Eurozone: Polit-Spitze missachtet Analysen aus eigenem Haus
geschrieben am 09. Mai 2011 von Gastautor
ein Gastartikel von Thorsten Hild
“Wenn allerdings aus Angst vor sich abzeichnender Inflation der kräftige fiskalische Stimulus vorschnell zurückgenommen und die Geldpolitik zu früh angezogen werden, verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation dramatisch. Selbst eine schnelle Rücknahme dieser falschen geld- und fiskalpolitischen Entscheidungen kann dann eine Verlängerung der Wirtschaftskrise nicht verhindern.”
Dass diese Einsicht, von irgendeinem dahergelaufenen “linken” Ökonomen verbreitet, in Deutschland in der Regel allenfalls hochgezogene Augenbrauen und ein bedauerndes Kopfschütteln hervorruft ist bekannt – und eigentlich bedauernswert. Dass entsprechende Warnungen der jedes linken Gedankenguts unverdächtigen Generaldirektion der EU-Kommission für Ökonomische und Finanzielle Angelegenheiten ebenfalls missachtet werden, darauf lohnt es sich doch einmal hinzuweisen.
Die zuletzt von der Polit-Spitze der Eurozone getroffenen wirtschafts- und geldpolitischen Entscheidungen gehen in zwei Richtungen: Zum einen werden von Krisenländern wie Griechenland und Portugal massive Sparmaßnahmen eingefordert. Zum anderen erhöht die Europäische Zentralbank – die zwar “unabhängig”, selbstverständlich aber politisch agiert, wie es das Wort Geldpolitik ja auch treffend ausdrückt – die Leitzinsen und begründet dies mit gestiegenen Inflationsgefahren. Diese knappe Gegenüberstellung müsste allein schon Fragen aufwerfen: Droht der erste Schritt doch das Wachstum nicht nur in den Krisenländern massiv zu schwächen bzw. der mit den Sparanstrengungen drohende Wirtschaftseinbruch eine deflationäre Entwicklung hervorzurufen, während die Zinserhöhung der EZB, die schon wieder Inflation wittert, das Wirtschaftswachstum zusätzlich dämpft. Lassen wir das aber hier – wie die Mehrheit der berichtenden Wirtschaftsjournalisten – für einen Augenblick einmal dahingestellt und wenden uns dem eingangs zitierten Sachverhalt zu.
Das Zitat ist gefälscht, allerdings nur insoweit, als dass ich es übersetzt und in die Gegenwart geholt habe; unverfälscht wiedergegeben ist der inhaltliche Zusammenhang. Hier das Originalzitat des Directorate-General for Economic and Financial Affairs der European Commission: “However, when a large fiscal stimulus introduced in 1936 was withdrawn in 1937 and monetary policy was tightened for fear of looming inflation, the economic situation worsened dramatically. These policies were soon reversed but this early recourse to restrictive monetary and fiscal policies added two years to the Great Depression in the US.” (1)
In der hier zitierten, umfangreichen Studie wurde der Versuch unternommen, aus der schweren Wirtschaftskrise der 1930er Jahre Lehren für die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise zu ziehen. Unter anderem heißt es dort: “Die Gesamtnachfrage aufrechterhalten – Deflation vermeiden” (“Maintain aggregate demand – avoid deflation”). In diesem Zusammenhang weist die Studie darauf hin: “Ein zu früher Ausstieg, bevor die Erholung gesichert ist, geht mit dem Risiko einher, die Krise zu verlängern und das Szenario eines zweifachen Wirtschaftseinbruchs Wirklichkeit werden zu lassen, wie in den USA in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre.” (“Exit timely is crucial: too early exit before the underlying recovery sets in, would create a risk of extending the crisis, causing a double dip scenario as in the US in the second half of the 1930s.”)
Die Studie ist im Juli 2009 erschienen. Die damals eingeleiteten Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur und der Finanzmärkte stimmten die Verfasser optimistisch: Es seihen die richtigen Lehren aus den 30er Jahren gezogen worden: “Die Regierungen der meisten Länder haben die Finanzsektoren umfassend gestützt, die Gesamtnachfrage ist aufrechterhalten worden durch expansive Geld- und Fiskalpolitik, Protektionismus wurde bisher vermieden…” (“The financial sectors in most countries are given strong government support, aggregate demand is maintained through expansionary monetary and fiscal policies, protectionism is so far kept at bay…”)
Es wäre in der Tat interessant, wie die Autoren die jetzt von der Politi-Spitze eingeleiteten geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen bewerten, schreiben sie doch in ihrer Zusammenfassung abschließend: “Auch wenn sich das Wirtschafts- und Politiksystem wie auch das politische Denken der ökonomischen Profession mit der Zeit entwickeln, die fundamentalen Mechanismen, die die Krise verursachen und übertragen, scheinen doch die gleichen zu bleiben und erlauben daher die Zuversicht in die Einsichten, die die Vergangenheit uns lehrt.” (“Although , the economic and political system as well as the policy thinking of the economics profession evolves over time, the fundamental mechanisms causing and transmitting crisis appears to remain the same, allowing confidence in the policy lessons learnt from the past.”)
Dass diese Einschätzung bei weitem zu optimistisch ist, dafür sprechen nicht nur die eingangs aufgezeigten politischen Maßnahmen der Gegenwart. Im Januar 2010 ist eine weitere Publikation derselben Institution erschienen. Der Titel: Die Beobachtung der Wettbewerbsfähigkeit und der Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone (“Surveillance of Intra-Euro-Area Competitiveness and Imbalances”) (2).
Die Studie hat unter anderem errechnet, dass der reale effektive Wechselkurs (REER) Deutschlands seit dem Jahr 2000 gegenüber dem Rest der Eurozone um 30 Prozent abgewertet hat (“However, the corresponding REER for the remainder of the euro area countries started to appreciate in 2000 and a 30 % gap in the REER has opened up since then between Germany and the rest of the euro area.”) Weiter heißt es dort, dass aufgrund von Rationalisierung und “moderaten” Lohnvereinbarungen die nominalen Lohnstückkosten in Deutschland seit 1995 um rund 20 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der deutschen Haupthandelspartner gefallen sind. (“Rationalisation measures, together with moderate settlements in wage negotiations, allowed nominal unit labour cost to fall by around 20% since 1995 against the average of Germany´s major trading partners.”)
Auch in diesem, die Wettbewerbsfähigkeit nicht nur der Krisenländer maßgeblich beeinträchtigenden Punkt ist festzuhalten, dass die politischen Entscheidungsträger bisher wenig unternommen haben, eine Lösung herbeizuführen. Unter großen Mühen und gegen den massiven Widerstand der Bundesregierung ist eine “Tragfähigkeitsprüfung außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte” vereinbart worden. Ihre Umsetzung aber steht weiterhin aus, ganz zu schweigen davon, dass der wesentlichen Größe für ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht, die Einhaltung der Lohnregel bzw. der Anstieg der Lohnstückkosten entsprechend des Inflationsziels, dann immer noch nicht die formale Bedeutung beigemessen wird wie bspw. dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank selbst.
Dass die hier ins Gedächtnis gerufenen, von der breiten Öffentlichkeit bisher fern gehaltenen Studien aus der Europäischen Kommission von den politisch Verantwortlichen so missachtet werden, ist umso gravierender, als dass die bisher von ihnen getroffenen Maßnahmen keinerlei Erfolge zeitigen. So sehen sich die von den bisherigen “Rettungsmaßnahmen” betroffenen Staaten mit Einbrüchen beim Wirtschaftswachstum konfrontiert, die ihre Staatshaushalte weiter schwächen und ihre Fähigkeit zum Schuldendienst weiter erschweren müssen. Ihre Refinanzierungskosten über Staatsanleihen sind auch nach den zuletzt getroffenen Entscheidungen des Europäischen Rates, ja, auch nach dem Rettungspaket für Portugal, weiter gestiegen.

Die Polit-Spitze verweigert sich aber nicht nur den Ergebnissen der Analysen aus ihrem eigenen Haus, der Europäischen Kommission, sie verweigert sich bisher auch einer europäischen Lösung. Hierfür spricht nicht nur der bisher eingeschlagene Kurs, sondern auch die Ursachenanalyse vieler verantwortlicher Politiker – in der Regierung wie in der Opposition. Besonders deutlich wurde dies auf einer noch nicht weit zurückliegenden Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Eurokrise. Die ihrer Funktion nach hochkarätigen Podiumsteilnehmer, der griechische Außenminister Droutsas, sein Kollege aus Luxemburg, Asselborn, und der ehemalige Außenminister und jetzige SPD-Fraktionsvorsitzende Steinmeier, waren einhellig der Auffassung, dass die Eurokrise eine Haushaltskrise sei. Asselborn wörtlich: “Wir haben keine Eurokrise, sondern eine Schuldenkrise.” Diese Schuldenkrise baue auf einer falschen Haushaltspolitik auf, so Asselborn. Ebenso einhellig wurde daher auch die Verschärfung des Stabilitätspaktes begrüßt. Anstatt das deutsche Lohndumping zu kritisieren und eine diesbezügliche europäische Lösung anzumahnen, äußerte sich der griechische Außenminister dann auch zufrieden, ja stolz über die bisher umgesetzten Sparanstrengungen in seinem Land und sagte dann wörtlich: “Ich glaube, wir dürfen Wettbewerbsfähigkeit nicht mit den Lohnkosten gleichsetzen. Europa muss einen anderen Weg gehen, um international wettbewerbsfähig zu werden; wir brauchen Investitionen…” Dass Griechenland in den Vorkrisenjahren geradezu vorbildhaft investiert hat blendete er dabei ebenso aus, wie die Frage danach, wie sich denn die Investitionen unter dem Spardiktat, das er ausdrücklich befürwortete, positiv entwickeln sollen.
Als ich die hohen Herren im Rahmen der anschließenden Diskussion mit dem Publikum daraufhin fragte, ob sie nicht Wirkung und Ursache verwechseln würden, wenn sie die unterschiedlichen Lohnstückkostenentwicklungen, und die damit einhergehenden Wettbewerbsverzerrungen, Leistungsbilanzungleichgewichte und entsprechende Schuldenanstiege in den Ländern mit wachsenden außenwirtschaftlichen Defiziten komplett ausblendeten und stattdessen das Ergebnis – die Krise der Staatshaushalte, die ja zudem durch umfangreiche staatliche Rettungsmaßnahmen für die Privatwirtschaft, insbesondere des Bankensektors, erst entstanden – in den Vordergrund stellten, da wurde ich von den Beteiligten nur ungläubig angeguckt; ich ergänzte noch, dass wir es offensichtlich nicht nur mit einer Eurokrise, sondern auch mit einer “Symptomkrise” zu tun hätten. Fast überflüssig zu erwähnen, dass auf diesen Punkt in den Antworten nicht mit einem Satz eingegangen wurde. Am Ende der Veranstaltung sprach mich immerhin ein altgedienter Repräsentant der Weltbank an und bemerkte, dass es ja richtig ist, was ich angemerkt hätte, und er selbst erstaunt gewesen sei über die Richtung der Analyse. Dass vom SPD-Fraktionsvorsitzenden dabei auch Analysen zu dem Problemschwerpunkt außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte aus der Friedrich Ebert Stiftung selbst offensichtlich nicht zur Kenntnis genommen werden, ist traurig genug (3).
Es steht nicht gut um Europa. An Erkenntnissen mangelt es jedoch nicht, wohl aber an Einsicht. Die Folgen mag man sich gar nicht ausmalen, und so klammer auch ich mich weiterhin daran, dass die Hoffnung doch zuletzt stirbt.
Thorsten Hild
Thorsten Hild ist Ökonom, arbeitet als Referent für Ottmar Schreiner im Deutschen Bundestag und bloggt auf “Wirtschaft und Gesellschaft”
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… nur müssen halt an irgendeinem Punkt die Geldmarktzinsen wieder angezogen werden. Die aktuelle Situation bildet einen wunderbaren Nährboden für weitere Blasen insbesondere an den Finanzmärkten sowie ausserordentlich einträgliche Verdienstmöglichkeiten für unsere speziellen Freunde vom Banking.
Bezüglich der Krisenländer muss man sich auch Fragen, ob die Politiker dieser Länder wirklich ihre strukturellen Hausaufgaben machen. In Spanien hat die dortige Zentralbank sind die Nominallöhne der unbefristeten Verträge “dank” alter Indexierungsgesetze aus der Franco Zeit um 3% automatisch gestiegen. Nur haben in Spanien insbesondere die unteren Einkommensbezieher eher zeitbefristete Verträge, für die es so eine automatische Anpassung eben nicht gibt. Die Gutverdiener nehmen sich einen kräftigen Schluck aus der Lohnpulle und der deutsche Steuerzahler muss letztlich dafür gradestehen. Oder was ist in Griechenland gegen die systematische Steuerhinterziehung hoher Einkommen wirklich unternommen worden? Statt einen Streichelzoo für die Kandidaten der europäischen Verschuldungskrise zu eröffnen, sollten aus meiner Sicht eher solche Fragestellungen in den Vordergrund rücken.
