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  • Neue Informationen zum Ohnesorg-Mord

    geschrieben am 25. Januar 2012 von Spiegelfechter

    Von Stefan Sasse

    Vor anderthalb Jahren machte die BILD Schlagzeilen mit bahnbrechenden Informationen zum Mord an Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967: der Todesschütze Kurras sei ein Stasi-Spitzel gewesen, bezahlt vom Osten um Informationen aus Westberlin zu liefern. Mit dieser Enthüllung hat die Springer-Presse an einer Saite gerührt, die noch heute einen scharfen Graben zwischen links und rechts, zwischen den 68ern und ihren Gegnern zieht. Der Mord an Benno Ohnesorg galt lange als Fanal der Radikalisierung der Studentenbewegung, spätestens seit “Der Baader-Meinhoff-Komplex” auch als Geburtsstunde der RAF. Es wurde um die Umdeutung der Ereignisse allerdings schnell ruhig. Ob Kurras nun auch noch von der Stasi bezahlt wurde oder nicht spielt letztlich keine große Rolle, was sich umso mehr bewahrheitete, als weitere Informationen über ihn und seinen Lebenswandel ans Licht kamen, die ihn als letztlich reichlich verkommenen Menschen erschienen ließen, der sowohl rechtsradikales Gedankengut pflegen als für den selbst ernannten “Arbeiter- und Bauernstaat” spionieren konnte, während er die freiheitlich-demokratische Grundordnung verteidigte. In einer großen Schlagzeile zeigt nun der Spiegel neue Informationen zum Fall an: die alte Frage, ob der Tod Ohnesorgs wirklich Mord war, ist diesen neuen Informationen zufolge endgültig entschieden.

    In bisher unveröffentlichtem Bildmaterial ist demzufolge zu erkennen, dass Kurras sich mit gezückter Waffe einem von anderen Beamten abgeschirmten Ohnesorg genähert und ihn dann erschossen hat. Schlimmer noch als diese nicht unbedingt 100% stichhaltigen Bilder aber sind die Informationen über das Verhalten der Berliner Polizei und der zuständigen Ärzte. Auf Befehl von oben (wessen Befehl geht aus dem Spiegel-Artikel nicht hervor) haben die Ärzte rund um die Einschusswunde Schädelstücke entfernt und die Kopfhaut zugenäht, um so einen Tod durch eine Hiebwaffe vorzutäuschen, und anschließend darüber Stillschweigen bewahrt. Die Polizei selbst behinderte die internen Ermittlungen und versuchte, ihre Mitwirkung zu vertuschen. Diese neuen Erkenntnisse bestätigen die Verschwörungstheorien aller 68er und ihrer Sympathisanten ebenso, wie die Stasi-Enthüllungen von vor anderthalb Jahren ihren Gegnern neue Munition in einem Kampf geben, der kaum mehr als Schattenfechten ist. 1968 ist inzwischen so weit weg, dass der Fervor, mit dem besonders der Springer-Verlag die Schlachten von damals immer noch weiterführt kaum mehr nachvollziehbar ist.

    Im Fall Benno Ohnesorg führen die beiden so kurz aufeinanderfolgenden Enthüllungen zu dem absurden Effekt, dass wir genau dort stehen, wo wir vor zwei Jahren waren. Beide Seiten haben immer noch den gleichen moralischen Boden besetzt, auf dem sie vorher standen, nurn haben sie frische Munition für einen Kampf erhalten, der längst kaum mehr jemanden interessiert und der endlich an die Historiker übergeben werden sollte. Die ständige Auffrischung des 68er-Konflikts von rechts wie von links ist Gift, das sich in eine Gesellschaft hineinfrisst, in der kaum mehr Protagonisten jener Tage aktiv sind. Weder die Springer-Angriffe auf die Legenden von 1968 noch die Verteidigungsversuche ihrer Träger werden irgendetwas zur Wahrheitsfindung beitragen. Es wird Zeit, dass sich Historiker ohne Einmischung der Publikationsorgane und politischen Verbindungen damit beschäftigen können, und vielleicht endlich ein Urteil finden, das ohne das Moralin derer auskommt, die dabei waren oder sich die alten ideologischen Schlachtfelder zu eigen gemacht haben. Die 68er-Debatte ist ein Beispiel dafür, wie eine intensive Beschäftigung mit der Geschichte verheerende Folgen für die Gegenwart haben kann. Wir sollten dieses Buch in die Hände anderer legen und uns aktuellen Dingen zuwenden.

    Stefan Sasse

    71 Kommentare Print This Post
    Von Stefan Sasse Vor anderthalb Jahren machte die BILD Schlagzeilen mit bahnbrechenden Informationen zum Mord an Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967: der Todesschütze Kurras sei ein Stasi-Spitzel gewesen, bezahlt vom Osten um Informationen aus Westberlin zu liefern. Mit dieser Enthüllung hat die Springer-Presse an einer Saite gerührt, die noch heute einen scharfen Graben zwischen ...
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    71 Kommentare:

    1. Franko schrieb am 25. Januar 2012 at 10:56 - Permalink

      “Wir sollten dieses Buch in die Hände anderer legen und uns aktuellen Dingen zuwenden.”

      Schöner Satz, nur ist leider die Rechtsorientierung unseres Staates und der Kampf der Behörden gegen alles Linke (Überwachung durch Verfassungsschutz, während der Verfassungsschutz gleichzeitig rechte Gruppierungen unterstützt, bis hin zu den Nazi-Terroristen der NSU, Gesinnungsschnüffelei ala Schröder gegen antifaschistische Organisationen, Überwachung antifaschistischer Demonstranten, usw., usf.,) stärker als je zuvor in diesem Staate.
      Daher ist der Polizeimord an Ohnesorg und der Umgang einer rechtslastigen Justiz und Politik mit diesem Thema aktueller als man es vielleicht glauben möchte. Auf jeden Fall ist es viel zu früh um dieses Thema ad acta zu legen!

    2. bombjack schrieb am 25. Januar 2012 at 11:44 - Permalink

      [...]…in einem Kampf geben, der kaum mehr als Schattenfechten ist. 1968 ist inzwischen so weit weg,….
      [...]
      Wir sollten dieses Buch in die Hände anderer legen und uns aktuellen Dingen zuwenden.[...]

      Tschuldigung, aber mal blöde gefragt, warum sollte heutzutage die “Zusammenarbeit” im Sinne des Vertuschens, Stillschweigen, Behindern von Ermittlungen usw. anders sein als damals?

      Da verbrennt jemand mal so gefesselt in einer Zelle…..da werden Handy-Daten im sechsstelligen Bereich abgegriffen, da werden “Staatstrojaner” mal durch Einbruch, Untersuchungen auf Computern installiert, Festplatten verschwinden aus der Asservatenkammer und oh wunder Ermittlungen werden eingestellt oder verlaufen im Sande….

      Kann es also sein dass sich an der “Zusammenarbeit” gar nicht viel geändert hat und es eben nun bei der alten Kamelle endlich raus gekommen ist….

      Btw. nur mal so angemerkt: Mord verjährt nicht….

      bombjack

    3. Nemo schrieb am 25. Januar 2012 at 11:48 - Permalink

      Einen Konflikt um die politische Deutungshoheit gibt es unverändert, auch wenn man Ohnesorg an die Historiker “übergibt”. Was schon deshalb nichts ändert, weil auch Historiker rechts oder links sind (ausgesprochen oder verdeckt).

      “verheerende Folgen für die Gegenwart” – welche denn, die ohne eine 68- Debatte nicht genauso gegeben hätte?

