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  • Der Autismus der Ökonomen

    geschrieben am 23. Januar 2012 von Gastautor

    ein Gastartikel von Thomas Trares

    Seit einigen Jahren gibt es in den Wirtschaftswissenschaften die Bewegung der Postautisten. Sie kritisieren im Wesentlichen die einseitige Ausrichtung ihres Fachs auf nur eine einzige Denkschule, die neoklassische Doktrin. „Spiegel Online“ hat kürzlich über dieses Thema berichtet. Dabei hat sich der in Aachen lehrende Wirtschaftsprofessor Rüdiger Bachmann zu der Kritik geäußert. Was wohl ursprünglich als Verteidigungsrede gedacht war, offenbart stattdessen geradezu idealtypisch den Autismus vieler Fachvertreter.

    Zwar gibt Bachmann zu Beginn seines Artikels die Kritik an der Mainstream-Ökonomie richtig wieder; er schreibt „es würden nur Effizienzdenken, Marktgläubigkeit und Staatsferne gepredigt; der Homo oeconomicus angebetet und in Mathematik gepresst“, doch gleich danach zeigt er, wie ernst er diese Einwände nimmt: „Ich kann nicht ganz ausschließen, dass diese Zeitungsartikel von Journalisten geschrieben wurden, die nie ein VWL-Vollstudium durchlaufen und nur die typische VWL-Übersichtsvorlesung für Nichtökonomen gehört haben.“ Und weiter ruft er den Kritikern zu: „Man muss erst einmal die Vokabeln lernen, um diese Sprache zu verstehen. So wie man auch erst mal Griechisch lernen muss, wenn man den Homer im Original lesen will“. Dass es noch mehr Ökonomen gibt, die sich im Besitz von nur schwer zugänglichem Herrschaftswissen wähnen, hat bereits der Pforzheimer Ökonom Hanno Beck in einem früheren Artikel im gleichen Medium bewiesen. Dort mutmaßt er, dass manche Kritiker nie ihre Nase in ein wirtschaftswissenschaftliches Buch gesteckt hätten.

    Wie bei solch einer Wagenburgmentalität einen fruchtbarer wissenschaftlicher Dialog entstehen soll, bleibt schleierhaft. Aber immerhin liegen die beiden Ökonomen mit ihrer Haltung voll auf Linie mit der neoklassischen Theorie, denn bei dieser handelt es sich ebenfalls um ein klar abgegrenztes, in sich geschlossenes System.

    Dieses sei an dieser Stelle nochmals kurz umrissen. Eine ausführlichere Darstellung findet sich hier.

    Die Neoklassik lehnt sich stark an die klassische Mechanik des 19. Jahrhunderts an, die damals die Physik dominierte. Analog zu einem mechanischem System, das ständig in Bewegung ist, haben die frühen Neoklassiker die Wirtschaft als einen ewigen Kreislauf aus Produktion und Konsum begriffen, den der Preismechanismus im Gleichgewicht hält. Der britische Ökonom William Stanley Jevons bezeichnete die Nationalökonomie dereinst als „die Mechanik vom Nutzen und Selbstinteresse“.

    Selbst die Zukunft scheint in einem solchen System beherrschbar. Dafür sorgt das Axiom der Ergodizität. Diesem zufolge lassen sich aus den vergangenen und gegenwärtigen Daten eines Systems auch dessen Zukunftswerte berechnen. Geht man dann noch davon aus, dass die Werte einer ökonomischen Variable normalverteilt sind, dann kann man deren Erwartungswert und das Risiko ermitteln. Alles ist ausgeleuchtet, mit der Mathematik erfassbar. Dunkle Ecken im System, Nichtwissen oder Unsicherheit, die das Rationalkalkül unterlaufen könnten, gibt es nicht.

    Nun ist es nicht so, dass diese neoklassische Theorie keinerlei Relevanz hätte. Immerhin lässt sich mit ihr herleiten, unter welchen Bedingungen Märkte effizient sein können. Problematisch wird es aber spätestens dann, wenn man die Marktgesetze für universell gültig erklärt, wenn man Monokulturen züchtet, sich der Blick auf eine Denkrichtung verengt.

    Diesen wunden Punkt hat der Philosoph und Finanzmathematiker Nasssim Nicolas Taleb in seinem Buch „Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse“ offengelegt. Taleb zeigt darin, dass die Riskomodelle der Ökonomen nur für den Normalbetrieb ausgelegt sind, nicht jedoch für Extremereignisse. Dies verdeutlicht er am Beispiel des „Schwarzen Schwans“. Bis ins 17. Jahrhundert hinein hatten die Europäer geglaubt, dass nur weiße Schwäne existierten, bis man schließlich in Australien schwarze Schwäne entdeckte. Solche „Schwarze Schwäne“ kommen nach Taleb viel häufiger vor als man denkt. Aktuelle Beispiele sind die Finanzkrise oder die Atomkatastrophe von Fukushima, beides Ereignisse, die nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung als so gut wie ausgeschlossen galten. Den Modellplatonismus der Ökonomen geißelt Taleb deshalb mit scharfen Worten: „Falls Sie aus dem Munde eines ´prominenten´ Wirtschaftswissenschaftlers die Wörter Gleichgewicht oder Normalverteilung hören, sollten Sie keinen Streit mit ihm anfangen. Ignorieren Sie ihn einfach, oder versuchen Sie, ihm eine Ratte in den Kragen zu stecken.“

    Zu den Modellplatonikern zählt übrigens auch Professor Bachmann. Vor zwei Jahren war er einer der Protagonisten im Methodenstreit, der zwischen verbal argumentierenden Ordoliberalen und mathematisch orientierten Ökonomen entbrannt war.Dies erklärt auch diesen despektierlichen Seitenhieb Bachmanns: „Ich will nicht ausschließen, dass es an einigen deutschen Unis noch marktgläubige Ordoliberale der alten Schule gibt, die das FDP-Grundsatzprogramm herunterbeten…. Aber die Demografie sollte dieses Problem eigentlich weitgehend erledigt haben.“ Nur zur Einordnung: Hier ging es nicht um einen Streit zwischen unterschiedlichen Schulen, sondern um den Einsatz der Mathematik.

    Den endgültigen Beweis, dass Bachmann auch zu den „Autisten“ seiner Zunft zählt, liefert er hier: „Es ist ein Mythos, dass ein monolithischer Mainstream fruchtbare Alternativtheorien unterdrücken würde, die es intellektuell mit der modernen VWL aufnehmen könnten – einfach weil es diese blühenden Alternativtheorien nicht gibt.“ Das heißt Bachmann hat noch nie etwas von Postkeynesianismus, Institutionalismus oder der Ökologischen Ökonomie gehört. Und seine Feststellung, dass jedes gute VWL-Studium Marktmacht, Marktversagen, Informationsunvollständigkeit und Informationsungleichgewichte behandle, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Wenn Bachmann das schon für großes Kino hält, dann zeigt dies, wie weit sein Tellerrand reicht. All dies ist nämlich Neoklassik pur. All diese Phänomene werden dort nur als Unwuchten im System behandelt, die sich mit dem geeignetem Reparaturwerkzeug in den Griff kriegen lassen – im Zweifel sogar mit mehr Markt.

    Bemerkenswert ist darüber hinaus, wie er den sich selbstkritischen zeigenden Hamburger Professor Thomas Straubhaar abbügelt: „Wenn der Kollege Thomas Straubhaar erklärt, dass „mikroökonomisches Gewinnstreben zum makroökonomischen Untergang führen könne (Anm. d. Verf.: die schwäbische Hausfrau lässt grüßen!), dann fragt man sich, wo der Herr Professor sein VWL-Studium abgelegt hat. Das ist nun wirklich ein alter Hut.“ Auf die eigentlich viel spannendere Frage, die Straubhaar stellt, nämlich wer ein ganz persönliches Interesse am Effizienzmythos der Finanzmärkte hat, und wer vom Glauben an die Effizienz von Finanzmärkten profitiert, darauf geht Bachmann nicht ein.

    An dieser Stelle seien nun noch ein, zwei Bemerkungen zu den normativen Grundlagen der Neoklassik erlaubt. Diese gibt vor, eine positive Theorie zu sein. Das heißt, sie will nur erklären, wie die Märkte funktionieren. Darauf basierende Handlungsempfehlungen wie „Mehr Markt“ oder „Laissez faire“ sind allerdings nur dann akzeptabel, wenn die Wettbewerbs- und Verteilungsprobleme gelöst sind. Ist dies nicht der Fall (oder besser: wann ist dies schon der Fall?!), dann wird das Ganze normativ. Denn dann machen sich die Marktökonomen zu Fürsprechern derer, die vom Status Quo profitieren. Der britische Politökonom und Historiker Robert Skidelsky schreibt dazu: „Abgesehen von einigen wenigen Genies formulieren Wirtschaftswissenschaftler ihre Annahmen so, dass sie auf die bestehenden Verhältnisse zutreffen, und hüllen sie dann in eine Aura der ewigen Wahrheit. Sie sind intellektuelle Butler, die den Interessen der jeweiligen Machthaber dienen, keine wachsamen Beobachter einer sich verändernden Realität. Ihre Systeme führen dazu, dass sie sich in orthodoxen Glaubenssätzen verfangen.“

    Auffällig ist diesbezüglich auch, wie wenig derzeit von Ökonomen zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fehlentwicklungen zu hören ist. In den Feuilletons oder auch in der Soziologie kursieren bereits Begriffe wie autoritärer Kapitalismus, Neofeudalismus und Postdemokratie. Vielleicht wundert man sich weniger über die diesbezüglich geringe Resonanz in den Wirtschaftswissenschaften, wenn man weiß, dass in der traditionellen Wohlfahrtsökonomik der „wohlwollende Diktator“ der idealtypische Herrscher ist.

    Thomas Trares

    Thomas Trares ist Volkswirt und freier Journalist

    114 Kommentare Print This Post
    ein Gastartikel von Thomas Trares Seit einigen Jahren gibt es in den Wirtschaftswissenschaften die Bewegung der Postautisten. Sie kritisieren im Wesentlichen die einseitige Ausrichtung ihres Fachs auf nur eine einzige Denkschule, die neoklassische Doktrin. „Spiegel Online“ hat kürzlich über dieses Thema berichtet. Dabei hat sich der in Aachen lehrende Wirtschaftsprofessor Rüdiger Bachmann zu der Kritik ...
    Tags: Volkswirtschaft
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    114 Kommentare:

    1. Mela schrieb am 23. Januar 2012 at 09:46 - Permalink

      Darf ich mal ganz höflich fragen obs eigentlich noch gut geht?

      Autismus ist _kein_ Begriff der für beliebiges Fehlverhalten verwendet werden kann und es ist auch kein Schimpfwort.

      Als Autistin fühle ich mich durch Artikel wie diesen beleidigt.

      • Thomas Trares schrieb am 23. Januar 2012 at 12:29 - Permalink

        Hallo Mela,

        also es gibt die Bewegung der Postautistischen Ökonomen seit 2000 in Frankreich und seit 2003 auch in Deutschland. Sie kritisieren die einseitige Ausrichtung der VWL auf die neoklassiche Theorie. Die Website dazu findest Du hier.

        http://paecon.hallowiki.de/index.php/Hauptseite

        Einen Sammelband verschiedener Autoren gibt es hier:

        http://www.metropolis-verlag.de/Die-Scheuklappen-der-Wirtschaftswissenschaft/564/book.do;jsessionid=B495FDF42275F0E4EA54E55BAF331A2E

        Ich denke mal nicht, dass auch nur eines der Mitglieder der Bewegung im Sinn hat, Autisten als solche zu verunglimpfen. Es mag natürlich sein, dass der Name unter dem Aspekt unglücklich gewählt ist. Ich bitte um Deine Verständnis.

        Schöne Grüße
        Thomas

        • Lex schrieb am 23. Januar 2012 at 13:06 - Permalink

          Ich denke mal nicht, dass auch nur eines der Mitglieder der Bewegung im Sinn hat, Autisten als solche zu verunglimpfen. Es mag natürlich sein, dass der Name unter dem Aspekt unglücklich gewählt ist.

          .. und deshalb haben sie ihr journal auch in “real-world economics review” umbenannt.

      • FK schrieb am 23. Januar 2012 at 12:53 - Permalink

        ich finde die verwendung des wortes autist als beleidigung ebenfalls voll schwul!

      • GrooveX schrieb am 23. Januar 2012 at 14:36 - Permalink

        take it easy, mela. als autistististinin kannst du dich ja ganz gekonnt mit deiner umgebung in verbindung setzen, indem du rhetorisch höflich zu fragen vorgibst. oder mal ganz unhöflich: als autistin hättste mal besser die klappe gehalten. oder bist du die öffentlichkeitsarbeiterin des berufsverbandes deutscher autistinnen?

        da kriegt man ja die depri von.

      • Arbo schrieb am 23. Januar 2012 at 14:53 - Permalink

        Die entsprechende Diskussion gibt es unter den “Post-Autisten” auch schon länger. Insoweit bitte ich einfach zur Kenntnis zu nehmen, was Thomas Trares schrieb.

      • Al schrieb am 25. Januar 2012 at 15:15 - Permalink

        Gegner ständig “autistisch” und “schizophren” zu nennen (was medizinische Unkenntnis voraussetzt) ist eben die Spastizität der Rhetoriker. ;)
        Wenn das mehr als nur heiße Luft wäre, dann dürfte man ja als Autist plötzlich nicht mehr gegen ideologische Monokultur sein, und nur Schizophrene dürften differenzierte Betrachtungen anstellen…

    2. Mod schrieb am 23. Januar 2012 at 09:56 - Permalink

      Wenn sie Autismus als tiefgreifende Entwicklungsstörung begreifen, die eine Informations-Verarbeitungs-Störung beinhaltet, sehe ich das nicht, weil der Text sich eindeutig auf eine kranke Ökonomie bezieht, es wird niemand in Frage gestellt, beleidigt oder diskriminiert, in Frage gestellt wird das System selbst, wenn er geschrieben hätte ein “krankes System” hätten sie sich auch angesprochen Gefühlt?

      • Mela schrieb am 23. Januar 2012 at 10:00 - Permalink

        Nein. Wir – Autisten – empfinden und auch nicht als ‘krank’ und auch nicht als reparaturbedürftig. Wir haben eine andere Wahrnehmung, die ihre Vor- und Nachteile hat. Ihr Vergleich reduziert auch den Autismus auf einen rein negativen, schad- und krankhaften Zustand der beseitigt gehört.

        • Mod schrieb am 23. Januar 2012 at 10:12 - Permalink

          Eben um diese Wahrnehmung geht es und ist im Text sehr gut beschrieben!

          • DuPfeife schrieb am 23. Januar 2012 at 10:23 - Permalink

            Jeder fühlt beleidigt wenn er mit ein paar dahergelaufenen wiwi-Schnöseln verglichen wird…
            Und Autismus ist definitiv der falsche Begriff, richtig wäre Arroganz.

            Aber so sind sie nun mal die wiwis. Glauben ihre Äußerung hätte mehr Bedeutung wenn sie sich Begriffe aus anderen Gebieten ausleihen… Dazu muss man nur die Börsennachrichten einschalten.

        • alexios schrieb am 24. Januar 2012 at 00:48 - Permalink

          Autismus ist viel mehr als das, was von ihm in der Öffentlichkeit bekannt ist. Vielleicht liegt darin das Problem, man reduziert Autismus auf Begrenztheit und Gefangensein, ähnlich einem Egomanen, das kann schon diskreminierend aufgefasst werden, wenn es als wertender Vergleich verstanden wird.

          • GrooveX schrieb am 24. Januar 2012 at 07:26 - Permalink

            man reduziert Autismus auf Begrenztheit und Gefangensein, ähnlich einem Egomanen

            ach, und ich dachte immer, egomanen reduzieren die welt auf sich, ich, ich, ich.

          • Bonsaibäumchen schrieb am 25. Januar 2012 at 12:52 - Permalink

            Und was ist Autismus dann wirklich? Uns hier aufzuklären hätte sicher nicht geschadet.

            • Al schrieb am 25. Januar 2012 at 16:44 - Permalink

              Wenn Autismus einfältig mit Krankheit gleichsetzbar wäre, dann wäre die rhetorische Verwendung des Begriffs auch schon politisch unkorrekt (vergleichbar mit “Spast” oder “Mongo”). Aber so einfach ist das nicht.

              Es gibt auch Autisten, die dank aufwändig antrainierter Kompensationsmechanismen relativ unauffällig, funktional und leistungsfähig sein können. Den Defiziten stehen mitunter spezifische Stärken gegenüber.
              Autismus ist identitätsprägend. Bestimmte Fälle sind so einfach gestrickt, daß man Autismus mit Krankheit gleichsetzen kann. Aber diejenigen, die widersprechen können, werden sich natürlich wehren, wenn die eigene Identität und der eigene Wesenskern als “krank” gewertet werden. Das ist das selbe Prinzip, nach dem inzwischen die meisten Menschen Homosexualität nicht mehr als Krankheit betrachten.

              Die Psychologie ist inzwischen vorsichtig mit dem Krankheitsbegriff. Die Geschichte lehrt, daß der Krankheits- und der Funktionalitätsbegriff sogar entgegengesetzt sein können: In einer kranken Gesellschaft ist nur die kranke Psyche funktional.

          • Al schrieb am 26. Januar 2012 at 00:07 - Permalink

            Ich würde sogar so weit gehen, einfach mal das Gegenteil zu behaupten: Autoritätsgläubigkeit, Gleichschaltung und Bildung von Seilschaften sind Dinge, die Autisten schwerer fallen als normalen Menschen. Autismus ist also nicht der zu überwindende sondern eher der anzustrebende Zustand.

            Auf jeden Fall ist die Namensgebung eine große Panne, auch wenn es der größte Teil des Publikums nicht merkt.

            • rosi schrieb am 26. Januar 2012 at 16:42 - Permalink

              @Al schrieb am 26. Januar 2012 at 00:07

              Ich würde sogar so weit gehen, einfach mal das Gegenteil zu behaupten: Autoritätsgläubigkeit, Gleichschaltung und Bildung von Seilschaften sind Dinge, die Autisten schwerer fallen als normalen Menschen.

              Das ist wohl wahr, darauf ist der Begriff doch m.E. nicht wirklich rein bezogen, sondern auf sich ständig wiederholende, unflexible, stereotype Verhaltensmuster sowie auf eine Eingrenzung der Interessenlage, wie auch das Zurückziehen und stereotyper Sprachgebrauch, also mehr vom möglichen Ergebnis her abgeleitet, so meine Interpretation.

              Autismus ist also nicht der zu überwindende sondern eher der anzustrebende Zustand.

              Danke, nein. Letztlich ist es mir egal, warum sich ein Verhaltensmuster einschränkt und Flexibilität einbüßt, in Stereotypen, Fachtermini und Abschottung mündet, ob jetzt nun aus der Gleichschaltung über Seilschaften und Autoritätsgläubigkeit (Gruppenzwang) oder aufgrund autistischer Verhaltenszwänge. Sie können sich natürlich jetzt auf den Standpunkt stellen, wären wir alle Autisten, bräuchten wir über über viele gesellschaftliche Probleme nicht mehr wirklich zu sprechen, weil so nicht existent. Toll.

