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  • Das “average guy”-Syndrom in der Politik

    geschrieben am 02. Januar 2012 von Stefan Sasse

    von Stefan Sasse

    Aus irgendeinem Grund gilt es als eine notwendige Bedingung für Erfolg in politischen Spitzenämtern, dass er jeweilige Kandidat glaubhhaft als ein Durchschnittsmensch präsentiert werden kann. Zu jedem Wahlkampf gehört damit fast automatisch der Beweis, dass der jeweilige Kandidat “bierzelttauglich” ist, wie es in Deutschland gerne heißt, dass er oder sie an “normalen” Freizeitvergnügen teilaht (Stichwort Bundesliga) und bei der Frage nach dem Lieblingsessen irgendein Produkt der “gutbürgerlichen Küche” mit Lokalkolorit nennt, am besten von der Oma zubereitet. Angela Merkel ist hier etwas die Ausnahme von der Regel; sie hält ihr Privatleben weitgehend aus dem Politikbetrieb heraus und schwebt mehr über den Dingen. Aber bei ihr glaubt ohnehin niemand ernsthaft daran, dass sie einen allzu fein entwickelten Geschmack besitzt, dafür haben zahlreiche Bilder mit furchtbaren Frisuren und passenden Blusen aus den 1990er Jahren gesorgt. Nichts ist für einen Politiker verheerender, als als elitär zu gelten. Selbst der Inbegriff dieses Status’, Karl Theodor Freiherr von Guttenberg, hat einen signifikanten Teil seiner Selbstdarstellungs-PR darauf verwendet, im AC/DC-T-Shirt im Feierzelt aufzutreten und von der Loveparade zu schwärmen, anstatt über die Vergnügungen von Theater, Oper und Essen im Ritz zu schwärmen. Das ist umso lustiger, als dass sobald ein Politiker glaubhaft solchem Vergnügen zugeneigt ist er mit Spott und Hähme überzogen wird; Helmut Kohl und Kurt Beck können davon ein Liedchen singen, und auch Gerhard Schröder hat man seinen Stallgeruch nie ganz verziehen.

    Es scheint fast so, als ob die Öffentlichkeit über das Privatleben der Spitzenpolitiker noch konsequenter belogen sein will und dem Belogen werden mit einer ans Fetischafte grenzenden Lust fröhnt. Ein Politiker muss stets erklären, wie volksnah er doch ist, damit man dann heimlich über die plumpen Versuche lachen kann. Das Ergebnis ist eine Inszenierung von Mittelmäßigkeit, die dem Anspruch, mit dem höchste Staatsämter einhergehen in keinster Weise gerecht wird. Von Helmut Kohls Kassenmodell bei der Brille über Gerhard Schröders betont vulgären Ausflüge in Volkes Zunge zu Angela Merkels bürgerlichem Kleidungs- und Schmuckstil lässt sich diese Linie beständig verfolgen. Wirkt dieses Ritual bei uns schon oft genug reichlich lächerlich, so entspringt es doch wenigstens einer gewissen Wahrhaftigkeit, denn in Deutschland sind Politiker wenigstens manchmal aus niederen Verhältnissen aufgestiegen (wie im Falle Gerhard Schröders) oder entstammen doch zumindest kleinbürgerlichem Milieu. Wer aber beobachten muss, wie die republikanischen Präsidentschaftskandidaten in den USA derzeit zu betonen versuchen, aus angeblich ärmlichen Verhältnissen zu stammen, der weiß nicht ob er lachen oder weinen soll. Wir reden hier von Mitt Romney, der ungefährt 250 Millionen Dollar besitzt, und Newt Gingrich, der zuletzt mehrere Millionen für seine Tätigkeit als “Historiker” für Fannie Mae einstrich!

    Wahlstrategen zerbrechen sich über diese Inszenierung regelmäßig die Köpfe, und das nicht zu Unrecht. Wer auf diesen elementaren Teil seiner Selbstdarstellung verzichtet kann Wahlen verlieren. John Kerry musste dies 2004 erleben; die Wahlkämpfer um George W. Bush stempelten ihn mit durchschlagendem Erfolg zu einem Elitisten ab, der die Probleme des “average American” höchstens theoretisch kenne. Die Frage, mit welchem Kandidaten man eher ein Bier trinken würde, gilt neben der nach den Qualitäten des “strong leader” zu den wichtigsten, die in politischen Umfragen gestellt werden, und 2004 wollten die Amerikaner deutlich lieber mit Bush einen heben gehen als mit Kerry. Wer den Mann in den TV-Debatten bei Bushs holprigen Versprechern hat Grinsen sehen, der weiß warum.

    In der Realität könnte man das “average guy”-Syndrom als eine alberne, vielleicht unterhaltsame Marotte des Politikbetriebs abtun, wenn sie nicht so profunde Konsequenzen hätte. Die Schizophrenie der Wähler in einer Demokratie kommt selten so klar zum Vorschein wie hier. Eigentlich sollte man den geeignetsten Kandidaten wählen, aber oft genug spielen merkwürdige, dumpfe und kaum reflektierte Vorurteile eine entscheidende Rolle, werden für die Mobilisierung der eigenen Anhänger genutzt wie in dem Spot “Der Kanz” von 2005. Bildung wird plötzlich von einem Vorzug zu einem Nachteil, der einem Kandidaten wie ein Mühlstein um den Hals hängt. Gleichzeitig ist genuine “Volksnähe” in ihrem banalsten Sinne ein Quell ständigen Spotts. Die Kandidaten werden so dazu gezwungen, eine Show ihrer eigenen Mittelmäßigkeit abzuliefern, weil sie sonst nicht gewählt werden, ständig auf einem schmalen Grat zwischen zu viel und zu wenig von dieser Inszenierung. Und wer jetzt denkt, dass dies ein Problem von Medialisierung sei, und dass ein kritischer Geist dagegen immunisierte: das ist ein Irrtum. Bereits Andrew Jackson machte im frühen 19. Jahrhundert Politik, indem er seinen Hinterwäldlercharme gegen die arrogante Kompetenz von John Quincy Adams ausspielte, und damals gab es weder Fernsehen noch Internet. Und wie oft lachen selbst wir darüber, wenn wieder einmal ein Politiker der Lächerlichkeit preisgegeben wird, und wie oft rümpfen wir die Nase, wenn sie nicht Goethe rezitieren können? Wie schnell sind wir mit dem Vorwurf bei der Hand, “die Politiker” verstünden von den Problemen der “kleinen Leute” nichts? Und wer möchte von einem Politiker vertreten werden, der ernsthaft gerade eben noch die Flure des Arbeitsamts durchwanderte? Der Wähler ist schizophren, und nirgends wird das so deutlich wie hier.

