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  • Den Worten ein Gewissen …

    geschrieben am 15. Dezember 2011 von Frank Benedikt

    Von Frank Benedikt

    Eine Rezension von Roberto De Lapuentes Buch “Auf die faule Haut”

    Unbequem! Das ist der erste Gedanke, der dem Leser wohl unwillkürlich in den Sinn kommt, wenn er De Lapuentes Buch erstmalig zur Hand nimmt. So erging es jedenfalls dem Rezensenten, der das Büchlein (es sind ja nur 157 Seiten) zwei Mal – mit einem halben Jahr Abstand – gelesen hat. Und mit “unbequem” ist beileibe nicht nur gemeint, daß die darin enthaltenen Texte dies nun für bestimmte Gruppen dieser Gesellschaft wären. Wer nur das darin zu erkennen vermag, hat weit gefehlt, beschäftigt sich der Autor doch mit unserer ganzen Gesellschaft und ihrer Sprache – also auch mit uns, den Lesern.

    In 19 “Skizzen und Essays” (so der Untertitel) setzt sich De Lapuente mit so unterschiedlichen Themen wie Entfremdung und Geworfenheit, den Problemen eines Migrantensohns, dem Antagonismus in der deutschen Kultur oder auch dem Konsumismus als dem “wahren Sieger” der konkurrierenden Systeme Kapitalismus und Kommunismus auseinander. Den eigentlichen Mittel- wie Höhepunkt des Buches bildet ein über 40 Seiten langes Essay zum Thema Sprache, das sich zwischen allgemeiner Linguistik, Sprachphilosophie und Sprachkritik bewegt. Dabei kritisiert der Autor auch deutlich  zunehmende Verschleierung oder Beschönigung von Tatsachen und Sachzusammenhängen durch Worthülsen und inhaltsleere ‘Neoliberal Speech’. Eine von ihm erwünschte Präzision des Ausdrucks, wie sie in früheren Zeiten noch möglich und üblich war, ist einer Art Orwellschem “Neusprech” gewichen, das ein differenziertes und kritisches Betrachten gesellschaftlicher Zustände kaum noch gestattet.

    Sprache ist, wie schon in seinem ersten Buch “Unzugehörig”, für De Lapuente ein zentrales Thema und ohne ein gewisses Sprachverständnis wird sich der Leser auch mit den vorliegenden Texten eher hart tun, da sie nicht nur streckenweise poetisch, sondern auch anspruchsvoll sind. Vom Blogger mehr und mehr zum Literaten, das ist die Entwicklung, die sich beim Autor abzeichnet, und einige der vorliegenden “Skizzen und Essays” sind bereits auch nicht mehr in seinem Blog ad sinistram, sondern nur noch im Druck erschienen.  In manchen Momenten nähern sich De Lapuentes Gedanken und Sätze – unbewußt oder nicht – Elias Canetti an, der mit “Das Gewissen der Worte” einst einen großen deutschsprachigen Essayband veröffentlichte. Kein geringer Maßstab, an dem sich ein einstiger “Blogger” da wohl künftig messen lassen muss.

    Das Essay als Stil- und Kunstform hat in Deutschland wenig Tradition und noch weniger Exponenten, aber De Lapuente hätte als Vertreter der jungen Generation wohl das Zeug dazu, dieses Genre zu bereichern und zu beleben. “Auf die faule Haut” hat sich der noch junge Ibero-Ingolstädter mit seinem zweiten Buch jedenfalls nicht gelegt und dies ist auch dem Leser nicht anzuraten, falls er maximalen Gewinn aus diesem Bändchen ziehen will.

    Frank Benedikt

    Roberto J. De Lapuente: Auf die faule Haut. Skizzen & Essays. Renneritz, Sandersdorf 2011. 157 Seiten, Broschur, ISBN 978-3-940684-13-4. Erhältlich beim Verlag oder im Buchhandel.

