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  • Wo stehen Linke und Piraten?

    geschrieben am 01. November 2011 von Thorsten Beermann

    ein Gastartikel von Thorsten Beermann

    Dies ist der dritte und letzte Teil von Thorsten Beermanns politischen Kompass.
    Erster Teil: Wo steht Rot-Grün?
    Zweiter Teil: Wo steht Schwarz-Gelb?

    In den ersten beiden Teilen dieser Serie habe ich mich mit den Situationen im rot-grünen und im schwarz-gelben Lager beschäftigt. Im dritten und letzten Teil geht es um die Linke und die Piraten, die auf der politischen Landkarte nicht unbedingt einem Lager zuzuordnen sind. Es sind einfach die verbliebenen Parteien, denen man nach heutigem Stand den Einzug in den nächsten Bundestag zutrauen kann. Das bedeutet nicht, dass es nicht auch zwischen diesen Beiden Gemeinsamkeiten gibt. Bei ihnen ist eine Regierungsbeteiligung nach der nächsten Wahl nicht zu erwarten, außerdem teilen sie sich einige gemeinsame Probleme.

    Ohne Kompass auf Kaperfahrt

    Die Piraten sind wohl die Überraschung der Saison. Spätestens nach den beachtlichen Stimmenzuwächsen bei der Landtagswahl in Berlin wird die junge Partei deutlich weniger belächelt und können sich vor Aufmerksamkeit in den Medien, die an diesem Ergebnis durchaus ihren Anteil haben, kaum retten. Hohe einstellige Ergebnisse werden ihr sogar auf Bundesebene zugetraut, die 5%-Hürde schein kein Hindernis darzustellen. Manch etablierte Partei wäre froh über diese Perspektive.

    Vollkommen überraschend kommen diese Erfolge allerdings nicht. Als sich die Piraten-Bewegung über die Frage der Schließung von Download-Portalen gründete, bestand sie vor allem aus jungen Männern, die irgendwie moralisch zu erklären versuchten, warum sie für die geistige Arbeit anderer nicht zahlen müssten. Das „Recht“ darauf zumindest wollten sie sich nicht nehmen lassen. Diese Gruppe stellt bis heute einen Kern der Partei. Die große Stunde der Piraten kam im Kampf gegen die Internetzensur. Ihr unbestrittener und bis heute wohl größter Verdienst ist es, die Kinderpornografie-Finte der damaligen Familienministerin Von Der Leyen als solche erkannt und entlarvt zu haben, statt sich wie alle anderen, aus Angst als Helfer der Pädophilen gebrandmarkt zu werden, wegzuducken.

    Es war in dieser Phase, dass sich im linken Spektrum trotz, oder gerade wegen der inhaltlichen Beschränktheit ein teilweise recht obskurer Kult um die Piraten entwickelt hat. Mit ihren Anhängern konnte man über ihre Wahlentscheidung oft ähnlich schwer diskutieren, wie mit Apple-Fans über das sinnvolle Verhältnis von Mehrpreis und Mehrwert. Dass sich diese beiden Gruppen teilweise überschneiden, kann dafür nicht der einzige Grund sein.

    Fest steht, dass die Piraten inhaltlich noch immer eine Art Gemischtwarenladen sind. Alles, was irgendwie nicht schlecht klingt, scheint man vertreten zu wollen – was oft nur Stunden später von einem anderen Vertreter wieder dementiert wird. Bisher zumindest ist es der Partei nicht gelungen, sich abseits ihrer Kernthemen inhaltlich klar zu positionieren. Das macht sie allerdings auch zu einer guten Projektionsfläche für Protestwähler, die so ziemlich alle eigenen Vorstellungen auf die Piraten übertragen können, die ihrerseits, zumindest jenseits ihrer politischen Unerfahrenheit, kaum angreifbar sind. Das zeigt sich spätestens in den Versuchen, ihnen in der Folge der Berlin-Wahl an den Karren zu fahren. Außer der männlichen Übermacht konnten die Kommentatoren keine Schwachstelle ausmachen. Der Partei das vorhalten zu wollen, ist allerdings ähnlich sinnvoll, als wollte man der Bundesliga die Zusammensetzung ihres Publikums zum Vorwurf machen.

    Doch selbst dort, wo ihre Kompetenzen liegen, haben sich in den letzten Tagen Schwächen offenbart. Als der Chaos Computer Club ein Exemplar eines Behörden-Trojaners in die Hände bekam und sezierte, hätte eigentlich die Stunde der Piraten schlagen müssen. In ihrem ureigensten Territorium hatte ihr ureigenster Fein (der „Internet-Ausdrucker“) die rechtlichen Vorgaben klar überschritten. Doch zunächst war aus dieser Richtung wenig und wenn auch nur sehr vorsichtige und zurückhaltende Statements zu hören. Als die Parteiführung schließlich mutiger wurde, hatten sich bereits alle anderen Oppositionsparteien (und die FDP) des Themas angenommen und das Wesentliche gesagt.

    Der öffentlichen Wahrnehmung hat das bisher nicht geschadet und wird es wohl auch vorläufig nicht. Die fehlende Angriffsfläche der Piraten wird es auch in den kommenden Monaten möglich machen, in ihnen zu sehen, nahezu was immer man sich von einer Partei wünscht. Wie sie sich tatsächlich in den Parlamenten schlagen, wird bei der Bewertung kaum eine Rolle spielen. Die Aufmerksamkeit etwa auf den Berliner Senat wird bald wieder abebben, sobald man sich dort wieder mit den Fragen des Alltags beschäftigt. So könnten die Piraten den Sprung in den Bundestag schaffen und dort tatsächlich Einfluss auf die Regierungskonstellation nehmen – nicht als mögliche Regierungspartei, aber indem sie einer möglichen rot-grünen Koalition wichtige Stimmanteile abjagt.

    Kurs: Immer links…volle Fahrt im Kreis!

    Die Linken haben mit den Piraten vor allem das Problem gemeinsam. In einer Phase, die perfekt auf sie zugeschnitten ist, reagiert sie zu spät und zu wenig deutlich. Die Banken- und Wirtschaftskrise hat der Partei, eigentlich dem gesamten linken politischen Spektrum, in vielen maßgeblichen Kritikpunkten, die man schon seit langem angemahnt hat, Recht gegeben. Selbst erzkonservative Politiker (im Ruhestand) und Medien haben auf dem Höhepunkt der wirtschaftlichen Unruhen offen erkannt und anerkannt, sich über lange Zeit verrannt zu haben und dass andere schon sehr viel früher die richtigen Schlüsse gezogen hatten. Das ist eine politische Genugtuung, die in der jüngeren politischen Geschichte wohl nur den Grünen beim gesellschaftlichen Wandel in der Frage der Kernenergie zuteil wurde.

