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  • Die Milliardenlüge

    geschrieben am 16. Februar 2012 von Spiegelfechter

    In steter Regelmäßigkeit malen die Medien das Schreckensbild, dass der Steuerzahler für Verluste der EZB haften müsste. Gerade im Zusammenhang mit einer immer wahrscheinlicher werdenden Umschuldung Griechenlands wird beim Bürger damit Angst geschürt und darauf hingewirkt, Angela Merkels Sparpolitik als alternativlos darzustellen. Doch eine Lüge wird nicht wahrer, wenn man sie ständig wiederholt. Die EZB ist eine Zentralbank und keine „Europäische Sparkasse“. Verluste der EZB müssen nicht zwingend durch den Steuerzahler beglichen werden – wer Gegenteiliges behauptet, kolportiert somit eine Milliardenlüge.

    Wenn man in den letzten Wochen und Monaten die Zeitungen und Zeitschriften verfolgt hat, stieß man immer wieder auf Beiträge wie beispielsweise den SPIEGEL-Online-Artikel „Was eine Griechen-Pleite jeden Bundesbürger kosten würde“, in denen in düstersten Farben die möglichen finanziellen Belastungen einer Griechenland-Umschuldung ausgemalt werden. Für SPIEGEL-Online-Redakteur Nicolai Kwasniewski steht fest, dass der Steuerzahler für mögliche Verluste des EZB-Systems voll und ganz in die Haftung genommen wird . So berechnet er Lasten in Höhe von bis zu 37 Milliarden Euro, die dem deutschen Steuerzahler ausschließlich aus einer Übernahme der Griechenland-Abschreibungen durch die EZB entstehen würden. Kwasniewski ist kein Einzelfall. Allenthalben liest man heutzutage, dass die Verluste der EZB oder der Bundesbank vom Steuerzahler zu übernehmen seien. Wie kommen die Autoren eigentlich zu diesem Urteil?

    Ein Blick in die Satzung der EZB verschafft hier Klarheit. Dort heißt es in Artikel 33, Absatz 2:

    Falls die EZB einen Verlust erwirtschaftet, kann der Fehlbetrag aus dem allgemeinen Reservefonds der EZB und erforderlichenfalls nach einem entsprechenden Beschluss des EZB-Rates aus den monetären Einkünften des betreffenden Geschäftsjahres im Verhältnis und bis in Höhe der Beträge gezahlt werden, die nach Artikel 32.5 an die nationalen Zentralbanken verteilt werden.

    Man beachte hier die Formulierung „kann“ – von einem „muss“ ist wohlweislich nicht die Rede. Die Satzung beschränkt die Verlustausgleichspflicht ferner auf die „monetären Einkünfte“. Eine darüber hinausgehende Plicht ist nicht vorgesehen. Anders als die EZB-Satzung sieht das Bundesbankgesetz keine Regelung über den Ausgleich von Verlusten vor. Der Frankfurter Professor für Geld-, Währungs- und Notenbankrecht, Helmut Siekmann, kommentiert die Regelung folglich:

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    78 Kommentare Print This Post
    In steter Regelmäßigkeit malen die Medien das Schreckensbild, dass der Steuerzahler für Verluste der EZB haften müsste. Gerade im Zusammenhang mit einer immer wahrscheinlicher werdenden Umschuldung Griechenlands wird beim Bürger damit Angst geschürt und darauf hingewirkt, Angela Merkels Sparpolitik als alternativlos darzustellen. Doch eine Lüge wird nicht wahrer, wenn man sie ständig wiederholt. Die ...
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    78 Kommentare:

    1. Nicolai Hähnle schrieb am 16. Februar 2012 at 16:07 - Permalink

      Die Diskussion über diese Themen ist auch deshalb so furchtbar, weil niemand überhaupt lernt sich darüber Gedanken zu machen, was ein bankrott eigentlich bedeutet, und dass es sich dabei um menschliche Definitionen handelt.

      Mit negativem Kapital zu arbeiten ist zwar ungewöhnlich, für eine Zentralbank aber durchaus machbar. In diesem Sinne: Danke für diesen Artikel.

    2. Peleo schrieb am 16. Februar 2012 at 16:49 - Permalink

      Naive Frage: Wenn das bei GR funktioniert, müsste es auch bei Portugal, Spanien, Italien funktionieren. Nicht nur bei 50 Mrd. , sondern auch bei 300 oder 400 Mrd. oder der berühmten Billion. Und wenn damit keine Inflationsgefahr verbunden ist, auch ad infinitum.

      Klingt für mich nach Alchimie und Perpetuum Mobile. Bitte um Nachsicht und eine Erklärung.

      • Spiegelfechter schrieb am 16. Februar 2012 at 16:53 - Permalink

        Theoretisch würde das funktionieren. Aber natürlich nur dann “inflationsneutral”, wenn die EZB die Papiere schon in ihren Bilanzen hat. Wenn die EZB weitere Papiere kauft, kommt neues Zentralbankgeld in den Welt. Ob dieses Geld einen Inflationseffekt auslöst, ist strittig. Ich sage nein. Wenn es diesen Effekt gäbe, müssten wir ihn ja jetzt schon beobachten, da die EZB auf dem Sekundärmarkt ja bereits seit längerem kräftig einkauft.

        • HHarlekin schrieb am 16. Februar 2012 at 17:01 - Permalink

          Daran anschließend möchte ich auch “naiv” nachfragen: kann das mit der Geldmenge zu tun haben, in welchem Verhältnis diese Aufkäufe zu ihr stehn? Z. B. (zur Verdedeutlichung, wie ich es meine): Angenommen 10 Billionen sind sowieso real unterwegs, würde man 200 oder 300 Milliarden Zukäufe noch nicht merken, eine Billion aber schon? (Ich hoffe, ich drücke mich verständlich aus ;-) )

          Grüße

          • Spiegelfechter schrieb am 16. Februar 2012 at 17:25 - Permalink

            Du hast Dich verständlich ausgedrückt ;-)

            Das ist aber alles nicht so leicht zu beantworten. Die Monetaristen (also die konservativen Ökonomen rund um Issing) vertreten genau die Position, nach der die Geldmenge den Geldwert (Inflation/Deflation) direkt beeinflussen würde. Das ist aber mehr als fragwürdig. Wie entsteht Inflation? Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

            a) das zirkulierende Geld wächst schneller als das Güterangebot
            b) die Währung wertet ab, was Importe verteuert

            Um nach a) eine inflationstreibende Wirkung zu haben, muss das Geld aber auch bei den Nachfragern von Gütern ankommen – es muss also wirklich zirkulieren. Es ist jedoch fraglich, ob die ganzen Interbankengeschäfte rund um die Staatsanleihen überhaupt einen Einfluss auf die zirkulierende Geldmenge haben.

            Dazu habe ich jedoch noch zwei Anmerkungen:

            1) Durch ein Abschreiben der Griechenlandanleihen seitens der EZB und/oder der Bundesbank weitet sich die Geldmenge nicht aus!
            2) Die von mir genannten Zusammenhänge beziehen sich nur auf den Sekundärmarkt, also auf Anleihen, die schon ausgegeben sind. Würde die EZB den Staaten (das darf sie jedoch gar nicht) direkt Anleihen abkaufen und diese dann abschreiben, würde dies die Geldmenge zweifelsohne ausweiten und das Geld käme zweifelsohne auch in den Kreislauf.

            • HHarlekin schrieb am 16. Februar 2012 at 19:10 - Permalink

              Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

              “…muss das Geld aber auch bei den Nachfragern von Gütern ankommen – es muss also wirklich zirkulieren. ”

              Danke, das wäre auch noch eine Frage gewesen. ;-)

              “…ob die ganzen Interbankengeschäfte rund um die Staatsanleihen überhaupt einen Einfluss auf die zirkulierende Geldmenge haben.”

              Genau, es ist nicht auf einem Waren-Markt angekommen. Auch wenns ein anderes Thema ist: gilt das nicht auch für viele andere reine Finanzmarkt-Geschäfte, bei denen es ausschließlich um Geld-gegen-Geld-Geschäfte geht (Z. B. Waren-Spekulationen meine ich da nicht)?

              Auch der Rest leuchtet ein.

              Nochmals herzlichen Dank

              Grüße

            • Momo schrieb am 16. Februar 2012 at 21:32 - Permalink

              ,,, und das Geld “zirkuliert” nur dann inflationstreibend (d.h. mit einer Inflationsrate oberhalb der EZB-Zielinflationsrate in Höhe von ca. 2% p.a.) , wenn die Lohnstückkosten stärker steigen als die EZB-Zielinflationsrate und / oder die Verbrauchernachfrage stärker steigt als das Warenangebot (und damit eine “Verknappung” des Warenangebotes in Relation zur kaufwilligen Nachfrage zu verzeichnen wäre). Da zumindest innerhalb der Eurozone in absehbarer Zukunft eher mit Reallohnsenkungen (Krisenstaaten) oder bestenfalls geringen Reallohnsteigerungen (möglicherweise in Deutschland) zu rechnen ist, ist ein Ansteigen der Inflation eher unwahrscheinlich. Die momentan nur minimal über der EZB-Zielinflationsrate von ca. 2% liegende Inflation hierzulande läge ohne den inflationstreibenden Einfluß aus dem Ölpreis bei lediglich 1,5% und damit deutlich unter der ca. 2%-igen Zielinflationsrate der EZB.

            • superguppi schrieb am 16. Februar 2012 at 22:03 - Permalink

              Die von mir genannten Zusammenhänge beziehen sich nur auf den Sekundärmarkt, also auf Anleihen, die schon ausgegeben sind. Würde die EZB den Staaten (das darf sie jedoch gar nicht) direkt Anleihen abkaufen und diese dann abschreiben, würde dies die Geldmenge zweifelsohne ausweiten und das Geld käme zweifelsohne auch in den Kreislauf.

              Ich glaube, Heiner Flassbeck hat bei den Pleisweiler Gesprächen gesagt, dass es keinen Unterschied macht, ob die EZB die Staatsanleihen auf dem Primär- oder Sekundärmarkt kauft. Nur ist die jetzige Situation so, dass die Privatbanken durch das Verbot, am Primärmarkt zu kaufen, massiv subventioniert werden und die Verschuldung der Staaten in die Höhe getrieben wird.

            • schwitzig schrieb am 17. Februar 2012 at 05:41 - Permalink

              @SF

              Um nach a) eine inflationstreibende Wirkung zu haben, muss das Geld aber auch bei den Nachfragern von Gütern ankommen – es muss also wirklich zirkulieren. Es ist jedoch fraglich, ob die ganzen Interbankengeschäfte rund um die Staatsanleihen überhaupt einen Einfluss auf die zirkulierende Geldmenge haben.

              die bei den meisten Menschen verbreitete Vorstellung ist es, dass die Geldmenge in einer proportionalen Relation zur Gütermenge steht. Aber diese Relation – wenn sie überhaupt existiert – kann von den einzelnen “Markt”teilnehmern in der Realität ja methodisch in keiner Weise festgestellt oder wahrgenommen werden, es sei denn, dass die Masse der Güter nicht ausreichend lieferbar ist, so dass aus einer Not heraus höhere Preise geboten werden, um andere Teilnehmer auszubooten.
              Ich denke daher, dass die Geldmenge völlig unwichtig ist und keinerlei Einfluss auf Inflation hat, es sei denn, sie wird von Politikern als Instrument mißbraucht, um eine durch andere Ursachen entstandene Inflation zu begründen oder zu kaschieren.
              Ein Trugschluss ist es allerdings davon auszugehen, dass es nur eine Inflation in der offiziellen ca. 2%-Dimension gäbe – das ist schlicht falsch.
              Inflationsangst kann auch ein Vehikel zur Steuerung der Massen sein, um die eigenen Interessen gegen die der Mehrheit durchzusetzen,
              Mir konnte noch niemand erklären, wie es möglich sein sollte, dass die “Geldmengen” – die ja in der Realität einfach nur weitestgehend fiktive Zahlen sind – irgendeinen Einfluss z.B. auf den Preis von Brot haben sollten, wenn nicht mehr Brot verlangt wird, als verfügbar ist.