    Stefan Sasse

    46 Kommentare Print This Post
    von Stefan Sasse Aus irgendeinem Grund gilt es als eine notwendige Bedingung für Erfolg in politischen Spitzenämtern, dass er jeweilige Kandidat glaubhhaft als ein Durchschnittsmensch präsentiert werden kann. Zu jedem Wahlkampf gehört damit fast automatisch der Beweis, dass der jeweilige Kandidat "bierzelttauglich" ist, wie es in Deutschland gerne heißt, dass er oder sie an "normalen" ...
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    46 Kommentare:

    1. pmn schrieb am 2. Januar 2012 at 15:47 - Permalink

      Lieber Herr Sasse, sie sollten nicht vergessen, dass “Öffentlichkeit” ein Produkt der Massenmedien und PR-Unternehmen ist, die vom “Wähler” nicht mehr wissen, als ihre eigenen Beobachtungsinstrumente hergeben. Das “Average-Guy-Syndrom” ist dabei wohl auf eine Risikovermeidungsstrategie zurückzuführen, die gerade deshalb gewählt wird, weil der antizipierte Wählerwille mit der Entscheidung in der Wahlkabine ziemlich wenig zu tun hat.

      • Stefan Sasse schrieb am 2. Januar 2012 at 20:24 - Permalink

        Wie gesagt, ich denke diese Schizophrenie ist auch so in den Leuten angelegt.

        • t schrieb am 2. Januar 2012 at 21:35 - Permalink

          Könnte ja auch eine breit vorhandene kognitive Dissonanz sein, die uns immer vermuten lässt die anderen seien die ganzen Bildleser und RTL Zuschauer.

          • Frank Powers schrieb am 3. Januar 2012 at 11:43 - Permalink

            Ich lese niemals BILD und ich schaue niemals RTL. *Yay!*

    2. ZwischenSpeicher schrieb am 2. Januar 2012 at 16:23 - Permalink

      Ich bin mir nicht sicher, ob das Phänomen des Average-Guy hier so passt. Der Wulff tut ja nicht so, als sei er mittelmäßig, er ist (!) mittelmäßig. Vielleicht ist das heutzutage, wo Kandidaten von Medien gemacht werden, auch egal. Sie müssen nicht mehr so tun, sie müssen tatsächlich so sein, denn nur solche Typen lassen sich ja auch im Sinne der verschiedenen Interessengruppen instrumentalisieren.

      Bei Wulff scheint mir ein anderer Aspekt interessanter. Etwas, das ich als unfreiwilliger Beobachter besserer Kreise schon häufig gesehen habe. Nämlich die Selbstverständlichkeit, mit der man sich seine Freunde nach deren Nützlichkeit und Bedeutung aussucht. Da ist es kein Problem, mit einem permanent besoffenen Arzt befreundet zu sein, wenn man dafür die Möglichkeit hat, dessen Jagt-Pacht mit zu benutzen. Solche gegenseitigen Freundschaftsbeweise, die richtig viel Geld sparen, sind ab einer gewissen gesellschaftlichen Ebene absolut gängig. Voraussetzung ist natürlich, dass man dem Gegenpart auch etwas zu bieten hat und sei es nur die Aura des gesellschaftlich noch höher stehenden. Motto: Stehst Du nicht auf gleichem gesellschaftlichen Niveau, musst Du mindestens eine Jagt-Pacht besitzen. Niemand hat da Skrupel. Deshalb versteht man in den besseren Kreisen wahrscheinlich gar nicht, wo bei Wulff überhaupt das Problem liegt. Ganze Cocktail-Party Gespräche drehen sich nur um diese beiden Themen. Herauszufinden, wo jemand gesellschaftlich steht und umgekehrt, was der andere materiell für einen tun könnte. Wulff hat dieses Prinzip als gesellschaftlicher Aufsteiger offensichtlich instinktiv begriffen und seine wachsenden gesellschaftlichen Positionen in diesem Sinne zu nutzen gewusst.

      • Der Schachspieler schrieb am 2. Januar 2012 at 22:45 - Permalink

        Also ich finde das Thema Wulff ziemlich passend zu dem Beitrag von Herrn Sasse.

        Der Wulff ist in meInen Augen so ziemlich das Paradebeispiel von einem Durchschnittsbürger.

        Wer braucht heuzutage den einen Kredit um ein Haus zu bauen?

        • Stefan Sasse schrieb am 2. Januar 2012 at 23:57 - Permalink

          Höh?

          • Der Schachspieler schrieb am 3. Januar 2012 at 08:13 - Permalink

            Hirz…..

        • sternburg schrieb am 3. Januar 2012 at 08:16 - Permalink

          Der Wulff ist in meInen Augen so ziemlich das Paradebeispiel von einem Durchschnittsbürger.

          der wulff in uns? also in mir steckt kein wulff:))

          http://www.youtube.com/watch?v=d6uoGXoZ4k0&feature=related

          Wer braucht heuzutage den einen Kredit um ein Haus zu bauen?

          himmm … für mich ganz klar ein unterschied: mensch meier und irgendwelche werbegeschenke und top of the tops aus der politischen elite, die sich von industriellen schmieren lassen. so was ist bei mir nicht auf der selben ebene. ging es nur um einen hauskredit bei dieser geschichte? hat er nicht den ehemann seiner kreditgeberin, mit auf eine bundespräsidentenreise genommen? auf jeden fall hilft es nicht, wenn man von wulff auf alle schließt. so was “passiert” eben? naja…..

          http://lockerz.com/s/105668655

          vielleicht kann mir mal einer hier erklären, warum es ok sein soll, das ich einen kredit von einer ehefrau bekomme, weil ich ja mit ihrem ehemann keine geschäftsbeziehung pflege? was mich an wulff und gutenberg nervt und abstößt ist diese juristische rumtrickserei: reicht es in deutschland aus, das einer im juristischen sinne nicht gelogen hat?