              Auf jeden Fall ist die Namensgebung eine große Panne, auch wenn es der größte Teil des Publikums nicht merkt.

              Mhhhmpfff, da wäre ich vorsichtig mit dem Nachsatz, das ist nämlich Interpretationssache und da sollte man sich seiner Sache schon sehr sicher sein. Muss man immer von sich selbst aus “herabgeschossen” andere für dümmer halten? Vll. haben sich die Erschaffer des Begriffs halt etwas anderes dabei gedacht, nicht dasselbe damit assoziiert, wie Sie es tun?

              Das kann man so sehen wollen, doch warum sollte man das ausgerechnet so sehen wollen? Warum sehen Sie es so? Gerade dann, wenn man Autismus (jetzt nicht näher spezifiziert) eben nicht als Krankheit betrachtet, sondern nur als eine andere Form des Denkens? Niemand betrachtet die post-autistische Ökonomie wirklich als krank im Sinne der Psychologie, sondern ebenso als eine andere Form des Denkens, wäre es nicht ausgerechnet dann wieder sehr treffend? Da widerspricht sich Ihr Widerspruch zu ” … nicht merkt …” irgendwie selbst. Was jetzt nun, krank oder nicht krank, deswegen beleidigend oder nicht beleidigend? Passt nicht, weil gar nicht krank und deswegen eine Beleidigung, obwohl post-autistische Ökonomie (niemand wünscht die Professoren einzuweisen oder zur Behandlung zu schicken) gar nicht so krank gesehen wird, wie Sie es scheinbar interpretieren möchten .. da wird man ja ganz schacka in der Birne.

              Sind wir letztlich nicht alle hin und wieder ein wenig autistisch? Muss man sich durch eine solche Aussage beleidigt fühlen, also meiner einer fühlt sich dann nicht beleidigt. Ganz im Gegenteil, benutze diesen Begriff hin und wieder, wenn ich denke, ich lebe die in mir natürlich verankerte Veranlagung dazu aus (nein, ich bin kein Autist). Wir tätigen hin und wieder alle stereotype Handlungen, wollen uns nicht dabei stören lassen und es lässt sich hervorragend dabei in sich selbst zurückziehen, das ist ja zumeist auch der Sinn der Sache. Hhhm, man könnte die Meditation damit vergleichen oder manche therapeutische Ansätze für überstimulierte Menschen (stundenlang malen, Blümchen pflanzen, was auch immer).
              Dabei sollte man bedenken, es gibt m.E. keine krankhafte – wenn man es so nennen mag, was ich nach Spezifikation tun muss – Ausprägung des Menschen, die im normalen Spektrum nicht vorliegt. Und gerade deswegen ist die Psychologie vorsichtiger geworden, mit der Einschätzung, was letztlich krank ist, denn die Grenze zu ziehen ist hier sehr schwer.

              Wobei – nur so nebenbei – mir das bei einem schweren Autisten nach Kanner (resp. Rain Man, das kennt wohl jeder) schon schwer fallen würde, also es nicht als krank einzusortieren, denn es ist schon eine beträchtliche Einschränkung des sog. selbständigen Lebens.

              Man kann sich drüber streiten, ob man dies weiter Autismus nennen möchte … und vll. die Begrifflichkeiten wandeln lassen. Doch noch ist es halt so, wird so geführt. Exakt wo genau ist Ihr Problem damit? Ich verstehe es einfach nicht, Error, bitte erklären Sie es mir und woher ziehen Sie Ihr erweitertes Verständnis?

              Gruss
              rosi

            • Al schrieb am 27. Januar 2012 at 02:20 - Permalink

              @rosi:

              Der erste Teil meines Kommentars war nicht ganz ernst gemeint.
              Aber daß die Entlehnung von Diagnosen kein guter Umgangston ist, liegt doch auf der Hand. “Autist” und “Schizo” ist doch genauso Schulhofsprache wie “Mongo” oder “Spast”. Ich kann da jedenfalls keinen prinzipiellen Unterschied sehen.

              Vielleicht ist die Verkürzung und Verschlagwortung von Sprache und Denken sogar eine Ursache des Problems, das die “Postautisten” erkennen wollen.

        • Gehirnschmiere schrieb am 25. Januar 2012 at 18:26 - Permalink

          Es ist ja auch egal, ob Autismus eine Krankheit ist oder eine spezielle Wahrnehmungs- und Interaktionsbegabung. Wichtig ist doch vor allem, dass Autisten nicht rumlaufen und uns am laufenden Band ihre Weltsicht als unumstößliche Tatsache aufdrängen und die größten ökonomischen Dummheiten als quasi gottgegeben verkaufen.

          • Mod schrieb am 25. Januar 2012 at 18:33 - Permalink

            Autismus oder die Wahrnehmung in der Ökonomie birgt genau diese Gefahren, bzw. verändern die Sicht durch fehlende oder oktroyierte Objektivität. Das geht aus dem Artikel hervor. Medienmanipulation eben..!?

            • Gehirnschmiere schrieb am 25. Januar 2012 at 22:20 - Permalink

              Ungefähr das wollte ich damit auch sagen.
              Das Hauptversagen der Mainstream-VWL liegt nicht nur in ihrer besonderen, auf sich selbst bezogenen Sichtweise, sondern vielmehr darin, dass sie wider alle Fakten, die sie widerlegen, immer noch diskursive Hegemonie beansprucht.

    3. der Herr Karl schrieb am 23. Januar 2012 at 10:24 - Permalink

      Das Synonym für Wirtschaftswissenschaft ist Parapsychologie.
      Ihre Lehrer sind Sektenführer – ihre Lehren sind Hypnosetechniken.
      Moderne Rattenfängerei…

      • R_Winter schrieb am 23. Januar 2012 at 10:51 - Permalink

        Meine volle Zustimmung.

      • R@iner schrieb am 23. Januar 2012 at 11:24 - Permalink

        Kürzer hätte ich es auch nicht sagen können.

      • ockham schrieb am 23. Januar 2012 at 13:16 - Permalink

        Sie sagen es.

      • Bonsaibäumchen schrieb am 23. Januar 2012 at 14:35 - Permalink

        Auf den Punkt gebracht!

      • schwitzig schrieb am 23. Januar 2012 at 17:37 - Permalink

        Korrekt.

        Im Mittelalter würgte die Kirche die Gesellschaft. Heute hat sich die Kirche umbenannt – irgendetwas mit Finanzscheisse.

        • GrooveX schrieb am 24. Januar 2012 at 07:34 - Permalink

          aber auch du bedienst die ikonografie dieser irgendwas mit finanzscheiße genannten kirche, indem du du begriffe wie ‘die märkte’ in deren kontext übernommen hast.

          • schwitzig schrieb am 24. Januar 2012 at 17:52 - Permalink

            indem du du begriffe wie ‘die märkte’ in deren kontext übernommen hast.

            Nö, habe ich nicht. Ganz im Gegenteil.

      • Barnockel schrieb am 25. Januar 2012 at 00:49 - Permalink

        D’accord (soweit es sich auf die Neoklassiker bezieht).

    4. Gekis schrieb am 23. Januar 2012 at 10:51 - Permalink

      Rüdiger Bachmann`s Rechtfertigungrseise durch die Blogs geht weiter.
      http://kantooseconomics.com/2012/01/23/zur-debattenkultur-in-der-vwl-kritik/

      • Mod schrieb am 24. Januar 2012 at 16:33 - Permalink

        Seine Rechtfertigungsreise bekommt den passenden Background, Herr Prof. Bachmann ist Tätig für ifo-Institut und der CESifo research network affiliate.
        Wenn dann unter den Freunden des ifo Institut die UniCredit Bank AG, NB Consulting- und Beteiligungs GmbH, Goldman Sachs & Co OHG, Allianz Gruppe, usw. befinden, bekommt der Artikel im Spiegel doch eine ganz besondere Note, als Präsident bei ifo und CESifo Organisation ist Hans Werner Sinn aufgeführt, das kann er dann auch nicht mit einer Überschrift ad Absurdum führen, auf die er angeblich keinen Einfluss gehabt hat. Bezeichnend ist aber die Aussage von Herrn Bachmann das: aus deinem Link

        “Nur in totalitären, faschistischen Gesellschaften regieren die Politik und die Gesellschaft direkt in die Wissenschaft hinein”

        so einen Unfug hab ich auch noch nicht gehört? Aber erhellend wird es wenn zu lesen ist, das Roland Berger sich als Vorstandsvorsitzender unter “Freunde des ifo Instituts” befindet.

        http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/f-about/f3aboutifo/30ifoorga

      • Bonsta schrieb am 28. Januar 2012 at 01:13 - Permalink

        Nur Ökonomen dürfen kritisieren und diese muss natürlich dem Mainstreammodell angepasst sein. So ungefähr ist die Aussage Bachmanns. Dass VWL eine gesellschaftspolitische, soziale Komponente hat, ignoriert er vollkommen. Das ist der Diskussionsstil der Neoklassiker der vergangenen 30 Jahre. Bachmann ist ein Fossil.

        Eine Forderung dieser Spezies: Gewerkschaften sind schlecht, da sie den Preis der Arbeit manipulieren.

        Dazu meine ich: Das ist ein Angriff auf den Konsens der Gesellschaft, ein direkter Angriff auf die Demokratie und den Pluralismus, das ist ein neu entfachter Klassenkampf. Das zu erkennen brauche ich nicht VWL studiert zu haben, dazu muss ich nur wissen, wohin ich gehöre.

        Herr Bachmann kann das nicht verstehen, da er sich hinter mathematischen Formeln, Fachbegriffen versteckt und die gesellschaftspolitischen Konsequenzen ausblendet.

        Wie der Artikel schon sagt, “wohlwollender Diktator”, der Platonismus in der Variante der VWL’ler, Hayeks Vorstellung der “Weisen Eliten” trifft sich wunderbar mit Platons Vorstellungen über den von Philosophen gelenkten Staat. Herrschaftsdenken in Vollendung. Nicht umsonst waren Friedmann und Hayek Freunde von Pinochet…

    5. lemmy caution schrieb am 23. Januar 2012 at 11:05 - Permalink

      Modelle sollten bei den Modell-Annahmen ansetzen. Das ist dann natürlich eine sehr technische Debatte. Taleb liefert gute Ansatzpunkte, indem er sagt, dass ein hinsichtlich der Effizienz optimiertes System, möglicherweise an Robustheit verliert.
      Solche Meldungen bieten gute Ansatzpunkte, wirklich intensivst über Neu-Regulierungen des Finanzsektors nachzudenken: http://publicintelligence.net/new-300-million-transatlantic-cable-makes-stock-trades-6-milliseconds-faster/
      Unter den aktuellen Anreiz-Strukturen lohnt sich die Investition von 300 Millionen Dollar, um Nachrichten um 6 Milisekunden schneller von London nach New York zu senden. Wir sind da auf 1/3 Lichtgeschwindigkeit. Rationale Argumente für diese Anreizstrukturen dürften sehr schwer zu finden sein. An solchen Punkten könnte man ansetzen.
      Die Lefty-Shefties tendieren aber dazu, sich ganz eigene Welt-Erklärungs-Modelle zu errichten, die genauso von vereinfachten Annahmen ausgehen und in der realen Welt scheitern, häufig gescheitert sind und weiter scheitern werden.

    6. Beate schrieb am 23. Januar 2012 at 11:28 - Permalink

      Eine halbe Million Studenten allein in den USA sind Jahr für Jahr potentielle Käufer einführender Lehrbücher in die VWL.
      Ein Riesenmarkt. Mit riesigen Gewinnchancen.
      Aus einem deutschen Lehrbuch der VWL:
      “„Die deutsche Wirtschaftspolitik hat sich seit den 60er Jahren immer wieder auch nachfrageorientiert gezeigt. Ein Ergebnis ist ein Schuldenstand der gesamten öffentlichen Haushalte 2005 in Deutschland von rund EUR 1,4 Billionen. […] Darüber hinaus stecken Deutschland und auch andere europäische Staaten in einer tiefen strukturellen Krise. Viele Strukturen sind verkrustet und die Wettbewerbsbedingungen dienen dem Erhalt des Status Quo. Sie fördern allerdings nicht die dringend benötigte Innovationskraft am Standort Deutschland“
      http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2011/pahl.pdf
      DEMOKRATISCHE KONTROLLE DER EZB/BUNDESBANK JETZT SOFORT!
      Welche Aufgaben die EZB/Bundesbank hat, zu wessen Wohl sie ihre Aufgaben erfüllen soll bestimmen wir das Volk.
      Schluß mit dem Machtmissbrauch von Bundesbankpräsidenten.
      Denen es egal ist wer unter ihnen Bundeskanzlerin ist!

      • Vogel schrieb am 23. Januar 2012 at 13:13 - Permalink

        „Die deutsche Wirtschaftspolitik hat sich seit den 60er Jahren immer wieder auch nachfrageorientiert gezeigt. Ein Ergebnis ist ein Schuldenstand der gesamten öffentlichen Haushalte 2005 in Deutschland von rund EUR 1,4 Billionen. [...]“

        Das find’ ich auch immer so herzig: Die Gegenbuchung wird elegant verschwiegen nach dem Motto: Krise statt Konjunkturpaket = besser! Heilsame Katharsis? *Grrrh* Jaja, ich weiß: Wenn wir gehen nehmen wir alles mit, wir lassen nur die Schulden für unsere Nachfahren.

        Okay, okay: “Oeconomics is not accounting” … iss schon recht ihr sekentführenden Parapsychologen (Dank an der Herr Karl für die treffende Charakterisierung). Das abstract zum Thema iss schon interessant und (auch für kleine Lichter wie mich) durchaus in seinen Auswirkungen verstehbar.

    7. Karla schrieb am 23. Januar 2012 at 12:15 - Permalink

      Man sollte tatsächlich nicht von Autismus sprechen, sondern von Dogmatismus. Denn die “andere Wahrnehmung” vieler Ökonomen ist ja kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern hat ihre Ursache in einem tiefen (Irr-)Glauben, dem Glauben an den Markt.

      Dogmatismus in der Wissenschaft gab es auch früher schon, gerade auch in Fächern, die heute ganz klar mit Aufklärung assoziiert werden. In Physik und Astronomie zum Beispiel. Da durfte es eben lange Zeit nicht sein, dass die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums steht. Dem Dogma anhängende Wissenschaftler erfanden dann lieber komplizierte und abgefahrene “Modellverbesserungen” (Epizykeltheorie), anstatt ins Auge zu fassen, dass es vielleicht ganz anders sein könnte. Trotzdem wurde der Dogmatismus irgendwann überwunden, warum also nicht der Wirtschaftswissenschaft. Kein Dogma fällt von heut auf morgen. Wirtschaftswissenschaftler, die gegen das Dogma angehen, haben es vielleicht schwer, aber sie riskieren nicht den Scheiterhaufen.

      • Tubl schrieb am 23. Januar 2012 at 13:29 - Permalink

        Da stimme ich voll zu dass Dogmatismus der treffendste Begriff ist. Das Problem mit der VWL ist dass sie eben keine Naturwissenschaft (aber von vielen also solche verstanden wird) ist und sich im Gegensatz dazu durch Experimente keine eindeutigen Erkenntnisse gewinnen lassen. Wenn volkswirtschaftliche Krisen auftreten, dann sind die Ursachen selten eindeutig bestimmbar. Der interpretatorische Spielraum ist riesig. Es gibt meist starke Indizien die logisch gefolgert werden können. Aber das ist auch schon alles. Anfangs ernsthafte Diskussionen darüber gehen meist im ideologischen Hickhack unter. So ziehen sich dann die Vertreter der verschieden VWL in ihre Burgen zurück und verteidigen ihre Lehre trotzig. Sie können das weil sie durch Gegenbeweise, wie das in den Naturwissenschaften möglich ist, nicht aus ihren Elfenbeinturm geholt werden können. Es gibt diese Beweise nicht. VWL ist eine Sozialwissenschaft und Volkwirtschaften sind daher empirisch nur schwer erfassbar.

      • Arbo schrieb am 23. Januar 2012 at 14:56 - Permalink

        Wirtschaftswissenschaftler, die gegen das Dogma angehen, haben es vielleicht schwer, aber sie riskieren nicht den Scheiterhaufen.

        Das ist Quatsch. Spätestens nach der Promotion fallen die Chancen, sich ähnlich kritisch zu betätigen, recht dünn aus. Wer dennoch gegen ein “Dogma” (oder vielleicht mehrere?) anrennen will, braucht eine gute Portion Glück, denn so, wie die Lehrstühle vor allem in Deutschland besetzt sind, ist dann für gewöhnlich das Ende der wissenschaftlichen Karriere erreicht. Das IST ein Scherbenhaufen – persönlich wie generell für die Wissenschaft.

        • Karla schrieb am 23. Januar 2012 at 16:37 - Permalink

          Scherbenhaufen != Scheiterhaufen

          • Arbo schrieb am 24. Januar 2012 at 09:44 - Permalink

            Ja gut, bildlisch gesprochen sind sie dann aber “abgebrannt”!

    8. Heldentasse schrieb am 23. Januar 2012 at 13:18 - Permalink

      Die Neoklassik lehnt sich stark an die klassische Mechanik des 19. Jahrhunderts an, die damals die Physik dominierte.

      Sorry! Aber da habe ich aufgehört zu lesen, weil diese Aussage m.E. unerträglich ist! Die Prinzipien (Axiome) der klassischen Mechanik sind gerade nicht(!) das “Wirr War” – ;) – mit dem die Volkswirte arbeiten, sondern klar, einfach, deterministisch(!) und mit einer Hand abzählbar sowie nicht(!) beliebig interpretierbar.
      Die in #7 vorgestellte Epizykeltheorie zum beschreiben der Planetenbahnen kommt womöglich einem Vergleich der Arbeitsweisen mit diversen VWL Theorien näher. Auch hier wurden beliebige freie Parameter eingeführt um etwas zu “erklären”, was aber so mit den Naturgesetzen so nicht vereinbar ist. ;)
      P.S.: Laut Alexander Unzicker entwickelt sich z.Z. die Kosmologie durch die Einführung beliebiger freier Parameter womöglich wieder in so etwas Analoges zur Epizykeltheorie. (Kosmologie – Alexander Unzicker)

      • chriwi schrieb am 23. Januar 2012 at 14:12 - Permalink

        “Auch hier wurden beliebige freie Parameter eingeführt um etwas zu “erklären”, was aber so mit den Naturgesetzen so nicht vereinbar ist. ;)”
        Das wäre per se noch nicht einmal schlimm, wenn man durch ein solches “curve fitting” bestimmte Dinge vorhersagen könnte. Aber genau hier scheitert die VWL sehr häufig. Es wird bis ins Jahr 2050 extrapoliert und kurz darauf müssen die Zahlen für das aktuelle Quartal korrigiert werden.

