüßt haben; das Ausland ist zur letzten Zuflucht ihrer geschlagenen Selbstachtung geworden. In Russland weiß schon längst keiner mehr – weder jung noch alt -, wer Gorbatschow ist, und will es auch nicht wissen; im Ausland zollt man ihm noch eine gewisse Achtung. Zu seinem letzten Geleit wird kaum ein Russe auftauchen. Und Schröder? Dass ihm die Bevölkerung den Rücken kehrte, kann wirklich niemanden wundern. Er hat sich allein um die Reichen und die Wirtschaft gekümmert und dabei so viel für sie getan wie kein deutscher Kanzler vor ihm. Die haben ihn aber fallen lassen, so dass ihm der russische Staatmonopolist Gazprom als letzte Chance übrig blieb, sich über seinen Absturz in die gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit hinwegzutrösten. Wer sich mit dem Teufel einlässt, …
imho ist Schroeder dort, um durch personelle Verflechtung die Energiezufuhr aus Ru zu sichern, weniger aus persoenlichen Motiven. Insofern ist er bedeutsamer als ein Grossteil der aktuellen Regierung. (Das ist eine Feststellung, keine positive Wertung!)
Und den Vergleich mit Gorbatschow verstehe ich wirklich nicht. Ein Philosoph vielleicht nicht, aber Visionen hatte er sicherlich – allein, er kam zu spaet. Und wer zu spaet kommt…
Plan 1 entführe eine Panzer … Hauptmann Köpenick … ;)
und mach eine vollbremsung im ( schwerbewaffnet ) im diplo-viertel …
in Berlin und ergebe dich dann ;D
@ smukster
Wer hatte denn Visionen, Gorbatschow ?
Gorbatschow ist eine (für Russland) tragische Witzfigur.
Das schlimmste ist, er schämt sich nicht mal für das was er (nicht)getan hat.
JA ne … so war das nicht geplant Rumor ähm Truvor jetzt aber in line ;)
edit + …
Hey sorry truvor … ja äußerst beknackt … ;) 1/4 fund Tomaten bitte … oh !
tragisch, ja – eben weil er zu spaet kam. Oder waren Reformen nicht laengst ueberfaellig? G war m.W. derjenige, der das klar erkannt hat und versucht hat, den Kurs zu aendern – streich das Wort “Visionen”, wenn es Dir nicht gefaellt, ev. ist das uebertrieben.
Aber Du weisst mehr ueber Russland als ich, also sage Du mir, was er (nicht) haette tun sollen, bitte! (Oder wer sonst was haette machen sollen.)
@ smukster
Das eigentlich tragischste in dieser Geschichte ist, daß Gorbatschow die absolut ungeeignetste Person war, um längst überfällige Reformen in so einem komplizierten Land, wie die Sowjetunion es war, durchzuführen.
Ich persönlich, hätte ihm (und seiner Mannschaft) nicht mal eine Kolchose zu führen erlaubt bzw. überlassen zu leiten.
Kein Mensch hatte damals in der SU etwas gegen die längst überfällige (insbesondere wirtschaftliche und politische) Reformen gehabt, aber das Volk hat von ihm echte (!) REFORMEN erwartet und nicht diese Witzaktionen wie “Perestrojka”, “Uskorenije”, “Glasnost” etc..
Schon als er mit dieser, völlig verblödeten, Alkoholkampanie angefangen hat, war es den meisten Menschen klar, daß er der falsche ist.
Mit seinen “Reformen” hat er die SU in die Katastrophe geführt.
Wenn er mit Absicht die SU zu Tode “reformiert” hatte, dann ist/wäre er ein Verräter (dieser Ansicht sind die meisten Russen), falls er aber wegen seiner (und seiner Mannschaft) Unkompetenz die SU in eine Katastrophe führte (der Meinung bin ich bis jetzt), dann ist es auch nicht viel besser.
Das würde bedeuten, daß er absolut kein Gewissen hat und daß sein Ex-Land ihm absolut scheiß egal war und ist.
Die SU wäre selbstverständlich reformierbar.
Das Land hatte alles dafür, aller Art Rohstoffe bzw. Ressourcen, talentierte Ingeneure und Wissenschaftler, fleißige Arbeiter und Bauern (und die stärkste Armee der Welt, was auch gar nicht so unwichtig ist).
Das Einzige, was dem Land in dem Moment (Frühjahr 1985) fehlte, war eine kompetente und patriotische Führung.
Russland hatte aber wieder kein Glück und bekam diese, mit Nobelpreis beschenkte “Persönlichkeit” Gorbatschow an die Macht.
Mindesten 98% der ex-SU Bürger hassen Gorbatschew heute, für das, was er nicht getan oder getan hatte.
Sogar dieser Gerontokrat Breschnow hat mehr Respekt in der Bevölkerung heute als der im Westen beliebte Gorbi.
@ Kriegszitterer
Was rauchst Du ?
Sind die Russen und andere Osteuropäer nicht froh, dass die SU untergegangen ist? Gibt es da so viel Nostalgie? Wird da wirklich einem (doch sehr fragwürdigen) Weltmacht-Status nachgeweint?
(Sind ernstgemeinte Fragen, ich kenne mich da nicht so aus.)
Mir kommt das komisch vor. Also ich für meinen Teil halte Gorbi für eine der größten Männer des 20. Jahrhunderts. Hat einen ganzen Kontinent aus der Unfreiheit geführt. Relativ unblutig. Den Kalten Krieg beendet.
Dass Russland jetzt ein korruptes Scheissland ist, kann man ihm ja nicht mehr wirklich anlasten, oder?
@ mee
Nein, die Russen und Ost-Europäer sind nicht froh, daß die SU untergegangen ist.
Zumindest diejeningen, die die Möglichkeiten hatten, heutiges Russland mit der SU zu vergleichen.
Du fragst mich, ob die Russen (und ex-SU Bürger) Nostalgie hätten ?
Stelle Dir vor, daß sogar Stalin-Ära im heutigen Russland (und nicht nur in Russland) populär geworden ist.
Stelle Dir bitte vor, wie dreckig den Menschen dort gehen muß, wenn sie sogar Stalin nachweinen.
Ich würde nicht behaupten, daß die Russen einem Weltmacht-Status nachweinen.
Sie haben jetzt gaaaaaaaaanz andere Gedanken im Kopf.
PS. Übrigens, woher weißt Du überhaupt, ob das Weltmacht-Statusgefühl “doch sehr fragwürdig” ist ?
Warst der Bürger einer Weltmacht ?
Das ist das eigentliche Problem, daß Du und die meisten anderen West-Bürger “Gorbi für einen der größten Männer des 20. Jahrhunderts” haltet.
Euch fehlt einfach die nötige Information über Euren Gorbi.
Ich weiß nicht aus welcher Unfreiheit Gorbi den ganzen Kontinent geführt hat, ich kann Dir aber sagen, wovon dieser Kontinent (Ost-Block) mit Gorbis Hilfe befreit wurde.
Und zwar, die Bürger der SU wurden von dem Recht auf Arbeit, der kostenlosen Medizin, der für alle Bürger zugänglicher Möglichkeit auf Hochschulbildung, befreit etc.
Das Recht auf die Sicherheit haben die Russen & Co. auch verloren, da der Begriff Terrorismus den Menschen dort absolut unbekannt (irgendwo aus Fernsehen) war (ich könnte noch stundenlang aufzählen).
Stelle Dir selbst einfach mal die Frage, wenn er für den Kontinent so viel gutes getan hat, wie kommt das, daß ca. 98% der ex-SU Bürger ihn so sehr hassen ?
Der Kalte Krieg wurde sogar sehr blutig beendet.
Zähle mal alle Opfer in all den Konflikten und Kriegen (insbesondere in den beiden Tschetschenien-Kriegen) zusammen.
Hey Truvor,
Du sagtest:
“Nein, die Russen und Ost-Europäer sind nicht froh, daß die SU untergegangen ist.”
Ich denke nicht, dass die Bevölkerung der osteuropäischen Staaten, mit Ausnahme Russlands, der UDSSR nachtrauert.
Wenn man mal bedenkt, wie sich Truppen der UDSSR bzw. die “Handlangertruppen” (sorry, ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein um den Einfluss Moskaus auf die Regierungen dieser Länder zu charakterisieren) in den jeweiligen Ländern zu verschiedenen Zeiten benommen hat:
- Prag – 1968
- Budapest – 1956
- Tiflis – 1956
- Berlin – 1953
- Polen 1956 & 1968
Nur einige Beispiele…
Die Freunde die ich in verschiedenen osteuropäischen Ländern habe sehnen sich die UDSSR nicht zurück.
Dies merkt man unter anderem auch daran, wie sehr sich diese Staaten den USA anbiedern, sei es in Fragen wie “Kriegszustimmung”, Standorte für US – Basen oder der geplante Raketenabwehrschirm.
Viele Freunde in Russland sehen die ganze Sache allerdings etwas anders – hier stimme ich Deinen Aussagen zu ;)
Gruß,
schub
@ schub
Ich habe in dem Kommentar Nr.22 (etwas weiter da unten) einiges über das Verhältnis der Ost-Europäer zu der Sowjetunion geschrieben (lese das mal, wenn Du möchtest).
Ich behaubte nicht, daß alle Ost-Europäer sich nach der SU sehnen.
Ich will aber sagen, daß den meisten Ost-Europäern damals wirtschaftlich wesentlich besser ging als heute.
Also, sie haben keinen Grund die SU zu hassen.
Du hast hier die “Kriegszustimmung”, die Militärbasen und den geplanten Raketenabwehrschirm erwähnt.
