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  • Buchbesprechung: Stéphane Hessel – Empört Euch!

    geschrieben am 08. April 2011 von Markus Weber

    Das Büchlein “Empört Euch!” von Stéphane Hessel (auszugsweise bei der FAZ zu lesen) hat in Frankreich wie international große Aufmerksamkeit erregt und wird als wegweisende politische Streitschrift gefeiert. Der Autor prangert darin aktuelle globale Missstände, vom Abbau der Sozialsysteme und der Dominanz der Finanzmärkte über Fälle von Fremdenfeindlichkeit bis hin zu Umweltzerstörung, an und appelliert an die heutigen, vor allem die jüngeren Generationen, diesen gegenüber nicht gleichgültig zu sein, sondern sich zu empören.

    So ehrenhaft und richtig die Intentionen des Verfassers sind, liefert der Text jedoch wenig Neues – und wenig Konkretes. Es handelt sich eher um eine wenig strukturierte Gedankensammlung. In dieser sind die Beschreibungen der heutigen Probleme wenig detailliert ausfallen und die Appelle zum Widerstand gegen diese ziemlich allgemein gehalten. Auch ist Hessels zentrale These, dass nur die Empörung zu politischer Aktivität führen kann und man sich heute Gründe zur Empörung suchen solle, schon recht fraglich. Kann ein solches Engagement nicht auch aus nüchterner Erkenntnis von schweren Fehlern der aktuellen Gesellschaft und der Einsicht in die (sachliche und moralische) Notwendigkeit aktiven Entgegenhaltens entspringen?

    Zentraler Inhalt und die Ursache seiner Kritikpunkte ist letztendlich die neoliberale Ausgestaltung der Politik in den letzten Jahrzehnten. Hessel erläutert dabei aber nur kurz, welche Folgen die neoliberale Politik – vor allem in Frankreich – hatte und dass die, wie er sich ausdrückt, „internationale Diktatur der Finanzmärkte“ schädlich ist. Hier hätte man deutlich mehr leisten können. Er benennt zwar recht viele weitere Probleme, beispielsweise den Abbau des Sozialstaats, die Zunahme der internationalen Ungleichheit, die Kriege der USA, wachsende Ausländerfeindlichkeit, die gefährdete Unabhängigkeit der Presse, Rückschritte beim Klimaschutz – und versäumt es auch nicht, auch Erfolge der letzten Jahre zu benennen – er liefert jedoch keine genaueren Erklärungen oder gar Analysen, zeigt wenig Zusammenhänge auf.

    Zwar führt er aus, dass die heutige Welt komplex sei, es nicht immer leicht sei, “Schuldige auszumachen”, neigt aber in seinen wenigen Ausführungen zu gesellschaftlichen Ursachen der kritisierten Probleme dann doch zu Personalisierung (egoistische Banker) statt zu strukturellen Analysen. Auch wenn seine Kritik an Egoismus und an der übergroßen Macht bestimmter Schichten und Akteure über Wirtschaft, Politik und Medien zweifelsohne Richtiges trifft – die Gefahr, sich in seiner Empörung einen einfachen Sündenbock zu suchen, ist vorprogrammiert. Nur kurz reißt er etwa Themen wie den Wachstumszwang des Kapitalismus an oder mahnt, dass der Abbau des Sozialstaates keineswegs alternativlos ist.

    Als wichtigste heutige Aufgaben der Menschheit sieht er das Eintreten gegen Armut und für internationale Gerechtigkeit, die Menschenrechte und den Zustand der Erde an. Er bietet aber darüber hinaus kein weiteres Gegenprogramm – und nennt auch nicht solche, die die Probleme der Gegenwart angemessen erfassen und zu deren Lösung beitragen könnten. Seine häufige Berufung auf das Regierungsprogramm der französischen Résistance von 1944 – in dem auch zahlreiche soziale Rechte begründet wurden, die er heute gebrochen sieht – und auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen wirken leider recht allgemein und zudem, auch wenn sicher nicht so vorgesehen, etwas legalistisch. Freilich ist es auch schon ein großes Verdienst, Probleme aufzuzeigen, Aufmerksamkeit zu schaffen, und man kann sicher nicht erwarten, auf 19 Seiten das Rad neu zu erfinden – auch wenn manches was er schreibt – wie, dass es schlecht ist, wenn heute Menschen verhungern und unterdrückt werden – wohl auch ein Neoliberaler unterschreiben würde. (Die Richtung der Schrift ist aber klar links, und als progressiv einzuordnen.)

    Immer wieder unterbrochen werden diese Punkte durch Erzählungen Hessels aus seinem Lebenslauf, die aufgrund seiner beeindruckenden Vita zwar interessant sein mögen, aber direkt dann doch eher wenig mit der Sache zu tun haben. In der Tat lebt die Schrift vor allem von der Persönlichkeit Hessels und ihr Erfolg ist wohl zum großen Teil darauf zurückzuführen, dass sie gerade von ihm geschrieben wurde, von jemandem, der durch seine Taten eine hohe moralische Autorität besitzt. Positiv anzumerken ist, dass Hessel nicht darauf verfällt, den Kampf gegen den Faschismus mit dem (reichlich unkonkreten) Widerstand, den er für heute verlangt, gleichzusetzen – auch wenn er Parallelen zieht. Er appelliert an die Notwendigkeit gesellschaftlichen Widerstandes, liefert ein paar grobe Punkte, wogegen sich dieser Widerstand richten soll, und zeigt, welche Akteure er als vorbildlich ansieht (attac, Amnesty International, Fédération Internationale des Ligues des Droits de l’Homme). Strategien, die Erfolg versprechen könnten, kann man nicht erwarten – dies bleibt so Aufgabe der gesellschaftlichen Praxis.

    Konkreter wird Hessel lediglich beim Thema Palästina, wo aber leider der Verdacht eines Verständnisses für Terrorismus aufkommen kann: Mit einer Aussage wie “Terrorismus eine Erscheinungsform von Verzweiflung” kann man zwar in bestimmten Fällen Recht haben, macht es sich generell dann aber doch zu einfach. Begrüßenswert ist aber, dass er Gewalt und Terrorismus nicht entschuldigt, sondern ganz explizit zur Gewaltlosigkeit und zu friedlichem Widerstand aufruft. Jedoch drängt sich die Frage auf, inwiefern die Gefahr gewaltsamer Akte im Namen von Freiheit, Gerechtigkeit, internationaler Solidarität oder Umweltschutz tatsächlich gegeben ist – oder ob es nicht fraglicher erscheint, ob sich eine große und wirksame zivilgesellschaftliche Bewegung für diese Anliegen überhaupt bilden wird und nicht doch das bestehende System diese Tendenzen einzudämmen oder zu absorbieren in der Lage sein wird. Hier jedoch könnte Hessels Aufruf zu einer neuen Aufmerksamkeit und Aktivierung führen – und damit wäre schon viel gewonnen.

    Der Schluss, in dem Hessel zu „einem wirklichen, friedlichen Aufstand gegen die Massenkommunikationsmittel, die unserer Jugend keine andere Perspektive bieten als den Massenkonsum, die Verachtung der Schwächsten und der Kultur, den allgemeinen Gedächtnisschwund und die maßlose Konkurrenz aller gegen alle“ aufruft, wirkt dann doch sehr engsichtig – er verwechselt ein bloßes Mittel mit der eigentlichen Ursache – und zudem überaus anachronistisch. Wenn die Massenkommunikationsmittel das größte Problem der heutigen Zeit wären, bräuchte sich wohl kaum jemand zu empören. So sehr man sonst mit manchen Personen politisch einer Meinung sein kann – bei diesen Themen überwiegen dann doch meist die Generationsunterschiede.

    Bei aller Kritik: Was von Hessels Buch bleibt, ist die Aufforderung: Öffnet eure Augen für Unrecht in aller Welt, schaut nicht weg, seid nicht apathisch! Und der Gedanke dieses Aufrufs ist – bei allen Schwächen des Buches – zweifelsohne unterstützenswert.

    “Empört Euch!” von Stéphane Hessel ist im Ullstein Verlag erschienen und kostet 3,99 Euro. Der reine Text beträgt 15 Seiten, mit Fußnoten, Nachwort und Erläuterungen 24 Seiten. Am 8. Juni 2011 wird “Engagiert Euch! – Stéphane Hessel im Gespräch mit Gilles Vanderpooten” auf Deutsch erscheinen (ebenfalls im Ullstein Verlag, Kosten 4,99 Euro).

    Markus Weber

    Bildnachweis Hessel: Wikimedia (Marie-Lan Nguyen) / CC-BY 3.0

    120 Kommentare Print This Post
    Das Büchlein "Empört Euch!" von Stéphane Hessel (auszugsweise bei der FAZ zu lesen) hat in Frankreich wie international große Aufmerksamkeit erregt und wird als wegweisende politische Streitschrift gefeiert. Der Autor prangert darin aktuelle globale Missstände, vom Abbau der Sozialsysteme und der Dominanz der Finanzmärkte über Fälle von Fremdenfeindlichkeit bis hin zu Umweltzerstörung, an und ...
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    120 Kommentare:

    1. Nic schrieb am 8. April 2011 at 12:05 - Permalink

      Ich fühle mich einmal mehr darin bestätigt, dass wir auf der selben Wellenlänge ticken ;-) Denn vor etwas mehr als einer Stunde habe ich das Heft rezensiert: http://nicsbloghaus.org/2011/04/08/stphane-hessel-empoert-euch/ :-)
      Und ich komme zu ähnlichen Schlussfolgerungen. Allerdings: das Buch soll auch nicht mehr sein als ein Augenöffner. Wer sich wirklich mit der Thematik intensiver befassen möchte, kommt um Naomi Klein nicht herum.

    2. Stefan K. schrieb am 8. April 2011 at 12:25 - Permalink

      Was von Hessels Buch bleibt, ist die Aufforderung: Öffnet eure Augen für Unrecht in aller Welt, schaut nicht weg, seid nicht apathisch!

      Das ist m.E. nach die Kernthese des Buches und alles andere dient lediglich der Illustration.

      Danke für die Analyse!

    3. Bonsaibäumchen schrieb am 8. April 2011 at 12:28 - Permalink

      Warum wird eigentlich immer verlangt solche Schriften in perfektion auszuführen. Statt ihn zu unterstützen und die Hintern mal in Bewegung zu setzen habe ich nun schon öfter größtenteils Kritik vernommen.

      Das er nicht jedes Problem ansprechen und nicht alle Lösungsvorschläge präsentieren kann sollte doch klar sein. Vielleicht wär es sinnvoller seine Ausführungen zu ergänzen und das ganze weiter Publik zu machen?

      Von euch wir ja auch nicht erwartet das ihr zu allem das ihr Kritisiert 1000 Lösungsvorschläge habt. Zumindest nicht von mir! Aber nur Kritik zu üben finde ich in dem Fall einfach mau.