          http://vimeo.com/20230217 wer dirigiert die welt:))

          • Der Schachspieler schrieb am 3. Januar 2012 at 08:36 - Permalink

            Naja,
            hätte er wirklich ein paar Millionen abgesahnt und richtig ins Töpfchen gegriffen würde ich ja nichts sagen. Das wäre ja fast schon normal in der Szene.
            Aber “der Arme” wollte sich doch nur seinen Traum vom eigenen Häusschen erfüllen :-), Träne kommt gleich raus.
            Und dann hat er sich ein paar Zinsen erschlichen, oh wie furchtbar.
            Dieser Zustand:
            Eigenes Heim wollen und als Bittsteller schauen wo man die billigsten Zinsen bekommt scheint mir ziemlich durchschnittsbürgerlich, wenn nicht zu sagen normal.
            So was kann man nicht unbedingt mit dem verwöhntem Supper-Gutti vergleichen.
            Oder noch traugier formluiert :
            Papa ich will einmal Präsident werden, dann kann ich mir vielleicht auch ein Haus leisten, bei den Kreditkonditionen……
            Einen Ackermann kostet so was ein müdes Lächeln……

            PS: Das sich dann noch der höchste politiker im Staat mit dem Axel Springer Verlag anlegen will, scheint am rande eine sehr interessante Notiz zu sein

            • sternburg schrieb am 3. Januar 2012 at 08:59 - Permalink

              hätte er wirklich ein paar Millionen abgesahnt und richtig ins Töpfchen gegriffen würde ich ja nichts sagen. Das wäre ja fast schon normal in der Szene.

              Aber “der Arme” wollte sich doch nur seinen Traum vom eigenen Häusschen erfüllen :-), Träne kommt gleich raus.

              hehehe… haste recht. aber vielleicht ganz geschickt von ihm die ganze story auf hausbau und kredit-unter-freunden-organisieren laufen zu lassen. wie schön das klingt. sogar ohne böse banken, die nicht mal richtig mitverdienen können dabei:)) vielleicht auch ganz gut, um so davon abzulenken, das es im kern darum geht, das er den landtag getäuscht hat? vielleicht, weil es kein einzelfall bei ihm ist? vielleicht weil er darum weiß? lauter einzellfälle und am ende wieder nur das bild vom korrupten politiker?

              Papa ich will einmal Präsident werden, dann kann ich mir vielleicht auch ein Haus leisten, bei den Kreditkonditionen……

              himm … @ Der Schachspieler sei nicht böse, aber mir klingt das zu sehr nach das-ist-ganz-natürlich-und-würde-jeder-andere-von-uns-auch-so-machen. habgier ist nicht menschlich, sondern kulturbedingt.

              http://www.youtube.com/watch?v=pmYFG7O0bVM

              manch einer könnte bei diesen leuten denken, das es nur noch gierlappen gibt und das das ganz normal ist. dabei vergessen wir, das es noch andere arten von zusammen leben gibt, als unsere hier.

              ps.: vielleicht würde so manch ein vom eigenheim träumender vater intelligenter an die sache ran gehen, wenn er bundespräsident ist, als dieser xxxxxxx: papa hat nun den spitzen politikerposten und schau an was er macht: grade jetzt geht er zur bank und zahlt dann eben beschissene 1% mehr zinsen. so was nennt man fingerspitzengefühl. da sollte das auch wieder mit dem integeren eindruck klappen:))

    3. Julia schrieb am 2. Januar 2012 at 16:27 - Permalink

      Mich interessiert es herzlich wenig, welche Musik ein Politiker hört, wie viel Geld er auf seinem Konto hortet oder was er am liebsten isst. Was ich aber wenigstens von unserem höchsten Amt erwarte ist Ehrlichkeit und Anstand. Ein Bundespräsident, der Maschmeier als Freund bezeichnet und in dessen Kreisen verkehrt, sollte umgehend abtreten, bzw. wäre besser niemals als Bundespräsident gewählt worden. Wir erwarten von unseren jungen Menschen Anstand, Ehrlichkeit und Redlichkeit und schaffen es nicht einmal das höchste Amt Deutschlands mit einem einigermaßen anständigen Politiker zu besetzen. Das ist weit anstößiger als spießige Deutsche, die meinen ein Politiker wäre volksnah, weil er Schweinshaxe fr*sst.
      Julia

      • sternburg schrieb am 3. Januar 2012 at 08:39 - Permalink

        @ Julia

        Was ich aber wenigstens von unserem höchsten Amt erwarte ist Ehrlichkeit und Anstand. Ein Bundespräsident, der Maschmeier als Freund bezeichnet und in dessen Kreisen verkehrt, sollte umgehend abtreten, bzw. wäre besser niemals als Bundespräsident gewählt worden.

        yo… wer in d. einen gutbezahlten politikerposten haben will und bekommt, der legt einen amtseid ab. daran sind auch politisch-ethische vorgaben geknüpft. kann es sein, das aber sog. integere politiker (bei cduspdgrünefdp) in einer entsolidarisierten gesellschaft, einfach nur fehl am platze sind und gar nicht erst hochkommen? schon zynisch z.b. das entwicklungsministerium mit einem fdp mann zu besetzen:))

    4. Karla schrieb am 2. Januar 2012 at 17:39 - Permalink

      “Die Schizophrenie des Wählers” – das ist schön gesagt und erklärt auch so manches, was auf den ersten Blick seltsam wirkt. Aber für das “average guy syndrom” spielt diese Schizophrenie und überhaupt der Wähler eine eher untergeordnete Rolle (jedenfalls in Deuschland). Man muss doch bedenken, dass das Politikerspektrum, das dem Volk präsentiert wird, bereits erheblich vorselektiert ist. Und zwar jeweils durch die innerparteiliche Auslese. Das, was bei dieser Auslese am Ende rauskommt, war entweder von vornherein mittelmäßig, oder ihm/ihr wurden im Zuge der Auslese alle Ecken und Kanten abgeschliffen, wie man so schön sagt.

