Kirchhof – Wahnsinn in Zahlen
geschrieben am 01. Juli 2011 von Spiegelfechter
Ein Steuerkonzept ohne Schlupflöcher, sozial ausgewogen, unkompliziert und dazu noch aufkommensneutral – so beschreiben die großen Tageszeitungen das Kirchhof-Modell, für das die Journaille in dieser Woche die ganz große Werbetrommel rührt. Um zu belegen, wie „einmalig sozial“ sein Modell ist, lässt man den Paul Kirchhof öffentlichkeitswirksam Fallbeispiele aus dem Hut zaubern, mit denen belegt werden soll, dass vor allem Geringverdiener von seiner Steuerreform profitieren würden. Wenn man das Kirchhof-Modell einmal mit dem spitzen Bleistift durchrechnet, kommt man jedoch zu einem ganz anderen Ergebnis.
Steuererklärungen sind sicherlich nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig. Sonderausgaben, Altersvorsorgeaufwendungen, außergewöhnliche Belastungen, Werbungskosten, und so weiter, und so fort – die meisten Steuerpflichtigen nutzen zumindest einen Teil der erlaubten Möglichkeiten, um das steuerpflichtige Einkommen ein wenig zu drücken und so Steuern zu sparen. Daher ist es auch nur mäßig zielführend, die Steuerbelastung unseres geltenden Steuersystems mit all seinen Abschreibungsmöglichkeiten mit der in einem radikalen Steuersystem ohne Abschreibungsmöglichkeiten zu vergleichen. Nichtsdestotrotz werden diese Vergleiche immer wieder angestellt – vor allem dann, wenn die verantwortlichen Redakteure das Kirchhof-Modell oder vergleichbare Radikallösungen propagieren.
Um die theoretisch zu zahlende, von der tatsächlich veranschlagten, Einkommensteuer abzugrenzen, kann man sich beispielsweise bei den umfangreichen Tabellen des Statistischen Bundesamtes bedienen. Diese Zahlen lassen selbstverständlich keine stichhaltigen Modellrechnungen zu, wohl aber eine relativ zuverlässige Schätzung*.


Kinderlose zahlen drauf
Eine Besonderheit des Kirchhof-Modells, die Sozialverträglichkeit vorgaukeln soll, sind die relativ hohen Freibeträge. Kirchhof beziffert sie mit 10.000 Euro pro erwachsenem Familienmitglied (bei gemeinsamer Veranlagung) und mit 8.000 Euro pro Kind. Während kinderreiche Familien im niedrigen und mittleren Einkommensbereich so erst relativ spät in den zu versteuernden Einkommensbereich kommen, schlägt die relativ hohe Besteuerung in den unteren Einkommensbereichen bei kinderlosen Steuerpflichtigen voll zu. So werden Alleinstehende ohne Kind bis zu einem Jahreseinkommen von etwas mehr als 40.000 Euro durch das Kirchhof-Modell stärker belastet, als durch das aktuelle Steuersystem. Bei kinderlosen Paaren verstärkt wiederum der Wegfall des Ehegattensplittings diese Tendenz, so dass selbst kinderlose Paare mit einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro beim Kirchhof-Modell schlechter dastehen.
Je mehr Kinder ein Haushalt auf seiner Steuerkarte stehen hat, desto mehr profitiert er vom Kirchhof-Modell. Natürlich profitiert man jedoch nur dann, wenn man ein relativ hohes Einkommen hat. Bei Geringverdienern spielen die Freibeträge des Kirchhof-Modells kaum eine Rolle, da sie auch beim aktuellen Steuersystem von Freibeträgen profitieren und erst relativ spät in die Progressionszonen rutschen, die höhere Grenzsätze aufweisen als das Kirchhof-Modell. Anders als stets kommuniziert, ist das Kirchhof-Modell keine familienpolitischen Wohltat – die vermeintliche Familienfreundlichkeit entpuppt sich bei näherer Betrachtung vielmehr als Nebelkerze, die von den eigentlichen Profiteuren ablenken soll.
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? Im Artikel der Zeitung “Die Welt” am Dienstag stand was davon, dass Kirchhof das Ehegatten-Splitting beibehalten will. Widerspruch? Drin oder draußen?
Ich denke, der Ideologiekrieg läuft darauf hinaus, dass man als Kirchhof-Gegner mal einfach nur fordern muss: “Kichhof-Modell? Im Prinzip ja, aber bitte mit der aktuellen Steuerkurve, eher noch erhöht. Die Essenz ist doch die Abschaffung der Ausnahmen.” (Guter Kompromiss? ;-) Dann heulen zwar alle Pendler und Nachtarbeiter auf, aber der Kampf um gerechte Entlohnung ist keine Frage des Steuerrechts, sondern gehört in die Tarif-Kämpfe (und oder auf die Straße!). In meinen Augen stimmt es schon, dass die Pendlerpauschale die Subvention für den kleinen Mann ist. (Wovon die Gutverdiener natürlich kräftig mitprofitieren, weil die ja auch meist im Speckgürtel der Städte wohnen, in den hübschen Villen-Vororten… ja ich weiß, Neidgesellschaft…)
Und das Kirchhof-Modell enthält ja auch die Gleichbehandlung von Löhnne und Kapitalerträgen, nur über das Niveau muss man dringend reden. Also wäre es strategisch vielleicht klüger, das Modell nicht komplett abzulehnen, sondern nur den Quatsch-Teil davon und mit Vorschlägen in die Offensive zu gehen.
Ich will arbeitslose Steuerberater sehen. Punkt. (Schickt sie zur Umschulung, gibt ja Facharbeiter-Mangel ;-)
Das mit dem beibehaltenen Splitting hab ich so auch gehört, am Montag im dradio.
Da es bei Kirchhof keine unterschiedlichen Steuerklassen gibt, ist die “Beibehaltung” des Splittings ein PR-Gag. Na klar, die Freibeträge lassen sich bei diesem Modell verteilen, aber das ist in meinen Rechnungen schon berücksichtigt.
Könnte sich aber in den unteren Einkommen auswirken, wenn der Steuersatz nur zu 60% bzw. 80% wirkt… Der PR-Gag (da stimme ich zu) hat also zumindest einen Hauch Substanz. (einen Hauch…)
Zweifelsohne profitieren auch einige untere Einkommen vom Kirchhof-Modell. Mir stellt sich da nur die Frage der Refinanzierung. Eigentlich war das Kirchhof-Modell ja rund – ein Steuersatz für alle Steuern. Das hieße jedoch auch eine Mehrwertsteuer von 25%. Wenn man die Mehrwertsteuer auf 25% erhöht, könnte(!) das Kirchhof-Modell idT auch aufkommensneutral sein. Um politisch nicht komplett chancenlos zu sein, hat man die Mehrwertsteuer jedoch weitestgehend außen vor gelassen. Nachtigall, ick hör dir trappsen. Jede Wette, dass die Mehrwertsteuer auf 25% angehoben werden würde, wenn Kirchhof tatsächlich mal umgesetzt wird. Und dann hat es sich mit dem kleinen Vorteil für die unteren und mittleren Einkommensgruppen.
Umsetzung des Kirchhof-Modells in der politischen Realität “Deutschland heute” würde so aussehen:
- Steuersätze wie besprochen absenken
- Ausnahmen werden abgeschafft, bis auf… eigentlich alle mit materieller Substanz.
- Damit platzt dann Kirchhofs Traum von der Gegenfinanzierung (er denkt ja, dass die Gutsituierten letztlich auch wirklich 25% auf alles zahlen würden), daher…-> Mehrwertsteuer hoch.
Unser Steuersystem ist zu 90% Mist, lediglich die Idee des progressiven Steuersatzes ist wirklich erhaltenswert, aber alles andere: Ausnahmen/Subventionen, Verlauf der Progressionskurve, Spitzensteuersatz, Aufteilung Bund/Länder, … da sollte man wirklich mal ran. Aber bei der Einschätzung, was dann dabei rauskäme, wenn man unsere Pfuscher vom Dienst ranlässt, da denkt man sich, vielleicht sollte man alles belassen wie es ist, bevor es verschlimmbessert wird… Auch die SPD ist zum großen Wurf ja nicht in der Lage… Augen roll… Steuerkonzept von Gabriel und Co, was man da so hört,… wirklich ganz mutig, großer Wurf, Ironiemodus aus.
Danke. Auf einen kritischen Beitrag zum Thema warte ich seit Anfang der Woche. Schön, dass ich ihn hier lese und meine Alarmglocken nicht ohne Grund angeschlagen haben.
Die größte Unverschämtheit liegt darin, dass diese alberne Steuerdiskussion nach der Atom-Geschichte, die es nur gab, weil drei Atomkraftwerke TV-tauglich durchgebrannt sind, jetzt mit Gewalt von Politik und Medien der Öffentlichkeit aufgedrückt wird.
Dabei hätte sich die Politik prioritär um folgendes zu kümmern:
1. Mindestlohn einführen
2. Mindestlohn einführen
3. Mindestlohn einführen
4. Finanztransaktionssteuer einführen
5. Finanztransaktionssteuer einführen
6. Finanztransaktionssteuer einführen
Das sind die Prioritäten. Weg mit diesen Kinderkacke-Diskussionen à la Kirchdoof!
@Zwischenspeicher: Geht es auch sachlich?
Wärst Du nur halb so kirch wie Kirchdoof, wärst du doppelt so schlau wie jetzt.
Gut, vier Zitate aus der “Welt” als Beleg für schwache Pressearbeit ist auch irgendwie Jagd im Gehege. Daß aus dem Hause Springer keine hochwertige Analyse zu erwarten ist, ist ja quasi Allgemeingut.
Ich persönlich finde jede Berechnung in diesem Segment schwierig. Etwa die Zugewinne für die höheren Einkommensgruppen sind letztendlich vermutlich auch zu hoch gegriffen, da schon heute kaum ein Einkommensmilionär tatsächlich auch nur ansatzweise den nominalen Steuersatz zahlen dürfte.
Eine Vereinfachung ist trotzdem dringen notwendig. Die Idee der Einzelfallgerechtigkeit ist ein ehrenwerter Ansatz, hat aber in der Praxis in undurchschaubares Dickicht geschaffen, das niemand mehr wirklich durchblickt und das gerade denen erlaubt, sich in der Finanzierung der Allgemeinheit zurück zu nehmen, die am meisten Staat in Anspruch nehmen und davon profitieren.
Ein Stufenmodell wie in Österreich wäre in meinen Augen die gangbarste Lösung. Dort wird jeder Euro unter 11.000 Jahresverdienst nicht besteuert, jeder Euro zwischen 11.000 und 25.000 mit 36,5%, jeder Euro zwischen 25.000 und 60.000 mit 43,2143% und jeder Euro über 60.000 mit 50%.
Dort lässt sich auch ohne darauf zu verzichten, daß die Starken auch einen relativ größeren Anteil am Gemeinwesen übernehmen, die Einkommenssteuer grundsätzlich “auf dem Bierdeckel ausrechnen”.
Dazu müßten natürlich auch Abschreibungsmöglichkeiten und Ausnahmen stark eingeschränkt werden, um eine wirklich Vereinfachung und Gleichbehandlung zu erreichen. Und nicht zuletzte müßte wirklich JEDES Einkommen gleich besteuert werden.
Darum habe ich ja die Daten des Stat. Bundesamts verlinkt. Das sind die rechtlich zulässigen Abzüge durch Sonderausgaben und Belastungen. Das ist nicht alles! Es gibt ja auch noch verschiedene Posten (z.B. Verlustzuweisungen), die das zu versteuernde Einkommen drücken. Aber da will (und kann) auch Kirchhof nichts ändern, zumal dies kein Bestandteil des Steuergesetzes ist, sondern Essentials wie die Buchführungsregelungen des HGB betrifft. Die steuerrechtlichen Möglichkeiten sind in “meinen” Zahlen mit einbezogen.
Ich wollte schon schreiben “reading spiegelfechter is communism”, aber es ist ein ziemlich guter und erhellender Artikel geworden, vorausgesetzt Deine Rechnungen stimmen natürlich:-)
Das heisst aber nicht, dass das jetzige Steuermodell gut ist. Dass ein Betrieb mit 2, 3 oder 5 Mitarbeitern einen Steuerberater braucht, ist für mich ein Skandal. Wenn ein Land auf künstlichem Wege prächtig verdienende Berufsgruppen aushält, die eigentlich entbehrlich sein sollten, so ist es auch kein Wunder, wenn Geld an allen Ecken und Enden fehlt, und die Wirtschaft stagniert.
Stufenmodelle sind grundsätzlich blöd gerade wegen der Stufen. An den Sprungstellen wird es die gleichen Probleme geben wie heute mit Steuerbäuchen, etc.
Eine Linearisierung wäre dagegen durchaus sinnvoll. Wenn die Politik aber eine Abschaffung des Steuerbauches direkt mit Einsparungen von 7-9 Mrd. Euro verbindet, zeigt das, dass es denen nicht um Vereinfachung geht.
Es ist doch nur intelligent, wenn man eine mittlere Gerade durch den Steuerbauch legt. Das geht natürlich nur, wenn man den Spitzensteuersatz anhebt.
Meiner Meinung nach könnte man durchaus überlegen, dass man Freibeträge im unteren Bereich abschafft, so dass schon ab dem ersten verdienten Euro Steuern bezahlt werden. Wenn jemand Mindestlohn bekommt und zahlt davon 1 bis 10 Prozent Steuern (bin gerade zu faul zum genau rechnen), wären das 10 Cent bis c.a. 1 Euro. Die Zumutbarkeit hängt natürlich von der Höhe des Mindestlohns ab.