Du willst mir doch nicht sagen, daß all diese Zustimmungen von den Otto-Normal-Ost-Europäern kommen bzw. erwünscht werden ?
Du willst mir doch nicht sagen, daß ein Otto-Normal-Tscheche sich für den Bau eines Raketenabwehrschirmes freut ?
Der Ort in dem ein Raketenabwehrschirm irgendwann gebaut wird, wäre ein potenzielles Ziel für die Atomstreitkräfte des Gegners.
Denkst Du, das kapiert ein Otto-Normal-Tscheche nicht ?
Wer will schon, daß seine Heimatstadt (und das ganze Land überhaupt) eine Atombombe zerstört ?
Du willst mir doch nicht sagen, daß ein Otto-Normal-Pole seinen Sohn mit Freude nach Aghanistan ziehen läßt ?
Diese polnische (etc.) Politiker schicken nicht ihre Söhne nach Afghanistan, Irak etc. um dort drauf zu gehen, dafür sind die Kinder der Otto-Normal-Polen (bzw. des gemeinen Volkes) da.
Du kannst Dir hier sicher sein, all diese proamerikanische Zustimmungen kommen von den jeweiligen Führungen dieser ost-europäischen Länder.
PS. Übrigens, die Führung der SU hat von keinem ihrer Satelliten irgenwann verlangt, daß sie ihre Soldaten nach Afghanistan (damals 1979-89) schicken sollen.
Die Russen schafften es irgendwie alleine ihre Problemen zu lösen (obwohl der damalige Afghanistenkrieg wesentlich umfangreicher und blutiger war als der heutige).
Die Satelliten bzw. Verbündeten der Amerikaner müssen heute die Blamage der Amerikaner irgendwie verdecken und sowas nennt sich eine Armee.
Diese Ereignisse (komisch, was hat Tbilisi 1956 mit Prag, Budapest oder Berlin zu tun ?), die Du aufgezählt hast, waren lediglich ganz kurze Aktionen, die auf das spätere Leben der Bürger dieser Länder keinen großen Einfluß hatten.
Budapest (beispielweise) war keine spontane Reaktion der Bürger, wie es behauptet wird.
Der ganze Aufstand wurde von den Hortisten vorbereitet und auch durchgeführt (also, das ist eigentlich längst kein Geheimnis mehr).
Der Aufstand in Prag erfolgte auch nicht ohne Hilfe von Außen.
Also, die Sowjets hatten eigentlich ein legitimes Recht in diese Aufstände einzuschreiten.
Du denkst doch nicht, daß die Amis anders gehandelt hätten (dazu auch noch während des Kalten Krieges. In solchen Zeiten darf man keine Schwäche zeigen) ? ;-)
@Truvor
Ich war einige Jahre im Baltikum tätig und habe neben Balten auch viele Russen kennen gelernt. Nicht einer wollte die Russenzeit zurück oder wollte zurück ins Heimatland. Das Gegenteil war der Fall: Haß, denn fast jede baltische Familie hat einen Angehörigen unter Stalin verloren und die älteren waren sehr häufig zur Zwangsarbeit in Rußland.
Mir scheint, Du träumst oder bist ein russischer Blindgänger.
@truvor:
Sorry, ich kenne mich bzgl. Gorbatschow wirklich nur maessig aus. Leider aendern Deine Posts daran rein gar nichts: Du schreibst, dass er unfaehig war, das Land ruiniert hat und dafuer gehasst wird. Aha, das Ergebnis stimmte also nicht, lerne ich daraus.
Soweit ich weiss, hat G zumindest (gegen grosse Widerstaende) Reformen “angepackt”, was Andere nicht gemacht haben. Also – wer sonst, und vor allem: was sonst? Ich moechte gerne dazulernen, glaub mir! Aber dafuer brauche ich sachlichere Antworten von Dir.
Eigene Erfahrungen aus Ex-SU-Staaten: Tatsaechlich wuenschen sich sehr viele Menschen die SU zurueck; es ist die “goldene Zeit”, als sie noch reisen konnten und einen gewissen Wohlstand hatten. Ausnahme sind Menschen, die heute einen guten Job haben – also eine kleine Minderheit.
Ob das in Osteuropa auch gilt, wage ich zu bezweifeln: Die Menschen haben sich viel weniger mit dem “grossen Bruder” SU identifiziert, es viel mehr als Fremdherrschaft gesehen. Und es geht ihnen heute weniger schlecht (d.h. nicht gut!).
Die Interventionen der SU hatten mit Sicherheit einen Einfluss auf das Leben der Menschen, da fortan stets die Drohung im Raum stand. Dass die USA in ihrem Machtbereich genauso und noch schlimmer gehandelt haben, ist voellig richtig, aendert aber wenig an der Kritik der Politik der SU.
Gruesse.
@ R_Winter + @ smukster
Habe heute leider keine Zeit auf Eure Kommentare eine Antwort zu schreiben.
Versuche`s Morgen zu machen.
@ R_Winter
Ich kann kein “russischer Blindgänger” sein, weil ich gar kein Russe bin.
Ich war Deutscher, bin Deutscher und werde irgendwann (hoffentlich nicht zu früh) als Deutscher abkratzen.
Ich nehme aber, ab und zu die Russen und Russland in Schutz, weil es hier im Westen, viel zu viel Blödsinn über Russland berichtet wird (ich möchte nur, die Leute hier, ein bißchen aufklären, da die Propaganda ihre Gehirne viel zu sehr aufgeweicht hat).
Sogar in diesem Blog, wo sich gar nicht so doofe Jungs und Mädels rumtreiben, liest man manchmal die absurdesten Dinge über Russland und Russen.
Ich habe irgendwie das Gefühl, daß meine Botschaft hier nicht verstanden wird bzw. nicht durchkommt.
Als ich da schrieb, daß die Russen und Ost-Europäer nicht froh sind, daß die SU untergegangen ist, da habe ich nicht die politische, sondern rein wirtschaftliche Seite dieser Frage gemeint.
Das Problem ist, hier (im Westen) wird immer die politische Komponente betrachtet.
Es ist auch für mich kein großes Geheimnis, daß die meisten Ost-Europäer und ex-Sowjet-Bürger (darunter auch Russen) die Kommunisten und die kommunistische Diktatur nicht mehr zurück haben wollen.
Da geraten sie aber in einen Widerspruch mit sich selbst.
Sie wollen zwar keine Kommunisten mit ihrer Diktatur mehr, aber sie wollen ihr altes Leben wieder zurück, haben.
Den meisten ex-SU, aber auch Ost-Block-Bürgern ging es damals wirtschaftlich wesentlich besser als heute.
Die (z.B.) Balten (Litauer, Esten, Letten) müssen heute ihre Heimat verlassen, um das Geld irgendwo in EU zu verdienen, um überhaupt, über die Runden zu kommen.
Sowas gab es damals nicht.
Moskau hat riesige Summen in all diese Republiken hineingesteckt, es fehlte ihnen (und allen anderen) an nichts.
Russische Föderation, Weißrussland, Ukraine haben jahrzehnte lang alle anderen sowjetische Republiken subventioniert (hier spreche ich nur über Sowjet-Ära. Die (Zaren)Zeit davor habe ich noch gar nicht miteingerechnet).
All diese Balten, Usbeken, Turkmenen, Tadschiken, Moldawier, Kirgisen, Georgier etc. haben jahrzehnte- oder jahrhunderte lang Mütterchen Russland gemolken.
Die Georgier haben damals (1991) gescherzt: “Ach, ach, ach, was für eine Kolonie wir verloren haben.”
Und heute müssen viele von diesen Scherzkeksen in den Mülltonnen rumwühlen, um etwas Essbares zu finden.
Im Westen wird die SU bzw. Russland immer als Imperium bezeichnet.
Wenn SU/Russland ein Imperium auch war (oder ist), dann war das zwar ein Imperium, aber ein Imperium umgekehrt.
Nicht die Metropole (wie z.B. das Britische Imperium) hat die Kolonien ausgesaugt bzw. gemolken, sondern genau umgekehrt.
Subventioniert wurden übrigens, nicht nur die sowjetische Republiken, sondern all diese Polens, Bulgariens, Tschechoslowakais etc., nur heute erfahren einige von ihnen, woher ihr damaliger Lebensstandard auch kam.
Viele der Russen freuen sich heute, daß sie all diese (aus der Sicht dieser Russen) Schmarotzer, los geworden sind.
Also, wie Du siehst, nicht nur die Ossis freuen sich, daß sie sich von der SU/Russland loslösen konnten, sondern auch einige Russen sich freuen, daß sie sich von diesen Ost-Blöcklern bzw. “Schmarotzern” losgelöst haben.
Sorry, muß kurz weg.
Fortsetzung folgt …….
@ R_Winter
Die Menschen hier im Westen reden fast immer, wenn es um die SU oder damaliges Ost-Europa geht, von der politischen Seite (Meinungsfreiheit, Demokratie, Menschen- und Bürgerrechte) dieser Frage, aber selten wird die wirtschaftliche Seite betrachtet.
Ich habe einige Bekannten, die ab und zu mit den Ost-Europäern und ex-SU-Bürgern (meist geschäftlich) verkehren (ich habe nicht umsonst, diese Behauptung aufgestellt, daß viele Ost-Blöckler nicht froh sind, daß die SU weg ist) und sie berichten mir (da ich mich dafür interessiere) immer, was sie von diesen Ossis erfahren.
Einer hat mir von einem Gespräch mit einer Lettin erzählt, die hier in Deutschland arbeitet, um ihre Familie zuhause durchzubringen.