      Zwar sollte ein Kandidat auch bei der innerparteilichen Auslese gewisse “gute” Eigenschaften zeigen (gute Ideen haben, gut reden können, überzeugen können usw.), um in seiner Partei Förderer zu finden und aufsteigen zu können. Aber er darf sich auch nicht zu gut präsentieren, weil es neben potenziellen Förderen auch jede Menge Konkurrenten gibt, die einen auffällig Talentierten ausbremsen werden. Das Parteiensystem produziert also zwangsläufig Mittelmäßigkeit, und aus den verschiedenen Mittelmäßigkeiten darf der Wähler dann auswählen. Häufig tut er das dann anhand von Äußerlichkeiten, vielleicht irgendetwas Schillerndes oder (kontrolliert) Schräges. Siehe KT. Diese Gruppendynamik ist in allen Parteien ziemlich gleich, und deshalb sind auch die Parteien (genauer eigentlich: ihre Repräsentanten) so ähnlich.

    5. R_Winter schrieb am 2. Januar 2012 at 17:49 - Permalink

      Kompetenz ist als Spitzenpolitiker nicht erwünscht. Er/sie könnten ja Probleme bereiten bei seinen Investoren.
      Mittelmaß ist angesagt und darum streiten sich alle (fast alle) Parteien um die Mitte.
      Jeder mittelmäßig Begabte kann im Vorstand eines DAX-Unternehmens sitzen, denn bekanntlich wird jede Entscheidung (und wenn sie noch zu blödsinnig ist) von den nachgeordneten Stellen “hin-gebogen”. Jeder Bürger, der drei Sätze frei sprechen kann, kann in dieser Republik Bundeskanzler werden – Kenntnis schadet nur.
      Vielleicht sollte ich mich als Kanzlerkandidat bewerben, denn an Unzulänglichkeiten habe ich keinen Mangel……………………….

      • Dietrich schrieb am 2. Januar 2012 at 18:59 - Permalink

        Gehe ebenfalls davon aus ,dass die Mittelmäßigkeit nicht inszeniert, sondern schlicht real ist.

        Was mich beim Thema Wulff viel mehr bewegt: Ich krieg Null% auf Girokonto, Null% auf Festgeld bis 3000.-€, darüber 1/2%. Bei Kontoüberziehung zahle ich 16-18% Überziehungskredit.
        Wenn also allen Politikern ab einer bestimmten Ebene höchste Bonität eingeräumt wird, sprich 0,9 bis 2,1% Zins beim Kredit von einer halben Million, zahle ich für diese Mittelmäßigkeit nicht nur mit meinen Steuergeldern, sondern finanziere auch noch indirekt Vergünstigungen, die einem normalen Bankkunden nicht zugänglich sind. Ein drittes Mal zahle ich dann dafür, dass diese begünstigten Politiker parteiübergreifend, die von mir mitfinanzierten Steuergelder wiederum mit vollen Händen in den Rachen der Banken stopfen, während das Schwimmbad, dass ich dringend wegen Wassergymnastik für meinen Rücken bräuchte, wegen Geldmangel geschlossen wird.

        Man sollte keinen Politiker mehr wählen, der seine finaziellen Verhältnisse nicht freiwillig bis auf den letzten Cent offenlegt.

        • R_Winter schrieb am 2. Januar 2012 at 20:04 - Permalink

          Wenn also allen Politikern ab einer bestimmten Ebene höchste Bonität eingeräumt wird,…….

          Wenn es nur “Politiker” wären…..
          …..und was ist beim Autokauf von Journalisten? Oder bei Hypothekenkrediten bei Beamten? Oder Preisvorteile verschiedener Art von Parteimitglieder? Die Vorteilnahme hat viele, sehr viele Namen.

          • Dietrich schrieb am 3. Januar 2012 at 04:28 - Permalink

            Okay, schon klar.
            Die angeblich “völlig normale”, daher systematische Begünstigung ranghoher, wählbarer Vertreter des Volkes und der Legislative, ist aber schon noch mal eine besondere Hausnummer.

    6. Sammy schrieb am 2. Januar 2012 at 19:07 - Permalink

      Dieser Artikel ist ein schönes Beispiel, wie schnelllebig unsere Welt doch ist. Angesichts der aktuellen Vorwürfe, die gerade durch die Medien (Radio und Fernsehen) rauschen, Wulff hätte BILD-Chefredakteur Diekmann harsch angegangen und sogar gedroht wenn seine Häuslesfinanzierung öffentlich würde; und das auch noch (man mag es kaum glauben) auf die Mailbox gesprochen sieht es so aus, dass sich dieser Bundespräsident längstens noch eine Woche im Amt halten kann.

      Mit diesen aktuellen Informationen im Kopf kommt der Artikel über den “Average Boy” natürlich daher wie eine lahme Ente.

      Dafür kannst Du natürlich nichts lieber Stefan, aber es ist schon ganz interessant wie die Geschwindigkeit der Ereignisse manchmal sogar das Internet überholt …..

      • ZwischenSpeicher schrieb am 2. Januar 2012 at 19:22 - Permalink

        War da heute nicht was mit der Nahles? Irgendwie Kompetenzentzug wegen mangelnder Kompetenzen die Wahlkampforganisation betreffend?
        Tagesaktuell.
        Überhaupt, warum die Nahles der führende Kopf der Linken in der SPD sein darf. Das wäre ein relevantes Thema im Zusammenhang “Mittelmäßigkeit von Politikern”. Aber doch nicht dieser Grüß-August-Onkel aus dem Bundespräsidialamt!

        • Sammy schrieb am 2. Januar 2012 at 20:31 - Permalink

          Leider bin ich kein “Frauen-Versteher”
          und auch kein “SPD-Versteher”

          Es ist mir völlig schleierhaft welche Kompetenz oder skill die Frau Nahles haben soll. Ich finde sie jedesmal wenn ich sie sehe nur grauenvoll und megapeinlich.

          Daher ist es mir auch komplett Schleierhaft wie diese Person in einer großen Partei so weit kommen konnte.

          Die alte Schowi-Vermutung “hoch geschlafen” schließe ich gleich mal aus …. :)

          • ZwischenSpeicher schrieb am 2. Januar 2012 at 21:24 - Permalink

            Gerade dieses interessante Zitat in der FAZ gefunden:

            „Es ist keine Entscheidung gefallen.“ Das klingt kleinlaut und mag damit zusammenhängen, dass ihr auf dem Bundesparteitag bei ihrer Wiederwahl nur deshalb eine Schmach erspart blieb, weil die Parteirechte die Losung ausgegeben hatte, es gelte eine weitere Schwächung der einstigen Cheflinken zu verhindern.

