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  • Der „Schuldenschnitt“ und das Kleingedruckte

    geschrieben am 28. Oktober 2011 von Spiegelfechter

    Während die Banker Krokodilstränen wegen der beim Eurogipfel beschlossenen „substantiellen Beteiligung“ des Privatsektors vergießen, steigen die Börsenkurse der Institute im zweistelligen Prozentbereich. Offenbar bewerten die Akteure an den Finanzmärkten die Ergebnisse des Gipfels diametral anders als die leider wieder einmal vollkommen unkritischen Medien. Man sollte sich nicht von der PR der Bankenlobby ins Bockshorn jagen lassen. Der Finanzsektor zählt ganz klar zu den Gewinnern des Gipfels. Griechenland und vor allem die anderen angeschlagenen Euroländer zählen hingegen zu den Verlierern.

    Wenn man in diesen Tagen die Zeitungen aufschlägt, stößt man immer wieder auf die Aussage, die EU-Regierungschefs hätten beim Gipfel einen 50%-Schuldenschnitt für Griechenland beschlossen. Dies ist jedoch gleich in vielfacher Hinsicht falsch. Es wurde vielmehr gar kein Schuldenschnitt – in welcher Höhe auch immer – beschlossen, sondern lediglich angekündigt, dass man die Banken und Versicherungen zu Verhandlungen einlädt, an deren Ende ein Anleihentausch stattfinden soll, bei dem die Institute auf freiwilliger Basis ihre Griechenlandanleihen gegen andere Anleihen eintauschen können. Dabei sollen sie – so die Absichtserklärung – einen Nominalwert von 50% abschreiben. Die Verhandlungen über diesen Anleihentausch beginnen in den nächsten Wochen und das Tauschprogramm soll Anfang 2012 beginnen. Da die Details somit erst noch ausgehandelt werden, gibt es auch noch unzählige Möglichkeiten, wie die Banken diese 50%-Marke ad absurdum führen können, und es ist sehr wahrscheinlich, dass ihnen das auch gelingen wird.

    Fallstricke und Sollbruchstellen

    Wie geschickt der Bankenverband IIF die Höhe von Abschreibungen uminterpretiert, zeigte er bereits beim freiwilligen Anleihentauschangebot im Juli dieses Jahres. Zunächst einmal ist bei der Berechnung festzuhalten, dass die Abschreibungen auf den Nominalwert und nicht auf den Buch- oder gar den Marktwert vollzogen werden sollen. Als Beispiel kann hier die 2007 ausgegebene 10-jährige Anleihe GR0124029639 herangezogen werden. Diese Anleihe hat einen Nominalwert von 100 Euro, am Markt wird sie jedoch aktuell lediglich mit 31,52 Euro behandelt. Wenn eine Bank diese Anleihe zum Marktwert bilanzieren würde, hätte sie bereits fast 70% des ursprünglichen Wertes abgeschrieben. Ein Tausch, bei dem sie stattdessen ein Papier im Wert von 50 Euro bekommt, ist demnach kein schlechtes, sondern ein verdammt gutes Geschäft.

    Weiter auf den NachDenkSeiten

    Update: Die jüngste Anleihenauktion Italiens zeigt exakt die Auswirkungen, die im letzten Absatz (auf den NDS) beschrieben werden:

    Auch nach dem EU-Gipfel zur Stabilisierung der Währungsunion muss Italien weiter zittern: Bei der Aufnahme eines frischen Milliardenkredits musste das Land am Donnerstag Rekordzinsen zahlen. Für Investititionen in Zehnjahresanleihen im Wert von 3 Mrd. Euro forderten Anleger eine Rendite von durchschnittlich 6,06 Prozent. Das ist der höchste Satz seit Einführung des Euro. Bei der letzten vergleichbaren Auktion vor einem Monat hatten sie sich noch mit 5,86 Prozent zufriedengegeben. Auf dem Sekundärmarkt, also im Handel mit bereits ausgegebenen Staatsanleihen, notierten die Renditen kurz vor der Auktion bei 5,92 Prozent. Anschließend kletterten sie auf 5,97 Prozent.
    Insgesamt nahm Rom über Anleihen mit verschiedenen Laufzeiten 7,9 Mrd. Euro am Markt auf. Angestrebt hatte das Finanzministerium einen Betrag von bis zu 8,5 Mrd. Euro, wegen der hohen Zinsen wurden aber nicht alle Papiere platziert.

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    Tags: Energie Finanzkrise
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    1. Bob Roberts schrieb am 28. Oktober 2011 um 16:38 - Permalink

      Danke für die klärende Analyse. Warum wird das in den klassischen Medien nicht korrekt dargestellt ? Sind das alles Laien in den Redaktionsstuben ?

      • Spiegelfechter schrieb am 28. Oktober 2011 um 16:53 - Permalink

        ich denke, sie sind a) faul und b) personell nicht gut ausgestattet. Das soll jetzt nicht arrogant klingen, aber die Zahl der Journalisten der großen Zeitungen, die sich bei Finanzthemen überhaupt so gut auskennen, dass sie sich wagen, den Agenturen zu widersprechen, ist sehr klein.

        • Johannes schrieb am 29. Oktober 2011 um 00:02 - Permalink

          klingt gar nicht arrogant!

        • sternburg schrieb am 29. Oktober 2011 um 07:17 - Permalink

          aber die Zahl der Journalisten der großen Zeitungen, die sich bei Finanzthemen überhaupt so gut auskennen, dass sie sich wagen, den Agenturen zu widersprechen, ist sehr klein.

          hehehe das fängt schon viel tiefer an. muss ich an das hier denken: http://vimeo.com/21654630 .
          deutsche hauptstadtjournalisten, von den sog. qualitätsmedien diskutieren 19 min mit dem regierungssprecher, ob es zumutbar sei oder nicht, sich u. a. über twitter infos zu besorgen. nicht wenige unter den journalisten, die nicht einmal wissen, wie das funktioniert twitter und so. peinlich.

          ps.: cool wie gelassen der regierungssprecher bei dieser dämlichen diskussion die ganze zeit bleibt.

          • genova schrieb am 29. Oktober 2011 um 12:53 - Permalink

            So dämlich sind die Journalistenfragen nicht. Dass über twitter viel Blödsinn verlautbart wird, ist bekannt, dass da gefaked wird, ebenso. Dazu kommt, dass man mit den paar Zeichen, die einem zur Verfügung stehen, keine sinnvollen Nachrichten verfassen kann. Die Nachfragen per Telefon müssen da ja fast zwangsläufig kommen.

            Journalistenbashing ist billig, wenn es nicht fundiert ist. Die völlig richtige Tatsache, dass es zuwenig fitte Wirtschaftsjournalisten gibt, hat nichts damit zu tun, dass man neue Informationswege kritisiert. Zumal dieser Regierungssprechr ein technokratischer Labersack ist, dessen Aussagen in dem Video fast durch die Bank so eine Art Orwell-Sprech darstellen, dessen Funktion es nicht ist, aufzuklären, sondern zu verschleiern. “Gelassenheit” ist da kein passender Ausdruck.

            Ansonsten danke für den Artikel. Das ist Aufklärung im besten Sinn. Dass offiziell der Begriff “Schuldenschnitt” verwendet wird, den dann fast alle Journalisten übernehmen, ist die Katastrophe, nicht die Frage, ob der Begriff via twitter kommuniziert wird oder sonstwie.

            • sternburg schrieb am 29. Oktober 2011 um 14:27 - Permalink

              Dass über twitter viel Blödsinn verlautbart wird, ist bekannt, dass da gefaked wird, ebenso.

              himm …. bei den printmedien wirst du genau so viele beispiele für desinformation, pr-journalismus und getarnte kampagnen finden. spontan fällt mir der spiegel und die angeblichen ninjasternartigen wurfgeschosse von autonomen auf polizisten während der kämpfen in heiligendamm ein.

              Dazu kommt, dass man mit den paar Zeichen, die einem zur Verfügung stehen, keine sinnvollen Nachrichten verfassen kann.

              sind denn die tickermeldungen der nachrichtenagenturen so viel reicher an inhalt ? wenn der politiker, dem journalisten eine information hinwirft, fängt dessen job an. er muss jetzt überprüfen, recherchieren.

              Journalistenbashing ist billig, wenn es nicht fundiert ist.

              du hast recht und ich will auch nicht pauschal gegen journalisten dissen.
              ich finde es nur peinlich, wenn 19 min “gejammert” wird, wie das geht mit twitter und so und eigentlich die jungs und mädels gucken müssten, wie sie heute mit der schnelligkeit von informationen und neuen medien umgehen.

              Zumal dieser Regierungssprechr ein technokratischer Labersack ist, dessen Aussagen in dem Video fast durch die Bank so eine Art Orwell-Sprech darstellen, dessen Funktion es nicht ist, aufzuklären, sondern zu verschleiern. “Gelassenheit” ist da kein passender Ausdruck.

              ich kenne den regierungssprecher nicht und von der beschreibung seiner funktion hast du bestimmt recht. ich fand in diesem ausschnitt nur seine gelassenheit cool, weil es den fragenden um ihre kohle und die gefährdung der profite ihrer arbeitgeber geht und nicht um den schutz der bürger vor manipulation oder die gefahr zunehmender oberflächlichkeit in journalistischer berichterstattung?

              jeder bürger kann sich jetzt selber zb ankündigen auf seinen pc holen und muss nicht warten auf presseagenturen und andere informationsverarbeitungs profis . die journalisten sehen die gefahr des verlustes von exklusivität und zeitvorsprung.

    2. Sammy schrieb am 28. Oktober 2011 um 17:01 - Permalink

      Wieder einmal ein klarer und sachlicher Artikel. Danke dafür!

      Offensichtlich sind die Staaten in keiner Weise mehr Herr der Lage sondern systembedingt Getriebene, die sich nur noch als Bittsteller an die Banken wenden.

      Um so erstaunlicher, dass es kaum Medien gibt, die das thematisieren. Die Journalisten scheinen ebenso getriebene zu sein. Zwischen dem unermüdlichen Hetzen um die schnellste Meldung und der Angst zu kritische Berichterstattung könnte den Arbeitsplatz gefährden scheinen die meisten Journalisten ihre Aufgabe darin zu sehen Agentur-Ticker-Meldungen umzuformulieren.

      Kurz: ich habe den stark verfestigten Eindruck wir alle vom Politiker über den Journalisten bis zur ALG II aufstockenden Putzfrau sind nur noch getriebene des Systems.

      Time for change!
      Time to act!

    3. der Herr Karl schrieb am 28. Oktober 2011 um 17:23 - Permalink

      … aus Sicht des griechischen Staatshaushalts beträgt der „Schuldenschnitt“ somit nicht 50%, sondern gerade einmal 13,5%

      Also: nach der Krise ist vor der Krise.
      Ich lege mal ein paar Vorräte an…

    4. R_Winter schrieb am 28. Oktober 2011 um 17:25 - Permalink

      So hatte ich es mir vorgestellt. Danke für die sachliche Darstellung.
      Es liegt bei Merkel keine Lügerei vor – nur Unfähigkeit und genau so ist es bei der SPD- und der Grünen-Führung. Dummheit herrscht im Bundestag vor.
      Sie überblicken die Machenschaften eines Ackermann nicht.
      Die Finanzkrise ist noch lange nicht ausgestanden.

      • Spiegelfechter schrieb am 28. Oktober 2011 um 17:27 - Permalink

        Die Finanzkrise ist noch lange nicht ausgestanden.

        So lange nicht, bis man der EZB den Befehl “Feuer frei!” gibt. Das wird noch dauern, aber es wird passieren.