    4. GrooveX schrieb am 25. Januar 2012 at 11:59 - Permalink

      ich wusste nicht, dass es sich bei mord um ‘moralisch besetzten boden’ handelt. bislang bin ich davon ausgegangen, dass mord ein delikt nach §211(2) StGB ist und nicht verjährt.

      (1) Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.
      (2) Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.

      verschwörungstheorien aller 68er??? wtf?

      ich bin auch bislang davon ausgegangen, dass zur wahrheitsfindung bei strafsachen immer noch gerichte zuständig sind und die ‘lassen wir die dinge ruhen’-aufrufe am allerwenigsten zu ihr beitragen.

      ich finde es schrecklich, so etwas hier lesen zu müssen. und wenn man mal bedenkt, was es für einen aufschrei gäbe, müsste man hier den mord an alfred herrhausen so kommentiert vorfinden, erscheint mir der artikel umso grausiger.

      • schwitzig schrieb am 25. Januar 2012 at 19:24 - Permalink

        ich finde es schrecklich, so etwas hier lesen zu müssen.

        Ja. Typen wie Sasse sorgen dafür, dass ich das SF-Blog immer weniger ernst nehmen kann.

        • Spiegelfechter schrieb am 25. Januar 2012 at 19:32 - Permalink

          Jo mei, Du musst doch auch die Artikel von Stefan nicht lesen, wenn Du vorher weißt, dass sie Dir nicht zusagen ;-)

        • Kant schrieb am 26. Januar 2012 at 22:35 - Permalink

          … nach ca. 8 Wochen mal wieder in den Spiegelfechter …und was les ich ?
          Den bullshit von Sasse – unglaublich!
          Dabei war der SF mal gut !

    5. Mod schrieb am 25. Januar 2012 at 12:08 - Permalink

      Da Mord auch politischer Mord nicht Verjährt, geschieht das aus gutem Grund und anstelle den Fall auf sich beruhen zu lassen, wurde die Staatsanwaltschaft hoffentlich schon Aktiv um die beteiligten Personen endlich zu strafen, denn dazu dient das Gesetz! Bei weiterer Betrachtung sind eben solche Verbrechen auch geeignet, das sie sich im Falle keiner Strafverfolgung, jederzeit wiederholen können. Die damals beteiligten Personen, dazu zählen in der Hierarchie die Mörder in Polizeiuniform, deren Vorgesetzte, der SFB beziehungsweise die Personen dort, die mit der Aufarbeitung des belastenden Filmmaterials beschäftigt waren und die Ärzte, die den Ermordeten so präparierten, um eine Vertuschung der Tat zu begünstigen. Das alles kann nur von höherer Stelle arrangiert werden und da stellt sich die Frage in wie weit der Staat, vertreten durch die Ministerien im Land, Einfluss genommen hat, bzw. das sie Einfluss genommen haben steht ausser Frage, wer, ist die Frage?

      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,810583,00.html

    6. Graureiher schrieb am 25. Januar 2012 at 12:49 - Permalink

      Und wenn denn eines Tages die Wahrheit über die Stammheimer Blutnacht bekannt wird: Überlassen wir das auch den Historikern, um nicht unnötig die aktuellen Diskussionen zu polarisieren?

      • GrooveX schrieb am 25. Januar 2012 at 13:00 - Permalink

        hat das nicht stefan aust schon längst mit seinem komplex den historischen archiven untergejubelt?

    7. Jacques Roux schrieb am 25. Januar 2012 at 12:54 - Permalink

      Bravo, ein echter Sasse, vielleicht sollte man auch die armen, alten Naz-Opis endlich mal in Ruhe lassen, ist schließlich lange her und es gibt so viele “aktuelle” Themen.

      http://www.sueddeutsche.de/politik/ns-kriegsverbrecher-schlaechter-von-bozen-zurueck-in-italien-1.258741

      Mann, Mann, Sasse macht diesen ehemals guten Blog kaputt :-(

      • FetteBeute schrieb am 25. Januar 2012 at 13:36 - Permalink

        Sasse ist doch selbst Beamter.
        Wie heißt es so schön: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

        Nur wenn es um Linke geht, dann werden Kriminalfälle wieder aufgerollt und zwar bis zum jüngsten Tag.

        • der Herr Karl schrieb am 25. Januar 2012 at 16:57 - Permalink

          …und zwar bis zum jüngsten Tag.

          Den haben wir noch vor uns…

        • Jacques Roux schrieb am 25. Januar 2012 at 17:51 - Permalink

          Test

        • Jacques Roux schrieb am 25. Januar 2012 at 17:52 - Permalink

          Sasse ist doch selbst Beamter.

          Ach so, deshalb bleibt ihm soviel Zeit, hier Artikel am laufenden Band zu verfassen. Aber S(p)ass beiseite, es geht im Fall Ohnesorg doch nicht ausschließlich um Mord, sondern meiner M. nach, eben auch um Korpsgeist und die Deckung desselben durch Politik, Staatsanwälte und Richter vor allem, aber nicht nur, bei Polizisten (wie war das z.B. mit Oberst Klein, dem Schlächter von Kundus, der wurde sogar noch befördert)
          Und diese Thematik soll nicht mehr aktuell sein, haha, siehe Oury Jalloh,
          oder hier:
          http://www.gulli.com/news/17881-freiheit-statt-angst-2009-prozess-wegen-polizeigewalt-beginnt-2012-01-16
          Oder der schwarze Donnerstag bei S 21, und und und.

        • FetteBeute schrieb am 25. Januar 2012 at 18:34 - Permalink

          Das lustige am Sasse war noch: Je näher der seiner Verbeamtung kam desto konservativer wurden seine Artikel. Wenn der so weitermacht dann wird nochmal ein richtig guter Sarrazin aus ihm. :-)

          @Jacques Roux
          Und ansonsten. Um mit den Worten unseres geschätzten Herrn Sasse zu sprechen: Wenn Du behauptest, die Wahrheit zum Fall Ohnesorg wäre von einer kleinen verschwörerisch agierenden Gruppe um Kurras vertuscht worden, dann bist Du ein böser böser Verschwörungstheoretiker. Du böser böser VTler, Du!
          ;-)
          (/ironie)

    8. long jogg schrieb am 25. Januar 2012 at 12:56 - Permalink

      Ein neues Buch über »die Todesnacht in Stammheim« widerlegt die staatsoffizielle Darstellung, wonach die führenden RAF-Gefangenen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der Nacht zum 18. Oktober 1977 in der JVA Stuttgart-Stammheim Selbstmord begangen haben.

      Der Autor Helge Lehmann: Ich habe stattdessen die staatsoffizielle Darstellung der Ereignisse faktisch überprüft und bin zu dem nachvollziehbaren Schluss gekommen: Die kann so nicht stimmen.

      Nachdem die dreißigjährige Sperrfrist für Aktenmaterial zur RAF in den Bundes- und Landesarchiven abgelaufen war, konnte Helge Lehmann erstmals neues Quellenmaterial einsehen, das er im Rahmen seiner soeben erschienene Studie zur Todesnacht von Stammheim 1977 ausgewertet hat.

      Obwohl die Sperrfrist des Aktenmaterials abgelaufen ist, werden immer noch wichtige Dokumente unter Verschluss gehalten.

      http://www.todesnacht.com/

    9. TimS schrieb am 25. Januar 2012 at 12:59 - Permalink

      Ich erlebe hier beim Spiegelfechter immer öfter Artikel mit Meinungen, die ich weder teilen kann, noch dass ich sie noch länger ertragen möchte. Hierzu gehört auch der Ton den Jens Berger häufig selber (oft in den Kommentaren) anschlägt. Ich sag es mal ganz deutlich: Ich verabschiede mich hiermit vom Spiegelfechter, der Link wird gelöscht.
      Da ich ja schon mitbekommen habe, dass der Verantwortliche dieses Blogs kritikunfähig und beratungsresistent ist, spare ich mir weitere Erklärungen….