Am deutschen Lohndumping gibt es weiß Gott viel zu kritisieren, und zu Recht. Dieses seit über einem Jahrzehnt anhaltende aufbrechen des vorherigen Sozialpaktes, nach dem auch die Arbeitnehmer an Zuwächsen des gesamtgesellschaftlichen Wohlstandes real zumindest zu einem Teil teilhaben sollten, ist unerträglich. Die seit Mitte der 90er daran arbeitende übergroße Koalition aus allen relevanten Parteien, dem DGB, und den Arbeitgebern wird dafür sorgen, dass es auch so weitergeht.
Mitnichten ist es in Folge der daraus resultierenden Wettbewerbssfähigkeitssteigerung nun Deutschland anzulasten, dass Portugal, Griechenland, Irland etc. so erhebliche Probleme haben. Jedes dieser Länder hat, mit jeweils anderen Taten und Unterlassungen, schon schön selbst dafür gesorgt.
Außerdem muss nun mal langsam die Luft rausgelassen und dafür die Zentralbankzinsen werden, bevor die nächsten Blasen allzu groß werden. Sofern es dafür nicht längst zu spät ist.
Sie schreiben:
“Mitnichten ist es in Folge der daraus resultierenden Wettbewerbssfähigkeitssteigerung nun Deutschland anzulasten, dass Portugal, Griechenland, Irland etc. so erhebliche Probleme haben. Jedes dieser Länder hat, mit jeweils anderen Taten und Unterlassungen, schon schön selbst dafür gesorgt.”
Wieso das? Die von den hiesigen Medien kritisierten “Missstände” inbesondere in Griechenland gab es höchstwahrscheinlich bereits in den 70er, 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Erst die Konstruktionregeln der Europäischen Währungsunion führten dazu, daß diese “Missstände” jene katastrophalen Folgen zeitigen, welche heute Griechenland heimsuchen.
Die Probleme in zahlreichen Staaten der Eurozone sind zu einem nicht unwesentlichen Teil sehr wohl Deutschland anzulasten, denn das hiesige Lohndumping führte nicht nur zu einer Beeinträchtigung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit dieser Staaten (da im Gegensatz zur “Vor-Euro-Zeit” keine Währungsabwertung mehr vorgenommen werden kann), sondern schwächte die Wettbewerbsfähigkeit dieser Eurozonen-Staaten auch im “Außenverhältnis” zur “übrigen Welt”: Die hohen deutschen Außenhandelsüberschüsse kompensieren in etwa die Außenhandelsdefizite der übrigen Eurozonenstaaten. Wäre Deutschland kein Mitglied der Eurozone, dann würde der Euro-Wechselkurs ein deutlich niedrigeres Niveau aufweisen, was automatisch eine verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit der übrigen Eurozonen-Staaten bewirken würde.
Dies räumt der Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank in einem Jubelbeitrag der Frankfurter Rundschau zu den heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Außenhandelsdaten ein. Im FR-Beitrag heißt es:
“Experten erwarten trotz steigender Risiken kein Ende des Exportbooms. „Deutschland hat eine goldene Dekade vor sich“, sagte Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank. „Die Wettbewerbsvorteile, die sich Deutschland seit Beginn der Agenda 2010 erarbeitet hat, zahlen sich jetzt aus…“”
http://www.fr-online.de/wirtschaft/deutschland-auf-rekordniveau/-/1472780/8424590/-/index.html
Das hiesige Lohndumping wurde von der “Agenda 2010″ ganz maßgeblich mit angefeuert (Stichworte: Hartz IV sowie “Liberalisierung” der Zeitarbeit und der davon ausgehende Lohndruck).
Es fällt seit einigen Monaten ins Auge, daß das Statistische Bundesamt kräftig daran mitarbeitet, die auch Ausland geäußerte Kritik am deutschen Lohndumping und dem daraus resultierenden kräftigen Anstieg der deutschen Aussenhandelsüberschüsse entgegenzutreten. So titelt Destatis zu den aktuellen Außenhandelsdaten:
“Rekordwerte bei deutschen Aus- und Einfuhren im März 2011″.
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2011/05/PD11__179__51,templateId=renderPrint.psml
Entscheidend ist jedoch: Der Außenhandelsüberschuss als Differenz zwischen Exporten und Importen steigt weiter an. Dies bedeutet: Der absolute Wert der Exporte steigt stärker als der absolute Wert der Importe. Mithin steigt die Neuverschuldung des Auslandes gegenüber Deutschland nicht nur weiter an, auch die absolute Höhe der Neuverschuldungs-Anstiegs nimmt weiter zu (im ersten Quartal 2010 betrug der deutsche Leistungsbilanzüberschuss 34,6 Mrd. Euro, im ersten Quartal 2011 ist dieser auf 35,3 Mrd. Euro weiter angestiegen).
Zudem ist zu beachten: Wenn das Statistische Bundesamt von “Rekordwerten bei deutschen Aus- und Einfuhren” spricht, dann werden Nominalwerte miteinander verglichen. Vernachlässigt werden:
- beim Vergleich unterschiedlicher Perioden: die Inflationsrate,
- beim Vergleich innerhalb einer Periode: unterschiedliche Veränderungen des Export- und Importpreisniveaus (so sind die Importpreise im März 2011 gegenüber dem März 2010 um 11,3% angestigen, die Exportpreise jedoch lediglich um 4,9%).
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Zeitreihen/WirtschaftAktuell/Preise/Content100/kpre530bv4,templateId=renderPrint.psml
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Zeitreihen/WirtschaftAktuell/Preise/Content100/kpre540bv4,templateId=renderPrint.psml
Sogar bei real unveränderten Werten würden nach der Logik des Statistischen Bundesamtes wegen der Nichtbereinigung um die Inflation “neue Rekordwerte” verkündet werden.
Momo, so einfach ist das nun auch wieder nicht…
Regt sich vielleicht irgend jemand über argentinisches Lohndumping auf? Die fahren seit 2003 Handelsüberschüssen von 25% und mehr bezogen auf die Importe! (http://www.indec.mecon.ar/principal.asp?id_tema=4304)
Und der Sektor der spanischen Wirtschaft, in der die Leute massiv entlassen wurden, war die Bauwirtschaft. Die konkurriert nun wirklich nicht mit Deutschland. Der Export läuft nämlich relativ gut.
Deutschlands Industrie behauptet sich in Drittmärkten mit Ländern, die noch deutlich geringere Löhne zahlen.
Ich bin auch der Meinung, dass man in Deutschland wieder mehr umverteilen sollte, um so auch durch Massenkaufkraft die Importe aus Spanien, Portugal und Griechenland zu stärken. Nur ist Lohndumping da wirklich ein sehr polemischer Begriff, zumal in Spanien das Verhältnis der Niedrigverdiener gegenüber den Gutverdienern ungünstiger als in Deutschland ist. Du hast sicher auch eine ungefähre Vorstellung davon, was in Spanien, Portugal oder Griechenland Arbeitslose bekommen. Die sind sehr schnell auf Hilfe der Familie angewiesen.
Gruß Lemmy
Wie soll das angesichts der bereits etablierten “Rettungsschirme” nur machbar sein? Die Verschuldung von Deutschland ist dadurch innerhalb kurzer Zeit von 64 % auf inzwischen über 80 % angestiegen. Damit überholten wir bereits Frankreich und liegen dicht hinter Portugal. Der Staat gibt mehr aus, als er einnimmt. Er braucht damit dringend Geld, und er wird sparen und es sich holen, wo er nur kann.
Ich kann nur konstatieren:
Es ist wichtig endlich zu verstehen, dass die “Rettungsschirme” auch für uns längerfristig “griechische Verhältnisse” bedeuten, und mit der deutschen Zahlungsunfähigkeit ist das Experiment “EU” pleite.
Japan und die USA haben mit noch wesentlich größeren Verschuldungsproblemen zu kämpfen als die Bundesrepublik und sind meines Wissens nicht Mitglied der EU.
Man muß halt an der richtigen Stelle sparen (Stichwörter: Völlig überzogener Infrastrukturausbau in Ost-Deutschland, Neubau eines Schlosses im SED-regierten Berlin). Und für eine Weile die Steuern der Gut bis Sehr Gut Verdiener erhöhen.
Birnen mit Äpfeln sollte man hier aber nicht vergleichen. Die USA sind eine Hegemonialmacht, die es geschafft hat Rohstoffgeschäfte weltweit an den Dollar zu koppeln und ihre Währung als globales Zahlungsmittel zu etablieren.
Sie kann somit auf Kosten der übrigen Welt unbehelligt leben, indem sie im Gegenzug für die importierten Waren hauptsächlich ihre eigene Währung exportiert.
Die Japaner hingegen haben immer noch feste gesellschaftliche Werte und Moralvorstellungen. Dort fühlen sich alle Schichten ihrer Gesellschaft verpflichtet, und sie waren intelligent genug sich nicht beim Ausland sondern bei sich selbst zu verschulden.(japanische Kreditinstitute)
All das ist in Europa anders. Als die Griechenland-Krise anfing überschritt die offizielle griechische Staatsverschuldung interessanterweise noch nicht die 100 %-Marke des BIP. Die offizielle Staatsverschuldung von Spanien beträgt sogar “nur” um die 64 % des BIP, und bereits dieses Land wird als gefährdet angesehen.
Es geht also oft schneller, als man denkt.
Die negativen Auswirkungen sind im Falle Deutschlands als “großer” Volkswirtschaft deutlich gravierender als im Falle Argentiniens. So betrug der deutsche Aussenhandelssaldo im Jahre 2008 178,3 Mrd. Euro. Der argentinische Aussenhandelssaldo hingegen betrug im Jahre 2008 lediglich 9,6 Mrd. Euro.
Außerdem gebe ich zu bedenken, daß das deutsche Lohndumping wegen des Euro-Währungsverbundes unmittelbar auf die Wettbewerbsfähigkeit der übrigen Staaten der Eurozone zurückschlägt, wie ich in meinem vorangegangenen Kommentar bereits ausgeführt habe:
“Die Probleme in zahlreichen Staaten der Eurozone sind zu einem nicht unwesentlichen Teil sehr wohl Deutschland anzulasten, denn das hiesige Lohndumping führte nicht nur zu einer Beeinträchtigung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit dieser Staaten (da im Gegensatz zur “Vor-Euro-Zeit” keine Währungsabwertung mehr vorgenommen werden kann), sondern schwächte die Wettbewerbsfähigkeit dieser Eurozonen-Staaten auch im “Außenverhältnis” zur “übrigen Welt”: Die hohen deutschen Außenhandelsüberschüsse kompensieren in etwa die Außenhandelsdefizite der übrigen Eurozonenstaaten. Wäre Deutschland kein Mitglied der Eurozone, dann würde der Euro-Wechselkurs ein deutlich niedrigeres Niveau aufweisen, was automatisch eine verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit der übrigen Eurozonen-Staaten bewirken würde.”
Diese “Währungsverbund-Wirkung” ist im Falle Argentiniens nicht gegeben.
Bei 5,05 Millionen (potentiellen) Arbeitnehmern leistet sich Griechenland einen öffentlichen Sektor mit rund 770.000 auch im internationealn Vergleich ausgezeichnet bezahlten Leuten in der Bürokratie und extrem unproduktiven Unternehmen, die zudem sehr früh in Pension/Rente gehen.
Das ist ein massives Problem, aber was kann Dautschland dafür?
Danke Momo für die Klarstellung so einiger Punkte!
Eine Sache wäre dabei wohl noch erwähnenswert: Deutschlands Exporte laufen zu deutlich über 50% ins europäische Ausland. Der daraus resultierende Handelsüberschuss kann somit faktisch irgend wann nur zu einer Schwächung der europäischen “Partner” führen, denn es findet ein konstanter Kapitalfluss Richtung Deutschland statt. Sehr schön aufbereitet hat das z.B. mal wieder der Querschüsse Blog: http://www.querschuesse.de/allzeithoch-beim-exportvolumen-deutschlands/
Ohne eine wirtschaftliche Angleichung oder irgend eine Art der Kompensation (wie in Deutschland der Länderausgleich) kann das Konstrukt EUR so definitiv auf lange Sicht nicht funktionieren… es sei denn die betroffenen EU-Länder würden ihr Handelsbilanzdefizit gegenüber Deutschland mit anderen Ländern ausgleichen können, was aber zumindest aktuell nicht der Fall ist. Diesbezüglich muss man sich auch bewusst machen, dass Deutschland hier in keinster Weise das Recht hat eine Opferrolle einzunehmen. Ganz im Gegenteil profitiert Deutschland zur Zeit massiv vom EUR und ist damit wohl auch nicht zuletzt mit einer der wesentlichen Akteure bei dessen Zerstörung. Besonders makaber an der ganzen Sache ist dabei im übrigen, dass Deutschland von der Schwäche des EUR, die durch Länder wie Griechenland verursacht wird, durch seine absolute Ausrichtung auf den Export noch massiv profitiert…. da ist es leider nicht sehr weit her mit der “Gemeinschaft” Europa von Seiten der Deutschen.
