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  • Fatale Weichenstellung – Brüssel erklärt das deutsche Modell zum Vorbild für Europa

    geschrieben am 15. Februar 2012 von Spiegelfechter

    Um ökonomische Ungleichgewichte innerhalb der EU abzubauen, baut die EU-Kommission in diesem Jahr ihren Stabilitätspakt aus und erweitert dabei die Zahl der Indikatoren von zwei auf zehn. Künftig spielen beispielsweise auch Außenhandelsüberschüsse eine Rolle bei der Bewertung, ob ein Land die ökonomische Stabilität der EU gefährdet. Was sich in der Theorie ursprünglich sehr gut anhörte, ist jedoch dank der massiven Einflussnahme Deutschlands in der Praxis zu einer einzigen Farce geworden, wie der gestern veröffentlichte „Alarmbericht“ zeigt. Anstatt Ungleichgewichte abzubauen, nutzt die EU-Kommission die zehn Indikatoren dazu, die Mitgliedsstaaten anzuhalten, Löhne zu senken, den Arbeitsmarkt zu deregulieren und den Einfluss des Staates immer weiter zurückzufahren. Europa soll keine Ungleichgewichte abbauen, sondern deutscher werden.

    Auf den ersten Blick erscheint es so, als hätte es sich mittlerweile sogar bis zur Europäischen Kommission herumgesprochen, dass die EU nur dann zu einem erfolgreichen und vor allem stabilen Wirtschaftsraum werden kann, wenn es der Politik gelingt, die wirtschaftlichen (makroökonomischen) Ungleichgewichte abzubauen. Der erste Blick täuscht jedoch. Wenn man sich die Grenzwerte der zehn Indikatoren des Frühwarnsystems der Kommission anschaut, kommt man nicht um die Erkenntnis herum, dass hier Ungleichgewichte sehr einseitig ausgelegt werden. So gilt beispielsweise ein Leistungsbilanzdefizit von mehr als vier Prozent des Bruttoinlandprodukts als problematisch, während auf der anderen Seite ein Leistungsbilanzüberschuss erst ab sechs Prozent des Bruttoinlandprodukts als Problem gesehen wird. Diese willkürliche Aufstellung der Grenzwerte ist natürlich kein Zufall, Deutschland gilt mit seinen 5,9% dank des erhöhten Grenzwerts für Überschussstaaten gerade noch als unproblematisch. Dass es überhaupt zu einer derart grotesken Verschiebung der Grenzwerte kommen konnte, ist einzig und allein der massiven Einflussnahme Wolfgang Schäubles zu verdanken, der der EU-Kommission bereits im letzten November die Pistole auf die Brust gesetzt hat.

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    88 Kommentare Print This Post
    Um ökonomische Ungleichgewichte innerhalb der EU abzubauen, baut die EU-Kommission in diesem Jahr ihren Stabilitätspakt aus und erweitert dabei die Zahl der Indikatoren von zwei auf zehn. Künftig spielen beispielsweise auch Außenhandelsüberschüsse eine Rolle bei der Bewertung, ob ein Land die ökonomische Stabilität der EU gefährdet. Was sich in der Theorie ursprünglich sehr gut ...
    Tags: Europa Sparen Volkswirtschaft
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    88 Kommentare:

    1. Uli schrieb am 15. Februar 2012 at 16:45 - Permalink

      Mal etwas ganz anderes:
      Müssen hier wirklich NEUN Werbeflächen stehen, davon einer animiert und zusätzlich zwei “hier könnte Ihre Werbung” stehen? “Parship”, “die freundin im Abo”, Outdoor Bekleidung, Versandapotheke, Handy Preisvergleich, Kontaktlinsen WTF?!

      Ich hatte mir vor einiger Zeit mal vorgenommen Adblock auf Seiten die ich gerne lese zu deaktivieren, aber das ist ja echt ausgeufert hier, zumal die Qualität in der letzten Zeit nicht gestiegen ist. Dann lieber wieder Affiliate Links von den Amazon Kinderfressern.

      • Spiegelfechter schrieb am 15. Februar 2012 at 16:50 - Permalink

        Jo mei. Spenden will ja keiner, da bleibt halt nur Werbung.

        • Uli schrieb am 15. Februar 2012 at 17:24 - Permalink

          Was auch nicht viel bringt, wenn der Großteil der User entnervt den Adblocker anschaltet. Die Diskussion ist dir vielleicht entgangen aber viele sehen all die Gruselwerbung längst nicht mehr:
          http://t3n.de/news/adblock-plus-akzeptable-werbung-erhaltung-kostenlosen-348375/

          Andere Webmaster gehen inzwischen in die Richtung “Acceptable Ads”, hier setzt man weiterhin auf “viel hilft viel” und zappelnde Banner. Wirklich schade.

          • Spiegelfechter schrieb am 15. Februar 2012 at 17:36 - Permalink

            Was auch nicht viel bringt, wenn der Großteil der User entnervt den Adblocker anschaltet.

            Warum soll das nicht “viel” bringen? Ich habe ja das Glück, dass ich die Zahlen kenne und daher auch ungefähr den Anteil der Adblock-Nutzer kenne – er ist viel niedriger, als Du denkst.

            Die Diskussion ist dir vielleicht entgangen aber viele sehen all die Gruselwerbung längst nicht mehr:

            Die “Diskussion” ist mir nicht entgangen. Letzten Endes führt dies in letzter Konsequenz dazu, dass Angebote, die a) nicht konform zu den Konsumwünschen der ganz großen Werbekunden sind oder b) nicht durch andere Träger finanziell alimentiert werden, aus dem Netz verschwinden.

            Andere Webmaster gehen inzwischen in die Richtung “Acceptable Ads”, hier setzt man weiterhin auf “viel hilft viel” und zappelnde Banner. Wirklich schade.

            Wenn Du mir zahlende Werbekunden beschaffst, die “Acceptable Adds” schalten, würde ich das auch machen. Leider gibt es diese Werbekunden jedoch nicht. Und ich halte zumindest die statischen Banner in der Sidebar sehr wohl für acceptable. Wer die Flash-Banner nicht mag, kann sie gerne blocken. Wesentlich wirkungsvoller als Adblocker sind hier übrigens die umfangreichen hosts-Dateien, die man an einigen Ecken im Netz finden kann und die nicht nur Werbung, sondern auch sämtliche Tracker blockieren.

            • Manu schrieb am 15. Februar 2012 at 21:05 - Permalink

              Apropos:

              Wesentlich wirkungsvoller als Adblocker sind hier übrigens die umfangreichen hosts-Dateien, die man an einigen Ecken im Netz finden kann und die nicht nur Werbung, sondern auch sämtliche Tracker blockieren.

              Besser wäre es, wenn der Webmaster etwas mehr Wert auf Datensparsamkeit legen würde und dem Wunsch der User nach Datenschutz nachkommen würde. Warum muss es auf dieser Seite zig Third-Party-(potentielle-Tracking-)Scripts geben? Bei NoScript füllt die Liste der blockierten Scripts bei mir fast den halben Bildschirm.
              Noch gravierender finde ich allerdings die direkte Einbindung des facebook-Gefällt-Mir-Buttons. Schon gewusst? Dieser überträgt Daten über ALLE Besucher deiner Webseite. Man muss diesen Button dazu gar nicht anklicken, er sendet trotzdem. Wenn jemand ein facebook Konto hat und deine Webseite besucht, dann weiß facebook das. Dank des Cookies sogar auch dann, wenn man gerade nicht eingeloggt ist. Da mittlerweile fast jede Seite diese sch** Gefällt-Mir-Buttons einbindet, kann facebook so relativ vollständige Surfprofile von seinen Mitgliedern erstellen.
              Alternativen dazu gibt es viele. Ich verweise an dieser Stelle mal auf die 2-Klick-Lösung von heise: http://www.heise.de/ct/artikel/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html

              Und hier noch ein paar Hintergrund-Infos: http://www.heise.de/security/artikel/Das-verraet-Facebooks-Like-Button-1230906.html

              P.S. Diese Info kannst du ruhig auch mal an deine Kollegen von den NachDenkSeiten weiterleiten. Ich hatte den Webmaster der NDS vor Monaten mal dazu angeschrieben und auch eine positive Antwort erhalten, doch seit dem ist nichts mehr geschehen.

            • Spiegelfechter schrieb am 15. Februar 2012 at 21:24 - Permalink

              Schon gewusst?

              Ja, aber ich bin nun mal ein Schreiberling und kein Techniker. Ich schaue mir das morgen aber mal an … versprochen ;-)

    2. HHarlekin schrieb am 15. Februar 2012 at 17:00 - Permalink

      Hallo, Jens Berger,

      ein interessanter, spannend zu lesender Artikel zum brandaktuellen Thema, welcher diesen Vorgang auch mE erfolgreich versucht, allgemeinverständlich zu erklären – mal wieder ein Text, den ich gut weiterempfehlen kann.

      Frage: Sind “WIR” wirklich wieder Exportweltmeister? Ich dachte, “WIR” hätten uns nur den VIZE wieder zurückgeholt? Ist mir die Info entgangen?
      Zustimmung zur Darstellung dieses absurden Theaters. Es ist Wahnsin.