      Ein schönes Leben noch…

      …und wech!

      • Mod schrieb am 25. Januar 2012 at 19:03 - Permalink

        Denke das weder Kritikunfähigkeit noch Beratungsresistenz die Gründe sind nach denen gelöscht wird?, Artikel und Meinungen bzw. Kommentare, müssen auch nicht die Meinung des Betreibers wieder spiegeln, dienen sie doch auch der Information und Meinungsbildung, oder Austausch durch Kommunikation innerhalb einer Diskussion und da es in einer Diskussion schon mal derb zugehen kann und darf, ohne nicht tolerierbare vulgäre Ausfälle, erschließt sich mir ihr Kommentar nicht? Statt ein “und wech”, Gruß, Mod!

      • ola schrieb am 25. Januar 2012 at 21:14 - Permalink

        Ich bleibe. Da kann auch Sasse nichts dran ändern. Er gehört halt auch dazu. Ich ertrag ihn ganz gut. Außerdem ist es immer wieder interessant zu erleben, wie das angehende Bürgertum so denkt. Ein mir oftmals verschlossene Welt, auch wenn ich selbst hart daran gearbeitet habe dort auch immer wieder private Einblicke zu erhalten. Privat habe ich beschlossen, diese Phase zu beenden, aber Sasse, so mit Distanz, das geht^^

    10. Shitop schrieb am 25. Januar 2012 at 14:28 - Permalink

      Offensichtlich wird politischer Mord hierzulande wieder gesellschaftsfähig.
      Und so bleiben auch die Morde der 3. RAF-Generation unaufgeklärt: Karry, Herrhausen und Rohwedder. Alle drei hatten ein völlig anderes Umfeld, als die vorangegangenen RAF-Attentate.

    11. Hans schrieb am 25. Januar 2012 at 14:40 - Permalink

      “Es wird Zeit, dass sich Historiker ohne Einmischung der Publikationsorgane und politischen Verbindungen damit beschäftigen können”

      Das klingt alles sehr nett. Aber genauso weltfremd wie “BGE schafft Armut ab”.

      Historiker sind zwangsweise niemals 100% neutral (selbst wenn sie politisch vollkommen neutral wären, wären genaugenommen Kürzungen und die Konzentration auf bestimmte Vorkommnisse auch immer subjektiv). Vor allem auf politischer Deutungshoheit gibt es teils krasse Unterschiede. Im Endeffekt kann man keinem wirklich trauen, weil jeder Klientelpolitik mit seinen Veröffentlichungen betreibt. Da nimmt sich links und rechts nichts in Sachen tuning der Geschichte zu den eigenen Gunsten.

      Darüberhinaus sind Historiker Wissenschafler. Wissenschaftler publizieren und forschen nicht immer im Sinne des Wissenschaft, sondern im Sinne des Geldbeutels. Wieso wohl haben wir in jedem Bereich ständig Schreckensmeldungen vom baldigen Weltuntergängen? Einerseits wegen der Medien, andererseits auch wegen Wissenschaftlern, die Geld für ihre Forschung brauchen und dann auf ein Ziel hinforschen. “Rauchen macht den Penis größer”- Dr. Malboro.

    12. Klaus Scharff schrieb am 25. Januar 2012 at 15:02 - Permalink

      HMMMMM

      “Die 68er-Debatte ist ein Beispiel dafür, wie eine intensive Beschäftigung mit der Geschichte verheerende Folgen für die Gegenwart haben kann. Wir sollten dieses Buch in die Hände anderer legen und uns aktuellen Dingen zuwenden.”

      nun ja , wenn stefan sasse die debatte nicht mehr begleiten möchte dann kann er das gerne tun . allerdings hätte er dazu keinen artikel schreiben müssen .
      aber auch damit kann er nicht dem fakt entgehen , dass diese debatte weitergeführt werden muss , allein deswegen weil ihr gegenstand sonst von anderer seite unbehelligt benutzt werden wird UND weil ihr gegenstand dringend notwendige rückschlüsse auf die gegenwart zulässt . diese mögen ihm verheerend erscheinen , genauso wie die verheerende form , in der diese debatte mitunter geführt wird ….. das schweigen dazu wird nichts ändern .

      also : wer aufgeben will kann das gerne tun . ein einfaches “irrelevant” hätte dann aber gereicht . je wortreicher man sich für sein fernbleiben an der debatte entschuldigt desto interpretierbarer macht man seine aussage .

      • bridgR schrieb am 25. Januar 2012 at 15:20 - Permalink

        So sehe ich das auch. Lernen aus der Geschichte kann nur, wer sich der Vergangenheit auch bewusst ist.
        Das hilft uns dabei, die aktuelle Propaganda der Regierungen in Frage zu stellen und VT’s offener gegenüber zu stehen. Ich sage nur Lybien, Syrien, Iran – die Berichterstattung ist ein Meer aus kolonialistisch-geprägter, westlicher Propaganda.
        Doch kaum einer scheint dies zu durchblicken und die unhaltbaren Vorwürfe der Arabischen Liga in Kooperation mit westlichen Interessen gegen besagte arabische Regime nehmen kein Ende. Sämtlice Propaganda dient nur dem Vorwand, der NATO den Einsatz zum nächsten interventionistischen Kriegseinsatz zu ebnen, um ein pro-westliches Regime dort zu installieren und Kontrolle über die Öl-Ströme zu erlangen.

        • bridgR schrieb am 25. Januar 2012 at 16:03 - Permalink

          passendes Zitat aus einer fb-gruppe – re-quote:
          “Nachdem zuletzt für einen Iran-Krieg getrommelt wurde, möchte die Journaille jetzt auch Unterdrückung und Zensur schönreden:

          “Auch wenn wir nicht mehr an einen Gott glauben, scheint ein gewisses Maß an Unterdrückung für unsere Spezies und für das adäquate Funktionieren einer halbwegs geordneten und liebevollen Gesellschaft unumgänglich.”

          “Repression ist nicht bloß etwas für Katholiken, Muslime und Viktorianer, sie hat in alle Ewigkeit zu uns zu gehören”

          Wo steuert diese Gesellschaft hin?”

          http://www.welt.de/kultur/​article13813727/​Die-destruktive-Macht-der-Inter​net-Pornografie.html

    13. bridgR schrieb am 25. Januar 2012 at 15:14 - Permalink

      Beide Seiten haben immer noch den gleichen moralischen Boden besetzt, auf dem sie vorher standen, nurn haben sie frische Munition für einen Kampf erhalten, der längst kaum mehr jemanden interessiert und der endlich an die Historiker übergeben werden sollte. Die ständige Auffrischung des 68er-Konflikts von rechts wie von links ist Gift, das sich in eine Gesellschaft hineinfrisst, in der kaum mehr Protagonisten jener Tage aktiv sind.

      Wie soll ich das jetzt verstehen? Es ist doch sehr wohl von Belang, dringender nötig denn je die Fronten endlich neu entflammen zu lassen, nicht?!
      Genauso nötig wie es ist, die Wahrheit über 9/11 endlich ans Licht zu bringen. Denn dort werden sich die Verschwörungs-Theorien genauso bestätigen wie diejenigen im Fall Ohnesorg nun nach 40 Jahren sich bewahrheitet haben.

