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  • Legen SOPA und PIPA das freie Internet ad ACTA?

    geschrieben am 20. Januar 2012 von Thorsten Beermann

    Von Thorsten Beermann.

    In Deutschland kennen wir das schon länger: Politiker – und nicht selten solche, die ihre Unkenntnis im Brustton tiefster Überzeugung heraus posaunen – wollen den „rechtsfreien Raum“ Internet an die Leine legen. Das richtet sich allerdings in der Regel gegen zu freie Meinungsäußerungen unter dem Deckmantel angeblicher Anonymität.
    Was aktuell immer mehr in die Diskussion kommt, allerdings hinter den Kulissen schon seit Jahren unbeachtet ablief, ist eine ganze Reihe von Gesetzen, die unter ungewöhnlich intensiver Mitwirkung der Unterhaltungsindustrie formuliert wurden und die das Internet deutlich verändern könnten.

    Worum geht es dabei?

    Derzeit in Verhandlungen stehen in den USA der „Stop Online Piracy Act“ SOPA, der „Protect Intellectual Property Act“ PIPA in den USA und auch auf europäischer Ebene das „Anti-Counterfeiting Trade Agreement“ ACTA.

    SOPA

    Das Gesetzt gegen Online-Piraterie wurde im Oktober 2011 in das Repräsentantenhaus eingebracht und wird aktuell verhandelt. Nachdem es zunächst so aussah, als würde der Entwurf den Kongress schnell und ohne größere Probleme passieren, scheinen den ersten Abgeordneten nach den Protesten aus der Internetgemeinde Zweifel zu kommen.
    Der Entwurf sieht vor, dass Personen und Webseiten, die fremdes urhebergeschütztes Material zum Download anbieten oder auch nur Links zu Quellen von illegalen Downloads enthalten oder abspielen, juristisch belangt werden können. Neben empfindlichen Geld- bis Gefängnisstrafen drohen Haftstrafen bis zu fünf Jahren. In verschiedenen Social Media Plattformen kuriert dazu bereits der Spruch, dass jemand, der einen Michael Jackson Song singt und ein Video davon auf Youtube lädt, potenziell höher bestraft werden könnte als der Arzt, der ihm den tödlichen Medikamentencocktail verabreicht hat.

    Das Gesetz ist insbesondere eine Verschärfung bisheriger Regeln. Vor allem die Haftung von Firmen und Personen, die in irgendeiner Weise Plätze zum Austausch von Daten zur Verfügung stellen, wurde ausgeweitet. Musste etwa bis jetzt der Halter der Rechte dem Inhaber der Seite eine bestimmte Frist einräumen, um die geschützten Inhalte zu entfernen, kann jetzt bereits die Beschwerde ausreichen, um die Seite vom Netz nehmen zu lassen. Kommt der Provider der Forderung nicht nach, ist er potenziell haftbar zu machen, sollten sich die Anschuldigungen als richtig erweisen. Faktisch wird damit die Beweislast umgedreht. Nicht der Rechteinhaber muss beweisen, dass seine Rechte verletzt wurden, sondern der Beschuldigte muss belegen, dass er nichts Unrechtes getan hat.

    PIPA

    Der “Protect Intellectual Property Act” (oder mit vollem Namen: Preventing Real Online Threats to Economic Creativity and Theft of Intellectual Property Act of 2011) ist im Großen und Ganzen eine Wiedervorlage eines bereits im Herbst 2010 vorgelegten Entwurfs (Combating Online Infringement and Counterfeits Act – COICA) unter neuem Namen.
    Auch wenn seine Inhalte in der Berichterstattung oft mit dem SOPA Entwurf in einen Topf geworfen werden, ist es eigentlich das PIPA Gesetz, dass international für Proteste sorgt.

    Denn mit Hilfe dieses Gesetzes könnten Rechteinhaber in den USA Webangebote aus anderen Ländern, in denen sie illegal sind, in den USA abschotten lassen. Internetprovider würden die URL sperren (über die IP wären die Seiten allerdings weiter abrufbar), Suchmaschinen dürften diese Seite in ihren Ergebnissen nicht mehr anzeigen, US-Firmen keine Anzeigen mehr auf diesen Seiten schalten, Bezahldienste nicht mehr für sie arbeiten und sollte die Domainendung in den USA verwaltet werden, kann ihnen die Domain vollständig entzogen werden.

    ACTA

    Bis vor wenigen Tagen weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde seit dem G8 Gipfel in St. Petersburg 2006 das „Anti-Counterfeiting Trade Agreement“ vorbereitet. Für die EU war die europäische Kommission an diesem Abkommen beteiligt. Nicht eingebunden war dabei das Europäische Parlament.
    Während der Europäische Rat den Entwurf bereits im Dezember 2011 durchwinkte – bizarrerweise übrigens in einer nicht öffentlichen Sitzung des „Agrar- und Fischereirates“ -, formiert sich im Parlament langsam zumindest ein gewisses Unbehagen. Statt, wie von den in der Kommission versammelten Regierungschefs erwartet, das Gesetz abzunicken, scheinen einige Parlamentarier sich tatsächlich mit den Folgen zu beschäftigen.

    Die wären auch in diesem Fall gewaltig, denn auch mit dem ACTA-Abkommen würde die Verantwortung vom Nutzer zum Provider verschoben, der für Urheberrechtsverstöße seiner Kunden verantwortlich gemacht werden könnte, wenn er sich nicht verpflichtet, dessen Datenverkehr zu überwachen und Urheberrechtsverletzungen mit einer „Three-Strikes-Out“ Regelung zu bestrafen.
    Außerdem würden „Anstiftung“ und „Beihilfe“ zu Urheberrechtsverletzungen strafbar, was wiederum einen Maßnahmenkatalog gegen Links, Speicher-Anbieter aber auch soziale Netzwerke nach sich ziehen würde.
    Darüber hinaus müsste die unerlaubte Weitergabe von Medien als „schwere Straftat“ eingestuft werden, weil die strafrechtlichen Folgen sonst unzulässig wären. Auch das wirft ein eher zweifelhaftes Licht auf das Vorhaben, das die Relation zwischen verschiedenen Delikten deutlich verändern würde.

    Music: It’s for you and it’s for me – not for the f***ing industry

    Alle drei Entwürfe, wie auch viele nationale Gesetze der letzten Jahre, tragen sehr eindeutig die Handschrift der freundlichen Mitarbeit von Verbänden der Unterhaltungsindustrie wie Motion Picture Association of America (MPAA) und Recording Industry Association of America (RIAA).
    Die Vereinigung der Filmschaffenden führt als Beleg (selbst in Auftrag gegebene) Studien an, laut denen ihren Mitglieder durch unerlaubte Nutzung ihrer Produkte pro Jahr mehr als 20 Milliarden US-Dollar verloren gehen. Ähnliche Berechnungen führen auch Plattenfirmen und Verlage immer wieder ins Feld.
    Die Stichhaltigkeit solcher Untersuchungen sind umstritten, da es sich bei der Anzahl der illegalen Downloads und Weitergaben um Schätzungen bzw. Hochrechnungen handelt und weiter davon ausgegangen wird, dass jeder, der die Inhalte kostenlos konsumiert, sonst dafür bezahlt hätte.

    Wie weit Teile der US-Regierung in der Vergangenheit bereit waren, die Interessen dieser Lobbygruppen im Ausland durchzudrücken, wurde bei der Veröffentlichung der diplomatischen Depeschen bei Wikileaks im vergangenen Jahr deutlich. Dort fanden sich gleich mehrere Dokumente, in denen Spanien gedroht wurde, sie in die Liste einer Art „Achse der Piraten“ aufzunehmen, sollte die Regierung kein strenges „Anti-Piraterie“-Gesetz erlassen.

    Die Folgen

    Die möglichen Folgen dieser Gesetze sind vielfältig und reichen von den großen sozialen Netzwerken bis zum kleinsten Blog. Geschäftsmodelle, wie die Seite des Videoportals Youtube stehen damit auf der Kippe, aber auch Netzwerken wie Facebook ist es nahezu unmöglich, jeden Link, jedes hoch geladene Video und sonstige Inhalte auf ihre Rechtmäßigkeit zu überprüfen.
    Aber auch jedes Forum und jede andere Seite, die Kommentare zulässt, wäre nach diesen Regeln noch schneller als bereits jetzt und mit drastischeren Folgen für alles haftbar, was ihre Nutzer auf der Seite schreiben und muss im Zweifelsfall drastische Maßnahmen ihres Providers rechnen, der wiederum selbst nicht regresspflichtig gemacht werden will.
    Theoretisch könnte es reichen, wenn ein Spiegelfechter-Leser in seinem Kommentar ein Video verlinkt, sagen wir ein Experteninterview, bei dem im Hintergrund ein nicht lizenzierter Pop-Song läuft (ganz zu schweigen etwa von einem Download-Link), um die Maschinerie gegen den Blog in Gang zu setzen.