Sie hat sich immer wieder beklagt, daß es ihr und ihrer Familie damals in der Sowjetzeit besser ging als heute.
Als mein Bekannter ihr sagte: “Na ja, aber jetzt habt ihr Demokratie in Lettland, mit der Meinungsfreiheit und Menschenrechten.”
Da antwortete sie prompt: “Was nützt mir diese Demokratie, wenn ich fern von meinem Heimatland und meiner Familie leben und mein Geld verdienen, muß. Was nützt mir diese Meinungsfreiheit, wenn mir keiner (Politiker) zuhört.”
Und von ihren (angeblichen) Menschenrechten wollte sie gar nicht mal reden, sie konnte nur darüber lachen.
“Also, Demokratie (Meinungsfreiheit, Menschenrechte und alles was dazu gehört) zu haben, bedeutet nicht zwangsläufig ein besseres Leben zu haben.”
Und genau das meinen viele der Ost-Europäer, denen die Wende nichts gebracht hat, außer viel sinnlosem Gelabber über die gewonnene “Freiheit”.
R_Winter ich “gratuliere” Dir, Du bist auf ein altes Märchen der Balten, von “fast jeder baltischen Familie, die (angeblich) einen Angehörigen unter Stalin verloren hat”, reingefallen.
Das erzählen sie allen West-Bürgern, weil die Wessis (entschuldige mich für die Direktheit) jenem Blödsinn glauben schenken.
Es ist vollkommen unmöglich, daß “fast jede baltische Familie einen Angehörigen verlieren” konnte (die Statistik werde ich Dir irgendwann nachreichen).
Als Stalin 1940 die Balten wieder ins Reich zurück holte, da wurden zwar einige Balten deportiert, aber ihre Anzahl war in Wirklichkeit ganz gering.
Es war überwiegend die Überschicht darunter.
Das Volk wurde von den Deportation aber kaum betroffen.
Es gab auch 1945 eine zweite Welle, die zahlenmäßig größer war als die erste Vorkriegswelle, aber das waren überwiegend SS-Leute und SS-Schergen oder ihre Sympatisanten.
Diese Kreaturen wurden, finde ich, zurecht deportiert.
Stalin ging sogar unverzeilich gütig mit ihnen um, insbesondere wenn man bedenkt, was diese SS-Kreaturen angerichtet haben.
Insbesondere in der Ukraine und Weißrussland, dort wurden ganze Landstriche von diesen baltischen SS-Schweinen ausgelöscht.
Also, wenn Du das nächste Mal so eine Geschichte hörst und jemanden bemitleidest, frage mal zuerst nach dem Grund der Deportation eines ihrer Angehörigen.
@ Truvor
Ja, das ist es. Obwohl, die Meinung über den Kommunismus gar nicht schlecht ist, sie wird immer besser, aber immer noch will ihn keiner zurück. Und die Kommunisten gelten gar nicht als schlechte Menschen, im Gegenteil – was im Westen vielleicht keiner versteht … ja nach einer so langen Gehirnwäsche
Ich würde sagen, 90% der Menschen im Ost-Block leben schlechter als vor 20 Jahren, 50% deutlich schelchter
Ja und nein, es ging darum, dass am Anfang die Planwirtschaft viel effizienter war als die Marktwirtschaft
Ja, darüber schwafeln nur ihre Eliten – die Oligarchen.
Was in der ehemaligen Zweiten Welt heute geschieht, ist einfach nur ein ökonomischer und kultureller Genozid. In einem Jahrhudnert wird es diese Völker vielleicht nicht mehr geben. (Wenn jemand immer arm war, er vermehrt sich, wenn jemand reich war und dann arm ist, er vermehrt sich nicht – er stirbt aus.) Russland wird dank Putin bleiben, weil er die Scheusale wie Chodorkovski usw. verhaften ließ.
PS
Ich könnte den exorbitanten Unsinn von R_Winter verstehen, wenn er im Baltikum im Jahre 1989 war, als er noch so jung war, wie auf seinem Bild
Ziemlich treffende Analyse, der ich voll zustimme. Wenn die SPD wirklich zur Sozialdemokratie zurückfände, müsste sie sich mit den Linken vereinen. (Ich kann jedenfalls keine grossen Unterschiede in den Parteiprogrammen der beiden Parteien finden, wenn ich mir das Godesberger Programm von 1959 der SPD dazu anschaue.)
An Jens: Finde ich übrigens klasse, dass Du bei den Nachdenkseiten mitmachst. Verfolge die Blogs schon seit langer Zeit. Nur weiter so.
@Sukram71
Konkrete Vorschläge?
Ohne Wertung und Wichtung:
- ein anderes Wahlsystem – angelehnt an die Fragestellungen beim Wahl-O-Maten
- “Kumulieren und Panaschieren” ist völliger Idiotenkram beim Wählen,
wie u.a. Hessen gerade gezeigt hat.
- ALLE Einkommensarten fließen anteilig in das Gesundheitssystem und eine gedeckelte
Altersicherung, die angemessen ist (Beiträge sinken)
PKV und private Rente sind überflüssig wie ein Loch im Kopf.
- Mindestlöhne
- Beschränkung von Zeitarbeit
- Abschaffung von Hartz IV bzw angemessene Erhöhung, Abschaffung der Restriktionen
- Schluß mit dem föderalen Bildungssystem ( da springt die SPD an die Decke!)
- Gesamtschule mit Wechselmöglichkeit zur Abiturstufe (12 Schuljahre) nach der 8. oder
10. Klasse
- Berufsausbildungen mit Erlangung der Hochschulreife
- Ausbildungsverpflichtung für größere Unternehmen, sonst saftige Strafabgaben
- keine Studiengebühren
- Erbschaftssteuer
- Erhöhung des Spitzensteuersatzes
Mit diesen Punkten, jeden Abend vor der Tagesschau vorgelesen
und im Detail erklärt, wen’s betrifft und wie’s funktioniert,
ist jede Wahl zu gewinnen
Ergänzungen willkommen.
Nur weil Wähler und Auszähler (!!!) größtenteils zu beschränkt sind, um es zu begreifen, würde ich diese Art der Wahl nicht pauschal als Idiotenkram verdammen.
Wer seine “Lieblingspartei” wählen möchte, kann weiterhin 1 Kreuzchen machen und sich freuen. Wer sich mit den zur Wahl stehenden Personen befasst hat und wer es seinem Gewissen zumuten kann, über Parteigrenzen hinaus zu wählen, kann dies umfassend tun.
Nicht das dies irgendetwas ändern würde, aber erst wird sich beschwert, dass man immer nur “anonyme” Parteien wählen kann und wenn man dann eine andere Möglichkeit geboten bekommt, ist es wieder zu komplex und unverständlich.
Vor allem waren hier in Hessen die Auszähler damit überfordert, gültige und ungültige Wahlzettel zu unterscheiden. Was ich jetzt aber nicht der Art der Wahl zuschreiben würde.
Ich bin ohnehin dafür, dass erst ab IQ 130 gewählt werden darf.
Das spart auch Zeit und Geld.
Also mit Lesen, Schreiben und nachgewiesen weniger als 5 Std. Fernsehkonsum am Tag wäre ich schon zufrieden. Revolution sag ich nur.
1.) Gibt es auch A… ähm charakterlich unzulängliche intelligente Leute
2.) Ist der westliche IQ sowie Kulturchauvinismus und benachteiligt Menschen, die nicht in den “Genuss” einer höheren westlichen Ausbildung gekommen sind.
3.) Schon mal die Simpsonfolge gesehen, in der alle Mensa-Mitglieder die Stadt leiten und damit nur Unheil anrichten?
4.) Wer nimmt diese Tests ab? Damit wäre Willkür Tür und Tor geöffnet.
5.) Das war eine antidemokratische Äußerung; du bist gemeldet ;)
Verzeihung,
meine Ironie-Taste hatte wohl geklemmt…
Andreas Kreuz
Wer sagt das wir waehlen …vielleicht alles nur Illusion ;-)
Die Unmündigkeit des Wählers ist eher das Symptom seiner Erziehung und nicht die Ursache.
Wir haben in der derzeitigen Demokratiesimulation ein Strukturdefizit, das nicht durch Ausgrenzung von Schichten, sondern durch strukturelle Maßnahmen und politische Bildung behoben werden muss.
Intelligenz ist kein Wert an sich, sondern nur eine Eigenschaft unter vielen. Menschenrechte und Ethik sind Wertgrundlagen und genau daran mangelt es.
Nebenbei: Dass der Intelligenzfaktor ein äußerst schlechtes Aufbaukriterium ist, wird alleine schon daran deutlich, dass der ethische Abschaum (“Volksvertreter”) überwiegend recht hohe Intelligenzanforderungen erfüllt.
Schick gesagt … Okay … Und weiter ? Nicht das ich dich und auch die meisten … Deiner Beiträge nicht schätze schwitig aber …
Hochtrabent … aber da hört es auf … ! 130 … HA das ist ja wohl ein schlechter gag ? !
Andreas Kreuz … Sorry mir kommt gearde die süzle aus der Nase !
130 … Pervers … ! Übler Spruch mein lieber … ist vielleicht auch nur
so daher geschrieben von dir Zeitgenosse … hoffe ich mal ;-D
Guilty ? hm ?
@Kampftrinkender SPD Ortsverein
Ich sehe das eher pessimistisch. Ich gehe davon aus, dass sich die allgemeinen Lebensbedingungen für den Großteil des Volkes immer weiter verschlechtern werden, bis wie 1933 die kritische Masse an Unzufriedenen erreicht ist und wieder mit Hilfe der Finanzelite irgendein gefährlicher Spinner den Laden übernimmt.
