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  • Ratingagenturen – ein zutiefst korruptes System

    geschrieben am 12. Juli 2011 von Gastautor

    ein Gastartikel von Werner Rügemer

    Kanzlerin Merkel, Finanzminister Schäuble und Eurogruppen-Chef Juncker sind sauer auf die drei großen Ratingagenturen, weil die durch ihre gesenkten Daumen die Kreditbedingungen für Griechenland und Portugal ständig verschlechtern und die „Rettung“ erschweren. Eine öffentliche europäische Agentur ist im Gespräch. Doch als Berater dafür ist u.a. Roland Berger tätig. Die EZB hat den Vorschlag bereits kategorisch abgelehnt; lediglich setzt sie für sich selbst das Urteil der drei Großen Drei für den Fall wie Griechenland und Portugal aus, wenn bereits europäische Finanzhilfen fließen. Das Problem ist, dass Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch der verlängerte Arm der Banken und der wichtigsten Käufer von Staatsanleihen sind. Die Wirtschaftspresse kritisiert ebenfalls, dass sich „die Kapitalmärkte freiwillig dem Diktat der Ratingagenturen unterwerfen“ (Financial Times Deutschland 8.7.2011). Doch diese Kritik dient der Verschleierung. Werner Rügemer ging der Frage nach, wem diese Agenturen gehören: Standard & Poor’s und Moody’s gehören den größten Vermögendsverwaltern und Anleihespekulanten wie Morgan Stanley, Blackrock, Fidelity Investments, auch der Allianz Versicherung, und Blackrock ist zugleich größter Aktionär der Deutschen Bank; Fitch gehört im wesentlichen dem US-freundlichen Großkapital Frankreichs.

    Die großen Drei der Ratingbranche, Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch, haben den wüstesten Spekulationsprodukten der Investmentbanken bis zuletzt Bestnoten erteilt. Sie haben die Spekulation angeheizt und damit die Finanz- und die nachfolgenden Wirtschafts- und Staatskrisen mitverursacht. Auch für Konzerne und Banken selbst haben diese Agenturen bis zuletzt Bestnoten verteilt, haben den Bankrott vertuscht, die Bereicherung der Insider gefördert und Verluste für Beschäftigte und Kleinanleger verursacht, etwa bei Enron, Worldcom, Parmalat, Lehman Brothers, IKB und Hypo Real Estate (HRE). Der US-Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman bezeichnet die Agenturen als ein »zutiefst korruptes System«. Warum machen sich nicht nur Finanzakteure und Privatunternehmen, sondern auch Staaten weiterhin von einem solchen System abhängig? Warum schaffen sie es nicht ab?

    Die Weltwirtschaftskrise von 1928/30 war durch Spekulationen vor allem der US-Investmentbanken verursacht worden. Die Regierung von Franklin Roosevelt setzte Anfang der 30er Jahre Reformen durch, um eine Wiederholung zu verhindern. Zu diesem »New Deal« gehörte die Einrichtung der ersten Börsenaufsicht der kapitalistischen Welt, der Security Exchange Commission (SEC). Die SEC vergab Lizenzen an private Wirtschaftsprüfer, die als hoheitliche Aufgabe inzwischen weltweit die Korrektheit der Bilanzen von Banken und Unternehmen testieren.

    Weiter auf den NachDenkSeiten

    Anm. d. Hrsg.: Werner Rügemeners Artikel ist in großen Teilen bereits im letzten Jahr in der Jungen Welt erschienen – da er aber nichts an Aktualität verloren hat, wollen wir ihn unseren Lesern an dieser Stelle vorstellen.

    44 Kommentare Print This Post
    ein Gastartikel von Werner Rügemer Kanzlerin Merkel, Finanzminister Schäuble und Eurogruppen-Chef Juncker sind sauer auf die drei großen Ratingagenturen, weil die durch ihre gesenkten Daumen die Kreditbedingungen für Griechenland und Portugal ständig verschlechtern und die „Rettung“ erschweren. Eine öffentliche europäische Agentur ist im Gespräch. Doch als Berater dafür ist u.a. Roland Berger tätig. Die EZB ...
    Tags: Finanzkrise
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    44 Kommentare:

    1. David schrieb am 12. Juli 2011 at 19:08 - Permalink

      Weil der Text so kurz ist:

      Kann mir jemand erklären, warum das FTD-Argument, die lieben Regierung, die jetzt so jammern, seien selber Schuld, weil sie mit Basel II u.a. die Ratingagenturen erst richtig stark gemacht und institutionell stärker “embedded” hätten, der Verschleierung dient?

      • Spiegelfechter schrieb am 12. Juli 2011 at 19:19 - Permalink

        Weil der Text so kurz ist:

        Du hast schon auf den Link (“Weiterlesen auf ..”) geklickt?