    43 Kommentare Print This Post
    Von Frank Benedikt Eine Rezension von Roberto De Lapuentes Buch “Auf die faule Haut” Unbequem! Das ist der erste Gedanke, der dem Leser wohl unwillkürlich in den Sinn kommt, wenn er De Lapuentes Buch erstmalig zur Hand nimmt. So erging es jedenfalls dem Rezensenten, der das Büchlein (es sind ja nur 157 Seiten) zwei Mal - ...
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    43 Kommentare:

    1. der Herr Karl schrieb am 15. Dezember 2011 at 11:10 - Permalink

      Vom Blogger mehr und mehr zum Literaten, das ist die Entwicklung, die sich beim Autor abzeichnet…

      Oh, sehr gute Rezension. Er ist wahrlich ein Literat. In der heutigen, schnelllebigen Zeit sind seine Texte Inseln des Nachdenkens.

      • Frank Benedikt schrieb am 15. Dezember 2011 at 11:36 - Permalink

        Ist er, in der Tat. Nur die wenigsten nehmen sich noch Zeit zum Nachdenken und reflektieren in der gedruckten Form darüber.
        Deine “Inseln des Nachdenkens” finde ich daher als Begriff wie Vorstellung sehr schön und würde mir davon mehr für uns alle wünschen.

        Frank

    2. susi bibelmaus schrieb am 15. Dezember 2011 at 11:25 - Permalink

      Ich kenne viele Mitmenschen die sich mittels musikalisch- oder gestalterischer Mittel ihrer Umwelt mitteilen. Heutzutage werden nicht nur prominente Musiker, wenn sie den mal was gesellschaftkritisches verarbeiten, im Himmel des Olymp geworfen, es betrifft auch alle anderen Ausdrucksformen von Mitteilungsflut. Das schließt natürlich auch die Bloggerszene mit ein. Nicht wenige schafften den Sprung vom ersten No-Name Kommentar zum lesenswerten Autor. Doch bei aller persönlicher Entwicklung eigener Ausdrucksformen: Wer sich nur in gesellschaftskritischen „Essays“ verliert, wer anfängt sich in der Auseinandersetzung mit dem was Kritikwürdig ist gegen Menschen zu wenden und so im Glauben an Korrektur vom Wort zur Tat driftet, hat nie den Sprung vom Suchen zum Verstehen gewagt. Es gibt Künstler oder Blogger die bleiben auch nach Jahren noch bei dem hängen, was sie täglich produzieren. Sie kommen nie über die aufreibende Kritik ihrer täglichen Arbeiten hinaus zu einer persönlichen Entscheidung.
      .
      Gute Kommentare, gute gesellschaftkritisch musikalische Inhalte sind mit Sicherheit der erste Weg sich selbst und unsere Welt zu erkennen, doch einmal muss sich auch nach dem tausendsten Lesen- Hören- oder Sehen bei jedem eine Entscheidung einstellen, dass Kritik und gute Kommentare allein noch nie die Welt geändert haben. Die heutigen globalen Verwerfungen achten nicht auf gute Kommentare, sie juckt es nicht, doch die aufmerksamen Menschen reiben sich weiter im verfassen ihrer Kommentare oder Texte auf.
      .
      Wer schreibt heut nicht alles supertolle „Essays“? Und wer hängt nicht begierig an den Lippen jener, die mal „Klartext“ sprechen? Es scheint fast so, als ob es schon ein Siegelring wäre wenn hier und da mal etwas „gesagt oder geschrieben wurde“. Das zeigt mir doch sehr deutlich, dass es den Mitmenschen nach Heilung all der kritisierend- und analysierenden Zustände jener Essay durstet, auf deren sie sich im Nachhinein gegenseitig berufen.
      .
      .
      susi

      • der Caine schrieb am 15. Dezember 2011 at 21:16 - Permalink

        Wow… “Klartext”.

        • sw schrieb am 16. Dezember 2011 at 12:27 - Permalink

          wohl wahr.
          Genau deshalb lese ich auch den Block nicht mehr.

    3. Stefan schrieb am 15. Dezember 2011 at 11:30 - Permalink

      Ja liebe Susi,
      lasst uns anfangen das kaputt zu machen, was uns kaputt macht.
      Es ist wohl allerhöchste Zeit.

