Die Jahrhundertpleite
geschrieben am 18. August 2009 von Spiegelfechter
2. Akt: Eine systemrelevante Bank kollabiert
Dieser Artikel ist der zweite Teil einer dreiteiligen Telepolis-Serie zum Finale des Untersuchungsausschusses zur Hypo Real Estate.
In der Graurheindorfer Straße in Bonn betrachtete man die Übernahme der Depfa durch die HRE mit Sorgen. Hier hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ihre Zentrale. Auf der einen Seite war die HRE, deren Geschäftsmodell durch steigende Leitzinsen und die Stagnation auf dem Immobilienmarkt gefährdet war. Auf der anderen Seite war die irische Depfa, deren Geschäftsmodell ebenfalls durch die steigenden Leitzinsen und den austrocknenden Interbankenmarkt auf der Kippe stand. Die Strategie, seine eigenen Probleme durch den Zukauf noch viel größerer Probleme in den Griff zu bekommen, gefiel der BaFin überhaupt nicht. Aber einschreiten konnte sie auch nicht, schließlich sei ein ?direkter Eingriff in das Geschäftsmodell kaum vereinbar mit der unternehmerischen Freiheit?, wie eine Mitarbeiterin der BaFin fast zwei Jahre später vor dem Untersuchungsausschuss erklären sollte.
Für die HRE hatte die Depfa-Übernahme jedoch zwei Vorteile. Die vermeintlich solide Fassade aus Pfandbriefen und Staatsanleihen besänftigte die Ratingagenturen. Eine Abwertung der HRE war erst einmal vom Tisch. Auf dem irischen Auge waren die Ratingagenturen besonders blind – noch zwei Wochen, bevor die HRE Zahlungsschwierigkeiten bei der Depfa offenbarte, hatte man die Bonität der Depfa noch besser eingestuft als die der HRE. Die anderen Banken waren jedoch keinesfalls so blind. Seit der Übernahme der Depfa galt die HRE fortan als kontaminiert. Es war gerade so, als ob eine Horde marodierender Soldaten eine junge Frau vergewaltigen will und plötzlich entdeckt, dass sie Eiterpusteln hat und bereits Blut spuckt. Eine feindliche Übernahme hatte die HRE nun zumindest nicht mehr zu befürchten. Georg Funke hatte die Eigenständigkeit der Bank gerettet ? aber zu welchem Preis?
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Eigentlich ein guter Artikel, aber was zum Henker soll denn dieser gruselige Vergleich mit der Soldateska und der jungen Frau?
Jetzt kann ich diesen Artikel meinen Eltern nicht zu lesen geben, weil sie an der Stelle definitiv aufhören zu lesen.
(Bitte nicht übelnehmen, ich mag Ihre Artikel sonst wirklich sehr, aber ich habe da doch etwas schlucken müssen. Es ist doch wirklich nicht notwendig, eine feindliche Übernahme mit der Vergewaltigung einer jungen Frau zu vergleichen und dann auch noch von Eiterpusteln und Blutspucken zu sprechen!)
Hallo,
der Artikel beginnt mit:
“In der Graurheindorfer Straße in Bonn, gleich neben dem städtischen Friedhof,”
Ich wohne in Bonn – in der Graurheindorfer Straße gibt es keinen städtischen Friedhof! Ans Gelände der Bafin schließen sich allerdings die Rheinischen Landeskliniken an, im Volksmund das “Irrenhaus”.
Ob das etwas zu sagen hat?
Gruß
Peter
@Peter
Interessante Info – da hat mein “Informant” wohl gefuscht ;-)
Hi Jens,
ich kann da Helge nur zustimmen. Du versaust deine tolle Recherchearbeit und die sonst auch gut lesbaren Texte mit solchen, wirklich üblen Vergleichen. Schieß dir doch nicht selbst ins Bein und lass das einfach weg?! Es bezweifelt niemand deiner Leserschaft deine guten Absichten, und klar, man brauch auch etwas schärferen Pfeffer hier und da, aber doch nicht so :) Ich denke, du weisst was in dem Satz alles drin steckt, bzw stecken kann.
