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  • Merkozy und die Finanztransaktionssteuer

    geschrieben am 12. Januar 2012 von Spiegelfechter

    Glaubt man den politischen Berichterstattern, steht Kontinentaleuropa kurz vor der Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Es ist jedoch zu früh, die Sektkorken knallen zu lassen. Es gibt wohl nur wenige regulatorische Instrumente, die sich so leicht durch handwerkliche Fehler im Gesetzestext sabotieren lassen, wie es bei der Finanztransaktionssteuer der Fall ist. Sarkozy will im April wiedergewählt werden und Merkel steht nun in der Bringschuld, behauptet sie doch seit längerem, die Finanztransaktionssteuer (FTS) einführen zu wollen. Die starke Finanzlobby lehnt die FTS jedoch nach wie vor grundsätzlich ab. Das sind nicht unbedingt die Rahmenbedingungen, von denen man eine ernsthafte und lückenlose Umsetzung der FTS erwarten kann.

    Es gibt keine allgemeingültige Definition, was die FTS im Detail eigentlich sein soll. Streng genommenen ist der Begriff somit eine Hülle, in die man ganz unterschiedliche Inhalte packen kann. Die berühmte Tobin-Tax verhalf einst der globalisierungskritischen NGO attac zu ihrem Namen – Association pour une taxe Tobin pour l’aide aux citoyens (auf Deutsch: „Vereinigung für eine Tobin-Steuer zum Nutzen der Bürger“). Anders als attac dies damals wie heute vorsah, ging es dem Ökonomen James Tobin jedoch nicht um eine Umverteilung zugunsten der Allgemeinheit, sondern darum, Währungswechselkurse zu stabilisieren und vor der Manipulation durch Spekulanten zu schützen. Der Wechselkurs eines Währungspaars bildet sich durch Angebot und Nachfrage und es macht dabei keinen Unterschied, ob der Markteilnehmer aus der Realwirtschaft stammt, oder ein Spekulant ist, der mit zahlreichen kleinen Ordern den Kurs manipulieren will. Tobin schlug daher bereits im Jahr 1972 vor, weltweit einen einheitlichen Steuersatz von 0,05% bis 1,0% auf sämtliche Devisentransaktionen zu erheben. Dieser geringe Steuersatz stellt für die Realwirtschaft kein nennenswertes Problem dar, zumal die Steuer ganz einfach an den Endkunden weitergegeben würde, den Spekulanten, die oft minimale Kursdifferenzen ausnutzen, verdirbt ein solcher Steuersatz jedoch ganz gewaltig das Geschäft. Tobins Idee ist auch heute noch aktuell und eine Tobin-Tax, die im herkömmlichen Sinne keine FTS, sondern ausschließlich eine Besteuerung von Devisentransaktionen ist, wäre auch heute noch ein gutes Instrument, um Spekulanten am Devisenmarkt das Leben ein wenig schwerer zu machen und Währungswechselkurse stärker an der Realwirtschaft zu orientieren.

    Es ist jedoch keinesfalls sicher, dass Devisentransaktionen überhaupt von der FTS erfasst werden, die Angela Merkel und Nicolas Sarkozy momentan verhandeln. Sollten Devisentransaktionen enthalten sein, so ist – nach aktuellen Informationen – angedacht, sie jedoch nur mit 0,01% versteuert werden – also nur ein Fünftel vom Minimalsatz der Tobin-Tax. Dies würde jedoch bereits ausreichen, um den Hochfrequenzhandel, bei dem minimale Kurssprünge im Nanosekundentakt durch automatisierte computergestützte Handelssysteme zur Spekulation genutzt werden, an den europäischen Börsen unattraktiver zu machen.

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    49 Kommentare Print This Post
    Glaubt man den politischen Berichterstattern, steht Kontinentaleuropa kurz vor der Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Es ist jedoch zu früh, die Sektkorken knallen zu lassen. Es gibt wohl nur wenige regulatorische Instrumente, die sich so leicht durch handwerkliche Fehler im Gesetzestext sabotieren lassen, wie es bei der Finanztransaktionssteuer der Fall ist. Sarkozy will im April wiedergewählt ...
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    49 Kommentare:

    1. Mordred schrieb am 12. Januar 2012 at 11:01 - Permalink

      hätte eine fts eigentlich auch irgendwelche nachteile außer ein paar arbeitslose spekulanten und computer wegen ausbleibens des hochfrequenzhandels?
      also für die staaten/bevlkerung/realwirtschafts oder sonstigen?

      • Pterry schrieb am 12. Januar 2012 at 11:13 - Permalink

        diese Frage ist viel zu nah an der Realität, als dass sie die Politiker jemals tangieren würde…
        (Antwort: geschätzte 1-2 Mrd Steuereinnahmen allein in Deutschland, damit haben wir das Mövenpickgeschenk wieder drin)

      • Spiegelfechter schrieb am 12. Januar 2012 at 11:53 - Permalink

        Keine relevanten. Natürlich nutzen auch “echte” Unternehmen Derivate und Devisenkontrakte, um sich z.B. gegen Zinsänderungen und Wechselkursschwankungen abzusichern. Das wäre dann natürlich etwas teurer und diese Kosten würden wohl auf den Endkunden umgelegt. Aber so dramatisch dürfte das nicht sein.

        • Mordred schrieb am 12. Januar 2012 at 12:02 - Permalink

          ok. dazu hätte ich noch eine frage: ein bwl-/steuerberaterkumpel erzählte mir auch davon. aber wie hoch ist denn das volumen der “echten” unternehmen im gegesatz zu den schwarzen schafen?
          ist das quasi ursprünglich als eine sinnvolle sache entwickelt worden und wird jetzt aber massiv missbraucht?