      • sternburg schrieb am 16. Dezember 2011 at 06:46 - Permalink

        @ Stefan

        sympathisch. ich hole dann schon mal die axt:))

        http://www.youtube.com/watch?v=sa0rpCgVLs4 .

        @ susi bibelmaus

        Gute Kommentare, gute gesellschaftkritisch musikalische Inhalte sind mit Sicherheit der erste Weg sich selbst und unsere Welt zu erkennen, doch einmal muss sich auch nach dem tausendsten Lesen- Hören- oder Sehen bei jedem eine Entscheidung einstellen, dass Kritik und gute Kommentare allein noch nie die Welt geändert haben. Die heutigen globalen Verwerfungen achten nicht auf gute Kommentare, sie juckt es nicht, doch die aufmerksamen Menschen reiben sich weiter im verfassen ihrer Kommentare oder Texte auf.

        absolut recht haste bibelmaus der tat. das lesen von texte und das betrachten von bildern können aber genau so wirkungsmächtig werden, wie draußen im leben erlebtes. meine psyche bestimmt mein handeln und mein handeln beeinflusst meine psyche. beide bedingen sich gegenseitig. das sein und das tun und das tun und das sein und beides beeinflusst sich wechselseitig.

    4. Bastian (Weintraube) Himberger schrieb am 15. Dezember 2011 at 11:42 - Permalink

      Dabei kritisiert der Autor auch deutlich zunehmende Verschleierung oder Beschönigung von Tatsachen und Sachzusammenhängen durch Worthülsen und inhaltsleere ‘Neoliberal Speech’.
      Dieses Phänomen gibt es gewiss. Aber nicht nur in seiner neoliberalen Form.

      • Frank Benedikt schrieb am 15. Dezember 2011 at 12:46 - Permalink

        Sicher, aber diese Menschen haben der ganzen Chose eine neue Bedeutung gegeben. oder besser: Sie haben den “Neusprech” geprägt”. Und komm mir jetzt bitte nicht mit der Sprache der “real existierenden Sozialisten”: Die war dumm, verlogen gräßlich. Immerhin aber auch für den Dümmsten erkennbar. Hier aber geht es um “Subtilität”

    5. Klaus schrieb am 15. Dezember 2011 at 12:03 - Permalink

      Alles schön und gut, …aber was ist “Geworfenheit” ?

      • GrooveX schrieb am 15. Dezember 2011 at 12:28 - Permalink

        das ist existentialismus in purster reinheit oder so.

        • Frank Benedikt schrieb am 15. Dezember 2011 at 12:57 - Permalink

          Nur zum Teil. Augenscheinlich hattest Du aber schon mal damit zu tun ;-)

          • GrooveX schrieb am 15. Dezember 2011 at 13:03 - Permalink

            ja. ;-)

      • Frank Benedikt schrieb am 15. Dezember 2011 at 12:55 - Permalink

        Guckst Du bei Heidegger oder auch Sartre nach dem Begriff. Tante Wiki ist da Deine Freundin ;-) Wahlweise fühlst Du Dich verloren oder wenigstens “befremdet”, oder halt nicht. Das Gefühl in Worte zu gießen, daran sind schon sehr viel Bessere als ich gescheitert ;-)

      • salvo schrieb am 15. Dezember 2011 at 13:20 - Permalink

        “Ist das Dasein als geworfenes In-der-Welt-sein nicht gerade zunächst in die Öffentlichkeit des Man geworfen? Und was bedeutet diese Öffentlichkeit anderes als die spezifische Erschlossenheit des Man?”

        http://www.dalank.de/notabene/sz_35_38.html#38

        das ist es … in Heideggers Worten :-)

        • Heldentasse schrieb am 15. Dezember 2011 at 13:43 - Permalink

          Man kann diese gewichtigen Gedanken auch anders an den Mann/ Frau bringen, siehe: Harald Schmidt – Heidegger Sketch
          ;-)

    6. GrooveX schrieb am 15. Dezember 2011 at 12:42 - Permalink

      canetti, der ohrenzeuge und die faule haut, was man da nicht alles draus machen könnte… und das alles auf der suche nach der verlorenen zeit. wie bescheiden wir doch geworden sind.

      wie immer, unbequem

      edit: wenn es um sprache geht, dann sollte, wer sich damit hart tut, maximalen gewinn nicht aus der lektüre von büchern erwarten.

