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    geschrieben am 05. August 2009 von Spiegelfechter

    Die Zeiten der neoliberalen Mietmäuler sind keineswegs vorbei: Arbeitgeber und so genannte Experten empfehlen Lohnkürzungen als Krisenmedizin

    Als Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt dieser Tage ganz unverbindlich, dafür aber umso lauter über Lohnkürzungen zur Rettung der krisengeschüttelten Wirtschaft nachdachte, war der Geist aus der Flasche. Lange Zeit hatten sich die “Experten” in den arbeitgebernahen Wirtschaftsforschungsinstituten in der öffentlichen Diskussion rar gemacht. Die Krise hat Deutschland erreicht und selbst ihre alten Fahrensleute nahmen plötzlich so seltsame Worte wie “Konjunkturpaket” in den Mund, ohne dabei das Mantra der selbstregulierenden Märkte zu beten. Wer aber dachte, dass sich die neoliberalen Mietmäuler bis zu den Bundestagswahlen in die innere Emigration begeben hätten, muss sich nun eines Besseren belehren lassen. Angestachelt durch Hundts Steilvorlage ließen nun die “Experten” dreier arbeitgebernaher Institute verkünden, mit welchen Mitteln die deutsche Wirtschaft in Zeiten der Krise zu retten sei ? Lohnkürzungen und längere Arbeitszeiten.

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    43 Kommentare:

    1. Pooly schrieb am 5. August 2009 at 10:32 - Permalink

      Ist das wirklich eine große Überraschung?

      Während die Banken anscheinend wieder fleißig Boni’s zahlen – und wie es aussieht nichts aus der Krise gelernt haben, soll wieder bei dem “normalen” Arbeiter gespart werden.

      Wie auch immer.

      Mich wunder hier nichts mehr.

    2. Chat Atkins schrieb am 5. August 2009 at 10:47 - Permalink

      Das Schlimme ist, dass die Medien denen schon wieder alles nachbrabbeln: Nichts Lernbefreiteres als ein deutscher Journalist …

    3. Coltrane schrieb am 5. August 2009 at 11:23 - Permalink

      Das Land krankt nicht an zu hohen Lohnkosten, es krankt an zu niedrigen Löhnen und einer falschen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Es krankt vor allem auch an den Einflüsterungen vermeintlich neutraler “Experten”, denen die Politik nur allzu gerne Glauben schenkt.

      DAS ist genau der Punkt. Klasse ausgedrückt. Was kann man nur machen, dass so etwas auch am Stammtisch diskutiert wird und im September die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden?
      Mit einem lebenswertem Mindestlohn und Einführung des BGE wäre Germoney schon auf dem richtigen Pfad. Ich prophezeie mächtigen Ärger hier in der Republik, wenn Schwarz/Gelb ans Ruder kommt. Schon jetzt gibt es in diversen ARGEn Sicherheitsschleusen und Securitymitarbeiter (die übrigens ihren Job für einen Hungerlohn ausüben) und es wird noch viel schlimmer werden. Wenn ich bloß wüßte, wohin ich auswandern könnte, um diesen Bananenstaat nicht länger ertragen zu müssen. Unglaublich, was hier abgeht. Unglaublich, was für Schwachköpfe hier am Ruder sind. Herr, laß Hirn regnen.

    4. Pooly schrieb am 5. August 2009 at 12:03 - Permalink

      @Coltrane

      Ich glaube in den benachbarten Ländern sieht es auch nicht besser aus.
      Wahrscheinlich in der ganzen EU nicht – so wie ich es vob Nekannten doe oft im Ausland sind mit bekomme.

      Was mich persönlich hier stört:
      Anscheinend regt man sich nur kurz auf und das war es auch schon. Anstatt bei den Wahlen mal ein Zeichen zu setzen.

      Meine Prognose ist das Schwarz/gelb eindeutig das Rennen macht und eine sehr Arbeitgeber freundliche Politik ausgeübt wird. Was ja keine Überraschung sein dürfte.

      Ich zitiere da mal einen Bekannten:
      “Was ist nur aus Deutschland geworden?

      Ein Billiglohn Land.