            • T-Fighter schrieb am 17. Februar 2012 at 08:47 - Permalink

              Einen direkten Zusammenhang wie nach der Quantitätsformel gibt es nicht. Für die OECD-Länder stimmt der Sachverhalt schon seit den 80ern nicht mehr. Da sind sich doch die meisten einig.

              Dass die Geldmenge gar keinen Einfluss hat, selbst wenn es genügend Waren gibt, würde ich trotzdem nicht behaupten, solange es nicht zuhause gebunkert wird. Ein Anbieter wird doch schon sehen, ob sein Warenbestand in letzter Zeit knapper als sonst ist.

              Es gibt daneben auch ein weiteres Problem: Inflation ist eine “allgemeine” Preissteigerung. Der Finanzmarkt wird aber normalerweise nicht in einem Warenkrob abgebildet. Die Preise sind von Aktien sind in den letzten Wochen hochgeschossen aufgrund erhöhter Liquidität. Derivate haben absolut keinen Einfluss auf unseren Verbraucherindex, obwohl die Preise dort vemutlich Amok laufen könnten. Irgendwann (1 Tag – 100 Jahre) wird das noch überschwappen und da besteht nunmal die Angst der Zentralbanker.

              Zudem spielt das Thomas-Theorem eine Rolle. Wenn jeder eine Inflation erwartet und sich demensprechend so verhält, dann kommt es auch kurzfristig zur einer Inflation, obwohl die eigene Branche kaum davon betroffen ist.

              Welche Interessen sollte hingegen das Schüren von Inflationsangst bedienen?

      • R_Winter schrieb am 16. Februar 2012 at 17:05 - Permalink

        Klingt für mich nach Alchimie und Perpetuum Mobile. Bitte um Nachsicht und eine Erklärung.

        Die Antwort steht doch im Artikel – bitte nicht mit den Bad Banks der Geschäftsbanken verwechseln.

        ———————-
        JB: Vielen Dank für die Klarstellungen.

        Prof. (Un) Sinn … schreibt leider viel Unsinn.

    3. HHarlekin schrieb am 16. Februar 2012 at 16:51 - Permalink

      “Allenthalben liest man heutzutage, dass die Verluste der EZB oder der Bundesbank vom Steuerzahler zu übernehmen seien. Wie kommen die Autoren eigentlich zu diesem Urteil?…fff…”

      Es ist schön, zu lesen, wie jemand unaufgeregt, fachlich fundiert und dennoch verständlich mit (nicht nur) diesem Punkt aufräumt. In zahlreichen Diskussionen auch im Freundeskreis taucht gerade dieser bzw. vergleichbare Punkte auf, und es sind alles intelligente, gebildete, nette Leute, weder Rechts-Wähler noch Bild-Leser (“Wir müssen die Schulden der anderen Länder zahlen, wir müssen die EZB-Defizite alle bezahlen, die EZB darf kein Geld drucken, weils sonst Inflation gibt, wir müssen endlich mal ALLE (!) Staatsschulden zurückzahlen, wie – Geldschöpfung? Unsinn, das sind doch Schulden!” etc…) da fehlt einfach das Wissen, und die Propaganda läuft entsprechend pausenlos, weshalb ich bei diesem sehr komplexen Thema niemandem einen Vorwurf machen kann, der es nicht besser weiß – ich hab selbst oft genug kapituliert. ;-)

      Herzlichen Dank für die verständliche Darstellung dieser komplexen Materie, die Infos helfen auch mir, diese Sachverhalte besser zu verstehen.

      Grüße

      • Spiegelfechter schrieb am 16. Februar 2012 at 16:58 - Permalink

        Das ist ja das Problem. Diese “netten” Leute – ich bezweifele das nicht – sind ja auch keine Fachleute für Zentralbankrecht. Ich bin das auch nicht. Ich war mir anfangs (vor zwei Jahren) auch nicht sicher und habe mich erst ins Thema eingelesen. Glaub mir, nur die wenigsten Ökonomen haben je etwas von Zentralbankrecht gehört und wie eine Zentralbank funktioniert, ist ihnen auch nur selten bekannt. Das ist aber nicht schlimm, dafür gibt es ja Experten wie z.B. Siekmann. Ich sehe hier auch eher ein Versagen der Medien, die ihrer Aufklärungspflicht ganz einfach nicht nachkommen, da sie alles nur nachplappern und nichts hinterfragen. Es gibt m.W. kein einziges Fachbuch über das Zentralbankrecht, das die kolportierte Version stützt. Sogar der – alles andere als progressive – Ottmar Issing gesteht dies ja ein.

        • HHarlekin schrieb am 16. Februar 2012 at 17:08 - Permalink

          Danke für die ehrliche Antwort.

        • COPOKA schrieb am 18. Februar 2012 at 00:59 - Permalink

          Glaub mir, nur die wenigsten Ökonomen haben je etwas von Zentralbankrecht gehört und wie eine Zentralbank funktioniert, ist ihnen auch nur selten bekannt.

          Da stellt sich allerdings die Frage – wer hat denn dieses Recht und entsprechende Gesetzgebung erschaffen? Es ist doch nicht gottgegeben ;)
          Oder waren mal Politiker, Staatsbedienstete und Ökonomen kluger gewesen?

      • FetteBeute schrieb am 16. Februar 2012 at 19:16 - Permalink

        Wir hatten die letzten Jahre im westlichen Umfeld eine Spekulationsblase enormen Ausmaßes. Die damit einhergehenden Verluste (aus gezogenen CDS-Kontrakten beispielsweise) stellen tatsächlich geldpolitisch eine Gefahr dar. Im Augenblick reichen die Zentralbanken “gedeckte Schecks” an die Zocker (Banken, Versicherungen) rüber. Damit diese nicht Pleite gehen können.
        Die Befürchtung der Konservativen ist die: Dieses Kompensation der Geldmengenkontraktion (denn diese würde sonst stattfinden) könnte zu Inflation führen. Der Autor hat weiter oben schon darauf hingewiesen das das nicht der Fall sein muß und das augenblicklich wenig dafür spricht.

        Auch das Ungleichgewicht bei den Target2-Salden stellt natürlich ein Problem dar, da diese hohen Salden letztlich die Mittelabflüsse aus der Eurozonen-Perpipherie darstellen. Der dadurch erhöhte Refinanzierungsbedarf der peripheren Geschäftsbanken (in Griechenland, Portugal etc.) kann zu weiteren Bankpleiten führen. Denn: Niemand ist verpflichtet diesen Geschäftsbanken Geld zu geben. Wenn diese Banken kein Geld mehr bekommen, dann müssen zwangsläufig die Zentralbanken einspringen (wenn die eine Serien-Bankenpleite verhindern wollen). Dadurch würden wir eine weitere massive Ausweitung der Geldmengen bekommen.
        Zusammenfassend: Der Geldmarkt ist völlig aus den Fugen geraten. Da nützen auch die ganzen “Befürchtungen” der Konservativen bzgl Inflation etc nichts. Damit löst man keine Probleme.
        Wir brauchen eine Neuordnung des Geldmarkts innerhalb der Euro-Zone und eine Neuordnung des Bankwesens. Das steht uns bevor. Offensichtlich ist sich dessen noch niemand so recht bewußt.

        • Spiegelfechter schrieb am 16. Februar 2012 at 19:40 - Permalink

          Alles richtig, nur die Target-2-Salden interpretiere ich ein wenig anders. Sie sind “nur” ein Anzeichen dafür, dass a) Kapitalflucht aus der Peripherie ins Zentrum stattfindet und b) die Banken des Zentrums kaum noch Kredite (auch keine Interbankenkredite) mehr in die Peripherie vergeben, was nicht mal verwunderlich ist, da dort aufgrund der Rezession auch allgemein weniger Kredite nachgefragt werden dürften.

          Dies alles hat natürlich dazu geführt, dass der Bankensektor der Peripherie sich über die EZB mit Geld versorgt. Über zusätzliche Risiken sagt dies aber m.E. nichts aus. Ob die Banken mit EZB-Geld oder Geld vom Interbankenmarkt operieren, ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass die Wirtschaft in der Peripherie wieder Luft bekommt. Das ist das Risiko!

          • Shitop schrieb am 17. Februar 2012 at 10:55 - Permalink

            Nun stellt sich langsam die Frage, wie können sich Länder wie GR aus der Peripherie lösen?
            Auf die Auswirkungen der Plattentektonik zu warten, dürfte sich ja aus zeitlichen Gründen erübrigen. Alle peripheren Länder wieder aus der EU ausschließen bringt auch nicht sehr viel. Peripherie ist relativ und irgendwann ist auch Oberbayern peripher.

    4. chefarztfraulicher:beobachter schrieb am 16. Februar 2012 at 16:52 - Permalink

      Meister Trittin hat’s auch noch nicht begriffen. Wir leben halt unter konsistenter Idiokratie. Shit.

    5. FetteBeute schrieb am 16. Februar 2012 at 18:23 - Permalink

      Das Niveau dieses Artikels liegt weit über dem was man so in der Wirtschaftspresse liest. Eine gute Vorlage für eine kontroverse Diskussion um Geldmarkt, Gold, Inflation, Deflation etc hier im Forum.

    6. Jo schrieb am 16. Februar 2012 at 18:25 - Permalink

      Ergänzung zu: [«1]
      Neuste Zahlen zu den Target2-Salden gibt es übrigens – ständig aktualisiert – unter:
      http://www.querschuesse.de/target2-salden/

      Die Seite finde ich auch sonst sehr empfehlenswert.

      • Spiegelfechter schrieb am 16. Februar 2012 at 19:41 - Permalink

        yep, die Querschuesse sind sehr empfehlenswert!

        • Pablo schrieb am 16. Februar 2012 at 22:59 - Permalink

          Nicht nur die Querschuesse – auch Deine Seite, weil Du das Thema gut erklären und argumentieren kannst – und das für einen Nichtstudenten sehr verständlich. Danke. Als Beilage empfehle ich feynsinn….oder ad sinistram.

          Die derzeitige Entwicklung ist grotesk. Ich hoffe sehr, das die Bevölkerung endlich mal aufwacht. Der Richtungswechsel ist auch für nachfolgenden Generationen sehr wichtig.

    7. Peter Hornbach schrieb am 16. Februar 2012 at 19:18 - Permalink

      Laienmeinung gegen Laienmeinung

      Sehr geehrter Herr Berger,
      Ihrer Laienmeinung (Sie sind ja nach eigenen Auskünften kein Zentralbankexperte) möchte ich meine Laienmeinung entgegensetzen. Vorab: Ich teile die meisten Meinungen der NDS, ordne mich dem politisch linken Spektrum zu und teile insbesondere Ihre und die Meinung der NDS generell, dass die Austeritätspolitik verheerend wirkt. Keinesfalls anschließen möchte ich mich auch dem Griechen-Bashing. Vielmehr bin ich der Meinung, dass die relevanten Interessengegensetze orthogonal zu Nationen verlaufen. Es findet ein Klassenkrieg Reich gegen Arm statt, also z.B. reiche Deutsche und Griechen zusammen gegen arme Deutsche und Griechen.

      Dennoch glaube ich, dass ein zentrales Missverständnis bzgl. der Geldpolitik auf Ihrer Seite liegt: Ganz wie viele andere, insbesondere auch Journalisten, konzentrieren Sie Ihre Betrachtungen viel zu sehr auf das Geld statt auf die Realwirtschaft. Man könnte fast glauben, Sie (und viele andere) hätten ganz aus dem Blick verloren, dass Geld nur ein Symbol ist, ein Symbol für reale Güter und Dienstleistungen. Dass z.B. der griechische Staat überschuldet ist (ein monetäres Phänomen) ist doch nur die symbolische Abbildung des dahinterliegenden, eigentlichen, realen Problems: Die griechische Volkswirtschaft hat über lange Zeit mehr konsumiert als produziert (ohne damit etwas über inner-griechische Ursachen auszusagen, s. meine obige Bemerkung bzgl. eines Klassenkrieges). Im Gegenzug dafür hat Griechenland Versprechungen verteilt, den Saldo an mehr konsumierten als produzierten Leistungen irgendwann doch noch auszugleichen, Versprechungen in Form von griechischen Staatsanleihen. In Realtermen könnte dieses Problem allein dadurch gelöst werden, dass Griechenland seine Versprechen einlöste und produzierte. Mit der Geldmenge hat dies alles nichts zu tun, es fehlt an realen Gütern, die zu produzieren versprochen wurden, dann aber tatsächlich nicht produziert wurden. So wie es aussieht, wird Griechenland (und andere) seine Versprechen (Menge an versprochenen aber nie produzierten realen Gütern gemessen in den ausstehenden Staatsanleihen bewertet mit heutiger Kaufkraft) niemals einlösen können. Es sind also bereits Verluste in Realgütern aufgelaufen und es steht einzig und allein noch die Frage aus, wie diese Verluste verteilt werden.