      • Frank Benedikt schrieb am 15. Dezember 2011 at 13:02 - Permalink

        Wie lernst Du Sprache? Durch sprechen, durch lesen? Think about it!

        Und einen Proust mit einem Canetti mit einem De Lapuente zu durchmischen, das gäbe doch wohl nix :-D Der junge Kollege hat in meinen Augen durchaus seine eigene “Berechtigung” – es bleibt abzuwarten, was er daraus macht.

        “Unbequem” ist er schon mal, selbst als Freund, wenn ich das mal so sagen darf, aber das finde ich ganz gut, auch wenn es mich Nerven kostet, seine Texte zu lesen und zu verstehen(!).

        • GrooveX schrieb am 15. Dezember 2011 at 13:14 - Permalink

          ich weiss, dass ironie ohne tags oft nicht erkannt wird. aber was soll’s.

          es ging mir um den ausdruck ‘sich hart tun’ und um die in meinen augen schräge vorstellung eines maximalen gewinns aus literatur. ausnahmen, deren literarische qualität ich allerdings mangels lektüre nicht beurteilen kann, sind titel wie ’1000 ganz legale steuertricks’ oder so. und natürlich ging es mir auch um den vergleich mit canetti, oder andersrum, ich habe dich gemeint, nicht de lapuente, dessen person und sachen ich nicht beurteilen wollte, da ich sie nicht kenne.

          • Frank Benedikt schrieb am 15. Dezember 2011 at 15:43 - Permalink

            Ironie ist auch mir nicht fremd und bei Dir auch nicht entgangen :-) Lies aber trotzdem besser Roberto denn mich – es lohnt sich.

    7. Count Krey schrieb am 15. Dezember 2011 at 12:51 - Permalink

      Im Zusammenhang mit “Neusprech” ist dieser Blog: http://neusprech.org/ auch höchst empfehlenswert. Da werden die “neue erfundenen Wörter” mal auseinander genommen und durchleuchtet, was sie wirklich bedeuten :)

      • Frank Benedikt schrieb am 15. Dezember 2011 at 13:11 - Permalink

        Ist bei ein paar “Nachbarn” und mir doch schon längst in der Blogroll :-P Ist gut, aber leider zu sporadisch.

    8. Heldentasse schrieb am 15. Dezember 2011 at 12:53 - Permalink

      zu #5

      Moin,
      ich glaube um das durch zu blicken muss man Heideggers “Sein und Zeit” verstehen, für mich ist diese Kost zu schwer! Ein erster Ansatz fürs Verständnis liefert womöglich Sein und Zeit für Dummies – Teil 1 Gruß

      • Frank Benedikt schrieb am 15. Dezember 2011 at 13:06 - Permalink

        Nein, man muß nicht wirklich Heidegger (und seinen Doktorvater Husserl) gelesen und verstanden haben, um De Lapuentes Bücher goutieren zu können. Natürlich wäre das hilfreich, aber “gesunder Menschenverstand” und ein wenig Gefühl reichen dafür allemal aus.

        Sind wir uns und dem Leben denn schon alle so fremd?

        • Heldentasse schrieb am 15. Dezember 2011 at 13:16 - Permalink

          Streiche Leben setzen Dasein ;-)

          Aber ansonsten ist eine rein pragmatische Vorgehensweise in diesem sehr schwierigen Terrain wohl die einzig sinnvolle für “normale” Menschen (mich eingeschlossen).

    9. t schrieb am 15. Dezember 2011 at 19:04 - Permalink

      Danke für den Buchtipp.