    Zudem sind die Formulierungen aller Entwürfe so vage gehalten, dass bei strengster Auslegung schon die Berichterstattung mit Nennung einer Seite zum unerlaubten Verbreiten von Inhalten als „Beihilfe“ und „Anstiftung“ gewertet werden könnte.
    Um nicht Gefahr zu laufen, sich dem Risiko einer Strafverfolgung auszusetzen, müsste jede Form von nutzergenerierten Inhalten, Kommentaren und Berichterstattung ohne entsprechenden juristischen Unterbau eine Selbstzensur vornehmen, wie sie der Westen seit dem Ende der Kommunistenverfolgung in den USA unter McCarthy nicht mehr erlebt hat.

    Kritisch wird außerdem gesehen, dass mit diesen Maßnahmen eine Infrastruktur geschaffen würde, die sich ohne größeren Aufwand auch gegen andere unliebsame Inhalte wenden lässt. Zudem werden Angriffe auf Websites erleichtert. Schon der geäußerte Verdacht, die Seite würde zur unerlaubten Nutzung geistigen Eigentums verwendet, könnte eine Homepage für einige Zeit vom Netz nehmen. Bis der Inhaber seine Unschuld bewiesen hätte und die Maßnahmen rückgängig gemacht wären, könnte die Gelegenheit für eine kritische Diskussion zu einem Thema oder die Möglichkeit zur Verabredung von politischen Aktionen längst verstrichen sein. Gleichzeitig ist die Gefahr, dass Hacker die amtliche Sperrung einfach simulieren, groß.

    Die andere Seite der Medaille

    Nun wäre es allerdings auch zu einfach, hier nur auf die Unterhaltungsindustrie und die Administration, die sich als williger Vollstrecker anbietet, zu schimpfen. Ob die Zahlen korrekt sind oder nicht, es gibt mittlerweile eine große Bereitschaft, sich Medien (egal welcher Art) ohne Erlaubnis des Rechteinhabers anzueignen, ohne dafür zu bezahlen.
    Daneben gibt es Anbieter, wie die heute abgeschaltete Speicher-Plattform „Megaupload“ des Deutschen Kim Schmitz, die den Nutzern die Möglichkeit geben, gigantische Mengen von Datenmaterial auszutauschen und es sich selbst sehr einfach machen, indem sie sich darauf zurückzieht, ja nur den Speicherplatz anzubieten.
    Man sollte sich überlegen, ob es wirklich diese Personen sind, hinter denen man sich unter dem Banner des freien Internets versammeln und ihnen dieses Prädikat auf die Brust heften möchte.

    Die Kulturschaffenden, zumindest die großen Verlage aller Medienarten, haben das Internet als Entwicklung viel zu lange verschlafen und der illegalen Verbreitung allein als Spielplatz überlassen. (Zu diesem Thema möchte ich auf diese Diskussion zu einem früheren Blogeintrag auf einer anderen Plattform hinweisen). Das rechtfertigt aber nicht, sich ihre Inhalte unerlaubt und ohne Gegenleistung anzueignen. Der Inhaber der Rechte kann damit immer noch machen, was er möchte.
    Es ist nicht zu leugnen, dass sich eine ganze Industrie zur Umgehung der legalen Vertriebswege gebildet hat, die ihrerseits hohe Gewinne erwirtschaftet. Und man kann es den rechtmäßigen Inhabern der Inhalte kaum verdenken, dass sie darüber wenig begeistert sind und etwas dagegen tun und getan sehen wollen. Bedanken muss man sich eher bei denen, die seit Jahren jede Möglichkeit nutzen, sich das geistige Eigentum anderer ohne Bezahlung anzueignen.

    Die Gefahr ist die totalitäre Ausrichtung der Gesetzesvorlagen, die das Potenzial haben, politische Gegenöffentlichkeiten (und dafür muss man nicht mal bis in den nahen Osten schauen) mundtot zu machen und die soziale Interaktion im Internet zum Erliegen zu bringen. Vielen Netzwerken und Communities bleibt unter diese Voraussetzungen nur der Selbstmord aus Angst vor dem Tod oder die strenge Beschränkung auf Inhalte, die von den großen Medienhäusern vorgegeben werden. Beides ist wenig reizvoll.

    76 Kommentare Print This Post
    Von Thorsten Beermann. In Deutschland kennen wir das schon länger: Politiker - und nicht selten solche, die ihre Unkenntnis im Brustton tiefster Überzeugung heraus posaunen - wollen den „rechtsfreien Raum“ Internet an die Leine legen. Das richtet sich allerdings in der Regel gegen zu freie Meinungsäußerungen unter dem Deckmantel angeblicher Anonymität. Was aktuell immer mehr in ...
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    76 Kommentare:

    1. schwitzig schrieb am 20. Januar 2012 at 15:31 - Permalink

      Theoretisch könnte es reichen, wenn ein Spiegelfechter-Leser in seinem Kommentar ein Video verlinkt, sagen wir ein Experteninterview, bei dem im Hintergrund ein nicht lizenzierter Pop-Song läuft (ganz zu schweigen etwa von einem Download-Link), um die Maschinerie gegen den Blog in Gang zu setzen.

      Nein, das reicht sogar ganz praktisch, was nach meiner Meinung ein Baustein ist, weshalb unsere Politiker so schnell beim Abnicken sind.
      Unliebsame Informationen – und in totalitären Staaten ist jegliche nicht bewußt platzierte Information unliebsam – können so “legal” entfernt werden – man braucht nur eine PR-Agentur oder einen “Berater”, der einen Link platziert.

      Zudem sind die Formulierungen aller Entwürfe so vage gehalten, dass bei strengster Auslegung schon die Berichterstattung mit Nennung einer Seite zum unerlaubten Verbreiten von Inhalten als „Beihilfe“ und „Anstiftung“ gewertet werden könnte.

      Eines der wesentlichen Elemente totalitärer Staaten ist es, möglichst viele Gummigesetze in Umlauf zu bringen. Gummigesetze haben den Vorteil, dass die “Richtigen” davonkommen, wenn es mal einen Unfall geben sollte. Für die ;Masse dienen sie als Drohkulisse und Repression.

      Kritisch wird außerdem gesehen, dass mit diesen Maßnahmen eine Infrastruktur geschaffen würde, die sich ohne größeren Aufwand auch gegen andere unliebsame Inhalte wenden lässt.

      Was heißt hier “würde”? Die ist längst da.
      Ich mag Deinen Artikel, jedoch kommt er meiner Einschätzung nach leider knapp 5 Jahre zu spät. Ich gehe inzwischen davon aus, dass wir vor dem 4ten Reich nicht mehr zu retten sind. Ich hoffe nur, dass die aktuellen Kapriolen des Finanzquatsches dafür sorgen, dass es nicht so lange hält.

    2. Lazarus09 schrieb am 20. Januar 2012 at 15:43 - Permalink

      Die Content Mafia öffnet neue Einnahmequellen … Ein Heer von Anwaltsbüros stehen schon in den Startlöchern .. es geht um ein Multi-Milliarden Geschäft.

      Unter welcher Ausrede oder Alternativloser Erklärung ist doch egal .. SOPA PIPA fuck you Hier soll Kasse gemacht werden die Nutzer entrechtet und bei jedem Klick im Zweifel der legalität bzw.Illegalität gelassen werden .. Business as usual

      • GPLer schrieb am 20. Januar 2012 at 21:49 - Permalink

        Ja, die Bande soll von Richard Stallman’s
        heiligem Blitz getroffen werden.

        Selbst das http://www.freedos.org Projekt ist
        in Gefahr.

        Möge dieser Unfug im Orcus der
        Geschichte verschwinden.

        Beim heiligen Georg Schramm

    3. der Herr Karl schrieb am 20. Januar 2012 at 15:45 - Permalink

      Gut zu wissen; danke für den Artikel.