Danach kann man dann eine richtige Demokratie designen, die vielleicht ein wenig länger stabil läuft. Immerhin war die aktuelle Simulation über einen längeren Zeitraum trotz der Defizite bedeutend erfolgreicher als die Weimarer Republik.
Joa, gefällt mir.
(Zur Gesamtschule hab ich noch keine richtige Meinung.)
Meine Ergänzung: Geldschöpfung in die Hände des Souveräns.
Na, im Grunde sind meine Vorschläge für die SPD Gift.
Ich gestehe, das war Absicht.
Aber die Linke könnte sich das schon mal anschauen.
Zur Zeit ist da wohl mehr Trockenschwimmen angesagt?
Mag wohl sein.
Was “vernünftig” ist, sollte sich generell zu Gemüte gezogen werden, damit es denn auch mal umgesetzt wird.
Was die BaWü-SPD anbelangt… naja!
Der langjährige Leiter des Stuttgarter Hauptbahnhofs, Egon Hopfenzitz schrieb am 9. Febr. 2011 an den hiesigen SPD-”Fritzen” folgenden offenen Brief, siehe: http://www.siegfried-busch.de/page23/page63/page63.html
……………………………………………………………………………
Egon Hopfenzitz Kriegerstraße 12
Bundesbahn-Oberrat a.D. 70191 Stuttgart
Tel u Fax: 0711 — 2265919
E-Mail: egon.hopfenzitz@t-online.de
09.02.2011
Herr
Dr. Nils Schmid
SPD-Vorsitzender BW
Landtag BW
Konrad-Adenauerstraße 3
70172 Stuttgart
SPD-Internet-Auftritt
Sehr geehrter Herr Dr. Nils Schmid,
die Landtagswahl naht und als Ex-Wähler der CDU und als ehemaliger Leiter des Stuttgarter Hbf auf Seiten der K20 / K 21-Befürworter stehend, suche ich derzeit den dazu passenden Landtagsabgeordneten. Ich bin dabei im Internet auf den Auftritt Ihrer Partei gestoßen und ich bin entsetzt. Ihre Partei ist, was S 21 betrifft, mehr als rückständig geblieben. Alles was dort geschrieben steht trägt die Handschrift des — ich urteile aus eigener Korrespondenzerfahrung — Ex-Kommunikationsleiters für S 21 Herr Drexler. Die Schlichtung hat es auf der SPD-Infoseite offenbar nie gegeben. Ein weiteres Indiz für die Anpassungsschwierigkeiten der SPD an neue Zeiten, bei S 21 und in der Politik.
Ich darf Ihnen, als derzeitiger SPD-Chef in BW, dies an einigen Schlagworten Ihrer “Neuordnung des Bahnknotens 21″, aufzeigen
Seite 2 TEN 17
Herr Dr. Kefer, Bahnvorstand äußerte sich in der Schlichtung, daß nur die Strecke Stuttgart — München von Interesse sei. Eine Schienenfahrt nach Bratislava mit ca. 12 Stunden sei derzeit uninteressant.
Seite 4 Gleisführung
Der Kopfbahnhof K 20 verfügt derzeit über 6 für den Regional- und Fernverkehr benutzbare Zulaufgleise (Einfahrgleise), der Tiefbahnhof über nur 4. Daher rührt auch die höhere Leistungsfähigkeit des Kopfbahnhofs.
Seite 6 Zufahrts- und Abfahrtsgleise
K 20 verfügt, wie schon vorstehend genannt, über 6 Einfahr- und 6 Ausfahrgleise. In der Hauptverkehrszeit Stunde 7 benutzen im derzeit gültigen Fahrplan 38 Züge den Bahnhof in 17 Gleisen. Seine Höchstleistungsfähigkeit in dieser Stunde beträgt jedoch nachweisbar 54 Züge, die des Tiefbahnhofs nach Dr. Martin (Uni Stuttgart) 41 Züge.
Seite 7 Fahrstraßenausschlüsse
Es gibt weltweit keinen Bahnhof mit mehr als 2 Gleisen ohne Fahrstraßenausschlüsse. So auch der Tiefbahnhof, in dem z.B eine Ausfahrt aus Gleis 1 nach Flughafen sämtliche Ausfahrten aus den Gleisen 2 — 5 nach Wangen ausschließen. Ich kann Ihnen weitere x Ausschlüsse gerne benennen. Ergänzend sei noch bemerkt, daß den 40 möglichen Fahrstraßen im Tiefbahnhof derzeit im Kopfbahnhof 164 Regelzugstraßen gegenüber stehen. Somit besteht eine vierfach höhere Flexibilität des Kopfbahnhofs
Seite 8 Brückenbauwerke
Eine fast lächerliche Begründung, da künftig auch im Tiefbahnhof sämtliche Bauwerke — und alle in Tunnels — bei laufendem Betrieb saniert werden müssen. Außerdem beherrschen alle Eisenbahn-Ingenieure die Arbeit “unter dem rollenden Rad”. Die derzeitigen Schwierigkeiten bei Bauarbeiten unter Vollsperrung im Kopfbahnhof durch S 21 dürften Ihnen nicht unbekannt geblieben sein.
Seite 9 neuer Bahnhof
Der Tiefbahnhof besitzt in der Eisenbahnersprache 4 Einfahr- und 4 Ausfahrgleise und Züge dürfen im Tiefbahnhof nicht “durchrollen” sondern sie müssen, wie im Kopfbahnhof, für die Reisenden anhalten. Die höhere Leistungsfähigkeit des Kopfbahnhofs wurde in der Schlichtung überzeugend nachgewiesen und blieb unwidersprochen.
Seite 10 Wirrwarr
Das komplizierte Gleiswirrwarr im Vorfeld erweist sich als geordnetes Gleisbild das sich aus Haupt- und Nebengleisen mit Weichen wohlsortiert darstellt. Allerdings nur für den Fachmann.
Seite 11 Kostenschätzung
Die Erfahrung bei Großprojekten der DB lehrt etwas anderes.
Seite 12 Strecke nach Cannstatt
Die Planung wurde inzwischen geändert.
Seite 13 Gleise, Tunnels, Brücken
Die 2 Gleise im Neckartal werden bei K 21 nur zwischen Cannstatt und Mettingen benötigt. Vergleichen sie aber bitte die Zahl und Längen der Brücken und Tunnels mit denen bei S 21 und Sie werden staunen.
Seite 14 Stuttgart Hafen
Dr. Kefer hat dem Tunnel statt einer Brücke zugestimmt.
Seite 15 LKW-Fahrten
Warum bei K 21 zusätzliche LKW-Fahrten aufkommen sollen bleibt ein Rätsel
Seite 19 Fahrzeit
Verbesserungen ergeben sich nur für Fahrten zwischen Stuttgart und Ulm und das nur für 30% der Reisenden. Mit ICE, IC und TGV ist Stuttgart schon heute sehr gut an das Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen
Seite 20
Das gleiche gilt für K 21
Seite 28 Bild am Hbf
Die im Bild dargestellte künftige Bebauung am Park ist mit 6 Stockwerken doppelt so hoch als der Südflügel und daher schlechter als der bisherige Zustand
Seite 34 Baulogistik
Mit der Aussage “Rund 2400 LKW-Fahrten werden so täglich vermeiden” begeben Sie sich in das Märchenreich oder Sie sind falsch unterrichtet. Die 2400 LKW-Fahrten mit Tunnelaushub zwischen Hbf und Nordbahnhof, entlang von Wohngebieten im Norden, fallen ausnahmslos wegen S 21 an.
Sehr geehrter Herr Dr. Schmid,
aus diesen wenigen Beispielen habe ich Ihnen das Unwahre der SPD-Internet-Präsentation aufgezeigt. Ich gehe davon aus, daß dieses Machwerk mit eine der Ursachen ist für die sinkende Akzeptanz der SPD. Meine Stimme erhält die SPD nicht.
Mit freundlichen Grüßen
……………………………………………………………………
Imperatives Mandat, Verbot jeglicher Parteispenden bei empfindlichen Strafen, Trennung von Amt und Mandat, Volksabstimmungen bei Veränderungen die die gesamte Bevölkerung betreffen ( z.B. EU-Vertrag, Euro Einführung)
Bloß nicht. Imperatives Mandat heißt nur, dass die Abgeordneten auf neue Erkenntnisse nicht reagieren können. Wir wählen Repräsentanten, keine Sachverwalter. Das ist auch gut so.
Verbot jeglicher Parteispenden? Wie finanzieren die sich dann?
Volksabstimmungen? Na danke. Ich sehe Sarrazin schon loslegen.
Und Guttenberg erst. Spätestens seit Sarrazin und Guttenberg ist auch die Idee der direkten Demokratie in der Krise.
Aus Mitgliedsbeitraegen und Staatszuschuessen finanzieren sie sich. Und dass die direkte Demokratie problematisch ist, kenne wir aus der Schweiz schon lange. Das sollte aber eher ein Argument fuer starke unantastbare Grundrechte und eine verbesserte Bildung sein, denke ich.
Dem könnte man entgegnen, freies Mandat bedeutet frei vom Willen des Wählers
Und wie sich die Parteien finanzieren sollen ? Vielleicht durch Mitgliedsbeiträge, durch Steuergelder, Spendenfinanzierung jedenfalls sehe ich nicht in Stein gemeißelt. Der Gefahr, dass sich Plebizite zum Terror einer Mehrheit auswirken könnten, bin ich mir durchaus bewusst, man sollte die Voraussetzungen dafür schon ziemlich hoch hängen, deshalb ja auch die Beispiele EU-Vertrag und Währungsumstellung ;-)
Wer hat uns verraten Sozialdemokraten und wer war dabei die gruene Partei .. !