      Und dann noch dieses Dejavu: Vor Jahren las ich mal HW Unrat… äh…Sinns “Ist Deutschland noch zu retten?”, in dem all das, was du für die EU-Länder an Feststellungen und Maßnahmen aufzählst, drinsteht, nur damals auf Deutschland bezogen (Forderungen nach Lohnsenkungen, generelle Kostensenkungen für die Wirtschaft, Exportfixierung etc…), inkl. der Behauptung “Warum es auf den Binnenmarkt nicht ankommt” – nun kommt der ganze Mist europaweit – die sind offenbar wirklich der Meinung, daß es auch auf den/die europäischen Binnenmarkt/märkte überhaupt nicht ankommt, und wenn die ganze Welt irgendwann so tickt, werden nach deren Logik eben Märkte auf Mars und Venus erschlossen… ;-)

      Eine weitere Dimension neben der, daß alle anderen so handeln sollen wie D, ist ja die, daß es so klingt (wie du es darstellst), als solle der status quo, also die deutsche Position und die (vermeintlich) davon abgeleitete deutsche Führungsrolle eingefroren werden, da wären Verbesserungen der Lebensverhältnisse (z. B. Lohnerhöhungen) in anderen EU-Ländern aus deutscher Sicht ja kontraproduktiv – Igitt, da hab ich über den Kauder-Spruch doch letztens noch gelacht…

      Noch eine Frage: Willst du mit dieser klaren, ungeschönten Darstellung gerade dieser riesigen Dimension uns Leser in die Verzweiflung treiben? ;-)
      Ok, nicht ganz ernst gemeint…

      Jedenfalls herzlichen Dank für diesen Text

      Freundliche Grüße

      • Spiegelfechter schrieb am 15. Februar 2012 at 17:06 - Permalink

        Wir sind Weltmeister in der Kategorie “Exportüberschüsse”, die ich auch für relevanter halte. Bei den absoluten Exporten haben uns China und auch die USA überholt – aber diese Staaten sind natürlich auch ungleich größer.

        Die Parallelen zu Sinn sind natürlich nicht zufällig. Sinn ist nun einmal der große neoliberale Lautsprecher.

        • HHarlekin schrieb am 15. Februar 2012 at 19:33 - Permalink

          Danke für die Antwort, klingt auch logischer.
          Es war die Formulierung “Es ist schon mehr als paradox, dass ausgerechnet der Exportweltmeister dafür ermahnt wird, dass seine Exportanteile rückläufig sind.”, bei der ich stutzte.

          Grüße

        • Shitop schrieb am 16. Februar 2012 at 13:38 - Permalink

          Der deutsche “Exportweltmeister” wird ja noch viel schräger, wenn man ein wenig hinter die Kulissen blicken kann. Zahlreiche Produkte, die das “Made in Germany” tragen, sind mitnichten hier produziert. Die werden billig außerhalb der EU gefertigt und in Deutschland erhalten sie die letzte Schraube und das Markenlogo. Damit gewinnt das Produkt gewaltig an Wert. Die Statistik kann dieses Vorgehen nicht eindeutig abbilden und so läuft das Märchen vom Exportweltmeister weiter wie ein alter VW Käfer.

    3. Bayer schrieb am 15. Februar 2012 at 17:11 - Permalink

      Ich hätte mal eine Frage zu einer These, die im Zusammenhang mit den Exporten/Importen immer wieder vertreten wird: Angeblich seien unsere Exportüberschüsse nicht etwa dem Lohndumping zuzuschreiben, sondern die sehr viel bessere Qualität dt. Produkte, und deshalb habe Deutschland so hohe Leistungsbilanzüberschüsse. Dass das Lohndumping Hauptursache ist, ist mir klar. Liege ich da richtig in der Annahme, dass dieser Qualitätsvorteil (sofern er überhaupt besteht) in die Berechnung der Produktivität miteinfließt, sodass auf diesem Wege der “Vorteil” einkassiert werden müsste? Denn die Lohnpolitik sollte sich ja am besten an der Produktivitätsentwicklung orientieren.

      • Spiegelfechter schrieb am 15. Februar 2012 at 17:49 - Permalink

        Das ist natürlich eine Frage, die man nicht pauschal beantworten kann. Es hängt natürlich auch von Lohnkostenanteil ab. Bei einer High-Tech-Maschine machen die Lohnkosten vielleicht nur 10% der Gesamtherstellungskosten aus. Energieintensive Produkte (sofern sie überhaupt noch in D hergestellt werden) sind z.B. abhängig von den Energiekosten. So muss ein Automobilzulieferer (Gummidichtungen) bei mir in der Nachbarschaft vielleicht schließen, weil er nicht mehr mit der Konkurrenz in der Türkei mithalten kann – nicht wegen der Lohnkosten, sondern wegen der exorbitant hohen Stromkosten hierzulande.

        Das ist aber die Betriebsebene, gesamtwirtschaftlich geht es weniger um die absolute Menge der Exporte, sondern vielmehr um die Differenz zwischen Exporten und Importen – den Außenhandels- bzw Leistungsüberschuss. Der hängt ganz klar mit den schlechten Löhnen zusammen. Wenn die Leute mehr Geld in der Tasche hätten, würden sie mehr Güter konsumieren, was die Zahl der Importe steigen ließe. Dann wäre die Differenz zwischen Exporten und Importen geringer, das Handels- und Leistungsbilanzdefizit würde sinken. Darauf kommt es an.

        • Bayer schrieb am 15. Februar 2012 at 18:04 - Permalink

          Erstmal schönen Dank, aber ich hätte die These, die da immer wieder vertreten wird, deutlicher formulieren sollen: die Leute, die das vertreten, argumentieren, dass die dt. Produkte im In- und Ausland eben schon allein aufgrund der besseren Qualität mehr gekauft werden, und dass deshalb so ein Überschuss auftritt. Sprich, sie würden auch mit mehr Geld in der Tasche die dt. Produkte kaufen, eben aufgrund des Qualitätsvorteils, und deshalb entstehe der Überschuss. Ich weiß (auch durch die Empirie), dass die Lohnstückkosten die entscheidende Stellgröße sind. Ich bin halt auf der Suche nach einer stringenten Widerlegung des Qualitäts-Urteils bzw. an einer Einordnung in den gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang.
          Vielen Dank für die Infos, wenn ich vielleicht auch etwas nerve.

          • Spiegelfechter schrieb am 15. Februar 2012 at 18:15 - Permalink

            Sagen wir es mal so: Die hohe Qualität ist (neben der geographischen Position/Nähe zu den Märkten) der entscheidende Grund dafür, warum Unternehmen trotz relativ (zu Schwellenländern) hoher Lohnstückkosten in Deutschland produzieren. Vor allem bei vielen mittelständischen Betrieben sind die Löhne auch durchaus ordentlich – dort besteht die Gefahr eher darin, dass die guten Tariflöhne durch Leiharbeit unterlaufen werden. Ich würde das mal so ausdrücken: Wenn alle Sektoren in D ein ähnliches Lohnniveau wie der Exportsektor hätten, hätten wir auch kein Problem mit der Binnennachfrage.

            Genau das ist ja auch das große Paradoxon der Schröderschen Reformen. Nun haben wir – um internationale wettbewerbsfähig zu sein – einen Niedriglohnsektor geschaffen, der vor allem die Bereiche betrifft, die überhaupt nicht im internationalen Wettbewerb stehen. Kein Wachmann, keine Friseuse, keine Gesundheitsassistentin, kein Koch, kein Zimmermädchen etc. pp. steht im Wettbewerb zu Ostasien oder Osteuropa.

        • HW schrieb am 15. Februar 2012 at 20:12 - Permalink

          @SF : “Der hängt ganz klar mit den schlechten Löhnen zusammen. Wenn die Leute mehr Geld in der Tasche hätten, würden sie mehr Güter konsumieren, was die Zahl der Importe steigen ließe. Dann wäre die Differenz zwischen Exporten und Importen geringer, das Handels- und Leistungsbilanzdefizit würde sinken. Darauf kommt es an. ”

          Das ist sicherlich nicht jedem Bürger in diesem Lande verständlich. Solange ein Job vorhanden ist, das Einkommen gut und immer frisches Brot an der Theke liegt, solange hält der Spruch ” Deutschland geht es gut”.

          Mir persönlich bringt dieser Artikel nur die Erkenntnis dessen, was ich seit geraumer Zeit an Wissen habe, leider kann ich es nicht teilen, da die offenen Ohren kaum vorhanden sind. Aber so ist es nun mal, die Realität ist bei den Menschen nicht angekommen wie auch der Aufschwung.

          Mit Geld läßt sich nun mal konsumieren, daran kein Zweifel. Der Irrweg in Griechenland läßt Böses ahnen, wie es den anderen Ländern ergehen wird.

      • Peleo schrieb am 15. Februar 2012 at 18:17 - Permalink

        Außerdem wird argumentiert (vom DIW z. B.), dass in der Exportindustrie ja schon hohe Löhne gezahlt werden. Daher könne in diesem Zusammenhang keine Rede von “Lohndumping” sein. Folglich sei der Exportüberschuss allein auf die höhere Attraktivität der deutschen Produkte zurückzuführen.