      Schöne Grüsse!

      €dit: Mein Fehler, es ist ja eine Buchbesprechung. Ich bin wohl nur wieder zu Emotionsgeladen.

      • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 12:33 - Permalink

        Durch bessere Argumente könnte er vielleicht noch mehr erreichen.

        Vielleicht wär es sinnvoller seine Ausführungen zu ergänzen und das ganze weiter Publik zu machen?

        Na machen kritische Auseinandersetzungen mit seinem Buch (auch diese hier) dieses denn nicht weiter publik? ;-)

        • Bonsaibäumchen schrieb am 8. April 2011 at 12:37 - Permalink

          Nun zuallererst muss ich wohl sagen bin ich mit Buchbesprechungen nicht so vertraut. Ich kann verstehen das man den Inhalt von beiden Seiten ausleuchten sollte das hast du auch vortrefflich gemacht.

          Nur leider wirkt die Besprechung in meinen Augen einfach zu Negativ. Aber ich mag auch grad überhaupt nicht Objektiv sein. Drumm nehmt mich nicht allzuernst. ;)

    4. Natascha schrieb am 8. April 2011 at 12:38 - Permalink

      Ich nehme aus der Lektüre dieses Essays zwei Kernpunkte mit.

      1.) Die von gewissen Gruppen geförderte Grundhaltung dass wir alle nur kleine, hilflose Rädchen sind die nichts an den Verhältnissen ändern können, ist falsch. Um diese Lethargie gerade bei uns jungen Menschen zu überwinden – denn tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen bis hin zur Revolution werden kaum von der saturierten Generation 40+ ausgehen – bedarf es zuerst einmal der Empörung, und nicht der “nüchternen Erkenntnis sachlich und moralischer Notwendigkeit”. Mit derartiger Nüchternheit wirst Du nur wenige Schüler und Studenten politisieren und mobilisieren, lieber Markus. Gerade der Vergleich mit der Résistance zeigt doch, dass der Einzelne selbst im Kampf gegen vorgeblich unüberwindliche Widerstände wie das Besatzungsregime etwas bewegen kann. Im Unterschied zu einem Gegner wie dem Naziregime müssen wir dafür heute nicht einmal unser Leben riskieren.

      2.) Die TINA-Apologeten (there is no alternative) verbreiten einen eigentlich simpel zu durchschauenden Denkfehler: Wenn es vor 40, 50 Jahren mit den weit knapperen Ressourcen möglich war jedem Bürger eine gute Schulbildung und soziale Sicherheit zu gewähren, wie kann dies dann heute nicht mehr finanzierbar sein wenn sich die Wirtschaftskraft und Produktivität in der Zwischenzeit doch vervielfacht hat? Selbst unter Berücksichtigung des demografischen Faktors haben wir heute viel mehr zu verteilen als damals. Wer diesen Widerspruch durchschaut, muss sich unweigerlich fragen wohin all diese hinzugewonnenen Ressourcen abfließen.

      Dieses Essay ist eben nur das – ein Essay, keine Studie, kein Buch, keine ausführliche Analyse, sondern der Gedankenstrom eines alten Mannes der auf sein Leben zurückblickt und erkennbar wütend darüber ist, wie gewisse Nadelstreifenträger langsam sein Lebenswerk der sozialen Gerechtigkeit und Menschenrechte demontieren. Es bietet denjenigen unter uns die sich schon länger mit diesen Themen beschäftigen sicherlich wenig Neues, aber ich bin mir sicher dass sich unter den Millionen die Indignez-vous! gelesen haben, auch eine ganze Menge befinden denen Hessels Text ein paar notwendige Anstöße zum Nachdenken, Empören, Handeln und sich engagieren geben konnte.

      • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 12:44 - Permalink

        Ich bin halt skeptisch, ob eine “Widerstandsbewegung” sich heutzutage vor allem auf Studenten usw. stützen kann (vor allem, wenn ich meine heutige Mit-Studenten-Generation sehe) – und vor allem, ob eine Bewegung, die in erster Linie auf negativen Emotionen beruhen würde, wirklich viel Konstruktives erreichen könnte.

        Ansonsten: volle Zustimmung

        • Stefan K. schrieb am 8. April 2011 at 12:55 - Permalink

          …vor allem, wenn ich meine heutige Mit-Studenten-Generation sehe…

          Tja, seit das Humboldtsche Ideal an unseren Universitäten mit der Bologna-Reform restlos entsorgt wurde, wundert mich das gar nicht.

          • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 13:20 - Permalink

            Ja, gerade wenn man sich Studien über die heutige Jugend- und Studentengeneration anschaut, zeigen diese, dass heute Egoismus, Narzissmus, Entsolidarisierung, Ellbogenmentalität, Konkurrenz- und Karrieredenken sowie Opportunismus so weit verbreitet sind wie nie zuvor.

            • GrooveX schrieb am 8. April 2011 at 14:00 - Permalink

              ähm, wie wann nie zuvor?

            • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 14:01 - Permalink

              Na zumindest seit solche Studien gemacht werden ;-)

            • GrooveX schrieb am 8. April 2011 at 14:16 - Permalink

              das stimmt mit sicherheit nicht. aber nachprüfen musst du das schon selbst.

            • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 14:26 - Permalink

              Bspw. http://www.physorg.com/news194201935.html:

              Today’s college students are not as empathetic as college students of the 1980s and ’90s (…)
              “Many people see the current group of college students—sometimes called ‘Generation Me’—as one of the most self-centered, narcissistic, competitive, confident and individualistic in recent history,” said Konrath, who is also affiliated with the University of Rochester Department of Psychiatry.

            • Bonsaibäumchen schrieb am 8. April 2011 at 17:11 - Permalink

              Das sind die ganzen BWL Studenten :P

            • Andy schrieb am 10. April 2011 at 11:31 - Permalink

              Ist das vielleicht der eigentliche Sinn, oder zumindest ein gewünschter “side-effect” der Bologna Reform oder sehe ich wieder Verschwörungstheorien? Ehrlich: bei all dem Scheiß, der seit Jahren so abläuft, fragt man sich tatsächlich öfter, ob da eine lenkende Kraft hinter steckt. In welcher Form auch immer.

        • Natascha schrieb am 8. April 2011 at 12:58 - Permalink

          Wer die jungen Menschen nicht erreicht und dazu motivieren kann ihren Hintern hochzukriegen, der wird die Älteren erst recht nicht motivieren, denn das Protestieren, Kämpfen, sich empören wird nun mal umso mühseeliger je älter man wird. Wer zwei Kinder und eine Hypothek mit sich rumschleppt hat eine Menge mehr zu verlieren und oft ganz andere Sorgen.

          Ich glaube so eine Bewegung, wie Du es nennst, braucht eine Wut und Empörung über menschenverachtende Zustände ebenso als Treibstoff wie einen hoffnungsvollen und positiven Gegen- und Zukunftsentwurf. So etwas wie das Projekt der Great society in den USA oder Willy Brandts Mehr Demokratie wagen. Wenn wir mal ehrlich sind wissen wir wohl Alle dass so ein Projekt aus unseren Parlamenten heraus nicht mehr gestartet werden kann, dafür sind diese viel zu durchsetzt von lobbyhörigen Karrieristen. So einen Anstoß kann es nur durch neue APOs geben, wie eben auch Hessel richtig bemerkt wenn er attac und Co. anführt.

        • felixauuuu schrieb am 8. April 2011 at 16:43 - Permalink

          Naja, die “Uni brennt”-Proteste und die Demos in London haben schon gezweigt, dass unsere Studis durchaus fähig sind, Menschenmassen zu mobilisieren und Proteste recht professionell zu organisieren. Ich hab im Herbst 10 die Besetzung des Wiener Audimax live gegeben. Dort hat es innerhalb von nicht 48 Stunden eine Volksküche, Sanitätsdienst, Internetseite, Zeitung, Putzdienst, Rechtshilfe, KIT und einiges mehr gegeben- mit einem finanziellen Aufwand, der gegen 0 tendiert. Brot etwa wurde von solidarischen Betrieben aus ganz Ö geliefert, fast mehr, als wir essen konnten.

          Aber ganz davon abgesehen, gibt es in Europa momentan eine Renaissance des Anarchismus. Ausgehend von Griechenland und Italien, sind auch in England und Frankreich immer Aktionen den Anarchisten zu zu rechnen. Die Zahl der Beteiligten und deren Vernetzung steigt momentan auch recht schnell. Bin gespannt, wie sich das weiterentwickeln wird. Ich gehe stark davon aus, dass, falls es zu Unruhen oder Aufständen kommen sollten, diese in vielen Teilen Europas von Anarchisten zumindest mit initiiert werden.

          • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 17:07 - Permalink

            Naja, die “Uni brennt”-Proteste und die Demos in London haben schon gezweigt, dass unsere Studis durchaus fähig sind, Menschenmassen zu mobilisieren und Proteste recht professionell zu organisieren.

            Wenn es unmittelbar um die Interessen der Studierenden geht. Aber darüberhinaus?

        • Libero schrieb am 8. April 2011 at 18:10 - Permalink

          Meine Güte, dass war zu meiner Schulzeit nicht anders. Junge Menschen sind immer die Doofen, auf denen rumgekloppt wird, sie halten uns nämlich einen Spiegel vors Gesicht und das ist mitunter nicht komisch, für viele jedenfalls.
          Es gibt in jeder Gruppierung, die man statistisch erfassen kann, vielerlei Charaktere, es kommt immer darauf an, worauf man den Blick richtet.

          • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 18:37 - Permalink

            Es gibt in jeder Gruppierung, die man statistisch erfassen kann, vielerlei Charaktere,

            Aber von den einen gibt es eben mehr, von den anderen weniger. ;-)

      • Serious Sam schrieb am 8. April 2011 at 13:27 - Permalink

        “saturierte Generation 40+”?

        Na ich weiß nicht. Gerade die 40-55 jährigen sind die Sandwichgeneration, die sehr hohe Lasten zu tragen hat bei den Sozialversicherungen, bei ebendiesen teilenteignet wurde, die für die Ausbildung ihrer Kinder mehr Geld aufbringen muss usw. Mit Arbeit eine sichere Existenz und gar ein kleines ‘Vermögen’ schaffen, das konnte viel eher die Generation davor. Wenn man also von ‘saturiert’ spricht, trifft das eher auf die Renter zu und die, die kurz vor der Rente stehen.

        Gesellschaftliche Änderungen werden nur mit, nicht ohne, und schon gar nicht gegen die Generation 40+ stattfinden.

        • Spiegelfechter schrieb am 8. April 2011 at 13:37 - Permalink

          Ach Jottchen, mir kommen die Tränen ;-)

          Glaubst Du den Unfug eigentlich selbst? Das klingt mir doch sehr nach Satire. Nur wo sind die Ironie-Tags?

