Islamo-Faschismus oder “Wer Faschist ist bestimmen wir”
23. Februar 2007 von Spiegelfechter - Drucken
Eine Gesellschaft, die vom Erdöl abhängig ist wie der Junkie von seiner täglichen Dosis, handelt auch ähnlich triebgesteuert. Der Fokus des Interesses ist es den nötigen Stoff zu bekommen. Gesellschaftlich ist dies indes nicht anerkannt – wird der Konsum als solcher als Krankheit gesehen, der man mit Ersatzdrogen (Methadon, Atomkraft) beikommen will, so ist die Beschaffungskriminalität der Kern des Problems, der die meisten negativen Folgen mit sich bringt.
Öl - der Saft nach dem die Welt giert
Die Begehrlichkeiten der Mächtigen im Weißen Haus sind vor allem auf eine Region konzentriert, den Nahen Osten. Hier sind die umfangreichsten Lagerstätten, die auch für die Zukunft prächtigen Nachschub versprechen. Die „gesicherten“ Erdölquellen der USA reichen alleine nicht mehr aus, die SUVs zu speisen und die Reserven verheißen alarmierendes: „Peak-Oil, das Ölzeitalter (so werden es künftige Historiker wohl bezeichnen) neigt sich dem Ende zu“. Peak-Oil hat die letzte Runde des Verteilungskampfes eingeläutet, in der neben den USA auch aufstrebende ölfressende Riesen, wie Indien und China und wiedererstarkte Energiezaren (1) beteiligen. In den Kammern der bellizistischen Beraterinstitute steht die Uhr auf 5 vor 12.

Beschränkt sich die Beschaffungskriminalität des Junkies meist auf kleinere Straftaten, wie Beischlafdiebstahl oder Autos knacken, so ist die Beschaffungskriminalität der Ölsüchtigen häufig genug Grund für Kriege, die unendliches Leid mit sich bringen. Der kleine Junkie hat allerdings keine Presseabteilungen und PR-Firmen, die sich darum kümmern, dass sein gesetzwidriges Treiben im „rechten“ Lichte dargestellt wird – die Ölbeschaffer haben diese „Werkzeuge des Teufels“ zu genüge … und sie betreiben ihre Arbeit mit einer „teuflischen“ Effizienz. Kein Mensch zieht gerne in den Krieg, kein Mensch klaut gerne seinem Nachbarn ohne Not die Kronjuwelen aus dem Keller und schlägt ihm den Kopf ein. Dem Menschen muss ein Grund gegeben werden, warum er die Normen gesellschaftlichen Lebens verlassen soll.

Neue Formeln müssen her
Dafür musste von den Falken in Washington und Tel-Aviv ein Kampfbegriff gefunden werden, der möglichst aggressiv-hegemonial ausgeschlachtet werden kann. Gefunden wurde die Formel “Krieg der Demokratie gegen den Islamo-Faschismus”, einer Neuauflage des “Kampf der Kulturen”, den Samuel Huntigton einst selbsterfüllend prophezeite. In Deutschland wurde dieser Begriff durch Josef Joffe in seinem Leitartikel „Islamo-Faschismus“ in der ZEIT vom 18. März 2004 aus der Taufe gehoben. Ein solch „feiner“ kulturkämpferischer Terminus wurde natürlich neben der dem American Enterprise Institute zugehörigen Ayaan Hirsi Ali, eine Holländerin, somalischen Ursprungs, auch von den islamophoben und philosemitischen Auguren Henryk Broder und Leon der Winter mit Begeisterung aufgenommen und weiterverbreitet. Konnte doch so der moralisch-stringente Schluss gezogen werden, das es wieder die „Faschisten“ sind, die die Existenz der Juden und die Demokratie bedrohen. Das „Faschistenhütchen“ wurde dem Islam übergestülpt. Mit Freude wurde vom Jerusalemer Großmufti Mohammed Amin al-Husseini berichtet, der im zweiten Weltkrieg mit den Nazis sympathisierte. Gerade so, als wären Leute wie Charles Edward Coughlin oder Oswald Mosley nur Hirngespinste von Feinden der Demokratie und die National Union for Social Justice eine gänzlich unamerikanische Abart des „friedliebenden“ Garanten der Freiheit.
