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  • Ignoriert doch endlich die Ratingagenturen!

    geschrieben am 18. Januar 2012 von Spiegelfechter

    In einem so noch nie dagewesenen Rundumschlag senkte die Ratingagentur Standard & Poor´s letzten Freitag die Risikobewertung für Staatsanleihen von neun Eurostaaten. Auch wenn die neuen Bewertungen nach der zugrundeliegenden „Marktlogik“ noch nicht einmal inhaltlich zu beanstanden sind und auch die Begründung von Standard & Poor´s nicht von der Hand zu weisen ist, stellt sich hier die Frage, warum Politik und Medien die eng mit dem Finanzsystem verzahnten Ratingagenturen überhaupt als Schiedsrichter akzeptieren und für voll nehmen? Mehr als einmal lagen die Ratingagenturen mit ihrer Meinung komplett daneben. Es ist an der Zeit, dass sich die Politik von diesem Unsinn emanzipiert. Ratingagenturen sind nicht neutral, sondern interessengesteuert. Dabei vertreten sie jedoch nicht die Interessen der Allgemeinheit, sondern die des großen Geldes. Das darf ein demokratischer Staat nicht akzeptieren. Im folgenden Text soll es darum gehen, diese Aussagen auch zu belegen.

    Was machen Ratingagenturen?

    In der Öffentlichkeit wird Ratingagenturen meist zugebilligt, eine vermeintlich neutrale Einschätzung zur Sicherheit von Finanzprodukten abzugeben und im Falle der Bewertung von Staatsanleihen der Politik Empfehlungen zu geben, mit welchen Schritten sie dafür Sorge tragen kann, dass diese Papiere ein möglichst gutes Rating bekommen. Dieser Eindruck wird durch die mediale Berichterstattung gestützt, haben die Ratings der Agenturen doch mittlerweile einen ähnlich zweifelhaften Nachrichtenwert wie die Börsenkurse. So populär dieser Eindruck ist, so falsch ist er. Wer „Empfehlungen“ zu Finanzprodukten gibt, kann auch rechtlich für Fehlurteile haftbar gemacht werden. Wenn die Ratingagenturen nun aber auch rechtlich für ihre zahlreichen unsinnigen Empfehlungen haften müssten, gäbe es sie schon längst nicht mehr.

    Zu den zahlreichen Fehleinschätzungen der Ratingagenturen empfehle ich den Artikel „Ratingagenturen – ein zutiefst korruptes System“ von Werner Rügemer mit zahlreichen Hintergrundinformationen und Fallbeispielen.

    Auch die „Politikberatung“ ist den Agenturen nicht erlaubt, da die Politik sich ansonsten darauf berufen könnte, dass man doch sämtliche Wünsche der Agenturen erfüllt hätte und dies als Garantie für ein besseres Rating ins Feld führen könne. Stattdessen berufen sich die Ratingagenturen darauf, dass sie lediglich ihre „Meinung“ kundtun, und damit verbarrikadieren sie sich frecherweise auch noch hinter der verfassungsrechtlich garantierten Meinungsfreiheit. Wer sich die Begründung der S&P-Ratings zur Eurozone durchliest, die man eigentlich nur als „Politikberatung“ lesen kann, kann dies jedoch nur als zynischen Witz bezeichnen.

    Eine Meinung hat jeder. Paul Krugman hat eine Meinung, Heiner Flassbeck hat eine Meinung, und die unzähligen Lobbyisten und „Analysten“ der Banken haben auch einen Meinung. Letztere deckt sich meist auch mit der Meinung der Ratingagenturen. Warum billigt man dann aber der Meinung dreier Finanzunternehmen sogar zu, eine Expertise zu sein, die indirekt Gesetzescharakter hat?

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    In einem so noch nie dagewesenen Rundumschlag senkte die Ratingagentur Standard & Poor´s letzten Freitag die Risikobewertung für Staatsanleihen von neun Eurostaaten. Auch wenn die neuen Bewertungen nach der zugrundeliegenden „Marktlogik“ noch nicht einmal inhaltlich zu beanstanden sind und auch die Begründung von Standard & Poor´s nicht von der Hand zu weisen ist, stellt ...
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    1. Ratingagentur S&P rechnet nicht mit Herabstufung Deutschlands

    59 Kommentare:

    1. Sukram71 schrieb am 18. Januar 2012 at 10:01 - Permalink

      Nja, also die Ratingagenturen vertreten die Interessen des “großen Geldes” und geben Risiko-Abschätzungen ab, aus Sicht des “großen Geldes”.

      Nun möchten die Staaten aber doch vom “großen Geld” großes Geld haben.

      Und da brauchen sich die Staaten nicht wundern, wenn das “große Geld” Rating-Agenturen befragt, die das Risiko aus ihrer Sicht beurteilen. Und deshalb ist das halt auch für Staaten relevant.

      So lange Staaten vom “großen Geld” großes Geld haben wollen, können die sich nicht davon emanzipieren, sondern sind eben davon abhängig.

      Und wenn man als Anleger Geld in irgendwelche ausländischen Märkte anlegen würde, in denen man sich nicht so gut auskennt, dann wären solche Ratings sicher erstmal eine hilfreiche grobe Orientierung.

      • Spiegelfechter schrieb am 18. Januar 2012 at 10:59 - Permalink

        So lange Staaten vom “großen Geld” großes Geld haben wollen, können die sich nicht davon emanzipieren, sondern sind eben davon abhängig.

        Ich glaube nicht, dass die großen europäischen Banken, die ja als Intermediäre der EZB die Hauptfinanzierer der Staaten sind, wirklich die Meinung von S&P brauchen, um die Bonität der Staaten einschätzen zu können. Jede dieser Banken verfügt über ein Analystenteam und Volkswirte, die sicher eine wesentlich umfassenderer und kompetentere Übersicht als die Ratingagenturen haben. Die Ratings bewerten hier nicht die Bonität, sondern geben eine Vorlage für den Marktpreis der Anleihen. Das ist nicht logisch und auch nicht zu akzeptieren.

        Und wenn man als Anleger Geld in irgendwelche ausländischen Märkte anlegen würde, in denen man sich nicht so gut auskennt, dann wären solche Ratings sicher erstmal eine hilfreiche grobe Orientierung.

        Als Anleger soll man aber generell nie Geld in Märkten anlegen, in denen man sich nicht auskennt. Nicht mit und nicht ohne Rating.

        • Sukram71 schrieb am 18. Januar 2012 at 11:30 - Permalink

          War natürlich klar, dass jeweils der berechtigte Einwand kommt. :)

          Nur obwohl ich mich mit Kinofilmen mittlerweile halbwegs gut auskenne, lese ich trotzdem verschiedenste Filmkritiken. (Selbst dann, wenn ich ne eigene Analyseabteilung dafür hätte.)

          Auch wenn ich weiß, dass die Filmkritiken nicht selten Mist sind, mitunter reine Werbung und sowieso reine Geschmackssache. ^^

      • Nicolai Hähnle schrieb am 18. Januar 2012 at 11:22 - Permalink

        So lange Staaten vom “großen Geld” großes Geld haben wollen, können die sich nicht davon emanzipieren, sondern sind eben davon abhängig.

        Genau deshalb ist es so wichtig, Modern Monetary Theory zu verstehen.

        Der Normalfall ist, dass das Geld an sich durch den Staat erschaffen und kontrolliert wird. Dass die Regierungen von Staaten wie den USA, Kanada, Großbritannien oder Schweden “vom großen Geld großes Geld haben wollen” ist eine Illusion, die durch eine künstliche Verschleierung der zugrunde liegenden Mechanismen aufrecht erhalten wird.

        In der Eurozone liegen die Dinge anders, und nur deswegen bestehen in der Eurozone die aktuellen Probleme. Eine echte Lösung erfordert (neben anderen Dingen) die Etablierung eines politischen monetären Souveräns, der die notwendigen öffentlichen Defizite der Eurozone trägt.

        • Spiegelfechter schrieb am 18. Januar 2012 at 12:43 - Permalink

          Deshalb nenne ich die Banken auch “Intermediäre”. Aber erkläre mir doch mal bitte, warum Geld nur(!) durch den Staat erschaffen und kontrolliert wird. Diesen Punkt der MMT kann ich einfach nicht nachvollziehen.

          • Nicolai Hähnle schrieb am 18. Januar 2012 at 13:00 - Permalink

            Aber erkläre mir doch mal bitte, warum Geld nur(!) durch den Staat erschaffen und kontrolliert wird. Diesen Punkt der MMT kann ich einfach nicht nachvollziehen.

            Zwei Dinge. In meinem Kommentar schrieb ich, “dass das Geld an sich durch den Staat erschaffen und kontrolliert wird”. Das war womöglich eine unglückliche Formulierung: mit “das Geld an sich” habe ich das Geldsystem gemeint.
            Zweitens: MMT beinhaltet definitiv die Endogenität der Geldmenge. Was in der Hinsicht aber von anderen abhebt ist die Betonung, dass das Nettogeldvermögen vom Privatsektor nur steigen kann, wenn die Regierung im Defizit ist, oder natürlich die Flüsse mit dem Ausland entsprechend laufen. Diese “Schaffung von Nettogeldvermögen” kann manchmal zu einer “Schaffung von Geld” werden, wenn man schlampig formuliert, auch wenn die beiden Dinge natürlich nicht das gleiche sind.