          • Lazarus09 schrieb am 8. April 2011 at 13:53 - Permalink

            Äääh ..Jens ,ich habe bisher nicht von Serious Sam gelesen dem ich ansatzweise zustimmen könnte

            ABER

            Gerade die 40-55 jährigen sind die Sandwichgeneration, die sehr hohe Lasten zu tragen hat bei den Sozialversicherungen, bei ebendiesen teilenteignet wurde, die für die Ausbildung ihrer Kinder mehr Geld aufbringen muss usw. Mit Arbeit eine sichere Existenz und gar ein kleines ‘Vermögen’ schaffen, das konnte viel eher die Generation davor. Wenn man also von ‘saturiert’ spricht, trifft das eher auf die Renter zu und die, die kurz vor der Rente stehen.

            Hier muss ich zustimmen, also da ist was dran..

            Ich gehöre nämlich zu denen die in den 80gern Höchstbeiträge eingezahlt hat ,für genug Kinder für Lehrmittel etc. gelöhnt habe..Sichere Existenz wenns denn sowas gibt war ab Schröder vorbei .. Kunden ohne Geld sind nämlich keine ;-).
            In Deutschland hatte ich Kunden ..Pensionäre von Bahn Post Chemie .. die waren mehr als gut versorgt .Da kommt heute keiner mehr ran…

            Also ganz so Unrecht hat der Junge da nicht ;-)

            • Spiegelfechter schrieb am 8. April 2011 at 15:03 - Permalink

              Nun, die statistischen Daten sprechen da (egal, wie man sie dreht und wendet) eine ganz eindeutige Sprache. Wenn es überhaupt eine Altersgruppe gibt, deren Einkommen weit über dem Durchschnitt ist, dann sind es die 40- bis 55jährigen. Nur bei der Vermögensverteilung (aber nicht der Einkommensverteilung) liegt die Altersgruppe der Über-65-Jährigen noch ein Stück weiter vorne.

              Wir können also ganz polemisch Sagen: Alle sind arme Schweine. Oder wir suchen uns eine Alterskohorte aus, die nicht ganz so arm ist – und das sind nun einmal die 40- bis 55jährigen. Da kann ich auch nichts für ;-)

            • Serious Sam schrieb am 8. April 2011 at 15:34 - Permalink

              Ach so, du schaust nur auf die Einkommen. Vielleicht trügen die Statistiken, weil sie zu viele Aspekte nicht berücksichtigen? Ich meine das Gesamtbild, dazu gehört nicht nur das Einkommen, sondern auch Rentenansprüche, Abgaben, nicht freie Ausgaben, Vermögen etc.

              Den Einkommen stehen nun mal immer mehr Ausgaben gegenüber, etwa die genannten Bildungskosten für den Nachwuchs, davor KiGa-Kosten usw.

              Die Rendite der Einzahlungen in die gesetzliche Rente liegt für diese Gruppe (jedenfalls die Männer) wohl nahe Null, ganz anders als für die Generation davor. Zudem muss sie, da das gesetzliche Rentenniveau massiv abgesenkt wurde und weiter wird, aus dem ach so hohen Einkommen parallel in eine private Rentenvorsorge investieren. Bei der aber wegen der relativ kurzen Laufzeit nicht mehr viel herauskommen wird.

              Es gibt noch viele weitere Beispiele. Unterm Strich bleibt es dabei: die Einkommen dieser Gruppe mögen nach irgendwelchen Statistiken die höchsten sein. Nur, das wird durch die besonderen Belastungen locker kompensiert.

              Wie schon gesagt: mit Arbeit eine sichere Existenz und gar ein kleines ‘Vermögen’ schaffen, das konnte viel eher die Generation davor. Wenn man also von ‘saturiert’ spricht, trifft das eher auf die Renter zu und die, die kurz vor der Rente stehen.

              Und dass die 65+ vermögensseitig besser dastehen, bestätigst du ja selbst. Widersprichst du mir also nur aus Prinzip – wobei das ja für viele Linke typisch ist (ich bin in der Opposition, und meine Aufgabe ist es daher, zu opponieren’) *g*

            • Lazarus09 schrieb am 8. April 2011 at 17:31 - Permalink

              Jens

              Altersgruppe gibt, deren Einkommen weit über dem Durchschnitt ist, dann sind es die 40- bis 55jährigen.

              Da gebe ich dir Recht und da mag auch die Statistik* stimmen ,allerdings im Licht dessen das es sich bei den heute 40-55 die jenigen handelt die mit Glueck seit vielleicht 20 Jahren in gefestigten Arbeisverhaeltnissen stehen ,deren Lohn in den ” Guten Jahren” gewachsen ist und die trotz Zusammenstreichung der Uebertariflichen Leistungen besser da stehen als die juengeren Arbeitnehmer die schon zu bedeutent schlecheren Konditionen eingestellt wurden.
              Wehe aber dem 40-55 jaehrigen der seinen gut bezahlten Job verliert ,der landet nach rassanter Talfahrt in Hurenbock 4 … den einen Job finden die kaum noch. Da habe ich genug Faelle im Bekanntenkreis.

              * daher stimmt die Statistik nur in soweit das diese wohl im Verhaeltnis besser verdienen. Ich kenne Verkaeufer die sind in DM Zeiten von 150K p.a auf 55 Kp.a Euro abgebrochen ,fuer ihn und seinen Verbindlichkeiten katastrophal aber im Verhaeltnis zu seinen Kollegen die mit bestenfalls 35K p.a rumkommen muessen .. “Gutverdiener” heute .

              Die Schluesse aus der Statistik sind eher dazu geeignet die um ihre Arbeitskraft betrogenen zu beruhigen .. Real gesehen sind grade die Jahrgaenge die betrogene Generation..in den guten Jahren fett eingezahlt und im Rentenalter gibts den Finger .. Im vergleich zu Rumaenien ist’s in Deutschland auch noch ok .. im Vergleich zu Deutschland der 80′ & 90′ nicht..

              Glaube nur der Statistik die du selbst faelschst ;-)

            • Count Krey schrieb am 11. April 2011 at 10:59 - Permalink

              @Serious Sam
              Mir kommen die Tränen, wirklich. Hast du dir schon mal das Lohnniveau von Leuten die frisch nach der Ausbildung ins Arbeitsleben einsteigen, angesehen? Schon mal geguckt, wie schnell und stark der Lohn steigt? Nein? Da kommen einem die Tränen, gerade wenn man im Hinterkopf die erhöhten Miet- und Lebenskosten behält.
              Ich habe keine Lust ein Fass aufzumachen und über Generationenungleichheit zu jammern, aber gerade den 45-55 jährigen die ich kenne, geht es NICHT schlecht.

          • Serious Sam schrieb am 8. April 2011 at 13:53 - Permalink

            Da das alles Unfug ist, kannst du den ja sehr leicht widerlegen. Mach mal.

            • Spiegelfechter schrieb am 8. April 2011 at 14:55 - Permalink

              soll ich wirklich den Mikrozensus herauskramen. Das ist doch albern … und das weißt Du auch ganz genau.

          • Andy schrieb am 10. April 2011 at 11:35 - Permalink

            Nein, Serious Sam hat recht.

        • Natascha schrieb am 8. April 2011 at 13:53 - Permalink

          Die 40-55 Jährigen sind aber auch die Altersgruppe die praktisch alle Machtschaltstellen in Politik und Wirtschaft besetzen. Der Ottonormalbürger in dieser Altersgruppe hat, wie Du ja selbst bestätigst, schon genug damit zu tun seine Kinder zu finanzieren und seine Hypothek abzubezahlen.

          Von dieser Gruppe erwarte ich keine Revolution auf der Straße. Das heißt natürlich nicht, dass sie nicht ihren Beitrag leisten kann.

          Dieses System übt stärker werdende strukturelle Gewalt gegen immer mehr Menschen aus. Das wirft für mich die Frage auf ob es überhaupt noch gewaltlos verändert werden kann. Die Eliten sind äußerst biegsam und scheren sich um ein paar Demonstranten und Petitionen herzlich wenig.

    5. ElBarto schrieb am 8. April 2011 at 12:43 - Permalink

      Er bietet aber darüber hinaus kein weiteres Gegenprogramm – und nennt auch nicht solche, die die Probleme der Gegenwart angemessen erfassen und zu deren Lösung beitragen könnten.

      Das wird mit Sicherheit auch nicht die Intention von Stephane Hessel gewesen sein, als er “Empört euch!” geschrieben hat. Es geht erstmal um das Augen-Öffnen. Ein Patentrezept wie man positive Veränderungen herbeiführen kann, wird niemand haben.

    6. Fake_Snake schrieb am 8. April 2011 at 12:57 - Permalink

      Kann ein solches Engagement nicht auch aus nüchterner Erkenntnis von schweren Fehlern der aktuellen Gesellschaft und der Einsicht in die (sachliche und moralische) Notwendigkeit aktiven Entgegenhaltens entspringen?

      Beneidenswert, ein Optimismus welchen ich mir auch lange bewahrt habe aber gerade fleißig dabei bin ihn zu verlieren.

    7. ich troete weiter, jetzt erst recht schrieb am 8. April 2011 at 12:59 - Permalink

      viel interessanter als die inhaltliche Qualitaet des Buches sind doch die ueberwaeltigenden Reaktionen in Frankreich…waehrend in Deutschland ein SARANAZI sein Unwesen populaer machen kann, kommt in Frankreich die Frage nach dem Sinn moderner Gesellschaften in den Blickpunkt des Interesses.
      Es nuetzt naemlich die schoenste Analyse nichts, wenn sie niemanden anspricht (und mit dieser Ansprache sind gerade auch “Emotionen” gemeint.)

      • Spiegelfechter schrieb am 8. April 2011 at 13:38 - Permalink

        Was ist ein Deutscher ohne Angst? Richtig, ein Franzose ;-)

      • Natascha schrieb am 8. April 2011 at 14:01 - Permalink

        Ich glaube nicht an einen großen Unterschied zwischen Deutschen und Franzosen in diesem Punkt. Die Rechtsnationalen, Rechtskonservativen und Rechtsextremisten haben aber in Frankreich Sprachrohre bis ins Parlament, wie die sehr populäre Front National.

        In Deutschland haben diese Herrschaften (noch) keine parlamentarische Heimat und müssen andere Ventile suchen um Dampf abzulassen und sich wahrgenommen zu fühlen. Ein “Das wird man wohl noch sagen dürfen!” der Sarrazins macht eben in Frankreich keinen Sinn, da diese Ventil durch Leute wie Le Pen bereits besteht.

        Bei uns müssen sie sich noch damit begnügen Sarrazin-Fanclubs zu gründen und ihre Nachmittage bei der Jungen Freiheit oder politically incorrect zu verplempern.

        • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 14:02 - Permalink

          Wieso, in Deutschland haben doch dafür auch die BILD …

          • Natascha schrieb am 8. April 2011 at 14:11 - Permalink

            Die sitzt aber auch nicht mit 15-20 % Stimmenanteil im Bundestag.

            Es ist eben so dass es einen Wilders oder Le Pen mit entsprechender Partei in Deutschland noch nicht gibt, obwohl das Wählerpotenzial hier sicherlich nicht geringer ist als in unseren Nachbarländern. Das sind eine Menge Menschen die sich nicht wahrgenommen fühlen und dann eben Leuten wie Sarrazin hinterherlaufen weil der den Multiplikator gibt.

            • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 14:14 - Permalink

              Aber solange die Regierung in vielem der von der Bild-Zeitung vorgegebenen Linie folgt? Aber natürlich ist es gut, dass es keine rechtspopulistische Partei gibt.

        • daweed schrieb am 8. April 2011 at 16:56 - Permalink

          CSU?

          Auffälig besonders nach der Rede von Wulff, wie schnell und gezielt da einige Personen, sich dagegenstellten.

          Später im öffentl.-rechtl. sah man auch wie ein Max Mustermann Seehofer dankte für die wahren Worte. (O-Ton: da hamse ma was risches gesacht)

          Das ganze noch hofiert vom TV und jeder weiß, die CSU ist nicht mit Wulff einer Meinung…

    8. Marc Didier schrieb am 8. April 2011 at 13:01 - Permalink

      Welch Zufall, gestern erst gekauft und gelesen.

      Das ‘gehype’ um das Buch lies mich beim Kauf erstmal staunen. 24 Seiten? Und nach den ersten paar Zeilen kamen mir ähnliche Gedanken in den Kopf: Ein Mann mit so einer Lebensgeschichte, soviel Erfahrung und nur so wenig Informationen. (Ich meine jedoch dass das nicht die letzte Veröffentlichung des Stéphane Hessel ist.)

      Meiner Meinung nach braucht das Buch aber nicht mehr. Die junge Generation (zu der ich mich auch noch hinzuzähle) braucht nicht noch Einen der ihr vorschreibt oder rät wie man es besser machen könne und solle. Sie soll selbst erfahren, selbst erkennen was denn da die Welt im innersten auseinander sprengt.

      Ich sehe in dem Buch eher einen alten Mann der der Jugend das Ipad und den PC wegnimmt und mahnend mit zittrigem Finger zum Fenster hinaus zeigt.
      Vorwerfen würde ich ihm eher seine Naivität. Seine Hoffnung dass sich die Jugend informiert, und wenn, dann auch richtig ist für mich schon fast Wunschdenken. Dauernd Versuche ich neue Wege zu finden um ein paar meiner Altersgenossen (und Jüngere) zum ‘sich informieren’ zu bewegen oder zum lernen der Masse an Informationen mit dem sie täglich konfrontiert werden Herr zu werden und das Essentielle herauszufiltern. Erfolgsquote: sehr niedrig.

      Das mit der Welt was nicht in Ordnung ist haben die meisten schon begriffen. Nur bedienen sie sich dem Eskapismus oder ignorieren einfach gekonnt alles was nicht in ihrem Vorgarten geschieht anstatt sich zu empören. Vielen ist es auch einfach zu komplex. Das liegt, meiner Meinung nach, aber weniger an der komplexität der Welt (Politik, Wirtschaft,…) an sich sondern an den Möglichkeiten die ein Otto-normal-Bürger hat um sich zu informieren (Wo gibts den noch politische/weltlische Aufklärung in der Schule (Unis mal vorne weg)) oder eben nicht (Wieso denn den langweiligen Affenzirkus ‘Bundestag Live’ kucken wenn doch grad die 6. Wiederholung von ’2&1/2 men’ läuft).

      Dass diese ‘Informations asymetrie’ (gibt sicher besseren Begriff dafür) gewollt herbeigeführt worden ist und immer noch gestützt wird sei jetzt mal so dahin gestellt (Imho ist sie sehr gewollt).

      Der erste Schritt in Richtung ‘Bessere Welt nach S. Hessel’ besteht also für mich nicht darin etwas zu finden was uns empört, den davon gibt es genug, sondern dafür zu sorgen dass der Informationsfluss in alle Richtungen stimmt. Wenn wir das Knäuel aus Informationen und (bewussten) Fehlinformationen entwirrt haben und es uns zu Nutzen machen können (filtern), und wirklich jeder die richtigen/wahren Informationen hat, dürfen wir uns empören.

      Lange Rede . . . : Ich finde das Buch lesenswert und hoffe noch mehr von Hessel und seinen Denkgenossen zu hören.

      P.S.: Das Buch erinnerte mich an eine Frage die ich mir schon ewig stelle: Wieso setzen sich nicht die klügsten Köpfe aus Naturwissenschaft und Philosophie zusammen, nehmen sich ein weisses Blatt und diskutieren über die Zukunft des Menschen und wie sie zu gestalten ist. (./tabula_rasa && make better_world)

      • unbequemer schrieb am 8. April 2011 at 13:04 - Permalink

        Ist doch schon geschehen – 1516 – Morus – Utopia.

        • Marc Didier schrieb am 8. April 2011 at 13:14 - Permalink

          Nein nein :) Das soll schon realisierbar sein und auf dem neuesten Stand der Wissenschaften beruhen und dynamisch aktualisiert werden.

          1989 – Jungk/lutz – Zukunftswerkstatt – wäre da die bessere Antwort von dir gewesen ;)

      • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 13:38 - Permalink

        Ich meine jedoch dass das nicht die letzte Veröffentlichung des Stéphane Hessel ist.

        “Engagiert Euch!” wird ja, wie unten im Text angemerkt, auch noch erscheinen (bzw. ist schon auf Französisch erschienen).

        Das mit der Welt was nicht in Ordnung ist haben die meisten schon begriffen.

        Leider sind aber die meisten mit dem grundlegenden System einverstanden …

        sondern an den Möglichkeiten die ein Otto-normal-Bürger hat um sich zu informieren

        Aber gerade diese sind doch nun heute wirklich so groß wie nie zuvor. Ich glaube, es geht weniger um die Möglichkeit, als um den Willen, sich zu informieren.

        Das Buch erinnerte mich an eine Frage die ich mir schon ewig stelle: Wieso setzen sich nicht die klügsten Köpfe aus Naturwissenschaft und Philosophie zusammen, nehmen sich ein weisses Blatt und diskutieren über die Zukunft des Menschen und wie sie zu gestalten ist.

        Das Problem ist, dass die Politiker eben nicht die Weisesten sind ;-) Oder mit Platon:

        Diejenigen, die zu klug sind, um sich in der Politik zu engagieren, werden dadurch bestraft, dass sie von Leuten regiert werden, die dümmer sind als sie selbst.

        • gebintit schrieb am 9. April 2011 at 00:13 - Permalink

          Leider sind aber die meisten mit dem grundlegenden System einverstanden …

          Wann werden die Linken kapieren, dass die meisten Menschen Egoisten sind? Schlimmer noch, sehr viele sind dumme Egoisten. Warum sollten hier in Deutschland sich die Massen über die Ungerechtigkeiten der globalen Wirtschaftsstrukturen aufregen, sie profitieren doch zu einem großen Teil davon!
          Und für die, denen es hier im Lande nicht so gut geht, gibt es BILD und BUNTE und die sagen ihnen, dass im Prinzip jeder mittels der allseits bekannten Tugenden den Aufstieg schaffen kann.
          Mich überrascht es nicht, dass sich mehr Leute hierzulande darüber aufregen, dass die Armen zu uns kommen, als darüber, dass unfaire Praktiken Armut erzeugen. Das eine erleben sie konkret, das andere ist abstrakt und von der Kategorie “das-war-schon-immer-so / das-kann-man-eh-nicht-ändern”.

    9. Ola schrieb am 8. April 2011 at 13:33 - Permalink

      Der Buchbesprecher hat wohl überhaupt nicht verstanden, dass Detailfragen in diesem Büchlein überhaupt nicht erwünscht waren. Und hätte Hessel angefangen jeden Mist en detail zu durchleuchten, würden wir das Buch heute gar nicht besprechen, gelle?

      Ja, ja, die linke Seele. Da wird viel kaputt gemacht mit dem ewigen Wunsch nach Endlosdiskussionen bis ins letzte Detail. Das hat Hessel wohl kapiert und sich auf das Wesentliche beschränkt. Sollte die Linke mal drüber nachdenken. Dann passieren auch solche Wahlplakat-Unfälle wie “Reichtum für alle” nicht mehr, die beim Lesenden eine gehörige Portion politischer Bildung vorraussetzen, um die richtig zu interpretieren, anstatt mit dem Kopf zu schüttlen.

      Tja, deshalb null Punkte für diese “Buchbesprechung” weil sie gerade den zentralen Punkt Hessels (Einfachheit) nicht versteht und sich somit nahtlos in das Dauergeplapper linker Hobbyideologen einreiht.

      • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 13:40 - Permalink

        Man muss natürlich nicht auf alles eingehen. Aber etwas detaillierter hätte er meiner Meinung nach an vielen Stellen sein können, ohne das der grundlegende Impetus des Buches verloren geht.

        • Natascha schrieb am 8. April 2011 at 14:08 - Permalink

          Auf mich machte das Essay den Eindruck eines ziemlichen stream of consciousness Textes. Als hätte er sich eines Abends mit Wut im Bauch an die Schreibmaschine gesetzt und das in einer Nacht niedergeschrieben.

          Das hat natürlich Vorteile wie Nachteile. Sonderlich strukturiert ist der Text nicht, dafür aber sehr authentisch, was vielleicht zusammen mit der Persönlichkeit des Verfassers den Verkaufserfolg erklärt.

          Erinnert mich an die Rolle Helmut Schmidts in Deutschland. Moralische Autorität die nicht direkt mit einem Haufen Propaganda in der Luft zerrissen werden kann ist wohl Heute nur noch zusammen mit dem Greisenalter zu erhalten.

          • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 14:27 - Permalink

            Genau den Eindruck machte es auf mich auch.

            • Natascha schrieb am 8. April 2011 at 14:58 - Permalink

              Wäre er ein 30-jähriger Blogger, hätte es vermutlich keine Sau interessiert. ;)

          • Frank Benedikt schrieb am 9. April 2011 at 09:10 - Permalink

            “Stream of consciousness”? Donnerwetter, jetzt zieht auch noch die Literaturwissenschaft hier ins Blog ein ;-) Aber Du hast natürlich recht: Gelegentlich muß man es “einfach laufen lassen” und authentisch sein. “Aus dem Bauch heraus” ist zwar nicht immer klug, aber zumindest ehrlich.

            • Natascha schrieb am 9. April 2011 at 11:13 - Permalink

              Das wurde uns in der 10. Klasse Englisch eingeprügelt und blieb hängen, nebst ein paar vergossenen Tropfen Shakes’ Bier.