    10. alvin schrieb am 15. Dezember 2011 at 20:02 - Permalink

      @ Frank Benedikt
      Zunächst: Nichts gegen Herrn de Lapuente. Der schreibt gut und engagiert gegen den allgegenwärtigen Wahnsinn, und das ist zugegeben selten. Schön zu empfehlen, seine Bücher zu kaufen, gerade zur Weihnachtszeit. Wo der eine und die andere vielleicht noch nicht weiss, was schenken, und der Autor und Verlag kann es brauchen.
      Nur ich bitte, ist das nicht schlechtes Feuilleton:
      “Das Essay als Stil- und Kunstform hat in Deutschland wenig Tradition und noch weniger Exponenten, aber De Lapuente hätte als Vertreter der jungen Generation wohl das Zeug dazu, dieses Genre zu bereichern und zu beleben.”
      Essays hätten in Deutschland wenig Tradition? Na sowas! Will jetzt keine Namen nennen – auf Nachfrage gerne – die als Deutsche grossartige Essays geschrieben haben.
      Und ich darf mich über diesen Satz wundern, ausgerechnet von einem Blogger gebloggt:
      “Vom Blogger mehr und mehr zum Literaten, das ist die Entwicklung…”
      Der Unterschied will sich mir nicht erschliessen. Beleidigst Du damit nicht sein Blog? Frag ja nur.

      • Frank Benedikt schrieb am 16. Dezember 2011 at 08:46 - Permalink

        Lieber Alvin,

        “Das Essay als Stil- und Kunstform hat in Deutschland wenig Tradition und noch weniger Exponenten, aber De Lapuente hätte als Vertreter der jungen Generation wohl das Zeug dazu, dieses Genre zu bereichern und zu beleben.”
        Essays hätten in Deutschland wenig Tradition? Na sowas! Will jetzt keine Namen nennen – auf Nachfrage gerne – die als Deutsche grossartige Essays geschrieben haben.

        So in der Art hat es, wenn ich mich richtig entsinne (habe das Büchlein leider gerade verlegt), mal T. W. Adorno über das Essay geschrieben und die Grundaussage ist seitdem immer wieder mal in der kulturellen Debatte aufgetaucht. Wenn Du ein paar Namen anführen magst, nur zu gerne, denn da können wir ja alle nur von profitieren und vielleicht findet der eine oder andere noch etwas weihnachtlichen Lesestoff.

        Was das “beleidigen” angeht: Ich finde nicht, denn hier ging es mir zunächst um den (technischen) Vergleich zweier unterschiedlicher Herangehensweisen beim Schreiben/Publizieren und De Lapuentes Selbstverständnis geht, da ich erst unlängst mit ihm darüber sprach, auch in diese Richtung.

        Das Skript für diese kleine Rezension wurde von mir übrigens auch nicht nur dem hiesigen Hausherrn vorab zur “Abnahme” vorgelegt, sondern ebenfalls dem von mir kritisierten Autoren – ein Verfahren, das ich üblicherweise anwende, um Mängeln bzw. Mißverständnissen in meinen Rezensionen möglichst vorzubeugen. Das geht natürlich nur mit noch lebenden Autoren ;-)