        Auch bei arte gestern wurde so argumentiert. Die Wohlhabenden in den Abnehmerländern hätten halt lieber einen BMW als einen Peugeot., schon wegen Image und Prestige und so.

        • Spiegelfechter schrieb am 15. Februar 2012 at 18:24 - Permalink

          Genau das ist ja auch falsch. Selbst wenn man diese Argumentation gelten ließe, so erklärt dies die absolute Höhe der Exporte aber nicht(!) den Exportüberschuss. Man kann auch statt Exportüberschuss von Importdefizit reden – aber das hört sich natürlich nicht so toll, beschreibt aber exakt das Gleiche. Ein Importdefizit baut man ab, indem man mehr importiert. Und wie macht man das? Man konsumiert mehr. Und wie geht das? Man gibt den Leuten mehr Geld, mit dem sie konsumieren können.

          Auch die Geldströme des Unternehmens-Sektors spielen hier eine Rolle. Hätte Deutschland eine solidere Binnennachfrage, würden sich auch die Direktinvestitionen erhöhen und das Nettoauslandsvermögen würde sinken. Das hängt alles miteinander zusammen.

          • T-Fighter schrieb am 15. Februar 2012 at 21:16 - Permalink

            Aber Überschüsse beziehen sich doch auch auf die betrachteten Länder. Wir können doch nicht davon ausgehen, dass der Konsum auf Importprodukte fällt PLUS dann auch noch auf die richtigen Defizit-Länder wie Griechenland. Und wenn wir vermehrt entweder aus Schweiz, China oder Schweden Güter kaufen, dann bringt das Griechenland herzlich wenig.

            Außerdem ist der Abzug von Investitionen von den Südländern zurück nach Deutschland nichts Positives für diese Länder. Weder für Arbeitsplätze noch für die Bilanz..

            • Spiegelfechter schrieb am 15. Februar 2012 at 21:28 - Permalink

              Sicher, steuern lässt sich das natürlich nicht. Würde der Import steigen, würde jedoch auch tendenziell(!) der Import aus den den Defizitländern steigen – vor allem Frankreich und Italien haben ja genau die Güter im Portfolio, die man sich gerne kauft, wenn man mal etwas mehr Geld in der Tasche hat.

        • Lutz Hausstein schrieb am 16. Februar 2012 at 12:10 - Permalink

          Außerdem wird argumentiert (vom DIW z. B.), dass in der Exportindustrie ja schon hohe Löhne gezahlt werden. Daher könne in diesem Zusammenhang keine Rede von “Lohndumping” sein. Folglich sei der Exportüberschuss allein auf die höhere Attraktivität der deutschen Produkte zurückzuführen.

          [...] Die Wohlhabenden in den Abnehmerländern hätten halt lieber einen BMW als einen Peugeot. [...]

          Danke für das Beispiel BMW. Auch an diesem Beispiel (gleichfalls aber auch bei vielen anderen wie Porsche, Mercedes etc. – aber auch anderen exportorientierten Branchen) der exportstarken Industrie lässt sich doch verdeutlichen, dass eben keineswegs nur hohe Löhne bezahlt werden. Seit Jahren beschäftigen BMW, Porsche und Mercedes (um nur bei diesen Beispielen zu bleiben) Hunderte und Tausende von Leiharbeitern in ihren Werken. Damit senken sie natürlich (in der Summe) auch ihre Lohnkosten.

          BMW darf zunächst 33 Produktionsarbeiter in seinem Werk in Leipzig weiter als Leiharbeiter beschäftigten. Das hat das Leipziger Arbeitsgericht am Mittwoch entschieden. Der Automobilkonzern will alle rund 1.100 Leiharbeiter zu den bisherigen Bedingungen weiter beschäftigen. Dafür braucht er die Zustimmung des Betriebsrats. Dieser lehnte jedoch ab und forderte eine Festanstellung der teilweise schon mehrere Jahre im Leipziger Werk tätigen Leiharbeiter zu Tarifbedingungen. BMW reichte wegen des Neins Klagen ein und bekam jetzt im ersten von insgesamt neun Verfahren recht. In den Verfahren sind die Leiharbeiter jeweils nach Beschäftigungsgruppen eingeteilt. Am Mittwoch ging es zunächst um die Arbeitsverhältnisse der 33 Arbeiter aus dem Produktionsbereich. [...]

          Quelle: MDR

          So gänzlich stimmt also die These der hohen Löhne in den exportstarken Industriezweigen auch nicht. Die Firmen haben auch dort schon lange 2 oder 3 verschiedene Beschäftigten-Kategorien in ihren Werken aufgebaut, welche parallel nebeneinander existieren. Die Lohnunterschiede liegen übrigens, bei meinen letzten diesbezüglichen Recherchen, bei bis zu 50 Prozent.

          Beispiel Porsche

        • Lutz Hausstein schrieb am 16. Februar 2012 at 12:46 - Permalink

          Zusatz.

          Lohndumping ist aber wieder nur ein Punkt in der breiten Palette. Gerade Subventionenspolitik macht einen weiteren Teil des Kuchens aus. Der wie selbstverständlich hauptsächlich den großen Konzernen zugute kommt, während kleine und mittlere Unternmer in die Röhre schauen.

          [...] Allein im vergangenen Jahr verkaufte Porsche gut 118.000 Autos, über 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Gewinn: 1,5 Milliarden Euro. [...]

          Doch trotz satter Gewinne möchte das Unternehmen jetzt Staatshilfen für den Ausbau des Werks in Leipzig – Subventionen finanziert aus Steuermitteln. Der sächsische Wirtschaftsminister Sven Morlok – ausgerechnet von der Steuersparpartei FDP – unterstützt dieses Vorhaben: „Wir investieren in die Zukunft des Freistaates Sachsen. Uns ist wichtig, dass Porsche sich entschieden hat, diese 1.000 Arbeitsplätze in Sachsen zu schaffen und deswegen unterstützen wir gerne.“ [...]

          [...]

          Doch in Sachsens Hauptstadt Dresden wird das ganz anders gesehen. Die Subventionen für Porsche sind offenbar kein Problem. Sachsen geht es gut. Die Schulden sind bundesweit auf einem Tiefstand, die Wirtschaft floriert und der Export steigt. Auch andere hochprofitable Unternehmen kassierten bereits Fördergelder: Für die Gläserne Manufaktur in Dresden bekam VW 145 Millionen Euro und BMW bekam für sein Werk in Leipzig 363 Millionen.

          [...]

          Porsche erklärt auf unsere Anfrage, dass der Vorstand die Porsche-Standorte langfristig absichern und ausbauen will. Deswegen habe man die Gelder beantragt. Übrigens: Die Werksfläche von Leipzig war schon von Beginn an, also schon bei Entstehung des ersten Werks auf die heutige Erweiterung ausgelegt, wie plusminus erfuhr. Und ein Unternehmenssprecher bestätigt: Für das Werk habe man sich sowieso entschieden – völlig unabhängig von den Fördermitteln.

          Quelle: ARD PlusMinus

    4. Kaiserbubu schrieb am 15. Februar 2012 at 17:37 - Permalink

      Einfach schlimm. Jetzt soll also Europa am Deutschen Wesen genesen. Es gibt eigentlich neben vielen Künstlern nur ein Ereignis das vorbildlich für Europa und die Welt ist. Das war die friedliche Wiedervereinigung von Ost und West mit dem Fall der Mauer. Selbst die Unsummen die für den Aufbau Ost zu den Schulden geführt haben sind gute Schulden und kein Problem. Ja, wir haben die Stabilitätskriterien immer gerissen und sind damit gut gefahren.
      Heute ist Deutschland Zuchtmeister ohne Gnade und dumm. Denn Griechenland liegt am Boden und kann sich mit der von Deutschland verordneten Sparpolitik niemals mehr erholen. Das ist aber das Vorbild für Brüssel und die Europa Politik. Wie blöd sind die Anderen , dass sie sich das von Deutschland gefallen lassen und nicht merken wohin die Reise geht?
      Nein, Deutschland war auf einem guten Weg. Nach dem zweiten Weltkrieg war Bescheidenheit und Demut Stil deutscher Politik. Jetzt spricht man Deutsch und wird großkotzig. Ich schäme mich dafür. Europa hat besseres verdient.

      • Bastian Himberger schrieb am 15. Februar 2012 at 19:22 - Permalink

        Dann schäm Dich doch.

    5. klaus baum schrieb am 15. Februar 2012 at 17:54 - Permalink

      Vor über einer Woche hörte ich einen Griechen auf Deutschlandfunk folgendes sagen: Deutschland müsste europäischer werden und nicht Europa deutscher. Die Verdeutschung Europas zieht uns alle immer tiefer … in den Schlamassel.

      Dieser Tage sah ich eine griechische Karikatur.Merkel im Vordergrund, im Hintergrund stand das Wort Deutschland an der Wand, und zwar so:

      dEUtschland

      • Spiegelfechter schrieb am 15. Februar 2012 at 18:01 - Permalink

        Das war ein schlauer Grieche. Genau das ist nämlich der Punkt.

