Irrtum – der Antirassismussong
geschrieben am 02. November 2011 von Spiegelfechter
Dazu erhielten die NachDenkSeiten folgende Mail:
Hallo,
Ich bin mit 22 Jahren wohl einer der jüngeren NDS Lesern. Ich wohne derzeit in Magdeburg, ursprünglich komme ich aus Hamburg
In meinen Jahren hier im “Osten” habe ich eine vorherrschende Mentalität festgestellt, welche sich grundsätzlich von dem was ich aus dem “Westen” kenne unterscheidet.
Dieses hochqualitative Lied spiegelt diese wider. Ich empfinde bei dem Lied eine tiefe Verbundenheit für die Zeit an einem Ort, welche ich nie erlebte. Ich erinnere mich, wie ich 2 Wochen im Krankenhaus im Zimmer mit einem ostdeutschen Feuerwehrmann lag und mir von seinem Leben erzählen ließ. Ich denke an meine Freundin und ihre Familie aus Thüringen.
Ich bin kein politisch gewandter Mensch, lediglich interessiert und ich meine, dass dieses Lied durchaus einen Platz auf einer Website, des Nachdenkens über das vorherrschende System, verdient hat.
Grüße
Paul D.
Ich möchte dieses Lied und die Gedanken von Paul D. auch den SPIEGELFECHTER-Lesern nicht vorenthalten.
Vertrauen Sie Deutschlands Nr. 1
Wissenschaftlich fundierter Test!
www.PARSHIP.de




Sehr, sehr einseitig – trotzdem 1 Punkt für das Anregen zum Nachdenken.
ossis – ihr seit die kanacken unter den germanen:)) schöner text.
gruß nach marzahn http://www.youtube.com/watch?v=XSl64w5w4Rg&feature=related
Ja, das ist der Rassismus, den man sich als “Wessi” halt so bieten lassen muss.
ist toni der assi eigentlich wessi?
http://www.youtube.com/watch?v=8JsrqGVnsmc nur mal so als frage:))
@sternburg: Bei den Inhalten lohnt es sich doch gar nicht nach Ost oder West zu fragen und es ist auch irrelevant, Rassisten bleiben Rassisten, Ost oder West, Schwarz oder Braun, Rot oder Grün, gut oder gut gemeint, egal. Wer sich erhebt, erniedrigt sich. Lebe Dein Leben als Mensch im kleinen und im großen und lasse andere leben. Die Welt ist doch eigentlich ganz einfach.
PS: Ich glaube, ich bin unheilbarer Optimist! 8-)
@ Wolle
Von Deiner Sorte Opimisten mehr und weniger Hetzer.
hast recht wolle. bin dem zufall dankbar, das ich frei erzogen worden bin. die möglichkeit, tolle menschen zu treffen und kennen zu lernen, ist mir so durch meine grundsätzliche unvoreingenommenheit gegeben. was hätte ich da sonst ziemlich sicher alles verpasst.
in diesem sinne dir, mir, uns allen einen friedlichen abend in europa, auch wenn “marktkonforme ” demokratie neue, weniger günstige zeiten erahnen lassen.
magdeburg. zur erinnerung auch an die drei jugendlichen, die sich u.a. gegen nazis angergiert haben und deren gruppe zeitweise als terroristische vereinigung eingestuft wurde hohohoh. mit folgen wie staatsanwaltschaftlicher ermittlung, knast für drei magdeburger.
“…Marco, Daniel und Carsten sind nach dem § 129a StGB angeklagt. Die Kriminalisierung linken Widerstandes anhand der §§ 129 und 129a ist nicht neu. Als Gesinnungsparagraphen dienen diese der Durchleuchtung linker Strukturen und Organisationen und sollen letztlich ihre Zerschlagung ermöglichen. Auch ohne einen konkreten Tatnachweis ist eine Verurteilung möglich. Von bewaffnet kämpfenden Gruppen, über Widerstandsbewegungen aus anderen Ländern bis zu autonomen AntifaschistInnen wurden in der Geschichte der BRD politische AktivistInnen nach den §§ 129 und 129a angeklagt…” vielleicht waren die in dem alter wie paul heute?
http://media.de.indymedia.org/images/2003/10/64140.jpg
http://badkleinen.sooderso.net/texte/bilder.htm
Das ist ja furchtbar.
So eine peinlich, naive und einseitige früher-war-alles-besser-Scheiße habe ich lange nicht gehört.
Es war so toll damals in Osten, dass man eine Mauer bauen musste damit die ganzen Wessis nicht rübermachen ins sozialistische Schlaraffenland.
Den Vogel schiesst er am Ende ab:
“Das es im Osten Verbrechen gegen die Menschlichkeit gab, wie in jedem anderen Land dieser Welt”
Genau, Mexico, BRD, Kanada, DDR, Norwegen, Indonesien, Kenia usw. über all die Gleiche Stasi-Scheiße…
@ derwaechter
himmm ….. ich interpretiere den text nicht als früher-war-alles-besser.
bevor ich meine erste ostfreundin hatte und später dann der umzug nach berlin, war ostdeutschland wie ausland für mich. da hatten wir aber schon 10 jahre wiedervereinigung und so. aber ich hatte nix mit ostdeutschland zu tun und noch nie irgend nen ossi kennen gelernt.
als ich das erste mal wegen meiner freundin in dresden war, das war für mich irgendwie ein komisches gefühl. ich war da in einem bäckerladen und hab meine freundin bestellen und reden lassen. komisch was. ist 10 jahre her.
du kannst das nur verstehen, wenn du ossis richtig kennen lernst. mit den arbeiten, feiern, bei denen wohnen. ich hab die damals als art kanacken empfunden. im rap ist das nix schlimmes: kanacke. wie bei anderen kanacken, hab ich damals beobachtet, in berlin, das man die ossis nicht respektiert hat. damals. heute ist viel passiert. zum besseren. finde ich. damals war das so: kein respekt vor der kultur der ossis. kein respekt vor ihrer herkunft. einfach kanagge halt.
auf meiner ersten feier unter ossis, kling vielleicht dämlich hehe, aber ich war da in dresden der einzige wessi auf der party, war ich positiv überrascht, wie natürlich die sind. dazu muss ich erklären, das war eine feier bei den eltern meiner freundin. wir beide jung, die anderen alle so ab 40. das ist jetzt 10 jahre her. ihre eltern und die anderen gäste – alles ddr akademiker. aus dem westen bin ich da z.t. viel standesdünkel in diesem milieu gewöhnt. deswegen fand ich es schön, wie locker, natürlich und bescheiden die sind.
hier in berlin, höre ich von arbeitskollegen, wie früher gefeiert wurde, mehr zusammenhalt da war. klar ist das alles unter dem vorbehalt mangelgesellschaft und daraus resultierend bestimmtes sozial verhalten zu sehen, aber das reduzieren vom leben da drüben, auf stasi-ddr und so einen kram, wie du das machst, trift es eben nicht.
das ist wie mit den anderen kanacken vom fußball, die nicht silvio und kevin, sondern ali und mohammed heißen. wenn ich da richtig stimmung haben will, fang ich auch am besten damit an: sagt mal ihr türken, watt soll datt mit scharia, zwangsverheiratung, ziegen schächten zuhause in der badewanne bei euch? hää?!
so wie es mich es ankotzt, wenn ich in holland (öfters) wegen nazizeit angesprochen werden, so kotzt es einen ossi an, wenn sein leben auf mauerbau und schießbefehl reduziert wird. warum soll ich bei einem neuen arbeitskollegen aus der türkei automatisch an den völkermord der armenier denken?
grundsätzlich erst mal respekt, dann klappt es mit fast jedem. egal woher der kommt oder was der ist. amen :))
@sternburg
Das kann ich – trotz höherem Alter und anderer Sozialisation – voll und ganz unterschreiben.
Meine Lebensgefährtin ist ebenfalls aus dem Osten und ich denke, man muss sich wirklich sehr eng mit der Kultur beschäftigen, um sie auch wirklich verstehen zu können.
Kein “Ossi”, den ich kenne, vertritt die plumpe Ansicht, das “alles besser war”, aber auch kein “Ossi” vertritt die ebenso plumpe Ansicht, dass “alles schlechter war”. Ersteres ist – aus welchen Gründen auch immer – gesellschaftlich geächtet, letzteres wird – aus welchen Gründen auch immer – verlangt.
Mein Eindruck ist jedoch, dass die Vorteile (Zusammengehörigkeit, Gleichheit, Entschleunigung, Zukunftsperspektive, Vollbeschäftigung) für die allermeisten “Ossis” die Nachteile (keine Meinungs- und Reisefreiheit, eingeschränkte Konsummöglichkeiten, Repression und Vetternwirtschaft) bei weitem aufwiegen. Insofern kann ich den Text des Liedes (auch wenn er stellenweise sicher sehr subjektiv ist) auch voll und ganz nachvollziehen.
Und seien wir doch mal ehrlich – Wer von den ganzen DDR-Bashern hier, würde eigentlich in einem repressiven System Nachteile haben? Die DDR-Basher sind doch in der Regel die System-Opportunisten, die sich in jedem System mit der Macht verbrüdern und in DDR SED-Mitglieder oder gar IMs der Stasi wären. Wir, die sich nicht mit dem Status Quo zufrieden geben, sind die Opfer von Repressionen – in jedem System, nur dass unser System die Repression idT auf Sparflamme hält.
Huch, das Frauenthema war schon^^ Hab ich nicht gelesen, hehe. Ja ganz wichtig ist der letzte Absatz deines Beitrages. Systemoppurtunisten. Die die am lautesten quaken…
Was er macht ist einer Anti-Osten/Anti-DDR-Haltung eine extrem einseitige Anti-Westen und Pro-Osten-Haltung entgegenzusetzen.
Er sagt in der DDR (also früher) war alles besser. Und das bisschen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, komm das gibt es doch überall.
Das ist doch Mumpitz. Und ich bin ehrlich entsetzt, dass so viele hier das gut finden.
Man sollte den Osten natürlich nicht auf Stasi und Mauer reduzieren aber all das einfach ignorieren kann es doch nun auch nicht sein.
@Spiegelfechter
Was hat Dich denn in deinem letzten Absatz geritten? Alle die die DDR hart kritisieren sind also in Wirklichkeit verkappte IMs.
Und die Repressionen für Systemkritiker im System Deutschland 2011 sind so wie in anderen Systemen auch, nur halt auf Sparflamme.
Das kann doch nicht Dein Ernst sein!
Ich z.B, bin aus D ausgewandert, weil mir das Leben System dort nicht so gefällt. In D konnte ich mich abmelden, die Umzugskosten steuerlich geltend machen und jederzeit zurückkommen, in der DDR wäre ich im besten Fall eingesperrt, im schlimmsten Fall an der Grenze erschossen worden.
Kann ich nicht nachvollziehen, wo du diese einseitige extreme Anti-West-Haltung im Filmclip siehst. Pauschalurteil eine “Wessi” wäre das stupide Argument, hier ginge es halt nur um (N)ostalgie. Tatsächlich geht es aber erst mal um Sozialisation, um gefühlte Lebensgeschichte, um soziale Erfahrungen und Lebensqualität.
Dieser Eindruck der Antihaltung kann doch nur entstehen, wenn man verallgemeinert und dabei noch polarisiert, dabei ausblendet, was in dem Lied persönlichem Erleben entspungen ist. Sicherlich hatte die DDR ihre Opfer, aber deswegen waren nicht alle Einzelschicksale schlecht, es gab davon ungeachtet auch Werte.
Viele Menschen können nicht einfach auswandern, sie haben Freunde, ein soziales Netz, Arbeit, Familie, Verpflichtungen am Ort. Dieses Beispiel von dir finde ich schon fast hochmütig, es zeigt mir, dass du dich gar nicht in diese Menschen hineinversetzen möchtest.
Die Chance auf Erschossenwerden war gering.
Bei Wikipedia Wikipedia steht
@ derwaechter du wirst auch zurück kommen. nicht wenige auswanderer kehren wieder zurück nach deutschland. ich möchte jedenfalls nicht woanders leben. ich fühle mich hier eigentlich ganz wohl. aber irgendwie ne komische vorstellung auch, wenn ich so an den film good bye, lenin! denke und es zur abwechslung, die brd nicht mehr gebe.
ps.: deutschland aus berliner sicht :))
http://georgjaehnig.files.wordpress.com/2010/11/deutschland-berliner-sicht.png
zu der musik:
früher habe ich fast nur rap gehört. damals noch run.-d.m.c., n.w.a. oder public enemy. im hiphop finde ich am besten meine eigenen erfahrungen wieder. ich mag an der musik die ehrlichkeit. wichtig ist das du authentisch bist. zu deiner meinung stehst. bei dem clip oben lernt vielleicht der ein oder andere außenstehende, das es auch politische sachen gibt. sehr viel sogar und nicht nur die ganze gold-kettchen-gangsta-sache aus den mainstreammedien.
http://www.youtube.com/watch?v=nizt2oEtHl8 :))
der film beautiful struggle http://www.youtube.com/watch?v=b9m-J7tnMeA
@ alexios
Was hat denn das mit Hochmut zu tun? Der Spiegelfechter hat gesagt, dass die Repressalien gegen Systemkritiker in jedem System (also auch D und DDR) ähnlich seien.
Ich wollte an meinem eigenen Beispiel zeigen, dass man in D z.B. wenn es einem nicht gefällt gehen kann. Ob man nun wegen Familie, sozialem Netz und Arbeit (glaubst Du eigentlich die habe ich nicht?) nicht auswandert oder weil einem eine Mauer mit Selbstschussanlagen vor die Nase gesetzt wird, ist doch ein großer Unterschied.
Und solche Unterschiede finde ich elementar. .
Natürlich ging es vielen Leuten in der DDR gut, es gab wohl viele Dinge die besser waren als Heute. Aber der Leidensdruck muss für viele andere sehr hoch gewesen sein, wenn man sieht wie viele (trotz Lebensgefahr) weg wollten.
Wenn der Sänger darüber meckert, dass er im Westen mit ehrlicher Arbeit keinen Benz fahren kann und dann minutenlang von der DDR schwärmt um dann kurz zu sagen, ach ja Verbrechen gab es da, aber die gab es doch überall, dann finde ich das peinlich.
Es ist eben nicht dasselbe.
Diejenigen, welche aus der DDR fortgingen, taten sich auch sehr schwer damit. Sie wusten, dass sie das Land (nicht den Staat!), das sie liebten, hinter sich lassen würden und es möglicherweise nie wieder sehen würden. Die Menschen, mit denen sie verbunden waren. Für viele war es eine schwere Entscheidung und auch Überwindung. Und viele andere, haben sich, trotz dieser Umstände, aus ebendiesen Gründen dagegen entschieden.
Aber sie gingen in ein Land, in dem dieselbe Sprache gesprochen wurde, das dieselbe Geschichte, dieselbe Kultur, unendlich viele Gemeinsamkeiten hatte. Und dies auch noch zu einer Zeit, wo es noch möglich war, sich eine Zukunft aufzubauen. Wo man noch ohne größere Probleme Arbeit bekam, von der man sogar auch noch vernünftig leben konnte.
