Die merkwürdige Stärke der Bürgerlichen
geschrieben am 27. Februar 2012 von Stefan Sasse
Von Stefan Sasse
Als 2005 die ersehnte wie erwartete “bürgerliche Mehrheit” nicht zustandekam und die Union stattdessen mit der SPD koalieren musste, während die LINKE erstmals mit rund 8% in den Bundestag einzog, schien das Zeitalter der Bürgerlichen beendet und die besonders von Oskar Lafontaine viel bemühte “strukturelle linke Mehrheit” Realität zu sein. Nur die geradezu frappante Schwäche der SPD 2009 war es, die das anachronistisch wirkende Bündnis von CDU und FDP erlaubten, und der rapide Verfall der Freidemokraten seither, der Aufstieg der Grünen und die leichte Morgenluft, die die Gabriel-SPD zu schnuppern glaubt scheinen die “bürgerliche Koalition” endgültig zu einem Betriebsunfall der Geschichte zu machen. Die Zukunft gehört offensichtlich anderen Konstellationen. Trotzdem wurden alle, die auf eine Änderung der Politik gehofft hatten, bislang bitter enttäuscht. Eine viel bemühte Erklärung dafür ist der Doppelverrat von SPD und Grünen, die sich von ihren Wählern abwandten und ihnen quasi den Agenda-Dolch in den Rücken stießen. Genau diese Interpretation aber geht an einigen Tatsachen vorbei. Es gibt keine strukturelle linke Mehrheit. Es gibt eine strukturelle bürgerliche Mehrheit. Die einzige derzeit dezidiert nicht bürgerliche Partei, die im Bundestag sitzt, ist die LINKE, und sofern bis 2013 nicht noch ein Wunder passiert wird sie gegenüber ihrem Wahlergebnis von 2009 deutlich verlieren. Die verzweifelte Inanspruchnahme des Etiketts “bürgerlich” durch die Union und besonders die FDP verdecken, welche Erklärungskraft das Wort tatsächlich besitzt.
Bevor wir uns aber mit dem Etikett der Bürgerlichkeit beschäftigen, müssen wir kurz über das Etikett “links” nachdenken. Was ist überhaupt links? Philippe von Parijs argumentiert durchaus überzeugend, dass “links” und “sozialistisch” nicht zwingend identisch sind. Von der Partei, die die Zuschreibung in ihrem Titel trägt, gibt es ebenfalls keine klare Definition. Hier sind genauso Sozialisten und Kommunisten wie klassische Sozialdemokraten und Gewerkschaftler wie auch einige Anarchisten zu finden. Der Begriff bleibt undefiniert, von beiden Seiten. Das hat einen relativ einfachen Grund: “links” ist effektiv die Antipode zu “bürgerlich”. Alles, was CDU und FDP missfällt, wird mit dem Etikett “links” versehen und damit diffamiert, eine Technik, die um 180 Grad gewendet bei der LINKEn angewandt wird, wo man das Etikett entsprechend allem anpappt, was man für gut hält, um so einer möglichst breiten Schicht Identifikationspotential zu geben, die sich durch die Ideen von Bürgerlichkeit nicht vertreten fühlt. Bevor Missverständnisse aufkommen: ich zweifle überhaupt nicht daran, dass jeder meiner Leser, jedes Mitglied und jeder Wähler der LINKEn eine recht genaue Vorstellung von links hat. Was ich bezweifle ist, dass sie sich signifikant decken. Im öffentlichen Diskurs ist “links” hauptsächlich Gegenbild und Projektionsfläche der Bürgerlichen, die – let’s face it – länger und ausdauernder an der Macht sind.
