Unterwegs im Augiasstall
geschrieben am 26. Juni 2009 von Spiegelfechter
Die Bankenlobby will sich vom Weißen Haus nicht ins Geschirr nehmen lassen und wehrt sich gegen Obamas “White Paper”. Auch die Republikaner setzen auf Widerstand
Sage mir, wer dich kritisiert, und ich sage dir, was du richtig gemacht hast. Wie kaum anders zu erwarten, stoßen Barack Obamas Pläne für mehr Regulierung der Finanzmärkte sowohl bei deren Akteuren selbst als auch der politischen Konkurrenz auf harsche Ablehnung. Der Kampf gegen das, was Horst Köhler einmal das ?Monster der Finanzmärkte? nannte, wird für Obama zur Herkulesaufgabe. Noch vor wenigen Monaten stand das internationale Bankensystem kurz vor der Kernschmelze. Billionen Dollar wurden weltweit zur Rettung von Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften eingesetzt ? wie hoch der Schaden für den Steuerzahler sein kann, wenn eines Tages die Endabrechnung präsentiert wird, ist nicht im Geringsten abzusehen.
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vor einigen Tagen hat sich Georg Schramm zu dem Thema geäußert. Und sehr schön auf den Punkt gebracht, zu sehen ist auf youtube:
Wie Joseph Stiglitz in seinem letzten Artikel “Sozialismus für Reiche” auf http://www.project-syndicate.org/series/11/description geschrieben hat, hat Obama und seine Administration die Rettung von Bankern und Aktionären mit der Rettung der Banken verwechselt.
Also die Strategie der Finanzhassardeure, auf ihre Rettung zu pokern, ist voll aufgegangen – die Abermilliarden sind von Steuerzahlern in ihre Taschen gewandert und alle angerichtete Schäden übernimmt der Staat also der dumme Steuerzahler. Und sie werden daher den Teufel tun, um nichts an dem System zu ändern oder ändern zu lassen – die Mittel dafür haben sie ja. Wie es aussieht, geht die Plünderungsrally trotz heldenhaften Posen und Phrasen der Finanzlakeien von der Politik munter weiter bis das ganze System endgültig gegen Wand gefahren wird.
Hierzulande oder sonstwo bei US-Vasallen seht es keinen Deut besser aus. Notfalls werden Brot und Wasser höher besteuert, um das Finanzkasino am Leben zu halten – die braven CDU-ler machen’s schon deutlich, wo der Hase lang läuft. Sachzwänge, wie es so schön bei selbsternannten Rettern heißt.
Also machen wir uns mal auf einiges gefasst.
@COPOKA
Guter Artikel, sogar in German (für Leute wie mich). Wenn ein Nobelpreisträger solche Dinge schreibt wird es vielleicht ernster genommen, als wenn es ein Georg Schramm sagt. Beängstigend das Ganze! Die nächsten Jahre werden sehr spannend!
Dass die Banken jetzt aufheulen und meckern, ist doch alles abgesprochen und gespielt. Die großen Banken haben doch das Sagen bei der FED. Für die Öffentlichkeit soll es so aussehen, als ob Obama die Banken jetzt in ihre Schranken weist und der Finanzmarkt wieder im Griff ist. Das ist natürlich eine große Farce, aber es wirkt ja scheinbar.
Frei nach dem Motto: Die beste Opposition ist die, die du selbst erfunden hast.
hier mal ein nettes Video
Kucinich grills Ken Lewis on Fed Emails
http://www.youtube.com/watch?v=Hro6tyGr5N0
mögen sie nur alle so gegrillt werden!
@Michael Mugge:
“Dass die Banken jetzt aufheulen und meckern, ist doch alles abgesprochen und gespielt. Die großen Banken haben doch das Sagen bei der FED. Für die Öffentlichkeit soll es so aussehen, als ob Obama die Banken jetzt in ihre Schranken weist und der Finanzmarkt wieder im Griff ist. Das ist natürlich eine große Farce, aber es wirkt ja scheinbar.”
Aber warum weist der Spiegelfechter dann nicht darauf hin? Ist der SF etwa selbst mit den herrschenden Klassen um Obama verflochten? Ich hätte gerne eine Antwort auf die Fragen.
Das könnte daher rühren, dass der Spiegelfechter in diesem Fall anderer Meinung ist, liebes Peterchen :-).