      • Hans schrieb am 25. Januar 2012 at 17:37 - Permalink

        “die Wahrheit über 9/11″

        Es gibt einen Unterschied zwischen berechtiger Kritik an der US-Außenpolitik und blindem Antiamerikanismus. Dieser Hass führt dann auch zu so tollen Verschwörungstheorien.
        Wenn man denkt, dass Internet würde Menschen aufklären verklärt man die Realität. Sie radikalisieren sich nur und fallen auf Scharlatane und Geisteskranke herein.

        Ich geh dann mal auf den Bilderberg Chemtrails anschauen.

        • der Herr Karl schrieb am 25. Januar 2012 at 17:51 - Permalink

          Hans im Glück…

    14. Tantalhafniumcarbid schrieb am 25. Januar 2012 at 17:06 - Permalink

      Ich kann einfach die “IronieTags” in dem Artikel nicht finden, so sehr ich auch suche. Kann mir einer Helfen?

    15. Stefan Sasse schrieb am 25. Januar 2012 at 19:15 - Permalink

      OK, Leute. Es geht nicht im Geringsten darum, die Vorgänge schön zu reden. Ich hab immer wieder über Ohnesorg geschrieben und halte es für absolut wichtig. Was ich zu den Akten gelegt haben möchte ist die 68er-Schlacht darum: dass Konservative aus Prinzip versuchen müssen, das Ding zu relativieren oder zu verteidigen, und dass Linke so tun, als hätte sich nichts geändert seither. Das stimmt schlicht nicht. Ja, die Polizei ist immer noch rechtslastig. Ja, die Gerichtsentscheidung damals war katastrophal. Aber warum muss man stets versuchen, heutige politische Gefechte damit durchzuführen? Genauso wie Konservative wie LINKE endlich aufhören sollten, ständig die DDR-Keule zu schwingen und heutige Politik auf heutiger Grundlage zu beurteilen, sollte man vielleicht heutige Polizei an heutigen Fällen beurteilen. Der schwarze Donnerstag wurde weithin kritisiert und hat zu schwerwiegenden Änderungen geführt, ganz ohne Ohnesorg.

      • Mod schrieb am 25. Januar 2012 at 19:41 - Permalink

        Hallo Herr Sasse, ihr Artikel impliziert die Täter laufen zu lassen und darauf liegt der Schwerpunkt? Das unsere Polizei oder unser Rechtssystem bzw. der damalige Gerichtsentscheid katastrophal war, weil Rechtslastig, erwähnen sie jetzt selber. Das wir in Zukunft so etwas vermeiden liegt doch nicht im Auge des Betrachters?, es ist Fundamental?, gerade auch hinsichtlich der Tötungsszenarien die uns innerhalb der EU-Verfassung noch erwarten? Wehret den Anfängen und dazu gehört in einem Rechtsstaat nunmal die lückenlose Aufklärung über Verbrechen, damals, wie zu heutiger Zeit, sonst funktioniert ein Rechtsstaat nicht?! Denke das dass die Intention war?

        • Stefan Sasse schrieb am 25. Januar 2012 at 22:41 - Permalink

          Wer redet denn von Täter laufen lassen? Ich bin dafür, dass Springer aufhört, die 68er-Schlachten weiterzuführen, und dass die Vertreter der Gegenseite – ob grün oder links oder was weiß ich – es auch stecken lassen. Kurras hätte hinter Gitter gehört, das ist doch sonnenklar, und die Verantwortlichen gleich mit.

          • Mod schrieb am 25. Januar 2012 at 22:48 - Permalink

            Die werden ihre ideologischen Schlachten so lange weiter führen, so lange die Täter nicht überführt sind! Das ist ja das Problem?

          • GrooveX schrieb am 25. Januar 2012 at 23:08 - Permalink

            stefan, wieso ‘hätte’? der gehört angeklagt wegen mordes, immer noch! das ganze ist bis heute ein justizskandal, ein polizeiskandal und ein politischer skandal. das gehört aufgeklärt, nicht historikern zur aufarbeitung überlassen. und vergiss nicht, 1967 ist noch nicht so elend lange her, dass es kein öffentliches interesse mehr geben könnte. es gibt millionen, die sich durch die springerpresse, das fernsehen, die folgen für die republik, noch sehr lebendig daran erinnern. und das datum, der 2. juni 1967, das ist ja nun wirklich historisch bedeutsam!

            • Wolle schrieb am 25. Januar 2012 at 23:55 - Permalink

              Moment, die ganzen Vertuschungshandlungen sind IMHO verjährt. Kurras gehört aber wegen Mordes vor Gericht. Bei Springer sollte man einfach nur auf den Sumpf hinweisen, der da angehäuft worden ist. Ansonsten ignorieren(inhaltliche Auseinandersetzungen sind mit denen sinnfrei), man muss sich sich nicht mit jeder Sau im Schlamm wälzen! ;-)
              Der Behördenschlamm gehört aber offen gelegt, auch wenn man da wahrscheinlich juristisch nix mehr machen kann.

          • Barnockel schrieb am 26. Januar 2012 at 00:45 - Permalink

            – es auch stecken lassen. Kurras hätte hinter Gitter gehört, das ist doch sonnenklar, und die Verantwortlichen gleich mit.

            WTF? Laut Wikipedia wenigstens lebt Kurras noch. Er gehört jetzt eingesperrt, zunächst in U-Haft, und zwar sofort. Und für seine Spießgesellen verschiedenster Art werden sich sicher auch noch Sachverhalte finden lassen, die nicht verjährt sind.

            Aber Polyzysten können ja de facto machen, was sie wollen.

      • FetteBeute schrieb am 25. Januar 2012 at 19:51 - Permalink

        Natürlich hat sich etwas geändert seither. Die Organisation der Entsolidarisierung ist perfektioniert worden. Ehemals “linke Parteien” sind auf die andere Seite übergelaufen. Mord und Totschlag sind in D wieder zum Mittel der Politik geworden. Der kleine Bürger ist heute nur noch ein lästiger Kostenfaktor im Big-Money-Game.

        Was soll die ganze Schönfärberei?

        • Stefan Sasse schrieb am 25. Januar 2012 at 22:42 - Permalink

          Mord und Totschlag sind in D wieder zum Mittel der Politik geworden.

          Wo denn?

        • FetteBeute schrieb am 25. Januar 2012 at 22:50 - Permalink

          Außenpolitik. Angriffskriege. zB Afghanistan-Feldzug.

          • Stefan Sasse schrieb am 25. Januar 2012 at 23:31 - Permalink

            Sorry, aber in den Zusammenhang kann man das doch beim besten Willen nicht stellen, oder? ^^

            • FetteBeute schrieb am 26. Januar 2012 at 00:03 - Permalink

              Doch. Du hast suggeriert wir hätten uns zum Positiven hin entwickelt. Ich denke es geht seit etwa 20 Jahren rückwärts. Politisch ist die Entwicklung der letzten 20 Jahre in D reaktionär.

              Und das hat etwas mit konservativer Propaganda zu tun. Deshalb werden die “alten Schlachten” weiterhin geschlagen. Das konservative Rattenpack hat die Meinungshoheit via Springer-Presse hier in D. Dagegen setzen sich die “Linken” zur Wehr.