Nun gehe aber heute mal in ein fremdes Land, mit kaum Geld in der Tasche, um etwas aufzubauen, das dich auch nicht mit offenen Armen empfängt. Wo es eine Sprachbarriere gibt, mehr oder minder groß. Auf ein Beispiel heuzutage, welches glücklich endet, kommen hunderte, die aus genau diesen Gründen scheitern.
himm … wahrscheinlich haut es eh nicht hin , wenn wir wessis über das leben in der ddr reden. sehr wahrscheinlich sogar.
ich merke das im von wessis (nicht mal beim mdr ist ein ossi der chef?) dominierten fernsehen. mein eindruck ist da, das es hauptsächlich nur zwei sorten ostdeutscher menschen gibt: den jammer ossi, immer wehklagen, immer opfer und das stasischwein, eiskalt, immer mit dem arsch an der wand, egal in welchem system. ob @derwaechter oder ich – was wissen wir vom leben damals in der ddr? nix! ich habe da nie gelebt. logisch. also kenn ich den allltag da nicht. du hast da nie gelebt. also weißt du nix vom leben in der ddr! ich halte wenigstens meine schnauze in der richtung, das ich einen dreck tun würde, einem ossi seine biografie vor zu halten.
derwaechter ich unterstelle dir jetzt einfach mal ( bitte um entschuldigung wenn es nicht so ist ) das du deine infos zu 100 % aus den konzernmedien hast. aus westmedien:)) wir beide können null beurteilen, wie das leben in der ddr war. das ist nun mal fakt. ich lese bei dir aber raus, das du dir das leben, den alltag in der ddr, als tagtäglichen kampf der unterdrückten bürger gegen die gemeinen stasischergen vorstellst. wenn jetzt ostdeutsche, einen westdeutschen , der sich das alltagsleben in der ddr so vorstellt, arroganz vorwerfen, dann hat das nix mit verharmlosung der stasi zu tun.
weiß du, du erinnerst mich an einen wortwechsel zwischen dem ostdeutschen schauspieler henry hübchen und dem westdeutschen regisseur florian henckel von donnersmarck (das leben der anderen). in einer ndr talkshow (?) ist es da zu einer auseinandersetzung zwischen den beiden gekommen. ich finds dann peinlich, wenn ein west filmemacher, einem ost künstler erzählen will, wie das damals so mit dem stasisystem in der ddr und den lebensbedingungen für künstler war?
ddr-dj :))
@derwaechter
Der meckert da nicht drüber, sondern er sagt, dass sie echt daran geglaubt hätten.
An so einem Benz ist nicht so viel Arbeit dran. Eigentlich müsste man sich so etwas nach ein paar Jahren ehrlicher Arbeit leisten können.
Es gibt schon Grund, darüber zu meckern, dass das das nicht so ist. Nicht das Gemecker ist naiv oder gar peinlich, sondern der Glaube.
Ist das so? Ich habe da eher öfters gehört, das sie Reisefreiheit haben wollten aber nicht auswandern wollen. Das ist ein Unterschied!
@ Lohengrin
Gute Unterscheidung.
Mir sind Menschen, die meckern, die sich noch aufregen können lieber, als die, die sich schon aufgegben haben. Wut ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit.
Mit den Nachteilen gehen wir noch d’accord, bei den Vorteilen bleibt zumindest auf meiner Seite bei ALLEN Punkten ein dickes ?. Vetternwirtschaft heißt jetzt neuerdings “Networking” und ohne Beziehungen läuft heute überhaupt nichts mehr im Gegensatz zu damals.
Hmmm.
Schöner Satz oder kluger Gedanke.
Danke für die Mail Paul.
Ich habe Ähnliches erlebt.
Wir waren auf einer Datscha, und es gingen irgendwelche Leute in 50 Meter Abstand vorbei. Meine Freundin fragte mich entsetzt, warum ich die nicht gegrüßt hätte. Ich sagte ihr, dass ich die beiden nicht stören wollte.
By the way: Ich weiß gar nicht, woher die Ansicht stammt, dass der Song “naiv” (wie entlarvend eigentlich) die DDR-Vergangenheit bejubelt. Zugegebenermaßen hatte ich den Eindruck auch zunächst. Aber zu dem Schluss kann nur kommen, wer den Song nicht zu Ende hört.
Arbo
Pawlowscher Reflex erfolgreich nachgewiesen!
Zuhören ist offensichtlich Dein Ding nicht. Er hat aber auch gar nichts von wegen früher-war-alles-besser gesungen. Stattdessen hat er davon gesprochen, dass “die Ossis” vom Regen in die Traufe gekommen sind. Und er hat davon gesprochen, dass solche wie Du gar nicht bereit sind zuzuhören, sondern permanent als Totschlagargumente Mauer, Stacheldraht, Stasi anführen.
Und dann wird gleich noch ganz dreist im Bundestag die Geschichte gefälscht, indem dort behauptet wird, dass es Massenvernichtung in der DDR gegeben hätte. Und genau diese Personen erzählen den Menschen etwas über staatliche Propaganda in der DDR, über einen undemokratischen Staat, während sie im nächsten Satz dem Primat der “Märkte” über die Demokratie huldigen. So schizophren kann doch ein Einzelner gar nicht sein.
Deine eindimensionale Denkweise hingegen lautet ganz simpel: Weil der realexistierende Sozailismus schlecht war, muss der realexistierende Kapitalismus gut sein. Das ist aber hanebüchener Unsinn.
Lutz Hausstein du sprichst mir aus der Seele.
Das Lied find ich auch gar nicht schlecht, aber lieber hören die Leute Sido, Bushido und den ganzen “Ghettomist”. Typisch Westen. Und das sage ich als Wessi.
@Lutz Hausstein
Jetzt hör Dir doch mal Bitte ab 1:45 bis 3.30 genau zu und sage noch mal, dass das kein früher war alles besser ist.
Und Deine Anfeindungen und Spekulationen über meine einseitige Denkweise kannst Du gerne für Dich behalten.
Man glaubt es kaum noch, aber man konnte damals wirklich nachts allein ohne Angst auf der Straße unterwegs sein. Ich habe auch damals ohne irgendwelche Ängste mit meinem Auto Anhalter auf der Straße mitgenommen, sogar ohne dass derjenige den Daumen rausgehalten hat. Machst Du das heute auch?
Ich kannte damals niemanden (und habe ich von niemandem gehört), der mit Drogen in Kontakt gekommen wäre. Möglicherweise auch deshalb habe ich bis heute nicht den allergeringsten Kontakt mit Drogen. Und ich bin nicht traurig darüber, dass es so ist.
Diesen überbordernden Anwaltswahn, von dem letztlich nur die ganze Anwaltskaste profitiert, hat es auch nicht gegeben. Da gab es keine dubiosen Firmen, die dich abgezockt haben und anschließend ihre Briefkastenfirma nach Lummerland verlegt haben. Heute musst Du bei jedem Kaufvertrag, bei allem möglichen, penibelst auf verdeckte Vertragsklauseln achten, die in verschwurbelten Juristendeutsch auf Seite 49 des Vertrags stehen. Und selbst dann wirst du noch besch… Diejenige Firma macht den höchsten Profit, die die Menschen am unverschämtesten übers Ohr haut. Das kannte der “gemeine Ossi” gar nicht. Auch deshalb sind so viele nach der “Wende” so brutal abgezockt worden.
Die Menschen damals hatten auch Sorgen. Was er ja auch beschreibt. Aber niemand musste Angst darum haben, ob er morgen noch genug zu essen hat oder ob er verhungert (und dies bitte auch absolut wörtlich verstehen!). Man musste nicht Tag für Tag, Woche für Woche immer wieder Angst haben müssen, ob man nicht seine Arbeit verliert und plötzlich vor dem Nichts steht. Angstfreiheit ist nämlich auch eine Lebensqualität. Ganz besonders, wenn es um elementare Lebensdinge geht.
Das sind Fakten. Widerlege sie.
Danke für diesen Satz, lieber Lutz. Das ist die Quintessenz dessen, was mir nach sehr sehr vielen Gesprächen mit “Ostdeutschen” im Gedächtnis geblieben ist.
Mir fällt dazu gerade ein Spruch (von Marx?) ein:
Im Kapitalismus wird der Mensch zu Ware.
Vielleicht aber sollte man es heute so formulieren:
In der Marktwirtschaft wird der Mensch zur Ware.
Und es gibt ein Überangebot an Menschen.
Damit fällt der Preis und die Angst steigt.
Die wenigen guten Seiten des Ostens schön zusammengefasst. Im Rückblick auf 89 ist die Erwartungshaltung der Meisten an den nur aus den Medien bekannten Westen mit “naiv” wohlwollend umschrieben. Das Verhängnis der Ostler war ihr zwischenmenschlicher Vertrauensvorschuss gegenüber dem westlichen Vertrauensmalus.
Also in Ostberlin gab es definitiv zumindest Cannabis. Dadurch bin ich einmalig (8. Klasse POS :) damit “in Kontakt” gekommen.
Offizielle Belege für Cannabis in der DDR finden sich im DEFA-Film “Flüstern und schreien” in der Szene mit den getrockneten “Kräutern” bei “Flake” und “Paulchen” (heute Rammstein) daheim.
Aber Drogen waren echt kein Thema (wenn man von Alkohol mal absieht).
Was die Kriminalität angeht, naja. Als Jugendlicher in den späten Achtzigern nachts alleine durch Königs-Wusterhausen zu spazieren war schon mit einem “gewissen” Risiko verbunden. Man mag es kaum glauben, aber es gab damals zeitweise eine Menge Neonazis/Faschos (war ja auch irgendwie ein Weg für Unzufriedene, gegen den “antifaschistischen” Staat zu opponieren!)
Trotzdem kein Vergleich mit den Befindlichkeiten heute.
Schön auf den Punkt gebracht.
Naja, das mit der Angstfreiheit halte ich auch für eine butterweiche Argumentation. Ehrlich gesagt hat mir der Teil an dem Song auch schwer im Magen gelegen.
Aber das relativiert sich, wenn mensch den Song zu Ende hört. Und genau das hat “derwaechter” nicht gemacht, sondern sich einfach nur Schnippsel 1:45 bis 3.30 rausgekramt, um den Rest unter den Tisch fallen zu lassen.
Bei solchen Kunstformen wie z. B. Songs sollte mensch jedenfalls eine Pointe/ Moral/ Quintessenz erwarten und somit das Ganze zu Ende konsumieren und nicht partiell auf Versatzstücken rumreiten, die am Ende aufgelöst werden. DAS wäre mein Kritikpunkt gegenüber “dem[ offensichtlichen nacht]waechter”.
Arbo
Hast Du da einen Beleg für? Ich habe ja schon öfters was über die Gleichsetzung von 3. Reich und DDR gehört, aber sogar im Bundestag schon?
In der Bundestagsdebatte zum Parteiprogramm der LINKEN am 27.10.2011. Gleich der erste Redner, Joachim Pfeiffer, so ziemlich gleich im ersten Satz. http://www.youtube.com/watch?v=J2c7Idg3sXE&feature
Dass Ihnen überhaupt jemand ne Antwort gegönnt hat, ist ein Zeichen dafür, dass nicht alle so drauf sind wie Sie.
@ola + @all
Und es ist Zeichen dafür, dass diejenigen, die ihm geantwortet haben, den Clip auch bis…
…zu Ende gehört haben und nicht selektiv wahrgenommen haben!
Deshalb lieber “Wächter” ab Stelle 3:45: bitte auch das zur Kenntnis nehmen…
…erst dann den Song im Gesamtzusammenhang beurteilen und keine “Rosinen herauspicken” (nur das hören, was man hören WILL) beim Zitieren.
Danke.
Banana Joe
@Banana Joe,
Halt mal den Ball flach.
In meinem ersten Eintrag steht: “Den Vogel schiesst er am Ende ab:
“Das es im Osten Verbrechen gegen die Menschlichkeit gab, wie in jedem anderen Land dieser Welt”
Das ist die Stelle auf die Du verlinkst. So viel zum Thema selektive Wahrnehmung. Vielleicht solltest Du erst mal Einträge zu Ende lesen bevor Du hier mit so einem Mist kommst.
Der Link beginnt mit folgendem Satz:
KLICK
Noch Fragen?
Banana Joe
PS: Und richtig: Halt mal den Ball flach.
Sorry, lieber derwächter, vor allem anderen ist dieses Lied ein Lied gegen Vereinseitigungen, und Du versuchst es, sozusagen zurückzukommentieren und zurückzulselektieren in die Vereinseitigung. Mag ja sein, daß der Text zu diesem Lied den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Seminararbeit nicht genügt, aber diesem Anstoß dient das Lied ganz hervorragend: dem Appell, unsere westlich-veranlaßten Reduktionen zu überdenken und zurückzunehmen. Ich denke, wir können, wenn wir jetzt nicht auf Mathematiker machen, offen lassen, ob das Lied so ganz die von uns im Westen so herbeigeschimpfte Balance zwischen Plus und Minus ganz hinkriegt, dennoch, es ist ein Lied der Differenzierungen. Und damit ein Lied gegen verkehrte Differenzen.
Mir als ‘Wessi’ hat das Lied vieles mitgeteilt, und ich finde es sogar musikalisch gut in seinem unaufwendigen Arrangement. Und daß es vielen ddr-systemkritischen ‘Ossis’ aus der Seele sprechen dürfte, das glaube ich behaupten zu dürfen, weil ich eben viele ddr-systemkritische ‘Ossis’ mittlerweile kennenlernen konnte. Ernstnehmen der anderen fängt mit Wahrnehmen der anderen an, und Wahrnehmen der anderen gelingt nicht, wenn man die anderen herunterreduziert auf lediglich Plus oder lediglich Minus.
Die Mauer war eine Systemgrenze zwischen Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen die sich im Extremfall Atomwaffen auf den Hals geworfen hätten. Sollte man nicht vergessen.
Zudem: Erst haben wir im Überschwang der Gefühle die Großgrundbesitzer enteignet und später als Wiedergutmachung 40 jahre lang Billy-Regale für den Westen zusammengeschraubt. Die Mauer hat als unidirektionaler Filter den Warenfluss in den Westen erlaubt und gleichzeitig die Billiglöhner aus dem Profitgebiet ferngehalten, wie Volker Pispers schon richtig bemerkte.
Nicht nur Möbel, auch die Back-Rohlinge für Brötchen (Niedersachsen und West-Berlin vor allem), die berühmten Broiler und Stahl gingen für Devisen in den Westen. Und alles, damit sich ‘ne kleine Clique in Wandlitz Pornos, Jagdausflüge und Geschirrspüler leisten konnte.
Das war schon der Wahnsinns Luxus. Pornos, jagen und Geschirrspüler^^ Ja, das ist mit dem jetzigen System nicht zu vergleichen, da haben Sie wohl recht^^ Sie haben übrigens den Citroen Luxusliner vergessen.
nicht meine musik aber durchaus auf den punkt gebracht. wenn auch sehr plakativ und oberflächlich. für mich als “ossi” ein sehr emotionales thema, bei dem man ständig auf das im text angesprochene unverständnis und unwissen stößt. es ist müßig darüber zu diskutieren.
Schwieriges Thema. Auf der einen Seite kann ich verstehen, daß es viele Ostdeutsche nervt, daß ihr Leben von 1989 für einen Großteil der Westdeutschen nur aus SED, FDJ und Stasi zu bestehen scheint und sie auch einfach nichts gegenteiliges hören wollen.
Auf der anderen Seite merkt man dem Text auch an, daß der Künstler zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung noch sehr jung war – vermutlich zu jung um mit dem DDR System schon wirklich in Konflikt geraten zu sein. Wenn er über die Zeit davor vor allem aus (wahrscheinlich mit größerem Abstand immer nostalgischeren) Erzählungen kennt, dann ist das sehr sonnige Bild kaum verwunderlich.
Mich als Ostdeutsche nervt es eigentlich viel mehr, wenn mein Leben, von wem auch immer, auf den Teil reduziert wird, der vor 1990 stattgefunden hat. Ich war damals 23, also fast genau so alt wie Paul D. jetzt, und zufälligerweise wird dieser Tage mein ältester Sohn auch 23. Ist es wirklich so schwer zu verstehn, dass Menschen in meinem Alter und erst recht die Jüngeren ebenso stark oder stärker von dem geprägt wurden, was in den 22 Jahren nach 1989 passiert ist? Ich könnte beispielsweise einiges von Ängsten erzählen, von Umbrüchen und Neuanfängen, aber auch davon, dass man das schaffen kann. Vieles, was Westdeutsche heute als bedrohlich empfinden, haben wir gewissermaßen schon hinter uns oder kennen es zumindest schon. Ja, wie soll ich das denn finden, wenn es nur interessiert, ob es bei bei uns gab und wie sich das denn so angefühlt hat, hinter einer Mauer zu leben?!