        • David schrieb am 12. Juli 2011 at 19:25 - Permalink

          Das war ironisch gemeint – ich hatte auf “Weiterlesen” geklickt und mir dann überlegt, dass ich in den nächsten drei Stunden doch etwas anderes machen will…:-)

        • LarsW schrieb am 12. Juli 2011 at 19:39 - Permalink

          Wenn der Text über mehr als 3 Bildschirme geht warte ich auch meistens lieber auf den Film zum Thema :)

          • Spiegelfechter schrieb am 12. Juli 2011 at 19:51 - Permalink

            Jo mei, Euch kann man es aber auch gar nicht recht machen. Die Welt ist nun einmal so komplex, dass sie nicht in einen bunten 3-Minüter auf YouTube passt ;-)

            • LarsW schrieb am 12. Juli 2011 at 20:20 - Permalink

              http://www.thedailyshow.com/watch/thu-june-9-2011/c–k-blocked-roundup—tim-pawlenty—herman-cain

              Der hier ab 1.55 ist vorbildlich :)

            • Andreas Kreuz schrieb am 12. Juli 2011 at 21:05 - Permalink

              Ganz so komplex ist sie dann doch nicht – zur Zeit.
              Die Antworten auf 99 von 100 Fragen beginnen mit “Geld,…”

          • schwitzig schrieb am 13. Juli 2011 at 05:35 - Permalink

            Ganz so komplex ist sie dann doch nicht – zur Zeit.
            Die Antworten auf 99 von 100 Fragen beginnen mit “Geld,…”

            Bzw. mit “Geld fehlt …”. Unser Geldsystem ist eindeutig ein Mangelsystem und damit untragbar. Man kann den ganzen Popanz der Geld-wichtig-Finder schön mit einem alten Filmchen abbilden:
            http://www.youtube.com/watch?v=FA-_SSO_hhI

            “This is your god” beschreibt das Finanzsystem und die dazugehörigen Wirtschaftsfuzzies, die das primitive System mit irgendwelchen lächerlichen if-Schleifen und loops geradezu lächerlich verkompliziert haben, sehr gut – es ist eine große, dumme Religion.

    2. der politclown (an der leine) schrieb am 12. Juli 2011 at 19:43 - Permalink

      ich fürchte, dass eine – neue art – regierung, bevor sie irgendwelche entscheidungen treffen könnte, welche dieser spekuliererei die luft rausnehmen würde (und damit das geld!), a) ruckzuck auf aa oder noch übler runtergestuft würde b) vom etablierten bundesrat blockiert würde und c) von den medien

      unsere politik ist daher leider erpressbar geworden und gefesselt und geknebelt, weshalb wahlversprechen immer allgemeiner werden, immer unverbindlicher werden…

      man kann noch nicht mal EINEN schuldigen oder EINE schuldige gruppe ausmachen, da es ein system ist, welches nicht reformierbar ist und das nur der eigene fall stoppen wird

    3. R_Winter schrieb am 12. Juli 2011 at 20:10 - Permalink

      Sehr guter Artikel. Mir gehen vor Wut die Haare hoch.

      Obwohl die Agenturen hoheitliche und regulatorische Aufgaben wahrnehmen, übernehmen sie keine Verantwortung.9 Mit den Kunden vereinbaren sie eine standardisierte Haftungsfreistellung, woraus, nebenbei bemerkt, auch hervorgeht, daß auch die Kunden das Rating inhaltlich nicht wirklich ernst nehmen – das Rating ist nur als hoheitlicher Gefälligkeitsstempel interessant. Die Agenturen bezeichneten bisher ihre Bewertungen als »Meinung« (opinion)

      Wenn dieses so ist, verstehe ich folgendes nicht:

      Mit »Basel II« (1999) wurden die Ratings zum globalen Standard für das Eigenkapital der Banken, um zu verhindern, daß riskante Kredite vergeben werden. Die Europäische Union macht sich seit 2007 bei der Bewertung ihrer Mitgliedsstaaten von den US-lizensierten Agenturen abhängig.

      Jedes deutsche Gericht zieht den Vorstand (hier: auch Banken) und die Aufsichtsräte (hier: auch die Regierung) als Gesamtschuldner für Wiedergutmachung des für eine Gesellschaft (hier: der Staat) entstandenen Schadens heran.
      Urteil OLG Frankfurt Az.: 5U110/08 “Haftung für Ausplünderung” – FAZ 12.7.11

      - Warum gilt es nicht für den Staat und seine Regierung?
      - Warum werden die Banken nicht für Schäden – angerichtet an einem Staat – herangezogen?
      Die entsprechenden Finanzinstitute gehören wegen Verstoß gegen die elementare Menschenrechte und andere Dinge vor dem Gerichtshof in Den Haag.
      - Warum erhalten diese Bankenspekulanten noch Milliarden von Euro Ausgleich für diese vorsätzlich angerichteten Schäden?
      Ist unsere Regierung käuflich oder extrem unfähig?
      Merkel ist der unfähigste Amtsträger, der je im Bundeskanzleramt gesessen hat.
      Die Parteien und ihre Abgeordneten im Bundestag sind schlicht unfähig.