      • Jacques Roux schrieb am 15. Februar 2012 at 19:18 - Permalink

        Die Griechen haben nichts mehr zu melden, sie stehen endgültig unter unserem Protektorat. Erst die abgeblasene Volksabstimmung und nun das:

        Die Wahl könnte zu einem politischen Erdbeben in Athen führen. Umfragen deuten darauf hin, dass die regierenden Sozialisten verheerende Verluste erleiden werden. Sie gelten als Architekten der unpopulären Sparpolitik. Aber auch die mitregierenden Konservativen dürfen auf keine absolute Mehrheit hoffen. Radikale Parteien von links und rechts könnten dagegen die großen Gewinner sein. Daher stellt sich für die Griechenland-Retter die Frage, wer nach den Wahlen das Land regiert – und das Sparprogramm umsetzt.
        Schäuble erinnerte in einem Interview des Radiosenders “SWR 2″ daran, dass sich in Irland und Portugal, die ebenfalls von den Euro-Partnern finanziell aufgefangen werden mussten, die Opposition zu Reformen verpflichtet habe. Er bezeichnete das als “unerlässliche Bedingung” für die Gewährung neuer Finanzspritzen. Der Minister legte den Griechen vorsichtig nahe, den Wahltermin zu verschieben, indem er Italien als Vorbild pries. In Rom hätten die Parteien der Regierung von Mario Monti ein Jahr Zeit gegeben, um die nötigen Reformen umzusetzen.
        Die Verschiebung der Wahlen gehörte bislang nicht zu den Bedingungen der Euro-Partner für die Griechen, wohl aber ein schriftliches Bekenntnis der Regierungsparteien zu den Sparauflagen der Geldgeber von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF).

        http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:schuldenkrise-schaeuble-baut-neue-huerden-fuer-griechenland-rettung-auf/60169173.html

        Das schriftliche Bekenntnis haben sie mittlerweile gegeben.

        • tulle schrieb am 15. Februar 2012 at 21:04 - Permalink

          Ähnliches hat er kürzlich auch im heutejournal von sich gegeben, die Griechen sollten doch dieses (wörtlich) Parteiengeplänkel unterlassen und Italien hätte schließlich mit einer ungewählten Expertenregierung auch gute Erfahrungen gemacht. Man muß nicht einmal zwischen den Zeilen lesen bzw. hören, um herauszuhören was Hr. Schäuble von der Demokratie hält! Erinnert mich leider fatal an Bismarck mit seiner Quatschbude! Schockierend, wer da in diesem Land als Innenminister(!) fungiert! Ich bin kein Linker aber das schockiert mich einfach nur noch!

          • HHarlekin schrieb am 15. Februar 2012 at 21:14 - Permalink

            Innen WAR er mal, Finanzminister IST er, was sein Verhalten natürlich nicht besser macht. Innen grassiert der Bayer Friedrich, der mit dem anti-linken Tunnelblick, der bzgl. NSU keine Fehler beim Verfassungsschutz erkannte. Intellektuell kann der dem Schäuble nicht das Wasser reichen – ich weiß nicht, was schlimmer ist…

            Grüße

      • R@iner schrieb am 15. Februar 2012 at 20:46 - Permalink

        Thomas Mann, 1953: „Wir wollen ein europäisches Deutschland und nicht ein deutsches Europa.“

        • HHarlekin schrieb am 15. Februar 2012 at 21:01 - Permalink

          Schönes Zitat. Da möchte ich glatt ergänzen:
          “Europa muß, seinem Erbe getreu, einen neuen Humanismus verkörpern, als Hort der Menschenwürde und der sozialen Gerechtigkeit.”
          (Richard v. Weizäcker)

    6. Bruder Johannes schrieb am 15. Februar 2012 at 18:32 - Permalink

      Warum gibt es eigentlich keine Methode diesen Artikel unsern tollen Wirtschafts”führern” und Politikdarstellern intracerebral zu verabreichen?

      • Jacques Roux schrieb am 15. Februar 2012 at 19:08 - Permalink

        Warum gibt es eigentlich keine Methode diesen Artikel unsern tollen Wirtschafts”führern” und Politikdarstellern intracerebral zu verabreichen?

        Eine Methode gäbe es da schon, auf dem Weg zur Guillotine könnte man ihnen diesen Artikel zur endgültigen Verinnerlichung überlassen.

        • Bruder Johannes schrieb am 15. Februar 2012 at 19:40 - Permalink

          Charmante Idee. Allerdings fürchte ich, dass die Wirkung nicht lange anhalten wird. Nachhaltigkeit ist doch das Gebot der Stunde…

          • Jacques Roux schrieb am 15. Februar 2012 at 20:47 - Permalink

            Da seh ich nicht unbedingt einen Widerspruch, so eine “nachhaltige Eliten Verabschiedung”, wäre gewiss das Beste für Europa, wenn nicht sogar für die ganze Welt. ;-)

    7. R_Winter schrieb am 15. Februar 2012 at 18:56 - Permalink

      Nicht das Memorandum aus Brüssel ist ein “Alarmbericht”, sondern die Fakten in diesem Artikel.

      den Einfluss des Staates immer weiter zurück zu fahren. Europa soll keine Ungleichgewichte abbauen, sondern deutscher werden.

      Albrecht Müller schrieb in den NDS am 14.2.11

      Dringend, schrieb in den neunziger Jahren so ein mehr in Wirtschaftskreisen bekannter Experte, müsse der Staat an Macht verlieren. Dagegen sei Widerstand zu erwarten. Zu lösen sei das Problem, indem man beispielsweise Steuern senke. Man brauche „das Diktat der leeren Kassen“. Man brauche „ein Defizit, das als anstößig gilt“. so könne man den Staat beschneiden. Ganz unverblümt steht es da: Nicht aus Notwendigkeit solle der Staat machtloser und ärmer werden, sondern aus Prinzip.
      Der das schrieb, war kein Exot. Es war Herbert Giersch, ein vor anderthalb Jahren in hohem alter verstorbener Wissenschaftler, der jahrzehntelang als „Doyen der deutschen Volkswirtschaft“ galt. Er war Regierungsberater, Gründungsmitglied der „Fünf Wirtschaftsweisen“, Direktor des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, prägender Lehrbuchschreiber und Ausbilder mehrerer Generationen von Ökonomen, die heute in Banken, Verbänden, Unternehmen zu finden sind. Einer der führenden neoliberalen Wirtschaftswissenschaftler,

      Hierzu passt diese Meldung:

      In der FAZ vom 15.2.2011:
      2 Milliarden Entlastung für Unternehmen

      Der Staat blutet aus und die Gemeinden können ihre Aufgaben aus Geldmangel nicht mehr wahrnehmen. Sie sind mehr und mehr auf “Wohltaten” der örtlichen Banken angewiesen (wie es in unserer Gemeinde sehr deutlich wird). Die neoliberalen Finanzmafia übernimmt überall das Ruder und wir zahlen – nicht nur die Bürger in GR + Portugal.

      Der so genannte Alarmbericht der EU ist für 99% der Bürger nicht zu verstehen und bei unseren Abgeordneten dürfte es nicht viel anders aussehen.
      Die Abgeordneten machen sich selber mit den Vorgaben von “Experten” überflüssig und werden zu unnützen Grüßonkels und Grüßtanten a´la Wulff.

    8. Cheops schrieb am 15. Februar 2012 at 19:50 - Permalink

      Erbarmung. Auch Deutschland hat zwei Billionen Staatsschulden!

    9. zeno(bit) schrieb am 15. Februar 2012 at 21:48 - Permalink

      Die wahren Gründe für die Sparpolitik

      Als Kanzlerkandidatin hat Merkel Anfang 2005 in der Financial Times Deutschland einen sehr grundsätzlichen Aufsatz (“Das Prinzip der individuellen Freiheit”) veröffentlicht. In dem Text vertritt sie den Standpunkt Friedrich August von Hayeks (des bedeutendsten Vorkämpfers des Neoliberalismus): Die “historische Mission” von Hayeks Werk “Die Verfassung der Freiheit” sei mit dem “Zusammenbruch der sozialistischen Diktaturen” zu einem Teil erfüllt. “Der andere Teil ist dagegen heute Gegenstand heftiger Diskussionen. Denn die Vorzüge des Wohlfahrtsstaates werden in der politische Diskussion mehr denn je abgewogen gegen die daraus folgenden Probleme einer hohen Staatsverschuldung und einer Lähmung der wirtschaftlichen Antriebskräfte.” Ausführlich kritisiert sie in ihrem Beitrag den “ungezügelten Ausbau des Wohlfahrtstaates”.

      Auch wenn es sich fast nach einer Verschwörungstheorie anhört, glaub ich immer mehr das, was auch du in deinem Artikel ansprichst:

      Niemanden (in der Politik) geht es zur Zeit um die Lösung der Europrobleme, vielmehr werden die Schulden als riesiger Hebel für die Umsetzung der neoliberalen Politik mißbraucht. Erst wenn bei den meisten Länder das Staatsvermögen geplündert, die Arbeitsmärkte maximal dereguliert und die Löhne auf ein Minimum gedrückt sind, werden die Eurobonds und ähnliches kommen.