Sowas wäre aber grundsätzlich zumutbar und würde das Selbstbewusstsein der unteren Einkommensbezieher stärken. Freibeträge verkomplizieren das Steuersytem dagegen unnötigerweise. Wenn es darum geht, Familien zu entlasten, kann man das über das Kindergeld machen. Wenn schon Vereinfachung, dann konsequent. Also weder Absetzmöglichkeiten (außer echten Kosten z.B. für Selbständige oder für die Ausübung des Berufs) noch Freibeträge. Will man etwas fördern, dann bitte durch direkte Subventionen, z.B. Kindergeld. Diese komplizierten Freibetragsregelungen führen den Vereinfachungsansatz des Kirchdoof-Modells nämlich ad absurdum.
Man kann aber von unserer Hauptstadtjournallie nicht erwarten, dass sie in der Lage ist, solch einfache Zusammenhänge auch nur ansatzweise zu begreifen, geschweige denn, in der Öffentlichkeit zu diskutieren.
Die Freibeträge des Existenzminimums resultieren aus dem Grundgesetz und den Menschenrechten, die jedem Menschen in Deutschland ein Existenzminimum zusichern.
Im Grunde ist das Kirchhofsche-Model nicht schlecht, nur sozial zu unausgewogen. Wenn man statt einem linearen einen progressiven Einkommensteuertarif nimmt und das mit einem steuerfreien bedingungslosem Grundeinkommen kombiniert, so ist das Existenzminimum gewahrt und ab dem ersten verdienten Euro werden Steuern erhoben. Wie schon häufiger geäußert plädiere ich für einen sehr hohen Spitzensteuersatz (mindestens 65% eher 85%). Denn eines sollte jedem Kritiker auch klar sein, ohne die passenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen lassen sich keine exorbitanten Einkommen erzielen, daher sollte diese durch entsprechende Spitzensteuersätze berücksichtigt werden.
Das widerspricht sich ja nicht. Ein Mindestlohn von 10 Euro-”irgendwas” liegt über dem Existenzminimum (zumindest nach der heutigen Definition). Deshalb kann man ruhig beim Existenzminimum den Steuersatz Null ansetzen und dann von dort linear nach oben gehen. Die etwas höher liegenden zahlen halt 1 Cent, 2 Cent, usw.. Das ist dann bestimmt mit dem Grundgesetz vereinbar :-)
Jo, konnt man sich gleich selbst ausrechnen. Die Art von bauernfängerei gelingt ohnehin nur deshalb, weil 90% des Volkes zu doof dazu sind, ihren Lohnzettel richtig zu lesen.
Das, was mir wirklich den Magen umdreht, ist nicht, dass ich nach dem Kirchhof-Modell mehr Steuern zahlen müsste als bisher. Im Gegenteil, ich bin ein großer Freund von Steuererhöhungen, und ich bin auch bereit (als verheirateter Kinderloser mit mittlerem Haushaltseinkommen) mehr zu zahlen. Aber dann möchte ich auch, dass höhere Einkommen proportional noch weitaus stärler belastet werden – aber ganz im Gegenteil werden diese bei Kirchhof entlastet. Dieses Steuermodell ist also nichts anderes als eine groß angelegte Umverteilung von unten nach oben.
Dass hingegen Ulf Poschardt dieses Modell hochjubelt, wundert mich weniger. Der Herr war doch schon immer ein Freund ebensolcher Umverteilungstendenzen.
Generell nur WELT Artikel auszusuchen ist schon etwas einseitig. Allerdings klingeln die Alarmglocken, wenn Springer sowas hochschreiben will. Die Siems ist ja auch für widerwärtigen Kampagnenjournalismus und Auftragsschreiberei recht bekannt.
All das, was da jetzt durch den Sommer gehetzt wird, hat nur eines zum Thema: eine weitere Entsolidarisierung der Gesellschaft. Begonnen wird we immer bei den Familien und wenn die nicht aufpassen (aber wo ist deren Lobby?) dann ist das Ehegattensplitting weg, anstatt das ein Personensplitting praktiziert wird, das die Kinder mit einbezieht. Gleichzeitig titelt Springers Welt (unter Übernahme einer INSM-Depesche) , dass die Mitversicherung von Ehepartnern in der gesetzlichen Krankenversicherung ein Dinosaurier sei und deshalb abgeschafft werden müsse. Das sind nur weitere Bausteine, die alles Verlautgebahre über Kinderförderung, Schulförderung, Familienförderung Bildung etc. zur Farce machen. Wieviele Ehepartner gehen denn zum Putzen, zum Kellnern etc. etc. damit die Ausbildung der Kinder finanziert werden kann und machen dann weiter, weil sie feststellen müssen, dass das Ausbildung für einige weitere Jährchen Praktikum war. Man wird den Eindruck nicht los, dass die Bierdeckelsteuerdiskussion nach dem selben Motto läuft wie die Diskussion um Rente (staatlich=schlecht, lieber Ergo-Riestern). Dabei sind die Probleme der Progression doch durch das Neolibvermächtnis (Verringerung des Spitzensteuersatzes) erst verschärft worden. Ein großes Ablenkungsmanöver, dabei wäre doch der Sommer viel besser genutzt mit Diskussionen zur Einführung der Finanztransaktionssteuer und zur Frage warum immer erst Meiler explodieren müssen bevor es auch für die Wirtschaft mal gesetzliche Regelungen gibt. Ach ich vergaß, bei der Griechenfrage hat sich der rollende Finanzminister neben Ackermann gestern schon wieder gefreut, dass man sich freiwillig geeinigt hat, anstatt ein Gesetz zu machen.
Ich halte es generell für sinnvoll, die vielen Abschreibungsmöglichkeiten weitestgehend zu beseitigen. Viel zu grosser Aufwand und Missbrauchsmöglichkeiten.
Also simpel ja, aber statt Flat Tax eine progressive Steuer und in gleicher Weise auch für alle Abgaben.
Eine gute Funktion Netto(Brutto) hat für mich folgende Eigenschaften:
- Die Funktion ist streng monoton steigend (wer mehr Brutto hat, hat auch mehr Netto)
- Die Ableitung der Funktion ist streng monoton fallend für Brutto > Existenzminimum (von jedem weiteren Euro bleibt weniger übrig)
- Netto >= Brutto für Brutto < Existenzminimum (keine Steuern und Abgaben unterhalb des Existenzminimum)
- Asymptotisch wächst die Funktion ungefähr so schnell wie die Wurzelfunktion (bei extremen Einkommen muss das Brutto vervierfacht werden, um das doppelte Netto zu haben). Andere Wurzelfunktionen oder gar Log-Funktionen sind auch denkbar.
Das heisst:
- Kein maximaler Steuersatz
- Die sich in der Wirtschaft ergebenden teils extremen Einkommensverteilungen werden komprimiert
- Das maximale Einkommen ist zwar nicht beschränkt, es wird aber immer schwerer, noch mehr zu bekommen, was auch die Machtverteilung einschränkt
- Trotzdem führt jeder Bruttoeinkommenszuwachs auch zu einem Nettoeinkommenszuwachs
- Keine nicht progressiven Abgaben, die niedrige Einkommen unverhältnismässig belasten
Um so etwas durchzusetzen, müsste man natürlich auch die Möglichkeiten der Steuerflucht radikal einschränken.
“Abschreibungen weg” ist immer leicht gesagt. Diese Abschreibungen haben ja idR auch einen Sinn. Nehmen wir mal die größte Abschreibung, die Pendlerpauschale. Nur durch diese Pauschale ist es vielen Menschen möglich, auf dem Lande zu leben. Ohne diese “Subvention” würden die ländlichen Gebiete aussterben und die Städte (bzw. der Speckgürtel) würde noch teurer. Auch andere Dinge, wie z.B. Kinderfreibeträge sind Subventionen – Subventionen, die bei Kirchhof sogar verstärkt werden. Hier geht es ja nicht nur um Film- und Schiffsfonds und ähnlichen Murks, der sofort abgeschafft werden sollte … es m.W. aber auch schon ist.
Die Pendlerpauschale ist keine Subvention sondern analog zu den Fahrtkosten der Selbständigen Aufwendung, die in einer Gewinn-Verlustrechnung von den Einnahmen/Lohn abzuziehen ist. Es ist keine Subvention!!!!!! Insofern wäre es sogar angebracht, die Pendlerpauschale nicht mehr pauschal sondern exakt in Höhe der tatsächlichen Kosten für berufliche Fahrten vom Lohn abzuziehen und nur die Differenz zu versteuern. Wie bei Selbständigen halt. Auch eine klare Steuervereinfachung.
Wenn der Staat irgendwas subventionieren will, soll er direkt Geld dafür geben. Dies würde auch das “Anspruchsdenken” bei Steuerprivilegien beseitigen. Zuwendungen kann man psychologisch leichter wieder streichen, wenn der Grund dafür wegfällt.
Auch wenn der Staat auf Einnahmen verzichtet, ist dies eine Subvention. Oder ist die Mehrwertsteuerermäßigung für Hoteliers etwa keine Subvention?
Es heißt “Werbungskosten” nicht Abschreibungen.
Ansonsten nichts für Ungut.
Zwischenspeicher: Subvention ist kein Schimpfwort, sondern die Beschreibung eines Effekts. Wenn ich die Kosten für das Leben fernab der Arbeitsstätte als Werbungskosten anerkenne, löse ich einen Lenkungseffekt aus. Der bleibt, egal ob ich das über die Steuern bekomme oder als Barzuwendung.
Ich stimme Dir ja zu (als Selbständiger), dass Selbständige bei ihrer Kostenrechnung und steuerlichen Kostenanerkennung gegenüber Arbeitnehmern erheblich privilegiert sind. Es ist aber rechtssystematisch nicht einfach, die Selbständigen so schlecht zu stellen wie die Arbeitnehmer, ohne von der Fiktion Abschied zu nehmen, sie seien alle genauso freie Unternehmer wie die Siemens AG oder die Deutsche Bank.
Die ganzen Verheissungen, das Steuersystem zu vereinfachen und damit besser zu machen, halte ich für platten Populismus und freche Lügen. Entgegen allen Gerüchten ist etwa das Steuersystem der USA nicht einfacher, sondern durch den Staatenwirrwar eher komplizierter als das deutsche. Das chinesische Steuerrecht ist recht einfach und vollständig untauglich. Dort denkt man darüber nach, ein Steuersystem wie das unsere einzuführen.
a^2
Pendlerpauschale?
Iss damit die Zersiedlungs- und Verkehrserzeugungssubvention der AN gemeint?
Ein Bürger kann seinen Wohnort frei wählen. Das gibt auch für einen Steuerpflichtigen.
Es sollte eigentlich keine Frage sein, dass nur der Überschuss der Differenz zwischen Einnahmen/Ertrag und Ausgaben/Aufwand der Besteuerung unterliegen sollte. Auch wenn man “Werbungskosten” “absetzen” kann, bedeutet dies nicht, dass ihm die dann vom Staat gezahlt werden. Ohne solche Werbungskosten wären die Nettoeinkünfte auch nach Steuern höher.
Da sich die Arbeitsorte im Laufe eines Arbeitslebens ändern können, ist nicht die Entfernungspauschale Verkehr-erzeugend, sondern sind es die ökonomischen Umstände.
Neubaugebiete (u.a.) als Zersiedelungsprojekte zu qualifizieren, halte ich für unangebracht.
Jens, ich sehe eigentlich nicht, dass man die Pendlerpauschale als Abschreibung bezeichnen kann. Abschreibungen sind die Verteilung von Ausgaben über mehr als eine Periode. Man kann daher Abschreibungen nicht abschaffen, und auch ihre steuerliche Berücksichtigung nicht. Das wäre nämlich ein enteignungsgleicher Eingriff in die Eigentumsrechte des Steuerpflichtigen.
Der Gesetzgeber ist hingegen einigermassen frei darin, wie er die Berücksichtigung von Abschreibungen im Steuerrecht vornimmt. Das geschieht mitunter mit Lenkungsabsicht, nicht selten auch auf Druck von Lobbys. Was bislang dabei herausgekommen ist, sind zum Teil massive Steuerbegünstigungen, die in verschiedenen Fällen höher liegen als die der Abschreibung zugrunde liegenden Kosten.
Nun halte ich Kirchhofs Verheissung, alle Ausnahmen und Privilegien würden abgeschafft, für Scharlatanerie, und ich vermute, dass der notorische Claqueur der Grossverdiener, dem wir schon den Schwachsinn des “Halbteilungsprinzips” verdankten, das auch sehr genau weiss.
a^2
So etwas vielleicht?:
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/6366/steuerbauche-und-steuergeschenke-%e2%80%93-wie-der-wahler-an-der-nase-herumgefuhrt-wird#comment-122435
Danke für die verständliche Analyse!
Den Hieb auf die gesamte Presse aufgrund einiger Zitate aus der WELT hättest Du dir aber sparen können ;-) Die SZ berichtet z.B. einigermaßen ausgewogen, die TAZ kritisch und auch der SPIEGEL kommt eigentlich zu keinem anderen Ergebnis als Du.
Dank für die Analyse. Ich habe mich jetzt ein paar Tage durch diverse Veröffentlichungen gelesen, und immer wieder verständnislos den Kopf geschüttelt, die “Haken” wurden ja eben nicht so ausführlich in der “Qualitätspresse” dargestellt. Von Freunden höre ich schon wieder die gleichen Sprüche wie damals 25%-Flattax:”Eigentlich eine gute Idee”-”DAS wär mal ein Finanzminister, aber sie werden ihn nicht ranlassen”, und das von Leuten, die wahrlich weder CDU/FDP-Wähler sind, noch über Einkommen verfügen die über mittige Mittelschicht hinausgehen, eher tlw. darunter. Viele haben Kinder, und sie schauen erstmal auf ihre “Entlastung”, was verständlich ist. Die hier abgebildeten Tabellen, die eine andere Sprache sprechen, kennen sie natürlich nicht. Ich werde den Artikel rummailen. Ist sein jetziges “Viertel für den Staat-Dreiviertel für mich” eine “Rache” an Karlrsuhe, das dankenswerterweise seinen “Halbteilungsgrundsatz” (Vermögenssteuer-Urteil) wieder gekippt hatte? Es war nur eine Frage der Zeit, bis er wieder aus seiner Gruft kommt… (War da nicht mal was mit Holzpflock und Hammer…?)