Mir geht der Sinn für “Ostalgie” vollkommen ab, und ich denke auch, dass vielfach Dinge aus der Vergangenheit verklärt werden (auch in diesem Song), weil man mit der Gegenwart unzufrieden ist. Nicht nur verklärt, manchmal sogar gelogen. Aber darum geht es meiner Meinung nach in dem Text auch nicht so sehr; die wichtigste Aussage ist für mich: Ihr wisst gar nichts von uns. Das ist sehr hart und in dieser Härte auch nicht richtig. Aber einen wahren Kern hat es eben doch: die Ostdeutschen haben sich immer viel mehr für die Westdeutschen interessiert als umgekehrt. Mein Sohn studiert zum Beispiel im Norden; ob die Uni im Westen oder Osten steht, hat bei der Entscheidung überhaupt keine Rolle gespielt. Er hat schon viele Kommilitonen aus dem Westen auf Besuch nach LE gebracht, und bei vielen war es das erste Mal im Leben, dass sie überhaupt im Osten waren. Sind die bzw. deren Eltern gar nicht neugierig? frag ich mich dann. Andere, die beispielsweise in Dresden studieren, tun so, als würden sie nach Sibirien oder mindestens Moldawien aufbrechen. Und wundern sich dann, wenn die “Eingeborenen” sich über sie lustig machen.
Deshalb freue ich mich über junge Leute wie Paul D., der immerhin neugierig ist.
Ich empfehle einfach mal, wobei ich nicht weiss ob das nicht schon zu spät ist, ne Ische ausm Osten anzuheueren. Für alle die hie wieder den großen Maxen machen wäre das eine Offenbarung. Mehr sag i ned.
Genau, wegen FKK und so sind die Ischen aus dem Osten viel freizügiger, nicht wahr?
Sie sind ein Dünnbrettbohrer.
Na da shau her, das D-Wort…
Stimmt schon, durchaus einseitig. Es ist doch aber auch ein Song und kein politischer Beitrag in einem Diskussionsforum! Denn der Tenor stimmt durchaus: Die Ostdeutschen hatten sich unter Freiheit etwas anderes vorgestellt und die Spaltung zwischen Ost und West wird ja durchaus von “offizieller” Seite schon dadurch aufrecht erhalten, dass noch immer Meinungen nach Ost und West getrennt veröffentlicht werden, die DDR durchweg NUR an Stasi und Diktaturmerkmalen gemessen wird, anderes Verhalten (z.B. bei Wahlen) “der Ostdeutschen” darauf reduziert wird, dass “Ossis” ja schließlich Demokratie unfähig seien. Was vergessen wird ist, dass da Menschen GELEBT haben, auch welche, die eben nicht in der Partei waren und nicht in der Stasi, die durchaus auch Kritik geübt haben und dennoch ihr Leben gelebt. Aber allen wird sozusagen EIN Stempel aufgedrückt, der ihr in der DDR gelebtes Leben als falsches Leben zunichte macht. Diese plakative Feindbild-Mentalität (“Wessi”=aufgeklärt-demokratisch, “Ossi”=dumpf-rechts- o. linksradikal) verhindert jegliche Versöhnung. Dabei hat “der Ossi” den “Vorteil”, dass er beide Systeme kennenlernen konnte. Und wer schon in der DDR gelernt hat, zu hinterfragen, der tut es eben auch hier, denn, und da hat der Song Recht, wie wir (upps, jetzt hab ich mich ja geoutet) gelebt haben, interessiert nicht wirklich, weil ALLES eben schlecht und falsch war und rein nichts überleben DARF. Die “rote Socke” ziehe ich mir jedenfalls nicht an, dennoch darf ich ja wohl auch als Ossi eine Meinung haben, die nicht in dieses Ost-West-Klischee passt. Und in einem demokratischen System erwarte ich dann durchaus, dass das möglich sein muss, ohne dass mir sofort vorgeworfen wird, ich wolle ja nur die DDR und den Sozialismus wiederhaben. Es gibt nicht DEN guten Wessi und DEN bösen (undankbaren?) Ossi oder umgekehrt. Versteht das endlich mal jemand? Die DDR ist tot und der dort praktizierte Sozialismus auch! Wozu dann immer noch das ständige Aufwärmen dieses Schreckgespenstes? Darüber sollte man sich mal Gedanken machen.
Schon komisch, von “dem Wessi” lese ich dann nämlich doch auch immer wieder.
Und der ist so unsolidarisch und hat keinen Sinn für Humor.
Entsprechend kann er auch nicht ausgelassen feiern und lieben.
Orientiert sich nur an Materiellem und ordnet so auch seine Mitmenschen ein.
Und in seiner verlogenen Art kommt er auch ganz gut zurecht in seiner Ellenbogengesellschaft.
Der Wessi, ein materialistisch erfolgreiches Stück menschlicher Abschaum, wenn man die Beschreibung auf die Spitze treibt.
Will ich jetzt gar nicht beurteilen, ob das Vorurteil jetzt schlimmer ist, als jemandem Stasi, Mauerbau und einen Mangel an Bananen auf’s Auge zu drücken.
Nein nein, Humor ist ein wichtiger Bestandteil der Geschäftsanbahnung.
Da das Thema wohl noch lange virulent ist und wir hier im Nordosten offensichtlich nicht mehr 50 Jahre hinterherhinken, wurde es schon vor einiger Zeit auf die Tagesordnung gesetzt.
Hier der Versuch einer Klärung:
„Wurde Tacheles geredet?
Ich denke, es war eine gelungene Veranstaltung. Schade fand ich, dass diejenigen unter uns, welche die Debatte losgetreten haben, nicht kamen.
Im Laufe des Abends gab es Redebeiträge aus dem Norden, Süden, Osten und Westen unserer Republik. Es gab eine sachliche Auseinandersetzung mit der DDR, und übereinkommend kann gesagt werden: Es war nicht alles schlecht. Jedoch: wiederhaben wollte die DDR so wirklich auch keiner. …“
http://blog.gruene-greifswald.de/2011/06/24/wurde-tacheles-geredet/
Den Anstoß gab dieser Blog-Beitrag oder besser ein profanes FDJ-Hemd, dass auf einem Festumzug getragen werden sollte. Natürlich von einem westsozialisiertem Rechtsanwalt initiiert, der am Ende zu feige war, sich der Diskussion zu stellen.
http://blog.gruene-greifswald.de/2011/05/02/probleme-mit-der-jungeren-vergangenheit/
na gut, man kann das ganze so oder so auffassen. aber einer stelle im text muss ich (1977 im OSTEN geboren, ab 1983 WESSI) ganz vehement widersprechen:
in der schule (und an der uni) waren eben NICHT alle gleich. umso “systemkonformer”, desto besser waren deine chancen. zwei drei mal an der falschen stelle und zum falschen zeitpunkt mit propaganda-material aus dem westen erwischt (z.b ein micky maus heft oder eine rock/pop platte aus dem imperialistischen staatsfeindsystem) und der lehrer hatte dich auf dem kieker … und wer nicht gespurt hat, konnte sich bei besten schulischen leistungen auch mal ganz schnell den studienplatz abschreiben. etc
und wie gesagt, durch meine persönliche geschichte und mit der verwandschaft in beiden teilen des landes würde ich schon behaupten, dass ich mehr über OSSIS weiss als der durchschnittliche WESSI und fühle mich dementsprechend durch den song weder als wessi ( = böser ellenbogen-ego-mensch(?) ) noch als ossi (= stets solidarischer helfertyp (?) ) angesprochen.
1983-1977 macht ca. 6 Jahre DDR Erfahrung, also ziemlich genau 40 Jahre ohne Banane, FOAD oder “Hasta la vista, baby”
0.02 € only
Das reicht, um einen Anschiss wegen Mickey Mouse zu bekommen.
Siehe auch 4:30 bis 4:42 (Ende).
Dat isn formal korrekter Anschiss eh:
http://www.youtube.com/watch?v=H3oo-3K6bTA ;-)
Achtung! Lt. FDGO(http://de.wikipedia.org/wiki/Freiheitliche_demokratische_Grundordnung) voll korrekte gewaltfreie Bullereiaction; normale korrekte FDGO-Bullereiaction sieht so aus:
http://www.crackajack.de/wp-content/uploads/2010/09/eye.jpg
Ostalgie in Wort und Musik. Einer, der immer noch nicht davon loskommt. Echt geil.
Klar, können Wessis die Ostmentalität nicht nachvollziehen. Aber der Osten gehört seit 89 nunmal zum Gesamtpacket dazu. Da heißt es: pass dich an oder stirb.
Zum Kotzen, dieses Rumgeheule…
Nur Verlierer leben in der Vergangenheit.
man muß doch dieses mediale blendwerk brd nicht gutheißen und sich vor allem nicht anpassen. scheinbar denkst du, dass die brd das feuer in die ddr gebracht hat und erwartest untertänigst einen knicks oder diener, wenn dir ein ehemaliger bürger der ddr begegnet, der dir obendrein als zeichen seiner untertänigsten ehrebietung noch eine blume ans revers steckt und dich mit ‘meister’ anspricht.
das ist genau der knackpunkt: vor 21 jahren hätte die bdr die chance gehabt einen wandel in der politik herbeizuführen, der die gesamtheit der bevölkerung mit visionen und ideen mitnimmt. was haben sie gemacht? sie haben ihren alten stiefel weiter gefahren und stehen nun vor ihrem scherbenhaufen, behaupten aber das alles in bester ordnung ist.
schön stagniert, 00-einzelgänger!
Ich komme selbst aus dem Osten. Mehr noch: So sehr wie ich kommt kaum ein anderer aus dem Osten. Das heißt, chronisches Bananendefizit, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Selbstjustiz und andere “Errungenschaften”, nach denen sich manch ein Einheitsverlierer anscheinend zurücksehnt, habe ich mit der Muttermilch eingesaugt.
Solche Songs kann ich trotzdem nicht unterstützen, denn sie werden von Ewiggestrigen geschrieben. Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.
Das Lied reiht sich für mich nahtlos in die Kategorie Buschido-Sido-Debilido-und-sonstige-Asilidos ein… Merkt man dem Sänger ja auch an…
@Einzelgänger
“Selbstjustiz” als typisches Merkmal? Daran müsste ich mich aber erinnern. Und auch “chronisches Bananendefizit” gehört für mich nicht zu den prägendsten Gemeinsamkeiten. Als wären wir am Verhungern gewesen und hätten dann, um eine Banane zu bekommen, am liebsten unser Leben gegeben.
Kein Problem damit, dass man mit der Zeit gehen muss. Aber so vehement, wie Sie das hier anbringen, darf ich vielleicht auch davon ausgehen, dass das schon immer Ihre Devise war, auch mit der Zeit in der DDR? Mit der Zeit zu gehen hat nämlich nichts damit zu tun, dass man sich mit der “Art” des Gehens nicht auch beschäftigen könnte und mit dem Ziel. Ich jedenfalls hatte auch ein Leben vor 1989, egal, ob besser oder schlechter – ich habe gelebt, meine Kinder wurden geboren, ich habe studiert (mit Kind!), obwohl ich weder ein Kind von Arbeitern war noch jemals Mitglied der SED, diskutiert und gestritten, gelacht und geweint, mich für eine Schalplatte angestellt oder eine Jeans, ja, auch nach Orangen und Bananen. Und? Weil ich im “falschen” Land gelebt habe, darf ich mich daran nicht mehr mit Freude oder Wehmut erinnern? Ich gehe auch mit der Zeit, aber ich sehe auch, was an der Zeit schlechter wird. Ich habe z.B. Angst, wenn ich an die ungewisse Zukunft meiner Söhne denke. Diese Angst kannte ich ihrem Alter nicht. Können Sie mir etwa dass Versprechen geben, dass alles “gut” wird, wenn man nur mit der Zeit geht? Das Lied ist Ausdruck eines Gefühles, das ich sehr gut nachvollziehen kann, in keiner Weise Ausdruck eines ewig Gestrigen, denn der Sänger beschäftigt sich mit dem Hier und Jetzt.
na, wir hatten wohl heute schon das ein oder andere sternburger oder stierbier, wa!? anders kann ich mir deinen wirren aber durchaus kurzen texte nicht erklären.
prost dem einzigen und wahren ossi: einzelgänger!
@Einzelgänger
P.S. Und was ich meinen Söhnen auf keinen Fall vermitteln werde, ist, dass es sich auf jeden Fall und um jeden Preis lohnt, angepasst zu sein. Denn das hatten wir doch schonmal. Um die Wendezeit nannte man diejenigen, die, um ihrer Karriere willen, erst den Sozialismus hochleben ließen, um sich dann postwendend (angepasst) aus demselben Grund den besten Job im Westen zu ergattern, WENDEHÄLSE.
man muß doch dieses mediale blendwerk brd nicht gutheißen und sich vor allem nicht anpassen. scheinbar denkst du, dass die brd das feuer in die ddr gebracht hat und erwartest untertänigst einen knicks oder diener, wenn dir ein ehemaliger bürger der ddr begegnet, der dir obendrein als zeichen seiner untertänigsten ehrebietung noch eine blume ans revers steckt und dich mit ‘meister’ anspricht.
das ist genau der knackpunkt: vor 21 jahren hätte die bdr die chance gehabt einen wandel in der politik herbeizuführen, der die gesamtheit der bevölkerung mit visionen und ideen mitnimmt. was haben sie gemacht? sie haben ihren alten stiefel weiter gefahren und stehen nun vor ihrem scherbenhaufen, behaupten aber das alles in bester ordnung sei, wenn nur so weiter gemacht würde wie bisher.
schön stagniert, 00-einzelgänger!
Deine Vergangenheit definiert dein Sein. Im Westen noch mehr als im Osten.
@ heulender und kotzender Einzelgänger
Wenn jemand bei jeder Gelegenheit jammert, sind es doch die Westsozialisierten. Offensichtlich gehörte Jammernlernen zum Lehrstoff des 13. Schuljahres im Gymnasium,
dessen Wegfall jetzt ja auch fortwährend bejammert wird. ;-)
Im Vergleich zu dem Unbill, der auf alle Bürger in der DDR* zukam, liegt der gefühlte Jammerfaktor im Westen doch bei dem 12,6fachen!
Aktuell ist dies das Hauptjammerthema (es gibt davon hunderte) im Westen:
„27.10.2011
Bundeswehr-Streichliste
“Es ist wie eine Todesanzeige”
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,794467,00.html
*Habe aber auch kein richtiges Mitleid mit denen, die im Osten wirklich jammern, denn sie hätten es besser wissen müssen, was auf sie zukommen würde.
Und sich für das (eventuell!) kleinere von zwei großen Übeln entscheiden sollen? Denn nur, weil auch jetzt soviel völlig falsch läuft, ist der Umkehrschluss, dass “früher” alles gut und richtig war, genauso unrichtig. Löst euch doch bitte einmal von diesem binären Denken. Auch zwei sich entgegengesetzte Pole können beide falsch sein.
Vergiss bitte nicht, es gab auch eine ganze Menge Menschen in der Wendezeit, die gewillt waren, sich gemeinsam etwas völlig Neues zu erarbeiten und dies dann aufzubauen. Dass diese Aktivitäten dann durch die westdeutschen Parteipolitiker ganz schnell absobiert wurden und mit dem Malen von märchenhaften Zukunftsvisionen abgetötet wurden, ist die Bitternis daran. Ja, ich will da nicht einmal mich selbst davon ausnehmen. Auch ich war irgendwann geblendet von dem gleisenden Licht, welches da aus West kam.
“*Habe aber auch kein richtiges Mitleid mit denen, die im Osten wirklich jammern, denn sie hätten es besser wissen müssen, was auf sie zukommen würde.”