        Beste Grüße und danke für Deine sehr berechtigten Anmerkungen.
        Frank

        • alvin schrieb am 19. Dezember 2011 at 21:16 - Permalink

          Hallo Frank!
          Es dauerte 4 Tage, um Dir zu antworten, was in der schnelllebigen Welt der Blogs einer Unterlassung nahekommt. War aber nicht so gemeint, bin sonst auch flotter. Entschuldigung! Und lege direkt los:
          Will mir lieber nicht ausmalen, was das für die Kritik bedeutete, wenn man sie vor der Veröffentlichung dem Kritisierten zur Abnahme vorlegt – ich meine nicht dem Hausherrn, dem Herausgeber, das ist sein gutes Recht.
          Du hast also Deine durchweg positive Kritik über den Autor Lapuente von ihm autorisieren lassen? Der immer witzige und gelegentlich auch weise Robert Gernhardt schrieb mal: “Der Mensch ist unbegrenzt belobbar, aber nur in Grenzen tadelverträglich”, und das wird ja wohl auch für unseren geschätzten Lapuente gelten.
          Gernhardt hat grossartige Essays geschrieben, auch wenn es ihm meist um Kunst und Literatur ging, seltener um Politik.
          Ich führe gerne Namen an, aber mit Neuigkeiten kann ich auch nicht aufwarten. Nennen Sie mir Namen, und ich nagel Sie an die Wand!
          Seis drum:
          Heine, von wegen der von Dir unterstellten wenigen Tradition.
          Tucholsky.
          Kraus, auch wenn der Österreicher war und Lapuente mich manchmal an ihn erinnert.
          Latürnich Benn, was zugegeben mein Steckenpferd ist. Seine Essays sind, was die Kunstfertig- und Sprachmächtigkeit angeht, das Schönste, das ich kenne.
          Enzensberger aus den späten 1970ern bis in die 90er hinein.
          Jörg Fauser fällt mir noch ein.
          Wer weiss mehr?
          Grüsse alvin

          • GrooveX schrieb am 19. Dezember 2011 at 21:20 - Permalink

            heißenbüttel zum bleistift.

            • Frank Benedikt schrieb am 20. Dezember 2011 at 03:46 - Permalink

              Heißenbüttel war und ist gut, aber “essayiert” er denn wirklich?

            • GrooveX schrieb am 20. Dezember 2011 at 06:38 - Permalink

              jetzt nicht mehr. aber noch nicht so lange nicht mehr wie heine, tucholsky oder benn. er hat damit seine notwendigen brötchen finanziert.

          • Frank Benedikt schrieb am 20. Dezember 2011 at 03:45 - Permalink

            Lieber “Alvin”,

            danke für Deine gedankenreichen Einwürfe. Ist eheh selten, “heutzutage”.

            Natürlich sehe ich es nicht als “Tort” an, daß Du spät dran bist :-) Überlegung ist mir lieber, und die kann auch ein Leben dauern.

            Zunächst: Ich spreche nach Möglichkeit mit den AutorInnen über ih – von mir zu kritisierendes – Werk. Ich maße mir nicht an, ein “Großkritiker” zu sein, sondern will verstehen, damit ich auch den Lesern etwas begreiflich machen kann. Wenn ich ewas aber Sch***e finde, sage ich das auch oder schweige notfalls mi des Sängers Höflichkeit. Von Roberto wollte ich nur wissen, ob ich ihn richtig interpretiert habe, nicht aber, ob es ihm gefällt. Ich arbeite ja auch mit dem hiesigen Hausherren, und wenn ich etwas für Pfusch halte, sage ich ihm das. Sollte sein kommendes Buch, an dem auch ich bescheiden mitwürge, Mist sein, gibt’s garantiert keine freundliche Rezension meinerseits.

            Gernhardt? Ich weiß, es gibt ihn, aber ich habe noch kaum was von ihm gelesen. Sollte ich jemals noch die Zeit finden …
            Heine? Auch keine Frage. Aber warum hat er wohl diesem Land den Rücken gekehrt?

            Tucho und Kraus? Meine “Penaten”! Ohne die gäbe es mich gar nicht. Trotzdem natürlich auch nicht “Säulenheilige”! Mühsam hast Du vergessen … ;-)

            Benn als Essyist ist mir leider gar nicht bekannt – ich habe nur Gedichte von ihm.

            Und der olle Hans-Magnus, den wohl nicht nur ich unzwischen als “Peinlichkeit” betrachte, war mal ein großer Denkker und Schreiber. Ich bin auch selber entsetzt, welchen (vor allem: politischen) Dünnsinn er inzwischen absondert.

            Und last but not least: Fauser. Great! Guter Mann!

            Wenn Du Lust hast, lesen wir abseits des Literarurbetriebs mal was parallel und vergleichen unsere Eindrücke.