Die exportierenden deutschen Unternehmen verkaufen doch nicht über den Preis… sondern mit hoher Qualität, Zuverlässigkeit und Ernstnehmen der Aufgabenstellungen des Kunden. Ich hab auch schon in IT-Projekten für andere Länder gearbeitet und vor allem hab ich ständig auch mit preislich z.T. wesentlich günstigeren offshorern aus Indien, China, Rumänien, Tschechien und Rußland zusammengearbeitet. Die kosteten vielleicht 1/10 oder 1/15 von mir und trotzdem haben mich die Kunden nicht nach Hause geschickt. Im Exportsektor haben wir auch keine Niedriglohn-Probleme, da diese Arbeitsplätze oft wissens- und kommunikationsintensiv sind, hoch mit Kapital ausgestattet sind, etc.
Im übrigen besitzt diese südeuropäischen Länder einen härteren und größeren Niedriglohnsektor als wir. Und so traurig es ist: Von den Leistungen unseres Arbeitsamtes und sogar von Hartz IV träumen die. Du lieferst da eine um Plausibilität ringende Argumentation, die mit den Realitäten nichts zu tun hat.
Wäre Deutschland kein Mitglied der Eurozone, dann würde der Euro-Wechselkurs ein deutlich niedrigeres Niveau aufweisen, was automatisch eine verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit der übrigen Eurozonen-Staaten bewirken würde.
Diesen Gedanken hat Prof. Dr. Gerald Mann in einem Vorschlag weiter ausgearbeitet:
Deutschland und andere wirtschaftlich starke EU-Staaten wie die Niederlande und Finnland sollten aus der Euro-Zone austreten und eine eigene Währung einführen. In der Folge würde der Alt-Euro abgewertet. (http://www.heise.de/tp/blogs/8/149823)
…unorthodox, aber das ist die Eurokrise (und diese witzigen Rettungspakete !1!!) ja schliesslich auch.
Stimmt. Niemand hat die Griechen in die Währungsunion gezwungen, niemand hat ihnen befohlen, über Jahrzehnte die Statistiken zu fälschen, Es war auch ihre eigene Entscheidung, auf Pump den Staatssektor grotesk aufzublähen uswusf.
Dass die Währungsunion erhebliche inhärente Fehler hat, bezweifelt ja keiner. Nur: die Griechen hätten ja auch verantwortungsvoll mit den dank der Union lange Zeit extrem günstigen Finanzierungskonditionen umgehen können, die sie ohne die Union niemals erhalten hätten. Etwa in Infrastruktur und Wirtschaft investieren. Um Überschüsse zu erwirtschaften um damit die Schulden zurückzuführen. Aber das taten sie nicht, sondern sie lotterlebten. Und für diese Unverantwortlichkeiten sind sie ganz alleine selbst verantwortlich. Und auch dafür, dass sie nicht mal jetzt die notwendigen Maßnahmen ergreifen, wie zum Beispiel den Nationalsport Steuerhinterziehung bekämpfen.
Es ist nun mal zu fordern, dass Staaten (Personen und Unternehmen natürlich auch) die Verantwortung für die Folgen ihrer souveränen Entscheidungen selbst tragen. Dass das bei Staaten und Unternehmen dank der durchkorrumpierten ‘Eliten’ leider nicht so ist, ändert am Prinzip nichts.
Das braucht man auch gar nicht. Dafür ist es schon ausreichend die “politische Elite” zu korrumpieren. Die Bevölkerung hatte in den meisten Fällen ja nichts zu sagen und durfte über all das nicht abstimmen.
Das hier verstehe ich nicht. Wenn das alles so einfach ist, hätte es die DDR bspw. auch bestimmt gekonnt. Oder wie soll eine Regierung bspw. in Computertechnologie investieren? Soll sie selbst Fabriken für elektronische Bauteile bauen, Personal rekrutieren, einstellen und bezahlen?
Die Bevölkerung soll die Fehler der dortigen Regierung ausbaden? Man komme mir hier nicht mit Demokratie. Erstens hatte sie über sehr viele Dinge nicht direkt mitzuentscheiden, zweitens wurde sie von den tollen Massenmedien über viele Dinge erst gar nicht richtig aufgeklärt.
Da mangelt es dir einfach an den basics. Zorry. Das Problem in den Südländern bestand darin, dass zu viele Ressourcen in letztlich nutzlose Projekte gesteckt wurden. Die Baublase in Spanien etwa. Zeitweise verdienten da 20% mit Hausbau ihr Geld. Normal sind 6%. Und auf die anything-goes Euphorie folgte halt der crash. Nicht weiter erstaunlich und ganz sicher nicht die Schuld von Deutschland, wo sogar etwas geringere Zinssätze die Ressourcen in deutlich produktivere Bahnen gelenkt haben.
Da ist mir alles bekannt, aber was hätten die Regierungen konkret dagegen unternehmen können?
Es hätte deutlicher gewarnt werden können. Dies war eine offensichtliche und leicht zu erkennende Blase. Stattdessen hiess es:
- Espania va bien (Spanien läuft gut)
- Unser Länderrisiko ist fast so niedrig wie das von Deutschland
- Spanien hat sich von einem Auswanderer- in ein Einwandererland gewandelt
- Unsere Staatsverschuldung sinkt
- etc. etc.
Dieser kräftige Aufschwung beruhte aber nicht auf fundamentalen Steigerung in der Produktivität oder/und Innovationen sondern großteils rein auf dieser Blase der Wertsteigerung der Häuser. Und das war halt eine Blase, die
a) irgendwann platzen mußte und
b) nix mit Deutschland zu tun hat.
In Deutschland funktionierte das System so, dass die Produktivität gesteigert wurde und Ressourcen an die Stellen gebracht wurden, an denen sie einen nachhaltigen Mehrwert generierten. Ist das “böse”, wenn das Gesamtsystem einfach besser funktioniert als das der Nachbarn.
Einfach ist sowas sicher nicht. Aber was soll dann die Mitgliedschaft Griechenlands im Euro überhaupt? Und was soll dann Wirtschafts- und Entwicklungshilfe an Länder für die sie keinen Sinn macht? Wenn ein Land keine Industrie aufbauen kann warum dann dem Land Kredite geben? Südkorea und Japan konnten es. Und Südkorea konnte in der Krise zurückzahlen.
Im übrigen hatte ich schon mal früher etwas dazu verlinkt, dass in einem landwirtschaftlichen Teilbereich in dem griechische Bauern einzeln nicht konkurrenzfähig waren, statt sich zu größeren Einheiten zusammenzuschließen, jeder Bauer auf Kredit seine eigenen teuren landwirtschaftlichen (Luxus)Geräte anschaffte. Und jedes Jahr konnten die Bauern den nötigen Druck (der Straße) entfalten, um Schulden erlassen zu bekommen. (So ähnlich war das) Und im übrigen trägt jeder doch wohl für seine privaten Kredite die Hauptverantwortung.
Das ist eine Argumentation, die ich schon immer merkwürdig, bzw. obsolet fand.
Wenn ein Unternehmen Arbeitsplätze abbauen muß´oder Pleite geht, wird von den Gewerkschaften immer erzählt, dass die Arbeiter nicht unter den Fehlern der Manager leiden dürften, da sie nicht verantwortlich seien.
Dabei wird aber “vergessen”, dass das gesamte Vermögen des Managements wohl nicht ausreicht, um die Firma weiterzuführen, zumal wenn sie am Markt nicht konkurrenzfähig ist. Es mag ja sein, dass Politiker und Manager entscheidende Fehler machen (Politiker sowieso!). Und natürlich wäre zu überlegen ob sie mit in Haftung genommen werden.
Aber wenn trotzdem Fehler gemacht werden oder einfach die Konkurrenz diese Fehler erzwungen hat, wird das immer die Belegschaft bzw. die Bevölkerung treffen.
Na ja, einbisschen liest sich das für mich so, als hätte das eine zentrale von Politikern besetzte Planungsstelle entschieden, und viele Kommentare lesen sich hier so, als ob das so funktionieren würde. Ich warne Euch vor einer solchen Illusion, die hier teilweise sogar als problemlösend dargestellt wird. Denn sowohl der Spielraum als auch die Kompetenz politischer Entscheidungsträger sind klar begrenzt. Es ist bspw. kein Geheimnis, dass einer Regierung, wenn sie das BIP-Wachstum ankurbeln möchte, meist kaum etwas besseres einfällt als in Infrastrukturprojekte zu investieren. Das könnte die Probleme von Griechenland aber nicht lösen.
In Wirklichkeit sind in der Regel hunderttausende Wirtschaftsakteure mit ihren technischen und logistischen Neuerungen für solche Entwicklungen verantwortlich, und das meist völlig unabhängig voneinander. Nicht jedoch die politische Klasse.
Nein, natürlich nicht. Hier wird aber oft so getan, als müssten wir uns dafür entschuldigen oder so ähnlich.
Das stimmt natürlich. Es wurde jedoch nicht getan, und das unterstreicht meine Aussage, dass der Spielraum und Kompetenz der Regierungen nun mal leider begrenzt sind.
Auch verrät diese Antwort gleichzeitig, dass direkte gestalterische Eingriffe als Problemlösung meist eher ein Wunschtraum sind. Genau das wird von vielen Lesern hier aber in der Realität tatsächlich erwartet, sowohl hier als auch in Griechenland.
@Axel
Eben. Das ist der Punkt.
Ich bleibe hier bei meiner Aussage, Axel. Du weisst doch sicher selbst, wie unsere politische Landschaft funktioniert, und wie Abgeordnete abstimmen. In den wirklich wichtigen Fragen (Euro, Lissabon-Vertrag, Afghanistan-Einsatz etc.) unterscheiden sich die grossen Parteien überhaupt nicht voneinander. Sie sind hier stets einer Meinung. Auch weisst Du vermutlich, wie sehr unsere Medien inzwischen versagen.
Und in fast jedem europäischen Land ist dies mittlerweile genauso.
Wir, die Bürger, wurden nicht gefragt ob wir eine EU haben wollen, ob wir das neue Geld haben wollen, ob wir Banken und Autos retten wollen und ob wir bereit sind, für all das Verpulvern von noch unverdienten Geld unsere Seelen zu verkaufen.
Die EU-Kommissare fragten uns nicht,
die deutschen Politiker fragten uns nicht,
die deutschen Medienjournalisten fragten uns nicht.
Stattdessen beschimpften und diskreditieren die uns mit dem Sammelbegriff: Eurogegner/Euroskeptiker.
Und jetzt, wo denen das Wasser bis zum Unterkiefer steht – wollen die uns Solidarität und Einsicht in eine EU-Notwendigkeit einreden, bei derer wir vorher so überheblich übergangen wurden.
Es ist Egal… was aus den EU-Büros oder heimischen Journalistenzimmern noch so angewiesen- geschrieben- propagiert wird, unsere Seelen wurden ungefragt verhöckert.
susi
Hans Herbert von Arnim
Das Europa Komplott
Das ist noch zu nett gesagt. Diese EU ist ein Verberechen der Eliten gegen die Völker Europas. Ob Österreich-Ungarn ein Völkerkerker war? Vielleicht. Diese EU ist es ganz bestimmt.
Genau… die böse böse EU! In ihrer unglaublichen Boshaftigkeit hat sie ihren Mitgliedsländern seit ihrem Bestehen nur Kriege und Unfreiheiten gebracht. Verdammt noch mal… wo komme ich hier nur aus dem Kerker raus!?!?
*kopfschüttelnd* Rossi
*kopfschüttelnd* Rossi
Ja, geht doch problemlos – wenn der Kopf so leer ist, nicht wahr?
Na immerhin darf ich meinen Kopf noch schütteln… ob leer oder nicht, denn seit nun bald 60 Jahren EG/EU hat mich zum Glück keiner dieser angeblichen Kerkermeister in irgend einer Weise in einen Krieg mit meinen EG/EU Nachbarn getrieben und mir sogar soviele Freiheitsrechte ermöglicht, dass ich hier auch straffrei als Vollpfosten rumlaufen darf… so wie du offensichtlich auch.
Wenn man da mal die Rechnung umgekehrt aufmacht und sich die 60 Jahre VOR der EG/EU anschaut… aber das machen Leute wie du ja nicht, weil sie sich ja so sicher sind, dass sie in einer der schlimmsten aller Unterdrückerwelten hier gelandet sind.
susi bibelmaus
Dem gibt es nichts hinzu zu fügen !
Alles schon gesagt nur noch nicht von jedem ….