          • Spiegelfechter schrieb am 12. Januar 2012 at 14:05 - Permalink

            Genaue Zahlen habe ich da auch nicht. Ich erinnere mich da an ein Protokoll über eine Senatsanhörung in den USA, in der es darum ging, wie hoch der Anteil von “Papieröl” im gesamten Markt ist. Ich habe die Zahlen nicht mehr Kopf, aber er war sehr hoch.

            • Ludwig schrieb am 12. Januar 2012 at 14:45 - Permalink

              Das Verhältnis soll sich damals auf 26 : 1 im Rohölbereich (WTI) gesteigert haben, nachdem es vor dem “Anheizen” vor etwa 15 Jahren 5 : 1 gestanden hatte. Man muss dabei aber auch den Roll-Over-Effekt mit berücksichtigen, wenn Kontrakte “verlängert” werden.

            • Shitop schrieb am 12. Januar 2012 at 17:04 - Permalink

              Zu D-Mark-Zeiten wurden für 1 DM 50 DM an Geld bewegt. Das müsste heute noch extremer sein.

            • Kriegszitterer schrieb am 16. Januar 2012 at 08:17 - Permalink

              Mäuschen sein ist auch wider was anderes ;-))

              http://www.youtube.com/watch?v=G7LrMoLba0c

              Gruß

              so und so

        • Ludwig schrieb am 13. Januar 2012 at 17:27 - Permalink

          Je höher die (erwartete/implizite) Volatilität ist, desto höher ist auch die Optionsprämie.
          Natürlich ist es genau entgegengesetzt, weil von der Optionsprämie auf die implizite Vola geschlossen wird.
          Bei einem echten Terminkontrakt (Future) ist dies zwar recht gegenstandslos, aber für den “Options-Teil” ist es das nicht.

          Weil bei einer FTS die Handlungen externer Marktteilnehmer reduziert werden, bedeutet dies relativ eine niedrige Volatilität bezogen auf die “großen” Ausschläge, wie man es besonders im Jahr 2008 beim Ölpreis gesehen hat.
          Insofern hätten dann Marktakteure, welche ihre Produktion oder ihren Verbrauch über den Terminmarkt absichern/hedgen wollen, am Ende wohl geringere Kosten mit FTS als ohne.
          Und wenn diese noch über andere Instrumente flankiert würde, wäre man erheblich weiter beim Lösen wirklich wichtiger Probleme.

      • Karla schrieb am 12. Januar 2012 at 11:56 - Permalink

        Die Frage ist wohl weniger, was eventuell die Nachteile wären, sondern ob eine FTS tatsächlich das bringt, was sie bringen soll. Aber selbst darüber, was sie bringen soll, herrscht nicht wirklich Eingkeit/Klarheit. Meiner Ansicht nach soll sie bewirken, dass die Spekulanten das Spekulieren bleiben lassen; andere meinen eher, dass sie dem Staat Geld bringen wird (soll). Sicher gilt irgendwie beides, aber da sehe ich schon einen gewissen Zielkonflikt, weil ja der Staat an dem mitverdienen würde, was er eigentlich bekämpfen will. (Hat der Staat was gegen Raucher?) “Den ganzen Mist verbieten” wäre eine saubere Sache, aber das werde ich ganz sicher nicht mehr erleben.

        Auch würde ich Spekulanten eine ausreichend große Gier und ggf. sogar kriminelle Energie unterstellen, dass sie immer irgendwie ein Schlupfloch finden. Ich halte eine FTS für notwendig, wie ich auch einen Mindestlohn für Leiharbeiter für notwendig gehalten habe. Nur haben die Gewitzten schon wieder eine Alternative gefunden und beschäftigen dann eben statt Leiharbeitern Werkarbeiter. Ähnliches würde man bei der FTS auch erleben, es ist und bleibt ein Herumdoktern an einem kranken System

        • Ludwig schrieb am 12. Januar 2012 at 14:55 - Permalink

          Der entscheidende Grund für eine Börsentransaktionssteuer ist wie bei der Tobin-Steuer die Verringerung der Volatilität und der Erschwerung des “Surfens” auf Kursausschlägen.

          Eine hohe Volatilität ist der Feind des kaufmännischen Kalküls!
          Denn sie verhindert eher (längerfristige) Investitionen, als dass sie diese fördert.

          Man hat ja in den letzten Jahren gesehen, wie erratisch die Preise an Börsen und (für “andere” Marktteilnehmer offenen) Gütermärkten schwanken.
          Die Frage, wie auf dieser Ebene eine Marktauslese durch den Wettbewerb funktionieren soll, indem sich der Bessere und nicht der Glücklichere behauptet, ist noch nicht beantwortet, sofern sie überhaupt schon gestellt worden ist.

          Volkswirtschaftlich hätte es noch den Nebeneffekt, dass mehr Kapital in der Realwirtschaft um Anlage buhlen müsste.

          • Karla schrieb am 12. Januar 2012 at 16:18 - Permalink

            Der entscheidende Grund für eine Börsentransaktionssteuer ist wie bei der Tobin-Steuer die Verringerung der Volatilität und der Erschwerung des “Surfens” auf Kursausschlägen.

            Eine hohe Volatilität ist der Feind des kaufmännischen Kalküls!