–zumindest jeder, der im Stabü-Unterricht oder bei Schnitzler gut aufgepaßt hat. Find’s auch übel, daß der Gang der Geschichte diesen Arschlöchern (also den mittelprächtig überzeugten Lehrern) am Ende Recht gegeben hat.
Es ist kein Wunder, daß die DDR gerade dann unterging, als die Leute, die noch Erfahrungen mit dem Kapitalismus, wie wir ihn heute langsam wiedererkennen, aus Altersgründen so nach und nach abhanden kamen. Man kann’s sich’s nicht vorstellen, wenn man’s nicht kennt. Und Theorie bleibt Theorie.
Ich hat’s damals ja so mehr mit den Bürgerrechtlern. Und heute? Sind Lengsfeld, Gauck, Nooke und Co. peinlichste Gestalten geworden, denen nur der nächste Fleischtopf wichtig war. Keiner von denen hatten mit Bürgerrechtsverletzungen in der BRD oder sonstwie international auch nur das allergeringste Problem. Selbst ein Wolfgang Thierse pfeift auf Andersdenkende, sobald diese einen Arbeitskreis “Laizisten in der SPD” gründen wollen.
Was waren die also? Am Ende genau das, was die Stasi in ihnen gesehen hat?
Ich versuche immer mal mich zu erinnern, was in der DDR so schlimm gewesen ist, und ich komme nicht drauf. Müssen doch die Bananen gewesen sein.
Und noch was, Wessis. Im Zusammenhang mit der DDR von Menschenmassenvernichtung zu reden, ist ein schlechter Witz. ‘Wir’ haben keine Waffen exportiert. Wir haben keine Atomwaffen gebaut. Wir haben keine Länder wegen ihres Öls überfallen (oder anderen dabei geholfen). 120 oder so Mauertote sind tragisch, aber das war eine Systemgrenze – die Außengrenze der Staaten des Warschauer Vertrages. Das schafft die EU Außengrenze an einem Tag!
Und noch was, Wessis. Im Zusammenhang mit der DDR von Menschenmassenvernichtung zu reden, ist ein schlechter Witz. ‘Wir’ haben keine Waffen exportiert. Wir haben keine Atomwaffen gebaut. Wir haben keine Länder wegen ihres Öls überfallen (oder anderen dabei geholfen). 120 oder so Mauertote sind tragisch, aber das war eine Systemgrenze – die Außengrenze der Staaten des Warschauer Vertrages. Das schafft die EU Außengrenze an einem Tag!
auch wenn ich ihnen im grunde recht geben muss und das argument gar nicht schlecht finde. von einem schießbefehl vor lampedusa ist nicht mal bei fabrizio gatti die rede. das nur zur relativierung der aussage
Der wichtigste Unterschied ist die Fluchtrichtung.
Es ist ein Unterschied, ob man auf Einwanderer oder auf Auswanderer schießt.
Nein, ich meine, das macht keinen Unteschied!
“von einem schießbefehl vor lampedusa ist nicht mal bei fabrizio gatti die rede.”
Schon recht. Die DDR hat auch immer bestritten, daß es einen Schießbefehl gäbe. Ist auf dem Wasser auch einfacher: Man bedrohe Kapitäne, die Schiffbrüchige auffischen, mit Anklagen wegen Menschenschmuggel (wurde oft genug berichtet). Ist ja auf dem Wasser, also wartet man einfach ab…
So bequem hatte es die DDR halt nicht.
Was sonstige Antworten mit Tenor, daß die Fluchtrichtung einen Unterschied macht, betrifft: Ich dachte, es ginge um die Vernichtung der Menschen als dem Kernverbrechen der Menschenmassenvernichtung. Ob die Kugel in den Rücken oder in den Bauch geht, ist Euch wie mir mit einiger Sicherheit ziemlich wurscht.
Hier wie dort geht es darum, daß Menschen, die meinen, es auf der anderen Seite besser zu haben, ob nun zu Recht oder zu Unrecht, von anderen dabei so konsequent gehindert werden, daß es Tote gibt.
Und was die Motivation (falls jemand meint, daß die einen Unterschied ausmacht) betrifft: In einem Fall ringt ein Staat, der zum Teil besetztes Land, zum anderen Teil die zwar fehlerhafte, aber dennoch Verkörperung einer neuen politischen Idee darstellt, um sein Überleben. Das direkt an der Nahtstelle zwischen den größten sich feindlich gesinnten, sehr nervösen Militärblöcken in der Geschichte der Menschheit. Das begrenzt doch irgendwie so ein bißchen den Spielraum, oder?
Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber bei der EU Außengrenze geht’s schon mehr darum, daß nicht zu viele Kopftuchmädchen rüberkommen und den Wohlstand auffressen. Außerdem müssen ja auch noch ein paar Kinder da bleiben, um von Hand unseren Giftmüll zu sortieren und die örtlichen Missionare mit Lustknaben zu beliefern, gelle?
Es ist dann ja wohl grob offensichtlich, daß die Toten an der EU Außengrenze viel, viel besser gerechtfertigt sind, und selbst wenn’s tausend mal mehr sind, egal! — sind ja nur Neger.
Genau DAS … gut auf den Punkt gebracht! :d
Ihr habts selbst verbockt und hattet die Wahl, wir nicht. Deshalb dürfen wir auch jammern, während sich der Osten beim Anschluss als jämmerliches Völkchen hat über den Tisch ziehen lassen, freiwillig und von Kohl begeistert. Das ist dann eben der Unterschied. Kerzen anzünden und durch Leipzig rennen, aber danach keine Kirche mehr von innen angucken wollen und nur noch DM schreien, ich persönlich war sehr ensetzt.
Äußerst konstruktiver Beitrag.
Während der Westen ein- und denselben Parteien schon jahrzehntelang hinterhergehechelt ist, hat es der Osten ab 1990 genauso gemacht – aber er ist dran schuld. Schon vergessen? Kohl war auch schon vor 1990 Kandesbunzler – auch ohne den Osten.
Was soll diese immer fortwährende Schuldzuweisung? “Divide et impera” ist offensichtlich so unausrottbar in die Menschen eingebrannt, dass es immer wieder greift. Arm gegen ganz arm. Jung gegen alt. Mann gegen Frau. Ost gegen West. Bartträger gegen Bartlose. Linkshänder gegen Rechtshänder.
Was soll das? Vor allem aber: Was bringt das?
@ ola
wo kann denn opposition organisiert werden in einem repressiven regime?
mal ganz praktisch: wo finden oppositionelle räume zum treffen? siehe auch die bedeutung, der moscheen für oppositionelle in zb arabischen diktaturen.
@ Lutz Hausstein
fällt mir der film milk ein. ein schwuler bürgermeisterkandidat in san francisco, der versucht unterschiedliche gesellschaftliche minderheiten zu einen und mit ihnen gemeinsame politik zu machen.
http://www.youtube.com/watch?v=ZLC5SzczC44
schade das es so schwer für manche erscheint, zu begreifen, das die gemeinsamen interessen viel größer sind, als die unterschiede.
@ola:
Vollkommen richtig. Mich beschäftigt die Frage, wie das hat passieren können. Und dann scheint es mir dummerweise so zu sein, daß ein Volk, das den Kapitalismus nicht kennt, seinen unbestreitbar großen Verlockungen ziemlich fix erliegen kann. Das Aufwachen dauert mit zehn bis zwanzig Jahren im Schnitt einfach ein bißchen zu lange.
Mit extensiver Propaganda kann man da nicht gegenhalten, im Gegenteil.
Wie halt auch ein Kind auf “Vorsicht, heiß” vor der ersten Verbrennung nicht so wirklich hört, und durch Wiederholung oder Anbrüllen dann auch nicht wirklich schlauer wird.
Technisch gesehen, wird die Klärung dieser Frage in der weiteren Zukunft ungeheuer wichtig, sonst wird man den Kapitalismus wenn überhaupt, immer nur für ein paar Jahrzehnte los.
Persönlich gesehen, habe ich folgende Frage an Dich:
Hättest Du es an unserer Stelle besser gewußt (wenn Du also eigentlich nicht gewußt hättest, was da auf Dich zu kommt (und auch Teil einer sich massenpsychologisch aufbauenden Welle gewesen wärest)?
(Als die Ossis die Bananen stürmten, war das verbleibende Maß an Würde von Person zu Person sehr unterschiedlich…)
Oder anders ausgedrückt: Was hilft es, die Wahl zu haben, wenn man keine Ahnung hat? :-)
Der Anschluss der DDR und der Verwaltung Berlins an die BRD war 1990.
Auf dem Papier vielleicht. Das Machtvakuum wurde von Teilen der BRD doch aber schon ’89 ausgenutzt. Vielleicht ist dir aufgefallen, dass die ursprünglichen Sprüche auf der Straße in etwa “Wir sind das Volk!” waren. Erst als seltsam gut gekleidete und frisierte Männer mit Deutschlandfahnen in den Demos auftauchten und auf Veranstaltungen in Dresden und Berlin CDU-Fähnchen und -Tassen verteilt wurden, änderte sich das in “Wir sind ein Volk!”. Der Rest ’90 war doch nur noch der obligatorische Papierkram.
Aber mal ganz ab davon, würde mich mal der wirtschaftliche Faktor der Wende interessieren. Wenn ich daran denke, was die Ossis damals an Kohle gelassen haben, nachdem es “Begrüßungsgeld” gab….
Ich vermute, in Berlin sind etliche Einzelhändler vor Verzückung an Herzinfarkt gestorben. Ich kenne kaum einen (mich eingeschlossen) der nicht ein Vielfaches der 100,-DM da gelassen hat. (und 40,-DM für einen Billigst-Walkman bezahlt, der vielleicht nur ein Drittel – max. die Hälfte wert war)
PS.: Begrüßungsgeld – ein Marketinggag vor Bob.
@Einzelgänger
“Klar, können Wessis die Ostmentalität nicht nachvollziehen. Aber der Osten gehört seit 89 nunmal zum Gesamtpacket dazu. Da heißt es: pass dich an oder stirb.
Zum Kotzen, dieses Rumgeheule…”
Ganz richtig. Nun ist es aber gegebenermaßen so, das “Ossis” die Ostrealität UND die Westrealität “nachvollziehen” können. Und im Gegensatz zu Schnarchnasen wie deinereiner deshalb eben auch Vergleiche anstellen können! Also mal schön die Fresse halten, Kleiner!
Das Stockholm-Syndrom hat auch so manchen DDR-Bewohner erwischt.
Wer waren die Geiselnehmer? Wieviel Geld wurde für die Geiseln bezahlt? Wollten die sich überhaupt befreien lassen?
Hmmm, mir fällt gerade auf ich schreibe unreflektierten Müll, den ich so bereue, dass mir wohl nichts weiteres übrig bleibt als nach Korea (Nord) überzusiedeln.
Das Stockholm-Syndrom wird auch so manchen deutschen Möchtegern-Europäer erwischen.
Den Kommentaren entnehme ich, dass der Denkanstoß doch teilweise sein Ziel verfehlt hat. Richtig, der Song ist einseitig und zuspitzend. Falsch ist aber, in diesem Song die Stellvertretung des Denkens einer vermeintlich homogenen Bevölkerungsgruppe, genannt “Ossi” oder “Wessi” zu sehen. Allzu holzschnittartig sind hier manche Urteile der Kommentatoren, oft genug genau so dichotom wie der Song selbst.
Man muss sich doch mal vergegenwärtigen, dass “Ossi” und “Wessi” Klischeebilder sind. Hinter diesen Etiketten finden sich dann gewaltige Unterschiede. Das bringt die Milieu-Forschung ganz gut zum Vorschein: http://de.wikipedia.org/wiki/Sinus-Milieu
Die DDR ist ganz selbstverständlich von den “Ossis” sehr unterschiedlich wahrgenommen worden, je nach sozialstruktureller Verortung alleine schon. Um mal mein eigenes Beispiel zu zitieren: Es machte einen großen Unterschied, ob man wie ich Pfarrerssohn oder ob man Lehrerkind war. Ich hatte jedenfalls reichlich mehr Schwierigkeiten mit der Diktatur DDR als viele meiner Freunde, die diese Seite gar nicht so stark wahrgenommen haben. Entsprechend unterschiedlich ist oft das rückblickende DDR-Bild. Es gibt da keinen monolithischen Nostalgie-Block.
Abgesehen davon haben hier einige schon zu Recht darauf hingewiesen, dass das Leben in der DDR immer unter dem Vorzeichen der Kritik an der Diktatur betrachtet wird. Diese echt Adorno-mäßige Sicht (“Es gibt kein richtiges Leben im falschen”) ist zu radikal, um wirklich den Alltag zu erfassen. Der war eben nicht durch und durch Diktatur und deshalb folglich schlicht schlecht. So einfach lässt sich eine Gesellschaft eben nicht erfassen. Gut und Böse wohnen dicht beieinander. Eine Diktatur ist, trotz aller Demokratiedefizite, ein einheitliches, durchgeformtes System, sie bietet oft genug auch Platz für alte Traditionen oder auch für Eigensinnigkeiten. Umgekehrt hat die aufgeklärte Demokratie totalitäres auch nicht wirklich vollends beseitigen können, es gibt immer noch politischen Extremismus und kirchliche Jugendheime, in denen ziemlich finstere Zustände herrschen.
Das Problem ist also schon der Radikalismus in der Beschreibung von Ost und West. Das zweite Problem ist, dass sich wenige für die Vergangenheit Ost interessieren, vermutlich geht das auch den meisten Ossis so, die etwas jünger sind. Ich ernte auch nur Desinteresse, wenn ich 20jährigen etwas über Jugend in der DDR der 80er Jahre erzähle. Ein drittes Problem ist, dass zumindest in Westdeutschland häufig die Meinung hochgehalten wurde, in der besten aller Welten zu leben, man daher dann blind blieb für die Defizite der eigenen Ordnung und für die Außen-Sicht, die nunmal der ehemalige DDR-Bürger auf die Bundesrepublik hatte. Und aus dieser Außensicht heraus ist vieles, was im Westen seinerzeit für glänzendes Gold gehalten wurde, doch nur Katzengold. Darüber ließe sich trefflich diskutieren, jenseits von Ostalgie oder DDR-Bashing.
Ein Punkt im Song spricht mir schon aus dem Herzen: Keine Angst vor dem Morgen haben. Das ist für mich auch Freiheit. Ganz im Sinne von Konstantin Wecker: Freiheit heißt keine Angst zu haben vor nichts und niemanden. In der gegenwärtigen Wirtschaftslage ist die Angst aber ständiger Begleiter, die diffuse Angst vor dem Abstieg und die konkrete Angst vor denen, die über einen auf Arbeit bestimmen. Das ist ganz gewiss keine Freiheit.
haha, siehste! so unterschiedlich kann der werdegang und die dafür empfundenen gründe sein. ich bin dein beispiel nr.2: lehrerkind (beide eltern), keine parteizugehörigkeit, ich kein poinier. selbst die pfarrerstochter, meine beste schulfreundin damals, war pionier.
das spießrutenlaufen, die gängelungen und ungerechtigkeiten durch lehrer und direktoren und die ständigen hausbesuche habe ich tapfer ertragen. auch das öffentliche tadeln beim fahnenappell.
er war eben schon damals stur, der kleine herr. =)
Für Dissidenz lässt sich da wohl kaum eine gültige Ableitungsregel behaupten. Man könnte es besser so sagen: Es gab halt Angepasste und Unangepasste. Und beide Gruppen hatten durchaus unterschiedliche Erfahrungen mit dem DDR-System.