    5. Alexander Tetzlaf schrieb am 5. August 2009 at 12:10 - Permalink

      Es ist erstaunlich. Man versucht der Lage Herr zu werden, indem man der Probleme Ursachen verstärkt.

      Die FDP wrackt den Kapitalismus ab, und die Presse ist zu Diensten, wenn sich gar der Arbeitgeberpräsident anschickt, seinen Schäfchen weiteren Schaden zu bescheren. Applaus!

      Meine Unterstützung haben die.

    6. Kaboom schrieb am 5. August 2009 at 13:34 - Permalink

      Warten wir mal in aller Ruhe die Wahlen ab. Sollte – wie zu erwarten – Schwarz-Gelb die Mehrheit erhalten, werden die neoliberalen Truppen, die aktuell ja den Ball recht flach halten, wieder in der ersten Reihe stehen. Und es wird eine Reformitis ausbrechen, gegen die jene unter Rot-Grün ein Kindergeburststag war. Bei dem desolaten Zustand der SPD, die – zumindest – 3 Legislaturperioden benötigen wird um sich neu aufzustellen, können die zumindest die ersten zwei benutzen um ihre Art der Umgestaltung dieses Landes durchzuziehen.

    7. Guy Fawkes schrieb am 5. August 2009 at 14:46 - Permalink

      Warten wir mal in aller Ruhe die Wahlen ab. Sollte ? wie zu erwarten ? Schwarz-Gelb die Mehrheit erhalten, werden die neoliberalen Truppen, die aktuell ja den Ball recht flach halten, wieder in der ersten Reihe stehen.

      Die neoliberalen Truppen haben gerade damit begonnen, den Ball wieder ins Spiel zu bringen –> http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,640037,00.html

    8. tar schrieb am 5. August 2009 at 15:19 - Permalink

      mit welchen Mitteln die deutsche Wirtschaft in Zeiten der Krise zu retten sei ? Lohnkürzungen und längere Arbeitszeiten.

      JUCHUUU! Dann kann man endlich das produzieren, was man sich vom fehlenden Geld sowieso nie kaufen wollte!

    9. Beate schrieb am 5. August 2009 at 15:43 - Permalink

      Ich zitiere einfach mal Paul Feyerabend:” Der Geist von Auschwitz zeigt sich in Mangel an Gefühl vieler sogenannter Forscher, die Tiere systematisch quälen, ihre Qualen studieren und dafür noch Preise bekommen.”

      Die Trennung zwischen Staat und Kirche ist doch gelungen, da sollte doch auch die Trennung zwischen Staat und WIrtschaftswissenschaft möglich sein.

      Auf Mitgefühl von denen braucht ihr nicht zu hoffen. Mengele hatte auch kein Mitgefühl!

    10. Laut Sprecher schrieb am 5. August 2009 at 16:13 - Permalink

      > Lohnkürzungen zur Rettung der krisengeschüttelten Wirtschaft

      Klasse doch, grade die Finanzbranche war und ist am meisten krisengeschüttelt. Dann mal rasch voran, mit Vorbildfunktion beim Salär.

    11. COPOKA schrieb am 5. August 2009 at 16:34 - Permalink

      @Kaboom

      Sollte ? wie zu erwarten ? Schwarz-Gelb die Mehrheit erhalten, werden die neoliberalen Truppen, die aktuell ja den Ball recht flach halten, wieder in der ersten Reihe stehen. Und es wird eine Reformitis ausbrechen, gegen die jene unter Rot-Grün ein Kindergeburststag war.

      Ich denke die wirklichen Sauereien wären uns bei Fortsetzung der GröKoaZ mit Sicherheit nicht erspart geblieben, bei Schwarz-Gelb mit möglicherweise einem grünen Anhängsel müsste die SPD längerfristig um Gunst der Wähler buhlen und sich noch gegen Linke profilieren – das würde etwas mehr Aufmerksamkeit auf die ‘notwendigen’ Umtriebe des Regierungsvereins nach sich ziehen und uns möglicherweise so manche semikriminellen ‘Reforme’ ersparen oder zumindest abmildern.

      Es ist schon ein Segen, dass die umtriebige Regierungsgarde ihre verfassungsändernde Mehrheit im Bundestag endlich verliert.