666
Haste ach ne eigene Meinung und was haben immer die drei Zahlen unter deinen internetweit pöbelnden Kommentaren auch auf anderen Blog zu bedeuten?
Hat dir mal jemand was ins Hirn gedrückt…?
Steinmeier ist ein Papagei. Er wiederholt die falschen Analysen
unseres ehemaligen Superfinanzministers Steinbrück.
Mich überrascht das alles nicht. Wo auch immer man Menschen zu viel Macht anvertraut, werden sie sie für sich selbst und ihre Komplizen einsetzen, und nicht zum Wohle der Allgemeinheit.
Seit Jahren schon schreibt Ihr in diesem Blog Tiraden auf die Notwendigkeit der weiteren Zentralisierung und Koordination der EU-Politik. Noch mehr Macht wird die bestehenden Probleme allerdings nicht lösen sondern im Gegenteil. Die strukturellen Probleme auf diesem Wege lösen zu wollen, hiesse eine DDR2 zu fordern, denn sie sind einfach zu gross. Vielleicht wäre es somit an der Zeit diesen Standpunkt zu überdenken.
Richtig. Die EU war ein Projekt der Freiheit. Und jeder Weg zur Freiheit endet immer in der Macht und der tyrannís. Wussten schon die alten griechischen Philosophen.
Jacques Roux vor dem Pariser Konvent, 1793
Ist nicht nur ein ungewöhnlicher Name für einen alten Griechen, ist auch unglaublich jung, für einen alten Griechen.
LOL… den hätte ich fast übersehen, aber gut erkannt.. danke für den Pruster! :D
Das sogenannte “Lohndumping” Argument wird aus meiner Sicht bewußt irreführend eingesetzt. Es wird der Eindruck erweckt, als wären ausgerechnet Portugal, Griechenland und Spanien Paradiese für Werktätige. Das entspricht nicht der Wahrheit. Die Löhne stiegen vor allem in den oberen Lohngruppen. Für die unteren gabs Zeitverträge und massiv Konkurrenz aus Rumänien und z.T. auch Afrika.
Im Gini Koeffizient liegt Deutschland klar vor diesen Ländern http://www.indexmundi.com/facts/indicators/SI.POV.GINI/compare?country=es#country=de:gr:ie:pt:es
Ein Großteil der Rentabilität wird halt auch durch eher denkende und weniger status-orientierte Machtstrukturen erzielt. Skoda und Seat sind beide Töchter des VW-Konzerns. Skoda bereitet VW Kopfzerbrechen, weil VW selbst hart kämpfen muß, um gegen die zu bestehen. Seat gilt seit Jahrzehnten als Sorgenkind des VW Konzerns.
Dieses sind die Hauptursachen der gegenwärtigen Finanzkrise in der EU.
Es ist bezeichnend für Steinmeier(SPD), dass er noch weniger von Finanz- und Wirtschaftspolitik versteht, als Frau Merkel.
Die Vorstellung, dass Steinmeier und Gabriel an entscheidender Stelle in der nächsten Regierung (mit den Grünen oder der CDSU) stehen werden, bereitet mir Sorge und Angst.
Wieso etwas ändern? Die europäische Bevölkerung haben wie erfolgreich versklavt. Die letzten Reste von Recht- und Sozialstaatlichkeit weggewischt. Was wir jetzt noch brauchen ist wieder nur ein neuer Krieg. ;)
Noch n paar interessante Zahlen zu GR
seihen ohne ‘h’
Aber naja … die Sprache gehört dem Volk und nicht dem Duden.
Und: jaahaa… der Eurone geht unter.
*tanz* *tanz* *TANZ* *TANZ*
*tanz*Wie ich mich freuen werde, wenn die dekadenten Euro-Befürworter auf ihre Näschen fallen werden ! Wie kleine Mädchen sollen sie weinen !
Seht mich an ! Ich bin ein Eurobefürworter !!1
“OMFG… die populistischen Finnen / undiszplinierten Griechen dürfen nicht selbst entscheiden; sie würden eine Kernschmelze im Euroraum verursachen und Europa in den Abgrund stürzen ! Pah … all diese bildungsfernen Unterschichtler wissen gar nicht woran sie mit dem Euro sind !
Mhmhm..
Ich finde ihr seht das alles viel zu sehr schwarz/weiß. In den vorigen/vergangenen Beiträgen wird entweder von “oh die eu ist so toll, die ganzen unterschichtler wissen nicht woran sie sind” oder von “die eu ist ein unterdrückungsapparat der uns alle versklaven soll zur bereicherung der eliten”.
Ja und Nein. Zu beidem.
Was ziemlich offensichtlich ist, dass die EU so wie sie jetzt ist, nicht für die Ewigkeit gebaut sein darf! Es kann nicht sein, dass nur eine einzige Institution mehr oder weniger das Volk repräsentiert. Und dazu, dass das EU-Parlament auch mehr den Anschein einer “Abnicken”-Parlaments hat (Ausnahmen bestätigen die Regel) und eher zur Ruhigstellung der Menschen, die kritisch nachfragen, dient.
Die Europäische Kommission ist ein Witz. Sie hat als einzige von den 3 legislativ(er)en Institutionen das Recht Gesetze einzubringen. Und das OHNE jegliche Einflussnahme durch die Bürger. Diese Selbstbejubelung der Politik, die Kommission wird immer nur als Ganzes gewählt vom Parlament & vom European Council (auch ein Witz) und da ansonsten jedes mal neu aufgestellt wird, wird halt lieber einfach abgenickt und dann geht man halt Kompromisse ein und nimmt so einen Oettinger..
Eins noch zur Institution, sie braucht dringend eine demokratische Struktur und nicht so einen Witz wie wir es jetzt haben. Das bedeutet eine anständige Reform und Umverteilung der Macht und des Einflusses auf die Bürger (schön wärs :( ).
Die Grundidee der Europäischen Union, auch als Währungsunion, bietet grenzenlose Möglichkeiten, auch welche die nicht nur auf Ausbeutung basieren. Nur ist diese Idee einer supranationalen Organisation/Union nur erfolgreich und gerecht zu realisieren wenn diese Europäische Union starke, auch fiskale, Entscheidungsrechte bekommt, da ansonsten jeder jegliche gerechte Umverteilung boykottieren würde (-> erinnert ein wenig an das Security Council und seine dringend nötigen Reformen an der Machtvert-VETO!).
Wir brauchen Experten die WISSEN was sie da tun und nicht irgendwelche abgehalfterten Politiker die von nichts eine Ahnung haben, nur hinter dem Pflegen ihrer persönlichen Wirtschaftsinteressen (hallo, Österreich)her sind und eigentlich nur dort sind, weil sie zu schlecht/unerwünscht im eigenen Land sind.
Zusammenfassend also: EU wie sie jetzt ist, NEIN. Als Idee und mit den nötigen Neuordnungen, JA!
Ist leider nur die Frage wer soll es machen?
Die Macheliten die untereinander brav weiterkungeln und Gefälligkeitssubventionen (Agrarsubvention für Coca-Cola, anyone?) verteilen?
Die politisch hoch aktive Gruppe von Bürgern, die dann aber immer nur belächelt wird bzw. schön durch Auswahlmechanismen von Positionen der möglichen Macht ferngehalten werden?
Oder die “stillen Massen”, die sich nur vor Big Brother/Was-auch-immer vom Fernseher oder vom Facebook “like”-n wegbewegen wenn etwas SIE selbst direkt betrifft und ansonsten wegschauen nach dem Motto “ach ich kann doch sowieso nichts verändern”/”EU? Wat?”/”interessiert mich nicht/”hab besseres zu tun”?
Sieht alles nicht so rosig aus.. denn ohne grundlegende Veränderungen wird sich an den komplexeren Folgen/daraus resultierenden Problem nichts ändern.
Der nächste Boom/Bust Zyklus beginnt von Neuem, die Xenophobie wird immer salonfähiger, die Massen werden mit Kürzungen in Bildung und Promotion von BILDungsfernsehen geprägt von Quotengeilheit, sediert gehalten & die Schere zwischen Arm und Reich wird noch weiter auseinander gehen. Und irgendwann werden die Massen dann vielleicht auf die Straßen gehen und Köpfe fordern – aber erst nachdem sich die Übeltäter mit ein paar Milliärdchen in irgendein tropisches Land verzogen haben.
Seh ich das zu pessimistisch?
Ist das Südländer-Bashing auf einen gewissen Nationalstolz zurückzuführen?
Offenbar hat Deutschland nicht verstanden, was eine Währungsunion ist. In der Währungsunion gibt es Inflations-und Lohnziellinien. Über beides wird in Deutschland kaum gesprochen.
Der deutsche Erfolg ist nicht einseitig. Die Probleme der Südländer sind nur die andere
Seite der Medaille. Ohne Verschuldung der Südländer gäbe es keine deutschen Exporterfolge.
Dass Deutschland lohnpolitisch zurückgeblieben ist, löst nicht einmal die deutschen Probleme der Massensarbeitslosigkeit. Der deutsche Exportwahn schadet die von der inländischen Nachfrage abhängigen Branchen.
Es wird nicht mehr lange dauern und der deutsche Export wird einbrechen. Dann haben wir den Salat.
Das Ganze ist nichts weiter als eine riesige Spekulationsblase zu Lasten der EU. Das Hauptproblem ist doch, daß ein Land wie Griechenland, daß in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen hatte, wirtschaftlich aufzuholen, jetzt von Wucherzinsen erdrückt wird. Und das ist nichts weiter als Casionozockerei der Investmentbanken und Hedgefonds, also des großen Geldes.
Nur wenn die EU es ihren Mitgliedsländern endlich erlaubt, daß sie ihre Kredite direkt bei der EZB holen können, meinetwegen mit einem Risikoaufschlag je nach Verschuldungsgrad, und dabei moderate Zinsen bezahlen müssen, kann die Macht der Spekulanten und Ratingagenturen gebrochen werden. Es kann doch nicht angehen, daß ein Land 25% Zinsen für einen zweijährigen Kredit zahlen muß, während ein anderes Land in der gleichen Währungsunion unter 2% bezahlt. Beide Kredite erhalten die Banken von der EZB für einen Zinssatz um 1%! Hier muß ein Ausgleich stattfinden! Und er wird stattfinden, entweder freiwillig oder unfreiwillig durch eine weitere Finanzkrise. Besser wäre eine freiwillige Lösung, z.B. über Eurobonds.
Und unser blödes Gerede von der deutschen Leistungsfähigkeit können wir uns sparen. Diese angebliche Qualität nutzt uns nur etwas, wenn sie auch von Kunden nachgefragt wird und bezahlt werden kann. Sonst können wir – wie H. Flassbeck das so schön ausdrückt – in Deutschland mit einem Mercedes Kreise fahren. Das Griechenland so extrem bei Deutschland, Frankreich und der Schweiz verschuldet ist, liegt doch auch daran, daß diese Länder den Griechen ihre hochpreisigen Waren gegen Kredite mit niedrigem Zinssatz förmlich aufgenötigt haben. Ich erinnere mich noch sehr gut, als Deutschland Griechenland einen Kredit gab. Mit diesem Kredit war gleichzeitig der Kauf einen weiteren deutschen U-Bootes verbunden und natürlich wurde er nur unter der Bedingung gewährt, daß die Griechen damit deutsche Schulden bezahlen! Welche Sparmöglichkeiten bestanden denn da?
So und ähnlich läuft das zur Zeit mit der deutschen Exportwirtschaft. Was aber fehlt, ist eine boomende deutsche Binnenwirtschaft. Aber die wird durch Billiglöhne, unsichere Beschäftigungsverhältnisse und miese Lohnsteigerungen wirksam abgewürgt.
Den Kredit nicht in Anspruch nehmen, auf das U-Boot verzichten. Die Steuern endlich annähernd vollständig eintreiben. Die Luxusversorgung der öffentlichen Bediensteten einbremsen, die Zahl derselbensenken. Uwusf.
Ach ja, du schreibst ‘Deutschland’ habe diesen Kredit gewährt. Also der Staat. Hast du dafür eine Quelle?
http://www.wsws.org/de/2010/jul2010/grie-j14.shtml
Als Quelle eine ‘World Socialist Website’, betrieben vom ‘Internationalen Komitee der Vierten Internationale? Du willst mich verscheissern, gib’s zu :)
Ach ja, der Text sagt keine Silbe zu einem bilateralen Kredit für Waffenkäufe.
Ach Sam, das sind doch alles schon dinge, die durchgesetzt wurden im Rahmen der Austeritätspolitik durch die anderen Euroländer und den IWF.
Ein bisschen sollte man schon im Thema sein, wenn man hier diskutiert.
Theorie und Praxis… Es wurde durch die Griechen von den Vorgaben des IWF und ESFS bisher so gut wie nichts tatsächlich umgesetzt. Ein bisschen sollte man schon im Thema sein, wenn man hier diskutiert.