Mit diesem Kunstgriff konnten Amerikas Kriege gegen den Irak und Afghanistan und neuerdings auch in Afrika genauso gut verteidigt werden wie Israels Kriege im Libanon und Palästina. Waren es doch „antifaschistische“ Kriege und gerade wir Deutschen sollten doch besser schweigen, wenn es um Kriege gegen den Faschismus geht, wären wir ohne sie doch Moskaus rote Knechte.
Die Medienmaschine läuft an
Mit der medialen Kampagne gegen Iran erreicht auch die Medienarbeit der Falken ihren Höhepunkt. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht von WELT, ZEIT, FAZ, Spiegel und Focus daran erinnert werden, dass das Böse islamischer Natur ist bzw. das die islamische Natur böse ist (2). Hierbei nimmt der Kampfbegriff vom „Islamo-Faschismus“ eine wichtige Rolle ein. Suggeriert er doch das, was die Falken uns gerne glauben machen würden.
Der Islam sei nicht demokratie- sondern faschismuskompatibel. Daher müssten die westlichen Demokratien doch erkennen, dass ohne eine Intervention der Islam einen weltumspannenden Faschismus islamischen Charakters installieren würde. Das Münchner Abkommen hat uns ja auch gelehrt, dass man mit Faschisten nicht verhandeln sollte (Atomdebatte) sondern Präventivkriege das Mittel der Stunde sind. Daher dürften die westlichen Demokratien den USA und Israel in ihrem „gerechten“ Kampf gegen den Faschismus auch nicht in den Rücken fallen, sondern diese unterstützen – bis hin zum präventiven Einsatz von Atomwaffen. Der apokalyptische Big-Boss (Endgegner) ist auch schon ausgemacht – wer sonst als der „Irre aus Teheran“, der „Widergänger Hitlers“ sollte es sein (2). Iran, die Speerspitze des „Islamo-Faschismus“, Bush und Olmert die apokalyptischen Reiter des Guten … das muss man doch verstehen. In diesem Kontext ist Bush der Sehende unter Blinden … in der Realität erinnern die bellizistischen Hetzer indes eher an den alten Autobahnwitz „Heute sind auch nur Geisterfahrer unterwegs“.
Ahamdinedschad trägt mit seinem zweifelhaften Populismus und seiner Instrumentalisierung des Holocausts selbstverständlich nicht unbedeutend zu dieser Stimmungsmache bei. Er liefert den Populisten um Broder eine Steilvorlage nach der anderen – da ist leicht zu polemisieren. Broder malt in seinem jüngst erschienenen Buch „Hurra, wir kapitulieren“ schon mal farbenfroh das Gespenst von 1,5 Mrd. Moslems aus, die „unsere“ Werte mir Füßen treten uns zur „Selbstaufgabe“ zwingen. Suggestiv fragt er „Was wären die Folgeschäden eines präventiven Atomkrieges gegen Iran?“. Natürlich – dann sehe alles ganz anders aus. Der gemeine Muslim wäre ob eines solch entschiedenen Handelns von der moralischen Überlegenheit der „christlich-jüdischen“ Kultur überzeugt und würde seine Kinder anstatt in die Koranschule sofort in die Junge Union schicken und seine Frau dazu ermutigen oben ohne im lokalen Freibad zu poussieren.