        • MWi schrieb am 28. Oktober 2011 um 17:37 - Permalink

          Boah, bitte nicht noch mehr Andeutungen. ;)
          Was meinst du konkret mit “Feuer frei!”?

          • Spiegelfechter schrieb am 28. Oktober 2011 um 17:43 - Permalink

            Die Erlaubnis, auf dem Primärmarkt zu kaufen, Garantien zu geben und ggf. auch die Erlaubnis, selbst Anleihen zu emittieren und an die Eurozonenländer weiterzugeben.

            • Schweigsam schrieb am 28. Oktober 2011 um 23:45 - Permalink

              Ist das gut?…..;-)

            • Ariane schrieb am 29. Oktober 2011 um 01:45 - Permalink

              Ich denke, mit der EZB hätte man das Problem der hohen Zinssätze sofort weg. Es würde wahrscheinlich schon ausreichen, wenn die EZB laut und deutlich jedem erzählen würde, dass sie im Notfall zu allem bereit wäre. Imo wäre das akute Krisentheater damit beendet.
              Ich bin mir aber unsicher, ob diese Einsicht wirklich nochmal durchdringt, ich hätte die aktuellen Gipfel für einen guten Zeitpunkt gehalten, der EZB mehr Mittel in die Hand zu geben, stattdessen hebelt man lieber rechts und links und ich finde man merkt auch, dass alle Regelungen immer bemühter und komplexer werden. Und Zeit kaufen funzt ja auch nicht mehr, am Anfang hat es immerhin noch für ein paar Monate Ruhe gesorgt, aber ich denke, wir haben die nächste akute Krisensituation schon wieder im November oder spätestens um den Jahreswechsel rum und wenn – wies aussieht – der nächste Krisenherd Italien ist, dann herzlichen Glückwunsch.

          • Sergio schrieb am 29. Oktober 2011 um 03:19 - Permalink

            “Feuer frei” bedeutet “Notenpresse” anwerfen. Alles monetarisieren was nur geht. Das dabei Inflation ensteht, das wird vom SF einfach ignoriert. Die EZB kann natürlich jeden NOMINELLEN Betrag zu 100% garantieren, aber nicht die Kaufkraft. Durch die Notenpresse wird aber der Geldwert vernichtet. Zu Glauben das Problem zu lösen indem man einfach Geld druckt hat schon was kindliches.

            • ola schrieb am 29. Oktober 2011 um 06:54 - Permalink

              Sie wissen aber schon, dass die EZB die einzige Notenbank der Welt ist, die nicht feuern darf? Alle anderen dürfen das und tuen es sogar:) Auf Ihr wirklich albernes Inflationsgeschwätz lohnt es sich nicht wirklich einzugehen. Die Bedingungen für eine Inflation sind nicht gegeben, deshalb gibts weltweit auch nichts derartig erschreckendes zu berichten. Lieber zahlen Sie anscheinende die Zinsdifferenz von 4-10% an die Banken.

              Nunja, jeder wie er will. Momentan ist ja gerade wieder der Chinese als Schreckgespenst tätig…

            • Spiegelfechter schrieb am 29. Oktober 2011 um 10:19 - Permalink

              “Feuer frei” bedeutet “Notenpresse” anwerfen. Alles monetarisieren was nur geht. Das dabei Inflation ensteht, das wird vom SF einfach ignoriert.

              Das wird von mir nicht ignoriert, sondern schlicht bestritten. Erkläre mir doch mal, wie das aussehen soll. Inflation heißt Preissteigerung. Eine Preissteigerung findet idR statt, wenn die Geldmenge in den Händen der Verbraucher schneller steigt, als das Angebot an Waren. Wenn die EZB nun Kredite absichert, ändert sich an der Geldmenge in den Händen der Verbraucher und dem Warenangebot aber gar nichts. Bei einer direkten Staatsfinanzierung über die EZB sieht dies ähnlich aus, außer man unterstellt, dass die Bürger nun ihre Lebensversicherungen kündigen und stattdessen shoppen gehen. Das ist aber absurd.

              Wer die “Notenpresse” mit “Inflation” gleichsetzt, unterstellt IMMER, dass neue Staatsschulden in signifikanter Menge aufgenommen werden und das Geld beim Verbraucher landet. Das ist aber in diesem Fall eben nicht zu erwarten.

              Die EZB kann natürlich jeden NOMINELLEN Betrag zu 100% garantieren, aber nicht die Kaufkraft. Durch die Notenpresse wird aber der Geldwert vernichtet

              Warum?

              Zu Glauben das Problem zu lösen indem man einfach Geld druckt hat schon was kindliches.

              Siehste mal, ich finde es kindlich, zu glauben, die Preise würden steigen, wenn die EZB Staatsanleihen garantiert. Und ich bin wir sehr sicher, dass meine Position seriöser ist ;-)

          • R@iner schrieb am 29. Oktober 2011 um 12:07 - Permalink

            @spiegelfechter:

            Eine Preissteigerung findet idR statt, wenn die Geldmenge in den Händen der Verbraucher schneller steigt, als das Angebot an Waren.

            Ich behaupte, daß dies einer der falschesten Sätze aller Zeiten ist.
            Richtiger wäre er höchstens, wenn wir uns bei Sir Isaac Newton bedienten und ein

            sofern, keine äußeren Kräfte auf ihn wirken

            anhingen.
            Im Ernst: Welcher Markt könnte denn noch so funktionieren?

            • Spiegelfechter schrieb am 29. Oktober 2011 um 12:35 - Permalink

              Im Ernst: Welcher Markt könnte denn noch so funktionieren?

              Jeder, der noch halbwegs nach Marktregeln funktioniert. Das Problem ist doch (zumindest in D), dass die Menschen zu wenig Geld in der tasche haben. Es geht ja nicht nur um direkte Konkurrenz in einem bestimmten Produktumfeld, sondern auch um Konkurrenz zwischen ganz verschiedenen Produkten und Dienstleistungen. Ist das Restaurant zu teuer, koche ich selbst, ist der Sprit zu teuer, fahre ich Bus, ist er Urlaub zu teuer, kaufe ich mir halt einen neuen Computer usw. usf.. Zu unterstellen, die gesamte Wirtschaft hätte sich verschworen ist Quatsch und empirisch in keiner Weise haltbar.

      • R_Winter schrieb am 28. Oktober 2011 um 18:13 - Permalink

        Hier eine Ergänzung zu meiner Feststellung……

        ….– nur Unfähigkeit und genau so ist es bei der SPD- und der Grünen-Führung.

        Es gibt Momente, die ein neues Licht auf Politik werfen. Und der Satz, den Frank-Walter Steinmeier da mitten in seiner Bundestagsrede sagt, ist so einer. “Ich müsste die zweite Option wenigstens verstehen, um mir ein Urteil zu bilden.”…
        Steinmeiers frappierende Ehrlichkeit bricht ein Tabu im politischen Betrieb.
        ……………
        ………………………..
        Denn sicher ist: So wie Steinmeier geht es vielen Abgeordneten.

        Quelle NDS/TAZ 28.10.2011

        • Spiegelfechter schrieb am 28. Oktober 2011 um 18:34 - Permalink

          Drollig ist vor allem der Satz, in dem taz-Autor Schulte gesteht, dass er und seine Kollegen selbst keine Plan haben, aber munter drauf los schreiben. Herrjeh, liebe Kollegen, dann schreibt doch einmal nichts oder schreibt, dass Ihr gerne was schreiben würdet, aber keinen Plan habt. So macht Ihr die ganze Situation doch noch viel schlimmer!

          • Jacob Jung schrieb am 29. Oktober 2011 um 01:44 - Permalink

            Mir fällt da glatt noch eine dritte Lösung für die Kollegen ein: Bildet Euch ein bisschen fort, lest ein paar Bücher und Blogs und schreibt künftig mit Plan.

            • Spiegelfechter schrieb am 29. Oktober 2011 um 10:20 - Permalink

              ;-)

          • sternburg schrieb am 29. Oktober 2011 um 07:46 - Permalink

            Drollig ist vor allem der Satz, in dem taz-Autor Schulte gesteht, dass er und seine Kollegen selbst keine Plan haben, aber munter drauf los schreiben.

            gibt es in der journalistischen ausbildung, im studium auch so was wie ethik im beruf? aber vielleicht bringt das auch nicht so viel. keine ahnung. vielleicht ist es bei journalisten nicht anders, wie bei politikern, polizisten und anderen berufen, wo man verantwortung für andere hat und es dann letztendlich eine ganz individuelle entscheidung ist, ob man ein arschloch ist oder nicht. der druck vom redakteur, eigene geldgier oder verbissenes karrieredenken? eitelkeit? man wisse als journalist per se immer alles besser als der leihe?

            himmm… vielleicht geht es auch nur, wie so oft um profitgier. echte sachkompetenz? hehehe meine leser sind doch genau so dumm. die raffen das eh nicht. habe gestern gelesen, das peer steinbrück zur zeit für die meisten deutschen der neue bundeskanzler sei. ich fasse es nicht!

            hier noch der verbotene taz kino clip zur bildzeitung:

            • Spiegelfechter schrieb am 29. Oktober 2011 um 10:23 - Permalink

              Die taz hat wenigstens Ulrike Herrmann, die für mich zusammen mit Thomas Fricke (FTD) zu den ganz wenigen deutschen Journalisten gehört, die einen Durchblick haben. In der FAZ wird guter Finanzjournalismus ins Feuilleton(!!!) verschoben (weil dort Schirrmacher verantwortlich ist) und SZ und WELT besitzen keinen einzigen Journalisten mit Durchblick. Eine Schande ist das.

            • sHR00m schrieb am 29. Oktober 2011 um 11:55 - Permalink

              früher erzählte meine oma immer gern von ihren tagen als horoskopschreiberin, wie sie sich diese immer auf dem balkon aus den fingern sog. hand aufs herz: 90% der börsen news funktionieren genau so und etwa ein drittel davon ist nichtmal gutdünken sondern böswilligkeit, um “die märkte” zu stützen oder irgendjemand anderem sein paket zu versilbern.

              aber das war ja schon immer so.. dass die börsen news grössenteils frei erfunden waren. die jetzige “naivität” der medien erkläre ich einfach damit, dass merkel, ackermann, bertelsmann und axel springer sich regelmässig zum kanzlergeburtstag und co treffen. hier wurde die demokratie direkt an der wurzel ausgehebelt (staat, hochfinanz, absolute mehrheit der deutschen medien), quasi in der art berlusconi.

              spätestens hier sollte es dann auch in den strafrechtlich relevanten bereich gehen, wenn offenkundig gläubiger, schuldner und grosse teile der medien miteinander ins bett gehen. vielleicht bin ich auch zu naiv.
              die auswirkungen sind jedenfalls klar erkennbar. unser “staat” kämpft mit harten bandagen. jahrelang hörten wir das mantra “fauler südländer” in der bildzeitung und überhaupt wird der ton schärfer. der informationsfluss gleicht mittlerweile dem der ddr, nur dass es hier nicht verboten ist, nach der wahrheit zu suchen, man setzt einfach auf die passivität der mehrheit, es nicht zu tun.

              das riecht für mich schwer nach teile und herrsche, zu dem axel springer und bertelsmann auch auf eu ebene ohne probleme in der lage sind.

