Iraks Öl unter dem Hammer
geschrieben am 29. Juni 2009 von Spiegelfechter
Auf viele Amerikaner wirkt das Gebaren der irakischen Regierung wie eine Demütigung. Morgen tritt die erste Stufe des ?Status of Forces Agreement? (SOFA) in Kraft und im Zawra-Park von Bagdad findet die größte Party statt, die das geschundene Land seit langer Zeit gesehen hat. Premier al-Maliki erklärte den morgigen Tag zum nationalen Feiertag und spricht huldvoll von einem ?historischen Sieg?. Morgen muss der Abzug der Amerikaner aus den Städten und Dörfern Iraks abgeschlossen sein und die GIs müssen sich in ihre Militärbasen zurückziehen. Verlassen dürfen sie diese nur, wenn die irakische Regierung dies gestattet ? momentan gestattet sie amerikanischen Soldaten beispielsweise die Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte. Ein glorreicher Sieg für die letzte verbleibende Supermacht sieht anders aus. Der amerikanische Militärradiosender wird zwar morgen nicht ?White Christmas? spielen müssen, aber bis zum Jahresende 2011 wird der Abzug der momentan noch 130.000 GIs abgeschlossen sein, wenn beide Staaten das SOFA einhalten.
Viele Kommentatoren und Analysten sind sich einig ? die USA haben den Irak ?nur? wegen dessen Ölreichtum überfallen und wollten für Big Oil ein Stück vom Kuchen reservieren. Auch bei diesem Kriegsziel war das bisherige Engagement der Amerikaner von Scheitern und Versagen geprägt. Irak verfügt mit 115 Mrd. Barrel Rohöl über gewaltige Reserven ? nur Iran und Saudi-Arabien besitzen noch größere Ölvorräte. Es gibt sogar Studien, nach denen unter irakischem Boden noch wesentlich größere Vorkommen schlummern ? einige Analysten gehen sogar davon aus, dass Irak auf noch mehr Öl sitzt als Saudi-Arabien. Was nützt den Amerikanern allerdings das ganze Öl, wenn sie es nicht fördern dürfen? Das irakische Parlament hat sich bis heute geweigert, ein neues Ölgesetz zu verabschieden, das die Konzessionsvergabe an ausländische Ölfirmen gestattet. Nur die Regionalverwaltung in den halb-autonomen kurdischen Provinzen hat dreißig kleinere Verträge mit ausländischen Firmen abgeschlossen. Diese Verträge sind allerdings nach Lesart der Zentralregierung in Bagdad null und nichtig, weshalb sich an den Ausschreibungen der kurdischen Behörden auch kein größerer Konzern beteiligt hat ? zu groß ist die Angst, es sich mit Bagdad zu verscherzen.
Sämtliches Öl im Süden des Landes wird momentan von staatlichen irakischen Firmen gefördert, es existieren nur zwei gültige Kooperationsverträge mit einer britischen und einer chinesischen Firma, die nur geringe Volumina betreffen und noch aus der Vorkriegszeit datieren. Das Ölministerium wollte ursprünglich, dem saudischen Modell folgend, die gesamte Ölförderung in irakischer Hand behalten und nur projektbezogene Dienstleisterverträge ausstellen. Die Rechnung des Ölministeriums ging jedoch nicht auf. Einerseits hat das Land seit dem Kollaps des Ölpreises im Juli letzten Jahres arge Finanzprobleme und kann die 50 Mrd. US$, die nötig wären, um die Ölförderung zu modernisieren, schlichtweg nicht aufbringen. Andererseits verhindern fehlendes Know-how, Korruption und Missmanagement eine effiziente Förderung. Die Förderquote des Landes dümpelt bei rund 2,3 Mio. Barrel pro Tag vor sich hin, mit sinkender Tendenz. Damit fördert der Nachkriegsirak weniger Öl als zu Saddams Zeiten 2003, als Sanktionen eine größere Förderquote verhinderten.
Um die Förderung zunächst zu stabilisieren und später auch auszuweiten, hat das irakische Ölministerium ? ohne ein Ölgesetz als gesetzliche Grundlage ? sich entschlossen, die Konzessionen für sechs Ölfelder zu versteigern. Sehr zum Missfallen der Ölkonzerne hat man sich allerdings nicht zu einem ?Production Sharing Agreement?, bei dem die ausländischen Konzerne Förderrechte besitzen und den irakischen Staat an den Gewinnen teilhaben lassen, entschlossen, sondern zu technischen Serviceverträgen. Dem ausländischen Partnern wird zwanzig Jahre lang eine fixe Gebühr für deren vertraglich bestimmte Arbeiten zugestanden, während alle Rechte und die Entscheidungshoheit bei den Irakern bleiben. Das Unternehmen, das bei der Versteigerung die niedrigsten Kosten kalkuliert, erhält jeweils den Zuschlag.
Technische Serviceverträge sind gemeinhin unbeliebt ? dabei geht es nicht nur um mangelnde Entscheidungsbefugnisse, es geht auch um Risiken. Glaubt man einigen irakischen Geologen, so befinden sich die Quellen im Süden des Landes in einem desolaten Zustand. Gerüchten zufolge soll der Grundwasseranteil im geförderten Öl sehr hoch sein. Dies kann entweder auf ein baldiges Versiegen hinweisen oder aber ein Anzeichen für grobe Fehler der irakischen Ölfördergesellschaften sein. Im schlimmsten Falle sind die angerichteten Schäden irreversibel. Es ist daher fraglich, ob und mit welchem Mitteleinsatz die ausländischen Ölgesellschaften die vertraglichen Förderquoten überhaupt erreichen können. Die irakische Regierung träumt von einer Gesamtförderung von 6 Mio. Barrel pro Tag ? ob dieses überaus ehrgeizige Ziel überhaupt erreicht werden kann, darf bezweifelt werden.