Nimm’s uns nicht übel, konstruktive Grüße
T.
Die Erkenntnisse über die HRE, Steinbrück. Asmussen sind mir schon seit sechs Monaten bekannt und stehen lange (wenn auch verteilt und teilweise verdeckt) im Internet. Steinbrück ist unfähig – Merkel total überfordert.
Steinrück und Asmussen sind die größten frei laufenden Finanzverbrecher in Deutschland.
Funke ist der nützliche Idiot (nach Lenin) der deutschen Banken. Die CDUCSU, SPD, FDP wissen schon lange um die IKB, HRE und deren Machenschaften. Der Dreck verschließt ihre Mäuler.
@ Helge
Du kannst deinen Eltern, wenn sie etwas realitätsresistent sind, den http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Investmentbanken-Die-deutsche-Lehman-L%FCge/551263.html?p=1 zeigen, ist auch eine sehr solide und sachliche Quelle.
Obwohl ich selber zu der Eltern-Generation gehöre, fand ich den Vergleich sehr treffend. Mit einem kurzen Satz hat Jens sehr eindrucksvoll die Zustände und Sitten im Bankengewerbe vermittelt, was will man mehr?
Ich muss noch hinzufügen, dass ich in meinen Erwartungen zum Artikel nicht im Geringsten enttäuscht wurde und ihn zu Jens’ top-10 zuordnen würde.
@Jens
Apropos top-Liste. Ich denke er wäre nicht verkehrt, die “KATEGORIEN” im Blog um so einen Eintrag zu erweitern.
@Helge und Tman
Ja ja, ihr habt ja recht, da sind wieder mal die Pferde mit dem jungen Autoren durchgegangen ;-)
Obgleich ich den Vergleich zwar provokant, aber deshalb noch nicht für falsch halte.
In seltsamer Spießigkeit regt man sich hier über einen
vermeintlich geschmacklosen Satz auf. Weitaus
geschmackloser finde ich den Umstand, daß die Rettung
der HRE mittlerweile ein risikoloses Zusatzgeschäft
für alle beteiligten Privatbanken ist. Dafür dürfen
wir uns in den kommenden Jahren über ein
Milliardenloch im Staatshaushalt erfreuen – Eiterpusteln
sind da noch harmlos und von einer Vergewaltigung zu
sprechen, ist garnicht sooo abwegig.
Welche Pest u. Cholera das in der Gesellschaft noch
auslösen wird?… nach diesem Schlummer-Wahlkampf wird
man kaum um einiges klüger, dafür aber reichlich
ärmer dran sein.
Da gehört noch wesentlich mehr Pfeffer daHinter[n]
Salz für Bürger gibt’s schon noch genügend zum Schlecken!
Ich gehöre nicht nur zur Generation der Eltern, sondern zu den Großeltern. Es widert mich an, wenn bei diesem Skandal so viel über “Form” gestritten wird und die Inhalte als selbstverständlich genommen werden. Wir habe hier ein Filz von Finanzwirtschaft und Politik. Die Größenordnung sprengt die Vorstellungskraft vieler Bürger. Dieses ist der Grund, warum so breit die Nutzung von Dienstfahrzeugen im Urlaub (was in der Industrie üblich ist) berichtet wird. Die so genannten empfindlichen Eltern scheinen Nutznießer dieses Skandals zu sein und wollen lieber “das Tuch des Schweigens” ausbreiten. Es müssen noch viel härtere Worte gebraucht werden, damit die empfindlichen Schöngeister endlich aufwachen.
@SF: Für die real existierenden Schweinereien sind harte Worte durchaus angebracht. Political correctness hilft da auch nicht wirklich. Die durchgeknallten Banker machen ja schon wieder mit Knete von der EZB weiter. Mal seh’n wer da vergewaltigt wird. Man sollte vielleicht auch mal thematisieren, woher die freie Knete für die Immobilienblase in den 90igern stammte. Das würde aber wohl den Bundeshotte schlecht aussehen lassen. SF, follow the money!
off topic
Die Demagogie der Zensursula
via —> http://netzpolitik.org/
Asmussen hat die Finanzkrise der HRE verschlafen und ich behaupte, mit Billigung von Steinbrück und Merkel
Details der Schreiben in Spiegel Online
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,643571,00.html
Verbrecher gehören ins Gefängnis und nicht in klimatisierten Büro des Fi-ministeriums.
