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  • Sollbruchstelle im Gesundheitssystem

    geschrieben am 10. Juni 2011 von Spiegelfechter

    Auf der einen Seite erzielt das gesetzliche Krankenversicherungssystem nach jüngsten Schätzungen auch in diesem Jahr gigantische Überschüsse, auf der anderen Seite droht immer mehr Kassen das wirtschaftliche Aus. Was sich zunächst wie ein Widerspruch anhört, hat System. Mit dem Gesundheitsfonds steht dem FDP-geführten Gesundheitsministerium genau das Instrument zur Verfügung, um schonungslose Klientelpolitik zu betreiben.

    Seit dem Jahr 2009 gehen Beitragseinnahmen gesetzlich Krankenversicherter nicht mehr direkt an die jeweilige Krankenkasse, sondern an den zentralen Gesundheitsfonds, der dem Bundesgesundheitsministerium untersteht. Das Ministerium hat dann zu entscheiden, wie viel Geld die Kassen im Folgejahr aus dem Fonds zugewiesen bekommen. Um konjunkturelle Dellen abzufedern, steht dem Fonds eine sogenannte Liquiditätsreserve zur Verfügung, deren Höhe gesetzlich mit zwanzig Prozent der monatlichen Zuweisungen festgelegt wurde. Für das Jahr 2011 entspricht dies einer Summe von etwas unter drei Milliarden Euro. Aktuelle Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass die Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds zum Ende dieses Jahres auf stolze 7,2 Milliarden Euro angewachsen sein wird.

    Gewollte Unterfinanzierung

    Das GKV-System ist somit keinesfalls defizitär. Keine Krankenkasse müsste Zusatzbeiträge, die ausschließlich vom Versicherten und nicht vom Arbeitgeber geleistet werden, erheben oder gar Insolvenz anmelden. Im System ist genügend Geld vorhanden, es wird jedoch den Krankenkassen vorenthalten. Das wiederum ist politisch gewollt. Die FDP macht gar keinen Hehl daraus, dass Schließungen und Fusionen einzelner Krankenkassen politisch angestrebt sind. Ein durch selektive Unterfinanzierung angerichtetes Chaos im GKV-System hilft einerseits den von der FDP favorisierten privaten Krankenkassen und erzeugt andererseits im Nebeneffekt auch Überschüsse für den Gesundheitsfonds, die vom FDP-geführten Gesundheitsministerium klientelgerecht ausgeschüttet werden können.

    Nach brancheninternen Schätzungen verfügt jede vierte bundesweit tätige Krankenkasse über zu geringe Rücklagen. Die Finanzlage von zwanzig Kassen sei derart angespannt, dass sie im internen Bewertungssystem der gesetzlichen Krankenversicherung mit der kritischen Stufe „rot“ bewertet würden. Obgleich das GKV-System milliardenschwere Überschüsse einfährt, sind 28 Millionen Bundesbürger bei einer Krankenkasse versichert, die aufgrund finanzieller Engpässe in ihrer Existenz bedroht ist.

    Weiter auf den NachDenkSeiten

    121 Kommentare Print This Post
    Auf der einen Seite erzielt das gesetzliche Krankenversicherungssystem nach jüngsten Schätzungen auch in diesem Jahr gigantische Überschüsse, auf der anderen Seite droht immer mehr Kassen das wirtschaftliche Aus. Was sich zunächst wie ein Widerspruch anhört, hat System. Mit dem Gesundheitsfonds steht dem FDP-geführten Gesundheitsministerium genau das Instrument zur Verfügung, um schonungslose Klientelpolitik zu betreiben. Seit ...
    Tags: FDP Gesundheitssystem
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    121 Kommentare:

    1. schwitzig schrieb am 10. Juni 2011 at 10:47 - Permalink

      @SF
      Danke für diesen Artikel. Ich kann nur jedem raten, ihn an möglichst viele Bekannte weiterzuleiten.

      • Vogel schrieb am 10. Juni 2011 at 23:05 - Permalink

        Guter Tipp! Schon geschehen!!

    2. David schrieb am 10. Juni 2011 at 11:11 - Permalink

      Ich erkenne in dem BVA-Dokument nur einen “Übertrag” von knapp 4 Milliarden und nicht von “etwas unter 3 Milliarden” – lese ich das falsch?

      • Spiegelfechter schrieb am 10. Juni 2011 at 11:30 - Permalink

        Es geht nicht um den “Übertrag”, sondern um die Zuweisungen. 20% der monatlichen Zuweisungen sind das Volumen der Liquiditätsreserve.

        • David schrieb am 10. Juni 2011 at 11:35 - Permalink

          Puh, die Lesekompetenz. Danke!

    3. Jürgen Beck schrieb am 10. Juni 2011 at 11:16 - Permalink

      Ich habe ein zwiespältiges Verhältnis zu Deiner Kritik lieber Jens in diesem Fall.

      Ich finde wir haben viel zu viel Krankenkassen. Diese wurden mit Sicherheit nicht aus “Nächstenliebe”, sondern aus wirtschaftlichen Interessen gegründet. Davon leben nämlich einige “ganz gut”. Darum finde ich den Druck der ausgeübt wird richtig und Weine keiner hinterher die es nicht schafft. Vorausgesetzt natürlich, dass es noch genügend andere gibt, die in der Lage sind die Patienten aufzunehmen. Es müssen einfach weniger werden, weil viel zu viel Geld in die Verwaltungen fließt und nicht für die Patienten ausgegeben werden.

      Auch die Aufhebung der Deckelung sehe ich gemischt. Auf der einen Seite natürlich ein Geschenk an die Klientel der FDP, auf der anderen Seite könnte es tatsächlich für Patienten einen Vorteil haben. Gespart werden muss woanders. Es gäbe durchaus Möglichkeiten die 2,8 Milliarden bei Verhandlungen mit der Pharmabranche rauszuholen, wenn man denn wollte.

      Ich sehe für die PKV sehr schwere Zeiten. Denn den meisten Patienten wird bewusst dass im Alter die PKV nicht zu bezahlen ist.
      Der Trend wird eher mit immer mehr Alten zurück in die GKV sein. Auch durch die Rentenbiographien bestimmt, die immer mehr in die Grundsicherung treiben wird.
      Das die Zusatzbeiträge weiter bezahlt werden müssen passt in das neoliberale Denkmodell der FDP und ihrem Privatisierungszwang. Du hast natürlich vollkommen Recht, dass die Gelder aus dem Gesundheitsfond den “Freunden der FDP” aus der Gesundheitsbranche “helfen” soll. So lange sie noch am Ball sind. Und das wird ja hoffentlich bald vorbei sein.

      • mee schrieb am 10. Juni 2011 at 11:35 - Permalink

        Das wollte ich auch so schreiben. Ein Konzentrationsprozess bei den Kassen ist doch wünschenswert. Eigentlich bräuchte man sogar nur eine.

        • Spiegelfechter schrieb am 10. Juni 2011 at 11:41 - Permalink

          Warum? Was soll der Vorteil von “nur einer” Kasse sein? Dass man nicht 150 Kassen braucht, sehe ich ebenfalls.

          • momen schrieb am 10. Juni 2011 at 12:18 - Permalink

            Verwaltungskosten 2008: 8,4 Mrd. €
            Würde man die Verwaltungskosten um nur 10 % senken, was mehr als realistisch wäre, hätte man 840 Mio. mehr in der Kasse.
            Das ist nicht wenig.

            Sind die Kosten der Immobilien auch in den Verwaltungskosten entalten?

            • Spiegelfechter schrieb am 10. Juni 2011 at 12:26 - Permalink

              Na ja, 840 Mio. sind nun aber auch nicht der Bringer ;-)

            • ola schrieb am 10. Juni 2011 at 17:10 - Permalink

              Mittlerweile wird diese unseelige Diskussion über Verwaltungskosten immer mehr zur Lachplatte. Auch hier gilt, wie bei vielen öffentlichen Verwaltungen: Die freie Wirtschaft lacht über derlei günstige Verwaltungskosten. Da kann man nix mehr sparen, wenn man noch ein Restmaß an Kontrolle wünscht.

              Sind dann die Gleichen Spezialisten die nichr fertig werden sich aufzuregen, wenn wieder durch Zufall rauskommt dass viele Ärzte einen 28 Stunden Tag haben.

              Ne Freunde, die Frage ist, was ist mir Gesundheit wert und wer soll wieviel von diesem Wert erhalten. Solche Nebenkriegsschauplätze wie Verwaltungskosten und anderer Unsinn (immer gerne genommen wird ja auch das sonstige Programm und Kurse der Kassen) führen nur dazu, die GKVen zu zersören und der Privatwirtschaft ein noch größeres Betätigungsfeld in der Gesundheitsbranche zu offerieren.

            • polifisch schrieb am 10. Juni 2011 at 19:19 - Permalink

              840 mio mehr bedeutet, das jeder deutsche mindestens einmal im jahr 10 € praxisgebühr sparen könnte. für leute mit einem einkommen von knapp überhalb des harzIV satzes eine erleichterung. die könntesn sich davon bspw. mal ein tolles buch kaufen.

            • gerhardq schrieb am 10. Juni 2011 at 20:56 - Permalink

              Weißt Du eigentlich, wieviel Geld von den Kassen umgesetzt wird?
              Da sind 8,4 Milliarden Verwaltungskosten schlicht und einfach lächerlich, selbst wenn 50% eingespart würden (wo Gott uns vor bewahren möge), würde das überhaupt nichts bewirken. Es wäre ein Tropfen auf dem heißen Stein.
              Kosten ließen sich einsparen durch Abschaffung des Gesundheitsfonds selbst. Der Gesundheitsfond ist nichts weiter als Planwirtschaft, jetzt aber im Sinne der Klientelpolitik der Regierung. Es ist mir unverständlich, warum gerade die FDP diese planwirtschaftliche Verfahren unterstützt, es sei denn, der Sinn besteht darin, die gesetzliche Sozialversicherung zu Gunsten ihrer Klientel aus Ärzten, Apothekern, Pharmaindustrie und privaten Krankenkassen zu beschädigen.

              Warum soll es nicht viele verschiedenen Krankenkassen geben? Der Glaube, daß weniger Krankenkassen insgesamt weniger Kosten verursachen, ist den heutigen technischen Möglichkeiten nicht mehr angemessen. Größe bedeutet heute nicht unbedingt billiger – häufiger entsteht durch die Größe ein hoher Anteil an internen Kommunikationskosten, vor allem dadurch, daß die mathematische Kombinatorik zuschlägt. Man benötigt mehr Verwalter der Verwalter – einfach ausgedrückt!
              Ein ähnlicher Schwachsinn ist doch schon bei den Berufsgenossenschaften durchexerziert worden. Hier wurden die kleine, finanziell gesunden BGs mit den großen, finanziell kranken BGs verschmolzen. Jetzt gibt es nur noch wenige (ich glaube sechs) Berufsgenossenschaften, die überproportional gestiegene Verwaltungskosten zu bewältigen haben! Es ist also teuerer und nicht billiger geworden, wie viele der Synerigie-Fanatiker vorgegeben hatten.

      • Spiegelfechter schrieb am 10. Juni 2011 at 11:38 - Permalink

        Ich finde wir haben viel zu viel Krankenkassen. Diese wurden mit Sicherheit nicht aus “Nächstenliebe”, sondern aus wirtschaftlichen Interessen gegründet. Davon leben nämlich einige “ganz gut”. Darum finde ich den Druck der ausgeübt wird richtig und Weine keiner hinterher die es nicht schafft.

        Wenn es denn politisch gewollt ist, kann man die Krankenkassen auch zusammenlegen, ohne dabei die im Artikel genannten Kollateralschäden zu verursachen.

        Vorausgesetzt natürlich, dass es noch genügend andere gibt, die in der Lage sind die Patienten aufzunehmen. Es müssen einfach weniger werden, weil viel zu viel Geld in die Verwaltungen fließt und nicht für die Patienten ausgegeben werden.

        Na jaaa. Bei den GKVen fließen gigantische 5,4% der Kosten in die Verwaltung – bei den PKVen sind es übrigens 14,9%. Sicherlich könnte man die 5,4% durch Fusionen minimal drücken. Im Vergleich zu den anderen Baustellen im Gesundheitssystem ist das allerdings ein Petitesse.

        Es gäbe durchaus Möglichkeiten die 2,8 Milliarden bei Verhandlungen mit der Pharmabranche rauszuholen, wenn man denn wollte.

        Wenn man wollte … richtig.

        Der Trend wird eher mit immer mehr Alten zurück in die GKV sein.

        Das geht ja nicht. Die Gesetze verbieten diesen Rückweg für “normale” Fälle.

      • Vogel schrieb am 10. Juni 2011 at 23:09 - Permalink

        Der Trend wird eher mit immer mehr Alten zurück in die GKV sein.

        Das geht aber idR nich: Nur wenn man mehr als 50 % in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens in der GKV versichert war, geht das.

        Informiert Euch!!

      • Struppi schrieb am 14. Juni 2011 at 12:30 - Permalink

        Ich hab jetzt nicht alle Kommentare gelesen, aber ich wundere mich, warum soviel über “das Gesundheitssystem” und Ärztegehälter schwadroniert wird?
        Der Punkt in diesem Artikel ist doch der, dass der Staat Mitgliedsbeiträge der KK zurückhält und damit einerseits die Beiträge der Mitglieder erhöht (Zusatzbeitrag), anderseits Insolvenzen von KK riskiert.

        Man fragt sich, zu welchem Zweck? Die Analyse auf den Nachenkseiten kommt zur Vermutung dass damit die Privaten gefördert werden sollen, was bei der Partei die dahinter steht, nicht verwundert sollte.

        Für den wirklichen Skandal halte ich die Deckelung des Beitrags für die Arbeitgeber, was in meinem Augen ein Baustein zur Zerstörung unseres Krankenkassen Solidarsystem ist

        • Lohengrin schrieb am 14. Juni 2011 at 19:08 - Permalink

          Für den wirklichen Skandal halte ich die Deckelung des Beitrags für die Arbeitgeber, was in meinem Augen ein Baustein zur Zerstörung unseres Krankenkassen Solidarsystem ist

          Das ist nichts anderes als eine Lohnsenkung.
          Der sogenannte Arbeitgeberanteil der Krakenkasse ist Teil des Lohnes. Dem Arbeitgeber ist das Nehmen der Arbeit soviel wert wie er dafür bezahlen muss, also das Arbeitgeberbrutto, das das echte Brutto ist.
          Wenn der Arbeitgeberanteil der Krakenkasse gesenkt wird, sinkt das Brutto. Selbstverständlich wird das dann durch Erhöhung des sogenannten Arbeitnehmeranteils kompensiert, also sinkt das Netto.