      Erst nach Feststellung dieses bereits eingetretenen Verlustes lohnt sich ein Blick auf die Geld(mengen)politik, weil diese nun entscheidet, wer welchen Anteil dieser Verluste tragen wird. Bei Ihrer ausschließlichen Fokussierung auf den monetären Aspekt der Krise, fehlt mir Ihre Feststellung, dass Verluste bereits real und unwiderruflich eingetreten sind. Vielmehr suggerieren Sie indirekt (und – sicher ganz gegen Ihren Willen – im Gleichklang mit der Politik), es handele sich ausschließlich um ein monetäres Problem und könne daher auch mit Mitteln der Geldpolitik gelöst werden.

      Werfen wir also einen Blick auf die Verlustverteilungsfrage, die durch Geldpolitik entschieden wird: Die EZB hat Staatsanleihen von Griechenland und anderen Staaten gekauft, die ihre Versprechungen bzgl. der Realgüterproduktion nicht werden einlösen können. Noch hat die EZB nicht eingestanden, dass die Versprechungen der Realgüterproduktion nicht gehalten werden können, denn die Schuldverschreibungen dieser Länder sind bisher nicht abgeschrieben. Sie thematisieren den Fall, dass die EZB das Offensichtliche eingesteht, nämlich dass die Schulden dieser Staaten (in Realgütern) uneinbringlich sind, was buchungstechnisch bedeuten würde, die entsprechenden Schuldverschreibungen abzuschreiben. Sie kritisieren, dass z.B. der SPIEGEL behaupte, die durch diese Buchung bei der EZB anfallenden Verluste müssten durch die Steuerzahler ausgeglichen werden. D.h. der SPIEGEL behauptet, wenn z.B. die EZB Staatsschuldverschreibungen in Höhe von 300 Mrd. € abschreibt, diese 300 Mrd. € dann an zusätzlichen Steuern eingenommen und an die EZB abgeliefert werden müssen. Mit Ihrer Kritik, dass diese Notwendigkeit nicht besteht, liegen Sie wohl richtig. Keinesfalls bedeutet dies allerdings – und das scheinen Sie mir indirekt zu suggerieren – dass mit der von Ihnen vorgeschlagenen Alternative, die EZB beließe den Verlust unausgeglichen, für die Steuerzahler alles in Butter wäre: Das Geld für die nicht produzierten aber versprochenen Güter ist bereits im Umlauf: Die EZB hat neues Geld, das es vorher nicht gab und das deshalb keine Leistungsdeckung in Realgütern hat hergestellt (vulgo: gedruckt) und damit diese Staatsanleihen “gekauft”. Dieses Geld wurde benutzt um einen Teil der Staatsschulden dieser Länder überzurollen, d.h. damit wurden alte Anleihen dieser Länder getilgt, dieses ungedeckte Geld ging also an die Halter alter Anleihen, z.B. Banken, Versicherungen, etc. Wir halten fest: Banken, Versicherungen und andere “Spieler” halten also nun dieses ungedeckte Geld. Die Tatsache, dass dies bisher zu keiner übermäßigen Inflation geführt hat (die Lebensmittel im Supermarkt haben sich noch nicht dramatisch verteuert), sollte Sie nicht zu dem Glauben verleiten, dies werde auf alle Zeit so bleiben. In der Tat hängt der Ausbruch einer Teuerung von Gütern daran, wann dieses ungedeckte Geld eingesetzt wird, um reale Güter zu kaufen. Offensichtlich ist dies bisher noch nicht in großem Umfang erfolgt (abgesehen von isolierten Teilmärkten wie z.B. den Aktienmärkten oder Edelmetallen). Allerdings wird dies m.E. so nicht bleiben. Die Schnittstelle zu Realgütern bilden die Rohstoffe: Die Besitzer des ungedeckt von der EZB herausgegebenen Geldes (Banken, Hedgefonds, …) werden damit z.B. auf dem Ölmarkt spekulieren, die Preise für Öl (und andere wichtige Rohstoffe) nach oben treiben und dies wird sich dann auch im Supermarkt bei Lebensmitteln und anderen Alltagsgütern niederschlagen (z.B. über den Transportkostenanteil).

      Meiner Meinung nach würde Ihre Lösung, die EZB bliebe einfach auf ihren Verlusten sitzen, würde keinen Ausgleich einfordern, z.B. über genannten Mechanismus zu Inflation führen. Die Allgemeinbevölkerung hätte also den Verlust in Form eines entsprechenden Kaufkraftverlustes zu tragen, nichts wäre in Butter. Würden die EZB-Verluste durch Erhebung von zusätzlichen Steuern ausgeglichen (was, was gemäß der vermutlich unzutreffenden Behauptung des SPIEGELs zwingend wäre) bliebe (ceteris paribus) die Kaufkraft des Geldes erhalten. Welche “Lösung” das kleinere Übel wäre, hinge sehr von den Details der zusätzlichen Steuern ab. Grundsätzlich gäbe es, entsprechenden politischen Willen vorausgesetzt, der aber fehlt, die Möglichkeit, den Verlustausgleich über Steuern gerechter zu gestalten als die (von Ihnen indirekt favorisierte Inflationslösung), da man Steuern selektiv z.B. bei den primären Verursachern der Krise erheben könnte, während die Inflation alle träfe und damit inhärent unsozial wäre.

      Mein Apell an Sie lautet: Lassen Sie sich nicht, wie so viele, aufs Glatteis führen (und ziehen uns, Ihre Leser, gleich hinterher), indem Sie sich wie die Politiker auf den monetären Aspekt der Krise fokussieren. Wäre fehlendes Geld das Problem, gäbe es in der Tat gar kein Problem, da die Zentralbanken das Geld einfach drucken könnten. Nein, das Problem ist, dass es an realen Gütern und Dienstleistungen fehlt (gemessen an gehaltenen Ansprüchen in Geldvermögen bewertet mit aktueller Kaufkraft) und die Frage ist, wer welchen Anteil der Verluste zu tragen hat. Auf diese Frage sollten Sie sich m. M. nach konzentrieren.

      • FetteBeute schrieb am 16. Februar 2012 at 20:14 - Permalink

        Berger ist Volkswirt. Damit kennt er dann auch den Zusammenhang zwischen Wertschöpfung, Geldschöpfung und Zirkulationsgrößen. (Quantitätsgleichung etc.)

      • Spiegelfechter schrieb am 16. Februar 2012 at 20:58 - Permalink

        Dennoch glaube ich, dass ein zentrales Missverständnis bzgl. der Geldpolitik auf Ihrer Seite liegt: Ganz wie viele andere, insbesondere auch Journalisten, konzentrieren Sie Ihre Betrachtungen viel zu sehr auf das Geld statt auf die Realwirtschaft.

        Dem stimme ich vorbehaltlos zu. Bei der Frage des Umgangs mit den Staatsschulden Griechenlands geht es jedoch um Geldpolitik.

        Man könnte fast glauben, Sie (und viele andere) hätten ganz aus dem Blick verloren, dass Geld nur ein Symbol ist, ein Symbol für reale Güter und Dienstleistungen.

        Nicht wirklich. Geld ist eine Forderung und weniger ein Symbol.

        Dass z.B. der griechische Staat überschuldet ist (ein monetäres Phänomen) ist doch nur die symbolische Abbildung des dahinterliegenden, eigentlichen, realen Problems: Die griechische Volkswirtschaft hat über lange Zeit mehr konsumiert als produziert

        Das ist in dieser Entschiedenheit leider falsch. Ob eine Volkswirtschaft konsumiert oder produziert hat erst einmal nicht zwingend etwas mit der Leistungbilanz zu tun. Konsumiert eine Volkswirtschaft beispielsweise ihre gesamte Produktion (und nicht mehr) hat sie erst einmal eine ausgeglichene Leistungsbilanz.

        Im Gegenzug dafür hat Griechenland Versprechungen verteilt, den Saldo an mehr konsumierten als produzierten Leistungen irgendwann doch noch auszugleichen,

        Und da sind wir beim Kernproblem. Ein Land kann in einer Währungsunion nun einmal keine Anpassung vornehmen und auch “der Markt” kann dies nur sehr schwer. Dies kann durchaus zu einem Teufelskreis werden, das ist korrekt.

        In Realtermen könnte dieses Problem allein dadurch gelöst werden, dass Griechenland seine Versprechen einlöste und produzierte.

        Sie versteifen sich da zu sehr auf das Produzieren. Es geht aber doch eher um die Finanzströme. Hätte Griechenland beispielsweise seinen Tourismus massiv gesteigert, wäre auch ohne mehr Produktion mehr Kapital ins Land geflossen. Hätten griechische Unternehmen im Ausland höhere Profite erzielt, wäre ebenfalls mehr Kapital ins Land geflossen. Nehmen wir doch mal drei Extrembeispiele: Hong Kong, Singapur und Luxemburg produzieren streng genommen fast gar nichts, haben jedoch aufgrund ihrer Auslandspositionen nicht das geringste Problem, ihre Staatsschulden zu refinanzieren (sie hätten auch kein Problem, wenn die Staatsschuldenquote griechische Ausmaße hätte).

        Mit der Geldmenge hat dies alles nichts zu tun, es fehlt an realen Gütern, die zu produzieren versprochen wurden, dann aber tatsächlich nicht produziert wurden.

        Diese Interpretation erschließt sich mir nicht, da sie sich einzig und allein auf den industriellen Sektor beschränkt und außerdem auch die Besitzverhältnisse und die Kapitalströme ignoriert.

        So wie es aussieht, wird Griechenland (und andere) seine Versprechen (Menge an versprochenen aber nie produzierten realen Gütern gemessen in den ausstehenden Staatsanleihen bewertet mit heutiger Kaufkraft) niemals einlösen können.

        Das steht außer Frage.

        Es sind also bereits Verluste in Realgütern aufgelaufen und es steht einzig und allein noch die Frage aus, wie diese Verluste verteilt werden.

        Was sind denn “Verluste in Realgütern”?

        Bei Ihrer ausschließlichen Fokussierung auf den monetären Aspekt der Krise

        Das tue ich doch gar nicht. Ich kann aber doch nicht in jedem Artikel, der Griechenland auch nur streift, ein Ceterum Censeo anfügen, in dem ich auf die Real Terms und die Ungleichgewichte eingehe. Das tue ich doch schon häufig genug, so z.B. gestern in meinem Artikel zum “Alarmbericht”.

        , fehlt mir Ihre Feststellung, dass Verluste bereits real und unwiderruflich eingetreten sind.

        Das verstehe ich jetzt nicht. Welche Verluste denn?

        Vielmehr suggerieren Sie indirekt (und – sicher ganz gegen Ihren Willen – im Gleichklang mit der Politik), es handele sich ausschließlich um ein monetäres Problem und könne daher auch mit Mitteln der Geldpolitik gelöst werden.

        Da muss man unterscheiden. Die zugrundeliegenden Real-Term-Probleme lassen sich natürlich nicht durch Geldpolitik lösen. Die akute Refinanzierungs- und Budgetkrise (als solches würde ich die “Griechenlandkrise” mal bezeichnen) lässt sich jedoch im Umkehrschluss nicht durch Real-Term-Ansätze lösen (dafür reicht die Zeit nicht), sondern nur durch geldpolitische Maßnahmen. Das ist sozusagen die Feuerwehr. Wie man das Haus danach wieder aufbauen kann und welche Brandschutzmaßnahmen man ergreift, ist idT vor allem eine Frage der Real Terms. Die Geldpolitik kann hier jedoch unterstützend eingreifen, indem sie z.B. die Mittel für einen Wiederaufbau-Fonds bereitstellt. Private Investoren werden dies nämlich ganz sicher nicht tun.