    4. R_Winter schrieb am 20. Januar 2012 at 15:58 - Permalink

      Mit diesen Gesetzen ist ein Meinungsfreiheit im Internet nicht mehr vorhanden.
      Dieses passt in Deutschland zu der Politik im Bereich der Finanzwirtschaft (Spekulationskrise),
      Sozialbereich (Hartz, Altersarmut, KV). Die Politiker der CDSU, SPD, Grünen wollen es so:
      Klappe halten, arbeiten bis 70 Jahren, zahlen und nicht (mehr) im Internet darüber schreiben.
      Der Traum vom meinungsfreien Internet kann damit leicht ausgehebelt werden.
      Damit wird ein – von bestimmten Kreisen – definiertes Fehlverhalten im Internet strenger bestraft, als ein Mord im Effekt. Die Rechtsprechung des Kaiserreichen lässt grüßen.

      • Barnockel schrieb am 20. Januar 2012 at 18:48 - Permalink

        Die Rechtsprechung des Kaiserreichen lässt grüßen.

        Ein Medium, bei dem alle Nutzer auch weitgehend gleichberechtigte Sender sind, muss für den Geldadel sowieso einen bösen technischen Unfall darstellen. Noch besteht Hoffnung, dass die digitalen Medien auf mittlere Sicht den Geldadel ähnlich absägen helfen wie es das billige Holzpapier und die mechanisierten Druckmaschinen im 19. Jahrhundert beim Geburtsadel bewerkstelligt haben.

    5. ElBarto schrieb am 20. Januar 2012 at 16:07 - Permalink

      Na SOPA passt ja gerade super zum dem Megaupload-Bust des FBI. Die bisherigen Gesetze scheinen ja auszureichen, um solche Delikte zu verfolgen…
      Im Real-Life hat Baracke Obama NDAA unterzeichnet, da können die den Schmitz ja schön wegen “Terror” gegen die Contentmafia ohne Prozess oder Anwalt weg sperren.

      Liegt das an mir, oder ist SF.com heute saulahm?

    6. R@iner schrieb am 20. Januar 2012 at 16:13 - Permalink

      es gibt mittlerweile eine große Bereitschaft, sich Medien (egal welcher Art) ohne Erlaubnis des Rechteinhabers anzueignen, ohne dafür zu bezahlen.

      Mmh, früher trafen wir uns und haben die Schallplatten beim Kumpel auf Tonband oder Cassette raubmordkopiert. Viel Zeit zum gleichen Zweck verbrachte ich auch in der Musikabteilung der städtischen Bibliothek. Abgegolten war dies mit der gema-Gebühr, die bereits beim Kauf des Tonträgers entrichtet wurde.
      Software wurde in den eigens dafür gegründeten Computerclubs schon zu C64-Zeiten kopiert. Wenn neun 1541-Floppy-Laufwerke parallel liefen, dann wackelte der ganze Tisch.
      Was nun die Abgaben auf alle Arten digitaler Datenspeicher betreffen, so muß ich sagen, daß ich die wirklich grotesk finde. Jedenfalls war die Durchsetzung der Fantasie, die Welt bestünde nur noch aus mp3s und mpegs, eine saubere Lobbyarbeit.
      Die durchgeführten Verhaftungen sind eine Sauerei in meinen Augen. Ich erwarte tatsächlich, daß die Bundesregierung bereits eine entsprechende Protestnote formuliert hat und diese in den nächsten Tagen übermittelt, unabhängig davon, was man von Kim Schmitz und dessen Methoden zur Geldgewinnung halten mag. Der us-amerikanischen Finanzbranche kann er jedenfalls nicht das Wasser reichen.

      • Thorsten Beermann schrieb am 20. Januar 2012 at 17:51 - Permalink

        Das ist vermutlich auch so ein Punkt, bei der die Dosis das Gift macht. Die Möglichkeiten, eine Kopie von einer Schallplatte anzufertigen, waren einfach begrenzt. Man hatte an der Anlage ein, vielleicht zwei Kassettendecks und eine Kopie dauerte eine LP-Länge.
        Wenn man den Besitzer der LP nicht kannte und nur eine Kopie der Kopie ziehen konnte, ließ die Qualität schon deutlich nach und das immer mehr, je mehr Glieder man vom Original wegrückte.

        Heute ist es möglich, eine Album (teilweise Wochen von Veröffentlichung) an eine fünf-, sechs-, oder siebenstellige Zahl von Personen zu verteilen, die das Material ohne Qualitätseinbußen erhalten.

        • R@iner schrieb am 20. Januar 2012 at 18:29 - Permalink

          Du hast schon recht. Das Verhältnis hat sich meinem Gefühl nach zur Seite der Raubkopien hin “verbessert” und die “Verlustfreiheit” der digitalen Kopie ist sicher ein Argument. Ob nun aber die relative Anzahl derer, die ein Album oder die neueste Version von Autocad herunterladen und es anhören bzw. das Programm dauerhaft nutzen bei 1%, 5% oder 90% liegt, dürfte schwer erfaßbar sein. Ich vermute aber, daß die Zahl der angeblichen Verluste der Industriezweige mindestens eine Zehnerpotenz zu hoch angesetzt wird, weil die Musik oder das zu schwierig zu bedienende Programm dann doch nicht gefallen und die Dateien einfach wieder gelöscht werden.
          Früher rannten Leute herum, die sich damit brüsteten praktisch jede verfügbare Software im Schrank liegen zu haben. Wenn man sie aber fragte, wieviele Programme sie davon nutzten, dann fiel die Antwort spärlich aus.

          (@admin: Die Ladezeit beträgt auch bei mir bis zu 1 Minute, wenn die Site überhaupt erreichbar ist. Net congestion – Da hat mal wieder einer Immodium in den Router geschüttet.)

          • Thorsten Beermann schrieb am 20. Januar 2012 at 18:42 - Permalink

            Wie schon im Artikel geschrieben gehe ich auch davon aus, daß die Zahlen der Verbände zu hoch gegriffen sind. Die Zahl der Downloads kann nur geschätzt werden und dann wird davon ausgegangen, daß niemand, der das jeweilige Produkt heruntergeladen hat, es später trotzdem gekauft hat, es aber ohne den Download jeder gekauft hätte.

          • Spiegelfechter schrieb am 20. Januar 2012 at 20:27 - Permalink

            @admin: Die Ladezeit beträgt auch bei mir bis zu 1 Minute, wenn die Site überhaupt erreichbar ist. Net congestion – Da hat mal wieder einer Immodium in den Router geschüttet.)

            Hmm, ich leite das mal weiter.

      • Spiegelfechter schrieb am 20. Januar 2012 at 20:26 - Permalink

        Hmm, ich sehe das etwas anders. Ich habe überhaupt nichts gegen Filesharing etc. pp., aber solche Leute wie Kimble bereichern sich ja auch auf Kosten der Sharer und nicht nur auf Kosten der Rechteinhaber. Mich hat es nur gewundert, wie lange solche Plattformen wie Megaupload überhaupt im Netz bleiben. Ich schätze mal, der Konkurrenz geht heute der A… auf Grundeis. Und das nicht zu Unrecht!

    7. tilman schrieb am 20. Januar 2012 at 16:15 - Permalink

      Irgendwie habe ich das Gefühl, diesem Autor der “Freitagskolumne” würde es gefallen, wenn man Dinge im Internet zensieren könnte (Oder ist der Artikel ironisch gemeint und ich habs nicht gemerkt?):

      http://www.cicero.de/kapital/keine-kompromisse-mehr/48066

    8. Lazarus09 schrieb am 20. Januar 2012 at 16:21 - Permalink

      R@iner

      Ich erwarte tatsächlich, daß die Bundesregierung bereits eine entsprechende Protestnote formuliert hat

      Das die waaaas ..*pruuuustMuhaha* ne OK das war Sarkasmus .. da friert eher die Hölle zu ;-)

      Ansonsten volle Zustimmung …

      666

      • R@iner schrieb am 20. Januar 2012 at 16:28 - Permalink

        Ich wollte nur daran erinnern, daß es ein Leben vor dem Internet gab, in dem es funktionierende und akzeptierte Regelungen gab. Was hier stattfindet, ist nur das Gießen von Gier in Jurisdiktion, aber das brauche ich nicht zu erwähnen. Ohne das Web hätte ich jedenfalls bestimmte Musiker/Bands nie kennengelernt und mir deren CDs auch nie gekauft.

        • Lazarus09 schrieb am 20. Januar 2012 at 17:23 - Permalink

          …. Ich kann mich auch an Zeiten erinnern da hat man Bücher getauscht / verliehen oder das aktuelle MAD und Kaputt Heft :D ..oder mit dem Micro vor dem Radio AFN Songs von der „Wolfman Jack Show“ aufgenommen .. wer kennt noch “Seid nett zueinander und besonders zu euch selbst.”…

          Gute alte Zeit ;-)

      • klean schrieb am 20. Januar 2012 at 22:39 - Permalink

        Zu allem Überfluß hat ein Nachrichtenbericht über die Kimble-Verhaftung leider meine Augen behelligt, in dem stets, wenn die Plattform erwähnt wurde, so lustige Screens eingeblendet wurden mit gelisteten Dateien sowie Fortschrittsbalken … bei ‘nem Filehoster – ja, ne is’ klar. Lag’ wohl noch was von Napster im Videoarchiv rum.