Was aber ist “bürgerlich”? Die Vorstellung, dass die Klientelpolitik für die Reichen, wie die FDP sie betreibt, in irgendeiner Art und Weise als Erklärung ausreichend sein könnte ist geradezu lächerlich. Auch der Sozialkonservativmus weiter Teile der Union entfaltet längst nicht mehr das Anziehungspotential von einst. Tatsächlich hat in den letzten Jahren eine Art Umschichtung stattgefunden, die das bürgerliche Lager eher erweitert statt verkleinert hat. Die oft zitierte Wandlung der Grünen zu einer bürgerlichen Partei und die Spekulationen über schwarz-grüne Bündnisse kommen ja nicht von ungefähr. Auch die reibungslose Zusammenarbeit von SPD und CDU während der Großen Koalition beruht nicht ausschließlich auf der Unterdrückung alternativer Ideen durch Müntefering und Steinmeier. Tatsächlich sind breite Teile der Wähler – immer noch – bürgerlich geprägt. Obwohl der Diskurs über Hartz-IV und Niedriglöhne, der die öffentliche Debatte von etwa 2004 bis 2009 bestimmte, einen anderen Eindruck vermittelt hat: für die meisten Menschen in Deutschland ist der Bezugsrahmen ihres Denkens und Erlebens immer noch die Mittelschicht, und die ist bürgerlich. Was sich verändert hat, sind Positionen, die sie früher ausgemacht haben. Diese Veränderung der Positionen ist es, die Leitartikler und bürgerliche Politiker nachhaltig verwirrt.
So waren die Ablehnung von Mindestlöhnen, das Bejahen von Law & Order, das Ja zur Atomkraft und eine traditionelle Familienpolitik früher unverzichtbare Bestandteile einer “bürgerlichen” Politik. Heute sind sie das nicht mehr. Dies hat viele Beobachter dazu verleitet anzunehmen, dass ein “Linksruck” stattgefunden habe, nicht nur in der CDU selbst, sondern auch in der Bevölkerung. Das aber ist eine Täuschung. Die gleichen Leute, die sich als bürgerliche Mittelschicht begreifend diese Positionen früher vertreten haben, verließen ihren Bezugsrahmen der bürgerlichen Mittelschicht nicht – sie haben ihre Meinungen zu einigen Positionen geändert, das ist alles. Eine Änderung einiger Inhalte aber mit einer Konversion ins linke Lager zu verwechseln war der Fehler, der die CDU die Macht in Baden-Württemberg gekostet hat, und der die FDP von 16% auf unter 3% hat abstürzen lassen. Sich als bürgerliche Mittelschicht zu fühlen ist nicht davon abhängig, ob man den Ruf nach Steuersenkungen bejaht.
Die Profiteure dieser Entwicklung sind Grüne und Piratenpartei. Beide sind nicht links, das haben ihre Kritiker von der Linken durchaus richtig analysiert. Sie sind letztlich Parteien der Mittelschicht, einer anderen als sie CDU und FDP sich ausmalen, aber einer Mittelschicht nichtsdestotrotz. Ihre Themen sind keine Themen von Menschen, die darum kämpfen, Miete und Essen zu bezahlen. Es sind aber, man muss es so hart sagen, Mehrheitsthemen. Die Mehrheit der Deutschen fühlt sich der Mittelschicht zugehörig oder geht davon aus, auf absehbare Zeit dazuzugehören. Es ist die deutsche Version des American Dream, von dem Martin Sheen in der Rolle Präsident Bartlets bereits richtig bemerkte dass er das fundamentale Problem enthält, dass jeder glaubt irgendwann reich zu sein und politisch schon für diesen Tag plant und denkt. Der Begriff des Bürgerlichen umfasst eine wesentlich breitere und heterogenere Schicht, als es Linke wie selbst erklärte “Bürgerliche” gerne wahrhaben und in ihre engen Programmatiken pressen wollen. Und selbst grüne und orangene Bürgerliche sind bei aller Andersartigkeit ihrer Forderungen vom konservativ-bürgerlichen Kernbestand eines mit Sicherheit nicht: revolutionär und übermäßig links gestimmt.
Stefan Sasse
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@Stefan Sasse
Ich finde ein schöner Artikel, vielen Dank!
Wenn man sich dieses Themas annimmt, sollte man zusätzlich mal durchleuchten wer von dem Menschen sich gefühlt zur “oberen/ bürgerlichen Mittelschicht” zugehörig fühlt und sich aufgrund dieser (scheinbaren) Zugehörigkeit mit mit Leuten aus den Oberschichten solidarisiert, m.E. ist das ein kleiner aber wichtiger Teilaspekt der gesamten sozialen Problemlage.