        • Karla schrieb am 23. Januar 2012 at 14:20 - Permalink

          Das “curve fitting” kann ja überhaupt nichts vorhersagen, denn dabei wird nur in einem (vereinfachten) Modell nachgebildet, was jeder aktuell in echt sehen kann. Die eigentlichen Mechanismen, warum ein Zustand so ist, wie man ihn sieht, stecken in so einem Modell gar nicht drin. Es ist so, als ob ich mir ganz genau eine Wespe anschaue, sie in Sperrholz nachbaue, schwarz-gelb anmale – und mich dann wundre, dass das Teil nicht fliegt.

          • chriwi schrieb am 24. Januar 2012 at 08:33 - Permalink

            Man kann mit einer Kurvenanpassung durchaus arbeiten. Man sollte sich aber davor hüten zu weit in die Zukunft zu extrapolieren. Vor allem wenn man es, wie in der Ökonomie, mit chaotischen Systemen zu tun hat.

      • Judith schrieb am 24. Januar 2012 at 21:34 - Permalink

        Nein, Sie sehen das falsch. Die Ökonomen arbeiten ja gerade mit einfachen, mathematisch berechenbaren Modellen, die davon ausgehen, dass Menschen immer rational handeln und immer versuchen, den für sie persönlich herausspringenden Nutzen zu maximieren. Die entsprechenden Modelle sind einfach und eindeutig. Nur leider kann das, was in einer Naturwissenschaft wie der Physik funktioniert, in einer Sozialwissenschaft wie der Ökonomie grottenfalsch sein – eben, weil Menschen auch manchmal irrational und von Gefühlen getrieben handeln, weil in der Realität viel mehr Faktoren eine Rolle spielen als in den Modellen abgebildet sind, weil sich in Wirklichkeit nicht alles einfach berechnen lässt. Daraus resultiert dann das, was Sie “Wirr War” (sic) nennen: ein deutlich erkennbarer Unterschied zwischen den Modellen und der Wirklichkeit.

        Leider verstehen viele Menschen, die “Wissenschaft” mit “Naturwissenschaft” gleichsetzen, nicht, wie andere Wissenschaften arbeiten und mit welchen Problemen diese zu kämpfen haben, gerade wenn es nicht möglich ist, durch einfache Versuchsaufbauten und mathematische Berechnungen zu einem eindeutigen Ergebnis zu kommen.

        • Barnockel schrieb am 25. Januar 2012 at 00:34 - Permalink

          Leider verstehen viele Menschen, die “Wissenschaft” mit “Naturwissenschaft” gleichsetzen, nicht, …

          Das damit implizierte Bild von Naturwissenschaft ist eine Karikatur, vielleicht durch den fast immer unterirdisch schlechten Schulunterricht geprägt.

          Das Fehler der Neoklassik liegt eben nicht im Verwenden von mathematisch beschriebenen Modellen an sich, sondern im obligatorischen Verwenden von falschen und abstrusen Modellen. Eben das Prinzip “bullshit in, bullshit out”.

          Ordentliche mathematische Modellierung wäre in der Ökonomie eine feine Sache, doch die Neoklassik ist gerade das Gegenteil davon. Dort werden die Leute zum blinden Anwenden der überkommenen Schrottmodelle erzogen (auf die dann nur noch neuer Schrott aufgetürmt werden darf) und gerade nicht zum kritischen Bilden und Validieren von neuen Modellen. Aber mit der üblichen Inszenierung von (in Wirklichkeit ziemlich bescheidenem) mathematischen Brimborium lenken die Mainstream-VWLer erstaunlich erfolgreich davon ab…

        • Bonsta schrieb am 28. Januar 2012 at 01:29 - Permalink

          Das ist der Grundirrtum der Neoklassik.

          Die Neoklassik kann nicht mal das Phänomen “Apple” erklären, schon allein das widerspricht dieser Theorie vollständig.

    9. Vogel schrieb am 23. Januar 2012 at 13:27 - Permalink

      Das iss ja geil! Klicke gerade neugierig auf den verlinkten SPON-Artikel (nach 39 Jahren Spiegel-Abo meide ich das Organ heute wie der Teufel das Weihwasser) … da springt mich die Überschrift an:

      Ein Uni-Ökonom teilt aus
      Lernt unsere Sprache, bevor ihr mitredet

      Vielen Dank, liebe SPON-Redaktion: Ihr habt erfolgreich meine Neugierde bekämpft, lesen muss ich das nich mehr! Wie iss der Heiopei denn drauf? Die einfachsten Dinge verdenglischen unn dann auf tschörmisch auskotzen … “Hä?” … “Dann lerne doch unsere Sprache, wenn Du mit uns reden willst!” Um’s sinngemäß mit ‘nem deutschen Klassiker auszudrücken: “Sprecht – soll man Euch verstehen” und “schau dem Volk auf’s Maul” (Goethe? Schiller? Karl-Heinz? ;-))
      *Grrrh*

      • Tidaltree schrieb am 23. Januar 2012 at 15:09 - Permalink

        Turmbau zu Babel all over again. Und wer beim Turmbau nicht mitmacht, weil er zu Krank oder zu Alt ist, dafür nicht gebraucht wird oder (, ganz schlimm, ) den Turmbau für einen großen Haufen Scheiße hält, wird zum unwerten Leben deklariert.

      • schwitzig schrieb am 23. Januar 2012 at 18:18 - Permalink

        Ja, das Interview habe ich auch gelesen. Ich habe mich bepisst vor Lachen – was ein überflüssiger Dummbatz, der sich in seiner ganzen Lächerlichkeit sogar noch wichtig vorkommt.
        Passt aber super zum SPIEGEL – Scheisse scheint Scheisse magisch – also “ökonomisch” – anzuziehen.

    10. Arbo schrieb am 23. Januar 2012 at 14:50 - Permalink

      Diesen wunden Punkt hat der Philosoph und Finanzmathematiker Nasssim Nicolas Taleb in seinem Buch „Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse“ offengelegt.

      Ergänzend dazu sei noch Philip Morowski erwähnt, der die Übernahmen der Ökonomik aus der Physik kritisierte.
      Lesenswert mit Blick auf die Mathematik ist sicher auch das Interview mit dem Mathematiker Claus Peter Ortlieb in der Faz: “”Ökonomie ist eigentlich keine Wissenschaft” “.

      Den endgültigen Beweis, dass Bachmann auch zu den „Autisten“ seiner Zunft zählt, liefert er hier: „Es ist ein Mythos, dass ein monolithischer Mainstream fruchtbare Alternativtheorien unterdrücken würde, die es intellektuell mit der modernen VWL aufnehmen könnten – einfach weil es diese blühenden Alternativtheorien nicht gibt.“

      Theorien gibt es in der Tat recht viele (ergänzend seien die Neoricardianer erwähnt). Die Frage ist nur, was Bachmann mit “blühend” meinte. Wenn sich das auf die Popularität beziehen sollte, hat er Recht. Leider, so muss mensch sagen, ist das nicht ganz unverschuldet (seitens der alternativen Ökonomen).

      Auffällig ist diesbezüglich auch, wie wenig derzeit von Ökonomen zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fehlentwicklungen zu hören ist.

      Das liegt aber auch (!) daran, dass die alternativen Ökonomen wenig zitiert werden: Wer einen Blick darauf wirft, wird ja eigentlich nur auf die altbekannten Hasen treffen, die sich zum Teil ja auch wieder ganz klar einer bestimmten Denkschule zuordnen lassen (Hickel, Flassbeck, Horn etc.).

      Insoweit ist selbst das alternative Ökonomentum doch noch etwas weiter von einer Sozial- und Geisteswissenschaft entfernt, als mensch sich das – gerade von den Alternativen – wünschen würde. Einzelne Lichtblicke gibt’s aber trotzdem, wie u.a. die Beiträge vom Wirtschaftsethiker Ulrich Thielmann zeigen.

    11. Fake_Snake schrieb am 23. Januar 2012 at 15:53 - Permalink

      Ich muss anfangen mir Ratten auf Vorrat zu halten, obwohl die mir wahrscheinlich leid tun werden wenn sie dann in so einem Kragen zappeln.

    12. T-Fighter schrieb am 23. Januar 2012 at 16:09 - Permalink

      Ich finde die ganze Sache hier eher belustigend. Unglaublich wie das VWL-Studium sich in den letzten Jahren geändert haben muss, sodass ich die Kritik nicht einmal im Ansatz nachvollziehen kann.

      Ich habe sofort in der ersten Vorlesung etwas von Keysianismus, Insititutionsökonomik (was uns aus meiner Sicht nicht viel bringt), MMT und dem Marktversagen gehört.

      Zudem ist der Homo oeconomicus schon längst durch den Homo recipriocans ersetzt worden. Er wird nur didaktischen Gründen gelehrt wie die klassische Physik ohne Relativitätstheorie.

      Sie sind entweder nicht auf den neuesten Stand Herr Trares oder haben mit Ihren Professoren ziemlich viel Pech gehabt. Da hat sich doch in den letzten Jahrzehnt etwas getan.

      Abgesehen davon melden sich in den Medien meistens nur die Wortführer ihrer Fachrichtung. Umso extremer und einseitiger sind dann die Meinungen. Das liegt aber auch daran, dass man mit abgewogenen Sätzen nicht gehört wird. Die meisten Volkswirte sind doch eher eine Mischung aus allen Gebieten und wissen um die Beschränktheit ihrer Modelle.

      Wenn ich mich festlegen müsste, würde ich auch eher sagen, dass die meisten Ökonomen Neokeysianer sind, aber das ist eine persönlich Einschätzung.

      • Thomas Trares schrieb am 23. Januar 2012 at 17:52 - Permalink

        Ich habe sofort in der ersten Vorlesung etwas von Keysianismus, Insititutionsökonomik (was uns aus meiner Sicht nicht viel bringt), MMT und dem Marktversagen gehört.

        Damit hast Du aber immer noch nichts über Postkeynesianismus, Institutionalismus und Ökologische Ökonomie gehört, was ich in dem Text angesprochen habe!

        Musst Du auch nicht am Anfang des Studiums. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Studenten selbst am Ende des Studiums noch nicht viel darüber sagen können.

        Keynesianismus ist logischerweise Bestandteil der Grundstudiums, mit Postkeynesianismus sieht es da selbst im Hauptstudium schon nicht mehr so rosig aus.

        Institutionenökonomik ist nicht gleich Institutionalismus!!!
        Institutionenökonomik ist Neoklassik pur. Sie überträgt die neoklassische Analyse auch noch auf den institutionellen Rahmen. Institutionen werden hier rein nach Effizienzgesichtspunkten analysiert. (Ökonomie des Rechts, der Unternehmung, der Ehe, etc.)

        Marktversagen ist ebenfalls Neoklassik pur. Es werden hier zwar Funktionsmängel festgestellt, etwa externe Effekte im Umweltbereich. Die kriegt man aber modelltheoretisch schnell in den Griff, z.B. über ne Pigou-Steuer (nur als Beispiel!). An der Gleichgewichtsorientierung ändert sich dadurch nichts. Diese stellen erst die alternativen Ansätze (Postkeynesianismus, etc…) in Frage. Letztendlich läuft das aber ohnehin alles auf die Glaubensfrage hinaus, ob Märkte stabil sind oder nicht.

        Sie sind entweder nicht auf den neuesten Stand Herr Trares oder haben mit Ihren Professoren ziemlich viel Pech gehabt.

        Mit meinen Professoren (besser einem) hatte ich sogar großes Glück. An meiner Uni gab es etwa 7 – 8 VWL-Lehrstühle. Zum Glück war ein Postkeynesianer bzw Ökologischer Ökonom darunter, sonst wäre ich aufgeschmissen gewesen. Und irgendwann kamen dann die ganzen Mathematiker, dann wurde selbst in “Grundlagen der Wirtschaftspolitik” darüber sinniert, ob die gesellschaftlichen Präferenzen konkav oder konvex sind. Ich wette, wer nur in dieser Vorlesung war und sich sonst nicht informiert hat, kann nicht einmal Liberalismus und Sozialismus voneinander unterscheiden.

        Ich behaupte gar nicht, auf dem neusten Stand zu sein bzw jede neueste Wendung der Wissenschaft zu kennen. Und ich kann auch nicht für jede Uni sprechen. Allein dass es die Postautisten gibt, zeigt aber, dass die Diskussion wohl nicht ganz aus der Luft gegriffen ist.

        • T-Fighter schrieb am 23. Januar 2012 at 19:31 - Permalink

          Ich verstehe aber nicht wie du von deinem Studium auf alle Universitäten schließen kannst. Ich kann höchstens über mein eigenes Umfeld schreiben und weißt nicht was in Heidelberg oder Münster gelehrt wird. Ob da jetzt die Keynesianer oder Monetaristen am Start sind, kann ich nicht sagen.

          Der Postkeynesianismus gehört wirklich nicht zur Standardvorlesung. Ich weiß aber nicht, ob wir ihn irgendwann doch vornehmen werden. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Neokeynesianer oder gute VWLer allgemein noch nie etwas vom Postkeynesianismus gehört haben oder deren Theorien grundlegend falsch finden.

          Liberalismus und Sozialismus sind auch eher philosophische Denkrichtungen. Die Themen die aus diesen Bereichen ökonomisch relevant sind, sind dann eher Gemeineigentum vs. Privateigentum, Rationalisierung mit einhergehenden Fall der Profitrate etc. Zudem werden Liberalismus und Sozialismus trotzdem “gestreift” – Wiwi ist aber nunmal kein Soziologie- oder Philosophiestudium.

          Institutionalismus: Anscheinend liefert Wikipedia auch noch “Soziologischer Neoinstitutionalismus”. Ich bin kein Soziologe, aber nichtrationale Entscheidungen und Massenverhalten werden in den Behavioral Economics behandelt. Zudem scheint mir schon die Grundannahme nicht vollständig. Der Mensch handelt weder komplett rational noch irrational.

          Die Mathematisierung der Ökonomie war notwendig. Anscheinend hat man in den ersten Jahren aber etwas über das Ziel geschossen. Es wird derzeit zurückgerudert. “Mathematik bloß als Mittel zum Zweck.” Es kann nicht sein, dass Schlussfolgerungen ohne einen gewissen logischen Anspruch gemacht und Modellresultate nicht empirisch bestätigt werden. Man hat einfach kein Bock mehr, dass jede Behauptung in den Raum gestellt werden darf. Homo oeconomicus.., dafür lacht man einen doch schon länger aus. Und es wurde soviele Jahre gelehrt. Man will den Fehler nicht noch einmal machen.

          So oder so, es gibt viele Ökonomen, die man locker unter Vodoo-Economics stecken kann, aber zu behaupten, dass das Fach von Marktgläubigkeit, Homo oeconomicus und übertriebener Mathematisierung geprägt ist, ist schon ziemlich weit hergeholt. Die beiden Kommilitonen sind einfach naiv, zu glauben, dass man sofort zu den neuen Sachen in der ersten Vorlesung kommt, ohne die Grundlagen zu kennen. Da versuchen zwei junge Studenten eine Rakete zu bauen und fragen, warum sie in der ersten Vorlesung kurz den klassischen freien Fall im Vakuum behandeln, obwohl man doch wisse, dass Einstein bewiesen habe, dass es nicht stimmt und es auch praktisch keinen luftleeren Raum gibt.

          Oder hätten Sie auf Anhieb die postkeynesianischen Thesen verstanden? Also “wirklich” verstanden mit all den Hintergrundwissen..

          • Thomas Trares schrieb am 24. Januar 2012 at 11:20 - Permalink

            Ich verstehe aber nicht wie du von deinem Studium auf alle Universitäten schließen kannst.

            Das mache ich auch nicht. Ich kann aber die öffentliche Diskussion verfolgen und das mit meinen eigenen Erfahrungen abgleichen. Wie es an Deiner Uni konkret aussieht, darüber kann ich mir natürlich kein Urteil erlauben.

            Der Postkeynesianismus gehört wirklich nicht zur Standardvorlesung. Ich weiß aber nicht, ob wir ihn irgendwann doch vornehmen werden.

            Vielleicht wirst Du mal ein postkeynesianisches Wachstumsmodell oder ähnliches durchnehmen. Ob Du ihn als komplette Denkschule durchnehmen wirst, weiß man nicht. Es gibt hier auch kein geschlossenes Theoriegebäude wie in der Neoklassik. Das ist übrigens auch der große praktische Vorteil der Neoklassik.

            Liberalismus und Sozialismus sind auch eher philosophische Denkrichtungen.

            Nein, nein. Eigentlich sollte man in Wirtschaftspolitik die ganzen Konzeptionen und Leitbilder durchnehmen, (Liberalismus, Ordoliberalismus, Sozialismus, etc…) Die Mathematiker sind aber wohl der Auffassung, dass man das nachlesen kann, wenn man will.

            Die Mathematisierung der Ökonomie war notwendig.

            Mathematik ja, als Hilfswissenschaft, als Hilfsmittel, um Zusammenhänge zu beschreiben. Aber nicht als Selbstzweck. Ich selbst habe Veranstaltungen besucht, in denen nur noch gerechnet wurde, banale Ergebnisse dabei rauskamen und keine ökonomische Interpretation stattfand. Ich denke mal, dass das noch weit verbreitet ist.

            Oder hätten Sie auf Anhieb die postkeynesianischen Thesen verstanden? Also “wirklich” verstanden mit all den Hintergrundwissen..

            Nein, nein. Das braucht Zeit. Oft fügt sich erst alles am Ende zu einem Bild zusammen.

            • Arbo schrieb am 24. Januar 2012 at 12:08 - Permalink

              Mathematik ja, als Hilfswissenschaft, als Hilfsmittel, um Zusammenhänge zu beschreiben. Aber nicht als Selbstzweck.

              Warum so zögerlich? Warum dieses “Kuschen”? Mir geht es ehrlich gesagt ziemlich auf den Docht, dass Ökonomen meinen, Ökonomik ohne Mathe gar nicht mehr betreiben zu können.
              Das schließt im Umkehrschluss alle anderen Beschäftigungen mit ökonomischen Problemen aus. Fast schon verächtlich wird auf andere Ansätze, auf ideengeschichtliche, philosophische usw. Gedanken geschaut. Das ist sicherlich ein Grund dafür, dass interessante Beobachtungen aus dem (wirtschaft-) ethnologischen Bereich gar nicht zur Kenntnis genommen werden.

              Kurz: Mathe war für eine bestimmte Richtung der Ökonomik wichtig. Und ja, Mathe kann ein interessantes Hilfsmittel sein. Aber es ist beileibe nicht so, dass Ökonomik nur mathematisch zum Ausdruck und betrieben werden mag. Wer das macht, verspielt interdisziplinäre Betätigungsfelder.

              Vielleicht sollte mensch auch mal daran erinnern, dass die Ökonomik eine Sozial- und Geisteswissenschaft ist.