Die Milieu-Unterschiede a la Sinus lassen aber zumindest einige Rückschlüsse zu. Diese Milieus werden nicht nur nach Bildung, Beruf, Einkommen gruppiert, sondern auch nach Werthaltungen und Geschmäckern. Es wird vermutlich Milieus gegeben haben, deren “Mitglieder” sich in der DDR eher wohlfühlten als die anderer Milieus. Grob gesagt. Jedenfalls bietet die Milieuforschung einen Anhaltspunkt für die Frage danach, ob die relative Vielfältigkeit der DDR-Gesellschaft nicht auch Unterschiede zeitigte in der Wahrnehmung des Staates DDR.
“Eigentlich kann man überhaupt nicht mehr wohnen.” Ein radikaler Satz gegen Wohnungseinrichtungen. Passt trotzdem.
Um seine Freiheit muss man kämpfen, jeden Tag. Ob damals im Osten oder jetzt in Deutschland. Geschenkt wurde einem in beiden Systemen nichts.
Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Das hätten Sie auch kürzer haben können.
Einseitigkeit hilft bei der Diskussion, die durch den Song angestoßen wurde, nicht weiter. Viele Deutsche aus der ehemaligen DDR können sicher mit Fug und Recht behaupten, dass sich ihr Traum eines besseren Lebens in Westdeutschland bzw. im vereinigten Deutschland nicht erfüllte, weil das System hier eben auch seine Schwächen hat. Wogegen ich (“Wessi”, 25 Jahre alt, Student) mich aber entschieden wehre, sind Tendenzen zur Verharmlosung und Relativierung der DDR-Diktatur. Ich arbeite derzeit im Rahmen meiner MA-Arbeit das Thema “Stasi” auf und festige dabei meine Überzeugung, dass keine Sozialleistung dieser Welt die Freiheitsbeschränkungen rechtfertigt, die unter der SED-Herrschaft üblich waren. Und aus diesem Grund erwarte ich von jedem, der Aspekte hervorhebt, die in der DDR besser liefen als in der BRD, dass er sie nicht isoliert betrachtet. Andernfalls ist er blind – genauso blind wie ein “Wessi”, der sich im Paradies wähnt.
übrigens ein interessanter aspekt zum thema ddr-flüchtlinge und wie willkommen sie in der brd waren:))
“…So wurde auch darüber verhandelt, ob Flüchtlingen aus der Ostzone generell die Aufenthaltsgenehmigung verweigert werden durfte. DDR-Flüchtlinge blieben nur geduldet. Erst der Mauerbau beendete …” http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1564328/
Man kann nur gegen etwas relativieren, was man kennt. Also z.B. gegen die Verbrechen der der Nazizeit. Was hier derzeit wirklich läuft, wissen wir doch genauso wenig, wie die DDR-Bürger damals über ihr Sytem. Das wird erst nach dem nächsten Systemwechsel aufgedeckt und dann gibt es wieder ein großes Erstaunen und mediale Bestürzung. Die derzeitige Regierung kennt ja noch nicht mal die Anzahl der laufenden Gesetzesverstöße gegen Verfassungsgerichtsurteile. Wie viele Leute sitzen denn derzeit wegen politischer Verbrechen ein?
Präziser: Nach dem nächsten Systemwechsel wird wieder Geschichte geschrieben, und festgelegt, was Wahrheit ist. Leugnung dieser Wahrheit wird dann auch wieder unter Strafe gestellt, sei es mit oder ohne Gesetz.
Nach heutiger Wahrheit niemand.
Na hoffentlich vergisst du bei deiner MA-Arbeit nicht, dass Kalter Krieg herrschte und verwendest auch Originalakten des BND, der CIA und des Verfassungsschutzes, und hast die Frage im Blickwinkel, wieviel Heisser Krieg im aktuellen Zeitfenster möglich war.
Nach drei Kriegen mit Beteiligung der BRD in den letzten 21 Jahren steht eindeutig fest, wer das friedlichere System war, und wer blind auf allen drei Augen ist.
Als ob wir keine westdeutsche Stasi hätten. Meine Erfahrung Anfang der 90´er. Hatte eine Freundin in Meerbusch ( NRW), die lebte auf einem Bauernhof. Um dort hinzugelangen mußte man eine der dort vorhandenen Wirtschaftsmächtigensiedlungen (Einfamilienhausgaragen) passieren. Da ich schon immer etwas nonkonformer rumlief, hatten wir dann nach einiger Zeit den Staatsschutz an der Hacke. Die haben uns, und die Familie meiner Flamme, observiert und heimlich abgeknipst. Und das wochenlang. Irgendwann tauchten sie dann bei den Bauersleut auf, die mich eh gefressen hatten, legten Fotos von mir auf den Tisch und begehrten Auskunft. Obwohl die Mutter mich gehasst hat, hat sie dicht gehalten. Wir haben uns dann immer einen Spaß daraus gemacht auf die,in ihren Autos kauernden, Beobachtern zuzurennen, worauf diese mit quietschenden Reifen davon pesten. Wir waren 14/19 Jahre alt. Seitdem konnte ich noch so manche Westdemokratieerfahrung sammeln. Aber sicherlich war das der Wendepunkt, daß ich mich von dem Gedanken verabschiedet habe in einem freien Land zu leben.
Daraus hätte dir jemand etwas stricken können. Wenn du ihr einen goldenen Ring gegeben hast, hätte das als Entgelt für sexuelle Leistungen gewertet werden können.
Sexuellle Leistungn ist das Einzige, was dir einfällt ? Na, danke.
@piet
Ich habe doch einen goldenen Ring erwähnt. Damit sollte klar sein, wie ich das gemeint habe.
Das ist richtig, man darf die Dinge nicht verharmlosen und auch nicht isoliert betrachten. Man darf sie aber auch nicht als Block betrachten, als Gesellschaft, in der es zwischen allem und jedem einen notwendigen Zusammenhang gab. Jede Gesellschaft weist Brüche auf, Lücken in ihrer Ordnung, wo der Staat nicht hineinregieren kann oder wo Interessengruppen die Bemühungen des Staates konterkarieren oder korrumpieren.
Ich persönlich bin nicht Historiker genug, um über die DDR als empirisches Phänomen abschließend zu urteilen. Nur in meinem eigenem Erleben mache ich Unterschiede: Als ich mich das erste mal verliebte, war das kein Parteiauftrag und nicht von der Stasi überwacht, es war eben Verliebtheit und die ist jetzt nicht systemimmanent. Wenn ich andererseits vergleichsweise harmlose Meinungen in der Schule äußerte und mir damit den Unmut des Staates zuzog, war das ganz klar ein Erlebnis von Unfreiheit, die System hatte. Der staatliche Unterdrückungsapparat regierte freilich in den Alltag hinein, aber er regierte nicht alles und kontrollierte nicht jede Regung. Das ist nicht entschuldigend gemeint, sondern als Hinweis darauf, dass es auch in der DDR Dinge, ein Leben gab, dass sich nicht allein durch das System selbst erklären und herleiten lässt.
“Der staatliche Unterdrückungsapparat regierte freilich in den Alltag hinein, aber er regierte nicht alles und kontrollierte nicht jede Regung. Das ist nicht entschuldigend gemeint, sondern als Hinweis darauf, dass es auch in der DDR Dinge, ein Leben gab, dass sich nicht allein durch das System selbst erklären und herleiten lässt.”
Damit hast Du sicher Recht. Bin bei meiner MA-Arbeit gerade auf ein Sammelband gestoßen, der sich den Lücken im Überwachungssystem widmet (Bessel, Richard [Hrsg.]; Jessen, Ralph [Hrsg.], Die Grenzen der Diktatur. Staat und Gesellschaft in der DDR, Göttingen 1996.) Ich würde nie auf die Idee kommen, jemandem Verharmlosung vorzuwerfen, der auf diese Freiräume hinweist – ich tue es ja selbst. Wer mich nervt, sind Leute, die sich das DDR-Regime schönreden, in einer Mischung aus Verdrängung und Frust über ihr aktuelles Leben im vermeintlich goldenen Westen.
Vielleicht solltest Du weniger Bücher lesen, sondern mal mehr mit den Menschen im Osten reden. Und ich meine damit auch ehemalige Polit-Funktionäre, Chefs von Patenbrigaden, ehemalige Lehrer und das “normale” arbeitende Volk.
Du läufst sonst Gefahr, dir einen Tunnelblick einzufangen.
Als Beispiel für das, was ich meine: Ich sehe schon große Unterschiede zwischen 18-jährigen, die mal bei der NVA für kurze Zeit in einer Akte als IM geführt wurden (meist 1-2 Jahre) und Berichte über Kameraden schrieben, die “West-Musik” hörten, und Leuten, die als linientreue Chefs und Blockparteien-Mitglied ihre Mitarbeiter schikanierten und durch aktives Mitlaufen alle Privilegien genossen – aber eben keine Stasi-Vergangenheit haben. (Merkel zB, oder generell das Thema “Blockparteien in der DDR”)
(http://wapedia.mobi/de/Datei:Bundesarchiv_Bild_183-1982-1015-102,_Dresden,_15._CDU-Parteitag.jpg)
Ich halte letztere Typen für deutlich gefährlicher (für unsere Demokratie).
Und bitte bei deiner MA-Arbeit auch darauf eingehen, wie Westler und CDU-Leute vermutlich ehemalige Spitzel deckten. Die CDU(und SPD) hat 2009 i.Ü. die Überprüfung des Bundestages auf Stasi-Spitzel abgelehnt.
(zB.: http://www.fr-online.de/home/wie-kohl-die-stasi-spitzel-deckte,1472778,3089486.html)
Das Spiegel-Archiv und die TAZ ab Ende ’89 ist auch als Start für Quellenrecherche zu empfehlen.
“Vielleicht solltest Du weniger Bücher lesen, sondern mal mehr mit den Menschen im Osten reden.”
Keine Sorge, ich führe eigene Interviews bzw. greife auf welche zurück. Mir ist bewusst, dass Spitzel nicht gleich Spitzel war und auch, dass Menschen oft schlicht zur Zusammenarbeit mit der Stasi gezwungen wurden.
Was sich anhand meines Beispiels, der Punkszene in der DDR, aber ziemlich gut belegen lässt, ist der skrupellose staatliche Umgang mit allen, die nicht so dachten wie verordnet und das offen genug äußerten.
Danke für die Quellentipps!
Das (oder die anderen Dokumente der Enquete-Kommision) könnte dich evtl. noch interessieren (ab Seite 29 und der Anhang), da es außerhalb Brandenburgs nicht so im Fokus ist:
http://www.landtag.brandenburg.de/sixcms/media.php/5701/Protokoll%2011.Sitzung%20EK%205_1_24.06.2011inkl.%20Anlagen_Ausgabe%2024.pdf
In die Materialen der Enquete-Kommission schaue ich gleich mal rein. Bin gerade in der Bibliothek… :D
Nachdem ich jetzt über zehn Jahre im “Osten” wohne ist mir diese Ossi-Wessi-Kiste sehr gut bekannt. Was mich dabei immer stört sind zwei Dinge:
1. Ich bin in Bayern groß geworden, habe aber auch schon mal woanders gewohnt. Mir kommt z.B. Hamburg in vielen Dingen “fremder” vor als Sonneberg in Südthüringen. Das hat nichts mit der ehemaligen Staatsform zu tun, oder? Bei der ganzen Ossi Wessi Diskussion wird m.E. der “normale” geografische Unterschied nicht beachtet.
2. Die Zeit. Wie oft ich höre: in der DDR war XXX besser oder damals in der BRD gabs sowas nicht. Bei vielen Dingen ist das aber nur eine Zeitfrage. Vor 25 Jahren bin ich genau so durch die BRD getrampt wie viele Freunde von mir durch die DDR. Jetzt trampt keiner mehr, weder hier noch dort. Liegt das jetzt an der Stasi oder an CNN?
Das heisst natürlich nicht, dass es nicht darüber hinaus Unterschiede gäbe. Die werden aber klarer, wenn man sie klarer den Gründen zuordnet.
Es ist anzumerken, dass Sonneberg in Südthüringen den meisten Ostdeutschen (abseits Südthüringens) wohl fremder ist, als irgendein beliebiger anderer Ort in D, auch wenn wirklich jeder aus dieser Stadt mind. ein Spielzeug hatte.
Das ist schon eine ganz “besondere” Gegend. Und quasi fremdsprachig dazu!
Ja, das kommt noch hinzu. Gleiches gilt auch für das Trampen. Überhaupt könnte man mal nach system-übergreifenden Gemeinsamkeiten in beiden Gesellschaften schauen. Womit ich nicht irgendwelche Konsense meine, sondern einfach daran interessiert bin, die Abgrenzungen von DDR- und BRD-GEsellschaft nicht nach Staatsgrenzen vorzunehmen, sondern anhand tatsächlicher Phänomene im gelebten Alltag. Beispiel: Unsereins hat im Osten genauso westliche Pop-Musik gehört wie die Jugend im Westen. Der Siegeszug der Popmusik und der damit verbundenen Jugendkulturen war also kein Phänomen, dass es nur im sogenannten “freien Westen” gab. Also kann man nicht alles auf West oder Ost zurückführen. Und gegen das Subversive der Subkulturen kam der DDR-Staat nicht an, obwohl er versuchte, Jugendkulturen klein zu halten.
2:01 bis 2:07 hat mich beeindruckt.
Das geht heute auch noch. Man muss es nur tun, oder zumindest androhen.
Leider wird in diesem Irrenhaus BRD das Gegenteil gezüchtet. Nur wer dreist, verschwenderisch und stoffelig ist, kriegt von der ARGE das Maximum.
Naja, ich kenne Leute, die haben u.a. in Bautzen gesiebte Luft geatmet. Jahrelang. Für DDR-kritische Äusserungen, über die man im Westen nicht mal gelacht hätte.
In jedem Plattenbau gabs mindestens eine handvoll Stasi-IMs. Nie durfte man in der Öffentlichkeit sagen, was man denkt, sonst wurde sofort eine Akte angelegt und man war unter Beobachtung.
Klar war vieles besser, das streite ich nicht ab. Man hatte sich mit dem Regime arrangiert und wenn man studieren wollte oder einen guten Job, hielt man halt die Klappe.
Aber es war auch viel übles da drüben im Gange. Der Sänger und seine Band kennen den “Osten” mehr oder minder auch nur aus Erzählungen und präsentieren uns eine sehr verklärte, romantische Sicht der DDR.
Aber die Musik ist nett *thumbs up*
Wie mal zuviel bei Springer geschnüffelt, wa, und sonst den Bürgerrechtler ganz intensiv gespielt, und bei Gauck, alles Stasi, Bautzen und verklärt hängen geblieben, wa, du Opferkenner?
Weitermachen, und immer bereit breit ;)
Eigentlich soll man auf “Trollpostings” ja nicht antworten…aber ich habe Verwandtschaft und auch Freunde von “da drüben” aka ehemalige Ostzone aka Sowjetische Besatzungszone aka Arbeiter und Bauern Staat aka DDR. Da brauchts keinen Springer (wtf?!).
Du weisst nichts, außer deine Geschichten vom Hörensagen und ick habe da gelebt. Pünktchen, Herr Troll aus dem Schenkwesten. Mehr ist zu deinem Quatsch wirklich nicht anzufügen.
@ Frank Schenk
die meisten menschen haben einen normalen alltag. was heißt alltag? sie leben nach den gesetzen, die in ihrem land gelten. kulturelle sitten, gesetze,… danach richten sich die menschen einer gemeinschaft ihr leben aus. das ist hier so, das war vermutlich für die meisten menschen in der ddr nicht anders.
bei allen kollektivistischen zuordnungen sollten wir nicht vergessen, das die kollektive aus individuen bestehen. jede einzelne persöhnlichkeit wird ihren alltag eigen beurteilen. “die” nva soldaten, “die” ddr studenten, “die” lehrer – wer will da jetzt ein einheitliche wahrnehmung der ddr erfahrung definieren?
das ist doch hier genau so. ich glaube vor zwei jahren, gab es im rbb die 24-stunden-berlin aktion. einen ganzen tag reportagen über menschen aus berlin. ganz unterschiedliche menschen, ganze 24 stunden wurden die mit der kamera begleitet. einen tag lang. ihr alltag. es gibt nicht “die” berlin erfahrung und das selbe wird es überall in der welt und in allen menschlichen gemeinschaften geben – das nicht vorhandensein einer einzigen wahrnehmung.