            • sternburg schrieb am 29. Oktober 2011 um 15:49 - Permalink

              @ sHR00m

              “…Zum Ausdrucken, Kopieren und überall auslegen…” gerd eist

              http://www.blog.druckerey.de/images/2053.jpg

            • esco schrieb am 30. Oktober 2011 um 13:35 - Permalink

              n der FAZ wird guter Finanzjournalismus ins Feuilleton(!!!) verschoben (weil dort Schirrmacher verantwortlich ist) und SZ und WELT besitzen keinen einzigen Journalisten mit Durchblick.

              Wahrscheinlich darf deshalb auch Herr Prof. Unsinn ständig sein wirres Zeug in der Süddeutschen und in der Welt verbreiten. Die meisten Süddeutsche-Leser sind wenigstens so schlau und kennen Herrn Unsinn, die Weltleser glauben leider alles wort wörtlich!

      • Jacques Roux schrieb am 28. Oktober 2011 um 18:26 - Permalink

        Es liegt bei Merkel keine Lügerei vor – nur Unfähigkeit und genau so ist es bei der SPD- und der Grünen-Führung. Dummheit herrscht im Bundestag vor.
        Sie überblicken die Machenschaften eines Ackermann nicht.

        Doch, doch, diese korrupte Mischpoke weiß genau was sie tut, leider.

        • Spiegelfechter schrieb am 28. Oktober 2011 um 18:32 - Permalink

          Das glaube ich eben nicht.

          • Schweigsam schrieb am 28. Oktober 2011 um 23:47 - Permalink

            Das sehe ich auch so!

          • schwitzig schrieb am 29. Oktober 2011 um 09:01 - Permalink

            Das glaube ich eben nicht.

            Das ist nicht ganz einfach zu differenzieren, Wenn man die Frage stellt: “Weiß Merkel um die Auswirkungen dessen, was sie beschlossen hat?” liegst Du sicherlich richtig. Nun ist es aber so, dass es in Berlin vor kompetenten Leuten – unter anderem auch solchen Personen wie Ackermann, der in meinen Augen ein hochbegabter Schwerverbrecher ist – und Regierungsberatern aus dem privaten wie aus dem staatlichen Sektor wimmelt.
            Diese Leute haben sicherlich dieselben Erkenntnisse wie auch Du in Deinem Artikel gezogen – an dieser Stelle übrigens noch mal ein Dankeschön für wirklichen Qualitätsjournalismus – und sollten auch in der Lage sein, diese Schlüsse an die abstimmenden und beschließenden Personen kommunizieren, Diese Berater werden ja finanziert, damit sie beraten – und ich denke, dass sie genau das getan haben.
            Wenn sich jetzt Merkel und Konsorten dahingestellt haben und ausgerechnet nur auf die Berater (Schlage Ackermann, Asmussen und Co.) gehört haben, die schon in der Vergangenheit durch fiese Winkelzüge ausschließlich für den eigenen Vorteil aufgefallen sind, ist das vielleicht nicht direkte Korruption, aber sehr wahrscheinlich indirekte (-> Perspektive), da es rational keinen Grund gibt, kritische Stimmen zu überhören. Eine nicht korrupte, verantwortungsbewußte Regierung hätte als erstes die Frage gestellt: “Wieviel Schulden hat Griechenland nach dem Beschluss?” Ganz rational, einfacher Logik folgend, hätten sie dann die Vorschläge als nicht Zielführend erkannt und verworfen.
            Dass das nicht passiert ist, läßt angesichts der bisherigen Erfahrungen folgende Schlüsse zu, die teilweise oder auch gemeinsam zutreffen können:
            1) Die Regierung regiert nicht. Sie verkündet stellvertretend die Entscheidung anderer.
            2) Der Regierung sind die Auswirkungen egal, solange sie in irgendeiner Form ihren eigenen Vorteil – auch zum Nachteil aller Völker der EU – gesichert sieht (Pöstchen etc.. Das halte ich für am wahrscheinlichsten).
            3) Die Regierung weiß etwas, dass die Mehrheit noch nicht weiß und läßt eine Laissez faire Haltung zu, da die Maßnahmen vor kommenden Maßnahmen sowieso in den Hintergrund treten.
            4) Emotional, religiöse Motive (Marktgläubigkeit etc.) trüben die Entscheidungskompetenz.

            Ich denke, dass 2) die profane Erklärung ist. Dazu passt auch sehr gut, dass das 9-Mann Wurschtelgeheimgremium, das einstweilen aufgehoben wurde. Sie waren über die Schweinereien informiert und wollten genau deshalb eine neue Schweinerei etablieren – das 9er-Gremium – die sie vor demokratischen Beschlüssen schützt, die den eigenen Interessen zuwider laufen könnten.

            • Scherzbischof schrieb am 29. Oktober 2011 um 12:12 - Permalink

              3. Der Euro soll gegenüber dem Dollar nach unten gedrückt werden wg. Export.
              4. Ich weiss nicht, wievel vom Glauben an den “Goldenen Westen” bei dieser intriganten Quotenossi übriggeblieben ist.

          • ola schrieb am 29. Oktober 2011 um 10:40 - Permalink

            Alles nur mit Dummheit zu erklären halte ich allerdings auch für eine gefährliche Denkweise.

            • Mada schrieb am 30. Oktober 2011 um 20:58 - Permalink

              Danke für den informativen Artikel! So versteht es wirklich jeder!

              Da fällt mir noch ein angebliches Seehofer-Zitat aus “Pelzig unterhält sich” ein, auf die Frage zum allgemeinen Schulden-Krisen-Euro-Chaos:
              “Die, die gewählt werden, haben nichts zu sagen. Und die, die das Sagen haben, werden nicht gewählt.”

          • sHR00m schrieb am 29. Oktober 2011 um 12:47 - Permalink

            wenn ich sehe, wie sie naiv tuend einen konkurrenten nach dem anderen aussticht und immer wieder auf diese tour ihren willen einfordert, steckt da schon system dahinter.. im grunde macht sie vorbildliche klientelpolitik für die deutsche bank und co und versteht den machtpoker, spindoctoring etc verdammt gut (wie man am artikel hier sieht).

            die krise zu lösen würde halt fundamental gegen besagtes klientel gehen. keine bailouts, keine “geldpakete” und “rettungsschirme”. insofern trau ich ihr schon zu, es besser machen zu können. spannend wirds dann, wenn sie dieses exportkrake ohne kaufkraft im eigenen land als zukunftsmodell auf andere eu staaten übertragen will. an wen exportieren wir dann? an china? es ist halt schon bemerkenswert, wie sich der nebel lichtet und man am ende als ausgebeutete arbeitsdrohne übrig bleibt. so ganz will ich ihr da unfähigkeit und naivität nicht zugestehen, das würde letztendlich auch nur ihre verantwortlichkeit mindern.

            • viosz schrieb am 29. Oktober 2011 um 19:45 - Permalink

              Ja, Merkel ist das beste Argument gegen eine Frauenquote.

    5. Spiegelfechter schrieb am 28. Oktober 2011 um 17:47 - Permalink

      Update: Die jüngste Anleihenauktion Italiens zeigt exakt die Auswirkungen, die im letzten Absatz (auf den NDS) beschrieben werden:

      Auch nach dem EU-Gipfel zur Stabilisierung der Währungsunion muss Italien weiter zittern: Bei der Aufnahme eines frischen Milliardenkredits musste das Land am Donnerstag Rekordzinsen zahlen. Für Investititionen in Zehnjahresanleihen im Wert von 3 Mrd. Euro forderten Anleger eine Rendite von durchschnittlich 6,06 Prozent. Das ist der höchste Satz seit Einführung des Euro. Bei der letzten vergleichbaren Auktion vor einem Monat hatten sie sich noch mit 5,86 Prozent zufriedengegeben. Auf dem Sekundärmarkt, also im Handel mit bereits ausgegebenen Staatsanleihen, notierten die Renditen kurz vor der Auktion bei 5,92 Prozent. Anschließend kletterten sie auf 5,97 Prozent.
      Insgesamt nahm Rom über Anleihen mit verschiedenen Laufzeiten 7,9 Mrd. Euro am Markt auf. Angestrebt hatte das Finanzministerium einen Betrag von bis zu 8,5 Mrd. Euro, wegen der hohen Zinsen wurden aber nicht alle Papiere platziert.

      • Findus schrieb am 31. Oktober 2011 um 18:22 - Permalink

        Man kann es auch so ausdrücken, dass der Anleihemarkt die Wahrscheinlichkeit eines mehr als 20%igen Kreditausfalls südeuropäischer Anleihen bereits eingepreist hat.
        Das heisst die durch den ESFS-Hebel garantierte Versicherungslösung der Erstattung der ersten 20% Verlust an die Anleiheinvestoren wird von den Investoren als “Versicherung” gar nicht mehr ernst genommen, denn das Verlustereignis wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eintreten.

        Bei einem Südeuropäischen (PIIGS, ohne Frankreich) Staatsanleihevolumen in der Grössenordnung von 5000 Mrd. Euro, und einer durchschnittlichen Ausfallwahrscheinlichkeit von 20% wären wir bei 1000 Mrd. Euro Verlust. Das heisst der EFSA ist bei seiner gegenwärtigen Hebel-Ausstattung bereits mit mehr als 100% “(-500 bis -800 Mrd EURO, je nachdem wieviel Masse des ESFS tatsächlich für die Hebelung zur Verfügung steht) unter Wasser”.

        Die Prozesse des Vertrauensverlustes in Staatsanleihen gehen also weiter.

    6. Riesenmaus schrieb am 28. Oktober 2011 um 18:35 - Permalink

      Alles was sich derzeit auf dem Kapitalmarkt vollzieht ist schwer zu durchschauen. Auch ich, immerhin mit betriebswirtschaftlich Studium durchsteige nicht Alles, was zur Zeit am europäischen Finanzmarkt so vor sich geht.
      Nur eines wurde mir klar! Die Banken, mit ziemlich ruiniertem Ruf, durften den „schwarzen Peter“ abgeben, beziehungsweise es wurde zumindest uns versucht zu vermitteln. Plötzlich müssen die Banken kräftig bluten und gelten als Verlierer der Griechenlandkrise.
      “Die Botschaft hör ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube.” heißt es in Goethes Tragödie Faust. Als Tragödie für die Banken möchte ich das allerdings nicht bezeichnen, was unter der Führung unserer Bundeskanzlerin jetzt beschlossen wurde.

    7. georgi schrieb am 28. Oktober 2011 um 18:39 - Permalink

      Hallo lieber Spiegelfechter!

      Einige Verständnisfragen hätte ich noch:
      * Warum entlastet ein Schuldenschnitt von 50% Griechenland nur 13.5%?
      * Warum ist ein Kreditereignis für die einen eines und für die anderen nicht? Ob so ein CDS fällig ist, hängt doch nicht vom Anleger ab. Es gibt ja Anleger, die halten gar keine griechischen Staatsanleihen, halten dafür aber trotzdem CDS auf ihnen.

      • Spiegelfechter schrieb am 28. Oktober 2011 um 18:45 - Permalink

        * Warum entlastet ein Schuldenschnitt von 50% Griechenland nur 13.5%?

        Weil das “Angebot” sich nur auf die 93 Mrd. der Banken und Versicherungen bezieht. 50% davon sind 46,5 Mrd., also rund 13,5% von 355 Mrd. Gesamtverschuldung.

        * Warum ist ein Kreditereignis für die einen eines und für die anderen nicht? Ob so ein CDS fällig ist, hängt doch nicht vom Anleger ab. Es gibt ja Anleger, die halten gar keine griechischen Staatsanleihen, halten dafür aber trotzdem CDS auf ihnen.