Nichts was noch nicht geschriebn oder erklaert wurde zu der “Arbeiter” Partei deren Schicksal es zu sein scheint,in jeder Epoche das zu verraten fuer was sie eigentlich stehen will.
Ausser fuck you gibt’s da nichts mehr zu sagen…
Ist ähnlich gehaltvoll wie: “Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf”. Wahre Sozialisten brauchen halt Kinderreime, an denen sie sich festhalten können.
Wieso? Ist doch zutreffend! Weder Ochs noch Esel haben den Sozialismus “aufgehalten”. Das war die SED und andere Lenin-Fans über 60.
Und was willst uns damit sagen …? Haeltst du mich fuer einen Sozialist ?
Bitte den ganzen Kommentar lesen …versuche es noch einmal ;-)
Wenn man es genau nimmt, ist die SPD für einen “demokratischen Sozialisten” (und der demokratische Sozialismus ist meines Wissen als ewiges Fernziel immer noch Bestandteil ihres Programms) schon seit 1914 (Burgfrieden) nicht mehr wählbar.
Für Jemanden der mit beiden Beinen auf dem Boden der “sozialen Marktwirtschaft” steht, dagegen spätestens seit der Ära Schröder und das ist immerhin nun auch schon 11 Jahre her und nichts deutet darauf hin das sich das irgendwann in absehbarer Zeit einmal ändern wird.
Deine Stammtisch-Phrasen werden leider bei häufiger Wiederholung nicht besser.
Deine unqualifizierten nichtssagenden Antworten aber auch nicht….
Hauptanliegen der Regierungen egal welcher coleur der letzten 20 Jahre
Wie stellen wir verbindlich sicher das jedliche politische Aktion den groestmoeglichen Profit, fuer Kapital und Wirtschaft mit hoechster Sicherheit und geringstem Risiko einbringt..Bei gleichzeitiger beibringung bestmoeglichster Akzeptanz in der mit den Kosten belasteten Bevoelkerung.
Das war’s ……. wiederlege mir das !
Politik auf Stammtischniveau muß “auf Augenhöhe” (Zitat diverser “Volksvertreter”/Zuhälter) bewertet werden.
Hm….mir ist so, als könnte ich keiner Partei etwas Positives abgewinnen. Leider.
Noch nicht einmal der Linken, denen ich schon garnicht die Regierung überlassen möchte, da sie einfach zuwenig Profil und Linie aufweist. Meiner Meinung nach.
Also: Wie stelle ich mir denn die Partei, die das gesamte Volk vertritt ( ohne Ausnahmen, egal welcher Herkunft und Religion etc. ) und sich stets am GG sowie der Resolution 217 A (III) Charta orientiert vor; eine Partei oder ein Büdnis, das den Wohlstand ( Arbeitsplätze, Industrie etc. )und die Absicherung der Bevölkerung sowie deren Sicherheit und Zukunft nicht aus den Augen lassen wird ?
Gibt es nicht. Die Interessen sind stets auf wirtschaftlicher Basis orientiert. Die Politik der letzten Jahrzehnte, soweit ich sie verfolgen konnte, hat den Bürger in der EU und hier in Deutschland zu oft übers Ohr gehauen und seit den 90ern z. B. den Reallohn drastisch zugunsten der Unternehmen reduziert. Hinzu kommt die stetige Eigenanteilsbelastung, die immer mehr Arbeitnehmer mit geringerem Einkommen kaum noch bezahlen können. Diese Missetaten lassen sich beliebig fortführen. Oder mit der Entwicklung der USA vergleichen, wo sich teils identische Muster abspielen.
Wir werden, nicht nur von Politiker sondern auch von deren Wahrheitsministerium und angeschlossenen Presse-Propagandazentren gezielt mit falschen und täuschenden Informationen versorgt, damit auch jedem Bürger klar wird, das wir alle sicher und bestens aufgehoben sind. Ach ja: Wir sind die GUTEN! Bingo.
Wenn sich jemand traut, die Wahrheit z. B. über die wirkliche Finanzierung schwacher Länder zu vermitteln ( inkl. der Schulden, die der Generation nach uns bevorsteht ), dann müßte diese Person ganz weit oben stehen. Nur dort sind genau die Personen vertreten, die das Lügengespinst stets ausbauen und uns in die Irre leiten. Zugunsten der Finanzwelt und der Eliten. Zulasten der Schwachen und meist Rechtlosen, die sich eingesperrt und verloren fühlen. Diese masslose Gier nach Profit wird, so denke ich, den Unmut erhöhen und ein Volk weiter teilen.
Solange in diesem Land der Obrigkeitswahnsinn hochgehalten wird, alles abgenickt und akzeptiert wird, inkl. der H4 Gesetze und deren menschenverachtenden Verordnungen und Zwangsauflagen, solange wird von oben herab immer wieder in diese Kerbe geschlagen. Vielleicht ist der WIderstand noch nicht groß genug oder er ist total zum Erliegen gekommen. Ich weiß es nicht.
Die vielen Klagen, die bei den Gerichten lagern oder schon verhandelt worden sind, würde ich schon zum Widerstand zählen. Find ich auch persönlich besser als z.B. Fenster in Argen/JobCentern einwerfen. “Latschdemos” scheinen in diesen Zusammenhang auch nicht zu funktionieren, weil Betroffene sich meistens schämen, zu wenig Geld haben irgendwo hinzukommen oder aufgegeben haben oder…
Der Widerstand in Stuttgart aber – der funktioniert. Wenn Du Dich damit beschäftigst oder im besten Fall zur nächsten Großdemo mal hinfährst, wirst Du Dich “wundern”.
@Lagos…..So seh’ ich das auch ..
Zu der Einheitspartei CDUFDPSPDGRUENE dem Buendnis zur Wahrung der Interessen von Kapital und Wirtschaft sind eben die Alternativen bei 0..!
…..darauf koennen wir beim Michel noch lange warten
Alle Parteien sind in einer Krise oder werden wieder in eine geraten. Die Repräsentative Demokratie ist mittlerweile genauso krisenanfällig wie der Kapitalismus, das hängt ja notwendigerweise miteinander zusammen. Dass die “Volksvertreter”, zumindest sofern sie in der Regierung sitzen, prinzipiell vor allem die Interessen der ökonomischen Elite wahrnehmen sowie die des eigenen sozialen Millieus, des gehobenen Bürgertums also, versteht sich von selbst. Der immer mehr abgeschottete Charakter der Politischen Klasse führt zu einem dazu, dass sie weiterhin unbelehrbar in Kategorien marktwirtschaftlicher “Sachzwänge” denken, die den Interessen der Lohnabhängigen, Arbeitslosen und Rentnern entgegenstehen. Zum anderen erteilt sie technokratischen Auswüchsen derselben Elite, die am liebsten immer “durchregieren” möchte, immer gerne ihre Zustimmung – wie bei Stuttgart 21. Ein bedeutender Teil der Mittelschicht steht zumindest letzterem kritisch bis ablehnend gegenüber. Diese Stimmung gegen Lobbyismus und sinnlose Großprojekte sowie gegen weitere Untriebe von Unternehmen, die vor allem als Bedrohung für die eigene Gesundheit und Sicherheit (auf die “Umwelt” projiziert) empfunden werden, diese Stimmung, die nichts mit einem Bedürfnis nach sozialer Gerechtigkeit zu tun hat, wird momentan exklusiv von den Grünen abgeschöpft. Die SPD kann da nur zusehen, den sie steht noch immer für diese technokratische Politik, die immer mehr in der Mittelschicht auf Ablehnung stößt, während sie das Thema Soziale Gerechtigkeit wohl nie wieder glaubwürdig wird besetzen können. Sobald die Grünen aber wieder in der Bundesregierung sitzen (wahrscheinlich mit der CDU, das letzte Hindernis Atompolitik ist ja quasi abgeräumt), wird der Sog der Sachzwänge auch wieder den vorgetäuschten Ehrgeiz der Grünen zurechtstutzen und womöglich zu neuer Entfremdung führen. Das könnte vielleicht dann einmal den Linken nützen, vielleicht begleitet von einer neuen Krise der Marktwirtschaft. Sollten die Linke tatsächlich einmal Teil der Bundesregierung sein, wird dann leider wohl der jetzt schon auf Anpassung gebürstete Flügel die Oberhand gewinnen. Und so weiter und sofort.
Der von Stefan Sasse beschriebene (verdiente) Niedergang der SPD ist nur ein, wenngleich ziemlich bedeutender Aspekt der Gesamtkrise des politischen Systems. Diese ist vor allem bedingt durch das Wirtschaftssystem (zumindest in seiner jetzigen Ausprägung). Denn in diesem sind die Interessen der Elite und die der Bevölkerung immer weniger in Einklang zu bringen.
Der Untergang der ältesten demokratischen deutschen Partei ist in meinen Augen ziemlich wichtig. Deswegen befasse ich mich oft damit.