@ condorito, 9. Mai 2011, 22:53
Sie schreiben:
“Die exportierenden deutschen Unternehmen verkaufen doch nicht über den Preis… sondern mit hoher Qualität, ”
Das ist die häufig von neoliberaler Seite vorgebrachte “Begründung” für das starke Wachstum der deutschen Aussenhandelsüberschüsse.
Nur dann, wenn es den Neoliberalen in den Kram passt, rücken diese eher unfreiwillig mit der Wahrheit heraus, So beispielsweise der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton F. Börner im Oktober 2010, als er die Forderung nach einem Ende des deutschen Lohndumping wie folgt ablehnte:
“Wenn wir die Löhne über das erträgliche Maß hinaus erhöhen, dann erhöhen wir die Lohnstückkosten. Durch Steigerung der Lohnstückkosten werden wir unsere Wettbewerbsfähigkeit gefährden.”
Unsere “Wirtschaftsexperten” und Mainstreammedien werden für gewöhnlich nicht müde zu behaupten, das starke Wachstum der deutschen Exportindustrie seit der Einführung des Euro sei keine Folge des Lohn- und Sozialdumping, sondern das Resultat “innovativer Produkte”. Ganz so, als hätte Deutschland zu DM-Zeiten nicht ebenfalls über innovative Produkte (z.B. im Maschinenbau und der Automobilindustrie) verfügt. Der Arbeitgeberfunktionär Anton F. Börner räumt nun indirekt und wohl eher unfreiwillig ein, daß das seit der Euro-Einführung zu verzeichnende drastische Exportwachstum sehr wohl auf dem hiesigen Lohndumping basiert. Ein Blick in die Enwicklung des deutschen Aussehandelsüberschusses bestätigt im übrigen, daß dieser seit dem Zeitpunkt der Fixierung der Euro-Umtauschkurse für die einst nationalen Währungen (im Jahre 1999) drastisch angestiegen ist.
Momo,
da geht es um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte mit Konkurrenten. Und die stammen in aller Regel nicht aus Spanien, Portugal und Griechenland sondern – etwa in der Automobilindustrie – aus Asien und Osteuropa.
Nochmal: Du glaubst doch nicht im Ernst, dass in den Exportsektoren Deutschlands wie der Automobilbranche, dem Maschinenbau und den regenerativen Energien niedrigere Löhne als in Spanien, Portugal (!) oder Griechenland (!) gezahlt werden.
Und wenn in Deutschland Arbeit so billig ist, müßte dann nicht das Kapital mit großer Begeisterung massenhaft nach Deutschland einströmen? In der realen Welt sind die Investitionen in Deutschland eher gering. Das Kapital sucht sich andere Standorte, an denen halt auch niedrigere Löhne gezahlt werden.
Und wenn in Deutschland die Arbeiter und Angestellten mit so bodenlos niedrigen Löhnen abgespeist werden, warum besitzt Deutschland dann eine so hohe Sparquote?
Du bringst hier Argumentationen vor, die nach nur ein wenig nachdenken schneller zusammenstürzen als ein AAA+ geratetes “innovatives” Finanzprodukt kurz nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers.
Ich kann mich noch daran erinnern, dass zur Zeiten der letzten hohen Arbeitslosigkeit in Spanien in der ersten Hälfte der 90er die dortigen Medien Enttäuschung darüber äusserten, dass es spanische Produkte so schwer auf dem Markt anderer europäischer Länder haben. Die Gründe wurden nicht in den dollen Löhnen in Spanien gefunden, sondern in der Schwerfälligkeit der Unternehmen, Verbesserungen in den Produktionsprozessen und der Angebotsgestaltung vorzunehmen. Unternehmen in Tschechien, Slowakei, Slowenien und seit neuerer Zeit Polen zeigen aber, dass dies sehr wohl möglich ist. Das gilt auch nicht für alle spanische Unternehmen und Branchen, aber für zu viele.
Gruß Lemmy
Die Konkurrenz der deutschen Automobilzulieferer sitzt in Japan, in den USA und natürlich in Europa.
Deutsche Firmen sind vor allem Billigheimer. Ich arbeite in der Vertretung einer US-amerikanischen/englischen Firma, die unter anderem an die so genannten “automotive industries” liefert. Die deusche Konkurrenz zahlt nicht nur niedrigere Löhne, sondern sie leistet sich unnötigerweise auch noch billige Preise. Dass Thyssen sich von der Edelstahlseite trennen wil. Liegt auch an der Billigheimermentalität. Man könnte viel höhere Preise erzielen.
So ein Schwachsinn.
Hier siehst du eine Liste der größten deutschen Automobilzulieferer.
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/6303/umfrage/die-groessten-deutsche-automobilzulieferer/
Für 3 dieser Unternehmen hab ich schon in Projekten gearbeitet. Armut ist mir da nun wirklich nicht begegnet.
Da wird nach Art der SED-Nachfolger alles irgendwie zurechtgedengelt, damit auch die schildbürgerischste Argumentationslinie für naive Geister noch halbwegs plausibel klingt.
Wer hat denn hier von Armut gesprochen?
Es geht darum, dass die deutsche Konkurrenz viel höhere Preise erzielen könnte. Sie meint, nur über den Preis konkurrieren zu können, aus Angst, sie würde Aufträge verlieren.Deutsche Firmen betreiben Preisdumping zulasten ihrer Gewinnmargen im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz.
Thyssen will sich jetzt von seinem Automotivesektor trennen. Warum wohl?
Man verkauft zwar kräftig, hat allerdings nicht das Ebit, das die ausländische Konkurrenz hat, eben weil man zu billige Preise anbietet.
Wohlgemerkt, Thyssen trennt sich hier nicht von der hart umkämpften “Schweinestahl”-Produktion sondern von der angeblich so lukrativen Sparte der Sonderstähle und Sonderlegierungen.
Falls Du dich beruflich verändern möchtest, bewerb Dich beim Kopp-Verlag. Ich seh da Potential.
@condorito:
Können Sie den Schwachsinn ala “SED hier” und “SED da” mal bitte lassen?
Diese abgedroschenen Phrasen nerven einfach nur noch. Es wirft zudem ein – zumindest für mich – eher schlechtes Licht auf Sie, da es den Anschein erweckt, sie würden hier mit zweierlei Maß messen.
Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, von Ihnen jemals gelesen zu haben, dass die FDP die Nachfolgerin der NSDAP sei, weil da überproportional viele Alt-Nazis drin gelandet sind (und sich diese Partei nach wie vor davor streubt, dieses Thema aufzuarbeiten) …
Ich setze mich ja gerne mit Meinungen auseinander – egal ob nur lesend oder lesend und schreibend, die sich nicht mit meiner decken, aber wenn sogar Basics ignoriert/verdreht werden, macht es im Prinzip einfach keinen Sinn, weiter darauf einzugehen. Das finde ich äußerst schade.
Sie schreiben:
“Du glaubst doch nicht im Ernst, dass in den Exportsektoren Deutschlands … niedrigere Löhne als in Spanien, Portugal (!) oder Griechenland (!) gezahlt werden.”
Schon mal was von Produktivität und Lohnstückkosten gehört? Ich verweise auf den Aufsatz von Heiner Flassbeck und Friederike Spieker:
“Lohnpolitische Konvergenz und Solidarität oder
offener Bruch”
http://www.flassbeck.de/pdf/2010/april%202010/flassbeckWiDienst.pdf
Übrigens: Selbst bei der Höhe der Arbeitskosten je Arbeitsstunde in der Privatwirtschaft liegt Deutschland innerhalb der EU (sowie unter Einschluß Norwegens) nur noch an 8. Stelle. Soviel zum immer noch gepflegten Mythos von den angeblich “im weltweiten Vergleich vorherrschenden Spitzenlöhnen und -gehältern in Deutschland”.
8. Platz ist doch in einer Zone reicher Länder ein recht gutes Ergebnis.
Deutschland wird mit dem Erdölland Norwegen verglichen und Kuba mit Haiti. So dengelt man sich eine Theorie zurecht.
Ausserdem sollten wir nicht vergessen, dass Deutschland die Integration eines absteigenden Schwellenlandes namens DDR verkraften.
Nach neoliberaler Lesart hätten die Neuen Bundesländer nach 1990 doch wegen der im Vergleich zu den alten Bundesländern deutlich niedrigeren Löhne doch über eine exzellente Wettbewerbsfähigkeit verfügen müssen. Von hohen Aussenhandelsüberschüssen der Neuen Bundesländer hat meines Wissens bisher noch niemand berichtet.
Hallo condorito,
schon einmal etwas von “internen” Verrechnungspreisen (Lopez) gehört? Wenn man(n) in Projekten (SAP) mitgearbeitet haben sollte, so sollten die Hintergründe der Wertschöpfungskette bekannt sein.
Auch die finanz. Aspekte/Verbindungen bei Honsel/Hella zu dt. Automobilherstellern ermöglichen weitere und sinnvolle Erkenntnisse…
Wieder einmal wird kein einziges hausgemachtes Problem Griechenlands (korrupte Beamte, mangelnde Steuereinnahmen, überzogenen Gehälter im Staatsdienst erzwungen durch korrupte Gewerkschaften usw, ich weiß nicht mehr was ich früher alles dazu bereits gelesen und auch geschrieben habe, es dreht sich hier ja alles permanent im Kreis) angesprochen.
Wieso soll eigentlich Deutschland die Probleme der Griechen lösen? Was hat die griechische Wirtschaft eigentlich zu bieten? Wo konkurriert sie eigentlich mit Deutschland? Bitte ausführen!
Südkorea war vor 50 oder 60 Jahren Agrarland oder so (ich wills jetzt nicht wieder genauer recherchieren). Dann fand eine atemberaubende industrielle und technologische Entwicklung statt. Wärend der Asien-Krise gabs IWF-Kredit und der ist zurückgezahlt. Südkorea hatte halt was zu bieten und hat Disziplin.
Und wenn, dann müßten die griechischen Firmen. eben besser oder kostengünstiger sein. So läuft nun mal der Wettbewerb. Können die Griechen keine Motorsägen ins Ausland verkaufen, weil das Lohnniveau in Griechenland dafür zu hoch ist, oder weil sie halt gar keine herstellen? Wenn die Griechen doch insgesamt ein niedrigeres Lebensniveau haben als die Deutschen, wieso sind sie dann nicht über die Löhne konkurrenzfähig? Mangelnde Produktivität? Oder sind dort wo sie mit dem Ausland konkurrieren die Löhne wieder zu hoch. Die Griechen konkurrieren ja auch nicht nur mit Deutschland.
Was soll Deutschland eigentlich zusätzlich aus Griechenland importieren (Ouzo, Oliven), damit die Griechen ihre Einnahmen steigern?
Lediglich der Tourismus (und das ist halt weitgehend Griechenland) würde profitieren, wenn die Drachme wieder da ist.
Wer kann diese Fragen mal sachlich beantworten? Ich lasse mich auch gerne etwas lehren.
Früher oder später bricht das sowieso alles zusammen. Die Griechen sind auf Jahrzehnte platt. Die Frage ist nur wie hoch der Preis für Deutschland ist. Und ob eine Lösung zum jetzigen Zeitpunkt weniger katastrophal ist als zu einem beliebigen späteren. Das kann ich mit nicht beantworten.
Bei Ihrer Aufzählung des griechischen “Sündenregisters” haben Sie die die massiven Steuerhinterziehungen Ihrer raffgierigen neoliberalen Gesinnungsfreunde “vergessen”!
Sie schreiben:
“Wieso soll eigentlich Deutschland die Probleme der Griechen lösen? Was hat die griechische Wirtschaft eigentlich zu bieten? Wo konkurriert sie eigentlich mit Deutschland? Bitte ausführen!”
Bereits in einem meiner früheren Kommentare schrieb ich:
“Die Probleme in zahlreichen Staaten der Eurozone sind zu einem nicht unwesentlichen Teil sehr wohl Deutschland anzulasten, denn das hiesige Lohndumping führte nicht nur zu einer Beeinträchtigung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit dieser Staaten innerhalb der Eurozone (da im Gegensatz zur “Vor-Euro-Zeit” keine Währungsabwertung mehr vorgenommen werden kann), sondern schwächte die Wettbewerbsfähigkeit dieser Eurozonen-Staaten auch im “Außenverhältnis” zur “übrigen Welt”: Die hohen deutschen Außenhandelsüberschüsse kompensieren in etwa die Außenhandelsdefizite der übrigen Eurozonenstaaten. Wäre Deutschland kein Mitglied der Eurozone, dann würde der Euro-Wechselkurs ein deutlich niedrigeres Niveau aufweisen, was automatisch eine verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit der übrigen Eurozonen-Staaten bewirken würde.”
Würden die hohen deutschen Aussenhandelsüberschüsse den Euro nicht über das für die meisten Eurozonenstaaten erträgliche Maß hinaus nach oben treiben, dann könnte auch Griechenland
- sich Schritt für Schritt eine eigene Exportindustrie aufbauen,
- wegen des schwächeren Eurokurses würden Warenimporte unattraktiver, was der griechischen Binnenwirtschaft mittelfristig zu Gute käme.