Obgleich die jetzige Versteigerung den Ölkonzernen wenig Rendite bescheren dürfte, ist das Interesse gewaltig. 120 Unternehmen wollten an der Versteigerung teilnehmen, 35 von ihnen sind nach Auffassung des irakischen Ölministeriums dazu geeignet, die vertraglichen Pflichten auch wahrnehmen zu können. Darunter ist das komplette Who is Who der Ölbranche. Neben den amerikanischen und europäischen Branchenriesen von Big Oil bieten auch die russische Lukoil und die chinesische Sinopec mit, die sich durchaus Hoffnung auf Erfolg machen können. Es ist nämlich anzunehmen, dass es keinen Marktpreis geben wird, sondern dass sich die Bieter in einen ruinösen Wettkampf begeben werden.
Bei der ersten Runde der Versteigerungen geht es nämlich nur um bereits erschlossene Felder, die modernisiert werden sollen. Der ?Hauptpreis? für die Ölkonzerne sind jedoch Explorations- und Förderrechte für bislang noch nicht erschlossene und nicht entdeckte Ölfelder. Wer an diesem Geschäft teilhaben will, muss ? so die Überzeugung von Analysten ? einen Fuß in der Tür haben. Und wer jetzt nicht zum Zuge kommt, wird wahrscheinlich vergeblich vor der Türe warten. Für die Ölkonzerne ist diese Versteigerung daher hochriskant. Es gibt keine rechtlich bindende Regelung, dass die lukrativen Konzessionen überhaupt aus der Hand gegeben werden. Wenn sich das irakische Parlament in nächster Zeit zu einem Ölgesetz durchringen könnte, bei dem es ausländischen Unternehmen verboten wird, Rechte an der Förderung oder gar an den Reserven zu halten, wären die jetzt versteigerten Verträge zwar immer noch gültig, die Chance auf einen Teil vom irakischen Ölkuchen wäre für die Konzerne allerdings passé.
Bislang haben nur Streitigkeiten zwischen den kurdischen, den sunnitischen und den schiitischen Irakis eine Übereinkunft verhindert ? es geht vornehmlich darum, welche Regionen an den Öleinkünften wie beteiligt werden. Die Sunniten, auf deren Gebieten kaum Ölfelder existieren, befürchten übergangen zu werden, während die Kurden ihre Konzessionen gerne selbst verteilen würden. Die Schiiten wiederum würden am liebsten alle Konzessionen zentral verwalten und parlamentarisch über die Verteilung der Gelder entscheiden ? das wundert nicht, schließlich stellen sie nicht nur die Mehrheit der Bevölkerung, sondern auch die Mehrheit der Parlamentarier.
Die für heute angesetzte Versteigerung musste bereits um einen Tag verschoben werden ? Schuld war ein Sandsturm, der einigen Teilnehmern der Versteigerung die Anreise ?verweht? hat. Morgen ? am Nationalfeiertag ? wird die Auktion nun allerdings stattfinden. Wenn nicht Big Oil, sondern die internationale Konkurrenz aus Frankreich, Russland oder China zum Zuge käme, wäre dies für die ?Koalition der Willigen? eine gehörige Ohrfeige. Wer auch immer den Zuschlag erhält ? die Risiken, dass der ?Sieger? keine sprudelnde Quelle mit schwarzem Gold, sondern ein schwarzes Loch für die Konzernfinanzen ersteigert, ist sehr groß. Die Ölfirmen sind Getriebene in einem Wettlauf um die letzten Reserven. Warum lassen sich die Konzerne auf derlei Risiken ein? Larry Goldstein, Direktor der unabhängigen ?Energy Policy Research Foundation? kennt die Antwort: ?Zu fragen, warum Ölfirmen am Irak interessiert sind, ist so, als ob man fragen würde, warum Bankräuber Banken überfallen – weil dort nun einmal das Geld liegt?.
Jens Berger
Hintergrund und Analyse:
Gina Chon – Big Oil ready for big gamble in Iraq
Patrick Cockburn – Who Will Control Iraq’s Oil?
Naswar Alsaadi – Iraqi Oil, Black Gold or Black Hole
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Habe nie verstanden warum Saddam mit seinen Söhnen nicht einen “soliden” islamischen Despotismus eingerichtet hat.
Dann wäre der Mist mit den erdöl-, äh, geilen Amerikanern nicht passiert.
Hätte ruhiger bleiben sollen, andere Despoten haben es vorgemacht.
Dabei galt Saddam lange als talentiert.
ist LUKoil nicht eine AG?
ps.: Konzerbe = Konzerne
@freerk
Das sind Sinopec, Gazprom und Co. auch, nur dass der Staat direkt oder indirekt die Aktienmehrheit hat. LukOil ist übrigens die einzige AG, die weltweit über nennenswerte Reserven verfügt.
Immer wenns um Öl und Irak geht fallen mir immer wieder die Russen ( bzw udssr) ein, einfach nur göttlich wie die die brennenden Ölfelder damals gelöscht haben…
Hab da mal im Museum das “Exponat” und ein Video dazu gesehen… einfach und genial….
man nehme zwei Strahltriebwerke eines Kampfflugzeugs (Mig- / Su ) und schweiße diese an einem Panzer fest…. und das brennende Ölfeld ist ausgepustet wie wenn es blos eine Kerze wäre…..