    Aus dieser Situation Profit zu schlagen, gelingt der Linken dennoch nicht. Das liegt auch zu einem guten Teil an den Medien, die sich lieber auf die Kapriolen prominenter Genossen stürzen und die Partei pauschal verteufeln, als sich inhaltlich mit ihr auseinander zu setzen. Am Ende sind es aber eben die prominenten Linken, die den Medien nicht zuletzt mit endlosen Personalquerelen reichlich Munition liefern, statt den Menschen eine ernsthafte Alternative anzubieten.

    Warum die Linke das im Moment nicht schafft, hat vor allem einen Grund. Der ist, dass die Partei zwar im Gegensatz zu den Piraten im Kern ziemlich genau weiß, wofür sie steht, oder vielmehr wogegen, aber daraus keine eigene Zukunftsvision entwickeln kann. Die Ursache dafür sind vor allem die westdeutschen Landesverbände. Karsten Koall brachte es in der Zeit Anfang September auf die griffige Formel „Im Osten wollen sie regieren, im Westen wollen sie Recht haben.“

    Diese Spaltung zeigte sich nicht nur in den vergangenen Landtagswahlen, in denen sich die wahlkämpfenden Ost-Verbände bisweilen mutwillig aus dem Westen sabotiert fühlten, sondern setzt sich auch im aktuellen Grundsatzprogramm fort. Der theoretische Überbau steckt sowohl gedanklich als auch beim, von veralteten Kampfbegriffen überladenen, Vokabular irgendwo in den 60er Jahren fest. Die sich daraus ableitenden Handlungsgrundsätze stellen im Prinzip eine klare Absage jeder Regierungsbeteiligung auf Bundesebene dar und schränken die Möglichkeiten auf Landesebene stark ein.

    Dabei kann man es durchaus sympathisch finden, dass die Linke ihre Prinzipien nicht um der Macht willen verraten will. Besonders im linken Spektrum kommt dieser Vorwurf sehr schnell auf, während rechts der Mitte politische Inhalte gewechselt werden, wie die Unterwäsche, und das gegebenenfalls noch als Flexibilität gepriesen wird. In diesem Fall gibt die Partei dabei allerdings aus freien Stücken die Rolle als Gestalterin auf. Mal wieder, könnte man an dieser Stelle ergänzen.

    Damit wären wir wieder beim Fehlen einer genuin linken Stimme in der aktuellen Debatte, denn selten hätte man eine seriöse kapitalismuskritische Kraft so dringend gebraucht wie jetzt, wo der Kapitalismus tatsächlich wankt und seinen „Rettern“ nichts anderes einfällt, als ihn noch weiter auf die Spitze zu treiben. Jetzt wäre die Gelegenheit, sachliche Vorschläge zur Umgestaltung der Wirtschaft zu machen und dem Bürger Ursachen der Krise und mögliche Auswege verständlich und glaubwürdig zu erklären. Stattdessen arbeiten sich die Linken an alten Feindbildern ab oder verherrlichen längst überwundene Irrwege der Vergangenheit.

    In der Atomdebatte kam vor einem halben Jahr das Victor Hugo Zitat immer wieder zum Vorschein: „Nichts ist so mächtig, wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“. Was ist aber, wenn die Zeit für eine Idee gekommen ist und es ist niemand da, der sie überzeugend vertritt?

    Thorsten Beermann

    46 Kommentare Print This Post
    ein Gastartikel von Thorsten Beermann Dies ist der dritte und letzte Teil von Thorsten Beermanns politischen Kompass. Erster Teil: Wo steht Rot-Grün? Zweiter Teil: Wo steht Schwarz-Gelb? In den ersten beiden Teilen dieser Serie habe ich mich mit den Situationen im rot-grünen und im schwarz-gelben Lager beschäftigt. Im dritten und letzten Teil geht es um die Linke ...
    Tags: Linke
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    1. workingmansdeath
    2. Wo stehen Linke und Piraten? | workingmansdeath
    3. Was ist Oppositionspolitik? – Orkpiraten

    46 Kommentare:

    1. Bruder Johannes schrieb am 1. November 2011 at 13:46 - Permalink

      Die Erfolgsaussichten der Piraten schätze ich etwas anders ein als die MSM. Natürlich können die MSM die Piraten “hochschreiben”. Ich rechne aber nicht damit, dass sie das im Bundestagswahlkampf tun werden.

      Der Erfolg der Piraten in Berlin verwundert mich nicht so sehr. Die Partei ist sehr “hauptstadtlastig”. Daraus einen möglichen Erfolg im übrigen Bundesgebiet ableiten zu wollen, ist eher Wunschdenken.

      Viele wissen nicht, dass eine Mitgliedschaft bei den Piraten eine Mitgliedschaft in anderen Parteien nicht ausschließt. Dies kann zur Folge haben, dass Positionen von CDUSPDGRÜNENFDP in die Beschlüsse der Piraten einfließen. Es kann auch zur Folge haben, dass Mitglieder mit einer entsprechenden “politischen Erfahrung” bei den Piraten agieren, weil sie in ihren angestammten Parteien nicht zum Zuge kommen.

      Die Piraten können eine sehr wichtige Partei werden, wenn sie deutlich und glaubhaft machen können, dass sie für mehr Bürgerrechte und weniger Kontrolle durch Staat und Wirtschaft eintreten.

    2. ola schrieb am 1. November 2011 at 13:50 - Permalink

      Was ist mit einer Idee deren Zeit gekommen ist….. um dann gleichzeitig von den Ost Realos zu schwärmen erscheint mir kognitiv dissonant.

      • Thorsten Beermann schrieb am 1. November 2011 at 14:54 - Permalink

        Von “schwärmen” kann keine Rede sein. Aber wenn ich jeder möglichen Koalition eine Hürde entgegensetze, bei der ich mir so gut wie sicher sein kann, daß kein potenzieller Partner bereit oder in der Lage ist, sie zu überspringen, gebe ich den Willen, selbst zu gestalten, auf. Und in diesem Moment kann ich Salonsozialismus predigen, so viel ich möchte. Es ändert nichts an der Realität.