        Werfen wir also einen Blick auf die Verlustverteilungsfrage, die durch Geldpolitik entschieden wird: Die EZB hat Staatsanleihen von Griechenland und anderen Staaten gekauft, die ihre Versprechungen bzgl. der Realgüterproduktion nicht werden einlösen können.

        Ja und nein (ich interpretiere dabei ihre “Realgüterproduktion” einmal um, ansonsten verrennen wir uns). Die EZB hat diese Papiere nicht Griechenland, sondern den Banken abgekauft. Sie hat also Forderungen, von denen jeder weiß, dass sie nicht voll erfüllt werden können, übernommen – nicht weil sie Vertrauen in Griechenland hat, sondern weil sie die Sekundärmärkte stabilisieren wollte, um ein Ausbreiten der Krise auf andere Länder zu verhindern. Dies hat sie übrigens sehr erfolgreich getan.

        Noch hat die EZB nicht eingestanden, dass die Versprechungen der Realgüterproduktion nicht gehalten werden können, denn die Schuldverschreibungen dieser Länder sind bisher nicht abgeschrieben.

        Zum Teil sind sie das, da sie m.W. nicht zum Nennwert, sondern zum Kaufpreis bilanziert werden. Wie ich im Artikel darstelle, ist dies aber gar nicht so fürchterlich wichtig, da die EZB die Anleihen theoretisch zu jedem denkbaren Wert bilanzieren könnte, ohne dass dies ein großes Problem darstellen würde.

        Sie thematisieren den Fall, dass die EZB das Offensichtliche eingesteht, nämlich dass die Schulden dieser Staaten (in Realgütern) uneinbringlich sind, was buchungstechnisch bedeuten würde, die entsprechenden Schuldverschreibungen abzuschreiben.

        Zumindest zum Teil, ja.

        Sie kritisieren, dass z.B. der SPIEGEL behaupte, die durch diese Buchung bei der EZB anfallenden Verluste müssten durch die Steuerzahler ausgeglichen werden. D.h. der SPIEGEL behauptet, wenn z.B. die EZB Staatsschuldverschreibungen in Höhe von 300 Mrd. € abschreibt, diese 300 Mrd. € dann an zusätzlichen Steuern eingenommen und an die EZB abgeliefert werden müssen.

        Richtig.

        Mit Ihrer Kritik, dass diese Notwendigkeit nicht besteht, liegen Sie wohl richtig. Keinesfalls bedeutet dies allerdings – und das scheinen Sie mir indirekt zu suggerieren – dass mit der von Ihnen vorgeschlagenen Alternative, die EZB beließe den Verlust unausgeglichen, für die Steuerzahler alles in Butter wäre

        Das ist

        Das Geld für die nicht produzierten aber versprochenen Güter ist bereits im Umlauf: Die EZB hat neues Geld, das es vorher nicht gab und das deshalb keine Leistungsdeckung in Realgütern hat hergestellt (vulgo: gedruckt) und damit diese Staatsanleihen “gekauft”.

        Das ist indirekt richtig. Dieses Geld wurde Griechenland von den Banken gegeben. Die EZB hat den Banken die Forderungen mit Abschlag abgekauft. Das Geld ist idT bereits seit langem im Umlauf.

        Wir halten fest: Banken, Versicherungen und andere “Spieler” halten also nun dieses ungedeckte Geld.

        Das ist wiederum falsch. Die Banken haben Griechenland das Geld bei der Emission der Anleihen gegeben und dafür eine Forderung erhalten, die sie an die EZB abgetreten haben. Mit dem Geld, dass die EZB den Banken überwiesen hat, haben diese also ihre Forderungen getilgt (mit Verlust). Das, was sie “ungedecktes” Geld nennen, wurde vom griechischen Staat ausgegeben. Wofür dieses Geld ausgeben wurde, ist dabei nicht nur nebensächlich, sondern unmöglich zu bestimmen. Ein Teil dieses Geldes ging in die Bezahlung der Staatsdiener, ein Teil in Infrastrukturprojekte, ein Teil in Rüstungsgüter aus Deutschland und ein Teil in die Einlösung auslaufender Anleihen. Dieses Geld ist auch nicht “ungedeckt”, es wäre – bei einem “Schuldenerlass” durch die EZB – nun Zentralbankgeld, dass sich nicht von anderem Zentralbankgeld unterscheiden würde und über kurz oder lang durch geldpolitische Instrumente wieder “eingefangen” wird.

        Die Tatsache, dass dies bisher zu keiner übermäßigen Inflation geführt hat (die Lebensmittel im Supermarkt haben sich noch nicht dramatisch verteuert), sollte Sie nicht zu dem Glauben verleiten, dies werde auf alle Zeit so bleiben.

        Sicherlich, das hat natürlich etwas mit dem Umfang zu tun. Streng genommen müsste die EZB die Summen, die sie in ihre Anleihenaufkaufprogramme steckt, durch andere geldpolitische Maßnahmen aus dem Verkehr ziehen. Die EZB sagt auch, dass sie dies tut. Ich sehe das jedoch etwas anders, aber das ist jetzt zu speziell. Sehen Sie das Programm also erst einmal (im “schlimmsten” Falle) als ein Ausweitung der Geldmenge, als Musterbeispiel des Quantitative Easing, das auch in den USA und GB nicht zu einer Erhöhung der Inflation geführt hat. Meine Vermutung ist jedoch eine ganz andere. Da die Banken die Anleihen selbst auf Pump, also von der EZB kreditfinanziert, gekauft haben, findet durch eine Übertragung der Forderungen keine Geldmengenerweiterung, sondern – genau im Gegenteil – eine Geldmengenkontraktion statt, da die Banken ja Verluste abschreiben mussten.

        In der Tat hängt der Ausbruch einer Teuerung von Gütern daran, wann dieses ungedeckte Geld eingesetzt wird, um reale Güter zu kaufen. Offensichtlich ist dies bisher noch nicht in großem Umfang erfolgt (abgesehen von isolierten Teilmärkten wie z.B. den Aktienmärkten oder Edelmetallen).

        Das mag daran liegen, dass die Banken die Anleihen zu fast 100% auf Pump gekauft haben und somit lediglich Forderungen der EZB an das Bankensystem in Forderungen der EZB an die Staaten umbilanziert wurden. Eine solche Umbilanzierung hat jedoch gar keine Auswirkungen auf die Geldmenge und auch nicht auf die Inflation. Wie denn auch?

        Allerdings wird dies m.E. so nicht bleiben. Die Schnittstelle zu Realgütern bilden die Rohstoffe: Die Besitzer des ungedeckt von der EZB herausgegebenen Geldes (Banken, Hedgefonds, …)

        An welcher Stelle haben die Banken denn bitte “ungedecktes” Geld?

        Meiner Meinung nach würde Ihre Lösung, die EZB bliebe einfach auf ihren Verlusten sitzen, würde keinen Ausgleich einfordern, z.B. über genannten Mechanismus zu Inflation führen.

        Das würde jedoch voraussetzen, dass die Geldmenge a) erweitert wird und b) zu inflationstreibenden Effekten führt. Beides sehe ich nicht als gegeben.

        Würden die EZB-Verluste durch Erhebung von zusätzlichen Steuern ausgeglichen (was, was gemäß der vermutlich unzutreffenden Behauptung des SPIEGELs zwingend wäre) bliebe (ceteris paribus) die Kaufkraft des Geldes erhalten.

        Nein. Wenn die EZB Verluste ausweist und dieses Geld über Steuern zurückgezahlt wird, wird es vernichtet. Dies hätte eine deflationäre Auswirkung.

        Mein Apell an Sie lautet: Lassen Sie sich nicht, wie so viele, aufs Glatteis führen (und ziehen uns, Ihre Leser, gleich hinterher), indem Sie sich wie die Politiker auf den monetären Aspekt der Krise fokussieren.

        Das tute ich doch auch nicht. Ich beantworte “monetäre” Problem lediglich mit “monetären” Antworten. Die Real-Terms sind eine ganz andere Frage, die damit keinesfalls(!) vom Tisch ist.

        Wäre fehlendes Geld das Problem, gäbe es in der Tat gar kein Problem, da die Zentralbanken das Geld einfach drucken könnten.

        Dazu bräuchte es jedoch den politischen Willen ;-)

        • Peter Hornbach schrieb am 17. Februar 2012 at 00:54 - Permalink

          Zunächst einmal vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Nachdem ich von “Fette Beute” gerlernt habe, dass Sie Volkswirt sind, ziehe ich zurück, Sie als Laien zu bezeichnen. Ich jedoch bin Laie in VWL und damit gerne bereit bereit, mich von Ihnen belehren zu lassen.

          Es bleiben auch nach Ihrer Antwort noch viele Fragezeichen bei mir, die Sie vielleicht ausräumen können:

          Erst einmal zu meiner Verwendung der Begriffe “Produzieren” und “Realgüter”. Natürlich meine ich damit nicht nur physische Güter, also industrielle Produktion, sondern auch jede Form von Dienstleistung, z.B. touristische, oder auch moralisch verwerfliche wie z.B. die, hinterzogenen Steuern Asyl zu gewähren (Singapur, vermutl. Hongkong und würde mich wundern, wenn es bei Luxemburg wesentlich anders wäre). M.a.W. als Realgüter möchte ich folglich jede Art von Leistung bezeichnen, die mit Geld gekauft werden kann und selbst kein Geld ist.

          Wir sind uns, glaube ich, einig dass Geld einen Anspruch auf Realgüter im obigen Sinne symbolisiert. Wir sind uns, glaube ich, auch einig, dass Griechenland (bleiben wir hierbei als stellvertretendes Beispiel) die Menge an Realgütern, die es gemessen an der Höhe seiner im Umlauf befindlichen Staatsanleihen bewertet zum Nominalwert und gemessen an derzeitiger Kaufkraft nie und nimmer aufbringen kann. Mit anderen Worten wird Griechenland nicht so viele Einnahmen erzielen können, dass es daraus die bereits ausgegebenen Staatsanleihen zurückzahlen könnte (die Einnahmen reichen auch nicht aus, neue Kreditgeber zu überzeugen ihnen frisches Geld zu leihen, um die Altschulden überzurollen).

          Was meinte ich mit den von mir wohl etwas ungeschickt bezeichneten “Verlusten”? Nehmen wir eine Metapher zur Hilfe, das Spiel “Die Reise nach Jerusalem”: Eine Reihe von Stühlen steht in der Mitte, während die Musik spielt laufen alle um die Stühle herum und wenn sie aufhört, muss sich jeder schnell auf einen freien Stuhl setzen. Leider gibt es nicht für jeden einen Stuhl. Wer keinen Stuhl ergattert, ist raus aus dem Spiel. Betrachten wir die Leute als das Geld und die Stühle als die Realgüter. Mit “Verlust” meinte ich, dass nicht genügend Stühle zur Verfügung stehen, also dass ein Teil des Geldes keine Waren kaufen kann, weil es nicht genügend gibt, weil zu wenig im Verhältnis zur Geldmenge hergestellt wurde bzw. weil die Geldmenge ausgeweitet wird, ohne die Realgüterproduktion auszuweiten.

          Natürlich ist es etwas komplizierter (die Metapher trifft nichtsdestotrotz den Kern des Geschehens, glaube ich): Es werden ständig neue Stühle hinzugestellt (Realgüter produziert), weggenommen (Realgüter konsumiert), Leute kommen hinzu und gehen wieder, ein einziges Gewimmel. Selbst wenn die Musik aufhört, wollen sich nicht alle setzen (ein Teil des geschaffenen Geldes versucht zu einem bestimmten Zeitpunkt gar nicht etwas zu kaufen, sondern wird gespart). Nur: Wenn das System funktioniert besteht ein Gleichgewicht. Zu jedem Zeitpunkt versuchen nur so viele Leute Stühle zu besetzen, wie gerade vorhanden sind (es herrscht Preisstabilität, für eine sitzwillige Person gibt es einen Stuhl, für jeden kaufwilligen Euro steht eine ungefähr gleichbleibende Menge an Realgütern zur Verfügung). Was gerade passiert, ist, dass immer mehr Leute das Spiel betreten ohne dass sich die durchschnittliche Anzahl an Stühlen erhöhen würde. Also werden entweder einige Leute keinen Stuhl ergattern können (Haircut bei Gläubigern) oder die sitzwilligen Leute müssen näher zusammenrücken, erhalten weniger Platz zum Sitzen (stellen wir uns eine Sitzbank statt Stühle vor) (Inflation).