    4. LOL schrieb am 10. Juni 2011 at 11:25 - Permalink

      Warum versuchen Sie den Gesundheitsfond der FDP anzukreiden? In seiner jetzigen Form haben CDU und SPD in der großen Koalition diesen Fond verbrochen. Das einzige was man der CDU/FDP Koalition ankreiden könnte ist die letztmalige erhöhung des Beitragssatzes um 0.6% sowie die neuregelung der Zusatzbeiträge.

      • Spiegelfechter schrieb am 10. Juni 2011 at 11:39 - Permalink

        Niemand sagt, dass die FDP den Gesundheitsfonds eingeführt hätte. Sie ist es allerdings, die Schindluder mit der Liquiditätsreserve betreibt – das ist Inhalt des Artikels.

    5. Jonathan Ricke schrieb am 10. Juni 2011 at 11:39 - Permalink

      Dass der völlig überbordende Kassenapparat (wozu braucht es über 150 verschiedene Kassen, deren Chefs allesamt sechststellige Gehälter kassieren?) mit seinen Ineffizienzen dankSpardruck konsolidiert, war erklärtes Ziel von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Ihr Ideal war ein System mit 5 bis 10 großen Kassen, die jeweils auch genug Marktmacht haben, um Pharmaindustrie und Ärzten Paroli bieten zu können. Das jetzt der FDP aufzuschreiben, ist zwar nett, würde es doch zum Markenkern der Partei passen. Doch die wahren Reformen in dem Bereich hat bislang allein die SPD verantwortet und gewagt.. Im übrigen entscheidet NICHT das Ministerium, wie viel Geld die einzelnen Kassen bekommen. Das ministerium hat zwar vielleicht begrenzten Einfluss auf die Gesamtsumme im Fonds – doch wie der verteilt wird, entscheidet noch immer das Bundesversicherungsamt nach transparenten und für alle gleichen Regeln.

      • Spiegelfechter schrieb am 10. Juni 2011 at 11:43 - Permalink

        Ich will die SPD ja nicht in Schutz nehmen. Es geht auch nicht “nur” um die Konzentration der Kassen. Es geht um das Mittel, diesen Zweck zu erreichen.

        Im übrigen entscheidet NICHT das Ministerium, wie viel Geld die einzelnen Kassen bekommen.

        Natürlich nicht, es entscheidet aber über die Größe und Verwendung der Liquiditätsreserve. Das steht aber auch alles im Artikel.

      • Shitop schrieb am 10. Juni 2011 at 12:44 - Permalink

        Wenn die Chefs der Kassen nun das Risiko des Jobverlustes drückt, müssen deren Gehälter ja in Zukunft dieses Risiko auch wiedergaben, also deutlich erhöht werden.

      • ola schrieb am 10. Juni 2011 at 17:13 - Permalink

        Was verdient denn der Vorstand der Allianz so? Ein Konzern nur. Schabernack hier.

        • Spiegelfechter schrieb am 10. Juni 2011 at 17:16 - Permalink

          Ist die Allianz eine GKV?

          • ola schrieb am 10. Juni 2011 at 18:38 - Permalink

            Nein, aber der größte Privatversicherer in Deutschland.

      • Vogel schrieb am 10. Juni 2011 at 23:59 - Permalink

        Interessant:

        … über 150 verschiedene Kassen, deren Chefs allesamt sechststellige Gehälter kassieren …

        das weiß jeder, kennt jeder, das mit den sechsstelligen Gehältern. Nich persönlich nehmen, aber wenn’s nur das wär’ könnten wir uns noch weitere 150 Krankenkassen leisten. Sonst? “Alles viel zu gomblizierd, gell?”

    6. momen schrieb am 10. Juni 2011 at 11:44 - Permalink

      Ich habe disen “Kunkurrenzkampf” zwischen den GKVs nie verstanden.
      Wozu würde nicht eine Kasse reichen?
      Ist doch reine Geldverschwendung (oder Geldverschiebung?).
      Weiß jemand wo die Vorteile versteckt sind, die ich nicht finden konnte?

      • André H. schrieb am 10. Juni 2011 at 13:13 - Permalink

        Beim Gesundheitssektor ist es wie beim Bankensektor. Mafiöse Strukturen haben beide einflussreich und mächtig gemacht. Nun, da ihre Macht da ist (und unsere Abhängigkeit auch), wird es praktisch unmöglich sein, daran etwas ändern zu können. Mit dem Glauben an das Gute im Menschen wird es nicht Veränderungen geben, höchstens kosmetische.
        Mit Zwang wir auch wenig auszurichten sein, sonst wird das Imperium zurückschlagen (siehe auch den Artikel “Inside Steuerfahndung”).
        Krankenkassen sollten meines Erachten dem Staat (Allgemeinheit) gehören, wie auch die Energieversorgung, Post, Bahn, Polizei und Strafvollzug. Auch wenn staatliche Betriebe zugegebenermassen Nachteile haben (manchmal etwas uneffizienter als Privatbetriebe), sind staatliche Betriebe doch das kleinere Übel. Sie können niemals so grosse Schäden wie Private anrichten.

        • Vogel schrieb am 11. Juni 2011 at 00:03 - Permalink

          André, mach’s nich so kompliziert, der Mensch will wählen können, will’s bequem haben, will’s besonders haben. Da reicht der Nachfolger vom Ford-T nich mehr aus … obwohl der ausreichen würde …? Hm?

          • André H. schrieb am 11. Juni 2011 at 02:50 - Permalink

            Hallo Vogel.

            der Mensch will wählen können…

            Ja, 250 TV-Programme, 35 Arten von Hamburgern, 12 Kleiderdiscounter, 8 Modelle VW Polo, Opel… ?
            (schwiff halt jetzt ein wenig ab)

      • Lohengrin schrieb am 11. Juni 2011 at 14:02 - Permalink

        Wozu würde nicht eine Kasse reichen?

        Am Besten geht das über den allgemeinen Steuertopf. Die Versorgung soll dann auch ohne Schnickedöns sein. Wer für teurere Behandlung versichert sein will, kann sich zusätzlich privat versichern.
        Eine Krankenversicherung im Ausland kostet gut einen Euro pro Tag. Die zahlt dann aber auch nicht für Psychologen. Ein Arbeiter mit 920 Euro Netto pro Monat (Stundenlohn 5.75 Euro) zahlt dagegen unglaubliche 300 Euro pro Monat an die AOK.

        Für die Haftpflichtversicherung eines KFZ gilt übrigens das Gleiche. Dann sollte auch mal derjenige zur Kasse gebeten werden, der sein teures Auto in den Gefahrenbereich bringt.

        • PitPudel schrieb am 12. Juni 2011 at 23:00 - Permalink

          So ein allgemeiner Steuertopf hätte dann bloß den “kleinen” Nachteil, dass vom Geringverdiener bis zum lohnabhängig Beschäftigten der mittleren Einkommensgruppen anteilig mehr einbezahlt wird als von großen Gehältern, Unternehmen und allgemein Besitzenden.

          Noch erfolgt die Finanzierung der GKV’en so einigermassen paritätisch, und das Modell ist der Steuerfinanzierung immer vorzuziehen.

          Und die Gesundheit eines Menschen ist nicht mit dem Unfallrisiko eines Autos zu vergleichen.

          • Lohengrin schrieb am 13. Juni 2011 at 17:02 - Permalink

            So ein allgemeiner Steuertopf hätte dann bloß den “kleinen” Nachteil, dass vom Geringverdiener bis zum lohnabhängig Beschäftigten der mittleren Einkommensgruppen anteilig mehr einbezahlt wird als von großen Gehältern, Unternehmen und allgemein Besitzenden.

            Nein. Es ist genau anders herum. Ab etwa 1800 Euro Netto steigt der Krankenkassenbeitrag nicht mehr. Außerdem kann man sich dann privat versichern oder auch unversichert leben. Die Versicherungspflicht gilt nur für die kleinen Löhne und für die, die gar kein Einkommen haben und sich nicht verhartzen lassen wollen. Legal kommt man als Arbeitsloser da nur raus, wenn man sich im Ausland aufhält. Sonst wird gedroht, dass, sobald wieder Lohn bezogen wird, die Krakenkassenbeiträge nachgezahlt werden müssen.

            Wer mit nur wenig Arbeitern ein großes Einkommen hat, wie zB eine Autofabrik oder ein großer Supermarkt, zahlt fast nichts von dem Einkommen für die Gesundheitsversorgung. Das müssten sie aber, wenn das über den allgemeinen Steuertopf finanziert würde.

            Noch erfolgt die Finanzierung der GKV’en so einigermassen paritätisch, und das Modell ist der Steuerfinanzierung immer vorzuziehen.

            Das ist ein Taschenspielertrick. Auch der Arbeitgeberanteil an die GKV ist Teil des Lohnes. Der Arbeitgeber zahlt das Arbeitgeberbrutto, und soviel ist ihm das Nehmen der Arbeit auch wert, denn sonst würde er den Arbeiter nicht beschäftigen.

            Und die Gesundheit eines Menschen ist nicht mit dem Unfallrisiko eines Autos zu vergleichen.

            Es geht hier ums Bezahlen, und da ist es vergleichbar.

    7. lebowski schrieb am 10. Juni 2011 at 12:29 - Permalink

      Bislang wurde doch im Gesundheitssystem nach dem Motto verfahren, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Dank Daniel Bahr läufts jetzt anscheinend anders. Als die City-BKK pleite ging und die Versicherten von den anderen GKVs nicht aufgenommen werden wollten, hat Bahr die gesetzlichen Krankenkassen unter Druck gesetzt und sie dazu gezwungen.
      Die haben Bahr jetzt eine Retourkutsche vorbeigeschickt, denn der wollte klammheimlich die Honarare der Ärzte, einer FDP-Klientel, erhöhen.

      Nach Berechnungen des Verbands könnten die niedergelassenen Ärzte im Jahr 2013 bis zu 2,8 Milliarden Euro mehr Honorar bekommen als im laufenden Jahr. Grund dafür sei, dass die schwarz-gelbe Koalition die Begrenzung der Ärztehonorare faktisch aufheben wolle.

      http://www.welt.de/wirtschaft/article13417918/Aerzte-bekommen-2-8-Milliarden-Euro-mehr-Honorar.html

      Die Krankenkassen haben Alarm geschlagen und Bahr hat den Schaden.
      Die Krankenkassen haben bislang bei dem Beitragserhöhungsspiel immer schön still gehalten, weil es einem Vorstand normalerweise sch..egal ist, ob seine Versicherten hohe oder niedrige Beiträge zahlen. Bei Pleiten von Krankenkassen verlieren auch die Vorstände ihren Job, deswegen werden die sich bald deutlicher zu Wehr setzen. Gut so!

      Immer Zoff sein immer gutt! (Dragoslav Stepanovic)

    8. baumbaron schrieb am 10. Juni 2011 at 12:41 - Permalink

      Lindner, Bahr, Rösler etc. etc. eine Riege von smarten, neoliberalen Egoisten, die bereits zu den “normalen” Bürgern dieses Landes kein moralisches Verhältnis hat, geschweige denn zu Leiharbeitern oder Aufstockern oder anderen, die nicht nach dem Motto leben können ‘mein Haus, mein Pool mein Pferd mein Boot’. Sie scheinen den gleichen smarten Fiseur, Anzugschneider und Krawattenbinder zu haben und schauen kotzenswert verwechselbar aus, als seien sie gerade eben aus einem Versicherungsflieger gestiegen, der sie von der Heilbehandlung in ungarischen Thermenwelten zurückgebracht hat. Einfach ekelhafte Leute, vor denen niemand sicher sein kann. Totsicher aber ist, dass sie ihr Klientel vor der nächsten Wahl bedienen werden.

    9. Coltrane schrieb am 10. Juni 2011 at 12:43 - Permalink

      Sehr interessanter Artikel.
      Ich muss zugeben, dass ich auch zunächst das Argument der Anzahl der KK anführen wollte.
      Bei Wikipedia las ich aber eben, dass es vor 20 Jahren noch über 1000 waren (1990: 1.147)!
      Also das kann nicht der Grund sein, dass viele der verbliebenen Kassen (Stichtag 1. Juli 2011 noch 154) so klamm sind.

      Die deutschen Pharma-Unternehmen machen im internationalen Vergleich auch nicht die größten Umsätze und finden sich nicht unter den ersten 10 Plätzen:
      “Auf Rang 12 folgt das erste deutsche Pharmaunternehmen Bayer Schering Pharma mit einem Jahresumsatz von 15 Milliarden Dollar und Forschungsausgaben von 2,2 Milliarden Dollar weltweit. Boehringer Ingelheim belegt Platz 13, Merck KGaA (Darmstadt) Platz 22 gefolgt von Ratiopharm auf Platz 42.” (Quelle Wikipedia)

      Die Ärzte verdienen auch nicht mehr soviel, dass sie in Geld baden könnten. Mancher Krankenhausarzt verdient trotz 24 Stunden Schicht oft das Salz in der Suppe nicht.
      Wo fließt die Knete also eigentlich hin?
      Die Leistungen der KK sind auch schon lange nicht mehr das gelbe vom Ei. Vor 30 Jahren habe ich z.B. für ‘ne neue Brille nur eine Rezeptgebühr bezahlen müssen, wenn ich mich für ein Kassengestell entschieden habe. Heute kosten allein die Gläser ein kleines Vermögen und sind für viele Geringverdiener kaum zu bezahlen. Wo ist das Loch, in dem die Kohle versickert?

      • mee schrieb am 10. Juni 2011 at 13:02 - Permalink

        Es kommt glaube nicht so sehr darauf an, wo die Pharmafirmen beheimatet sind, sondern wo sie viel Geld verdienen und das tun sie in Deutschland schon, vor allem mit neu zugelassenen Medikamenten. Habe aber leider keine guten Zahlen dazu zur Hand.