            Danke und bis die Tage, denn jetzt gehe ich erst mal wieder in die Klinik – aufschneiden lassen statt selbst aufzuschneiden ;-)
            Frank

    11. der Herr Karl schrieb am 16. Dezember 2011 at 10:42 - Permalink

      Ich könnte noch eine Menge anderer Gründe anführen. Egal, – time to go. Und sich endlich auf das zu konzentrieren, was der eigenen Natur entspricht. ( Den Hang zum Naturalisten, lasse ich mir dabei gerne vorwerfen. Last End. *** Dieser blog, – ist beendet. *** Endgültig. Keine weiteren Erklärungen, – keine weiteren Begründungen. Und der Alien begibt sich wieder ins All

      (antiferengi, 14.12.2011)

      Ein Buch bleibt.

      • GrooveX schrieb am 16. Dezember 2011 at 11:25 - Permalink

        Mir ist durchaus bewusst, welchem Zwiespalt sich dabei viele unterwerfen.

        (dito)

        hach, wie beruhigend!

        den worten ein gewissen? bitte davor der sprache eine heimat!

        • der Herr Karl schrieb am 16. Dezember 2011 at 12:01 - Permalink

          Das Problem der Bloggerei ist deren Virtualität. Ein Buch hingegen ist physisch vorhanden und beinahe zeitlos.
          Es gibt zweifellos Blogbeiträge, welche der Bewahrung der Nachwelt würdig sind, wie beispielsweise diesen hier.
          Der linksliberalen Bloggerszene mangelt es meines Erachtens an Ideen. Sie (Frank, Stefan, Jens und andere) könnten gemeinsam ein Buch mit ihren besten Artikeln veröffentlichen.
          Oder: Weshalb “we are change” kritisieren, welche einen bekannten Kabarettisten interviewen und ins Internet stellen, wenn diese oder eine ähnliche Aktion auch von einer linksliberalen Bloggergemeinschaft gestartet werden könnte?

          • GrooveX schrieb am 16. Dezember 2011 at 13:03 - Permalink

            na ja, aber was du in ein buch reinkritzelst, das du dir gekauft hast, wird kaum eine diskussion auszulösen imstande sein, zumindest zeitnah. anders sieht die sache mit kritzeleien in ein ausgeliehenes buch aus. ich habe aufgehört, meine wände mit büchern zu tapezieren, meine welt über schallplatten und hifi anderen um die ohren zu hauen etc.

            solange blogs nicht als eigenständiges medium wahrgenommen werden, sind sie eben kulturelle bastarde, die an den reinrassigen medien flasch gemessen werden. was ihnen allen gemein ist, ist die sprache. autoren, die sich selbst der autor dieser zeilen oder ähnlich nennen, dürfen gerne üben, üben, üben.

            blogs sind öffentliche übungsräume, das ist schon okay. dass sie sich mit ihren artikeln der publikumskritik stellen, die nicht immer wohlwollend ausfällt, unterscheidet ihre autoren grundsätzlich vom etablierten publikationsbetrieb, der nur eine publikumskritik kennt, die auflage danach.

            linksliberal, das ist ja so was von 70er, oder waren es die fast halben spätsechziger, oder war es immer nur ein mythos? ein grausig verfälschender noch dazu angesichts der unglaublichen gesinnungsschnüffelei, der berufsverbote, wyhl etcpp.?

          • Frank Benedikt schrieb am 20. Dezember 2011 at 04:00 - Permalink

            Lieber “Herr Karl”,

            gerade die Flüchtigkeit, von Ihnen als “Virtualität” bezeichnet, ist doch das Gute daran :-) Hat es Bestand, wird es wohl auch irgendwann gedruckt, und es gibt auch viel zu viele schlechte Bücher, die leider auch dem Gutenbergschen Verfahren zu verdanken sind.