Ich finde es irgendwie komisch, dass Blogs wie SF oder Nachdenkseiten noch erstaunlich milde mit Obama umgehen, obwohl doch schon offensichtlich ist, dass Obama viele Böcke zu Gärtnern machen möchte…
@peterchen
Ich weiß zwar nicht, was genau Obama möchte. Doch könnte es nicht auch so sein, dass er zwar einen Wechsel möchte, ihn jedoch nicht (so) durchführen kann, weil ihm ein unausschlagbares “Angebot” unterbreitet worden ist?
OT:
Was hat eigentlich der Schramm mit seinem rechten Arm? Ist der steif?
@Peterchen:
Jop, da habe ich eine ähnliche Meinung wie du, ich denke aber, dass sich das bald noch klarer herauskristallisieren wird und nur noch die Jubelperser-Medien weiterhin an der Messias-Stellung festhalten werden.
@Phil
Nur wenn er als Lothar Dombrowski auftritt, als Oberstleutnant Sanftleben (genial übrigens der Dialog mit Alexander Kluge bei News & Stories) bspw. ist der Arm wieder funktionstüchtig.
und noch ein video, könnte ja sein interessiert hier irgendjemand…
Kucinich and Jordan on Bernanke Hearing
Sehr interessantes Video.
Da wird ja auch schön klar, dass die FED Bescheid wusste, aber nichts unternahm und genau diese Einrichtung soll jetzt für die Oberaufsicht sorgen? Guter Witz.
@12
hey, du kennst den Gentleman aus Ohio wohl noch nicht! Der Mann ist Grillmeister! (see video above…;-)
@Phil:
“Ich weiß zwar nicht, was genau Obama möchte. Doch könnte es nicht auch so sein, dass er zwar einen Wechsel möchte, ihn jedoch nicht (so) durchführen kann, weil ihm ein unausschlagbares ?Angebot? unterbreitet worden ist?”
Dann wäre bewiesen, dass Obama eine rückratlose Marionette ist, die man mit “Angeboten” (oder wie auch immer das abläuft) steuern/lenken kann!
@peterchen:
nun, wenn man tot ist, kann man auch so viel ändern. Vllt. wartet er eine bessere Gelegenheit ab. Oder aber wir sind wohl den größten Wahlversprecher hereingefallen, ich weiß es leider nicht.
@michael:
Danke, ich seh das nicht so oft.
@peterchen
Politik ist nun einmal die Kunst des Möglichen. Im Rahmen des Möglichen macht Obama seine Aufgabe mE sehr gut. Wer Unmögliches erwartet hat, ist sicher enttäuscht – aber dafür kann der Herr in Washington nichts. Die Gesellschaft ist nun einmal ein sehr komplexes System. Da kann man nicht einfach wie die gute Fee von heute auf morgen eine andere, neue, bessere Welt zaubern. Was man machen kann, ist vorsichtig Stellhebel zu betätigen und zu schauen, was passiert. Das ist Politik.
@Michael Mugge
Ganz genau ;-)
“Politik ist nun einmal die Kunst des Möglichen.”
Ohje! Der Satz könnte auch von einem Joschka Fischer oder Helmut Schmidt (hach, man ja ist ja sooo “pragmatisch”…) stammen. Der watschte ja seine “Fundis” auch damit ab, dass ihre Vorstellungen von Politik alles andere als “möglich” wären. Was für ein ideologischer Unfug. Mit diesem Satz, Jens, stehst du mit einem Bein in T.I.N.A., fällt dir das denn nicht auf??!
Politik ist zuerst einmal der Wille zur Veränderung durch konkretes Handeln (Abstimmungen usw.). Irgendein Vollidiot mit einer PR-Armada kann sich hinterher immer hinstellen und rausreden und sagen, er hätte ja nicht die Möglichkeiten gehabt usw.
@peterchen
Der Satz ist mW von Bismarck ;-)
Mit TINA hat das nichts zu tun – und dein Wille zur Veränderung durch konkretes Handeln setzt entweder einen omnipotenten Alleinherrscher voraus oder Teilhaber an der Macht, die sich tatsächlich durch Argumente überzeugen lassen. Beides ist in westlichen Demokratien nun einmal nicht gegeben, daher muss man Kompromisse schließen. Das ist nun einmal der Nachteil von Demokratie. Alternativen gibt es zuhauf, darum geht es nicht.