            • Spiegelfechter schrieb am 18. Januar 2012 at 13:11 - Permalink

              OK, das erklärt einiges und so mag ich das auch unterschreiben.

            • Vogel schrieb am 19. Januar 2012 at 21:51 - Permalink

              Durch Euer PingPong iss für mich auch ‘n Ping abgefallen:

              Hab’ ich das richtig verstanden (und richtig weitergedacht) dass, wenn der Staat, die Regierung, kein „großes Geld“ von der letzten Instanz haben kann (wegen der von sog. „Experten“ und deren Nachplapperern dann garantierten „23-er Verhältnisse“ und einem „weisen Verzicht“ darob) er, sie, sich das „große Geld“ dann vom „großen Geld“ leihen muss? Also nicht von den Banken die ja nur Geldsammelstellen sind, sondern vom „großen Geld“, von Buffet und seiner Kriegerrunde!

              Das war wohl schon immer klar … mir isses erst jezz richtig klar geworden (und vielleicht noch dem einen oder andern) – Danke an Nicolai und Dich!

              Und mit der Logik:

              … dass das Nettogeldvermögen vom Privatsektor nur steigen kann, wenn die Regierung im Defizit ist, …

              wird’s richtig rund: EZB = zurück nach 1923 oder Buffet = zurück in die Ketten.
              Horridoh würd’ ich da sagen, die Jagd sollte eröffnet werden! *Grrrh*

    2. susi bibelmaus schrieb am 18. Januar 2012 at 10:05 - Permalink

      Nein…das werden sie nicht machen (dürfen). Die zu beobachtenden Verjüngungen vorher globaler Wirtschaft hin zu einem kontrollierten Warenwirtschaftssystem, dass unter anderem auch bisher von vielen Mitmenschen noch immer nicht erkannte Zusammenhänge von Europa- Währung- Krise- Sparkurse und anderen beinhaltet, macht eine virtuell geschaffene Notwendigkeit politischen Handelns erforderlich. Erst wenn das globale Ambiente chaotisch genug ist und die Staaten sich freiwillig zur Unterwerfung der sich bildenden Weltregierung unterwerfen um zu „gesunden“, erst dann werden solche jetzt noch erforderlichen Indikatoren wie Ratingagenturen plötzlich verschwinden.

      Der Boden ist jetzt noch nicht genug beackert worden um künstlichen Bedarf von immer neuen harten Sparmaßnahmen, sprich: gewollte Massenverarmung, zu schaffen. Wir werden sehen, denn schon posaunen Staatenkönige schon wieder die Verfehlung bisheriger Milliarden Rettungsschirme und schielen schon auf weiter, neuere Restriktionen. Ihr wollt es nicht wahrhaben, doch es ist so.
      .
      .
      susi

    3. Carsten Otto schrieb am 18. Januar 2012 at 10:09 - Permalink

      Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen!

      Aber hinzu kommt auch noch, dass die Politik für viele Investments, zum Beispiel Mündelgelder oder ähnliches den Interessierten dazu verpflichtet, das Investment an die Bewertung der Ratingagenturen zu binden. Der Bürger ist also auf die Bewertung angewiesen! Auch Banken und Versicherungen haben auf diesem Gebiet eine rechtliche Verpflichtung.

      /(Anmerkung von Mod, niemand ist auf die Bewertung, auch als politisches Druckmittel angewiesen, Ratingagenturen wurden u.a. geschaffen um Geld zu verdienen und der damalige Bundeskanzler G. Schröder (SPD) tat sein bestes um neue Bilanzierungsvorschriften zu Gunsten von Banken, Industrie und Wirtschaft zu schaffen, s. Unternehmenssteuerreform, anschliessend kamen die Heuschrecken. Damit Finanztransaktionen etc.etc.Wasserdicht ablaufen konnten, wurde die BaFin gegründet, die am 1. Mai 2002 durch Zusammenlegung der Bundesaufsichtsämter für das Kreditwesen (BAKred), des Wertpapierhandels (BAWe), des Versicherungswesen (BAV) ihre Arbeit aufnahm.)/

      Ich will das aber nicht kritisieren, schließlich halte ich den Einsatz und die Bedeutung der Ratingagenturen für sinnvoll und gut. Klar, man kann darüber diskutieren eine europäische Ratingagentur zu gründen, halte das aber nicht für notwendig und für ziemlich teuer zu gleich.

      (/Es wurden also Aufsichtsinstrumente durch die SPD Regierung zerstört und so konnte dann auch der Präsident der BaFin, (Bundesanstalt für Finanzaufsicht), Jochen Sanio, 2007 keinen Fehler im Zusammenhang mit der Finanzkrise ausmachen, weil die Bankenaufsicht, wie die betroffenen Geldinstitute auch, sich auf die Ratingagenturen verlassen hatten, die hervorragende Noten für Pakete der z.B. US-Hypothekenkrediten vergeben hatten. Der Mist ist also Hausgemacht und Ratingagenturen dienen ihrem Herrn, die Dagong Global Kredit, ist in China für die Bewertung anerkannt und stuft Aktuell die USA mit A+ ein. Also entweder gründen die Europäer ganz schnell ein Gegenstück zu den US Ratings, oder man schafft sich die Instrumente um zu Bewerten, die sich vorher auch bewährten? Noch eine Anmerkung von Mod, deine Beiträge werden vom System als Spam erkannt, evt. klärst du das mit dem Hausherrn persönlich?)/

    4. Julius Census schrieb am 18. Januar 2012 at 10:32 - Permalink

      Das Problem ist, das die Bewertungen durchaus auch praktische Folgen haben. Meines Wissens nach brauchen lt. Basel II z.B Banken keine 2% Eigenkapital aufzuwenden wenn sie Kredite an AAA geratete Kreditnehmer vergeben.

      Neoliberlismus ist eigendlich der Glaube, das aufgrund von wenigen “naturgegebenen” Gesetzmässigkeiten in der Ökonomie sich die Dinge weitgehend selbst regeln.
      Das das eine sehr naive Weltansicht ist können wir jeden Tag selbst erleben.

      Bei Basel allerdings werden dann, im gegensatz zur “reinen” Lehre, exorbitant komplizierte Regeln aufgestellt. Denn da geht es ja um das Geld an sich und das Prügeln am Futternapf muss ja “geregelt” sein. Mit dem Ergebniss das sie sich selbst in’s Bein schiessen

      Es wird wirklich Zeit diese Träumer auf zu wecken.

      • Spiegelfechter schrieb am 18. Januar 2012 at 11:15 - Permalink

        Das Problem ist, das die Bewertungen durchaus auch praktische Folgen haben. Meines Wissens nach brauchen lt. Basel II z.B Banken keine 2% Eigenkapital aufzuwenden wenn sie Kredite an AAA geratete Kreditnehmer vergeben.

        Bei Krediten an Staaten müssen sie sogar gar kein Eigenkapital hinterlegen, wenn das Rating besser als A+ ist – das gilt also für AAA, AA+, AA und AA-. War Du meinst, ist wahrscheinlich die Mindestreserve bei der EZB – die hat damit jedoch direkt nicht viel zu tun. Für Unternehmenskredite gelten freilich andere Regelungen.

        • Julius Census schrieb am 18. Januar 2012 at 18:44 - Permalink

          und weil für Unternehmen andere Bedingungen gelten gibt es da gerne mal ne “Kreditklemme”. Am liebsten verdienen die Banken doch an Vater Staat.

    5. Karla schrieb am 18. Januar 2012 at 10:36 - Permalink

      Die deutsche Regierung scheint aber keineswegs die Absicht zu haben, die Rating-Agenturen zu ignorieren. Ganz im Gegenteil: Sie wollen am liebsten eine eigene, vor allem natürlich für die Fälle, wo die “Einschätzungen” der Platzhirsche nicht ins eigene politische Konzept (z.B. vom “Sparen”) passen. Wie eben jüngst geschehen. Man muss nur auf die Wortwahl aufpassen: wenn’s nicht gefällt, ist immer von “amerikanischen Ratingriesen” die Rede; wenn dagegen ein “Schuldensünder” ans Pranger gestellt werden soll, spricht man lieber von “Bestrafen” durch die Ratingagentur. Eine gerechte Strafe natürlich, in diesen Fällen.

      Die Meldung, dass die Bertelsmannstiftung an Kriterien für eine europäische Ratingagentur arbeitet, hat mich schon ziemlich beunruhigt. In der Pressemeldung war ganz unverhohlen von eindeutig politischen Kriterien die Rede, die zusätzlich zu den üblichen ökonomischen berücksichtigt werden sollen. Die Reformfähigkeit und die Durchsetzungsfähigkeit einer Regierung soll da mit bewertet werden. Es ist wohl klar, welche Reformen damit gemeint sind, und Durchsetzungsfähigkeit … das lässt nichts Gutes ahnen. Wenn immer wieder Demonstranten gegen Sparpakete demonstrieren, gilt eine Regierung vermutlich als wenig durchsetzungsfähig.