Das ist heute nicht anders.
Ich habe im November 2006 auf einer norddeutschen Uni Folgendes erlebt.
Ein Österreicher hielt einen Vortrag über sein Medikament gegen Vogelgrippe. Im Gegensatz zu Tamiflu, bei dem nach drei Wochen Resistenz zu erwarten ist, hätte das bei seinem Medikament viele Monate bis Jahre gedauert. Er fragte, warum Millarden für Tamiflu ausgegeben werden, aber sich niemand für seine Alternative interessiere.
Ich konnte dann nicht mehr meine Schnauze halten, und sagte, dass Tamiflu von LaRoche produziert werde, und dafür Lizenzen an Gilead bezahlt würden, dass der Hauptaktionär von Gilead Donald Rumsfeld sei, und dass der dadurch nach offiziellen Dokumenten 2005 Zig Millionen Dollar Gewinn gemacht habe. Das könne man aus offiziellen Dokumenten lesen, denn in den USA müssen Spitzenpolitiker so etwas veröffentlichen.
Das Ergebnis war, dass mich die Leute mitleidig angeschaut haben. Keiner traute sich, irgend etwas dazu zu sagen.
Mir ist klar, dass ich dadurch meine Chance auf einen gut bezahlten Job an Institutionen, die auf staatliche Aufträge angewiesen sind, drastisch reduziert habe.
Poste heute mal auf Gesichtsbuch, dass Du die Linkspartei wählst, Gewerkschaften gut findest und bewirb dich dann bei einem deutschen Großkonzern Deiner Wahl. Viel Glück.
Der geistigen Unfreiheit in der DDR folgte die ökonomische Unfreiheit in der Bundesrepublik.. Wahre Worte.
Niemand hindert die Deutschen in Bayern daran, einen eigenen Staat auszurufen. Das gleiche gilt für Deutsche, die in dem Gebiet wohnen, das einst DDR hieß.
Sollen die Ostdeutschen doch (wieder) eine eigene Republik gründen. Dann müssen wir wenigstens keinen Solidaritätszuschlag mehr zahlen.
die gesamte besatzung des bundestages wird dann aber in den westen ausgebürgert. und noch einige mehr. =)
Wer ist “wir”? Wir zahlen den doch alle.
Was die Ost-West-Befindlichkeit angeht, hier ein paar interessante Aussagen aus einer Rezension zu dem Buch “Zug um Zug” (Steinbrück/Schmidt) von Alexander Marguier:
„Würden Sie sagen“, fragt Helmut Schmidt im Kapitel „Politik als Beruf“ sein Gegenüber etwas umständlich, „dass die psychische Vereinigung der beiden getrennt gewesenen Teile der Nation weitgehend bereits gelungen ist, oder muss man sagen: Sie ist weitgehend noch nicht gelungen?“ Steinbrücks Antwort darauf: „Es gibt Fortschritte, aber insgesamt ist sie noch nicht gelungen.“ Nur eine Seite weiter kommen die beiden auf Angela Merkel zu sprechen [...] Steinbrück moniert, die Kanzlerin habe „in den letzten zwölf Monaten nicht eine einzige leidenschaftlich vorgetragene pro-europäische Rede gehalten“. Darauf Schmidt: „Diese Rede kann sie deswegen nicht halten, weil die Leidenschaft für Europa ihr nicht innewohnt.“
Und als ob dieser Satz nicht schon anmaßend genug wäre, setzt Steinbrück noch einen drauf: „Richtig, und es ist eine spannende Frage, ob sie ihr deshalb nicht innewohnt, weil sie in der DDR sozialisiert worden ist und ihr das Projekt Europa von daher vielleicht fernersteht als einem westdeutschen Politiker, der das immer verfolgt oder sogar aktiv betrieben hat.“ Das ist übrigens, wie aus dem weiteren Gesprächsverlauf deutlich wird, nicht als Frage, sondern als Feststellung gemeint. Die man unverschmurgelt auch wie folgt zusammenfassen kann: Ostdeutsche haben qua ihrer Herkunft nicht das Zeug zum leidenschaftlichen Europäer. Soviel zum Thema psychische Vereinigung der beiden getrennt gewesenen Teile der Nation. Mehr Selbstgerechtigkeit war selten.
http://www.cicero.de/berliner-republik/rezension-steinbrueck-schmidt-zug-um-zug-kanzlerkandidatur-welterkenntnisse-am-stammtisch/46366
Ich glaube, da muss man nichts hinzufügen.
Ach doch: heißt nicht, dass ich ein Fan unserer Kanzlern bin.
ich kenn einige berliner, die weniger geld für ihre arbeit (osttarif) bekommen, weil sie zb im brandenburger umland arbeiten müssen. aber auch innerhalb der stadt unterschiedliche entlohnung für die selbe arbeit in einer stadt hehehe.
Am besten jeden Tag zwei Video-”Artikel” einstellen. Und noch besser, mit ganz vielen Video-Antworten (eingebunden und nicht als linkt).
Bin meistens ohne Sound, dafür mit Flashblock-Addon im www unterwegs. Gifs sind bei mir ohnehin deanimiert. Schont die Nerven ungemein. :)
Leider wird der Videolink von Blog hier automatisch so eingebunden wie gesehen.
Der SP sollte seine Software dringends mal warten lassen (betrifft auch die Kommentar-Bearbeiten-Funktion)
Mit Firefox und Noscript-Plugin, kannst du das unterdrücken.
Spiegelfechter sollte am Besten sich völlig von WordPress verabschieden.
Wie schon mal geschrieben, riskiert Spiegelfechter, Leser und Kommentierer zu verlieren.
Das habe ich ihm auch schon sehr oft geraten!
Allerdings hat er glaube ich einfach niemanden, der sich dauer- und ernsthaft um das System kümmert. (Ein wunder, dass das überhaupt so gut läuft!)
Das mit den Videolinks und der schon ewig kaputten Kommentar-Edit-Funktion ist jedenfalls ein Zeichen dafür.
“…Ich habe den Eindruck, manch politischer Gegner hat mehr Schwierigkeiten, mich als Deutschen zu akzeptieren, sieht mich als Ex-DDRler. Das ist bemerkenswert, weil dieselben früher nie eine zweite deutsche Staatsbürgerschaft anerkennen wollten…”
jetzt kommts. die quelle http://www.neues-deutschland.de/artikel/142008.was-etwas-taugte-wirkt-wie-hefe.html das neue deutschland:)) mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa . aber das zitat ist trotzdem schön !
Erklär mir mal, warum man sich in diesem Blog entschuldigen muss, wenn die einzige halbwegs unabhängige überregionale Tageszeitung Deutschlands zitiert wird? ;-)
Zum Dank für die Erklärung schon vorab dieser Link mit einigen Erklärungen zum Thema unserer Diskussion
http://www.imleipzig.de/pdf/Vortrag_Schmidtchen.pdf
ironie . ich hatte die doch sogar mal als abo. auch wenn es nur ein kostenloses probeabo war:)) musste mir mal einen anzug kaufen. den einzigen bisher. war ein laden mit exklusivem angebot. teure lage in hh. hatte mein nd da liegen lassen. vergessen. naja … in dem umfeld dort vielleicht eine bessere investition. das neue deutschland:))
zu deinem text: hab mich oberflächlich wie ich nun mal bin als wessi, gleich auf die bilderchen am ende gestürtzt. der wert u.a. bei radikalisierung ist interessant. für unser thema hier mit medienvermittelter realität.
aber schaue auch in den text noch. besten dank.
Quintessenz:
“War doch alles ganz gut damals im Osten”
… Und die treue “Blog-Gemeinde” jubelt^^
Ach Gott, mir kommen gleich die Tränen :-)
@ spider
Wo an welcher Stelle und wer in welchem Kommentar schreibt das?
[quote]
Dann müssen wir wenigstens keinen Solidaritätszuschlag mehr zahlen.
[/quote]
Du weisst aber schon das der Solidaritätszuschlag eine Steuer ist die nicht den Osten geschenkt wurde sondern die man eher als Ausgleichzahlung sehen kann für das Verscherbeln des gesamten Volkseigentum für ein Appel und Ei an Westdeutsche Firmen und Banken. Frag mal den netten ex Bundenpräsi Horst Köhler wie er mit seinem Skill in der Treuhand es geschafft hat 2,6kk Arbeitsplätze zu vernichten.
Und wenn du diese Information kennst, dann kannst du auf die Banken und Westbetriebe sauer sein weil du als Bürger für sie die Konkurzenentfernung bezahlt hast und ihnen auch noch sehr kostengünstig Equipment, Land und Maschinen beschafft hast.
Die edlen Wilden aus der DDR werden die angelsaxonisch verirrten Teutonen auf ihr wahres Wesen zurückführen.
@ Lemmy Caution
Wie es zur Zeit aussieht, arbeitet der Kapitalismus fleissig daran, alle Vorurteile über ihn zu erfüllen.
Hier gehts ja ab.
Dabei wollte der Paul mit seiner Mail doch dazu beitragen,
das Nachdenken über das VORHERRSCHENDE System anzuregen.
Über das Leben in vergangenen Systemen zu diskutieren oder es gar bewerten zu wollen
ist müßig, solange man nicht selbst darin gelebt hat.
Du triffst den Nagel auf den Kopf.
Ich kann nachvollziehen, warum sich manche Leute angegriffen fühlen und meinen die Aussage des Liedes wäre “Früher war alles besser”.
Ich denke diese haben gar nicht dem Lied zugehört, sondern ihren eigenen Vorurteile.
Ein Ossi, der sich über Rassismus beschwert. Wie niedich! Sollte mal vor seiner eigenen Haustür kehren, der Kanbe. In Sachsen und Vorpommern sitzt nach wie vor die NPD im Landtag. Kürzlich besuchten ehemalige Einwohner Hoyerswerdas den Ort 20 Jahre nach den Progromen und wurden als “Neger” beschimpft. Jaja, füher war alles besser, da herrschte Recht und Ordnung. Wähle die Partei, Junge, die will die Mauer wieder aufbauen!
Na klar, weil auch alle Ossis Rassisten sind. Du bestätigst genau das, was in dem Lied bemängelt wird. Oder kennst du mich etwa?
Die NPD war – ganz ohne Ossi-Zutun – zwischen 1966 und 1972 in sieben West-Landtagen vertreten. Die SRP 1951/52 in zwei, die REP zwischen 1989 und 2001 ebenfalls (im Ländle zweimal in Folge) plus Europawahlerfolg 1989. Die DVU hatte in Bremen ein Dauermandat (1991 sogar über 5 %, gleichfalls 1992 in SH). Die Schill-Partei in HH kam 2001 auf fast 20 %.
Haben die Wessis alles ganz allein geschafft. Das muss Euch erstmal einer nachmachen…
Ich kann sehr gut verstehen, dass viele Menschen aus Ostdeutschland sich ihrer Biographie in der DDR durch Reduzierung in den Medien und sonstwo auf Stasi, Mauer & SED beraubt fühlen und deshalb betonen, dass das Leben in der DDR genauso wertvoll war wie anderswo. Da besteht seitens vieler Westdeutscher schlicht ein Mangel an Empathie und Anerkennung und sowas frustriert eben extrem.
Wenn ich aber das dümmliche Gelaber von “es gab keine Drogenscheiße…keine Kriminalität….blabla bla”, gemischt mit Mackergehabe a la “wer sein Wort nicht hielt kriegte eben einfach eine auf´s Maul” (aber Kriminalität gab es nicht, klar) und der Relativierung von Mauertoten etc. höre, muss ich einfach nur kotzen. Klar, soziale Sicherheit ist etwas sehr Schönes und die BRD sicher nicht die perfekte Gesellschaft aber das simple s/w-Bild, das hier gezeichnet wird ist einfach unerträglich blöde & wird der berechtigten Frustration vieler Ostdeutscher bestimmt nicht gerecht.
Dass man nachts durch die Straßen laufen konnte, ohne Angst zu haben, dass einem jemand den Hals umdreht, ist etwas anderes als dass es keine Kriminalität gäbe.
Sein Wort nicht zu halten, ist wohl dMn in Ordnung, während dem Betrüger eine aufs Maul zu hauen wohl dMn kriminell ist.
Stimmt, Selbstjustiz in Form körperlicher Gewalt bei “gebrochenem Wort” (von Betrug war nicht die Rede aber selbst das würde nichts ändern) halte ich für kriminell. Sie offenbar nicht.
Und wer heute meint man könne generell in Deutschland nachts nicht ohne Angst auf der Straße unterwegs sein, dem empfehle ich therapeutische Hilfe.
Betrug ist laut Wiktionary eine bewusste Täuschung, Hintergehung.
Wie weit man mit einem Anwalt kommt, wenn man zB verliehene Sachen kaputt oder gar nicht wiederbekommt, können Sie gerne selber ausprobieren. Die Betrüger sind gewöhnlich nicht pfändbar.
Körperliche Gewalt wirkt dagegen sofort. Und die Androhung von körperlicher Gewalt im Falle eines Betrugs wirkt abschreckend. Außerdem können sich so keine Rechtsanwälte und weitere Unproduktive an der Sache bereichern.
Ich habe auf Grund meiner Statue keine Probleme, aber ich kenne viele, besonders Frauen, die sich nicht mehr bei Dunkelheit vor die Tür trauen.
Therapeutische Hilfe hilft vor allem den Therapeuten und Verwaltern. Zahlen muss das mal wieder der doofe Malocher.
Sind Sie Rechtsanwalt, Therapeut, Arbeitsvermittler oder so etwas?
Wie Sie hier versuchen brutale Selbstjustiz zu rechtfertigen spricht für sich selbst. Vielleicht sollten Sie sich mal mit Begriffen wie Unschuldsvermutung & Rechtsstaatlichkeit beschäftigen. Das geht nämlich alles vor die Hunde wenn man Recht zu Faustrecht werden lässt, was Sie ja offenbar erstrebenswert finden. Ich finde es dagegen ganz gut, dass mir nicht jeder Vollidiot auf die Fresse hauen kann weil er sich einbildet von mir oder sonstwem “betrogen” worden zu sein.
Ihre seltsame Einteilung der Welt in “doofe Malocher” und “Therapeuten und Verwalter” sowie “Unproduktive” ist ebenfalls bemerkenswert. Insbesondere mit dem letzten Begriff bedienen Sie sich eines unmenschlichen Vokabulars, das ansonsten nur bei der FDP, NPD oder anderen Sozialdarwinisten zu finden ist.
Ihre Vermutungen, was meinen Job angeht ist amüsant aber völlig daneben. Offenbar ist es für Sie unvorstellbar, dass man Rechtsstaatlichkeit und den Verzicht auf Selbstjustiz für eine zivilisatorische Errungenschaft hält, ohne Anwalt, Therapeut oder Arbeitsvermittler (in Ihrer einfachen Welt offenbar Berufe des Bösen, oder?) zu sein. Mein Beileid.
@Brundlefly
Es geht hier um zwei Systeme. In dem einen wird dem Betrüger aufs Maul gehauen, in dem anderen wird der Betrogene ausgelacht.
Wenn ich jetzt einen Job im Havelland antreten würde, und mir gerade mal die Kaution für die Wohnung leisten kann, und dann einen Betonmischer vom Nachbarn leihen will, wird es interessant. In dem einen System würde ich den Mischer sofort bekommen, und ich müsste, wenn mir das Ding kaputt geht, den Schaden ersetzten. Im anderen System würde ich den Mischer nicht bekommen, und ich müsste zur ARGE gehen. Am Ende habe ich möglicherweise einen Mischer, den ich nie wieder brauche, die Verwalter haben an der Sache kassiert, und die doofen Malocher, also ich und meine Nachbarn, müssen dafür arbeiten.