Es sei noch zu bemerken, dass die Umpolung von “Schmidt” auf “Brandt” momentan wohl sehr unwahrscheinlich ist – zumindest wenn damit reale Regierungsarbeit gemeint ist. Der überwältigende Teil der Führungsstruktur der SPD, auch der Bundesfraktion, funktioniert in dieser technokratischen Manier wie sie Schmidt verkörpert. Dass die älteste deutsche Partei heutzutage so drauf ist, hat meiner Auffassung nach mit dem Eigenleben des Repräsentativen Demokratie zu tun. Der Restbestand der SPD-Basis, die noch nie sonderlich subversiv war, hat sich zurückgezogen und altert vor sich hin. (Das fast erfolgreiche Aufmucken gegen die Bahnprivatisierung, ein Renitenz-Zucken, war vom damaligen Vorsitzenden Beck kurzerhand abgewürgt worden). Aufgrund medialer und struktureller Unterstützung sowie bestimmter Gesetze politischer Trägheit wird der technokratische Flügel in der SPD weiterhin die Oberhand behalten. Leute, die innerhalb des parlamentarischen Systems etwas verändern wollen, werden immer noch zu den Grünen oder zu den Linken gehen. Das Brandt-Denkmal in der Zentrale wird immer noch stehen und allseits peinliche Gefühle erwecken, wenn die SPD unter 20% gelandet ist und sein “Geist” längst woanders aufzufinden ist.
Und deshalb ist die Rückker der autoritären Konzeptionen unvemeidbar. Dann würde man sagen, dass Aristoteles der größte Soziologe aller Zeiten war. Er hat klar gesagt, dass in der Demokratie zuerst die Mitte versucht, ihre Position auf den Kosten der Unterschichten aufzubauen, dies wird dann zum Kollaps führen und die Massen werden sich für einen Diktator entschieden, der zumindest verhindert, dass sie verhungern.
Kommt mir irgendwie halbwegs bekannt vor, da ich mich in Philosophie aber nicht so gut auskenne, würde ich mich über eine Zitatangabe freuen.
Dass es allerdings “unvermeidbar” zu autoritären “Lösungen” kommen wird, halte ich für eine Übertreibung. Es gibt eine nicht geringe Gefahr für ein solches Ausarten des bürgerlichen Systems; der perverse Triumph des Faschismus war ja schließlich auch ein Ergebnis der Weltwirtschaftskrise. Allerdings hat sich durch den Wandel der gesellschaftlichen Kultur während der Blütezeit des Keynesianismus, gemeinhin als 68er-Revolte dargestellt, auch vieles zum Positiven verändert. Die autoritären Sozialstrukturen des alten Deutschlands sind weitgehend verschwunden. Die Individualisierung, die heute jede moderne Gesellschaft prägt, hat allerdings auch viele negative Aspekte. Dennoch gibt es nicht nur Apathie, Konsumterror und latente Fremdenfeindlichkeit; es gibt auch in Deutschland erstaunlich viel kritisches Bewusstsein und ein Wunsch nach mehr Demokratie. Es ist nicht alles hoffnungslos.
Aristoteles’ These funktioniert ja schon theoretisch allenfalls dann, wenn es mehr Unterschichtenmassen als Mittelschichtler gibt. Was hierzulande noch lange nicht der Fall ist.
Im Gegenteil – es funktioniert nur, wenn die Mitte zahlreicher ist. Wobei vorausgesetzt wird, dass die Waehler rational aus Eigeninteresse waehlen…was ich heute nicht sehe. Schliesslich beobachten wir aktuell eher ein drohendes Verschwinden der Mittelschicht (in GB und USA schon deutlich weiter fortgeschritten.)
“Denn die allergroessten Kaelber…”
Aristoteles hielt auch die Sklaverei für unverzichtbar. Als Ratgeber in Demokratiefragen scheidet er damit wohl aus.
Oh, Leute nicht verhungern lassen, das schafft unsere Demokratie eigentlich relativ gut:
http://graphics8.nytimes.com/images/2011/02/19/opinion/19blowch/19blowch-popup-v2.gif
Aber schön, dass du wenigstens ehrlich bist und sagst, dass Dir ein autoritärer Staat lieber wäre als eine Demokratie. Ist ernst gemeint! Viele sind ja nur so heimliche Demokratiefeinde, reden von mehr Demokratie und beschimpfen gleichzeitig alle Wähler, die anders denken als sie selbst als unaufgeklärtes Stimmvieh. Daher: Respekt.
Diese Antwort auf den Kommentar von Katev sagt eigentlich alles über den Geschichtsblogger Sasse. Meine Güte!
Hier ein nettes Interview von einem Philosoph über die gegenwärtige Krise des politischen Systems.
Teil1
http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=6849970
Teil 2
http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=6849980
Danke für die Links zu Precht.
Eine Frage: Was sagt das nun genau “über den Geschichtsblogger Sasse”? Sag´s mir, bin vielleicht etwas begriffsstutzig.
Die links zu dem Interview sollten eigentlich nur ein wenig Katev`s Kommentar #13 untermauern, den ich gut fand. Die direkte Antwort von Sasses darauf war einfach nur kindisch und lächerlich. Er weint seiner alten SPd hinterher und denkt womöglich, alles wäre mit ihr wieder gut. Geschichtlich hat er auch nur wenig Ahnung, wie ich leider des öfteren in seinen Artikeln habe feststellen müssen.
Was bitte ist ein ‘Geschichtsblogger’`? Dieses Wort gibt es überhaupt nicht. Genausowenig wie ‘LINKEn’.
SPD? Nein danke!
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man ja darüber lachen.
Grundgesetz
Artikel 21
(1) Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.
(2) Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen …
Artikel 20
(4) Gegen jeden …
Da gehören doch alle Parteien verboten.
Die Willensbildung des Volkes? Gröhl …
Sorry, aber das GG verbietet keiner Partei totalen Blödsinn zu machen oder einige Bürger auf Kosten anderer zu stärken. Das mag nerven, und du magst es scheiße finden, aber es gefährdet nicht die freiheitlich demokratische Grundordnung.
Ich bin der Ansicht das die Parteien eben NICHT ihrer Aufgabe gerecht werden, die Menschen zu politisch mündigen Bürgern zu bilden.
Und die Gesetze (SGB II zum Beispiel) zerstören die FDGO.
Wie hab ich das mal gelesen – leider keine Quelle mehr -
Demokratie kann nicht funktionieren. Es ist eine Theorie, die auf der Annahme basiert, alle Bürger eines Staates seien politisch mündige Bürger. Ein solcher Idealzustand ist natürlich noch nie erreicht worden. Noch in jeder sogenannten Demokratie haben sich sehr bald militärische oder wirtschaftliche Machtcliquen herausgebildet, denen es auf die Stabilisierung ihrer Herrschaft ankam. Die aber wäre äußerst gefährdet, wenn sie dumm genug wären, die breite Mehrheit des Volkes zu politisch selbstän-digen Individuen zu erziehen. Also hält man die Massen in einem Zustand politischer Ignoranz und läßt sie zugleich ein bißchen mitspielen, damit sie glauben, sie könnten bei den Entscheidungen mit-wirken. Aber in Wirklichkeit wird dem Wählervolk keine echte Alternative geboten. Mal gewinnt die eine Partei, mal die andere, und so kommen die paar rivalisierenden Machtcliquen abwechselnd zum Absahnen an die Reihe. Oder es sind immer dieselben Leute, die dabei die Fäden in der Hand behalten und sich die politischen Repräsentanten durch Wahlhilfe und so weiter hörig machen.
Und das beschreibt die Realität sehr gut.
was soll ich sagen, man wählt immer das kleinste übel? aber auch der spruch ist abgedroschen und es scheint so als würden sich die größten übel nur abwechseln. :-(
Selbst ich als SPD-Sympathisant muss dem Artikel größtenteils zustimmen. Aber woran liegt es genau?
Deutschland geht den Bach runter und wir werden bald alle arbeitslos und/oder arm wie die Kirchenmaus sein? Das bezweifele ich doch mal stark.
Der Kapitalismus den keiner mehr in den Griff bekommt ist böse und macht alles kaputt und das führt auch dazu, dass die Regierung praktisch handlungsunfähig ist? Da mag etwas dran sein, aber auch nicht soviel wie manch Linke glauben.
Aber was fehlt wirklich? Sympatische, nicht weltfremde, intelligente, weltoffene, lustige (nicht unfreiwillig) Politiker die noch Visionen haben und Prinzipien. Wie wärs Herr Berger. :P
immer schön meckern aber keiner will es besser machen oder die in der Politik, die es wollen, können es nicht. Politikverdrossenheit ist der neue Trend, nicht nur zu Unrecht, aber besser wird dadurch wenig.
Was ein bisschen fehlt in der Analyse ist, dass Mitte-Links Parteien in ganz Europa nicht so genau wissen, wo sie hin sollen. Dass es sich also um eine weitergehende Krise der Sozialdemokratie handelt – außer in Spanien regieren ja eigentlich überall die Konservativen. Das liegt natürlich auch daran, dass es bei uns insgesamt schon ziemlich sozialdemokratisch zugeht – allgemeine Krankenversicherung, relativ viel bezahlter Urlaub, 40 Stundenwoche, vergleichsweise günstige Bildung usw. Man könnte sagen, die SPD und andere linke Volksparteien haben sich zu Tode gesiegt.
Die sozialdemokratischen Positionen, die bei uns noch nicht so richtig zuendegebracht sind, wie z.B. ein allgemeiner Mindestlohn, ein höherer Spitzensteuersatz, eine Bankenabgabe, eine bessere integration von Migranten und bildungsfernen Schichten oder ein “gleicheres” Gesundheitssystem usw. hat sich die SPD ja schon ins Programm geschrieben – alleine, das ist erstens nicht einfach umzusetzen und reicht außerdem nicht für eine optimistische, visionäre Politik. Aber wo soll die auch herkommen? Außer in der Energiepolitik sind doch keine Visionen zu sehen. Weit und breit nur Angst vor Verlust und Nostalgie – auch hier im Forum (die guten alten Zeiten unter Brandt usw.)