      Ich habe mir schon mal überlegt, ob ich auf der Bundesebene nicht doch die schwarze Pest oder gelbe Cholera wählen soll, um der Fortsetzung der GröKoaZ entgegen zu wirken. Möglicherweise ist es der wahre Grund für die ‘Popularität” der Gelben, die jüngst zu beobachten ist und viele Geister verwirrt. Total blöd sind die Menschen hierzulande nun auch nicht und ahnen zumindest, dass die Fortsetzung ggw. ‘Mehrheit’ eine wahre Katastrophe wäre.

    12. volkmar schrieb am 5. August 2009 at 18:21 - Permalink

      die fdp füllt zur zeit nur ein machtvakuum aus. die große koaltion will eigenlich niemand mehr haben, die genossen haben sich aber selbst disqualifiziert und insofern muss die cdu eigentlich kaum selbst was machen um noch schlechter dazustehen. die linke wird systematisch niedergeschrieben, obwohl sie die einizge partei ist, die gegen hartz iv und den krieg in afghanistan ist. man darf sich wohl oder übel fragen, was die mehrheit der leute hier bei der wahlentscheidung beeinflusst, denn inhaltliche gründe können es nicht sein, die mehrheit der brd ist gegen den krieg und gegen hartz iv.

    13. Thaniell schrieb am 5. August 2009 at 18:35 - Permalink

      Aber volkmar das sind doch alles (Ex-)SEDler die die DDR wiedereinführen wollen!!111Elf! Sowas darf man doch nicht wählen.

      Nicht dass ich alles unterschreiben würde was die Linke so von sich gibt, aber diese Paranoia ist bescheuert. Zumal, hey wer reitet uns gerade immer tiefer in einen von Angst geprägten Überwachungsstaat?!

    14. otti schrieb am 5. August 2009 at 19:37 - Permalink

      Das Bild (s. oben) bringt den Zustand des Landes doch auf den Punkt: schwarz-rot-gelbe Bananenrepublik Täuschland.
      Da wird lauwarm gedacht (nicht “gebadet”, Wehner) und eiskalt propagiert.
      Mehr haben solche neoliberalen Marktradikalinskis eh nicht drauf.
      Für die Nebenwirkungen kommt dann, wie üblich, der Steuerzahler auf.

      Schließlich wissen wir von unserer Bundeskanzlerin, der “beliebten”, wie die Hofberichterstatter nie vergessen zu erwähnen, dass

      “die Krise über uns gekommen ist”.

      Die Krise ist über uns gekommen, wohl so wie die Jungfrau Maria zu ihrem Kind gekommen ist.
      Eine göttliche Fügung. Oder eine teuflische?

      Nein, einfach eine geistige Ferkelei!

      Merkeln Sie was?
      Nach der Bundestagwahl werden Sie ausgemerkelt bis auf’s Blut.

      Dann wählen Sie mal schön schwarz-rot-gelbe Bananen.
      Ist doch alles nur Banane, oder was!

      Für die Unterschicht gibt’s dann sauere Äpfel mit unsinnigem Kombilohn.
      Warten Sie nur, nach der Wahl sind Sie auch dabei.

      Warte nur, auf Hartz-IV ruhest Du sanft.
      Ruhe in Frieden.
      Stimmvieh!

      http://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/Die_Organisierung_des_sozialen_Krieges.pdf

    15. R_Winter schrieb am 5. August 2009 at 20:22 - Permalink

      Eine weitere Lohnsenkung in Deutschland führt nicht zu mehr Beschäftigung. Wir können dieses eindeutig im EU-Raum sehen. In Litauen z.B. sind die Löhne um ca. 5% gefallen betragen ca, 250 ? p.m. Gleichzeitig ist die Arbeitlosenzahl von 5,6% auf 15,8% innerhalb von 12 Monaten gestiegen. Es geht nicht um Arbeitsplätze, sondern um Gewinnmaximierung. Alles andere ist den Arbeitgebernverbänden und den Banken egal. Merkel und Westerwelle sind in diesem Spiel die “nützlichen Idioten” und die Springer-Presse ist willige Helfer.