        Das spielt aber keine Rolle. Ein Default liegt dann vor, wenn ein einziger Gläubiger gegen dessen Willen nicht bedient wird. Eine freiwillige Umschuldung zählt da freilich nicht dazu.

    8. Tera-Euro schrieb am 28. Oktober 2011 um 18:43 - Permalink

      Bravo Jens,

      so kennen und mögen wir Dich, eine klare und saubere Analyse.

      Deiner Einschätzung zur Rolle der EZB als letzte Rettungsvariante kann man nur zustimmen,
      alles andere wird wohl schlimmer (und/oder absurder),
      auch wenn mein leicht lästender Arbeitstitel dazu “#printer of last resort” lautet.

      Erwartungsgemäß wird hier dann wohl gleich der Aufschrei der “Hyperinflations”-Ventilatoren kommen, netterweise hattest Du letztens schon den Hinweis auf @kantoos verlinkt, so what …

      Wo ist die Inflation, liebe FAZ, SZ, FTD, Spiegel usw. usf.?

      Einen schönen Artikel zum Default von Staaten hab ich vor kurzem bei meiner
      Econblog-Hero-Woman Yves Smith (naked capitalism) aufgegabelt:

      The Verboten Story of Argentina’s Post-Default Economic Success

      mein Lieblingszitat da:

      No wonder the IMF and the banksters don’t want Argentina to get good press.
      The Eurozone countries they are wringing dry might get ideas.

      Einen (nicht ganz so) ernsten Vorschlag zum Thema hab ich mir zusammen
      mit @egghat ausgetüftelt, hier also unser #fun #fürs WE-Beitrag:

      (Egghats) wunderbare Griechenland-/Eurorettung

      Allen ein Gutes WE!

      • Lemmy Caution schrieb am 28. Oktober 2011 um 19:16 - Permalink

        Ich wurde hier ja vor ein paar Monaten verlacht und verhöhnt, als ich auf das hohe argentinische Wachstum hinwies…
        Aber ganz so rosig ist das eben ganz genau nicht. Das Wachstum war nur möglich durch die höheren Weltmarktpreise für Agrar-Erzeugnisse. Und stellen große Teile Argentiniens einen sehr guten Standort dar. Deshalb gehörten sie ja Anfang der 20er Jahre zu den reichsten Ländern der Welt. Gleichzeitig waren sie aber auch unterentwickelt. Man kann das eher mit Saudi Arabien vergleichen. Relativ reich, aber halt nur aufgrund der Ausstattung mit natürlichen Rohstoffen.

        Die Finanzierungsklemme führte allerdings dazu, das – anders als in Brasilien – sehr wenig Geld für den Aufbau neuer Branchen da war. Nach wie vor gibts heute in Argentinien weniger Industriearbeiter als 1998, vor der Krise. Auch die Bildungspolitik war in den letzten 10 Jahren deutlich unterfinanziert. Das Nachbarland Chile hat Argentinien in PISA Tests überflügelt. Aufgrund der starken mittelständischen Tradition in Argentinien, war das bis in die 90er völig undenkbar.
        Ausserdem gabs kein Geld, um der Terms of Trade induzierten Aufwertung gegenzusteuern. Wieder ein altes argentinisches Problem der geradezu lächerlichen Überbewertung der eigenen Währung, die den Aufbau von neuen Produktivsektoren in Industrie und Dienstleistungen so schwierig macht, obwohl die Bevölkerung dazu unter normalen Aussenverhältnis der Preise ganz sicher in der Lage wäre.

        Der Laden lief nach 2002, aber eben halt sehr unrund. Die hohe Inflation erschwert ausserdem die Sozialpolitik.

        • Tera-Euro schrieb am 28. Oktober 2011 um 19:30 - Permalink

          mein lieber Lemmy Caution,

          …wenn ich nicht so höflich wäre, käme jetzt was von dem Kaliber
          “#RTFM aka link” oder “PISA as a global risk”:

          But the data show that Argentina’s success was not export driven:
          It can be seen that the role of exports is not very large during the expansion of 2002-2008. It peaks at 1.8 percentage points of GDP in 2005 and 2010, and amounts to a cumulative 7.6 percentage points, or about 12 percent of the growth during the expansion.

          man könnte fast meinen, man wär bei der #FDP…

          nicht persönlich nehmen bitte ;-)
          dafür noch was nettes für alle:

          Shorter version: sacrificing your economy on the altar of the Bond Gods may not be such a good idea.

          • Lemmy Caution schrieb am 28. Oktober 2011 um 21:33 - Permalink

            Mein Gott. Wer glaubt schon Mark Weissbrots Propaganda-Papers ;-)

            Argentina’s merchandise imports and exports both reached historical highs in 2007. Imports grew 31% to US$44.7 billion and exports, 20%, to US$55.8 million. This resulted in a trade surplus of US$11.1 billion (the sixth straight year double-digit trade surpluses were recorded). The largest growth in exports was found in the agricultural raw materials sector (45%). Imports continued to be dominated by the need for industrial and information equipment, parts and supplies; together, they amounted to US$34 billion in 2007 (about three-fourths of the total). Motor vehicles and other consumer goods make up most of the rest.

            http://en.wikipedia.org/wiki/Foreign_trade_of_Argentina#Exports_and_imports

            Insbesondere die Jahre vor der Finanzkrise und auch das letzte Jahr waren durch hohes Wachstum der Rohstoffexporte geprägt. Das finanzierte auch zu nicht unerheblichen Teilen den Staatshaushalt, weil Argentinien nämlich standortmässig dermassen gut dastehen, dass sie auf Soja 30% Exportsteuern aufschlagen können. Der Soja-Boom wird nun wirklich von niemanden bestritten.
            Problem v.a. im Vergleich zu Ostasien ist die praktisch in ganz Lateinamerika niedrige Investitionsquote (eher unter 20% gegenüber 40%).
            Der Konsumboom gibts in vielen lateinamerikanischen Ländern seit den hohen Rohstoffpreisen. Der schlägt sich aber leider zu stark in immer steigenden Konsum-Importen insbesondere für die obere Mittelschicht/Oberschicht und relativ stark steigenden Nahrungsmittelpreisen nieder.
            Die immer stärkere Verzahnung der brasilianischen/argentinischen Automobil(zulieferer)-industrie stellt DEN GROSSEN Erfolg des Mercosur dar. Das brummt wirklich und dabei ist es völlig wumpe, dass auf den Fabriken Namen wie Renault, VW, Toyota oder Mercedes steht. Leider siehts in anderen Branchen nicht so gold aus.

        • Spiegelfechter schrieb am 28. Oktober 2011 um 19:35 - Permalink

          Lemmy, Du “vergisst” zu erwähnen, dass Argentinien in einer Fremdwährung verschuldet war und die eigene Währung um fast 70% abgewertet hat. Das Beispiel ist derart fehl am Platze, dass dies sogar Dir einleuchten sollte.

          • Lemmy Caution schrieb am 28. Oktober 2011 um 21:02 - Permalink

            Aber Argentinien war eins der wenigen Fälle, das UNILATERAL einen Schuldenschnitt durchgezogen hat. Das Currency Board galt bis mindestens 1998 als extrem gute Idee, um die Beharrungs-Inflation mit häufigen Hyperinflationsblasen der 80er und sehr frühen 90er loszuwerden.
            1997 betrug der spread zwischen Krediten in Arg-Peso und Dollars nur wenige Prozents, wenn überhaupt 1 ganzes. Ein Problem großes Problem 2002 war, dass viele Privatleute und Unternehmen in den guten Jahren trotzdem zu den etwas günstigeren Dollar-Krediten gegriffen haben.

            Ein unlateraler Haircut wirkt auf die Schuldenlast ähnlich wie ein “weginflationieren” der inländischen Währung, das dir möglicherweise vorschwebt und ganz sicher NICHT ohne Kosten ist.

            Wenn ein Land seine festverzinslichen Kredite einfach mal so weginflationiert, werden die Investoren für eine lange Zeit höhere Nomal-Renditen einfordern, weil sie eben eine Wiederholung des weginflationieren des realen Werts ihrer Ersparnisse befürchten. Argentinien, ein Land, das seit 2002 jährliche Wachstumsraten von im Schnitt vielleicht 8% aufwies, muß heute trotzdem noch auf den inländischen und ausländischen Kapitalmärkten sehr hohe Prämien zahlen (13% Rendite und mehr). Hier “stimmt” das sonst nicht immer gute Gedächtnis der Finanzmärkte.
            Chile zahlt für 10-jährige Staatsanleihen 3,3% (in Dollar) und 4,9% (in chil. Peso). Niedrige Zinsen dürfen natürlich kein Selbstzweck sein. Die wahre Kunst besteht in der Verknüpfung einer verantwortungsvollen Fiskalpolitik UND einer Politik der entschlossenen Öffnung für Chancen für einen möglichst großen Teil der Bevölkerung. Und hier lahmt Chile, egal ob Aylwin, Frei, Lagos, Bachelet oder der Pirania regiert. Eine stärker sozial und industriepolitisch orientierte Regierung, als alles was wir dort in den letzten 200 Jahren gesehen haben, hätte zumindest die fiskalische Gesundheit, um diese riesen-komplizierte Aufgabe anzugehen.
            Aber mit einem fragwürdigen Kredit-Image und immer wieder erratisch ausbrechenden Finanz/Geld-Erdbegen läufts sich als Schwellenland nicht so gut, weil das nämlich dringend benötigte Investitionen sehr erschwert, wenn da zwischendurch das ganze Land immer mal wieder durchgeschüttelt wird und die relativen Preise innen/aussen Achterbahn fahren. Eines der Punkte, die Lula da Silva/Dilma Roussef und übrigens auch Pepe Mujica (Uruguay) sehr gut verstanden haben.

            Dies besitzt aus meiner Sicht auch Relevanz für die europäischen Krisenländer.

            • Spiegelfechter schrieb am 29. Oktober 2011 um 10:25 - Permalink

              Aber Argentinien war

              Jaaaaa, aber das ist hier wirklich OT ;-)

        • OAlexander schrieb am 29. Oktober 2011 um 07:23 - Permalink

          Von mir an anderer Stelle hier vor ein paar Tagen verwewigt (Argentinien als Beispiel für ein Land das nicht Herr seiner eigenen Währung war):

          Der Peso war 1:1 an den US-Dollar gebunden. Das Land schlitterte in die Rezession, de-industrialisierte und endete mit unbezahlbaren Schulden. Der Rest ist Geschichte. Nur, Argentinien konnte Kontrolle über die eigene Währung zurückgewinnen und konnte sich als Einzelfall auch von IMF-Zwängen und dergleichen freihalten. Zur nationalen Errettung wurden auch quasi Kapitalenteignungen von Bankkonteninahbern vorgenommen un dergleichen. Ein wesentlicher Unterschied dieser Episode vor etwa 10 Jahren war, dass damals noch ein global funktionierendes Bankensystem existierte. Es sei kurz angedeutet, dass Argentinien ca. 2010 mit ca. 40 Mio. Einwohnern knapp ein Drittel Mehr BSP als Griechenland mit 10 Mio Einwohnern hat. Ca. 1983 war das BSP Argentiniens mehr als das doppelte Griechenlands mit 30 Mio. Einwohnern zu 10 Mio. Einwohnern. Wie man also sieht, die Ära ohne Kontrolle über die eigene Währung war recht schmerzhaft für die Bürger Argentiniens.