    4. Serious Sam schrieb am 12. Juli 2011 at 20:35 - Permalink

      Weitgehend guter Artikel, jedenfalls was die Historie und Analyse betrifft. Bezüglich der Handlungsforderungen zum Abschluß bin ich mir nicht so sicher.

      Kurios finde ich übrigens die seit neuestem quer über Parteien- und Ländergrenzen hinweg weitverbreitete populistische Forderung der Politik, eine europäische Ratingagentur aufzubauen. Was soll die denn z.B. bei Griechenland anders bewerten als die simple Wahrheit, nämlich dass das Land längst Bankrott ist und seine Schulden niemals ganz zurückzahlen wird? Fiele das Rating aufgrund politischen Drucks anders aus, wäre es ja noch schlimmer. Mir ist ein wennglich zweifelsfrei völlig korruptes und primär Eigeninteressen der Eigentümer verpflichtetes Ratingsystem immer noch lieber als eines, das ebenso korrupt ist weil den wechselnden Eigeninteressen der jeweiligen politischen Machthaber verpflichtet.

      • viosz schrieb am 12. Juli 2011 at 22:52 - Permalink

        > Was soll die denn z.B. bei Griechenland anders bewerten als die simple
        > Wahrheit, nämlich dass das Land längst Bankrott ist
        Moment, sind sie nicht wegen der schlechteren Bewertung durch Ratingagenturen und der daraus folgenden Zinserhöhung bei der Refinanzierung pleite?

        > und seine Schulden niemals ganz zurückzahlen wird?
        Wird Deutschland seine Staatsschulden jemals zurückzahlen? Werden die USA jemals ihre Staatsschulden zurückzahlen? Die damit einhergehende Vermögensvernichtung bei den nichtstaatlichen Teilen berücksichtigt, würde ich sagen, es ist gar nicht im eigentlichen Interesse der Bürger, die Staatsschulden jemals zurückzuzahlen. In keinem Land.
        Es ist eher von Interesse, Staatsschulden zu erhöhen, weil damit die Rücklagen des privaten Sektors wachsen.

        Wie würde Deutschland finanziell dastehen, wenn wir plötzlich dank der Ratingagenturen die Refinanzierungsbedingungen von Griechenland hätten? Das ist spätestens der Fall wenn uns eines Tages der Export wegbricht denn dann kommt die mangelnde Inlandsnachfrage voll zur Wirkung.

        • Serious Sam schrieb am 13. Juli 2011 at 19:04 - Permalink

          >Was soll die denn z.B. bei Griechenland anders bewerten als die simple Wahrheit, nämlich dass das Land längst Bankrott ist
          Moment, sind sie nicht wegen der schlechteren Bewertung durch Ratingagenturen und der daraus folgenden Zinserhöhung bei der Refinanzierung pleite?

          Natürlich nicht, das hat ganz andere Gründe. Diese Frage ist hoffentlich als Scherz gedacht.

    5. Lazarus09 schrieb am 12. Juli 2011 at 21:16 - Permalink

      Rating Agenturen sind gewinnorientierte Firmen … also hat man ein massvies Interesse an selbsterfüllenenden Prognosen oder Verschleppung ( Parmalat ) da fragt man sich schon welcher Kaffesatz da zur Bonitätsfindung genommen wurde .

      Aber nun fordert man Europäische Agenturen das man endlich auch hier muscheln kann … und besser Einfluß nehmen kann.

      Goldman Sachs … Beschiss .. Gerichte in USA haben festgestellt das rating der Agenturen unterstehe der freien Meinungsäußerung was schon einiges aussagt.
      Rechtverbindlich sind Ratings auch nicht was auch interessant ist .. Beraterhaftung ist eigentlich im echten Gewerbe gang und gäbe..

      Ratingagenturen sind so dringend nötig wie der Derivatverkauf ;-)

      666

      • André H. schrieb am 13. Juli 2011 at 09:37 - Permalink

        also hat man ein massvies Interesse an selbsterfüllenenden Prognosen …

        Genau!
        Die haben “uns” in der Hand. Zuerst Irland, dann Portugal, Griechenland, Spanien. Und nun Italien. Da frage ich mich: Wann wird Deutschland heruntergerated ?