@5 Geheimrätin
Danke für den Youtube-Verweis u. die
zusätzliche Info @11
Gilt ebenso für Gebintit’s Verweis auf den empfehlenswerten
Stiglitz Artikel. Solcherart Verweise werten für mich
diesen Kommentarbereich immer wieder erheblich auf.
Ein Chapeau für die “comentadore” ist auch mal angebracht!
off topic?
@19 SF
…hmmm
gegen die unerwünschten Alternativen schreibt der
SF stetig und beharrlich an, dafür meinen ausdrücklichen Dank!
Ohne jeden Hintergedanke oder den Herrn J. Berger je auf’s
“Glatteis” führen zu wollen, erlaube ich mir die Frage welches die
erwünschten Alternativen des SF wären…
…oder überlese ich in meiner Unbedarftheit hier wesentliches???
[s. v. b. e.]
…Antwort nicht unbedingt erforderlich…
…Frage erledigt sich eventuell manu propria…
…salvo errore…
…ein Leser
[e.v.]
@nescio quis
Der Link-Tipp stammte ja von COPOKA, voller Glück stellte ich fest, dass die interessanten Artikel in versch. Sprachen angeboten werden. Latein fehlt allerdings ;-) .
Mich beunruhigt es aber schon ziemlich, dass selbst diese Nobelpreisträger der Sache nicht ganz trauen. Ist das ganze politische Handeln der Gegenwart womöglich nur das, was Sloterdijk so schön “Kollapsverzögerung in gierdynamischen Systemen” nennt?
@nescio quis
Eigentlich liefere ich öfters Alternativvorschläge in meinen Artikeln, die sicherlich nicht komplett utopisch und nicht konsensfähig sind. Das wären somit “erwünschte Alternativen”. Oder was meinst Du?
…in Eile,ebendrum ein Umweg.
@21 Gebintit & COPOKA
Pardon COPOKA!
Der Artikel war mir als “project-syndicat” Leser bekannt,
und es hat mich gefreut diesen Verweis hier vorzufinden.
COPOKA’s Verweis ging in guter Absicht auf Stiglitz Artikelübersicht
in englischer Sprache – empfehlenswert! Bevorzugt lese ich Artikel
in der Originalsprache und mache leider oft genug den Fehler,
auf vorhandene Übersetzungen nicht hinzuweisen. Gebintit’s nochmaliger
Verweis auf die deutschsprachige Version fand ich deshalb gut.
Stiglitz ruhige u. unprätentiöse Art ist mir sehr sympathisch.
Ehre wem Ehre gebührt – Euch Beiden!
“Unruhe im Kristallpalast” werde ich mir noch in Ruhe durchlesen – Danke.
…das mit dem Latein, keine Sorge, ich werd’s nicht übertreiben.
In der Schule habe ich leider nur zwei Dinge gelernt: Latein u. Lügen.
Beides habe ich gleichermaßen verabscheut, wobei mir Ersteres im
späteren Leben doch sehr nützlich war und mir auf die alten Tage als
kleine Marotte geblieben ist.
Letzteres verabscheue ich heute noch im gleichen Maße wie seiner Zeiten.
@ Georg Schramm Fans
…der gefällt mir zunehmend besser! [Carlin'sches Format ohne F*** word?]
bevor gänzlich ot
@SF
…ist mir keineswegs entgangen!…werde mich auch weiterhin “eigenhändig”
bemühen.[s. italic @20]
satisfacere momo…den Nörgler befriedigen ist nicht immer leicht, es war auch
nicht in diesem Sinne gemeint, eher mein bescheidener Wunsch ebensolche “Alternativen”
keineswegs zu vernachlässigen.
Genug des Salbei’s —> “le cheval de Pacolet” wartet… salü n.q.
@ Gebintit
Ich halte nicht sonderlich viel von Sloterdijk’s Plaudereien – die sind zwar i.a. nicht falsch, meist aber viel zu abstrakt um konstruktiv oder überhaupt hilfreich zu sein. Womit er allerdings goldrichtig liegt – “Wenn Sie die zeitgenössische Literatur überblicken und in den Zeitungen der vergangenen zehn Jahre blättern, sehen Sie: Es gibt sehr viele, die den Inflationsschwindel bemerkt hatten und jetzt, übrigens bemerkenswert untriumphal, feststellen, sie hätten seit Jahren vorhergesagt, was aktuell geschieht.”