            So ist das heute. Wer in der SPD den linken Flügel anführen darf, bestimmt die Parteirechte.

            Und wer dort Bundesfunzler-Kandidat werden darf, bestimmt ein Rüstungslobbyist und Hintlerbänkler vom Rechts-Außen-Flügel der SPD, der nur deshalb im Parlament sitzt, weil er großzügig seinen ostfrisischen Jusos häufiger mal einen Kasten Bier spendiert.

            • Sammy schrieb am 2. Januar 2012 at 23:18 - Permalink

              Danke. Diese Erklärung sagt sehr viel über den Zustand der “Sozen”. Verrottet von der Basis her bis untern Dachstuhl. (Tschuldigung an eventuell mit lesende SPD ler, aber spätestens seit Schröders Agenda 2010 ist die SPD ohnehin nur noch ein Zombie, eine angsteinflößende Scheintote)

            • schwitzig schrieb am 3. Januar 2012 at 09:23 - Permalink

              @Sammy

              Verrottet von der Basis her bis untern Dachstuhl.

              Ja, so sieht sie aus: die Demokratiezersetzende Etikettenschwindel-Partei.
              Es lohnt sich noch nicht einmal mehr, da reinzutreten. Soviel Scheisse am Schuh bekommt man nie wieder abgewischt.

      • Karsten Bier schrieb am 3. Januar 2012 at 16:28 - Permalink

        Mit diesen aktuellen Informationen im Kopf kommt der Artikel über den “Average Boy” natürlich daher wie eine lahme Ente.

        Diesen Zusammenhang verstehe ich nicht. Könntest du das näher erläutern? Inwiefern schwächen die jüngsten Ereignisse diesen IMO guten Artikel?

    7. Cheops schrieb am 2. Januar 2012 at 19:19 - Permalink

      Wulff wollte für eigene Zwecke die Pressefreiheit beschränken und das auch noch beim Parteiorgan der CDU von Springer. Ich glaube, der Kerl merkt nichts mehr und ist dem Morbus Merkel verfallen, der seine Grundlagen noch im Stalinismus der DDR hat, wo die Presse staatlich gelenkt wurde.

    8. Hannes schrieb am 2. Januar 2012 at 19:31 - Permalink

      Dass Wulff überhaupt selbst zum Telefonhörer greift und anruft, anstatt sich standesgemäß verbinden zu lassen, spricht schon Bände.

      Wenn es andererseits stimmt, dass Diekmann bei dem Telefongespräch mit Wulff gesagt hat, dass mit dieser Entschuldigung von Wulff, für ihn die Sache erledigt sei und er diese anschließend an andere Redaktionen durchsticht, zeigt welch einem charakterlosen Schmierfink sich der BP ausgeliefert hat.

      • Sammy schrieb am 2. Januar 2012 at 20:38 - Permalink

        Wulff und Diekmann: Ein echtes “Sitten-Gemälde” unserer Zeit.

        Da wird mit Sicherheit in ein paar Jahren ein hübscher, moralisierender Fernsehfilm draus.
        Ich sichere mir gleich mal die Rechte… :)

    9. transwarp schrieb am 2. Januar 2012 at 20:35 - Permalink

      Ja, so richtig skandalös ist das ganze sicher nicht, eher armselig: Kredit zu Mein-Buddy-in-der-Politik-Konditionen und bezahlte Werbung für ein vermutlich ödes Buch des Herrn Bundespräsidenten.
      Aber eines bleibt: ‘Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.” — auch wenn das einige Deutschnationale innerhalb und außerhalb der FDP nicht gern hören ;-)
      Oder soll Wulff deshalb demontiert werden ?
      Wulff greift Euro-Retter an
      “Wulff sagte, eines der Grundprinzipien der Marktwirtschaft sei “Risiko und Haftung gehen Hand in Hand”. Wer Risiken eingehe, könne auch scheitern. “Dieses Prinzip muss auch für den Finanzsektor gelten, für kleine Anleger wie für große Finanzinstitute.” Hier müsse Versäumtes dringend nachgeholt werden. ”
      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,782066,00.html
      Wulff wird von den Medien klar demontiert. Und einige unsere linken freunde hier auf SF, verteidigen die BILD… Bild und Pressefreiheit in einem Satz… Da kommt mirs kotzen…
      Eine der leuchtenden Ausnahmen als FDP-Europaabgeordneter, Holger Krahmer, hat das äußerst zutreffend in diesem Tweet zusammengefasst:
      Warum soviel Aufregung um 500.000 zu 4% für Herrn Wulf? Die EZB druckt 500.000.000.000 und verleiht es zu 1%. Das ist eine Aufregung wert!
      http://www.bissige-liberale.net/2011/12/22/was-zu-wulff/

    10. Sammy schrieb am 2. Januar 2012 at 20:43 - Permalink

      Warum soviel Aufregung um 500.000 zu 4% für Herrn Wulf? Die EZB druckt 500.000.000.000 und verleiht es zu 1%. Das ist eine Aufregung wert!

      Ich hab gewonnen! Ich kriege 500 zu 17% !

      Mann o mann, ich kriege heute keinen halbwegs ernsten Kommentar gebacken. Muss an meinem Hormon-Haushalt nach Silvester liegen …

    11. Mari schrieb am 2. Januar 2012 at 20:53 - Permalink

      Also ich finde, dass das Modell des “Average guy” in der Politik komplett fehl am Platz ist. Klar sollte der Politiker nicht unbedingt Haschisch rauchen, Leute ermorden oder mit Schimpfwörtern um sich schmeißen. Schließlich hat der politische Apparat ja scheinbar eine “moralische Verantwortung”, die die Medien immer wieder proklamieren. Aber auf der anderen Seite verschaffen sie sich Vorteile, treten die Pressefreiheit mit Füßen und haben schwierige Sexaffären.
      Das ganze Problem lässt sich sofort erkennen: Politiker haben in Tagen mit Lobbyarbeit und “Parteifreunden” so viele Versuchungen in der Politischen Landschaft, wie ein Kind im Süßwarenladen. Hier würde meist sogar der “average guy” zuschlagen und das große Bon-Bon schnell in die Tasche stecken. Gebt einem ganz normalen Menschen Macht am kleinen Finger und er nimmt die ganze Hand.
      Doch die deutsche Medienlandschaft verlangt, dass die politschen Köpfe Gutmenschen sind, die nicht in diesen Schlaraffenland zugreifen und nonnenhaft jeder Versuchung wiederstehen. Ist klar, dass das nicht gut gehen kann. Sonst wären alle Bundestagsabgeordnete das Ebenbild Ghandis.
      Somit ist es meiner Meinung nach faktisch nicht möglich die Rolle des “average guy” mit der Politik zu verbinden, da jeder einmal über ein Bein fällt. Es sollte jedoch nicht die Mailbox eines Medienhais sein…