Das mit dem Öl wurde ja lang und breit während des Krieges verzapft, war aber schon damals nicht wirklich überzeugend. Das das Öl nicht von selbst aus dem Boden fließt, sich in Tankwägen begibt und zum HAfen fährt, hätte ja auch schon damals jedem klar sein können. Dennoch ist es in gewisser Weise verständlich:
Jemand, der einen Krieg wegen Öl (oder Hegemonialbestrebungen) führt, der erscheint noch zumindest vordergründig rational. Kaum aber jemand konnte sich damals vorstellen, das man einen Krieg aus Unfähigkeit, Dummheit und Angst vor der bevorstehenden Impotenz (auf das Land bezogen natürlich) führt, das geht auch heute kaum noch in einen Kopf rein. Und wenn wir dann noch von der Kriegsökonomie anfangen, dann rauchen bei den Plakatehaltern und Internetausdruckern (Ja, DU Ursula!) wirklich die Köpfe.
Dann doch lieber Krieg um Öl. Das versteht jeder (und viele haben damit leider auch gar kein Problem, solange sie selbst das Öl zuhause erwarten können).
Schön mal wieder einen guten Artikel zu lesen der als Original nur beim Spiegelfechter erscheint.
Schlendere seit geraumer Zeit nicht mehr so oft durchs Internet, und es freut mich immer wieder hier zu lesen.
Doch das ganze Bloggen sowie der gesamte Journalismus ansich scheinen in ihrer Berichtserstattung nicht genug zu sein.
Was nützt es schreckliche Fakten immer wieder zu berichten?
Was nützt einfach nur die Berichterstattung ?
Die Berichterstattung ist eigentlich nur ein Werkzeug um etwas darzustellen, und dabei vielleicht auch etwas für die Meinung und Blidung zu tun,
ansonsten macht der Journalismus keine grossen “geistigen” Fortschritte.
Der Journalismus als solches regt keine richtige Diskussion an, sondern befindet sich eigentlich immer eingeschränkt im journalistischen Fokus und dem “On-Topic” Gedanken.
Jegliches Thema das tiefgreifendere Recherche und Denkarbeit erfodert wird als nicht passend zum Thread, oder als zu lästig empfunden.
Die Hauptkonzentration der Intelligenz wird nur auf Recherche und Berichtserstattung gelegt und nicht auf Entwicklung neuer, besserer und möglicher Alternativen.
Tja, man könnte fast meinen der Journalismus lebt davon das es der Welt schlecht geht, ansonsten würde er ja sein “täglich Brot” verlieren.
kleine anmerkung zu lukoil.
ich bin mir ziemlich sicher, dass lukoil nicht staatlich ist. laut wikipedia (ja ok ;) gehört es zum großen teil dem management, und 20% Conoco Philips. da ich aber auch in einem seriösen buch über die entstehung der firma gelesen habe, kann ich hier auch wikipedia vertrauen.
nur weil der staat da “was zu sagen” hat, ist lukoil trotzdem nicht staatlicher als jeder westliche multi. mit rosneft oder gazprom also nicht vergleichbar.
ist jetzt kein vorwurf, aber es war ungewohnt bei dir das klischee “russland, rohstoffe, staat” zu lesen.
im übrigen könnte lukoil auch wirklich zum zuge kommen. die haben schon während der saddam zeit da bischen in der erde gebohrt.
@ 6 Schachspieler
Aber gerade Blogs unterscheiden sich doch in dieser Hinsicht vom klassischen Journalismus. Der Journalismus hat ein einfaches Sender und Empfängermodell etabliert. Der Schreiberling und der Konsument sind die beiden Protagonisten in diesem Trauerspiel.
Der Spiegelfechter ist doch ein Paradebeispiel für eine gelungene Durchbrechung dieses Modells. Einer oder mehrere recherchieren, untersuchen und sammeln Fakten, machen einen Artikel. Dieser Artikel wiederrum wird kommentiert, eventuell mit Fakten angereichert. Der klassische Journalismus wird also an zwei Stellen durchbrochen:
1. Auch die “Konsumenten” können als Schreiber agieren, Fakten beitragen, die eventuell übernommen werden. Sie haben also Einfluss auf das Werk selbst.
2. Der Klassische Journalismus ist größtenteils eine Sache von “Friss oder Stirb!”.
Der Leser bekommt die Info, meist noch mit der MEinung gratis serviert. Er kann sich daraus nur selten eine fundierte MEinung bilden, sieht er doch nur die des Journalisten, der eventuell sowieso schon eine große Menge an Info weggelassen hat (aus welchen Gründen auch immer). Bei einem Blog hingegen kann der Leser diskutieren, Fragen stellen, ANregungen von verschiedenster Seite aufnehmen. Er sieht auch andere MEinungen, die zudem noch in der Diskussion bestehen müssen (Ich selbst sehe das immer wieder an einer guten Freundin, die oft nicht einer Meinung mit mir ist. In der Diskussion kann letztlich nur eine Meinung bestehen, die oft irgendwo zwischen unseren beiden Meinungen liegt. Etwas das in der Diskussion nicht besteht, kann also als fehlerhaft, weil nicht fundiert genug, gedeutet werden.)
Blogs sind, im positiven Sinne, also auch “Instrumente der Meinungsbildung”. Im Gegensatz zu den “klassischen Meinungsbildern” aber wird einem keine Meinung aufgebildet, sondern im Dialog erarbeitet. Es steht eine viel größere Informationsdichte, und Meinungen müssen fundiert sein, sonst können sie nicht bestehen. Das ist für mich das “Wesen” eines Blogs. Deshalb mag ich die Dinger, so auch den Spiegelfechter.
So, und wer mich jetzt naiv nennt, den besuch ich zuhause ;- )
Der Beitrag ist so einseitig, der hätte im normalen Spiegel erscheinen können.
@5
Du glaubst echt, dass da keine wirtschaftlichen Interessen hinterstecken? So naiv kann man doch nicht sein.