Kirchhof ist und bleibt das Steuerzäpfchen im Anus der Reichen. Alles wie gehabt. ;-)
Grüße
Liest man das Original, kann man aus dem Artikel nicht viel gewinnen. Vorab zur Terminologie: Was sind “Sonderkosten”? Das ist zumindest kein steuerrechtlicher Begriff und daher verwirrend, weil er an keiner Stelle bestimmt wird. Damit werden auch die Tabellen nicht nachvollziehbar.
Kirchhof selbst schreibt in dem zugrundeliegenden Buch, dass es ihm um Prinzipien der Besteuerung geht. Auf Aspekte der Aufkommensneutralität hat er nicht geachtet. Auch ging es ihm die primär um Vergleiche der finanziellen Vorher-Nachher-Betrachtung, sondern den Gewinn an Freiheit. Dazu sollte man wissen, dass Kirchhof kein Finanzwirtschaftler, sondern Steuerrechtler ist. Er betrachtet wirtschaftliche Aspekte nicht unter ökonomischen, sondern rechtlich-ethischen Blickwinkeln.
Der Fiskus – so die zentrale These – korrumpiert den Bürger mit einem sehr ausgefeilten, aber widersprüchlichem Bonus-/Malus-System. Wer lange Wege mit dem Auto zur Arbeit fährt, wird belohnt, wer vor dem Werkstor schläft, handelt schlecht. Kein Wunder beschäftigt sich der durchschnittliche und überdurchschnittliche Einkommensteuerzahler wochenendenlang mit seiner Jahressteuererklärung. Das ist nicht nur nicht vergnügungssteuerpflichtig, dass ist freizeitfressend. So raubt der Staat uns nicht nur die Freiheit der eigenen wirtschaftlichen Entscheidung, sondern auch noch unsere Zeit.
Steuern sind zur Einnahmendeckung des Staates dar. Punkt. Der Staat, das hatte die SPD unter Lafontaine 1996 begriffen, muss nur deshalb sehr hohe Steuersätze erheben, damit er auf der anderen Seite die ganzen Rabatte finanzieren kann. Mehrere Studien kamen damals zu dem Ergebnis, dass Länder mit geringeren Sätzen aber breiter Bemessungsgrundlage (schöner steuerrechtlicher Terminus ;-) ) ergiebiger sind als Hochsteuerländer mit durchlöcherter Substanz. Das für viele Linke Ideal der hohen Sätze mit Streichung der Ausnahmen gibt es in der realen Welt nicht.
Warum also dann das ganze Theater? Kirchhof sagt, wenn der Bürger 1/4 seines Einkommens an den Staat abtritt, so muss das reichen. Dieser Ansicht kann man sein oder nicht, einfach darüber hinwegzutrampeln wird dem Konzept jedenfalls nicht gerecht. In der Steuergeschichte der entwickelten Länder war der heute herrschende hohe Staatsanteil jedenfalls die Ausnahme, dennoch hatte Weber Recht. Der Staat ist ein gefrässiges Wesen. Diese Entwicklung ist zwar nachvollziehbar, verständlich ist sie jedoch nicht. In Zeiten bitterer Armut nahm der Fiskus gerade noch den 10., heute in prosperierende Zeiten mit hohen Wohlstandsniveaus und geringer absoluter Armut nimmt er 50%.
Ist es wirklich gerechter, dass jeder seine Steuerschuld in bestimmten Grenzen selber festlegen kann? Führt es tatsächlich zu mehr Gerechtigkeit zwischen den verschiedenen Einkommensgruppen, wenn jeder Aspekt des wirschaftlich relevanten Lebens im Steuertarif sich wiederfindet? Steigert es das Gerechtigkeitsempfinden, wenn ein großer Teil der Gesellschaft wenig oder keine Einkommensteuer zahlt und wenige viel?
Schlussbemerkung: Frankreich besteuert ebenfalls hoch, belohnt aber steuerlich Familien mit mehr als einem Kind. Die deutsche Sichtweise, dass in einer Welt mit progressiven Steuersätzen die Berücksichtigung von Kindern durch Freibeträge unsozial wäre, ist ziemlich unique.
Mit Sonderkosten sind hier die steuerrechtlichen Sonderausgaben gemeint.
Geschenkt. Dann können wir ja die Steuern abschaffen und so die Freiheit maximieren ;-)
Stimmt, weil er die ganzen Quittungen für Riesterrente, VBL, VWL, Zahnersatzzusatzversicherung usw. usf. hervorkramen muss. Das ist mir unverständlich. Warum können die Anbieter dieser Produkte diese Daten nicht an die Finanzbehörden übertragen? Bei der Abgeltungssteuer geht das doch auch.
Ja mei, dann lässt man das halt mit seiner Steuererklärung. Ich finde da den alten SPD-Vorschlag, der jedem 300 Euro zugestehen wollte, der keine Steuererklärung abgibt auch gar nicht schlecht.
Natürlich, für was denn auch sonst?
Ja, wunderbar. Da hat wer verstanden, wofür Steuern da sind.
Ja ja, diese lustigen Studien ;-)
Wer will denn die Ausnahmen streichen? Linke? Ist die FDP links? ist Kirchhof links?
Dann soll Kirchhof sagen, wo er die entstehenden Defizite hernehmen will, oder welche Ausgaben er kürzen will.
Was mich jedoch am meisten überrascht. Kirchhof ist Jurist. Kenn er folgenden Spruch des Bundesverfassungsgerichts nicht?
Im Gegensatz hierzu würde im Bereich des Steuerrechts eine formale Gleichbehandlung von Reich und Arm durch Anwendung desselben Steuersatzes dem Gleichheitssatz widersprechen. Hier verlangt die Gerechtigkeit, dass im Sinne der verhältnismäßigen Gleichheit der wirtschaftlich Leistungsfähigere einen höheren Prozentsatz seines Einkommens als Steuer zu zahlen hat als der wirtschaftlich Schwächere (vgl. schon Art. 134 WRV)”
(BVerfGE 8, 51, 68,69)
Das ist viel zu einfach. Komplexe Steuersachverhalte mit großer Zettel- und Aufzeichnungswirtschaft können schon bei unselbständiger Tätigkeit auftreten: Umfangreiche Bewerbungskosten, doppelte Haushaltsführung, Schulung und Weiterbildung, Reisekosten & Spesen etc. Wer genau hinschaut, findet ein weites Feld. Da entstehen Hunderte von Belegen und Aufzeichnungen, die es gilt, zu sammeln, chronisieren und am Ende dem Finanzbeamten zu erläutern.
Wer das, obwohl die entsprechenden Sachverhalte gegeben sind, nicht tut, zahlt manchmal ein paar tausend Euro zuviel Steuern. Ist das gerecht? Ich dachte bei der Besteuerung geht es darum, allgemein gültige Gerechtigkeitsprinzipien zu finden. Und, andere Frage, ist es nicht ohnehin private Angelegenheit, ob sich jemand beispielsweise weiterbildet? Soweit es sich finanziell auszahlt, wird er dies sowieso tun, unabhängig von der steuerlichen Berücksichtigung. Andererseits lockt der Fiskus Bürger in Bereiche, die am Ende nicht wirklich lukrativ sind. Tausende haben so in ostdeutschen Immobilien ihr Geld verloren.
Kirchhof wendet sich dagegen, dass der Staat wie ein Mafia-Pate agiert. Vernünftigerweise sehe ich das genauso.
In einem stimme ich jedenfalls zu: seit der Großen Koalition wurden zahlreiche Ausnahmen gestrichen, was nichts anderes ist als eine schleichende Steuererhöhung. Doch problematisch ist, wenn der Fiskus steuerlich relevante Tatbestände offiziell jahrelang anerkennt, aber sie nach einigen Jahren rückwirkend widerruft. Oder er höchstrichterliche Urteile nicht anerkennt und deren Vollzug aussetzt. Gerade im Steuerrecht wird soviel Ungerechtigkeit praktiziert, obwohl wir uns mit unserem ausgetüfftelten System doch genau das Gegenteil zum Ziel gesetzt haben. Erreicht man das angebliche Ziel jedoch nicht auf diesem Wege, lässt sich fragen, ob eventuell der Weg der Falsche ist.
Diesen anderen Weg bietet Kirchhof an. Es ist die logische Alternative zu dem steuerlichen Murks, den es seit den 1920er Jahren gibt und der das NS-Regime und die deutsche Teilung überlebt hat. Klar, ich halte es nicht für wahrscheinlich und gerade die Deutschen denken vorrangig danach, was ihnen etwas eventuell einbringt als an Prinzipien wie Freiheit in der Lebensführung.
Ich kann mit beidem leben, möglicherweise im heutigen System sogar günstiger als unter dem Kirchhof-Modell. Nur der Gedanke an die nächste Steuererklärung und die Auseinandersetzung mit dem Finanzamt nervt.
P.S.: Danke für das BVerfG-Urteil, das kannte ich nicht. Allerdings ist fraglich, ob 50 Jahre weiter und mit den zwischenzeitlich gesammelten Erfahrungen dies in Karlsruhe uneingeschränkt noch so gesehen würde.
Ist es gerecht, diese Kosten gar nicht mehr zu erstatten? Dann könnte man sie auch schon heute bei Beibehaltung der Steuertarife streichen. Oder geht es Dir darum, dass diese Kosten schon in die Tarife eingerechnet werden und die Tarife sinken. Aber dann genießen ja diejenigen, denen diese Kosten gar nicht entstehen, ebenfalls den Vorteil. Ist das etwa gerecht?
Richtig und dazu gehört auch, dass eine Besteuerung nach Leistungsfähigkeit zu erfolgen hat, was eine Flat-Tax verbietet.
Wäre dem so, könnten auch Unternehmen Fortbildungskosten nicht mehr als Kosten geltend machen.
Demnach würde Kirchhof ja ein großes Problem auslösen.
Ach was. Es geht hier doch nicht um Gerechtigkeit, sondern darum, die Steuern zu senken. Was würdest Du denn von einem Kirchhof-Modell halten, dass die einheitliche Stufe bei 50% sieht und bei dem die beiden unteren Stufen ganz einfach verdoppelt werden -> also 15% für die ersten 10.000 über dem Freibetrag und 20% für die zweiten 10.000?
Ja, soweit es sich nicht um Gewinneinkünfte handelt.
Ich bin kein Freund der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit, diese Fiktion ist eine Schmär. Wenn Du etwas über die Gerechtigkeitsvorstellungen von Menschen lernen willst – die echten, nicht die abstrakten der Politik – so setze 10 Leute in einen Raum mit durchaus höchst unterschiedlichen Einkommen. Für eine Gemeinschaftsaufgabe müssen sie das Geld zusammenbekommen. Als Ergebnis ist vieles vorstellbar, von dem gleichen Betrag für alle bis zu unterschiedlichen Stufenbeträgen nach Einkommensklassen. Ganz sicher wird aber keine Lösung herauskommen, wo jeder einen ganz individuell festgelegten Betrag zahlt, ermittelt in Ministufen a’ 40 EUR Einkommenssteigerung und unter Berücksichtigung von allen möglichen Belastungen. Und am Ende wird jeder oder fast jeder sagen, das sei gerecht.
Nein, bei Gewinneinkünften gelten alle Aufwendungen als betrieblich veranlasst, ohne die der Gewinn nicht erzielt werden kann. Dem Staat steht eine Wertung in notwendig und nicht notwendig nicht zu.
Sicher, aber in anderer rechtlicher Hinsicht. Ich sprach von rückwirkenden Änderungen, also wenn der Fiskus für bereits veranlagte Steuerjahre seine Ansicht ändert.
Die Antwort kannst Du Dir denken. ;-)
Selbst im Familienrecht muss ein Leistungsfähiger nicht 50% und mehr seines Einkommens abgeben. Bei Ehepartnern erhält der wirtschaftlich Schwächere – egal wie einkommensstark und vermögend der andere sein mag – höchstens 3/7 des gemeinsamen Einkommens zugebilligt. Und auch sonst wirst Du nirgends einen Bereich finden, wo wir es als gerecht ansehen, dass jemand 50% und mehr an gemeinsame Aufgaben zwangsabführen müsste.
Nur beim Steuerrecht pflegen manche andere Ansichten, meist dann wenn sie wissen, dass für sie die Verpflichtungen ohnehin niemals zutreffen werden. Das ist eine außerordentlich billige Gerechtigkeit.
Aber nein, da sind die feminanzisch orientierten Familiengerichte durchaus erfinderisch. Da wird halt mal eben locker der Selbstbehalt um einen beliebigen Betrag gekürzt, unter für Nichtjuristen völlig abartigen Argumentationen, und schon bekommt die teure Ex über 50%. Bei Gutverdienern wird das schwerer, in der Tat. Aber sofern Kinder da sind, kann die Rechtsrealität auch jemanden mit 4000€ netto passend daherrechnen, dass ihm am Ende vielleicht mal 1200€ bleiben.