          Heute krepieren Industrie und Gewerbe weiter, weil Agrarboom den Peso hochhält. Die Kunst einen Rohstoffboom zu managen ist auch im Casa Rosada, dem argentinischen Präsidentenpalast, abwesend. Die Slums weiten sich aus, die Leute haben weniger zu fressen als jemals zuvor, und die einst so wunderschön vielseitige Agrarlandschaft in der Provinz Buenos Aires ist einer grässlichen Monokultur von Soya und solchem Zeugs gewichen. Argentinische Fussballer spielen heute in Brasilien, früher war das umgekehrt.

          Das so imposante Buenos Aires ist zum Denkmal für eine bessere Zeit degeneriert, zum Verwaltungszentrum für einen schier endlosen Acker geworden.

          • Beate schrieb am 29. Oktober 2011 um 08:30 - Permalink

            Ihre Behauptungen lassen sich empirisch nicht verifizieren:

            Wachstumsrate Industrieproduktion:

            1999 2000 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2011
            -7 1 16,2 12 7,7 8,2 7,5 4,3 -1,2 8,9

            http://www.indexmundi.com/g/g.aspx?v=78&c=ar&l=de

            Argentinien hat viele findige italienische Einwanderer.

            • Lemmy Caution schrieb am 29. Oktober 2011 um 10:19 - Permalink

              Aber nicht von Beate.
              Zunächst mal sind die Indexmundi Grafiken und Tabellen um jeweils 1 Jahr verschoben. 2000 gabs die -7%, 1999 war das erste Jahr mit Abschwung. Insbesondere 2001/2002 schlug die Krise sehr hart zu.
              Dann muß man beachten, aus was diese Industrieproduktion besteht. Die Wachstumsraten kommen in Lateinamerika oft durch die Nahrungsmittel-Industrie zustande. Zynisch gesprochen, wird in Zeiten eines Rohstoff-induzierten Wachstums wird halt mehr Bier getrunken.
              Und dann hat Argentinien sehr gute Polit-Blogs, in denen man sich über die Lage des Landes jenseits von Peinlichkeiten wie

              Argentinien hat viele findige italienische Einwanderer.

              informieren kann. Ich empfehle das hier (http://abelfer.wordpress.com/), obwohl ich da mit vielem nicht übereinstimme. Ein vermutlich in den frühen 50ern geborener, sprachmächtiger und v.a. fairer Links-Peronist.
              Glaubst Du, Beate, wirklich, dass diese italienischen Einwanderer und ihre Nachfahren “findiger” sind als die vielen paraguayanischen Einwanderer unserer Tage? Besser ausgebildet waren die Scharen italienischen Landvolks, die da zwischen 1880 und 1925 in La Boca vom Dampfer taumelte auch nicht als die Scharen von paraguayanischen Landvolk, die heute nur einige Hundert Meter entfernt in Retiro aus dem Bus taumeln.

          • Lemmy Caution schrieb am 29. Oktober 2011 um 08:40 - Permalink

            “Herr seiner eigenen Währung” ist völlig pathetisch.
            Die haben ihre Währung an den Dollar gebunden, um endlich die Inflation zu überwinden. 2002 haben sie die Bindung wieder aufgehoben. Beides waren souveräne Entscheidungen 2er verschiedener demokratisch gewählter Regierungen.
            Die Armut hat in den letzten Jahren ganz sicher abgenommen. Von wachsenden Slums kann nun unter den Regierungen Kirchner/Fernandez wirklich keine Rede sein.

            • Beate schrieb am 29. Oktober 2011 um 18:11 - Permalink

              Argentinien 2009 BIP nach Sektoren:

              Landwirtschaft, Viehzucht und Forstwirtschaft 7,4;

            • Lemmy Caution schrieb am 29. Oktober 2011 um 20:58 - Permalink

              Beate, 7,4% ist relativ viel. Vor allem machen landwirtschaftliche Erzeugnisse einen Großteil der argentninischen Exporte aus.
              Die wirklich aussagekräftigen Werte – und ich beobachte das für Chile seit Jahren sehr genau – sind a) Anzahl der Industriearbeiter und b) Investitionsquote.
              Hier ein sehr interessanter Artikel des Bloggers Abel, wie gesagt ein Mann, der stark mit der aktuellen Regierung sympathisiert. http://abelfer.wordpress.com/2011/07/18/el-modelo-hoy/
              Wenn Du mich charmant darum bittest, würd ich übersetzen, was er da sagt.

              Gruß Lemmy

        • Beate schrieb am 29. Oktober 2011 um 08:35 - Permalink

          Die Industrieproduktion Deutschlands ist 2009 um 15% zurück gegangen:

          1999 2000 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
          0,9 4,7 -2,1 0,2 2,2 2,9 4,4 5,2 0,1 -15 9

          Gar nicht auszudenken, was ohne Konjunkturprogramme geschehen wäre.

      • Sergio schrieb am 29. Oktober 2011 um 18:00 - Permalink

        Hallo Tera-Euro,

        ich will Dich mal ganz kurz auf etwas aufmerksam machen: Du bejubelst Jens für seine “saubere Analyse”, gleichzeitig stellst Du Links ein die andere Rezepte zur Lösung zeigen als die von SF. Ist dir das eigentlich bewusst??

        Du solltest mal “Verbotene Story” nochmal genau lesen und was sie eigentlich sagt. Sie sagt folgendes und zwar die KAPITALISTISCHE. dh die MARKTWIRTSCHAFTLICHE und RICHTIGE (=ist aber “Verboten”, deswegen der Titel!) Lösung der Griechland Krise ist die folgende am Beispiel von Argentinien:

        (1) Argentinen gibt den Gläubigern nur noch 25% der Forderung zurück (“Haircut”)
        (2) Argentinen löst die eigene Währung vom Dollar ab und wertet ab. Fallende Reallöhne steigern dann die Wettbewerbsfähigkeit

        Diese Massnahmen bringt endlich die benötigte Rezession in Gang. Ist ja auch gemein dass die Gläubiger ihr Geld verloren haben, aber das sind die Regeln des richtigen Kapitalismus.

        Wenn Du dir mal dann genau die wirtschaftliche Entwicklung in Argentinien anschaust (siehe Wachstumsgrapf von ARG in dem “Verboten”-Link) siehst Du folgendes: Nachdem im Nov 2001 Argentinen zahlungsunfähig war und die von mir oben ausgeführten Massnahmen durchgeführt wurden sind, gab es ca eine 2 JAHRE lange Rezession. Dannach gings es wieder bergauf!

        Was sagt uns das?
        Was haben wir in Griechenland für eine (Politik/Bankster)- Lösung? Hier deutet sich ein verlorenes Jahrzehnt an, weil die Politik gemeinsam mit den Bankstern die geschaffenen Kredite nicht platzen lassen will und sie der öffentlichen Hand stattdessen garantieren soll. Diese “Werte” MÜSSEN ja garantiert werden, sonst geht ja die Welt unter. Der unkonrtollierten Kreditvergabe ist Tür und Tor geöffnet. Und der gute SF ist ja auch dafür, “nur” soll das ja die Notenpresse bezahlen, also wir alle die sparen. Dann vernichten wir halt den Geldwert, den so vernichten wir ja die Schuld. GENIALE LÖSUNG. Am besten eine Inflation von 10% oder so, dann haben “Wir” es geschafft.

        Und dann wundern sich welche dass Immobilen- oder Edelmetallpreise steigen(REAL ASSETS) , weil die Leute Angst um ihr Erspartes haben. Aber hier gibt es ja auch eine Lösung(Phase 2): Der Staat verbietet es denn Leuten einfach Gold zu kaufen oder andere Sachwerte. Am besten wäre doch wenn Genosse Geldkommissar ncohmal rüberschaut, sicher ist sicher.

        Wir müsen dann nur die Papierwährung halten, gemeinsam müssen wir für unsere Rettung hungern, das ist dann Bürgerpflicht!

        Ein schönen Abend wünsch ich noch

    9. Lemmy Caution schrieb am 28. Oktober 2011 um 19:00 - Permalink

      Wenn eine Bank diese Anleihe zum Marktwert bilanzieren würde, hätte sie bereits fast 70% des ursprünglichen Wertes abgeschrieben.

      Suggestiv. Jede Bank bilanziert diese festverzinslichen Wertpapiere mit dem Nennwert. Bei schwach kapitalisierten Banken führt die 50% Wertsenkungen zu Problemen in ihrer Bilanz.

      Im übrigen dürften die meisten Papiere einen höheren Marktwert haben, als die 2007 ausgegebenen. Je näher die Fälligkeit, desto höher der Marktwert. Ab spätestens 2009 hatten die Papiere einen im Verhältnis zur Rendite ohnehin niedrigeren Marktwert.

      Bereits beim letzten Angebot des IIF nannten die Banken EFSF-Papiere mit einer Verzinsung von bis zu 6,42% bei einer Laufzeit von 30 Jahren und einem erstklassigen AAA-Rating als mögliche Tauschobjekte, gegen die sie ihre angeschlagenen Griechenlandanleihen damals mit einem „Abschlag“ zum Barwert von 20% eintauschen wollten.

      Auch das ist suggestiv. Natürlich haben festverzinsliche Wertpapiere mit einer längeren Laufzeit eine höhere Rendite.

      Eine freiwillige Vereinbarung zur Senkung der Verschuldung Griechenland hat insbesondere den Vorteil, dass in den Folge-Jahren der Privatsektor nicht extrem hohe Zinsen von Griechenland einfordert. Genau dies war in Argentinien in den letzten 10 Jahren ein gewaltiges Problem, das die Politik der Regierung massivst bestimmt hat (u.a. Vernachlässigung der Bildungspolitik, seltsame Finanzierungsquellen wie eine riesige Ausweitung des Glücksspiels, fehlende Mittel zum Konterkarieren des Überschiessens der Terms of Trade, etc.). Nach einem deftigen Schuldenschnitt ist eben nicht alles wie vorher. Anleger vergessen das nicht so schnell und lassen sich die Risiko-Prämie fürstlich entlohnen.

      Aus den ersten Reaktionen der Banken geht bereits hervor, dass sie nun ihre Risikoaufschläge erhöhen werden. Für Länder wie Spanien oder Italien ist dies ein fatales Signal. Wenn die Risikoaufschläge so hoch sind, dass diese Länder sich nicht mehr am Finanzmarkt refinanzieren können, müssen auch sie die Gelder der EFSF in Anspruch nehmen. Dadurch wird erst die Krise geschaffen, die man eigentlich entschärfen wollte.

      Ohne die Unterstützung der EFSF würden die Privat-Investoren noch höhere Rendite verlangen. . Die Ursache für die Probleme der Refinanzierung Spaniens und Italiens liegen in dem nach wie vor gewaltigen Bedarf an neuen Krediten bzw. in der hohen Schuldenlast begründet. Man kann auch beide Länder nicht mit den USA (Weltmacht) und Japan (Wirtschaftsmacht mit riesiger Sparquote) vergleichen wie es gerne getan wird.

      Aber ich bin mir sicher, dass wenn Sahrah Wagenknecht oder Gregor Gysy an der Macht wären, hätten die eine ganz offensichtliche Lösung. Zwar führten Verschuldungskrisen in der Vergangenheit in aller Regel zu gewaltigen Verwerfungen, es sei denn das betroffende Land gelangte aus ganz anderen Gründen (z.B. Verbesserungen der Terms of Trade durch externe Effekte) in eine Phase des hohen Wachstums. Aber this time would be different.

      • Spiegelfechter schrieb am 28. Oktober 2011 um 19:42 - Permalink

        Suggestiv. Jede Bank bilanziert diese festverzinslichen Wertpapiere mit dem Nennwert. Bei schwach kapitalisierten Banken führt die 50% Wertsenkungen zu Problemen in ihrer Bilanz.