Würde das deutsche Lohndumping zurückgedreht, dann kämen vielleicht auch jene deutschen Arbeitnehmer und deren Familien in den Genuss eines Griechenlandurlaubs, die in den vergangenen 10 bis 15 Jahren Opfer des hiesigen Lohndumping wurden.
Im übrigen werden die deutschen Exporte auch durch äußerst unmoralische Geschäfte angekurbelt, wie der Jens Berger bereits im vergangenen Juli unter der Überschrift “Griechische Milliarden für deutsche U-Boote” in Telepolis schrieb:
“Während die griechische Regierung die Renten und die Löhne massiv kürzt, kauft sie zur gleichen Zeit deutsche Militärtechnik im Wert von über einer Milliarde Euro.
Es darf jedoch bezweifelt werden, dass diese Entscheidung in Athen getroffen wurde. Sowohl griechische Regierungskreise als auch der Grünen-Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit, der sich auf ein Gespräch mit dem griechischen Premier Papandreou beruft, berichten, dass die deutsche und die französische Regierung diese Waffendeals als Vorraussetzung für Konzessionen bei der Ausgestaltung des Rettungspakets gemacht haben. Was für Deutschland seine U-Boote, sind für Frankreich seine Fregatten – Athen “will” in den nächsten Jahren sechs französische FREMM-Fregatten im Wert von 3,5 Milliarden Euro kaufen.”
http://www.heise.de/tp/artikel/32/32961/1.html
Zum Nutzen und Frommen der heiligen deutschen Export-Rüstungsindustrie ist es sogar gerechtfertigt, die sonst von den hiesigen rechtskonservativ-neoliberalen Kreisen stets als “Pleite-Griechen” denunzierten Hellenen sogar zum Kauf von U-Booten zu nötigen und damit die Auslandsverschuldung Griechenlands völlig unsinnigerweise weiter nach oben zu treiben, gell?!
1. Deutschland muß die Probleme Griechenlands lösen, weil wir über kurz oder lang die gleichen Probleme haben werden. Auch unsere eigene Staatsverschuldung ist durch die Bankenhilfen und Konjunkturmaßnahmen dramatische angestiegen. Hier bietet Griechenland sozusagen schon mal den Testfall für das was geht und was nicht. Desweiteren werden nach Griechenland immer mehr Länder der EU in diese Kreditfalle der Spekulanten und Ratingagenturen geraten.
2. Einen großen Teil der griechischen Schulden haben Deutschland und Frankreich durch verantwortungslose Rüstungsexporte an Griechenland zu verantworten. Als NATO-Land an der Peripherie und im Wechselspiel mit dem nicht EU-Mitglied Türkei wurde Griechenland regelrecht gezwungen, aufzurüsten. Wir können immer naßforsch behaupten, sie hätten die Waffen ja nicht kaufen müssen. Ich bin allerdings eher der Meinung, daß Griechenland sich diesen Käufen gar nicht entziehen konnte, die Erpressung durch Frankreich und Deutschland dürfte erheblich gewesen sein.
3. Die Produktivität der griechischen Industrie liegt deutlich unter der deutschen Wirtschaft. Vor der Krise hatte Griechenland massiv in die Modernisierung investiert, daher rührt auch ein großer Teil der Schulden. Sie waren auf einem guten Weg. Das Lohnniveau Griechenlands ist deutlich geringer als das deutsche.
4. Das, was wir so gern als Luxusrenten bezeichnen, liegt im Durchschnitt bei 617,-EUR
(http://societystats.blogspot.com/2007/06/blog-post_3585.html).
Die 1.357.627 Renten in Griechenland teilen sich auf in:
20% weniger als 400,-EUR,
50% weniger als 500,-EUR,
66% weniger als 600,-EUR
14% mehr als 1.000,-EUR
Dazu muß man berücksichtigen, daß die Lebenshaltungskosten mit denen in Deutschland vergleichbar sind.
Ich kann nur hoffen, daß wir in Deutschland, sollten wir in eine ähnliche Lage geraten, die Luxuspensionen unserer politisch Verantwortlichen angemessen kürzen! Aber ich glaube, denen schmeckt die Medizin, die sie anderen verordnen, dann überhaupt nicht.
5. Der Exportanteil Griechenlands am BIP beträgt ca. 7%. Das bedeutet, daß meiste Geld wird durch die Binnenwirtschaft, zu der auch Tourismus zählt, verdient. Womit soll Griechenland als außergewöhnliche Auslandseinnahmen erzielen.
Das Griechenland ein Problem mit Korruption und Steuerhinterziehung hat, sollte bekannt sein. Gleichzeitig ist Deutschland hier nun wahrlich kein Waisenknabe. Wenn ich mir nur überlege, daß in Hamburg jährlich nur 5% der Einkommensmillionäre steuerlich überhaupt geprüft werden, dann läßt sich auch für Deutschland sagen, daß wir einen Großteil unserer Staatsschulden auch durch vermehrte Steuerfahndung wieder hereinholen könnten, wenn es die denn Politik wollte!
Und das wir in der Korruptionsstatistik keinen Spitzenplatz einnehmen, sollte eigentlich auch jedem Leser klar sein. Wir stehen meines Wissens auf Platz 14 der internationalen Korruptionsskala (Griechenland übrigens auf Platz 71 mit der gleichen Bewertung wie Mazedonien, Rumänien und Bulgarien).
Das bedeutet, daß wir von Griechenland Anstrengungen in der Bekämpfung von Korruption und Steuerhinterziehung verlangen können. Aber um hier ein wirkliches Umdenken zu erreichen, benötigt man einfach erst einmal Zeit. Was sich in jahrzehntelanger Praxis eingeschliffen hat, läßt sich nicht ohne weiteres ändern. Dafür sollten wir den Griechen wirklich Zeit und Kredit geben. Zur Zeit verlangen Paris und Berlin allerdings einfach Unmögliches, die griechischen Ausgaben sollen dramatisch gekürzt werden und gleichzeitig sollen aber die Steuereinnahmen sprudeln und die Wirtschaft prosperieren. So können wir Griechenland genauso kaputt machen wie nach der Wende die ehemalige DDR-Wirtschaft. Und daran kauen wir immer noch!
Das finde ich einen sehr interessanten Kommentar, auch wegen der Zahlen zur Höhe der Renten. Dankeschön!
@ spider
Aber wer soll es sonst ausbaden? Rein formal kann es bei diesen Dimensionen nun mal niemand anderer ausbaden.
Was Du schreibst ist alles richtig, aber selbst wenn man die Politiker im Sinne von Vorsatz für das jeweilige Desaster verantwortlich machen kann, muß die Bevölkerung bluten, denn für einen solchen Schadensfall gibt es keine (Rück)Versicherung. Die Politiker haben nicht das Vermögen um im Schadensfall zur Verantwortung gezogen werden zu können. Man könnte sie zwar bestrafen, aber dass würde die griechische Bevölkerung auch nicht vor den Folgen der Pleite retten.
So habe ich das rein foirmal gemeint und immer so gesehen.
Deshalb meinte ich, dass eine solche Anmerkung obsolet ist.
Ich will damit weder die Politiker reinwaschen und schon gar nicht das jetzige politisch mediale System, in das partiell möglicherweise auch noch direkt die Wirtschaft verstrickt ist. Wobei ich allerdings nicht weiß ob alle bewußt an einem Strang ziehen.
Das ist nicht das, um das es mir hier geht. Mir geht es um eine Schadensminimierung. Diese ist aus meiner Sicht möglich, und sie bedarf einer Kursänderung.
Das dachte ich mir, aber ich vergaß es dazuschreiben.
Aber damit gehts dann voll ans Eingemachte. Was ist Schadensminimierung und mit welchen Maßnahmen wird sie durchgeführt?
Umschuldung, Austritt aus dem Euro, immer weitere und eigentlich noch höhere Hilfen als bisher, wenn die Bevölkerung nicht so getroffen werden soll? Interne griechische Reformen die die Reichen treffen? Etwa ungerechtfertigt hohe Gehälter oder hohe Renten abschaffen. Das müssen die Griechen schon selbst machen!!
Wie soll man den Mittelweg zwischen Auflagen und Hilfe finden. Und wie soll man überzeugt davon sein, von den Hilfen je wieder einen Euro zu sehen? Die Hilfen sind kein Pappenstiel und da hängen der deutsche Steuerzahler und die deutschen Renten dran. Also wenn man mich gefragt hätte vor einem Jahr, hätte ich als eigentlich reiner Laie nichts anderes gesagt wie Ackermann. Und heute sage ich dasselbe.
Oder was ich überhaupt nicht und nie nachvollziehen konnte die Erhöhung der Löhne in Deutschland (wie ja der Beitrag wieder nicht zum ersten mal hier fordert) . Letzteres verstehe ich allein deshalb nicht, weil ja in Deutschland die Tarifpartner die Löhne aushandeln und man ansonsten den Arbeitgeber wechselt, wenn man mit dem Lohn nicht zufrieden ist.
Ich bin ja nicht gegen den Mindestlohn, erwarte aber auch keine Wunder und glaube schon gar nicht, dass der Mindestlohn die Probleme Griechenlands lösen kann.
Und eine zentrale wirtschaftliche Lenkung durch Brüssel, wie sie für eine Währungsunion im Raum steht ist sicherlich bei solch unterschiedlichen Mitgliedern vollkommen zum Scheitern verurteilt. Jedenfalls hinsichtlich des deutschen Lebensstandards.
Dei nationalistische Karte. Ja schön.
Auf den Nachdenkseiten wird darüber berichtet, dass aus Deutschland immer wieder die Spekulation angeheizt wird.
Der Ärger über den Umgang deutscher Politiker mit der Krise in Griechenland wächst in den anderen Euro-Mitgliedsstaaten.
“Vertreter aus Euro-Ländern sind “besorgt” über die politische Schwäche Berlins”.
Warum keimt eigentlich in Deutschland immer wieder dieser seltsame Nationalismus auf? Deutschland ist ein Spielverderber.
Ein ganz dummer sogar.
Wie gesagt, in Deutschland hat man immer noch nicht verstanden, was eine Währungsunion ist.
Wenn ich eines bei “politisch korrekten” Linken nicht leiden kann, dann sind das blinde Dogmatik und Hysterie.
Jetzt tue doch nicht so, als würde gleich jemand die NSDAP neu gründen wollen, um Jagd auf Minderheiten veranstalten und sie in KZs zu stecken. Niemand will das. Es wäre für mich ein Albtraum.
Der Nationalismus, auch der “weiche”, interessiert mich überhaupt nicht. Du begreifst schlicht das Problem nicht. Über folgende Optionen spricht niemand, aber sie sind längerfristig tatsächlich denkbar:
a) Man steigt jetzt aus dem Euro aus und minimiert den Schaden.
b) Man steigt aus dem Euro erst kurz vor der endgültigen Katastrophe aus, also erst dann wenn man “muss”. Fast alle Länder der Eurozone, darunter auch Deutschland, wären aber beinah insolvent und auf Generationen verschuldet.
c) Man zieht die Euro-Dogmatik bis zum bitteren Ende durch, nimmt Schulden auf, spart drastisch, nimmt soziale Aufstände und Revolten dabei in Kauf.
Hier ist prinzipiell alles denkbar: Irgendwann sogar der Ausruf eines Notstandes beispielsweise, bei fast völliger Abschaffung der Bürgerrechte und der Demokratie.
Also man kann natürlich dafür sein, dass Deutschland die ganze Welt rettet. Obwohl es selbst, möglicherweise kaum noch zu retten ist.
Wenn die Hilfen für Griechenland und den Rest der Welt allerdings i. w. Umverteilung sind, dann hat Deutschland für sich selbst nur noch den Betrag (X-Umverteilung) zur Verfügung.
Der Betrag Umverteilung steht nicht mehr zur Umverteilung bzw. zum Einsatz in Deutschland zur Verfügung. Weder für Sozialleistungen noch für die 56 Mrd die die Krankenkassen (laut Spiegelfechter-Artikel) benötigen, noch für Investitionen.
Ich denke das ist doch zumindest klar. Auch wenn es nicht ganz so einfach ist, wie ich es hier dargestellt habe.
Und außerdem ist die Frage, ob die jetzige Form der “Hilfe” die richtige ist. Darüber gibt es zumindest unterschiedliche Meinungen. Das kann ich aber nicht wirklich beurteilen. Und die Artikel hier helfen mir darin bisher nicht weiter.
Es sind doch nicht nur die Deutschen, Was für eine uüberhebliche und unsachliche Betrachtung. Deutschland trägt die Lasten anteilmäßig gemäß seiner Größe im EMS, nicht mehr und nicht weniger.
Tut das eigentlich weh, diese Egozentrik?