      • Klaus Scharff schrieb am 25. Januar 2012 at 20:44 - Permalink

        HMMM

        “……. sollte man vielleicht heutige Polizei an heutigen Fällen beurteilen.”

        ja was hätten sie denn gern ?
        den schwarzafrikaner , der in der zelle verbrennt und keiner hat´s gemerkt ? oh je , zu lange her ….
        den mann , dem mit dem wasserwerfer das augenlicht genommen wird ? och nee , ist ja echt von gestern , das ….

        gute güte . wenn sie keine lust haben , die muster , die sich seit ohnesorg keinen verdammten deut gändert haben zu inspizieren , dann lassen sie es doch . aber dennoch sollten sie sich damit vertraut machen , das sie sehr wohl und sehr leicht zu erkennen sind und vor allem :
        sie haben ihre gültigkeit behalten . punktum .

        ihr öffentlicher selbstversuch sich davon abzulenken , indem sie die diskussion über diese muster für verheerend erklären mag für sie ja unterhaltungswert haben , für mich kommt das eher einer intellektuellen kapitulation gleich . in diesem sinne ……

      • Wolle schrieb am 25. Januar 2012 at 20:48 - Permalink

        Warum schreibst die LINKE groß? Meinst DU damit die Partei “DIE LINKE” oder findest Du alle Linken zu Schreien? Warum sollten Linke die DDR-Keule schwingen? Brauchen die gar nicht, machen die Veräterpartei und alle anderen Parteien schon alleine. Und mir fällt auch kein Grund ein, warum das ein Linker machen sollte.

        • Stefan Sasse schrieb am 25. Januar 2012 at 22:43 - Permalink

          Wenn ich LINKE schreibe meine ich die Partei, wenn ich Linke schreibe die Geisteshaltung.

          • Wolle schrieb am 25. Januar 2012 at 23:48 - Permalink

            Bitte Belege beibringen, wo die Partei “DIE LINKE” die DDR-Keule raus holt(e)?

    16. schwitzig schrieb am 25. Januar 2012 at 19:19 - Permalink

      @Stefan Sasse

      Wir sollten dieses Buch in die Hände anderer legen und uns aktuellen Dingen zuwenden.

      Den Spruch kenne ich von den Guttenbergern und Wulffen. Grenzdebile Idioten oder Arschlöcher benutzen ihn, um keine Verantwortung übernehmen zu müssen (lassen).
      Wenn man danach agiert, wird sich niemals etwas zum Besseren wenden, da die Schwerverbrecher – in diesem Fall die Polizei, der Staat, die Gerichtsmedizin und Justiz – straffrei mit ihren Kapitalverbrechen durchkommen.

      Das hat auch rein gar nichts mit “dem Geist der 68er” und “VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN, KREISCH, ZETER” zu tun, sondern schlicht mit Staatsterrorismus und Schwerverbrechen. Da solche Schwerverbrechen auch aktuell noch geschehen – zur Zeit werden sie noch VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN, KREISCH, ZETER” genannt, bis dann 45 Jahre ins Land gegangen sind – ist eine Aufarbeitung in einem Rechtsstaat eine Pflicht!

    17. Jeeves schrieb am 25. Januar 2012 at 19:27 - Permalink

      Ist der letzte Satz ironisch gemeint?
      …der mit dem uns anderem zuwenden und die Sache vergessen o.s.ä.
      Muss doch mal nachschauen, was “Stefan Sasse” für einer ist…
      Aha:
      “Laut Stefan Sasse … fußt die Geschichte auf mehreren Säulen. Dazu zählt „die stringente Geschichte, die zum ersten Mal die Entwicklung des reichsten Erpels der Welt nachvollzieht und dabei durch spannende Wendungen ebenso zu überraschen weiß“ und die zahlreichen Gegenspieler und historischen Figuren, die in der Geschichte eingeführt werden.”
      Ah, deshalb. Verstehe.

      • Stefan Sasse schrieb am 25. Januar 2012 at 22:57 - Permalink

        Wo kommt das denn her?

        • Lennard schrieb am 26. Januar 2012 at 00:52 - Permalink

          http://www.roterdorn.de/inhalt.php?xz=rezi&channel=alle&id=7990

    18. Folkher Braun schrieb am 25. Januar 2012 at 20:41 - Permalink

      Moin,

      statt weiter an dem Kurras herumzudoktern, wäre es sicher sinnvoll, die SPD in Berlin von +/- 67 näher zu beleuchten. Vor allem die Polizeipräsidenten und Innensenatoren. Auch das Finanzgebaren dürfte interessant sein, Stichwort Steglitzer Kreisel.

      gruß f

    19. ola schrieb am 25. Januar 2012 at 20:48 - Permalink

      Das ist wieder so ein Sasse, wo man wirklich nur noch den Kopf schütteln kann. Ehrlich, ich habe wirklich kurz im Wahn überlegt, ob ich da argumentativ ansetzen soll, aber dann dacht ich mir, ne, 2 Stunden Lebenszeit verschwenden, um einen Artikel von vorne bis hinten zu zerreissen? Hab ich keine Zeit für.

      Aber schön dass Sasse wieder da steht wo er vor 2 Jahren schon stand…

    20. Bastian Himberger schrieb am 26. Januar 2012 at 01:34 - Permalink

      Rechtfertigte der Mord an Benno Ohnesorg weitere Morde?

      • GrooveX schrieb am 26. Januar 2012 at 07:27 - Permalink

        nein, ganz sicher nicht. aber gut, dass du dutschke und ohnesorg in einen gesamtzusammenhang zu bringen versucht hast.

        vielleicht hättest du einfach ein, zwei sätze mehr schreiben können, damit auch andere, die sich nicht so gut wie du damit auskennen, dir folgen können.

        • schwitzig schrieb am 26. Januar 2012 at 09:53 - Permalink

          (Korinthenkack mode on)
          Rudi Dutschke wurde aber nicht ermordet.
          (Korinthenkack mode off)

          • GrooveX schrieb am 26. Januar 2012 at 10:26 - Permalink

            da fällt mir jetzt nichts mehr zu ein.

            • schwitzig schrieb am 26. Januar 2012 at 11:19 - Permalink

              Er ist erst später an einem epileptischen Anfall gestorben. Darüber hinaus ist es ein wichtiger Unterschied, dass er nicht von einem Staatsorgan selbst, sondern von einem Fanatiker, der durch die Presse zusätzlich aufgehetzt wurde, angegriffen wurde.
              Ganz im Gegensatz zum Staatsterrorismusfall Ohnesorg hat in diesem Fall sogar eine juristische Aufarbeitung stattgefunden.
              Der Terrorist Kurras hingegen und seine dubiosen Hintermänner in der deutschen Justiz und Politik laufen immer noch frei herum.