    10. gerhardq schrieb am 8. April 2011 at 14:27 - Permalink

      Das wichtigste an dem Buch ist IMHO folgendes Zitat von Stephane Hessel:

      Neues schaffen heißt Widerstand leisten.
      Widerstand leisten heißt Neues schaffen

      Alles andere ist Nebensache. Neues schaffen ist eine Art Jiu-Jitsu mit der konservativen Gesellschaft. Es widerspricht nicht dem Erwerbsstrebensanspruch der Konservativen aber es untergräbt die konservative Gesellschaft. Fredmund Malik spricht im Wirtschaftsbereich ähnlich von Substitutionstechnologien, also Technologien die andere (alte) überflüssig machen, als die Gefahr auf die Unternehmen achten sollten.

      • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 14:37 - Permalink

        Aber vielleicht sollte dieses Neue am besten ja gerade im Widerspruch zu den alten Weisen des Wirtschaftens usw. bestehen

      • Frank Benedikt schrieb am 9. April 2011 at 09:16 - Permalink

        Da würde ich weitergehen wollen: Nicht Widerstand leisten, denn den leistet “das System” automatisch gegen alles Neue, sondern Widerstände überwinden, um Neuem zum Erfolg zu verhelfen. Das greift in meinen Augen über Hessels Postulat hinaus.

        • Markus Weber schrieb am 9. April 2011 at 13:49 - Permalink

          Ja, und hier fehlt eben das Konstruktive an seinen Vorschlägen. (Aber natürlich ist es als erster Schritt auch ausreichend, ersteinmal Widerstand gegen all das Schlechte und gegen weitere Verschlechterungen zu zeigen.)

    11. Lazarus09 schrieb am 8. April 2011 at 14:33 - Permalink

      Ausser Naomi Klein sollte auch Isabel Horstmann (Im Dschungel der Maßnahmensollte) nicht unerwähnt bleiben .. ! Sie verschafft Einblicke, die auch Leute vor Zorn platzen lassen die nie ein Job Center etc. von innen gesehen haben..

    12. Timo schrieb am 8. April 2011 at 14:47 - Permalink

      Da ist ein 93 Jähriger Mann der niedrigschwellig auf die akutesten Probleme unserer Zeit hinweist. Und der überwältigende Erfolg von “Empört Euch” gibt ihm recht. Warum lassen sich die Linken, zu denen ich mich selber zähle, immer bei der Frage auseinander dividieren, wie die Welt am besten zu retten wäre?
      Es muss darum gehen Mehrheiten für eine andere Politik zu gewinnen.
      Genau dazu hat Hessel beigetragen,

      • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 14:55 - Permalink

        Weil es nicht ausreicht, nur unzufrieden zu sein, wenn man nicht versucht, herauszufinden, wie man eben die akutesten Probleme unserer Zeit lösen kann. Hessel will eben einen Anstoß zu ersterem geben, damit dann (vor allem die jüngeren Generationen) dazu gebracht werden, nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Wichtig wären da aber auch positive Gegenentwürfe, Werte, auf die man sich beziehen kann, und nicht nur Empörung (auch wenn er das sicher nicht so sagen will).

      • Natascha schrieb am 8. April 2011 at 15:08 - Permalink

        Vielleicht ist es einfach die Natur des Linken, konfliktfreudiger, antiautoritärer und auch anarchistischer zu sein als die Rechtskonservativen, deren Tugenden eher Ordnung, Ruhe, Disziplin und Respekt vor Autorität und Hierarchien sind.

        Könnte auch ein Grund sein wieso die Rechte erfolgreicher ist im parlamentarischen System und wesentlich mehr Regierungen gestellt hat als die Linke.

        • Ko-Mike schrieb am 8. April 2011 at 15:25 - Permalink

          Ordnung, Ruhe und Disziplin – darauf baut das konservative Lager auf. Hinzu kommt die gewisse Wahrung von Althergebrachten. Dies verspricht dem (Angst-)Bürger Sicherheit – eine vermeintliche Sicherheit.

          • Natascha schrieb am 8. April 2011 at 15:33 - Permalink

            Wenn die Wahrung von Althergebrachtem darin bestünde soziale Sicherheit, aktive Beschäftigungspolitik und ein egalitäres, gut finanziertes Bildungssystem zu bewahren, hätte ich nichts gegen den Konservativismus.

            • Ko-Mike schrieb am 8. April 2011 at 16:14 - Permalink

              Ich meinte althergebrachte Strukturen, nicht Grundsätze. Kleines Missverständnis ;) Um “soziale Sicherheit, aktive Beschäftigungspolitik und ein egalitäres, gut finanziertes Bildungssystem zu bewahren” (Grundsätze), muss man ständig Umstrukturieren. Manchmal mehr, manchmal weniger. Was man derzeit aber macht ist: Umstrukturierung und demnach eine Anpassung der Grundsätze an neue Strukturen. Dies ist die Kehrtwende in der Politik der letzten Jahre. Es ist, als produziere ich billige Schrottautos und lege den gesetzlichen Rahmen so fest, dass sie den Mindeststandards genügen. Ich baue mir sozusagen etwas auf und richte daran meine Grundsätze aus. Das begreifen aber nicht alle Konservativen (deshalb auch deren Verluste in den letzten Jahren) – und viele andere Politiker auch nicht.

      • Stephan Schwarz schrieb am 8. April 2011 at 23:46 - Permalink

        Also es gibt ZWEI Wege, sein eigener Herr zu werden und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Beide sind wichtig.
        Der eine heißt Kooperation in der Agrar- wie Energie- & Warenproduktion (commons & commoning). SelbstErzeugung & -Vermarktung.
        Die zweite heißt Freigeld / Freihandel. Das freie, solidarische Wirtschaften mit Hilfe einer alternativen Komplementär-Währung.

        Arbeiten diese zwei gesellschaftlichen Organisations-Formen erst einmal HandinHand – entkoppeln sie gesellschaftlich kohärente Synergien und fördern arbeitsteilige Zusammenarbeit im Rahmen eines alternativen Ansatzes, der nicht auf Geld-Vermehrung sondern auf Glückseligkeit und einen breiten Wohlstand und soziale Ruhe abzielt, so wird somit die uns lenkende Diktatur des Geldes aufgebrochen und eine Revolution der plutokratischen Gesellschaft wird möglich. Durch ein Miteinander auf regionaler Ebene – in immer mehr regionalen, kommunitaristisch orientierten Gemeinden wird somit auch das soziale Problem gelöst.
        Teilweise von der radikalen Geldwirtschaft entkoppelte Regio-Inseln wie im Chiemgau sind wesentlich volatiler und die ansässige Bevölkerung wird sicherlich im Ernstfall – also etwa dem Zusammenbruch des Dollars / Euros – wieder eine Alternativ-Wirtschaft aufziehen können – weil sich über Jahre gegenseitiges Vertrauen entwickeln und heranwachsen konnte.
        In einer solchen Parade-Region mit dichtem regional-kooperierenden Betrieben wie dem Chiemgau sind auch ohne Weiteres politische Generalstreiks denkbar – denn die Einwohner sind nicht so total von ihren festen Arbeitsplätzen, dem ständigen Einkommensfluss ihrer Jobs abhängig wie diejenigen aus den anonymen Großstadtgefilden, die ohne ihre täglichen 2go-Einläufe in den Fressbuden & Einkäufe in Supermärkten etc. verhungern würden; im Gegenteil, sie tendieren verstärkt zur autarken Lebensweise.

    13. Fleur schrieb am 8. April 2011 at 14:52 - Permalink

      Danke für die, auch in der Form, sehr schöne Analyse.
      Wie du ja richtig schreibst, muss der sicherlich nicht bis ins Letzte ausbuchstabierte Text gar nicht allein stehen, ergänzt vielmehr die Person Hessel und ihr gelebtes Engagement.
      Es ist eben ein Aufruf, ein Wachrütteln, ein Fingerzeig. Den nächsten Schritt muss man dann schon allein tun.

      Dass du die negativen Aspekte des Büchlein über Gebühr hervorhebst, finde ich nebenbei auch nicht. Die sind einfach unübersehbar, selbst wenn sie der Botschaft vermutlich nicht schaden.

    14. Ko-Mike schrieb am 8. April 2011 at 15:05 - Permalink

      Wohin soll die Fahrt gehen? Es wird sich doch empört. Aber leider ist diese Empörung i.d.R. fehlgeleitet (z.B. Integrationsdebatte) oder läuft letztlich ins Leere (z.B. Kritik am Neoliberalismus, S21).
      Tja, das passiert eben, wenn man nicht weiß, wohin. Und wenn die allgemeine Mehrheit keinen Plan hat, dann machen es eben die Populisten – gleich welchem Lager entspringend. Diese werden mit einschleimender Propaganda zu Interessenvertreter des Volkes emporgehoben.
      Ich erkenne in jeder Partei Denunzianten. Und ich kenne keine Partei, die sich für das gesamte Allgemeinwohl einsetzt. Alles nur Aufregung, Eindreschen auf den Gegner und… Empörung, Empörung, Empörung. Zuviel der Empörung!
      Die Mehrheit des Volkes ist vor Empörung nun fast eingeschlafen. “Aufwachen, empört euch!” ruft da einer. “Wir haben uns doch empört”, jammert die müde Antwort, “hat keinen interessiert. Nun sehen wir zu, wie wir über die Runden kommen. Jeder für sich. Nix mit Demonstration, nix mit Protest, nix mit Revolution. Das Rad dreht sich einfach weiter. Prosit!”
      Fazit:
      Viele Empörer sitzen im Kreis.
      Empören sich!
      Empören sich gegenseitig!
      In der Mitte die schweigende Welt -
      unbeachtet.

      • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 15:12 - Permalink

        Wieso läuft eine Kritik am Neoliberalismus ins Leere? Und bei S21 gibt es nun doch einen konkreten Erfolg: eine Volksabstimmung.

        Es ist eben gerade wichtig, 1. worüber man sich empört: über falsche Sündenböcke (siehe die “Integrationsdebatte”) oder über tatsächliche gesellschaftliche Missstände, und 2.: wie sich diese Empörung äußert: in bloßem “Die da oben machen doch eh, was sie wollen” und politischer Apathie, oder in der Motivation zu zivilgesellschaftlichen Bewegungen. Und hier ist gerade eine große Stärke von “Empört Euch”, den jeweils zweiten Weg aufzuzeigen.

        • Ko-Mike schrieb am 8. April 2011 at 15:45 - Permalink

          2.: wie sich diese Empörung äußert: in bloßem “Die da oben machen doch eh, was sie wollen” und politischer Apathie, oder in der Motivation zu zivilgesellschaftlichen Bewegungen. Und hier ist gerade eine große Stärke von “Empört Euch”, den jeweils zweiten Weg aufzuzeigen.