      Was mir aber am meisten Sorgen macht, ist, dass diese künftige europäische (eigentlich tatsächlich deutsche) Ratingagentur sehr passgenau auf das abgestimmt wird, was gleichzeitig in dem neuen Stabilitätspakt festgelegt werden soll. Verstößt ein Land gegen ein dort definiertes Kriterium, kommt augenblicklich die Guilotine in Form des Bertelsmann- oder Berger-Ratings (weil es im Prinzip die gleichen Kriterien sind); das Land wird runtergestuft. Über “automatische Sanktionen” braucht man dann nicht mehr separat nachdenken. Das ist doch eine geniale Konstruktion, sodass ich fürchte, die neoliberale deutsche Regierung wird sich diese Chance nicht entgehen lassen.

      • Mod schrieb am 18. Januar 2012 at 12:33 - Permalink

        Ohne das OK aus der EU kann in Europa keine Rating Agentur gegründet werden.

        Es ist also Zeit das sich die Politik entschließt, ihren Bürgern mal wenigstens im Ansatz die Wahrheit darüber zu erklären?! Zudem sollte eine neu zu gründen Ratingagentur in und für Europa nicht Gewinn orientiert tätig sein, wie Peter Bofinger vorschlug. Zur Rechenschaft wurden die Ratingagenturen auch nicht gezogen weil sie für den entstandenen Schaden nicht haften. Ein Wettbewerb untereinander findet auch nicht statt, so bewerten Moodys, S&P und co munter drauf los, zudem sind diese Häuser interessensorientiert.

        “Es dürfe nicht sein, dass ein Kartell dreier US-Unternehmen über das Schicksal der EU entscheide, sagt Reding. Notfalls müsse eine neue, europäische Bonitätsprüfung her.”

        sagt die EU-Justizkommissarin Viviane Reding:

        http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-07/rating-zerschlagung-justizkommissarin

        • Spiegelfechter schrieb am 18. Januar 2012 at 12:52 - Permalink

          Hier wird auch immer viel Unfug gesagt und geschrieben. Lt. dt. Gesetz sind diese Agenturen zugelassen:

          - Creditreform Rating AG (für das Marktsegment “Andere Forderungen” nach § 52 Abs. 2 Satz 6 Nr. 3 SolvV)
          - DBRS (für alle Marktsegmente nach § 52 Abs. 2 Satz 6 SolvV)
          - Euler Hermes Rating GmbH (für das Marktsegment “Andere Forderungen” nach § 52 Abs. 2 Satz 6 Nr. 3 SolvV)
          - Fitch Ratings (für alle Marktsegmente nach § 52 Abs. 2 Satz 6 SolvV)
          - Japan Credit Rating Agency Ltd. (JCRA) (für das Marktsegment “Andere Forderungen” nach § 52 Abs. 2 Satz 6 Nr. 3 SolvV)
          - The McGraw-Hill Companies unter der Marke “Standard & Poor’s Ratings Services” (S&P) (für alle Marktsegmente nach § 52 Abs. 2 Satz 6 SolvV)
          - Moody’s Investors Service (für alle Marktsegmente nach § 52 Abs. 2 Satz 6 SolvV)

          Euler Hermes ist zwar deutsch-französisch, aber nicht unproblematisch, da selbst ein Kreditversicherer und im Besitz der Finanzbranche.

          Was ist aber mit der Creditreform? Sie ist genossenschaftlich als e.V. firmiert und als deutsche(!) Ratingagentur von der BaFin zertifiziert. Es gibt also eine deutsche Ratingagentur, man müsste sie nur für alle Marksegmente zulassen.

          • Einfach Demokratie schrieb am 18. Januar 2012 at 13:17 - Permalink

            Ist die Bundesbank-Seite echt oder ist das ‘ne Satireseite aus “Neues aus der Anstalt” ;-)

          • Mod schrieb am 18. Januar 2012 at 14:46 - Permalink

            das kann ich jetzt so auch nicht beantworten wer dafür, bzw. welcher Gesetzestext da jetzt zuständig ist? Denke aber das Vorgaben und Gesetze wie Verordnungen aus der EU, in nationales Recht umgesetzt werden müssen? Genau weiß ich das jetzt auch nicht? i think so?! Aber das ist ja gerade der Witz dabei? Das ganze Geschehen um Ratings könnte man sich einsparen aber so lange da keine Linie gefunden wird, gehts munter weiter. Ist meiner Meinung nach Systembedingt..?! H.W.Sinn bei “unter den Linden” sagte zu Ratingagenturen und deren Macht, ungefähres Originalzitat;,” da könne man nichts machen weil es Private Unternehmen sind”, von wem der wohl bezahlt wird? .Sehr guter Beitrag von dir und es bleibt zu hoffen das darüber endlich mal Entscheidungen aus dem politischen Lager getroffen werden? Aber die werden erst Aktiv wenn der Bürger erfährt was los ist oder die Bild mit dem Stimmungsbarometer droht. Oder Umgekehrt!

        • Karla schrieb am 18. Januar 2012 at 14:54 - Permalink

          Es ist also Zeit das sich die Politik entschließt, ihren Bürgern mal wenigstens im Ansatz die Wahrheit darüber zu erklären?! Zudem sollte eine neu zu gründen Ratingagentur in und für Europa nicht Gewinn orientiert tätig sein, …

          Ich habe überhaupt nicht den Eindruck, dass “die Politik” das vorhat. Grundsätzlich überall, wo Bertelsmann(-stiftung) seine Finger drin hat, würde ich von dem Anfangsverdacht ausgehen, dass da eher etwas verschleiert anstatt erklärt werden soll. Da wettert man halt gegen die Amerikaner anstatt zum Inhalt, zu den Kriterien was zu sagen. Wenn es heißt “wir brauchen eine europäische Ratingagentur, um und gegend die Angriffe der Amerikaner zu stemmen”, dann darf man allemal mit Verständnis rechnen, obwohl in Wirklichkeit keiner versteht, was das läuft.

          Außerdem glaube ich nicht, dass die Forderung “nicht gewinnorientiert” genügt. Die zu gründende Ratingagentur kann doch locker auf Einnahmen aus ihrer Raterei verzichten, wenn sie nur ordentlich die Interessen der Leute vertritt, die hinter ihr stehn. Wer steht denn beispielsweise hinter der Bertelsmannstiftung?

          • Mod schrieb am 18. Januar 2012 at 16:35 - Permalink

            Das ist ja das Problem, die Politik wird das nicht vorhaben?, wir können uns da ganz auf ihre Lobbyisten in Brüssel verlassen. Bei Bertelsmann wird mir auch nicht wohler, die ganze Studienreform mit Studiengebühren, Master, Bachelor usw. beruhen auf Initiativen von und mit Bertelsmann und wurden mit unglaublichen Tricksereien bei Umfragen durch Bertelsmann Sturmreif geschossen. Jetzt schicken Unternehmen Profs. und Dozenten mit befristeten Verträgen in die Hörsäle und die Bildungsinhalte konzentrieren…falsches Thema, sorry!

            editierender weise..
            Herrgott was fürn Deutsch? wir können uns da ganz auf “ihre” Lobbyisten in Brüssel verlassen. Auf deren sollte da stehen, wenns schnell gehn soll!!??

    6. R_Winter schrieb am 18. Januar 2012 at 10:40 - Permalink

      Ein herrlicher Artikel, um den Blutdruck zu steigern.

      Standard & Poor´s hat beispielsweise die Pleitebank Lehman Brothers noch drei Tage vor deren Zusammenbruch mit dem Premiumrating „A“ bewertet.

      Dieses mag sogar richtig gewesen sein – zumindest im Verhältnis zur Bewertung anderer Banken. Die Lehman-Pleite war politisch begründet und eine Maßnahme der Banken, Konkurrenz auszuschalten. Zig andere Banken waren zum damaligen Zeitpunkt so “Pleite”, wie Lehman Brother.

      Es gäbe wahrlich sinnvollere Verwendung für das Geld, das die Bundesrepublik und andere Eurostaaten den drei Agenturen Monat für Monat in den Rachen werfen.

      Ja, welchen denn? Etwa um Maßnahmen um die Kaufkraft im Inland zu steigern oder den Abstand der Einkommen zwischen den Lohnabhängigen und den Kapitaleinkünfte weiter zu steigern?
      Was regen wir uns über internationale Rating Agenturen auf. Bertelsmann und Roland Berger (Deutsche Bank) arbeiten doch schon an ein “Geld-Abschöpfunternehmen”, hinter dem sich in finanzpolitischen Fragen zu 98% unfähigen Bundestagsabgeordneten verstecken können.

      • Einfach Demokratie schrieb am 18. Januar 2012 at 11:22 - Permalink
        Standard & Poor´s hat beispielsweise die Pleitebank Lehman Brothers noch drei Tage vor deren Zusammenbruch mit dem Premiumrating „A“ bewertet.

        Dieses mag sogar richtig gewesen sein

        Das war es. Die Rating-Agenturen bewerten ja nicht die Bonität eines Unternehmens. Das ist ein häufiges Missverständnis. Sie bewerten die Ausfallwahrscheinlichkeit der Anlagepapiere. Und natürlich gehen sie davon aus, dass Banken in der Regel gerettet werden, weil es der Realität entspricht.

        Es ist also ganz und gar unmöglich aus dem Urteil einer Rating-Agentur die Bonität einer Bank (ohne Staatshilfe) oder eines Staates (ohne Rettungspakete) abzulesen.