    12. transwarp schrieb am 2. Januar 2012 at 21:02 - Permalink

      Anmerkung zu Ebenbild Gandhis : Auch so ein Medien/ Hollywood Bild…

      Gewaltlosigkeit war für ihn dennoch nur Mittel zum Zweck und kein Selbstzweck. “Wenn nur die Wahl zwischen Feigheit und Gewalt besteht, dann bin ich für Gewalt”. Diesen Grundsatz verfolgte er ein Leben lang. Er kämpfte auf Seite der Briten in Südafrika und befehligte eine Sanitäter-Kolonne im Kampf gegen sogenannte aufständische Zulustämme

      „Wo man nur die Wahl hat zwischen Feigheit und Gewalt, würde ich zur Gewalt raten.“
      Mahatma Gandhi (1869-1948), ind. Rechtsanwalt, Führer d. ind. Befreiungsbewegung

      • trent schrieb am 3. Januar 2012 at 00:31 - Permalink

        Gandhi “kämpfte” nicht an der Seite der Briten, er hat 24 Inder dazu überredet, Sanitätsdienst zu leisten. Die haben auch keinen bekämpft sondern, und das ist im Sanitätsdienst natürlich schon ziemlich ungewöhnlich, Menschen medizinisch betreut. Und zwar auf beiden Seiten. Anschließend äußerte er sich sehr bestürzt über die Gewalt, die von den britischen Truppen ausging. Aber das ist ja fast wie kämpfen.
        Womit ich nicht sagen möchte, dass sein Mythos in einigen Fällen größer ist als das, was er tatsächlich geleistet hat.

    13. Kaleido schrieb am 2. Januar 2012 at 22:01 - Permalink

      Ein Blick über den Teich kann nicht schaden. Die USA machen uns das alles schon vor. Wer da nicht mitmacht….Geld bedeutet Macht, Einfluß und Karriere. Sorry, aber ich bin da leider anders.

      Ob Schäuble, Wulff oder wer noch. Wer ohne …….werfe den ersten Stein….oder so…Wir ( Bürger; Wähler ) sind nicht mehr bereit, selber Hand anzulegen, wir meckern lieber. Gut beraten, sich mal den Volksaufstand Argentinien 2001 näher anzuschauen. D a s waren Veränderungen. Auch wenn es hier eher Richtung Wirtschaft und Schulden geht – es besteht, meine ich, immer ein Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Politik.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Argentinien-Krise , http://soeren-en-bsas.blogspot.com/2008/03/2001-arg-krise.html , http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/staatsbankrott-das-beispiel-argentinien-1955217.html.

      Nur meine Meinung. Schönes neues und friedliches Jahr 2012, allen Lesern und natürlich J. Berger. Weiter so.

    14. A.L. Dreyfus schrieb am 2. Januar 2012 at 22:09 - Permalink

      Ich halte den Wähler nicht für schizophren. Eher ist es so, dass die Wähler verschiedene Präferenzen haben und Politiker versuchen, all diesen Präferenzen gerecht zu werden. Nicht der Wähler, sondern der Politiker ist also (gezwungenermaßen?) schizophren.
      Ich persönlich finde es wichtig, dass Politiker wenigstens einigermaßen authentisch sind, ob sie Goethe auswendig kennen oder lieber Bratwurst essen und Hefeweizen trinken.
      Christian Wulff z.B. ist zu 100% nicht authentisch. Er mäandert schon so lange opportunistisch vor sich hin, dass er, wenn er überhaupt mal eine Persönlichkeit hatte, diese auf dem Weg irgendwo verloren hat. Das merkt man ihm in jeder Äußerung, bei jeder Bewegung an. Er ist das Opfer seiner eigenen schizophrenen Angepasstheit geworden.

    15. taxus schrieb am 2. Januar 2012 at 22:54 - Permalink

      Mich würde ja mal interessieren, was der eigentliche Background dieser Posse ist.

      Dass der Wuff sich bisher tölpelhaft² verhalten hat ist ja das Eine und dass dieses Verhalten entsprechend kommentiert & beurteilt wird ist auch okay.

      Aber in irgendjemandes Pool muss der doch (bereits im Vorfeld des Ganzen) gepinkelt haben, dass er jetzt so vehement und nachhaltig zum ‘Abschuss freigegeben’ wurde.
      Diese (selten dämliche) Drohung auf Diekmanns AB & die nachträgliche Entschuldigung sagt ja was. Auch das Versprechen seitens ‘Bild’, nach dem ‘skusi’ sei alles ‘erledigt’.

      Wars ja auch, ‘Bild’ hat das Versprechen gehalten und die AB-Story nicht angefasst. *g*

      Wulff scheint einfach nur dämlich … , das müssen aber schon mehrere in seinem Umkreis mitbekommen haben, die ihn auch protegierten & überhaupt soweit steigen lassen haben.

      Weshalb dieser willfährige Narr auf einmal in Ungnade fällt ist mir schleierhaft.
      Die dumme Kartoffel wird auf einmal zur heissen Kartoffel – Nahrung fürs Volk.

      Aber Warum auf einmal? Das hätte man doch schon früher ordentlich aufmischen können.

      Kann einem fast leid tun der arme Präsidentenlehrling Wuff …,

      … und nun sollen seine Geister, auch nach meinem Willen leben.
      … die Geister, die ich rief, werd’ ich nun nicht mehr los …

      Vielleicht sollte sich morgen Wulff mal hinstellen und den Zauberspruch:
      ‘Besen, Besen – sei’s gewesen’ verkünden…

      Das wird er aber glaube nicht schaffen, dafür haben sich dunkle Mächte bereits zusehr auf den armen Zauberlehrling eingeschossen ;-))))))))))))))))))

      • Peleo schrieb am 2. Januar 2012 at 23:13 - Permalink

        der eigentliche Background dieser Posse

        Das ist in der Tat die Frage.