Na ja, mit Voraussagen an sich ist es keine Höchstleistung, mit Hintergründen des Unvermeidlichen ist allerdings viel schwieriger und gar nicht so offensichtlich. Es wäre allerdings interessant zu untersuchen, wie kommt es nun dazu, dass die “aufgeklärte westliche Gesellschaft” (vulgo das Volk) mit all den urbanen Mythen, Legenden und Illusionen, mit denen wir tagtäglich konfrontiert werden, sich derart verschaukeln und verarschen lässt. Es wäre auch höchstspanned gewesen es aus massenpsychologischer und soziologischer Sicht zu beleuchten, warum die oben erwähnten Autoren von der Gesellschaft gar nicht gehört werden möchten. Das ist aber nicht sein Fachgebiet. Und es ist nun müßig, jetzt alles auf die ?eingebetteten Journalisten? zu schieben. So einfach ist die Welt nun auch nicht.
Und wenn der Herr konkreter wird, so wie jüngst vor einigen Wochen in der FAZ: http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E3E570BE344824089B6549A8283A0933B~ATpl~Epalmversion~Scontent.html , so kommt von ihm schon ziemliches Gaga. Der liegt zwar mit seiner These nicht ganz falsch – so kann man es auch sehen, falsch ist aber, den Staat in dieser Betrachtung nur darauf zu reduzieren. Es ist eine erschreckend verengte und ideologisierte Betrachtung der sozialen Realität. Der moderne Staat als Kleptokrat agiert nicht nur – wenn überhaupt – im Interesse der Schwachen. Das ist der Punkt, der als Mindeste in diesem Zusammenhang auch genannt werden müsste.
Als Philosoph täte er gut daran, sich aus der Ökonomie, Finanzen und Staatswesen herauszuhalten – viele Ökonomen machen’s viel besser und sachlicher als er. Der Hofplauderer ist ja auch nur ein eingebetteter Philosoph der Wohlhabenden, die sich gerne Leistungsträger nennen. Nichts neues in der Zunft.
@nescio
Ja, die Übersetzungen auf dem ?project-syndicate? sind nicht selten grausam – ich lese oft deutsche oder russische Übersetzungen, aber in dem Fachgebiet ist English nicht meine erste Wahl. So geht es, wie ich denke, nicht nur mir.
> Ich halte nicht sonderlich viel von Sloterdijk?s Plaudereien – die sind zwar i.a. nicht falsch, meist aber viel zu abstrakt um konstruktiv oder überhaupt hilfreich zu sein.
Schön formuliert: “nicht falsch” und “nicht hilfreich”. :–)
Unglaublich, ihr investiert alle soviel Energie, um eure Meinung kund zutun. Wenn euch allen Tatsaschloch etwas an veraenderung laege, dann wuerdet ihr etwas tun. Im grunde wollen wir doch alle das selbe. Die Menschen, scheint als haettet ihr alle vergessen, das wir als Masse eine unglaubliche macht haben Dinge zu veraendern. Habt ihr Angst ausserhalb dieses Forums eure meinung zu vertretten? Politik kann uns nicht mehr helfen! Die politik scheint uns heut zutage nur noch zulaemen. Denn Rechte sind uns nur wenige geblieben. Hoert auf Zureden und fangt endlich an zu tun. Jeder weißt doch: bellende Hunde beißen nicht.
@26 Ikarus
“Unglaublich, ihr investiert alle soviel Energie, um eure Meinung kund zutun. Wenn euch allen Tatsaschloch etwas an veraenderung laege, dann wuerdet ihr etwas tun.”
Tja, niemand hat Lust sich von der Polizei die Knochen brechen zu lassen. Das hier ist nicht die DDR…unsere Polizei wird nicht zögern gegen “Staatsfeinde” und “Terroristen” vorzugehen…da ist es eben bequemer und vor allen Dingen ungefährlicher, im Internet zu meckern und ansonsten den Kopf unten zu halten!
Vielleicht ändert sich das ja mal, wenn es nicht mehr möglich sein wird, im Netz seine Meinung zu sagen. Unsere Politiker arbeiten da ja schon dran und vielleicht wird dann die Zensur was Gutes tun, indem die Leute dadurch auf die Straße gehen…