New Opel – Rettung oder teure Totgeburt?
geschrieben am 12. September 2009 von Spiegelfechter
Noch nicht einmal die Regierungsvertreter trauen Merkels Wunschlösung
Nun also doch ? das Management von General Motors will offensichtlich seine europäischen Töchter an das österreichisch-kanadisch-russische Konsortium rund um den Zulieferer Magna abgeben. Von dieser Lösung träumten Regierung wie Gewerkschaften schon seit langem. Finanziert wird die Übernahme allerdings zunächst vom deutschen Steuerzahler. Wirtschaftsminister zu Guttenberg plant allerdings bereits, seinen europäischen Kollegen ein Angebot zu machen, dass diese nicht ablehnen können. Wer zahlt, behält seine Standorte. Doch was passiert, wenn alle zahlen? Sind die ? verhältnismäßig teuren ? deutschen Standorte in einem rabenschwarzen Marktumfeld überhaupt zu halten?
Angela Merkel kann sich freuen. Mitten im Wahlkampf kann sie sich selbst den Orden der “Opel-Retterin” an das Revers ihres Hosenanzugs stecken. Die politische Begleitmusik zum Opel-Verkauf lief dabei ganz nach altbekanntem Merkel-Rhythmus ? zunächst auf Tauchstation gehen, warten, welche Position sich durchsetzt, und dann diese mit Nachdruck und Verve als eigene Position verkaufen. Magna war der einzige Interessent, dem Staatsgelder in stolzer Höhe von 4,5 Milliarden Euro angeboten wurden, damit er die vier deutschen Standorte erhält. Nun ist der Steuerzahler mit im Boot und muss für den Autobauer haften.
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Der Artikel zeigt die Problematik der angeblichen Opelrettung realistisch auf.
Opel ist nicht in trocknen Tüchern, sondern es besteht die Gefahr, daß das Opel-Know How von GM und der GUS bewußt ausgesaugt wird und nach 2012 es keine Opel-Produktionsstandorte mehr in Westeuropa gibt, sondern nur eine leere Opelhülle. Wir werden für diese Hülle zahlen – wie in Steinkohlebergbau. Von 3000? pro Kopf der Bevölkerung wird die Belastung noch erheblich steigen. Die Zahlungen an die “systemrelevante” HRE von 104 Mrd. ? geben die Richtung vor. Die ex-FDJ-Propagandasekretärin Merkel hat viel in ihrer Jugend gelernt und noch mehr von Helmut Kohl.
Interessanter Artikel! Schaut ganz nach Absprachen mit Brüssel aus, die Magna-Variante nach der Wahl zu begraben. Liefert dann vielleicht jahrelang Stoff, von den + oder – abzusehenden sonstigen üblen Massnahmen abzulenken – immer begleitet vom Hin- und Herschieben des Schwarzen Peters von einer Partei zur anderen, von einem Land zum anderen… und Brüssel !
Dazu Spon und Bild & die ganze korrupte Mischpoke… Oh Mann, da könnt’ste die Artikel schon als Textbausteine im Voraus abspeichern !
Meine Tochter braucht 2010/11 wohl ein neues Auto. Bei den weltweiten Überkapazitäten warten wir mal auf die neue, sicher modifizierte Abwrackprämie. “Aber keinen Opel” sagt die Tochter, obwohl der Vater ganz zufrieden Opel fährt.
Modifizierte Abwrackprämie? Sicher nicht nochmal für die Puntos, Logans und C12 etc. eher für höherpreisige (deutsche) Jahreswagen, die zunehmend – hört man – wie Blei in den Regalen stehen. Go ahead…
Andere haben nichts zu fressen, und Ebertus macht sich um Autos für die Tochter sorgen…Da kann man wirklich nur hoffen, dass die aktuelle Derivatmegaatombombe ganz schnell platzt..
Zum Opel Massakter ist nur eines festzustellen: die deutsche Politik tut alles dafür, damit dem deutschen Megakonzern VW keine Konkurrenz auf keinem Markt erwächst, von Anfang an.
@”name”, oder was dahinter sich verbirgt.
Ironie, gar Sarkasmus ist nicht Jedermanns Sache, zwischen den Zeilen lesen noch weniger. Gegen die mit Sicherheit kommende, platzende Derivatebombe hilft bestenfalls ganz reale Vorratshaltung. Als (West)Berliner Blockadekind hab’ ich das d’ruff, heute gar mit wesentlich komfortabler Umschlaglogistik via (excel)gesteuerter Terminierung der jeweiligen Verfallsdaten..
Ansonsten, klar: Sponsored by Daddy, statt “das” in Liechtenstein zu bunkern…
Mir kommt die Diskussion um die neuen, möglich Anteileigner von Opel, wie der Ablauf der Diskussionen im Vorstand von mittlelgroßen Unternehmen vor. Hier wird auch das neue Kesselhaus mit Millionenkosten kaum diskutiert, aber die Form des neuen Firmen-Fahrradständer sehr langatmig. Die Opellösung ist mehrschichtig zu sehen.