Ein Bekannter musste sogar 1 Jahr lang bei AFAIR 1980€ ALG I gut 2900€ Unterhalt zahlen. Die OLG-Unrechtssprecher meinten, er hätte ja in guten Zeiten für den eventuellen Fall der Arbeitslosigkeit sparen können, um auch da den Unterhalt zu sichern. Dass er allerdings dank der unteren Richter auch in den ‘guten Zeiten’ bis zur Unterhose ausgezogen wurde und daher keinerlei Sparmöglichkeit hatte, je nu. Hauptsache Muttern ist versorgt.
Dann ist der Kinderfreibetrag von 7008,– € (seit 2010) eine Schimäre?
Habe ich nicht gesagt. Nur hatten wir bis zur – inzwischen gelobten – Kohl-Ära nur Kinderfreibeträge und ein kleines Kindergeld als Wurfprämie. Die de-facto-Abschaffung der Kinderfreibeträge für niedrige und mittlere Einkommen geht auf die Sichtweise zurück, das unter steuerlichen Gesichtspunkten dem Staat jedes Kind gleich viel wert sein müsse.
Das meinte ich, sei international eine unique Ansicht.
So “unique” ist das garnicht. Daß
war tatsächlich Grundlage für die Kindergeldregelung ab 1975. Ab 1980 wurden die kindergeldfreibeträge erst auf Druck der Union (Anfangs als Kinderbetreuungskosten) später durch die Kohlregierung wieder eingeführt und ausgebaut.
Und in anderen Ländern gibts nicht nur unserem Kindergeld vergleichbare Leistungen,,
sondern auch hie und da sehr unterschiedliche Freibeträge, und in Frankreich eine recht ausgeklügelte Familiensplitting-Variante.
Also sind wir insgesamt gegenüber anderen Ländern, was steuerrechtliche Familien-Leistungen für Kinder angeht, garnicht so “einzigartig”.
Im übrigen: Was ist eigentlich daran falsch, von staatlicher Seite Kinder finanziell gleich zu behandeln? Ist das Millionärskind denn wirklich mehr wert, als das Kind der Aldi-Kassiererin?
Grüße
Es ist nicht falsch, Kinder gleich zu behandeln, es ist die falsche Sichtweise. Die Steuerpflicht knüpft an einer Einkommen erzielenden Person an. Deren Leistungsfähigkeit wird gemessen. Die Pflicht zum Unterhalt vermindert diese Leistungsfähigkeit, weshalb der Unterhalt vom versteuerbaren Einkommen abgezogen werden muss.
Das Kindergeld dagegen tut so, als wäre derjenige mit Kind genauso leistungsfähig wie der ohne. Als Ausgleich gibt es dann vom Staat eine Geldleistung, die der längst mit seinen Steuern bezahlt hat. Das ist Unsinn und entspringt einem Obrigkeitsdenken.
Kein Kind zahlt Steuern und die unterschiedliche Fähigkeit der Eltern für den Unterhalt zu sorgen, spiegelt sich in den Rechtsansprüchen der Kinder gegen ihre Eltern wieder. Bisher ist keiner auf den Gedanken gekommen, diese unterschiedlichen vom Staat gewährten Rechte als diskriminierend anzusehen. Der millinär ist verpflichtet, mehr für sein Kind zu zahlen als der Geringverdiener. Was im Unterhaltsrecht richtig ist, kann als Maßstab im Steuerrecht nicht falsch sein.
Ja, die Nichtanwendungserlasse sind schon geradezu ein Affront und gehören definitiv weg. Da besteht im Grunde nach auch kein Diskussionsbedarf.
Wenn es um tausende von Euro geht, sollte man vllt. mal über die Zuhilfenahme von einem Steuerberater nachdenken. Nur so ein Gedanke…
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Das das aktuelle Steuerrecht dringend überarbeitet gehört ist auch kein Geheimnis. Das Kirchhof-Modell hat zwar ein paar interessante Ansatzpunkte; aber die potentielle Umsetzung ist meiner Meinung nach nicht zielführend.
Ein Staat hat gefälligst seine Gesetze so abzufassen, dass es dem Bürger möglich sein muss, ohne Zuhilfenahme Dritter seinen Pflichten nachzukommen. Zudem nimmt ein Steuerberater einem nicht das Sammeln von Belegen ab. Wer da etwas vergißt – Pech gehabt.
Das Aufbewahren von Belegen, egal welcher Art, ist dem Grunde nach auch keine allzu große Herausforderung. Hilfestellung leisten da im Übrigen auch die Finanzämter sofern man dahingehend Fragen hat.
Im Zweifelsfall klärt man mit seinem/r Steuerberater/in ab, dass die Unterlagen dort verweilen bzw. immer alle Belege zur endgültigen Beurteilung bei selbigem/r eingereicht werden – sofern man natürlich eine/n hat. Alles eine Frage der Vereinbarungen…
Parallel dazu gibt es immer wieder Seminare für angehende Selbstständige/Unternehmer. Dicht gefolgt von einer massigen Flut an Informationen im Netz.
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Wie gesagt; ich widerspreche ja gar nicht dem Punkt, dass die Steuergesetze geändert werden müssten. Ich sage nur,das ich Kirchhofs Weg nicht für zielführend halte.
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Btw. auch nach Kirchhof müssten Unternehmer, Selbstständige und Vermieter Unterlagen aufbewahren. Oder wollen Sie Betriebsprüfungen auch gleich mit abschaffen?
Ich habe von Normalbeschäftigten geschrieben, an die sich das Angebot Kirchhofs richtet. Wie gesagt, ihm geht es darum, dass sich der durchschnittliche Bürger mit solchen Aufgaben nicht behelligt wird und seinen Pflichten ohne fremde Hilfe nachkommen kann. Eigentlich eine bare Selbstverständlichkeit für einen Staat, doch inzwischen dürfen deutsche Finanzämter nicht mal auf Anfrage beraten. Skandalstaat Deutschland.
Das hier ist gelinde gesagt Blödsinn:
Die betreffende Arbeitsanweisung möchte ich mal sehen.
Einzig, verbindliche Aussagen können kostenpflichtig sein dank bzw. seit dem Jahressteuergesetz 2007.
Der Antrag bei umfangreicheren noch offenen Sachverhalten muss schriftlich erfolgen; wahrheitsgemäß sein, etc.
Vorab telefonisch kleinere Fragen klären geht auch heute noch ohne größere Umstände.
Und warum entlastet er dann die Einkommensmillionäre derart überproportional? Kann man den “Normalbeschäftigten” nicht helfen, ohne gleichzeitig den Einkommensmillionären die Hälfte der Steuern zu schenken?
Da liege schon mal der generelle Irrtum: der Bürger ist niche verpflichtet einen bestimmten Steuerbetrag zu zahlen. Die Zahlungspflicht ergibt sich nur aufgrund demokratisch festgelegter Gesetze. Daher kann die Reduzierung von Steuern niemals ein “Geschenk” sein. Schließlich unterhält der Bürger den Staat und nicht der Staat den Bürger.
Kirchhof hat sich, das kommt in seinem Buch sehr gut zum Ausdruck, aus dem Freiheitsbegriff der Aufklärung heraus einen neuen alten Maßstab für eine angemessene Steuererhebung zu finden. Der Einkommensmillionär zahlt ja heute nur so viel, weil eine frühere Generation meinte, das sei gerecht. Es steht uns frei, anders zu messen und zu urteilen.
Der Maßstab ist danach, dass es reicht, wenn der Staat maximal 25 Prozent dessen beansprucht, was jemand erwirtschaftet. Heute sind es bei hohen Einkommen übrigens rund 35 Prozent. Es ist klar, das Leute, die eher hohe Transferleistungen befürworten, dies als nicht ausreichend ansehen. Es ist jedoch kein Frevel oder antidemokratisch, anderer Ansicht zu sein. Das ist eine genauso respektable Haltung.
Er betrachtet wirtschaftliche Aspekte nicht unter ökonomischen, sondern rechtlich-ethischen Blickwinkeln.
Er hat keine Ahnung – korrekt.
Wer lange Wege mit dem Auto zur Arbeit fährt, wird belohnt
Das ist noch nicht einmal lustig.
Steuern sind zur Einnahmendeckung des Staates dar. Punkt.
Zumindest das weiß Kirchhof besser. Er kennt das Grundgesetz. Es hat ihn sicher geschmerzt das man seinen Halbteilungsgrundsatz mit dem Grundgesetz selbst (u.a. mit “Eigentum Verpflichtet”) weggewischt hat. Vom Sozialstaatsprinzip ganz abgesehen gibt es auch noch die Aufgabe zum Wohle aller zu agieren. Das schließt das Wohl der Wirtschaft mit ein welche auch nur im Kreislauf funktionieren kann. Und da geht es um VWL und nicht um INSM. Das kann man aktuell beim IWF und auch bei der OECD nachlesen.
Ist es wirklich gerechter, dass jeder seine Steuerschuld in bestimmten Grenzen selber festlegen kann?
Darum geht es nicht. Es wird auch nicht selbst festgelegt sondern folgt einer Anreiz-Logik welche Investitionen betrifft.
Schlussbemerkung: Frankreich besteuert ebenfalls hoch, belohnt aber steuerlich Familien mit mehr als einem Kind.
In Frankreich gibt es prozentual mehr arme Kinder als bei uns. ;)
Grüße
ALOA
Eine kleine Anmerkung zur Besteuerung in Frankreich. Welche Steuern meinen Sie denn, wenn Sie “hoch” sagen? Die direkten Steuern sind niedriger als in Deutschland. Dafür sind die indirekten Steuern höher. Insgesamt dürfte sich das ausgleichen, aber dafür sind die Sozialleistungen erheblich besser als in Deutschland. Darüberhinaus gibt es einen staatlich festgesetzten Mindestlohn (sozialistisches Teufelszeug in den Augen unseres neoliberalen Mainstreams), und Leiharbeiter haben einen bis 15% höheren Lohn (auch staatlich garantiert) als Festangestellte in vergleichbaren Stellungen, was als Ausgleich für die höhere Flexibilität gedacht ist.
Die Staatsquote Frankreichs ist um etwa 10% höher als in Deutschland, das sind 200Mrd Euro.
Eben nicht. 10% sind eine Menge. Das bedeutet eine um 13% niedrigere Kaufkraft.
Das glaube ich gerade nicht.
Der gleichzeitig auch ein Höchstlohn ist. Siehe hier:
http://logicorum.wordpress.com/2011/06/20/kaufkraft-vergleich-deutschland-international-und-euro-raum/
Frankreich ist m.E. ein ökonomischer Albtraum ;).
Grüße
ALOA
Also, zu dem Link kann ich nur mit Churchill sagen: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast:-)
Im Ernst: Ich bin mir nicht ganz sicher, wo Sie Ihre Erkenntnisse hernehmen, ich nehme sie aus erster Hand, da ich in Frankreich lebe und verheiratet bin. Hier ein paar Punkte zu Sozialleistungen, von denen Sie nicht glauben, dass sie besser sind.
1. Das Kindergeld in Frankreich ist höher. Das wurde schon von Rechtspopulisten ins unwürdige Spiel gebracht, indem kinderreichen Familien (die es in Frankreich in erheblich grösserem Umfang gibt als in Deutschland) unterstellt wurde, nur mit Kindergeld ein luxuriöses Leben zu führen.
2. Ihren Einwand, dass der Mindestlohn gleich Höchstlohn ist, verstehe ich nicht. Kein Unternehmen ist gehalten, Mindestlohn ( = SMIC) zu zahlen, es kann natürlich mehr bezahlen, es darf nur nicht weniger bezahlen.
3. Zu der tatsache, dass Leiharbeiter höher entlohnt werden als vergleichbare Festangestellte, sagen Sie nichts. Das ist aber mit ein Grund, dass in Frankreich im Gegensatz zu Deutschland die Zeitarbeitsbranche eine untergeordnete Rolle spielt und wirklich nur dort aktiv wird, wo akuter Arbeitskräftemangel herrscht, wie es auch in Deutschland mal angedacht war.
4. Ich wohne im grenznahen Raum und habe sowohl in Deutschland Steuern gezahlt (da ich zeitweise weiter im deutschen Inland gearbeitet habe) als auch als sogenannter Grenzgänger in Frankreich. Meine direkt zu zahlenden Steuern waren erheblich niedriger als in Deutschland. Nun muss man bei solchen Vergleichen vorsichtig sein, denn das Steuersystem in beiden Ländern ist unterschiedlich, aber in absoluten Zahlen kann man sich ja auch bewegen. Da ich im Zuge der beiden Tätigkeiten auch jeweils in der nationalen Krankenversicherung war, kann ich auch sagen, dass Kosten für medizinische Versorgung in Frankreich bedeutend niedriger und transparenter als in Deutschland sind (Arzneimittel z. B. bis zu 50%).
5. In Frankreich wird 24 Monate Arbeitslosengeld von 57% des letzten Bruttoverdienstes bezahlt, wobei alle Lohnbestandteile, auch z. B. Boni, mit berücksichtigt werden. Wenn der Arbeitnehmer älter als 57 ist, wird 42 Monate Arbeitslosengeld gezahlt. Ist er 60, wird normalerweise kein Arbeitslosengeld mehr bezahlt, sondern Rente ohne Abschlag. Zwar wurde von Sarkozy das Rentenalter inzwischen auf 62 hochgesetzt und er blickt neidvoll auf Deutschland, aber mehr wagt er sich wohl nicht, da er weiss, dass die meisten Franzosen eine Flinte im Schrank haben.
Nun ist es nicht so, dass in Frankreich nur paradiesische Zustände herrschen, es gibt eine ganze Reihe von Widersprüchen und Schwachpunkten, wozu nicht zuletzt die Zustände in den Vororten zählen. Wo Sie aber den Ökonomischen Albtraum hernehmen, ist mir unerfindlich.