Siehe dazu: Die Mittelschicht glaubt, sie gehöre zu den Reichen
allgemein dazu: wenn sich 2 beweise bzw thesen bzw Lager gegenüberstehen, wirkt sich etwas Drittes von außen entscheidend aus. Hier ist es das Geld bzw. die Oberschicht. Erstmal streben viele zur vermeintlichen Sonne/Wonne (soweit sie halbblind sehen) und außerdem wird von oben nach unten korrumpiert (ca 95 des Medien- und Wirtschaftsmarktes). Von innen gibt es keine Lösung sondern nur Statist sein. Beruhigungspillen solange der eigene Magen voll ist? Gruß an den Vschutz
Deutsche Zustände.
“Was denken die Menschen? Wie verändern sich ihre Einstellungen? Welche Erfahrungen machen sie? Wie nehmen sie die Dinge wahr und wie verarbeiten sie ihre Eindrücke? Und nicht zuletzt: Welche Folgen hat das für schwache Gruppen in dieser Gesellschaft?”
http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/?p=1145
“Sozialkonservatismus” soll die Schwachen diffamieren.
Und tut es in schrecklicher Weise.
Warum wird dies getan?
Wer ist darauf angewiesen dies zu tun?
“Dabei sticht heraus, dass in der Zeit von 2009 bis 2010 die Vorurteile bei Menschen mit höheren Einkommen bei Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, Obdachlosenabwertung und der Abwertung von Langzeitarbeitslosen und Sexismus am deutlichsten zunahmen. Auch aufgrund dieser Entwicklung schließt Heitmeyer: “Entsicherung, Richtungslosigkeit und Instabilität” sind zur neuen Normalität geworden, die Nervosität scheint über alle sozialen Gruppen hinweg zu steigen.”
´´Warum wird dies getan?´´
Neue Juden braucht das Land. ;-)
http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Re-Alg-II-Empfaenger-werden-zu-Menschen-2ter-Klasse-degradiert/forum-221263/msg-21391772/read/
Und Sündenböcke sind immer gut.
´´Warum wird dies getan?´´
Um von sich abzulenken. ;-)
Mit einem Arsch voll Geld würd ich auch nur von mir ablenken wollen.
Könnt ja sein das Mensch da Ungerechtigkeit sieht.
Mfg
Sehe ich seit Jahren nicht anders. Ein Thema, das viele Blinde im Lande nicht wahrhaben wollen, weil mitschwimmen einfacher ist. Die Hassbotschaften sind unerträglich für diese Gruppe von Menschen, die doch ein Teil der Gesellschaft sind.
So so, Alg II-Empfänger sind Ihrer Auffassung nach also die neuen Juden? “Schöner” kann man den Holocaust wohl kaum verharmlosen. Ich glaube ich muss kotzen….
P.S.: Ein gutes Bsp. dafür, was hierzulande alles unter dem Begriff “links” zu finden ist und damit will ich wirklich nichts gemein haben (und ich bin wahrlich kein Fan von Hartz IV etc.).
Das ist selbstverständlich zunächst einmal grundsätzlich zu bejahen!
Aber mit dem ersten Schritt beginnt bekanntlich der Weg und sei das Ziel noch so weit entfernt.
Mittlerweile sind wir schon viele Schritte in diese Richtung gegangen und die Befürchtungen betroffener Menschen gar nicht mehr sooo utopisch, wie man in unserer Demokratiesimulation noch großflächig glaubt.
Es gibt viele Beispiele für den menschenverachtenden Umgang von Behörden gegenüber diesen Menschen. Ein zegegebenermaßen Extrembeispiel verlinke ich unten. Ich wählte speziell den von uns allen geliebten “Spiegel”, bei dem auch die noch geliebtere “Bild” erwähnt wird, um zu zeigen, dass es hier zum Glück noch lange nicht so weit ist; denn sonst hätten sie das Thema ja gar nicht erst aufgreifen brauchen.