    21. Granado schrieb am 26. Januar 2012 at 03:11 - Permalink

      http://www.laika-verlag.de/sites/default/files/Presseerkla%CC%88rung_Benno_Ohnesorg.pdf
      Hamburg, den 23.01.2012
      Presseerklärung des LAIKA-Verlages
      Im aktuellen SPIEGEL wird von neuen Untersuchungen zum Tod von Benno Ohnesorg berichtet. »Neue Er­mittlungen der Bundesanwaltschaft«, so heißt es, ergeben, »dass Kurras den Schuss offensichtlich unbedrängt aus nächster Nähe und umgeben von mehreren Polizisten abgegeben hat«.
      Der LAIKA-Verlag möchte daran erinnern, dass Berliner Studenten am 3. Juni 1967 an der Freien Universität einen Untersuchungsausschuss gegründet hatten. Dort wurden Augenzeugenberichte, Fotografien und ande­re Unterlagen gesammelt. Passanten und Zeugen wurden für diesen Ausschuss von Studierenden befragt. Insgesamt liegen über 650 schriftliche Berichte, 100 Tonbandaussagen, ca. 600 Fotografien und dazugehörige Identifizierungslisten und vieles andere mehr vor. Mitglieder dieses studentischen Untersuchungsausschusses zum Tod von Benno Ohnesorg, darunter das spätere RAF-Mitglied Holger Meins, zogen aus dem Material schon damals den Schluss, dass es sich um einen gezielten Schuss handelte und äußerten die Vermutung, dass die Polizisten die Zielperson verwechselten, die sie ermorden wollten. Die Vermutung war, dass die Schützen Thomas Giefer, der Benno Ohnesorg zum Verwechseln ähnlich sah und schon lange die Aufmerksamkeit des Staatsschutzes wegen seiner dokumentarischen Filmarbeit auf sich gezogen hatte, im Visier hatten.
      In der BIBLIOTHEK DES WIDERSTANDS des LAIKA-Verlages ist unter dem Titel Der 2. Juni 1967 ein Band mit beiliegenden Dokumentarfilmen, u.a. von Thomas Giefer, erschienen. In diesem Buch analysiert neben anderen der Historiker Uwe Soukup das Geschehen vom 2. Juni 1967 in Berlin. Das Buch stellt sich gegen die vor zwei Jahren aufkommenden geschichtsrevisionistischen Bemühungen, den Mord an Benno Ohnesorg ur­sächlich auf die DDR abzuschieben. Dieser Mord erweist sich heute jenseits der offiziell beliebten »Einzel­täterschaft« als umfassender Plan der Polizei- und Staatsschutzbehörden Westberlins. Der Mord an Benno Ohnesorg wurde durch Polizeibehörden und Justiz, durch Politiker und – vor allem – die Springermedien gedeckt, die damit eine Art politische Mittäterschaft übernahmen.
      Die neue Erkenntnis, dass Kurras zugleich DDR-Agent war, wollten auch ehemalige Linke in eine Entlastung der Nachkriegs-BRD ummünzen; eine Nachkriegs-BRD, die immer noch von einer altnazistisch geprägten, autoritätswilligen und latent gewaltbereiten Mehrheitsgesellschaft geprägt war. Das Bedürfnis, sich die eige­ne Anpassung in dieser Gesellschaft selbst zu verschönern, mag verständlich sein. Richtig ist aber auch die Erkenntnis von Herbert Marcuse, dass für viele der jungen Generation die Integration in diese Gesellschaft »physisch und psychisch« unmöglich war. Richtig ist deshalb auch, dass viele gar nicht anders konnten, als sich mit ihrem ganzen Leben gegen diese damalige Gesellschaft zu stellen.
      Die Herausgeber der BIBLIOTHEK DES WIDERSTANDS
      Willi Baer / Karl-Heinz Dellwo
      LAIKA-Verlag

    22. Folkher Braun schrieb am 26. Januar 2012 at 03:46 - Permalink

      “… gegen diese Gesellschaft zu stellen …” Gut. Mit ´ner Knarre in der Hand? – Und dann einen Bibliotheksangestellten vom Leben zum Tode zu befördern? Wer war denn der Lieferant der Bleispritzen? – Ich habe noch 69/70 in Berlin ein paar der späteren Großinquisitoren gegen das Kapital kennengelernt. Ein Haufen eitler Gockel, deren höchste Reputation die Nennung in der nächsten “Spiegel”- Ausgabe war. Dafür machten sie alles. Dass sie zugleich der Gegenseite die Begründung lieferten, alle unter Generalverdacht zu stellen, die auch nur etwas über die “soziale Marktwirtschaft” nachdachten, macht die Sache nicht besser. Individueller Terror ist bis auf die Knochen reaktionär, faschistisch und saudumm. Diese RAF- Kasper können sich zumindest des Verdienstes rühmen, mit ihren Aktionen der Gegenseite die argumentative Munition geliefert zu haben, jegliche linke Politik in der Alt- Bundesrepublik zu zerlegen. Bravo! Toll gemacht! Wer hat Euch eigentlich bezahlt? – Pferdmenges doch wohl nicht, Sohl vielleicht? Und hattet Ihr Eure Wummen im KaDeWe gekauft?
      fragt f

      • ola schrieb am 26. Januar 2012 at 10:45 - Permalink

        Herr Braun…. bei aller Liebe zum Pazifismus. Aber hier die krude These aufzustellen, die RAF hätte einen Vorwand geliefert um linke Politik zu zerlegen, ist nicht einmal mehr lustig. Richtig ist doch vielmehr, dass linke Politik in der frühen Bundesrepublik massiver diskreditiert und härter sanktioniert wurde, als in den Jahrzehnten danach. Ob mit RAF oder ohne, die andere Seite wird niemals linke Politik akzeptieren.

        Die Idee, linke sollten sich möglichgst systemkonform einbringen, damit man denen nachher auch ja nichts vorwerfen kann, der in Ihrem Beitrag anklingt, halte ich für eine ein der ´verheerendsten Irrungen linker Zeitgenossen. Ob mit der Waffe in der Hand, muss jeder selbst für sich entscheiden, die damaligen Gegebenheiten sollte man dabei nicht ausser Acht lassen.

    23. Hasenpfote schrieb am 26. Januar 2012 at 15:08 - Permalink

      Unsereins assoziiert bei Stefan Sasse mal wieder den frühen Bill Ramsey (http://de.wikipedia.org/wiki/Bill_Ramsey), ohne Herrn Sasse zu nahe treten zu wollen, weil ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett.
      Spezialdemokraten sind natürlích das GRAUEN per se, wie hier schön zu sehen bei Sassens Texten.

    24. Folkher Braun schrieb am 26. Januar 2012 at 23:00 - Permalink

      @ola,

      ich war seinerzeit – ab 9/69 – in Berlin und habe deshalb genau mitbekommen, wie der RAF- Schrott gewirkt hat. Ich habe allerdings hier nirgends gefordert, dass sich Linke nur “systemkonform” einbringen dürfe (was immer das auch sei). Mit ´ner ordentlichen salonbolschewistischen Grundausbildung in der Ihnestraße macht man so etwas nicht. Was mich stört, ist, das viele gute Ansätze von damals, wie die wissenschaftliche Aufarbeitung des Leninismus oder die “segensreiche” Wirkung der Sozialdemokratie abgebrochen werden mussten. Jetzt, fast 40 Jahre später, sind wir wieder bei prinzipiellen Erörterungen des dialektischen Materialismus (sie rote Ruhr- Uni), aber keiner hat eine Idee, wie man unsere völlig verkorksten Gewerkschaften auf die Hufe bekommt. Ich bin z.B. Berufsgruppe 7144 bei der Agentur. Was in dem Bereich abgeht, spottet jeder Beschreibung.

      gruß f

      • ola schrieb am 26. Januar 2012 at 23:54 - Permalink

        Die Frage Herr Braun, lautet doch, wäre es ohne RAF anders gelaufen? Klar wir bewegen uns da auf spekulativem Grund, aber genauso wie man allerlei negative Auswirkungen des RAF Terrors herbeidenken kann, kann man sich auch die Frage stellen, ob Angst nicht auch ein sehr probates Mittel zur Disziplinierung ist. Sie kennen das Muster, nehme ich an. Es wird gerne und reichlich von der anderen Seite des Hauses angewandt, auf dem Amt für Arbeit z.B.^^ Und bei Gott, in den 70zger Jahren hatten die Herrschaften die Hosen aber gestrichen voll und waren dementsprechend gut zu sozialisieren…
        Die Weltrevolution mit Start in Deutschland ist ohnehin eine reine Utopie, früher wie heute, ob mit RAF oder ohne.
        Ich habe das Wort Terror übrigens bewusst gewählt, weil es schlicht solcher war und nicht meiner Vorstellung von “Umerziehung” entspricht. Aber auch das hat etwas bewegt in diesem Land.
        Und heute wissen wir zumindest, die haben nicht damit angefangen. Eine ganz wichtige Erkenntnis, wenn Geschichte bewertet werden muss. Die USA würden sich heutzutage wohl auf Notwehr berufen und mit Flächenbomardements auf die grundlose Hinrichtung einer der ihren antworten.
        Ich bin übrigens recht sicher, dass das Pendel weltweit auch wieder zur anderen (sprich linken) Seite ausschlagen wird und wir erstmals in der Geschichte in der Lage sind, dann auf eine nicht von den Rechten völlig zerstörte Welt zurückgreifen zu müssen, nachdem das Pendel auf dieser Seite schlug. Auch ein Erfolg, irgendwie^^