        Im Prinzip ist das deutsche Gesundheitssystem etwas (2-3% vom Bip) teurer als andere in Europa aber z.B. billiger als in Frankreich (Quelle) – womit natürlich noch nichts über die Qualität ausgesagt ist. Ich denke schon, dass man die Kosten vor allem auf der Pharmaseite drücken könnte, bei den Ärzten eher nicht (Unterversorgung in Krankenhäusern und auf dem Land).

        • Tom schrieb am 10. Juni 2011 at 18:10 - Permalink

          Aus Ihrer Quelle kann man aber noch eine weitere wichtige Schlußfolgerung herleiten.

          Die Kosten des deutschen Gesundheitssystems betragen ca. 11% des BIP, der Beitragssatz beträgt aber 15,5%. Dies zeigt sehr deutlich, die einseitige Belastung des Faktors Arbeit (und hier insbesondere der unteren Einkommensklassen – Stichwort Beitragbemessungsgrenze) zur Finanzierung der Gesundheitskosten.

          Und dass vor diesem Hintergrund von angeblich wirtschaftlich kompetenten Leuten behauptet wird, eine reine private Versicherung (“Selbstvorsorge des mündigen Bürgers”) würde einen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen (“Arbeitskosten müssen sinken”) ist eine vorsätzliche schamlose Lüge.

      • Vogel schrieb am 11. Juni 2011 at 00:06 - Permalink

        Sehr gute Feststellungen/Fragen. Danke!

    10. André H. schrieb am 10. Juni 2011 at 13:00 - Permalink

      Ein durch selektive Unterfinanzierung angerichtetes Chaos im GKV-System hilft einerseits den von der FDP favorisierten privaten Krankenkassen und erzeugt andererseits im Nebeneffekt auch Überschüsse für den Gesundheitsfonds, die vom FDP-geführten Gesundheitsministerium klientelgerecht ausgeschüttet werden können

      In einer etwas anderen (militärischen) Sprache könnte man das auch “Sabotage” nennen…
      In einem etwas anderen Land (China) hätte sowas relativ harte Strafen zur Folge…

      • t.h.wolff schrieb am 10. Juni 2011 at 17:21 - Permalink

        Ihre Art zu denken gefällt mir…

    11. leslie schrieb am 10. Juni 2011 at 13:09 - Permalink

      Wenn Mensch nicht wegen jedem kleinen Husten zum Arzt rennen würden,
      wär auch schon viel erreicht.
      Wink an das weibliche Geschlecht.

      Und habt ihr schon mal bemerkt worüber sich alte Leute unterhalten.?

      Krankheiten.

      Da würd ich auch nurnoch krank werden.^^

      Im übrigen sind viele Krankheiten auch eine Erfindung der Pharmamafia um halt mehr Geld zu machen.
      http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,260671,00.html

      Denn merke: An gesunden verdient man nix.

      Die medizinische Wissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten so ungeheure Fortschritte gemacht, dass es praktisch keinen gesunden Menschen mehr gibt.
      (Aldous Huxley)

      Übrigens sind Zahnärzte für mich keine Ärzte sondern Handwerker. :-))
      Und da einen guten zu finden.
      Die berühmte Nadel im Heuhaufen.

      Offtopic.
      B itcoins sind momentan in aller Munde.

      Da find ich Budcoins besser.
      http://forum.hanfburg.de/fhb/showpost.php?p=2389507&postcount=31
      mFG

      • André H. schrieb am 10. Juni 2011 at 13:25 - Permalink

        Wenn Mensch nicht wegen jedem kleinen Husten zum Arzt rennen würden,
        wär auch schon viel erreicht.

        Dies wir den Bürgern von den Grossen im Gesundheitssystem eingeredet. Dies ist aber nicht die Ursache des Problems, das sind höchstens “Peanuts”.

      • schwitzig schrieb am 10. Juni 2011 at 16:19 - Permalink

        Wenn Mensch nicht wegen jedem kleinen Husten zum Arzt rennen würden,
        wär auch schon viel erreicht.

        Das halte ich für ein Gerücht. Wenn dem tatsächlich so wäre, hätte es nach Einfuhrung der Quartalsgebühr zumindest kurzfristig einen signifikanten Einbruch geben müssen, Und jetzt mal ehrlich – gibt es irgendjemanden, der schon mal einen glücklich lächelnden Warteraumgenießer gesehen hat? Richtig. Es ist ätzend, im Warteraum als Kassenpatient herumzusitzen, sich von den anderen Wartenden erst krank machen zu lassen und dann irgendwann eher Akkordartig abgearbeitet zu werden.
        Ein Arztbesuch ist kein Kinobesuch. Zum Arzt geht man, weil man muss. Und wenn Du z.B. eine Hautkrankheit hast, musst Du sogar zu zwei Ärzten – zuerst zum Hausarzt, der Dir dann eine Überweisung zum Hautarzt ausstellt. Und – schwups – haben wir die doppelte Anzahl von Arztbesuchen.

        Dieses “Weltmeister bei Arztbesuchen”-Gequatsche halte ich für dümmliche Bertelsmann-Propaganda; ähnlich wie das Lobotomierten-Argument “German Angst” und vergleichbarer Schwachsinn von religiösen Kleinkindern.

        Selbst wenn an der Behauptung der Arztbesuch-Verliebtheit der Deutschen etwas dran wäre, würde einer, dessen Gehirn nicht völlig mit neoliberalem Schwachsinn verklebt ist, als erstes fragen, warum das so ist. Und da ein Arztbesuch für Kassenpatienten wenig satisfaktionsfähig ist, muss es ja dann andere, therapiewürdige Ursachen oder Strukturfehler in der Gesundheitsversorgung geben.

        • Lohengrin schrieb am 11. Juni 2011 at 13:52 - Permalink

          Selbst wenn an der Behauptung der Arztbesuch-Verliebtheit der Deutschen etwas dran wäre, würde einer, dessen Gehirn nicht völlig mit neoliberalem Schwachsinn verklebt ist, als erstes fragen, warum das so ist.

          Zum Beispiel weil man bei Zahnersatz nicht so viel dazuzahlen will. Deswegen rennen viele Leute jedes Jahr zum Zahnarzt, und der findet dann natürlich auch was.
          Eine Möglichkeit das zu umgehen ist, arbeitslos zu sein. Dann zahlt man gar nichts dazu. Das habe ich selbst erlebt und war überrascht.

          • schwitzig schrieb am 11. Juni 2011 at 14:48 - Permalink

            Eine Möglichkeit das zu umgehen ist, arbeitslos zu sein. Dann zahlt man gar nichts dazu. Das habe ich selbst erlebt und war überrascht.

            Nö,das stimmt schon seit Ewigkeiten nicht mehr.

            • Lohengrin schrieb am 11. Juni 2011 at 15:39 - Permalink

              Nö,das stimmt schon seit Ewigkeiten nicht mehr.

              Im Jahr 2009 hat es noch funktioniert.

            • Bolle schrieb am 11. Juni 2011 at 17:12 - Permalink

              Eine Möglichkeit das zu umgehen ist, arbeitslos zu sein. Dann zahlt man gar nichts dazu. Das habe ich selbst erlebt und war überrascht.

              Das ist mal wieder ausgesprochener Quatsch.
              Ein Arbeitsloser zahlt erschtemol 10 Euronen Eintrittsgebühr
              dazu kommen die diversen Zuzahlungen bei Medikamenten
              und zuguterletzt wird jeder Zahnklempner den Arbeitslosen bei Zahnersatz mit mindestens 10 % Eigenbeteiligung auf Stotterbasis in Haftung nehmen, wegen alternativloser Komplikationen, die leider leider die Kasse nicht zahlt.
              Zum Schluss hat auch ein Arbeitsloser gut 2% seines Jahreseinkommens zusätzlich für ärztliche und gesundheitliche Massnahmen zu zahlen, ehe er sich von zusätzlichen Zahlungen befreien lassen kann.

            • Lohengrin schrieb am 11. Juni 2011 at 18:16 - Permalink

              @Bolle
              Ich habe im Jahr 2006 für Zahnkronen noch etwa 200 Euro dazubezahlt – bei einem Nettolohn von 1000 Euro pro Monat. Im Jahr 2009 hätte ich für eine Füllung 50 Euro von 700 Euro Arbeitslosengeld zubezahlen müssen. Eine Krone gab es aber ohne Zuzahlung. Da habe ich mich dann für die für mich billigere Variante entschieden. Ich war darüber überrascht, und wäre ohne den Hinweis des Zahnarztes auch nicht darauf gekommen.
              Ich habe nur die 10 Euro Praxisgebühr bezahlt.

      • Vogel schrieb am 11. Juni 2011 at 00:11 - Permalink

        Denn merke: An gesunden verdient man nix.

        Falsch? Richtig? Die Zukunft der Pharmabranche soll im “Gesundheitsingeneering” liegen, so sagt man – z. B. Neuroenhancement, Nahrungsergänzung, Wellness usw. … Die haben richtig erkannt: Der größere Markt sind die Gesunden – deshalb werden die Kranken auch so “fürsorglich” behandelt!

    12. R_Winter schrieb am 10. Juni 2011 at 13:20 - Permalink

      Es fällt mir sehr schwer Bahr NICHT als das zu bezeichnen, was er ist…..

      Aktuelle Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass die Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds zum Ende dieses Jahres auf stolze 7,2 Milliarden Euro angewachsen sein wird.

      Die 142.000 niedergelassenen Ärzte (70% hatten FDP gewählt) hatten 2010 statt 105.000€ p.a. im Durchschnitt über 140.000€ vom Gesundheits-Fond erhalten ( ca. 40% mehr – kleiner Rechenfehler…). Jetzt soll diese Gruppe weitere 10% p.a. erhalten.
      So kann der Reservebetrag von 7,2 Mrd. € leicht reduziert werden.

      Es ist schade, dass in Deutschland Minister wegen Veruntreuung nicht vor Gericht kommen können. Die Hotel-Subventionen von 1,2 Mrd. € p.a. sind nichts gegen die Machenschaften des Herrn Bahr.

      • Spiegelfechter schrieb am 10. Juni 2011 at 14:15 - Permalink

        Kleine Korrektur: Die niedergelassenen Ärzte haben wesentlich mehr bekommen – so viel, dass bei den Allgemeinmedizinern 105.000 Euro Gewinn überblieben, bei den Fachärzten sogar wesentlich mehr.

        • Ein Arzt schrieb am 10. Juni 2011 at 14:58 - Permalink

          Hallo Spiegelfechter,

          man merkt, dass Sie und viele Ihrer Mitkommentatoren keine Ahnung haben und/oder schlecht informiert sind. Es gibt genügend Ärzte, die von Ihren willkürlich in den Raum geschmissenen 105.000 Euro Gewinn nur träumen können.

          Wollen Sie wissen, was mein RLV für das Quartal 01/2011 ist?
          Wirklich?
          OK: 8900 Euro.

          Dafür soll ich 600-700 Patientinnen 3 Monate behandeln. 2900 pro Monat.
          Meine Miete: 1500 Euro.
          Helferin: 400 Euro plus Boni ca. 400 Euro.
          Strom, Tilgung Praxiskredit und Ultraschallgerät, Heizung: 6700 Euro.

          Die Praxis putzen: Meine Frau (Anwältin) und ich.

          Wenn Sie sich bei “Facharzt.de” anmelden, werden Sie sehen, dass ich seit 12 Jahren berufspolitisch aktiv bin bis hin zum Besuch eines unangemeldedeten “Panorama”-Teams in meiner Sprechstunde.
          Plakate und Unterschriftenlisten hängen seit Jahren aus, letztere ignoriert von den Kassenpatientinnen. Unterschreiben tun die Privatversicherten! Kein Witz!

          Ich gebe meine Kassenzulassung Ende 2011 ab. Mit 47 Jahren, seit 15 Jahren niedergelassen. Ich kann davon nicht mehr leben.
          Und den Burnout riskiere ich nicht. Obwohl, habe ich den nicht schon?

          In Norwegen nimmt man mich mit Kusshand. In der Schweiz auch. Ich werde in die Schweiz gehen. Angestellt mit 15000 CHF/ Monat plus Boni und 6 Wochen Urlaub im Jahr, als leitender Oberarzt.

          Auf Codi und von mir nicht geleistete Eide eines Hippokrates möchte ich nicht näher eingehen. Ich mache einen guten Job und will dafür ein angemessenes Honorar. Mehr nicht!

          Erlauben Sie mir, noch folgende Zeilen hinzuzufügen:

          Ein Staat hat eigentlich grundlegend einen dienende Funktion.
          Hier nimmt er diese Aufgabe nicht oder schlecht wahr.

          Das Geld wird durch folgende Institutionen “verschlungen”:

          (1) Bürokratie in den Kassen, der KV und alle anderen verbundenen Groß-Systeme. Dazu gehört auch die Bürokratie in den Medizin-Konzernen (z.B. Siemens, Phillips, GE). Denken Sie nur an die 1.3 Milliarden Dollar Kosten im Rahmen der Korruptions-Aufdeckung von Siemens im letzten Jahr. Wer bezahlt das? Z.B. die Kunden (in dem Fall die Ärzte als Mittler für die Patienten über die teuren Großgeräte: MRT ca. 850.000 € + 80.000 Wartungskosten/a plus Techniker-Kosten 289 € /Stunde als Standard-Satz in der Normal-Dienstzeit!)

          (2) Mangelnde Arbeitsablaufsteuerung in den med. Fachabteilungen, Praxen, Krankenhäusern, etc.

          (3) Rechtsmittel-Industrie, bestehend aus “Beratern”, Anwälten, Gerichten, die sich mit den unsauberen, unklaren Konstruktionen des Vergütungs- (besser Verteilungs-) System auseinandersetzen.

          (4) Politik und deren “Fachberater”: Das beste Beispiel ist Prof. Karl Lauterbach. Von diesem “Prof.” gibt es noch nicht mal für eine Habilitation eigentlich notwendige Original-Facharbeiten, die dazu geeignet wären, eine Habilitation zu rechtfertigen.