Dennoch: Vorsicht ist geboten und dringend zu beherzigen. Bei kleinen jüdischen Einzelhändlern begann es ja auch “bloß” mit einem kleinen harmlosen Schildchen vor ihrem Laden auf dem stand: “Kauft nicht bei Juden”.
Obwohl es diesem Land, im Vergleich zu anderen, noch außerordentlich gut geht, werden folgende Aussagen in die Welt geblasen. Wehe dem, die Situation wird richtig kritisch in den nächsten Jahren.
Fussfesseln für Langzeitarbeitslose oder wie ich den Artikel nenne: “Arbeit macht frei”.
Verlinkung hat leider nicht geklappt.
Hier noch einmal:
edit: geht immer noch nicht. Deshalb konventionell:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,353819,00.html
Beim, wohl zeitgemäßen, von Prof.Sinn und Ex Präsident Wulff initiierten Ranking “Wer sind die neuen Juden?” wollen auch die Hells Angels nicht hinten anstehen:
“Wenn man so weitermacht, dann entwickeln sich die Angels noch zu den Juden des neuen Jahrhunderts. (Nicht das jetzt wieder kommt, dass wir die miteinander vergleichen wollen, aber die Hetzmechanismen der damaligen und heutigen Behörden scheinen die gleichen zu sein!)”
http://rocker-blog.de/index.php/artikelleser/items/hannoveraner-bettelpolizei.html
Eine mögliche Antwort wäre die: Die Heilversprechen des Neoliberalismus für alle Gesellschaftsschichten sind mit der Wirtschaftskrise furios gescheitert. Da wir unser Wirtschaft/ Finanzsystem nicht grundlegend reformieren wollen und damit auch die alten Methoden nicht ablegen wollen, treten wir nun (fast) zwangsläufig in den Sozialdarwinismus ein, weil dieser die Benachteiligung (ein fast schon zu mildes Wort) der Schwachen und Armen damit legitimiert, dass diese Menschen an ihrem Schicksal selber schuld sind weil sie sich nicht anpassen können oder gar wollen.
Studie: Wirtschaftskrise fördert den Sozialdarwinismus
@Beate
Als jemand der im Geschichtsunterricht zur Weimarer Zeit gut aufgepaßt hat kann ich nur bestätigen was du schreibst.
Das eigentlich furchtbare ist, dass es anscheinend – was die “Eliten” angeht – doch eine furchtbare deutsche Mentalität der Kaltherzigkeit gibt.
Vor Jahren einmal las ich ein Buch über die “Psychologie in der Weimarer Zeit, und dem NS-Staat”, und dort kam darin vor, dass “die Deutschen in Zeiten wirtschaftlich schwieriger Zeiten zur Unmenschlichkeit neigen, wie die Gesetze der Psychiatrie der Weimarer, und NS-Zeit, und nicht allein die beweisen würden.
Damals konnte ich noch hoffen, dass dies eine furchtbare Zeit war, aber diese Zeit ja längst vorbei ist – Das war noch vor der Agenda 2010 – später kam, lt. dem Buchautor Christoph Butterwege, genau diese Art unserer “Eliten” wieder hinten vor.
Die Frage die mich seitdem umtreibt ist:
Was haben wir falsch gemacht? Wieso recken die Enkel dieser Weimarer und NS-”Eliten” heute wieder ihr furchtbares Haupt über die Unterschichten in Deutschland? War die ganze Aufklärung über die NS-Verbrechen, und die Vorgänger in der Weimarer Zeit, für die Katz?
Frägt sich
Bernie
Ergänzung:
Übrigens, vor kurzem sah ich – beim Zappen – einen Filmausschnitt eines Filmes mit Heinz Rühmann, der heute wieder hochaktuell ist, nur dass die Uniformen vom Militär zum BWL-Heini gewechselt haben: Der Hauptmann von Köpenick.
Gruß
Bernie
Ergänzung:
Übrigens, vor kurzem sah ich – beim Zappen – einen Filmausschnitt eines Filmes mit Heinz Rühmann, der heute wieder hochaktuell ist, nur dass die Uniformen vom Militär- zum BWL-Heini gewechselt haben: Der Hauptmann von Köpenick.