        Unfug, die meisten Banken haben die Anleihen bereits zum Teil abgeschrieben. Dass v.a. die griechischen Banken bei einer 50%-Abschreibung zum EFSF gehen können, ist bekannt.

        Im übrigen dürften die meisten Papiere einen höheren Marktwert haben, als die 2007 ausgegebenen.

        Das hat nichts mit dem Ausgabedatum, sondern mit der Laufzeit zu tun.

        Je näher die Fälligkeit, desto höher der Marktwert.

        Logisch, was auch sonst?

        Auch das ist suggestiv. Natürlich haben festverzinsliche Wertpapiere mit einer längeren Laufzeit eine höhere Rendite.

        Warum soll das so sein? Das ist doch wieder mal Unfug von Dir. Ich erspare mir jetzt die Links auf die Finanzagentur.

        Eine freiwillige Vereinbarung zur Senkung der Verschuldung Griechenland hat insbesondere den Vorteil, dass in den Folge-Jahren der Privatsektor nicht extrem hohe Zinsen von Griechenland einfordert.

        *rolleyes*

        Was für ein Blödsinn. Man merkt wirklich, dass Du nicht den geringsten Plan von der Materie hast.

        Ohne die Unterstützung der EFSF würden die Privat-Investoren noch höhere Rendite verlangen

        Natürlich, ohne “Rettung” wäre Griechenland bankrott. Keine Frage.

        Aber ich bin mir sicher, dass wenn Sahrah Wagenknecht oder Gregor Gysy an der Macht wären, hätten die eine ganz offensichtliche Lösung.

        Stimmt ;-)

        Zwar führten Verschuldungskrisen in der Vergangenheit in aller Regel zu gewaltigen Verwerfungen, es sei denn das betroffende Land gelangte aus ganz anderen Gründen (z.B. Verbesserungen der Terms of Trade durch externe Effekte) in eine Phase des hohen Wachstums. Aber this time would be different.

        Eben, weil in einer Währungsgemeinschaft nun einmal andere Regeln gelten.

        • Lemmy Caution schrieb am 28. Oktober 2011 um 20:27 - Permalink

          Unfug, die meisten Banken haben die Anleihen bereits zum Teil abgeschrieben.

          Welche Banken haben was abgeschrieben? Bring bitte einmal Fakten. Im übrigen macht es für schwach kapitalisierte Banken Sinn, den Nominalwert in den Büchern zu halten.

          Das hat nichts mit dem Ausgabedatum, sondern mit der Laufzeit zu tun.

          Eben. Hat Griechenland Anleihen mit einer höheren Laufzeit als 10 Jahre ausgegeben. Und da dürfte 2007 ein sehr ungünstiges Jahr für den aktuellen Wert sein.

          Bonds mit einer längeren Laufzeit haben cp eine höhere Rendite.

          LC: Eine freiwillige Vereinbarung zur Senkung der Verschuldung Griechenland hat insbesondere den Vorteil, dass in den Folge-Jahren der Privatsektor nicht extrem hohe Zinsen von Griechenland einfordert.

          SF: *rolleyes*
          Was für ein Blödsinn. Man merkt wirklich, dass Du nicht den geringsten Plan von der Materie hast.

          Genau das halte ich für ein sehr ernstes Thema. Wenn Griechenland einmal vom Tropf des ESFS unabhängig werden wird, gibts Kredite von privaten Anlegern. Und die werden nur schwerlich von einer Investition in ein Land überzeugt werden können, wenn es da in der Vergangenheit heftige Schuldenschnitte gab. Das ist nun wirklich offensichtlich.

          Eben, weil in einer Währungsgemeinschaft nun einmal andere Regeln gelten.

          Diese Währungsgemeinschaft war so konzipiert, dass Mitgliedsländer nicht für die Schulden von anderen bürgen. Dieses theoretische Konstrukt ist nun durchbrochen. Trotzdem existieren implizite Regeln, dass für unverantwortliches Hantieren mit Finanzen in der Zukunft bezahlt werden muß. Da hilft auch keine Währungsgemeinschaft. Das ist leider vermutlich sogar gut so. Die Griechen haben ja mit den Schulden ja auch kein Paradies der Werktätigen geschaffen, sondern ein Land, in dem Reiche kaum Steuern zahlen und der kleine Mann trotzdem verhältnismässig wenig verdient. Mit vielen bürokratischen Hürden, zahlreichen unsinnigen Verkehrsprojekten und zahlreichen politischen Günstlings-Posten.

          Nicht unbedingt zu vermuten, aber ich find viele deiner Punkte gut. Das ganze Ding mit Staatsschulden hat halt mehrere Dimensionen und Aspekte.

          • Spiegelfechter schrieb am 29. Oktober 2011 um 10:34 - Permalink

            Welche Banken haben was abgeschrieben? Bring bitte einmal Fakten. Im übrigen macht es für schwach kapitalisierte Banken Sinn, den Nominalwert in den Büchern zu halten.

            http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEBEE79R0IZ20111028

            Es ist müßig mit Dir ;-)

            Hat Griechenland Anleihen mit einer höheren Laufzeit als 10 Jahre ausgegeben. Und da dürfte 2007 ein sehr ungünstiges Jahr für den aktuellen Wert sein.

            Ich diskutiere ja gerne, erwarte aber, dass meine Diskutanten, sich zumindest die Mühe machen, ihre Positionen einmal selbst zu überprüfen. Kann das so schwer sein?

            http://www.minfin.gr/portal/en/resource/section/bonds

            http://www.deutsche-finanzagentur.de/institutionelle-investoren/primaermarkt/auktionsergebnisse/

            Genau das halte ich für ein sehr ernstes Thema. Wenn Griechenland einmal vom Tropf des ESFS unabhängig werden wird, gibts Kredite von privaten Anlegern.

            Das wird (ohne Eurobonds) aber nicht vor 2030 passieren, darüber müssen wir uns jetzt wirklich keine Gedanken machen..

            • jasp schrieb am 29. Oktober 2011 um 11:54 - Permalink

              Hallo,

              http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEBEE79R0IZ20111028

              in dem Artikel ist aber konkret nur von 2 Banken die Rede, von der deutschen Bank und von der Commerzbank.
              Die (stets gut informierte) Dt, Bank hat schon(bisschen mehr als) 50% abgeschrieben, muss also nach unten nicht mehr wertberichtigen, die Commerzbank muss noch.
              So wird es bei anderen Banken auch aussehen, manche haben schon, andere müssen noch. Lasse mich aber gerne eines besseren belehren.
              “Geschenk ” sind die -50% meiner Meinung nach aber keines.
              Die vielgescholten Verzögerungspolitik hat den Verhandlungsspielraum für die Politik übrigens verbessert, war doch vor wenigen Monaten noch von 21% die Rede.(auf NPV)
              Wie aber im Artikel schon erwähnt, ist konkret noch relativ wenig beschlossen.

              Grüße

            • Lemmy Caution schrieb am 29. Oktober 2011 um 23:07 - Permalink

              Es ist müßig mit Dir ;-)

              Diese sehr agressive Art find ich als nicht-Linker immer wieder erschreckend.
              Kritische Anmerkungen zu Deinen Ausführungen mössen vernöchtet werden.
              Die müssen JETZT die Werte berichtigen, nachdem die neuen Beschlüsse gefaßt wurden. Das bedeutet überhaupt nicht, dass die Banken das schon vorher berichtigt haben. Und dadurch können schwach kapitalisierte Banken in Bilanz-Schwierigkeiten kommen.

              Ich diskutiere ja gerne, erwarte aber, dass meine Diskutanten, sich zumindest die Mühe machen, ihre Positionen einmal selbst zu überprüfen. Kann das so schwer sein?

              http://www.minfin.gr/portal/en/resource/section/bonds

              http://www.deutsche-finanzagentur.de/institutionelle-investoren/primaermarkt/auktionsergebnisse/

              Es gibt nur sehr wenige Bonds mit einer Laufzeit von 30, 20 und 15 Jahren.
              Fälligkeiten von > 10 Jahren:
              2040: 7,9 Mrd €
              2037: 9 Mrd €
              2026: 7 Mrd €
              2024: 10,26 Mrd €

              Der weitaus überwiegende Teil besitzt niedrigere (Rest-) Laufzeiten.

    10. Cheops schrieb am 28. Oktober 2011 um 19:41 - Permalink

      Die Karre Euro steckt nicht im Dreck, die ist längst im Moor der Unfähigkeit versunken und wer im Moor ersäuft, dem ist es egal, ob er die Strümpfe ausgezogen hat. Soll heißen, auch das wird nichts werden. Wir sehen uns zur Schuldenkrise von 2014…

    11. Ranger schrieb am 28. Oktober 2011 um 20:20 - Permalink

      Dass die Bank immer gewinnt sollte inzwischen bekannt sein. In welcher HÖHE die Banken in Zeiten, in welchen ganze Länder am Abgrund stehen gewinnen ist unglaublich.

      Allerdings scheinen unsere Politclowns entweder keine andere Lösung zu sehen – oder absichtlich keine zu wollen…

    12. Vogel schrieb am 28. Oktober 2011 um 20:25 - Permalink

      Der “Schuldenschnitt” hat die Banken geschont, Europa und GR und den Steuerzahler belastet, das gefeierte Ergebnis ist (vermutlich) ein Fake.

      Dass die Polotniks mit dem Zutagetreten eines solchen Ergebnisses nach wenigen Wochen/Monaten sehr gut leben können und das verargumentieren können (“blabla … für ein solch außergewöhnliches Ereignis gibt es kein Drehbuch … blabla … konnte keiner ahnen geschweige denn wissen …”) das ist festgebucht.

      Aber was sagt denn dann der Mehnstriem, der ja heute von dem “offiziellen” Ergebnis ausgeht, dieses nicht hinterfragt únd im Sinne des Ergebnisses kommentiert?

    13. Momo schrieb am 28. Oktober 2011 um 20:29 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Heiner Flassbeck auf SWR2 zu den Ergebnissen des “Euro-Gipfels”:
      http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/tagesgespraech/-/id=8619032/property=download/nid=660264/5p3ao3/swr2-tagesgespraech-20111027.pdf

    14. Benjamin schrieb am 28. Oktober 2011 um 20:54 - Permalink

      ich lese immer was von geld und “werten”

      aber was ist das alles wert und gilt als irgendetwas?
      eigentlich nur noch ein bruchteil, oder?

      aber egal, solange die kassiererin im supermarkt nicht auf zahlung mit meiner uhr oder jacke besteht, solange spiele ich das spielchen weiter :)

      :/

    15. alter Sack schrieb am 28. Oktober 2011 um 21:22 - Permalink

      Offenbar bewerten die Akteure an den Finanzmärkten die Ergebnisse des Gipfels diametral anders als die leider wieder einmal vollkommen unkritischen Medien.

      Ja, genau den Eindruck hatte auch ich, als nach Verabschiedung des ESFDingenesda die Aktienkurse stiegen. Da haben die Finanzleutchen wieder gute Bedingungen für sich ausgehandelt (obwohl sie ja “gar nicht” bei den Verhandlungen beteiligt waren).

      Jetzt bin ich endgültig der Überzeugung, dass der Euro am Ende ist. China wird noch ein paar davon kaufen – und dann ist’s rum.

      Erst wurden die Banken gerettet, nun wird (angeblich) versucht Staaten zu retten, als nächstes müsste Europa gerettet werden – niemand wird das auch nur ‘versuchen’.