        • Martha Mumenschanz schrieb am 20. Januar 2012 at 23:29 - Permalink

          Wer öfters bei Filehostern lädt nutzt möglicherweise eines der kostenlosen kleinen Programme (Downloadmanager), die diese Downloads selbsttätig abarbeiten und da gibt es sowohl gelistete Dateien/Links als auch Fortschrittsbalken. Kann also durchaus ne korrekte Bebilderung gewesen sein.

        • klean schrieb am 21. Januar 2012 at 00:01 - Permalink

          Aha, danke für die Info – wusste ich bislang nicht, sagt wohl aus, dass ich öfters Filehoster nicht nutze. Was mich halt so stutzig machte, dass auf den Screens halt ausnahmslos (ungepackte) mp3-Dateien gelistet waren.

    9. kopfkratzer schrieb am 20. Januar 2012 at 17:04 - Permalink

      Also dann werden halt gute alte BBs ausgepackt und nur wer den passenden Status hat kann die “illegalen” Foren sehen und verwenden.
      In einigen arabischen Zensurstaaten wurde die Internetzenzur mit einfachen Modems und einwahl in ausländische ISPs umgangen usw. usf.
      Und was macht Amazon&Co. wenn ich in deren Cloud nun verschlüsselten “illegalen” Content ablege und das als Facharbeit über das Liebesleben der Ameisen auf dem 12ten Breitengrad deklariere ?
      Tauschbörsen wird’s immer geben und sämtliche Gesetzgebung die das verhindern soll wird früher oder später nicht mehr anwendbar sein.
      Und dann wird die Kettensäge ausgepackt …

      • Shitop schrieb am 20. Januar 2012 at 19:08 - Permalink

        Und was macht Amazon&Co. wenn ich in deren Cloud nun verschlüsselten “illegalen” Content ablege?

        Zu!

        Kommen diese Gesetze durch, dann ist dies auch das Ende der Clouds wie sich die Industrie vorstellt. Das Risiko, meine Daten zu verlieren, weil irgend ein Hornochse den gleichen Anbieter für Illegales nutzt, ist viel zu groß.

        • Spiegelfechter schrieb am 20. Januar 2012 at 20:29 - Permalink

          Yep, was ja auch der Grund ist, dass Megaupload, Rapidshare und Co. von keinem “echten Kunden” gebucht werden ;-)

        • kopfkratzer schrieb am 21. Januar 2012 at 09:50 - Permalink

          Die Betonung liegt auf “verschlüsselt”, aber da ja alle Firmen Ihre wichtigen Kundendaten, Personaldaten und Abrechnungen gerne “billig” und im Klartext in die Cloud stecken …
          Achja und in der Cloud gibt’s auch keine Backups, wenn’s knallt war’s das *dumdidum*
          Um wieder auf’s Thema zu kommen, an solchen Gesetzen erkennt man wer wirklich der Herrscher im Reiche ist m(

    10. Gast schrieb am 20. Januar 2012 at 20:40 - Permalink

      … warum machen alle wenn es um datenaustausch geht einen rückzieher … ein eher kritischer artikel wird gegen ende immer weichgespülter und als resumee:
      “Das rechtfertigt aber nicht, sich ihre Inhalte unerlaubt und ohne Gegenleistung anzueignen.”
      das behauptet doch auch keine sau… das will auch niemand … es ist lediglich ein angebot vorhanden und wie sich unschwer erkennen lässt auch die nachfrage … es würden sicher auch paid-content angebote lukrative gewinne einfahren wenn sie auf dem gleichen prinzip funktionieren würden wie megavideo oder weitere streaming und downloadportale … aber die rechteverwerter haben doch gar kein interesse auch nur im ansatz ein ähnliches angebot aufzubauen … und zusammenarbeit mit diesen ‘illigalen’ seiten ist ebenfalls nciht möglich weil ja illegal … -.-”
      “Der Inhaber der Rechte kann damit immer noch machen, was er möchte.”
      der inhaber hat im allgmeinen die nutzungsrechte verkauft und kann eben nichts mehr machen ohne sich eine genehmigung einzuholen ansonsten drohen vertragsstrafen … sie weird al’s don’t download this song
      “Es ist nicht zu leugnen, dass sich eine ganze Industrie zur Umgehung der legalen Vertriebswege gebildet hat, die ihrerseits hohe Gewinne erwirtschaftet.”
      wow und?! das ist ja das interesante inhalt wird kostenfrei angeboten und die nachfrage ist so hoch das man dennoch gewinne einfahren kann … was man wohl mit durchdachten und von der industrie unterstützten system wohl erreichen könnte…
      “Und man kann es den rechtmäßigen Inhabern der Inhalte kaum verdenken, dass sie darüber wenig begeistert sind und etwas dagegen tun und getan sehen wollen.”
      nicht inhaber … rechteverwerter … die gema oder gvu scheisst dich hier in deutschland an … zwar im namen von dem und sowieso aber der künstler selbst hat im allgm. fall nichts zu sagen
      “Bedanken muss man sich eher bei denen, die seit Jahren jede Möglichkeit nutzen, sich das geistige Eigentum anderer ohne Bezahlung anzueignen.”
      alta ?! nicht dein ernst oder?!

      mfg

      • Schierke-Nee-Sama schrieb am 20. Januar 2012 at 21:45 - Permalink

        /( Anmerjung der Mod, der Bezug, das wir einen Holocaust brauchen um dieses System zu wahren, oder zu verbessern erschließt sich nicht?, deswegen gelöscht. Der Vergleich ist unpassend und er ist eine Verhöhnung der Opfer)/

    11. t schrieb am 20. Januar 2012 at 21:13 - Permalink

      Warum soll ich eigentlich für nen Pixarfilm bezahlen, wenn die Werbemaschinerie vollkommen unbehelligt diesen film dazu benutzt, meine Kinder in erpresserischer Weise gegen mich in Stellung zu bringen und dazu zu zwingen, den Giftfraß im HappyMeal zu kaufen?

      Hab ich da den Film nicht schon 3 mal bezahlt?

      So ganz so einfach finde ich persönlich die durchschimmernde “Die bösen Raubkopierer” Logik gar nicht.

      • t schrieb am 20. Januar 2012 at 21:15 - Permalink

        Und nicht zu vergessen die Kinderlosen, die nachher die Verfettung meiner Kinder bezahlen müssen.

      • Sammy schrieb am 21. Januar 2012 at 09:26 - Permalink

        Du bist nicht bereit für etwas zu zahlen, dass Deine Kinder und Dein Verhältnis zu ihnen schadet. Das verstehe ich.

        Wenn ich es richtig verstehe findest Du die Schädigung Deiner Kinder aber ganz in Ordnung wenn du sie GRATIS bekommst? Ist das die sogenannte “Geiz-ist-geil-Logik”? “Hauptsach s hot nix koschd!”

        • t schrieb am 21. Januar 2012 at 18:44 - Permalink

          Wo in “erpresserisch” und “giftfrass” ist da bereitschaft zu zahlen zu entnehmen?

    12. Der Schachspieler schrieb am 20. Januar 2012 at 21:29 - Permalink

      Schade das Guttenberg nicht seinen Job bekommt, der hätte jetzt sicher aus Europa den Gegenangriff geführt…..

    13. Der Schachspieler schrieb am 20. Januar 2012 at 21:34 - Permalink

      Naja,
      scheint als ob ein neues Gesetz stattfinden wird. Ist in seiner Brillianz zu vergleichen mit ähnlichen Gesetzten die schon in der Geschichte gut funktioniert haben.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenhammer

      (ups, darf ich überhaupt noch den link verwenden ? )

      Kein Wunder das sich der Artikelschreiber über so etwas aufregt ;-)

    14. Parteipolitik - nein danke! schrieb am 20. Januar 2012 at 21:35 - Permalink

      copyright ist der unnötigste rotz den es gibt, alles ist doch von irgendwo inspiriert oder abgeschrieben und gehört der welt! ALLEN

      am besten ist es man schafft das geld und die ganze besitzscheiße ab OH JA ICH BIN BIN EIN BÖSERKOMMUNISTENNAZIHIPPIEGUTMENSCHENKINDERSCHINDER!! und bin für eine freie gesellschaft

      gleich mal telefon anzapfen und sek vorbeischicken -,-

      echt so eine abgefuckte gesellschaft!° kiffer wegknasten, musikhörer abmahnen ABER DIE KORRUPTIS DÜRFEN SICH BEREICHERN und irgendeine uschi kriegt das hartz gestrichen für eine gemopste bullete WÄÄÄÄHH kotz

      • Sammy schrieb am 21. Januar 2012 at 09:28 - Permalink

        >Daumen hoch<

        Das musste mal gesagt werden. Lass es ruhig raus!