        • Jacques Roux schrieb am 1. November 2011 at 15:07 - Permalink

          Also, auf zu neuen Auslandseinsätzen aka Kriegen, ja zur Rente mit 67 oder besser noch mit 70 und ja zu Hartz IV oder besser V, so einfach könnte das mitgestalten sein.

        • Lutz Hausstein schrieb am 1. November 2011 at 15:49 - Permalink

          Aber wenn ich jeder möglichen Koalition eine Hürde entgegensetze, bei der ich mir so gut wie sicher sein kann, daß kein potenzieller Partner bereit oder in der Lage ist, sie zu überspringen, gebe ich den Willen, selbst zu gestalten, auf.

          Genau hier liegt die Gretchenfrage.

          Mache ich Zugeständnisse an einen eventuellen Koalitionspartner, mit dem ich dann meine Politik auch umsetzen kann? Dumm wird es nur, wenn die mir abverlangten Kompromisse genau diese Kernpunkte beinhalten, sodass ich am Ende nichts mehr zum Umsetzen habe. Eben dies entkernt jedoch jede politische Partei.

          Ich selbst habe mich diesbezüglich immer wieder deutlich positioniert. Als Partei (nebenbei gilt dies für mich ganz genauso auch als Mensch!) habe ich bestimmte Prinzipien, die für mich universell Geltung haben. In diesen Punkten kann es keine Kompromisse geben. Ohne Wenn und Aber. Dann gibt es noch bestimmte Dinge, bei denen ich zu Kompromissen bereit bin – innerhalb einer vorher klar definierten bestimmten Spannbreite. Und es gibt Sachen, die keine oder wenig Bedeutung haben. Verlangt mir ein Anderer für eine Zusammenarbeit die Aufgabe eines unveräußerlichen Standpunkts ab, “entkernt” er mich – ich bin nicht mehr ich selbst. Dann bleibt nur noch der Machterwerb um der Macht willen.

          Monsieur Roux hat dies sehr plastisch mit seinen Beispielen beschrieben.

          • Thorsten Beermann schrieb am 1. November 2011 at 16:24 - Permalink

            Auslandseinsätze sind da ein gutes Beispiel. Sollte man jeden Einsatz mitmachen? Ganz sicher nicht! Sollte man keinen Einsatz in Erwägung ziehen, egal unter welchen, wie auch immer gearteten Umständen? Damit beraubt man sich jeder Handlungsmöglichkeit in Fällen etwa eines „neuen Ruanda“.
            Ein hochrangiges Parteimitglied der Linken (ich glaube es war Klaus Ernst, aber ich möchte es nicht beschwören) sagte letzte Woche in einem Interview, was er denn tun wolle, wenn es für das „Willy-Brandt-Corps“ nichts mehr zu retten gäbe, man wolle im Vorfeld verhindern, daß es überhaupt zu solchen Situationen kommt.

            Was soll man darauf noch sagen als „Träumt weiter!“ und „Nicht regierungsfähig!“?

            Natürlich muss man irgendwo die sprichwörtliche Linie im Sand ziehen und sagen „Bis hierher und nicht weiter.“ Wenn man die aber gleich neben den Maximalforderung zieht, dann kann man nur scheitern.
            Letztendlich stehen die Linken, solange sie es nicht schaffen, eine klare Mehrheit auf sich zu vereinen (was ich mir mit dem aktuellen Personal und ihrem Gespür für Fettnäpfchen nicht vorstellen kann – und selbst wenn: haben wir so viel Zeit?) vor der Entscheidung, entweder die Politik mitzugestalten und einen Teil ihrer Ideen umzusetzen oder manchmal auch nur Schlimmeres zu verhindern, oder sich schmollend in die Ecke zu setzen, zuzuschauen, wie die Anderen es verbocken und sich daran hoch zu ziehen, sich selbst zu 100% treu geblieben zu sein.

            • Jacques Roux schrieb am 1. November 2011 at 16:30 - Permalink

              Hierbei wird ja auch die wichtige Rolle unterschlagen, die in unserer parlamentarischen Stellvertreter Demokratie der Opposition, idealerweise, zufällt, eben die, der Kontrolle der Regierungspolitik und des Aufzeigens von Alternativen.
              Das ist doch leider die Crux, seit der Ära Schröder, dass de facto, bis auf ein paar Nuancen eine ganz ganz Große Koalition regiert, die Linke ist leider die einzige Partei, die überhaupt als Opposition wahrnehmbar ist.

            • Jacques Roux schrieb am 1. November 2011 at 16:38 - Permalink

              Dieses gern bemühte Ruanda Beispiel ist so eine Sache, der Fall war komplexer als es auf den ersten Augenblick scheint und für uns Internetphilosophen nicht leicht zu beurteilen

              a) ging der Völkermord relativ schnell vonstatten (3 Monate) b) gab es da Interessengegensätze USA (RPF) und Frankreich (Hutus) c) traf die RPF unter Kagame auch zumindest eine Mitschuld und d) ging und geht es im Kongo weiter, also was tun?

            • Lutz Hausstein schrieb am 1. November 2011 at 16:57 - Permalink

              Gleich mal zu Beginn. Verzichte bitte bei Deinen Argumenten auf den ideologisch besetzten Begriff “Maximalforderung”. Denn eigentlich immer stellt die Verwendung dieser Begrifflichkeit eine persönliche Wertung des Schreibenden dar. Maximal ist nämlich daran nie etwas. Er möchte es nur gern als das Maximum hinstellen. (Mir ist natürlich klar, dass sich viele Begriffe, wie auch dieser, über die permanente Wiederholung in unsere Sprache unbewusst eingeschlichen haben. Richtiger werden sie dadurch dennoch nicht.)

              Das Ganze hat auch gar nichts mit einem unveräußerlichen Standpunkt zu tun. Es muss einfach bestimmte Punkte geben, die, aus bestimmten grundsätzlichen Erwägungen, nicht diskutabel sind. Nur als Beispiel: Menschenrechte. Da darf und kann es keine Kompromisse geben, auch keinen Verhandlungsspielraum.

              Wie schon geschrieben. Wenn ein “regierungsfähig” mit der Aufgabe auch nur eines Teils eines unveräußerlichen Standpunkts verknüpft wird, darf man auch beruhigt regierungsunfähig sein. Die ehemaligen Berliner LINKEN-Wähler wissen, wovon ich schreibe. Und dies zeigt doch auch, dass solche Kompromisse auch von der Bevölkerung nicht akzeptiert werden.