Natürlich war das Öl ein Grund für die USA anzugreifen, möglicherweise haben sie nicht mit dem störrischen irakischen Parlament gerechnet. Für Monsanto und Co. haben sie jedenfalls schonmal ordentliche Vorteile in die irakische Verfassung (!) eingebaut, nachzulesen hier
http://umweltinstitut.org/gentechnik/patentierung/usa-im-irak-patente-statt-bomben-201.html
Und ich gehe jede Wette, dass im Irak einer der großen amerikanischen Ölkonzerne den besten Schnitt macht.
Wenn die Amis nicht wegen des Öls im Irak sind, warum liegen die Militärbasen der Amerikaner genau entlang der Ölpipline im Inland? Die Amerikaner kontrollieren den Großteil der Kohle, die mit dem Öl gemacht wird. Nachzusehen hier http://www.youtube.com/watch?v=-xQxSzuHJ88
@Max Krupp
Also so ein naives Verhalten kann ich kaum dulden :-)
Das die Blogs sich von dem klassischen Journalismus weitesgehend entfernt haben, oder “mutiert” sind, mit der Hilfe vom Web, oder sich einfach als journalistische Evolution entpuppt haben, bestreite ich gar nicht.
Auf jedenfall ziehe ich einen Blog mit “aktivem” und “schnellen” Kommentatorbereich einer klassischen Zeitung vor, noch nicht als vollwertigen Ersatz aber in guter Hoffnung.
Für mich hat sich rein Berichterstattungstechnisch der Blog als eine Lieblingsinformatonsquelle etabliert.
Ändert aber nichts daran das dem Blogger das “Berichten” und “Betrachten” an vorderste Front gerückt ist, teilweise ist die “Show” mehr Wert als der Bericht selbst.
Ein Thema das nicht genug “Showefekt ” hat wird oft nicht aufgegriffen.
Im klassischen Journalismus scheint es wirklich nur um die Anzahl der Leserschaft zu gehen und nicht um die eigentlichen Problemzonen.
Die “Blogszene” sollte nicht den gleichen Fehler machen.
Die Blogs unterscheiden sich in ihren jeweiligen Grundideen und “machtpolitischen” Hintergründen, jedoch in einem Punkt scheinen sich alle zu ähneln : Tiefgreifende Gedankenstrukturen, Alternative Lösungen, Kreative Vorschläge scheinen kaum zu entstehen.
Wieso wird in den Blogs nur ein weiterer Blog verlinkt und kein Forum?
Die Blogszene etabliert sich als Blogszene, die Frage wirft sich nur auf wohin sie führen will und die Antwort lautet : Berichterstattung , und nicht “kreative Lösungen”.
Vor dem Blogzeitalter gab es auf gewissen Stellen tiefgreifende Forumsdiskussionen die eigentlich sehr viel Inhalt zu bieten hatten, und Diskussionen wirklich in die Tiefe geführt wurden, jedoch scheint das ganze vom Blog als Instrument verdrängt worden zu sein.
Momentan ist die “News” Szene meiner Meinung nach einer der aktivsten “machtpolitischen” Szenen im Internet.
Es geht leider sehr oft nur um die “NEWS”.
irgendwie liest sich der artikel als wenn es naomi kleins “die schock-strategie” nie gegeben hätte…reichlich naiv und oberflächlich.
hast du das buch denn gelesen, jens?
fakt ist doch: die irakische regierung ist jetzt ein amerikanisches marionetten-regime. und alles was dieses regime erwirtschaftet oder tut, ist von den usa abgesegnet bzw. fließt über drei ecken in die taschen von uncle sam. dein artikel, jens, suggeriert fälschlicherweise so etwas wie einen autonomen staat irak, was aber völlliger mumpitz ist.
@ Michael Mugge
“Der Beitrag ist so einseitig, der hätte im normalen Spiegel erscheinen können.”
Meiner, der vom Berger oder Beide ;- )
Zum Rest:
Wirtschaftliches Interesse ist da so ne Sache. Du musst unterscheiden zwischen kurzfristigem und langfristigem Interesse.
Kurzfristiges Interesse ist den Menschen zu eigen, die gerade mal bis zur nächsten Mahlzeit denken können. Langfristiges geht naturgemäß etwas weiter. Die Bushadm. zählt wohl eindeutig zu ersterer Sorte, wie die meisten MEnschen, auch solche, die an der Spitze größerer Unternehmen stehen. Aber der Punkt mit dem Saatgut ist gut. Ich habe ja auch das wirtschaftliche Interesse nicht verneint, nur das mit dem Öl finde ich zu weit hergeholt.
Die Amerikaner haben durch den Krieg ihre Kriegsökonomie angeworfen, mit Milliardenumsätzen und Gewinnen, speziell für viele der Kriegsbefürworter. Der Krieg selbst ist der Zweck des Krieges, und nicht das Öl. Zudem muss nach dem Krieg (und dem Embargo) im Irak einiges wieder aufgebaut werden. Und na rate mal, wer das Aufbauen, und wer das Zahlen übernimmt (gerne auch in Öl). Aber das die oben erwähnten Gründe, nicht vergessen werden sollten, ist wohl klar. Man sollte nicht alles mit Verschwörungen oder Plänen verwechseln, was eigentlich eher auf Dummheit und Unfähigkeit sowie ein zu großes Ego zurückzuführen ist.
@ 10 Der Schachspieler
Wissen Sie eigentlich, wieviele Millionen mir engangen sind, weil da ein “a” und kein “u” im NAmen steht? Machen Sie sich nur über mich lustig ;- )
Zur Sache:
Zustimmung, aber auch Ablehnung. Ich kenne die alte Forenszene nicht gut, habe aber sowas auch schon von anderer Seite aus gehört. Für mich als Jungspund sind die Blogs schon ziemlich gut und Welten von anderen MEdien entfernt. Natürlich könnte man die Diskussion verbessern, die Leute noch mehr einbinden. Aber da die Blogs so erfolgreich sind, scheint momentan kein weiterer Bedarf zu bestehen. Mal schauen, wie sich die Szene entwickelt. Das oben beschriebene ist leider nicht überall gelebte Praxis. Bin aber eigentlich ganz zufrieden mit.