        • t schrieb am 21. Januar 2012 at 18:46 - Permalink

          Wow, hier ein hoch auf die Geldlose Geselschaft und 2 Minuten zuvor noch Geiz ist geil Mentalität anderen zum Vorwurf machen.

          Wo da die Stringenz liegt würd ich gern mal wissen.

      • der Herr Karl schrieb am 21. Januar 2012 at 12:19 - Permalink

        In einer Plutokratie ist es nur verständlich, dass Konzerne mit Patenten und rigorosen “Copyright”-Gesetzen ihre Einnahmen sichern wollen.
        Wer hat das Rad erfunden – und die Nudeln?
        Fordern die auch Gebühren?

      • Bonsaibäumchen schrieb am 21. Januar 2012 at 16:01 - Permalink

        Danke, ein wenig extrem formuliert aber im Grunde vollkommen korrekt.
        Schade nur das die Menschen in ihrer Masse einfach nur Dumm,Träge,Egoistisch und Gierig sind.

    15. jan schrieb am 21. Januar 2012 at 00:18 - Permalink

      SOPA und PIPA werden gerade im Kongress beerdigt. Siehe da, eine aktive Wählerschaft kann mächtiger sein als Geld in der Politik. Haben reddit & co gut gemacht.

      http://idealab.talkingpointsmemo.com/2012/01/how-the-web-killed-sopa-and-pipa.php?ref=fpnewsfeed

      • Barnockel schrieb am 21. Januar 2012 at 01:35 - Permalink

        SOPA und PIPA werden gerade im Kongress beerdigt.

        Höchstens in der aktuellen Version. Diese Art Rückzug geht allzu verdächtig schnell.

        Siehe da, eine aktive Wählerschaft kann mächtiger sein als Geld in der Politik.

        Sie kann es nicht nur sein, sie ist auch immer mächtiger. Um der Bevölkerung gegen ihren Willen etwas unbedingt aufzuzwingen, braucht man schon Panzer und mehr. Doch bevor die Leute aktiv werden, muss es in der Regel schon ziemlich übel aussehen…

      • Truvor schrieb am 21. Januar 2012 at 02:11 - Permalink

        @ jan

        @jan, all diese SOPAs, PIPAs, Popos oder wie sie alle heißen, werden bald kommen.
        Vielleicht in einer etwas entschärften Form, aber der Kongress und diejenigen, die die Kongressleute geka..t haben, werden diese Gesetze (uns zuliebe) durchboxen.
        Die “aktive Wählerschaft” wird da auch nicht viel ändern.

        • Lazarus09 schrieb am 21. Januar 2012 at 18:24 - Permalink

          Wir erleben hier schlicht und ergreifend wieder einen Frontalangriff auf unser aller Freiheit .. natürlich nur zu unser aller Wohl .. wie gehabt ,erst gibt es einen guten Grund für den kräftig um Beibringung getrommelt wird, Promis gegen Kinderporno, Pöse Raubkopierer etc. .. darum geht es aber gar nicht , dann plötzlich nur noch gute Gründe wenn demokratische Rechte durch Protest eingefordert werden ( Erinnert euch, Cameron wollte in London den BBS abschalten lassen !! Und bekam Zustimmung bei den Idioten !! ) … das alte Schema !

          666

    16. Andreas schrieb am 21. Januar 2012 at 03:05 - Permalink

      Ja, das könnte eine Art strategischer Rückzug gewesen sein. Auch die Gesetzesvorlagen selbst könnten mit Hinblick auf einen geplanten Rückzug vorgelegt worden sein. Die Protestler klopfen sich ob ihrer Macht auf die Schultern, es kommen neue, “entschärfte”, aber von vornherein genau so geplante Gesetze, die durch gewunken werden und diesmal sind auch alle Gegner einverstanden, denn das Schlimmste haben sie ja verhindert. Auch hier in Deutschland hatte (nicht nur) ich, in anderem Zusammenhang, bereits den Verdacht, dass Taktiken dieser Art verwendet werden.

      • Truvor schrieb am 21. Januar 2012 at 03:31 - Permalink

        @ Andreas

        Du hast meine Botschaft richtig verstanden ;-)

    17. Sammy schrieb am 21. Januar 2012 at 09:49 - Permalink

      Das (freie) Internet ist gerade dabei die Gesellschafts- und vor allem Machtstrukturen fundamental zu ändern.
      Diese Entwicklung haben die Mächtigen (Politiker, Banken, Konzerne…) über Jahre vernachlässigt. Da kommt nun jede Gesetzesmöglichkeit, die die Freiheit des Internets einschränkt recht. Eine sofortige, komplette Zensur wäre undenkbar, da dies “den Wähler” zu sehr irritieren und auf die Barrikaden bringen würde. Da wird die Zensur über viele mehr oder weniger kleine Schritte durchgesetzt. Als Alibi werden heere Ziele angegeben: Schutz von Kindern, Schutz vor Beleidigung und Hetze, Schutz des Eigentums ….
      “Wir bekommen einen extrem starken Kunden, wir bekommen einen extrem starken Mitarbeiter und wir bekommen einen extrem starken Bürger.” Peter Kruse vor der Enquete-Kommision des Bundestages im Juli 2010. Die Entwicklung, die Kruse mit großer Euphorie beschreibt ist auf der Anderen Seite der Bank mit Sicherheit eher ängstlich aufgenommen worden. Peter Kruse auf youtube: drei Minuten Konzentration, die sich lohnen!

    18. GrooveX schrieb am 21. Januar 2012 at 09:59 - Permalink

      zur anderen seite der medaille:

      die begrifflichkeiten sollten viel differenzierter gehändelt werden, damit man wieder das kernproblem zu fassen bekommt, den freien zugang zu wissen und kultur vs. legalistische vermarktung von allem und jedem. Die Kulturschaffenden, zumindest die großen Verlage aller Medienarten... medienkonzerne und (egal, wie man jetzt im einzelnen zu ihnen steht) *kultur schaffende* sind bereits zwei seiten einer (anderen) medaille und gehören so nicht zusammen gehängt. man kann es den rechtmäßigen Inhabern der Inhalte kaum verdenken... man muss sich diese begrifflichkeit mal wirklich auf der zunge zergehen lassen – inhaber der inhalte. das ist nicht nur sprachlicher, das ist auch geistiger wahnsinn. ...sich das geistige Eigentum anderer ohne Bezahlung anzueignen. erhebt die gema schon auf ‘die gedankern sind frei’ gebühren? auf kinderlieder tut sie es.

      ich weiss, dass in die 1,70 für ein pfund rosenkohl im supermarkt meiner wahl die gema-gebühren für die zwangsbeschallung eingepreist waren, bass- und schlagzeugspur von good morning der beatles von akustikingenieuren gegen viel geld um mindestens um 80% abgeschwächt und spezielle psychoakustische verfahren angewandt wurden, um die kunden in ihrer aufmerksamkeit nicht von den waren abzulenken.

      das hat man von der rechteverwertung der kulturindustrie – ein goethe-zitat als bild-reklame. klee in tausenden von wartezimmern. kultur ist ein industrieprodukt. das gilt es abzuschaffen!

      fsf, napster und filesharing allgemein haben für die kultur des internet mehr getan als alle blogs und online geschalteten tageszeitungen der welt zusammen. wikipedia, wikileaks, anonymous, cryptome, was auch immer, sind unmittelbare kulturgüter dieser entwicklung. wir sollten nicht vergessen, als wir (deutschen bürger) endlich ins internet durften, war die halbe welt schon vernetzt und hatte aus ihm das gemacht, was wir heute als originären marktplatz des handels glauben begreifen zu müssen.

      das ist auch eine andere seite der medaille.

      wie das internet nach deutschland kam -
      die geschichte eines großen selbstbetrugs

      • der Herr Karl schrieb am 21. Januar 2012 at 13:31 - Permalink

        @GrooveX
        Dein Link hätte mich eigentlich interessiert, aber es schiebt sich dauernd eine nervige Werbung über den Bildschirm, wo sich irgendwelche Hausfrauen nackt ausziehen wollen…

        • GrooveX schrieb am 21. Januar 2012 at 14:12 - Permalink

          oh sorry, bei mir ist das blockiert. ich kriege das gar nicht mit. es gibt allerdings auch bessere quellen.