1. Die Arbeitssplätze
2. Die Kosten für den Steuerzahler
3. Know How Transfer auf Staatskosten
4. Auswirkungung im Wirtschaftsbereich
aber es ist einfacher, sich mit der Definition einzelner Worte zu beschäftigen, statt sich mit den Grundsätzen / Folgen auseinander zu setzen.
In Rüsselheim sind über 5.000 Ingenieure beschäftigt, die durch aus eine anspruchsvolle Technologie konzipieren können. Seitens der Regierung werden aber vorrangig mögliche Wählerstimmen gesehen und den Lobbyisten der anderen Automobilhersteller und Putin mit seinem Oberlobbyisten Schröder gelauscht.
Wir müssen endlich aufhören ganze Branchen platt zu machen, Know How Transfer ins Ausland mit unseren Steuergeldern (also kostenfei) zu transferieren (Fördermaßnahmen) und hinterher fehlende Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu bejammern.
Scheinbar betrifft dieses aber viele Kommentatoren nicht, da sie pensionsberechtigt sind….oder?
@6
Das sicher nicht, aber wer den ökonomischen Terror seit 1990 direkt erlebt hat, kann über das, was mit Opel passiert, eigentlich nur lachen.
Wer nicht wahrnehmen will, dass es seit 20 Jahren einen Teil in Deutschland gibt, der nichts weiter als eine Sonderwirtschaftszone war und ist, wundert sich noch, während andere sich schon lange, über nichts mehr wundern.
Den Osten hat man ökonomisch und industriepolitisch ausradiert, und da sind die 5000 Ingenieure nichts.
Wer hat denn aus dem “Westen” mal über den Tellerrand geschaut, und ich verlange hier nicht einmal Blicke nach Polen, Rumänien, Bulgarien?
Niemand hat das …
@5
Die Westberliner Blockade ist eigentlich nichts weiter als ein politischer Mythos und war eine politische Reaktion, auf die politische Provokation durch die Währungsreform der Westmächte, aber dat brauch ick dir wohl nicht noch zu erklären, wa?
In Russland scherzt man schon: “SberOpel”.
@name
Na sei mal lieber froh, dass nicht jeder prekariasiert ist ;-)
@ebertus
Das ist ja der Wahnsinn, der auch mit der Abwrackprämie verbunden ist. Da mein alter Smart so langsam zickt, habe ich mich neulich mal auf dem Gebrauchtwagenmarkt umgeschaut. Eigentlich ist es schon Wahnsinn, dass man für einen großen relativ jungen BMW oder Mercedes oft weniger zahlt, als für einen Smart, Polo oder sonstigen Kleinwagen. Wenn der Smart weiter zickt, werde ich wohl oder übel wohl bald wieder zum “Luxuslimousinenfahrer”, da ich mir einen spritsparenden, kleinmotorisierten Wagen nicht leisten kann – seltsame Welt ;-)
Haben das Thema, auch unter meiner intensiven Beteiligung, in einem anderen Forum bereits seit gut einem Jahr sehr vielschichtig abgehandelt:
http://www.einspruch.org/blog/topic.php?id=1928&page=42
Ja, es ist wohl richtig, kleine und relativ preiswerte Autos, die die Abwrackprämie überlebt haben, “steigen” im Wert, sind zunehmend gefragt; haben ihre Klientel.
Und weil hier, anderweitig eingebracht, das Fressen vor der Moral kommt, auf der sicher allseits bekannten Maslow-Pyramide richtigerweise im Basement angeordnet ist, haben wir dem Fiesta der Tochter – der im/ab Juli abwrackprämientauglich gewesen wäre – neue Radlager und einen neuen TÜV spendiert. Günstiger kann man beinahe nicht Auto fahren, wo doch nach gut 120.000 km optisch und technisch noch alles halbwegs im Lot ist.
Ansonsten sei an den viel kolportierten, hier sinngemäßen Spruch von Henry Ford verwiesen: Prekäre Verhältnisse kaufen nicht so leicht (neue) Autos; und amerikanische Schneeball-Kreditsysteme sind hierzulande ebenfalls noch nicht von Jedermann verinnerlicht.