            • Joachim Voigt schrieb am 3. November 2011 at 13:06 - Permalink

              Ach ja, es gibt nicht allzu viele militärischen Einsätze, die auch nur im entferntesten um der Menschenrechte geführt wurden. da müssen Sie selbst, Herr Bergmann, sich schon die Frage gefallen lassen, wer hier eigentlich träumt. Kein einziger Militäreinsatz hat mehr mittel- und langfristig gebracht als zivile Unterstützungsmaßnahmen erbracht hätten. Wenn Ihnen Ernst nicht so gut gefällt, sagen Sie auch zu dem Transcendent-Konzept von Johann Galtung: Träumerei. Alles, was auf den ersten Blick keinen kurzzeitigen Erfolg verspricht, ist Träumerei? Da waren wir schon mal weiter, im Umfeld von Blochs konkreter Utopie. Ich hoffe sehr, Ihre Fotografien sind nicht so dilettantisch wie Ihre politischen Analysen.

        • aquadraht schrieb am 1. November 2011 at 16:25 - Permalink

          Es zeigt aber die Schwäche bzw. das Fehlen einer Analyse. Die Behauptungen über die “sektiererischen” Westverbände sind Teil der Kampagne gegen die Linke. Tatsächlich hat noch kein einziger Westverband eine Regierungsbeteiligung ausgeschlossen, auch die pauschal und ohne Argumente (selbst von Jens) als “Chaoten” abgekanzelten NRW-Linken haben sich einer Regierung von rotgrün nicht in den Weg gestellt.

          Alle internen Krisen der Partei wurden von den “Realo”-Netzwerkern in der Linken inszeniert, einschliesslich der schmutzigsten Intrigen. Und in Sachen Personaldebatte konnten sie gerade mal während des Parteitag die Finger still und den Schnabel halten.

          Auch die Kritik am Programm ist nicht nachvollziehbar. Was daran ist denn
          “in den sechziger Jahren zurückgeblieben”? Man hat den Eindruck, da hat einer das Programm nicht mal gelesen.

          a^2

        • ola schrieb am 2. November 2011 at 11:11 - Permalink

          Dann ist eben entgegen deiner Annahme weder die Zeit noch der Ort der Richtige. So einfach ist das. Und auch damit muss man umgehen können. Sich die Zeit einfach mal hinzubiegen, das habenwir bei den Spezialdemokraten als durchgängiges Muster schon zur Genüge erlebt.

          Ich kann gut damit leben, dass ich einer Minderheit angehöre, das macht mir kein ernsthaftes problem, eher im Gegenteil. Ich kann aber nicht damit leben, mich einer Mehrheit anbiedern zu sollen, weil das dann Gestalten heissen soll…

    3. Hallowach schrieb am 1. November 2011 at 13:51 - Permalink

      darf ich mal eine Frage fragen?!

      Was ist eigentlich dran, daß einige Entscheider bei den Piraten ehemalig der NPD (vorsichtig ausgedrückt) “nahestanden”? Ist da was wahres dran? Vor ein paar Tagen kam mir dies zu Ohren. Ehrlich gesagt habe ich davon im Netz noch nichts gefunden. Ist das also eine üble Nachrede oder was???

      • Avago schrieb am 1. November 2011 at 15:43 - Permalink

        Das Problem der Piraten ist, dass zur Zeit sehr viele Leute dazu kommen.
        Die einen haben sich vorher politisch nicht engagiert und wollen jetzt
        reinschnuppern.
        Dann gibt es Überläufer von anderen Parteien, die sich bei den Piraten
        besser vertreten fühlen und diejenigen, die auf eine schnellere Kariere
        hoffen.
        Da es der Partei an Politik-Profis mangelt und Nerds kamerascheu sind^^
        ist sie natürlich auch für rechte Überläufer interessant, zumal das
        Parteiprogramm noch recht schwammig ist und von zur Zeit hart links
        auch schnell ans andere politische Ufer manöviert werden kann.
        Ob es in der Partei aber überdurchschnittlich viele Mitglieder mit
        rechtem Gedankengut gibt, denke ich nicht.

      • Lutz Hausstein schrieb am 1. November 2011 at 16:01 - Permalink

        Es gibt wohl zwei diesbezüglich Fälle, die vor kurzem bekannt geworden sind. Ohne dass ich ihnen jetzt weiter nachgegangen wäre. Sie aber als “Entscheider” zu bezeichnen, übersteigt, meiner Kenntnis nach, die (vorübergehende) Position derjenigen.

        Diese Dinge sind, gerade bei sich erst langsam entwickelnden und sich noch nicht klar positionierenden Parteien, nichts Außergewöhnliches. Es gab, meines Wissens nach, auch zu Zeiten der sich relativ schnell entwickelnden WASG einige Personen in ihr, die zumindest rechtem Gedankengut sehr aufgeschlossen gegenüberstanden und dies auch so vermittelten. Und gerade bei einer Partei, die sich selbst noch nicht klar positioniert hat, ist dies erst recht logisch.

        Ich wäre jetzt weit davon entfernt, den Piraten nur aus diesem Fakt heraus einen “Strick drehen” zu wollen. Entscheidend ist, wie damit umgegangen wird. Aber auch dies ist immer von dem konkreten Fall des Betreffenden abhängig.

      • Thorsten Beermann schrieb am 1. November 2011 at 16:30 - Permalink

        Wobei ich mit dem Begriff “Entscheider” im Fall der Piraten aktuell sowieso eher vorsichtig wäre. Selbst die gewählten Sprecher müssen oder wollen sich ja vor fast jeder Aussage rückversichern, daß sie nichts gegen die Mehrheit der Basis verlauten lassen.

        Ich glaube nicht, daß eine oder wenige Personen aktuell einen größeren Einfluss auf die Partei nehmen könnte. Dafür müßten sich erstmal feste Strukturen bilden. Und von einer großflächigen Unterwanderung ist nicht auszugehen.

      • Avago schrieb am 1. November 2011 at 16:52 - Permalink

        Zumal die Piraten ihr Liquid-Feedback als Schutz gegen rechte oder sonstig populistische Strömungen einsetzen können.

    4. ola schrieb am 1. November 2011 at 13:59 - Permalink

      Piratenpartei lohnt übrigens keine Betrachtung, die haben weder ne Idee noch die Zeit. Ist ein Kind unserer Welt im Umbruch und wird ob ihrer Beliebigkeit wieder im Orcus verschwinden. Hat wirklich ein wenig etwas von apple.