          So klar lese ich das leider nicht heraus. Gerade hier hätte ich mir eine Konkretisierung gewünscht.

          Es ist eben gerade wichtig, 1. worüber man sich empört: über falsche Sündenböcke (siehe die “Integrationsdebatte”) oder über tatsächliche gesellschaftliche Missstände

          Dem stimme ich auch zu, nur reicht Empörung nicht. Ich meine z.B.: Wieviele Europäer empören sich über die Zustände in Afrika. Und? Hat sich etwas an der europäischen Politik mit Afrika grundlegend verändert?

          Wieso läuft eine Kritik am Neoliberalismus ins Leere?

          Habe ich die große Umstrukturierung verpasst? O.o Klär mich auf, bitte.

          Und bei S21 gibt es nun doch einen konkreten Erfolg: eine Volksabstimmung.

          Sorry, das ist doch kein Erfolg. S21 ist ein politisches Poker-Spiel auf Landesebene. Und der Bürger sitzt nicht am Tisch. Ich prophezeie dir: Die Volksabstimmung wird mehr oder weniger scheitern und mit Hilfe dieses Scheiterns wird alles abgewickelt. Und dass demokratische Prozesse wie Volksabstimmung oder Wahlen nicht immer mit Vernunft einhergehen, dürfte klar sein, oder.

          • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 15:56 - Permalink

            Dem stimme ich auch zu, nur reicht Empörung nicht.

            Das sag ich ja auch ;-)

            Zum Neoliberalismus: Z.B. wird in IWF oder Weltbank nicht mehr nur bedingungslos der Politik des Washington Consensus gefolgt. Auch in Deutschland konnte etwa die CDU nicht das Programm durchsetzen, dass sie noch 2002 hatte.

            Zu Stuttgart 21: Wenn man die mangelnde Beteiligung des Volkes an der Entscheidungsfindung beklagt, ist eine Volksabstimmung das richtige. Wenn man das Projekt einfach (eventuell auch gegen den Willen der Mehrheit) stoppen würde, würde man es ja genauso machen wie die andere Seite.

            nd dass demokratische Prozesse wie Volksabstimmung oder Wahlen nicht immer mit Vernunft einhergehen, dürfte klar sein, oder.

            Keine Frage!

            • Ko-Mike schrieb am 8. April 2011 at 16:34 - Permalink

              Z.B. wird in IWF oder Weltbank nicht mehr nur bedingungslos der Politik des Washington Consensus gefolgt. Auch in Deutschland konnte etwa die CDU nicht das Programm durchsetzen, dass sie noch 2002 hatte.

              Ist mir bekannt. Ich sehe aber im Moment wenig Tatendrang dahingehend, dass sich bis zur nächsten Krise, intelligente Lösungen/Konzepte finden werden, die sich dann (tiefgreifender) bewähren.

              Zu Stuttgart 21: Wenn man die mangelnde Beteiligung des Volkes an der Entscheidungsfindung beklagt, ist eine Volksabstimmung das richtige. Wenn man das Projekt einfach (eventuell auch gegen den Willen der Mehrheit) stoppen würde, würde man es ja genauso machen wie die andere Seite.

              Wenn man die mangelnde Beteiligung des Volkes an der Entscheidungsfindung beklagt, ist eine Volksabstimmung nicht immer das richtige. In Stuttgart allerdings schon. Details zu dieser Differenzierung möchte ich jetzt nicht ausführen. Ich bezweifle aber, dass man selbst nach der Abstimmung – gleich welches Ergebnis – von einem konkreten Erfolg sprechen kann. Von daher sehe ich die Abstimmung eher als ein Schauspiel nach dem Motto: Wir zeigen euch, wer siegt, aber gewinnen wird am Ende keiner – nur DB vllt.

            • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 17:05 - Permalink

              Zu Stuttgart 21: Falls sich z.B. in Zukunft etwa solche Runden wie die Schlichtung etablieren würden, könnte das wenigstens ein kleiner Fortschritt in Richtung Transparenz sein.

    15. schwitzig schrieb am 8. April 2011 at 15:07 - Permalink

      Auch wenn die Kritik unter berücksichtigung eines wissenschaftlichen Ansatzes recht vernichtend und damit wahrscheinlich gar nicht falsch ist, freue ich mich dennoch über das Erscheinen eines solchen Buches.
      In dem Mikrokosmos der Blogosphäre sind es sicherlich keine bahnbrechenden Erkenntnisse, die dort präsentiert werden – in der realen Welt allerdings wissen sehr viele Menschen mit dem Begriff Neoliberalismus nicht anzufangen und schon mal gar nicht mit dessen Folgen. Vielleicht kommt es über Umwege ja mal in die verkleisterten Gehirne eines Großteils der Wähler und bewirkt den Anstoss eines Denkprozesses. Unwahrscheinlich – klar, aber wenn es nicht passiert, schadet es immerhin nicht.

    16. André H. schrieb am 8. April 2011 at 15:24 - Permalink

      Nur kurz reißt er etwa Themen wie den Wachstumszwang des Kapitalismus an …

      Kann es sein, dass meine frühere Zinseszins-Kritik hier bei SF doch nicht so ganz abgelehnt wird ? Dann bin ich mal ein bisschen beruhigter.

      • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 15:25 - Permalink

        Muss dich leider beunruhigen: damit hab ich nichts am Hut.

        • André H. schrieb am 8. April 2011 at 15:29 - Permalink

          Ein (weiterer) Versuch war’s ja wert…

    17. Arbo Moosberg schrieb am 8. April 2011 at 15:54 - Permalink

      So ehrenhaft und richtig die Intentionen des Verfassers sind, liefert der Text jedoch wenig Neues – und wenig Konkretes. Es handelt sich eher um eine wenig strukturierte Gedankensammlung.

      Sehe ich ähnlich.

      Ich jedenfalls war von der Lektüre enttäuscht, da ich mir irgendwie mehr Wortgewalt versprach (O.K., das Beckmann-Hessel-Gespräch hätte mir eine Warnung sein müssen). Statt dessen ein lauwarmes Lüftchen, das durch seine seichte Art allenfalls die verkorksten Mainstreammedien etwas irritieren konnte. Nichts, was sich m.E. wirklich zum zitieren lohnt. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass Hessels Buch unfreiwillig zur Beruhigungspille verkam/verkommt.

      Arbo

    18. Empörter Bürger schrieb am 8. April 2011 at 16:13 - Permalink

      Sehens- und hörenswert – Stéphane Hessel im Gespräch mit Frank A. Meyer!

    19. COPOKA schrieb am 8. April 2011 at 17:05 - Permalink

      Für jemanden, der “Die Schock-Strategie” im vollen Umfang gelesen hat, mögen zunächst mal die 19 Seiten etwas Verwirrung und Enttäuschung stiften, nur muss man dabei bedenken, dass eine dünne Broschüre im Endeffekt viel mehr als das fundamentale “Das Kapital ” bewirkte. Die Fundamentalwerke animieren zum Nachdenken, nicht zu der Tat. Die Frage ist jedoch, wie man mit seinem Appell möglichst breites Publikum erreicht um es zu bewegen.

      • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 17:09 - Permalink

        Vielleicht wäre uns aber der “real existierende Sozialismus” erspart geblieben, wenn manche Das Kapital mal genauer gelesen hätten ;-)

        • schwitzig schrieb am 8. April 2011 at 17:39 - Permalink

          Zumindest wäre uns aber der “real existierende Kapitalismus” erspart geblieben, – der nicht die Bohne besser ist – wenn manche Das Kapital mal genauer gelesen hätten.

        • COPOKA schrieb am 8. April 2011 at 23:42 - Permalink

          Der Gedanke ist mir auch in den Sinn gekommen.
          Bei “viel mehr” meinte ich allerdings nicht unbedingt viel Gutes.
          Auch Rattenfänger allerlei Couleur setzen zunächst mal auf Empörung.
          Was Menschen aus ihrer Empörung heraus tun hängt leider nicht davon ab, was in fundamentalen Werken geschrieben steht – die werden selten gelesen und noch seltener verstanden, sondern von ihren gegenwärtigen Nöten und unbeständigen Vorstellungen von Gut und Böse.

    20. smukster schrieb am 8. April 2011 at 17:14 - Permalink

      Ich denke, dass mensch die Leute nicht unterschaetzen sollte:

      Es gibt durchaus viele (nach meiner Erfahrung eher mittleren Alters, mit etwas Lebens- und Berufserfahrung), die sehen, dass die Entwicklung in eine falsche Richtung laeuft. Dieses Unwohlsein ist durchaus recht grundlegend, bezogen z.B. auf wachsende Ungleichheit, mangelnde Demokratie und eben blinden Glauben an das “Wachstum”.
      Aber welche Schluesse daraus zu ziehen sind, ueber welchen Hebel sich etwas aendern liesse, das wissen sie nicht – wir etwa?

      An einem Punkt wuerde ich dem Artikel widersprechen:
      Wenn Hessel zu

      „einem wirklichen, friedlichen Aufstand gegen die Massenkommunikationsmittel…”

      aufruft, dann verstehe ich das nicht so, dass er hier tatsaechlich die Ursache sieht – vielmehr denke ich, dass er diese als Symbol fuer Ruhigstellung und Apathie sieht, und eigentlich einen Aufstand gegen die von diesen propagierte Gesellschaft meint.

      PS. Gehoert dieser Blog in diesem Sinne eigentlich auch zu den MKM? Immerhin stecken wir Zeit hinein und lassen schreibend Dampf ab, statt die Energie in konkretere Projekte zu investieren…also auch Teil der Ruhigstellung der Unzufriedenen, die sich im abgeschirmten Raum auspowern koennen? Oder doch Sammelbecken und Verstaerker fuer kommende Aktivitaeten?

      • Peleo schrieb am 8. April 2011 at 21:19 - Permalink

        wachsende Ungleichheit, mangelnde Demokratie und eben blinden Glauben an das “Wachstum”.
        Aber …., ueber welchen Hebel sich etwas aendern liesse, das wissen sie nicht – wir etwa?

        Ein Hebel(chen) zumindest war das Kreuz bei den Grünen in BW.

      • Frank Benedikt schrieb am 9. April 2011 at 09:26 - Permalink

        Gehoert dieser Blog in diesem Sinne eigentlich auch zu den MKM? Immerhin stecken wir Zeit hinein und lassen schreibend Dampf ab, statt die Energie in konkretere Projekte zu investieren…also auch Teil der Ruhigstellung der Unzufriedenen, die sich im abgeschirmten Raum auspowern koennen? Oder doch Sammelbecken und Verstaerker fuer kommende Aktivitaeten?