    16. Systemfrager schrieb am 5. August 2009 at 21:08 - Permalink

      @ R_Winter

      Brüning hat mit seiner dritten und vierten ?Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen? vom Oktober bzw. Dezember 1931 Löhne per Dekret um 20 Prozent abgesetzt. Im nächsten Jahr stieg die Arbeitslosenzahl auf über 6 Millionen Personen.

    17. Anindo schrieb am 5. August 2009 at 21:17 - Permalink

      @R_Winter
      Merkel könnte vielleicht ein nützlicher Idiot sein, aber Westerwelle ist noch dazu ein korrupter, gefährlicher Lobbyist, der wohl jede Ideologie vertreten könnte, wenn es seine Position verbessert. Das ist kein Politiker, das ist ein wahnsinniger Machtmensch, der auch in Nord-Korea hätte Karriere machen können.

      Gestern “Illner intensiv” geguckt und zumindest die Redaktion hat so schöne Sprüche wie “Mindestlohn ist wie die DDR ohne Mauer” von Westerwelle zitiert, aber Frau Illner war selbst mit den dreistesten Ausflüchten vollauf zufrieden und hat nie nachgehackt. So leicht kam Lafontaine nicht bei ihr weg und es wunderte mich schon bzw. hat vieles bestätigt, dass auf den üblichen Newsseiten keine Kritik dieser Sendung zu finden ist. Das Publikum war natürlich auch sehr selektiv ausgewählt und hat selbst bei den dümmsten Westerwelle-Sprüchen viel zu lange Applaus gebracht, obwohl da ganz unverblümt die Marionette vom Hundt gesprochen hat.

      Wer die Sendung verpasst hat, sollte die sich hier mal reinziehen: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/startseite
      Also man sollte sehr viel Angst vor Schwarz/Gelb haben. Das ist wirklich die Höhe, was diese Partei bzw. Westerwelle vertritt. Bush, Cheney und Hundt in einer Person.

    18. Comstrate schrieb am 5. August 2009 at 23:16 - Permalink

      So ein Schwachsinn was die Politiker da von sich geben!

      “Lohnkürzungen zur Rettung der krisengeschüttelten Wirtschaft” die sollen alle mal bei sich
      selber anfangen und dann bei den kleinen Leuten…

      Die Politik ist doch nichts anderes als eine große Lobby und steuert mehr oder weniger unser Leben mit immer mehr Schwachsinn.

    19. R_Winter schrieb am 6. August 2009 at 03:04 - Permalink

      @Anindo
      Ich kann die so genannten Parteien/Kandidaten-Befragung im ersten und zweiten Fernsehen nicht mehr sehen. So etwas unobjektives habe ich sehr lange nicht mehr gesehen. Es war vielleicht in der DDR üblich, aber bei der Vergangenheit von Frau Merkel – ex-Propaganda- Sekretärin der FDJ – ist es nicht verwunderlich. Ich habe das Gefühl von voran eilenden Gehorsam.

    20. hannilein schrieb am 6. August 2009 at 04:28 - Permalink

      Wundert sich denn überhaupt noch wer? Es sind doch immer dieselben “Patentrezepte”, die von den wirtschaftsnahen Interessengruppen vorgetragen werden: “Senkt die Kosten für Arbeit und allen wird es prächtig gehen!”
      Sorry, wer den Stuß noch glaunt und gar nachbetet, hat gar nichts anderes verdient, als eines (nicht so fernen) Tages selbst “beim Amt” vorzusprechen und um sein Existenzminimum zu betteln!

      Ich kenne Jensens Artikel ja schon von der Entstehung her, aber im Moment bin ich besonders angefressen.

      Euch allen dennoch natürlich liebe Grüße – Ihr seid es ja nicht, die diesen Mist verbocken!
      hannilein

    21. Daniel schrieb am 6. August 2009 at 05:06 - Permalink

      Auch wenn die Krise langsam ein Ende hat wird man es versuchen dies so lange aktiv zu halten wie möglich um sowenig Geld wie möglich auszugeben und vom Staat alles abzukassiern was wiederrum heisst das unsere Löhne gesenkt werden.

      Die Politiker sollten langsam mal die Augen aufmachen.