        • Heldentasse schrieb am 13. Juli 2011 at 13:40 - Permalink

          Das wird IMO nicht passieren, eher geht der € (und einiges mehr) den Bach runter. Falls danach ein Nord-€ oder evtl. die “Groß”-Mark eingeführt werden muss, wird die BRD eher so etwas wie eine große Schweiz in Sachen Anlagen*. Man darf nämlich nie vergessen, dass das Kapital systembedingt immer auch eine (relativ) sichere Anlagemöglichkeit braucht.

          * Allerdings wäre dann der Titel des Export(vize)weltmeisters in Gefahr, weil diese neue Währung massiv aufgewertet, bzw. die anderen Währungen abgewertet würden, meiner Meinung nach. Dann würde sich aber auch rächen, dass hier zu Lande der Binnenmarkt über Jahrzehnt geschwächt wurde.

    6. Cheops schrieb am 12. Juli 2011 at 21:17 - Permalink

      Das hat mehrere Gesichter, denn immerhin hört man von den Agenturen Zahlen und Wahrheiten, die von den Regierungen lieber verschwiegen werden.

      • Dexter schrieb am 12. Juli 2011 at 23:38 - Permalink

        Welche denn zum Beispiel? Das die USA ebenso verschuldet sind wie Griechenland oder so?

    7. viosz schrieb am 12. Juli 2011 at 23:37 - Permalink

      aus dem NDS text:
      > Auch hochverschuldete Staaten wie Großbritannien und Japan erhalten
      > weiterhin Bestnoten. Sie können nämlich wie die USA selbst – etwa im
      > Unterschied zum Euro-Raum – ihre Staatsanleihenin eigener Währung
      > herausgeben; d.h. die Zentralbanken können einfach neues Geld drucken
      > bzw. heutzutage das digitale Äquivalent herstellen. Damit wird der
      > nominelle Bankrott vermieden,

      Richtig festgestellt.
      Souveräne Staaten, welche sich in ihrer eigenen, auf dem Weltmarkt frei handelbaren Währung verschulden, können nicht pleite gehen. Laut Modern Monetary Theory.

      Warum hat man in der Eurozone diese Möglichkeit nicht eingebaut, sondern explizit reingeschrieben, dass Staaten sich zwar nicht selbst refinanzieren aber bankrott gehen dürfen, weil ihnen kein anderer EMU-Staat helfen muss?

      Und welche Schlussfolgerung kann man daraus für eine Reform der Eurozone ziehen?
      Der EZB mehr Kompetenz geben? Vielleicht, aber man sollte vorher das komplette Personal austauschen:
      > http://www.financial-informer.de/infoshandelsblatt_ezb_will_sich_in_schuldenkrise_beraten_lassen_1483495

    8. Dexter schrieb am 12. Juli 2011 at 23:56 - Permalink

      Danke für die gründlichen Ausführungen zu dem Thema. Mir ist jetzt vieles klarer.

      Das die (US)Rating-Agenturen irgendwann dazu genutzt werden, Europa und den EUR zu schwächen, hatte ich schon lange als Bauchgefühl. Nun geht es Europa wohl an den Kragen.

      Da wird fein säuberlich immer nur ein kleiner Teil der Gemeinschaft in die Mangel genommen, bis zuletzt garnix mehr übrigbleiben wird. Und das alles inszeniert als reiner Selbstbedienungsladen für die privaten Banken.
      Das haben sich die europäischen Bürger (die letztlich dadurch enteignet werden) allerdings selbst zuzuschreiben. Wäre man doch nur einiger gewesen, besonders hinsichtlich des gemeinsam genutzten Geldes …
      Völlig bescheuert, dass einzelne Teilnehmer dem Markt so schutzlos und angreifbar ausgeliefert werden. Die einzelnen Euroländer müssen sich separat Geld am Geldmarkt besorgen! So ein unglaublicher Scheiss!

      Jetzt dürfen die “starken” (=willkürlich “gutbewerteten”) Länder Europas immer mit Unsummen (Rettungsschirm, haha!) für künstlich separierten Opferstaaten haften (=Wucherzinsen an die Banken zahlen). Hätte man die Währung so installiert, dass nur das ganze System an sich angegriffen werden kann (und eben nicht einzelne, derart separierbare Staaten), wäre das ganze für die Raubritter aus der Investmentbranche völlig uninteressant. Besonders wenn sich die Staatengemeinschaft im Falle des Falles einfach selbst Geld bei der Zentralbank “leihen” kann (ohne den Umweg über die Privatbanken). Was wären denn die Folgen im schlimmsten Fall? Das der EUR in den Augen der Investmentärsche an Wert verliert? So what: Was wird wohl am Ende des derzeitigen Prozesses stehen?