Was heißt genau Modernisierung? Ich habe vor Jahresfrist auf den Nachdenkseiten schon mal eine ähnliche Äußerung von H. Flassbeck gelesen, ohne das dort eine genauere Spezifizierung vorgenommen wurde.
Hat Griechenland in Infrastruktur investiert oder in die Modernisierung der Industrie oder den Aufbau neuer Industriezweige? Griechenland müßte ja eigentlich die Absicht gehabt haben, die Kredite für diese Modernisierungen zurückzuzahlen.
Oder hat Griechenland einfach auch nur gebaut was das Zeug hält?
Ich seh die Sache, bis mir jemand hier Details nennt, mit Griechenland folgendermaßen:
Griechenland war weder in der Lage aus sich selbst heraus, noch unter den nunmal herrschenden Konkurrenzbedingungen eine Industrie aufzubauen, um mit den produktiveren Nordländern Europas mitzuhalten. Über die Euro-Blase kam Griechenland an billige Kredite und hat die vermutlich im Land verbaut und seine Staatsdiener alimentiert (Die Arbeit machten ohnehin die, die mittlerweile aus der Tätigkeit für den Staat entlassen sind). Oder eben als Kredit an Privat-Personen weitergereicht, die damit ihre Haushalte “modernisiert” haben. Aber ich lasse mich gerne detaillierter aufklären.
Griechenland ist also über den Euro künstlich auf ein Niveau gehoben worden, dass es aus eigener Kraft nie erreichen konnte und auch vor allem nicht halten kann! Alle internen Reformen werden nicht ausreichen, wenn das Land nicht wirtschaftlich konkurrenzfähig wird. Und wo soll das passieren wenn das Land im Euro bleibt? Die Textilindustrie ist von Asien gekapert worden. Im Tourismus mußten sie aufgrund des Euro u. a. an den Balkan abgeben. Eigentlich ein Todesstoß!
Wenn man nun weitere Hilfen an Griechenland gibt wird es weiter künstlich auf einem Niveau gehalten, dass es aus eigener Kraft nie wird halten können. Und es wird auch diese Hilfen ebenfalls nicht zurückzahlen können.
Diese Hilfen müssten dann zumindest solange gezahlt werden wie im Land ein Gleichgewichtszustand erreicht ist, der wohl freilich auch weit und dauerhaft unter dem Vorkrisen-Niveau liegt.
Und spätestens dann werden die Hilfen abgeschrieben bzw. es wird umgeschuldet, wenn es nicht vorher aufgrund des Faß – ohne Boden Effekts bereits erzwungen wird.
Griechenland ist auch dann wahrscheinlich ärmer als es vor dem Euro war und die deutschen Mrd sind auch weg. Natürlich kostet auch die Umschuldung oder der Euro-Austritt oder was auch immer. Die Frage ist eigentlich nur, was wird teurer und zu wessen Lasten gehen die Milliarden. Was die griechische Bevölkerung nicht schultert muß halt u. a. überwiegend der deutsche Steuerzahler und Rentner schultern.
Auch hier wieder die deutsche Egozentrik!
Griechenland muss nicht gegen Deutschland konkurrieren, um die Probleme zu lösen.
Es geht darum, dass es durch das deutsche Lohndumping eine ständige Aufwertung des Euros gab, die die Exportmöglichkeiten solcher Länder wie Irland und Griechenland verschlechterten.
Deutschlands Exporterlöse sind letztlich auch nur dadurch möglich, weil sich andere Länder verschulden.
Würde Griechenland aussteigen, so wäre das Ende des Euro nicht mehr fern. Un d das hätte für Deutschland fatale Folgen.
Es gibt nur eine Möglichkeit. griechenland mit billligem Geld zu versorgen.
Wie auch immer das sei:
Was exportiert(e) Griechenland denn überhaupt, was nennenswerte Einnahmen bringt (brachte)? Insbesondere dann, wenn man bedenkt, dass man den Export hätte ausweiten müssen, um Schulden zurückzuzahlen?
Und wenn Griechenland unter der Aufwertung des Euros leidet liegt das halt daran, dass es für den Euro nicht geeignet war und ist, eine Erkenntnis, die sich jetzt freilich nur noch in einer mehr oder minder großen Katastrophe, entladen wird.
Außerdem wird hier immer vom deutschen Lohndumping geredet, aber darüber, dass in Griechenland die Löhne stärker gestiegen sind als die Produktivität, wird kein Wort verloren. Die anderen ärmeren kapitalistischen Länder können sich jede Verfehlung leisten. Hauptsache sie sind arm oder es ist nicht Deutschland, dann vergißt man sogar, dass sie kapitalistisch sind, nur was Deutschland macht, ist in jedem Fall zu verurteilen.
Das mag angesichts der Alternativen (eine Umschuldung wird Griechenlands Probleme nicht lösen und der Euro-Austritt wäre zumindest für die Griechen vorübergehend eine Katastrophe, natürlich mit Folgen für Rest-Europa) so sein, aber das Geld für Griechenland steht in Deutschland dann jedenfalls für andere Projekte, eben auch solche, die hier in diesem Blog gefordert werden, nicht mehr zur Verfügung.. Und es ist dauerhaft weg.
Welche denn?
Die gleichen etwa, welche der Schweizer Franken für die Schweiz und die norwegische Krone für Norwegen hat?
Die ist klar, wie klein die dortigen Bevölkerungen und damit auch die dortigen Währungsmengen sind?
Spekulative “Währungsmanipultionen” dürften somit ein leichteres sein. Und warum passiert das nicht? Weil diese Volkswirtschaften gesund sind. Wenn man schon spekuliert, dann spekuliert man gegen die schwächsten Tiere im Rudel. Aber ohnehin handelt es sich bei diesem Aufschrei meist um dreiste Propaganda und Verschwörungstheorien.
Wie gesagt, Axel. Bis auf die Infrastruktur, deren Verbesserung die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands wohl nicht ausreichend verbessern würde, geht das auch nicht. Die Leute, die hier das Gegenteil behaupten, glauben wohl, sie leben in einer Art “Ostblock”, und man muss es klar sagen, sie bauen Luftschlösser. Der Staat könnte höchstens theoretisch immense Summen in Forschung investieren, die anschliessend die Industrie mit neuen Patenten versorgen würde, welche endlich konkurrenzfähige Produkte gewährleisten. Der andere Weg: Der Staat könnte wie einst Irland massiv die Steuern senken um ausländische Industrieunternehmen anzulocken und damit die Produktivität zu erhöhen.
Beides dauert etliche Jahre, was den gegenwärtigen Belastungsrahmen sprengen würde, und für beides ist gar kein finanzieller Spielraum mehr übrig. Die Griechen haben sich dazu verpflichtet zu sparen und das massiv. Sie müssen sogar die Steuern erhöhen, wodurch sie ihre Konjunktur auf Jahre abwürgen werden.
Hier ist in Wirklichkeit nichts mehr zu machen. Keine Chance.
Die einzige mögliche Form der “Angleichung” besteht in der Abwürgung der Konjunktur in den wettbewerbsfähigeren Ländern. Das aber wird den dortigen Sozialsystemen das Genick brechen.
Irland?
Bessere Produktivität?
Woher kommen derart falsche Analysen?
Man sollte nicht vergessen, dass Irlands Krise ursprünglich eine Banken- und keine Industriekrise war. Die Iren haben sich im Finazwesen gravierende Fehler geleistet, man sollte jedoch nicht alles in einen Topf werfen.
Und das wird den rücksichtlosen, raffgierigen und räuberischen “Eliten” das Genick brechen. Weil diese Menschen nicht nur RRR sind sondern auch dumm (Entschuldige spider, ist nicht persönlich gemeint):
Gulag ist tot! Es lebe Gulag!
Erich Kästner
ANSPRACHE AN MILLIONÄRE
Warum wollt ihr solange warten,
bis sie euren geschminkten Frauen
und euch und den Marmorpuppen im Garten
eins über den Schädel hauen?
Warum wollt ihr euch denn nicht bessern?
Bald werden sie über die Freitreppen drängen
und euch erstechen mit Küchenmessern
und an die Fenster hängen.
Sie werden euch in die Flüsse jagen.
Sinnlos werden dann Schrei und Gebet sein.
Sie werden euch die Köpfe abschlagen.
Dann wird es zu spät sein.
Dann wird sich der Strahl der Springbrunnen röten.
Dann stellen sie euch an die Gartenmauern.
Sie werden kommen und schweigen und töten.
Niemand wird über euch trauern.
Wie lange wollt ihr euch weiter bereichern?
Wie lange wollt ihr aus Gold und Papieren
Rollen und Bündel und Barren speichern?
Ihr werdet alles verlieren.
Ihr seid die Herrn von Maschinen und Ländern.
Ihr habt das Geld und die Macht genommen.
Warum wollt ihr die Welt nicht ändern,
bevor sie kommen?
Ihr sollt ja gar nicht aus Güte handeln!
Ihr seid nicht gut. Und auch sie sind’s nicht.
Nicht euch, aber die Welt zu verwandeln,
ist eure Pflicht!
Der Mensch ist schlecht. Er bleibt es künftig.
Ihr sollt euch keine Flügel anheften.
Ihr sollt nicht gut sein, sondern vernünftig.
Wir sprechen von Geschäften.
Ihr helft, wenn ihr halft, nicht etwa nur ihnen.
Man kann sich, auch wenn man gibt, beschenken.
Die Welt verbessern und dran verdienen –
das lohnt, drüber nachzudenken.
Macht Steppen fruchtbar. Befehlt. Legt Gleise.
Organisiert den Umbau der Welt!
Ach, gäbe es nur ein Dutzend Weise
mit sehr viel Geld . . .
Ihr seid nicht klug. Ihr wollt noch warten.
Uns tut es leid. Ihr werdet’s bereuen,
Schickt aus dem Himmel paar Ansichtskarten!
Es wird uns freuen.
Doch, ich meine mittlerweile weiß man schon etwas mehr darüber. Als der Euro eingeführt wurde kannte ich zwar Mahner wie Prof. Hankel, aber da ich mir dachte, dass ich das sowieso nicht verstehe, habe ich nicht zugehört und mir damals keinerlei Gedanken darüber gemacht. Ich konnte ja auch ohnehin keinen Einfluß nehmen. Interessant übrigens, dass die verantwortlichen Politiker die den Euro eingeführt haben sich über die Mahnungen hinweggesetzt haben. Oder wollten sie die Umverteilungsunion?
Heute verstehe ich auch nicht viel von der Währungsunion, außer dass ich denke, dass sie den “Verwaltungsaufwand” für die Firmen beim Handel innerhalb der Währungsunion reduziert. Auch Wechselkursrisiken müssen ja nicht beachtet werden.
Aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass der Euro einmal dazu da wäre, um von reicheren zu ärmeren Ländern umzuverteilen. Ich habe nie an so etwas gedacht. Aber die verantwortlichen Politiker hätten es wissen müssen!
Man sieht, dass man jetzt kaum die Grenze für die Höhe der Umverteilung ziehen kann. Die Folgen für die Rest-Union kann man wohl noch unter Kontrolle halten. Aber man kann immer die Elendskeule für die betroffene Bevölkerung herausholen.
Das Hauptproblem ist, dass Griechenland innerhalb des Euro nicht mehr wettbewerbsfähig wird. Ob und wie lange die Umverteilungsunion noch zu vermitteln ist, bleibt abzuwarten.
Wie gesagt, Deutschland nimmt in der Union NICHT die Opferrolle ein. Es profitiert vom Euro.
Die Deutschen nutzen den Euro zu ihrem Vorteil und nicht zu ihrem Nachteil.
Erkennen werden das die Deutschen, wenn der Euro zusammembricht. Allerdings glaube ich , dass die Mehrzahl der kenntnisbefreiten Deutschen dann die falschen Analysen anstellen werden.
Welche Deutschen denn konkret?
Diese platte Vereinfachung finde ich problematisch.
@ Momo und zur Lohndumpingthese
Ich würde gern mal die These vom Lohndumping näher erläutert haben. Wodurch ist das (angebliche) sog. generelle Lohndumping möglich?
Ich verstehe zwar, dass es möglich ist, dass Gewerkschaften zu hohe Löhne erzwingen können, wie es wahrscheinlich in (vielen?) Teilbereichen z. B, in Griechenland der Fall ist (war).
Ich verstehe aber nicht, wie generelles Lohndumping möglich sein soll, wenn das nicht durch ein generell zu hohes Arbeitskräfteangebot oder durch andere objektive Faktoren begünstigt bzw,. erzwungen wird.
Insbesondere verstehe ich nicht, wie bei Tätigkeiten die eine relativ hohe Qualifikation erfordern, Lohndumping möglich sein soll, wenn eben nicht auch hier das Angebot an Arbeitskräften höher ist als der Bedarf.