Gruß
Bernie
Wie viele Menschen 30+ kennst Du, die noch in der Lage wären, würde man ihnen Klassenarbeiten aus beliebigen Fächern der Sekundarstufe vorlegen, diese besser als 3 zu schreiben?
Ich behaupte fast keiner würde von 5 auch nur 3 besser als 3 schreiben.
Oder anders gesagt, wenn die Leute nicht aufgepasst haben und in der Schule sowie später auch noch Interesse an einem Themenkomplex haben, dann ist alles lernen für die Katz.
Mitunter erleiden wir 13 Jahre Verblödungsmaschinerie vom Feinsten.
Eine der wenigen Sachen, welche die meisten dann später können ist Lesen und schreiben, aber das auch nur, weil es sich als Konstante durch den Lehrplan zieht.
Schade, dass man auf die Idee nicht mal beim klassischen Dreisatz kam.
Und wen interessiert die Weihmarer Zeit, wenn doch die NS-Verbrechen so wunderbar bildgewaltig sind?
@t
“[...]Und wen interessiert die Weihmarer Zeit, wenn doch die NS-Verbrechen so wunderbar bildgewaltig sind?[...]”
Hast auch wieder recht ;-)
Übrigens, lt. eine hochaktuellen Umfrage wissen viele, der heute zu Fachidioten herangezüchteten Jugendlichen, nichts mehr mit dem Begriff “Auschwitz” anzufangen……
…Bertelsmanns bzw. Liz Mohns Bildungspolitik schlägt auch, ganz ohne Gauck, durch….
Traurige Grüße
Bernie
Es reicht auch meist schon das Gefühl, der Mittelschicht anzugehören.
Als eine Bekannte – angestellte Friseurin – letztens behauptete der Mittelschicht anzugehören, war ich schon ein wenig sprachlos. Allerdings ist sie in ihrem Glauben nicht allein.
Ja, das ist brillant. Niemand ordnet sich selbst öffentlich in die Unterschicht ein, selbst Leute, die klar reingehören, weil das Wort böse ist. Einer der besten Marketingtricks aller Zeiten. Und gleichzeitig weiß auch jeder, dass er keinesfalls zur Oberschicht gehört, und et voila – schon bist du Mittelschicht.
@Stefan Sasse
Bei aller Zustimmung: Wer hat dich den letztens nach deiner Klassenzugehörigkeit in Deutschland gefrägt? In welchen Kreisen verkehrst du? Bei mir ist so etwas noch nie passiert, da man schon auf das Wort “Politik” allergisch reagiert.
Übrigens, mein Nachbar ist Alkoholiker, und arbeitet angeblich nicht – schreib ich jetzt nur als Beispiel, um auf die Doppelmoral vieler “Bürgerlicher” hinzuweisen – denn auch in meiner Familie ist ein Schwesternteil arbeitsam während der Mann noch nie groß gearbeitet hat, und nun, zynisch ausgedrückt, dank schwerer Krankheit auch nie wieder arbeiten kann. In meiner eigenen Familie erlebte ich folgendes seltsame Verhalten: Der alkoholkranke Nachbar wird sehr kritisch beäugt, und der eigene Schwiegersohn eben nicht – bürgerliche Doppelmoral eben.
Es wird aber noch besser: Wir betreiben einen kleinen Tourismusbetrieb, mit Ausschank, und ein Stammtischbruder meine einmal über meinen alkoholkranken Nachbarn, dass der überall klingeln würde, auch bei wildfremden Leuten im Dorf, um an billigen Fusel zu kommen. Soll ich extra erwähnen, dass der bei uns gastierende Stammtischbruder ebenfalls Alkoholiker ist, und auch gerne etwas umsonst mitnimmt, wenn er es kriegen kann?
Diese Art der Doppelmoral kotzt mich übrigens schon seit Jahren an, aber ich lebe hier halt damit – in Deutschland, und das fängt – siehe obige Anektode – im kleinsten Dorf an, und zieht sich bis in weite bürgerliche Kreise der dt. Großstädte hinein…..
Ich bin sicher, dir fallen auch genug Beispiele dazu ein, und verbleibe…..