      • Pterry schrieb am 16. Juli 2011 at 20:52 - Permalink

        siehe dazu: http://www.youtube.com/watch?v=uKPFolYTT4s

    9. Schweigsam schrieb am 13. Juli 2011 at 00:08 - Permalink

      Jo mai, das ist ja ein Text, ich will doch kein Wirtschaftsexperte werden.
      Volkswirtschaft u.a. ist einer der langweilisten Themen die ich mir Vorstellen kann.
      Aber leider auch wichtig um politische Zusammenhänge zu Verstehen.
      Leckts mi am oasch.

      • André H. schrieb am 13. Juli 2011 at 10:25 - Permalink

        Schweigsam, hast du sie nicht mehr alle ?!

        Jo mai, das ist ja ein Text, ich will doch kein Wirtschaftsexperte werden

        Du wirst doch noch 15 Minuten für einen Text aufbringen, der so interessant ist wie ein Krimi und so aufregend Ungerechtigkeiten und diabolische Zusammenhänge aufzeigt, dass man am liebsten den Tisch samt dem PC zertrümmern würde.

        Hier eine zentrale Aussage:
        “Deshalb steht die Bewertung logischerweise im ursächlichen Zusammenhang mit Enteignungen und der Über tragung fremden Eigentums in das Eigentum der Kreditgeber und Verkäufer. Die Herabstufung der Bonität hat, gestützt auf die im Bankenmilieu vereinbarten Regeln und auf staatliche Maßnahmen und Gesetze, deshalb zur Folge: Die Kreditkonditionen verschlechtern sich, die Zinsen werden erhöht. Der Kreditnehmer – ob Staat, Privatunternehmen oder Konsument – muß Eigentum verkaufen, Einkommen abtreten (Privatisierung, höhere Zinsen, Rentenund Lohnkürzung, höhere Gebühren und Preise).”
        Macht Euch in Deutschland mal auf dieses Szenario gefasst (Italien glaubte auch nicht, davon infiziert zu werden). Die USA werden – um ihre eigene (Zahlungs)Unfähigkeit zu vernebeln – alle anderen Währungen attakieren und schliesslich mit in den Abgrund reissen.

        • Lazarus09 schrieb am 14. Juli 2011 at 12:14 - Permalink

          Und, das darf ich anfügen ,komplett ohne jede Rechtsverbindlichkeit !

          Du bekommst keine Rating Agentur wegen falscher Bewertungen am Arsch,da haftet niemand im Zweifelsfall ! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen !

          Das ganze beschriebene worst case Szenario beruht dann auf “freier Meinungsäußerung” .. Man gibt ganze Staaten in die Hand von ein paar Wichsern die sich ohne jede rechliche Konzequenz für Falschbeurteilung als Hüter der Bonität aufspielen,deren Meinung wenn’s geht noch von Interessenvertretern gelenkt wird .. what the fuck is this ?

          666

    10. leslie schrieb am 13. Juli 2011 at 01:46 - Permalink

      http://www.youtube.com/watch?v=kEPX71enSzQ&feature=related

      Mfg

      • Hanjo Henker schrieb am 13. Juli 2011 at 15:03 - Permalink

        …oder der hier, leslie: http://the-babyshambler.com/2011/07/12/gutenachtgeschichte/

        ;-)

    11. enigma schrieb am 13. Juli 2011 at 04:29 - Permalink

      Hier mal copy and paste:

      “Während des Jahres 2009 erstellte Standard& Poor’s 850 000 Ratings, und zwar durch 1 300 Analysten. Das bedeutet: Jeder einzelne Analyst hatte im Jahr 65 Bewertungen eines komplizierten Finanzprodukts – etwa der Anleihe eines Großkonzerns wie General Motors, eines Staats oder eines Bündels von 30 000 Hypothekenkrediten – anzufertigen.”

      Der Rügi scheint ja eine ganz große Choriphäe zu sein wenn er sogar schon seinen Taschenrechner betrügt! Aber macht ja nichts, der Artikel ist ja auch schon etwas betagt. Und wahrscheinlich hat den auch damals schon keine Sau gelesen. Ich übrigends auch nicht, derartige Dinge erblickt man schon beim überfliegen.

      • schwitzig schrieb am 13. Juli 2011 at 10:13 - Permalink

        Der Rügi scheint ja eine ganz große Choriphäe

        Koriphäe oder auch Konifere. Vielleicht ist’s ja der Rügi vonna Rütli-Schulä? Wie auch immer – diese Finanzaffen frickeln sich irgendwelche auf dem Schuldversprechen basierende Regelwerke zusammen, die sie dann “erforschen”. Das nennt sich dann “Wirtschaftswissenschaften” – ein Beispiel geradezu unglaublicher Kompetenzen im sich lächerlich machen.