Die andere Möglichkeit wäre, das die Firmen einfach keine höheren Löhne zahlen können, um konkurrenzfähig zu bleiben. In diesem Fall würde ich das erzwungenes Lohndumping nennen, denn in letzterem Fall würden Firmen ja u. U. auf eine mögliche Einstellung (wenn die Lohnforderung zu hoch ist) und damit zusätzlich möglichen Umsatz verzichten.
Bei Tätigkeiten mit geringerer Qualifikation spielt sicher die Konkurrenz durch billige Arbeitskräfte aus dem Ausland eine Rolle. Das könnte man natürlich unterbinden. Das würde aber wohl kaum die Konkurrenzfähigkeit Griechenlands steigern, sondern lediglich dem deutschen Arbeitnehmer nutzen.
Ansonsten würde ich sagen: die Löhne in Deutschland, seine Exportkraft und der dadurch bedingte Eurokurs sind nun einmal das Faktum, das Griechenland hinzunehmen hat und nach dem es, um konkurrenzfähig zu bleiben, dann eventuell seine eigenen Löhne anzupassen (gehabt) hätte, wie es jetzt ja zwangsweise durch Auflagen von außen passiert..
Das alles aber hätte Griechenland (und Deutschland) sich ersparen können, wenn Griechenland nicht im Euro wäre.
Eine Währungsunion zwischen so unterschiedlichen Ländern führt ansonsten (neben der notwendig werdenden Umverteilung) anscheinend zusätzlich noch zum Ruf nach einer Zwangsbewirtschaftung durch eine Zentralregierung wie Brüssel. So jedenfalls würde ich das bezeichnen, wenn Brüssel etwa Deutschland vorschreiben dürfte, wie viele Motorsägen die Firma Stihl produzieren dürfte und wie deren Arbeiter dafür entlohnt werden. Absolut unvorstellbar für mich und sicherlich zerstörerisch für die europäische, insbesondere deutsche Wirtschaft. Wer soll denn eine solche wirtschaftliche Koordination zwischen so unterschiedlichen Ländern überblicken? Und wie will man die Interessen der Schwächeren, die eine solche Situation ausnutzen, bändigen. Das geht nicht durch eine Bürokratie, sondern nur im weitgehend freien Spiel der Kräfte.
Eine gemeinsame Währung für vergleichbare Länder und die Dinge würden sich einspielen, genauso wie sie vor der Währungsunion eingespielt waren. Wie haarig der Übergang jetzt werden wird, weiß ich allerdings nicht.
Man kann natürlich sagen: Deutschland gewinnt durch die Mitgliedschaft Griechenlands im Euro genauso viel, wie es durch die Hilfen verliert. Aber Hilfen sind immer undurchsichtig, man weiß nie wo sie versickern?
Am freien Markt ist das transparenter. Wenn Griechenland nach Austritt aus dem Euro konkurrenzfähiger ist, dann exportiert Deutschland eben weniger oder auch nicht.
Ich muß meine bisherige Argumentation korrigieren. Ich behauptete bisher Griechenland hätte nicht dem Euro beitreten dürfen, weil es salopp gesagt wirtschaftlich nichts zu bieten habe.
Aber gestern vor dem Einschlafen schien mir das an der Überlegung, ob die Einführung des Euro dem griechischen Tourismusgeschäft schaden mußte, bereits auf tönernen Füßen zu stehen. Außerden dachte ich über einen Kommentar von “spider” nach, wo er schrieb, dass man neue Industriezweige ja mit Krediten nicht (allein) aufstellen kann.
Ich fragte mich ob der Euro den Tourismus in Griechenland gefährden konnte. Denn Griechenland hatte ja an den Balkan abgegeben oder an die Türkei. Dann hätte Griechenland ja von sich aus nicht beitreten dürfen!
Griechenland hätte seine Stellung im Tourismus halten können, aber es hätte sein Personal halt zwar in Euro aber auf “Drachmenniveau” bezahlen müssen. Das haben sie wahrscheinlich nicht getan, weil man Kredite in Euro aufnahm und deshalb auch ordentlich Einnahmen in Euro generieren mußte, um die Kredite zu tilgen, was dann “spätestens” im Anschluß an die Lehman-Peite geplatzt ist, weil Griechenland zuvor schon zu hoch verschuldet war und das nicht mehr mitverkraften konnte.
Ich würde jetzt sagen, jedes Land, dessen Verschuldung unter Kontrolle ist und dessen Wirtschaft ordentlich strukturiert ist und das ordentlich wirtschaftet kann dem Euro beitreten.
Was kann es vom Euro erwarten? I. w. nur technische Kostenvorteile in der Finanzverwaltung der Handelstransaktionen. Ein Bekannter meint das liegt in der Ersparnis bei etwa 5%.
Was es nicht erwarten kann ist, dass sich der Lebensstandard, bzw,. der Standard des Landes grundlegend über Nacht verbessert. Also eben auch keine Umverteilung! Eigentlich nicht! Für Griechenland hätte das grob gesagt bedeutet, dass es im Euro zunächst genauso arm gewesen wäre wie unter der Drachme. Und wie alle anderen auch nur 5% beim Abwickeln seiner Handelgeschäfte eingespart hätte.
Das Problem im Falle Griechenlands ist nun, dass es bei Eintritt zu hoch verschuldet war (darüber hat es übrigens gelogen!) und eine schlecht strukturierte Wirtschaft hatte (das kann ich im Moment nicht komplett ausführen).
Schlecht strukturiert war Griechenland u. a., weil es die Euro-Kredite genommen hat, um seinen korrupten Staatsapparat zu alimentieren und auch grundsätzlich seine Beamten und den öffentlichen Dienst. Erzwungen vermutlich durch korrupte Gewerkschaften. Hier müßten weitere Punkte aufgeführt werden.
Wenn jetzt also dort Staatsunternehmen privatisiert werden müssen, ist dieses Problem gelöst. D. h. Griechenland muß als Gegenleistung für die Hilfen zwangsweise umstrukturieren. Die Beschäftigten werden nicht mehr vom Staat über Kredite überbezahlt sein. Da es nicht umschulden kann wird sein Wirtschaft allerdings weiter kaputt gemacht und es kann sich nicht befreien. Un die Hilfen drohen so ins uferlose zu wachsen. Wie gesagt wo die Hilfen bleiben, ist nicht so gut zu kontrollieren, wie eine “freie” Wirtschaft nach Umschuldung.
Aber Griechenland wird ein relativ armes Land sein und bleiben. Wie “spider” ja sagt: andernfalls dauert das lange oder Jahrzehnte. Im Grunde ist der Traum geplatzt, über den Euro schnell den Lebensstandard in Griechenland zu erhöhen bzw, die Beamten zu alimentieren
Deshalb wäre eine Umschuldung mit gleichzeitiger Restrukturierung der Wirtschaft wohl doch eine Lösung. Die EZB (wohl von Frankreich maßgeblich gesteuert) ist freilich dagegen, weil französiche und Banken anderer Länder noch stärker involviert sind als deutsche Banken.
So ungefähr denke ich ist das. Also grundsätzlich nix mit deutschem Lohndumping. Alles Griechenland intern.
Warum auch sollten jetzt weitere Länder dem Euro beitreten wollen, wenn sie doch wissen müßten, dass sie das deutsche Lohndumping fertigmachen wird.
Nein wenn sie mäßig verschuldet sind und ordentlich wirtschaften, können sie wohl beitreten.
Wenn Griechenland gesund wäre und ordentlich strukturiert könnte es wie jedes andere Land seine Stärken ausspielen. Aber eben im Euro auf Drachmenniveau.
(Und dann eben Zurückhaltung bei der Kreditaufnahme.)
Wie ja auch Deutschland das macht. Der deutsche Lebensstandard ist doch durch den Euro auch nicht gestiegen. Wir leben doch weiter auf DM-Niveau.
Nein der Euro spart nur “FinanzVerwaltungs(Transaktions)kosten”. oder wie man es nennen soll.
Das ist mit der heißen Nadel gstrickt. Eventuell muß und kann ich mich noch präzisieren.
Was für ein einseitiger Unsinn! Wie gut, daß es Griechenland und dessen überbezahlte Beamten gibt, auf die man einprügeln kann, gell? Nochmals: Ihre ideologischen neoliberlen griechischen Steuerhinterziehungskumpel blenden Sie weiterhin komplett aus!
Und was Sie völlig unter den Tisch fallen lassen: Nicht nur Griechenland leidet unter dem deutschen Lohndumping, auch Portugal, Spanien, Italien und sogar Frankreich, dessen Lohnstückkostenentwicklung sich seit der Fixierung der Euro-Umtauchkurse im Jahre 1999 exakt an der Zielinflationsrate der EZB orientiert hat, werden in Sachen Wettbewerbsfähigkeit vom hiesigen Lohndumping zunehmend gegen die Wand gedrückt! Hören Sie bitte auf, sich geistig an Griechenland aufzugeilen bzw. Griechenland zu instrumentalisieren, um von den destaströsen Folgen des deutschen Lohndumping abzulenken!
Auch die deutschen Arbeitnehmer werden in den kommenden Jahren die negativen Folgen des deutschen Lohndumping auszubaden haben. Nachdem sie bereits seit ca. 15 Jahren wegen real stagnierender oder gar sinkender Löhne und Gehälter zur Kasse gebeten wurden (die Einkommens- und Vermögensverteilung driftet zunehmend auseindander, der Niedriglohnsektor ist drastisch gewachsen, die Qualität der Arbeitsplätze hat sich drastisch verschlechtert), werden sie nach aller Wahrscheinlichkeit auch die Hauptlasten für die diversen “Euro-Rettungsschirme” zu tragen haben. Denn unseren “Eliten” wird es wieder einmal gelingen, bei Steuersenkungen zwar ganz vorne mit dabei zu sein, bei steuerlichen Belastungen jedoch das Motto “Seid nicht feige, lasst uns hinter den Baum” zu ihrer obersten Maxime zu erheben!
Ja das ist halt Kästner.
Das Fette hab ich auch immer, ohne es von Kästner zu kennen behauptet und trotzdem noch die Transformation der Welt im humanistischen Sinn gefordert.
Also
ist.
Aber unter Beachtung von Rationalität, Faktizität und Vernunft.
Ja, auch das gibt es
dass ich auch Axel zustmimmen muss
“Ja das ist halt Kästner.”
Vielleicht. Es ist aber der Humanismus der Frühmoderne, des Frühliberalismus, Hobbes, Hume, Locke, Smith … bis Mill, dann begann die Herrschaft der ultimativ bösen Burschen: der Freiheitskreuzzügler (Spencer, Mises, Hayek, …)
Das leuchtet mir ein.
Das kapier ich auch.
Allerdings gehe ich meine “Runden” schon seit Jahren zu fuß und bin dankbar, dass ich nicht erneut durch das JobCenter sanktioniert werde, dass ich noch ein Dach übern Kopf habe und noch genug zu essen.
Also rein theoretisch könnte eine “Angleichung” der Volkswirtschaften natürlich so funktionieren, dass Deutschland freiwillig Marktanteile abgibt, u. a. indem es die Löhne erhöht und damit die Griechen konkurrenzfähig werden.
Aber dieser Weg ist wider die Natur und die Welt funktioniert nicht wider die Natur.
Warum sollte sich der “Bessere” freiwillig seiner Qualitäten berauben. Das würde überhaupt höchstens Sinn machen wenn Andere mit gleicher Qualität an seine Stelle treten können. Und warum sollte man selbst dann freiwillig zurückstecken? Und wieso sollte der “Schwächere” es nicht ausnutzen wenn der Stärkere freiwillig zurücksteckt?
Zu welchen Stärken Deutschlands oder anderer Länder aber ist oder war Griechenland konkurrenzfähig?
Wenn Griechenland Produkte hatte, die von gleicher oder höherer Qualität sind und daher mit Deutschland und anderen Ländern hätte konkurrieren können, warum hat es das dann nicht praktiziert? Zum Beispiel indem es versucht hätte über den Lohn konkurrenzfähig zu werden eine bessere Qualität zu liefern oder produktiver zu sein?
Nein Griechenland muß sich dem Wettbewerb stellen. Und/Oder dabei von seinen eigenen speziellen Stärken leben auf dem Niveau dass diese Stärken zulassen.
Wieso sollte eine Firma in Deutschland oder anderswo weniger produzieren und ihre eigenen Leute entlassen, damit die Griechen das produzieren können, selbst wenn sie es könnten. Das ist absurd und “wider die Natur”. Man gibt doch nicht freiwillig Marktanteile in die Hände der Konkurrenz!
Denkbar wäre höchstens die Verlagerung von Teilen der Produktion in ein Zweigwerk in Griechenland, wenn man dadurch Kosten sparen würde. Aber dagegen werden dann die Gewerkschaften auch protestieren,
Das hier sind die (Struktur)-Probleme Griechenlands, Nicht das deutsche Lohndumping!
Aber der Artikel kann ja als egozentrisch, nationalistisch und griechenlandfeindlich entlarvt oder auch widerlegt werden.