              Arbo

            • Thomas Trares schrieb am 24. Januar 2012 at 14:14 - Permalink

              @arbo

              Warum so zögerlich? Warum dieses “Kuschen”? Mir geht es ehrlich gesagt ziemlich auf den Docht, dass Ökonomen meinen, Ökonomik ohne Mathe gar nicht mehr betreiben zu können.

              Das behaupte ich doch gar nicht. Und mehr Interdisziplinarität und historische Analyse ist ja auch das, was alternative Ansätze fordern. Das sehe ich genau so. Aber wenn man sagt, dass 100 Prozent Mathematik falsch ist, muss ja im Umkehrschluss nicht 0 Prozent Mathematik der richtige Weg sein. Das fordern auch die Postautisten explizit nicht.

              Es gibt auf deren Website übrigens auch ne Stellungnahme der Professoren Löhr und Elsner zu Bachmanns Artikel. Da sagen die das auch nochmal.

              http://paecon.hallowiki.de/hallowelt/security/secureImage.php?f=/5/57/Bachmann_WE_DL.pdf

            • Arbo schrieb am 24. Januar 2012 at 16:10 - Permalink

              Das behaupte ich doch gar nicht. Und mehr Interdisziplinarität und historische Analyse ist ja auch das, was alternative Ansätze fordern. Das sehe ich genau so.

              Das wollte ich Dir auch nicht unterstellen. Und mit den Postautisten kenne ich mich ziemlich gut aus. ;-)

              Mein Einwurf war nur daraufhin zu verstehen, dass mensch auch ruhig mal selbstbewusst sagen darf, dass Mathe nicht zwangsläufig Ökonomik bedeutet. Meines Erachtens fällt das meistens völlig unter den Tisch und Ökonomen, die sich eben mit anderen Dingen beschäftigen, sehen sich auf einmal damit konfrontiert, sich dafür rechtfertigen zu müssen, mal kein Mathe zu verwenden. Mehr oder minder müssen sie sich dann von laut hämischen “Bachmanns” vorwerfen lassen, keine Ökonomik zu betreiben.

              In der Hinsicht ist der Brief von Löhr/ Elsner leider auch nicht sehr hilfreich. Es gibt sicherlich interessante Strömungen, die sich mathematisch interessant formulieren und modellieren lassen. Aber der meiner Meinung nach weit größere Teil dessen, was die Ökonomik bereichern kann, liegt in anderen Bereichen. Daher mein Einwand.

            • T-Fighter schrieb am 24. Januar 2012 at 19:24 - Permalink

              @Trares

              Nun gut, dann beruht diese Diskussion auf Missverständnissen. Zu Wirtschaftspolitik, -geschichte, -philosophie oder -ethik kann ich nicht viel sagen, da ich diese Module nicht belegen brauche. Aber da wir schon in der Finanzwissenschaft über Smith, Locke, Montisque und Rousseau unweigerlich reden mussten, wird das in der Wirtschaftspolitik wohl verstärkt um mehr philosophische Dingen gehen.

              @Arbo

              Ich bin nicht gegen geisteswissenschaftlicher Betrachtung der Ökonomie. Ich bin aber persönlich eher naturwissenschaftlich geprägt und betrachte, obwohl es in einer Sozialwissenschaft sehr schwierig ist, die Ökonomie von dieser Seite.

              @Frau Lehmann

              Mhmm, dann muss sich auch die Schule geändert haben. Ich hatte alte Lehrer die bei der 68er Bewegung mitgemacht haben, ehemalige Hippies und Festival-Fans, die auch mal von ihrer Jugend erzählten und auch mal gerne gesagt haben, dass wir unsere Schulzeit genießen sollten. Und die jungen Lehrer und Referendiare konnte ich ehrlich gesagt nicht wirklich von uns unterscheiden.. Natürlich gab es von der anderen Sorte Lehrer auch welche, aber du muss mal darüber nachdenken, wer die Lehrer von heute und morgen sind. Ja, das sind und können nur unsere alten Klassenkameraden sein. :D Da kann ich mir echt nicht vorstellen, dass in den Klassenräumen weiterhin eine Leistungsgesellschaft gepredigt wird.

      • Frau Lehmann schrieb am 23. Januar 2012 at 19:12 - Permalink

        @ T-Fighter
        Es ist doch völlig egal, ob nun Homo oeconomicus oder Homo reciprocans(?). Ich bin kein Ökonom. Und gerade darum stört es mich, dass es ökonomische Modelle gibt, die “den” Menschen als mathematisch berechenbare Größe innnerhalb einer Effizienzrechnung einordnen – alles rein theoretisch. In keinem der Modelle kann ich mich als soziales und individuelles Wesen wiederfinden. Genau so erklärt sich mir auch die Verwendung des Begriffes “Autismus” in dem Zusammenhang, im Sinne von Selbstbezogenheit, was das soziale Element völlig ignoriert. Dogmatisch sind diese Modelle zusätzlich.

        • T-Fighter schrieb am 23. Januar 2012 at 19:39 - Permalink

          Reciprocans ist richtig. Ich achte nicht so sehr auf Rechtschreibung.

          Das Problem ist aber, dass man ohne Statistik nicht weit kommt. Im Zweifelsfall werden die Ökonomen dafür von den Physikern zusammengehauen. Und auch die Psychologen müssen ihre Thesen mit Versuchen untermauern und mindestens eine Korrelation feststellen.

          Niemand behauptet ja, dass Modelle die Wirklichkeit abbilden. Das glauben nicht einmal die Ökonomen selbst. Und am Anfang eines jeden guten VWL-Buch wird darauf hingewiesen.

          • Frau Lehmann schrieb am 24. Januar 2012 at 08:25 - Permalink

            Niemand behauptet ja, dass Modelle die Wirklichkeit abbilden. Das glauben nicht einmal die Ökonomen selbst.

            Das ändert aber nichts daran, dass, wenn das Modell die Realität nicht abbildet, nicht das Modell verändert, sondern die Realität angepasst wird. Nach dem Motto: Was, der Mensch ist gar nicht so, wie wir dachten, dann machen wir ihn so oder reden ihm lang genug ein, dass er so zu sein hat. Ich habe jeden Tag mit den “Ergebnisssen” dieser “Erziehung” zu tun: Pragmatisch auf den eigenen Vorteil bedacht bis zum geht nicht mehr. In der Praxis wird das Modell des Homo oeconomicus nämlich noch weidlich bedient.

      • Arbo schrieb am 24. Januar 2012 at 09:51 - Permalink

        Ich habe sofort in der ersten Vorlesung etwas von Keysianismus, Insititutionsökonomik (was uns aus meiner Sicht nicht viel bringt), MMT und dem Marktversagen gehört.

        Ähnlich bei mir. Die entsprechenden Fachleute sind aber mittlerweile emeritiert und die Bibliotheken bei entsprechenden Lehrstuhlwechsel entsprechend “bereinigt”.

        Zudem ist der Homo oeconomicus schon längst durch den Homo recipriocans ersetzt worden. Er wird nur didaktischen Gründen gelehrt wie die klassische Physik ohne Relativitätstheorie.

        Soll das ein Immunisierungsversuch sein? Dass es reziprokes Verhalten gibt, hat sich durch die Verhaltensökonomik etabliert. Ja, das ist richtig. Die Arbeitsmarkt-Modelle, die u.a. für die politische Empfehlungen genutzt werden, funktionieren aber immer noch auf Basis eines homo oeconomicus.

        Die meisten Volkswirte sind doch eher eine Mischung aus allen Gebieten und wissen um die Beschränktheit ihrer Modelle.

        Das wage ich zu bezweifeln, denn in der Regel sind sie auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert und können nicht mal ansatzweise über den Tellerrand schauen. Der von Ihnen oben erwähnte homo recipriocans ist ein gutes Beispiel dafür: Etwas weitsichtigere Ökonomen hätten das bereits mit Marcel Mauss in seiner “Gabe” bereits erahnen können, spätestens aber seit Karl Polanyi. Es mussten aber erst gefühlte Ewigkeiten ins Land gehen, bis auf spieltheoretischen Designs basierend sowas wie Altruismus und Reziprozität die herkömmliche Spieltheorie ins Wanken brachte.

    13. W. Buck schrieb am 23. Januar 2012 at 16:53 - Permalink

      Der Mensch erreicht den Rand der Erkenntnisfähigkeit und will es wie immer nicht wahrhaben.

      Die Weltwirtschaft ist ein hoch komplexes, nichtlineares System in dem noch nicht einmal sämtliche Parameter bekannt sind. Wollte man ein Modell entwerfen, dass zuverlässige Vorhersagen liefert müsste dieses Modell mindestens die Komplexität aufweisen wie die vorherzusagende Realität. Fragen sie den Chaosforscher Ihres Vertrauens …

      Was bleibt ist verschiedene Modell (womöglich in unterschiedlichen Bereichen) konkurrieren zu lassen um Trends zu erahnen. Ein Blick auf die verschiedenen Klimamodelle, die zum Teil in ihren Vorhersagen weit von einander weg liegen zeigt wie schwierig das ganze unterfangen ist.

      Erschwerend kommt noch dazu, dass die Ökonomie weit instabiler ist als das Klima. Der Schmetterlingseffekt kommt einem schnell in die Quere. Irgend ein Gerücht an einer großen Weltbörse, irgend ein entsprechend gestaltetes Programm zum automatischen Mikrosekundenhandel und es kommt zu einer Resonanz im System die sich binnen Sekunden oder Wochen zum Bankrun auswächst. Unbemerkt von jedem Modell.

      Im Gegensatz zum Klima ist die Ökonomie jedoch von Menschen gemacht. Nichts hält uns davon ab ein einfacheres und übersichtlicheres System zu entwerfen. Nichts? Nein, da liege ich falsch. Was gegen eine Abschaffung oder Vereinfachung dieses Systems spricht ist: Denkfaulheit, Bequemlichkeit, Eigeninteresse und Dogmatiegläubigkeit.

      • Heldentasse schrieb am 23. Januar 2012 at 18:25 - Permalink

        @W. Buck

        Gute Betrachtung, die ich weitestgehend teile. Kleine Anmerkung dazu um den Sachverhalt ein wenig zu relativieren:

        Der Mensch erreicht den Rand der Erkenntnisfähigkeit und will es wie immer nicht wahrhaben.

        M.E. ist schon lange die Grenze der Begrifflichkeit erreicht, das hindert die Wissenschaft – mit entsprechendem Werkzeugen – aber nicht daran neue Erkenntnisse zu generieren. Ein Beispiel, Richard Feynman schrieb in “The Character of Physical Law, 1967″:

        Es gab eine Zeit, als Zeitungen sagten, nur zwölf Menschen verständen die Relativitätstheorie. Ich glaube nicht, dass es jemals eine solche Zeit gab. Auf der anderen Seite denke ich, es ist sicher zu sagen, niemand versteht Quantenmechanik.

        IMO ist das eine wahre Aussage, trotzdem ist die Kommunikation in diesem Forum ein Bewies dafür, dass man Maschinen bauen kann die auf Gesetzen beruhen die man letztendlich nicht begreifen kann, aber durch geeignete Werkzeuge (in der Regel Mathematik) doch immerhin so benutzt das was gescheites dabei raus kommt. Von daher glaube ich auch, dass der Erkenntnisprozess in den Wissenschaften immer weiter geht, wahrscheinlich sogar mit einem exponentiellen Verlauf.

        Wollte man ein Modell entwerfen, dass zuverlässige Vorhersagen liefert müsste dieses Modell mindestens die Komplexität aufweisen wie die vorherzusagende Realität. Fragen sie den Chaosforscher Ihres Vertrauens …

        Ja und nein, bzw. es kommt auf das System und dessen Zustand an. Auch chaotische Systeme können berechenbare Strukturen ausbilden, dies gilt auch für das Finanzsystem:

        Peitgen: Bei dieser Börsengeschichte konnten wir neue Phänomene erkennen. Diese neuen Phänomene sind so etwas wie Charaktereigenschaften von Aktien, die wir vorher nicht mathematisch greifen konnten.

        Chaosforschung
        Was vom Fraktal-Hype übrig blieb

        • W. Buck schrieb am 23. Januar 2012 at 20:24 - Permalink

          Kann Dir wiederum weitgehend zustimmen.

          M.E. ist schon lange die Grenze der Begrifflichkeit erreicht, das hindert die Wissenschaft – mit entsprechendem Werkzeugen – aber nicht daran neue Erkenntnisse zu generieren.

          Von Albert Einstein stammt der Satz (sinngemäß): “Wenn ein Student strahlend auf mich zukommt und meint er hätte nun endlich den Teilchen-Wellen-Charakter des Elektrons verstanden, so weis ich dass er nichts verstanden hat.”

          Wir können, da stimme ich Dir absolut zu, durch Werkzeuge wie der Mathematik weiteres “Wissen” generieren und dadurch auch verifizierbare Aussagen treffen, aber: 1. sind diese auch Werkzeuge eben begrenzt (gerade in Hinsicht auf dynamische, nichtlineare Systeme) und 2. Ist die Frage ob, z.B. in der Quantenphysik überhaupt noch von “Erkenntnis” im Sinne von “Verstehen” die Rede sein kann (s.o.).

          Wir sind Kinder einer wie auch immer gearteten Evolution. Unser Gehirn ist darauf trainiert in ganz bestimmter Weise zu erkennen, zu fokusieren, zu selektieren und zu trivialisieren (sieht man schon an den trivialsten optischen Täuschungen). So wie mein Hund keine Ahnung von Mathematik hat, wissen wir nicht einmal was wir alles nicht wissen. Trotz unserer für das restliche Tierreich enormen Fähigkeit zur Abstraktion und Vernetzung ist für uns eben doch nicht alles denkbar und beherrschbar. Dies könnte sich innerhalb einer Generation ganz praktisch auswirken, wenn wir erfahren werden, dass trotz aller Wissenschaft und Technologie das Klima so wenig beherrschbar sein wird wie der Finanzmarkt.

          • Heldentasse schrieb am 24. Januar 2012 at 11:46 - Permalink

            Danke, Du schreibst mir aus der Seele.

            sind diese auch Werkzeuge eben begrenzt (gerade in Hinsicht auf dynamische, nichtlineare Systeme)

            Volle Zustimmung. Sogar relativ einfache mechanische System (partielle Differentialgleichungen z.B. wie das Dreikörperproblem) kann man immer noch nicht geschlossen lösen.

            Ist die Frage ob, z.B. in der Quantenphysik überhaupt noch von “Erkenntnis” im Sinne von “Verstehen” die Rede sein kann (s.o.).

            Das ist IMO auch eine “ganz große Baustelle”, der gemeine Ingenieur (meine Person) ist erst durch dieses Buch – Dr. Bertlmanns Socken – darauf aufmerksam geworden. Weiterführend wäre eigentlich nun – Prozess und Realität – von Whitehead an der Reihe, aber ich befürchte für meine Person eine immense Überforderung. ;)

            Wir sind Kinder einer wie auch immer gearteten Evolution. Unser Gehirn ist darauf trainiert in ganz bestimmter Weise zu erkennen, zu fokusieren, zu selektieren und zu trivialisieren (sieht man schon an den trivialsten optischen Täuschungen).

            Hoimar von Ditfurth hat das mal so ausgedrückt:

            Die Entstehung des Bewußtseins folgte dem Grundprinzip der Evolution, daß jeder Entwicklungsschritt dem biologischen Zweck dient, die Überlebenschancen zu verbessern, und nicht etwa dem Ziel, dem Organismus möglichst objektive Informationen über seine Umwelt zu liefern.

            Aus: Der Geist fiel nicht vom Himmel, 1976
            und:

            Die Tatsache der Evolution – ausgerechnet dieses von vielen Mitmenschen noch immer als religionsfeindlich abgelehnte Konzept! – hat uns die Augen dafür geöffnet, daß die Realität dort nicht enden kann, wo die von uns erlebte Wirklichkeit zu Ende ist.

            Aus: Wir sind nicht nur von dieser Welt, 1981, S. 301
            Gruß

    14. Lada schrieb am 23. Januar 2012 at 17:27 - Permalink

      Und weiter ruft er den Kritikern zu: „Man muss erst einmal die Vokabeln lernen, um diese Sprache zu verstehen. So wie man auch erst mal Griechisch lernen muss, wenn man den Homer im Original lesen will“. Dass es noch mehr Ökonomen gibt, die sich im Besitz von nur schwer zugänglichem Herrschaftswissen wähnen, hat bereits der Pforzheimer Ökonom Hanno Beck in einem früheren Artikel im gleichen Medium bewiesen.[...]

      Wie bei solch einer Wagenburgmentalität einen fruchtbarer wissenschaftlicher Dialog entstehen soll, bleibt schleierhaft.

      Naja, bei aller berechtigten Kritik an der VWL, aber es scheint mir, dass einem jeder Strohalm Recht ist um einmal Dampf über die VWL abzulassen.
      Schauen Sie sich mal bei den Soziologen oder den Philsophen um. Bei den Mathematikern oder Physikern. JEDE Wissenschaft hat ihre eigene Sprache. Und wenn Sie sich mit Theorien aus den jeweiligen Wissenschaften auseinandersetzen und sie verstehen wollen, wenn sie wissenschaftlichen(!) Dialog wollen, dann bleibt ihnen nichts anderes übrig, als das Vokabular zu lernen. Sie widersprechen sich da mit diesem Absatz geradezu selbst.
      Aber andererseits: Wie viele, die sich über Wirtschaft äußern, wollen wirklich einen Dialog? Die meisten haben die Wahrheit doch ohnehin schon für sich gepachtet und trachten nur danach, sie zu verbreiten. Da nehmen sich Neoklassiker und ökonomische Laien fast gar nichts.

      Und seine Feststellung, dass jedes gute VWL-Studium Marktmacht, Marktversagen, Informationsunvollständigkeit und Informationsungleichgewichte behandle, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

      Warum setzt es dem die Krone auf? An welcher Uni gibt es bitte keine Module zu Informationsassymetrien und Marktversagen?

      Auffällig ist diesbezüglich auch, wie wenig derzeit von Ökonomen zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fehlentwicklungen zu hören ist.

      Das trifft zum Teil auf die angeblichen deutschen Koryphäen zu. In den USA ist da schon seit Jahren eine Recht lebhafte Diskussion drüber entbrannt.

      • Thomas Trares schrieb am 23. Januar 2012 at 18:24 - Permalink

        Schauen Sie sich mal bei den Soziologen oder den Philsophen um. Bei den Mathematikern oder Physikern. JEDE Wissenschaft hat ihre eigene Sprache. Und wenn Sie sich mit Theorien aus den jeweiligen Wissenschaften auseinandersetzen und sie verstehen wollen, wenn sie wissenschaftlichen(!) Dialog wollen, dann bleibt ihnen nichts anderes übrig, als das Vokabular zu lernen. Sie widersprechen sich da mit diesem Absatz geradezu selbst.

        Na hier macht ja der Ton die Musik! Bachmann tut ja so als seien die Kritiker alles ahnungslose Amateure. Mit den Postautisten kommt aber die Kritik aus der Wissenschaft selbst, das sind Leute die sehr wohl diese Sprache sprechen. Das ist doch der eigentliche Widerspruch.