    12. Winne2 schrieb am 13. Juli 2011 at 07:26 - Permalink

      Schöner Aufsatz – sollte Bestandteil im Schulunterricht werden (die Rechenfehler könnte man dann gleich in der Klasse 3 – “Teilen” mit besprechen). Und auch in der Links-Öko-Grünen Abteilung den Blick auf die eigene Randgruppe lenken. Wovon lebt eigentlich das Magazin ÖKOTEST? Von Anzeigen und Lizenzerlösen der von ihm getesteten Produkte. Vulgo: Auch hier bezahlt (mindestens indirekt) der getestete (mindestens zur Hälfte) den Tester. Die andere Hälfte kommt von überbesorgten Müsli-Öko-Eltern, die ihren Ein-Kind-Nachwuchs (oder die Vorprodukte – siehe Kondomtest in ÖKOTEST) vor Weichmachern und anderem Unbill im Nanogramm Bereich schützen wollen, den man vor 10 Jahren noch gar nicht messen konnte.
      ÖKOTEST empfiehlt auch FInanz- und Versicherungsprodukte (natürlich nur Grüne – also grüne Zahlen).
      Achja, die Eigentumsfrage: Der ÖKOTEST Verlag gehört der SPD Holding.

    13. das kleine Dummerchen schrieb am 13. Juli 2011 at 09:12 - Permalink

      Ihr könnt hin und her diskuttieren, Haare vor Wut aufstellen und die Lefzen fletschen oder lange Artikel schreiben, bringt und nutzt alles nüscht, wartet einfach den Knall ab.

      Das beste zum Thema hat ein Proffessore bei Weiss von nüscht geschrieben, deshalb mal ein Copy and Paste, erspart langes tippseln:

      Man muss sich bewusst machen, dass der präfinale Kapitalismus schon längst ins Stadium der Verbrecherherrschaft eingetreten ist (vgl. Horkheimer).

      Die Profite werden in diesem Stadium hauptsächlich durch Betrug und Raub gemacht, also durch realwirtschaftlich völlig unproduktive Vermögensumverteilung, während die Realökonomie samt Infrastruktur in den betroffenen Staaten sich im Niedergang befinden.

      Zur Normalität des präfinalen Kapitalismus gehören allgemeine Volksverarmung genauso wie Volksenteignung durch Staatsverschuldung und Privatisierung, Kriege als Raubzüge (Irak, Libyen etc.) usf.

      Wirtschaftsfaschismus eben.

      Wirtschaftliche Konkurrenz verläuft primär in Art eines „Bandenkrieges“ (vgl. Pohrt: Brothers in Crime).

      So will die eine „Bande“ die Eurozone erhalten, eine andere „Bande“ will sie teilen oder zerstören.

      Eine „Bande“ will den Haircut in Griechenland, weil sie CDS hat – eine andere „Bande“ will genau dies nicht.

      Natürlich ist Griechenland Gegenstand eines Raubzuges.

      Das Ausplündern nationaler Ökonomien gehört längst zur Normalität.

      Was beispielsweise mit dem Volksvermögen der Ex-DDR-Bürger geschah, war doch nichts anderes als ein riesiger Raubzug. Nicht genug, es wurden zudem „Altschulden“ konstruiert und damit die Staatskasse West geplündert.

      Der deutsche Michel zahlt seit über 20 Jahren „Solidaritätszuschlag“. In welche Taschen?

      Grosse Privatisierungen aka Volksenteignung – das, was den Griechen jetzt bevorsteht – haben die Deutschen doch schon längst hinter sich.

      Mafiaökonomie mit PPP-Geheimverträgen, Cross-Border-Leasing etc. ist doch schon längst Normalität hier.

      • bombjack schrieb am 13. Juli 2011 at 13:03 - Permalink

        [...]Ihr könnt hin und her diskuttieren, Haare vor Wut aufstellen und die Lefzen fletschen oder lange Artikel schreiben, bringt und nutzt alles nüscht, wartet einfach den Knall ab.
        [...]

        und wie wird der Knall aussehen?

        Und welche (legalen/illegalen) Vorsorgemaßnahmen sollte man da so treffen?

        bombjack

        • Heldentasse schrieb am 13. Juli 2011 at 14:43 - Permalink

          und wie wird der Knall aussehen?