        Vielleicht als Warnung in Richtung Kanzleramt? Obwohl ich mir schwer vorstellen kann, dass bei Angie was Vergleichbares zu finden sein könnte.

        • Sammy schrieb am 2. Januar 2012 at 23:30 - Permalink

          Teflon-Angie

          Irgend wie stockt bei dieser Dame die Aufklärung ihrer DDR-Vergangenheit massiv. Ist schon recht witzig mit anzusehen wie zB im Fall Gysi alle Register an Beweisen und Verdächtigungen gezogen werden, während die Existenz der FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda im Nebel verschwindet. Selbst harmlose Bilder von ihr aus Stasi-Archiven werden gerichtlich der Öffentlichkeit vorenthalten. Bei Gysi wäre so was eine BILD-Titelgeschichte …. irgendwie befremdlich in einem aufgeklärten Land mit Pressefreiheit. Was nutzt die Freiheit, wenn sie nicht war genommen wird aus wirtschaftlichen oder machtpolitischen Interessen?

      • FetteBeute schrieb am 3. Januar 2012 at 02:20 - Permalink

        @taxus
        Wäre ich Journalist, dann würde ich mir mal anschaun welche Gesetze vom Bundespräsidenten noch zu ratifizieren sind. Bei Gesetzen von denen vermutet wird, dass sie nicht verfassungskonform sind, kann der Bundespräsident seine Unterschrift verweigern. Die Gesetze werden dann nicht rechtskräftig.

        An dieser Ecke könnte es beispielsweise zu einem Machtkampf gekommen sein beziehungsweise sind wir aktuell sogar Zeugen eines Machtkampfs. Aber das müsste man recherchieren.

        Warum macht eigentlich keiner dieser verdammten Journalisten mehr seine Arbeit? Diese abgefuckten Typen sehen sich anscheinend nur noch als Propagandisten die Auftragsarbeiten von Geldgebern erledigen.
        Denn: Ginge es um Korruption, warum wird dann nicht einmal der riesige Korruptionssumpf der aktuellen bzw. der ehemaligen (Rot-Grün) Bundesregierung aufgearbeitet?
        Außerdem: Das Niedersachsen ein einziger Korruptionssumpf (wegen VW beispielsweise) ist, ist doch den politischen Beobachtern seit langem bekannt. Im Fall Wulff geht es ganz klar darum eine Einzelperson abzuschießen.
        Aber was soll der Mann denn verbrochen haben? Ein Kredit zu niedrigem Zinssatz? Je niedriger das Ausfallrisiko, desto niedriger der Zinssatz, oder? So haben wir das gelernt. Und bei den Bezügen die der Mann bekommt (und zukünftig bekommen wird) ist das Ausfallrisiko wohl denkbar niedrig. Hier wird etwas konstruiert. Ganz sicher. Eine Pressekampagne. Wer finanziert das Ding? Welche Personengruppe ist daran interessiert den Bundespräsidenten zu entfernen und nimmt dabei in Kauf, dass das Amt beschädigt wird?

        Immerhin ist die Sache auch strafrechtlich relevant (Verunglimpfung des Bundespräsidenten § 90 StGB).

        Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Bundespräsidenten verunglimpft, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

        Eine verdammt seltsame Geschichte.

        • schwitzig schrieb am 3. Januar 2012 at 09:31 - Permalink

          @FetteBeute

          Aber was soll der Mann denn verbrochen haben?

          Nichts. Genau wie Berlusconi. Der hat auch nichts verbrochen. Und wenn es ulkige Zusammenhänge z.B. mit Porsche gibt, sind das alles Zufälle.
          Allerdings hast Du wohl Recht damit, dass er irgendwem auf die Füsse getreten ist, der jetzt die Aufdeckungskampagne (das ist etwas völlig anderes als eine “Schmuzt”kampagne) initiert hat.
          Normalerweise ist Korruption in Deutschland bei Politikern straffrei – und das ist tatsächlich noch nicht einmal eine Polemik, sondern Tatsache.

    16. Bo Roberts schrieb am 2. Januar 2012 at 23:15 - Permalink

      Wulff, der als „Young Leaders“ – Alumnus der deutsch – amerikanischen Eliteschmiede Atlantik-Brücke über einen soliden Netzwerk-Background verfügt, scheint dieselbe Verteidigungsstrategie wie sein „Young Leaders“ Kollege Guttenberg zu wählen: Salamitaktik.

      http://tinyurl.com/ctzh4gg

      • Sammy schrieb am 2. Januar 2012 at 23:39 - Permalink

        Jau.

        Der Gag der ganzen Geschichte ist, das diese Taktik (Salamitaktik) ausschließlich ein Spiel auf Zeit ist und (in den allermeisten Fällen) nicht aufgeht.

        Die Taktik, die ich “Hose runter, wahres Gesicht gezeigt” nenne ist da bei Weitem Erfolgversprechender. Alles was in absehbarer Zeit Thematisiert werden könnte gleich mal in einem Aufguss und voller Reue gestehen, Gewissen zeigen, Besserung geloben und gut ist.

        Aber es liegt wohl im Wesen des Menschen eher auf das Prinzip Hoffnung zu setzen (selbst wenn die Situation schon hoffnungslos ist) als auf knallharte Strategie.

    17. Olivia P. Moore schrieb am 2. Januar 2012 at 23:25 - Permalink

      PolitikerInnen sind schon immer größtenteils überbewertet,überschätzt worden. Nur war die mediale Informationsflut – gerade auch über das (zensurfreie) medium Internet – nicht so groß wie in der Vergangenheit.