Gruß
Bernie
Das ist das Kernproblem der Linken:
Da niemand mehr ein Proletarier ist, verteidigt auch keiner die Interessen dieser Klasse. Wie oben jemand schrieb, alle denken und planen für den Tag, an dem sie mal reich sein werden. Insofern sind Lottoschein und “Superstar” und sonstige “auch Du kannst mit dabei sein” ganz brauchbare Mittel zum Bewahren der bürgerlichen Mitte-Mehrheit.
Dabei ist es ganz einfach: Jeder Lohnabhängige, der zuwenig Geld verdient, um eigenes Vermögen aufzubauen, ist ein Lohnarbeiter, ein Proletarier.
Andersrum ist das beste Schaf das, was sich für den Schäfer hält oder wenigstens dessen besten Freund – und sich demzufolge selbst schert.
Das Proletariat im Marx’schen Sinne ist ja in großen Teilen schon outgesourced worden, wie soll es da ein “revolutionäres Subjekt” geben, wenn überhaupt? Nein, nein, die Weltrevolution hat abgefrühstückt (und wenn nicht- zu furchtbar sich das auszumalen, was dann allein schon in China und Indien los sein wird). Und auf den Reformismus setzen? In diesen Tagen ist ja selbst ein “Kapitalismus mit menschlichem Antlitz” schon eine linksextreme Utopie… Nicht Jesus, die Aufklärung, der Weltgeist whatever etc haben ja gesiegt, sondern Ayn Rand und ihre Kumpanen (also Nietzsche und Adam Smith für ganz, ganz Arme- Arme im Geiste meine ich natürlich), wobei es denen hier vielleicht immer noch zu altruistisch zugeht. Es sieht finster aus, was aber unter den jetzigen Umständen nicht anders zu erwarten ist. Die einzige Hoffnung besteht in jenen beiden Konstanten der menschlichen Natur, in der Fehlbarkeit und der Selbstüberschätzung. Die haben schon so ziemlich jede Elite kleingekriegt, aber darauf sollte man vielleicht nicht zu sehr setzen.
@BruceMangee: Ich denke, solche Menschen repräsentieren die Leute, die sich der so genannten “Mittelschicht” zugehörig fühlen, weil sie Angst vor dem Makel haben, einer wie auch immer gearteten “Unterschicht” anzugehören. Deswegen gibt es auch so merkwürdige Wortkonstrukte wie “untere Mittelschicht”.
Ich habe eine Bekannte, die vor der letzten Bundestagswahl meinte, sie wisse nicht, was sie wählen solle. Eigentlich sei sie ja “eher links” (was auch immer sie genau meinte), aber ihr Mann verdiene ja gut, also müsste sie eigentlich CDU wählen. Ich war etwas erstaunt, dass man sich in der “Mittelschicht” quasi auch verpflichtet fühlen kann, eine bestimmte Partei zu wählen, egal ob diese der eigenen Einstellung widerspricht oder nicht.
Die meisten Menschen wählen das, was ihnen selbst nutzt oder – in den wohl weit überwiegenden Fällen – was ihnen als für sie nützlich eingeredet wurde.
Die wenigsten Menschen wählen so, wie die Gesellschaft eigentlich sein sollte – unabhängig vom eigenen Status.
Ich bin überzeugt davon, dass viele “Linke” FDP wählen würden, wenn ihnen Tante Erna ein größeres Vermögen vermacht hätte – und umgekehrt.
Ich müsste nach landläufiger Meinung wohl FDP wählen und wähle trotzdem die Linke, denn ich will nicht in einer Gesellschaft leben, die so mit ihren Schwachen umgeht. Es geht mir aufs Herz, wenn ich mal wieder jemanden im Müll wühlen sehe. Scheiß auf irgendwelche Pseudo-Steuererleichterungen! Die um sich greifende Herrenmenschen-Mentalität kotzt mich derart an, ich kann es keinem sagen.