          War das eine eine rhetorische Frage? Wenn man bombjack heisst, dürfte doch hier gelten “nomen est omen”. ;-)

    14. schwitzig schrieb am 13. Juli 2011 at 10:06 - Permalink

      Bezieht sich zwar auf die USA-Pleite, aber ausnahmsweise gab’s im SPON-Forum mal ein vernünftiges Posting:

      http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=8267567&postcount=115

      Der Schlüsselsatz sagt alles Wesentliche über das kindische Finanzsystem:
      Das ganze Weltwirtschaftsystem ist eigentlich kinderleicht zu verstehen, alle die rumfaseln dazu müsse man Experte sein, habe ein psychisches Problem mit seiner Einfachheit, sie hoffen den unerbittlichen Gesetzten durch vermehrtes Wissen entgehen zu können und basteln sich komplizierte erfundene Wirkungsketten zusammen um die einfachen Zusammenhänge nicht wahrnehmen zu müssen.

      Obama tut mir leid…
      Er hat einen von den Neocons völlig an die Wand gefahrenen Statt übernommen und nicht im geringsten die Macht die Dinge zu verändern. Großt Teile der Eliten glauben immer noch an die neoconservativen Irrlehren und träumen von Reichtumsvermehrung durch Finanzgeschäfte.(Wird dabei aber nur Umverteilt)Damit aber auf den Finazmärkten etwas zu verdienen ist, müssen die kleien Leute und der Statt sich verschulden, was die Neocons auch toll hinbekommen haben.(Leistung muß sich wieder lohnen, mehr Netto vom Brutto, etc.)Schließlich haben die Reichen so viel Knete angehäuft, dass sie nicht mehr wissen wohin mit dem ganzen Kram und anfangen totale Ramschinvestitionen zu tätigen. Eigentlich ein ganz klares Symtom von zu viel freiem Geld. Aber anstatt das Problem zu beheben, indem man den Reichen ihr überflüssiges Geld wegnimmt, wurde mit den Rettungsschirmen auch noch Öl ins Feuer geschüttet.
      Das ganze Weltwirtschaftsystem ist eigentlich kinderleicht zu verstehen, alle die rumfaseln dazu müsse man Experte sein, habe ein psychisches Problem mit seiner Einfachheit, sie hoffen den unerbittlichen Gesetzten durch vermehrtes Wissen entgehen zu können und basteln sich komplizierte erfundene Wirkungsketten zusammen um die einfachen Zusammenhänge nicht wahrnehmen zu müssen.
      Noch schlimmer ist der amerikansiche Glaube an Reichtumsvermehrung durch Hegemonie, jeder Finanzmensch, der sich die Kosten/Nutzen-Analyse der letzten US-Kriegseinsätze anschaut kann nur weinen. Hatten die USA die Gelder in erneuerbare Energien gesteckt, wären sie heute völlig Energieunabhängig und hätten riesige Sachwerte + Arbeitsplätze geschaffen, so sind sie pleite.
      Viele Imperien sind der Illusion erlegen Größe sei entscheidendund und daran zerbrochen. Dabei muß es sich einfach nur fiskalisch rentieren eine gewisse Fläche zu beherrschen, man denke an´s kleine Monaco.

    15. Thorsten schrieb am 13. Juli 2011 at 12:28 - Permalink

      Neben den im Artikel angeführten Punkten sollte sich die EU auch generell die Frage stellen, warum man sich von US amerikanischen Rating-Agenturen bewerten lässt, also Agenturen aus einem anderen in sich geschlossenen Wirtschaftsraum, der mit der EU um die Stellung des Führenden und um das Stellen der Leitwährung konkurriert.
      Ähnlich realitätsfremd wäre es, wenn ich als Unternehmer meinem direkten Konkurrenten die Bewertung überlassen würde, ob und zu welchen Konditionen ich einen Geschäftskredit von der Bank bekommen könnte.

      Die USA haben zwar ein Interesse an Europa als Absatzmarkt und Konstrukt zur Schaffung von stabilen Verhältnissen, aber an einer Konpakt auftretenden EU, die ihre Interessen im globalen Wirtschaftsleben vertritt, liegt weder ihnen, noch den Briten (die durch den Euro weiter marginalisiert wurden) etwas.
      Diese Perspektive sollte man bei allem im Auge behalten, was aus beiden Richtungen zu Fragen wie EU und Euro kommt.

    16. Bruder Johannes schrieb am 13. Juli 2011 at 14:32 - Permalink

      Satire: Muss immer an Laternenpfähle denken – weiß auch nicht … So schmucklos leuchten sie des nachts vor sich hin… Eigentlich schade drum …

      • André H. schrieb am 14. Juli 2011 at 14:07 - Permalink

        Ebenfalls Satire: Roundup tut’s vielleicht auch…

    17. Hannes schrieb am 13. Juli 2011 at 15:20 - Permalink

      Schulden verschwinden nicht, wenn man Ratingagenturen “verbietet”.