In diesem Irrenhaus BRD kann eine Krakenkasse von Ihnen tausende Euro für nicht in Anspruch genommene Leistungen im Nachhinein verlangen. Von sonstwem auf die Fresse kriegen mit oder ohne Begründung kann man hier, trotz Juristerei auch.
Die FDP bedient sich des Vokabulars, unterstützen aber Unproduktive. Die NPD ist eine Nebelkerze der Geheimdienste. Die labern eh nur Stuss, und ziehen die Begriffe in Misskedit, was deren Aufgabe ist.
Schmarotzer. Die Verhartzten sind dagegen nur kleine Fische, die allerdings als Rechtfertigung für die dicken Fische genutzt werden.
Kann man den Ostdeutschen nicht verdenken, laut ihrer “Bild”, ihrem “Spiegel” und “Focus” (die hießen dort ein halt anders) gab es eben keine Kriminalität und genaueres weiß man nicht. Hab noch eine Aussage einer Anwältin der DDR (über 3 Ecken) im Ohr “Hoyerswerda war einer der Orte mit der höchsten Kriminalität in Europa”. Klar, in den Diskotheken in Hy und Umland endete jeder Abend mit einer zünftigen Schlägerei, wenn den Leuten das quasi alkoholische Bier eher aufs Gemüt als auf die Leber geschlagen hatte. In der Aussage war der Diebstahl aus volkseigenen Betrieben meiner Meinung nach noch nicht mal eingerechnet.
Ich sehe die Intention des Sängers/Texters ein wenig in eine andere Richtung. Es geht nicht um “im Osten war alles besser”, sondern vielmehr um die Aufarbeitung der Geschichte. Meistens hört und liest man doch nur etwas über die politischen Aspekte. Die Gesellschaftsstrukturen in der ehemaligen DDR sind hingegen bisher nur sehr wenig aufgearbeitet und diskutiert worden.
Selbstverständlich ist der Text subjektiv (Welcher Liedtext ist das nicht?). Dies schadet aber nicht, denn er bricht das alte s/w-Denken auf, in welchem die DDR die böse Diktatur ist und die BRD die heilige Mutter der Freiheit – um es überspitzt zu formulieren. “Irrtum” ist darauf die klare Antwort.
Schaut euch mal allein in den Buchregalen der deutschen Belletristik der letzten Jahre um. Das Thema DDR-Gesellschaft kommt mehr und mehr zur Sprache. Ganz subjektiv natürlich. Und einige werden noch überrascht sein – positiv wie negativ.
Für mich ist eher unverständlich, wie sich manch einer hier empört. Wie naiv ist das denn?
Seh ich ganz genauso.
Ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Einerseits gibt es sicherlich nützliche Bücher, andererseits findet da auch einfach ein Ausverkauf statt. “Karl der Käfer” lässt grüßen.
Was an Filmen bislang die breite Öffentlichkeit so erreicht hat (Sonnenallee, das Arte Leninendings und Das Leben der Anderen) ist doch alles netter Klamauk bzw. emotionaler Bullshit.
Ach ja, auch mal eine Filmempfehlung:
Die Zeit ist aus den Fugen (wow, der Suhrkamp-Verlag beweist stets aufs neue Geschmack!)
Also als Kind des Ostens will ich auch mal schnell meinen Senf dazugeben.
zum Song: Der Song ist relativ naiv, die Message ist im Kern aber korrekt, auch wenn im gestalterischen Rahmen die Situation im Osten im Song in dem Maße verschönert wird, wie diese in den allgemeinen bundesrepublikanischen Geschichtsdarstellungen immer verschlimmert wird.
Das “Problem” der Leute (“Wessis”), die nur die Bundesrepublik erlebt haben (ob “alt” und schon immer in der BRD, oder eben einfach nach Mitte der 80er geboren) ist, dass diese im allgemeinen nur _eine_ gesellschaftliche Realität erlebt haben.
Als “Ossi” hat man erfahren dürfen, dass gesellschaftliche Realitäten eben nicht fix und ewig sind, sondern beliebig sein können. Man hat zwangsläufig zwei Kulturen erfahren. Die Erfahrung ist: Die Verhältnisse sind nicht einfach so, wie sie sind. Und schon garnicht sind die bestehenden Verhältnisse unseres Zusammenlebens “natürlich” vorgegeben, wie das die meisten zu glauben scheinen (“gottgegeben” nannte man das im Mittelalter).
Nein, der Mensch findet immer nur das normal, was ihm die gesellschaftlichen Verhältnisse in denen er lebt, als normal erscheinen lassen (schönen Gruß auch von K.M. aus T.)
Es gibt allerdings Effekte, die es bei der Einschätzung dieser kollektiven Erfahrung zu beachten gibt:
- Der Unmittelbarkeit dieses Erlebnisses schwächt sich bei den Ossis natürlich mit zunehmenden zeitlichen Abstand ab. Heute ist bei den meisten Menschen nur noch sehr, sehr wenig zu spüren.
- Und selbstverständlich obligt die eigene Vergangenheit der Gefahr, von einem selbst idealisiert erinnert zu werden.
So ist man leicht geneigt, Umstände aus der Vergangenheit durch die heutige Brille positiv zu sehen. Zum Beispiel, dass es in der DDR keinen Hunger gab oder das es eine starke Solidarität zwischen den Menschen gab. Das Problem ist, das man immer nur im Rahmen der “aktuell gültigen” Kategorien erinnern kann. Es ist wie die Erinnerung an einen Traum. Die nüchterne Erinnerung (im Wachzustand) kann den Traum nicht mehr fassen (man hat aber immerhin meist eine Ahnung, dass da noch weit mehr war)
- Die meisten Leute aus dem Osten haben diese Erfahrung allerdings schnellsten ins Unterbewusstsein abgeschoben und so ist diese nur noch schlecht begreifbar. Aber man darf es ihnen nicht verübeln: Ein gesellschaftlicher Kontextwechsel in der Dimension – und vorallem in der Geschwindigkeit! – forderte von jedem Einzelnen unglaubliche Anstrengungen.
(Im Grunde war es wie der zwangsweise Umzug in eine ganz andere Welt: Stell dir vor, du wirst von der BRD nach einer Atomkatastrophe nach Kuba zwangsumgesiedelt – es gibt danach keine BRD mehr und damit auch keine Möglichkeit, irgendwie zurückzukehren!)
Nebenbei: Was ich immer krass finde ist, dass viele Ossis (zumeist direkt im Westen) die Erfahrung gemacht haben, wie prima es ist, als Mensch zweiter Klasse wahrgenommen zu werden. Was die gleichen Leute seltsamerweise nicht davon abhält, ebenso mit Leuten aus Russland (“Deutschrussen”) umzugehen, welche wohl vozugsweise hier im Osten “einquartiert” werden. Und gerade dieses Verhalten (statt nach oben dann doch lieber nach unten zu treten) ist dann wohl wieder “typisch deutsch”! Ahhh! Aber das nur am Rande.
Übrigens: Die Revolution in der DDR hatte auch für die Menschen in der BRD ein unglaubliches Potential. Leider waren die Leute nicht in der Lage, dies zu würdigen. Anstatt sich zum Positiven zu bewegen hat sich diese Gesellschaft durch den Wegfall eines gewissen Druckes durch die “reale Existenz des Sozialismus” auch noch zum dissozialen hin verschoben. Eine deutsche Schande!
Für den Ossi war ’90 übrigens verständlicherweise überhaupt nicht klar, worauf er sich da eigentlich einlässt. Die Leute hatten eben bis dato nur ihre DDR-Realität mit einer Ahnung von Demokratie. Und Kohl winkte einfach nur mit der D-Mark und blühenden Landschaften (aber auch “Keine Experimente!”). Für einen dritten Weg im Osten war da leider, leider kein Zeitfenster.
Ich persönlich bedauere sehr, dass der gemeine Bundesrepublikaner nach wie vor (Wessi) und mittlerweile (Ossi) träge und dumpf davon überzeugt ist, dass seine jetzige Daseinsweise die einzig richtige und einzig mögliche ist (siehe Dr. Pfeiffer (CDU), wissenschon).
Nochwas zur DDR-Realität: Ja, man kannte da nicht DIE Existenzangst, wie sie heute geläufig ist. Allerdings gab es da andere, durchaus bedrohliche Dinge. Bspw. “die Fahne” oder (nahe) Bekannte, die evtl. bei “Horch&Guck” waren (schlimmer aber noch: “Horch&Guck” möchte einen gerne gerne selbst in Dienst stellen!). Durch die unterschiedlichen Qualitäten der Bedrohungen können diese aber wirklich nur sehr schwer bis garnicht verglichen werden.
Übrigens ebensowenig wie die unterschiedlichen Qualitäten des jeweiligen Glücks.
(Ich habe die Menschen im Osten allerdings offener und glücklicher in Erinnerung, als ich ebenjene heute wahrnehme. Aber wie das eben so ist mit der Erinnerung, es ist ihr nicht zu trauen :P)
Die “andere” Realität im “real existierenden (undemokratischen) Sozialismus” wird in folgender empfohler Lektüre stark widergespiegelt:
- Der Turm (klar, Pflichtlektüre!)
- die Manuskripte auf
http://www.clausfritzsche.de/deutsch/Fachgebiete.htm
Ich habe das extrem umfangreiche Werk zwar nicht gelesen, aber mehrere Rezensionen dazu. Deshalb ist gerade hier wichtig zu betonen, dass auch der Autor in einer sehr speziellen Sozialisation in der DDR gelebt hat. Seine Wahrnehmung würde ich deswegen auch keinesfalls für allgemeinverbindlich erklären wollen. Und glaube mir, ich weiß, wovon ich da spreche, denn ich habe mit ihm zusammen mein Abitur gemacht.
Das wird doch schon auf dem Klappentext mitgeteilt, wenn ich mich nicht irre. Spielt aber keine Rolle.
Ich habe das Buch gelesen, und kann dir mitteilen, dass sich seine Darstellungen sehr mit meiner Wahrnehmung gedeckt haben (wenngleich mein Elternhaus völlig unakademisch daherkommt). So ging es übrigens allen anderen Lesern auch, die ich so persönlich kenne.
Ich erwarte auch garnicht, dass ein derartiger Autor “normal” ist/war.
Hervorgetan hat sich Tellkamp für mich schon vor dem “Turm” (seinem Erstlingswerk!) mit diesem Text:
http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/13752/index.html
Ich lese übrigens die Bücher meiner Mitabiturienten, wenngleich nicht derartige Knaller dabei sind. Wie kann man sich dieses Vergnügen nur entgehen lassen! Allzumal, wenn es sich um biografisches handelt!
Tellkamp war zur Wende gerade mal 21 Jahre alt. Die Uffz-Karriere sei ihm verziehen, wer studieren wollte musste halt 3 Jahre zur Armee. Aber Erfahrungen in Richtung DDR? Ehe er Erfahrungen sammeln konnte wurde er doch schon in der Kaserne eingesperrt und ist mit den T-34 Sport (nicht die Saparoschez mit den Turnschuhen im Fond) über den Truppenübungsplatz gejagt.
Naja, auch mit 21 Jahren hast du aber schon 8-10 Jahre bewussten Erlebens (der Eine mehr, der Andere weniger) hinter dir. Natürlich auch abhängig vom Umfeld (Eltern, Freunde, Schulkameraden etc.) und der damit zusammenhängenden Sozialisation.
Ach komm, es ist lächerlich einem Autor zu unterstellen, dass er etwas per se nicht gut beschreiben kann, wenn er es nicht gestern erst selbst als mind. 40-jähriger erlebt hat.
Ich habe Bücher über die DDR hier, die von Leuten aus Westdeutschland geschrieben wurden! Nein, sowas geht ja dann wohl überhaupt garnicht!
Ich war zur Wende gerade mal 18 Jahre alt, habe aber genug DDR erlebt, um sie in allen Schattenseiten zu kennen. Der Unrechtsstaat DDR hat sich nicht um Volljährigkeitsgrenzen geschert, wenn er seine Schergen losschickte zur Disziplinierung der Unbotmäßigen. Man hat mitunter schon Kinder der absichtlichen Brandstiftung verdächtigt, weil man vermutete, sie seien gegen den Sozialismus. Allerspätestens in der Schule hat man die DDR als Staat nicht mehr verdrängen können, dank Jungpioniere, Fahnenappell und Staatsbürgerkundeunterricht. Man brauchte da keine 40 Jahre Lebenserfahrung, um zu wissen, wie es läuft. Den meisten Ärger, den ich hatte, hatte ich vor meinem 18. Geburtstag und die verhagelte Berufsbiografie stand schon vor dem 16. Geburtstag fest.
Es gibt in einer Diktatur keine Schutzräume. Ich meine, ich habe oben geschrieben, dass die DDR-Diktatur nicht total war und es daher Nischen des Eigensinns gab. Aber wo die Diktatur hinreichte mit ihrem Arm, hat sie sich zumindest keine Altersgrenzen auferlegt, was den Zugriff auf Menschen anging. Man wurde als Nicht-Volljähriger nicht nachsichtiger behandelt als Volljährige. Das ist ja Teil der Diktatur, Teil ihrer Menschenfeindlichkeit und deshalb hatte man in der DDR schon als Kind reichlich Gelegenheit, Erfahrungen mit diesem Staat zu machen.
Als 18 Jähriger kann du gar nichts einschätzen, und deinen Berufsopferstatus wegen Brandstiftung spricht ja geradewegs für Deinen Charakter.
Sorry – aber das ist Unfug;-)
Sicher ist man mit 18 noch nicht ausgereift, aber durchaus in der Lage auf sein Bauchgefühl zu horchen und auch Dinge wahrzunehmen und einzuordnen.
Das ging bei Sechstklässlern los, die mit Adidas-Sachen im Turnbeutel gleich wieder heimgehen durften und endete in der Penne, wenn man in der 12. Klasse nichtmehr Mathe-Physik-Lehrer werden wollte – wozu man sich in der achten (!) Klasse entscheiden musste – mit richtigem Brimborium und Erklärungenabgeben vorm Direktorat.
Das zog sich tatsächlich subtil fast durch die gesamte Kindheit, bei dem einen mehr, beim andren weniger.
Müde Diskussion. Nach 21 Jahren deutscher Einheit macht das keinen Sinn mehr. Man muß sich ab und zu vor Augen halten, daß die DDR nur knapp 40 Jahre existierte, das wiedervereinigte Deutschland gibt es jetzt schon 21 Jahre. Natürlich wird man den Ossis noch in 50 Jahren die altbekannten Klischees von Mauer und Stacheldraht um die Ohren hauen. Natürlich wird Geschichte immer die Geschichte der Sieger sein. Aber mal ganz ehrlich: Wer regt sich darüber noch auf? Die Probleme sind doch in Ost und West heutzutage weitgehend diegleichen. Auch in der Industrieregion Stuttgart gibt es mittlerweile verdammt schlecht bezahlte Arbeit, auch mancher Ossi hat eine Hacienda auf Teneriffa. Was soll´s? Wendet Euch dem Hier und Jetzt zu, ohne natürlich die (selbst erlebte) Vergangenheit zu vergessen.
Wenn ich so manche Kommentare lese, leider eine immer wieder notwendige Diskussion.
das wird doch gemacht. viel wichtiger ist doch aber der blick in die zukunft, an deren gestaltung zum positiven ich beteiligt sein möchte. es muß doch nicht erst soweit kommen, dass man gemeinsam die euroautisten im bundestag und in brüssel niederkämpft. was die von demokratie halten, sieht man im derzeitigen umgang mit griechenland und dem bevorstehenden referendum oder dem abtun der weltweiten bürgerproteste als quatsch.
das macht auch keiner. wogegen ich mich aber wehre ist, dass öffentlich verlangt wird meine identität auf grund meiner vergangenheit aufzugeben, weil diese nicht in das jetzige system und dem vorherschenden tenor passt.