            En paar von “uns” schreiben inzwischen eben auch im “print”, was davon taugt, wird sich zeigen. Jedenfalls solltest Du aber nicht bspw. Jens, Stefan und mich zusammenspannen, denn trotz gegenseitiger Wertschätzung denken und leben wir doch sehr unterschiedlich. Einen “Sammelband” von uns wirst Du daher wohl nie in diesem Leben antreffen. Zumal ich ja eigentlich ein “Rabauke” und “Radikalinski” bin ;-)

            Ob Blogger-, Polit- oder Wohngemeinschaft – wir müssen uns zunächst über twas klar werden und uns dann auch einigen können. Sonst bleibt es einfach bey der Spielery …

            Beste Grüße
            Frank Benedikt

            • der Herr Karl schrieb am 21. Dezember 2011 at 14:54 - Permalink

              @Frank Benedikt
              „Du sollst nicht Jens, Stefan und Frank zusammenspannen“ ist weder ein Gebot des Allerhöchsten, noch ein Gebot der Stunde.
              Und wenn du es schon so schön feyn andeutest: Ja, weshalb nicht auch noch Flatter?
              Toleranz oder Tollerei – hier täte ein Beispiel an den von euch zu recht kritisierten Teabagger gut. Sie haben untereinander weniger diese Gartenhäuschenzäunchendenke. Und sind deshalb erfolgreicher.
              Mit höflichster Verneigung.

          • Frank Benedikt schrieb am 22. Dezember 2011 at 13:05 - Permalink

            Lieber Herr Karl,

            entschuldige, wenn ich mich kurz halte, aber ich komme gerade ziemlich frisch operiert und noch “soßend” aus der Kinik. Weh tut’s auch …

            „Du sollst nicht Jens, Stefan und Frank zusammenspannen“ ist weder ein Gebot des Allerhöchsten, noch ein Gebot der Stunde.
            Und wenn du es schon so schön feyn andeutest: Ja, weshalb nicht auch noch Flatter?
            Toleranz oder Tollerei – hier täte ein Beispiel an den von euch zu recht kritisierten Teabagger gut. Sie haben untereinander weniger diese Gartenhäuschenzäunchendenke. Und sind deshalb erfolgreicher.

            Nun, wo es in unseren Augen “Sinn macht”, machen wir das seit Jahren ja auch zunehmend. Nur vertreten wir eben keine wirkliche Fraktion oder gar Partei, sondern sind “Linke” unterschiedlichster Ausprägung – vom “Lili” bis zum Anarcho oder auch “Hardcore-Kommunisten”. Das kriegst Du nicht so einfach zusammengespannt und das ist auch gut so, denn weder möchte bspw. ich meine Überzeugungen aufgeben noch das von meinen Freunden und Kollegen ihrerseits verlangen. Es gibt genug, was uns allen gemeinsam gegen den Strich geht und da kooperieren wir wachsend, aber laß doch bitte Jens Jens, Stefan Stefan, Flatter Flatter und mich mich bleiben ;-) Wir haben all dies “intern” öfter diskutiert und sind damit, wie wir es jetzt handhaben, eigentlich ganz zufrieden und bleiben gerne wir – jeder mit seinen Macken. Übrigens sind da noch einige mehr als nur die von Dir genannten, aber das würde jetzt zu weit führen ;-)

            So, Zeit für “Die Ärzte”, da ich nach 29 Stunden modernem Gesundheitssystem dringend etwas zum Dampf ablassen brauche …

            Schöne Feiertage
            Frank B.

            • der Herr Karl schrieb am 23. Dezember 2011 at 12:54 - Permalink

              @Frank Benedikt
              Dann wünschich mal angenehme Genesung. Mögen dir nicht nur die Ärzte, sondern vielleicht auch noch ein wenig Bach die Genesung unterstützen.
              Wir sind ja nicht mehr zwanzig…

          • Frank Benedikt schrieb am 23. Dezember 2011 at 13:31 - Permalink

            @ Herr Karl:

            Danke vielmals für die netten Wünsche. Dir ein Frohes Fest und einen Guten Rutsch, aber nicht so, wie ich letzten Winter gerutscht bin ;-)

            Frank B.

    12. Herm schrieb am 27. Dezember 2011 at 10:05 - Permalink

      So, das Buch gabs zu Weihnachten von meiner Frau.
      Definitiv sinnvoller als die üblichen Socken..


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