Israel, Iran und die USA sind die unbeliebtesten Länder der Welt
08. März 2007 von Spiegelfechter - Drucken
Kosmopolite US-Amerikaner geben sich im Ausland gerne als Kanadier aus - vielleicht sollten sich Israelis bald als Japaner ausgeben. Eine weltweite Umfrage des BBC-World Services ergab, was man immer schon ahnte - Israel, die USA und Iran sind die weltweit unbeliebtesten Staaten. Ein in der arabischen Welt durchgeführte Umfrage hatte bereits die USA und Israel als Antipathieträger geoutet. Nun gut – das die beiden Staaten in der arabischen Welt unbeliebt sind, ist nicht weiter verwunderlich, die BBC-Umfrage befragte allerdings 28.000 Teilnehmer in 27 Staaten. Befragt wurden jeweils rund 1000 Teilnehmer in den USA, Kanada, Mexiko, Indien, den Philippinen, Süd-Korea, Australien, Indonesien, China, Nigeria, Kenia, Russland, Italien, Großbritannien, Frankreich, Portugal, Griechenland, Deutschland, Polen, Ungarn, den VAE, Libanon, Ägypten und der Türkei.

Die Hitliste der Staaten, die negativ gesehen werden, führt Israel mit 56% an, gefolgt von Iran mit 54%, den USA mit 51% und Nordkorea mit 48%. Am beliebtesten sind Kanada und Japan (beide 54%). Knapp dahinter folgt die EU mit 53% und Frankreich mit 50%. Weitere Staaten, die zur Wahl standen, waren Großbritannien, China, Indien, Russland und Venezuela. Rund ein Viertel der Befragten verweigerte die Antwort.

Israel ist nicht nur das unbeliebteste Land, sondern wird in 23 der befragten 27 Länder, von mehr als der Hälfte der Befragte negativ gesehen – Iran in 21, die USA und Nord-Korea in 20 Ländern. Besonders negativ wird Israel in den arabischen Staaten gesehen, was wohl wenig verwundert (in der Türkei sehen nur 2% der Befragten Israel positiv). 85% der befragten Libanesen, 78% der Ägypter und 76% der Türken sehen Israel vorwiegend negativ. Aber auch in der EU ist Israel sehr unbeliebt – 77% der Deutschen und rund zwei Drittel der befragten Griechen, Franzosen, Britten sehen Israel negativ. Ebenso wie 72% der Brasilianer, 71% der Indonesier und 66% der Australier. Positiv wird Israel in Nigeria (45%), den USA (41%) und Kenia (38%) gesehen.
Iran ist vor allem in Europa unbeliebt (Frankreich 86%, Italien 84%, Deutschland 78 %, Portugal 77% und Großbritannien 76%). Bemerkenswert ist, dass in den USA Iran mit 63% wesentlich weniger verhasst ist, als in einer ähnlichen Umfrage, die die BBC im Herbst 2005 durchgeführt hat; damals mochten 81% der Befragten den Iran nicht. Die PR der Bush-Regierung scheint nicht mehr zu funktionieren. Die Angst vor einem Krieg, in dem tausende Amerikaner wohl in einem Zinksarg ins Land of the Brave zurückkämen, scheint die negativen Assoziationen mit Iran aufzuweichen.
Nord-Korea ist vor allem in Nordamerika, Europa, Australien und (welch Wunder) in Süd-Korea unbeliebt. Fast 90% der Deutschen und Australier hatten eine negative Meinung über Nord-Korea. Eher positiv sehen Nord-Korea die Libanesen (38% positiv, 27% negativ), die Türkei (31%/22%), Nigeria (42%/28%), Indonesien (40%/37%) und Indien (26%/18%).
Japan wird vor allem in Indonesien (84% Zustimmung), Kenia (74%), Kanada (74%) und den Philippinen (70%) positiv gesehen, in Süd-Korea (58% Ablehnung) und China (63%) wird Japan negativ gesehen, kein Wunder, betreiben japanische Politiker doch momentan eine Rechtfertigungspolitik gegenüber den Kriegsverbrechen im zweiten Weltkrieg – so etwas kommt natürlich nicht gut an.
Die EU wird in 24 von 27 befragten Staaten von mehr als der Hälfte der Befragten positive gesehen – besonders beliebt ist die EU in Kanada, Chile und Südkorea. Eher negativ wird sie von der Türkei (30%/32%), Ägypten (10%/33%) und Brasilien (31%/38%) gesehen. Frankreich wird vor allem in der EU (mit Ausnahme von Polen (51%) sehr positiv gesehen. Unbeliebt ist Frankreich in der Türkei (69%/9%) und der USA (41%/38%) – hier spielt die Ablehnung des Irak-Krieges durch die Franzosen wohl immer noch eine Rolle; und Frankreich symbolisiert für die Amerikaner wohl auch die europäische Arroganz, die John Sixpack verurteilt.
Einer der Designer der Studie, Steven Kull vom „Program for International Policy Attitudes“ (PIPA) fasst diese Ergebnisse mit der Neigung der betreffenden Staaten, militärische Lösungen für transnationale Probleme zu bevorzugen und Aussenpolitik eher mit der harten Hand zu betreiben als diplomatische Wege zu bevorzugen. Staaten, die diplomatische Mittel bevorzugen, würden von der Weltöffentlichkeit positiver gesehen.
Die EU scheint ihre Aussenpolitik also recht gut zu verkaufen. Ihr einen Friedenswillen anzudichten, ist wohl eher durchdachte PR als politische Doktrin. Das die EU z.B. im Nahostkonflikt diplomatischen Druck auf Israel ausüben würde, ist wohl eher Wunschdenken – aber dies ist es, was über die Medien gestreut wird. Hinter die Kulissen blicken nur die wenigsten. Daher kann man die Ergebnisse der Studie auch als Gradmesser für die Macht der internationalen Medien heranziehen.
Die Umfrage ist hier als PDF-Datei erhältlich.
Jens Berger
















































































Moin,
bisschen unübersichtlich, die vielen Zahlen.
Da kann man viel hineininterpretieren.
Iran soweit vorne, keine Atommacht und noch nie einen Angriffskrieg in der Neuzeit geführt, da scheint doch was zu wirken, propagandatechnisch.
Pax
OT: schreibst du hierzu:http://blog.kairaven.de/archives/1304-Russlands-Stachelrochen.html
und bezüglich russischer Bomberpatroullien etc. auch noch was in kürze?