Ich bin Jahrgang 1974 und mir wurde in Schule/ Elternhaus damals – wie den meisten anderen – Rücksichtnahme und Gemeinsinn gelehrt. Ich verstehe nicht, wie insbesondere meine Generation das einfach so wegwischen kann. Wobei – selbst meine Eltern sind inzwischen neoliberal “auf Linie”. Das ist so weit gegangen, dass ich den Kontakt inzwischen eingestellt habe, ich mag mir diesen Schwachsinn, die Hetze gegen Hartz-IV-Empfänger und das Wohlwollen in Sachen Sarrazin nicht mehr anhören. Ich fühle mich verarscht, wenn ich mich an das Salbadern in meiner Kindheit erinnere und nun wird das Gegenteil gelebt und man ist vom Gegenteil überzeugt.
Wie geht das?
Ich verstehe nicht, wie man Überzeugungen, die man mit Vehemenz vertreten hat, wechseln kann wie ein Hemd oder eine Hose.
Ich bezweifle, dass Wahlentscheidungrn signifikant von der Frage des Nutzens geleitet werden. Überzeugungen und das generele Feeling scheinen mir eine deutlich wichtigere Rolle zu spielen.
@ Stefan Sasse
Das ist mein Eindruck/meine Beobachtung auch. Die strukturelle linke Mehrheit ist ein Wunschvorstellung.
Eigentlich sollte man da nicht auf Mutmaßungen angewiesen sein, es gibt ja Wahlforscher, die das erheben. In den Siebzigern spielte die sog. Bezugsgruppentheorie eine Rolle (“Reference Group Theory and Voting Behavior” von Kaplan). Wer sich bürgerlich wähnt, wählt bürgerlich und vice versa. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Kennt jemand dazu neuere Studien?
Keine Studie, nein, aber das war ja effektiv die Aussage von meinem Artikel :)
Den Weg zu dem Feeling hin haben “linke” Sozialkundelehrer gepflastert.
So war es zumindest bei mir Jahrgang 81.
Eindeutig Unterschicht und sich durch ein sehr bürgerliches Gymnasium schlagend.
Da war für die – meist aus Städten stammende – Lehrerschaft schon klar der CDU wählende Bauer der Feind.
Ein Glück, dass es die Grünen gibt.
So muss man nicht den Feind wählen, sondern kann fröhlich weiter heucheln.
Willkommen im Club. Meine Mutter ist ein hoffnungsloser Fall 40 Jahre Staatsdienst haben massive Spuren hinterlassen, mit meinem Vater hingegen hatte ich in letzter Zeit wieder hoffnungsvolle Gespräche^^ Der hat auch mal in der freien Wirtschaft gearbeitet… so um 1970 rum, der kann sich noch partiell erinnern….
Qui bono oder machen sie ihre Eltern darauf aufmerksam mit welchen Tricks schröder, oder am Beispiel clement die Agenda 2010 durchgedrückt wurde? “Du bist Deutschland” wurde schon von den Nazis missbraucht, wer die Nutznießer der “Rentenreform” ist kann auch als Beispiel genommen werden und am Unterschied von Riester und Rürup wird oben und unten sichtbar. Wenn der sarrazin mal wieder durchs Dorf getrieben wird, dann könnte man hinterfragen, was soll ich als Schüler lernen, wenn meine Leistungen für ein Gymnasium ungeeignet sind und meine Chancen auf einen Beruf der mich und meine evt. Familie nährt, gleich null sind durch eben diese Agenda? Dabei kann ich mir sehr gut vorstellen, das
“Stresstest Deutschland, wie gut sind wir wirklich?”
eine unerlässliche Hilfe darstellt um eben mit den Thesen vom faulen Hartz IV Empfänger aufzuräumen? “Gerechtigkeit ist mehr als eine Frage der Moral, schreibt Jens Berger und das man die Stärke einer Gesellschaft im Umgang mit ihren schwächsten Mitgliedern erkennt, hatte vor über 50 Jahren schon Ghandi erkannt, nur hat er den moralischen Wert einer Gesellschaft am Umgang mit ihren Tieren festgemacht.
So gesehen degenerieren wir uns wieder zurück?, wie weit wir uns das gefallen lassen hängt vom Engagement jedes Einzelnen ab!