    25. Folkher Braun schrieb am 27. Januar 2012 at 03:24 - Permalink

      @ola,

      die (Selbst-) Disziplinierung fand Mitte 70 nach der Baader- Befreiung sofort statt. Waffengewalt von “links”, wo der Ohnesorg nur zufällig und der Dutschke von einem aus dem Ruder gelaufenen Rechten angeschossen wurden, das waren alles ja nur “Betriebsunfälle”. Ab 1970 Wintersemester war es am Otto- Suhr- Institut mit der Aufarbeitung der jungen deutschen (West-) Demokratie vorbei. Jeder hielt die Schnauze. Ober SPD- Cheffe Brandt sorgte mit den Berufsverboten für den Rest der Abwicklung. Das wäre mal für Albrecht Müller ein Thema.
      Im Gegensatz zu Herrn Sasse bin ich der Meinung, dass dieser Zeitraum 67 – 78 einer besonders präzisen Aufarbeitung bedarf. Das ist bisher nicht geschehen, weil – vermute ich mal – der sozialdemokratisch- gewerkschaftliche Komplex daran kein Interesse hat. Und die Rosa- Luxemburg- Stiftung nicht die Kapazität.

      gruß f

    26. Joachim Endemann schrieb am 27. Januar 2012 at 18:23 - Permalink

      Die Tötung (ob aus Verwechselung oder nicht) Benno Ohnesorgs zeigt, wozu Staatsmacht neigt, wird sie nicht adäquat vom Volk kontrolliert.

      … In einem Brief an Innensenator Wolfgang Büsch sprach Polizeipräsident Erich Duensing am 13. April 1967 von einem „Studentenkrieg“, der nicht mit Polizei, sondern nur mit Staatsanwälten und Gerichten zu bewältigen sei. In seiner Antwort am 8. Mai erwartete Büsch dagegen verschärfte Konfrontation, die größere Polizeiaufgebote notwendig machen würde. Dazu schrieb er: …
      „Diesen Anforderungen werden die eingesetzten Polizeibeamten nur dann genügen können, wenn sie stets die Gewissheit haben, dass ihre Vorgesetzten auch dann für sie eintreten, wenn sich bei der nachträglichen taktischen und rechtlichen Prüfung Fehler herausstellen sollten. Das setzt allerdings voraus, dass diese Fehler nicht als Dienstpflichtverletzungen angesehen werden müssen.“
      Büsch lehnte Deeskalationsmaßnahmen damit ab und wollte den studentischen Protesten durch verstärkten Gewalteinsatz begegnen, ohne dass die eingesetzten Polizeibeamten strafrechtliche Verfolgung befürchten müssten. …

      …Anwesende Polizisten weigerten sich zunächst, einen Krankenwagen zu holen. Sie hinderten einen herbeigeeilten norwegischen Schiffsarzt daran, dem Verletzten Erste Hilfe zu leisten. Der zehnminütige Wortwechsel endete damit, dass der Arzt wegen eines Abzeichens der Résistance und seiner Bemerkung, er habe in Ost-Berlin als Arzt arbeiten dürfen, als Kommunist verdächtigt wurde….

      (Fettung und Kursivsetzung von mir) Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Benno_Ohnesorg

      Es findet schon lange schleichend eine Militarisierung des Denkens statt. Und forciert seit Herrn Fischers Tötungsspruch an die Antikriegsbewegung: „Auschwitz verpflichtet uns“ (Jugoslawien anzugreifen). Damit war mit Aplomb die offizielle Schämzeit beendet. Seit dem wird mehr und mehr offen irgendwo mit (z.Z. noch „nur“ mit) Krieg geführt. Damit das zuerst irgendwie als akzeptierlich verkauft werden konnte, spracht man von „humanitären Einsätzen“, und da das seinerzeit noch als unzureichend erschien, nahm man etwas als Keule, das an Widerlichkeit nicht leicht zu überbieten ist: „Auschwitz verpflichtet uns“ (einen Angriffskrieg zu führen). (Offizieller Bruch des GG: vgl Artikel 26,1)

      Das heißt die Situation heute unterscheidet sich von der der 60er/70er Jahre beispielsweise dadurch, daß man wieder offen von der Notwendigkeit nach militärischen Interventionen spricht. Wenn das ein Fortschritt sein soll, kann der nur darin liegen, daß man nun weiß (so man will), wohin die Reise gehen soll: Zurück (in die Zukunft?).

      … Gift …

      wird übrigens nicht dadurch unwirksam, daß man es ignoriert, sondern indem man ein adäquates Purgiermittel anwendet, immerhin geht der Gründungsmythos der RAF mit auf die Tötung Benno Ohnesorgs zurück … und die RAF war kein adäquates.

      Mit freundlichen Grüßen, verbunden mit besten Wünschen für eine gute Besserung an den Autor, Joachim Endemann

    27. Sven schrieb am 28. Januar 2012 at 20:51 - Permalink

      Bei der Durchsetzung der Herrschaftsansprüche als Dienstleistung für welchen Konzern auch immer, kommen aber gelegentlich auch Polizisten selber unter die Räder:
      - Entführung von Hans-Martin Schleyer (drei tote Polizisten und ein Fahrer)
      - Ermordung von Siegfried Buback (ein Fahrer und der Leiter der Fahrbereitschaft der Bundesanwaltschaft)
      - am schwarzen Donnerstag (30. September 2010) in Stuttgart, wollten einige Polizisten beim Prügeln auf Kinder und alte Menschen nicht mehr mitmachen, andere machten danach den Mund auf und hatten dann Problem. Cholerische, brutale Polizisten, die beim schwarzen Donnerstag mit oder ohne Uniform aktiv waren, dürfen heute wieder Dienst tun. Wer wählte solche Polizisten aus und wer stellte sie ein, bei vorliegender psychischer Beurteilung?
      Aber zumindestens an der Spitze an der Polizei in Stuttgart gibt es eine positive Entwicklung.

      Bei der Entführung von Hans-Martin Schleyer lohnt es sich noch einmal den Baader-Meinhof-Komplex durchzulesen und mal genau zu schauen was für “Pannen” damals, beschrieben im Buch, bereits kurz nach der Entführung stattfanden, selbst bei den einfachen Mitteln, die die Polizei damals noch hatte. Man könnte, verglichen mit der Ermordung von Siegfried Buback fast zu dem Schluss kommen, dass es bestimmten Kreisen anscheinend nicht so unangenehm war, wenn auch der Fall Schleyer ungelöst bliebe.

    28. Folkher Braun schrieb am 29. Januar 2012 at 02:43 - Permalink

      So,

      und jetzt hätte ich gern den anschließenden Artikel von Herrn Sasse zu den Berufsverboten unter besonderer Berücksichtigung des aktuellen Artikels in der SZ.