            Das leuchtet mir grundsätzlich ein. Was ich aber nicht ganz verstehe: die hohe Volatilität entsteht ja nicht bereits dadurch, dass in sehr kurzer Zeit sehr viele Transaktionen stattfinden, sondern erst dadurch, dass alle Händler dafür mehr oder weniger die gleichen Algorithmen, gefüttert mit den gleichen Daten, verwenden. Dadurch kommt es zur Synchronisation, und dadurch zur Volatilität. So als ob ein paar Leute im Gleichschritt über eine Brücke marschieren. Es kommt nicht so sehr darauf an, dass es viele sind, sondern auf den Gleichschritt.

            Mit der Tobin-Steuer könnte nun vielleicht etwas Ähnliches passieren: es würde wegen der Steuer zwar weniger gehandelt, aber immer noch “im Gleichtakt”, die Volatilität bliebe hoch. Wenn (unsinniges Beispiel, nur im Prinzip) immer nur zur vollen Stunde anstatt im “Nanosekundentakt” Transaktionen möglich wären, dann würden nach wie vor jeder umgefallene Sack Reis die gleichen synchronen Bewegungen an den Börsen auslösen. Und das, obwohl kaum noch Tobin-Steuer eingezogen würde, weil es ja viel weniger Transaktionen gibt.

            • Ludwig schrieb am 12. Januar 2012 at 17:11 - Permalink

              Leider hinkt die Überlegung mit dem Takt etwas, obwohl sie durchaus konsistent und logisch ist, weil auf “solchen” Märkten andere Grundkonstellationen vorhanden sind.

              Wenn auf Terminmärkte “externe” Akteure einwirken und dies mit einer entsprechenden Summe, dann “verzieht” es die Märkte in die eine oder andere Richtung solange, bis sich dieser Verzug wieder aufrichtet. Denn diese Marktteilnehmer sind in aller Regel auf keine langfristige Positionierung aus, was für eine Investitionsentscheidung sprechen würde, sondern agieren kurzfristig. Man sieht dies ganz eindeutig daran, welche Termine welchen Handelsumfang haben.
              Je geringer die Entrittshürde dafür ist, wozu auch die Refinanzierung zählt, desto lukrativer erscheint erst einmal dieses Feld.
              Wenn ein “Investor”/Spekulant, smart money also, einen solchen Markt “flutet”, kann er ihn einzig durch seinen Investitionsumfang (vorübergehend) beherrschen und der Herdentriebeffekt (“the trend is your friend” / “never catch a falling knife”) verstärkt diese Initialisierung.
              Es gibt schon länger genügend wissenschaftliche Erkenntnisse, dass es für einen Spekulanten sehr wichtig ist, auf der losgetretenen Welle eine Zeit lang mitzuschwimmen, weil gerade bei einer Marktüberhitzung großes Geld zu verdienen ist.
              George Soros hat sich eingehend mit dieser Materie beschäftigt, welche letztendlich besagt, dass solche Märkte nicht effektiv sein können, wenn Marktteilnehmer ihrem Nutzenkalkül folgen.

              Für die Otto-Normal-Verbraucher gibt es dann zwar die einfachen Erklärungen, welche auf deren Erfahrungswelt fußt und nahezu immer Spot-Markt-Bedingungen rekonstruiert, aber dennoch die Realität oft nicht einmal im Ansatz abbilden.

              Eine Finanztransaktionssteuer würde Schwankungsbreiten nicht grundsätzlich verhindern, aber ziemlich sinnlose erschweren.

              Die “Wetten” auf die Kreditfähigkeiten bestimmter südeuropäischer Länder konnten vor durch entsprechende Leverage-Vehikel (Kreditausfall-Kontrakte, wofür bereits ein terminlicher Kupon-Zahlungsausfall reicht) realisert werden. Zumindest am Anfang wurden alle ungedeckt gehandelt.
              Die Banken/Gläubiger wurden aufgrund der (rechtlich aufgezwungenen) Orientierung an Marktbewertungen somit aus ihrem Investment gedrängt.
              Für “Idioten” hat dies mit einer Vertrauenskrise zu tun, für Leute, die etwas mehr verstehen, war dies strukturelles Marktversagen aufgrund immenser Marktasymmetrie, welche dann politisch noch befeuert worden ist, weil Angie vor dem Ofen stand.

              Wenn die Argumente für eine Investitionsentscheidung in der Realisierungsphase immer weniger eintreten, dann hat Marktwirtschaft ein großes Problem. Denn eines darf sie niemals opfern: das kaufmännische Kalkül.

            • Karla schrieb am 12. Januar 2012 at 19:06 - Permalink

              @ Ludwig
              Danke für die Antwort, die mir (zusammen mit dem Nachdenken darüber) wirklich geholfen hat, etwas besser zu verstehen. Ich hatte ursprünglich nicht mit bedacht, dass die verschiedenen Akteure an der Börse auf ganz unterschiedlichen Zeitskalen agieren. Man braucht nun ein Instrument, das die Trittbrettfahrer von den eigentlichen Interessenten (aus der Realwirtschaft) trennt. Die Trittbrettfahrer sind die mit den hohen Frequenzen (kurze Zeitskala) – die Tobin-Steuer ist also (wenn man sie richtig macht) eine Art Tiefpassfilter für Finanzmärkte. Und da Tiefpassfilter in der Elektronik eine bewährte Sache sind, funktioniert es ja vielleicht auch an den Finanzmärkten.

            • Ludwig schrieb am 12. Januar 2012 at 23:11 - Permalink

              @ Karla:

              Bitte, gern geschehen. Es freut mich, wenn ich ein ganz klein wenig helfen konnte.
              Ebenfalls vielen Dank!