          Sie scheinen mir zu argumentieren nach dem Muster, dass sie über die Geschichte von einzelnen Stühlen referieren (hier kommen welche hinzu, hier werden welche weggenommen), dass es durch diese Einzelgeschichten kompliziert wird, es aber nichts an dem grundlegenden Phänomen ändert. Verzeihen Sie mir den Vergleich (nicht böse gemeint): Es mag sein, dass ein Hütchenspieler so geschickt ist, dass wenn immer ich auf einen bestimmten der drei Hütchen zeige, sich unter diesem dann eine Kugel befindet. Trotzdem weiß ich, dass sich insgesamt nur zwei Kugeln unter drei Hütchen befinden. Aber es hilft nichts, um im Bild zu bleiben, will ich versuchen, Ihnen nachzuweisen, unter welchem Hütchen keine Kugel ist:

          Sie schrieben: “Sehen Sie das [Anleihenaufkauf-]Programm [der EZB] also erst einmal (im ‘schlimmsten’ Falle) als ein Ausweitung der Geldmenge, als Musterbeispiel des Quantitative Easing, das auch in den USA und GB nicht zu einer Erhöhung der Inflation geführt hat. Meine Vermutung ist jedoch eine ganz andere. Da die Banken die Anleihen selbst auf Pump, also von der EZB kreditfinanziert, gekauft haben, findet durch eine Übertragung der Forderungen keine Geldmengenerweiterung, sondern – genau im Gegenteil – eine Geldmengenkontraktion statt, da die Banken ja Verluste abschreiben mussten.”

          Lassen Sie uns zur Erleichterung des Verständnisses eine konkrete Zahl nehmen. Sagen wir, die Griechen haben für 100 Mrd. € Staatsanleihen ausgegeben, für die sie keine Realgüter produziert haben und auch nicht werden (können). Nehmen wir weiter an, zu diesem Zeitpunkt wäre die Welt noch in Ordnung gewesen, d.h. das bis dahin existierende Geld wäre durch Realgüterproduktion verdient (gedeckt) gewesen. Die Käufer der Staatsanleihen gaben den Griechen also gedecktes Geld (die Gläubiger hatten Realgüter produziert und das Geld, das sie nun Griechenland leihen, im Tausch gegen von ihnen produzierte Realgüter erhalten). Die Griechen gingen damit einkaufen und produzieren nun keine Realgüter mit denen sie sich die 100 Mrd. verdienen könnten, um sie an die Gläubiger der Staatsanleihen zurückzuzahlen. Dass die Griechen einkaufen gingen, bedeutet, dass diese 100 Mrd. jetzt die Verkäufer haben, die Griechenland etwas verkauft haben, es fehlen aber kaufbare Realgüter in Höhe von 100 Mrd., die Griechenland nicht hergestellt hat. Ich sage also: es befinden sich nur zwei Kugeln unter drei Hütchen. Das Hütchen das leer ist, ist das der Käufer der griechischen Staatsanleihen. Wenn sich jetzt nichts mehr ändert liegt der Verlust bei diesen Gläubigern (können sich keine Realgüter mehr in Höhe von 100 Mrd. kaufen, was sie noch konnten als sie das Geld noch selbst hatten und nicht an Griechenland verliehen hatten), Griechenland wird die Anleihen nicht zurückzahlen.

          Aber jetzt fangen wir an Hütchen zu spielen: Die Käufer der gr. Staatsanleihen waren Banken und sie haben mit Geld gekauft, das sie sich selbst geliehen haben und zwar von der EZB. Nun kauft die EZB den Banken diese Staatsanleihen ab und mit dem Geld dafür tilgen die Banken ihre Schulden bei der EZB. Alles gut? Einmal kurz schnell rotiert, und, oh Wunder, drei Kugeln unter drei Hütchen? Nein, lassen wir mal in einem vereinfachten Modell Zinsen, Gebühren, Kursdifferenzen und ähnliches außen vor, ist das Geschäft doch äquivalent damit, dass die EZB den Griechen die Staatsanleihen “abgekauft” hat (das Geld, das die Griechen ausgegeben haben stammt von der EZB und die Ansprüche gegen die Griechen werden von der EZB gehalten, die Banken waren nur ein Umweg – ein Hütchenzauber). Wo hat die EZB das Geld her? Gedruckt. Wenn ein anderer Gläubiger als die EZB Griechenland Geld geliehen hätte und einen Haircut erlitte, könnte das alle anderen Geldbesitzer kalt lassen, denn dieser Gläubiger hätte ja, nach Annahme, zuvor bereits Relagüter im Werte von 100 Mrd. hergestellt. Nur hätte eben Griechenland statt dieses Gläubigers diese Realgüter konsumiert. Das Preisniveau würde sich nicht ändern. Was bedeutet allerdings ein Verzicht der EZB auf Ansprüche? Die Befreiung des Schuldners Griechenland von seiner Verpflichtung Realgüter im Wert von 100 Mrd. zu produzieren. Sieht aus, wie eine “Privatsache” zwischen Griechenland und der EZB. Ist es aber nicht, weil die EZB. anders als ein sonstiger Gläubiger, die 100 Mrd. zuvor nicht durch Produktion einer entsprechenden Menge von Realgütern verdient, sondern einfach “gedruckt” hat. Ein solcher Verzicht auf Ansprüche, die zuvor nicht verdient wurden scheint leicht zu fallen, allerdings sind jetzt Ansprüche in Höhe von 100 Mrd. in der Welt (gehalten von denjenigen, die Griechenland Realgüter verkauft haben), für die keine Realgüter in der Welt sind und auch nicht in die Welt kommen werden. Dies wird zu einer entsprechenden Verteuerung irgendwelcher Waren führen (eine erhöhte Geldmenge trifft auf ein nicht entsprechend erhöhtes Realgüterangebot).

          Hätten sich die Banken das Geld zum Kauf der gr. Staatsanleihen nicht bei der EZB sondern bei sonstigen Wirtschaftsteilnehmern geliehen, sähe das Bild nicht anders aus. Das Geld, das die Banken für den Weiterverkauf der Staatsanleihen an die EZB von dieser erhalten hätten, hätten sie dann eben an ihre Gläubiger zurückgezahlt. Am Ende hielte, wie in der vorigen Variante, die EZB die Ansprüche an Griechenland, das Geld zum Kauf dieser Staatsanleihen von den Banken hätte sie auch in diesem Fall aus dem Nichts geschöpft.

          Unterlassen wir es doch, uns überhaupt auf die Details dieser Hütchenspiele einzulassen, die die Politiker zu unserer Verwirrung spielen. Egal, wie oft sie die Hütchen kreisen lassen unter unter welchem Hütchen gerade die Kugel fehlt: Es fehlt eine Kugel im System. Fokussieren wir uns doch lieber auf die Diskussion, wer den Schaden tragen sollte. Plädieren Sie also für eine (Inflations-)Umlage auf alle indem die EZB Griechenland (und anderen) Ansprüche aus Staatsanleihen im Besitz der EZB erlässt?

        • der Herr Karl schrieb am 17. Februar 2012 at 03:09 - Permalink

          @Spiegelfechter
          Du hast ja Nerven wie Drahtseile – wie der BP…

    8. Bastian Himberger schrieb am 16. Februar 2012 at 19:19 - Permalink

      Verstehe ich das richtig? Der Staat Griechenland hat sich sehr viel Geld geliehen. Er hat es auch ausgegeben. Er zahlt es nicht zurück.
      Die Zentralbank kauft die Schuldscheine von den “normalen” Banken. Das kostet viel Geld. Das Geld erschafft sie selbst. Die teuer gekauften Schuldscheine sind nichts wert. Aber niemandem fehlt das Geld. Es ist kein Schaden entstanden.
      Warum zahlt dann überhaupt noch jemand seine Schulden zurück?

      • alter Sack schrieb am 16. Februar 2012 at 20:19 - Permalink

        Ja, genau: Es ist kein Schaden entstanden.

      • HHarlekin schrieb am 16. Februar 2012 at 20:27 - Permalink

        “Warum zahlt dann überhaupt noch jemand seine Schulden zurück?”
        Weil sonst der Gerichtsvollzieher kommt? ;-)

        Im Ernst, da liegt wieder der Denkfehler zugrunde, daß Staaten wie Individuen und Unternehmern ganz normale Schuldner seien, was sie aber nicht sind, genausowenig, wie eine Notenbank eine ganz normale Bank ist.

        Grüße

      • FetteBeute schrieb am 16. Februar 2012 at 20:33 - Permalink

        Würde ein Privatmensch “ewig” leben können, dann bestünde (in diesem Geldsystem) keinerlei Notwendigkeit zur Schuldentilgung. Dasselbe gilt für Betriebe. Die Bank verdient lediglich an den Zinszahlungen. An einer Tilgungsrate verdient eine Bank keinen müden Cent. Getilgte Schulden führen lediglich zu “Geldvernichtung”.

        Womit auch Deine Frage beantwortet ist: Schuldentilgung ist nur bei Privatleuten und Betrieben sinnvoll, da diese nicht “ewig” existieren.
        Schuldentilgung bei Staaten findet weitestgehend garnicht statt und ist auch volkswirtschaftlich eher wenig sinnvoll. Man geht davon aus, das der Staat ewig existiert.
        Die Zinszahlungen dürfen allerdings ein gewisses Maß nicht überschreiten. Deshalb können die Zinsen (auf die Staatsanleihen) in Relation zur Wirtschaftskraft (der entsprechenden Nation) gesetzt werden um einen Anhaltspunkt für die Solidität der “Staatswirtschaft” zu erhalten.

      • Spiegelfechter schrieb am 16. Februar 2012 at 21:06 - Permalink

        Nenne es eine Staatsfinanzierung via EZB post festum ;-)

        Bevor Du mich falsch verstehst. Das soll nicht die Regel werden, sondern vielmehr eine Ultima Ratio im absoluten Notfall.

    9. Heldentasse schrieb am 16. Februar 2012 at 19:22 - Permalink

      Gehe ich recht in der Annahme, dass man laienhaft und verkürzt auch sagen könnte das Zentralbanken im weiteren Sinne keine Verluste/ Abschreibungen machen bräuchten, weil sie ja auch die Geldmenge ihrer Währung kontrollieren und sich ggf. halt selber und den Schuldner am Schopf aus dem “Pleite- Sumpf” ziehen könnten wenn sie denn wollten?

      Nur die EZB ist ja etwas besonderes und evtl. durch die Verträge von Maastricht/ Lissabon dahingehend geknebelt das sie es evtl. doch nicht darf?

      P.S.: Vieles in diesem Themenkreis mir und vielen (mir) bekannten Leuten zu hoch, und ich empfinde diesen Finanz-Voodoo u.a. auch als undemokratisch weil keine normale S*u da noch durchblickten kann, und somit Wählerver*rsche vorprogrammiert ist.

      • Spiegelfechter schrieb am 16. Februar 2012 at 21:09 - Permalink

        Nur die EZB ist ja etwas besonderes und evtl. durch die Verträge von Maastricht/ Lissabon dahingehend geknebelt das sie es evtl. doch nicht darf?

        Der EZB ist es “nur” verboten, die Staaten direkt zu finanzieren. Sie “darf” auf dem Sekundärmarkt Anleihen kaufen und sie darf auch Verluste machen, ohne dass diese von wem auch immer ausgeglichen werden müssten.

        P.S.: Vieles in diesem Themenkreis mir und vielen (mir) bekannten Leuten zu hoch, und ich empfinde diesen Finanz-Voodoo u.a. auch als undemokratisch weil keine normale S*u da noch durchblickten kann, und somit Wählerver*rsche vorprogrammiert ist.

        Nein ;-)

        Man muss sich eigentlich nur immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass eine Zentralbank außerhalb(!) des Wirtschaftskreislaufes operiert und in puncto Geld eigentlich alles machen kann, was man sich vorstellen mag. Es stellt sich immer nur die Frage nach den Auswirkungen auf die Realwirtschaft.