@Sf
Im Großen und Ganzen ist das HRE-Finale nicht schlecht gemeistert worden. (Diese Woche noch mal im Spiegel ein präzises Protokoll.) Geschichten der Art “Warum hatte der Schuft Asmussen keinen Anwalt dabei?” sind ziemlicher Unfug.
Was die Zeit unmittelbar davor angeht, hast du recht, wenn du schreibst, dass die geringe Entschlossenheit sich daraus erklärt, dass man den Lehman-Zusammenbruch nicht für möglich hielt, und von der amerikanischen Regierung erwartete, dass sie den Zusammenbruch der Kreditmärkte schon verhindern würde.
Das eigentliche Problem sind die Fehler in der Aufsicht, da liegt ja auch dein Augenmerk drauf. Und hier ist mit den neuen Mindestanforderungen an das Risikomanagement von Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten (MaRisk) doch einiges im Sinne des seinerzeitigen G 20-Treffens geschehen; die Regeln soll schon Ende des Jahres stehen.
Das sollte man auch mal herausstellen, wiewohl es Vox populi letztlich nicht interessiert.
@Karl Heinrich
Der SPIEGEL-Artikel ist wirklich sehr schlecht. Wobei ich hier keinesfalls gegen die Hamburger auskeilen will. Was beispielsweise der SPIEGEL-Redakteur Bazli zum Thema schreibt, ist durchaus gut. Diese Woche durfte aber wieder Dirk Kurbjuweit ran, der leider von der Thematik so gar keine Ahnung hat und blind die Regierungsmeinung als korrekt übernimmt und weitergibt.
Sind sie das? Die Begründung der FAZ ist ja irgendwie putzig: “Als ob es nicht reicht, dass die Präsidenten von Bankenaufsicht und Bundesbank vor Ort waren.” Nein, das reicht ganz sicher nicht. Zumal der Gedanke alleine grotesk ist – was haben Weber und Sanio bitteschön mit Verträgen zu tun, die das BMF unterschreibt? Gar nichts? Richtig.
Ja – sie “sollen”. Warten wir mal ab. Deutschland hat sich bislang eher resistent gegen “Reformen” in der Finanzgesetzgebung gezeigt.
@13 Karl Heinrich
Freidemokraten, Linke und Grüne sollten die Größe aufbringen,
der großen Koalition ein ziemlich gelungenes Krisenmanagement zu bescheinigen.
…
Bemerkenswert war, wie selbst der Linken-Obmann andächtig den Worten von
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann lauschte, als dieser von Union und SPD
um Ratschläge für die Zukunft gebeten wurde.[sic!]
…solche Jay Jay Sätze kommentieren sich ja en sí mismo, besonders der Letztere!
noch Fragen?
[WARNUNG - blauer Text auf weißem Hintergrund ist eine regelrechte Tortur für die Augen]
R.I.P. Les Paul
update
@SF Dein Spamschutz ist in Mathe eine Niete!
Nachdem es nur noch ein paar wenige monopolisierte Banken mit Staatshand weltweit gibt und das nationalisierte gegeneinandersiegen in der Krise gegen die internationale Bankenkonkurrenz auch fast abgeschlossen ist, ist natürlich für diese Monopole auch eine “neue” Finanzmarktgesetzgebung mögich, die genau diese Machtposition rechtlich in die entsprechende Form giessen und juristisch absichern wird.
Ach ja, Sie haben nichts gewußt, vergiß das Superdinner 2003, denn der hinterhältige Amilehmann ist der Übeltäter, mindestens, für alles. ;)
Was für eine verlogene Farce einem da verkauft werden soll…
Das wird nicht die erste Jahrhindertpleite sein, da kommen sich noch ein paar nach – und wer wird es wieder ausbaden – der STEUERZAHLER