        Die Ratings sacken immer genau dann in den Keller, wenn die Rettungsbereitschaft infrage steht. Das hat also überhaupt nichts damit zu tun, ob die finanzielle Lage der Banken oder Staaten sich irgenwie geändert hat. Die Downgrades reflektieren somit auch nur am Rande die Frage, ob diese Staaten in der Lage, sind ihre Finanzierung zu stemmen. Sie sind es nicht. Sie wären es natürlich, wenn sich die Regierungen ihr eigenes Geld drucken könnten. Das können sie innerhalb der Eurozone nicht. Daher ist die Frage, um die sich zurzeit alles dreht, ob es die EZB nicht endlich mal für sie tut.

        Somit sind derartige Ratings keine marktwirtschaftlichen Beurteilungen mehr, sondern politische Sachfragen.

        • Sammy schrieb am 18. Januar 2012 at 12:09 - Permalink

          Somit sind derartige Ratings keine marktwirtschaftlichen Beurteilungen mehr, sondern politische Sachfragen.

          Vollkommen richtig.

          Im Auge behalten sollte man auch die Ratings, die Jens als “Zückerli” tituliert.

          Ich habe in einem Artikel gelesen, dass die Schweiz z.B. in arge Bedrängnis käme, wenn UBS oder Credit Swiss noch weiter ins Taumeln gerieten als dies schon 2008 der Fall war. In diesem Falle wären die Banken sehr schnell nicht mehr “too big to fail” sondern für den Schweizer Staat “too big to save”!

          Ohne Rettungsschirm wäre es relativ überraschend schnell Schluss mit den Schweizer Staatsfinanzen. Freilich ist abzusehen, dass die Schweiz von den USA und Europa sehr schnell massive Hilfe erhalten würde. Schließlich liegen die Billionenvermögen gewichtiger Personen und Unternehmen dort, die man nicht einfach durch einen Verfall des Franken vernichten lassen wird.

          Aber ob solche unsicheren Aussichten (drohender Staatsbankrott wegen dem möglichen Fall einer einzelnen Bank) ein AAA rechtfertigen?

          • Tidaltree schrieb am 18. Januar 2012 at 13:23 - Permalink

            Erinnert mich an eine Situation aus der Schulzeit, wo meine Versetzung von einer einzelnen Deutscharbeit abhing. Nachdem ich die Situation dem Lehrer klar gemacht habe, wich die Benotung der Arbeit mit 2- von der Benotung von 4- bis 5, welche ich sonst durch diesen Lehrer erhalten hatte, ab, was mir Sprichwörtlich den Arsch gerettet hat.

    7. georg schrieb am 18. Januar 2012 at 10:45 - Permalink

      So lange die Ratingagenturen irgenwelche `drittklassigen´ Staaten in Afrika oder sonstwo abwerteten, oder immer schlecht bewerteten, hat sich niemand gross aufgeregt, es herrschte allenfalls die Meinung diese Länder könnten nur nicht rechnen, daher sei diese Bewertung nur gerechtfertigt. Gehts aber ans eigene Leder; ändert sich das dramatisch, plötzlich können die Ratingagenturen nicht rechnen, oder messen mit zweierlei Mass.
      Im übrigen machen die Ratingagenturen nichts anderes wie die Sparkasse. Verliere ich meinen JOB, oder die Schulden übersteigen mein Einkommen stuft mich die Bank zurückll, eventuell werden HYPHOTHEKENVERTRÄGE gekündigt und weitaus höhere Zinsen verlangt, die ich eh nicht bezahlen kann, an neue Kredite ist dank SCHUFA überhaupt nicht zu denken. GAME OVER. Was soll also diese Aufgeregtheit.
      Im übrigen , warum Deutschland noch triple A hat ist mir unverständlich. In einem Land in dem man sich bei einer einzigen Bank mal eben so um 50 000 000 000 Euro verrechnet ( oder halt die Bewertungskriterien ändert ) kann es nicht mit rechten Dingen zu gehen, die Manipulation ist offensichtlich. ( natürlich mit dem ZIEL die Verschuldungsquote zu senken, damit man AAA behält )
      GRUSS GEORG

    8. baumbaron schrieb am 18. Januar 2012 at 11:00 - Permalink

      Diese Ratingagenturen tun ja so, als wären sie die Glaubenskongregation des neoliberalen Glaubensbekenntnisses. Und sie wollen damit eine Reform dieses neoliberalen Finanzmarktwesens durchsetzen, die es aus der Krise heraus den Märkten erst recht möglich macht, vollends zu herrschen. Das wird sichtbar daran, wie in demokratischen Staaten an den Rechten und Besitzerbärmlichkeiten der normalen Bürger im Auftrag der Märkte momentan herumgesäbelt wird (Rente, Mehrwertsteuererhöhungen, Lockerung der Arbeitsmarktregeln etc. etc.). Man kann sich noch so freuen, dass der italienische Duce-Verschnitt weg ist, aber bei genauer Sicht ist es ein Werk der Märkte, denen es zunehmend gelingt, solche Regierungen, die nicht nach der Pfeife tanzen, schlicht und ergreifend zu ersetzen mit sogenannten “Expertenregierungen”. (Es stellt sich dabei nur die Frage, wo diese Experten ihr Expertenwesen ausgetobt haben, als die Krise angerichtet wurde.) Entscheidend in diesen Abläufen ist natürlich auch die Rolle der Medien, die dieses Spiel entsprechend vorbereiten und schmackhaft machen. Dies war im griechischen, wie im italienischen Regierungswechselspiel der Fall und auch in Spanien wurde der Wahlkampf entsprechend begleitet. Wie auch immer, es geht stets und ausschließlich darum, den Popanz neoliberalen Götzenwesens mit allen Mitteln, seine Folgen die 90-%Bürgergesellschaften zahlen zu lassen und die restlichen 10% laufen zu lassen. Das zu flankieren, ist die Aufgabe von Glaubenkongregationen. Und solange demokratische westliche Politik als Vater Unser betet: ” es geht darum, dass die Märkte wieder Vertrauen in die Politik haben”, können wir fest darauf vertauen, dass nicht passiert, worum es wirklich geht: die radikale Kontrolle der Märkte, die radikale Besteuerung derselben und die Ausdehnung des demokratischen Rechtssystems auf dieselben. Sind wir skeptisch, dass das geschieht!
      Es ist eher zu erwarten, dass es bleibt wie im Mittelalter. Die ‘Märkte’ werden Regierungschefs bannen, die nicht spuren und ihre Bürger büßen lassen für die Sünden der Märkte. Wenn sie nach Canossa gehen, dürfen sie bleiben, wenn nicht, kommt eine “Expertenregierung”. Wenn sie machen was verlangt wird, dürfen sie 7 magere Jahre lang regieren und erhalten dann eine Gaspromrente von Marktes Gnaden. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Machtgehabe von Fall zu Fall abnützt (wie seinerzeit bei Heinrich IV, beim ersten Bann wars noch schlimm, beim zweiten hats keinen mehr interessiert). Aber bis dann Säkularisation und Befreiung vom Irrglauben eintritt, sind noch ein paar hundert Jahre fällig.

      PS Ich glaube mit Guido an die Stiftung Warentest (Scherz!)

    9. Einfach Demokratie schrieb am 18. Januar 2012 at 11:08 - Permalink

      Durch die über EU-Richtlinien gesetzlich vorgeschriebenen Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel II) wird die „Meinung“ der Ratingagenturen zu einem gesetzlich bindenden Qualitätsurteil für Finanzprodukte.

      Genau das ist der Kern des Problems. Die gesetzlichen Vorschriften für Banken, Versicherungen und EZB-Sicherheiten hat man vom Urteil dieser Agenturen abhängig gemacht. Das war ja kein Versehen. Auf derartigen Absurditäten basiert die gesamte Logik unseres Finanzsystem. Wie von Dir erwähnt, kann man schließlich niemanden verbieten, seine Meinung kundzutun, wie auch immer die aussehen mag. Normalerweise würde die Bedeutung einer Rating-Agentur ausschließlich auf der Treffsicherheit ihrer Prognosen basieren. Doch die drei großen Rating-Agenturen beziehen ihre Macht einzig und allein aus der Politik.

      Ein Symptom zieht sich als beständiges Muster durch unser gesamtes Finanzsystem. Die wesentlichen Probleme resultieren nicht aus fehlender Regulierung, sondern aus zu vielen Privilegien.

      für diese Absurdität trägt die Politik die volle Verantwortung

      Schöner hätte ich das nicht sagen können :-)

    10. nagel schrieb am 18. Januar 2012 at 11:21 - Permalink

      jens, danke für diesen aufklärenden beitrag.
      ich habe bei telepolis noch einen interessanten artikel zum thema gefunden.

      Selbstentmachtung der Ratingagenturen

      Da hatte Standard & Poor’s (S&P) am Freitag zum Generalangriff auf den Euro geblasen, doch an den Finanzmärkten wurde so reagiert, als hätte die Ratingagentur die Kreditwürdigkeit von Ländern wie Frankreich und Spanien sogar verbessert. Beide Länder konnten danach Staatsanleihen billiger loswerden, obwohl Spanien sogar um zwei Stufen herabgestuft wurde. Verunsicherung machte sich nicht einmal dann breit, als S&P am Montag nachsetzte und nun auch die Bonität des EU-Rettungsschirms erwartungsgemäß herabstufte. Den absurden Bewertungen wird immer weniger Glauben geschenkt, womit die Macht der US-Agenturen zerfällt. Damit steigt auch die Bereitschaft, ihnen Ketten anzulegen. [...]