Grüsse
wschira
bitte? wo und wie wird man da genau belohnt? nen kumpel von mir wohnt tatsächlich 10m (!) neben dem werkstor und ich fahre 35km durchs ruhrgebiet zur arbeit. “belohnen” wäre, wenn ich fürs fahren und den zeitverbrauch bezahlt würde. man kann lediglich von entlastung sprechen. und daher kann ich dir sagen: wenn es nur ums monetäre ginge, wäre ich bekloppt, wenn ich nciht mit meinem kumpel tauschen wollen würde.
Kinderfreibeträge sind keine Subventionen, dürfen keine sein! Diese Sprachregelung öffnet doch bereits Tür und Tor! Die Basisbetrachtung wäre doch sinnvollerweise Haushalt mit Kindern als Standard. Sprache macht vieles erst möglich! Also ledig ohne Kind ist I. Nicht ledig und gar mit Kind ist III oder sonst was. Das ist wie früher Schallplatte: auf I (oder A) der Hit auf der Rückseite (II oder B) irgendwas anderes wofür es meistens nicht gekauft wurde. Es muss aber heißen auf I mit Kind und wo keine Kinder, da höhere Steuer. Damit es aufhört, dass Kinder mit dem gleichen Begriff stigmatisiert werden können wie Schiffs- und Filmfonds. Das ist deshalb wichtig, weil sich diese Denke auch auf die unglaublichen Diskussionen um die H4-Sätze für Kinder auswirkten, sie teilweise in ihrer Böswilligkeit erst möglich machten.
Das ist doch Haarspalterei. Warum sollte etwas bevorzugt behandelt werden, dass “Standard” ist? ;-)
Kinderfreibeträge sind ein steuerlicher Ausnahmetatbestand und gehören damit zu den Steuervergünstigungen und im weiteren Sinne zu den Steuersubventionen. Wenn das sprachlich ein Problem ist, dann deshalb, weil wir in unserer Sprache den Begriff der Subvention negativ belegt haben.
Steuerpflichtig ist nunmal eine bestimmte Person und nicht deren Haushalt. Wenn der Staat erlaubt, dass jemand seine primäre Steuerschuld reduziert, weil seine angebliche Leistungsfähigkeit durch andere Tatbestände in seinem Umfeld verringert wird, so ist das auch keine Stigmatisierung.
Natürlich, in der Sache stimme ich zu: die Berücksichtigung von Kindern sind das einzige, was die Steuerschuld reduzieren dürfte. Der Pflicht zum Unterhalt kann sich aus moralischen, ehtischen, rechtlichen und faktischen Gründen niemand entziehen, der Kinder hat. Es ist dem Steuerpflichtigen daher unmöglich, frei über das Einkommen zu verfügen, das er verdient hat. Seine steuerliche Leistungsfähigkeit ist vermindert.
Kinderfreibeträge sind Quark. Alleine deshalb, weil Eltern mit unterschiedlichem Steuersatz unterschiedlich viel Geld bekommen. Kindergeld rauf auf einen substanziellen Wert, Kinder sind gewünscht, also entlastet die Eltern, aber ohne falsche Anreizsetzung (uh uh, Sarazzin-Pflaster…), und zwar mit Absolutbeträgen, “cash in die täsch’ “.
Ich sehe generell (und in diesem Fall: glücklicherweise) für eine Steuerreform, die mit einer radikalen Vereinfachung des Steuersystems verbunden ist, in unserem Land extrem schlechte Chancen. Grund: wir haben eine Regierung und ein Parlament, das fast nur noch aus Juristen besteht. Viele davon rechnen sich aus, nach ihrer Karriere in der Politik als Steuerberater zu arbeiten, oder tun dies schon nebenbei. Für sie ist die kafkaeske Undurchschaubarkeit unserer Steuergesetzgebung Teil ihres Geschäftsmodells. Alle diese Parlamentäre sind darüberhinaus mit Scharen von anderen Juristen vernetzt oder befreundet, die man sich mit einem Parlamentsvotum zugunsten einer Steuervereinfachung zum ewigen Feind machen würde. Da müssten “unsere” Superreichen schon Lobbyarbeit vom Feinsten aufbieten, um Kirchhofs Ideen durchs Parlament zu kriegen.
Dann ist der Kinderfreibetrag von 7008,– € (seit 2010) eine Schimäre?
Der ist “unique”, wie Kommentator “In Dubio” sagen würde ;-)
:-), wohl wahr, und Frankreich ist mit Kindergeld und Familiensplitting das eher unpassende Beispiel.
Grüße
Vorab: Finde es gut, dass sich hier auf analytisch-beherrschtem Niveau mit dem Thema auseinandergesetzt wird. Dieses faktenfreie Bashing auf div. anderen Seiten..na, geschenkt.
Was mir eingehende Betrachtung wert wäre, ist der Umstand, dass die einheitliche Besteuerung aller Einkunftsarten Fehlallokationen weniger wahrscheinlich macht. soll heißen: Wenn er keine unterschiedliche Besteuerung kennt, sucht der Steuerbürger auch nicht nach Wegen, Einkommen umzudeklarieren oder zu verlagern -> da jubelt der Ökonom, und der Nachhaltigkeitsapostel, dem jede Verschwendung von Ressourcen ein Graus ist, klatscht selig lächelnd in die Hände.
BTW: Die im Kontext immer wieder diskutierte Flat Tax wirkt aufgrund der Freibeträge sehr wohl progressiv. Somit liefe das Verdikt des BVerfG mangels mathematischer Fundierung ins Leere. Aber wie heißt’s so schön: iudex non calculat :o)
Das mit den Abschreibungen für Immos abzuschaffen wird nicht funktionieren. Man müsste ja gleichzeitig die Abschreibungen für Private und Kapitalgesellschaften abschaffen. Ansonsten würden die ganzen Verlustimmos einfach in eine Kapitalgesellschaft eingelegt. Der Unternehmer Lobby wird man wohl kaum die Abschreibung nehmen können. Das dürfte ein Mega Verlustgeschäft für den Staat werden.
Das eigentlich Problem dürfte auch eher beim Bundesfinanzhof und beim Bundesverfassungsgericht liegen. Die Immo Besitzer dürften sehr gute Chancen haben, das Abzugsverbot der Abschreibung zu kippen. Dort wurden ja selbst das Abzugsverbot für ein Heimisches Arbeitszimmer gekippt.
das ein allgemeinverständliches einfaches steuergesetz her muß steht außer frage.
nur bin ich bei herrn kirchhofs modell mehr als skeptisch. es stinkt förmlich nach neoliberalismus! seit jahren wird auf höchster politischer ebene lohndumping betrieben. vor allem im osten macht sich das bemerkbar. viele, wie auch ich, halten sich mit temporären jobs über wasser. eine schwangerschaftsvertretung hier, eine krankheitsvertretung da und dort mal ein befristeter 40h-job für ein halbes jahr und hier noch mal ein 30h-job für 3 monate. man kommt hier garnicht mehr dazu, sich wenigstens das halbe jahr arbeitslosengeld zu erarbeiten und landet nach beendigung des beschäftigungsverhältnisses wieder beim hiv-regelsatz bzw. war man eh aufstocker. und ich habe in meinem berufsleben bei 40h und steuerklasse 1 bisher nie mehr als 1200€ netto bekommen. als dipl.-ing. =) das ist gerade hier im osten usus, trägt auf arbeitgeberseite aber riesige früchte. bei kirchhofs modell ist man selbst mit niedrigen einkommen auch schnell bei den 20% oder 25% dabei. einfach mag sein modell sein, spielt aber der neoliberalen markt- und beschäftigungspolitik geradezu in die hände. ich unterstelle herrn kirchhof einfach mal, das er bei seiner modellberechnung gerade diese lohnentwicklung einberechnet hat und dem lohndumping bewusst so weiter vorschub leisteten will.
und 20001€ p.a. minus 25%, bleiben ca. 1250€ netto. davon macht man keine großen sprünge. das ist ungefähr das, was ein alleinstehender mit auto, wohnung und gängingen versicherungen im monat braucht um sich auch noch ein bisschen auf die hohe kante zu legen. jammere ich da auf zu hohem niveau oder wie sind eure erfahrungen?
vom linearen verlauf ab 20000€ will ich hier garnicht reden, sonst platzt mir die hutschnur. so ein arsch!
Hey Staat!?
Ich würd immernoch gern die Zaubersteuer zahlen.
Aber wenn ihr nicht wollt,dann leckt mich doch am Arsch.
Bleibt umsomehr für mich. :-p
Mfg
Der Kommentar mit der Mehrwertsteuer hat mich erschrocken. Damit ist die Mehrbelastung unterer Einkommensgruppen dann wirklich offenkundig, sollte so etwas erforderlich sein zur Gegenfinanzierung. Gegenfinanzierung ist eigentlich auch meine Hauptfrage:
Behauptet Kirchhof, dass sein Vorschlag Einkommensneutral ist? Wie kann das denn bitteschön sein? Sollte das stimmen, dann wäre das ja auch nur ein Indiz dafür, dass der Spitzensteuersatz tatsächlich von niemandem in diesem Land gezahlt wird, oder?
Wenn das ganze auf eine Entlastung hoher Einkommen hinauslaufen sollte – wovon ich mal ausgehe – haben wir doch wieder das Problem, dass es zuviel Kapital gibt, dass keiner produktiven Nutzung zugeführt werden kann und daher auf den Kapitalmärkten landet und somit den Casino-Kapitalismus verschärft. Und hier beißen sich die Freihheits-Fanatiker in den Fuß: Die Liberalisierung der Finanzmärkte ist doch nun wirklich das beste Beispiel dafür, was für ein Mist rauskommt, wenn man den Akteuren zu viel Freiheit gibt!
Homo homini lupus!
Warum kann eigentlich niemand diesem Volk erklären, dass wir ne Vermögenssteuer brauchen, die 25% Anlage KAP eine Frechheit ist und wir nen höheren Spitzensteuersatz brauchen? Es gibt einfach zu viel nutzloses – leider nicht wertloses – Kapital im System. Wegen mir auch mal 3 Monate Hyperinflation. Köme dann aufs gleiche raus.
Es wird dem “Volk” ja schon regelmäßig erklärt. Es hört nur nicht zu und/oder will sich damit nicht auseinander setzen. Für die meisten Menschen sind Steuern schlecht. Sie hassen sie manchmal regelrecht. Diese ganzen Brutto/Netto-Nebelkerzen gespickt mit “Die gesetzl. Vorsorgeeinrichtungen sind tot”-Knallkörper haben doch voll gesessen. Ich bin regelmäßig nur noch am Kopfschütteln, wenn ich mitbekomme, wie selbst Leute vom Fach diesem Lügenkonstrukt zum Opfer gefallen sind.
Und wenn es dann doch erkannt wird, sieht man doch nur Resignation in den Augen. Sie haben aufgegeben, weil sie erkannt haben, dass ihre Stimmer nicht mehr zählt. Die zählt aktuell doch nur noch, wenn man genug gespendet hat.
Bleibt noch die Straße; aber auch davor haben die meisten Angst. Man könnte ja ein Auge verlieren oder in U-Haft genommen werden und wenn das dann der Chef oder der Nachbar mitbekommt…
Es ist erschreckend…
Schönen guten Tag,
Ich habe leider, aufgrund meines doch relativ jungen alters, wenig Ahnung von diesem Thema und kann wohl auch wenig dazu beitragen. Deshalb versuche ich auch viel darüber zu lesen und zu verstehen. Als regelmäßiger Besucher des Spiegelfechters (und der Kommentarreihen) bin ich der Meinung, hier doch oft geistige Übereinstimmung zu finden (auch wenn mir das erst später bei Recherchen klar wird)
Steuer”geschichten” fallen mir allerdings noch recht schwer, auch aufgrund meines relativ geringen Kontaktes mit der Steuererklärung (gar keine) und dem generellen tiefen Verständnis und Zusammenhanges.
Was mir aber noch zu meiner Meinungsbildung fehlt ist ein Überblick über den IST-Zustand. Zum einen beklagt man sich über das “verschwinden” von aber Milliarden durch Steuerhinterziehung, wo ich mich auch frage wo diese herkommt (auch (teil)legal durch die Schlupflöcher?), zum anderen aber an dem bestehenden hängt, es verteidigt und es zu vergleichen heranzieht.
Ist es so, dass diese fehlenden Milliarden auch fehlen würden wenn die Schlupflöcher weg sind? Es also schon Probleme gibt, dass zu versteuernde Einkommen richtig zu beziffern und es bei den Tricksereien eher darum geht das zu versteuernde Einkommen zu senken? Denn DANN macht der kirchhoffsche Ansatz in meinen Augen keinen sinn. Ist es allerdings so, dass die fehlenden Milliarden dadurch zustanden kommen, dass ich zwar ein hohes zu versteuernden Einkommen habe, durch Steuertricks (und auch Lügen die nicht überprüft werden wegen dem Mangel an Steuerfahndern) aber mein Steuersatz massiv drücken kann, und zwar unter den Wert einer Flat-Tax (wie auch immer dessen Höhe ist, dass ist in meinen Augen verhandelbar), DANN macht solch ein Ansatz meiner Auffassung sinn.
Ich finde man kann lange über das Für und Wieder Diskutieren aber bis jetzt ist diese, für mich ausschlaggebenden, Kernfrage nicht abschließend beantwortet. Die Riege der Fürsprecher setzt doch darauf: “Durch die Abschreibungen ist es möglich, trotz hohen Einkommens, einen niedrigeren Steuersatz zu erhalten als vorgesehen, ‘niemand’ zahlt den Spitzensteuersatz!(Um ne Zahl zu nennen nur 18% anstatt rund 47%) Jetzt zahlen ALLE mindestens 25% und deshalb nominell mehr, es gibt keine Auswege! ”
Die Gegenseite rechnet vor, mit der Annahme es würde über weite Teile ziemlich genau der Spitzensteuersatz entrichtet, dass NATÜRLICH dann eine Verminderung des steuerlichen Aufkommens zur Folge hat; wie sollte es auch anders sein?