@ Beide
Firefox verschluckte leider die ursprünglichen, wesentlich längeren Antworten. Bin aber jetzt zu müde und angepisst von Firefox, um weiter zu machen.
also wenn morgen die Versteigerung zu Ende ist, sind wir dann noch schlauer, jetzt wünsch euch allen eine erholsame Nacht :)
“Immer wenns um Öl und Irak geht fallen mir immer wieder die Russen ( bzw udssr) ein, einfach nur göttlich wie die die brennenden Ölfelder damals gelöscht haben?
Hab da mal im Museum das ?Exponat? und ein Video dazu gesehen? einfach und genial?.
man nehme zwei Strahltriebwerke eines Kampfflugzeugs (Mig- / Su ) und schweiße diese an einem Panzer fest?. und das brennende Ölfeld ist ausgepustet wie wenn es blos eine Kerze wäre”
interesting… waren die ungarn;)
oder auch ned…. war Wolfhart Willimczik
http://saturn.spaceports.com/~wolfhart/
awesome read:)
@14…
nein, die Idee haben die doch von den Russen abgekupfert…. die Russen haben wirklich einfach an einen voll funktionsfähigen Panzer lins und recht je 1 Turbine angebracht….. der Geschützturm sowie das Rohr waren am Panzer noch dran.. eben ein ganz regulerer Panzer…
nur halt mit 2 Turbinen links und rechts…..
Zum Thema.. eiegntlich haben doch noch die Russen “alte” Öl-Verträge mit dem Irak, aber die sind woll nix mehr wert… naja die Amis werden das Ergebnis diktieren….
Alleineschon, dass das Treffen um einen Tag verschoben wurde… wer nicht kommt zur rechten Zeit muss schauen was noch übrig bleibt…..
Wie passt diese Aussage
“Wenn nicht Big Oil, sondern die internationale Konkurrenz aus Frankreich, Russland oder China zum Zuge käme, wäre dies für die ?Koalition der Willigen? eine gehörige Ohrfeige.”
eigentlich dazu, dass – wie in diesem Blogeintrag durchgehend nahegelegt – die Amis u.a. den Irak nur deshalb “überfallen” haben, damit es Öl gibt?
Da haperts “ein wenig” mit der Botschaft, lieber SPIEGELFECHTER.
@jamesf
Du hast recht – ich habe mich vertan. Ich werde den Artikel korrigieren.
@Michael Mugge
Natürlich, wenn man aus dem Chor der blökenden Schafe ausbricht, ist man einseitig ;-)
Es wäre ja schön, wenn Du außer der bekannten Rhetorik, die ja hinlänglich bekannt ist, ein paar Fakten einstreuen könntest. Ich nenne im Artikel zig dieser Fakten, die zusammengenommen ein klares Bild abgeben und von allen Energieanalysten auch so gesehen werden.
Aber, da ja hier auch die Meta-Diskussion betrieben wird – als Blogger macht es mir natürlich besonders Spaß, die kognitivien Dissonanzen einiger Leser aufzudecken und dann stecke ich auch gerne “Kritik” ein ;-)
@17 Horscht
Nicht unbedingt. Es war in der Ära Bush klare Ansage, dass vor allem die Unternehmen aus Ländern der Koalition an lukrativen Aufträgen aus dem Irak profitieren sollten, um die Kosten des Kreiges volkswirtschaftlich wenigstens zum Teil wieder reinzuholen.
@wazlaf
aber natürlich – nur lässt sich das Buch auf die irakische Regierungspolitik nun einmal nicht übertragen.
Quo erat demonstrandum? Ich finde diese simplen “Wahrheiten” ja irgendwie amüsant. Es wäre aber der Diskussion nicht eben abträglich, wenn Du Deine “Wahrheiten” auch mit Fakten oder Indizien stützen könntest.
Na dann ist ja gut ;-)
Ich freue mich ausdrücklich über Leser wie Dich – da weiß man doch, dass Aufklärung auch etwas bringen kann und wenn es nur Beschimpfungen sind. Etwas wird schon hängenbleiben und irgendwann wird sich die Erkenntnis auch setzen ;-)
@ 17
Glaubst Du, das Amerikanische Ölkonzerne erster Ansprechpartner Saddams für die Vergabe der, lt. SF besonders interessanten Explorations- und Förderrechte bisher nicht erschlossener Ölfelder gewesen wären?
Ich persönlich vermute ja, das sich Saddam wenn es um die Ausbeutung dieser Ölfelder gegangen wäre vertrauensvoll an die Russen und/oder die Chinesen gewandt hätte.
Jetzt sind “die Amis”, allen Fehlern zum Trotz zumindest im Rennen…
@ Neu hier (4.)
Hast du zufällig ein Link wo man den Löschvorgang bewundern kann? :)
würde ich auch gerne sehen.
@SPIEGELFECHTER:
Wenn die Amis, wie behauptet wird, wegen Öl diesen Krieg begonnen haben, dann widerlegt diese Sicht doch die Tatsache, dass sie sich _nicht_ den Exklusivzugriff gesichert haben, sondern ein Bieterverfahren zulassen.
Ich denke zumindest, dass Bush den Saddam weghaben wollte, weil der massiv nervte und die internationalen Beziehungen der USA störte; zudem war man schon in Afghanistan und hatte sich so zu sagen eingelebt. Die Ressourcen spielten sicherlich eine Rolle, aber wie man liest eben eine untergeordnete, somit ist hier “Krieg um Öl” eine zu billige Analyse.