    11. Lazarus09 schrieb am 18. Januar 2012 at 11:41 - Permalink

      Standard & Poor’s gehört zu m Medienunternehmen McGraw-Hill Companies, Inc. größter Aktionär die Investmentfirma Capital World Investors !! Bei Moody’s ist neben Capital World Investors der Massenvernichtungswaffen Finanzmogul Warren Buffett einer der wichtigsten Aktionäre der auch bei Goldman Sucks dicke drin ist ……!!!

      Nun wer jetzt noch an unabhängiges “Rating®” so wie .. TÜV -Siegel NRW oder so glaubt sollte sich von Mutti trocken legen lassen :D

      Das sind schlicht und ergreifend Lobbyisten-vereine in Aktionärsbesitz mit massiven Gewinnstreben …!

      Die Finanzwirtschaft verdient besonders gut an Transaktionen, an Kursschwankungen und an Zinsdifferenzen. Deshalb hat sie großes Interesse an Spekulationen. Um diese anzuheizen, bedarf es der Handlanger. Das sind einschlägig tätige gekaufte Politiker®, Wissenschaftler bzw. Experten die Gewünschte Ergebnisse liefern und gerade dafür bezahlt werden , Journalisten® und Ratingagenturen® ! Die Finanzmärkte® machen ihre Gewinne mit Wetten, und Wetten auf Wetten. Ein Institut wie die Deutsche Bank schöpft nach wie vor den überwiegenden Teil ihres operativen Gewinns – ca 60% – aus sogenanntem Investmentbanking® – ein anderes Neusprech-Wort für Casino.

      Von daher … die sind ein nicht unerheblicher Teil des Abschöpf® und Umverteilungssystems® die kann man nicht Ignorieren !!

      666

      • Tidaltree schrieb am 18. Januar 2012 at 17:21 - Permalink

        Danke. :)

        Eine Bitte: Kannst Du mir einen (, bzw. jeweils einen) Link zur Verfügung stellen, welcher die Besitzverhältnisse genauer aufschlüsselt?

        • der Herr Karl schrieb am 18. Januar 2012 at 17:26 - Permalink

          @Tidaltree
          Versuch’s mal mit diesem Vortrag von Prof. Franz Hörmann:

        • Lazarus09 schrieb am 18. Januar 2012 at 17:51 - Permalink

          Falls das an mich ging … Ich habe mir das mal rausgesucht und gespeichert .. tut mir leid direkte Links habe ich nicht ..google doch mal ein wenig rum ..
          Eigentlich reicht das ja schon um zu verstehen was da wirklich gespielt wird ;-)

          ride free

          • Tidaltree schrieb am 18. Januar 2012 at 18:33 - Permalink

            Jupp. Ging an Dich. Naja, werd ich halt selber wühlen müssen. Aber ja, zum Verständnis sind Deine Ausführungen ideal. Weiterhin haben sie mich auf den Gedanken gebracht, durch eine politische Forderung nach einer Umverteilung der Besitzverhältnisse zur Hälfte in öffentliche Hand und NGOs eventuell einiges in Bewegung bringen zu können (und bereits im Vorfeld der Bertelsmannstiftung ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen zu können. – Als Hinweis: Ich verspreche mir hierbei keine Verbesserung durch Umsetzung der Forderung, sondern durch den öffentlichen Diskurs über diese.) edit: Hierfür bräuchte es der genauen Aufschlüsselung.

            Ich werd jetze erstmal weiterschauen, ob aus dem von der Herr Karl eingebrachten Vortrag eine Liste der Besitzverhältnisse gezogen werden kann. Der erste Teil war dahingehend nicht sehr ergiebig, wenn auch recht erheiternd und aufklärend… (In diesem Sinne auch besten Dank an Dich, der Herr Karl.)

            • der Herr Karl schrieb am 18. Januar 2012 at 18:51 - Permalink

              Der erste Teil war dahingehend nicht sehr ergiebig, wenn auch recht erheiternd und aufklärend…

              Ja, der erste Teil wirkt sehr bieder. In späteren Teilen wird es brisant, explosiv und revolutionär. Durchhalten!
              Die Spannung steigt sozusagen exponentiell…

            • Tidaltree schrieb am 18. Januar 2012 at 19:21 - Permalink

              Auch im 2. Teil bisher nichts zur konkreten Fragestellung. Allerdings wurden bisher zwei meiner Ansichten verhärtet:

              - Geld ist nichts weiter als ein Schuldschein
              - Wir könnten jederzeit auf Geld verzichten und die Realwirtschaft rein auf Bedarfsbefriedigung ausrichten (, wenn wir nur wollten)

              Bei der Begleichung der Schuldlast hat er meiner Meinung nach jedoch das Prinzip des Teller waschens als Möglichkeit der Schuldtilgung vergessen, also daß durch Arbeit (über die Entlohnung durch “Schuldscheine”) einem persönlich ein Teil der systemisch angehäuften Schulden erlassen wird (, welche dadurch allerdings nicht schrumpfen. – Mag ja als Bezug noch kommen… Teil 3 puffert gerade.)

            • Nicolai Hähnle schrieb am 18. Januar 2012 at 23:02 - Permalink

              @Tidaltree:

              Wir könnten jederzeit auf Geld verzichten und die Realwirtschaft rein auf Bedarfsbefriedigung ausrichten (, wenn wir nur wollten)

              Wie vergleichst du den Wert verschiedener Dinge? Wie vergleichst du den Wert eines iPods mit dem eines Käsekuchens?

              Das mag beliebig klingen, aber es geht hier um ein ganz ernstes Problem, das gelöst werden muss: solange Waren nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen können (und das können sie nicht, mach dir da keine Illusionen), muss irgendwie entschieden werden, wer was bekommt.

              Okay, vielleicht kann das ein hyperfairer Computer irgendwie machen. Aber wie erklärst du dem Computer, was deine Präferenzen sind? Wie entscheidet der Computer, welchen Anteil der Gesamtproduktion du haben kannst?

              Egal wie deine Antwort ausfallen wird, sie beinhaltet notwendigerweise eine Komponente, die zu Geld de facto äquivalent ist.

              Eine Welt ohne Geld ist nicht möglich. Um so wichtiger ist es, Geld richtig zu verstehen und das System gerecht und für den Menschen auszurichten.

              Bei der Begleichung der Schuldlast hat er meiner Meinung nach jedoch das Prinzip des Teller waschens als Möglichkeit der Schuldtilgung vergessen, also daß durch Arbeit (über die Entlohnung durch “Schuldscheine”)

              Durch die zunehmende Spezialisierung hat dieses Prinzip notwendigerweise an Bedeutung verloren. Auf dieser Basis kann man nicht effizient wirtschaften.

            • Tidaltree schrieb am 18. Januar 2012 at 23:30 - Permalink

              Der Wert besteht einzig und allein darin, daß es gebraucht wird. Ein Vergleich von Wert ist nicht nötig. Das einzige Problem, daß sich stellt ist, wie man mit denjenigen umgeht, welche nicht (ver)teilen wollen. Im Gegensatz zum Lösungsansatz des Herrn Hörmann, der eine Demokratisierung des Geldes vorschlägt (, wobei im Mindesten eine Demokratisierung der Märkte vonnöten wäre), halte ich da nur eine direkte Demokratisierung der Güterverteilung (, was über das, was ich unter einer Demokratisierung der Märkte verstehe, noch hinausgeht, jedoch als einzige Option die Dringlichkeit des Bedarfs mit einschließt, ) für sinnvoll. Doch selbst dann sind noch Mittel und Wege zu überdenken, was mit radikalen (Ver-)Teilungsverweigerern geschieht, da sich sonst zwangsläufig Gewalthandlungen entwickeln. Ein Gegenrechnen von Werten und Leistungen macht allerdings keinen Sinn. Da hat der Herr Hörmann meines Erachtens vollkommen recht.

            • Tidaltree schrieb am 19. Januar 2012 at 00:28 - Permalink
              Bei der Begleichung der Schuldlast hat er meiner Meinung nach jedoch das Prinzip des Teller waschens als Möglichkeit der Schuldtilgung vergessen, also daß durch Arbeit (über die Entlohnung durch “Schuldscheine”)

              Durch die zunehmende Spezialisierung hat dieses Prinzip notwendigerweise an Bedeutung verloren. Auf dieser Basis kann man nicht effizient wirtschaften.

              Ich fürchte, Du musst hier weiter Erläutern, wie Du das meinst. Das Prinzip ist doch nichts weiter, als das Calvinistische “Du musst arbeiten, damit Du Essen darfst.”
              Oder hast Du nicht verstanden, daß der Hörmann innerhalb seiner inneren Logik den ganzen Vortrag über nichts weiter ausdrückt, als daß wir alle den Bankenbossen gehören und diese uns nur erlauben, uns Frei zu fühlen und als heilsbringenden Schluß dann hieraus vorschlägt, unsere Ketten direkt in die Hand der Firmenbosse zu legen (und dann wird alles Gut)?

              edit: Durch Weglassen des von mir benannten, in seiner inneren Logik dort notwendigen Puzzlestücks verschweigt er dabei nämlich gekonnt, daß sich dadurch im Prinzip nichts ändert und nur die Herren etwas näher rücken, umgedreht jedoch auch die (von ihm selbst eingebrachte!) Sklaverei direkter und offener wird.