          (5) Korruption: Duale Krankenhausfinanzierung. Kommunale Krankenhäuser können ihre Unwirtschaftlichkeiten durch gute Kontakte in die Politik “ausgleichen”, in dem sie sich das fehlende Geld z.B. bei Neubauten oder Großgeräten einfach per Kreistags-Beschluss, Landtags-Beschluss vom Steuerzahler holen (eine Praxis kann das nicht).

          (6) Industrie: Marktwirtschaftliche, teilweise kartellartige Preis-Definition. Die Medizin kann nichts anderes als das zu bezahlen. Determiniert wird das durch die kommunalen Krankenhäuser und Universitäten, die weniger nachhaltig prüfen müssen, ob die Investition getätigt werden kann. Beteiligt ist auch die DFG.

          • André H. schrieb am 10. Juni 2011 at 15:44 - Permalink

            Wenn die Verhältnisse deutscher Ärzte in Deutschland so gravierend (geworden) sind, zeigt dies noch deutlicher die mafiös gewordenen Strukturen im Gesundheitswesen und die Rolle der Pharmaindustrien.
            Meine Tochter ist Krankenschwester in einem Spital bei uns in der Schweiz. Man spricht hier fast nur noch “deutsch”.

          • R_Winter schrieb am 10. Juni 2011 at 16:22 - Permalink

            Ihre Ausführung bzgl. Ihres Einkommens mag stimmen, aber nicht im Durchschnitt.
            Die anderen Punkte kann ich nachvollziehen.
            Sie sollten einmal in-sich gehen – irgendetwas scheint bei Ihnen aus dem Ruder gelaufen.

            Die fr-online schreibt (und viel Zeitungen):

            “…Das Gesundheitsministerium wies den Vorwurf der Kassen zwar zurück. In Unionskreisen wurde deren Darstellung (“Lizenz zum Geld drucken für Ärzte”) aber bestätigt. Der CDU-Politiker Jens Spahn sagte, man werde eindeutiger klarstellen, dass es keine Mehrkosten geben werde.

            Die Mediziner hatten bereits in den vergangenen Jahren trotz der Wirtschaftskrise deutlich höhere Honorare bekommen. Allein zwischen 2007 und 2010 stiegen sie um 4,3 Milliarden Euro. Nach Berechnungen der Kassen ermöglicht das derzeit im Schnitt pro Arzt ein Gesamteinkommen von 165000 Euro – vor Steuern und Sozialabgaben, aber nach dem Abzug der Praxiskosten….”

            • Ein Arzt schrieb am 10. Juni 2011 at 18:03 - Permalink

              Ihre Ausführung bzgl. Ihres Einkommens mag stimmen, aber nicht im Durchschnitt.

              Ja, sicher, nicht im Durchschnitt. Wenn Ihr Nachbar 10 Millionen Euro auf dem Konto hat und Sie lediglich 10 Euro, dann sind sowohl Sie als auch Ihr Nachbar im Durchschnitt Millionäre.

              Sie sollten einmal in-sich gehen – irgendetwas scheint bei Ihnen aus dem Ruder gelaufen.

              Was soll bei mir aus dem Ruder gelaufen sein? Oder glauben Sie etwa, ich bilde mir etwas ein, kann Geld aus dem Nichts zaubern und/oder muss mich für die Pharmaindustrie prostituieren? Auch Ihnen sei es gesagt, es gibt noch anständige und moralische Ärzte, die Menschen immer noch als das wahrnehmen, was sie sind: Menschen. Kein Human- und Experimentkapital.

              Die fr-online schreibt (und viel Zeitungen):

              Ja, die Zeitungen – Sie glauben doch nicht etwa, dass Ihnen diese Zeitungen die lückenlose Wahrheit präsentieren.

              Jens Spahn sagte, …

              Spahn, Bahr, Rössler, Schmidt und wie sie alle heißen: Marionetten mit null gesundheitsökonomischem und noch weniger medizinischem Wissen.

            • hallowach schrieb am 15. Juni 2011 at 11:27 - Permalink

              Darf ich fragen: auf wieviel Mediziner verteilen sich die 4,3 Mrd? Dann das Durchschnittseinkommen…. was interessiert mich der Durchschnitt? Außerdem: “Zeitungen” zitieren UND Spiegelfechter lesen?? Das muss doch für Verwirrung sorgen.

              Schönen Tag

          • Spiegelfechter schrieb am 10. Juni 2011 at 16:49 - Permalink

            man merkt, dass Sie und viele Ihrer Mitkommentatoren keine Ahnung haben und/oder schlecht informiert sind. Es gibt genügend Ärzte, die von Ihren willkürlich in den Raum geschmissenen 105.000 Euro Gewinn nur träumen können.

            Oh, ich weiß. Ich bin selbst mit einem “Landarzt” befreundet, bei dem die Erträge ähnlich mies sind wie bei Ihnen.

            Die Durchschnittsergebnisse sind übrigens seriös gemessen. Da viele Ärzte zweifelsohne zu wenig Geld bekommen, heißt dies zwingend, dass andere Ärzte zu viel Geld bekommen. Das ist aber zuallererst ein Problem der Ärzte, da sie ihre Kassenärztliche Vereinigung, die für die Geldverteilung zuständig ist, ja selbst aufstellen. Die Kassen zahlen das Geld und wenn die KVen das Geld nicht gerecht verteilen, ist das ein Standesproblem und kein gesamtgesellschaftliches Problem. Macht was, liebe Ärzte! Kriegt den Hintern hoch! Es kann ja nicht sein, dass das Gesundheitssystem immer mehr Geld die “Black Box” KV einzahlt und dort die Gelder ungerecht weiterverteilt werden.

            • Tom schrieb am 10. Juni 2011 at 17:54 - Permalink

              Ich galube mich zu erinnern, dass die KV in Rheinland-Pfalz die Gehälter der KV-Spitze im letzten Jahr um ca. 30% angehoben hat.

            • Ein Arzt schrieb am 10. Juni 2011 at 18:17 - Permalink

              Wiesbaden – Die Gesund­heitsausgaben in Deutschland sind 2009 um 5,2 Prozent auf 278,3 Milliarden Euro gestie­gen.

              Laut Statistik kosteten Behandlungen in Arztpraxen rund 42,8 Milliarden Euro. In Apotheken flossen etwa 40,1 Milliarden Euro. Mit einem Zuwachs von 9,5 Prozent stiegen die Ausgaben für ambulante Pflegeeinrichtungen stark auf nunmehr 9,3 Milliarden Euro.

              Quelle

              Das Geld wird an vielen Stellen, im wahrsten Sinne des Wortes, vernichtet. Die Pharma- und Medizintechnikindustrie reiben sich glücklich die Hände.

              Ich hoffe sehr, dass Sie sich demnächst dieses Themas annehmen.

            • Vogel schrieb am 11. Juni 2011 at 00:17 - Permalink

              Jau, Jens, die nächste Baustelle: Die Kassenärztlichenvereinigungen, die Körperschaften dÖR, die Mafia Ärztefunktionäre, die … Hau rein, egal wen Du triffst, Du triffst immer den richtigen!! Wer im Trüben fischen will: Ab ins Gesundheitssystem, trüber geht’s nimmer!!

              Die hier kommentierenden Ärzte (?) haben recht, das Problem des Durchschnitts: Die einen haben zuviel, die andern (viel zu viele) kommen nach Studium und langer Ausbildung trotz riesigem Engagement nich vor Hunger und Sorgen in den Schlaf (hab 30 Jahre mit einem [Rand-]Bereich des Gesundheitskomplexes zu tun gehabt)!!

              Aber: Jens hat recht! Da muss (auch) ‘was von den Ärzte kommen!! Ihr werdet ja nich nur von der Politik verarscht!!

            • Spiegelfechter schrieb am 11. Juni 2011 at 07:41 - Permalink

              @Vogel

              Das Problem ist ja auch folgendes: Wenn wir nun mehr Geld in den Topf werfen, um den ärmeren Ärzten zu helfen, kommt dabei aller Erfahrung nach etwas ganz anderes heraus. Die ärmeren Ärzte werden zwar idT etwas mehr bekommen, aber das Gros des zusätzlichen Geldes wird an die Ärzte ausgeschüttet werden, denen es ohnehin schon mehr als gut ist. Der Fisch stinkt vom Kopfe her.

            • Vogel schrieb am 12. Juni 2011 at 00:16 - Permalink

              @Jens

              Der Fisch stinkt vom Kopfe her.

              Hm…?, meinst Du wirklich? ;-)

            • hallowach schrieb am 15. Juni 2011 at 11:40 - Permalink

              Ich wage zu vermuten, daß “die Bosse” der Kassenärztlichen Vereinigung nicht die überforderten Landärzte sind. Da wird sich nix verändern. Da träumt aber jemand am helichten Tage.

          • ola schrieb am 10. Juni 2011 at 18:51 - Permalink

            Darf ich Sie als Arzt mal fragen, wieviele Ärzte in Deutschland so pro Jahr in Konkurs gehen? Und wenn es nicht viele (meistens gar keine) sind, wie erklären Sie sich das? Und gibt es freie Unternehmer mit ähnlichen Privilegien? Und wenn ja, welche können Sie nennen?

            Bissel unverschämt isses schon. Aber seltsamerweise trifft man in jeder Diskussion mindestens einen verarmten Hausarzt an.

            In einem normalen marktwirtschaftlichen Umfeld würde man Ihnen nun schlicht Versagen vorwerfen. Ihre Kollegen scheinen ja relativ auskömmlich leben zu können. Sie strengen sich eben nicht genug an, thats it. Sie sind also kein FDP Leistungsträger, sorry, is so.

            • Ein Arzt schrieb am 10. Juni 2011 at 21:28 - Permalink

              Darf ich Sie als Arzt mal fragen, wieviele Ärzte in Deutschland so pro Jahr in Konkurs gehen? Und wenn es nicht viele (meistens gar keine) sind, wie erklären Sie sich das?

              Wenn Sie wüssten, was sich hinter den Kulissen abspielt, würden Sie wahrscheinlich ganz anders darüber denken. Und, was nicht ist, kann ja immer noch werden (oder hätten Sie sich vor wenigen Monaten vorstellen können, dass eine deutsche Krankenkasse pleite geht?).

              Und gibt es freie Unternehmer mit ähnlichen Privilegien? Und wenn ja, welche können Sie nennen?

              Ich weiß nicht, was Sie unter “Privilegien” und “frei” verstehen, aber da fallen mir einige marodierende Banken in den Sinn (in der Annahme, dass sie “frei” sind), und Unternehmen wie Siemens, Mercedes, Airbus, um nur einige der ganz großen Privilegierten zu nennen.

              In einem normalen marktwirtschaftlichen Umfeld würde man Ihnen nun schlicht Versagen vorwerfen.

              Siehe oben, einen Kommentar erspare ich Ihnen und mir.

              Ihre Kollegen scheinen ja relativ auskömmlich leben zu können. Sie strengen sich eben nicht genug an, thats it. Sie sind also kein FDP Leistungsträger, sorry, is so.

              Woher wollen Sie denn wissen, dass meine Kollegen relativ auskömmlich leben können? Es ist ausgerechnet dieses eine Wort, das Ihren Satz ad absurdum führt.

              Ob ich mich genug anstrenge, können Sie gar nicht beurteilen. Gleichwohl habe ich das Gefühl, Sie mehrmals in meinem Leben getroffen zu haben: Sie sind der typische Mensch, der zwar zähneknirschend die Rechnung seines Handwerkers bezahlt, in der auch ein Stundenlohn von sagen wir mal 75 Euro auftaucht, gleichzeitig aber von einem Arzt erwartet, für etwa 30 Euro im Quartal All inklusive und beliebig oft versorgt zu werden.

              Niemand darf sich wundern, eine dem Entgelt entsprechend angepasste Konsultation/Behandlung zu bekommen. Konkret, um bei Ihrem aus Ihrer Sicht trendigen Englisch zu bleiben: If you pay peanuts, you get monkeys.

    13. Ulf schrieb am 10. Juni 2011 at 13:57 - Permalink

      Mehrfach in den Kommentaren wird gefragt, wozu über 100 Krankenkassen? Die Frage ist warum nicht? Wegen der paar Vorstandsgehälter? – Die Vorstände kleinerer Kassen verdienen nicht so viel, wie man denkt. Je größer der Umsatz eines Unternehmens, desto größer auch die Vorstandsgehälter. Bei weniger als 10 Kassen verdienen dann ein paar weniger richtig gut. Ist das das Ziel? Richtig viel einsparen tut man dabei nicht!

      Viele mittelgroße (bei Versicherungen macht eine gewisse Mindestgröße schon Sinn, um das Risiko zu streuen) Kassen haben den Vorteil, dass sich schwerer Kartelle bilden. Einzelne (im übrigen demokratisch nicht legitimierte) Manager verfügen dann nicht über zu viel Macht.

      Man könnte auch anders fragen: Warum tausende (kommunale) Krankenhausgesellschaften in ganz Deutschland, wenn es drei große auch tun? Warum überhaupt einzeln praktizierende Ärzte, wenn man auch fünf Polyklinikkonzerne haben könnte? Warum sollte man hunderte mittelgroße Energieversorger haben, wenn doch vier große ausreichen und dadurch Verwaltungskosten einsparen?

    14. wahrheitsfinder schrieb am 10. Juni 2011 at 14:49 - Permalink

      Es gibt eine Möglichkeit, vor Vollendung des 55. Lebensjahres in die GKV zurückzukehren. Wer wills wissen?

      Insbesondere für Angestellte im öffentlichen Dienst interessant, die früher auf PKV-Werber hereingefallen sind und nun in der “Nähe” des Rentenalters die große Abzocke trotz sogenannter Rückstellungen befürchten.

      • wahrheitsfinder schrieb am 10. Juni 2011 at 16:28 - Permalink

        Konstatiere: 1. Keiner hier unter 55. – oder -
        2. Keiner wagt es, seine PKV-Mitgliedschaft zu bekennen. ;-)

      • asozialdemokrat schrieb am 10. Juni 2011 at 17:14 - Permalink

        So tragisch die zunehmenden Nachteile für über 55-Jährige in der PKV auch sein mögen, aber warum soll die GKV die Abtrünnigen (dabei ist es schnurz, ob “abgeworben” oder “aus Überzeugung” bei der PKV gelandet) aufgenommen werden? Schließlich schi**sen diese Leute ja während ihrer Mitgliedschaft bei den Privaten auf jeglichen Solidargedanken und hatten nur ihren eigenen Vorteil im Visier. Wer es wissen wollte, wie das später einmal ausgehen kann, hatte genügend Gelegenheit, sich über die möglichen Konsequenzen zu informieren; jeder *ordentliche* Rausch mündet in einen ebensolchen Katzenjammer.
        Deshalb: eine (Pflicht-) Kasse für Alle und zwar ohne Bemessungsgrenze.