        Und seine Feststellung, dass jedes gute VWL-Studium Marktmacht, Marktversagen, Informationsunvollständigkeit und Informationsungleichgewichte behandle, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.
        Warum setzt es dem die Krone auf? An welcher Uni gibt es bitte keine Module zu Informationsassymetrien und Marktversagen?

        Ebendrum! Bachmann verkauft dies in seinem Artikel als etwas Besonderes. Vermutlich will er damit zeigen, wie vielfältig die VWL ist. Das ist aber absoluter Standard, reine Neoklassik. Mit einer alternativen Sichtweise hat das nichts zu tun.

        • Lada schrieb am 23. Januar 2012 at 20:01 - Permalink

          Bachmann tut ja so als seien die Kritiker alles ahnungslose Amateure. Mit den Postautisten kommt aber die Kritik aus der Wissenschaft selbst, das sind Leute die sehr wohl diese Sprache sprechen.

          Ich lese den Beitrag von Bachmann eher als Reaktion auf den Artikel vom Unispiegel, wo die Studenten sich unzufrieden mit dem Studium zeigen und nun beginnen, eigene Lesegruppen zu organisieren, denn als Reaktion auf die Postautistische Bewegung. Er selbst schreibt ja, dass es ein Artikel war, der an Studenten gerichtet ist.
          Wie dem auch sei, sicher ist nicht alles friede-freude-Eierkuchen in der VWL. Es ist z.B. sehr fragwürdig, warum keine Dogmengeschichte mehr gelehrt wird und Wirtschaftsgeschichte lange Zeit als Humbug belächelt wurde. Auch könnten 1-2 Module über gesellschaftliche Folgen des Konsumerismus nicht schaden. Die Hauptaussage seines Artikels ist für mich aber: “Es ist schwierig, weil man nun einmal ein gewisses Rüstzeug braucht, um die Krisenphänomene exakt beschreiben zu können. Ökonomische Interaktionen sind komplex – wie kann man eigentlich erwarten, das gleich zu Beginn des Studiums verstehen zu können?” – und dass wird beim Vorwurf von Bachmanns (vermeintlicher) Arroganz so gänzlich unter den Tisch gekehrt.

          Ebendrum! Bachmann verkauft dies in seinem Artikel als etwas Besonderes. Vermutlich will er damit zeigen, wie vielfältig die VWL ist. Das ist aber absoluter Standard, reine Neoklassik. Mit einer alternativen Sichtweise hat das nichts zu tun.

          Naja, wenn man jetzt anfängt, Neoklassik als Standard der VWL zu definieren, dann ist doch klar, das VWL auf ewig neoklassisch ist – per definitionem. Daran scheitert doch schon viele Kritik an der Neoklassik: Sie ist nicht in der Lage zu benennen, was es genau ist (zugegebenermaßen ist das auch nicht einfach). Bachmann macht doch hier nur den Punkt, dass die VWL eben nicht total marktgläubig ist, sondern auch Martkversagen in verschiedenen Formen kennt und durchaus auch Staatsintervention befürwortet. Das dürfte aber für viele Kritiker schon was Neues sein – und da knüpft für mich dann auch wieder Bachmanns Beitrag an: Man behauptet halt etwas (VWL = Neoklassik = der Markt ist perfekt) ohne sich wirklich damit auseinandergesetzt zu haben.

        • Arbo schrieb am 24. Januar 2012 at 10:04 - Permalink

          Mit den Postautisten kommt aber die Kritik aus der Wissenschaft selbst, das sind Leute die sehr wohl diese Sprache sprechen.

          Ergänzend: Ich bin mir nicht sicher, ob jeder Wissenschaftler, der unter dem Label “Postautist” oder “Heterodox” firmiert, sich dieses selbst aufkleben würde.

          Zweitens: Verschiedene dieser Postautisten wollen diese Sprache auch nicht (!!!) sprechen. Siehe auch Karl Heinz Brodbeck in “VWL in der Krise”.

          Bachmann verkauft dies in seinem Artikel als etwas Besonderes. Vermutlich will er damit zeigen, wie vielfältig die VWL ist. Das ist aber absoluter Standard, reine Neoklassik. Mit einer alternativen Sichtweise hat das nichts zu tun.

          Wer einmal einen Blick in die ökonomische Ideengeschichte geworfen hat, das einfach nur bestätigt finden.

    15. ola schrieb am 23. Januar 2012 at 17:45 - Permalink

      Viel spannender und am Ende auch mit Sicherheit gehaltvoller ist doch die Frage, warum das in derart autokratischen Ausprägungen nur in Deutschland geschehen kann. Was hat dieses Volk an sich, dass es offensichtlich nur im Gleichschritt marschieren kann? Und zwar gerne bis zur letzten Patrone. Warum hat dieses Volk immer einen Absolutheitsanspruch und kennt keine Gnade, wenn es sich auf dem richtigen Wege wähnt?

      • Frau Lehmann schrieb am 23. Januar 2012 at 20:11 - Permalink

        Viel spannender und am Ende auch mit Sicherheit gehaltvoller ist doch die Frage, warum das in derart autokratischen Ausprägungen nur in Deutschland geschehen kann.

        Wirklich eine spannende Frage. Ich denke allerdings nicht, dass es nur in Deutschland geschehen kann, wenn auch wahrscheinlich in einer ausgeprägteren Form als anderswo. Fangen wir doch mal mit den “dem” Deutschen zugeschriebenen “Tugenden” an. Das sind doch solche wie Disziplin, Ordnung, Fleiß, (in etwa in dieser Reihenfolge). Das kommt doch nicht von ungefähr. Dieses Image hat sich “der” Deutsche hart im Laufe seiner Geschichte “erarbeitet”. Sind das nicht preußische Tugenden, auf die “wir” noch immer stolz sind (der “gute” Alte Fritz z.B. – noch immer Vorbild für militärische Tugenden, die auch im zivilen Bereich gelten, noch imer hofiert). Und es sind Tugenden, die nur “von oben” durchgesetzt und indoktriniert werden können und mit Hilfe der “anderen” Seite, nämlich derer, die Gehorsam prktizieren . Schon Heine hat sich köstlich über die Untertanentreue der Deutschen lustig gemacht. Mir scheint, dass dazu kommt, dass in Deutschland immer schon eine Tendenz vorgeherrscht hat, diese Tugenden als besonders wertvoll darzustellen gegenüber anderen Fähigkeiten. Wieso spielt z.B. Kreativität keine so besondere Rolle? Und nun kommt die Psychologie ins Spiel. Über Generationen praktizierte autoritäre Strukturen, also auf Macht aufgebaut, werden von Generation zu Generation weitergegeben, etwas gebrochen vielleicht, aber im Prinzip sind sie bis heute unangefochtene positiv besetzte Tugenden, erst recht, wenn man sich so als wertvoll empfindet und sich einreden kann, anderen etwas voraus zu haben. Ich empfehle dazu etwas von Arno Gruen zu lesen, z.B. “Der Verrat am Selbst”. Dort wird beschrieben, wie es zur Angst vor echter Autonomie kommt. Offensichtlich sind im deutschen Raum besonders stark solche Erziehungsmuster weitergegeben worden, die Anpassung fördern statt bsw. Kreativität, Spontanität, Offenheit, Experimentierfreude etc. Ach, auf welche Tugenden soll man sich denn als “Deutscher” auch berufen? Die Humanisten und Idealisten vergangener Zeiten? Verbrannt im menschlichen Niedergang des 3. Reiches. Alte Tugenden müssen her, die nichts mit dem deutschen Trauma zu tun haben und doch typisch deutsch und “gut” sind – Ehre und Treue und die oben erwähnten – völlig zeitlos.
        Aber vielleicht liegts ja auch nur am grässlichen feucht-kalten Klima ;-) Schon die Romantiker waren der Meinung, dass es sich nur recht philosophieren und dem Müßiggang nachgehen lässt in südlichen Gefilden (und: dass Frauen es besser praktizieren könnten – vielleicht spielt auch das eine Rolle: die männliche Dominanz ;) ?).

        • rosi schrieb am 25. Januar 2012 at 06:51 - Permalink

          @Frau Lehmann

          Offensichtlich sind im deutschen Raum besonders stark solche Erziehungsmuster weitergegeben worden, die Anpassung fördern statt bsw. Kreativität, Spontanität, Offenheit, Experimentierfreude etc. Ach, auf welche Tugenden soll man sich denn als “Deutscher” auch berufen? Die Humanisten und Idealisten vergangener Zeiten? Verbrannt im menschlichen Niedergang des 3. Reiches. Alte Tugenden müssen her, die nichts mit dem deutschen Trauma zu tun haben und doch typisch deutsch und “gut” sind – Ehre und Treue und die oben erwähnten – völlig zeitlos.
          Aber vielleicht liegts ja auch nur am grässlichen feucht-kalten Klima ;-) Schon die Romantiker waren der Meinung, dass es sich nur recht philosophieren und dem Müßiggang nachgehen lässt in südlichen Gefilden (und: dass Frauen es besser praktizieren könnten – vielleicht spielt auch das eine Rolle: die männliche Dominanz ;) ?).

          Frau Lehmann, das eine schließt das andere nicht aus. Somit eher m.E. kein entweder oder, sondern eher ein sowohl als auch ;). Umfeld wirkt auf Charakterisierung, Charakter formt wiederum das Umfeld, welches wir bereits mit der Wahrnehmung zu gestalten beginnen … usw. usf.

          Gruss
          rosi

    16. Vogel schrieb am 23. Januar 2012 at 20:33 - Permalink

      Ich habe mir das Thema bei Kantoo (s. #4 von Gekis) angeguggt und mich durch die Kommentare durchgepflügt: Der Bachmann hat’s schwer, besonders dann, wenn gut argumentiert wird.

      Außerdem: Das Zitat von Nida-Rümelin, welches ich dort hinterlassen habe, möchte ich auch hier in die Diskussion / in die Kommentare einbringen:

      Nida-Rümelin:

      „ … Dieses Dictum [Böckenförde-Dictum] besagt, dass der demokratische Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann. In Anlehnung an diese Äußerung von Böckenförde formuliere ich die These meines Buches: Der ökonomische Markt lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht nur nicht garantieren kann, sondern die er selbst gefährden kann. Und zwar immer dann gefährdet, wenn er selbst zum einzigen Prinzip des Handelns wird und diese Voraussetzungen einer erfolgreichen ökonomischen Praxis dadurch zerstört.“

      [Hervorhebung von mir]

      Ich schlage auch hier vor, das “gefährden kann” durch “täglich Infrage stellt” zu ersetzen!

      • Mo schrieb am 24. Januar 2012 at 22:16 - Permalink

        „ … Dieses Dictum [Böckenförde-Dictum] besagt, dass der demokratische Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann.”

        …was bedeutet, dass sich die Demokratie auf eine einfache mathematische Formel bringen lässt, wobei die Demokratie in der Berechnung natürliche die große Unbekannte darstellt.
        Mathematik berechnet ja nur, sie garantiert ja nicht.
        Ich habe schon vermutet, dass mit der Demokratie was nicht stimmt. ;-)

        • GrooveX schrieb am 24. Januar 2012 at 22:40 - Permalink

          mit welcher jetzt?

    17. Vogel schrieb am 23. Januar 2012 at 20:34 - Permalink

      Ich habe mir das Thema bei Kantoo (s. #4 von Gekis) angeguggt und mich durch die Kommentare gepflügt: Der Bachmann hat’s schwer, besonders dann, wenn gut argumentiert wird.

      Außerdem: Das Zitat von Nida-Rümelin, welches ich dort hinterlassen habe, möchte ich auch hier in die Diskussion / in die Kommentare einbringen:

      Nida-Rümelin:

      „ … Dieses Dictum [Böckenförde-Dictum] besagt, dass der demokratische Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann. In Anlehnung an diese Äußerung von Böckenförde formuliere ich die These meines Buches: Der ökonomische Markt lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht nur nicht garantieren kann, sondern die er selbst gefährden kann. Und zwar immer dann gefährdet, wenn er selbst zum einzigen Prinzip des Handelns wird und diese Voraussetzungen einer erfolgreichen ökonomischen Praxis dadurch zerstört.“

      [Hervorhebung von mir]

      Ich schlage auch hier vor, das “gefährden kann” durch “täglich Infrage stellt” zu ersetzen!

    18. Manul schrieb am 23. Januar 2012 at 20:37 - Permalink

      Ich finde den Begriff des Autismus sehr unglücklich gewählt, muss ich sagen.
      Richtige Autisten beobachten sehr viel und versuchen sich auf die kommenden Ereignisse einzustellen, um rechtzeitig die richtigen Aktionen zu setzen.
      Leute wie Bachmann dagegen sind schlicht Dummköpfe, die mal etwas auswendig gelernt haben und es für die absolute Wahrheit halten.

    19. Cheops schrieb am 23. Januar 2012 at 21:07 - Permalink

      Nicht nur Ökonomen leisten sich einen Autismus. Auch und vor allem europäische Politiker haben keinen erkennbaren Draht zur realen Welt mehr.

    20. COPOKA schrieb am 23. Januar 2012 at 22:11 - Permalink

      Immerhin lässt sich mit ihr herleiten, unter welchen Bedingungen Märkte effizient sein können. Problematisch wird es aber spätestens dann, wenn man die Marktgesetze für universell gültig erklärt, …

      Problematisch wird es schon dann, wenn man sich auf die Effizienz des Marktes festlegt. Auch dann, wenn es mit der Mathe dahinter alles stimmen würde – mal hypothetisch angenommen.

      Jedes System kann man bei einigermaßen adäquatem Modell auf das eine oder das andere Ergebnis optimieren und es dementsprechend steuern oder zumindest beeinflussen. Und da kann es – je nach Zielsetzung – entweder das Wohl der Allgemeinheit oder eine exzessive Umverteilung “von Unten nach Oben” herauskommen. Mit zahlreichen und oft unangenehmen Nebeneffekten.

      Man kann Gift darauf nehmen, dass es nicht das Allgemeinwohl ist. Das wird in allen “modernen” Theorien lediglich als “positiver Nebeneffekt” aus DER “Effizienz” postuliert.
      Was ist nun diese “Effizienz” der Märkte?

    21. COPOKA schrieb am 24. Januar 2012 at 00:12 - Permalink

      Noch paar Sätze zu dem Schwarzen Schwan.

      Was da der Philosoph entdeckt und beschrieben hat wird in der Chaosforschung seit fast 50 Jahren als Schmetterlingseffekt bezeichnet.
      Es handelt sich dabei gar nicht um “höchst unwahrscheinliches Ereignis”, sondern um die Einflüsse auf Systemdynamik, die von keinem auch so adäquatem Modell berücksichtigt werden können. Das s.g. “höchst unwahrscheinliche Ereignis” ist bei näherer Betrachtung nur Wahrnehmung einer unerwarteten Dynamik, welche die sämtlichen Berechnungen und gar die Berechnungsbasis der Theoretiker und s.g. Finanzmathematiker zunichte macht. Also höchst subjektive “Wahrscheinlichkeit”.
      Es liegt aber nicht an der Schwäche der Modelle, am Mangel an Information/Daten oder mangelnder Sorgfalt der “Mathematiker”, egal ob sie nun Neoklassik, Postkeynesianismus, Institutionalismus oder sonst einer mathematisierten Ideologie nachhängen – es ist schlicht die Natur derart Prozesse. Die sind nun mal ihrem Wesen nach unberechenbar.
      Und dass unsere Gesellschaft ein (im math. Sinne) chaotisches System ist, will hier wohl keiner ernsthaft bestreiten.

      Im Grunde steht es mit den “Finazmathematikern” und VWL-Theoretikern nicht anders als mit Meteorologen, außer dass die “Finazmathematiker” im Unterschied zu Meteorologen das Finanzwetter mit ihren Berechnungen relevant beeinflussen können, was aber das System keinesfalls berechenbarer oder stabiler macht. Aber in Hinsicht auf die Treffsicherheit ihrer Berechnungen unterscheiden sie sich nicht im Geringsten – meist liegen sie richtig, wenn “die Eckpunkte im grünen Bereich liegen”, ab und an aber total daneben, weil beide eben mit einem chaotischen und somit grundsätzlich unberechenbarem System zu tun haben. Und sooo unwahrscheinlich, außer bei Quartalsberichten, ist dieses Daneben gar nicht, ganz im Gegenteil – das ist so sicher wie Amen in der Kirche. Sogar nach menschlichem Ermessen.

      Im Übrigen denke ich nicht, dass den “Finazmathematikern” und sonstigen Markttheoretikern dieser Sachstand nicht bewusst ist. Nur würden sie es aus politischen, ideologischen, sozialdynamischen oder psychologischen Gründen nie laut zugeben. Daher auch dieses höchst religiöse Gebaren um diese “Wissenschaft” mit woodoo-Sprache drumherum.

    22. aquadraht schrieb am 24. Januar 2012 at 01:20 - Permalink

      Ich finde, die Kritik am System der Neoklassik als aus der Mechanik und Gasdynamik hergeleitetem bleibt etwas unklar. Insbesondere die Ergodenhypothese wird zwar erwähnt, aber nicht erklärt.

      Ergodizität bedeutet, dass für Wahrscheinlichkeiten und Häufigkeiten im System gilt, dass das Scharmittel gleich dem Zeitmittel ist. Anders gesagt, es ist egal, ob gleichzeitig eine Million Würfel geworfen werden oder alle hintereinander in irgendeinem Zeitabstand, das Ergebnis ändert sich dadurch nicht.

      Für ideale Würfel oder Gase ist das auch eine nachvollziehbare und beweisbare Voraussetzung. Für Ökonomien als offene, mit ihrem Output und den daraus entstehenden Bedingungen rückgekoppelte Systeme ist das eine unsinnige und unbrauchbare Voraussetzung, die nur dem Selbsterhalt der Modellvorstellung dient.

      Denn nur ein geschlossenes statisches System tendiert zur Homöostase, führt durch zufällige Marktprozesse bei vollständigem Wettbewerb zum Gleichgewicht. Ein offenes, sich entwickelndes System tendiert dazu, dass die Marktprozesse sich z.B. durch Verflechtung, Vermachtung, Konzentration etc. selbst bis zur Aufhebung modifizieren, dass sich Strukturen und Hierarchien bilden.

      Ich weiss auch nicht, ob Autisten das rechte Wort für diese ökonomische Traumwelt und ihre Bewohner ist. Mit der wirtschaftlichen Realität hat sie jedenfalls nichts zu tun.

      a^2

      • Thomas Trares schrieb am 24. Januar 2012 at 10:21 - Permalink

        Die Annahme der Ergodizität heißt in der Ökonomie, dass aus den vergangenen und aktuellen Daten eines Systemes/einer Variable auch auf dessen/deren Zukunft geschlossen werden kann. Das hat den großen Vorteil, dass das Rationalkalkül erhalten bleibt. Ich bediene mich der Stochastik und maximiere dann eben Erwartungswerte. Echte Unsicherheit, die rationale Kalkulation unmöglich macht und das System destabilisiert, ist mit der Annahme von Ergodizität eliminiert. Das ist ja ein Kritikpunkt der Postkeynesianer.