Man muss die Situation der SPD also im ideengeschichtlichen Kontext verstehen – und gerade jetzt scheint die Zeit noch nicht reif für eine sozialdemokratische Renaissance – komischerweise trotz Finanzkrise. Rot/Grün wirds wirklich nur schaffen, wenn die anderen weiter Murks machen. Das allerdings ist gar nicht mal so unwahrscheinlich.
Jetzt hör mal bitte auf die SPD sozialdemokratisch zu nennen, nur weil sie “sozialdemokratisch” im Namen führt. Was wir bräuchten, ist eine Renaissance der Nachkriegs-Union. Das wäre mal einen Artikel im Geschichts-Blog wert. Über den KZ-internierten späteren CSU-Gründer, über den Sozialismus im CDU-Programm, über die katholische Soziallehre, über die Väter der sozialen Marktwirtschaft um Müller-Armack und Roepcke und ihre Standardwerke. Nicht Sasses schwadronieren auf Nahles-Niveau, wenn auch mit anderer Grundierung.
Dir ist schon klar, dass der Geschichtsblog auch von mir ist? ^^
Das Ego des Autors übersteigt dessen gefühlte Intöllenz. Er möge in seinem eigenen Blog nachlesen, dass er die SPD gegenüber der Linkspartei stärken wolle, da die SPD das zukunftsträchtigere Modell sei. Schwülstige Formulierungen ersetzen Fakten. Wieso besaß Schmidt “Sachverstand und Gabe zur Analyse” und hat dennoch die Bildung der Grünen zugelassen? Schmidt war der erste Neoliberallala an der Spitze der Republik. Wie im Geschichts-Blog wird hier aus Allgemeinplätzen und Selbstverständlichkeiten ein flotter Post fürs scheinlinke Publikum gehäkelt, welches wunschgemäß applaudiert. Und es wagnert “Die SPD feiert einen falschen Frühling und wenn der Winter erneut hereinbricht, wird er das mit Gewalt tun und den einen oder anderen, der allzu euphorisch alle Vorsicht fahren lässt, in den Abgrund reißen.” Trommel, Pausaune, dicklederner Vorhang fällt. Erkenntnisgewinn: Null. Kein Millimeter linke Politik voran gebracht. Nur das eigene Blogger-Ego befriedigt. Krieg’ ich den Spiegelfechter solo zurück?
Die beste Methode für dich scheint mir zu sein, einen eigenen Artikel zu schreiben und an Jens mit Bitte um Veröffentlichung zu senden. Ich bin sicher, dass er das tun würde. Und dann können wir deine Thesen alle lesen und diskutieren.
Zu deiner Frage nach Schmidt: niemand ist perfekt. Schmidt war intelligent und konnte analysieren. Die Schlüsse die er zog waren nicht immer richtig, aber er lag auch oft richtig. Ich verherrliche ihn sicher nicht. Aber er war kein Bimbespolitiker wie Merkel und Co.
Schmid Schnauze war doch keinen Deut besser. Er war Wegbereiter für Kohl.
http://bibliothek.phoenix.de/videobeitrag,163.html
Seine Welt-Ethos-Rede (wenn er es denn ernst gemeint hat was er da so von sich gab) hätte er schon zu seiner Regierungszeit befolgen sollen.
(Ich hab sie mir damals ausgedruckt und aufmerksam gelesen)
Jein, er war der erste “postmoderne” Clown-Kanzler. Ökonomisch war er erst recht ein “posmoderner” Clown. Eine Mischung aus Keynes und Neoliberalismus. Rein logisch betrachtet der Mensch ist ein Dummkopf. Seine Rhetorik und auswendig gelernte Zitate haben auf die Dummen Eindruck gemacht. Schröder könnte dies auch, aber er wusste, dass seine Zeit keine protzende Gelehrsamkeit schätzt, sondern trockene fachmännische Auftritte. Der Neoliberale ist nämlich jemand, der “weiß”, dass nur er alles weiß, vor allem weil er die Mathematik beherrscht – die anderen nicht -, mit der „exakt nachgewiesen“ ist, was die letzte ökonomische Wahrheit ist. Das ist eine brutale sozial-darwinistische Haltung und Moral. Den Neoliberalen interessiert gar nicht, ob ihn jemand versteht, er weiß dass ihn keiner im Stande ist zu verstehen. Deshalb wird von den Politikern verlangt, dass sie lügen, mit gutem Gewissen, weil die Masse sowieso nie etwas verstehen wird und kann.
Lange Rede kurzer Sinn: Schmidt war und ist ein Dummkopf und Clown – und natürlich er war ein totaler Versager wie Schröder.
@ Grantler: mhöhö, das gefällt mir! Und ein paar neue Vokabeln gelernt: “Neoliberallala”, “es wagnert”…sehr gut. Muss ich mir merken.
;-D ganz meine line … Time Forward – G.Sviridov … hm in becks setzt ich meine hoffnungen aber öttinger ist nix … Spiegelfechter ;)
Wie soll und kann ein Blogartikel linke Politik voranbringen?
@ Gideon
Jein. Politiker sind nicht dijenigen, die Visionen haben bzw. haben können. Es ist die Sache der Wissenschaftler. Und das Wort Vision ist dann falsch, man kann sagen:
Ideen,
Ansätze
Paradigmen
Und da stimme ich dir zu: Der Kapitalismus – die freie Marktwirtschaft – ist nich funktionsfähig, dh er funktioniert nur durch zyklische Zusammenbrüche (ekonomische Krisen). Dass sie nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Jahrzehnten lag ausgeblieben sind, liegt:
20% an der Theorie von Keynes
80% an dem Entsetzen der Eliten, was der Krieg und Faschischmus alles angerichtet haben und an der panischen Angst vor dem Kommunismus
Was würde sich durch eine Annäherung seitens der SPD denn ändern? Gut, es wären Mehrheiten mit SPD/Grüne/Linke möglich. Den Niedergang der SPD dürfte es aber nicht aufhalten. Jeder, der informiert ist, ist zu den nicht-Wählern oder den Linken gewechselt. Jeder, der ein “Image” gewählt hat, ist zu Grünen, CDU, FDP oder nicht-Wählern gewechselt. Änliches gilt für die, die “Persönlichkeiten” gewählt haben. Die jetzigen Wähler der SPD dürften aus Tradition oder Unmut über die Union als Wechselwähler SPD wählen. Die Tradition dürfte aussterben und mit höherer gesellschaftlicher Akzeptanz und Bedeutung der Grünen dürften diese attraktiver für Wechselwähler werden. Zwischen CDU, Grünen und Linken hat die die SPD sich rational schon längst abgeschafft, sie ist unnötig geworden.
Aber der Wähler und Parteien sind nicht rational. Allein deswegen würde ich die SPD auch auf lange Sicht noch nicht abschreiben.
Schmidt konnte nicht besser sein, als die Abermillionen deutschen, stets übermütigen, vielen kleinen KWII., die einfach über die Jahrzehnte nicht ernsthafter zu werden sich anschickten. Schmidt die Schuld zu geben, ist töricht! Den Pfahl im eigenen Auge sehen tut Not!
Wenn nicht die Deutschen sich am Riemen reißen und ernsthafte Vorbilder werden, dann wirds mit einem sozialen Fortschritt nix mehr in Europa, das ist GANZ sicher!
Also nach meinem Eindruck sind die Polen, die Esten und die Tschechen schon sehr, sehr froh.
@ Peleo
Ich spreche eigentlich mehr für die ex-SU Bürger, aber wenn Du es so willst, dann reden wir ein bißchen über die Ost-Blockbürger oder besser die Ossis.
Ja, viele der Ossis sind heute froh, daß sie ihre Freiheit erlangt haben (damit meine ich nicht die ältere Generation, die die Vergleichsmöglichkeit hat/hatte), aber nur diejenigen, die in der postsowjetischen Zeit ihren Fuß in ihrem neuen Leben fassen konnten.
Den meisten Polen und insbesondere den Esten ging es damals (sagen wir in den 80rn) wirtschaftlich viel besser als heute.
Sie haben heute ein bißchen mehr Meinungsfreiheit als damals, na und, was nützt das ihnen ?
Kein Schwein (damit meine ich die Mächtigen) interessiert sich sowieso dafür, was sie sagen.
Daß die Esten sich so freuen, klingt besonders komisch.
Es ging ihnen nach dem Krieg wirtschaftlich besonders gut.
Estland (auch Lettland, Litauen) war(en) so eine Art Schaufenster der Sowjetunion.
Moskau hat so viel Kohle und Arbeit in diese drei, wirtschaftlich und technologisch, rückständige Republiken hineingesteckt, wow !
Es gab aber noch eine Republik in der SU, die mit diesen baltischen Republiken, was wirtschaftliche Subventionen anging, konkurrieren konnte, ich spreche hier von Georgien.
Das Georgien, dessen Volk die Russen vor über 200 Jahren vor der endgültigen Ausrottung gerettet haben und danach bis 1991 (insbesondere in der Sowjet-Epoche wurde das Geld in alle georgische Löcher reingesteckt) wirtschaftlich unterhielten.
Man sagt die Georgier wären auch mit den Russen unzufrieden ;-)
Also, alles auf unserer Welt ist relativ, es gibt solche die froh, aber auch solche, die gar nicht so froh, sind.
PS. Was Polen und Esten angeht, es gilt für sie als selbstverständlich die Russen zu hassen.