    15. unbequemer schrieb am 10. Juni 2011 at 16:35 - Permalink

      Nun denn, mal wieder ein “Bruch des Schweigegelübtes”. Asche auf mein Haupt.

      Ich habe Widerspruch gegen den Beitrag eingelegt und zahle den nicht. Die Kasse erklärte damals, für Ihre Mitglieder gegen die Regelung zu klagen. Bisher sehe ich davon aber nichts. Da ich damals einer Ruhendstellung bis zur Entscheidung zugestimmt habe, weise ich die inzwischen erfolgten Mahnungen zurück und habe meiner Kasse erklärt, da müsse Sie mich schon verklagen, wenn Sie das Geld von mir wolle. Denn wenn ein gerichtliches Mahnverfahren eingeleitet wird, werde ich die Forderung zurückweisen.

      Da bietet dieser Beitrag einige Argumente für mich. Ich denke, Sie, Herr Berger, werden nichts dagegen haben wenn ich Teile davon übernehme.

    16. Beate schrieb am 10. Juni 2011 at 16:53 - Permalink

      Hoffe Du wirst damit in Panorama oder Monitor zitiert!

    17. Natascha schrieb am 10. Juni 2011 at 18:28 - Permalink

      Jens:

      Na jaaa. Bei den GKVen fließen gigantische 5,4% der Kosten in die Verwaltung

      Der Steuerzahler darf sich dennoch fragen ob es wirklich nötig ist dass ein Kassenchef ein höheres Gehalt als die Bundeskanzlerin bezieht und sich in Zeiten knapper Budgets und Beitragserhöhungen mal eben eine Gehaltserhöhung von 25.000 Euro spendiert.

      Da es einen echten Wettbewerb zu marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen zwischen den GKV in diesem System niemals geben kann sehe ich grundsätzlich keinen Sinn in hunderten GKV, völlig unabhängig davon wie viele Verwaltungskosten nun durch Synergien eingespart werden.

      Eine Einheitskasse hätte praktisch eine Monopolstellung und könnte den Pharmakonzernen ihre Konditionen diktieren – z.B. im Bereich der Preisgestaltung der Medikamente. Alleine hier gibt es ein Einsparpotenzial von deutlich über 10 Milliarden Euro.

      Unser derzeitiges Gesundheitssystem verbindet wohl die schlechtesten Elemente marktwirschaftlicher Systeme mit den schlechtesten Elementen planwirtschaftlicher Systeme, das ist schon ein selten verkorkstes Musterstück politischer Inkompetenz.

      Eine solidarische, steuerfinanzierte Einheitskasse ohne Pseudowettbewerb plus ein paar private Zusatzversicherungen für medizinisch nicht wirklich notwendige Gesundheitsleistungen (z.B. Kontaktlinsen oder Veneers, Schönheitschirurgie etc.) würden aus meiner Sicht völlig ausreichen. Dieses System wäre einfach, für Jedermann verständlich und transparent, die Zahl der Schlupflöcher für Verschwendung, Korruption und Vetternwirtschaft überschaubar. Warum kompliziert wenn’s auch einfach geht?

      Das ist zwar im jetzigen politischen System niemals durch- und umsetzbar, aber prinzipiell kein Ding der Unmöglichkeit.

      • ola schrieb am 10. Juni 2011 at 18:44 - Permalink

        Dann brauchen Sie, konsequenterweise, gar keine Kasse mehr. Mal abgesehen davon, dass Sie nicht ernsthaft glauben wolllen, eine Kasse mit und jetzt kommts, 70 Millionen Mitgliedern ließe sich günstiger verwalten.

        Da kann ich Ihnen aus meiner langen beruflichen Laufbahn verkündne: Je größer der Laden desto doller wirds getrieben. Abendteuerliche Idee.

      • Vogel schrieb am 11. Juni 2011 at 00:29 - Permalink

        Liebe Natscha (und all’ die anderen): Löst Euch doch vom Blick ins Portemonaie anderer Leute!

        Der Steuerzahler darf sich dennoch fragen ob es wirklich nötig ist dass ein Kassenchef ein höheres Gehalt als die Bundeskanzlerin bezieht und sich in Zeiten knapper Budgets und Beitragserhöhungen mal eben eine Gehaltserhöhung von 25.000 Euro spendiert.

        Ja, da iss häufig zuviel (Geld) drin für zuwenig (Leistung), kein Widerspruch – aber wohin soll eine Diskussion darüber führen?? Wer kann die Diskussionsleitung mit welcher Expertise, mit welcher Qualifikation, übernehmen? In welche Richtung soll er sie lenken? …

      • Spiegelfechter schrieb am 11. Juni 2011 at 07:37 - Permalink

        Der Steuerzahler darf sich dennoch fragen ob es wirklich nötig ist dass ein Kassenchef ein höheres Gehalt als die Bundeskanzlerin

        Was kann der Kassenchef dafür, dass die Kanzlerin so lausig bezahlt ist? Scherz beiseite – die Chefs der kleineren Kasse bekommen eher so viel wie ein Landtagsabgeordneter, so dramatisch ist das auch nicht.

        Eine Einheitskasse hätte praktisch eine Monopolstellung und könnte den Pharmakonzernen ihre Konditionen diktieren –

        In einer “besseren Welt” wäre das so. In unserer Welt bedeutet dies jedoch auch eine gigantische Korruptionsanfälligkeit und eine Steilvorlage für Lobbyisten.

    18. R_Winter schrieb am 10. Juni 2011 at 18:39 - Permalink

      @Ein Arzt schrieb am 10. Juni 2011 at 18:03 – Permalink

      Ja, sicher, nicht im Durchschnitt. Wenn Ihr Nachbar 10 Millionen Euro auf dem Konto hat und Sie lediglich 10 Euro, dann sind sowohl Sie als auch Ihr Nachbar im Durchschnitt Millionäre.

      Der Vergleich ist unpassend. Wenn ich Rentner wäre und mein Nachbar aktiver Fußball-Profie, würde es mich nicht stören.

      Wenn mein Nachbar aber die gleiche Tätigkeit ausübt, dann wäre 10€ zu 10 Mill. €
      nachenkenswert….

      Ja, die Zeitungen – Sie glauben doch nicht etwa, dass Ihnen diese Zeitungen die lückenlose Wahrheit präsentieren.

      Ich glaube schon lange nicht mehr, was an Meinungsmache in den Zeitungen steht, aber Fakten über Milliarden von € die jährlich an niedergelassenen Ärzten verteilt werden, stimmen nun einmal.

      …das Spahn, Bahr, Rösler “politische Spinner” sind, weiß ich schon lange und schreibe es auch immer wieder.

      • Lutz Hausstein schrieb am 12. Juni 2011 at 10:41 - Permalink

        Der Vergleich ist unpassend. Wenn ich Rentner wäre und mein Nachbar aktiver Fußball-Profie, würde es mich nicht stören.

        Selbst über diese Brücke würde ich nicht gehen wollen. Warum auch?

        Beide leben in derselben Welt, haben ähnliche (Grund-)bedürfnisse. Ersterer hat möglicherweise sein Leben lang hart körperlich “geknufft”, während der Zweite nur das Privileg hatte, sein Hobby so gut zu beherrschen, dass 30.000 Zuschauer der Meinung waren, ihm dabei zusehen zu wollen. Härter gearbeitet (“mehr geleistet”) hat dieser deswegen aber noch lange nicht.

        Nichts gegen Unterschiede. Aber diese sollten sich einfach in einem akzeptablen Rahmen bewegen. Die exemplarischen 10:10.000.000 sind jedoch aus dem Land “Weit weit weg”. ;-)

        Wenn mein Nachbar aber die gleiche Tätigkeit ausübt, dann wäre 10€ zu 10 Mill. € nachenkenswert….

        Dass dieser Umstand bei zugrunde gelegter obiger Einstellung von mir natürlich ebenso unhaltbar ist, dürfte dann wohl klar sein …

      • dors venabili schrieb am 12. Juni 2011 at 10:48 - Permalink

        @R.Winter

        “Ich glaube schon lange nicht mehr, was an Meinungsmache in den Zeitungen steht, aber Fakten über Milliarden von € die jährlich an niedergelassenen Ärzten verteilt werden, stimmen nun einmal.”

        OMG , diese Aussage von einem kritischen Geist wie Ihnen zeigt woran diese ganze Diskusion krankt: Das Meinungsbild über niedergelassene Ärztinnen/Ärzte (korrekt im Neusprech:Leistungserbringer) ist durch eine langdauernde Kampagne teifgreifend dissoziiert.
        Einerseits wird ein Übermensch gefordert, der mit Arbeitsmoral und ethischem Anspruch weit über dem Niveau eines jeden anderen Menschen aufzutreten hat, wenn es um meine eigene Behandlung geht aber bei der Betrachtung des grossen Ganzen kommen dann diffuse langgehegte ideologische Abneigungen zum Ausdruck. Es ist eine Art emotionaler “Catch 22″: Die Person, die mir den Bauch aufschneidet um mir den eitrigen BLinddarm zu entfernen kann ich nicht gut kritisieren aber wirtschaftlich möchte ich ihn unter mir wissen und rigide kontrolliert.

        Wirtschaftlich gut können sich z.Zt. nur Praxen halten, die viele Sonderleistungen ausserhalb der GKV anbieten . Das umfasst grosse Teile technikintensiver Diagnostik- und Therapieverfahren, deren Einführung in die GKV bewusst blockiert wird, weil da nicht bezahlbar. Das umfasst auch Wellness- und esotorische Leistungen, die zu Recht nicht in der GKV sind aber diese Angebote werden von den Meinungsbildnern dann bewusst zu diesen unsäglichen Verleumdungskampagnen umgedreht nach dem Motto:”Was Sie in einer Arztpraxis privat bezahlen müssen ist immer eine betrügerische individuelle Gesundheitsleistung”
        Der ganze Bereich der flächendeckenden Einzel- oder kleineren Gemeinschaftspraxen , die ermöglichen, dass in Deutschland jeder schnellen Zugang zu Medizin der höchsten Leistungstufe hat wird gerade systematisch zerstört.
        You will get what you pay for- und wir bezahlen momentan Controller, Funktionäre und Verwaltungssysteme aber nicht die Leute , die die Arbeit machen!

        • Peleo schrieb am 12. Juni 2011 at 11:25 - Permalink

          @ Dors Venabili (?)

          Bin zwar nicht angesprochen, aber interessiert.

          Ärzte, denen ich vertraue, sagen mir:
          - Pro GKV-Patient gibt es eine Pauschale pro Quartal
          - Hausbesuche werden immer noch weniger vergütet als bei Handwerkern
          - Vergütung für Beratungsgespräche ist immer noch nicht kostendeckend
          - Verluste mit GKV-Patienten müssen durch PKV ausgeglichen werden, sonst sei die Praxis wirtschaftlich am Ende
          - eine Versicherung gegen Krankheit (Praxisschließung) sei unbezahlbar

          Andererseits sollen die Einkommen niedergelassener Ärzte um die zehntausend Euro im Monat liegen, was ich für angemessen halte. Fachärzte mehr. Das Landarztproblem mal außen vor.

          Ich als Patient will durchaus, dass mein Arzt sehr angemessen honoriert wird für seine Arbeit. Kein catch 22 bei mir.

          Was stimmt denn nun?

          • dors venabili schrieb am 12. Juni 2011 at 12:03 - Permalink

            “Andererseits sollen die Einkommen niedergelassener Ärzte um die zehntausend Euro im Monat liegen, was ich für angemessen halte. Fachärzte mehr.”

            In dieser pauschalisierenden Art ist diese Aussage nur polemisch!
            Je mehr eine Praxis nur auf GKV-Einnahmen angewiesen ist, desto eher tendieren die einem Netto-Einkommen vergleichbaren Einnahmen eher gegen 1- 2tsd ,- mtl. (mit allen Vorbehalten einem Selbständigen ein “Netto”-einkommen zuzurechnen, aber ok,das Fass machen wir jetzt nicht auf)
            Aber nicht vergessen: das System sieht vor den Niedergelassenen für seine veranlassten Leistungen in Regress zu nehmen. Ein Allgemeinarzt im ländlichen Bereich mit überalterter Bevölkerung veranlasst Arzneiverordnungen im höheren sechsstelligen Bereich. Wenn der ein Schreiben bekommt (mehrere Jahre später) seine Verordnungen seien mit 60- 100tsd EUR im potentiellen Regress gibts Stress in der Familie- aber auch das ist ein anderes Fass.
            Je spezialisierter desto eher besteht die Möglichkeit, die GKV zu verlassen und privat zu berechnen.
            Eine ambulante OP-Klinik mit mehreren Ärzten generiert dann mit sehr viel mehr Investitions- und Betriebskosten sehr viel mehr Umsatz mit einem höheren Gewinnergebnis, welches dann aber in der Regel dem zugelassenen ärztlichen Träger zu gerechnet wird . Dieser erscheint dann in der Statistik mit horrenden “Einkommen” muss aber i.d.R.ärztliche Angestellte bezahlen, welches komplett aus der Statistik fällt.
            Ich würde sagen, es gibt keine Praxis, die allein aus GKV Umsätzen auch nur annähernd ein 5-stelliges mtl “netto” Einkommen generiert!
            Im reinen GKV Bereich sind da die Hausärzte mittlerweile ein wenig besser gestellt als die Fachärzte

        • R_Winter schrieb am 12. Juni 2011 at 23:44 - Permalink

          Das Meinungsbild über niedergelassene Ärztinnen/Ärzte (korrekt im Neusprech:Leistungserbringer) ist durch eine langdauernde Kampagne teifgreifend dissoziiert.