        Ich denke, ich kann Dich “beruhigen” ;-) Die Mehrzahl der hier schreibenden Autoren (auch ich bin einer davon) ist mir persönlich bekannt und engagiert sich auch anderweitig, in zum Teil sehr konkreten Projekten. Es handelt sich hier also nicht um ein “soziales Placebo”, sondern um ein zusätzliches Angebot zur Information und Diskussion und – wenn Du so willst – ein “Sammelbecken”. Wenn das der Hausherr auch selbst wieder anders sehen mag – *ich* sehe das so und wäre sonst nicht dabei.

    21. Lazarus09 schrieb am 8. April 2011 at 19:00 - Permalink

      Deutsche Soldaten sollen Humanitaere Hilfe fuer Libyen leisten … der Landser soll aber nicht aktiv ins Kriegsgeschehen eingreifen ..

      Eierkurs der besten Regierung aller Zeiten…. as usual
      Die Abnicker der Einheitspartei CDUSPDFDPGRUENE haben erwartungsgemaess vorab zugestimmt
      Guy d’Eau sagt das ist kein Kriegseisatz ( wo haben wir das schon mal gehoert ? )
      de Maiziere will Kampfhandlungen nicht gaenzlich ausschliessen

      Grade hier im N24 gesehen ..

      Mal gespannt ab wann wir im sprichwoertlichen Krieg mit Libyen sind … Die verfassung ist das Papier nicht mehr wert..

      • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 19:20 - Permalink

        Und was hat das mit dem Thema zu tun?

      • Ko-Mike schrieb am 8. April 2011 at 19:43 - Permalink

        Wegen dir habe ich mich auch noch im Internet verirrt.
        Auf diese Nachricht warte ich seit Tagen/Wochen, da ich die Überraschung in des deutschten Michels Gesicht nicht verpassen möchte. Danke dir jedenfalls schonmal für den Hinweis. Ab heute werde ich den deutschen Michel verfolgen und auf eine winzige erstaunte Erregung in seiner Mimik warten. Ich schreib euch dann wieder. Lasst mir nur ein paar Jahre, denn solange dauert’s, bis der deutsche Michel dort Krieg sieht, wo Krieg ist.

        Ich lass es mal so stehen:

        Deutschland wird aktiv

        Während die Nato versehentlich Rebellen in Libyen bombardierte, bekräftigten sich die Gerüchte um das Mitwirken von deutschen Truppen. Die Bundesregierung wäre zu einem humanitären Einsatz bereit.

        (Quelle: n24)

        Aber keine Angst! Tomb Raider kommt auch zur Hilfe!
        Na, dann ist ja alles heile Welt!

      • Frank Benedikt schrieb am 9. April 2011 at 09:32 - Permalink

        [ot]: Warum kommt mir jetzt gerade der Film “Humanes Töten” von Trini und Muscha in den Sinn?

    22. Lazarus09 schrieb am 8. April 2011 at 19:22 - Permalink

      Markus Weber

      Empört Euch! ;-)

      666

      • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 19:27 - Permalink

        Aber zumindest hat es die Bundesregierung so geschafft, sich es nun wirklich sowohl mit Befürwortern als auch mit Gegnern einer deutschen Teilnahme am Libyen-Einsatz zu verderben.

        • Lazarus09 schrieb am 8. April 2011 at 19:33 - Permalink

          Stimmt .. das stört da aber auch keinen mehr ,denn ist der Ruf erst ruiniert … ;-)

          Die beste Regierung aller Zeiten ist eben massiv Meinungsresistent ..

      • carlo schrieb am 8. April 2011 at 19:36 - Permalink

        Richtig so Lazarus! Mehr noch….Generalstreik vorbereiten und organisieren, wird wohl 2 Jahre dauern.
        Zur Sache kann ich aktuell nur zur Kriegsdienstverweigerung bzw. der Entfernung von der Truppe aufrufen. ;-)
        Nebenbei ein kleiner Vorschlag zur Lektüre: Der andere Fortschritt von Oskar Lafontaine, leider nur noch antiquarisch zu erhalten.
        Hier noch etwas von Oskars Freund: Tomi Ungerer im Gespräch für Europa…..auch nur noch antiquarisch mit etwas Glück verfügbar. Einfach Spitze wie locker der Tomi schnell machbare gesellschaftliche Veränderungen erklärt.

        • Frank Benedikt schrieb am 9. April 2011 at 09:35 - Permalink

          Nur zwei Jahre, lieber Carlo? Vergiß nicht, daß wir “Linke” sind – und politische Streiks in Deutschland verboten. Da wird es wohl eher fünf Jahre Minimum kosten, bis “wir” stark und entschlossen genug sind, unser “Nein” auch massenhaft mit zivilem Ungehorsam zu unterstreichen.

          • carlo schrieb am 10. April 2011 at 17:12 - Permalink

            Frank, die Vorbereitungen zu Genua haben auch zwei Jahre gedauert, das ist vergleichbar. Andererseits hast Du recht, die Einübung des Ungehorsams kann für die Teutonen noch viel länger dauern.
            Schreib doch mal einen Artikel oder auch meinetwegen ein Buch mit dem Titel: Lernziel Ungehorsam..;-)

    23. Schierke-Nee-Sama schrieb am 8. April 2011 at 20:08 - Permalink

      Der Schluss, in dem Hessel zu „einem wirklichen, friedlichen Aufstand gegen die Massenkommunikationsmittel, die unserer Jugend keine andere Perspektive bieten als den Massenkonsum, die Verachtung der Schwächsten und der Kultur, den allgemeinen Gedächtnisschwund und die maßlose Konkurrenz aller gegen alle“ aufruft, wirkt dann doch sehr engsichtig – er verwechselt ein bloßes Mittel mit der eigentlichen Ursache – und zudem überaus anachronistisch.

      HoHo … das klingt ja fast nach dem Bruder Albrecht Müllers im Geiste !
      Der hat dieselbe Verachtung für die Jugend und deren Konsumverhalten inne ~ seien es “Gewaltspiele” oder alles was nicht “öffentlich-rechtlich” ist.
      Superkauzig ! ( ̄ー ̄)

    24. Hermelin Morgentau schrieb am 8. April 2011 at 20:32 - Permalink

      Wie kann ein einzelner, in diesem Fall ein Author, gegen die umfassenden und bald mehr als 30 Jahre andauernde Neoliberal indoktrinierte Fehlentwicklung mit Argumenten ja sogar Lösungen ankommen? Unmöglich, weil das in einem Band nicht bewerkstelligt werden kann. Macht man sich mal bewusst das eigentlich kein Zivilgesellschaftlicher Bereich (ausser einer handvoll Verlustebringender) ausgelassen wurde.

      Es müste ja schon fast für jeden Bereich ein eigenes Bändchen publiziert werden. Gut ist sicher, das das Büchlein relativ einfach gehalten wurde so das der Inhalt auch einer weniger hinterfragenden gruppe von mitmenschen zugänglich ist.

      Die Umgestaltung der Gesellschaften beinahe aller Länder ist so dermassen umfassend und langandauernd das bereits 1 Generation unter dieser Menschenverachtenden Ideologie aufgewachsen ist. Wie sollen die noch vergleichen können was den nun tatsächlich Sache ist, zumal ja selbst die Bildungssysteme ideologisch unterwandert sind indem etwa Unternehnsverbände das Unterrichtamateriel stellen?

      Noch pervertierte wird das ganze wenn eben diese ausschliesslich Partikularinteressen bedienenden Verbände mit freundlicher Grimasse finanzielle Hilfe für die zuvor systematsich ausgetrockneten Bildungssysteme leisten.

      Die Medien helfen leider auch noch intensiv mit weil diese Profite generieren müssen und das ist nun mal per se “der Wahrheit” eher abträglich. Besser wären wohl gemeinschafltich finanzierte Informationssysteme…. Das letzte Opfer ist etwa die Frankfurter Rundschaue welche kritische Artikel publizierte. Eine kritische Stimme weniger…

      Das klingt jetzt (noch) ein bischen zu fantastich, aber viele Zivilgesellschaften steuern auf Neofeudale Strukturen zu, was bedeutet das einstige demokratische Mitspracherechte durch Privatrechtliche Willkür ersetzt wird… das wird sie übrigens in vielen Lebensbereichen heute schon. Stück für Stück… das Patentrecht und Urheberrecht a la TRIPS, ein WTO Derivat, ist eines der Beispiele wie die Zivilgesellschaften einzig dazu benutzt werden die Ansprüche der Investoren zu befriedigen.

      Alle anderen Ansprüche interessieren nicht wirklich und werden eliminiert sobal dies politisch machbar ist. Stück für Stück, Tag für Tag, Jahr für Jahr… Wir sind schon soweit das wir beim Thema Bankrotte Nationen und Umschuldung Ja/Nein den Heuschrecken ihre Rechte zugestehen wärend wir gleichzeitig über angeblich faule Griechen, Portugiesen usw. herziehen.
      …

    25. Lazarus09 schrieb am 8. April 2011 at 20:57 - Permalink

      @Hermelin Morgentau

      Frankfurter Rundschaue welche kritische Artikel publizierte. Eine kritische Stimme weniger…

      Oh ja … mir klingelt die Kritik an der Schroederschen Agenda 2010 noch in den Ohren ..
      willst du uns verarschen ?

      • Hermelin Morgentau schrieb am 9. April 2011 at 07:53 - Permalink

        Was willst Du hören? Das ich hier Revolutionäre Schriften erwähne oder solche die doch noch von mehr als nur ein paar hundert Fans gelesen werden?