      Wenn man mal bedenkt, das derat provinziell kleingeistige Leute wie Oettinger, Koch – Mehrin .. in Brüssel sitzen ,die über die Zukunft von Europa mitentscheiden und wenn man sich mal weiter vorstellt,das vielleicht alle anderen EU-Länder ebenfalls ihre ähnlich gelagerten “Experten” dort “endlagern”; daß selbst ein Guttenberg “weggebrüsselt” und immer noch hofiert wird – dann braucht man sich über die katastrophale Entwicklung nicht wundern. Nicht in Europa,nicht in den USA …
      Wieviel Ministerpräsidenten sind in der jetzigen Regierungszeit von Frau Merkel zerschlissen worden ? Mittlerweile 8 ? Und wo sitzen die jetzt alle,in welchen Ämtern, die Kochs,Rüttgens,Müller,Althaus’, Wulffs … ?
      Wir werden von einer Partei mitregiert, die bundesweit optimistische 3 % erreicht. Der dortige Parteivorsitzende ist unser Vizekanzler.

      Politische Immunität fördert ,bzw. beschleunigt ja quasi noch den moralischen Verfall , wenn er nicht schon vorher subtil vorhanden war. Persönliche Haftung, strafrechtliche Konsequenzen .. wie es die “normalen” Bürger zu erwarten haben, fallen (größtenteils) weg.
      PolitikerInnen verlangen,das wir Respekt vor ihrem Amt haben sollen. PolitikerInnen vergessen den Respekt vor uns – das sie gewählte Volksverteter und keine erwählten Volkstreter sind. PolitikerInnen vergessen den Respekt vor ihrem Amt. PolitikerInnen vergessen den Respekt vor den von ihnen geleisteten Amtseid.
      Ein Herr Schäuble kann mal eben eine Schublade vergessen und wird Finanzminister.
      Eine Kassiererin,die einen 1,30 € Kassenbon unterschlägt wird ohne Abmahnung wegen dieser Tat fristlos entlassen,weil “ein irreparabler Vertrauensverlust” entstanden ist.

      Uns allen ein ereignisreiches Jahr 2012.

    18. The Joker schrieb am 3. Januar 2012 at 02:08 - Permalink

      Der arme Kai Diekmann!
      Der arme Mathias Döpfner!
      Passend zum Thema eine vergessene 80er Pop-Perle:

    19. Heldentasse schrieb am 3. Januar 2012 at 12:29 - Permalink

      M.E. passt “Hilfe ich bin Bundespräsident !” in den Kontext.

    20. Frau Lehmann schrieb am 4. Januar 2012 at 12:25 - Permalink

      Natürlich geben sich eine Menge unserer Politiker gerne volksnah. Wenn sich z.B. der damalige Ministerpräsident Thüringens Vogel auf einer Karnevalsveranstaltung im unbedeutenden Zella-Mehlis blicken lässt, erinnert mich das aber v.a. an das Verhalten von “Majestäten”, die dem Volk gerne mal ihre Anwesenheit gönnen. Denn in einer Dokumentation über den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium verhielt er sich in einem Gespräch gegenüber den AbiturientINNen, die die Vereinigung “Schrei nach Veränderung” gegründet hatten, äußerst (und für mich erschreckend) wohlwollend-herablassend – vergleichbar mit einem Vater zu seinem zwar irgendwie auch geliebten, aber doch auch nicht ganz ernst zu nehmenden Sohn. Ich würde es gönnerhaft wirkende Herablassung nennen. Ich denke, das dieses Verhalten viel weniger mit schizophrenem Verhalten des Wahlvolkes zu tun hat als mit eben der Einstellung der Politiker zum Volk, das sie größtenteils für dumm, oder sagen wir mal einfach gestrickt, halten. Und das hat ja auch was, wenn jemand sagen kann: “Stell dir mal vor, ich habe mit unserem Ministerpräsidenten an einem Tisch gesessen. Du, der ist genauso wie du und ich…” Der Normalbürger fühlt sich “erhoben”, der Politiker kann sich dessen Gunst sicher sein und sich wie ein geliebter König in dieser Gunst sonnen. Schon die imer gleiche Aussage unserer Politiker, wenn nicht ankommt, was verkündet wird: “Wir haben es dem Wähler” nicht richtig erklärt”, unterstreicht mehr den arroganten Blick auf den Wähler denn eine Reflexion eigenen Unvermögens. Dahinter steckt ganz klar eine Strategie der Politiker (je einfacher und volksnäher desto erfolgreicher), nicht in erster Linie das Reagieren auf einen imaginären Wählerdruck. Wie kann ein Politiker denn auch vom Volk verlangen, dass es seine intellektuellen “Ergüsse” verstehen könnte. Diese Verschiebung vom (so schwer zu verstehenden) Inhalt zu einem oberflächlichen Bild, also von politischen Aussagen zu einer Person, die sie “nur” repräsentiert, hat in den letzten Jahren (auch nach amerikanische Vorbild) immens zugenommen. Die angeführten optischen Geschmacks”fehltritte” einer Angela Merkel fallen ja noch in eine Zeit, als sie “das Mädchen” Kohls war, sind daher m.E. für das von Sasse beobachtete Phänomen nicht relevant. Ihr kam es damals bestimmt noch nicht auf ein Image an, dass sie pflegen wollte. Auch wenn, genauso wie Kohls zur Schau gestellte “Harmlosigkeit” und “Gemütlichkeit”, es ihr durchaus später auch zu Gute kam, indem sie, wie auch Kohl, hinsichtlich ihrer Machtstrategie unterschätzt wurde (wahrscheinlich nicht nur vom Volk). Ja klar, die Hähme und der Spott werden so auch gerne in Kauf genommen, wobei diese ja in erster Linie von den Medien aufgegriffen werden, womit u.a. auch das “Bedürfnis” nach Klatsch und Tratsch des sog. Normalbürgers befriedigt wird. Der so zur Schau gestellte, sich zur Schau stellende Politiker kann so das Gefühl vermitteln, er sei einer von uns, nicht abgehoben – bei Merkel soll es heute wohl eher das pragmatische Element unterstreichen. In Wirklichkeit wird das aber nur vorgespielt, ein Image für eine bestimmte Zielgruppe wird gepflegt. Offensichtlich und leider! scheint das irgendwie ja auch zu funktionieren, so nach dem Motto Tucholskys: Sag mal, verehrtes Publikum, bist du wirklich so dumm…” Darüber könnte man dann wieder trefflich streiten. Ich kenne z.B. einige durchaus kritische Zeitgenossen, die dennoch Merkel (als Person, nicht Kanzlerin und Vertreterin der CDU) für sowas von gut halten… :((


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