      • Mischi schrieb am 1. November 2011 at 16:54 - Permalink

        Hat wirklich ein wenig etwas von apple.

        Also trauen Sie den Piraten zu, über 30 Jahre lang erfolgreich zu sein und in mehreren Themengebieten massiven Einfluss zu gewinnen bzw. diese komplett zu besetzen?
        Da werden sich die Piraten bestimmt über Ihre Einschätzung freuen.

        • ola schrieb am 2. November 2011 at 11:15 - Permalink

          Nein, das hat weder apple geschafft, noch bin ich der irrigen Annahme die Piraten könnten das. Ihr werdets noch lernen. Mit Geblubber und nem coolen logo kann man vieles erreichen, aber dauerhaft erfolgreich wird man nicht sein. Genießet den kurzen medialen hype.

    5. genova schrieb am 1. November 2011 at 14:06 - Permalink

      Außer der männlichen Übermacht konnten die Kommentatoren keine Schwachstelle ausmachen.

      Da die nicht wissen, wofür oder wogegen sie sein sollen, sind sie halt schlecht angreifbar. Aber eine Partei ohne Programm ist auch nicht ernstzunehmen.

      Die guten Umfragewerte der Piratenpartei aktuell zeigen doch nur die große Verwirrtheit des Publikums. Alles, was irgendwie nicht etabliert ist, kriegt derzeit Zulauf. Das war bei Gauck so, bei Guttenberg und jetzt bei der Piratenpartei. Genau in dem Moment, in dem eine fundierte Analyse der Verhältnisse nötig wäre, kommen Piratenpartei und Occupysektierer. Und morgen dann wieder Guttenberg.

      Man erkennt daran vor allem, dass der Neoliberalismus in den zurückliegenden zehn, zwanzig Jahren ganze Arbeit geleistet hat. Wenn es ans Eingemachte gehen müsste, ist man sprachlos.

      Beispiel Occupy Frankfurt:

      http://www.fr-online.de/frankfurt/occupy-frankfurt-fdp-politikerin-wagt-sich-ins-rebellencamp,1472798,11084676.html

      Und zum Thema:

      http://exportabel.wordpress.com/2011/10/18/wir-sind-alle-gemeinsam-da-drin/

      • ola schrieb am 1. November 2011 at 14:18 - Permalink

        Saugut niedergeschrieben.

      • BruceMangee schrieb am 1. November 2011 at 15:24 - Permalink

        Aber eine Partei ohne Programm ist auch nicht ernstzunehmen.

        http://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm
        Gefunden in weniger als 2s mit Google.

        • genova schrieb am 1. November 2011 at 15:43 - Permalink

          Das ist kein Parteiprogramm, das tut nur so. Ca. 90 Prozent drehen sich ums Internet und der Rest ist eine bisschen “Bildung kostenlos”.

          Wirtschaftspolitisch scheinen sie sich jetz auf FDP-Niveau zu formieren. Der Wirtschaftsexperte der Piraten wollte eigentlich zur FDP, machte das aber nicht, weil er keine Lust auf Basisarbeit hat. Die Quelle dazu habe ich verschlampt. Stand auf Spiegel-Online.

          Diese Fokussierung auf das Thema Internet erinnert mich an den Börsenhype in den Neunzigern. Damals dachte man, an der Börse wird Geld produziert, heute denkt man ähnlich, nämlich “das Internet” würde ökonomische Regeln außer Kraft setzen.

          Solange die Piratenpartei in Umfragen auf zehn Prozent kommt, kann man jede ernsthafte Veränderung abhaken.

          Das Kapital freut sich über so viel Unbedarftheit.

          ola, danke :-)

          • Lutz Hausstein schrieb am 1. November 2011 at 16:14 - Permalink

            Das ist kein Parteiprogramm, das tut nur so.

            Genova, das unterscheidet die Piraten jetzt aber auch nicht gerade von den anderen Parteien.

            Du erinnerst Dich doch sicherlich noch?

            Ich finde es unfair, Politiker an ihren Versprechen von vor der Wahl zu messen.

            Der war kein Pirat. Obwohl … irgendwo schon. Auf seine Weise. ;-)

            • genova schrieb am 3. November 2011 at 12:46 - Permalink

              Doch, andere Parteien haben Programme. Aber nicht nur das. Die Piratenpartei steht für nichts außer für Fragen wie die, ob Apple gut oder schlecht ist oder wie es mit den Urheberrechten im Internet aussieht. Das sind nette Detailfragen. Dafür brauche ich aber keine Partei, sondern lediglich eine Interessenvertretung á la Bürgerinitiative o.ä. Und mehr sollte die Piratenpartei wohl auch nie sein.

              Nochmal: Wer heute zur Ökonomie keine Meinung hat, sollte möglichst schnell den Bach runtergehen. Bei den Grünen war das übrigens auch symptomatisch: Die hatten jahrelang in den 80ern im Parteiprogramm zum Thema “Wirtschaft” stehen: “Dieser Punkt wird noch überarbeitet”. Irgendwann haben die da was hingeschrieben, aber es war ihnen immer relativ egal.

              Das Ergebnis ist bekannt: Dem neoliberalen Schröder in den Hintern gekrochen, nichts kapiert und heute in weiten Teilen nahtlos kompatibel mit dem ökologisch angehauchten wirtschaftsliberalen Besserbürgertum. Für die ernstzunehmende politische Linke eine Katastrophe.

              Die aktuelle Auseinandersetzung im Landesverband Berlin bringt vielleicht ein wenig Klärung.

    6. R_Winter schrieb am 1. November 2011 at 15:31 - Permalink

      Grundsätzlich eine gute Artikel-Serie.

      Linke und die Piraten, die auf der politischen Landkarte nicht unbedingt einem Lager zuzuordnen sind.

      Na, wenn dieses man für Die Linke stimmt…..

      Als der Chaos Computer Club ein Exemplar eines Behörden-Trojaners in die Hände bekam und sezierte, hätte eigentlich die Stunde der Piraten schlagen müssen. In ihrem ureigensten Territorium hatte ihr ureigenster Fein (der „Internet-Ausdrucker“) die rechtlichen Vorgaben klar überschritten. Doch zunächst war aus dieser Richtung wenig und wenn auch nur sehr vorsichtige und zurückhaltende Statements zu hören.