Für mich ist hier nicht die Frage welches System ist besser, sondern welche Prämisse ist die Richtige auf dessen Grundlage sich die Lager Stützen. Und hier fehlt mir halt einfach das Wissen oder die Fähigkeit mir das Wissen anzueignen.
Weil mir eben genau zu diesem Punkt hinreichendes Wissen fehlt, bin ich nicht in der Lage das ausreichend zu beurteilen. Ich würde mich freuen, wenn mir einer helfen könnte diese Lücke zu füllen.
Ganz am Anfang muss man wissen, wenn der Steuersatz größer null ist, ist es ökonomisch immer reizvoll, sein Geld vor der Steuer zu verbergen oder schwarz zu arbeiten. Lass dir also von keinem selbsternannten Experten erzählen, dass man Steuersätze senken muss, um die Kapitalflucht zu stoppen, oder Schwarzarbeit zu begrenzen oder – ganz und gar – bereits geflüchtetes Kapital zurück ins Land zu holen…
Ansonsten gilt, wenn man keine Transparenz schafft, dann wird es immer Betrug geben.
Transparenz ist zum Beispiel, wenn man Steuern auf Outdoor-Swimming-Pools erhebt, und dann mit google-earth den Echt-Bestand gegen den gemeldeten Bestand abgleicht.
Transparenz ist auch, dass mein Arbeitgeber meine Lohnsteuer direkt abzieht und dem Schäuble überweist, bevor ich eine Chance habe, das Spiel zu meinen Gunsten zu manipulieren.
Transparent ist leider auch die Mehrwertsteuer, weswegen deren Erhöhung auch so berechenbare Folgen hat.
Intransparent ist vermutlich vieles, wovon ich nichts weiß, denn ich habe kein Vermögen und daher keine Motivation, jemanden dafür zu bezahlen, mir meine Möglichkeiten aufzuzeigen…
Möchtest du damit andeuten: ich kenne (und vielleicht bis auf eine handvoll Personen niemand anders) die Zahlen nicht, weil sie Aufgrund der Intransparenz nicht bekannt sind?
Schade, dass ich einfach zu wenig Ahnung von dem Thema habe sonst würde ich selber gleich anfangen es auszurechnen :D
Was braucht man denn?
1. Den Anteil des Bundeshaushaltes, der aus Einkommenssteuer generiert wurde. Also einfach die gesamt Einkommenssteuer.
2. Die Einkommensverteilung; wie viele Leute haben das und das Einkommen.
Wenn ich nun auf diese Einkommensverteilung die Steuern anwende, müsste ich auf den Betrag von [1.] kommen. Liegt [1.] drunter habe ich gerade den Mechanismus der Abschreibung entdeckt (ich schätze das mal so auf 1/9 – 1/5). Liege ich deutlich drunter müssen die Einkommen nicht nach dem vorgeschriebenen Satz besteuert sein.
Liege ich da so falsch? Und gibt es diese Daten überhaupt? Bei [1.] würde ich drauf wetten. Bei [2.] bin ich mir nicht sicher ob diese für die genannte Untersuchung ausreichend sind.
(Bin immer noch dankbar für Hinweise, die mein seltsames Denken ad absurdum führen, ich fühle mich nämlich sehr unsicher in dem was ich hier mache und denke :) )
Das Statistische Bundesamt – Jens Berger kennt sich da sicher besser als ich aus – erstellt ja regelmäßig die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und darin enthalten das Bruttoinlandsprodukt. Das wird dann sehr schön in drei Darstellungen aufgemalt: Entstehung, Verwendung Verteilung. Und ich bilde mir ein mich daran zu erinnern, dass dort klipp un dklar steht, dass es für die “Verteilung” keine hinreichende Datenlage gibt, so dass dort einige Posten aus den anderen Darstellungen abgeleitet werden müssen (weil ja gilt, dass die Summe bei entstehung, Verwendung und Verteilung gleich sein muss). Tja, und was steht inhaltlich bei “Verteilung”? Die Verteilung der Einkünfte… also könnte man daraus schließen, dass die genauen Einkünfte niemand kennt…
Es gibt ja auch nur unzuverlässige Schätzungen über Schwarzgeld, Schwarzarbeit, usw… das kann man eben nicht messen. Steuerhinterziehung pro Jahr? Schwanken da die Schätzungen nicht zwischen 30 und 100 Mrd. EUR pro Jahr?
Ist nicht eine der Kernthesen von Kirchhoff, dass Vielverdiener derzeit durch die Abschreibungen nicht eh schon weniger als 20% an Steuern zahlen? Ich als Laie verstehe nicht, warum der Professor dann keine Statistik zeigt, wieviel tatsächlich gezahlt wird. Hat da jemand eine Zahl?
Bei der Berechnung der dargestellten Tabellen wurden doch wahrscheinlich die derzeit geltenden Steuersätze für Vielverdiener zu Rate gezogen. Sollten die real gezahlten Steuern aber gar nicht diesem Prozentsatz entsprechen, hinkt der Vergleich doch irgendwo, nicht?
Kann mir jemand auf die Sprünge helfen?
Danke! Mir geht es ähnlich wie Dir, was man ja aus meinen Post genau über dir lesen kann. Scheinbar konntest du das Problem aber in kürzerer Weise erfassen :) Jetzt sind wir schon zwei, die an der Beantwortung dieser Frage ein Interesse hegen :)
36-39′% destatis.de hilft immer.
Danke für den Tipp! Ich bin aber scheinbar zu blöd die passende Seite zu finden – hast du die vielleicht noch in der History? :)
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/FinanzenSteuern/Steuern/LohnEinkommensteuer/Aktuell,templateId=renderPrint.psml%29
Nanu? Man kann hier nach Ablaufen der Zeit gar nicht mehr den Beitrag editieren?
Dann halt so:
Das einzige, was ich gefunden habe ist:
(Link)
Demnach komme ich auf ca. 35% und läge damit ja in dem von dir genannten Rahmen.
Super! Sollten das die gesuchten Werte seien, dann ist DAS doch genau die Bruchstelle, die die Argumentationskette der Befürworter zum reißen bringt und nicht irgendwelche Vergleichsrechnungen. Hieran sieht man doch erst die angesprochene Steuererleichterung oder nicht?
Hehe, Sie habens gefunden:)
Schön, super!
Ich verstehe aber nicht, warum Herr Kirchhoff diese Zahl nicht selber anbringt. Sicher, 35 > 25, aber wenn man sowas sagt, sollte man doch wenigstens einen Bezugspunkt haben…
Ich habe noch bei der Steuerart – der Einkommenssteuer – Bedenken. Wie verhält die sich zusammen mit der Körperschaftssteuer? Oder kann ich bei der definitiv davon ausgehen, dass wirklich 15% erhoben werden?
Interessant wäre jetzt die Einkommensverteilung der Reichen zu sehen wie der relative Anteil der Körperschaftssteuer zu Buche schlägt und ob sich der Betrag mit der Differenz von 10% bei der Einkommenssteuer relativiert, oder gar in eine bestimmte Richtung (wenn ja, welche?) ausfällt.
Im Ernst – warum bekomme ich davon nirgends etwas zu lesen (Ich bin zwar Laie, aber selbst wenn ich danach suche, weil ich interessiert bin finde ich nichts)?!
Effektive Steuerquoten von über 30% gibt es nur bei wenigen Höchstverdienern, den obersten 0,1% vllt. Die gesamten oberen 10% kommen im Schnitt auf 23-24% (DIW 2004/2007), im Top-Dezil gibt es zahlreiche mit unter 15%. Im 9. Dezil liegt die effektive Quote bei 15% im Schnitt. Geht runter in den Dezilen bis 4%, bezogen auf Bruttoeinkommen – und zunächst aufpassen: nicht zu verwechseln mit dem Grenzsteuersatz von 25%. Mit diesen 25% werden die effektiven Quoten der oberen Dezile angehoben (immer weiter bis auf tatsächlich 25%), insb. im obersten Dezil. Für die unteren ändert sich kaum was bzw. gibt es Entlastungen. Deren effektive Quote bleibt bei 4-10% vllt. Was am Kirchhof-Modell urspr. bemängelt/befürchtet wurde, sind die eventuellen Einnahmenverluste bei den wenigen Super-Höchstverdienern aus dem Top-Dezil. Die oberen 0,1%, also ein Hundertstel des oberen Dezils, machen 8% der gesamten Einkommen-Steuereinnahmen aus. Und dass SF nicht die deutlich niedrigeren effektiven Sätze bei seinem Verriss nimmt, sondern die vollen irrealen 42% – die nicht zutreffen, was er ganz genau weiß – kann nicht mehr mit einem Versehen oder Irrelevanz entschuldigt werden. Er führt den Leser bewusst in die Irre. Die Entlastungstabellen sind für die Tonne – vollumfänglich. Gerade weil die nominalen Sätze sinnlos sind, vor allem bei den Besserverdienern, gibts das Kirchhof-Modell.
In einer Welt mit weniger Regeln gibt es immer enorme zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für wenige.
Die Finanzkrise war die Folge von weniger Regeln.
Überlasse den Markt sich selbst, dann geht es den Millionären immer gut, denn es gibt ja im Notfall die Steuerzahler.
Es wäre eine Verhöhnung der Menschen, jetzt während der Krise für die Geretteten die Steuern überproportional zu senken.
Die Mehrwertsteuer ist nur eine Einnahmemöglichkeit der öffentlichen Haushalte.
Gebührenerhöhungen sind eine andere Form , die ungerecht die Haushalte mit den niedrigsten Einkommen überproportional belasten.
Reiche können sich zur Not private Dienstleistungen leisten.
Ich bin nicht gegen jede Gebührenerhöhung.
Eine PKW_Maut würde externe Kosten (Umweltbelastung) individuell den stärksten Verursachern zuordnen.
Wie ist das zukünftig?
Ist den Selbstständigen immer noch der teuere Firmenwagen und dessen Unterhalt (betrieblicher Aufwand) aus Steuermitteln zu erstatten?
Das wäre mal ein Eingriff in die Realwirtschaft.
Weniger Nachfrage von Autos aus Baden-Würtemberg, dafür mehr Nachfrage nach Produkten , die vielleicht in Mecklenburg-Vorpommern hergestellt werden.
Ich merke schon, so eine einfache Reform, kann unendlich viele komplexe Nebenwirkungen haben.
Z.B. wurden die Einnahmen aus der letzten Mehrwertsteuererhöhung zu 100% dafür verwandt, die Unternehmenssteuern und die Arbeitslosenversicherungsbeiträge zu senken.
Leider wurde der Teil der Mehrwertsteuereinnahmen , der in die Taschen der Arbeitnehmer, durch die Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge geflossen ist, durch die Arbeitgeber deren Macht durch die Massenarbeitslosigkeit enorm gestiegen ist, am Verhandlungstisch wieder einkassiert.
Das hat die relative Wettbewerbsposition unserer Unternehmen
im Vergleich zum Ausland natürlich gestärkt.
Vielleicht war dies für die SPD die einzige Möglichkeit, die Versprechen der Agenda 2010 auf mehr Arbeitsplätze zu retten.
Die Haben wir jetzt in Deutschland, dafür gibt es aber immer weniger Arbeitsplätze in den anderen europäischen Ländern.
Warten wir die weitere konjunkturelle Entwicklung ab.
Erstmal haben die Konjunkturpakete I + II, im Umfang von 120 Milliarden Euro, erstaunliches geleistet.
Viele Bürger sehen konkret wofür ihr Geld verwandt wurde.
Die Schilder gefördert mit Mitteln aus dem KonjunkturpaketI oder II sind in den Städten unübersehbar.
Nach Kirchoff ist dies nicht mehr möglich.
Unsere EZB ist nicht die FED, die zur Not Geld druckt.
Ich finde es macht einen Unterschied ob es gar keine Regeln gibt, so wie bei der Finanzkrise, oder enge, nicht “aufweichbare” Regeln wie bei einer Flat-Tax. Wenn ich den Regelkatalog reduziere, dann reduziere ich auch den Handlungsspielraum, die Möglichkeiten mich darin zu bewegen. Ich finde es ist das genaue Gegenteil von dem, was du Aussagen wolltest! Durch das verknappen des Handlungsspielraums “verschärfe” ich doch das Regelwerk, es gibt keine Ausflüchte mehr. Ansonsten habe ich dich falsch verstanden!
Aber das würde doch jetzt schon möglich sein. “Grauzonen raus streichen” bedingt doch nicht, dass ich den Steuersatz minimiere. Reicht die Abgeltungssteuer als Negativbeispiel denn nicht?
Das ist ja das Perverse am Kirchhoff-Modell. Man könnte viele schöne Begleiteffekte auch haben, OHNE den Flat-Tax-Tarif einzuführen. Man kann auch OHNE Änderung des Tarifs einfach mal Ausnahmen entrümpeln. Das Vereinfachungs-Argument ist doch die Verpackung, mit der man die eigentliche Steuer-Absenkung dem Hanswurst schmackhaft machen möchte.
Man könnte das Gesamtpaket auch direkt “Verarschung” nennen.