    22. Peter schrieb am 6. August 2009 at 05:59 - Permalink

      Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Tolles deutsches Sprichwort, nur beherzigt es niemand, sonst würden die Wahlergebnisse anders aussehen.
      Seit 25 Jahren werden die Sozialsysteme mit riesen Kostenaufwand kaputtreformiert, weil sie angeblich nicht mehr finanzierbar sind. Wenn die Banken pleite gehen, können aber innerhalb von 2 Wochen 500.000.000.000 ? Auffangprämie durchs Parlament geknüppelt werden. Und mit unverhohlener Dreistigkeit kommt jetzt so ein Hundt, und will noch mehr, um seine unendliche Gier zu befriedigen.
      Nein, ich habe kein Verständnis für solch ein Denken. So ein Mann handelt nicht einfach nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben und ist darüber entschuldbar. Dieser Hundt weiß ganz genau was er tut. Er weiß um den volkswirtschaftlichen Schaden. Den will er, um noch mehr Distanz zwischen ihm und uns zu schaffen. So ein Hundt will Macht und beherrschen.

    23. Daniel B. schrieb am 6. August 2009 at 08:44 - Permalink

      Ich denke auch, dass die Arbeitgeber nicht so naiv sind, nur ganz unschuldig, wie man es von einem guten Kapitalisten erwarten darf, betriebliche Ergebnisse optimieren zu wollen. Ein Bewusstsein dafür, dass Verteilungsergebnisse sehr stark von Machtverhältnissen abhängig sind, dürfte durchaus vorhanden sein. Deswegen ja auch die Dauerparole vom “schlanken Staat”. Hat man doch in den 70ern erschrocken festgestellt, dass dieser – so demokratisch konstituiert – unter gewissen Umständen eine Gefahr für die bestehenden Verhältnisse darstellen könnte. Und der Tatsache, dass jeder weitere Rückbau der Sozialsysteme die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer schwächt, ist man sich mit Sicherheit auch bewusst.

    24. OAlexander schrieb am 6. August 2009 at 10:41 - Permalink

      Lohnkürzungen sind in der Tat das letzte was in diesen Tagen angebracht ist. Die Rationale ist einfach. Aufgrund der Krise sind die Staatseinnahmen (wie bspw. Lohnsteuer, aufgrund von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, und von Firmen) um Hausnummer 20% eingebrochen während die Ausgaben (Schuldendienst, Kurzarbeitergeld, etc.) um Hausnummer 10% angestiegen sind. Alleine schon wg. des wesentlich erhöhten Schuldendienstes ist der Staat in den kommenden Jahren auf erhöhte einnahmen angewiesen wenn er zudem seine Leistungen (Verteidigung, Infrastruktur, Bildung, Soziales) aufrecht erhalten will.

      Bei einer Lohnsteuersenkung reduzieren sich zwangsläufig Einnahmen aus der Lohnsteuer, die erst bei wesentlich erhöhter Beschäftigung aufgefangen werden und wohl auch die vornehmlich vom Konsum bestrittenen Mehrwertsteuereinnahmen. Weil, wie uns Angela richtig erkannt hat, auch Staaten bankrott gehen können, kann das nicht längerfristig mit höherer Staatsverschuldung aufgefangen werden. also müssen Einschnitte bei den Leistungen gemacht werden. Dadurch würde wiederum der Billiglohn manifestiert werden, was einen Staatsbankrott wahrscheinlicher werden ließe.

      Grosse Hoffnungen würde ich aber nicht hegen, da der Staat auf absehbare Zeit nicht nach links reformfähig sein wird. Um hier Änderungen herbeizuschaffen müsste die SPD Basis die Netzwerker verjagen. Wer aber mal Mitglied in einer Partei war, wird feststellen, dass dies eher unwahrscheinlich ist. Da ist es eher, dass Die Linke in den nächsten 10 Jahren was vom Marketing lernt und feststellt, dass man schwammige Worte wie Freiheit und Sicherheit aggressiv und glaubwürdig vertreten können muss wenn man Mainstream werden will. Die effektiven Inhalte sind dabei sekundär. Natürlich muss man sich dann auch vom Image der östlichen Gettopartei loslösen.