      Ja, warum sollten sie Stellung nehmen?
      Einige Medien haben des den Piraten doch prächtig abgenommen. Die Piraten sind einfach in der Argumentation zu schwach und unbeholfen.

    7. CheckervonBeruf schrieb am 1. November 2011 at 16:03 - Permalink

      Habe ich da “kapitalistisch” gelesen? Muss ich da auf die aktuelle Stunde zum Linken-Programm verlinken? Wir haben keinen Kapitalismus, wir haben soziale Marktwirtschaft. Hört doch nal auf die CDU, die regiert uns doch immerhin…

      Hach die Linken, man fragt sich echt, warum die nicht aus dem Quark kommen. Muss man jetzt mal beobachten, wie das in Berlin mit GroKo wird. Die schneiden ja schon alte Linke-Zöpfe ab, siehe öffentlicher Beschäftigungssektor. Hätte man sich von Guido Werstwelle ja auch nicht erwartet, dass sein Nachfolger noch elender ist. Vermutlich wird das mit der Berliner Regierung genau so.

    8. Mischi schrieb am 1. November 2011 at 18:02 - Permalink

      Als sich die Piraten-Bewegung über die Frage der Schließung von Download-Portalen gründete, bestand sie vor allem aus jungen Männern, die irgendwie moralisch zu erklären versuchten, warum sie für die geistige Arbeit anderer nicht zahlen müssten.

      Autsch, sind wirklich einige noch immer nicht im Internetzeitalter angekommen?

      Ich fand die vorherigen Artikel sehr gut und finde, bis auf diesen Schnitzer, auch die Einschätzung zu den Piraten sehr treffend. Dass man sich aber scheinbar immer noch dafür rechtfertigen muss, wenn man eine Anpassung des Urheberrechts an die (schon nicht mehr ganz so) neuen Begebenheiten fordert und nach wie vor mit dem Schlagwort “Kostenlos-Kultur” abgebügelt wird, ist schon etwas traurig.
      Es hat aber nie jemand gefordert, dass alles umsonst sein soll. Man hat lediglich kritisiert, dass in einem Medium, das für die grenzenlose Verbreitung von und einfachen Zugriff auf Daten geradezu prädestiniert ist, genau dies untersagt werden soll. Ebenso wurde die Position vertreten, dass die grossflächige Kriminalisierung von “Raubkopierern” eher schadet als nutzt, und horrende Preise für virtuelle Güter, die man ohne Aufwand unbegrenzt kopieren kann, eine Unverschämtheit sind.
      Die Buchverlage haben das leider immer noch nicht verstanden und werden ihre Lektion ebenso schmerzhaft lernen, wie ihre Vertreter in den anderen großen Mediensparten. Zum Glück ist man dort aber mittlerweile aufgewacht.

      In den Film- und Fernsehbereich kommt ordentlich Bewegung (wenn auch vorwiegend in den USA). Netflix ist allgegenwärtig, die Videoanbieter prügeln sich um Rechte und ein Großteil der Fernsehsender bieten ihre Programme gleich selber kostenfrei auf der Homepage an.
      Im Musikbereich sieht es ähnlich aus. Apple ist von der restriktiven DRM-Politik abgerückt und so ziemlich alle Konkurrenten sind dem gefolgt. Webradios sprießen wie Pilze aus dem Boden und Anbieter wie Last.fm oder Pandora haben die Art und Weise Musik zu hören praktisch revolutioniert (und das alles kostenfrei). Zudem verzichten immer mehr Musiker auf den Mittelsmann und veröffentlichen ihre Musik eigenständig zu wesentlich besseren Konditionen.
      Valve macht mit Steam im Spielebereich vieles richtig, Spieleentwickler, die noch immer die restriktive Schiene fahren, werden zu Recht von ihren Kunden abgestraft und Anbieter wie Good Old Games bereiten Publishern durch den Verkauf alter Schinken einen 2. Frühling und beweisen gleichzeitig, dass Kunden sogar bereit sind, für veraltete Spiele zu bezahlen, sofern der Preis fair ist.

      Rückblickend muss man den Piraten einfach zugestehen, dass sie mit ihrer Einschätzung zur Verbreitung von geistigem Eigentum im Internet grundlegend Recht hatten. Die Rechteinhaber haben es einfach gnadenlos verschlafen, das Internet als Verbreitungsplattform zu nutzen. Der Markt wird sich weiterhin am Kunden orientieren und wer dagegen ankämpfen möchte, wird auf der Strecke bleiben. So sieht’s nun mal aus.

      • transwarp schrieb am 1. November 2011 at 18:49 - Permalink

        full ack

      • Lennard schrieb am 1. November 2011 at 19:51 - Permalink

        Apple ist von der restriktiven DRM-Politik abgerückt und so ziemlich alle Konkurrenten sind dem gefolgt.

        *sigh*
        Mal wieder die typisch verklärende Apple-Propaganda.
        Apple ist in dem Punkt den anderen Anbietern IMMER hinterhergerannt. Juno, Beatport, Whatpeopleplay und viele Labels (speziell im Elektronik- und Indie-Bereich) haben schon DRM-freie Musik verkauft, da war Apple noch der (fast) alleinige Verfechter von “DRM ist gut und hilft dem Kunden”.
        Erst als es massiven Druck seitens der Käufer gab und man sich um das “coole” Image sorgte, ist man zurückgerudert und hat eine beispielhafte Kehrtwendung auf’s Parkett gelegt. DRM-Spuren sind i.Ü. bis heute in den verunstalteten AAC-Dateien zu finden. Spuren, die deine bei Apple gekauften Dateien eindeutig und persönlich zuordenbar machen.

        PS.: DRM gibt’s bei Apple bis heute. FairPlay schon vergessen? Nur weil man etwas kopieren kann, heißt das nicht, dass kein DRM eingesetzt wird.

        PPS.: “Thoughts on Music” von Steve Jobs war ein Marketing-Gag. 2007? Sorry, aber das war deutlich zu spät. Während die Konsumenten und Musiker bereits seit Jahren DRM-freie Musik kauften und verkauften (u.a. ich selbst), legte man sich öffentlich wirksam mit der Mainstream-Industrie an. Ein PR-Stunt erster Güte.

        Bitte die Themen Apple und Musik einfach aus den Diskussionen über die Piraten weglassen. Es wird langsam anstrengend.