Eine wichtige Nachricht dazu wird totgeschwiegen. Aber es steht sogar in der Welt:
Zwei Interpretationen dazu:
1) Das Militär hat diesen Schritt verlangt. Die Regierung hat sich gefügt, und dann die Militärführung abgesetzt.
2) Die Militärführung hat die EU-Linie verlangt, und wurde von der Regierung abgesetzt.
Ich tippe auf die erste Möglichkeit.
Weil so etwas Wichtiges in den Nachrichten unterschlagen wird, und die CDU den Mindestlohn als Nebelkerze zündet, ist was los!
Vllt geschieht es wieder am Tag der Deutschen.
ich habe auch schon von vermutungen gelesen, dass die griechische regiertung diesen schritt gewählt hat um einen drohenden militärputsch abzuwenden. wir werden ja sehen. ich bin gespannt.
die nebelkerze wird nur von kurzer dauer sein. selbst der dümmste durchschaut merkels falsches spiel, das lohndumping, vor allem in westdeutschland, weiter voranzutreiben. dabei wären wir wieder on topic: warum soll es wieder zwei lohnuntergrenzen geben?
Damit die Verwalter mehr zu tun haben.
Damit sich diejenigen, die sich kritisch damit auseinandersetzen, auch wieder an diesen Nebenkriegsschauplatz aufreiben und auseinanderdividieren. Auch hier wieder: Divide et impera.
Jaja, die “Bearbeiten”-Funktion. “Diesem” statt “diesen”.
Auf Arte gibt es eine Doku über Flake (Keyboarder von Rammstein) der m.M.n. sehr interessant aus seiner Ost-Zeit erzählt:
http://www.youtube.com/watch?v=0w76yTyi_Yo
Sehr empfehlenswert
Danke für den Link. Ich hatte zwar nie groß etwas mit Feeling B. und nun auch Rammstein am Hut. Aber der Beitrag über Flake und vor allem seine Statements empfinde ich als absolut authentisch.
@ soulsurfer
sehe den film grade. schönes, persönliches interview. danke für den link.
Obwohl ich den Song nicht als Satire betrachte, will ich mir dennoch den Hinweis erlauben, dass vieles von dem, was von außen als “Ostalgie” erscheint, durchaus selbstironische Züge trägt, die aber leider nicht immer als solche verstanden werden. “Ostalgie” lässt sich meiner Wahrnehmung nach auch als trotzig, borstliges SichselbstaufdieSchippenehmen entgegen des realen Irrsinns interpretieren.
Jedenfalls erkläre ich mir so, dass Darbietungen wie von Uwe Steimle (oder hier) von außen so gut wie gar nicht verstanden werden, während “Ossis” zum Teil (!) (nicht alle!!!) durchaus herzlich darüber lachen können.
Arbo
Den kannte ich noch nicht. Aber der gefällt mir.
Ich bin Westfale.
“Jedenfalls erkläre ich mir so, dass Darbietungen wie von Uwe Steimle (oder hier) von außen so gut wie gar nicht verstanden werden, während “Ossis” zum Teil (!) (nicht alle!!!) durchaus herzlich darüber lachen können.”
Hat aber auch was damit zu tun, dass es durchaus auch Mentalitätsunterschiede gibt zwischen Ost und West (ohne das bewerten zu wollen). In der DDR hatte man z.B. ja auch gelernt viel mehr zwischen den Zeilen zu lesen (bzw. zu hören). Steimle bedient sich natürlich hier eines Grunkonsens’ , der auf die gemeinsamen Befindlichkeiten und interne Kenntnisse der Menschen in den neuen Bundesländern abzielt. Denn nur die wissen natürlich auch, wie abartig damalige “Bonzen” geredet haben, welch einen Stuss sie von sich gaben. Und weil sie das wissen, können sie auch darüber lachen, denn darüber machte man sich schon zu DDR-Zeiten lustig. Wenn ein außenstehender diese Kenntnisse nicht hat, kann er sie nicht richtig einordnen. Ich hab die Pointen bei “Scheibenwischer” z.B. damals auch nicht alle verstanden. Das kann aber bestimmt kein Grund sein, irgendwelche Unterschiede zwischen Ost und West hervorzuheben, denn das sind keine, die uns trennen. Einige haben hier ja schon hervorgehoben, dass wir lieber die (in 20 Jahren doch sicher gewachsenen) Gemeinsamkeiten sehen sollten. Schlimm genug, dass die Spaltung von “oben” ständig hervorgeredet wird, übrigens nicht nur die zwischen Ost und West. Spaltung, nicht wahr, verhindert Solidarisierung. Wir sollten wirklich nicht mehr darauf reinfallen.
Auf was ich eigentlich hinaus wollte, war, dass die “Ostalgie”, die immer mal wieder als Totschlagsargument gegen “Ossis” vorgebracht wird, vielleicht auch missverstanden wird.
Ich kenne Leute, die nie in der Partei waren, heute aber zum Spaß mit den Insignien (Ulbricht-Portrait usw.) “spielen”: Die machen sich darüber lustig, lachen über sich selbst und über die Wendehälse … Nach außen wirkt das sicher befremdlich, hat aber in den von mir gemeinten Fällen wenig mit “Ostalgie” im Sinne von “Ich wünsche mir das zurück” oder “Früher war alles besser” zu tun.
Und weil’s thematisch gerade passt, eine andere Seite: Ich kenne auch viele “Ossis”, die heute in der BRD eine DDRlight sehen und sich fragen, wofür sie damals auf die Straße gegangen sind (wohlgemerkt: zum Anfang der Montag-Demonstrationen ging es NICHT um DM, sondern um Reformen). Schaue ich mir heute die alten “Aktuellen Kamera”-Sendungen an, kann ich das gut nachvollziehen. In den Nachrichten von heute werden auch Worthülsen herumgereicht. Aber wehe, jemand sagt das und zieht die Parallele. Dann passiert’s wie bei Werner Schulz von Bündnis 90/ Die Grünen (etwa Minute 4, konkret: 4.40), der Empörung aller Orten erleben durfte.
Arbo
Ist nen gutes Gefühl eine kleine Sache zu machen und dadurch soviele Leute zum diskutieren anzuregen.
Kann solche Taten echt nur weiterempfehlen !
Die westdeutsche Lebensweise basiert auf Zwang und Anpassung. Dabei haben die einzelnen Milieu ihren eigenen Rituale und ihren eigenen Verhaltenskodex, der dazu dient, um andere Ausgrenzen. Während oft in der prekarisierten Schicht viel über Drogen, Alkohol und andere unterschichtspezifische Handlungs- und Verhaltensweisen geteilt wird, sind die Handlungs- und Verhaltensweisen der sich für was besseres haltende Schichten die gemeinsam geteilten Konsumerlebnisse. Dort gibt es kein wir Gefühl, sondern nur ein sozial Status, über dem andere definiert werden. Nicht die Handlung, nicht ihr Denken, nicht ihre Einstellung über die Umwelt definiert sie, sondern alleine der Habitus. Dieser Habitus ist ein Korsett und die zwangsmechanismen extrem, weil jegliche Form sich aus dem Stark regelmentierten Verhalten auszubrechen, sanktioniert werden. Leider merken die Betroffenen der sich selbst als was besseres definierten Gruppe nicht mehr, inwieweit sie sich diesem System aus Zwang und Anpassung untergeordnet haben, weil sie von Kindheit an eine Art militärischen Drill ausgesetzt waren, wo sie die Methoden der Anpassung beigebogen bekommen haben, damit sie in ihrem Habitus funktionieren. Den Frust, den die verspüren, kompensieren sie durch Konsum und Arbeit. Oft wird auch ihr Frust in Spot reduziert, den sie dann auf für sie minderwertige Gruppen loslassen.
Am Ende nützt ihnen ihr ganzer Wohlstand nichts, weil sie sich kaum noch menschlich verhalten können. Kooperation und Respekt sind schwäche. Die anderen müssen auf sozial darwinistische Perspektive betrachtet werden, um sie ausschalten zu können. Sie führen Krieg. Sie befinden sich im Kriegszustand. Die Bomben sind die täglichen Attacken der anderen. Daher sind sie gestresst und unzufrieden und versuchen dem durch z.B. Yoga zu entfliehen, dabei ist es nichts weiter als der Drill von Kindheit an und der respektlose Umgang mit den Gefühlen. Nicht nur den eigenen, sondern auch denen der Anderen. Eine Welt, in der Misstrauen die Oberhand hat und die gegenseitige Kontrolle, damit geringste Fehlverhalten geächtet werden können, macht krank.
Ihr Reichtum macht sie arm.
Als ob das noch gefehlt hätte! Der ultimative Beweis dafür, dass die totalen Verlierer der Einheit im Osten zu Hause sind. Das geht also bis in den Familienverbund, wo die bucklige Westverwandtschaft die naiven Nichten und Neffen aus den Osten auch noch über den Tisch gezogen haben.* Man nennt es dann wohl Ost-West-Transfer. ;-)
Und das geht so:
„… „Westdeutsche, die Verwandte in Ostdeutschland hatten, haben nach dem Fall der Mauer 1989 davon häufig auch wirtschaftlich profitiert“, sagt Konrad B. Burchardi, einer der Autoren. „Gleichzeitig ist die Wirtschaftskraft in Regionen gestiegen, in denen vor der Wende besonders viele Menschen mit Ost-Kontakten lebten.“ …“
http://www.diw.de/de/diw_01.c.388414.de/themen_nachrichten/soep_studie_westdeutsche_profitierten_nach_der_wende_von_ost_kontakten.html
Alle haben es vermutet, jetzt ist es auch wissenschaftlich belegt!
*Viele Ausnahmen bestätigen die Regel?
Nichts für ungut … aber … !
Ich mag kein Sprechgesang . Wenn vielleicht noch in einer Koptischen Kirche …
Aber selbst das ist mir … Der Punkt ist das hier .. ist ein Tiefpunkt ! 3-5 Sek …
Sofort Stop … !
Ich bin 31 aber dieser drecks sprechgesang mit diesem psydowut dreck …
für den allerwertesten … !
Das hat kaum aussage … Das klingt für mich wie Politsch sauberes Zyklon B …
Kaposystem … ;-D
Ich habe mir die letzten artikel noch nicht wieder samt meinungen die ich sehr schätzte
ob ich sie vertrette oder nicht durchgelesen .
Aber speziell hier zu … Habe ich da doch einen anderen Geschmack … !
Sternburg schätze ich im übrigen sehr … ;-)
http://www.youtube.com/watch?v=WAnqRQg-W0k&feature=channel_video_title
http://www.youtube.com/watch?v=p-x_uBB-KIE&feature=channel_video_title
am besten beide gleichzeitig laufen lassen …
Auf die wechselwirkungen … :)
so dann …#
ich verabscheue mich Mensch … ;-D
Kriegszitterer
( ich hoffe du lässt mir die kiste nach grober prüfung noch mal durch gehen … ;-) )
An Paul D.,
diese Anregung tat gut, einfach mal danke.
Die, die nicht in der DDR aufgewachsen sind, können selbstverständlich nicht
über den Erfahrungshorizont verfügen; man kann da was erahnen, was
nachlesen, sich was erzählen lassen, was anschauen, es wissenschaftlich aufarbeiten, vergleichen… öh, was Untergegangenes, was ganz spezielle Gefühle auslöst.
Wenn ich den Song höre, bekomme ich eine große Sehnsucht nach den Liedern der
Klaus Renft Combo (http://www.renft.de/pages/texte.php), 1973 wurde noch eine
Platte von ihnen im MusikUnterricht an meiner Schule vorgestellt,
ein Jahr später hatten die Jungs immer öfter Auftrittsverbot und im darauffolgenden
Jahr wurde die Band verboten.
Puhdys und Karat und – na, das konnteste doch alles glatt vergessen.
Im LWH (LehrlingsWohnHeim) und anderswo taten sich weitere Quellen auf, die Welt
weitete sich für mich mental, leider mit so einer komischen Mauer dazwischen.
Und diese Planwirtschaft, die die Eigeninitiative der Leute lähmte, die tagtäglichen
Worthülsen, das gesellschaftlich Verlogene, die Erpressungsversuche, um in in die
einzig wahre Partei gelockt zu werden oder Anwerbungspraktiken des Staatssicherheitsdienstes – nöh, da bin ich froh, dem nicht auf den Leim gegangen
zu sein, und dass in dieser Art damit Schluss ist.
Wir hatten die Diktatur des Proletariats (jedenfalls wurde es so genannt) und hier im
W bzw. im geeinten D haben wir die Diktatur des Geldes.
Letzeres auch alles andere als ideal.
Existenzängste konnte man aber durchaus auch in der DDR entwickeln:
nachdem ich mehrere Monate ohne Erwerbsplatz war (Ausreise gestellt,
alten Arbeitsplatz gekündigt, erstmal auf einen neuen wegen RarMachens
verzichtet und dann keinen neuen erhalten) ging das Ersparte zur Neige,
Verwandte wollte ich nicht anbetteln, die fanden das sowieso abartig, das Land
verlassen zu wollen, und die Freunde hatten auch nicht viel.
So stand ich dann auf dem Bischofsweg in Dresden in einer Bäckerei und überlegte
ernsthaft ob ich mir denn nun noch einen einfachen Sandtaler leisten könnte.
Ich glaube, die mit Schokolade haben 16 Pfennig gekostet und die anderen 10.
Im EndEffekt blieb mir nichts anderes übrig, als diesen AusreiseAntrag wieder
zurückzuziehen, um wieder eine Arbeit zu bekommen und Geld zu verdienen.
Das Innenministerium hatte außerdem angedeutet, dass ich warten könnte bis ich
schwarz werde, bevor ich Rentnerin bin gedachten sie nicht, mich gehen zu lassen.
Ich will hier nicht meine Geschichte erzählen,
da gibts andere und natürlich auch besser geschriebene;
der schon erwähnte Roman von Uwe Tellkamp >Der Turm< triffts ganz
gut, wie es war, find ich.
Gut, dass auch eine Verfilmung ansteht.
Ansonsten bin ich auch im Hier & Jetzt angekommen, ein alter Schmerz verkleinert sich,
weil ich sehe, dass Engagement und Beharrlichkeit am Beispiel von Stuttgart sowas wie
Hoffnung aufkeimen lässt. Ich fühle mich nicht mehr so ohnmächtig wie früher.
B.O. “Worte der Freiheit”
Guten Tag, ich bin die Freiheit!
So, jetzt kennt Ihr meinen Preis.
Leider könnt Ihr ihn nicht zahlen,
auch wenn Ihr Bundesbürger heisst.
Jetzt tragen wir die gleichen Farben,
doch sind wir alle gleich?
Wollt Ihr die Mauer wiederhaben?
Oder heim in Helmuts Reich?
Wir spielen dieses Lied für Euch dort drüben,
ihr habt Euch selbst besiegt, dieses Land ist kein Vergnügen!
Man hat Euch wieder mal belogen,
doch was könnt Ihr schon verlangen?
Es waren Worte der Freiheit,
auf den Zungen von Schlangen!
k.w.t.
oder doch: Egal wie man es nimmt, wir wollten 89 die (Reise)Freiheit und Reformen in der DDR. Wir wollten diese DDR verändern, aber irgendwie auf dem Weg ist etwas abhanden gekommen´und kommt nicht mehr wieder. Ich glaube, einer der Hauptgründe der “Ostalgie” ist einfach die Sehnsucht nach einer HEIMAT, die es schon lange nicht mehr gibt.
oh Gott wenn man sich so zurückerinnert, ich mein es ist garnicht so lange her aber als die Mauer fiehl war ich noch Schüler und als wir den ersten Ostdeutschen Lehrer bekamen, haben wir ihm fast täglich unsere Bananen angeboten und ihn statt mit Herr xxx mit Genosse xxx angesprochen……
Grüsse aus dem Königreich Württemberg