      Ich wollt es lange Zeit nicht wirklich wahrhaben, aber es gibt keine andere Erklärung und es scheint bei den jetzigen Regierungschefs und quer durch fast alle Parteien in Europa konsens zu bestehen. Das ist ziemlich depremiernd, da es (in allen Ländern) kaum Wahlalternativen gibt..

      Deswegen scheint auch die beständige Kritik (auch der Nachdenkseiten) an der Austeritätspolitik zur Krisenbewältigung eigentlich eher das Thema zu verfehlen..

      • Peleo schrieb am 15. Februar 2012 at 22:20 - Permalink

        Wenn ich das richtig sehe steht das nicht in ND oder Freitag, sondern in der ZEIT. Kann man das schon als Hoffnungsschimmer werten?

        • HHarlekin schrieb am 15. Februar 2012 at 22:28 - Permalink

          Schui in der Zeit werte ich ähnlich wie Wagenknecht in der FAZ, oder daß konservative Schreiber fragen: Haben die Linken vielleicht doch recht?
          Ich entscheide mich dafür, das als Hoffnungsschimmer sehen zu wollen.. ;-)

          Grüße

          • Peleo schrieb am 16. Februar 2012 at 09:00 - Permalink

            Und jetzt auch noch Straubhaar in der ZEIT

            ÖKONOM THOMAS STRAUBHAAR
            “Keine Chance gegen den Mainstream”
            Zu lange folgte die Ökonomie dem “angelsächsischen Herdentrieb” und ließ kaum Raum für Kritik, sagt HWWI-Direktor Straubhaar. Er fordert mehr Mut zu unabhängiger Analyse.

            http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-02/straubhaar-interview-oekonomie

            Man reibt sich die Augen.

            • HHarlekin schrieb am 16. Februar 2012 at 09:44 - Permalink

              Ja, der Straubhaar :-D, man fragt sich, ob er beim Ansehen des eigenen Spiegelbildes zunehmend Brechreiz bekommt…
              es ist nicht das erstemal, daß, wenn auch weiche, “kritische” Äußerungen von ihm kommen, gerade DEM traue ich aber absolut nicht über den Weg. Er spricht vom “angelsächsischen Herdentrieb”, klammert aber zum wiederholten Male aus, daß er neben Sinn, Hüther, Franz u. Co zu den feisten Leithammeln gehörte – persönliche Fehler zugeben? DER doch nicht!
              Ich würde das eher so werten, daß Typen wie der mittlerweile auch mal sowas sagen MÜSSEN, vielleicht auch, weil seine Auftrag-/Geld-Geber das verlangen, oder was auch immer… ;-) Bevor ich glaube, daß dieser alte INSM-Botschafter den “Paulus” macht, muß noch sehr viel mehr passieren. Dennoch registriere ich natürlich, daß auch so ein beinharter Mainstreamer mal etwas kritischeres von sich gibt, denn das sagt schon etwas aus…

              Grüße

            • Jacques Roux schrieb am 16. Februar 2012 at 12:24 - Permalink

              Das sind meinungspluralistische Feigenblättchen, auf einem See der Propaganda, siehe z.B. hier:

              Starkman identifiziert in seiner Inhaltsanalyse, die im Zeitraum von Anfang 2000 bis Mitte 2007 die neun wichtigsten Wirtschaftsmedien der USA erfasst, immerhin 730 Beiträge, in denen vor der Krise gewarnt wurde. Gemessen an den 220.000 Artikeln, die allein das „Wall Street Journal“ in diesem Zeitraum veröffentlicht habe, sei das aber eben wie „ein paar Korken, die auf einem Nachrichtenstrom von der Größe der Niagara-Fälle daherkommen“.

              http://www.journalist.at/archiv/2011-2/ausgabe-10112011/ein-korken-im-niagara-strom/

        • zeno(bit) schrieb am 16. Februar 2012 at 12:50 - Permalink

          Ich weiß nicht, was ich davon halten soll!
          Sollen den Linken vielleicht ein paar Brotsamen hingeworfen werden, damit sie sich “gehört” fühlen?

          Nehmen wir mal an, es kommt wirklich in einigen Verlagshäusern zu einem Umdenken, möglicherweise sogar bei einigen Wirtschaftswissenschaftlern:

          Während das Umdenken bei den intellektuellen Vordenkern in Schriftform verfasst wird, haben die marktradikalen einen großen Batzen ihrer “Reformen” verwirklicht und ein Klima geschaffen, in dem kaum noch Korrekturen möglich erscheinen

          In meinem Bekannten-/ Freundeskreis versuch ich immer wieder viele Dinge anzusprechen und Artikel zu verlinken. Meist treff ich auf Desinteresse, zu kompliziert, zu uninteressant (ich zähl noch zu einer jüngeren Generation :) ).

          Leute mobilisieren und unsere Regenten unter Druck setzen?
          Wenn man sich manche Kommentrarbereiche anschaut, scheint vielen Deutschen alles egal zu sein, solange in andere Länder kein Geld überwiesen wird (auch wenn es vielleicht nicht repäsentativ ist).

          So jung und schon desillusioniert? Vielleicht ;)

      • Jacques Roux schrieb am 15. Februar 2012 at 23:53 - Permalink

        Die Hoffnung stirbt ja, lt. Volksmund zuletzt, aber kennt ihr den Witz vom Optimisten der aus dem 10 Stock eines Hochhauses fällt und auf halben Wege freudig ausruft: “Bis jetzt ist ja noch nichts Schlimmes passiert” ?

    10. leslie schrieb am 16. Februar 2012 at 00:26 - Permalink

      Europa wird nicht deutscher…

      Eher amerikanischer.
      Natürlich von Deutschland ausgehend,
      da wir bis zu den Fußknöcheln in des Amis Arsch stecken.

      Mfg

      • Spiegelfechter schrieb am 16. Februar 2012 at 07:58 - Permalink

        Dieser Spruch ist populär, aber auch falsch. Der deutsch Kurs ist eher das genaue Gegenteil des amerikanischen.

        • leslie schrieb am 16. Februar 2012 at 14:05 - Permalink

          Naja,wenn ich mir hierzulande mal anschaue,wieviele Leute nicht mehr krankenversichert sind.

          Früher undenkbar.
          Wenn ich mir die deutsche Parteienlandschaft ansehe,
          sehe ich auch paralellen zu den USA.

          Und es gilt ja schon eine gewisse Ewigkeit.
          Jeder amerikanische Scheiss kommt auch hierzulande an.

          Ghettobildung in Großstädten zum Beispiel.

          Unsinnige Verfolgung von Drogenkonsumenten,wobei die Mengen der Drogen auf dem Markt immer mehr wird.

          Gäb noch tausende Beispiele,
          würd aber die Kommentarfunktion hier sprengen.^^

          Mfg

    11. unbequemer schrieb am 16. Februar 2012 at 03:25 - Permalink

      Wir brauchen eben keinen neuen Weg, sondern müssten zurück auf die alten Pfade der Sozialdemokratie. Leider sehe ich keine Typen in der Politik die diesen Weg gehen würden.

      Leider lassen sich zu viele Wähler durch die asoziale Politik vergraulen. Bleiben und kämpfen ist angesagt. Nicht nur in den Parteien. Neue Parteien sind nicht die Lösung. Wenn ich da an die Piraten in meinem Wohnort denke, die haben sofort mit der FDP gekungelt. Da hat wohl jeder seinen Preis.

      Wie lautet ein alter Fluch – möget ihr in interessanten Zeiten leben. Ich befürchte, es wird eine Zeit kommen, in der die Lebenden die Toten beneiden werden.

      Und deshalb noch einmal der Hinweis – Platon – Der Staat – Dialog zwischen Sokrates und Adimantes – Die Demokratie ist die Wiege der Tyrannis.

      Echte Demokratie kann es nur geben wenn alle, wirklich alle, Bürger politisch mündige Bürger sind. Ein Idealzustand der durch den Egoismus des Einzelnen leider wohl nie erreicht werden wird.

      Und wenn ich dann an Morus – Utopia – denke, ein Musterbeispiel ist also vorhanden. Nur die Umsetzung …

      Tja – da baue ich mir bei Tropico eine ideale Insel, eine Mustergesellschaft – leider nur fiktiv. Dort kann ich mein Diktat umsetzen. Und es ist immer ein Unterschied zwischen Diktatur und Tyrannis. Leider wurde ich früher hier deswegen kritisiert, weil ich denke, eine Diktatur ist notwendig.

      Auch Strindbergs – Lesebuch für die niederen Stände – ist als Lektüre zu empfehlen. das was zur Zeit unter dem Namen Demokratie besteht, ist eine Tyrannei des Geldes. Aufwachen!

      Aber ich befürchte (klammheimliche Freude), ihr werdet es noch erleben, den Unterschied, wenn die EU in der Tyrannis des Geldes endültig gefestigt ist. Die sind auf dem Weg dahin.

      Ich werde es eher nicht erleben, die paar Jährchen, die mir noch verbleiben, bewirken eher die “Gnade der frühen Geburt”.

      Wie sang einst Biermann: Ach ja, ach, dass ist dumm, wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um.