    19. Tobi schrieb am 21. Januar 2012 at 13:52 - Permalink

      Sehr ausgewogener Artikel, Thorsten. Danke dafür!

    20. GrooveX schrieb am 21. Januar 2012 at 14:10 - Permalink

      gelöscht.

    21. deviant schrieb am 21. Januar 2012 at 18:39 - Permalink

      Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass während am Hindukusch für Freiheit Kriege geführt werden (ja, klar, lol!), wird sie uns hierzulande Stück für Stück immer weiter genommen:
      Nicht nur die Medienverkäufer (in Allianz mit einigen Kulturschaffenden, die sie vertreten) bekämpfen die Freiheit des Internets mit allen Mitteln, auch diejenigen, die die Plattformen anbieten, kontrollieren den Inhalt immer stärker. Apple hat hier den Anfang gemacht, selbst im Kontext des eigentlich offenen Android gibt es inzwischen einen stark kontrollierten Marktplatz; bei Handies, Tablets, Macs et alii haben wir uns bereits daran gewöhnt, dass wir nur noch im Vorgarten des Produzenten spielen dürfen und “Freiheit” nur noch in diesem goldenen Käfig stattfindet.
      Und jetzt ist auch die letzte Bastion des freien Computers, der PC in Gefahr. Durch seine ganz eigene Form des Einflussnehmens will Microsoft den “Secure Boot” und damit unter dem Deckmantel der Sicherheit ein ebenso geschlossenes System einführen, wie Apple auf seinen Plattformen. Dann war’s das mit selbstgewähltem Betriebssystem, mit selbstgewählter Software und mit selbstgewählten Wartungsintervallen. Dann bleibt das vorinstallierte Microsoft-Betriebssystem (auch zum Beispiel ein völlig verkorkstes Windows Vista) drauf mit ausgewählter Software und wenn der Hersteller sagt: “Hüpf!”, wird gesprungen oder der PC bleibt kalt.
      Nicht jeder muss Linux wirklich nutzen wollen, aber wollen wir die Chance völlig verlieren es zu tun? Was ist mit offenen Office-Programmen, die ausgesperrt werden könnten etc…?

      Leider wird dieses noch viel zu wenig zur Kenntnis genommen – bis es zu spät ist…

      • Lazarus09 schrieb am 21. Januar 2012 at 21:45 - Permalink

        Warum werde ich die letzte Zeit immer öfter an : Wie kocht man einen Frosch erinnert ..?

    22. Jan Friedrich schrieb am 21. Januar 2012 at 23:11 - Permalink

      Zu diesem Thema gibts es keine “andere Seite der Medaille”. Punkt.

    23. Born2Pwn schrieb am 22. Januar 2012 at 15:12 - Permalink

      Hier ein interesanntes Interview auf DRadio zum Thema:

      • Born2Pwn schrieb am 22. Januar 2012 at 15:31 - Permalink

        Nochmal:

        http://netzpolitik.org/2012/sopa-acta-co-lebt-die-digitale-zivilgesellschaft/

    24. Shitop schrieb am 22. Januar 2012 at 16:06 - Permalink

      Was in der Praxis letztlich dann doch deutlich gegen PIPA spricht, wurde hier schön angerissen. Auch amerikanische Politiker verstehen viele Zusammenhänge nicht und müssen erst darauf gestoßen werden.

    25. gebintit schrieb am 22. Januar 2012 at 17:14 - Permalink

      In verschiedenen Social Media Plattformen kuriert dazu bereits der Spruch, dass jemand, der einen Michael Jackson Song singt und ein Video davon auf Youtube lädt, potenziell höher bestraft werden könnte als der Arzt, der ihm den tödlichen Medikamentencocktail verabreicht hat.

      Sehr schöner Vergleich, der den Irrsinn auf den Punkt bringt. Kleiner Tippo: ich schenke dir ein kleines “s” ;-) .
      Wenn diese Gesetze ohne Abschwächung so durch gehen, ist das aus meiner Sicht das Ende des Internets wie wir es kennen und schätzen. Allerdings gibt es IMHO schon eine andere Seite der Medaille, so möchte ich einen Kim Schmitz alias Kim Dotcom auch nicht als Freund haben und kann mich deshalb über die Schließung von Megaupload nicht wirklich aufregen.
      Das Problem, das wir im 21. Jahrhundert haben, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein globales, das sich nirgends so unmittelbar wie im Internet zeigt: nationalstaatliches Handeln ist veraltet, aber es gibt keine funktionierenden, demokratisch legitimierten übernationalen Institutionen, die vor Verstößen gegen einen Weltethos, also “elementare ethische Werte, Maßstäbe und Haltungen” (KÜNG), schützen. Ob man sich allerdings über diese “ethischen Werte und Maßstäbe” jemals global einigen kann, ist eine andere Frage.

      • Truvor schrieb am 22. Januar 2012 at 18:15 - Permalink

        @ gebintit

        Ich glaube nicht, daß diese Gesetze ohne Abschwächung so durch gehen, insbesondere vor den Präsidentenwahlen.
        Die Kongressleute können problemlos (und zur Freude der Internet(unter)welt) diese beide Gesetzesvorhaben bis nach den Wahlen verschieben.
        Was danach (die Lobbyisten haben schon bezahlt, jetzt sind die Kongressleute dran. Sie können doch nicht das Geld zurück geben ;-) ) herauskommt, das ist die Frage.

    26. R_Winter schrieb am 23. Januar 2012 at 10:44 - Permalink

      So läuft es – wahrscheinlich auch in Deutschland, nur nicht so offen.
      Ackermann, z.B. würde so etwas nie öffentlich machen, denn so dumm wäre er nicht.

      US-Präsident Barack Obama soll das umstrittene Internet-Sperrgesetz Sopa unterstützen, fordert der Chef des Filmindustrieverbandes MPAA. Ansonsten müsse Obama auf Wahlkampfspenden aus Hollywood verzichten.

      Da habe Dodd wohl nicht verstanden, was gerade geschehe, kommentierte “TechDirt” und fasste die Äußerungen des Verbandschefs mit der Schlagzeile zusammen: “Die MPAA bedroht öffentlich und direkt Politiker, die nicht korrupt genug sind, um sich kaufen zu lassen”. Damit habe Dodd nur klargestellt, was viele Leute bislang nur vermutet hätten. Aber ein dermaßen krasses Beispiel für Korruption und Geld-für-Politik angesichts einer höchst verärgerten Öffentlichkeit zu geben, sei wirklich eine unglaubliche dumme Reaktion.
      Quelle:SPON

    27. frager schrieb am 23. Januar 2012 at 22:08 - Permalink

      Wieso berichtet der Spiegelfechter erst jetzt zum ersten mal über das Thema?

    28. Bastian Himberger schrieb am 24. Januar 2012 at 01:11 - Permalink

      Wer wird noch einen Spielfilm finanzieren, wenn niemand dafür zahlt?

    29. Count Krey schrieb am 24. Januar 2012 at 10:36 - Permalink

      Ich empfand die Argumentation der MI schon immer als lächerlich. Nehmen wir mal an, es gäbe kein MP3-Sharing über das Internet, was wären die Folgen? In meinem Fall lässt sich dies ganz klar beantworten, ich hätte wesentlich weniger Musik gekauft, als ich es tue.
      Fakt ist, über das Internet habe ich sehr viele Bands kennen gelernt und die Musik die mir gefallen hat, habe ich auch gekauft. Was natürlich auch wahr ist ist, dass ich keine Musik von Bands habe, für die die MI so viel Geld ausgibt  liegt aber auch daran, dass ich kaum Pop oder Top100 höre, dafür sind deren „Künstler“ zu flach oder kurzlebig und overhyped.
      Es gab auch eine Statistik/Studie die besagt hatte, dass gerade Personen die viele Sachen runterladen, gleichzeitig auch am meisten kaufen.
      Mal ganz ehrlich: Heutzutage kann Musik machen ein sehr großes Geschäft sein, nur daran verdient am meisten die Plattenindustrie und nicht der Künstler. Es setzte sich in den Internetfreien-Zeiten fast immer nur der Künstler/die Band durch, die ein riesen Label im Rücken hatte, heutzutage ist ein großes Label keine Garantie mehr für viel Geld und das ist gut so. Musiker sollen Musik machen wollen, weil es sie es wirklich wollen und nicht um die dicke Kohle anzuhäufen und dann kann auch das Geld kommen, gerade durch Eigenvertrieb bzw. Konzerte.
      Das Problem ist die entstandene Perversion durch die frühere Begrenztheit der Datenträger, dadurch konnte sich eine Industrie entwickeln (MI) die sich vollgefressen hat und durch Mitessertum ein schönes Leben an der Sonne hatte.