Wobei natürlich nicht ganz klar ist, ob überhaupt eine Analyse vorliegt. :–)
@Spiegelfechter
“Natürlich, wenn man aus dem Chor der blökenden Schafe ausbricht, ist man einseitig ;-)”
Du blökst das offizielle ‘Wir wollen nur Demokratie und den Massenvernichtungsheini loswerden’ Märchen nach. Du gehst nicht mal auf die neuesten veröffentlichten FBI Akten ein, die bspw besagen:
‘Saddam Hussein feared Iran’s arsenal more than a U.S. attack, and even considered asking ex-President George W. Bush “to protect” Iraq from its neighbor, once secret FBI files show.’ http://www.nydailynews.com/news/us_world/2009/06/24/2009-06-24_former_iraqi_leader_saddam_hussein_feared_iran_more_than_us_secret_fbi_files_sho.html
Also damit sollte die offizielle Version vor der Angst vorm großen Tyrannen Saddam wohl vom Tisch sein. Er hat sein Öl nicht für Dollar verkauft, das war sein Verhängnis.
Dafür, dass meine Rhetorik ja hinlänglich bekannt ist, gehst du auf keinen einzigen meiner Punkte ein. Das kenne ich schon und bestätigt: ‘Der Beitrag ist so einseitig, der hätte im normalen Spiegel erscheinen können.’
Anstatt dem Mainstream der Medien hinterherzuhecheln, sollte man sich selber mal Gedanken machen.
@Horscht:
Deine Analyse ist bestenfalls ein Witz wie sogar das FBI zugibt:
‘Hussein replied Iraq would have been extremely vulnerable to attack from Iran and would have sought a security agreement with the U.S. to protect it from threats in the region’
Wer denkt hier zu kurz? Also besser mal die Überheblichkeit sein lassen, wenn man selber von ‘kognitiver Dissonanz’ betroffen ist.
@Michael Mugge
Blödsinn – auf die Gründe des Irakkriegs gehe ich überhaupt nicht ein. Wenn Du mir auch nur ein Indiz geben kannst, in welcher Art und Weise die USA Eingriff in die irakischen Ölgesetze oder die Konzessionsvergaben genommen haben, dann lass uns doch bitte daran teilhaben. Ansonsten hat Deine Schwarz-Weiß-Denken wenig geistigen Nährwert.
Warum sollte ich auch? Im Artikel geht es um die Vergabe der Öllizenzen und nicht um die Aufarbeitung der Gründe für den Irakkrieg.
Quatsch mit Soße – dieser Unfug ist nun schon 6 Jahre alt und mehrfach widerlegt.
Na dann ist ja gut ;-)
Anstatt dem Mainstream der VT-Heinis hinterzuhecheln und jede noch so ungare “Story” zu glauben, sollte man sich auch selbt Gedanken machen.
Zangt doch über zwei verschiedene Aspekte nicht so :)
Der eine Aspekt ist die tatsächliche Vormachtstellung der Vereinigten Staaten im Irak, an der sich auch langfristig, trotz Bieterverfahren nichts ändern wird.
Der Faktor, der nicht genügend herausgearbeitet worden ist, ist das nationale Bewußtsein der Iraker, der von den Vereinigten Staaten als solcher völlig unterschätzt wurde, und mit dem man sich nun irgendwie einig werden muss. Nuri al-Maliki kann vieles im kleinen Rahmen, aber letztlich kommt er an Macht aus den Gewehren nicht vorbei, und diese Macht, diktieren die Vereinigten Staaten: sie bilden die irakische Armee nach amerikanischen Maßstäben aus. Sie ziehen sich offiziell zurück, und sind trotzdem entscheidend präsent. Maliki steht zusätzlich für die iranische Karte im Irak, und steht unter dem Druck der tatsächlichen Führer eines irakischen Nationalgefühls.
Die Briten haben die neue Taktik ja vorgemacht: Abzug der offiziellen britischen Truppen, die durch eigene Söldern in gleicher Größenordnung ersetzt werden.
Die Fragen die zur Beantwortung stehen: Kann Nuri al-Maliki offen und rücksichtslos in der Konzessionsfrage die britisch – amerikanischen Erdölkonzerne völlig ausschliessen? Spielt er gemeinsam mit den Amerikaner eine verstärkte iranischen Karte, gegen die irakische Nationalbewegung? Gibt es einen russisch – amerikanischen Deal, was die Rohstoffe im Irak betrifft ,gegen China? Teilen sich die Großmächte gemeinsam den irakischen Kuchen und stellen ihren eigenen Rivalitäten zurück?
Spiegelfechter, ich habe nun verstanden, dass du keine Meinung über das Motiv hast, warum die USA den Irak angegriffen haben. Du negierst mit folgendem Satz ‘Warum sollte ich auch? Im Artikel geht es um die Vergabe der Öllizenzen und nicht um die Aufarbeitung der Gründe für den Irakkrieg.’, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Öl und dem Irakkrieg gibt. Die Frage ist, warum sie sonst da sind. Massenvernichtungswaffen? Fehlanzeige. Die Amerikaner haben auch schon im ersten Golfkrieg die Geschichte mit den Kindern aus den Brutkästen erfunden, um die Öffentlichkeit auf Kurs zu bringen. http://www.youtube.com/watch?v=w7qNBmwX1tM
Gelogen wird in der Politik und gerade in der amerikanischen Außenpolitik, dass sich die Balken biegen. Vorher hatten sie keine Chance irgendwie an das Öl zu kommen, jetzt sind sie immerhin in der Verlosung und ich bleibe bei meiner Wette, dass die amerikanischen Ölkonzerne ihre Ölfelder bekommen werden. Sogar die FAZ (!) stimmt in meine ‘VT’ mit ein, wer hätte das gedacht? Hättest du von denen abgeschrieben, wärst du mich los ;-)
http://www.faz.net/s/RubA24ECD630CAE40E483841DB7D16F4211/Doc~E7606C3FA4DD749A9BF8E7E646C0F70E2~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed_politik
Dass Cheney ehemalig Chef von Haliburton war und Bush auch ordentlich mit der Öl-Industrie verquickt ist, spielt auch eine Rolle.