Volle Zustimmung…
Problem ist und bleibt, dass es die wenigsten begreifen. Auch ein Umstand, den wir den völlig überladenen Steuergesetzen zu verdanken haben. Leider…
Für mich ist die Flat-Tax, in der Argumentationskette der Befürworter, ein Entgegenkommen, ein langsames Angleichen an den Sollzustand. Unter der Annahme meiner oben geschilderten Prämisse, Spitzenverdiener zahlen real deutlich zu wenig Steuern (was es zu klären gilt), würde es schon sinn machen eine Erhöhung von 18% (um mal irgend eine Zahl zu sagen, die ich wie gesagt nicht kenne) auf 25% anstatt gleich auf 47%; solch ein riesen Sprung wäre einfach schwerer durchzusetzen. Wie oben schon erwähnt, ich für meinen Teil finde die Diskussion darüber unsinnig, wenn man die Prämisse nicht kennt, nicht weiß ob sie stimmt. An dieser Stelle muss ich dann, auf Grund meiner Unkenntnis, aussteigen – weil es keinen Sinn hat über Szenarien zu reden dessen Prämisse man nicht kennt.
@Tantalhafniumcarbid
Das hängt von den individuellen Gegebenheiten und den vorhandenen Kenntnissen um die Möglichkeiten ab.
Das beste Beispiel lieferte doch die Abgeltungssteuer. Dank der Abgeltungssteuer sind nun die Einkünfte aus Kapitalvermögen pauschal mit 25%+Soli fix und raus aus der Berechnung. Zählt man nun noch die übrigen Einkünfte zusammen und landet dann bei ‘nem individuellen Steuersatz von vllt. 28%, hat sich die Abgeltungssteuer ggf. schon steuermindernd ausgewirkt, weil man nach altem Recht vllt. bei nem Steuersatz von 36% gelandet wäre. Man hatte in diesem Beispiel jetzt also ggf. das Glück, dass für die Kapitaleinkünfte eine geringere Steuerlast angefallen ist.
Ich habe in der Praxis zumeist feststellen “dürfen”, dass die Abgeltungssteuer günstiger gewesen ist als eine Besteuerung nach altem Recht…
Es gibt einfach keinen Grund, Gnade mit Topverdienern zu haben, und ihnen die real abgeführte Steuer von 18 auf 25% zu erhöhen, statt direkt von 18% auf 42/45/47% zu gehen. Wieso das Entgegenkommen? Wir können uns das einfach nicht länger leisten! Man darf sich da auch nicht von wegen Kapitalflucht und Auswanderung erpressen lassen. Sollen doch alle gehen, die das androhen… das will ich mal sehen. Zumal die Erpressung ja immer funktioniert, so lange wir nicht den dumpingsten aller Dumpingsteuersätze haben.
Wie war das damals bei Schumi? 1 Mio. zahlt der da gerüchtehalber in seinem Kaff in der Schweiz? Bei wie viel Einkommen pro Jahr? 50 Mio. mindestens, damals zumindest… Also 2% Einkommenssteuer, ist das der akzeptabel Rahmen? Will man sich auf dieses Niveau – fiskalisch und diskurs-intelektuell – begeben?
(Zahle selber Spitzensteuersatz – aber nicht die “Reichen”steuer – klar tut’s weh auf dem Gehaltszettel, aber hat ja nun mal seinen Grund.)
@CheckervonBeruf: auf dein Kommentar: “Es gibt einfach keinen Grund,..” leider weiß ich nicht, wie ich direkt darauf Antworten kann.
Ja natürlich, das wäre das Ideal, was man ja auch mit der jetzigen Steuerprogression erreichen will. Meine Intention ginge ja auch eher in die Richtung “kleineres Übel”. Wenn die Zahlen so gewesen wären wie behauptet (anscheinend sind sie es nicht) hätte sich doch eine Erhöhung eingestellt.
Angesichts der Tatsache, dass hier anscheinend die Leute mit der Kohle das Sagen haben, ist das durchsetzen einer Erhöhung von 18% auf 25% wahrscheinlich einfacher durchzusetzen als von 18% auf 47%, darum ging es mir. Deine Ansicht ist, auch in Anbetracht das meine hypothetischen 18% Blödsinn waren und es eher um die 35% sind, völlig richtig! Das war ja auch mein Hauptproblem, danke an alle für die Aufklärung!
warum glaubt man eigentlich in Deutschland, dass die Vereinfachung des Steuerrechtes zu mehr Wirtschaftswachstum fuehrt? Sehen wir uns doch einmal die vereinfacher Staaten wie z.b. UK an. Hier gibt es das Kirchhofmodell, aber hat es die Wirtschaftskrise deshalb besser abgefedert?
Das Steuerrecht ist immer Ausdruck einer Gesellschaft, die ihre pluralistischen Interessen mehr oder weniger materiell gerecht austariert sehen will…und natuerlich kann beklagen, dass in Deutschland alles zu kompliziert ist…aber vielleicht sind die Deutschen auch mehr dazu hingeneigt, es jedem 100% recht machen zu wollen.
Von daher, das ganze Thema ist bei Weitem nicht so wichtig, wie es scheint.
So ein Quatsch!
In U.K. gibt es ein Stufenmodell: 20%, 40% und 50%.
Zum Nachrechnen:
http://listentotaxman.com/index.php
oder:
http://en.wikipedia.org/wiki/Taxation_in_the_United_Kingdom#Personal_taxes
also, da ich in UK wohne und paye mache, kann ich das auch beurteilen: Das Tax System kennt kaum Abschreibungsmoeglichkeiten – meine letzte Steuererklaerung habe ich vor 10 Jahren in Deutschland gemacht -. Hinzu kommt, dass die Grossverdiener mit dem Inland Revenue Office (Finanzamt) einen Deal aushandeln koennen, der sie berechtigt, lediglich einen bestimmten Steuersatz zu entrichten (damit soll die Steuerflucht unattraktiv gemacht werden).
Im Sinne einer Vereinfachung ist es daher sehr wohl ein Kirchhofmodel hier in UK und es hilft den betroffenen Staaten eben ueberhaupt nicht.
Das Stufenmodell in U.K. mit einem Höchstsatz von 50% ist aber ein erheblicher Unterschied zum flat tax modell von Kirchhof.
Zudem gibt gibt es keinen festen Satz zur “National Insurance”, sondern es wird prozentual gezahlt (die Kurve flacht nach oben allerdings ab) – d.h. im Extremfall auch, wer kein Einkommen hat, ist versichert ohne einen Beitrag zu leisten – im Pensionsalter sind übrigens keine Zahlungen mehr fällig (so wie auch keine Fahrscheine für mehr für den Londoner Bus gelöst werden müssen).
Bei Kirchhof wären es 25% Einkommenssteuer für alle.
Als ich London lebte, verblüffte mich die Klarheit der Einkommenssteuererhebung und die geringen Abschreibungsmöglichkeiten auch).
Kirchhof vergißt zwei Dinge: 1.) Die Einkommensteuer trägt überhaupt nur 5% zu den Gesamtsteuern bei. 2.) Für Kleinverdiener sind die Sozialabgaben (20%) und die Mehrwertsteuer (19%) das Problem, nicht die weiteren 5 oder 20%.
Es ist unvorstellbar, mit welcher Praxisferne verbeamtete Professoren Vorschläge machen, die selbst mit 7000 Euro Pension rechnen können.
Ausgerechnet sie profitieren vom Kirchhof-Modell am meisten, denn sie konnten auch bisher nur wenig abschreiben und mussten daher den Höchststeuersatz bezahlen.
Wie mit Kirchhofs Modell 2 Billionen Staatsschulden getilgt werden sollen, was doch etwa 200 Milliarden pro Jahr Steuermehreinnahmen bedeutet, bleibt völlig unerwähnt.
Fazit: Man sollte nicht mehr nur Beamte in Steuersachen hören.
Wer will denn die Staatsschulden vollständig tilgen? Ich möchte doch auch morgen noch beim Bäcker Brötchen kaufen!
Das zentrale Problem bei Kirchhof ist, dass er das Geschäftsmodell des Staates nicht verstanden hat, obwohl der lange Jahre Verfassungsrichter war.
Wäre das Volk nicht ganz so dumm und Pawlow-mäßig egoistisch fixiert, hätte Kirchhof keine Bedeutung.
Über andere (negative) Einkunftsarten konnte dieser Personenkreis durchaus auch etwas “abschreiben”, also Steuerforderungen in die Zukunft (mit tendenziell niedrigeren Sätzen) verlagern.
Staatsschulden werden bisher bei Fälligkeit immer getilgt. Wer es als zentrale Hauptaufgabe ansieht, den Schuldenberg abzutragen, sollte erklären, wozu das gut ist und dabei die (Neben-)Folge-Erscheinungen erklären und billigen können.
du vergisst auch zwei Dinge:
1.) Auch die Lohnsteuer ist ein Teil der Einkommensteuer, wird nur meist vergessen bzw. in der allseits bekannten “Steuerspirale” oft vergessen. In der Summe ergeben Lohnsteuer und veranlagte Einkommensteuer (= auf alle anderen Einkunftsarten außer nichtselbständiger Arbeit) den zweitgrößten Anteil (knapp nach der Mehrwertsteuer) am gesamten Steueraufkommen.
2.) Bezieht sich Kirchhoffs Modell nicht nur auf die Einkommensteuer, sondern betrifft auch andere Steuerarten wie beispielsweise die Erbschaft- und Schenkungsteuer, die lt. seiner Modellrechnung diesbezüglich ein wesentlich höheres Steueraufkommen als bisher erwarten lassen
Fazit: Man sollte auf die Leute hören, die sich auch tatsächlich mit Steuerrecht auskennen. Allein die Misshandlung steuerlicher Fachbegriffe, wie sie hier in den Kommentaren und auch im Artikel betrieben wird, lässt auch nicht annähernd auf ausreichende Fachkenntnis schließen.
Ich hab grad ein Déjà-vu
Hat die Merkel diesen Transfergeldempfänger nicht schon mal aus dem Hut gezaubert und ist gnadenlos auf die Fresse gelandet?
Für wie blöd hält diese Verbrecherregierung eigentlich das Volk?!
http://www.blog.de/media/photo/25prozent/5678822
Sie hat da eine durchaus realistische Einschätzung der Intelligenzleistung des Volkes, die eindrucksvoll bei der Bundestagswahl bestätigt wurde. Nicht umsonst pflegt sie bei ihren Reden den Tonfall eines Märchenerzählers im Kindergarten – der Großteil der Deutschen ist strunzblöd und so wählen sie auch:
Schwarz – Lug und Betrug
Rot – Lug und Betrug
Schwarz-Rot – Lug und Betrug
Rot-Grün – Lug und Betrug
Schwarz-Gelb – Lug und Betrug
Schwarz-Grün – Lug und Betrug
usw.
Die Spanier haben wenigstens ein 2-Parteien-System. Bei uns gibt es nur eine.
@schwitzig, 3. Juli 2011, 09:05 Uhr
Du schreibst:
“Die Spanier haben wenigstens ein 2-Parteien-System. Bei uns gibt es nur eine.”
So weit ich informiert bin, ist das “Sparprogramm” der spanischen Sozialisten so ausgelegt, daß es durchaus auch von einer konservativen bzw. wirtschaftsnahen Partei stammen könnte: Schonung der Reichen, drastische Belastungen für die Armen. Spanien scheint in diesem Sinne also ebenfalls über nur “eine” Partei zu verfügen
Wir leben eben in einer Kollaboratur.
(Als würde Rotkäppchen mit dem bösen Wolf zusammenarbeiten)
Ob nun fahrlässig oder vorsätzlich, spielt im Endeffekt auch keine Rolle mehr.
fahrlässig = durch systembedingte Sachzwänge verursachte Politik
vorsätzlich = bewusste Täuschung von Anfang an
Alle Jahre wieder taucht Merkels Wunderwaffe auf wie Saddam aus seinem Erdloch. Genau dann, wenn Merkel selbst die Themen ausgehen und sie sich bei keiner anderen Partei bedienen kann. Selbstachtung ist wohl keine Stärke des Herrn Kirchhof!
Die Tabelle geht offenbar davon aus, dass Menschen mit hohen Einkommen derzeit die nominalen Steuersätze zahlen. Das ist aber nur selten so. Durch unzählige Optimierungsmaßnahmen, die mit dem Kirchhof-Model komplett wegfielen, drücken viele Großverdiener ihre tatsächliche prozentuale Steuerlast oft auf das Niveau, das Normalverdiener bereits haben.
@Serious Sam, 1. Juli 2011, 22:29 Uhr
Nach meiner Einschätzung ist dies in dem von Jens Berger verwendeten Datenmaterial des Statistischen Bundesamtes bereits berücksichtigt.
Thomas Eigenthaler, Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, in einem Interview mit der Badischen Zeitung:
“Aber was bedeutet zum Beispiel die Flat Tax von 25 Prozent in der Einkommensteuer? Sie bedeutet, dass all die Bürger, die heute wegen ihrer hohen Bezüge deutlich höhere Sätze bezahlen, eine enorme Entlastung erfahren. Diesen Ausfall im Steueraufkommen der öffentlichen Hand fängt Kirchhof zum Beispiel dadurch auf, dass Arbeitnehmer Fahrkosten nicht mehr geltend machen können oder auf die Zuschläge für Sonntags- und Feiertagsarbeit Steuer fällig wird. Er verteilt also zwischen Arm und Reich zu Lasten der unteren und mittleren Einkommen um. Auch muss man bei den Fahrkosten bedenken, dass das Nettoprinzip zu gelten hat: Was jemand aufwendet, um überhaupt Einkommen erzielen zu können, muss er geltend machen können. Und nur auf das so entstehende Netto ist dann die Steuer anzusetzen.”
Eigenthaler sagte darüber hinaus:
«Sie (die Kirchhof-Pläne) sind absolut unbezahlbar und zutiefst ungerecht.»
Selbst die CSU lehnt das Kirchhof-Konstrukt ab. Die Süddeutsche Zeitung schreibt unter Bezugnahme auf den CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt:
“Dobrindt sagte, Einfachheit und Gerechtigkeit widersprächen sich oft. «Die Komplexität des Lebens spiegelt sich in diesem Steuerkonzept nicht wider, deshalb gibt es doch die Ausnahmen.» “
Ganz ohne Zweifel. Gut, dass es keinerlei Chance gibt, dass sie jemals realisiert werden.