          So, das “Meinungsbild ist tiefgreifend dissoziiert” – nein, ist es nicht.
          Die Höhe der Bezüge hat nicht das schiefe Bild erzeugt, sondern der hemmungslose Lobbyist Herr Bahr.
          Der Gesundheitsfond hatte geplant 105.000 € im Schnitt nach Abzug der Praxiskosten und herausgekommen ist über 160.000€.
          Weiter hat der Lobbyist Bahr den niedergelassenen Ärzten 10% Einkommenssteigerung auf Kosten der Beitragszahler der GKV zugesagt.
          Die Ärzte solle einmal eine Steigerung in zwei Jahren von über 70% bei der PKV durchsetzen.
          Ohne die Patienten der GKV wären ca. 90% der Ärzte pleite – der Wink mit der PKV geht ins Leere.
          Die Hartz-4-Empfänger haben nach 13 Monaten Beratungszeit ganze 60€ p.a und die Rentner real keine 0,9 % (von 1000€ Rente) im Durchschnitt erhalten.

          Die effektive Steigerungen der niedergelassenen Ärzte ist unvertretbar und durch keine Leistungssteigerung berechtigt (Bahr-FDP: Leistung muss sich lohnen….)

          • dors venabili schrieb am 13. Juni 2011 at 11:55 - Permalink

            Tur mir leid, aber in Bezug auf Gesundheitssystem im allgemeinen und speziell Ärzte haben Sie einen nichtreflektierten blinden Fleck.
            Die Angaben : “160.000 nach Praxiskosten”, “10%Einkommenssteigerung” “effektive Einkommensteigerung” sind vollkommen sinnfrei. Ebensogut können Sie das Bruttosozialprodukt auf pro Kopf aller Arbeitnehmer umrechnen und sich freuen,dass es den Menschen so gut geht.
            Die Aussage “ohne die GKV Patienten wären 90% der Ärzte pleite” ist genauso unüberlegt. Auf diesem Niveau müsste ich entgegnen: “Ohne Ärzte wären 90% der GKV Patienten tot”.
            Die Patienten müssen ja nun irgendwie versorgt werden, wenn nicht in der GKV dann in einem anderen Versorgungssystem.
            Wir können uns darüber unterhalten, ob dieses System seinem Ziel gerecht wird, nämlich medizinische Leistungen für seine Zwangsmitglieder bereitzustellen und mit welchem Verwaltungsaufwand dies passieren darf aber dazu muss man mal von seiner ideologische Vereinfachungsstrategie lassen!

            • R_Winter schrieb am 13. Juni 2011 at 14:01 - Permalink

              Wo ist etwas sinnfrei?

              Laut fr-online ( und es ist nicht zu bestreiten):
              Allein zwischen 2007 und 2010 stiegen sie (die Arzt-Honorare) um 4,3 Milliarden Euro. Nach Berechnungen der Kassen ermöglicht das derzeit im Schnitt pro Arzt ein Gesamteinkommen von 165000 Euro – vor Steuern und Sozialabgaben, aber nach dem Abzug der Praxiskosten….”

              Im Übrigen werfen Sie Dinge zusammen, die nicht zusammen gehören.
              Als Arzt (der sind Sie doch oder sind Sie nur ein bezahlter Lobby-Schreiber?) sollte man unterscheiden können.

              Wir können uns darüber unterhalten, ob dieses System seinem Ziel gerecht wird, nämlich medizinische Leistungen für seine Zwangsmitglieder bereitzustellen und mit welchem Verwaltungsaufwand dies passieren darf aber dazu muss man mal von seiner ideologische Vereinfachungsstrategie lassen!

              Klar, von 59€ p.m. (Werbung im Internet täglich) für die PKV kann man
              “Privat-Versicherungen” bezahlen. Der Verwaltungsaufwand plus Gewinn beträgt bei der PKV zwischen 12% – 14%, bei der GKV 8,6%.

              Sie werden zunehmend lustiger…..

    19. Sprotte schrieb am 10. Juni 2011 at 19:07 - Permalink

      unermüdlicher Kampf gegen eine menschenverachtende Gesundheitspoltik:

      Die Beiträge der GKV-Beitragszahler gehören den GKV-Versicherten,
      aber wie bei der GRV haben sich Politik und Wirtschaft die stetig eingezahlten Beiträge zur Beute gemacht. Pharmazie & Co: Dieser Beiträge muss man sich doch bemächtigen können?
      Krankenkassen ein Staat im Staate?
      Vorschläge zum Umbau des deutschen Gesundheitswesens:
      http://www.meinpolitikblog.de/2010/07/06/tageskommentar-von-egon-w-kreutzer-6-7-2010/
      http://www.egon-w-kreutzer.de/Gesundheit/Reaktionen/EinigkeitundRecht.html

      Und dazu haben sich die Profiteure ihre Abgeordneten zusammengekauft und auch in den Krankenkassen ihre Handlanger installiert. KK-Chefs verdienen oft mehr als so mancher Hausarzt.
      Durch die Drehtür Politik entschwinden Abgeordnete nach “getaner Arbeit” in entsprechende Stellen der Gesundheitslobby (Cornelia Yzer z.B.)
      Mit welchen “Jobs” werden Herr Bahr, Herr Rösler, Herr Spahn, u.s.w. belohnt?
      Auch wenn es bei vielen Parlamentariern nicht so offensichtlich ist, sind sehr viele mit Versicherungen, der Pharmazie u.s.w. verbandelt.

      http://www.pelastop.de/sonst/gesundheitssystem/

      • wahrheitsfinder schrieb am 11. Juni 2011 at 10:23 - Permalink

        Sprotte: Danke für den Link auf “pelastop”. Sehr sehr informativ, hilflos und wütend machend. Werde ihn verteilen.

        Habakuk 14 Vers 12: Und da gingen ihnen die Augen auf! (scherz aus)

    20. Peleo schrieb am 10. Juni 2011 at 19:55 - Permalink

      Der Gesundheitsfonds als Formelkompromiss in der Großen Koaltion, so hieß es damals, werde Rot-Grün die Bürgerversicherung, Schwarz-Gelb die Wende zur Bevorzugung PKV ermöglichen.

      Wenn das stimmt: Könnte diese Bürgerversicherung die im Artikel beschriebenen Missstände beseitigen?

      • Kloppi schrieb am 10. Juni 2011 at 20:57 - Permalink

        Vieeel zu kompliziert und am Ettikett klebend. Was ist gerechter als ein fester Prozentsatz auf alle Einkommen querfeldbeet? Also statt Bürgerversicherung lieber einer Entfernung der Entsolidarisierungsgrenze und 10% von JEDEM Einkommen in die GKV und gut. Quasi das Modell der kommunistischen Schweiz. Die Leistungsverweigerer Westerwelle und Rösler wechseln selbst dann nicht die Staatsbürgerschaft, wetten?

        Die GKV haben kein Ausgaben-, sondern ein Einnahmenproblem. Wahlweise sollen sich die Verfechter der Beitragsbemessungsgrenzen sämtliche Sozialleistungen wie Kinder- und Elterngeld bzw. Herdprämie in die Haare schmieren.

        • HHarlekin schrieb am 10. Juni 2011 at 22:33 - Permalink

          statt Bürgerversicherung lieber einer Entfernung der Entsolidarisierungsgrenze und 10% von JEDEM Einkommen in die GKV

          Ein Prozentsatz X auf ALLE Einkommen entspricht dem Konzept der Bürgerversicherung,

          http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerversicherung

          im Gegensatz zur Kopfpauschale/Gesundheits- oder Bürgerprämie (alle zAhlen den gleichen Beitrag).

          Die Schweiz hat die Kopfpauschale bei Gesundheit, aber die Bürgerversicherung in der Rentenversicherung (plus 2 weitere Säulen).

          http://www.justlanded.com/deutsch/Schweiz/Artikel/Jobs/Rentenversicherung

          Ja, diese Debatten sorgen manchmal für Verwirrung, und ich bin mir nicht sicher, ob das manchmal nicht auch beabsichtigt ist… ;-)

          Grüße

    21. Stefan Gabler schrieb am 10. Juni 2011 at 19:56 - Permalink

      Hat hier irgendwer vielleicht irgendwer Satistiken parat zu der Entwicklung der Bruttoverdienste von Fachärzten, egal welchen? Ich sehe da sogar eine Stagnation oder Senkung wohlgerkt der BRUTTOlöhne seit 15 Jahren; die Kostensätze sind schlicht und einfach gleich geblieben. Das heisst, der Teil, den die GKV übernimmt, ist seit vielen Jahren gleich geblieben. Nehmen wir als Beispiel den Zahnarzt: Er muss, und das ist gesetzlich festgesetzt, für GK-versicherte einen bestimmten Preis für eine Krone verlangen, während die Kosten, auch wenn es nur die angeblichen 2% Inflation pro Jahr sind, Jahr für Jahr steigen. Ich finde die “Auszahlung” von 2,8 Milliarden an die Ärzte irgendwo legitim, vor allem wenn sie hauptsätzlich gesetzlich versicherte behandeln.

      • Ein Arzt schrieb am 10. Juni 2011 at 21:58 - Permalink

        Hier gibt es aktuell eine Mini-Umfrage:

        Ich bin niedergelassener Arzt und …
        - zahlungsunfähig
        - noch nicht zahlungsunfähig, aber meine finanzielle Situation ist angespannt
        - finanziell in sicheren Verhältnissen
        - bin mir nicht sicher in der Beurteilung meiner Liquidität

        Die Ergebnisse lauten:

        Ich bin niedergelassener Arzt und …
        - zahlungsunfähig: 6,0%
        - noch nicht zahlungsunfähig, aber meine finanzielle Situation ist angespannt: 59,3%
        - finanziell in sicheren Verhältnissen: 23,2%
        - bin mir nicht sicher in der Beurteilung meiner Liquidität: 11,5%

        Stimmen:
        969

        Zwar nicht repräsentativ aber immerhin.

    22. Schweigsam schrieb am 10. Juni 2011 at 21:04 - Permalink

      Ach, die ganze Welt ist scheiße.

    23. Lohengrin schrieb am 11. Juni 2011 at 13:25 - Permalink

      Keine Krankenkasse müsste Zusatzbeiträge, die ausschließlich vom Versicherten und nicht vom Arbeitgeber geleistet werden, erheben oder gar Insolvenz anmelden.

      Hör auf mit diesem Taschenspielertrick!
      Es spielt keine Rolle, ob die Krakenkasse vom Arbeitgeber oder vom Arbeitnehmer bezahlt wird. Am Ende ist es in der Differenz zwischen Brutto (das was der Arbeitgeber bezahlt) und Netto (das was der Arbeitnehmer bekommt).
      Für einen Nettolohn von 1000 Euro für einen ledigen Arbeitnehmer muss in Deutschland der Arbeitgeber 2000 Euro bezahlen. Die Hälfte vom Lohn frisst der Apparat.

      • Peleo schrieb am 11. Juni 2011 at 14:06 - Permalink

        Die Hälfte vom Lohn frisst der Apparat

        Es ist deutlich weniger als die Hälfte und es wird auch nicht “vorm Apparat gefressen”. Der Arbeitnehmer erwirbt Ansprüche auf teure (kann leicht in die Zehntausende gehen) Gesundheitsleistungen und eine Rente, die leider nicht mehr so üppig ausfällt. Der Arbeitgeber ist ja wohl auch an einem gesunden, arbeitsfähigen Angestellten interessiert.

        Vielleicht nimmst Du Deinen Nick zu wörtlich: Nie soll man dich befragen, woher Deine kruden Argumente kommen ;-)

        • Lohengrin schrieb am 11. Juni 2011 at 14:40 - Permalink

          Es ist deutlich weniger als die Hälfte und es wird auch nicht “vorm Apparat gefressen”.

          Ich kenne meine letzte Gehaltsabrechnung. Da stand 2200 Euro Arbeitgeberbrutto und ich habe davon 1080 Euro bekommen.

          Der Arbeitnehmer erwirbt Ansprüche auf teure (kann leicht in die Zehntausende gehen) Gesundheitsleistungen und eine Rente, die leider nicht mehr so üppig ausfällt.

          Im Ausland bekommt man eine Krankenversicherung für gut einen Euro pro Tag, und die zahlt auch teure Behandlungen, aber eben nur wenn es nötig ist.
          Ich kenne Sozialfälle, die ihre Kinder dauernd zu Ergotherapeuten und Psychologen bringen müssen, weil das Jugendamt es von ihnen so verlangt. Ich war mal beim Arzt weil ich Antibiotikum haben wollte, und der hat daraus eine Behandlung von vermutlich (ich weiß es nicht genau, weil ich davon keine Rechnung habe, war GKV-versichert) 400 Euro gemacht, die medizinisch unsinnig war. Mich hat es nicht gestört, weil ich es ja nicht bezahlen musste.

          • Peleo schrieb am 11. Juni 2011 at 15:07 - Permalink

            Also mein Arzt klagt, dass er für GKV-Patienten quasi nur eine Pauschale bekommt und er schon ungefähr nach der dritten Behandlung drauflegt.

            Wenn das stimmt, würde er sich durch unsinnige Weiter-Behandlung selbst schädigen. Anders allerdings bei Geräten, die ausgelastet werden wollen, da wird offenbar manches unnötig gemacht.

            Vielleicht ist das Gesundheitswesen in D teurer als im Ausland für 1 Euro pro Tag (?). Aus dem SF-Forum kenne ich den Slogan: You get what you pay for. Ich höre aber immer wieder, dass Leute nach D zurückkommen, wenn sie Arzt- und Krankenhaus-Leistungen brauchen. Wenn das Brutto ausgezahlt würde und Du müsstest anschließend an die KK überweisen, wär auch nicht mehr übrig. Das Denken in “netto” ist kurzsichtig.

            • Lohengrin schrieb am 11. Juni 2011 at 15:35 - Permalink

              Wenn das stimmt, würde er sich durch unsinnige Weiter-Behandlung selbst schädigen. Anders allerdings bei Geräten, die ausgelastet werden wollen, da wird offenbar manches unnötig gemacht.