        • Mischi schrieb am 1. November 2011 at 23:23 - Permalink

          Ich bitte um Verzeihung, Herr Oberlehrer. Vielleicht sollte man aber erst mal über das Geschriebene nachdenken, bevor man anderen vorwirft, “Propaganda” zu verbreiten.
          Ich habe gerade Apple genannt, weil es so erstaunlich ist, dass der Marktführer sich dem Druck der Kunden beugen musste. Im Großen und Ganzen halte ich nämlich auch nicht besonders viel von Apples Geschäftspolitik.
          Ob irgendwelche kleineren Portale lange vorher DRM-freie Musik verbreitet haben, ist dabei absolut irrelevant. Die wären nicht mal eine Konkurrenz für Apple gewesen, wenn sie sich zusammengeschlossen hätten. iTunes war und ist nun mal unangefochtener Marktführer und hat somit den größten Einfluss. Und durch diesen PR-Stunt hat Apple deshalb nicht nur sein Image aufpoliert, sondern nebenbei dafür gesorgt, dass es sich kein anderer Betreiber mehr erlauben kann, DRM zu benutzen. Mehr wollte ich mit dem einen Satz nicht aussagen. Ich habe weder eine Wertung zu Apples Geschäftspolitik abgegeben, noch Apple mit den Piraten in Verbindung gebracht. Und hätten Sie jetzt nicht so ein Fass aufgemacht, wäre das Thema auch nie Teil der Diskussion geworden. Glückwunsch ;)

          • Lennard schrieb am 2. November 2011 at 08:41 - Permalink

            Apple benutzt heute noch DRM, soviel dazu. Erst 2009 war man zumindest in Ansätzen bereit, mal auf den Scheiß zu verzichten, wollte sich das aber gleich noch zusätzlich bezahlen lassen. Mindestens 2 Jahre also nur “heiße Luft”, während andere bereits DRM-frei verkauften.
            Dein Geschichte mit “Apple hatte Einfluss auf DRM-freie Musik” kannst Du dir also sparen. Apple ist so wie oft in letzter Zeit, der Sache hinterhergerannt, überholte mittels aggressiver PR und hat im Nachhinein so getan, als würde man seit Jahren an der Spitze der “Bewegung” stehen. Sorry wenn ich dir solche Märchen nicht durchgehen lasse. Ob du irgendwelche Geschäftspolitiken wertest, ist irrelevant. Märchen bleiben Märchen.

            Und das mit “kleinere Portale” hinsichtlich Juno und Beatport find ich witzig. Aber ich dachte, hier geht es um Qualität, und nicht um Mainstream-Gequäke (nagut, Beatport ist zumindest qualitativ seit einigen Jahren wieder im Abschwung). Mea culpa.

            Ich habe weder eine Wertung zu Apples Geschäftspolitik abgegeben, noch Apple mit den Piraten in Verbindung gebracht

            Dann war dein wilder Kommentar also nur Getrolle? Du schreibst Märchen mit Apple und DRM unter einem Artikel über Piraten und machst dann einen auf unschuldig?
            Mkay…Seafood ist ja gesund.

            • Mischi schrieb am 2. November 2011 at 16:11 - Permalink

              Meine Güte, manche wollen sich auch wirklich mutwillig zum Affen machen, oder?

              Noch ein mal:

              Bitte die Themen Apple und Musik einfach aus den Diskussionen über die Piraten weglassen. Es wird langsam anstrengend.

              Sie machen den Unsinn hier zum Thema und interpretieren dazu noch in einen einzigen meiner Sätze Dinge, die ich nie geschrieben habe. Scheinbar kann man in Ihrer Gegenwart den Namen Apple nicht erwähnen, ohne dass Sie Schaum vorm Mund bekommen.

              Meine Aussage war: der Marktführer hat sich nach Jahren von seiner restriktiven DRM-Politik abgewandt und damit DRM praktisch für tot erklärt. Case closed.
              Tut mir Leid Ihnen das sagen zu müssen, aber was Beatport und Juno machen, ist dem Rest der Musikindustrie nun mal vollkommen egal. Sobald aber die Nummer 1 ne Ansage macht, wird es für alle Konkurrenten unheimlich schwer, nicht nachzuziehen.
              Und jetzt darauf rumzureiten, dass Dateien weiterhin personalisiert werden, ist Haarspalterei. Den Kunden ging es in erster Linie um die Entfernung des Kopierschutzes und das haben sie bekommen. Wie die Umstellung im Endeffekt stattgefunden hat, wie viel davon bloß Publicity war und welche Rolle die großen Labels dabei gespielt haben (was Sie ja auch nicht zu interessieren scheint), ist vollkommen egal. Ausschlaggebend ist allein, dass Apples “PR-Stunt” erfolgreich war, ob es Ihnen gefällt oder nicht.

      • Thorsten Beermann schrieb am 1. November 2011 at 20:55 - Permalink

        Für diese Diskussion ist glaube ich hier nicht ganz die richtige Adresse. Ich hab mir hier vor zwei Jahren anlässlich der damals abgesagten Popcom schon mal Gedanken gemacht. Im Ursprungsbeitrag (einfach dem weiterführenden Link folgen) entwickelte sich dann eine interessante Diskussion mit dem Inhaber eines Platten-Labels.

        Deshalb hier nur so viel: Ich stimme grundsätzlich zu, daß die Rechteinhaber und Vermarkter durch eine frühere Einbindung des Internets als Vertriebsweg sehr viel mehr verdient und sich sehr viel Ärger erspart hätten.
        Das rechtfertigt aber auf der anderen Seite nicht, sich zu nehmen und noch viel weniger zu verteilen, was man dort nicht aus offiziellen Quellen findet.

        Was das Ausschalten von Verlag oder Plattenfirma als Zwischenhändler betrifft: Diese Option funktioniert, wenn überhaupt, nur für Künstler, die bereits bekannt sind. Ohne einen professionellen Vertrieb und entsprechende Werbung ist es aber (bis auf wenige Ausnahmen) nahezu unmöglich, bekannt genug zu werden um die nötigen Auflagen auch zu verkaufen. So bleibt dann vielleicht pro Einheit mehr für den Urheber, aber es werden so geringe Stückzahlen abgesetzt, daß unterm Strich weniger Geld eingenommen wird.

        • aquadraht schrieb am 2. November 2011 at 01:26 - Permalink

          Du kennst, wie viele hier, das Netz nicht, und redest viel daher.