Alles was SINN macht, wie Gysi’s Forderung “Alle zahlen in die Rentenkasse ein” hat in Deutschland keine Chance. Googelt mal wer alles nicht in die Rentenkasse einzahlt, da findet man u.a. Politiker und Steuerberater.
Noch Fragen?
Der Artikel arbeitet sauber in Steuerberatermanier die Ungerechtigkeiten des Kirchhof-Modells heraus.
Ich hätte mir mehr politische Bewertung gewünscht, ohne hier bei in VT zu verfallen oder ein blindes, linkes Einschlagen auf die “anderen” auszuleben. Die Bewertung ist zu indirekt.
Es ist mir klar, dass hierzu die Faktenlage klein ist.
Mit dem unrealistischen Vorschlag von Kirchhof wird ein Knochen serviert, der kein Fleisch hat und dazu dienen soll, um von der Schieflage der Einkommen abzulenken.
Der SF hat “Biß” verloren, seit Jens Berger eine verantwortungsvolle Position bei den NachDenkSeiten (was sehr gut ist) übernommen hat. Vielleicht ist dieses eine normale Entwicklung.
Viele Kommentatoren zerreden mit Details den Artikel in seiner Aussage (vorsätzlich?) noch mehr.
Gustav Le Bon
Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht stets ihr Opfer.
Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.
Heute vernommen, daß der US Staat Minnesota endgültig pleite ist. Bis zuletzt konnte der demokratische Gouverneur “Schießmichtot” kein Übereinkommen mit den Republikanern erzielen für die ca. 7500 einheimischen Millionäre die Steuern zu erhöhen. Es geht um Schulden in Höhe von ca. 5 Milliarden US Dollar. Jetzt hat Minnesota dicht gemacht und seine 5 Millionen Bürger und fast sämtliche Staatsbedienstete und Abhängige schauen so ziemlich in die Röhre. Brave new world !
Nö, sondern eine ganz alte “Kiste” die auch unter dem Namen Nachtwächterstaat bekannt ist. Die schicken (fast) alle nach Hause, außer die Personen die die öffentliche Ordnung aufrecht erhalten sollen. Diese “Strategie”/ Entwicklung dürfte den neolibs (früher hießen die Laissez-faire-Liberale) gerade recht sein.
Ich *hoffe* das unser GG dieses Übel ausschließt!
Meiner Meinung nach viel Wind um nichts . Warum Hulverscheidt von der Süddeutschen meint das Konzept und Person es verdienen daß sich die Politik mit ihnen befasst weiß ich nicht .. Kirchhof’s Modell belastet die ohnehin geschröpfte Durchschnittsbevölkerung und ist bestenfalls geeignet Humankapital auf den Finanzämtern zu Lasten der immer weniger werdenen Beitragszahler frei zu setzen .. oder einfacher B U L L S H I T
Die Henne gackert … aber wo ist das Ei ?
666
Ich verweise einfach auf einen Beitrag von mir in der Freitag-Community: http://www.freitag.de/community/blogs/dennis82/warum-einfach-einfach-daemlich-ist
@Dennis82
Hallo,
wenigstens mal eine ausführlichere Kritik, die mich aber genausowenig überzeugt, weil Fakten unterstellt werden und intuitiv geschätzt werden, die so eben nicht zutreffen (siehe auch mein Posting bei Nr. 21 ganz unten und http://www.diw.de/documents/publikationen/73/43556/05-36-2.pdf ). Du gehst davon aus, dass der effektive Steuersatz der Besserverdiener weit über 25% liegt. Das trifft eben nicht zu. Er liegt nur drüber …
bei den Top 0,03% (10.000) – effektiv ca. 35%,
bei den Top 0,1% (29.000) – effektiv ca. 30%,
bei den Top 1% ca. 29% …
und ingesamt liegt die effektive Quote bei den Top 10% bei nur 23%. Viele aus den Top 10% zahlen weniger als 20% oder gar 15%. Trotzdem machen die Einnahmen der Top 10% daraus 51% der Gesamteinnahmen aus. Das Kirchhof-Modell entlastet untere Dezile, gegenfinanziert soll das werden größtenteils durch das Top-Dezil und teils aus dem 9. Dezil, vllt. noch aus dem 8. Deren effektive Quote soll de facto angehoben werden: steuerrechtlich und formell über die Erhöhung der Einkünfte, der Bemessungsgrundlage und des zvE. Entlastet werden danach innerhalb des Top-Dezils womöglich die Bestverdiener – und ob/wie das innerhalb der zwei oberen Dezile ausgeglichen wird, darüber streitet man sich. Dazu fehlen uns hier die Informationen. Das Kirchhof-Material ist wohl nicht zugänglich – er kennt die Vorwürfe und Befürchtungen, und meint sie seien falsch, er hätte es von Experten prüfen lassen, es gäbe keine Einnahmeausfälle. Das DIW sah 2005 eine Unterfinanzierung, siehe Link oben, aber ich finde da keine fundierte Begründung, ich lese da nur eine Behauptung ins Blaue hinein. Das iw Köln ist skeptisch und hält sich scheinbar ganz raus. Daneben gab es ungeheuren Unsinn in der FAZ u.a. damals – dass die oberen Dezile entlastet würden – teils basierend auf dem gegenwärtigen Steuersystem-Fundament, das sich aber eben ändern würde. Genauso unsinnig wie SFs Artikel hier. Und wenn es tatsächlich zu Einnahmeausfällen aus dem Top-Dezil käme – da würde notfalls eben wieder ne Reichensteuer helfen, eine weitere Stufe für die Top 0,03% oder 0,1%. Aber das Kirchhoff-Modell schröpft Besserverdiener und soll insgesamt einnahmenneutral sein. Es hat nicht den Sinn Reiche zu entlasten.
@Tobias Fuentes: Bei so einem Thema muss man halt vereinfachen… ;) Habe momentan leider nicht die Zeit, genauer darauf einzugehen (und es ist wirklich schwer, genauere statistische Daten zu den Steuersätzen zu erhalten) – nur soviel: Wer sagt dir, dass der Kirchhofsche Steuersatz ein effektiver Satz ist? Auch er behält die ein oder andere undurchsichtige Privilegierung bei, auch die integrierten Stufen verhindern, dass jemand effektiv auch wirklich mit 25%, sondern weit weniger besteuert wird. Und wo liegt eigentlich das Problem, einfach die momentanen Steuersätze wieder auf Kohl’sches Niveau anzuheben, wodurch auch die effektiven Sätze der Oberen 10.000 auch wieder ansteigen?
Wie gesagt – auf der einen Seite wird behauptet, die Leistungsträger wären unmenschlich belastet und die Steuerlast so unheimlich hoch. In dieser Debatte erlebt man die gegenläufige Paradoxe Situation, dass die gleiche neoliberale Steuersenkungstruppe argumentiert, wir bräuchten einen Kirchhof, weil die Reichen ja eh keine Steuern zahlten. Und interessanterweise klatschen dem viele Linke und Geringverdiener Beifall.
Kirchhof war übrigens lange Zeit INSM-Botschafter, was neben seinem verworfenen Halteilungsgrundsatz und seiner generellen Abneigung gegen alles (sozial)staatliche seine geistige Grundhaltung mehr als verdeutlichen sollte. Und auch, wer davon profitieren soll.
Hi, die jetzigen effektiven Steuersätze (so wie sie wie und von wem auch immer errechnet wurden und in der Diskussion verwendet werden) hängen natürlich vom Nenner ab (Einkünfte, Einkommen, zvE), der aktuell sehr variabel und beliebig sein mag. Er wird weniger variabel beim Kirchhof-Modell, bei dem sich mit steigendem Einkommen der effektive Satz immer mehr an den Grenzsteuersatz von 25% annähert. Zum Kohl’schen Spitzensteuersatz … wir hatten seit den 50ern 53/56% Spitzensteuer – allerdings bei eklatant höheren Eingangsstufen. Der Spitzensteuersatz blieb hoch, aber er hat sich immer weiter in die Mittelschicht reingefressen, vom 20fachen des Durchschnittseinkommens auf heute nur noch das 1,6fache, bei Kohl lag er etwa beim 3fachen. Nicht die Reichen wurden insoweit entlastet, die weniger Reichen wurden immer stärker belastet. Ich hatte das mal grob nachgeschaut: mit dem Steuerrecht von 1958 würden heute nur 25.000 Leute unter den Spitzensatz fallen, heute aber sind es 800.000 Leute (jdf. wie ich es letztes Jahr mal nachgeschlagen hatte). Heute schlicht nur den Spitzensatz auf das Kohl’sche Niveau anzuheben, wäre fatal für einen großen Teil der Mittelschicht, gerade sie würde überproportional damit belastet werden. Wenn schon wieder 56%, dann nur bei deutlicher Anhebung (= Rückführung) der Progression. Ähnliches hatte ja die SPD vor, von 42 auf 49% bei Anhebung der Eingangsstufe von 53.000 auf 100.000, aber dagegen hatten zB schon entscheiden die Jusos was.
Kirchhofs Modell wird doch aber nicht von der “neoliberalen Steuersenkungstruppe” bejubelt. Insb. das iw Köln, pro Steuersenkungen, war damals nicht euphorisch: http://www.iwkoeln.de/default.aspx?tabID=123&ArticleID=31209 Vielmehr wird es von der Steuergewerkschaft mit dilettantischen Vorwürfen überzogen, weil es der eigenen Klientel schadet, der fetten Finanzverwaltung, die unser bisheriges System erfordert (und ja, ich weiß, es gibt immer noch massig Steuerhinterziehung usw.). Und ist es eben so, dass vor allem Besserverdiener von Steuervermeidungsmodellen profitieren, aber dennoch effektiv höher besteuert werden als andere. Idealerweise sollten alle entlastet UND das System vereinfacht werden. Und vorrangig sind mittlere Einkommen zu entlasten. Das K-Modell entlastet untere Dezile, es vereinfacht rigoros und bestraft wenigstens manche sinnlose Steuervermeidungskonstrukte, die Kapital eh ggf. brach liegen lassen, – deswegen entzückt es mich sehr. =)
Meine Rede. So mancher rafft diese schlichte Tatsache aber nicht, wie man am, nun ja, Kommentar darunter ersehen kann.
Ich kann zu Kirchhoffs Modell nichts sagen. Bei der ersten Vorstellung war ich dagegen. Wenn man das Steuerrecht wirklich vereinfacht bekommt, die bisherigen Schlupflöcher schließt, damit die oberen Einkommen ihre Steuern zahlen und die unteren damit entlastet würden: fein. Machbar ist das sicher, ob so wie K’hoff das vorstellt oder anders.
Was mich allerdings in Jens’ Text aufhorchen lässt:
Verlese ich mich oder sind 40.000€ hier als unteres Einkommen bezeichnet? Ich kenne ja dutzende unterschiedliche deutsche Durchschnittseinkommensberechnungen, keine Ahnung wo die Wahrheit liegt, aber die meisten sehen die deutschen Bruttodurchschnittsgehälter <30.000€. Laut Brüderle sind 40k€ Akademiker (Ingenieur-) Einstiegsgehälter. Finde ich ja auch nicht viel, aber unteres Einkommen?
Die sollten einfach eine Steuerprogression einführen, die den Namen auch verdient hat, statt sich hier mit irgendwelchen Bäuchen zu befassen und Mitte gegen Unten zu hetzen.
SollTen.
Ist Jens krank, oder ausgestiegen … ?
Oder was ist mit den anderen 3 Bloggern + diversen Gastautoren?
Ps. auf den Nachdenkseiten hat Jens heute kommentiert *grins*
Das hier:
“Anmerkung Jens Berger: Wenn man die USA um etwas beneiden kann, dann um ihre Top-Ökonomen. Während Krugman messerscharf analysiert, polemisiert der berühmteste – wenn auch sicher nicht nicht beste – deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn in der WELT, dass die Griechenland-Rettung die deutschen Renten gefährden würde. Es wäre an der Zeit, Herrn Sinn einmal die Grundlagen eines umlagefinanzierten Rentensystems zu erklären.”
…ist zwar ein Indiz, aber noch kein Beweis dafür, dass er noch lebt.
ich bin erstaunt, daß sie sich haben blenden lassen. die von ihnen errechneten werte stimmen nicht, denn nach dem abzug der 13000 euro (also 8000 existenzminimum, 2000 vereinfachungspauschale und 3000 sozialausgleichsbetrag), wie sie richtig angewendet haben bestehen weitere bedingungen, die sich unterschlagen haben. von den ersten zu versteuernd 5000 euro wird 60 % von 25 % versteuert. das wären also 15 %. die nächste stufe sind 80 % von 25 % also 20 %.
in ihren beispielen ergibt sich dann bei 20000 euro: 1150 euro (zu versteuern sind 7000, davon werden die ersten 5000 mit 15 % also 750 euro und die folgenden 2000 mit 20 % = 400 euro versteuert. selbstredende ersparnis zum bisherigen modell 96 euro, also nix mit teurer für kleine einkommen.)
sorry fürs nachtröpfeln.
was mich am meisten an der kritik an kirchhof mißfällt, ist die tatsache, daß alle parameter, also die beträge, die steuersätze, die stufen durchaus variabel und diskussionswürdig sind. es wird von vielen so getan, als ob das sakrosankt wäre. ist es aber nicht. den vorschlag, der heute in der zeit war finde ich gut, denn das sollte eigentlich schon heute mit realen zahlen getestet werden. dabei könnten dann auch variationen ausprobiert werden.