    25. Karl Heinrich schrieb am 6. August 2009 at 10:58 - Permalink

      Dass Löhne fallen, wenn die Produktion – und damit die Arbeitsnachfrage – schrumpft, ist eigentlich ganz logisch. In Japan zum Beispiel sind die Löhne im verarbeitenden Gewerbe um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Die Industrieprodution ist derweil um 24 Prozent geschrumpft. Dazu braucht’s Herrn Hundt gar nicht.

    26. Karsten Bier schrieb am 6. August 2009 at 11:58 - Permalink

      Zu 25 Karl-Heinrich:

      SF hat doch dargestellt, dass die Löhne fallen. Hundt verlangt aber “noch mehr fallen”.

    27. salvo schrieb am 6. August 2009 at 12:42 - Permalink

      abgesehn davon, dass kh wie üblich ideologischen Unsinn schreibt, muss doch festgehalten werden, dass die Löhne auch vor der Krise nicht entsprechend der Produktivitätsentwicklung gestiegen, teilweise sogar infolge bekannter politischer Entscheidungen (Ausweitung des Niedriglohnsektors) gefallen sind. Zugleich meldet die Mainstream-Presse von einer Stabilisierung der ökonomischen Lage. Die ‘Unternehmen’ würden die Lage optimistisch betrachten, die ‘Talsohle sei überschritten’. Unter solchen Umständen Lohnkürzungen zu predigen ist zwar ökonomisch unsinnig, entspricht aber selben Logik der Umverteilung von unten nach oben, die zur Krise geführt hat. Sie ist eigentlich nur Ausdruck dessen, dass an der gesellschaftlichen Machtverhältnissen nichts geändert hat: die Herrschenden, die die Kkrise zu verantworten haben, suchen jetzt auch daraus zusätzliches Profit zu schlagen. Und zu guter Letzt, ganz offen gesagt, Leute wie kh halte ich für Verbrecher, ebenso wie alle anderen, die das Unrecht der herrschenden Verhältnissen ideologisch begründen.

    28. Karl Heinrich schrieb am 6. August 2009 at 16:14 - Permalink

      Genau, salvo: Arbeitsnachfrage und Lohnhöhe – pah, alles Ideologen, Verbrecher, das :-))

    29. Spiegelfechter schrieb am 6. August 2009 at 16:20 - Permalink

      @Karl Heinrich

      Es ist wenig hilfreich, ausgerechnet den Arbeitsmarkt mit marktwirtschaftlichen Regeln beschreiben zu wollen. Gäbe es einen echten ArbeitsMARKT, gäbe es auch keinen Niedriglohnsektor. Der Martkpartner Arbeitnehmer ist allerdings nicht frei in seiner Entscheidung und wird durch Gesetze “gezwungen” seine Arbeit zu einem geringeren Preis zu verkaufen, als er es ansonsten tun würde. Ohne “Aufstocker” würde es auch keine Arbeitnehmer geben, die zu Hungerlöhnen arbeiten.

      Ich kann Deine marktheoretischen Ausführungen natürlich verstehen, nachvollziehen kann ich sie nicht, da der Arbeitsmarkt nun einmal in weiten Teilen nicht nach Marktregeln funktioniert.

    30. Karl Heinrich schrieb am 6. August 2009 at 16:35 - Permalink

      @Sf

      Da sind wir so furchtbar weit gar nicht auseinander. Hinzu kommt ja auch Stickiness of Wages (umgehbar hinwiederum – wie in Japan – durch Jahreszahlungen). Aber dass der drastische Produktionswegfall überhaupt auf die Löhne drückt, das sollte man auch nicht zu theatralisch sehen. Hier geht es im übrigen – Masch’bau/Export – um Bereiche, in denen Niedriglöhne nicht die große Rolle gespielt haben.

    31. Karl Marx schrieb am 6. August 2009 at 16:51 - Permalink

      Lieber Karl-Heinrich,

      wo blieb denn der Marktglaube als die PRIVATEN Banken Lehman Brothers, Commerzbank, Dresdner Bank, etc. fertig hatten?
      Gemäß der Marktgläubigkeit hätte man diese gescheiterten Banken alle den Bach runtergehen lassen müssen.
      Doch stattdessen wird der Steuerzahler durch Merkel und Steinbrück enteignet und die Banker zahlen sich weiter ihre unverdienten Boni und viel zu hohen Gehälter aus.