    30. Lenny schrieb am 24. Januar 2012 at 20:19 - Permalink

      Sehen wir es doch mal aus (freier) markwirtschaftlicher Sicht. Es ist doch offensichtlich ein Angebot vorhanden welches auch auf eine Nachfrage trifft. Allerdings scheint es in diesem Verhältnis ein Mißstand zu geben. Die normale Reaktion wäre, dass sich das Angebot an die Bedürfnisse der Nachfrage(r) anpasst, hier jedoch wird versucht via Gesetze die Nachfrage an das Angebot anzupassen.

      Und für diesen Vorgang, Menschen per Gesetz zu zwingen ein bestimmtes – wie auch immer geartetes Produkt – zu den Konditionen des Anbieters zu kaufen, ist das Wort Skandal ziemlich untertrieben.

      • Thorsten Beermann schrieb am 24. Januar 2012 at 20:26 - Permalink

        Ich kann den Skandal ehrlich gesagt nicht so recht finden. Ist es nicht normal, daß ich jede Ware nur zu den Bedingungen kaufen kann, zu denen der Verkäufer bereit ist, sie zu verkaufen? Natürlich kann ich mit ihm verhandeln, aber wenn es zu keine Einigung kommt, muss ich eben auf die Ware verzichten und er auf mein Geld. Daraus lässt sich aber nur schwer ein Recht ableiten, sich die Ware dann eben einfach zu nehmen.

        Wenn die Musik-, Film- und Videospieleindustrie nicht zu den Bedingungen verkaufen will, zu dem die Kunden bereit sind zu kaufen, müßten die Kunden eben auf den Konsum verzichten. Wenn genügend Menschen dazu bereit sind, werden die “Verkäufer” die Konditionen anpassen müssen oder eben mit sehr viel weniger Kundschaft leben.
        Wenn ich die “Ware” unbedingt haben muss, dann muss ich auch den Preis zahlen, der aufgerufen wird.

        • danielmite schrieb am 24. Januar 2012 at 23:25 - Permalink

          Darum geht es denke ich nicht. Es geht doch darum, dass die MI/FI versucht bestimmte Vertriebswege per Gesetz zu unterbinden und gleichzeitig alle Menschen zu kriminalisieren, nur um ihre Gewinne zu erhalten bzw. zu erhöhen. Diese Industrie in der heutigen Form ist ein sterbender Dinosaurier, der sich mit Händen und Füßen wehrt, aber es wird nichts bringen.. auf Dauer siegt der gesunde Menschen Verstand und die Bedürfnisse der Menschen und nicht von wenigen Lobbys.

          • Truvor schrieb am 25. Januar 2012 at 00:19 - Permalink

            @ danielmite

            Welchen Vorschlag willst Du denn diesen Dinosauriern machen, damit sie einen anderen Weg nehmen ?
            Du mußt schon ihnen einen Ersatz bieten, anders geht`s hier leider nicht.
            Nicht wir hätten da was zu sagen, sondern die (Dinosaurier).

            PS. Der Menschenverstand setzt immer aus, wenn es um Geld (und in diesem Fall geht es um sehr, sehr viel Geld) geht.

          • Thorsten Beermann schrieb am 25. Januar 2012 at 00:27 - Permalink

            Wer verbietet denn den Vertrieb von Musik über das Internet? Solange man die Rechte an der Musik hat, darf man sie im Internet verkaufen (vorn Steuerfragen mal abgesehen ;), verschenken usw.
            Dass die meisten legalen Portale für Musik aus verschiedenen Gründen (etwa DRM) sehr unattraktiv sind, streite ich ja gar nicht ab. Aber dann findet sich mit den Bedingungen ab oder verzichtet auf das Produkt. Und wenn genug Menschen auf das Produkt verzichten, dann werden sich die Bedingungen ändern.

            Ich finde die Erklärung, es gäbe Nachfrage oder Bedürfnisse und die müßten befriedigt werden immer lustig. Wenn ich das “Bedürfnis” nach einem Audi habe, mir aber nur eine Ente leisten kann, kann ich das “Bedürfnis” auch nicht befriedigen, indem ich mir einen Audi nehme, der mir nicht gehört.

            Die Unterhaltungsindustrien haben an verschiedenen Baustellen versagt und einen Großteil der Schuld an der aktuellen Situation. Aber es bleibt der Punkt, an dem man sich entscheiden müßte, etwas zu nehmen und zu nutzen, was einem nicht gehört und dafür gibt es in meinen Augen keine Rechtfertigung.

            • danielmite schrieb am 25. Januar 2012 at 10:50 - Permalink

              Verbieten nicht, aber diese Möglichkeit wird unattraktiv … aber natürlich auf Kosten jedes Einzelnen.

              Du verstehst auch das falsch, du kannst materielle und immaterielle Güter nicht einfach vergleichen, das wird von vielen „älteren“ bei der Diskussion gerne übersehen. Wenn ich eine MP3 kopiere gibt es zwei exakt gleiche Versionen, der Aufwand dies zu tun, tendiert gegen null. Was denkst du wie wertvoll dein R8 wäre, wenn man ihn genauso kopieren könnte? Was denkst du wie viele Menschen auf einmal einen R8 haben wollten (steigende Nachfrage!), wenn man ihn so einfach kopieren könnte? Die Menschen sind ja nicht dumm oder gierig, jeder sieht den sehr niedrigen Aufwand, den man hat um digitale Güter zu reproduzieren und demnach sagt man sich auch „damit schade ich niemanden“. Was natürlich klar ist, dass eine gewisse Vorarbeit (Investition) geleistet werden muss, damit so ein Produkt (Musik z.B.) überhaupt zustande kommen kann.
              Aber was meiner Meinung nach gerne übersehen wird ist folgendes: Musik machen war nie ein Garant für Reichtum, Ruhm und Erfolg, nie in der gesamten Geschichte der Menschheit. Erst als es Datenträger gab und man so viel mehr Menschen erreichen konnte, entstand eine Industrie die daran Geld verdiente. Die hohen Preise einer Musik CD mögen am Anfang berechtigt gewesen sein, aber schon Mitte der 90er waren diese Kosten nur noch ein Bruchteil dessen, was sie mal ausgemacht haben und die Preise haben sich NICHT nach unten hin verändert, d.h. die MI hat noch Mal mehr Gewinn gemacht durch die gesunkenen Produktionskosten und die Ersparnis nicht an die Konsumenten weitergegeben. Dann haben immer mehr Leute angefangen zu brennen, weil es niemand eingesehen hat, für eine CD die man für eine Mark selber brennen konnte, genau so viel wie für eine Schallplatte zu zahlen, dann kam Napster, etc. und die Geschichte nahm ihren Lauf.

              Worauf ich hinaus will: Sie sind selber schuld, weil sie jahrelang alles verschlafen haben nur um ihren Status Quo zu halten und die Konsumenten wie Verbrecher behandelt haben (siehe Abgaben auf CDs, DVDs, etc. und die „tollen“ Werbespots gegen Schwarzkopien) und ich weine denen keine Träne nach.

            • Thorsten Beermann schrieb am 25. Januar 2012 at 11:12 - Permalink

              Was du schreibst, ist in vielen Punkten richtig. Das gleiche habe in dieser Kolumne auch vor knapp drei Jahren schon so geschrieben (übrigens mit ein er interessanten Diskussion in den Kommentaren mit dem Chef eines kleineren Plattenlabels).

              Trotzdem kommen wir doch immer wieder an den Punkt, an dem man sich etwas nimmt bzw. etwas nutzt, das einem nicht gehört, ohne dem Autoren (und der Vertriebsmaschinerie) gegenüber eine Gegenleistung zu erbringen. Und da kann man noch so viele Fehler der Gegenseite aufzählen, von der Preispolitik bis zur lausigen Entlohnung der Künstler, es ergibt für mich keine Rechtfertigung, auch wenn sich mancher Donwloader da gerne als einer Art moderner Robin Hood sehen möchte.