Es gibt keinen 100% Beweis dafür, dass die Amerikaner nur wegen des Öls im Irak sind, denn dazu gibt es keine einsehbaren Dokumente. Jedoch ist es der einzig verbliebene Grund, der nicht widerlegt wurde.
@ 28 Michael Mugge
“Es gibt keinen 100% Beweis dafür, dass die Amerikaner nur wegen des Öls im Irak sind, denn dazu gibt es keine einsehbaren Dokumente. Jedoch ist es der einzig verbliebene Grund, der nicht widerlegt wurde.”
Welches sind denn die Gründe, die da bis jetzt widerlegt wurden?
@Max:
Alle anderen eben. ;–)
Die Amis haben ölmässig erst mal nichts mitbekommen, im schlimmsten Fall wird noch der letzte Einmarschgrund “widerlegt”:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,633497,00.html
@Michael Mugge
Das ist eine berechtigte und eine gute Frage … aber im Artikel geht es nun einmal um die Öllizenzen. Selbst wenn die Ölvorräte bei der Entscheidungsfindung eine Rolle spielten – und das haben sie sicherlich -, so haben die Amerikaner dafür keine nennenswerten Lizenzen bekommen. Und da kannst Du Dich auf den Kopf stellen – das ändert auch nichts.
Verlosung? ;-)
Wenn Reuters recht hat, lagen bei der ersten Runde die Angebote für sieben Felder über(!) den irakischen Vorstellungen und gehen nun in die zweite Runde. Nur BP hat bislang den Zuschlag für Rumalia bekommen. So ganz unrecht kann ich also mit dem Artikel nicht gehabt haben ;-)
btw.: Das Ergebins ist ja recht vielsagend – Russland, China, Italien oder Frankreich (bzw. Konzerne aus diesen Ländern) hätten in der ersten Runde den Zuschlag bekommen können. Aber offensichtlich sind die Konzessionen – wie ich schrieb – nicht so attraktiv.
Mainstreamjünger *fg*
@all
Sehr interessant: Die ersten Ergebnisse
The BP/CNPC alliance had to accept a fee of $2 for every barrel of additional oil produced, compared with a fee of $3.99 in their initial offer.
Der Hauptpreis ist das sicher nicht ;-)
Dem aufgeweckten Menschen war das immer klar: No blood for oil.
Du täuscht Dich Jens :)
Die Attraktivität der Erdölfelder bemißt sich neben dem tatsächlichen Vorrat, vorallem, und das ist entscheidend (!), nach der tatsächlichen und vor allem militärischen Kontrolle der Lieferwege. Diese einfache Regel im Erdölgeschäft kennen wir seit Rockefeller, dessen Firma ein Monopol nur aufbauen konnte, weil sie die Lieferwege kontrollierte. Die wirklich wichtigen, ertragsreichen Felder zu diesem Zeitpunkt hatten andere Eigentümer, und diese verloren Sie nach und nach an Rockefeller.
Russland, China, Frankreich sind in diesem geopolitischen Raum zu dieser militärischen Kontrolle nicht in der Lage.
@name
Um die Seewege zu kontrollieren – und da sind die USA seit seeehr langer Zeit konkurrenzlos – benötigt es aber keinem Irakkrieg. Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht, was Du eigentlich sagen willst.
btw.: Ein paar Stinger-Raketen (oder moderneres) an der Straße von Hormuz und es hat sich mit der Kontrolle der Lieferwege.
@SF:
wenn du das naomi-klein-buch kennst, sollten dir die passagen über die zusammensetzung der allerersten irakischen regierung, der massiven unterbindung von echte demokratischen prozessen durch paul bremer und die installation einer verfassung nach us-dünken (inklusive öl-gesetz) nicht entgangen sein, oder?
aus deinem artikel:
“Premier al-Maliki erklärte den morgigen Tag zum nationalen Feiertag und spricht huldvoll von einem ?historischen Sieg?. Morgen muss der Abzug der Amerikaner aus den Städten und Dörfern Iraks abgeschlossen sein und die GIs müssen sich in ihre Militärbasen zurückziehen. Verlassen dürfen sie diese nur, wenn die irakische Regierung dies gestattet”
hiermit plapperst und suggerierst du einfach nach, was die mainstream-medien auch wiedergeben: der irak ist wieder autonom und souverän, nachdem die amis eingefallen sind. ein witz! das kannst du doch nicht ernsthaft glauben?
“momentan gestattet sie amerikanischen Soldaten beispielsweise die Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte.”
haha, sie “gestatten” also. :) na die sind ja nett, die iraker. auch hier wird wieder suggeriert: irak ist souverän.
“Sämtliches Öl im Süden des Landes wird momentan von staatlichen irakischen Firmen gefördert”
‘staatliche irakische’ firmen ist echt gut! das land ist seit sechs jahren von den usa besetzt, mein guter jens. wem gehören denn die firmen und wer steuert diese firmen? das irakische volk, der demos?
ansonsten kann ich michael mugge nur zustimmen für die klaren worte.
Naja, die Kontrolle der Seewege ist das eine, die direkte Kontrolle im Irak aus den eigenen Stützpunkten hat eine völlig andere Qualität, die direkte Machtausübung möglich macht.
Momentan sehe ich im Irak die Kopie der Strategie, wie sie in Saudi Arabien seit Jahrzehnten praktiziert wird, mit allen gleichen Elementen: eigene Stützpunkte im Land, und die Kontrolle der Seewege, damit niemand auf dumme Gedanken kommt. Diese gleiche Lösung für den Irak ist aus amerikanischer Sicht sehr clever.