      • Heldentasse schrieb am 16. Februar 2012 at 11:31 - Permalink

        Wir brauchen eben keinen neuen Weg, sondern müssten zurück auf die alten Pfade der Sozialdemokratie.

        Wie weit muss man denn zurückblicken, dass das die Betonung bei “Sozialdemokratie” auf sozial liegt? Ich persönlich würde die Ära Brandt noch dazu rechen, obwohl es auch Zeitgenossen geben mag die daran schon Zweifel hegen.

        • unbequemer schrieb am 16. Februar 2012 at 11:52 - Permalink

          Ja, mit dem Wechsel zu Helmut Schmidt fing es an unsozial zu werden. Unter Kohl wurde dann mit der geistig moralischen Wende jedes soziale Gedankengut verlassen.

          Brandts mehr Demokratie wagen – diese Zeiten müssten wieder her.

    12. TrooperCooper schrieb am 16. Februar 2012 at 05:29 - Permalink

      Lohnenswerte Vorträge zum Thema von Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker:

      Flassbeck:

      1.) http://www.youtube.com/watch?v=BqjrbO9-874
      2.) http://www.youtube.com/watch?v=J19Kg7N4z0g
      3.) http://www.youtube.com/watch?v=Q5yFsp4uDzU
      4.) http://www.youtube.com/watch?v=nec9YrFXrKg

      Spiecker:
      http://www.youtube.com/watch?v=62kQ6iKSIIw
      Folien: http://acamedia.info/politics/geldpolitik/FriederikeSpiecker/WiedenEuroretten-VortragLinz22.10.2011-FriederikeSpiecker.pdf

      Wetten wenn wir mit Vollgas in die Wand am Ende der Sackgasse gerauscht sind wird es wieder heissen, dass dies niemand hat absehen können? :p oder noch besser: die Griechen / Franzaken / Itakas sind schuld!

      • MJ schrieb am 16. Februar 2012 at 11:47 - Permalink

        Eine Frage konnte ich mir noch nicht (oder jemand anderem) erklären:
        In Teil 2 der Flassbeck-links sagt er ja ganz explizit dass ein Mercedes teurer sei als ein Fiat (aufgrund der deutschen Lohndrückung).
        Beim Händler in D sind die Mercedes aber eher teurer als ausländische Marken. Ist das in anderen Ländern anders ? Kommt über den Import von Fiats (oder Peugeot oder was auch immer) bei uns ein anderes Preisverhältnis zu deutschen Produkten zustande als in unseren Nachbarländern ?
        H.Flassbeck geht leider nicht auf diese Frage ein, aber beschäftigt hat mich das schon ein paar mal.

        • TrooperCooper schrieb am 16. Februar 2012 at 19:17 - Permalink

          In Teil 2 der Flassbeck-links sagt er ja ganz explizit dass ein Mercedes teurer sei als ein Fiat (aufgrund der deutschen Lohndrückung).

          Das sagt er nicht. Der Mercedes ist zwar teurer als ein Fiat. Aber gemessen an der Qualität im Verhältnis zum Preis ist der Mercedes eigentlich zu billig – aufgrund der deutschen Lohndrückerei.

          • MJ schrieb am 17. Februar 2012 at 12:11 - Permalink

            Das mit dem Preis-Leistungsverhältnis wäre auch meine Erklärung gefunden. Aber Flassbeck spricht in dem Vortrag schon von einem direkten Preisvergleich, nicht dem Preis-Leistungsvergleich:

            “Wenn meine Produkte dauernd 20% billiger sind die die der Anderen [...]”
            “[...] Mercedes ist ja viel günster als Fiat, warum soll der sich nicht den Mercedes kaufen ?”
            Aber 5:20 in dem 2. Link.
            So wie es da klingt, wirft das meine Frage durchaus auf, und wie gesagt ist das Preis-Leistungsverhältnis eine Erklärung aber ich frage mich halt auch ob da noch Faktoren reinspielen die durch den Export bedingt sind und die man hier auf dem deutschen Markt alleine nicht sieht.
            Transportkosten müssten den Preis einer Ware ja schon beeinflussen, und dann halt ähnlich Faktoren.

    13. OAlexander schrieb am 16. Februar 2012 at 08:09 - Permalink

      Man muss ja heute nicht mehr viel selber schreiben oder gar nachdenken:

      Let’s put the Greek problem in its proper perspective. Britain’s Great Depression in the Thirties has become part of our national myth. It was the era of soup kitchens, mass unemployment and the Jarrow March, immortalised in George Orwell’s wonderful novels and still remembered in Labour Party rhetoric.

      Yet the fall in national output during the Depression – from peak to trough – was never more than 10 per cent. In Greece, gross domestic product is already down about 13 per cent since 2008, and according to experts is likely to fall a further 7 per cent by the end of this year. In other words, by this Christmas, Greece’s depression will have been twice as deep as the infamous economic catastrophe that struck Britain 80 years ago.

      Noch ein wenig mehr vom Schrecken:

      Perhaps 100,000 businesses have folded, and many more are collapsing. Suicides are sharply up, homicides have reportedly doubled, with tens of thousands being made homeless. Life in the rural areas, which are returning to barter, is bearable. In the towns it is harsh and for minorities – above all the Albanians, who have no rights and have long taken the jobs Greeks did not want – it is terrifying.

      This is only the start, however. Matters will get much worse over the coming months, and this social and moral disaster has already started to spread to other southern European countries such as Italy, Portugal and Spain. It is not just families that are suffering – Greek institutions are being torn to shreds.

      Meint Peter Oborne, Politik-Redakteur des Daily Telegraph im Artikel The callous cruelty of the EU is destroying Greece, a once-proud country 8:44PM, 15 Feb 2012.

      Später, wird mal irgend so ein neuzeitliche Pastor Niemöller losheulen: “Äh, am Anfang waren das die Griechen, die waren selber schuld, Spanien und Portugal auch. Das mit den Italienern und Franzosen hat dann schon eher überrascht. Das am Ende auch wir selber schuld waren, diese Erkenntnis kam erst danach.“

      • Peleo schrieb am 16. Februar 2012 at 09:11 - Permalink

        Das kann man (sogar bei der ARD) sehen, wenn man will:

        Hohe Rüstungsausgaben
        Ein willkommenes Geschäft mit den klammen Griechen
        Ganz Griechenland muss sparen – nur an der Armee sind bislang alle Sparpakete vorbeimarschiert. Die Rüstungsausgaben sind hoch, Verträge wollen eingehalten werden – auch mit deutschen Waffenlieferanten. Ein willkommenes Geschäft, an dem die Bundesregierung festhalten will.

        Von Marion von Haaren, ARD Brüssel

        Den letzten Satz muss man zweimal lesen. So abgebrüht sind die schon.

        • Jacques Roux schrieb am 16. Februar 2012 at 09:49 - Permalink

          Ganz Griechenland muss sparen – nur an der Armee sind bislang alle Sparpakete vorbeimarschiert.

          Und natürlich an der Kirche, ganz wie bei uns auch.

          http://videos.arte.tv/de/videos/euro_krise_griechisch_orthodoxe_kirche_muss_steuern_zahlen-3277852.html

      • Am_Rande schrieb am 16. Februar 2012 at 14:32 - Permalink

        Ein kluger, hellsichtiger Mann, dieser Peter Osborne:

        Thus far only one British political leader, Ukip’s Nigel Farrage, has had the clarity of purpose to state the obvious – that Greece must be allowed to default and devalue.

        Ein kluger, hellsichtiger Mann, in der Tat.

    14. Heldentasse schrieb am 16. Februar 2012 at 09:15 - Permalink

      @OAlexander #13

      In der Tat, das was heute schon in der Peripherie der EU an sozialer Zersetzung – der Bergriff Verfall wäre nach Deinen Zitaten zu milde gewählt – stattfindet ist enorm! Wie lange werden sich die Völker das noch friedlich gefallen lassen, bzw. wann handeln die aus reiner Selbsterhaltung? Wann kommt die Zeit der Demagogen, Nationalisten evtl. sogar Faschisten? Sind wir wirklich kulturell weiter entwickelt als in der Zeit der letzten großen Weltwirtschaftskrise (die ja nach Meinung einiger Fachleute erst mit dem WK2 beendet wurde), sodass Kriege in Europa wirklich ausgeschlossen werden können?

      Ich weiß darauf keine objektiven Antworten, mich beschleichen aber ab und zu egoistischen Gefühle dahingehend, dass es womöglich gut ist ein “alter Sack” zu sein, der die vermutlichen (aus heutiger Sicht) goldenen Jahre von 1960 bis 80 mit erleben durfte. Ganz abwegig wird diese subjektive Betrachtung nicht sein, denn wenn man sich mal die bewegte Historie unseres Kontinents so anschaut trifft es vor Blut und schreit es aus Not, und gute Zeiten waren “Mangelware”.