          Ich möchte Dir ein Gegenbeispiel nennen. Simon Travaglia hat Ende der 80er Jahre seine Kultgeschichtenserie vom BOFH in talk.bizarre gepostet. Sie wurde ein Welterfolg und ist mittlerweile in mindestens 30 Sprachen, auch ins Chinesische, übersetzt. Simon hat übrigens nichts daran verdient.

          Andere haben, das BOFH-Label wurde schon etwas vermarktet, wenn auch nie exkludierend und contentmafiamässig. Meine schweineteure wunderschön schwarze BOFH-Tasse stammt von The Register.

          Conclusio: Erfolge gibt es auch ausserhalb der “normalen” Vertriebswege, man muss sie eben erproben.

          a^2

    9. Thorsten Beermann schrieb am 2. November 2011 at 07:03 - Permalink

      Also jemand, der anderer Meinung ist, hat keine Ahnung und redet nur daher?

      Ich hatte geschrieben:

      Ohne einen professionellen Vertrieb und entsprechende Werbung ist es aber (bis auf wenige Ausnahmen) nahezu unmöglich, bekannt genug zu werden um die nötigen Auflagen auch zu verkaufen.

      und du willst mir mit der Nennung einer Ausnahme jetzt das Gegenteil belegen? Ja, es gibt Ausnahmen (auch in anderen Bereichen, wie Musik oder Film), aber in der Breite ändert das eben letztendlich nichts an der grundsätzlichen Aussage.

      Davon abgesehen ist ein Autor, der nichts an seinem Werk verdient hat und dessen Arbeit jetzt von andere ausgebeutet wird, jetzt auch nicht wirklich ein Positivbeispiel für einen gelungenen Vertriebsweg, oder?

    10. Micha1970 schrieb am 2. November 2011 at 08:24 - Permalink

      Ich habe vor kurzem mal wieder “Das Leben des Brian” angeschaut.
      Mir kommen die Phrasen, die die Parteien und ihre lautstarken Befürworter heute dreschen, inzwischen genauso leer und zynisch vor wie die Parolen der “Judäischen Volksfront” (oder war es die “Volksfront von Judäa”?).

    11. Marius M. schrieb am 2. November 2011 at 11:27 - Permalink

      Du schreibst das sich Apple User und Piraten überschneiden.
      Ich hab gegenteilige Erfahrung gemacht bei unserem Stammtisch ist das iphone geradezu verpönt….
      lg grüße

    12. Joachim Voigt schrieb am 3. November 2011 at 10:30 - Permalink

      “Fest steht, dass die Piraten inhaltlich noch immer eine Art Gemischtwarenladen sind. Alles, was irgendwie nicht schlecht klingt, scheint man vertreten zu wollen – was oft nur Stunden später von einem anderen Vertreter wieder dementiert wird. Bisher zumindest ist es der Partei nicht gelungen, sich abseits ihrer Kernthemen inhaltlich klar zu positionieren.”.

      das ist nicht so ganz richtig. Siehe heirzu Martin Novak http://www.scharf-links.de/48.0.html?&tx_ttnewstt_news=19448&tx_ttnewsbackPid=56&cHash=1bf011c77c

      Die Beliebigkeit der Piraten iwird immer mehr zur Mystifikation einer journalistischen Endlosschleife, die die inhaltlichen Positionierungen nicht zur Kenntnis nimmt.

      “Jetzt wäre die Gelegenheit, sachliche Vorschläge zur Umgestaltung der Wirtschaft zu machen und dem Bürger Ursachen der Krise und mögliche Auswege verständlich und glaubwürdig zu erklären. Stattdessen arbeiten sich die Linken an alten Feindbildern ab oder verherrlichen längst überwundene Irrwege der Vergangenheit.”

      Gut gebrüllt, Löwe. Nur mal ganz naiv gefagt: Benötigten die LINKEN dazu nicht auch irgendwie eine Repräsentanz in den Medien. Die meisten Pressemeldungen der PDL werden auf allen Ebenen Nund, Land, Kommune nicht zur Kenntnis genommen seitens der Joournaille. Eben die hat sich dann aber als Hochleistungsverstärker der – in der tat nicht konstruktiben innerparteilichen Querelen . der PDL verdient gemacht. Der Weiterentwicklung der verständlichen Erklärungen, die Du forderst, war aber von diesen Querelen kaum beeinflusst oder blockiert, nur wollte diese niemand senden, darauf Bezug nehmen, sie diskutieren. Und zur Macht der Medien hat ja A. Müller auf den NDS sicherlich einiges Richtige ausgeführt.

    13. yo schrieb am 5. November 2011 at 13:35 - Permalink

      “legalisierung aller Drogen” bedeutet nix anderes als endlich Standard zu machen, was derzeit schon in viel zu wenigen Städten, und in viel zu geringer Zahl, jedoch mit großem Erfolg läuft: die freie Abgabe von Heroin, z.B.
      “Heroin für Alle!” hört sich natürlich sehr “plakativ” an. So ein Slogan spielt dem Bierzeltniveau der CDU selbstverständlich in die Hände, die sich aber sowieso eher für “Geschäftsleute”, und besonders in einem derart goldenen Gewerbe, als für Abhängige stark machen würde.

    14. Jaquento schrieb am 6. November 2011 at 13:29 - Permalink

      Ich hoffe immernoch, das die Piraten erkennen das sich Orange nicht aus Rot und Grün mischt.
      Bei der letzen Bundestagswahl bin ich noch auf die FDP mit ihren Versprechungen hinsichtlich liberaler Konzepte reingefallen. Aber nach dem die FDP bewiesen hat das sie nicht mehr liberal ist suche ich derzeit nach einer alternative.
      Die FREIHIET ist zu rechtslastig und die Piraten scheinen zum Sammelbecken frustrierter Grüner und Postkommunisten zu werden.

      • genova schrieb am 7. November 2011 at 13:54 - Permalink

        Jaquento,
        danke für diesen Beitrag, er zeigt das Dilemma der Piratenpartei deutlich. Die spricht also auch Leute an, die sich überlegen, FDP oder vielleicht doch die Freiheit zu wählen, natürlich alles aus streng “liberaler” Perspektive.

        Und dass du auf die FDP “hereingefallen” bist: Nun ja. Ich würde mal sagen, wer 2009 die FDP gewählt hat, weil er glaubte, was sie versprach, der ist politisch schlicht nicht zurechnungsfähig.

        Die Piratenpartei übrigens auch nicht. Da schließt sich der Kreis.


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