Der israelische Historiker Benny Morris spinnt Broders Gedanken zu Ende und lamentiert in der WELT vom 6. Januar 2007 von einem „zweiten Holocaust“, den Teheran mit Atomwaffen vom Zaun brechen wolle – das Teheran keine Atomwaffen besitzt blendet er aus, aber dies ist bei den Springer-Blättern eh guter Ton. Das ein solches Vorgehen absurd wäre, dass sich gar Jaques Chirac vor zwei Wochen dazu äußerte, er habe keine Angst vor einer iranischen Atombombe, ist Morris keine Zeile wert.
Diese Logik der atomaren Abschreckung kennt natürlich auch Broder. Nur verschweigt er sie, wider besseren Wissens. Anscheinend macht es ihm nichts aus, die Öffentlichkeit zu täuschen. Broder ist indes eher ein Nachzügler in einer internationalen Kampagne, die im angloamerikanischen Raum schon länger läuft. Mit Überschriften in englischsprachigen Medien wie “How Europe Died”, “While Europe Slept”, “Europe´s Suicide?”, “Eurabia is no Fairytale”, “Goodbye Europe” und Ähnlichem wird die westliche Welt aufgehetzt, den neuen globalen Kreuzzug nicht länger hinauszuschieben. (3)
Was Broder und Konsorten gar nicht gerne hören werden: Diese Kampagne erinnert frappierend an die Judenhetze der 30er Jahre – natürlich mit vertauschten Objekten. Beschwor man damals die Gefahr des weltweiten Judentums, so ist es heute der weltweite Islam. Hieß es damals „Deutschland erwache!“, so heißt es heute „Westen erwache!“. Der „Gegner“ wird dämonisiert um seine eigenen bellizistischen Motive zu rechtfertigen und den „Volkszorn“ zu instrumentalisieren.
Betrachtet man die Strategie, des Weißen Hauses, Iran zu einer Tat zu provozieren, die sich medienwirksam als Casus Belli ausschlachten ließe (4), so macht diese PR-Kampagne in einer erschreckenden Art und Weise Sinn. Das Volk soll auf den künftigen Krieg mental eingeschworen werden und wissen um was es geht: Dem Kampf gegen das Böse. Hoffen wir alle, das Teheran klug genug ist um mit der gebotenen Gelassenheit auf solche Provokationen zu reagieren.
Jens Berger
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eine lange Zeit dachte ich mit meiner Meinung gegen über dem jüdischen Faschismus gekoppelt mit den Neocons alleine zu stehen. Dieser Blog zeigt dass dem nicht so ist.
Schade nur, dass nach solchen Blogs im Netz explizit gesucht werden muss!
Denn die Mehrheit der heutigen Medien (Ausnahme Internet) sind ohnehin in der Hand von Hetzern.
Man braucht nur die Namen der Eigner zu lesen wem Sie gehören. (US - Israeli Hain Saban oder den Ultra konservativen Rupert Murdoch und Bush Freund) Und schon bekommt man richtig Angst!
Über den Springer Velag lasse ich mich am besten nicht aus!!
Daher wird es die Welt sich schwer tun, sich gegen solche Kräft zu wehren.
Aber solange es solche Blogs hier gibt wird auch die Hoffnung auf Gottes Gerechtigkeit geben!!!
Bravo, dem kann ich nur zustimmen. Die islamophoben “Meinungsmacher” sind nicht nur in den Prinzmedien aktiv. Auch im Netz unter den Bloggern gibt es “rühmliche” Beispiele.
Mittlerweile versuchen nicht nur einschlägige Blogs, sondern auch etablierte Medien sich an der Verbreitung von Eurabia, Europa schläft, u.s.w. Zu Islamofaschismus gibt es bei YouTube dann “Hitler’s Mufti”, zur gebetsmühlenartig wiederholten Behauptung, dass Europa schon völlig verdhimmit ist, die Dhimmi-Liste:
welt.de/pr...
Einfach merken: Islam=böse, der Mufti=Dath Vater, der Turban ein Wehrmachtshelm und Ahmadinedjad ist Hitler. Und alles ist München ‘38, Appeasement, you know?
dialoginte...
Womit sich der Rest von selber ergibt.