    29. Carlo schrieb am 1. Februar 2012 at 12:01 - Permalink

      Leider mal zu spät, aber hoffentlich ohne Bestrafung.
      Der Stefan meint halt, so wie ich’s seh, das geht aweng vorbei, und er schreibt als
      Beamter dann a Bücherl drüber. Lasst’s ihn in Ruh, offenbar kann er net anners, so wie der
      Luther, der lüstige Mönch, der evangelische, mit dem sich gar noch vergleicht.
      Dennoch verkneife ich mir nicht: Eine so billige Absolution für schwerste Verbrechen hab ich von “vorgeblich Linker Seite” noch net gehört.
      Stefan, vielleicht kriegst hier auch amal a Mädel ab.
      ….hellau, ich bin so froh daß ich nicht evangelisch bin…..;-)))

    30. M. Boettcher schrieb am 2. Februar 2012 at 11:30 - Permalink

      Die 68er-Debatte ist ein Beispiel dafür, wie eine intensive Beschäftigung mit der Geschichte verheerende Folgen für die Gegenwart haben kann. Wir sollten dieses Buch in die Hände anderer legen und uns aktuellen Dingen zuwenden.

      Wer zum Teufel ist dieser Stefan Sasse und wie alt ist dieser Knabe? Die 60er Jahre und die Zeit danach kann er wohl kaum miterlebt haben und wenn doch, dann vermutlich im Zustand totaler Bewußtlosigkeit. Die noch vergleichsweise junge Geschichte der Bundesrepublick Deutschland war in dem 50- und 60er-Jahren geprägt von der großen Verdrängung der Schuld im sogn. 1.000-jährigen Reich. Geschichtsunterricht befasste sich intensiv mit jedem Scharmützel über ca. 2000 Jahre, die Zeit der Dikatatur in Deutschland liess man aus. Moralische Lehren aus der gar nicht so fernen Vergangenheit Fehlanzeige, dafür Betroffenheitsrituale wegen des schweren Loses der Brüder und Schwestern in der Gänsefüßchen-DDR und des Verlustes der Deutschen Ostgebiete. In den Schulen wurde zum 17. Juni nicht nur die Nationalhymne angestimmt sondern es wurden auch Leporellos der Vertriebenenverbände verteilt, die den verlorenen Teil Deutschland reklamierten, weil der doch 700 Jahre deutsch gewesen wäre. Die Frage, das Land die 700 Jahre davor gehörte, wurde übrigens nicht gestellt. Während man also einerseits die jüngere Vergangenheit, deren Folgen bis in die Gegenwart reichten, ignorierte, stellte man Forderungen und scheinheilige “Trauerarbeit” auf einen Zeitraum von ca. 30 Generationen ab. Führende politische Positionen waren von Altnazis besetzt, die Hand, die eben noch dem abfallen sollte, der wieder eine Waffe in die Hand nahm, griff dennoch erneut zu und wollte auch die Atombewaffung. Alex Möller hat den Geist jener Zeit einmal treffend zusammengefasst, als er der CDU in einer Haushaltsdebatte vorwarf, dass sich diejenigen, die die 2 Weltkriege und die nachfolgende Zeit zu verantworten hätten, der CDU nahestanden. Er fasse das in einem Satz mit 16 Worten und das war die knappste Beschreibung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland, die ich je gelesen habe.
      Als die junge Generation in den 60ern anfing den Eltern unangemehme Fragen zur jüngeren Vergangenheit und der Gegenwart zu stellen, kochte der Konflikt hoch und der Staat schlug so zurück, wie es die Führungskräfte des alten Reiches gelernt hatten: brutal. Die Folgen waren nicht nur Prozesse unter aberwitzigen Bedingungen wie in Stuttgart-Stammheim, Notstandsgesetze und Fahrzeugkontrollen mit bis an die Zähne bewaffneter Polizei. Nein, diese Politik ist bis heute spürbar, z. B. durch die in der Notstandverfassung durchdie erste Große Koalition geregelte Telefonüberwachung, sondern ist seit dem eines der Leitmotive der Politik: Kontrolle verstärken, Gesetze verschärfen, Freiheitsrechte abbauen. Kaum bietet sich einmal die Chance den heute noch lebenden oder gar aktiven Politikern der Zeit hinter die Maske zu sehen, ein Stück der Geschichte der Republik etwas transparenter zu machen und vielleicht sogar zu verstehen, da kommt ein Stefan Sasse und plädiert allen Ernstes für Verdrängung und Geschichtsvergessenheit. Wie man lesen kann, meint der wohl zu allem seine unwesentlichen Versatzstücke in die Öffentlichkeit pusten zu müssen. Das ist oft genug entbehrlich und relativ harmlos. Bei historischen Themn sollte er sich aber besser zurück halten, da er dazu erkennbar keinen Beitrag leisten kann.

      • Mod schrieb am 2. Februar 2012 at 12:46 - Permalink

        Die Folgen des Artikels sind dabei aber nicht unerheblich?, die Diskussion die daraus entstand, als Reaktion auf seinen Beitrag erfüllte ihren Zweck. Wenn Herr Sasse, der vielleicht wirklich nicht die 60 Jahre miterlebt hat und sich die Tragweite der damaligen Ereignisse, die sie oben gut sehr gut beschrieben haben und die sich bis Heute in 129a§, der Vorratsdatenspeicherung, etc.etc. fortsetzt, wird darüber spätestens jetzt dem ganzen einen anderen Stellenwert beimessen, beimessen können? Der Artikel war wichtig und um mit ihrem Mass zu messen, könnte bedeuten das man auf Tagesschau und Nachrichten in den ÖR ganz verzichtet? Im Gegenteil er ist Anstoß und Anlass genug, das sich Geschichte nur unter diesen Ereignissen rekonstruieren lässt um Gesetze oder Vorgaben des Staates, die bis Heute nichts weiter sind, als die Enteignungen der Bürger, zu verstehen! Wie ich schon mal geschrieben habe würde Herr Ackermann, nach eigener Aussage dem gleichen Schicksal erliegen die zum Tod des Deutsche Bank Chefs Herrhausen führten, es würde ausreichen so Ackermanns Behauptung, einen Schuldenerlass für Griechenland zu fordern!
        Die Selbstmorde in Stammheim, wenn ich mich richtig erinnere?, hatte Baader sich mit einem (aufgesetzten) Schuss in den Hinterkopf aus einer Distanz von 40cm selbst erlegt?, und Möller stieß sich das Messer ca. 4-5 mal in die Brust,o.ä.? Geben immer noch Anlass zur Sorge? Die geschaffenen juristischen Instrumente wie der EU-Haftbefehl oder in Amerika der NDAA, sowie auf nationaler Ebene die oben beschriebenen, sind nichts weiter wie die Bausteine, die benötigt werden um die Bevölkerung zu einer unkritische Masse zu formen, damit sie Kritiklos der neoliberalen Ausrichtung der EU-Verfassung folge leistet!

    31. Folkher Braun schrieb am 2. Februar 2012 at 22:57 - Permalink

      Moin,

      nicht nur Stammheim ist nach meinen Meinung ungeklärt. Auch Rohwedder in Düsseldorf ist es. Und der Selbstmord der NSU- Typen ist ja so was von eindeutig … Wird noch interessant in diesem unserem Lande. Aber Stefan Sasse sollte jetzt erst einmal Berufsverbote beackern, wegen Willy und so.

      gruß f

      • schwitzig schrieb am 3. Februar 2012 at 05:39 - Permalink

        Und der Selbstmord der NSU- Typen ist ja so was von eindeutig … Wird noch interessant in diesem unserem Lande.

        Nö, das wird wie üblich gehandhabt: In 40 Jahren stellt sich “überraschend” heraus, dass die “VERSCHWÖRUNGTHEORIEN” tatsächlich Praxis waren und dann kommt irgendein Sasse dahergelaufen und skandiert, dass man mal die “Kirche im Dorf lassen” und “nach vorne” sehen solle.


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