            • Nicolai Hähnle schrieb am 19. Januar 2012 at 08:58 - Permalink

              Ich fürchte, Du musst hier weiter Erläutern, wie Du das meinst. Das Prinzip ist doch nichts weiter, als das Calvinistische “Du musst arbeiten, damit Du Essen darfst.”

              Hier ist ein einfaches Beispiel: ich bin ein Mathematiker. Ein Restaurantbetreiber benötigt meine Fähigkeiten im Großen und Ganzen nicht bis eher selten.

              Natürlich könnte ich meinen Restaurantbesuch durch Tellerwaschen oder Kellnern bezahlen. Allerdings wird das Tellerwaschen heute besser durch Maschinen erledigt, und beim Kellnern wäre ich sicherlich ineffizienter als jemand, der das andauernd macht. Gleichzeitig würde ich ich meine Zeit mit Kellnern verbringen, während ich auf andere Weise wahrscheinlich mehr zur Gesellschaft beitragen könnte.

              Die Situation wäre die gleiche, wenn ich Ingenieur oder Schreiner oder Elektriker oder sonst etwas (außer Kellner oder Koch) wäre.

              Deshalb schrieb ich, dass der direkte Ausgleich durch Arbeit an Bedeutung verliert.

              Der Ausgleich funktioniert über den Zwischenschritt via Geld, da das Geld ermöglicht, dass spezialisierte Menschen der Tätigkeit nachgehen können, die sie am besten können – der Schreiner schreinert, der Koch kocht, der Elektriker installiert, etc. – und aber gleichzeitig ein Geschäft mit jemandem eingehen können, der diese spezialisierte Tätigkeit nicht, oder im Moment nicht, benötigt.

              Indem aber möglichst viele Leute das tun, was sie jeweils am besten können, wozu sie eine Ausbildung haben, usw. wird unsere Gesellschaft insgesamt effizienter und produktiver, so dass wir uns einen höheren Lebensstandard leisten können.

              Das Geld selbst ist einfach nicht das Problem in unserer Gesellschaft. Das Problem ist nur, wie das Geldsystem betrieben wird, und welche andere Regeln darum herum existieren. Diese Regeln müssen verändert werden.

            • Tidaltree schrieb am 19. Januar 2012 at 11:40 - Permalink

              Nein! Nur Bedarf! Nicht Ausgleich! (Die von Dir zitierte Aussage war zu dem verlinkten Vortrag, in dessen innerer Logik dieses Element auf unterer Ebene fehlt und nur als “Zwang zur Arbeit” übersetzt werden kann. Und die angesprochenen “Schuldscheine” sind dabei doch das Geld. Mit der verfestigten Ansicht meinerseits, daß wir das Geld abschaffen könnten, hat dies jedoch nichts zu tun. Da Du Dich im folgenden allerdings auf diese Ansicht zu beziehen scheinst, argumentiere ich in ihrem Sinne weiter.)

              Bedarf ist vorhanden: Wert = 1 => Es wird gebraucht (:ggf. Folgebedarf durch Transport, wenn keine Dienstleistung)
              Bedarf ist nicht vorhanden: Wert = Nicht vorhanden (: ggf. Folgebedarf an Lagerplatz, ggf. Reduktion der Produktionsmenge)

              Dringlichkeit = Die Anzahl der Ausrufezeichen, welche der Anmelder des Bedarfs erstmal setzt und im demokratischen Prozeß ggf. reduziert und erhöht wird. (Eine Dienstleistung ala “Massierst Du mir die Füße” braucht dabei einen demokratischen Prozeß in bei weitem kleineren Rahmen, als ein Bedarf an einer neuen Grafikkarte. Wobei auch Bedarfe berücksichtigt werden müssen, welche vom Bedarfsträger nicht direkt angemeldet werden können, zB. der Bedarf des Rehs an Wald oder der Gemeinde an Auslösung aus zentralisierter Energieerzeugung. Im demokratischen Prozeß stellt sich dann auch schnell heraus, ob ein Bedarf gerechtfertigt ist: Wer bereits über eine ATI 6990 verfügt, hat keinen echten Bedarf an einer ATI 7970, auch wenn sie noch so sehr eine bessere Schwanzverlängerung darstellt – mir würde es schon reichen, endlich mal meine 4650 agp durch eine 6870 austauschen zu können. Wer zum Ausüben seines Beschäftigungsfeldes jedoch einen Apple braucht, dessen Bedarf ist wiederum durch einen PC nicht gedeckt, selbst wenn dieser vorhanden sein sollte.)

              Was völlig entfällt ist das Gegenrechnen, der Ausgleich, wie Du ihn nennst. Es ist intermediär schlicht nicht nötig, wo doch der demokratische Prozeß selber und direkt die Verteilungsgerechtigkeit wahrt.

            • Tidaltree schrieb am 19. Januar 2012 at 14:59 - Permalink

              Oder lass es mich mal versuchen, in Deinen Worten als Mathematiker auszudrücken:

              Wenn man die Formel hinsichtlich Bedarfsdeckung auflöst und dann die Verteilungsgerechtigkeit in Form einer Klammer den Geldkreislauf in Form von Schulden und Geld sowie, in einer weiteren Klammer zwischen ihnen, der demokratische Prozeß als verhandelndes Element steht, jedoch nur die konstruierte Bedingung zwischen Wachstum und Zinserhebung verhindert, daß sich Schulden und Geld gegenseitig aufheben, dann zeigt dies nur, daß Schulden und Geld nicht notwendig sind und die variable “demokratischer Prozeß” direkt vollständig den Platz der gesamten Klammer einnehmen kann.

            • Nicolai Hähnle schrieb am 19. Januar 2012 at 16:24 - Permalink

              @Tidaltree: Du widersprichst dir selbst. Lass mich einmal zwei deiner Aussagen gegenüberstellen. Erstens:

              Der Wert besteht einzig und allein darin, daß es gebraucht wird. Ein Vergleich von Wert ist nicht nötig.

              Zweitens:

              Im demokratischen Prozeß stellt sich dann auch schnell heraus, ob ein Bedarf gerechtfertigt ist: Wer bereits über eine ATI 6990 verfügt, hat keinen echten Bedarf an einer ATI 7970, auch wenn sie noch so sehr eine bessere Schwanzverlängerung darstellt – mir würde es schon reichen, endlich mal meine 4650 agp durch eine 6870 austauschen zu können.

              Dein Bedarf einer neuen Grafikkarte ist also höher als der Bedarf einer anderen Person. Allein diese Aussage ist aber bereits ein Vergleich von Wert, und damit widersprichst du dir selbst.

              Ganz ehrlich habe ich das Gefühl, dass du dich von wirren romantischen Visionen leiten lässt, die du einfach noch nicht richtig zu Ende gedacht hast.

              Aber ich bin ja auch gar nicht gegen dich. Das Wichtige ist doch, dass man folgendes erkennt: Die Existenz von Geld an sich ist nicht das Problem. Das Problem ist, nach welchen Regeln unser Geldsystem funktioniert, und wie die Verteilung von Macht und Kaufkraft in unserem System abläuft. An dieser Stelle muss man ansetzen.

            • Tidaltree schrieb am 19. Januar 2012 at 19:21 - Permalink

              @Tidaltree: Du widersprichst dir selbst. Lass mich einmal zwei deiner Aussagen gegenüberstellen. Erstens:

              [...]

              Dein Bedarf einer neuen Grafikkarte ist also höher als der Bedarf einer anderen Person. Allein diese Aussage ist aber bereits ein Vergleich von Wert, und damit widersprichst du dir selbst.

              Nein. Im Bezug auf den Wert wird hier im demokratischen Prozeß nur eruiert, ob ein “Wollen” oder ein echtes “Brauchen” vorliegt. Wenn das “Brauchen” nicht vollständig negiert und hierbei auf’s “Wollen” reduziert wird (, ehrlich gesagt sogar eher darüber hinaus sogar das “Wollen” bei demjenigen, der immer das neueste Topmodell an Grafikkarte will, negiert wird), dann ist der Wert aufgelöst. Ansonsten besteht nur eine Erhöhung oder Verringerung der Dringlichkeit. (Beim zukünftigen Modell 8350 der Grafikkartenreihe ist die Dringlichkeit seines Bedarfs wieder höher, da dann seine Grafikkarte nicht mehr all die Dinge leisten kann, für die sie gebraucht wird.)

              Ganz ehrlich habe ich das Gefühl, dass du dich von wirren romantischen Visionen leiten lässt, die du einfach noch nicht richtig zu Ende gedacht hast.

              Ja, das kann sein. Ich versuche jedoch beständig an dieses Ende zu gelangen und über dieses Hinaus zum Anfang einer neuen Vision zu kommen. Nicht ohne Grund habe ich schließlich von der Verhärtung einer Ansicht gesprochen und nicht von einer gangbaren Lösung gequasselt.

              Aber ich bin ja auch gar nicht gegen dich. Das Wichtige ist doch, dass man folgendes erkennt: Die Existenz von Geld an sich ist nicht das Problem. Das Problem ist, nach welchen Regeln unser Geldsystem funktioniert, und wie die Verteilung von Macht und Kaufkraft in unserem System abläuft. An dieser Stelle muss man ansetzen.