      • The Joker schrieb am 13. Januar 2012 at 23:46 - Permalink

        Arbeitslose Computer?
        Radikale Arbeitsmarktreform! Keine Besitzstandswahrung!
        Beschäftigungslosen Rechnern werden zunächst zumutbare Tätigkeiten in Spielhallen (als Slotmachines) oder in Jugendclubs (Counterstrike) angeboten. Bei Nichtannahme dieser großzügigen Angebote droht die rigorose Kürzung des Arbeitsspeichers! Ohne vollständige Offenlegung der Festplatte gibt es keine Staatsknete! Es gibt kein Recht auf Ruhezustand! Die Bildschirmschoner-Mentalität muss ein Ende haben!
        ;-)

    2. leslie schrieb am 12. Januar 2012 at 11:01 - Permalink

      Ouuuu 0,01 Prozent..
      Da werden den Bankstern jetzt die Knie schlottern.
      Alles lächerlich.
      http://meta.tagesschau.de/id/56725/finanzsteuer-merkels-variante-mit-roesler-nicht-zu-machen#comment-576434

      Diesen ganzen Mist verbieten,damit wär den meisten geholfen.

      Und im übrigen kommt diese Steuer sowieso nicht.
      Die FDP hat was dagegen. ;-)
      http://www.tagesschau.de/wirtschaft/sarkozymerkel126.html

      Mfg

      • Ludwig schrieb am 12. Januar 2012 at 15:00 - Permalink

        Warum sollte ein Verbot von Börsen- bzw. Terminmarktgeschäften helfen?
        Wer etwas von Korrelations-Hedging versteht und “Derivate” nicht nur wie der Mann im Mond betrachtet, dürfte hier eine differenziertere Haltung einnehmen.

        • leslie schrieb am 12. Januar 2012 at 15:21 - Permalink

          Es sollte nur mit Dingen gehandelt werden die auch da sind. ;-)

          Mfg

          • Ludwig schrieb am 12. Januar 2012 at 15:51 - Permalink

            Bei einer Investitionsentscheidung sind aber viele Dinge noch nicht da, sondern nur die Erwartungshaltung darüber. Alles, was schon “abgepreist” vorhanden ist, erleichtert eine solche Entscheidung.
            Bei Derivaten ist auch immer eine Basis im Sinne einer (angenommenen)Wertgröße vorhanden.

          • Mo schrieb am 12. Januar 2012 at 16:55 - Permalink

            @leslie,
            ich würde da noch einen weiteren Rückschritt wagen:
            Es sollte nur mit Personen gehandelt werden die auch da sind.
            Wie wäre es mit dem altbekannten “Handschlag” und anschließend ein kühles Bier. ;-)

      • Peleo schrieb am 12. Januar 2012 at 21:25 - Permalink

        Und im übrigen kommt diese Steuer sowieso nicht.
        Die FDP hat was dagegen. ;-)

        Wenn die Opposition ein entsprechendes Gesetz einbringt, kann die Merkel-CDU eigentlich nur zustimmen.

      • Cobra Liberaleusis schrieb am 15. Januar 2012 at 00:24 - Permalink

        Diesen ganzen Mist verbieten,damit wär den meisten geholfen.

        Hardcore. Sehe ich genauso. Manchmal hilft nur die Axt. Hier aber auf jeden Fall. Wahrscheinlich gibt es zwischen Himmel und Erde nichts überflüssigeres als Banken. Weg damit!

    3. Horst Klohocker schrieb am 12. Januar 2012 at 11:14 - Permalink

      Wasch mich – aber mach mich nicht nass! So kommt mir das ganze Theater vor, welches „Uns Angie“ und der „junge Vater“ aus Frankreich vorspielen. Wirklich raus gekommen ist dabei noch nichts, denn Schritte welche helfen würden , bedürften Mut!
      Unser Kapitalmarktsystem ist tot krank und solange versucht wird dieses System am Leben zu erhalten wird sich nichts verbessern. Warum wird nicht eine wirkliche Kapitalmarktsteuer eingeführt, welche den Namen auch verdient? Warum werden diese drei Rating Agenturen nicht den USA nicht an die Kette gelegt? Warum darf nicht nur gehandelt werden, wenn etwas „Reales“ dahinter steckt und Scheingeschäfte werden verboten?
      Wer arbeiten geht ist der Dumme und wer ein wenig spekuliert – der macht große Gewinne oder der Staat greift ihm unter die Arme bei Verlusten – also wieder die Dummen die arbeiten. Ändert sich an diesem System nicht bald etwas steuern wir von einer Wirtschaftskrise in die Nächste – jede Schlimmer als die Vorherige.
      Momentan sehe ich allerdings keinen Politiker oder auch keine Partei, welche das ändern könnte. Gott sei Dank sind aber auch die Radikalen nicht fähig, einen populistischen Rattenfänger aufzubieten und Gott sei Dank ist die Partei der radikalsten Verfechter dieses „alten Systems der Marktungerechtigkeit“, gemeint ist die FDP, langsam dabei ganz zu verschwinden.

    4. salvo schrieb am 12. Januar 2012 at 11:22 - Permalink

      das passt ja

      Just as Margaret Thatcher favoured “sado monetarism” (a term coined by Denis Healey), the German plan for Europe is “fiscal B&D” (bondage and discipline).

      http://www.nakedcapitalism.com/2012/01/satyajit-das-europe%E2%80%99s-the-road-to-nowhere-part-1-%E2%80%93-fiscal-bondage.html

    5. Schweigsam schrieb am 12. Januar 2012 at 11:59 - Permalink

      Ja Jens, was wären die nächsten 1000 Schritte in der richtigen Richtung…….;-)
      Nenn mal Beispiele.