      • alter Sack schrieb am 16. Februar 2012 at 14:01 - Permalink

        goldenen Jahre von 1960 bis 80

        (Achtung Ironie)
        Ja, früher war mehr Lametta! Wenn ich da an meinen Opa denke, der 2 Weltkriege miterlebte und danach sogar noch die goldenen Jahre von 1960 bis 80 (fast) …
        Wenn du jetzt noch jung genug bist, hast du ja beste Aussichten darauf ähnliches Glück wie mein Opa zu haben. Die besten Jahre sind halt immer die nach einem Krieg … dann sind auch die Champagner-Hasen gar nicht mehr so wählerisch …

        • Heldentasse schrieb am 16. Februar 2012 at 14:23 - Permalink

          Die besten Jahre sind halt immer die nach einem Krieg

          Materiell womöglich, kulturell – und das ist m.E. viel wichtiger waren die Zeiten vor den 68zigern m.E. eine Katastrophe. Erst die damalige APO (von der sich die heutigen Occupied Bewegung vielleicht mal etwas abschauen könnte) hat dem Spuk ein Ende bereitet, und deren Schwung hat womöglich auch erst die sozialen Reformen in den 1970zigern ermöglicht.

    15. alter Sack schrieb am 16. Februar 2012 at 11:22 - Permalink

      Danke Jens Berger für den gewohnt guten Artikel. Besonders das mit dem Radius des Kuchens gefällt mir gut.
      Leider fällt noch immer kein Licht auf den Sinn der Massnahmen. Kaum einer wird bestreiten können, dass das Aushungern eines ganzen Staates ein wirtschaftliches Desaster ist. Auch Deutschland kann davon nicht profitieren. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist ein Sinn nicht auszumachen – militärische Überlegungen brauchen keinen.

      Warum werden die ‘Hilfsgeldempfänger’ genötigt, von den Hilfsgeldern Waffen zu ‘kaufen’? Panzer aus Deutschland, U-Boote aus Frankreich (oder war’s umgekehrt? – egal).

      Warum konzentriert sich die ‘Hilfe’ auf Griechenland? Warum vertröstet Schäuble den portugisischen Minister auf später? Na klar: Griechenland liegt strategisch günstig um Krieg gegen Mittelmeeranrainer zu führen. Portugal ist unter diesem Gesichtspunkt uninteressant.

      Vermutlich geht es zunächst gegen den Iran. Vor diesem haben die Schurkenstaaten USA, D, F schon lange eine paranoide Furcht. Zudem muss um der Freundschaft willen Israel beigesprungen werden. Damit bekommt die Operation “Schuld(en)krise” noch eine zusätzliche Facette.

      Nun möge jemand kommen um mich davon zu überzeugen, dass ich immer noch spinne…

      • OAlexander schrieb am 16. Februar 2012 at 11:50 - Permalink

        @ Alter Sack

        Leider fällt noch immer kein Licht auf den Sinn der Massnahmen. Kaum einer wird bestreiten können, dass das Aushungern eines ganzen Staates ein wirtschaftliches Desaster ist.

        Deutschland erspart sich Erhöhung der Steuern um die Griechen zu finanzieren, wir haben keine Inflation, weil wir keine Euros drucken, Deutschland hat höhere Einnahmen wegen der Profiteure, die Sache verkauft sich besser als abgewetztes Gutmenschentum, der Euro bleibt erhalten und deutsche Ausfuhren bleiben günstig, die Banken können damit relativ gut leben und brauchen keine neuen Subventionen auf deine Kosten, der Griechenland Urlaub wird billiger, etc., etc. Die Griechen waren unvorsichtig, haben über ihre Verhältnisse gelebt, und jetzt willst du die mit unseren Steuergeldern aushalten in einer Zeit wo wir schon mit unseren Rentner knausern müssen, damit wir am Ende nicht so Pleite wie Griechenland sind?

        Wo genau ist eigentlich dein Problem?

        • alter Sack schrieb am 16. Februar 2012 at 12:24 - Permalink

          und jetzt willst du die mit unseren Steuergeldern aushalten in einer Zeit wo wir schon mit unseren Rentner knausern müssen

          Wo hast du das denn aufgeschnappt?

          • alter Sack schrieb am 16. Februar 2012 at 13:04 - Permalink

            @ OAlexander, den Gebrauchtwagenhändler
            Ok, ich sehe ein, da ist mir wohl die Ironie entgangen. Das liegt daran, dass ich es mir wirklich ernst ist. Mein Kommentar war nicht im geringsten ironisch gemeint.

            • OAlexander schrieb am 16. Februar 2012 at 13:24 - Permalink

              @ alter Sack

              Schau Mal, Ich weiss nicht, wieviel Jens Berger hier mit seinem Blog pro Jahr abdrückt, ich weiss aber, dass ich wenn ich mir einen Sechszeiler-Job wie der “Franz-Josef” von der Bild lande, darüber nur bestens lächeln werde. Champagner bis zum abwinken und nicht Bier bis das Geld für die Miete zu knapp wird. Den besseren Hasen ist Champagner auch lieber. Von meinem geringeren Arbeitsaufwand ganz zu schweigen. Ich hoffe, gewisse Einsichten über menschliches Verhalten geliefert zu haben.

        • Mordred schrieb am 16. Februar 2012 at 12:58 - Permalink

          geile satire :)

    16. Heldentasse schrieb am 16. Februar 2012 at 11:56 - Permalink

      @alter Sack #15

      Nun möge jemand kommen um mich davon zu überzeugen, dass ich immer noch spinne…

      Vielleicht beruhigt es Dich ein wenig, dass man schon seit langer Zeit (ab ca. 2005?) von einem Angriff auf den Iran spekuliert/ fabuliert ohne das dieser stattgefunden hat, und das die EU m.E. überhaupt kein Interesse an einem solchen Waffengang haben dürfte.
      Was mich z.Z. ein wenig besorgt ist, dass die Medien und vor allem die Hauptbeteiligten rhetorisch/ verbal zündel, und dies eine fatale Eigendynamik entwickeln könnte.

      Gefährlich an der derzeitigen Situation ist vor allem, dass Israel einen Krieg gegen den Iran aus militärischer Sicht nicht allein führen könnte, aber dennoch mit seinem Ausbruch kalkuliert. Das bringt zum einen die USA in Bedrängnis, die ihn – derzeit – nicht führen wollen, aber im Zweifel wohl genötigt wären, Israel beizustehen. Dies wiederum spielt der iranischen Führung in die Hände: Sie sieht sich durch die Drohungen Israels nur noch mehr in ihrem Streben nach einer Atomwaffe bestätigt. Das Feindbild Israel taugt für sie zudem weiterhin dazu, nach innen Stärke zu suggerieren – zur Not bis hin zur Konsequenz, einen Militärschlag auszulösen.

      Iran und Israel Rhetorik, die zum Krieg drängt

      • OAlexander schrieb am 16. Februar 2012 at 12:09 - Permalink

        @ Heldentasse

        Gerade wir von der aufgeklärten Seite müssen die Verbreitung von Atomwaffen so gut verhindern wie das nur möglich ist. Iran wird zudem ja noch von irgendwelchen unberechenbaren radikalmuslimischen, die Menschenrechte verachtende und die eigene Bevölkerung brutal unterdrückenden Mullahs geführt die zudem ihren Einfluss in der Region ausdehnen wollen. Zudem wollen die Mullahs Israel, das einzige demokratische Land in der Region auslöschen. Es wäre fahrlässig hier nicht einzugreifen und nicht zu verhindern das Iran die Bombe bekommt. Wenn wir jetzt nicht agieren, dann haben wir am Ende einen Atomkrieg mit unvorhersehbaren Konsequenzen für die Existenz der gesamten Menschheit. Zudem haben insbesondere wir als Deutsche eine besondere, historische Verantwortung für die Sicherheit Israels.

        • alter Sack schrieb am 16. Februar 2012 at 12:22 - Permalink

          @ OAlexander:
          Wann hat zuletzt eine militärische Lösung stattgefunden? Wie viele erfolglose Kriege wurden seit dem geführt?
          Ahmadinedschad macht auf mich einen besonneneren, intelligenteren und durchaus aufgeklärten Eindruck. Zumindest verglichen mit den anderen politischen Akteuren.
          Man kann keinen schlimmen Krieg mit ein bisschen Krieg verhindern! Jetzt höre ich auf, sonst rede ich mich in Rage über so viel Ignoranz.

        • der Herr Karl schrieb am 16. Februar 2012 at 12:25 - Permalink

          @OAlexander
          Würde ich dich nicht besser kennen, käme ich womöglich noch auf den Gedanken, dass du diesen Kommentar nicht ironisch meinst…

          “wir von der aufgeklärten Seite”
          “…Israel, das einzige demokratische Land in der Region…”
          ” Zudem haben insbesondere wir als Deutsche eine besondere, historische Verantwortung für die Sicherheit Israels”

          • Heldentasse schrieb am 16. Februar 2012 at 12:47 - Permalink

            Ups, meiner einer hat die verstecke Ironie (oder gar Sarkasmus?) in dem Kommentar von @OAlexander übersehen.

        • Heldentasse schrieb am 16. Februar 2012 at 12:37 - Permalink

          @OAlexander

          ich gehe soweit mit Dir konform, dass gerade wir als Teutsche in Bezug auf die Israelische Politik ganz ganz kleine Brötchen backen müssen und darüber, dass das Iranische Regime (fast) die “unterste Sohle” darstellt, braucht man sich auch nicht zu diskutieren.