      Das einzige was jetzt noch helfen kann, nachdem alle anderen Optionen versemmelt wurden, ist radikale Flucht nach vorn: VSE – vereinte Staaten von Europa. Gemeinsame Regierung, gemeinsame Wirtschaft, gemeinsame Währung.

      Oder halt noch größeres Chaos – bis hin zum Krieg.

      Mit den bekannten feigen (und wirklich Abgrund dummen) Politikerschergen wird jedoch kein Blumentopf zu gewinnen sein. Wo sind die Politiker vom Format Schmidt, Brand, Genscher? Wenn ich die heutige Besetzung so sehe wünsche ich mir ja sogar Kohl und Strauss (meine ehemaligen Lieblingsfeinde) zurück!

    16. Dexter schrieb am 28. Oktober 2011 um 22:34 - Permalink

      Ich hab da mal eine Frage:

      Also global betrachtet ist es doch so, dass sich hier wohl zwei Parteien gegenüberstehen. Staaten (als Vertreter der Gesellschaften) und globale Finanzbranche.

      Konkret bedeutet das seit der “ersten” Finanzkrise, dass der Finanzsektor mächtig genug ist, auf verschiedene Weisen (“too big too fail”) riesige Vermögen aus den Gesellschaften abzuziehen (=privatisiert).

      Die Banken haben sich nun Griechenland geschnappt, und mittels einer selbsterfüllenden Prophezeiung ruiniert (“die können nicht zahlen”->Zinsen hoch->die können nicht mehr zahlen!). Das gilt ganz unabhängig von den tatsächlichen Zuständen in Griechenland, denn es behaupte mir bitte keiner, das Verhalten der Traderherden an der Börse sei auch nur ansatzweise durch irgendeine Ratio bestimmt!

      Diese neuerliche Nummer Vermögen zu tranferieren lässt sich solange durchziehen, bis ganz Europa zerbröselt ist. Auf dieses Spiel einzugehen ist unglaublich dumm!

      Dabei sitzt Merkel & Co. doch eindeutig am längeren Hebel. EIN WORT und diese ganzen Finanzschmarotzer würde sich gegenseitig zerfetzen. Eine Möglichkeit wären z.B. diese CDS-Sache. Augenblicklich würde dieses Finanzgeschwür platzen! Die Akteure der Finanzbranche hätten in diesen Fall so wenig Vertrauen in die eigenen Konkurrenz, sämtliche Staatsanleihen würden sofort eine unglaubliche Nachfrage erfahren!

      Es würde im Grunde auch reichen, wenn Merkel einfach nur eine miese Andeutung (bzgl. eines bestimmten, großen Finanzakteures) machen würde, sofort würde das System implodieren.

      Meine Frage: Was spräche also dagegen, den Markt für Spekulationsprodukte nicht nur nicht zu verunsichern, sondern ihn ganz einfach implodieren zu lassen (das würde im Grunde sogar dann passieren, wenn seine angebliche Bedeutung einfach nur ignoriert würde)?

      Wenn Goldmann-Sachs “too big to fail” ist, warum dann nicht auch ein europäischer Staat? Wo liegen unsere Präferenzen? Merkel sollte _uns_ vertreten und sich nicht zum Arschkriecher von Ackermann&Co. degradieren. Alles andere ist klassischer Verrat!

      • Spiegelfechter schrieb am 29. Oktober 2011 um 10:39 - Permalink

        Meine Frage: Was spräche also dagegen, den Markt für Spekulationsprodukte nicht nur nicht zu verunsichern, sondern ihn ganz einfach implodieren zu lassen (das würde im Grunde sogar dann passieren, wenn seine angebliche Bedeutung einfach nur ignoriert würde)?

        Das Problem ist die unmögliche “Trennschärfe”. Auch unsere Pensionen, Lebensversicherungen, Riesterrenten, privaten KVs usw. usf. sind am Markt tätig – vor allem im Staatsanleihenbereich. Wäre man VTler könnte man sagen, die Marktkapitalisierung unserer Daseinsvorsorge war auch mit diesem Hintergrund geplant.

        • Dexter schrieb am 30. Oktober 2011 um 10:40 - Permalink

          Nun könnte der Staat ja dieses Renten/Versicherungen/Pensionen (bzw. die entspr. Schuldpapiere) einfach wieder in die eigene Hand bekommen, indem er dann einfach die Banken verstaatlicht, die wohl alle pleite gehen (wenn wir es echt drauf anlegen) …

          Wenn jetzt jemand sagt, diese Ansprüche wären in dem Falle weg, dann muss er allerdings auch eingestehen, dass diese Ansprüche dann auch jetzt nicht existieren, da sich diese noch in den Händen der Finanzbranche befinden – da der ganze Unsinn eh nur eine riesige Blase darstellt. Wir sollten also aus den Rettungsgeldern lieber Rentenansprüche bezahlen, statt irgendwelche Blasen weiter zu befüllen.

          Mir geht es darum zu erkennen, dass dieses ganze Finanzgedöns doch nur ein Vehikel einiger weniger ist, um die Gesellschaft zu erpressen. Dabei haben wir das überhaupt nicht nötig, und erpressen zu lassen, da wir _sämtliche_ Ressourcen besitzen, die überhaupt eine _echte_ Wertschöpfung ermöglichen. Diese Finanztypen haben nichts, ausser ein unwirklich hohes Ansehen in der Bevölkerung. Das ist doch alles, was denen den Arsch bisher rettet.

    17. Peterle schrieb am 28. Oktober 2011 um 23:14 - Permalink

      Mal angenommen es würde eine wirkliche Möglichkeit geschaffen – also nicht nur Mogelpackung -sich mit Griechenland “freiwillig” zu einigen bei der Anleihetilgung auf 50% zu verzichten, ist das überhaupt mit den für die Bankvorstände geltenden jeweiligen Landesgesetzen vereinbar? Also ich stell mir das so vor, Griechenland als Schuldner mit den Gläubigervertretern am runden Tisch und die beschließen dann nach 27 Stunden Verhandlung dass Gläubier A und B jeweils freiwillig auf 50% verzichten aber Gläubiger C und D haben keine Lust auf Verlust und kriegen deshalb 100% – Da würde ich das schon so sehen dass diese Lösung für A und B völlig unakzeptabel ist und wer dem als Vertreter von A oder B zustimmt handelt schon irgendwie grob treuwidrig oder?

      • Spiegelfechter schrieb am 29. Oktober 2011 um 10:40 - Permalink

        Ich denke schon, da hier durchaus Ermessensspielraum ist. Ein echter Default ist ja keinesfalls auszuschließen.

    18. lulu schrieb am 28. Oktober 2011 um 23:54 - Permalink

      Die sind wirklich irre! Wir werden von Irren regiert!

      Und die Finanzbranche erst! Das ist mir einfach zu irreal, zu grotesk…
      http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/02/roland-topor-au-jardin-1976.png

      Und sowieso… ich hab schon Albträume:
      http://www.bayern-im-web.de/images/provokation.jpg

      Gute Nacht! :S

    19. COPOKA schrieb am 29. Oktober 2011 um 01:32 - Permalink

      Erfahrungsgemäß war es schon klar gewesen, dass die 99% auch bei dieser “Rettungsaktion” mit der Fresse durch die Scheiße geschleift werden. Nun wissen wir mehr davon, wie es genauer geschieht.

      Was steckt nun mehr dahinter, gekaufter Vorsatz oder schlichte Dummheit der “Retter”?

      =======================
      Ich kann mittlerweile Deine Artikel nur noch nach paar Flaschen Bier abends vertragen, es ist zu frustrierend das ganze, um es tagsüber zu lesen.

      • sternburg schrieb am 29. Oktober 2011 um 09:21 - Permalink

        @ COPOKA

        Ich kann mittlerweile Deine Artikel nur noch nach paar Flaschen Bier abends vertragen, es ist zu frustrierend das ganze, um es tagsüber zu lesen.

        da kenn ich so einige aus dem bekanntenkreis, die haben die probleme nicht. einfach sich nur mit schönem beschäftigen. was macht grade sebastian vettel und so was eben. manchmal denke ich, ich müsste saudumm und politisch desinteressiert, aber dafür glücklich sein:))

    20. Ybersinn schrieb am 29. Oktober 2011 um 03:25 - Permalink

      Ich noch mal – möchte nur durchgeben, dass meine Site gestern Ziel der occupy-Bewegung wurde:

      http://www.ybersinn.de/2011/10/29/ybersinn-occupyrt/

      • leslie schrieb am 29. Oktober 2011 um 12:50 - Permalink

        Pööse schlafende Nümphensittiche.^^

        Mfg

    21. Markus schrieb am 29. Oktober 2011 um 08:35 - Permalink

      Wenn mir jemand 100 € schuldet aber so gut wie pleite ist, mache ich vielleicht zu dem Zeitpunkt noch ein “gutes” Geschäft wenn ich statt 100 € nur 50 € zurückbekomme, trotzdem hab ich ihm 50€ erlassen und damit auch Verlust gemacht.

      Von daher stimme ich der pessimistischen Analyse nicht so ganz zu. Dass die Banken letzendlich auch davon “profitieren”, dass das Griechenlandproblem gelöst werden soll, ist doch völlig okay.

      • Spiegelfechter schrieb am 29. Oktober 2011 um 10:41 - Permalink

        Richtig, das gilt für die langfristigen Investoren. Was aber ist mit den Spekluanten, die bei 30 Euro eingekauft haben?

        • ElFoggero schrieb am 29. Oktober 2011 um 18:20 - Permalink

          Halten eben diese Spekulanten nicht dann eine Anleihe in der Hand, welche einen Nominalwert von €50 hat, aber Aufgrund der immer noch schwierigen Lage Griechenlands mit einem hohen Risiko behaftet ist? Wäre der Kurs für dieses Papier nicht ebenso schlecht wie der der 100-Euro-Anleihe, nur dass Griechenland bei Fälligkeit eben nur €50 zurückzuzahlen hat, und auch weniger Zinsen zahlen muss?

          Wenn die 50-Euro Anleihe zu einem ähnlichen Kurs (30%) wie die 100-Euro-Anleihe gehandelt würde, wäre sie ja nur €15 Euro wert. In dem Fall sehe ich das Geldgeschenk für die Spekulanten nicht. Besteht das Geschenk darin, dass eine solche Kursentwicklung nicht zu erwarten ist?

          Cheers!

          • Spiegelfechter schrieb am 30. Oktober 2011 um 11:49 - Permalink

            Die “50-Anleihe” wäre ja einen EFSF-Anleihe mit AAA-Rating, für die alle Euroländer garantieren. Genaues kann man hier aber noch nicht sagen, da das ja alles noch im Vagen liegt.

        • MOW schrieb am 31. Oktober 2011 um 23:43 - Permalink

          Auch an die, die nur 30% für die Anleihen gezahlt haben, müßte Griechenland am Laufzeitende 100% zurückzahlen, von daher ist das schon ein Schuldenschnitt.
          Wenn auch der Schnitt größer gewesen wäre, wenn die EZB einfach mal direkt Anleihen zum Kurs von 30% weggekauft hätte.

    22. OAlexander schrieb am 29. Oktober 2011 um 09:04 - Permalink

      Via dem australischen ÖR Fernsehen ABC (Australian Broadcasting Corporation) zwei kritische Meinungen zu den Vereinbarungen

      - No details, flimsy numbers: Varoufakis, ABC Lateline, 27.10.2011, Interview mit Yanis Varoufakis, Wirtschaftsprofessor der Universität Athen

      - The Long view on the economy, ABC Lateline, 28.10.2011, Interview mit Steven Long, Wirtschaftskorrespondent der ABC

      Während ersterer einen total Verriss einbringt, schüttelt Long nur den Kopf ob der doch sehr detailfrei gehaltenen Vereinbarung.