      • Schweigsam schrieb am 13. Januar 2012 at 09:19 - Permalink

        Ja dann, lass es eben.

        Auf der Straße gibt es mehr Regularien als im Finanzmarktsektor.
        Die Freiheit des einen ist die Unfreiheit des anderen.

        • Mo schrieb am 13. Januar 2012 at 16:27 - Permalink

          @Schweigsam,
          vielleicht ist die Freiheit des einen aber auch die Freiheit des anderen. ;-)

    6. Sammy schrieb am 12. Januar 2012 at 16:53 - Permalink

      Ein guter, sachgerechter Artikel, der leider wieder einmal das Frustrationspotential des Lesers steigert.

      Die Quintessenz ist doch folgende: während die Mafia-Clans mit “Zimmerflak” im Anschlag die Stadt unter sich aufteilen (angesichts z.B. von Lebensmittelspekualtionen finde ich diesen Vergleich keineswegs übertrieben), überlegen sich die Stadtväter ob es nicht Zeit sein könnte eine Art Polizei zu installieren die wenigstens damit anfängt den falsch parkenden Gangsterkarossen ein Knölchen an den Scheibenwischer zu stecken.

      Und selbst das wird nicht gelingen, weil die Mafia (z.B. in Form von Rössler) ihre Leute gut im Stadtrat platziert hat. Was wir brauchen scheint ein Eliot Ness zu sein.

    7. Mo schrieb am 12. Januar 2012 at 17:47 - Permalink

      Ich sehe die Europäische Finanzmarktpolitik als gescheitert an.
      Und überhaupt, wie kann man daran glauben wollen, dass alle Länder der Europäischen Union alle ihre Interessen unter einen Hut bringen werden. Das ist doch viel zu idealistisch gedacht.
      Ein gemeinsames Europa ist ein schöner Gedanke, aber da sich dieser im Moment nur auf eine gemeinsame Finanzpolitik reduziert, halte ich ihn für nicht zukunftsträchtig.

    8. alter Sack schrieb am 12. Januar 2012 at 20:33 - Permalink

      Mir kommen hier in der Diskussion die Geldmengenaggregate entschieden zu kurz ;-)

      Eine wirklich wirksame Finanztransaktionssteuer wird leider absehbar nicht realisiert werden.
      Mir würde es auch schon reichen, wenn mit den ewigen Bankenrettungen zuhause wie in GR, IT, PT, … aufgehört würde. Lasst die Finanzinstitute endlich an den Folgen ihrer Handlungen teilhaben! Die Finanzbranche ist das Krebsgeschwür Europas. Wie jedes Krebsgeschwür nur ein Ausdruck des Gesamtzustandes – der der Heilung bedarf.

      Trotzdem, kommt, diskutiert noch ein wenig über M0 … M27 … das amüsiert mich :-)

      wo gibt’s sauberen Stoff?

    9. Cheops schrieb am 12. Januar 2012 at 21:10 - Permalink

      Diese Steuer ist eigentlich nur ein Sedativum, mit dem das Volk ruhig gestellt werden soll. Selbst wenn es die Steuer auf Transaktionen mal gibt, wird sie nicht ausreichen, um auch nur einen Bruchteil der Schäden abdecken, die von der Finanzkrise hinterlassen wurden. Die Finanztransaktionssteuer ist eben nur eine Steuer und kein Schadenersatz!

    10. Glaukom schrieb am 12. Januar 2012 at 22:07 - Permalink

      Alles wird gut – glaubt mir. Ende 2012 wird unser geliebter Euro stabil, die Wirtschaft florierend, die Arbeitslosenzahlen unter der Hunderttausendmarke liegen, fast jeder Deutsche ein eigenes Heim besitzen, die Schuldenlast Deutschlands unter 200 Mrd. p. A. liegen und wir bauen neue Strassen ohne neue Schulden zu machen. Ach ja, fast vergessen…Oel wird noch gefunden..im Harz..

      Ausserdem sinken die Steuern, denn die FDP wird bei 25 Prozent liegen, neben der CDU, welche mit naja, 38,7 Prozent dahindümpelt und die SPD erklärt den Bankrott. Linke, Piraten und Grüne sind bereits draussen. Schade, eigentlich.

      Die EZB verfügt dann über Milliarden Euro Überschuss, da Griechenland wieder saniert und wachstumsfähig ist, eine Gefahr des Umsturzes ist gebannt und alle anderen Staaten wie Irland, Italien, Portugal und Spanien sind “auf dem besten Wege” robust und sicher in die Zukunft zu gehen. Ach, wenn ich meine Glaskugel so poliere………..Herr Sarkosy, bitte schenken Sie uns russischen Wodka ein. ( Ironie aus ).