        Eine ausführlichere Beschreibung der Ergodizität findest Du hier:

        http://neuesglobaleselend.blogspot.com/2010/09/ergodizitat.html

        • Barnockel schrieb am 24. Januar 2012 at 23:50 - Permalink

          Die Annahme der Ergodizität heißt in der Ökonomie, …

          Das ist es doch gerade: ein wunderschönes Beispiel für die vollkommene Scharlatanerie der Neoklassiker: Man nehme an, die Welt sei soundso, denn dann können wir ja nett rechnen!!! Kritische Tests an empirischen Daten oder auf interne Konsistenz? Fehlanzeige. Das ist um nichts besser als Astrologie, die nehmen auch einfach ‘mal an, die Sternchen und Planeten beieinflussen das Schicksal der Menschen so oder so, um dann wild loszurechnen (oder am besten die Ergebnisse einfach frei zu erfinden, soll ja bei sogenannten Ökonomen auch vorkommen).

          Na ja, aquadraht hat ja schon erklärt, warum das alles Humbug ist. Aber die Neoklassiker glauben eben so sehr an ihr heiliges Gleichgewicht, dass da rationale Argumente im Zweifel reine Zeitverschwendung sind. Man sollte ihnen vielmehr ihre eigene Medizin verabreichen und alle VWL-Fakultäten samt und sonders privatisieren — danach dürfen sie ruhig pleite gehen oder ihr wahres Gesicht als PR-Agenturen zeigen. Den wenigen undogmatischen Ökonomen wird man problemlos Asyl bei den Soziologen, Philosophen oder sonstwo geben können.

    23. name schrieb am 24. Januar 2012 at 07:48 - Permalink

      Tja, wer die Dialektik nicht kapiert hat, wurde halt BWL & VWL Pharsenverkäufer und Modellbastler ohne Blümchen, und dem ollen Marx und den anderen marxistischen Ökonomen hat keiner dieser bürgerlichen Jasager je das Wässerchen der Erkenntnis reichen können.

    24. Gast schrieb am 24. Januar 2012 at 09:23 - Permalink

      Dafür sorgt das Axiom der Ergodizität.

      Postautisten
      neoklassische Doktrin
      Homo oeconomicus
      Rationalkalkül
      Modellplatonikern
      Ordoliberalen
      despektierlichen
      Postkeynesianismus
      Institutionalismus
      Wohlfahrtsökonomik

      Boah. Kannst Du schwere Wörter.
      Du hast Dir sicherlich echt Mühe gegeben mit Deinem Vortrag.
      Aber für mich sind das alles nur Worthülsen – zu deutsch: Bullshit.

      • Judith schrieb am 24. Januar 2012 at 23:52 - Permalink

        Hm. Genau das ist wohl das Problem, das Bachmann meinte zu adressieren – dass es ein Grundverständnis gewisser Begriffe (sicher die Hälfte dieser Liste) benötigt, um auf einem gewissen (wissenschaftlichen) Niveau darüber diskutieren zu können.

        Für alle Nichtökonomen – die ja wohl die Mehrheit der Bevölkerung stellen – könnte das allerdings genauso gut Chinesisch sein, was leider alles andere als hilfreich ist, wenn es darum geht, die aus der VWL abgeleiteten wirtschaftspolitischen Handlungsempfehlungen auf ein für alle verständliches (alltagstaugliches) Niveau zu bringen.

        Kein Wunder eigentlich, dass die Kritik an den Ökonomen aus der Normalbevölkerung heraus wächst…

        • rosi schrieb am 25. Januar 2012 at 08:11 - Permalink

          @Judith
          Daran glaube ich nicht einmal, also an die Einschätzung, dass es sich um für den Normalmenschen unentschlüsselbare Begrifflichkeiten handelt, das würde nicht einmal wirklich auf Chinesisch zutreffen. Die einzige normative Frage wäre (von Dingen, wie Zeit, Neigungen, etc. pp. abgesehen … ist jetzt nur rein theoretisch angedacht … jedoch machbar), muss er sich damit beschäftigen bzw. möchte er sich damit beschäftigen?

          Denn nur so nebenbei, mir ist nicht bekannt, dass es für ein VWL-Studium Basisvoraussetzung sei, dass sich in seinem “auserlesenen” und extrem “selten” vorkommenden Verstand exakt für diese “Geheimzeichen” ein eigenes Zentrum im Gehirn gebildet worden sei. Mit andere Worten, die grauen Zellen funktionieren bei VWLern nicht anders, als bei anderen Menschen auch. Wenn wir alle müssten, wenn wir alle wollten, könnten wir, sogar Chinesisch erlernen (da steht nicht dabei, dies sei leicht). Davon abgesehen, m.E. muss man nicht alles im Detail verstehen, nutzt mehr der Theorie selbst.

          Denn wir leben VWL Tag für Tag, sind als Teil mittendrin. ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Da könnte ich mich hinstellen und behaupten: “Worüber die VWLer theoretisieren, was sie studieren, in Begrifflichkeiten zu verschlüsseln und gesondert zu diskutieren meinen müssen, leben andere Menschen einfach”. Stimmt natürlich so auch nicht, denn auch die Theoretiker leben schließlich. Sie versuchen festzuhalten, zu erklären, zu verstehen und mit dem Verständnis zu gestalten. Deswegen ist der Spielraum hier begrenzt. Es hat seinen Grund, warum sich dies in spezielle Fachrichtungen aufsplittet, derart exponentiell und/oder metaphysisch kann Mensch nicht denken, von der begrenzten Lebensspanne abgesehen. Schlecht, wenn eine Richtung sich abschottet und zur Überzeugung gelangt, den Stein der Weisen in der Hand zu halten. Noch schlimmer, wenn dies Einzelne tun. Wobei dies eine nicht unübliche Einschätzung ist, natürlich nicht nur in der VWL. Das erschwert die Kommunikation und damit eine Kombination von Wissen, nicht nur innerhalb der VWL, sondern für die komplexe Existenz des Menschen und darüber hinaus.

          Denn mögen die VWler (wobei ich diese Formulierung nicht gerne benutze, sind sie doch mitnichten alle gleich .. mir fällt nur nichts besseres ein) die VWL durch ihr Studium besser und komplexer theoretisch verstehen und gestalten können, wie denn die Allgemeinheit, und doch – wie man nun unschwer erkennt – holt selbst jene die Realität einfach wieder ein (schitt Komplexität des Lebens, so was exponentiell-metaphysisch-esoterisches aber auch … ). Eigentlich ist es völlig irrelevant, ob man jetzt versucht zu deklarieren: “Konnte man nicht voraussehen usw. usf.“, denn das Leben spricht eine recht unmissverständliche Sprache, denn es wirkt sich nicht nur durch Verstehen, sondern auch durch Fühlen aus. Sprich: Wäre der Menschheit der Himmel bereits auf den Kopf gefallen, ist es nicht mehr wichtig, ob man dies hätte vorher berechnen können und ob die Allgemeinheit die dazu aufgestellte Formeln zu entschlüsseln in der Lage gewesen wäre.

          Es zeugt schon von einer gewissen Arroganz (als Schutzfunktion oder Überzeugung, in der Wirkung gleich), wobei ich es manchmal witzig finde (Irrenhaus?), sich extra auf einen theoretischen Diskussionsschlüssel/-Zirkel zurückziehen zu wollen, aus dem Leben, welches wir alle leben. Vermute ich doch eher, es liegt an den Grenzen der Erklärungen (Modelle/Statistiken/Berechnungen/Systeme/Schulen), an die man zu stoßen befürchtet. Der Autor nannte es Wagenburgmentalität. Mag sein, man ist sich dessen nicht bewusst. Und doch empfinde ich es als paradox. Was nutzt uns die Theorie, wenn sie ins Leben nicht passen mag und sich den darin Existierenden nicht erschließen soll. Haben sie doch eh schon ihre Beschränkung durch die Subjektivität der Wahrnehmung, das sollte man nicht forcieren, in dem man sich nicht zu verständigen wünscht. Weiß gar nicht, wie ich das unmissverständlich transportieren kann, vll. derart:

          Diesen Satz:
          „Man muss erst einmal die Vokabeln lernen, um diese Sprache zu verstehen.”

          empfinde ich als derart dumm, linear gedacht, engstirnig … dafür finde ich nicht einmal mehr wirklich die passende Worte. Der gute Mann spricht über lebendige Dinge, nämlich unser Leben. Denn letztlich nimmt die Ökonomie einen riesigen Faktor ein, der über die Gestaltung der Lebensqualität wirkt, im schlimmsten Falle gar über Existenz oder Nichtexistenz entscheidet uns die Lebensumgebung gestaltet. Schön, dass einer wenigsten Bescheid weiß (wer hier Ironie findet, ist im Recht).

          Gruss
          rosi

    25. Bana schrieb am 24. Januar 2012 at 10:15 - Permalink

      Bedauerlich finde ich vor allem den Stil der Kritik von Herrn Bachmann an Herrn Straubhaar. Warum kann das nicht ein bisschen friedvoller besprochen werden, statt sich so aggressiv anzugeiern? Wem dient der Artikel von Herrn Bachmann? Kann es sein, dass es vor allem darum geht, dass man über ihn redet? Er lehrt in Aachen, das ist zwar eine Exzellenz-Uni, aber dort haben Ökonomen immer ein Schattendasein hinter der INgenieuren gehabt, und viele sind von dort nach Köln gewechselt, vielleicht wartet er ja auch dort auf den “Ruf nach Köln”. Bin ich jetzt genauso böse wie er mit Straubhaar?

      • Mod schrieb am 24. Januar 2012 at 10:44 - Permalink

        Der Artikel von Bachmann dient vor allem dazu, die Occupy Gemeinde und Kritiker, als Gruppe von Menschen darzustellen, dienen der nötige Verstand fehlt. Dazu zählen bei ihm auch Studenten im ersten Semester. Sein Vergleich mit Physik und Medizin hinkt ebenso!

        Lernt unsere Sprache, bevor ihr mitredet. VWL sei eben sehr kompliziert – und tauge nicht als intellektueller Überbau für jedermanns private Occupy-Bewegung.

        http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,807029,00.html

    26. salvo schrieb am 24. Januar 2012 at 10:18 - Permalink

      Yanis Varoufakis dazu aktuell in seinem Blog

      “Is it a matter of dishonesty? On the process by which the economics’ profession becomes ‘captured’ by its theoretical artefacts”

      http://yanisvaroufakis.eu/2012/01/20/complexity-fetishism-the-euro-crisis-and-a-worthy-challenge-for-2012-part-b/#more-1608

      • salvo schrieb am 24. Januar 2012 at 10:38 - Permalink

        wenn ich Varoufakis Ausführungen richtig verstehe, ist es so, dass die professionellen Ökonomen im Grunde Gefangene in einem System sind, das von ihnen erwartet, eine Wissensform zu reproduzieren, die mit den Interessen gesellschaftlicher Macht kompatibel ist, und im Gegenzug mit entsprechenden materiellen und sozialen Privilegien belohnt werden

        “It is of course true that the very sight of a system of equations inspires a natural urge to solve it (and a feeling of disappointment when it proves over-determined). However, the economists’ zeal goes beyond that natural urge. The reason they are so hell bent on the endogenous determination of all variables (prices, quantities, wages, profits, but even social norms, moral entitlements, psychological utilities) exclusively on the basis of the initial, primitive data of their mathematical model, is that they understand the great rewards they have been receiving in the universities from having convinced the powers that be that they, the economists, are the only genuine social scientists. They have tasted the large rewards from ‘going it alone’; from appearing to be self-sufficient social scientists; ‘scientists of society’ who need no help from historians, psychologists, anthropologists or, God forbid, sociologists.

        In this sense, economics’ closed-model approach is enforced by the invisible hand of academic rent seeking. This is how the (unseen to most) logical incoherence of their models (which is necessary in order to close them) is compensated for: By large academic research projects, salaries well above those of other social theorists and, importantly, an open communications’ channel with those in authority both in the financial sector and in government. Let us focus on these two channels: the one linking economic theorists to the world of political authority and the one connecting them to Wall Street et al.”

    27. Peleo schrieb am 24. Januar 2012 at 10:28 - Permalink

      Ökonomische Theorie ohne Praxisbezug. Hier ist ein Baustein:

      http://www.ftd.de/unternehmen/:aufsichtsraete-in-dax-konzernen-das-netz-der-deutschland-ag/60158757.html

    28. lemmy caution schrieb am 24. Januar 2012 at 11:40 - Permalink

      In der Volkswirtschaftslehre gehts darum in einem extrem komplexen System Hilfen für in die Zukunft gerichtete Entscheidungen zu geben. Dass die sich schnell in der Nähe der Astrologen wiederfinden, liegt nun wirklich auf der Hand.

    29. Joerg Buschbeck schrieb am 24. Januar 2012 at 18:22 - Permalink

      Hallo,

      ein Hauptpunkt insbesondere der deutschen VWL Kritik sollte n.m.E. folgender Punkt sein:

      Es wird trotz eskalierender Staatsschuldenkrise keine gesellschaftliche Debatte zur Identität von Staatsschulden und privaten Geldvermögen angeregt. Dieser Punkt ist kaum bestreitbar, weder kann “staatliche Kaufüberschüsse = private Verkaufsüberschüsse” seriös wiederlegt werden, noch können die VWLer erklären, warum Sie diese Debatte nicht anstoßen?

      http://www.global-change-2009.com/blog/wie-wollen-wir-sparen-ein-aufruf-zur-gesellschaftlichen-diskussion/2012/01/

      • Barnockel schrieb am 25. Januar 2012 at 00:44 - Permalink

        …, noch können die VWLer erklären, warum Sie diese Debatte nicht anstoßen?

        Den Mainstream-VWLern fehlt es ja schon an einer auch nur halbwegs funktionierenden Geldtheorie, für die allermeisten Zwecke ignorieren sie die Existenz von Geld und Schulden rundweg. Kein Wunder, dass die sich auf keine Diskussionen einlassen — sie haben schlicht keine Ahnung, worum es überhaupt geht.

        Alternative Ökonomen haben die Finanzkrise vorhergesagt, für die Neoklassiker ist es immer noch ein “Schock”. Man sollte solche falschen Propheten einfach nicht weiter beachten.

    30. Peleo schrieb am 24. Januar 2012 at 20:39 - Permalink

      Ethik für Ökonomen?

      http://www.ndr.de/flash/mediathek/mediathek.html?media=audio100807

      • Frau Lehmann schrieb am 24. Januar 2012 at 23:12 - Permalink

        Ja!
        Aber in Deutschland wird man sich schon was einfallen lassen, die Transparenz nicht zu transparent zu gestalten, es aber so aussehen zu lassen als ob. Außerdem: Geredet wird ja schließlich immer viel, was man hätte müssen sollen tun… und die Konsquenz aus dem Gerede? Vielleicht noch gut “klingende”, aber dennoch nur heiße Luft.

        • rosi schrieb am 25. Januar 2012 at 08:41 - Permalink

          Vielleicht noch gut “klingende”, aber dennoch nur heiße Luft.

          Wenn man diese heiße Luft wenigstens ökologisch nachhaltig zum Heizen benutzen könnte …

          Gruss
          rosi

          PS: Weiß, war ein böser Scherz … ;)

    31. rosi schrieb am 25. Januar 2012 at 06:18 - Permalink

      Auffällig ist diesbezüglich auch, wie wenig derzeit von Ökonomen zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fehlentwicklungen zu hören ist. In den Feuilletons oder auch in der Soziologie kursieren bereits Begriffe wie autoritärer Kapitalismus, Neofeudalismus und Postdemokratie. Vielleicht wundert man sich weniger über die diesbezüglich geringe Resonanz in den Wirtschaftswissenschaften, wenn man weiß, dass in der traditionellen Wohlfahrtsökonomik der „wohlwollende Diktator“ der idealtypische Herrscher ist.

      D’accord, da wird wohl die ein oder andere Ursache zu finden sein … wenn nicht gar die Kernursache … Deswegen wollte ich es noch einmal hervorheben, denn es blitzt in der neoliberalen ökonomischen Argumentationswelt immer wieder dazwischen auf; manchmal offen, zumeist versteckt, in den verschiedensten Ausdrucksformen und Ansätzen …

      Doch letztlich führt es immer wieder dahin zurück, auf diese geschilderte “Optimalposition” des “gütigen” Herrschaftssystems, welches die Gegenargumentation nicht selten dazu bringt, Dinge zu formulieren, wie: Rückentwicklung oder “back to the roots”.

      Gruss
      rosi

      • Lada schrieb am 25. Januar 2012 at 13:19 - Permalink

        Sorry, aber die Wahrnehmung ist doch sehr einseitig. Der “idealtypische Herrscher” der Ökonomie ist zunächst mal vom Modell abhängig (nicht jedes Modell liefert eine maximale Wohlfahrt, weil es einen idealtypischen Herrscher gibt). Dann ist er mit Sicherheit KEINE normative Empfehlung. Auch führt der Begriff “idealtypischer Herrscher” etwas in die Irre, weil mit Herrscher nicht zwingend eine einzelne Person gemeint ist, sondern eine dem Markt übergeordnete Instanz (das kann ein einzelner sein, muss es aber nicht) – es ist einfach ein symbolischer Name. Und da wären wir wieder beim Thema, dass eben der Markt auch in der VWL nicht alles regelt und aus den Modellen keine absolute Marktgläubigkeit folgt.

        • rosi schrieb am 25. Januar 2012 at 18:36 - Permalink

          @Lada
          Sie gehen nur davon aus, die Wahrnehmung sei einseitig, das liegt jedoch nicht an den Worten selbst, sondern an deren Interpretation, m.E. in diesem Falle der Ihrigen.

          Die Worte «traditionell» und die Anführungszeichen zu «„wohlwollende Diktator“» ergeben dem Text eine weitere Bedeutung sowie sie gleichzeitig eine Hervorhebung des nachgestellten, nicht hervorgehobenen Begriffes «Herrscher» sind (vom Gesamtzusammenhang, der natürlich durch das gekürzte Zitat fehlt, jedoch als Artikel über den Kommentaren steht, abgesehen). Das sind Zeichen/Symbole/Merkmale, die darauf hinweisen, dass der Autor sich etwas dabei gedacht hat, Verständnis voraussetzte, worauf er jedoch nicht detailliert eingegangen ist. Aus meinem Betrachtungswinkel hat auch nicht weiter erläutern müssen.

