Verstehen Sie Klar?
02. März 2007 von Spiegelfechter - Drucken
Ach hätte Christian Klar doch während seines Gefängnisaufenthaltes öfter mal das Handelsblatt gelesen. Ihm wäre einiges erspart geblieben. So bediente er sich in seiner Kapitalismuskritik der Sprache der 80er – und die wird doch heute nicht mehr verstanden:
Liebe Freunde, das Thema der diesjährigen Rosa-Luxemburg-Konferenz “Das geht anders” bedeutet - so verstehe ich es - vor allem die Würdigung der Inspiration, die seit einiger Zeit von verschiedenen Ländern Lateinamerikas ausgeht. Dort wird nach zwei Jahrzehnten sozial vernichtender Rezepte der internationalen Besitzerklasse endlich den Rechten der Massen wieder Geltung gegeben und darüber hinaus an einer Perspektive gearbeitet.
Aber wie sieht das in Europa aus? Von hier aus rollt weiter dieses imperiale Bündnis, das sich ermächtigt, jedes Land der Erde, das sich seiner Zurichtung für die aktuelle Neuverteilung der Profite widersetzt, aus dem Himmel herab zu züchtigen und seine ganze gesellschaftliche Daseinsform in einen Trümmerhaufen zu verwandeln. Die propagandistische Vorarbeit leisten dabei Regierungen und große professionelle PR-Agenturen, die Ideologien verbreiten, mit denen alles verherrlicht wird, was den Menschen darauf reduziert, benutzt zu werden.
Trotzdem gilt hier ebenso: “Das geht anders”. Wo sollte sonst die Kraft zu kämpfen herkommen? Die spezielle Sache dürfte sein, dass die in Europa ökonomisch gerade abstürzenden großen Gesellschaftsbereiche den chauvinistischen “Rettern” entrissen werden. Sonst wird es nicht möglich sein, die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen.
Es muss immer wieder betont werden: Schließlich ist die Welt geschichtlich reif dafür, dass die zukünftigen Neugeborenen in ein Leben treten können, das die volle Förderung aller ihrer menschlichen Potentiale bereithalten kann und die Gespenster der Entfremdung von des Menschen gesellschaftlicher Bestimmung vertrieben sind.
Im aktuellen Politslang, sähe dieses Grußwort so aus … und hätte auch von Helmut Schmidt oder dem Müntefranz kommen können:
Liebe Freunde, das Thema der diesjährigen Rosa-Luxemburg-Konferenz “Das geht anders” bedeutet - so verstehe ich es, dass die Private-Equity Orientierung unserer Wirtschaft überwunden werden kann. Die Gewinnmaximierung, das erste Ziel solcher Investitionen, hat nämlich zur Folge, dass die Massenarbeitslosigkeit zum Dauerproblem unserer Gesellschaft wird. Das geht auch anders, wir müssen die Heuschreckenschwärme der Leverage-Buyouts, die sich als Retter anbieten, aus dem Jagdrevier Europa vertreiben und die Portfoliounternehmen ihrem Zugriff entziehen. Die Zeit ist reif für eine radikale Bestandsaufnahme und Beseitigung der neoliberalen Globalisierung und ihrer Auswüchse.
Jens Berger
Posted in Deutschland, Glosse |














































































Super, Jens ;-)
Ich habe Dich in meinem Blog zitiert (und natürlich verlinkt)!
Danke für die “Übersetzung”.
Merci!
Schön, daß es Dir gefallen hat!
Amüsanter Kommentar ;-)
Leider ändert’s ja wohl doch nix an der Sachlage, die - trotz - Neusprach - IMHO so beschissen bleibt wie zuvor…
Anm.: Wenn das mit der euphemistischen Vergewaltigung der Sprache so weiter geht, werde ich mir - für meinen Teil - überlegen müssen, ob ich künftig nicht lieber “Zwanziger-Deutsch” (nee, - das hat NICHTS mit -> “Theo Zwanziger” zu tun!) kommuniziere, statt - wie bisher - vorwiegend “Fünfziger-Deutsch” (ich beziehe mich da generell auf meinen Mittfünfziger “Duden”)…
Aohuuu!
lycantropus
@lycantropus
IdT - zu diesem Thema habe ich ein sehr interessantes IV mit Gottfried Marenholz (ehemaliger Vize des BVGs) gehört, das leider nirgends transkribiert ist.
Er machte in dem IV klar, daß die Aussage von Klar in jedem Punkt durch die Meinungsfreiheit gedeckt sei und dies auf den Begnadigungsakt keine Auswirkungen haben dürfte. Dieser Akt sei mehr ein Zeichen der Humanität.
Cheers
Jens