    11. chrise schrieb am 12. Januar 2012 at 22:53 - Permalink

      eigentlich sollte eine FTA – oder was auch immer – doch selbstverständlich sein. Dieses beknackte Argument, die Banken würden es an die Endverbraucher abgeben, ist doch eine Illusion, das könnte man zu jeder Art der Steuer sagen…wenn Bank A es an die Endverbraucher weitergibt, gibt es Bank B nicht weiter und bekommt dafür mehr Einlagen…sagen zumindest Marktwirtschaftler, drum ist es auch komisch, dass Marktwirtschaftler gegen eine FTA sind, aber vermutlich a) weil sie sowieso gegen jede Art der Steuer sind und b) weil sie beider FDP sind, also vermutlich ohnehin von Bankakteuren billige Kredite bekommen, um Autos / Eigenheime / Ämter / etc. zu kaufen, ganz ohne böse Absichten, aus reiner Freundschaft :)

      Aber was ich eigentlich aus meinem VWL-Lainehirn rauspressen wollte: Was habt ihr alle gegen die “hohe Volatilität” – also gegen die hohe Beweglichkeit des Geldes? Hat uns die Erhöhung der Geldbeweglichkeit seit dem 14. Jh. nicht unendlich reich gemacht? Und ist Geld nicht immer dann produktiv, wenn es zur rechten Zeit am rechten Ort ist? Wäre demnach nicht die hohe Beweglichkeit des Geldes nicht zu begrüßen? (sofern es nicht in die Taschen derer abwandert, die es bewegen…)

      • Ludwig schrieb am 12. Januar 2012 at 23:07 - Permalink

        @ chrise:

        Mit “Volatilität” ist die Schwankungsbreite der Preise an Märkten gemeint und nicht die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.

    12. zeno(bit) schrieb am 13. Januar 2012 at 07:23 - Permalink

      Ich war gestern relativ perplex, als Wolfgang Münchau folgenden Artikel veröffentlichte:
      Die Bank ist immer schneller!
      Der ansonsten gute und scharfe Kolumnen schreibende Münchau, spricht sich hier vehement gegen die Einführung der FTS aus.
      Sein Hauptargument ist, dass es sofort zu einer Umwandlung von Transaktionen in alternative steuerfreie Finanzinstrumente käme und somit die Steuer völlig nutzlos wäre.. die Bank wäre den Gesetzgebern immer um Nasenlängen voraus.

      Was ist davon zu halten?

      Ich würde das ja mit den Drogen vergleichen: nur weil findige Punscher neue Stoffe kreieren, kann nicht aufgehört werden, den Besitz dieser unter Strafe zu stellen..

      • Karla schrieb am 13. Januar 2012 at 10:00 - Permalink

        Ich hatte Münchau nicht so verstanden, dass er die FTS vehement ablehnt. Eher gibt er zu bedenken, dass das Instrument (seiner Meinung nach) nicht das Erhoffte bringen wird, weil die Gewieften es zu umgehen wissen. Mein Gefühl sagt mir zunächst mal das gleiche, aber Münchaus Argumente habe ich nicht verstanden.

        Er schreibt zum Beispiel

        Wenn man jetzt Transaktionen auf Aktien besteuert, dann wird es den Finanzingenieuren in den Banken nicht schwerfallen, Finanzinstrumente zu schaffen, die eine Transaktion simulieren, ohne dass auch nur irgendeine Aktie die Hände wechselt.

        Häh? Auch wenn jemand nur so tut, als ob er Aktien handelt (“simuliert”), dann müsste er die Steuer doch zahlen? Versteh ich nicht. Selbst wenn es ihm gelänge, seine Transaktionen als (steuerfreien) Handel von Versicherungen o.Ä. zu tarnen, würde man ihn doch an seinen Frequenzen erkennen.

      • Ludwig schrieb am 13. Januar 2012 at 10:02 - Permalink

        Solange ein rechtlicher Rahmen für Umgehungsmöglichkeiten besteht, solange kann ein Teil bestehender Geschäfte verlagert werden, aber keineswegs alle.
        Die alternativen Finanzmarktinstrumente (wie CFDs) sind sofort ausgetrocknet, wenn ein Staat dezidiert darauf hinweist und auch rechtlich entsprechend umsetzt, dass es dafür keine Bürgschaft seitens des Staates gibt.

        “Nulla poena sine lege” übertragen auf die Finanzmärkte würde bedeuten, dass nur solche Finanzmarktinstrumente erlaubt sind, welche zuvor genehmigt worden sind.
        Der Staat bzw. die Gesellschaft sitzt eindeutig am längeren Hebel.
        Warum ihre maßgeblichen Organe diesen nicht entsprechend nutzen, liegt im wesentlichen an ihrer Inkompetenz und auch an Interessenverflechtungen.

        Wenn man auf Interessenkoalitionen einen hinreichenden Druck ausübt, weil man dabei die richtigen Mittel und Hebel benutzt, dann geben diese schon im Eigeninteresse klein bei.

        Der zentrale Hebel ist dabei die Änderung ihrer Refinanzierungsbedingungen.
        Und sogenannte Steueroasen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass ihre Bürgfähigkeit äußerst begrenzt ist.

    13. Umdenker schrieb am 13. Januar 2012 at 08:47 - Permalink

      Offtopic (aber es kratzt ein wenig an diesem Thema): Ich lese aktuell das zweite Buch von Suarez (Darknet) aus der Daemon-Reihe, wo es genau um den Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems geht. Er nimmt sich dazu auch solcher aktuellen Themen an, wie eben den Hochfrequenzhandel. Ich schätze mal viele Kommentatoren, die sich mit BWL/VWL gut auskennen, würden manche Aussagen im Buch zerfetzen (da sachlich falsch), aber die Theorien klingen schon oft pausibel und die Story drumherum ist sehr spannend. Falls also jemand Interesse hat und mal nach interessanten Ansätzen für eine neue Gesellschaftsordnung sucht, dem kann ich die zwei Bücher nur ans Herz legen.

      • Ludwig schrieb am 13. Januar 2012 at 10:15 - Permalink

        Warum muss man eine “neue” Gesellschaftsordnung kreieren?