              Und selbst wenn man die Argumentation, den Majors würde es ja nicht wehtun, für einen Moment akzeptieren würde, betrifft es eben auch Bands und Plattenfirmen, bei denen sich die Verkäufe im vier- oder niedrigen fünfstelligen Bereich abspielen und einige hundert Verkäufe über den Break Even entscheiden.
              In den Genres, in denen ich mich bewege, könnte man fast alles noch vor VÖ in bester Qualität im Netz finden. Mag sein, daß es sich Mancher trotzdem kauft. Um sich einen Einblick in das Material zu verschaffen, gibt es in der Regel andere Wege.

            • danielmite schrieb am 25. Januar 2012 at 12:19 - Permalink

              Danke für den Hinweis auf deinen Artikel inklusive Diskussion, auf jeden Fall sehr interessant auch mal jemanden zu hören, der zwischen Kunden und MI steht und an den Künstlern interessiert ist, dementsprechend emotional sind natürlich auch die Kommentare von meinem Namensvettern gewesen (was ich jetzt nicht als schlecht empfinde).

              Ich wage mal den Versuch einer kleinen Synthese und meinen Gedanken zu der gesamten Problematik. Also:
              Es entstand eine Riesenindustrie im Musikbereich und es war möglich sehr sehr viel Geld in dem Bereich zu machen und somit gab es natürlich eine enorme Anziehung für viele “Musiker” und die es noch werden wollten, ins Business einzusteigen. Früher hat die MI noch halbwegs Filtern können, aber seit dem es immer mehr Bands und Künstler gibt die ihre Musik zur Verfügung stellen, ist der Kampf um jede zu verkaufende Platte gestiegen, weil der Konsument und Musikliebhaber nicht mehr Geld hat, um sich mehr Platten entsprechend des gewachsenen Angebotes zu kaufen. Das Angebot ist also explosionsartig gestiegen, gleichzeitig konnte aber die Nachfrage nicht erhöht werden, da das für Musik (und andere Kulturgüter) zu Verfügung stehende Geld nicht gestiegen ist (eher noch gesunken, wenn man sich die Reallohnentwicklung in good ol’ Germany mal ansieht). Was IMHO auch einer Erwähnung wert ist, ist das die emotionale Bindung an die Musiker gesunken ist, weil es einfach zu viele gibt und man sich nicht auf einige wenige konzentrieren kann, gerade im “Musikfindungsprozess” (wenn man älter wird, wechselt man die Lieblingsbands eher seltener). Dementsprechend niedrig ist die Bereitschaft Geld auszugeben, weil man eh nie die gesamte Palette abdecken könnte. Gehen wir jetzt auch noch darauf ein, dass es immer noch “zu viele” illegale Downloads gibt, dann ist doch auch klar, woher das kommt? Der größte Teil der Downloader sind Jugendliche. Diese haben eigentlich niemals Geld und würden sich somit a) nie die Platten kaufen die sie geladen haben (also kein entfallener Gewinn für die MI) und b) selbst wenn, gibt es SO ein Überangebot an Musik, dass die Downloadzahlen eh immer groß aussehen, es aber nicht wirklich zu berechnen ist, wie viel Gewinn “entgangen” ist.
              Hab ich was vergessen?

              PS: Die Kritik an den MP3s (dass diese Qualitätsmäßig schlecht sein sollen” kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, ich glaube kaum dass es viele Leute gibt, die einen Unterschied zwischen CD Quali und einer 320er MP3 kodierung oder FLAC hören könnten/würden.

            • Thorsten Beermann schrieb am 25. Januar 2012 at 16:06 - Permalink

              Jein. Da kommen verschiedene Entwicklungen zusammen. Das Konzept „Band“ ist noch relativ neu. In den Anfangsjahren der Musikindustrie war es eher üblich, dass die Interpreten nicht auch die Urheber des Materials waren, sondern Songs von fest bei der Plattenfirma angestellten Komponisten aufgenommen haben (ist ja in den chartrelevanten Genres zum Großteil bis heute ähnlich). Das klassische Beispiel aus der Endphase diese Entwicklung ist Motown. Elvis hat in seiner Karriere nicht einen einzigen eigenen Song aufgenommen.

              Zum anderen waren Aufnahmen bis Mitte der 90er extrem teuer. Zum einen hat die (für eine vernünftige Aufnahme) benötigte Technik mindestens den Gegenwert eines Einfamilienhauses gehabt, zum anderen brauchte man oft Studiomusiker bis zu einem ganzen Orchester. In der Zeit haben die Plattenfirmen selbstverständlich darauf geachtet, möglichst nur Erfolg versprechende Veröffentlichungen auf den Markt zu geben.

              Mit dem Einzug der Pro Tools hat sich die Produktion extrem vereinfacht. Wenn jemand wirklich Ahnung davon hat, kann er heute zuhause am PC einen Sound hinbekommen, den man von einer Profi-Aufnahme kaum unterschieden kann. Nur um das Mastern kommt man auch heute nicht herum.
              Das hat zum einen bei den großen Musikverlagen zu einer Einstellung geführt, so lange „Scheiße an die Wand zu werfen, bis etwas kleben bleibt“, kostet ja nichts, zum anderen hast du heute viele kleine „Plattenfirmen“, bei denen die Bands die Kosten für Produktion und Vertrieb selbst aufbringen und nur noch die Vertriebskanäle gestellt werden. Da eine solide Profi-Produktion (sicher nicht High End) weniger kostet als ein neuer Kleinwagen, können sich das viele Musiker heute leisten.

              Damit hat sich die Funktion der Qualitätssicherung weitgehend erledigt. Trotzdem hat ein Musiker ohne die Unterstützung einer Plattenfirma mit professionellem Vertrieb und Promoter auch heute nahezu keine Chance auf den Durchbruch. Das ist eigentlich der Hauptgrund, warum es auch jetzt nicht ohne sie geht, weil sonst kaum jemand vom Musiker Notiz nimmt. Es gibt ausnahmen, aber auf eine Kate Nash kommen tausende, die nie mehr als ein paar Dutzend Alben verkaufen werden.

              Da hilft auch das Internet nicht wirklich weiter, denn runtergeladen werden ja überwiegend sowieso bekannte Interpreten oder zumindest Label-Produktionen. Und man kann von einem „hoffnungsvollen Talent“ eben auch nicht erwarten, dass er den „Kleinwagen“ gerne umsonst verschenken möchte, in der Hoffnung das nächste Album vielleicht mal verkaufen zu können.

              Dass die „Verluste“ deutlich hochgerechnet sein dürften, hatte ich hier ja auch schon mehrmals geschrieben, wobei ich der Argumentation mit den Jugendlichen nicht so ganz folgen mag. Ich habe in meiner Jugend zumindest große Teile meines Geldes für Musik in allen möglichen Formen ausgegeben (CDs, Konzerte, Musikzeitschriften).

              Aber am Ende kommt eben auch da wieder der Punkt, an dem sich jemand etwas nimmt, für das er nicht zu zahlen bereit ist. Dafür kann man noch so viele Erklärungen anführen, eine Rechtfertigung kann man daraus eben nicht ableiten.

        • GrooveX schrieb am 25. Januar 2012 at 07:06 - Permalink

          Wenn die Musik-, Film- und Videospieleindustrie nicht zu den Bedingungen verkaufen will, zu dem die Kunden bereit sind zu kaufen, müßten die Kunden eben auf den Konsum verzichten.

          genau hier liegen deine fehlschlüsse (mindestens zwei). aber das findest du selbst raus, da bin ich sicher.

    31. Gamersecke schrieb am 28. Januar 2012 at 11:08 - Permalink

      Interessanter Artikel!

      Man liest ja jetzt öfter von solchen Sachen wie “Internet soll frei sein”, nach dem Megaupload von FBI geschlossen wurde. Internet soll schon frei sein, nur man muss genau darauf achten, was wirklich frei sein soll und was verkauft werden muss (keine Raubkopien).

    32. Truvor schrieb am 29. Januar 2012 at 00:17 - Permalink

      http://www.news.putc.org/news/komu_i_chem_pomeshal_megaupload/2012-01-28-575

    33. leslie schrieb am 30. Januar 2012 at 11:24 - Permalink

      Noch nicht ad Acta gelegt.

      http://www.heise.de/tp/blogs/8/151313
      ACTA-Unterzeichnung führt zu Regierungskrise in Polen

      http://blog.fefe.de/?ts=b1db4e22

      Hierzulande hört man natürlich nix.

      Mfg

    34. Weißichnichtmehr schrieb am 30. Januar 2012 at 19:01 - Permalink

      http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-netzgemeinde-ihr-werdet-den-kampf-verlieren/6127434.html

      Satire kann nicht besser sein.


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