              Es waren nur drei Arzttermine. Und es ging um Geräte, die ausgelastet werden sollten. Die Ärztin hatte richtig viel Trubel, und ich habe ihr beim dritten Termin, der nur aus einem Gespräch von etwa 10 Minuten bestanden hat (Zeigen Sie mir doch mal bitte die Laborberichte…), auch mein Beileid ausgedrückt.
              Die Ärztin hat aus ihrer Sicht nichts falsch gemacht. Sie ist auch nur eine Getriebene.
              Ich habe insgesamt zwei mal Praxisgebühr und zwei mal Rezeptgebühr bezahlt. Bekommen habe ich Medikamente für 15 Euro. Hätte sie mir einfach das Rezept ausgestellt, und ich sie und die Apotheke bar bezahlt, wäre es sogar für mich billiger gewesen.

              Vielleicht ist das Gesundheitswesen in D teurer als im Ausland für 1 Euro pro Tag (?).

              Das sind Tarife für Krankenkassen, die auch in Kanada, Australien oder Japan zahlen. Doppelt so teuer könnte ich verstehen. Aber zehnmal so teuer?

          • Peleo schrieb am 11. Juni 2011 at 18:44 - Permalink

            @ Lohengrin, nun muss ich Dich doch befragen.

            Zwei Brutto-Netto-Rechner im Internet liefern bei 2200 brutto ein Netto von 1440 Euro. StKl. 1, im ungünstigsten Fall: keine Kinder, GKV, keine Freibeträge usw.

            Das sind ca. 35 Prozent. Immer noch eine Menge, aber eben “deutlich weniger als die Hälfte”. Und es gibt dafür immerhin eine Gegenleistung, wenn auch sicher nicht immer in angemessener Höhe.

            • Schlafmütze schrieb am 11. Juni 2011 at 21:34 - Permalink

              Du vergisst die anderen direkten, indirekten Steuern und die unabwendbaren Abgaben, die der “Apparat” dir wegfrisst. Summa summarum bleiben dir von einem jeden Euro, den du dir hart erarbeitet hast, keine 30 Cent übrig.

            • Lohengrin schrieb am 11. Juni 2011 at 22:51 - Permalink

              Zwei Brutto-Netto-Rechner im Internet liefern bei 2200 brutto ein Netto von 1440 Euro. StKl. 1, im ungünstigsten Fall: keine Kinder, GKV, keine Freibeträge usw.

              Das ist Arbeitnehmerbrutto. Ich rechne aber Arbeitgeberbrutto.
              Der Arbeitgeber zahlt nicht nur das Arbeitnehmerbrutto, sondern auch die Abeitgeberanteile für die Sozialversicherungen (Krakenkasse, Pflegeversicherung, Rentenversicherung und weiß der Geier was noch alles). Zusammen ergeben die das Arbeitgeberbrutto.
              Ich hatte ein Arbeitnehmerbrutto von etwa 1700 Euro, ein Arbeitgeberbrutto von etwa 2200 Euro und ein Netto von etwa 1100 Euro.
              Zu einem Arbeitnehmerbrutto von 2200 Euro gehören gut 600 Euro Arbeitnehmeranteil an Sozialabgaben, gut 600 Euro Arbeitgeberanteil an Sozialabgaben und knapp 150 Euro Steuern. Das dazugehörige Arbeitgeberbrutto ist dann gut 2800 Euro. Ergebnis: Die Hälfte frisst der Apparat.
              So ab 3500 Euro Arbeitnehmerbrutto wird es interessant. Denn ab da gilt die Beitragsbemessungsgrenze. Ab da steigen die Sozialabgaben nicht mehr. Das Verhältnis von Netto zu Arbeitgeberbrutto steigt rasant. Ergebnis: Kleine Löhne werden viel stärker geschröpft als große Löhne. Sozial ist das nicht!

              Den Arbeitgeber interessiert das Arbeitnehmerbrutto nicht. Den interessiert nur was er insgesamt bezahlen muss. Und den Arbeitnehmer interessiert das Arbeitnehmerbrutto auch nicht. Den interessiert nur was er bekommt.
              Das Arbeitnehmerbrutto ist ein Taschenspielertrick. Er dient nur zur Verwirrung und zur Existenzberechtigung von Steuerberater und Verwaltern. Ich habe Spiegelfechter aufgefordert, diesen Taschenspielertrick zu unterlassen.

              @schlafmütze

              Du vergisst die anderen direkten, indirekten Steuern und die unabwendbaren Abgaben, die der “Apparat” dir wegfrisst. Summa summarum bleiben dir von einem jeden Euro, den du dir hart erarbeitet hast, keine 30 Cent übrig.

              Von diesen Abgaben habe ich noch gar nicht gesprochen. Wenn man die Umsatzsteuer von 7% auf Lebensmittel (inklusive Hundefutter aber exklusive Babywindeln) und 19% auf Sonstiges beachtet, kommt man aber nicht auf 30 Cent, sondern auf mehr als 40 Cent. Betrachtet man aber die hohen Mieten (inclusive Nebenkosten, also Grundsteuer, aber erstaunlicherweise ohne Umsatzsteuer), wird es weniger. Auf 30 Cent komme ich aber sicher nicht. Eine Wohnung mit Warmmiete von 600 Euro hätte ich mir sicher nicht geleistet, obwohl ich da Wohngeld hätte abgreifen können (habe ich neulich erst von einem gelernten Bettler erfahren).

            • Lazarus09 schrieb am 12. Juni 2011 at 11:13 - Permalink

              Peleo

              Da sieht man wo die Kohle geblieben ist :

              von 2200 Euro/4400 DM – 2880 DM1999 Miete Haus 1500 DM
              von 2200 Euro – 1440 € 2003 Miete Haus 1650 €

              Dämmert’s ?

              PS: Diese Zahlen sind REAL !

          • dors venabili schrieb am 12. Juni 2011 at 10:58 - Permalink

            “Ich war mal beim Arzt weil ich Antibiotikum haben wollte, und der hat daraus eine Behandlung von vermutlich (ich weiß es nicht genau, weil ich davon keine Rechnung habe, war GKV-versichert) 400 Euro gemacht, die medizinisch unsinnig war.”

            No way!
            Kein Mensch, der nicht intensivste Kenntnis der Abrechnungsmodalitäten in der GKV hat kann sagen, wieviel eine Behandlung in der Arztpraxis kostet.
            Die “gefühlten” Kosten einer Behandlung liegen regelmäßig um den Faktor 100 über den tatsächlichen Kosten.
            Selbst ein Grossteil der niedergelassenen Ärzte versteht die eigene Abrechnungsmitteilung der kassenärztlichen Vereinigung nicht. Dagegen ist eine Steuererklärung ein Kindergartenmalbild!

            • Lohengrin schrieb am 13. Juni 2011 at 17:29 - Permalink

              Die “gefühlten” Kosten einer Behandlung liegen regelmäßig um den Faktor 100 über den tatsächlichen Kosten.

              Mir wurde zwei mal Blut abgenommen, es wurden zwei Rezepte ausgestellt und ich habe drei mal mit der Ärztin gesprochen. Zwei mal wurde Blut zum Labor geschickt, dort ausgewertet, die Ergebnisse an die Ärztin geschickt, und die Ärztin hat sich damit beschäftigt. In der Praxis waren neben der Ärztin noch drei Helfer beschäftigt.
              Ich rate mal, dass das Ganze meine Krakenkasse 400 Euro gekostet hat.

              Selbst ein Grossteil der niedergelassenen Ärzte versteht die eigene Abrechnungsmitteilung der kassenärztlichen Vereinigung nicht. Dagegen ist eine Steuererklärung ein Kindergartenmalbild!

              Ich hätte trotzdem gerne die Rechnung gesehen, obwohl ich auch nur auf die Gesamtsumme geachtet hätte.

    24. Bolle schrieb am 12. Juni 2011 at 08:22 - Permalink

      (habe ich neulich erst von einem gelernten Bettler erfahren).

      was, bitteschön, ist ein gelernter Bettler?

      • Lohengrin schrieb am 13. Juni 2011 at 17:57 - Permalink

        was, bitteschön, ist ein gelernter Bettler?

        Das ist jemand, der gelernt hat wo man was beantragen muss. Jemand der arbeitet hat gewöhnlich keine Zeit dafür sich damit zu beschäftigen.

        • Bolle schrieb am 13. Juni 2011 at 18:43 - Permalink

          das ist ja genausoein Schwachfug wie dieser 2000der reingold

        • Coltrane schrieb am 13. Juni 2011 at 22:15 - Permalink

          Stimmt. Wenn man als Arbeitsloser überleben will, ist das Erlernen solcher Dinge existenziell. Sei froh, dass Du es nicht nötig hast, dieses Wissen zu lernen. Mann, Mann, Mann – versuche doch einfach mal, Dich in solch eine fatale Situation zu versetzen.

          • Lohengrin schrieb am 14. Juni 2011 at 00:39 - Permalink

            Wenn man als Arbeitsloser überleben will, ist das Erlernen solcher Dinge existenziell.

            Es geht auch anders. Es gibt sehr viele Leute in Deutschland, die durch Zusammenleben in Gemeinschaften und sparsames Haushalten überleben. Diese Menschen tauchen weder als Arbeitslose noch als Verhartzte in Statistiken auf. Für dieses Verhalten gibt es viele Gründe, hier sind ein paar davon.
            1. Reisefreiheit
            2. Verantwortung für Kinder. Der Apparat soll sich nicht einmischen und keinen Schaden anrichten.
            3. Weigerung für jemanden zu arbeiten, der zu wenig oder nichts zahlt oder sogar Geld dafür kriegen würde
            4. Weigerung dem Apparat eine Existenzberechtigung zu liefern

            Sei froh, dass Du es nicht nötig hast, dieses Wissen zu lernen.

            Ich bin inzwischen auch gelernter Bettler, aber ich wende es nicht an. Sollte der Apparat mich aber dazu drängen, dann werde ich dafür sorgen, dass ich als nicht arbeitsfähig gelte. Eine passende Geschichte kann jeder der nicht blöd ist einem Psychologen erzählen. Ein tätlicher Angriff auf den Sachbearbeiter oder Arbeitsvermittler tut es auch.

            Mann, Mann, Mann – versuche doch einfach mal, Dich in solch eine fatale Situation zu versetzen.

            Ich arbeite schon seit mehreren Jahren nicht mehr, habe keine nennenswerten Ersparnisse, falle niemandem zur Last (wer mir etwas gibt, bekommt auch von mir etwas) und ich überlebe trotzdem.

            Bevor du jetzt ausrastest, und mich für einen Provokanten hältst, sage ich dir noch, dass ich Einzelheiten über mich sicher nicht hier auf Spiegelfechters Blog ausbreite. Wenn du mir deine Emailadresse oder Telefonnummer verrätst (ich finde sie nicht auf deinem Blog), will ich dir zu allem Rede und Antwort stehen.

            • Coltrane schrieb am 14. Juni 2011 at 06:53 - Permalink

              Zunächt einmal Danke für die ausführliche Antwort und die Aufklärung, dass Du anscheinend kein “Hartz IV-Bezieher-Basher” bist.
              Bei solchen Subjekten raste ich tatsächlich aus. ;-)

              Es geht auch anders. Es gibt sehr viele Leute in Deutschland, die durch Zusammenleben in Gemeinschaften und sparsames Haushalten überleben.

              Ich lebe seit Jahrzehnten in einer gut funktionierenden (Ehe)Gemeinschaft. Und sparsam Haushalten ist für mich kein Fremdwort. Trotzdem habe ich Bedürfnisse, die Geld erfordern. Ich will z.B. nicht mit ‘ner Zahnlücke herumlaufen, weil ich die Zuzahlung für Zahnersatz nicht latzen kann.

              Reisefreiheit

              Interessiert mich nicht mehr. Ich habe schon viel von der Welt gesehen.

              Verantwortung für Kinder. Der Apparat soll sich nicht einmischen und keinen Schaden anrichten.

              Habe ich (gottseidank) nicht und bin aus dem Alter raus. Reproduzieren muss ich meine Gene nicht.

              Weigerung für jemanden zu arbeiten, der zu wenig oder nichts zahlt oder sogar Geld dafür kriegen würde

              Das tue ich schon seit Jahren. Manchmal muss ich zusammenreißen, den Sklavenjobanbietern nicht ins Gesicht zu spucken.

              Weigerung dem Apparat eine Existenzberechtigung zu liefern

              Die Exeistenzberechtigung besteht für Jedermann/frau. Sollte man m.M.n. nicht drauf verzichten.

              Eine passende Geschichte kann jeder der nicht blöd ist einem Psychologen erzählen. Ein tätlicher Angriff auf den Sachbearbeiter oder Arbeitsvermittler tut es auch.

              Auf einen Termin für einen Psychofritzen muss man hier ein halbes Jahr warten. Und so ein armes Würstchen in der Behörde tätlich angreifen halte ich für mehr als fragwürdig. Du hast schon mal eine Psychiatrie von innen gesehen? Ich schon. Gegen das, was die mit einem dort machen, ist der Knast oder das Jobcenter ein Kindergeburtstag. Die knallen Dich so mit Chemie zu, dass Du nur noch ein sabbernder Idiot bist. Sieh Dir mal den Film “Einer fliegt übers Kuckucksnest” an. Ist gar nicht so weit von der Realität entfernt…

              Ich arbeite schon seit mehreren Jahren nicht mehr, habe keine nennenswerten Ersparnisse, falle niemandem zur Last (wer mir etwas gibt, bekommt auch von mir etwas) und ich überlebe trotzdem.

              Du lebst ohne Krankenversicherung? Dann wirst Du an ‘ner blöden Blinddarmentzündung elendig krepieren. Und Überleben ist eine Definitionssache.

              Bevor du jetzt ausrastest, und mich für einen Provokanten hältst

              Nein, tue ich nicht. Ausrasten tue ich nur bei “Hartz IV-Bezieher-Bashern”. ;-)

              Wenn du mir deine Emailadresse oder Telefonnummer verrätst (ich finde sie nicht auf deinem Blog), will ich dir zu allem Rede und Antwort stehen.