    32. COPOKA schrieb am 6. August 2009 at 17:15 - Permalink

      @ Beate, #9

      Die Trennung zwischen Staat und Kirche ist doch gelungen, da sollte doch auch die Trennung zwischen Staat und WIrtschaftswissenschaft möglich sein.

      Meine Rede!
      Wobei ich nicht die Wirtschaftswissenschaft, sondern die Wirtschaftswiskirche vom Staat getrennt sehen möchte. Die Wissenschaft darüber braucht der Staat allemal, um das bunte Treiben zu beobachten und einzugreifen, wenn das Treiben zu bunt wird.

    33. COPOKA schrieb am 6. August 2009 at 17:16 - Permalink

      @ R_Winter, #15

      Eine weitere Lohnsenkung in Deutschland führt nicht zu mehr Beschäftigung. Wir können dieses eindeutig im EU-Raum sehen.

      Um die Reden der Experten und Gurus in Wirtschaft inhaltlich zu verstehen, muss man einmal das lustige Treiben von Regenmachern studieren. Dann wird einiges klarer.

    34. COPOKA schrieb am 6. August 2009 at 17:18 - Permalink

      @Anindo, #17
      **Illner** & Co.

      So leicht kam Lafontaine nicht bei ihr weg …

      Der Herr wie auch die anderen ‘Linken’ werden doch nur auf die Teufel-Rolle zu solchen Shows vorgeladen, Westerwelle oder ein anderer Kasper aus der ‘Expertenriege’ bekommt den Knüppel in die Hand, und das moderierende Freudenmädchen spielt “Deus ex Machine” wie sie es nur kann – wird ja fürstlich dafür bezahlt.

      Wer die Sendung verpasst hat, sollte …

      Danke. Das alltägliche Kasperletheather ist so erbärmlich, dass es schon unter menschlicher Würde ist, es anzuschauen.

    35. COPOKA schrieb am 6. August 2009 at 17:20 - Permalink

      @Hanni, #20

      Es sind doch immer dieselben ?Patentrezepte?, die von den wirtschaftsnahen Interessengruppen vorgetragen werden: …

      Ja, das sind doch die hochdotierten Priester der Wirtschaftskirche und sie tun pflichtbewusst nur ihr Job.

    36. otti schrieb am 6. August 2009 at 18:09 - Permalink

      Jeden kann es – mehr oder weniger – treffen: Lohnkürzungen (vom betriebswirtschaftlichen Sinn zum gesamtwirtschaftlichen Unsinn).

      Prekäre Normalität – normale Prekarität
      http://www.scribd.com/doc/4029533/Prekare-Normalitat-normale-Prekaritat
      Lesenswert. Es geht uns alle an!

      Vorwärts in die Vergangenheit neoliberaler Ausbeutung der Arbeitskraft!

    37. king balance schrieb am 6. August 2009 at 18:35 - Permalink

      Wenn einem das Wasser bis zum Halse steht, sollte man den Kopf nicht hängen lassen!!!
      Prekäre Normalität unserer ReGIERung ? Plündert die Hütten für die Paläste!!!

    38. Nina schrieb am 7. August 2009 at 15:56 - Permalink

      “Plündert die Hütten für die Paläste!!!”
      Das machen alle Regierungen. Sonst hätte es doch in den vergangenen Jarhunderten nicht so viele Revolutionen gegeben.

    39. Nina schrieb am 7. August 2009 at 15:56 - Permalink

      “Plündert die Hütten für die Paläste!!!”
      Das machen alle Regierungen. Sonst hätte es doch in den vergangenen Jarhunderten nicht so viele Revolutionen gegeben.

    40. Stefan schrieb am 11. August 2009 at 16:36 - Permalink

      Die Leute haben schon kaum Gelkd und von dem bisschen was sie haben wird immernoch gekürzt. Es dauert nicht mehr lange, dann haben wir wieder eine 2 Klassengesellschaft in unserem Land. Ohne Geld kann man nix kaufen, wenn man nix kauft, wird die Wirtschaft nicht angekurbelt bzw kommt zum erliegen. Das is n Rattenschwanz…


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