      In den letzten beiden Wochen wird ja gerne von der grossen Hoffnung auf chinesisches Kapital spekuliert. Nach der Berichterstattung im ausserwestlichen Raum dürfte sich das allerdings eher so wie mit der deutschen Hoffnung auf die “Wunderwaffen” in des ausklingenden Tagen des WKII verhalten. Die Chinesen sind auch nicht blöd.

      Unsereins empfindet irgenwie Trauer und Bestürzung ob der Nachtschattengewächse und Krämerseelen vom Schlag eines Sarkozy und einer Merkel. Es ist schade, eine historische Schande, dass wir in dieser historischen Zeit keine imopsanteren Gestalten aufzubieten vermögen.

    23. rofl schrieb am 29. Oktober 2011 um 12:26 - Permalink

      So sehr ich Deinem Text auch zustimme, ich fürchte er wird die hirngewaschenen Massen so nicht erreichen. Es müssen klare Worte und einfache Beispiel her. Das soll nicht heißen, dass Du dafür in Lieferpflicht stehst, oder so. ;)
      Auf jeden Fall thx für den aufschlussreichen Artikel!

      • matt_us schrieb am 30. Oktober 2011 um 11:39 - Permalink

        Also, die Details sind schon richtig, sehr guter Artikel vom Jens,

        Klare Worte einfache Beispiele – das ist halt nicht moeglich. Das Problem ist ja komplex. Die Finanzmafia will uns erzaehlen, Finanzinstrumente wie CDS sind komplex. Denn nur sie verstehen die – da soll sich das ungewaschene Volk, und auch keine Politiker mehr einmischen. Dann koennen sie uns besser ausrauben, ohne dass wir es merken!

        Aber fuer die die es etwas einfacher haben (ich versuche es jedenfalls ), der sollte mal sehen was ich zu dem Thema geschrieben habe – wen es interessiert:

        http://eurogate101.com/2011/10/29/der-grosste-schwachsinn-seit-1945/

        Also, Solche Artikel wie dieser vom Jens fehlen einfach in den Medien. Da machen die Finanzjournalisten grossen Murks – oder duerfen nicht schreiben, was sie wirklich denken. So seh ich das.

        Schaut euch mal z.B. den Presseclub an. Man leaedt Soehne von Multimillionaer Verlegern ein (Jakob Augstein) und Frauen die Artikel schreiben die total falsch und entweder bewusst irrefuehrend sind sind, ohne dass dann zu berichtigen. (Cerstin Gammelin). Und welche Interessen wird wohl die Chefrwirtschaftsredakteurin des maechtigen und vermoegenden Mutitmillionenverlages DuMont vertreten? Wenn es hart auf hart kommt, die Interessen der Verlagsfamilie DuMont, oder die eines Hartz 4 Empfaengers.

        Und als waere es nicht genug den Spiegel Besitzer (Augstein) einzuladen, kommt nochein Spiegel Redakteur dazu.

        OeR Beschiss, wenn das die Meinungspluralitaet in D wiedergeben sollte. Der Presseclub gehoert abgeschafft!

    24. jbs schrieb am 29. Oktober 2011 um 14:05 - Permalink

      Wieso gehen denn die privaten Banken nicht aufs ganze und weigern sich einen freiwilligen Schuldenschnitt mit zu machen, wenn sie über die CDS abgesichert sind?

      • viosz schrieb am 30. Oktober 2011 um 00:07 - Permalink

        Genau das ist ja die Aussage des Artikels. Einfach dem Link zu den NDS folgen.

        • jbs schrieb am 31. Oktober 2011 um 17:36 - Permalink

          Ich dachte sie wollen dem Schuldenschnitt zustimmen und die Hedgefonds spekulieren auf den Ausfall.

    25. esco schrieb am 29. Oktober 2011 um 21:59 - Permalink

      Heißt das ich soll jetzt griechische Staatsanleihen kaufen so wie es Harald Schumann getan hat, weil es ja ein todsicheres Ding war?

    26. alter Sack schrieb am 29. Oktober 2011 um 22:13 - Permalink

      Mal wieder eine Frage von mir (leicht zu beantworten, nur nicht durch mich):

      Wenn sich nun andere Staaten (z.B. China) an der Euro-Rettung beteiligen sollen, indem sie Anleihen verschuldeter Euro-Staaten ankaufen – wie darf ich mir das vorstellen?

      Schicken die dann einen Koffer voller Banknoten (in welcher Währung? – hab’ gelesen China z.B. hätte Dollar übrig)?
      Oder liefern sie Güter? Oder Know-How? Oder Menschenrechte?

      Mein Problem ist wohl eher grundsätzlicher Natur: wie können Staaten (von aussen) finanziert werden?

      Ich raff’s einfach nicht.

      • viosz schrieb am 30. Oktober 2011 um 00:04 - Permalink

        Sie akzeptieren die Bezahlung ihrer Exporte nach Euroland in europäischen Staatsanleihen? Die legen sie in ihren Depots dann neben den amerikanischen Haufen.

        Geldflüsse in einer Fremdwährung wie dem Dollar dagegen würden den Euro nach oben treiben. Für Länder mit einem Importüberschuss wie Griechenland sicherlich nicht unangenehm.

    27. schwitzig schrieb am 30. Oktober 2011 um 08:53 - Permalink

      Gibt es eigentlich irgendwelche Informationen über den “Rechenfehler” der bei der FMS zu neuentdeckten 55 Milliarden geführt hat. Findet das außer mir auch noch jemand irgendwie skurril? Ich komme mir immer mehr vor, als wenn ich in einem Groschenheft-Roman lebe.
      Könnte man die Eurozone nicht “retten”, indem man einfach hier und da kreative “Rechenfehler” “entdeckt”?
      OK – 55.000.000.000 Euro sind ja inzwischen “Peanuts” (Schneider muss sich echt verarscht vorkommen, für so ein paar Millionchen so einen Streß gekriegt zu haben) – aber man bräuchte ja eigentlich nur eine Null dranhängen – und Nullen haben wir schließlich mehr als genug – oder vielleicht zwei und alles ist wieder in Butter :-).
      Ernsthaft: Ich verstehe nicht, weshalb man sich überhaupt Gedanken über Schulden macht. Im Grunde genommen sind die Schulden aller EU-Staaten ja sowieso niemals zurückzahlbar und eigentlich gehört auch niemandem das ganze Geld. Es sind einfach nur ein paar Nummern ohne große Bedeutung. Denn selbst wenn jemand mal die “Forderungen” einfordern würde, dann kann man doch einfach neue Schulden machen und ihm sein Zeugs geben – oder etwa nicht? Das ganze Geldwesen ist ja inzwischen rein virtuell – spätestens nach Einführung sogenannter “Finanzprodukte” (lach) und wieso sollte man sicch über die eine Null mehr oder weniger überhaupt aufregen?
      Inflation kann es auch nur geben, wenn es politisch gewollt ist und verhindern kann man sie ganz einfach, indem man sie nicht will. Nach der Virtualisierung der Guthaben ist es höchste Zeit, die Schulden ebenfalls zu virtualisieren und den ganzen Quatsch einfach als Verwaltungseinheit zu begreifen.

      • Juli schrieb am 30. Oktober 2011 um 15:18 - Permalink

        Steffen Bogs hat was dazu:

        Eigentlich gibt es als Erklärung nur zwei Möglichkeiten oder eine Mischung aus Beiden, die erste Möglichkeit, die HRE musste bis zur Auslagerung ihrer faulen Assets in die Bad Bank, ihre Bilanz nach International Financial Reporting Standards (IFRS) erstellen. Nach dem europäischen IFRS-Rechnungslegungsstandard müssen Derivate zu ihrem Marktwert bzw. auch Wiederbeschaffungswert bilanziert werden, also nach dem aktuellen Preis für die eingegangenen Kontrakte bei den Finanzwetten. Die Bad Bank dagegen bilanziert nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) und hat dies aber nicht bereits bei Übertragung der Vermögenswerte getan.

      • MOW schrieb am 1. November 2011 um 00:01 - Permalink

        Das mit dem “alte Schulden durch neue ablösen” klappt so lange, wie die neuen angenommen werden. Wenn sich Spekulanten ein Ziel ausgucken wie damals in Asien, oder wenn die Gläubiger ihr Geld selber brauchen, klappt das nicht mehr.
        Was man der Virtualisierung des Marktes anlasten muß, ist, daß diese gerade dafür gesorgt hat, daß es sich lohnt, den Zusammenbruch absichtlich herbeizuführen. Was sich im Kleinen noch einigermaßen einregelt, funktioniert ab einer bestimmten Größenordnung einfach nicht mehr. What a wonderful world.

    28. esco schrieb am 30. Oktober 2011 um 19:56 - Permalink

      Vielleicht interessiert es ja den ein oder anderen.

      http://blogs.reuters.com/felix-salmon/2011/10/28/why-the-greek-cds-market-is-ok/

      Auch was manche Spekulanten in ihren Blogs schreiben ist wahrhaft interessant und dürfte auch die Meinung des Spiegelfechters entsprechen: Die Zocker zocken erfolgreich weiter!

    29. Tim schrieb am 31. Oktober 2011 um 13:12 - Permalink

      Wenn eine Bank diese Anleihe zum Marktwert bilanzieren würde, hätte sie bereits fast 70% des ursprünglichen Wertes abgeschrieben. Ein Tausch, bei dem sie stattdessen ein Papier im Wert von 50 Euro bekommt, ist demnach kein schlechtes, sondern ein verdammt gutes Geschäft.

      Nein. Es ist nur für die Bank ein gutes Geschäft, die dieses Papier kürzlich für ungefähr 30 Euro gekauft hat. Die Bank, für die das Papier mal einen Wert von 100 Euro hatte, ist ein großer Verlust entstanden, was auch vollkommen gewünscht ist. Wie sich der Verlust von 50 Euro in der Bankenwelt verteilt und ob bestimmte Banken vom Schuldenschnitt sogar noch profitieren, ist ja irrelevant. Entscheidend ist der Schuldenschnitt (so er denn wirklich kommt) von 50 % auf den Nominalwert.

    30. Dustin Singh schrieb am 31. Oktober 2011 um 19:28 - Permalink

      “Die dem Euro-Währungsgebiet angehörenden Mitgliedstaaten werden einen Beitrag von bis zu 30 Mrd. Euro zur Beteiligung des Privatsektors leisten.”
      Das steht nicht irgendwo, sondern in der “Erklärung des Euro-Gipfels” vom 26.10.2011 (siehe auch http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/de/ec/125662.pdf)
      So wie ich das verstehe, verlieren die Banken, wenigstens die deutschen Privatbanken, wegen des “Schuldenschnitts” keinen einzigen Cent. So hat beispielsweise die Deutsche Bank in Griechenland Italien und Portugal zusammen gerade mal noch ca. 5 Mrd. stecken (übrigens ungefähr genau so viel wie in Las Vegas). Wenn also eine Private Bank sagen wir griechische Staatsanleihen im Nominalwert von 1 Mrd. hält verliert sie im Rahmen des Schuldenschnitts 50% davon, also 500 Mio, und diese 500 Mio. bekommt die Bank dann aus diesem 30Mrd.-Topf zurück und zwar, so lange noch was drin ist, zu 100%. … spätestens jetzt klingt die Schlagzeile “Merkel lässt die Banken bluten” nach reiner Spiegelfechterei und das ist noch viel zu freundlich ausgedrückt.


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