    10. alter Sack schrieb am 16. Februar 2012 at 19:31 - Permalink

      Danke für diesen endlich erhellenden Beitrag!

      Na klar – unter diesen Umständen ist es das Vernünftigste, was einem Ökonomen denkbar ist, so viel wie möglich Geld in die ‘verschuldeten’ Staaten zu pumpen (unter der Auflage, dass dieses Geld direkt zurück fliesst (über Waffen’käufe’)).
      Anders formuliert: Deutschland voran (ein paar andere marschieren mit), plündern die ‘führenden’ europäische Staaten die EZB.
      Und bereiten zugleich den nächsten Wirtschaftssieg vor, indem sie in Griechenland massiv Kriegsmaterial horten …

      • Spiegelfechter schrieb am 16. Februar 2012 at 21:13 - Permalink

        Das darf man nicht so “normativ” sehen. Volkswirtschaftlich macht es keinen großen Unterschied, ob man Panzer oder Spielplätze kauft ;-)

        • alter Sack schrieb am 16. Februar 2012 at 21:36 - Permalink

          Nee, doch mit Spielplätzen macht man danach nicht so viel Lärm wie es mit Panzern möglich ist.
          Noch bin ich nicht überzeugt, dass die ganze “Schuldenkrise”-Show nicht einfach eine heimliche Kriegsvorbereitung ist.
          Mit der militärischen Brille machen die unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten wahnsinnigen Handlungen der letzten Monate so ‘wunderbar’ Sinn. Die Puzzleteilen passen so nett zusammen.

          Kriegsmaterial wird in Griechenland eingelagert – am strategisch bestgeeignetsten Ort der erreichbar ist ohne grosses Aufsehen zu erregen. Mitten im (östlichen) Mittelmeer. Kurze Wege über Syrien in den Iran – oder, wenn nötig, nach Israel.

          BTW wunderte ich mich, warum man sich über Iran’s vorgebliche Bemühungen eine Atombombe zu bauen so grosse Sorgen macht. Grundsätzlich ist eine Atombombe eine Abschreckungswaffe – zum Einsatz nicht wirklich geeignet. Zum anderen kann jedes Land, das über Interkontinentalraketen verfügt jedes andere Land, welches Atomreaktoren betreibt, mit konventionellen Sprengköpfen in eine nukleare Katastrophe bzw. in die Steinzeit zurück bomben. Deutschland, Frankreich sowieso, Israel: tja Pech – da wird’s erst mal nichts mit dem passiv-Atomschlag.
          Die Sorge um eine iranische Interkontinentalrakete sollte also die bezüglich eines Atomsprengkopfes überwiegen. Doch das wäre vielleicht nicht so attraktiv für’s boulevard.
          Präventiv möchte ich anmerken, dass ich mir über den Iran keine so grossen Sorgen mache wie über die Irren im Kern Europas.

          • Spiegelfechter schrieb am 16. Februar 2012 at 21:41 - Permalink

            Nee, doch mit Spielplätzen macht man danach nicht so viel Lärm wie es mit Panzern möglich ist.

            Das Gegenteil dürfte der Fall sein. Die Panzer sind still, wenn Ersatzteile fehlen, die Blagen lärmen immer ;-)

            • alter Sack schrieb am 16. Februar 2012 at 21:44 - Permalink

              Na gut. Der Hausherr hat immer Recht …
              Ich blage dich nicht länger.

            • leslie schrieb am 17. Februar 2012 at 00:25 - Permalink

              ´´die Blagen lärmen immer ;-)´´

              Auch du warst mal ein Blag und hast gelärmt. :-p

              Ich auch. ;-)

              Mfg

            • Spiegelfechter schrieb am 17. Februar 2012 at 00:44 - Permalink

              @leslie

              Das stimmt, aber es ist ungerecht. Man selbst nervt so rund 10 Jahre und wird – bei stat. Lebenserwartung – dafür 70 Jahre selbst genervt.

            • leslie schrieb am 17. Februar 2012 at 10:53 - Permalink

              ´´Man selbst nervt so rund 10 Jahre´´

              Och,ich nerv meine Mitmenschen schon mein Leben lang.
              Vorallem,warum sie so viel Scheisse machen.

              Wenn man hyperaktiv ist,
              aber auch kein Wunder.^^

              Mfg

          • Brick schrieb am 17. Februar 2012 at 17:47 - Permalink

            Mit der militärischen Brille machen die unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten wahnsinnigen Handlungen der letzten Monate so ‘wunderbar’ Sinn. Die Puzzleteilen passen so nett zusammen.

            Ja? Aber nur auf Droge.

            Kriegsmaterial wird in Griechenland eingelagert…

            In den letzten Monaten? Alter, LSD FOR THE WIN! Ganz einfach: WEnn wir das wollten könnte die Nato binnen Stunden mit jedem beliebigen Land außer Russland und China einen Krieg anfangen und gewinnen (ja auch gewinnen – ohne Probleme). Kriegsmaterial wird nicht in Ländern eingelagert, wenn man angreifen will, sondern auf Schiffen, wie Mistral. Dafür sind die da. So aber jetzt kommen ein paar Punkte die doch interessant waren:

            Grundsätzlich ist eine Atombombe eine Abschreckungswaffe – zum Einsatz nicht wirklich geeignet.

            Tatsächlich? Nun bis zum Ende des Kalten Krieges war das ganz einfach. die roten und die blauen (Isreal zähle ich mal als halbblau) hatten Atomwaffen und fertig – die Drohung war auch ganz einfach schmeißt ihr, dann tun wir das auch und beide gehen drauf. Es gab nur eine Kurze Phase von ungleichgewicht am Anfang und da wurden die Atomwaffen durchaus “erfolgreich” eingesetzt.
            Deine Behauptung ist, dass Atomwaffen nicht für blackmail eingesetzt werden können. Warum nicht? Alles was man braucht sind zwei Vorraussetzungen: 1. Den Willen das zu tun (Brinkmanship) 2. Einen Gegner ohne Atomwaffen. Z.B. könnte man ja die Saudis oder die Emirate erpressen. Ohne Atomwaffen ist deren Gegenschlagfähigkeit so gering, dass sich mancher vielleicht dazu hingerissen fühlen könnte. Die Saudis haben dann wiederum nur zwei Möglichkeiten: 1. Sich selbst Atomwaffen anschaffen oder 2. Darauf hoffen, dass die Amerikaner den Iranern versprechen, dass sie einen Angriff bereuen würden. Die 2. Möglichkeit entspricht der Ausrufung des Versallenstatus. Also Ja man kann blockfreie Länder ohne weiteres erpressen. Kann man Atomwaffen auch einfach gegen blockfreie Länder einsetzen? Sicher kann man das, man braucht nur genug, um eine Drohkulisse weiterhin aufrecht zu erhalten. Also die einzige Frage ist – sind die Iraner Willens das zu tun? Antwort: Woher zum Teufel sollen wir das wissen?

            Zum anderen kann jedes Land, das über Interkontinentalraketen verfügt jedes andere Land, welches Atomreaktoren betreibt, mit konventionellen Sprengköpfen in eine nukleare Katastrophe bzw. in die Steinzeit zurück bomben.

            Äh? Hmm. Ja theoretisch schon aber praktisch haben alle Länder mit Interkontinentalraketen auch Atomsprengköpfe in diesen.
            Das Zielen mit Sprengköpfen, die erst durch den Weltraum fliegen ist auch nicht ganz trivial. Die Chinesen bauen ja gerade an einer quasi-interkontinentalrakete mit Kinetischem Impactor (gegen Flugzeugträger). Das wird dann die erste nichtnukleare sein, ob das dann so klappen wird bleibt fraglich. Nun ich bin von iranischer Technik nicht überzeugt. Die Vorstellung der “V1″ hat mich eher zum Lachen gebracht.

            • alter Sack schrieb am 17. Februar 2012 at 21:03 - Permalink

              Hallo Brick,

              vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar – wenngleich es mir schwer fällt, diesen in allen Punkten durchdringen zu wollen.
              Aus Gründen der allgemein als gültig anerkannten Gesetze der Physik sehe ich nicht, dass irgendwelches Kriegsmaterial in Null,Nix irgendwohin gebracht werden könnte.

              Eine Atombombe wurde nur von den USA jemals eingesetzt. Seit dem dient sie nur noch der Abschreckung.

              aber praktisch haben alle Länder mit Interkontinentalraketen auch Atomsprengköpfe in diesen

              Ach was? Ja klar! Ich sagte ja auch, dass dies für den Angriff auf Staaten mit (möglichst vielen) Atomkraftwerken – gar nicht nötig ist: Es ist demnach belanglos, ob der Iran einen Atomsprengkopf hat oder eben halt auch gar nicht.

            • Brick schrieb am 18. Februar 2012 at 01:40 - Permalink

              Aus Gründen der allgemein als gültig anerkannten Gesetze der Physik sehe ich nicht, dass irgendwelches Kriegsmaterial in Null,Nix irgendwohin gebracht werden könnte.

              Ja nur haben die USA in allen Weltmeeren Flugzeugträger. Welche jeweils eine Größere Flugzeugflotte haben als die meissten Länder überhaupt. B-2 Bomber können an einem Tag jeden Punkt der Welt erreichen.

              Eine Atombombe wurde nur von den USA jemals eingesetzt. Seit dem dient sie nur noch der Abschreckung.

              Ja, genau das hab ich auch geschrieben. Ich habe aber auch geschrieben, dass das daran lag, dass nur zwei Blöcke über Atomwaffen verfügten, die sich gegenseitig bedroht haben. Die Situation ändert sich aber nun völlig. Was damals war ist jetzt nicht mehr von bedeutung.

              Es ist demnach belanglos, ob der Iran einen Atomsprengkopf hat oder eben halt auch gar nicht.

              Meine Aussage war:

              Das Zielen mit Sprengköpfen, die erst durch den Weltraum fliegen ist auch nicht ganz trivial.

            • Kriegszitterer schrieb am 18. Februar 2012 at 02:32 - Permalink

              Ist ja interessant ihr beiden ;)

              Das mit den Waffen nach Griechenland ist schon seit Jahrzehnten eine
              Riesen Sauerei! Stichwort Griechenland/Türkei …

              “Beide Länder” haben da selbst heute noch so ihre Vorbehalte gegeneinander. Also warum nicht beide beliefern? Wirtschaftlich macht das für die Aufrüster keinen Sinn klar (gut ein paar Generäle habe dann einen scheinbar noch größeren Phalus), aber der Lieferant gewinnt immer.

              Zur “Atomwaffensache” :

              Ich denke selbst die Falken der Falken sind soweit noch nicht so durchgeknallt und würden z.B. Mininukes einsetzen.
              Was ich bemerkenswert finde ist das 4 Flugzeugträgerverbände bis
              anfang März in der Strasse bei Hormuz sein sollen (einer ist die neue
              Charles de Gaulle).

              Mal sehen wie das die nächsten Wochen ausgeht …

            • alter Sack schrieb am 18. Februar 2012 at 11:05 - Permalink

              Ja nur haben die USA in allen Weltmeeren Flugzeugträger. Welche jeweils eine Größere Flugzeugflotte haben als die meissten Länder überhaupt. B-2 Bomber können an einem Tag jeden Punkt der Welt erreichen.

              Der Punkt dabei ist doch: die USA haben natürlich die meisten und ausgereiftesten Waffensysteme im Einsatz. Natürlich können sie, doch sie wollen ja nicht alleine, sind jedes mal stinkig wenn Europa/Deutschland sich nicht an einem Überfall beteiligen will. Ein Beitrag wird gefordert – und meiner Meinung nach in den letzten Monaten verstärkt vorbereitet.

              Sonst könnte man ja die Panzer und U-Boote auch nach Portugal verkaufen – die haben den gleichen Bedarf wie Griechenland.

              Fast hätte ich das wichtigste vergessen: Die deutsche Regierung ist ja auch unheimlich geil darauf endlich wieder an die glorreichen Zeiten als Kriegsmacht anzuknüpfen. Seit an seit mit dem grossen amerikanischen Bruder.