        Die “alte” hat in aller Regel genügend Innovationsmöglichkeiten, um sie für ihre Mitglieder entscheidend zu verbessern.
        Gut, nicht für alle.
        Denn für diejenigen, welche einer Gesellschaft ihren Stempel in Form von knechtender Herrschaft aufdrücken wollen und dabei keine Skrupel haben, dies unter dem Banner der Freiheit(!) zu vollziehen, verengt sich natürlich der Gestaltungsspielraum gegen Null.

        Aber wo ist daran das Problem, wenn Problemfelder deaktiviert werden.

        Es gibt viele sogenannte ‘alternative’ Gesellschaftsmodelle.
        Aber ich kenne keines, welches wirklich konsistent wäre – abgesehen von den Parametern der Modelle.
        Zuerst sollte man eine Gesellschaft auch fundiert beschreiben können, bevor man sich an ‘Alternativen’ heran wagt.

        Jens Berger kann man in diesem Kontext nur beipflichten, dass man ökonomische Schulen zuerst einmal funktional (Modell-bezogen) kennen sollte, um so etwas Bestehendes besser begreifen zu können.

        • Umdenker schrieb am 13. Januar 2012 at 16:17 - Permalink

          Tut mir leid, habe mich falsch ausgedrückt. In dem Buch wird eine “echte” Demokratie mit kompletter Transparenz und direkten Entscheidungsmöglichkeiten aufgezeigt. Es klingt gar nicht mal so utopisch, aber natürlich muss man dann auch teilweise auf die Privatsphäre und Geheimniskrämerei dieser Zeit verzichten. Wie gesagt, es sind einfach nur nette Ideen beschrieben, es ist kein Sachbuch oder so. Man kann sich aber viel inspirieren lassen.

          • Ludwig schrieb am 13. Januar 2012 at 17:46 - Permalink

            Hinreichende Transparenz als Basis für fundiertere Erwartunshaltungen hat auch in der “üblichen” Volkswirtschaft eine wichtige Bedeutung und sie wird noch wichtiger werden, weil das kaufmännische Kalkül kreditiert sein will.

            Die Werttheoretiker wissen, dass über “den” Kredit die innere Schranke der Eigentumsverhältnisse zumindest zeitweise überwunden werden kann.

            Obwohl nach ihrer Auffassung Wert nur durch Arbeitskraft oder eines Substituts davon geschaffen wird, unterscheiden sie nicht hinreichend zwischen unterschiedlichen Voraussetzungen, welche das kaufmännische Kalkül und damit die unternehmerische Investitionsentscheidung erlauben oder verhindern.

            Im Zusammenhang mit (potentiellen) Skaleneffekten und damit struktureller Preis-Insentivität auch bei steigender Nachfrage ist dies ein wesentlicher Grund dafür, warum mit Geld geflutete Märkte keinen höheren Preisanstieg auf Konsumgüter-Ebene bewirken, wenn man Marktasymmetrien aufgrund externer Marktteilnehmer außer acht lässt.

            Denn wenn mit billigem Geld investiert (nicht spekuliert) wird, werden damit bestehende Investments mit einer teueren Refinanzierung entwertet, was eine tendenziell stabile Kreditform darstellt.

            Darum sind Quantitätsgleichungen mit Vorsicht zu genießen und dementsprechend zu relativieren.

    14. R_Winter schrieb am 13. Januar 2012 at 11:51 - Permalink

      ………diesem Kontext nur beipflichten, dass man ökonomische Schulen zuerst einmal funktional (Modell-bezogen) kennen sollte, um so etwas Bestehendes besser begreifen zu können.

      Da bin ich mir nicht ganz sicher. Es wäre wünschenswert, aber für eine politische Diskussion der Spekulationskrise (FTS) keine Voraussetzung. Wir sollten aufpassen, dass diese technische(n) Diskussion(en) uns nicht in eine Sackgasse steuern, indem sie das Wesentliche nicht mehr erkennt – die politische Dimension.
      Sicher sind Diskussionen auf dem Level eines Uni-Seminars interessant – zumindest für einige Kommentatoren, die mit ihrem Wissen wuchern können.

      Fakt ist…..

      …….Unfassbare 4,6 Billionen Euro haben die EU-Staaten seit Beginn der Finanzkrise Banken etwa in Form von Garantien zur Verfügung gestellt. Nun wollen die Länder etwas dafür zurückhaben – und fordern eine Steuer auf Finanztransaktionen……….. SZ vom 13.1.2001

      …..und dieses Geld fehlt den Staaten (und damit den Bürgern) an allen Ecken. Dieses versteht jeder und lässt sich auch mit den schönsten Kenndaten und Modellen nicht wegdiskutieren.

      Die politische Bewertung kommt mir zu kurz und eine wirkliche FTS kommt nie – aus politischen und nicht aus technischen Gründen

    15. Ludwig schrieb am 13. Januar 2012 at 12:50 - Permalink

      @ R_Winter:

      Natürlich geht es um den politischen Aspekt, um die Art und Weise, wie eine Gesellschaft organisiert ist und wie es auch anders sein könnte.
      Aber zuerst ist es sinnvoll, auf Basis bestehender Strukturen Handlungsspielräume zu erkennen, damit politisches Handeln nicht weiterhin ‘alternativlos’ sein muss.

      Und hierzu ist die Kenntnis verschiedener ökonomischer “Modell”-Ansätze durchaus hilfreich. Weil ich kein Modell kenne, welches die ökonomische Realität hinreichend beschreibt, kann man sich dieser aber dennoch besser annähern, weil verschiedene Modelle verschiedene Aspekte unterschiedlich gut erklären.