              Je älter ich werde und je mehr ich mitbekomme, desto stärker erhalte ich den Eindruck, daß die Beschäftigung des Problems mit den Regeln unseres Geldsystems eine Ablenkung darstellt – ob gewollt oder nicht, sei mal dahingestellt. Hat sich halt so entwickelt – welche uns bei der Lösung des Problems der Verteilung von Macht und Kaufkraft in “unserem System” (“unserer Gesellschaft” gefällt mir da besser) im Wege steht.

            • Nicolai Hähnle schrieb am 19. Januar 2012 at 19:47 - Permalink

              Im Bezug auf den Wert wird hier im demokratischen Prozeß nur eruiert, ob ein “Wollen” oder ein echtes “Brauchen” vorliegt. Wenn das “Brauchen” nicht vollständig negiert und hierbei auf’s “Wollen” reduziert wird (, ehrlich gesagt sogar eher darüber hinaus sogar das “Wollen” bei demjenigen, der immer das neueste Topmodell an Grafikkarte will, negiert wird), dann ist der Wert aufgelöst. Ansonsten besteht nur eine Erhöhung oder Verringerung der Dringlichkeit.

              Tut mir Leid, aber ich verstehe deine Position einfach nicht. Vielleicht ist das Problem ja die Verwendung von “Wert”. Das Wort ist eigentlich zu unscharf definiert für diese Diskussion.

              Überlegen wir uns doch einfach mal ein hypothetisches, aber konkretes Szenario. Sagen wir, 1.000.000 Menschen in Deutschland hätten gerne eine ATI 7970 (um bei deinem Beispiel zu bleiben). Wenn wir Grafikkarten unbegrenzt aus dem Hut zaubern könnten, dann würden wir das natürlich tun, und jeder dieser 1.000.000 Menschen könnte eine solche Grafikkarte erhalten, egal ob ein “echtes Brauchen” oder nur ein “Wollen” vorliegt (wie auch immer du diese beiden Begriffe abgrenzen möchtest).

              Aber es gibt nun einmal keine Magie, und vielleicht reichen die Produktionskapazitäten in dem Zeitraum, über den wir reden, nur für die Produktion von 500.000 ATI 7970 aus. Was macht man dann? Wie wird entschieden, welche Teilmenge der 1.000.000 Menschen, die so etwas gerne hätten, auch eine bekommt?

              Würdest du das in einem Parlament ausdiskutieren? Das erscheint mir vollkommen unrealistisch: man kann doch nicht jeden der 1.000.000 Einzelfälle im Kopf behalten, um dann manuell in einer Diskussion 500.000 auszuwählen.

              Wie stellst du dir das also vor?

              Vielleicht eine Art Punktesystem? Aber dann fängst du eben an, zu vergleichen. Wenn du dieses Punktesystem dann weiter spinnst, werden diese Punkte immer mehr wie unser heutiges Geld aussehen. Und genau das meine ich wenn ich sage, dass eine komplexe Wirtschaft wie die unsere ohne Geld – in welcher Form auch immer – einfach nicht funktionieren kann.

            • Tidaltree schrieb am 19. Januar 2012 at 20:15 - Permalink

              Vielleicht eine Art Punktesystem? Aber dann fängst du eben an, zu vergleichen.

              Dies trifft genau darauf zu, was ich meine, wenn ich von Dringlichkeit spreche. Und genau das Vergleichen ist der Vorgang, den ich mit direkter Demokratisierung der Güterverteilung meine.

              Wenn du dieses Punktesystem dann weiter spinnst, werden diese Punkte immer mehr wie unser heutiges Geld aussehen. Und genau das meine ich wenn ich sage, dass eine komplexe Wirtschaft wie die unsere ohne Geld – in welcher Form auch immer – einfach nicht funktionieren kann.

              Dieser Schluß legt sich für mich nur nahe, wenn ich rein Extrapoliert weiterdenke und integrale Denkweisen und Handlungsoptionen völlig bei Seite schiebe. Im Kleinen haben wir diesen demokratischen Prozeß ja prinzipiell bereits, indem man zum Beispiel verlauten lässt, daß man die Wohnung renoviert, dafür eine Bohrmaschine braucht und jemand ausruft: “Ja klar! Ich leih Dir meine für eine Woche.”

              Was Dein Beispiel und Deine Frage zur demokratischen Organisation angeht: Da habe ich im Moment keinen Plan. Über die genaue Umsetzung habe ich mir noch keine (bzw. nicht genug) Gedanken gemacht. Ich denke jedoch nicht, daß sich diese zwangsläufig mit der parlamentarischen Demokratie beissen muss, sondern diese ehergesagt auch genausogut ergänzen kann. (edit: Aber ja, ich sehe in der parlamentarischen Demokratie alleine keine Möglichkeit, die Verteilungsgerechtigkeit zu gewährleisten.) Was sich wirklich damit beisst, ist das Konzept von Eigentum. Wenn auf diesem Konzept bestanden wird, dann machen meine Gedanken schlicht keinen Sinn und vice versa. (Das Konzept von Besitz ist jedoch meines Erachtens nicht im Widerspruch dazu.)

              Erinner mich gelegentlich mal an die Frage, wie meine Vorstellungen zu einer geeigneten Organisation aussehen. Vielleicht kann ich Dir Deine Frage dann in einem halben Jahr oder so schon eher beantworten. (Hat der Frank Benedikt Deine Emailadresse? Falls ja, sag ich ihm einfach, daß er Dir meine zusenden soll.)

            • Nicolai Hähnle schrieb am 19. Januar 2012 at 20:31 - Permalink

              Dieser Schluß legt sich für mich nur nahe, wenn ich rein Extrapoliert weiterdenke und integrale Denkweisen und Handlungsoptionen völlig bei Seite schiebe.

              Begriffe wie “integrale Denkweisen” hören sich für mich zu abstrakt an. Wenn du eine konkrete Geschichte erzählen kannst, wie das funktionieren soll und was du darunter verstehst, lass es mich wissen.

              Im Kleinen haben wir diesen demokratischen Prozeß ja prinzipiell bereits, indem man zum Beispiel verlauten lässt, daß man die Wohnung renoviert, dafür eine Bohrmaschine braucht und jemand ausruft: “Ja klar! Ich leih Dir meine für eine Woche.”

              Auf jeden Fall. Aber kleine Gruppen funktionieren ja auf ganz natürliche Weise kommunistisch, während Kommunismus in großen Gruppen im Allgemeinen scheitert (mit sehr, sehr wenigen Ausnahmen, wenn man z.B. Kibbutzim entsprechend einordnet; aber selbst die sind auf wenige Tausend Mitglieder beschränkt). M.E. ist das kein Zufall – wir sind einfach geistig nicht wirklich in der Lage, Kommunismus im Großen durchzuziehen, siehe Dunbar’s number (Link auf die englische Wikipedia, da der deutschsprachige Artikel weniger informativ ist)

              Hat der Frank Benedikt Deine Emailadresse?

              Keine Ahnung, wer meine Email-Adresse alles hat. Sie sollte jedenfalls nicht so schwierig zu finden sein ;)

            • Tidaltree schrieb am 19. Januar 2012 at 20:49 - Permalink

              Keine Ahnung, ob das, was ich hier denke, als Kommunismus bezeichnet werden kann bzw. sich damit deckt, da ich mich nicht wirklich mit dem Kommunismus auseinandergesetzt habe. Das sich hierbei jedoch ebenfalls aus den individuellen Ansprüchen Reibungsstellen ergeben, welche geglättet und aufgelöst werden müssen, ist mir klar, da die daraus entstehenden Konflikte sonst nur kommulieren und zur Explosion drängen. (Deshalb entzieht sich ja auch nicht gleich der komplette Zweck einer parlamentarischen Demokratie, sofern nicht ein direktdemokratischer oder aleatorischer Weg gefunden werden kann, diese Konflikte von Unten heraus aufzulösen.)

              Zur Bedeutung des schwammigen Begriffs “integrale Denkweisen” kann ich hier nur auf das (an sich noch schwammigere) Beispiel von Achilles und der Schildkröte verweisen.

              Dunbar’s Number hab ich erstmal in die Lesezeichen gepackt und lese später darin. Ich möchte eigentlich langsam mal einen Freund von mir besuchen, der wahrscheinlich schon auf mich wartet ^^ Erwarte Du dann mal morgen Post von mir, damit wir den direkten Kontakt haben. (Hoffentlich denk ich dann Morgen auch dran, diese zu erfüllen. Falls nicht: Beschwer Dich ;))

            • FetteBeute schrieb am 19. Januar 2012 at 20:56 - Permalink

              @Hähnle
              Ich denke Tidaltree wollte lediglich die Güterversorgung, die heute über Märkte läuft (=Marktwirtschaft), in Frage stellen. Die Güterversorgung kann man tatsächlich anders organisieren. Ein Beispiel dazu findet seit einiger Zeit im OpenSource-Bereich statt. Eine wesentliche Voraussetzung dafür (in anderen Bereichen) wäre die Sozialisierung der Produktionsmittel.
              Dabei könnte man schrittweise vorgehen.
              Die Güter hätten dann tatsächlich keinen Preis mehr. Da sie ja kostenlos zur Verfügung stehen und nach Bedarf eingesetzt werden (s. OpenSource).
              Wertlos sind die Güter deshalb nicht.