              Eine gepflegte Ironie der Geschichte wäre, wenn ausgerechnet die erste Kanzlerin mit der ersten Bundespräsidentin Deutschland mal wieder so richtig in den Krieg führten…

    11. Vogel schrieb am 16. Februar 2012 at 19:52 - Permalink

      OT: Staatsanwaltschaft Hannover beantragt die Aufhebung der Immunität des Bundeswuff!!

      Das iss doch ‘mal ne Meldung! Oder?

      Morgen iss Bundeswuff gewesen! Mutti: Wir brauchen ‘nen Neuen!

      • Spiegelfechter schrieb am 16. Februar 2012 at 21:41 - Permalink

        Wahhhhnnnsinn! *gähn* ;-)

        • leslie schrieb am 17. Februar 2012 at 10:54 - Permalink

          Um 11 isser weg,….

          Ohhh,editieren geht wieder.

          Mfg

          • HHarlekin schrieb am 17. Februar 2012 at 11:10 - Permalink

            Er is weg – gut.
            Wirklich wichtig? Nö. ;-)

            Grüße

            • Vogel schrieb am 17. Februar 2012 at 11:23 - Permalink

              @HHarlekin
              Recht hast Du – das muss man sich ‘mal vorstellen! Aber trotzdem, es bleibt dabei: Recht hast Du.

            • alter Sack schrieb am 17. Februar 2012 at 11:41 - Permalink

              Und nun zur Ziehung der Zusatzqualen:

              Thomas de Maizière
              Joachim Gauck
              Ursula von der Leyen
              Klaus Töpfer

              Ich wüsste gar nicht, wofür ich mich entscheiden würde – alle sooo vielversprechend …

              Die eigentliche Frage stellt indes keiner in der Regierung: wozu BP?

      • FetteBeute schrieb am 16. Februar 2012 at 21:57 - Permalink

        @Vogel
        Das interessante an der Hetzkampagne gegen Wulff ist nicht, dass man Wulff ausschalten will. Das ist doch wohl offensichtlich. Interessanter wäre mal zu erfahren was wirklich dahinter steckt.
        Die Wulffsche Form der Korruption (die hier gerade im Fall des Kredits zu Geldmarktzinsen offensichtlich ist) ist wohl für die CDU/CSU-Typen eher nichts ungewöhnliches. Frau Merkel hatte beispielsweise damals beim Ausrichten der Ackermann-Geburtstagsparty auch Staatsgelder veruntreut. Aber niemand macht einen Skandal daraus. Auch will hier niemand die Aufhebung der Merkelschen Immunität oder gar ein Strafverfahren. Damals ging es auch um mehrere tausend Euro. Ähnliches führt dann bei Wulff zu einem Skandal. Das ist sehr seltsam. Und ich hatte eigentlich erwartet, dass irgendjemand das alles mal ein bißchen hinterfragt.

        Es bleibt weiterhin die Frage offen: Was ist das eigentliche Motiv hinter dieser Hetzkampagne? Wer zieht die Fäden?
        Und ich bitte dabei zu bedenken: Wir haben weisungsgebundene Staatsanwälte. Wenn kürzlich der Staatsanwalt nun überraschenderweise trotzdem Ermittlungen gegen Wulff einleiten will, dann kommt die Initiative dazu aus der Politik. In diesem Fall dann wohl aus dem Bereich der CDU. Warum? Was läuft da ab?
        Ein Erklärungsmuster ist mir zu naiv: Wulff hat sich mit der Bild-Zeitung angelegt und jetzt ist ein Machtkampf entbrannt. Das ist doch zu oberflächlich.

        • Vogel schrieb am 17. Februar 2012 at 11:29 - Permalink

          @FetteBeute

          Das interessante an der Hetzkampagne gegen Wulff ist nicht, dass man Wulff ausschalten will. Das ist doch wohl offensichtlich.

          Recht hast Du. Wenn einer standhaft ignorant und lebensfremd ist, wenn einer immer nur scheibchenweise Halbwahrheiten (oder Halblügen, kannst Du Dir aussuchen) auftischt … dann, ja dann muss es wohl ‘ne Hetzkampagne sein.

          Kann das sein, dass Du die causa Wulff erst ab Dezember auf dem Schirm hast? Dann hast Du die Ouvertüre(n) – Mehrzahl!! – im Sommer und im Herbst verpasst.

          Also, was lernen wir? Besser uffpasse, gell?

    12. twex schrieb am 17. Februar 2012 at 08:46 - Permalink

      @Jens Berger:

      1. Wenn Geld eine Forderung ist, was bedeutet es dann eigentlich politisch, einer Zentralbank die Fähigkeit zuzuschreiben, beliebig Geld zu erschaffen? Sie erschafft dann Forderungen. Gegen wen? Und was bedeutet es für die Demokratie, wenn ungewählte und unkontrolliere Banker Forderungen in offenbar unendlicher Höhe an Adressaten ihrer Wahl richten dürfen?

      2. Wenn die Geldmenge so komplikationslos dehnbar ist, welches Argument verbleibt noch gegen das bedingungslose Grundeinkommen? Wo läge volkswirtschaftlich das Problem, das benötigte Geld dafür einfach zu schaffen? Es würde doch praktisch sofort in den Konsum fließen.

      • Mordred schrieb am 17. Februar 2012 at 09:53 - Permalink

        1. forderungen: gegen staaten und privatbanken. zur dritten frage: da ist imho die prämisse “…an adressaten ihrer wahl richten DÜRFEN” falsch und somit erübrigt sich die frage. die ezb verteilt das geld auf nachfrage. sie sagt nicht: “du MUSST das geld nehmen.

        2. hm, du hast den artikle offensichtlich nicht verstanden. die geldmenge, wovon oben die rede ist, kommt ja garnicht beim konsumenten an und hat deswegen nahezu keinen einfluss auf die inflation. dein vorschlag hingegen schon. durch ihn würde das geld massiv entwertet, weil das verhältnis geld/güter sich massiv verändern würde.

        • twex schrieb am 17. Februar 2012 at 10:17 - Permalink

          die geldmenge, wovon oben die rede ist, kommt ja garnicht beim konsumenten an

          Aber da war sie doch schon längst, oder nicht? Ich dachte, wir spechen über Geld, das die Griechen bereits konsumiert haben.

          • Mordred schrieb am 17. Februar 2012 at 11:44 - Permalink

            hä? nene, das ist ein ziemlich weit verbreiteter irrtum. die rettungspakete beseitigen ja eben gerade nicht die schulden der konsumenten, sondern die staatsschulden. darüber hinaus ist diese kohle ja eben schon ausgegeben worden, hat also schon ihren infaltionseffekt gehabt. davon wird quasi nix neues gekauft.
            hm, wobei das so auch nciht ganz richtig ist. es werden ja afaik so gut wie gar keine schulden abgebaut, sondern lediglich die kosten (zinsen) für die schulden bedient. kurzes in etwa passendes bsp: du nimmst nen kredit fürn haus auf. was zahlst du zurückt? raten inkl. zinsen – nur an letzterem verdient die bank etwas. bezogen auf obiges sähe es so aus, dass du eben nicht die raten, sondern nur die zinsen zahlst. deine schulden werden de facto nicht weniger. nun fragts du dich vielleicht, warum das banken bei privatpersonen so nicht mitmachen, bei staaten aber schon: privatpersonen sterben, staaten für gewöhnlich nicht. von dir will die bank also eben deswegen rate inkl. zins.

      • HHarlekin schrieb am 17. Februar 2012 at 10:36 - Permalink

        BGE “… Geld dafür einfach zu schaffen? Es würde doch praktisch sofort in den Konsum fließen.”

        Es gibt gute Argumente für und auch gegen das BGE, das will ich garnicht in Abrede stellen.
        Aber dieser Gedanke erscheint mir nicht durchdacht:

        Man stelle sich vor: 80 Millionen Bundesbürger erhalten Monat für Monat je – um eine Haus-Nr. zu nennen: 1000,– €, das macht im Monat nach Adam Riese 80 Milliarden €, und im Jahr 960,– Milliarden. Auch, wenn man in Rechnung stellen würde, daß Arbeitseinkommen tlw angerechnet werden, und Hartz-Ausgaben mindestens tlw. dito, bleiben ein paar hundert Milliarden übrig, und die mal eben über eine Ausweitung der Geldmenge decken, die meistenteils direkt im Konsum, also bei den Verbrauchern landen, erscheint mir als der absolut falsche Weg.

        Zitat Jens Berger weiter oben: “Um nach a) eine inflationstreibende Wirkung zu haben, muss das Geld aber auch bei den Nachfragern von Gütern ankommen – es muss also wirklich zirkulieren.”

        Dieser Gefahr würde das, denke ich, Vorschub leisten.

        Jens Berger hat das ja deutlich eingegrenzt: “1) Durch ein Abschreiben der Griechenlandanleihen seitens der EZB und/oder der Bundesbank weitet sich die Geldmenge nicht aus!
        2) Die von mir genannten Zusammenhänge beziehen sich nur auf den Sekundärmarkt, also auf Anleihen, die schon ausgegeben sind.”

        Er sagte nicht, daß allgemein die “…Geldmenge so komplikationslos dehnbar” sei.

        Natürlich hat das einen gewissen Charme der Einfachheit, alle sozialen Probleme einfach durch mehr Geldschöpfung lösen zu können, da braucht man dann ja sonst nichts zu verändern, man könnte alles andere lassen wie es ist, z. B. die Reichen zahlen zuwenig zuwenig Steuern, die Spekulanten machen fröhlich weiter usw…usf…
        Aber als seriös leuchtet mir das nicht ein

        (Wenn ich da jetzt was falsch verstanden habe, möge Jens Berger mich gerne Korrigieren)

        Freundliche Grüße

    13. zuschauer schrieb am 17. Februar 2012 at 12:16 - Permalink

      Sag mal, kann man deine Top Banner Werbung nicht noch aufdringlicher gestalten? Ich meine etwas Musik, eine höhre Frequenz beim Bildwechsel und evt Neonfarben könnte vielleicht Tote aufwecken…. nervfaktor^123 aber wozu gibts den Blocker für sowas, tja selbst schuld…

      • Mod schrieb am 17. Februar 2012 at 12:18 - Permalink

        Gut das wir darüber gesprochen haben!

        Bildschirm statt Regal?

        http://www.youtube.com/watch?v=8tYN49E5Ln4

      • leslie schrieb am 17. Februar 2012 at 12:31 - Permalink

        Sei doch froh das es kein Flash ist.

        Mit Gif´s habsch kein Problem.

        Mfg

      • alter Sack schrieb am 17. Februar 2012 at 12:34 - Permalink

        Musik wäre schön! Gute Idee.
        Ich wünsche mir die “alten Kameraden“.

    14. mdmc schrieb am 17. Februar 2012 at 13:15 - Permalink

      Das sind die drei Zentralbank-Handlungsalternativen, die SF anführt, um die “Milliardenlüge” zu entlarven:

      Sie könnte den Verlust bis zum Sankt Nimmerleinstag in den Büchern behalten;

      sie könnte ihn durch einen Sonderposten ausgleichen (schließlich darf eine Zentralbank Geld schaffen);

      sie könnte ihn aber auch langfristig mit ihren Überschüssen abbauen.

      In wie weit diese Optionen den Steuerzahler davor bewahren sollen, dass die Verluste langfristig auf ihn umgelegt werden, ist mir nicht ganz klar. Denn schließlich wird auch durch das Drucken von Geld über die Inflation der Verlust beim Steuerzahler realisiert. Insbesondere der Spar-Michel wäre hiervon betroffen.

      Meines Erachtens betreibt SF hier Augenwischerei. Die Verluste kommen über kurz oder lang natürlich beim Bürger an, wenn auch vielleicht nicht dergestalt, dass ihm am Ende des Jahres 1000,- EUR vom Girokonto abgezogen werden.

      Obwohl, wer weiß…

      • Brick schrieb am 17. Februar 2012 at 16:05 - Permalink

        Denn schließlich wird auch durch das Drucken von Geld über die Inflation der Verlust beim Steuerzahler realisiert

        Nun, vielleicht hast du ja, in den letzten vier Jahren nicht aufgepasst aber auch die Finanzwelt ist nicht schwarzweiß und “Gelddrucken” führt eben nicht in jedem Fall zu steigender Inflation. Ich denke, dass das sowohl die FED als auch die BoE mit ihren QE-Programmen doch recht eindrucksvoll bewiesen haben, dass die Inflationsgefahr derzeit gen Null geht.