      Ich habe mehrmals darauf hingewiesen, dass eine Finanztransaktionssteuer im Interesse eines Systems ist, was gewöhnlich als “Kapitalismus” bezeichnet wird.
      Ich bestreite nicht, dass so mancher Plus-Macher-Fetischist/Pseudo-Kapitalist hier nicht die Interessen des Systems, sondern ureigene vertritt.
      “Zuviel” ist für manche eben immer noch “nicht genug”.

      Um eine Diskussion auf “Universitäts”-Niveau geht es hier gerade nicht und um Eitelkeiten schon überhaupt nicht. Denn wenn ich so manche Kommentare bewerte, welche ein Professor wie Hans Werner Sinn von sich gegeben hat, dann ist mir deren Niveau schlichtweg zu niedrig und damit zu dumm.

    16. schwitzig schrieb am 13. Januar 2012 at 14:33 - Permalink

      Was mir nicht ganz klar ist: Wieso das “Ansässigkeitsprinzip” nicht einfach an den Handelsplatz koppeln?
      Beispiel:
      Jede Transaktion, die ein Waren/Wert/Roulettevorhersage-Stellvertreterprodukt wie z.B. “Aktien” oder ähnlich krudes Zeugs darstellt und an einer deutschen oder europäischen Börse stattfindet, wird besteuert.
      Folge: Die Dimension des “Finanzmarktes” inklusive der Menge der “Finanzprodukte” (sorry – ich konnte mir den Gag nicht verkneifen :-) nimmt rapide ab. Müll, den niemand braucht, verschwindet z.B. in die USA.
      Das wäre eine reine Win-Win-Situation.

    17. Lennard schrieb am 13. Januar 2012 at 15:21 - Permalink

      Mal kurz OT (mea culpa)…

      Seit gestern oder vorgestern sorgt eine Studie für Wirbel:
      http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/arbeitsmarkt-und-hartz-iv/eu-vergleich-deutsche-arbeiten-sechs-wochen-mehr-als-franzosen-11603477.html

      Während Lügner wie TFuentes gleich laut schreien “Franzosen, Finnen und Schweden sind faul”, bringt ein Kommentar in der FAZ ein wesentliches Detail hervor, welches in der deutschen Presse gerne unterschlagen wird:

      Merkwürdigerweise wird in diesem Artikel (absischtlich?) nichts darüber berichtet. Auf die Produktivität kommt es an, und nicht etwa auf die Anzahl der abgearbeiteten Stunden, zumal, wie einige Leser richtigstellen, die OECD andere Zahlen liefert. In Frankreich werden pro Stunde Werte in Höhe von ca. 43/44 euros produziert, gegenüber ca 36/37 euros in Deutschland .

      Interessant ist auch, dass es ausgerechnet die Länder sind, die von den Deutschen fast immer bei Umfragen als Vorbild für Lebensstandard genannt werden.

      Und interessant ist auch, dass die Daten diesen hier http://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=ANHRS widersprechen. Mag sich jemand mit sehr guten Französisch-Kenntnissen dem annehmen?

      • Mod schrieb am 13. Januar 2012 at 18:55 - Permalink

        Unterschlagen wird viel mehr..

        aus der SZ:

        “Wenn man Tag für Tag den Wahnsinn als Selbstverständlichkeit aufgetischt bekommt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis man sich selbst für krank und abnorm hält. Im Folgenden versuche ich, einige Gedanken zusammenzufassen, die mir wichtig erscheinen”

        http://www.sueddeutsche.de/kultur/thesen-gegen-die-auspluenderung-der-gesellschaft-kapitalismus-braucht-keine-demokratie-1.1255949

    18. Dexter schrieb am 14. Januar 2012 at 15:24 - Permalink

      @Spiegelfechter:
      Also Handel im “Nanosekundentakt” gibt es glaube ich nicht. Das würde Milliarden Transaktionen/Sekunde bedeuten. Ich könnte mir vorstellen, dass man ein System mit einer solchen Gesamtbandbreite bereitstellen könnte, aber da könnte natürlich nicht jeder Teilnehmer Milliarden Transaktionen/s durchführen lassen.
      M.E. sind die IT-Systems der Börse in der Lage von ihren teilnehmern mehrere zehn bis hundert Transaktionen/s abzufordern. Was immernoch viel zu viel ist.
      Man sollte evtl, den Takt mal zwangsweise festlegen (auf 10 Sekunden oder so). Wem soll mit diesem Hochfrequenzhandel denn eigentlich gedient sein? Völliger Bullshit! Kampf der Algoritmen? Wer die besten IT hat, gewinnt?
      An dieser entwicklung kann man auch sehen, wie es mit dem Verantwortungsbewusssein der Börsenakteure bzgl. ihrer Gesellschaftlichen Funktion bestellt ist: Da gibt es keines. Gar keines. Überhaupt gar keines.
      Von daher sollten diese Leute sehr, sehr genau beobachtet werden und die Aktionen auf diesem “Kriegsspielplatz” sehr stark reglementiert.

    19. smukster schrieb am 14. Januar 2012 at 17:50 - Permalink

      Anders als attac dies damals wie heute vorsah, ging es dem Ökonomen James Tobin jedoch nicht um eine Umverteilung zugunsten der Allgemeinheit, sondern darum, Währungswechselkurse zu stabilisieren und vor der Manipulation durch Spekulanten zu schützen.

      Sorry, SF, das stimmt einfach nicht. Dass mit der Steuer sinnvolle Dinge finanziert werden koennten, war und ist fuer attac nicht mehr als ein willkommener Nebeneffekt.


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