              Tue ich bestimmt nicht hier. Andersherum wird ein Schuh draus. Die Kommentarfunktion in meinem Blog ist moderiert. Das bedeutet, dass ich mir zuerst durchlese, was man postet und ich dann entscheide, ob ich es veröffentliche oder nicht. Schon einige Leute haben mir so ihre Mailadresse mitgeteilt, ohne dass ich sie veröffentliche.
              So, das System erwartet von mir, dass ich pünktlich zu meinen sinnfreien Kursen erscheine. Und da einige Leute dort sich freuen, mich zu sehen, muss ich jetzt langsam los. Ich will dort meine Saat aussähen und hoffe, dass ich wenigstens einige dazu bringen werde, einmal woanders ihr Kreuzchen bei der nächsten Bundestagswahl zu machen. ;-)
              Schönen Tag noch.

            • Lohengrin schrieb am 14. Juni 2011 at 21:44 - Permalink

              @Coltrane

              Die Verhartzten sind nicht das Problem. Sie sind nur Getriebene. Sie werden vom Apparat missbraucht, damit der Apparat eine Existenzberechtigung hat. Die Videos auf deinem Blog belegen das beeindruckend. Danke dafür!

              Es ist bei unserer Technisierung schlichtweg nicht notwendig, dass jeder Arbeitsfähige 40 Stunden pro Woche arbeitet. Mein Ziel ist Wohlstand für alle, und weil Freizeit zum Wohlstand gehört, muss man dafür sorgen, dass jeder möglichst wenig arbeitet.
              Das würde aber unweigerlich den Reichtum (reich ist jemand, der viel mehr hat als die Masse der Anderen) einiger Weniger verringern, und daher wird der Wohlstand der Anderen verhindert.
              Das ist der Grund, warum auch heute noch die 40-Stunden-Woche für alle gefordert wird, auch wenn die meisten Menschen, die arbeiten, unproduktiv sind.

              Schau dir mal an, wer hier produziert und wer konsumiert.
              Da gibt es Leute, die für 920 Euro Netto 160 Stunden pro Monat Platinen löten. Und da gibt es Leute, die Arbeit vermitteln, Juristerei betreiben, sonstwie verwalten, Studien erstellen, die bestimmte Eindrücke vermitteln sollen, oder sich Werbung ausdenken. Diese Leute bekommen mehr Geld als die Produktiven, und es sind mehr.
              Es gibt auch Verhartzte, die unproduktiv sind, aber die bekommen nur wenig Geld dafür, und es sind nicht so viele.

              Die Verhartzten sind Sündenböcke. Sie können nicht viel konsumieren, aber der Apparat nutzt sie, um seine Existenz, und damit den wesentlich größeren Konsum vieler anderer Unproduktiver zu rechtfertigen. Außerdem belästigt er Produktive und Unproduktive damit, das Betteln zu erlernen.

              Ich habe keine Abneigung gegen gelernte Bettler. Ich habe Abneigung gegen den Apparat, der die Leute mit dem Erlernen der Bettelei belästigt.
              Es gibt viele Produktive, die einfach keine Zeit für das Ausfüllen der Einkommensteuererklärung oder das Beantragen von Wohngeld haben. Wenn die erkennen, dass man durch das Erlernen der Bettelei mehr erreicht als durch Produktion, werden auch sie etwas mehr betteln und etwas weniger produzieren. Das Ergebnis ist, dass insgesamt weniger produziert wird, und insgesamt etwas weniger konsumiert werden kann. Das ist schädlich für alle.

              Trotzdem habe ich Bedürfnisse, die Geld erfordern. Ich will z.B. nicht mit ‘ner Zahnlücke herumlaufen, weil ich die Zuzahlung für Zahnersatz nicht latzen kann.

              Ein nichtverhartzter Arbeitsloser muss in Deutschland 160 Euro pro Monat für die Krakenkasse zahlen. Davon kann man sich schon dann und wann eine Zahnkrone leisten.

              Reisefreiheit

              Interessiert mich nicht mehr. Ich habe schon viel von der Welt gesehen.

              Ich habe in den letzten Jahren auch viel von der Welt gesehen, und dabei kam heraus, dass es überall im Wesentlichen ähnlich zugeht. In Deutschland habe ich den Vorteil, dass ich kein Ausländer bin.
              Australien zieht mit den Aborigines die gleiche Klamotte ab wie die BRD mit den Verhartzten. In Kanada sind es die Natives. Das Ganze ist einfach nur traurig.

              Die Exeistenzberechtigung besteht für Jedermann/frau. Sollte man m.M.n. nicht drauf verzichten.

              Die gilt für Menschen. Aber nicht für den Apparat.

              Auf einen Termin für einen Psychofritzen muss man hier ein halbes Jahr warten.

              Wenn man als Neuankömmling von der ARGE Geld haben will, fragen die einen schon passend. Wenn man da richtig antwortet, wird das schneller gehen.

              Und so ein armes Würstchen in der Behörde tätlich angreifen halte ich für mehr als fragwürdig.

              Da habe ich auch Hemmungen. Andererseits sollten die wissen, für was sie dort arbeiten. Die Ausrede, dass man nur seinen Job machen würde, ist mir zu billig.
              Ich habe mal von der Bundesagentur für Arbeit ein Jobangebot beim Arbeitsamt bekommen. Ich habe denen eine dementsprechende Bewerbung geschickt, und da ist (was mich ertstaunt hat) nichts hinterhergekommen.

              Du hast schon mal eine Psychiatrie von innen gesehen? Ich schon. Gegen das, was die mit einem dort machen, ist der Knast oder das Jobcenter ein Kindergeburtstag. Die knallen Dich so mit Chemie zu, dass Du nur noch ein sabbernder Idiot bist.

              Ich habe mal jemanden in der Psychatrie besucht. Und es hat mich sehr beeindruckt.
              In die Psychiatrie kommt man aber nicht sofort. Und auch wenn, dann kann man sich weigern, sich zuknallen zu lassen.
              Ich kenne einen 35-Jährigen, der aus psychologischen Gründen arbeitsunfähig ist und 700 Euro pro Monat bekommt. Der hat Reisefreiheit, nutzt sie aber nicht. Das hätte ich auch gerne.

              Du lebst ohne Krankenversicherung? Dann wirst Du an ‘ner blöden Blinddarmentzündung elendig krepieren.

              Wenn so etwas passiert, kann ich immernoch betteln gehen. Möglicherweise ist es mir dann auch scheißegal.
              Ja, die Deutschen haben Angst vor allem. Das treibt sie dann dazu, 40 Stunden pro Woche zu arbeiten, und trotzdem arm zu sein.

              Und Überleben ist eine Definitionssache.

              Ich habe ein sehr gutes Leben. Dazu gehört insbesondere, dass ich nicht arbeiten muss. Ein Auto kann ich mir nicht leisten, aber das brauche ich auch nicht.
              Freiheit muss man sich nehmen. Es ist Irrsinn, wenn man sich zum Sklaven machen lässt, um nicht zum Sklaven zu werden.

              Ich will dort meine Saat aussähen und hoffe, dass ich wenigstens einige dazu bringen werde, einmal woanders ihr Kreuzchen bei der nächsten Bundestagswahl zu machen. ;-)

              Das ist ein Fehler. Wer wählt stimmt zu. Auch wenn die Linke die stärkste Partei wird, wird sie sich verhalten wie jede andere Partei auch.
              Ich habe die letzten Male quer auf den Zettel geschrieben “System abgelehnt. Volksmacht statt BRD. Ich will nicht, dass meine Stimme für ungültig erklärt wird.”
              Weil letztes mal zwei Drittel der Wahlberechtigten dem System zugestimmt haben, ist das System legetimiert.

            • Lohengrin schrieb am 14. Juni 2011 at 23:11 - Permalink

              @Coltrane

              Noch etwas zur Reisefreiheit der Verhartzten.
              Ich habe vor gut einem Jahr einem verhartzten Freund, der sehr gerne mal wieder nach Kanada gereist wäre, angeboten, mich nach Kanada zu begleiten. Die notwendigen zusätzlichen 2000 Euro hätten wir gehabt. Er hat das abgelehnt, weil er seine Wohnung nicht verlieren wollte.
              Das sind die Sorgen der Verhartzten. Dagegen hilft nur Loslassen. Erst wenn einem die Wohnung egal ist, ist man frei.

    25. rheinhold2000 schrieb am 12. Juni 2011 at 09:18 - Permalink

      @bolle

      Ein gelernter Bettler ist jemand der in der Innenstadt zusätzlich zu 600 Euro Wohngeld und Hartz 4 Geld abzockt, damit seine Kinder mit dem Taxi zum Ergotherapeuten fahren können. Wenn man diesem Bettler Hartz 4 streicht und ihm konsequent nix gibt sowie die Krankenkasse streicht wird auf magische Art seine Kreativität erweckt.
      er macht sich z.B. selbständig, gründet vieleich eine private Krankenkasse die nur ein Dollar am Tag kostet (80 Eurocent!!)

      • ElBarto schrieb am 12. Juni 2011 at 11:02 - Permalink

        Was ist denn das für ein Schwachfug?

        • Coltrane schrieb am 13. Juni 2011 at 11:20 - Permalink

          Die Zahl 2000 in seinem Nick ist sein Geburtsjahr.
          Von daher sollten wir Verständnis haben für den jungen Hüpfer. ;-)

      • André H. schrieb am 12. Juni 2011 at 11:39 - Permalink

        …wird auf magische Art seine Kreativität erweckt.
        er macht sich z.B. selbständig, gründet vieleich eine private Krankenkasse…

        Superidee!
        Wieso sind wir nicht schon früher draufgekommen ?
        Nur…. hätte es dann einige hundertausend Krankenkassen mehr ?
        Macht ja nix, hoch lebe der Wettbewerb!

    26. Peleo schrieb am 12. Juni 2011 at 10:23 - Permalink

      @ Lohengrin

      Das Arbeitnehmerbrutto ist ein Taschenspielertrick

      Nein. Du hast da einen blinken Fleck. KK und Rente könnte man natürlich auch über Steuern finanzieren, aber dann würden die an Deinem Brutto knabbern, egal an welchem.

      • Lohengrin schrieb am 13. Juni 2011 at 17:51 - Permalink

        KK und Rente könnte man natürlich auch über Steuern finanzieren, aber dann würden die an Deinem Brutto knabbern, egal an welchem.

        Die sollen an allen Bruttos knabbern, also insbesondere auch an dem einer juristischen Person, die einen großen Supermarkt betreibt.
        Warum bürdet man die Zahlungen nur den Arbeitern auf und erlaubt denen mit besonders hohen Löhnen auch noch sich da heraus zu halten? Das ist antisozial!

    27. André H. schrieb am 13. Juni 2011 at 18:25 - Permalink

      Am Rande:
      Die liberalen Koryphäen Westerwelle und Niebel in Bengasi: Annerkennung des Rebellen-Übergangsrates als legitime Vertetung des libyschen Volkes..
      http://www.tagesschau.de/ausland/libyenbesuch102.html
      Wann wird Syrien angegriffen ?

    28. hallowach schrieb am 15. Juni 2011 at 12:49 - Permalink

      100te kommentare. und die frage, ob und wieso es sinn macht, daß der gesundheitsfonds 7 mrd euro in der hinterhand hält, die er nicht ausschüttet, wird nicht beantwortet. hmmm
      sechs setzen. aber alle

    29. Coltrane schrieb am 15. Juni 2011 at 13:02 - Permalink

      @Lohengrin

      Erst wenn einem die Wohnung egal ist, ist man frei.

      Und da dachte ich immer, ich hätte extreme Ansichten. ;-)
      Meine Wohnung (bzw. Haus) ist meine Höhle, in der ich mich sicher fühle und mich zurückziehen kann. Das ist für mich ein extrem wichtiger Punkt.
      Was Du über die Arbeitszeit -verteilung schreibst, dem kann ich schon zustimmen.
      Ist doch schon verrückt: die einen kriegen Depressionen, weil sie gerne arbeiten würden und keine Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen, da sie nicht mehr marktrelevant sind, während die anderen malochen, bis sie tot umfallen oder am Burnoutsyndrom leiden.

      Übrigens habe ich mächtig Probleme, zu betteln bzw. andere um etwas zu bitten. Ich versuche immer, ohne Hilfe anderer klarzukommen.
      Ich bin der Typ, der lieber 6x um den Block fährt, als anzuhalten, um jemanden nach dem Weg zu fragen. ;-)
      Die Menschen sind halt verschieden…
      Ich wünsche Dir jedenfalls, dass Du Dein Leben so leben kannst, wie Du es für richtig hälst.

      • Lohengrin schrieb am 15. Juni 2011 at 14:30 - Permalink

        Meine Wohnung (bzw. Haus) ist meine Höhle, in der ich mich sicher fühle und mich zurückziehen kann. Das ist für mich ein extrem wichtiger Punkt.

        Das kann aber doch wohl nicht für eine kleine Wohnung in einer Großstadt gelten, die einem gekündigt werden kann. Wenn mein verhartzter Freund nach einem halben Jahr wiedergekommen wäre, dann hätte er eine andere Wohnung bekommen. Es geht nicht um drohende Obdachlosigkeit, sondern um das Festhalten an genau dieser Wohnung.

        Bei mir ist das anders. Der Teil des Hauses, den ich bewohne, ist nicht vermietbar. Manchmal kommt Verwandtschaft, und dann ziehe ich für ein paar Tage in einen anderen Teil des Hauses, zB auf den Dachboden. Ich kann ruhig mal jahrelang in einer Großstadt arbeiten oder für ein paar Monate nach Südafrika reisen.

        Übrigens habe ich mächtig Probleme, zu betteln bzw. andere um etwas zu bitten. Ich versuche immer, ohne Hilfe anderer klarzukommen.

        Hartz4 kommt dem entgegen. Da hat der Verhartzte Rechte gegenüber dem Apparat.
        Dass er damit nicht nur seine Forderungen, sondern vor allem die Forderungen der Unproduktiven im Apparat gegen die Produktiven, also möglicherweise ihn selbst richtet, ist verschleiert.
        Es bleibt gelernte Bettelei, die zu Recht gemacht ist. Der Apparat raubt (ja, es ist Raub, denn der Apparat droht mit Gefängnis), und rechtfertigt es mit dem Gebettel der Ausgeraubten, die das Geraubte zurück haben wollen.

        Ich sehe da nur einen Ausweg. Es geht nur in Kooperation mit anderen Menschen. Erst wenn man andere um etwas bitten kann und auch damit leben kann, dass man selbst um etwas gebeten wird, kann man ohne den Apparat leben.


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