      • Shitop schrieb am 18. Januar 2012 at 21:32 - Permalink

        TÜV -Siegel

        Wer träumt den heute noch von der Unabhängikeit der TÜVs? Unabhängig sind die Träger des Namens TÜV nur voneinander. Tätig werden sie jedoch vorwiegend im Interesse der dahinterstehenden Vereinsmitglieder. Wer die kenn, wundert sich über gar nichts mehr. Im Grunde haben die TÜVs vielleicht nur eine etwas längere Tradition.

        • Lazarus09 schrieb am 18. Januar 2012 at 21:56 - Permalink

          Mir brauchste das nicht sagen ,, trotzdem danke ;-) Der Michel meint’s halt drum der Vergleich .

    12. Voltaire schrieb am 18. Januar 2012 at 12:00 - Permalink

      Was die drei großen Ratingagenturen an Einstufungen für Staaten herausgeben, ist für mich eh nur “Kokolores”.

      In meinem Rating erreicht Deutschland mit 356 Punkten von 830 möglichen Punkten eine Erfolgsquote von 42,9 Prozent und damit die Einstufung “B” –> Dringender Handlungsbedarf, einschneidende Maßnahmen sind zu ergreifen.

      Zur Ermittlung meiner Einschätzung habe ich sowohl die Verbindlichkeiten als auch das Vermögen der öffentlichen Hand – soweit mir die Quellen zugänglich sind – berücksichtigt.

      Insgesamt umfasst meine Tabelle derzeit 29 Positionen, nachfolgend daraus die ersten 6 Positionen:

      1 Staatsschulden (%) in Relation zum BIP

      2 Neuverschuldung bzw. Tilgung (%) in Relation zum BIP

      3 Staatsquote

      4 Bundesschuld (Zins) in Relation zum gesamten Staatshaushalt

      5 Deckelung der M1 Geldmenge durch Gold (Edelmetalle)

      6 Importe in Relation zu den Exporten

      Die Tabelle ist so aufgebaut, dass hinter jeder Position die Spalten “Gewichtung_Vorgabe”, “Bewertung_Vorgabe” und daran anschließend die Spalte “Bewertung_IST” folgt. Die Gewichtung hängt von der “Wertigkeit” der 29 Kriterien ab und kann zwischen 1 und 10 Punkte und die Bewertung über alle Positionen zwischen 0 und 10 Punkte betragen.

      Konkret am Bsp. 1 “Staatsschulden (%) in Relation zum BIP” sieht das wie folgt aus:

      Da es sich um ein Maastricht-Kriterium handelt, wird die Gewichtung mit der Maximalpunktzahl von 10 Punkten festgesetzt. In der Bewertung erreicht Deutschland 2 Punkte, da die Staatsverschuldung in Relation zum BIP zwischen 80 und 90 % liegt (0 %: 10 Pkt., zwischen 10 % – 20 %: 9 Pkt., zwischen 20 % – 30 %: 8 Pkt, …, zwischen 80 % – 90 %: 2 Pkt., zwischen 90 % – 100 %: 1 Pkt., 100 % und mehr: 0 Pkt.).

      In Punkt 1 errechnet sich eine erreichbare Punktzahl G_V * B_V von 100 Punkten (= Produkt aus 10 * 10). Deutschland erzielt dabei G_V * B_IST = 20 Punkte (= Produkt aus 10 * 2)!

      Es werden folgende Rating-Bewertungen zugrunde gelegt:

      AA: Zielerreichung zwischen 100 % – 85 %
      A: Zielerreichung zwischen 70 % – 85 %
      BB: Zielerreichung zwischen 55 % – 70 %
      B: Zielerreichung zwischen 40 % – 55 %
      CC: Zielerreichung zwischen 25 % – 40 %
      C: Zielerreichung zwischen10 % – 25 %
      D: Zielerreichung bis 10 %

      Egal, wie ein Rating aufgebaut ist, es muss für den Interessierten

      a) transparent und
      b) nachvollziehbar

      aufgebaut sein – und genau deshalb wird das Bundesfinanzministerium, Bundesfinanzagentur oder auch auf europäischer Ebene sich hüten für Deutschland / Europa ein Rating nach meinen Vorstellungen einzuführen.

      • Lazarus09 schrieb am 18. Januar 2012 at 12:24 - Permalink

        Egal, wie ein Rating aufgebaut ist, es muss für den Interessierten transparent und
        nachvollziehbar

        Dummerweise soll es das gerade nicht sein ,weil es darum auch eigentlich gar nicht geht … die Agenturen sind Instrumente , Interessenvertreter sozusagen der ” Anleger ” und ” Investoren” die an nicht’s anderem interessiert sind als an der Maximum-Rendite .. !

        ….. Wie schon gesagt da profitiert man an Ungleichgewichten Differenzen etc .. am besten an kalkulierbaren künstlich herbei geführten !! WETTEN ..eben am besten an Beeinflussbaren und Gelenkten … that’s all ….

        Pseudo-Seriosität für die Öffentlichkeit … Beibringung der Alternativlosen Maßnahmen für die mit den Kosten belasteten Bevölkerungen. Dieses System beschert immer weniger Gewinnern fette Renditen auf Kosten einer immer größer werdenden Masse von Verlierern .. !

        666

    13. Vogel schrieb am 18. Januar 2012 at 12:45 - Permalink

      Tripel Ej für

      … Cayman Islands, Isle of Man, Liechtenstein, …

      *isch_lach_misch_dod*

      … die offen zur Schau getragene Wut der deutschen Regierung angesichts solcher Sätze, …

      Das ist mir im DLF-IV sofort aufgefallen, dass der Schübülü plötzlich ‘ne Meinung zu den Ratingagenturen hat.

    14. Parteipolitik - nein danke! schrieb am 18. Januar 2012 at 13:45 - Permalink

      Politiker sind nur besser bezahlte Schauspieler, die können schon mal GAR NIX!

      Man sollte seine Kinder lieber einen Porno gucken lassen, denn dort f… nur zwei Erwachsene für Geld, aber wenn in der Tagesschau Politiker für Geld morden, rauben und brandschatzen ist das okay. Na dann…

      Ernsthaft: die Politiker können nichts ausrichten!
      Niemand kann das, das sind Kräfte und Mächte, die wurden ins Rollen gebracht und weder dieser kleine Haufen von Bloglesern noch eine zusammengewürfelte Facebookprotestwelle, das System wälzt sie nieder, weil wir nämlich ALLESAMT teil davon sind

      Erst wenn diese “Hochkultur” zerborsten ist, kann die Menschheit wieder aufatmen, aber davor ist es nur das hysterische Rumgekreische auf der sinkenden Titanik, so sehe ich das zumindest.

    15. schwitzig schrieb am 18. Januar 2012 at 20:36 - Permalink

      @SF
      Genau das sind die Artikel, die den Spiegelfechter (und indirekt die NDS) zu etwas ganz besonderem machen. Die Kernaussagen dürften zwar den meisten hier geläufig sein, sind aber leider mitnichten Mainstream-Inhalt.
      Ein gut zu lesender und leicht zu verstehender Artikel zum Weiterverbreiten. Danke!

    16. Peleo schrieb am 19. Januar 2012 at 09:27 - Permalink

      @ SF
      Sehr informativ und gut geschrieben. Danke.

      Nicht ignorieren sollte man allerdings diese Aussage von S & P:
      “Wir glauben auch, dass die Vereinbarung (der europäischen Staats- und Regierungschefs vom 9. Dezember) die Ursache der Krise in Teilen verkennt. Sie basiert auf der Annahme, dass sich die aktuelle Finanzkrise in erster Linie durch unverantwortliche Fiskalpolitik der Peripherie ergibt. Aus unserer Sicht sind jedoch die finanziellen Probleme der Euro-Zone eine Folge steigender außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte und Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit zwischen dem Euro-Zonen-Kern und der sogenannten Peripherie.”

    17. Manuel schrieb am 19. Januar 2012 at 09:35 - Permalink

      Hallo. Ich habe eine Frage: Im Text wird ja erwähnt, dass Länder wie Deutschland die Rating-Argenturen für das Rating bezahlen. Was kostet denn so ein Rating etwa? Wieviel bezahlt Deutschland denn pro Jahr für die Ratings? Ist das bekannt oder kann man es schätzen?

      Und noch eine: Wenn Länder wie Griechenland von den Argenturen aktuell ohnehin nur mieseste Ratings erwarten dürfen, warum “kaufen” sie dann überhaupt noch welche?

    18. Lemmy Caution schrieb am 19. Januar 2012 at 12:25 - Permalink

      Ich finds auch höchst merkwürdig.
      Die Arbeiter in den Rating-Agentur glauben eigentlich selbst nicht an ihren Job. In einer Welt vollständiger Information und rationaler Erwartungen würden sie als eine Art Frühwarnsystem funktionieren, aber sie halten diese Einschätzungen selbst als zu komplex, um dem gerecht zu werden. Das läßt sich noch nachvollziehen. Nur so laufen sie den Trends hinterher und wirken als Verstärker von Krisen und unangemessenen Optimismus. Da wird uns so ein “unvermeidliches” Element vor die Nase gesetzt, an denen ein paar Leute eine Menge Geld verdienen, indem sie einen verantwortungslosen Gott ohne jegliche Haftung für sein Tun spielen.
      Es ist Zeit eine öffentliche Rating-Agentur im EU Rahmen zu gründen. Sollte sich jemand beschweren, einfach darauf hinweisen, dass sie auch nicht fragwürdigere Ergebnisse liefert als die Bestehenden.


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