          Das Wort «traditionell» verweist hier auf die eingeflossenen Ursprünge, die als Resultat zu bewussten Empfehlungen führen können, es jedoch nicht müssen, also eher tendenziell unterbewusst wirken. Wobei Theorie und Praxis sich bekanntlich von Hause aus gerne unterscheiden. In Anführungszeichen steht sowohl das Wort «wohlwollende», wie auch «Diktatur», denke, die Erklärung kann ich mir sparen. Wobei auch noch zu berücksichtigen ist, Diktatur ≠ Diktator; durch die Nachstellung sowie der Hervorhebung der vorangegangenen Begrifflichkeiten bezieht sich das Wort «Herrscher» daher mehr auf die Handlungsart, nicht auf eine Person als Einzelindividuum. Wäre es vorangestellt, dann wäre es halt anders … ist es aber nicht.

          Denn völlig richtig, «Herrscher»das kann ein Einzelner sein, muss aber nicht. Eines der Punkte, die der Autor in der Interpretation durch seine Leser sicherlich vorausgesetzt hat. Sollte ich mich irren, kann er mich gerne darauf hinweisen.

          Insoweit ist klingt Ihre Überleitung möglicherweise rhetorisch geschickt, trifft jedoch nicht den Kern:

          “1. Und da wären wir wieder beim Thema, 2. dass eben der Markt auch in der VWL nicht alles regelt und 3. aus den Modellen keine absolute Marktgläubigkeit folgt.”

          1. vll. in Ihrer Interpretationswelt, in der meinigen nicht. Dass Sie auf diese Aussage zu kommen wünschten, das ist offensichtlich. Was jetzt lediglich fehlt, wäre eine adäquate Begründung.

          Zu 2. Ganz sicher regelt in der VWL selbst der Markt nicht alles (natürlich weiß die VWL das) und wir wissen, es gibt da unterschiedliche Schulen, mit abweichender Ausprägung der “Selbstregelung”. Doch wir reden hier nicht über die vielen theoretischen Modelle und Möglichkeiten sowie darüber, was die VWL alles wirklich weiß (das sieht nur auf den ersten Blick so aus). Zum aktuellen Thema ist gestellt: Überhängig eingesetzte Systeme (solche, die wir aktuell praktizieren, sprich: leben und wie wir das tun, insbesondere die Wirkung) und die überzählig dazu geäußerten “Glaubensgrundsätze” (Achtung: Anführungszeichen). Dazu ist es nicht einmal erforderlich, dass es ein Grundsatz ist, es nicht einmal notwendig, dass der “Prediger” selbst davon überzeugt ist.

          Zu 3. Selbst wenn ich das nicht für erforderlich halte, könnten das natürlich auch auf der Meta-Ebene versuchen, wenn Sie das wünschen:
          Resultiert Gläubigkeit an Modellen, die der Mensch schuf, um seine Systeme zu installieren/beschreiben/formen durch das Modell selbst, oder doch durch den Menschen selbst oder können wir die Wirkung eher als wechselseitig einschätzen? Was ist Glauben? Ab wann darf man einen Gläubigen als einen solchen bezeichnen? Usw. usf. …

          Sie sehen, man kann hier durchaus philosophische Ansätze fahren, wenn man es für notwendig erachtet. Und letztlich sind wir dann tatsächlich wieder beim Tenor, nämlich bei dem, was der Artikel beklagt und sie hier in Ansätzen beispielhaft praktizieren. Man setzt voraus, dass man die speziellen Vokabeln und Interpretation von Sprache VWLisch (nenne es jetzt mal so), zu lernen hat, um sprechen zu dürfen. Falsch! Wer verstanden werden will, wer andere zu verstehen wünscht, sollte sich nicht in eine Wagenburg der eigenen Dialektik zurückziehen, sondern die Sprache benutzen, wie sie normativ verstanden wird. Wir sind immerhin alle Teilnehmer er VWL.

          Dass wir es dabei nicht allen recht machen können, versteht sich von selbst. Doch man kann es versuchen, dazu ist es als Mindestvoraussetzung erforderlich, es zu wollen. Was dabei jedoch destruktiv wirkt – und auch das ist Tenor des Artikels – sein Umfeld (platt ausgedrückt:) für beschränkt zu taxieren, auf dass es sich nicht lohne und jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, auf dass man letztlich zu solchen (also den meinigen) Ergüssen kommt, hält nur sinnlos auf. Befasse mich also mit einer Sinnlosigkeit hier …

          Und nicht, dass wir uns falsch verstehen, eigentlich mag ich VWL als Wissenschaft … spielt hier nur keine Rolle …

          Gruss
          rosi

          PS: Ganz ähnlich sehe ich die Wort-Diskussionshampelei um den «Post-autistische Ökonomie» bzw. die Begrifflichkeit «Autismus». Wir sind hier nicht im Psychologieforum, bei einer klinischen Diagnose oder im Beratungsforum für Autisten selbst.

          Begriffe haben, neben ihrer wissenschaftlichen Bedeutung (und die variieren von Wissenschaft zu Wissenschaft, wenn sie das nicht zusätzlich noch innerhalb einer Wissenschaftsströmung tun) auch noch eine umgangsprachliche. Wenn ich sage: “Der ist schizo”, dann ist sicherlich eine Grundsatzdiskussion für die klinische Bedeutung nach ICD-10 (und selbst auf diesen Standard müsste man sich überhaupt einigen) und/oder die nähere Klassifikation rund um schizophren völlig fehl am Platz.

          Was wir jedoch ebenso festhalten könnten, sprechen wir innerhalb von VWL über «Post-autistische Ökonomie», dann ist die Richtung klar vorgegeben, eine Definition aus der Fachrichtung gibt es nachschlagbar ebenso und somit ist eine medizinische Deklaration damit völlig in diesem Strang deplatziert. Nebelkerze, nennt man das wohl umgangssprachlich. Wobei ein Autist selbst natürliche eine ganz andere Intention treibt, das sollte man bedenken.

          • Lada schrieb am 25. Januar 2012 at 20:07 - Permalink

            Zunächst einmal vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ist natürlich schwer, da jetzt eine adäquate Antwort zu liefern. Zunächst einmal: Du unterstellst dem Autor, dass er sich viele Gedanken bei seinem letzten Absatz und den fett von dir hervorgehobenen Worten gemacht hat. Ich hingegen unterstelle ihm Polemik. Über den “wohlwollenden Diktator” ließe sich mit Sicherheit einiges interessantes sagen, als Schlusssatz in einem Artikel der die Reaktion eines Ökonomen auf die VWL-Kritik geißelt glaube ich ist der Dialog darüber aber nicht zwingend gewollt. Nun gut, jeder interpretiert eben anders.

            Allzu philosophisch werden wollte ich prinzipiell auch nicht, aber letzten Endes ist wohl ohnehin alles Philosophie:

            Sie sehen, man kann hier durchaus philosophische Ansätze fahren, wenn man es für notwendig erachtet. Und letztlich sind wir dann tatsächlich wieder beim Tenor, nämlich bei dem, was der Artikel beklagt und sie hier in Ansätzen beispielhaft praktizieren. Man setzt voraus, dass man die speziellen Vokabeln und Interpretation von Sprache VWLisch (nenne es jetzt mal so), zu lernen hat, um sprechen zu dürfen. Falsch! Wer verstanden werden will, wer andere zu verstehen wünscht, sollte sich nicht in eine Wagenburg der eigenen Dialektik zurückziehen, sondern die Sprache benutzen, wie sie normativ verstanden wird. Wir sind immerhin alle Teilnehmer er VWL.

            Genau das ist der Punkt, bei dem ich anderer Meinung bin. Zunächst einmal: Man KANN VWL (und jede andere Wissenschaft) betreiben, indem man den alltäglichen Sprachgebrauch nutzt (oder wie ist “Sprache benutzen, wie sie normativ verstanden wird” sonst zu verstehen?). Allerdings kommt es nicht von ungefähr, dass jede Wissenschaft (sei es VWL, Soziologie, ja selbst die liebe Philosophie (wenn nicht sogar am meisten)) ihr eigenes Fachvokabular nutzt, weil viele Dinge durch Alltagsbegriffe nicht adäquat erfasst werden, nicht präzise genug sind.
            M.E. verkehrst du hier auch eine Sache ins Gegenteil: Es geht NICHT darum, Sprache VWLisch zu interpretieren, es geht darum, die Sprache der VWL zu lernen, wenn man die wissenschaftlichen Theorien begreifen will (und das wollten die Studenten im Unispiegel-Artikel augenscheinlich).

            Du schreibst: “Wir sind immerhin alle Teilnehmer er VWL.” Wir sind aber auch alle Teilnehmer in Luhmanns Systemtheorie, dennoch sind wohl nur die wenigsten in der Lage über seine Theorie zu sprechen, weil wir uns nicht damit auseinandergesetzt haben. Das heißt aber nicht, dass wir nicht Systemtheorie betreiben und denken können, wenn wir nicht sein Vokabular nutzen. Aber es heißt, dass wir nicht über SEINE Systemtheorie sprechen können, das was er gedacht hat.

            Was man bei Bachmanns Artikel nicht vergessen darf ist, dass er an Studenten gerichtet schreibt – er schreibt nicht der Gesellschaft. Nun kenne ich aber noch kein Studienfach, in dem sich nicht Studenten schon im ersten Semester über selbiges mokiert haben. Und diesbezüglich teile ich dann Bachmanns Meinung, dass man sich erst einmal auf das gegebene einlassen sollte. Kritisieren ist gut und wichtig, aber ohne Bereitschaft, sich mit dem kritisierten Gegenstand auch auseinanderzusetzen und zu verstehen bleibt ein fader Beigeschmack.

            • rosi schrieb am 26. Januar 2012 at 13:42 - Permalink

              @Lada

              Zunächst einmal vielen Dank für die ausführliche Antwort

              Gerne geschehen, da musste ich schmunzeln, da meine Ausführlichkeit in der Regel gar nicht so gerne gesehen wird ;-)
              Meiner einer hat seine guten Gründe dem Autor weitere Gedanken über die Polemik hinaus zu unterstellen. Ein Grund hierzu ist seine eigene Ausbildung, er ist VWLer, zumindest Ökonom, das meine ich aufgefangen zu haben aus dem Kommentardialog (aber auch das ist nicht wirklich wichtig). Der zweite ist, sein Artikel ist an die Ausführungen von Herrn Bachmann gekoppelt, der quasi direkt auch seinen Kollegen (insbesondere den Kommunikativen) mit einer anderen Meinung Inkompetenz unterstellt. Insoweit ist es die Reaktion eines Ökonomen auf die Reaktion eines Ökonomen, die nur mittelbar verallgemeinernd wirkt.
              Nennen Sie mir einen Grund, warum ein VWLer gegen die VWL nur rein polemisch schießen sollte? Sehen Sie, wird schwierig, Sie können eher davon ausgehen, es liegen fachliche Überzeugungen dahinter und damit ist er doch nicht alleine.

              Allzu philosophisch werden wollte ich prinzipiell auch nicht, aber letzten Endes ist wohl ohnehin alles Philosophie:

              Das ist richtig und es ist falsch, letzten Endes ist alles Psychologie, was der Mensch denkt. Es bleibt nicht bei der Philosophie stehen und das ist das Problem, damit befasst sich Mensch in der Regel nicht gerne, also warum er denkt, was er denkt (Käme jedoch niemals auf die Idee, Ihnen anzuraten, das Denken und die Kommunikation darüber einzustellen, Sie dürfen sich Ihr eigenes Urteil dazu bilden).

              Genau das ist der Punkt, bei dem ich anderer Meinung bin. Zunächst einmal: Man KANN VWL (und jede andere Wissenschaft) betreiben, indem man den alltäglichen Sprachgebrauch nutzt (oder wie ist “Sprache benutzen, wie sie normativ verstanden wird” sonst zu verstehen?). Allerdings kommt es nicht von ungefähr, dass jede Wissenschaft (sei es VWL, Soziologie, ja selbst die liebe Philosophie (wenn nicht sogar am meisten)) ihr eigenes Fachvokabular nutzt, weil viele Dinge durch Alltagsbegriffe nicht adäquat erfasst werden, nicht präzise genug sind.

              Das ist mir völlig klar, dass das Fachvokabular benötigt wird bzw. seinen Nutzen hat, sonst hätte man es nicht genutzt – überall. Doch Sie befinden sich m.E. im Irrtum, wenn Sie dies rein auf Präzision zurückführen. In erster Linie dient das Vokabular dazu, die Kommunikation untereinander, also innerhalb der jeweiligen Wissenschaft (oder anderer Gruppen … s. auch Sportarten) selbst, zu vereinfachen. Das kann man natürlich auch Präzision nennen, doch nicht in dem Sinne, wie Sie das zu verstehen meinen, denn die Präzision steht hier in Verbindung mit der Vereinfachung. Worte, die geschaffen wurden, weil sie im Alltagssprachgebrauch nicht zur Verfügung standen, Post-autistische Ökonomie dürfte dazugehören, werden geschaffen. Wer es wissen will, was damit gemeint ist, schlägt es nach und so fließt es auch in den allgemeinen Sprachgebrauch, ausschließlich deswegen, weil es kein anderes Wort dafür gibt.
              Was wäre denn der Schluss aus Ihrer Argumentationskette, denken wir es doch einmal zu Ende? Richtig, außer studierten VWLern spricht niemand über Volkswirtschaften, da die Masse den Sprachschatz nicht studierte. Und selbst bei jenen, folge ich Bachmann, müsste man es noch weiter einschränken, in gute oder schlechte VWLer, oder von mir aus, richtige und falsche, wobei man die Studenten schon ausklammert?
              Das würde bedeuteten, dieser Artikel, wie auch der Artikel von Herrn Bachmann entzieht es glatt die Daseinsberechtigung, denn er steht im öffentlichen Raum (jupp auch der SPON-Uni-Spiegel ist öffentlich). Egal, wie es für das Leben und die Ökonomie des Einzelnen auch ausgeht, wir sagen: “Ohm, die Fachleute haben gesprochen, also ergeben wir uns unserem Schicksal, denn wir dürfen die Artikel im Unispiegel nicht beurteilen”.

              M.E. verkehrst du hier auch eine Sache ins Gegenteil: Es geht NICHT darum, Sprache VWLisch zu interpretieren, es geht darum, die Sprache der VWL zu lernen, wenn man die wissenschaftlichen Theorien begreifen will (und das wollten die Studenten im Unispiegel-Artikel augenscheinlich).

              Natürlich verkehre ich die Sache ins Gegenteil, denn wir sind hier nicht unter Studenten. Und ich schrieb schon, es ist nicht nötig, die (alle) Theorien der VWL zu begreifen, denn wir leben sie. Es reicht völlig aus, wenn wir davon das Nötigste begreifen und dies ist für den einen halt mehr und für den anderen weniger.
              Deswegen verwies ich auf das krude und aus der Luft gegriffene Beispiel, der Himmel fällt uns auf den Kopf, dass merkt man schlicht und ergreifend auch ohne Studium der Physik. Jetzt kann man sich detailliert theoretisch damit befassen, doch wie detailliert steht jedem frei. Je mehr man zu begreifen wünscht, desto mehr steigt man in die Termini ein, das kommt ganz automatisch und man verknüpft es stets mit der Realität. Das Problem der Theoretiker hingegen ist, dass sie zu sehr rein in die Theorie aufgehen. Das hat seinen Grund, wenn ich es platt ausdrücke, mehr passt halt nicht mehr rein, obwohl es so nicht ganz korrekt ist, doch auch ich will verstanden werden.
              Wir dürfen nicht vergessen, dass die Theorie niemals wichtiger sein darf, als dies die Realität ist. Und DAS ist DAS Problem in den Köpfen. Theorie ist dazu da, die Realität abzubilden und nicht umgekehrt. Natürlich ist das keine völlig abgeschlossene Einbahnstraße, da der Mensch automatisch mit dem Verstehen und der Theorie wieder zurückgreift und die Realität beeinflusst. Das ist gleichzeitig ein Nutzen, wie auch der Fluch der Theorie (und damit der Wissenschaft), denn die Dimension der Zeit, des linearen Prozesses der Bildung und des Transports von Theorie hinkt der Realität damit gleich wieder hinterher. Beschreibt quasi schon Vergangenheit oder auch nur mögliche gewesene Vergangenheit im Entstehungsprozess. Das hat Kant schon so festgestellt, Stichwort «Kopernikanische Wende» und die aktuelle Hirnforschung gibt ihm Recht. Wenn Sie es präziser wünschen:

              Das alles zusammengenommen, denn leben müssen wir doch, ist es nicht wichtig, in der öffentlichen Diskussion den exakt gleichen sprachlichen Duktus zu nutzen, davon abgesehen, dass dies in der Präzision selbst innerhalb der Wissenschaften nicht möglich ist, denn es wird betrieben vom Menschen und ein JEDER versteht anders, IMMER! Die Schnittpunkte sind die verstandene Kommunikation, doch stets nur immer in der Hoffnung, letztlich exakt verstanden worden zu sein.

              Du schreibst: “Wir sind immerhin alle Teilnehmer er VWL.” Wir sind aber auch alle Teilnehmer in Luhmanns Systemtheorie, dennoch sind wohl nur die wenigsten in der Lage über seine Theorie zu sprechen, weil wir uns nicht damit auseinandergesetzt haben. Das heißt aber nicht, dass wir nicht Systemtheorie betreiben und denken können, wenn wir nicht sein Vokabular nutzen. Aber es heißt, dass wir nicht über SEINE Systemtheorie sprechen können, das was er gedacht hat.

              Oha! Mir fällt gerade die Patte (weiß der Geier wie man das schreibt) aus dem Gesicht, die Nackenhaare stellen sich auf. Jetzt könnte ich sehr präzise kontern, mache es jedoch einfach und schütte schlicht das Ergebnis aus:
              Ist Ihnen überhaupt klar, was Sie da von sich geben!?! Sie verbieten dem Menschen sowohl die Aufnahme des Denkens, wie auch die Kommunikation darüber (als Teil des Denkprozesses), infolge damit das Lernen!!!! Sie fordern: Wissen vor Lernen ohne Denken.
              Wissen Sie was, dazu fällt mir mal wieder der alte Konfuzius ein: “Lernen, ohne zu denken, ist eitel, denken, ohne zu lernen, ist gefährlich.” Letztlich ist es egal, an wen die Worte gerichtet wurden, darüber nachdenken und lernen ist jedem zugestanden, auch über sie für sich selbst zu urteilen. Es ist eine unerfüllbare Ente, dies nicht zu dürfen. Gerne genutzt, wohl wahr, doch dieses Verbot ist nicht existent.
              Gleiches gilt natürlich Luhmann und Kant. Wir stellen jetzt unsere Soziales Leben oder unsere Kommunikation darüber nicht ein (auch nicht über ihre Theorien), wenn wir den Duktus nicht ordentlich pflegen (egal, in welcher Ausprägung). Und wir DÜRFEN das. Wenn es Bachmann nicht gefällt, tschah, sage ich es platt, hat er halt Pech gehabt.
              Ihre Ausführungen gehen mir zu sehr in eine solche Richtung (Platonischer Staat in der Interpretation von De Lapuente):
              http://ad-sinistram.blogspot.com/2012/01/offentlichkeit-verteuern-versteuern.html
              Denn wer dürfte noch solche Artikel schreiben? Wenn schon Thomas Tares es nicht darf, der Spiegelfechter selbst sich nicht an die Öffentlichkeit wenden dürfte, der Öffentlichkeit darüber zu diskutieren die Berechtigung entzogen wird? Und dann sind wir schon genau wieder am Tenor, Wagenburgmentalität und die dekadente Arroganz der Theoretiker über Theorien, die die Realität abbilden sollten und darüber hinaus mögliche, evtl. Realitäten. Ist es das, was Sie mit Ihrer Argumentationskette zu erreichen wünschen, sind Sie sich darüber bewusst, was Sie zu erreichen wünschen? Ist Ihnen der Wirkungsgrad vor Augen? Ist Ihnen überhaupt Ihr eigenen Beweggrund klar, können Sie ihn deutlich benennen?
              Es tangieren die vielen Präzisionen nicht, es tangieren die vielen Theorien nicht, denn wir leben weder die VWL in all ihren theoretischen Ansätzen, noch berührt uns die Präzision. Denn keine VWL der Welt betreibt VWL nach Lehrbuchpräzision. NIEMAND! Meiner einer nennt bspw. «Die unsichtbare Hand» ganz anders, und zwar «Gierige Schmutzgriffel» und das resultiert letztlich aus der Psychologie, wenn es auch nicht fachlich terminiert ist. Das könne ich verschlüsseln und im Fachtermini präzisieren, doch wozu, Sie verstehen mich auch so.
              http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,807029,00.html

              Scheitern Uni-Ökonomen tatsächlich daran, die globale Wirtschaftskrise zu erklären? Aber nein, sagt Volkswirt Rüdiger Bachmann und nimmt sein Fach in Schutz: VWL sei eben sehr kompliziert – und tauge nicht als intellektueller Überbau für jedermanns private Occupy-Bewegung.