Opel als Marke braucht kein Mensch. Wenn 3-4 Marken dieser Welt zusammenbrechen, muß dennoch kein einziger Mensch allein deswegen zu Fuß laufen. Wenn wir in diesem Blog immer von Marktbereinigung, Wiederrunterkommen vom Hype (jedes Jahr mehr Stückzahlen) und dem schuldenfinanzierten Wachstum (Kredite statt vernünftige Einkommen), Ökologie (höhere Fahrleistungen), Außenhandelsgleichgewicht (unser Export pumpte die kapitalüberakkumulation auf), Akzeptanz der Glabalisierungswütigen in der Gesellschaft (Albrecht Müller sein “Globalisierung gabs schon immer” wie der Neocons freier Kapital- und Warenverkehr ohne jede Mindeststandards) etc. sprechen, dann müssen wir zwangsläufig auch vom Schrumpfen der verkaufbaren Stückzahlen deutscher Pkw reden. Da führt kein Weg auch nur ein Jota daran vorbei. Opel u.a. gehen nicht in dem Sinne kaputt, aber wir kommen wieder in der Realität an und werden uns auf die 1990er einpendeln. Die Mär vom “immer-mehr” ist eben doch nur eine Mär. ? Ach, das ist alles so wiedersinnig… Aus deutscher Pkw-Herstellersicht wäre imho das Stilllegen der Marke Opel besser, als sich in Russland einen Wettbewerber aufzubauen. Die Politik müßte die Menschen vielmehr darauf vorbereiten, dass die Entwicklung des Automobilindstrie in dieser Art und Weise nicht mehr fortgeschrieben werden kann (im Sinne von: die Triade beliefert den Rest der Welt und jedes Jahr packen wir ne Million Pkw noch oben drauf). Aber so palavert man von Einschnitten und Durststrecken. Dabei ist das Konzept selbst im Eimer.
Moin,
Die Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber sie reimt sich.
Schönes Beispiel wie das mit Opel und Magna laufen könnte ist der Autozulieferer J.P.B. Prometall (vormals Decoma), welcher an Magna verkauft wurde.
Hier kurz zusammengefasst:
http://www.landtag-saar.de/dms13/Aw2329.pdf
Anschliessend dann ordentlich Subventionen abkassiert, einen Teil des Werkes 2003 dank Wirtschaftsförderung 20 km weiter nach Neunkirchen verlagert:
http://www.obg-projekt.de/218/45/Aktuelles/Decoma_startet_im_Fruehjahr_Pressebericht_in_der_SZ
In 2007 ging der Laden dann an nen Hedge Fonds aus Honkong
und kürzlich insolvent:
http://www.saarbruecker-zeitung.de/sz-berichte/wirtschaft/Neunkircher-Autozulieferer-J-P-B-Prometall-ist-insolvent;art2819,2787821
Die Hongkonger sind noch nicht lange genug Eigentümer um einen Sozialplan abieten zu müssen.
http://www.saarbruecker-zeitung.de/_/tools/pdfpage.html?arid=2926962
Dann warten wir mal ab was wird…
@ Sven #12
“Opel als Marke braucht kein Mensch”.
1. Sage das den Mitarbeitern der Marke “Opel”.
Das Leben von mehreren Tausend Familien hängt von der Marke “Opel” ab.
Sind sie Dir egal ?
2. “Aus deutscher Pkw-Herstellerhsicht wäre imho das Stilllegen der Marke Opel besser, als sich in Russland einen Wettbewerber aufzubauen”.
Ich bin zwar kein Fachmann was die Automobilbranche angeht, aber ich kenne keine einzige russische Automarke (nach 20 Jahren Krise im Land), die heute im Stande wäre Opels Know-How bei ihrer Produktion anzuwenden.
Bevor Du mir eine Antwort gibst, möchte ich Dich hinweisen, daß diese russische Automarken irgendwelchen Oligarchen gehören, die in ihrem Leben nur eins gelernt haben, “rauben, betrügen, stehlen etc.” (alles Negative, was Dir anfällt, kannst Du ruhig im Bezug zu diesen Kreaturen (Oligarchen) anwenden).
Du gibst viel zu früh auf.
Ich glaube, Du kennst das russische Sprichwort: “Die Hoffnung stirbt zuletzt”.
Ich finde, wir müssen dieses Sprichwort zu unserem “Lebensmotto” bzw. “Ideologie” machen, dann wird es bestimmt keine Niederlagen mehr geben.
@ Tuvor
“Das Leben von mehreren Tausend Familien hängt von der Marke ?Opel? ab.”
Man kann auch übertreiben.
“daß diese russische Automarken irgendwelchen Oligarchen gehören, die in ihrem Leben nur eins gelernt haben, ?rauben, betrügen, stehlen etc.? (alles Negative, was Dir anfällt, kannst Du ruhig im Bezug zu diesen Kreaturen (Oligarchen) anwenden).”
Du bist ja bestens informiert und hast auch gar keine Vorurteile. Beste Vorraussetzungen für solche Diskussionen.
Auch zum Thema:
nstarikov.ru/blog/2157#more-2157
Gestern sehr schön im “Duell der Kanzlerkarrikaturen” (kurz bevor ich eingeschlafen bin):
Frau Steinmerkel: “Die Treuhänder haben ihren Job falsch verstanden, die sollen machen, was wir ihnen sagen und sonst nichts”.
Fand ich sehr bezeichnend – wir haben die Kraft und alle haben zu kuschen – denn wir haben auch Dummheit mit Löffeln gefressen.
gruß