        Insbesondere der Spar-Michel wäre hiervon betroffen.

        Warum? Das stimmt doch so nicht. Wenn ich auf mein Geld aufpasse und das richtig anlege komme ich quasi immer über der Inflation raus. Ja, die Menschen, die meinen, dass Sparbücher eine Anlage seien sind halt gefickt aber das sind sie eh. Was ist eigentlich mit den Arbeitern? Warum schreibt eigentlich niemand, dass eine erhöhte Inflationsrate in den meissten Fällen zu geringerer Arbeitslosigkeit führt?
        Hier kannst du spielend lernen:
        http://www.frbsf.org/education/activities/chairman/

        That said. Ein Zusammenbruch des Euros wird IMO auf jeden Fall in den meisten Ländern zu massiver Inflation führen. Jedes Land, das “ausgetreten” wird, wie gerade Griechenland, wird auch bei seiner neuen-alten Währung mit massiver Inflation rechnen müssen, da niemand auf diese vertraut. Es gibt nur eine Ausnahme: Deutschland. Bei einem Austritt Deutschlands wird die neue D-Mark in die Höhe schnelzen. Deutschland wäre mit einer Situation konfrontiert, die durch Deflation und völlig zusammenbrechenden Export gekennzeichnet wäre. Dies würde uns wohl in eine Depression führen.

      • alter Sack schrieb am 17. Februar 2012 at 20:47 - Permalink

        Da geb’ ich dir ja sowas von recht aber auch:

        In wie weit diese Optionen den Steuerzahler davor bewahren sollen, dass die Verluste langfristig auf ihn umgelegt werden, ist mir nicht ganz klar.

        Natürlich zahl’s der Steuerzahler! Gut so! Der Steuerzahler ist und bleibt nun mal der EINZIGE, der einen Staat finanzieren kann! Wer sonst?

    15. Brick schrieb am 17. Februar 2012 at 15:44 - Permalink

      @ Jens: Schön, dass du jezt, da dein Buch veröffentlicht ist, wieder deutlich mehr Blogbeiträge schreibst, und ich muss zugeben, dass ich das auch nicht gewusst hatte. Danke. Was ist eigentlich mit den Sicherheiten durch Geschäftsbanken? Gibt es da einen Plan, wie mit diesen Umgegangen wird, sobald die Umschuldung kommt.

      @ All: Das ist jetzt ein bisschen OT: Unsere deutsche Wikipedia Seite über die griechische Finanzkrise ist ein peinliches Propagandamachwerk. Da wohl viele Journalisten meinen, dass man sich auf Wikipedia ausreichend über alle Themen informieren kann, denke ich, dass der derzeitige Zustand insgesamt schädlich für die Berichterstattung sein kann.
      Ich hab mal mit meiner gewohnt freundlichen Art auf der Diskussionsseite angemerkt, dass der Zustand so nicht tragbar ist und ausreichend links hingeklatscht um den Artikel zu überarbeiten, aber selbst habe ich keine Ahnung wie man das sauber macht. Ich denke, dass das schon sinnvoll ist hier auf einen ausgeglicheneren Artikel hinzuarbeiten, da viele meinen, sie würden neutrale Informationen bei wikipedia erhalten. Also falls sich jemand berufen fühlt:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Finanzkrise

    16. Kriegszitterer schrieb am 18. Februar 2012 at 04:49 - Permalink

      @ Jens

      Kennste den schon ? Wie wäre es mit einer Billionen Lüge ?

      http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/gefaelschte_us-bonds_im_wert_von_6_billionen_1.15125440.html

      • Brick schrieb am 18. Februar 2012 at 14:24 - Permalink

        Ist das wirklich so oder gibt es da wieder das Billion -> Trillion Falschübersetzungsspiel.

        [..]Die gefälschten US-Bonds im Wert von 6 Billionen Dollar sollen bereits Anfang 2007 von Hongkong nach Zürich gebracht worden sein.

        Mit nem Schiff?! Das wird wohl recht viel Papier sein.
        Wir haben hier 20 Container voll mit gefälschten US-Bonds… Oh lasst sie durch Jungs. Und warum sollte man so viel fälschen. Mit 6 Milliarden könnte man mit Glück durchkommen, aber das war 2007 mehr als die Hälfte der Gesamtschulden der USA, sowas muss doch auffallen…

    17. Brick schrieb am 18. Februar 2012 at 14:41 - Permalink

      Oh Jens, da hast du den Artikel wohl einen Tag zu früh geschrieben…

      The national central banks in the euro zone are set to exchange their holdings of Greek bonds into new bonds in the run up to a private sector debt deal to avoid taking any forced losses, euro zone sources said on Thursday…

      http://blogs.reuters.com/felix-salmon/2012/02/17/the-greece-game-turns-chaotic/

      Die ganze Arbeit umsonst.Die EZB hat einfach beschlossen keinen Verlust zu machen. Fertig.

      Salmon meint, dass jetzt eben der IMF gefickt ist, aber hat der IMF nicht auch aus Prinzip immer einen ähnlichen Deal, dass er auch voll bezahlt werden muss?
      Alphaville zum gleichen Thema:
      http://ftalphaville.ft.com/blog/2012/02/17/886061/ecb-seniority-and-dirty-hands/

    18. theo schrieb am 19. Februar 2012 at 12:05 - Permalink

      Ich wundere mich, wie ein Volkswirt so etwas schreiben kann:

      “Zwischen 1961 und 1979 konnte die Bundesbank insgesamt nur in vier Jahren Geld an den Bund überweisen[2], da sie in den übrigen Jahren entweder Verluste machte oder die Verlustvorträge mit Überschüssen abbaute. Selbstverständlich musste damals der Bund nicht ein einziges Mal für die Verluste der Bundesbank haften, indem er Steuergelder an die Bundesbank überwies.”

      Klar wurde der Bundeshaushalt tangiert, da die eigentlich erwirtschafteten Überschüsse fehlten. Die fehlende Summe konnte nicht mit eingeplant werden und musste daher durch Steuereinnahmen bzw. durch Minderausgaben oder höhere Verschuldung ausgeglichen werden. Genauso aberwitzig ist die Überlegung, man könne mit dem Drucken von Geld so mir nichts, dir nichts Milliarden-Fehlbeträge ausgleichen.

      Ich finde es anregend, die Dinge auch mal von anderen Seiten zu betrachten. Gleichzeitig ist es doch anmaßend, allen anderen Journalisten, die nicht Bergers Meinung sind, Dummheit oder Propaganda zu unterstellen. Diese Hybris von Jens Berger wirkt auf mich eher abschreckend.

      • R_Winter schrieb am 19. Februar 2012 at 12:50 - Permalink

        @theo

        Zwischen “lesen” und “verstehen”
        und Bilder die einer “sehen will” gegenüber Bilder der “Wirklichkeit” liegen häufig Welten.
        Was wolltest Du eigentlich sagen?
        Was ist anmaßend? Die bewiesene Dummheit vieler Journalisten oder die Meinung der neoliberalen Heilbringer a´la Sinn oder Henkel?
        Drücke Dich doch bitte klarer aus.

    19. theo schrieb am 19. Februar 2012 at 17:52 - Permalink

      “Was ist anmaßend? Die bewiesene Dummheit vieler Journalisten”

      Du hast dir selbst die Antwort gegeben. Es ist aus meiner Sicht anmaßend, “viele Journalisten” für dumm zu erklären. Das dann noch als “bewiesen” darzustellen, ist wiederum dumm.

      Ich mag den Austausch von Meinungen und Ansichten. Ich mag es nicht, wenn Leute sich selbst und ihre Meinung für unschlagbar überlegen halten.

      Man könnte sich spaßeshalber mal eine Diskussionsrunde vorstellen, in der Jens Berger und Du auf die führenden Vertreter der “dummen Ansichten” stoßen. Es wäre spannend zu beobachten, wie lange die vermeintliche argumentative Überlegenheit mancher meinungsfreudiger Nischen-Blog-Kommentatoren anhielte…

      Nichts für ungut.

    20. Sergio schrieb am 20. Februar 2012 at 21:43 - Permalink

      Da komme ich aus meinem Urlaub zürück (eine Woche kein Internet) und surfe so durch meine Lieblingsseiten, da stosse ich auf diesen Artikel. Mit schrecken musste ich beim Lesen der Kommentare erfahren, dass der Spiegelfechter alias Jens Berger tatsächlich Volkswirt sein soll. Liest man aber den Artikel so sieht man eindeutig dass dem SF jegliche Wissen über Geld- und Kapitaltheorie fehlt. Ich will nicht in jedes Detail eingehen, möchte aber den unbefangenen Lesern der duch den Artikel irritiert wurde, zu recht, auf einige Aspekte hinweisen um die intellektuelle Verwirrung aufzulösen.

      Die “ewige Frage” ist, was sollen Finanzinstitute als zulässige Assets halten und welche Art von Verbindlichkeiten können sie dafür emitieren? Normalerweise läuft es ja so: Die Notenbank legt zB Gold in ihrem Tresor und gibt dafür Banknoten aus. Die Banknoten sind somit durch das Gold gedeckt. Das Publikum wird also die Banknote akzeptieren, da man immer zur Notenbank gehen kann und das Gold einfordern kann. Man kann aber jede andere Art von Vermögenstiteln anstelle von Gold nehmen, zB auch Staatsanleihen, also ein Schuldschein der eine Zahlung in die der Zunkuft verspricht.

      Was der SF hier beschreibt ist folgendes: Die EZB kann soviel griechische Staatsanleihen nehmen wie nötig ist und dafür Banknoten emitieren. Und wenn die Staatsanleihen tatsächlich wertlos verfallen, dann hat die Notenbank eine buchalterischen Verlust. Sie hat Banknoten in den Verkehr gebracht, aber diese werden duch nichts mehr gedeckt da die Staatsanleihen ja wertlos sind. Normalerweise müssten die Eigentümer der Notenbank eine Kapitalspritze geben in Höhe der Verluste. SF stellt aber infrage ob die das wirklich müssen. Dann hat die EZB halt einen buchalterischen Verlust. “Ja und?” fragt sich der Volkswirt.

      Was SF nicht versteht ist, dass die EZB quasi die Banknoten verschenkt hat. Wenn aber eine Privatperson zu Hause eine Druckerpresse anwirft und sich selber Geld druckt wird er wegen Betruges angezeigt.

      SF Vorschlag ist mit Betrug gleichzusetzen. Der Geldwert wird natürlch auch vernichtet. Den wer will schon in einer Währung sparen wenn er weiss dass der Aussenwert der Währung fallen wird. Da geht man lieber in Gold. Den Gold kann keiner drucken. Gold als Geld ist unveränderlich und somit stabil. Man kann aber auch in eine andere Währung fliehen. Um die Kapitalflucht dann einzudämmen werde Kapitalkontrollen eingeführ. Die Bürger sollen gezwungen werden mit den Papierschnipseln zu bezahlen. Haben wir alles schon gehabt: DDR, ehmalige UdSSR oder Jugoslawien. Was mit diesen Ländern passiert ist wissen wir Alle.

      MfG

      • R_Winter schrieb am 20. Februar 2012 at 22:22 - Permalink

        Du hast einen Fehler gemacht:
        Du bist zurück – wirst Du doch im Urlaub geblieben.

      • Michi schrieb am 21. Februar 2012 at 08:18 - Permalink

        @Sergio
        Warum du tiefere Kenntnisse in der Geld- und Kapitaltheorie haben solltest wird mir nicht klar. Schon die Aussage “Gold als Geld ist unveränderlich somit stabil” widerspricht der Entwicklung des Goldkurses der letzten Jahre. Gold ist ebensowenig notwendigerweise stabil wie Geld es ist.
        Die Aufgabe der EZB ist es nunmal Geld in einer Volkswirtschaft anzubieten (Geld zu drucken), wo hier der Betrug sein erschließt sich mit nicht.

        MfG


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