              Dieser Absatz ist einfach klasse! Er erklärt exakt das, an dem ich mir hier die Finger wund schreibe.
              Und wäre ich tatsächlich arrogant, um es klarer herauszuheben tue ich schlicht einfach mal so: Der Professor ist einfach zu dumm, die Frage richtig zu verstehen (omg, wie soll ich es ausdrücken ..). Denn seine vermeintlich verneinende Antwort ist das bestätigende Eingeständnis. Ja, die Ökonomen scheitern daran, die globale Wirtschaftskrise zu erklären! Es geht nicht darum, selbst zu verstehen, das ist mit erklären nicht wirklich gemeint, in der Regel erklärt man anderen. Das ist der Unterschied zwischen Verstehen und Erklären.
              Hätte die Frage gelautet: “Scheitern Uni-Ökonomen tatsächlich daran, die globale Wirtschaftskrise zu verstehen?” Dann wäre seine Antwort weitaus passender gewesen. Und nein, die Frage richtete sich mitnichten nur von den Studenten an den Professor, sonst stünde sie auch rein auf einen Uni-Flugblatt bzw. in einen hauseigenen Forum, er stellt sich dort der Öffentlichkeit und er will sich der Öffentlichkeit stellen, weil er ein Plädoyer an die Öffentlichkeit für die VWL hält (denken Sie tatsächlich, er hätte eine andere Intention). Und das ist eine Frage, die sowohl die Öffentlichkeit, als die Studenten umtreibt und wer sagt Ihnen, darunter seien nur Erstsemester? Öffentlichkeit, exakt deswegen steht sie bei SPON:

              Keine Frage, in der Öffentlichkeit steht die Volkswirtschaftslehre derzeit richtig mies da. Jetzt also auch der UniSPIEGEL: Die Uni-Ökonomen hätten versagt, in den VWL-Vorlesungen würden nur Effizienzdenken, Marktgläubigkeit und Staatsferne gepredigt; der Homo oeconomicus angebetet und in Mathematik gepresst, was angeblich nicht zu formalisieren sei. Gefühlte hundertmal habe ich das in der deutschen Presse so oder so ähnlich gelesen.

              Er selbst verbindet die Universität mit der Öffentlichkeit. Da können Sie nicht einfach hingehen und es wieder auseinander bröseln, für ihn, denn er selbst hat den Knoten gebunden und ist in die Öffentlichkeit getreten.
              Für mich, habe sicherlich eine ganz eigenwillige Sicht darauf, ist jedoch letztlich die VWL nicht der wirkliche Buhmann der Krise. Und ich persönlich finde genug Erklärungen in der VWL für die Krise, doch ganz bestimmt nicht nur dort, denn letztlich landen wir wieder in der Psychologie des Menschen, umgangssprachlich: die «gierigen Schmutzgriffel». Diese Wissenschaft muss aufpassen, nicht ein solcher zu werden, die nächste Sau, die man durchs Dorf treibt. Zu lange haben die VWLer geschwiegen und eher laufen lassen, wohl vorrangig die BWLer mit der ihrigen Interpretation von VWL – soweit man das so nennen kann. Denn die gierigen Schmutzgriffel sind m.E. vorrangig nicht die VWLer, das ist eine ganz andere Klientel, Ausnahmen bestätigen die Regel. Insoweit – wobei für mich die Frage der Schuld eine relative ist (nur rein verbal zur Kommunikation) – sind sie ganz nicht schuldlos, aufgrund des Zuschauens. Davon abgesehen, dass auch die Theorie auf die man meinte aufzuspringen und es ermöglichte seine Griffel auch auszustrecken, aus der VWL resultierte, jetzt mal nur so in Richtung Friedmann denkend.
              Und letztlich ist mir egal, wie man es deklariert, von mir aus auch so:

              Effizienzdenken, Marktgläubigkeit und Staatsferne gepredigt; der Homo oeconomicus angebetet und in Mathematik gepresst,

              Tatsache ist, im Wirkungsgrad war die VWL sich ihrer Verantwortung wohl nicht bewusst genug. Und wo soll man dann ansetzen, wenn nicht gleich auf der Uni? Nachher, förmlich von selbst, das hatten wir, hat nichts gebracht, also war es nicht genug. Das ist wohl bewiesener Fakt. Sonst hätten nicht nur einsame Rufer (doch die meisten Rufer kamen aus der VWL – soweit ich das registriert habe) im Wald vor der Krise gewarnt. Wobei die ersten tatsächlich mit ihrer Reputation spielten, erzählen sie mir nicht, es sei anders gewesen, nur mal an Bernd Senf gedacht.
              Nichts desto trotz hab ich mich auch vor der Krise mit vereinzelten solchen VWLern herumgeschlagen, die die Krise nicht haben kommen sehen (wollen) – nur so nebenbei, lieber Lada und ich bin kein studierter VWLer, nur autodidaktisches Lernen (was blieb mir auch anderes übrig, zu lesen, es mir anzuhören, um zu verstehen, was da möglicherweise auf uns zu rollte und tatsächlich auch eintraf). Die hätten mich jedoch im wahrsten Sinne des Wortes “platt gemacht”, hätte mir nicht die Aussagen der Professoren zur Verfügung gestanden. So wurde ich damals nur ein bisserl geplättet und kann mich eigentlich bei den Keynesianern bedanken, die mir nicht selten hilfreich zur Seite sprangen.
              Insoweit stand der Lehre immer die Lehre selbst gegenüber, egal, wie man sich auch ausdrückt. Darüber sollten sie einmal nachdenken. Und meiner einer gehörte immer zu denen, die auf die VWLer verwiesen, verlinkten und daran appellierten, sich überhaupt mehr mit VWL zu befassen, der VWL den Rang zuzugestehen, der ihr auch zusteht (aus meinem – und nicht nur aus meinem – Betrachtungswinkel war sie extrem in die verstaubte Ecke gestellt).
              Trotzdem, eine scheixx Situation, m.E., für die VWLer. Von den anderen Ökonomen als “Sonderlinge der besonderen Art” nicht wirklich für voll genommen, an den Rand gedrückt (nicht selten als lästig und hinderlich deklariert) und von der Öffentlichkeit nicht wirklich wahr genommen (mehr alle in einen Topf .. nur prophylaktisch .. nicht wirklich die Aufgabe der Öffentlichkeit sauber zu trennen), jetzt stehen sie auf einmal im Rampenlicht. Irgendwie sollen sie es jetzt auch wieder richten. Nun denn, dann mal los, erzählen Sie mir nicht, sie könnten es nicht schaffen. Sowohl zu erklären, als auch eine Lösung zu finden. Da steht auch nicht drauf, es sei einfach. Und auch dies dürfte gerade den VWLer nicht wirklich stören, oder sehe ich das völlig falsch?
              Gruss
              rosi

            • rosi schrieb am 26. Januar 2012 at 15:20 - Permalink

              @Lada
              Und noch ein Nachsatz, zu dem ich dieses Zitat nutze:
              @Gehirnschmiere schrieb am 25. Januar 2012 at 22:20

              Ungefähr das wollte ich damit auch sagen.
              Das Hauptversagen der Mainstream-VWL liegt nicht nur in ihrer besonderen, auf sich selbst bezogenen Sichtweise, sondern vielmehr darin, dass sie wider alle Fakten, die sie widerlegen, immer noch diskursive Hegemonie beansprucht.

              Das ist i.Ü. forcierend für die «verstaubte Ecke VWL», nicht nur, dass sie den «gierigen Griffeln» lästig werden kann und man sie deswegen schon dort hin drückt, flüchtet sie sich doch auch noch gerne freiwillig dort hinein. Sie sind i.Ü. fleißig dabei und Bachmann auch.

              Dabei war auch ausgerechnet eine solche Haltung letztlich ursächlich dafür, eben nicht genug dagegen angestanden zu haben, zum Zuschauer degradiert, zum Zuschauer selbst deklariert, eingesperrt und sich selbst zurückgezogen in den Elfenbeinturm, in die Wagenburg. Denn man hat vergessen, ohne die da draußen gibt es schlicht und ergreifend keine praktizierte VWL, es gäbe vermutlich nicht einmal eine derart ausführliche Theorie darüber, geschweige denn eine Wissenschaft mit Bedeutung (als Agnostiker kann ich das natürlich nicht zu 100% ausschließen). Das nenne ich schon versagt haben und dafür gibt es keine “verkaufbare” Entschuldigung.

              Als vergleichbares, theoretisches Beispiel:
              Kommt mir fast so vor, als könne man zwar Medizin studieren, doch man ließe die Bader weiter praktizieren. Und wenn die es (also die Bader und deren Kunden) halt nicht verstehen, selbst schuld. Die Wissenschaft der Medizin zieht sich zurück um innerhalb ihres Kreises untereinander das Problem zu diskutieren, zu verstehen (erklären lohnt ja nicht, geht ja nicht, rafft ja keiner). Und dabei bleibt es dann auch, während draußen die medizinisch misshandelten Menschen die Zähne mit der Werk-Zange gezogen bekommen (und das ist noch ein nettes Beispiel) und schlimmstenfalls an der nachfolgenden Infektion zugrunde gehen. Wirklich, ganz klasse, echt. Was für ein Glück, dass uns solch eine Haltung bei der Medizin erspart geblieben ist.

              Gruss
              rosi

    32. Joerg Buschbeck schrieb am 25. Januar 2012 at 06:48 - Permalink

      “W. Buck schrieb am 23. Januar 2012 at 16:53 – Permalink Antworten
      Der Mensch erreicht den Rand der Erkenntnisfähigkeit und will es wie immer nicht wahrhaben.”

      Ganz anderer Meinung – es gibt auch sehr sehr einfache Dinge, aber diese werden gerade nicht von den VWLern in die Diskussion gebracht.

      Globale Staatsverschuldung = globale private Geldvermögen

      Diese Identität bedeutet:
      global wachsende private Geldvermögen = wachsende globale Staatsschulden
      global sinkende private Geldvermögen = sinkende globale Staatsschulden

      National gilt für ein Exportüberschussland wie Deutschland:
      Staatsschuldenwachstum = Wachstum der privaten Geldvermögen abzgl. Exportüberschüsse

      National gilt für ein Importüberschussland wie Griechenland:
      Staatsschuldenwachstum = Wachstum der privaten Geldvermögen zzgl. Importüberschüsse

      oder zum wirtschaftlichen Gleichgewicht, da könnte man sehr genaue und einfache Berechnungen anstellen:

      Ein wirtschaftliches Gleichgewicht besteht in einer Periode, wenn die Pläne Geldvermögen aufzubauen mit den Plänen Geldvermögen abzubauen übereinstimmen.

      Dies dürfte auch den meisten Fachleuten klar sein, was aber oft vergessen wird, Kredittilgungen sind aus Vorperioden determinierter Geldvermögensaufbau der Kreditnehmer. Und daraus ergibt sich nun wieder die Dimension des Neuverschuldungsbedarfs.

      Bedarf an freiwilliger Neuverschuldung für wirtschaftliches Gleichgewicht = Geldsparpläne + private Kredittilgungen

      Die Zahlen für die privaten Kredittilgungen in Deutschland werden statistisch nicht sauber erfasst, dies allein zeigt uns, dass das Problem gar nicht gesehen wird. Aus Auskünften von Bankvorständen und Abschätzungen von erfassten Daten zum Kreditgeschäft müssen wir von mindestens 300Mrd.€ = 12% des BIP ausgehen. Dazu kommen in 2010 ca. 212 Mrd.€ privater Geldvermögensaufbau laut den Finanzierungssalden der Bundesbankstatistik.

      Bedarf an freiwilliger Neuverschuldung für wirtschaftliches Gleichgewicht = > 200 Mrd.€ Geldsparpläne + 300Mrd.€ private Kredittilgungen

      Wir brauchen also in Summe mehr als 500Mrd.€ / 20% BIP freiwilligen Geldvermögensabbau für wirtschaftliches Gleichgewicht. Eine Bedarf an Verschuldung, den wir ohne das Ausland und Staatsschulden längst nicht mehr inländisch mit Privatverschuldung abdecken können.

      Werden diese „freiwilligen Neuschuldner“ nicht mehr gefunden, investieren die Unternehmer unfreiwillig in ihren Lagerbestand. Danach streichen Sie die Investitionen und damit ihre eigenen freiwilligen Geldvermögensabbau, als nächster Schritt kommt der Arbeitsplatzabbau oder die Insolvenz. Die Kettenreaktion der Unternachfrage kommt zusätzlich auch über nun einsetzendes Angstsparen der Nichtunternehmer in Gang.

      Genau diese Vorgänge werden wir als großen Crash der nächsten Jahre global erleben. Wenn denn nicht noch ein Wunder passiert und wir lieber neue Konzepte für eine makro-ökonomische Feinsteuerung und eine Begrenzung der privaten Einnahmeüberschüsse/Geldvermögen installieren.

      • rosi schrieb am 25. Januar 2012 at 08:26 - Permalink

        @Joerg Buschbeck schrieb am 25. Januar 2012 at 06:48:

        “W. Buck schrieb am 23. Januar 2012 at 16:53 – Permalink Antworten
        Der Mensch erreicht den Rand der Erkenntnisfähigkeit und will es wie immer nicht wahrhaben.”

        Ganz anderer Meinung – es gibt auch sehr sehr einfache Dinge, aber diese werden gerade nicht von den VWLern in die Diskussion gebracht.

        Das widerspricht sich m.E. nur auf den ersten Blick. Denn der Mensch, der den Rand seiner Erkenntnisfähigkeit nicht nicht wahrhaben möchte, schließt sich selbst nicht selten davon aus. Zumindest geht er davon aus, es doch noch ein paar Schritte weiter zu schaffen. Das gilt es zu unterstreichen, hervorzuheben, zu beweisen.

        Dies vorausgesetzt, geht nämlich ein solcher Mensch – übertrieben ausgedrückt – davon aus, dass auch die einfachen Dinge für die Anderen nicht erfassbar sind. Um daraus eine sich selbst bestätigende bzw. sich selbst erfüllende Prophezeiung anzustoßen (was gewisse Zweifel im Unterbewussten sicherlich voraussetzt ;-)), bietet es es sich an, so zu tun, als könne man erst ab einer gewissen “Geheimebene”, der Stufe XY, diskutieren. Wenn das so nicht funktioniert, schaltet man eine Stufe weiter und deklariert die Materie gleich für alle außerhalb des menschlichen Denkvermögens. Bisserl so, wenn ich es nicht begreife, dann die anderen erst recht nicht. Sind sie letztlich doch irgendwie alles Esoteriker ;)

        Gruss
        rosi

    33. AhPeh schrieb am 25. Januar 2012 at 09:31 - Permalink

      Noch mal zum Begriff Postautismus. Der Begriff ist irreführend, weil es sich bei Autismus um einen medizinischen Begriff handelt, der eine auf physiologischen Ursachen basierende Entwicklungsstörung beschreibt. Verbohrten neoliberalen Theorievertretern eine unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns zu unterstellen, lenkt nur von der eigentlichen Sache ab. Diese Leute sind reinste Dogmatiker, wie schon treffend geschrieben wurde. Dogmen werden in die Welt gesetzt, um Machtinteressen ideologisch zu kaschieren und ihnen einen geistig-moralischen Anstrich zu verpassen. Man schaue sich nur an, auf wessen Honorarlisten viele der neoliberalen akademischen Theorievertreter stehen. Dann wird klar, warum sie die Lieder singen, die sie singen.

    34. Peleo schrieb am 25. Januar 2012 at 10:39 - Permalink

      Ohne den Einfluss auf die Politik wären die akademischen Glasperlenspiele – wie die ihrer Schwesterdisziplin, der Theologie – zwar teuer, aber politisch wirkungslos.

      Neben den Medien sollte man aber auch die Schulbücher in den Blick nehmen, in Fächern wie Wirtschafts- oder Gemeinschaftskunde. Wie von der INSM verfasst, und das sind sie im Grunde auch. Das Institut der deutschen Wirtschaft gibt sich große Mühe mit der ökonomischen “Bildung” der Lehrer. Kostenloses Unterrichtsmaterial, fertig ausgearbeitete Präsentationen zum Herunterladen. Davon macht der durchschnittliche Lehrer gern Gebrauch, denn von Wirtschaft versteht er nichts und Zeit hat er auch nicht.

      Dort wird dann z. B. anschaulich erklärt, dass immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner durchbringen müssen und dass an privater Vorsorge kein Weg vorbei führt. Und dass der Markt zum Gleichgewicht führt und der Staat sich da raushalten muss usw.

      Das sind dann die Wähler, die im Fernsehen bestätigt finden, was sie in der Schule gelernt haben.

    35. Wolle schrieb am 25. Januar 2012 at 20:56 - Permalink

      Da fällt mir nur ein, je kruder, verworrener und unverständlicher die Begriffe, je kruder, verworrener und unverständlicher die Theorie. Da wird doch nur totale Unwissenschaftlichkeit hinter einer aufgeblasenen Fassade versteckt. Die etablierte V-/B-WL ist nackig, das werden die aber nie zugeben.

    36. Weißichdochnimmer schrieb am 27. Januar 2012 at 04:41 - Permalink

      http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:boersenumsatzsteuer-angriff-auf-die-eigene-klientel/60160360.html


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