        Mir geht es hier um die “Massenpublikationen” die nach wie vor die Mehrheiten erreichen, bilden und beeinflussen…

    26. berti schrieb am 8. April 2011 at 20:58 - Permalink

      Stéphane Hessel/ Klaus von Dohnanyi in der Beckmann-Sendung vom 21.2…einfach einmal anschauen, weil man(n) zwei gegensätzliche Weltbilder nicht besser hätte dokumentieren können. Dem »konservativen Sozialdemokraten« Klaus von Dohnanyi passte es sichtlich nicht, welcher Enthusiasmus/Begeisterung dem Autor Stéphane Hessel für das Buch »Empört euch!« Hunderttausende von Menschen zuflogen. K. v. D. war säuerlich gestimmt und in Gedanken und Gefühlen erschreckend gealtert. Nicht empören solle man sich, sagte er, sondern sich engagieren für eine SPD, die Mitglieder und Wähler seit langem abschreckt.
      Zu beidem hat er – nicht erst in dieser Talkshow – eifrig beigetragen: sich engagierend und andere vergraulend. Erinnert sei an seine Attacken gegen die hessische Wahlsiegerin Andrea Ypsilanti mit dem Schlachtruf: »Jede Koalition mit der Linken ist ein Fehler.« Lieber solidarisiert er sich voller Verve mit Thilo Sarrazin: In der Süddeutschen Zeitung vom 5. 9. 2010 verkündete Dohnanyi: »Aus keiner europäischen Linkspartei würde Sarrazin wegen dieses Buches ausgeschlossen. Wenn die SPD ihn ausschließen will, stehe ich bereit, ihn vor der Schiedskommission zu verteidigen. Einen fairen Prozeß wird es ja wohl noch geben.
      Weil Hessel zum Glück noch am Leben ist, reagierte der Antifaschist, Antirassist, KZ-Häftling und gelernte Diplomat unbeirrt mit französischem Charme auf die Attacken seines Diskussionspartners: Er bleibt Sozialist, sucht neue Lösungen, um aus der desaströsen ökologischen und kulturellen Situation, die eine Mehrheit der Gesellschaft plage, herauszufinden. Es gilt, gegen »die Diktatur des Finanzkapitals« aufzustehen, aus dem Wut-Bürger muß ein Mut-Bürger werden.
      In Frankreich fand Hessel Riesen-Resonanz. Doch was Dohnanyi betrifft, hatte der Zuschauer in der Beckmann-Sendung den Eindruck, Hessel werfe seine Perlen vor die Säue ,denn gewiß wird aus Klaus von Dohnanyi nie und nimmer ein Kämpfer gegen die Diktatur des Finanzkapitals.
      Im Gegenteil.
      »Laut Artikel 20 des Grundgesetzes ist die Bundesrepublik Deutschland ein Sozialstaat, aber laut Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dem prompt viele Politiker nachschwätzen, ist der Sozialstaat ›nicht mehr finanzierbar‹ – als wäre die Bundesrepublik seit ihrer Gründung immer ärmer geworden. Der mächtige Bundesverband des Groß- und Außenhandels forderte die Streichung von Artikeln, die den Bund unter anderem verpflichten, zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse beizutragen. Der SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi warb für eine ›Ökonomisierung der Verfassung‹.«
      Da haben wir K. v. D., wie er leibt und lebt, das zeigt den fundamentalen Unterschied zwischen ihm und dem jüdischen Résistance-Kämpfer, dem noch in seinem 93. Lebensjahr unermüdlichen Menschenrechtsaktivisten Stéphane Hessel. Kalendarisch ist der 1928 geborene Dohnanyi um einiges jünger, das nutzt aber nichts, er ist so reaktionär wie miesepetrig, sein Favorit Sarrazin desgleichen.
      Bewundernswert, wie Hessel das TV mit Dohnanyi durchstand. Ein Grund lag wohl in der hohen Wertschätzung, die er für Hans von Dohnanyi, den 1944 von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfer, empfindet. Als von ihm gesprochen wurde, sagte der Sohn: »Eigentlich hätte mein Vater statt meiner hier sitzen und mit Ihnen diskutieren sollen, Stéphane Hessel.« Da konnte man ihm doch mal zustimmen.

      • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 21:11 - Permalink

        Na wir wollen doch auch nicht noch hier palgiieren. ;-)
        Der Text des Kommentares stammt von http://www.ossietzky.net/6-2011&textfile=1367

        • Peleo schrieb am 8. April 2011 at 21:26 - Permalink

          Selbst Gutti hat´s jetzt amtlich, dass er absichtlich abgeschrieben hat :)

    27. Lazarus09 schrieb am 8. April 2011 at 21:36 - Permalink

      Den Mann mit den vielen Vornamen ficht das aber nicht an … Als echter Realitaetsverweigerer sieht er sich noch immer als Opfer linker agitation .. Muhahaa
      Und Mutti hat auch umgehend Absolution gegeben…!!

      Nicht zu vergessen : Wenn die Muenz’ im Beutel klingt ,die Seele in den Himmel springt !!

      • Markus Weber schrieb am 8. April 2011 at 21:58 - Permalink

        Und er wehrt sich sogar juristisch gegen die Veröffentlichung des Bericht. Von wegen “alles zur Aufklärung beitragen” und so

        • Lazarus09 schrieb am 8. April 2011 at 23:15 - Permalink

          Also Markus, spatestens seit der brutalstmoeglichen (Koch) und der lueckenlosen (Kohl) wissen wir ,was wir zu erwarten haben wenn die “Eliten” von Aufklaerung sprechen :-D ….

    28. dagon1923 schrieb am 9. April 2011 at 03:28 - Permalink

      Das ist doch alles linker Scheiß!

      Bevor man sich als deutscher Arbeiternehmer einfach mal so aus der Hüfte heraus empört, muß man zuersteinmal die Gesamtsituation begriffen haben!

      Und da hilft einem kein Stephane Hessel, kein andorrianisches Kollektiv und auch keine Naomi Klein!

      Man muß nur verstehen, daß der chinesische Arbeiter der Feind ist!

      Wenn man dann verstanden hat, warum das so ist, kann man sich auch über alles andere (Umwelt und so’n Zeugs) Gedanken machen!

      MfG,
      dagon1923.

      P.S.: Vllt. kommt man dann ja zu der Einsicht, daß der chinesische Arbeiter nur solange als der Feind zu gelten hat, wie man den deutschen Kapitalisten, als seinen Freund (oder Verbündeten) betrachtet.

      Nein, das war jetzt nicht die vollständige Erklärung, die ist wesentlich komplexer!

      Da die Begriffe Gier, Neid, Habsucht, Mismanagement, Finanzwirtschaft, System- oder Marktversagen, Gott, Tugendhaftigkeit, Wertorientierung, Empörung, Naturverbundenheit (oder ihr Fehlen) in dieser Erklärung nichts zu suchen haben, ist dem durchschnittlichen deutschen Videospieler auch nicht ernsthaft anzuraten, sich vorschnell zu empören – insofern hat M. Hessel durchaus Recht.

      • Frank Benedikt schrieb am 9. April 2011 at 10:07 - Permalink

        Na, Du hättest aber auch besser “zum Punkt” finden können :-D

    29. Natalie schrieb am 9. April 2011 at 10:55 - Permalink

      ….. ✈ █ █ 9/11 WAS AN INSIDE JOB !
      Der 11. September war ein Angriff unter falscher Flagge!
      Seit diesem Tag an ist die Welt nicht mehr wie sie war!
      Informiert Euch!
      Gebt Euer Wissen weiter! Klärt Eure Mitmenschen auf! Empört Euch endlich!

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      █▄█▄█▄█▄█\ . . . . █▄█▄█▄█▄█\ . . 11.
      █▄█▄█▄█▄█\ . . . . █▄█▄█▄█▄█\…..SEPTEMBER WAR
      █▄█▄█▄█▄█\ . . . . █▄█▄█▄█▄█\ . . .EIN
      █▄█▄█▄█▄█\ . . . . █▄█▄█▄█▄█\ . . ANGRIFF
      █▄█▄█▄█▄█\ . . . . █▄█▄█▄█▄█\ ….UNTER
      █▄█▄█▄█▄█\ . . . . █▄█▄█▄█▄█\. . .FALSCHER
      █▄█▄█▄█▄█\ . . . . █▄█▄█▄█▄█\. …FLAGGE !
      ███ . . . . ███. . .. . ███ . . . . ███

      • Lazarus09 schrieb am 9. April 2011 at 13:10 - Permalink

        Selbst wenn du das lückenlos beweisen könntest..was wahrscheinlich mit einem bisschen gutem Willen machbar währe ,würde es dir niemand glauben .. wir leben hinter den Mauern der Klapsmühle: “Herr Doktor ich bin nicht verrückt ..!” -”Ja ja .. das sagen die hier alle ,ausserdem nennen sie mich nicht Doktor ..”

        Weil nicht sein kann was nicht sein darf !

        Wer glaubt nicht, das die Polizisten stehts die Guten sind ?
        Der Staat nur unser bestes will ?
        Wir die Guten im sprichwörtlichen Krig in Afghanistan sind ?
        Bei der Bankenrettung haupsächlich Omis Sparstrumpf gerettet wird ?
        Der Euro in höchster Gefahr schwebt ?
        etc…

        Sind nicht wir die Guten .. ? Sind nicht alle Arbeitslosen faul,saufen morgens Bier und qualmen 60 Zigaretten am Tag während ihre vielen Kinder die sie nur des Kindergeldes wegen haben hungern ?
        Sehen wir nicht jeden Tag diesen Abschaum .. Mietnormaden,Faullenzer,Überversorgte Rentner die unsere Eliten und den Staat aussaugen ?

        Wie oft soll es euch das regierungsamtliche Zentralorgan noch versuchen begreiflich zu machen ?

        Empört Euch!

        666

      • Markus Weber schrieb am 9. April 2011 at 13:40 - Permalink

        Ich hoffe mal, das soll Satire sein …

        • Lazarus09 schrieb am 9. April 2011 at 14:28 - Permalink

          Hey… wer mich kennt, weis das daß Satire ist ;-)
          War die denn so gut versteckt ?

          • Markus Weber schrieb am 9. April 2011 at 14:38 - Permalink

            Ne, das war an Natalie gerichtet

            • Lazarus09 schrieb am 9. April 2011 at 15:10 - Permalink

              Zu früh gebellt ;-) Muhahaa

        • Natalie schrieb am 9. April 2011 at 15:21 - Permalink

          Hallo Markus,

          ja, natürlich, Satire! Wobei die Realität sooft die Satire übertrifft.

    30. klopskalle schrieb am 10. April 2011 at 14:29 - Permalink

      “Empört Euch!” – Ich nehm’ den Autor beim Wort und verlange vom Verlag die 4 Euro zurück, die mich dieses inhaltslose Traktat gekostet hat.

    31. carlo schrieb am 11. April 2011 at 01:13 - Permalink

      Mal ganz nebenbei bemerkt: Gibt es eigentlich eine Übersetzung von “Empört Euch” ins türkische? Wenn nicht, sollte das aber mal ganz schnell geschehen.

    32. Mario schrieb am 11. April 2011 at 23:22 - Permalink

      Sinnvoll wäre es für die Jugend endlich aus diesem dummen Rechts/Links Mist rauszukommen.
      Im Jahre 2011 sollten wir doch alle gelernt haben wohin beide Ideologien führen und das sie im Endeffekt nur Spiegelbilder sind.(Du bist ein neoliberaler Faschist/Du bist ein sozialistischer Gutmensch) Deutschland ist noch ein Sonderfall, weil bei uns Links mit Gut gleichgesetzt wird, andere Länder sind dort freier. Da sind sowohl Linke und Rechte öffentlich radikaler ohne das sofort Nationalsozialismus oder Kommunismus geschaffen wird.

      Fast alles in den Medien ist ideologisch verseucht, Neutralität sucht man vergebens. Folge sind Menschen, die sich komplett lossagen oder politisch radikalisiert werden. Entweder mit Baseballschläger Ausländer jagen oder Molotowcocktails auf Bullen schmeißen. In den allermeisten Fällen zum Glück nur verbal.

      Dieser winzige Flyer wird auch nichts ändern. Da sind die meisten Aufkleber an Heckscheiben politisch informativer und tiefsinniger.


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