Die Russen, Chinesen und Franzosen wissen ganz genau, ohne militärische Absicherung, ist jede Konzession sinnlos. Die Russen (sogar aus Ihrer Sicht zu Recht) haben Shell ja vorgemacht, was passiert, wenn diese Kontrolle nicht zugewährleisten ist, und BP ergeht es momentan mit seinen wirtschaftlichen Aktivtäten über TNK nicht besser, und erlebt hautnah, was passiert, wenn keine Kontrolle möglich ist.
Die ganze Versteigerung ist aus meiner Sicht eine Farce und Onkel Saddam hätte so eine kontrollierte Einladung nie an die Vereinigten Staaten freiwillig ausgesprochen ;)
Meine These zum Irakkrieg ist ja immer noch: den Chinesen den Zugang zum Erdöl sperren.
@wazlaf
Natürlich. Aber sogar diese Regierung hat den “Siegermächten” keine Konzessionen über die Ölförderung erteilt – und darum geht es im Artikel. Das Ölgesetz ist übrigens nicht(!) verabschiedet worden – ich hoffe, das ist Dir nicht entgangen, oder?
Ja – idT. Und die Einnahmen dieser Firmen gehen an den irakischen Fiskus, der damit u.a. auch Projekte bezahlt, die an Firmen vergeben werden, die aus Nationen kommen, die nicht zur “Koalition der Willigen” gehörten – sehr zum Missfallen der US-Regierung.
Schön aber, dass Du eine Meinung hast, so was hat nicht jeder. Da muss die Meinung auch nicht durch Fakten belegbar sein – so etwas stört nur ;-)
@name
Und wie stellst Du Dir das vor? In Friedenszeiten ist dieses ganze Szenario relativ witzlos und wird über den Ölpreis ausgefochten. Chinesische Firmen, die im Irak bohren, verkaufen beispielsweise auch an Italien, während Exxon selbstverständlich auch an China verkauft. Es handelt sich bei den Downstream-Konzernen größtenteils um “normale” Wirtschaftsunternehmen, die an jeden Kunden liefern. Die Gewinne gehen über die Dividenden sicher an die Aktionäre – aber wem gehört Exxon? Wem gehört BP? Beide Unternehmen sind internationaler, als Du denkst. Im Upstream-Bereich ist dies ganz anders – aber in fast allen großen Ölförderstaaten ist der Upstream-Bereich entweder in rein staatlicher Hand oder er wird nur gegen Lizenzen an die Mulits “Vermietet”. Die russische Lukoil ist beispielsweise der einzige(!) private Konzern, der über nennenswerte Reserven verfügt.
Was sollen die Amis aus ihren Basen bewachen? Die Vorstellung, dass die US-Navy irakisches Öl, das von der US-Army oder eine Dienstleister im Diensten des Pentagon gefördert wird, nach Houston verschifft, ist recht abenteuerlich.
Wenn es zu einem Krieg kommen sollte, ändert sich dies freilich rapide. Aber dann kommen wir wieder auf die Seewege zurück.
Saudi-Arabien wird überschätzt. Die Saudi-Aramaco fördert dort nahezu alles Öl – ein staatlicher Betrieb. Entscheidend für die USA (und auch alle anderen Ölimporteure) ist es, dass in SA politische Stabilität herrscht. Auch SA liefert an Indien, an China und an Gott und die Welt. Die USA importieren größtenteils ihr Öl aus Venezuela, Kanada und Mexiko und nicht aus SA. Aber(!) SA garantiert den Ölpreis. Ohne die Förderung der Saudis würde auch der Preis für mexikanisches, kanadisches oder venezoelanisches Öl explodieren. Das ist die wichtige Rolle SAs.
Richtig – aber auch dabei geht es eigentlich “nur” ums Geld und nicht um die Macht. Weder in Kasachstan, noch in Sachalin, hat sich durch die “neuen” Gesellschafterstrukturen irgendetwas für die Kunden geändert. Die Gewinne fließen nur in andere Taschen – in diesem Falle in den russischen Staatshaushalt. Für die Kunden ändert dies aber gar nichts.
Dumm nur, dass kein US-Konzern zuschlagen will ;-)
So eine Farce scheint die Versteigerung dann doch nicht zu sein.
Nun hat ein chinesischer Erdölkonzern die erst Konzession als Partner eines britischen Konzerns bekommen. Deine These scheint mit der Gegenwart nicht mehr mitzuhalten.
@Sf #39
Das Schönste ist doch, dass unsere Antiimpis hier immer das “Argument” bringen, GWB wäre ja schließlich in Texas “in der Ölindustrie” gewesen.
Wenn du dich hier nicht ins Boxhorn jagen lässt, müsste das doch eigentlich demnächst auch bei anderen Obsessionen der Marke “Kasseler Friedensratschlag” und ähnlichen Tieffliegern der Fall sein.
Und leider viel zu wenig in Investitionen, das ist ja das Traurige.
Im Prinzip übersehen alle das wichtigste: Das Erdölzeitalter ist vorbei, die Erde macht das nicht mehr lange mit (10 Jahre wenn man gängigen Prognosen folgt, bis die ersten Schäden irreversibel und gefährlich für den Fortbestand der menschlichen Spezies sind) und ein Umdenken ist dringend (!!!) erforderlich.
Konzession, Krieg, Geld.. in 5 Jahren haben wir ca. 250mio Klimaflüchtlinge vor der Tür, wen interessiert da noch die Erdöllizenzen…
Revolten, Umstürze, Dürre, Hunger das alles steht uns ins Haus und es gibt noch ernsthaft Leute die sich ans Öl klammern wie Ertrinkende an Treibholz.
Ich denke so langsam dürfte jedem klar sein das es sich dabei nicht mehr um bloßes ‘Ökogequatsche’ handelt…