          Aber jetzt einen Krieg vom Zaun zu brechen weil ein totalitärer Staat Atomwaffen entwickelt (oder entwickeln könnte?) ist in meinen Augen so wie den Teufel mit dem Beelzebub aus zu treiben. Fatal an der aktuellen Situation scheint m.E. zu sein, dass die einen meinen mit dem Besitz A- Waffen unangreifbar zu werden, und die anderen dies scheinbar Aufgrund von paranoiden Aussagen des Gegners unbedingt verhindern müssen. Wenn dabei Krieg als einzige Antwort dabei heraus kommt läuft das Geschehen erschreckend schief ab.

          • OAlexander schrieb am 16. Februar 2012 at 13:37 - Permalink

            ich gehe soweit mit Dir konform, …

            Hätte mich schon arg gewundert, wenn du in meinem breitspektrum Angebot an Argumenten nichts für dich passendes gefunden hättest.

            Natürlich lässt sich dein zweiter Absatz mit so irgendetwas wie Chamberlain und Hitler und gescheitertes Appeasement aus der Welt schaffen. Da ich die Chose von der richtigen Seite aus angehe, darf ich die Reductio ad Hitlerum bedenkenlos durchführen. Relativierer kriegen dafür selbstverständlich eines auf die Mütze.

            • Heldentasse schrieb am 16. Februar 2012 at 14:11 - Permalink

              Hätte mich schon arg gewundert, wenn du in meinem breitspektrum Angebot an Argumenten nichts für dich passendes gefunden hättest.

              Jetzt da ich weiß, dass Dein ursprünglicher Kommentar aus ätzende Ironie “pur” besteht, nehme ich diese Aussage als nicht ganz so pöse hin.

              Da ich die Chose von der richtigen Seite aus angehe, darf ich die Reductio ad Hitlerum bedenkenlos durchführen. Relativierer kriegen dafür selbstverständlich eines auf die Mütze.

              Sogar die, die versuchen die Welt einfachst in gut und pöse zu teilen müssen sehr aufpassen bei diesen Vergleichen, weil sie damit das Unsägliche relativieren!

        • alter Sack schrieb am 16. Februar 2012 at 12:53 - Permalink

          @ Heldentasse
          @ OAlexander
          Mangels besseren Wissens gehe ich davon aus, dass ihr eure Einlassungen nicht ironisch meint.

          Woher bezieht ihr euer Wissen über den Iran und dessen Führung?

          Ahmadinedschad sagt ganz klar, dass er die Atomkraft für sein Land nutzen will. Er sagt auch, dass er keine Bombe anstrebt.
          Es gab da mal einen gewissen Sadam Hussein, der sagte ähnliches. Man glaubte ihm nicht. Heute weis jeder aufgeklärte Mensch, dass die Kriegsgründe gegen den Irak vorgeschoben, erstunken und erlogen waren.
          Viele ahnten das von Anfang an – doch die Proteste gegen den Krieg blieben weitgehend fruchtlos.

          Dass Ahmadinedschad tatsächlich keine Atombombe möchte, glaube ich auch nicht. Wie könnte er nicht über sie verfügen wollen – bei all dem internationalen Druck gegen den Iran?

          • Heldentasse schrieb am 16. Februar 2012 at 13:11 - Permalink

            @alter Sack

            Woher bezieht ihr euer Wissen über den Iran und dessen Führung?

            Wenn Du darauf hinaus willst, dass das “Wissen über den Iran” nicht objektiv sein kann, muss ich Dir für meine(!) Person unbedingt recht geben. Die Frage ist nun wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Iranische Regime (das Volk und dessen m.E. hohe Kultur möchte ich bei der Betrachtung ausnehmen) nicht totalitär ist, und Israel nicht (indirekt) bedroht?

            Aber vielleicht vertraut man z.B. auch einfach nur auf Amnesty Report 2010
            Iran
            .

            • alter Sack schrieb am 16. Februar 2012 at 13:43 - Permalink

              Der Amnesty Report ist sicher eine gute Quelle um sich einen Eindruck zu verschaffen. Es lohnt sich natürlich auch, z.B. den Report Iran mit dem über Deutschland oder USA zu vergleichen. Dadurch wird das Bild noch etwas objektiviert, denn ein Bericht zum Beispiel über Deutschland für sich genommen würde einen, dem Deutschland ansonsten fremd ist, auch nicht gerade motivieren seinen Urlaub hier zu verbringen. Die Menschenrechte hatten in D schon mal einen höheren Stellenwert als heute.

              Mein Bild über den Iran ist natürlich auch nicht objektiv. Wie könnte es, bei all den Irrlichtern?
              Da ich ja auch eher ein sentimentaler Typ bin, wie Joachim Endemann jüngst treffend anmerkte, macht mir das auch nicht so viel aus.
              Selbstverständlich trägt auch nicht zur Objektivität bei, dass ich letztes Jahr das große Vergnügen hatte, eine Frau kennenzulernen, die im Iran aufgewachsen war. Sie merkte keine besonderen Fürchterlichkeiten über dieses Land an, obwohl ich ein wenig danach bohrte … naja, wir waren keineswegs auf Streit aus.

          • OAlexander schrieb am 17. Februar 2012 at 14:29 - Permalink

            Nachdem Iraq ohne irgendeinen vertretbaren offiziellen Grund angegriffen wurde und im Zuge dessen der Versuch unternommen wurde das Land zu erobern würde ich jedem Land in der Region dringend nahelegen sich sich mit der ultimativen Abwehrwaffe auszustatten.

            Die Sicherheit anderer Staaten, zumal solcher mit eigener Atombewaffnung, wird dadurch nicht wirklich beeinträchtigt.

        • leslie schrieb am 16. Februar 2012 at 14:08 - Permalink

          Hat da gerade Westerwelle gesprochen.??

          Mfg

      • alter Sack schrieb am 16. Februar 2012 at 12:16 - Permalink

        @ Heldentasse:
        Nein, das beruhigt mich nicht. Nur weil die Gefahr schon seit 7 Jahren im Raum steht, ist sie ja nicht geringer geworden. Was ich sehe, ist, dass die Vorbereitungen im Gange sind.
        Griechenland wird zum Militärstützpunkt aufgerüstet.

      • Jacques Roux schrieb am 16. Februar 2012 at 12:45 - Permalink

        In Syrien wird es auf jeden Fall eskalieren, das strahlt dann auf den Libanon und den Irak über. Das ist die ganz dicke Kiste der Pandora die da gerade geöffnet wird und falls Israel dann tatsächlich auch noch auf den Trichter kommt, Iran präventiv anzugreifen, wie schon seit Monaten angedroht, dann gute Nacht.

        • OAlexander schrieb am 16. Februar 2012 at 13:43 - Permalink

          @ Jacques

          Vielleicht eskaliert es in Syrien gerade, weil das Land eine geschlossdene Landverbindung von Iran über den iranfreundlichen Iraq (keinerlei, nicht einmal angedeutete Ironie) über Syrien nach Libanon und damit der Hezbollah anbietet. Wem könnte das warum nicht gefallen? Zumal in dieser Zeit?

          • Heldentasse schrieb am 16. Februar 2012 at 13:55 - Permalink

            Irankrieg – Kampf um Eurasisches Becken ;)

    17. Vogel schrieb am 16. Februar 2012 at 14:37 - Permalink

      Das Trilemma Europas mit seiner Mitte: Deutschland – zu klein für die Hegemonie, zu groß um beherrscht zu werden und zu blöde, den Weg dazwischen zu finden.

      @Klaus Baum
      dEUtschland – da hast Du ja ‘ne richtige Trouvaille ausgegraben. Gefällt mir sehr gut!

    18. OAlexander schrieb am 16. Februar 2012 at 15:18 - Permalink

      Frisch aus dem Nachrichtenticker:

      Iranian Commando Team Operating Near U.S.

      (Tehran, FNA) The Fars News Agency has confirmed with the Republican Guard’s North American Operations Command that a new elite Iranian commando team is operating in the U.S.-Mexican border region. The primary day-to-day mission of the team, known as the Joint Special Operations Rio Grande Task Force, or JSORG, is to mentor Mexican military units in the border areas in their war with the deadly drug cartels. The task force provides “highly trained personnel that excel in uncertain environments,” Maj. Amir Arastoo, a spokesman for Republican Guard special operations forces in North America, tells Fars, and “seeks to confront irregular threats…” Mexican Secretary of the Interior Alejandro Poiré expressed his hope, the co-operation with the Iranian forces experienced in border security operations would enhance the relationship with the U.S. by reducing frictions resulting from border transgressions and enhancing Mexican compliance with her NAFTA obligations.

      • Heldentasse schrieb am 16. Februar 2012 at 18:57 - Permalink

        Keine sorge, dass sind bestimmt nur Mexikaner die sich zum Wieverfastelovend hin als Gardesoldaten verkleidet haben.

        • OAlexander schrieb am 17. Februar 2012 at 14:37 - Permalink

          Irgendwie habe ich mir schon gedacht, dass meine mexikanischen Quellen koksen. *kopfkratz*


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