Das ist ein historisches Problem (so zu sagen. “Alt wie die Welt”).
Es ist vielleicht auch ein wenig wie bei den ehemaligen DDR-Bürgern. Nach der Wende erwarteten sie ein System, das ihnen Freiheit, Würde und materiellen Wohlstand sichert und nicht zuletzt ein Ende der Spitzelkultur. Übriggeblieben ist davon nur ein stetig schwindender Gewinn an Freiheit und graduell etwas weniger Staatswillkür – der Rest hat sich zum Schlechteren gewendet und in Sachen Spitzelkultur sind wir in einigen Gebieten der Stasi weit voraus.
Ich denke, dass deswegen viele in den falschen Reflex der Glorifizierung der alten DDR verfallen, in der sicherlich vieles besser war, allerdings auch ein Regime und eine Exekutive regierte, die (noch) bedeutend schlechter und für das Individuum gefährlicher war, als es derzeit in der Bank Republik Deutschland der Fall ist. Verständlich, aber dennoch Geschichtsklitterung.
Привет Truvor,
Sag mal, was genau meinst Du damit? Wann war das, und was war da?
Quellen?
Gruß,
Prüwät @ schub ;-)
Sagt Dir der Begriff “Georgijewskij Traktat” irgendetwas ?
Darin stecken die Antworten auf Deine Fragen.
Quellen:
http://www.apn.ru/publications/article21261.htm
http://www.apn.ru/publications/article21323.htm
1) http://www.apn.ru/publications/article22327.htm
2) http://www.apn.ru/publications/article22349.htm
3) http://www.apn.ru/publications/article22363.htm
4) http://www.apn.ru/publications/article22381.htm
5) http://www.apn.ru/publications/article22391.htm
Gruß !
Klasse Kommentar, wird leider nichts ändern. Aktuelles Beispiel aus Sachsen-Anhalt. Hat sich die SPD einfach mal wieder verkauft bzw. bei der CDU den Kopf bis über beide Ohren in den A… geschoben und versucht dies auch noch als “Erfolg” zu verticken. Hauptsache Pöstchenerhalt und weiter so. Ich kann leider nicht so viel essen wie ich k… möchte.
Sie hätten die Chance gehabt etwas zu ändern und haben sich doch letztlich mit den schwarzen ins Bett gelegt. An sich bleibt mir aus dieser Wahl nur ein Trost, das gelbe Ungeziefer ist draussen. Und vielleicht hat DIE LINKE endlich kapiert, dass sie im Wahlkampf endlich mal Klartext reden muss und nicht kuscheln.
@Truvor #8
Leider ist die Artikelfolge und die extreme Unübersichtlichkeit der Kommentare nicht geeignet für Diskussionen.
Ich war jahrelang im Baltikum und habe mein Wissen nicht vom Hören-Sagen.
Die Aussage
ist lächerlich. Ich habe zig Jahre (wie andere) im Ausland verbracht.
Es ist kein Märchen, dass unter Stalin fast jede Familie im Baltikum Angehörige verloren hatte oder diese wurden zum Arbeitseinsatz nach Sibiriern verschleppt.
Wirtschaftlich (Ausnahme DDR) ging es den Menschen im Ostblock auf sehr niedrigem Niveau gerade so, dass sie nicht verhungerten. Das Tausch-/Dadschawesen war normal und hatte das Überleben gesichert. Alles war sehr primitiv. Es war vergleichbar mit den Lebensbedingungen 1945 – 1950 in Deutschland.
Ich könnte aus Erfahrungen ein Buch über die Lebensumstände schreiben.
@ R_Winter
Ich bedauere, aber Deine Geschichte über die Balten klingt wie “vom Hören-Sagen”.
R_Winter, ich komme aus einer sogenannten “Stadt der Verschleppten” her.
Fast alle Einwohner dieser Stadt sind deportiert bzw. verschleppt worden.
All diese Litauer (mit den Litauern gingen wir zusammen in die Kirche), Esten, Letten, Tschetschenen etc. haben in unserer Nachbarschaft gelebt.
Ich kenne die Sowjetunion in- und auswendig, nicht nur aus irgendwelchen Büchern der diversen Historiker, Publizisten etc., sondern aus den persönlichen Geschichten der Menschen.
Dabei hatte/habe ich immer die Möglichkeit die persönlich-erlebte Geschichten der Menschen mit den Behauptungen der Historiker zu vergleichen.
Und einige “Historiker”, “Memoiristen”, “Publizisten” etc. habe ich (und nicht nur ich) schon mehrmals (ihre Bücher lese ich nicht mehr. Laute Zeitverschwendung ist das) bei den dreisesten Lügen erwischt.
Ihre Bücher würde ich nicht mal meinem (den ich Gott sei Dank nicht habe) Feind empfehlen.
Einem Solschenizyn (z.B.) würde ich (und nicht nur ich) nie im Leben vertrauen schenken, nie.
Also, es wäre mich sehr, sehr schwer zu bescheißen, was (zumindest) die ex-Sowjetunion anbetrifft.
Also, ich betone noch ein mal: “Der Prozentsatz der deportierten Balten war in Wirklichkeit gar nicht so groß.”
Es ist volkommen unmöglich, daß “fast jede baltische Familie” einen Angehörigen unter Stalin verloren hätte.
Der Prozentsatz aller (Oberschicht von 1940 + SS-Leute von nach 1945) Deportierten lag bei weniger als 10% und das wird verschiedene Quellen behauptet (meine persönliche Quellen sagen das auch).
Im 1940 war nur die, zahlenmäßig unbedeutende, Oberschicht von den Deportationen betroffen und nach 1945 wurden die SS-Angehörige- und Schergen deportiert, aber um sie mußt Du Dir keine Sorgen machen, viele von ihnen fühlen sich sogar Heute noch ganz wohl und veranstalten ihre, unter der Begrüßung der baltischen Regierungen, SS-Märsche.
Also, die Behauptung von “verlorenen Angehörigen” (falls Du den Begriff “verlorene Angehörige” als (wie ich es tue) verstorbene bzw. ermordete Angehörige verstehst/betrachtest), stimmt so nicht.
R_Winter, ich empfehle Dir nicht alles zu glauben, was diese Balten oder (beispielweise) West-Ukrainer, so alles, erzählen.
Unter ihnen gab`s einfach viel zu viele SS-Schergen und Sympatisanten und sie wurden auch zurecht deportiert.
Die Behauptung von Dir, daß in der Sowjetunion und Ost-Block “alles sehr primitiv war” klingt tatsächlich nach “Hören-Sagen”.
Wo hast Du nur diesen Quatsch her ;-)
@ Truvor
Meinst du, ihm geht es um Tatsachen?
Nein, er braucht nur Bestätigung für seine Vorurteile.
Genosse Stalin hat angerufen, er bräuchte seine Propaganda zurück.
@ Definierer
Genosse Definierer hat seine Propaganda-Portion bereits bekommen.
@ Systemfrager
Auf Deinen Systemfrage-Seiten finden sich interessante wirtschaftstheoretische Abhandlungen – hier im Blog aber vor allem Beleidigungen Andersdenkender als Psychopathen, Verbrecher, Idioten. Auch die “rrr”-Marotte nervt.
Ich verdanke Dir viele interessante Quellentexte der geistigen Väter des Liberalismus, von Adam Smith und Karl Marx, die zu recherchieren ich selber nicht geschafft habe – aber in der konkreten Argumentation finde ich fast nichts davon.
Du gibst Dich als radikaler Vertreter einer wirklichen Markt-Wirtschaft ohne Korporationen – aber Du verteidigst den Verteidiger von Stalins mörderischer Kommandowirtschaft.
Wer bist Du – und wenn ja: wieviele?
@ Peleo
Ist es möglich, daß Du mit “Verteidiger von Stalin” mich gemeint hast ?
Wenn ja, dann weiß ich nicht, wo genau ich Stalin verteidigt habe.
@ Truvor
Wenn Du Solschenizyn einen Lügner nennst und behauptest, dass nur ehemalige SS-Leute und Nazi-Kollaborateure in den Gulag mussten – wie anders sollte ich das interpretieren?
@ Peleo
Jawohl, Solschenizyn ist ein Lügner.
Sein “Archipel-Gulag” (z.B.) hat er offensichtlich (ist nur meine Vermutung) speziell für die naive West-Bürger geschrieben.
Dieses Buch haben aber nicht nur allesgläubige Naivlinge gelesen, sondern auch Menschen, die das Gulag überlebt haben.
Und das waren, an erster Stelle, diese Gulag-Überlebenden, die ihn bei mehreren Lügen (aus seinem Buch) erwischt haben.
Sogar Wladimir Arnold (einer der größten Mathematiker des 20 Jahrhunderts), der (Gott ist mein Zeuge) kein Freund der Kommunisten und Stalins war, hat Solschenizyn für seinen (Solschenizyns) leichtsinnigen Umgang mit den Zahlen gerügt.
Und hat ihm anhand der mathematischen Berechnungen bewiesen, daß seine (Solschenizyns) astronomische Zahlen von zig Millionen in Gulag ermordeten bzw. getöteten, nicht mal Theoretisch stimmen könnten.
Ich behaupte nicht, daß “nur ehemalige SS-Leute und Nazi-Kollaborateure in den Gulag mussten”, ich behaupte nur, daß diese SS-Bestien zurecht nach Gulag deportiert wurden.
Für das, was diese Kreaturen angerichtet haben, war sogar Gulag zu milde.
Und Gorbatschow?
@ bemmu
Was Gorbatschow ?