      Hier noch was für Spiegelfechter:
      http://www.mopo.de/ratgeber/digital/rofl-mich-doch-nicht-voll-/-/5066770/8665100/-/index.html

      • André H. schrieb am 13. Juli 2011 at 15:53 - Permalink

        Hannes, es bestreitet doch niemand, dass diese Länder total überschuldet sind. Es geht um die ungerechte Bewertung der Rating-Agenturen, welche diesen Ländern dadurch noch zusätzliche Hürden in den Weg legen, zum Vorteil von Anderen. Dies riecht nach – um das schlimme V-Wort wieder einmal zu bemühen – einer Verschwörung:

        Hellmeyer: “… Es ist absurd, dass Länder, die in der Konsolidierung schneller als andere vorankommen, die in der Krise gar nicht so sehr gelitten haben, von den Ratingagenturen in die Mangel genommen werden. Das impliziert eine politische Agenda bei den Ratingagenturen. “
        boerse.ARD.de: “Das hört sich so ein bisschen nach Verschwörungstheorie an. Wer sind denn die Drahtzieher?”
        Hellmeyer: “Wenn Fakten und Bewertungen so drastisch auseinanderklaffen, hat das nichts mit Verschwörungstheorien zu tun. Es geht schlußendlich um die Hegemonialstellung der USA und wesentlich der Finanzzentren New Yorks und Londons. Diese Macht wollen die Beteiligten sichern. In dem Maße, wie die Macht in diesen Finanzzentren zerfällt, und die US-Wirtschaft von anderen Regionen wie China oder der Eurozone eingenommen wird, in dem Maße wird die gegebene Machtsruktur New Yorks und Londons an den Finanzmärkten genutzt, diese Entwicklung aufzuhalten oder zu nivellieren.” (ard.de, 12.07.2011)

      • leslie schrieb am 13. Juli 2011 at 17:09 - Permalink

        Sprengen hilft. ;-)

        Mfg

    18. Lennard schrieb am 13. Juli 2011 at 20:20 - Permalink

      (als Zusatz mal was vom Bofinger – einigen scheint der Artikel ja zu lang zu sein – sehr kurz und knackig)
      Letzte Woche war folgendes Interview in der Zeitung:

      http://www.lr-online.de/politik/Tagesthemen–bdquo-Ratingagenturen-sind-nur-Teil-des-Spiels-ldquo-;art1065,3410059

      Appetizer:

      Der Teufelskreis lässt sich nur durchbrechen, indem man für die Währungsunion ein einheitliches Finanzierungsinstrument schafft. Es würde schon reichen, griechische Anleihen in Anleihen des Euro-Rettungsfonds zu tauschen. Dann wäre die Macht der Ratingagenturen über Griechenland gebrochen. Nur handelt es sich dabei um eine Art Vorstufe für Euro-Bonds, und da winken finanzstarke Euro-Länder wie Deutschland ab.

    19. carlo schrieb am 14. Juli 2011 at 06:07 - Permalink

      Das ist kein Teufelskreis. Es ist einfach unsere Schwäche als Gewerkschaft. Generalstreik vorbereiten und endlich mal eine gesellschaftliche Zielsetzung die über die alberne Forderung “mehr Lohn” hinausgeht. So einfach ist das…….aber wer macht mit und befördert das?
      Ich hoffe jedenfalls, daß die IGM Jugend nicht völlig verschlafen ist!

      • Heldentasse schrieb am 14. Juli 2011 at 07:49 - Permalink

        In der Beziehung bin ich relativ hoffnungslos. Ich war lange Zeit in der IGM, danach wg. Spartenwechsel in ÖTV/verdi und nun aus purer Enttäuschung über die verdi (Stichwort: Absenkungstarifvertrag TV-L) im vdla.

        Meine Erfahrung in nun fast 35 Jahren Berufsleben und Studium sind: Es wird immer schlimmer, mangels Masse werden die Gewerkschaften machtloser, was zu folge hat das immer weniger Menschen (auch junge) den Sinn von Gewerkschaften bezweifeln und gar nicht mehr mitmachen. IMO auch ein Teufelskreis.

    20. Nudelsieb schrieb am 14. Juli 2011 at 08:54 - Permalink

      Auf den mangelden menschlichen durchblick …

      http://www.myvideo.de/watch/7741240/DEVO

      Nudelsieb ! Und so auch ich … *hust … ;-)

    21. minimax schrieb am 14. Juli 2011 at 13:16 - Permalink

      meine literaturempfehlung zu diesem thema wäre diese hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Imperialismus_als_höchstes_Stadium_des_Kapitalismus
      das buch analysiert die zusammenhänge zwischen industriekapital, bankenkapital und staat.
      das buch wurde vor 90 jahren geschrieben und hat bis heute an aktualität (leider) nichts verloren.


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