Interessanter, lesenswerter Text, zu dem natürlich Ulrike Hermanns lesenswertes Buch “DerSelbstbetrug der Mittelschicht” naheliegt, in dem sie u. a. zur Frage warum die Mittelschicht so oft gegen die eigenen Interessen handelt, z. B. beim Unterschichten-Bashing mitmacht und warum Lobbyisten und Propagandisten hier so aktiv sind, schreibt:
(Zitat): “Wer die Interessen einer Minderheit durchsetzen will, muß die Emotionen der Mehrheit berühren. Lobbyisten sind nur erfolgreich, weil sie auf das Selbstbild der Mittelschicht zielen.”
Neben der “soziologischen” Mittelschicht profitiert die Propaganda vom Glauben der Leute, auch zur Mittelschicht zu gehören, wenn dann auch noch geglaubt wird, sozusagen minimal davor zu sein, auch zur “Bürgerlichkeit”, also quasi auch irgendwie oben dazu zu gehören,
ist das zwar völlig schräg, erklärt aber manches, vor allem ist es ein großer Erfolg dieser Meinungsmache.
Grüße
@HHarlekin
Stimmt genau, und wir können noch froh sein, dass die PR der Bürgerlichen fruchtet, denn wie ich, aus eigener Erfahrung, weiß geht der Riß mittlerweile durch ganze Bekannten und Verwandtenschichten, und wir haben es nur unserer Zivilisiertheit in Deutschland, und der neoliberalen Propaganda natürlich, zu verdanken, dass es keinen Bürgerkrieg zwischen gutsituierten, und armen, Menschen in Deutschland gibt – bis dato.
Gruß
Bernie
@HHarlekin
Da hätt’ ich mir ja meinen Buchtipp sparen können. :-)
Im Buch von Ulrike Herrmann steht nix sensationell Neues, aber es iss schon sehr interessant, wie sie die Mechanismen beschreibt:
Die Friseuse will nix mit den Hartzies zu tun haben, also rechnet und fühlt sie sich zur Mittelschicht. Der Reiche will nich auffallen, also rechnet er sich klein (und wenn er guggt, wie wenig Steuern und Abgaben er zahlt stellt er auch fest: „Ich zahl’ fast nix, also muss ich arm sein!“) und geht mit der Friseuse auf’s gleiche Ticket. So kommt es auch, dass die Mittelschicht immer weiter zurückfällt, wenn sie die Erleichterungen „für die Mittelschicht“ bejaht: Für die meisten ein Fliegenschiss, für wenige ein weiterer Schluck aus der Pulle!
Besonders weh tut das auf dem Bildungssektor (einen hab’ ich durch’s Studium, drei sind noch feste dabei) – dort geht der Beschiss volle Kanone weiter … und die Friseuse (Synonym) hilft kräftig mit, dass es so bleibt und glaubt, sie tut ihrer Brut ‘was Gutes! *kotz*
@Stefan Sasse
Touché! Eigentlich müsste dieser „American Hope“ heißen im Sinne von Hoffung = Kutscher der Armut!
Nein, “Vogel, wieso?
Ulrike Hermanns Buch ist so interessant, daß es noch mehr Hinweise problemlos verträgt. ;-)
Also nochmal: Ulrike Hermann: “Der Selbstbetrug der Mittelschicht” ist
L E S E N S W E R T !
Grüße
@HHarlekin
Anmerkung: “rr” :-D
Hast recht! Bin ein Fan von ihr, eine der wenigen JournalistInnen, die eine klaren Verstand haben!
Also noch ‘mal: Lesen Leute!!
“[...]Im öffentlichen Diskurs ist “links” hauptsächlich Gegenbild und Projektionsfläche der Bürgerlichen, die – let’s face it – länger und ausdauernder an der Macht sind[...]”
Das mag so in Deutschland sein, aber die Journalistin Eva C. Schweitzer, die ein Buch über die US-Tea-Party geschrieben hat meint, dass “links” mittlerweile so x-beliebig geworden ist, dass sich neuerdings sogar “Bürgerliche” – in den USA Neue Rechte genannt – das Etikett “links” andichten.
Die Tea Party, die sicher auch auf Deutschland abfärbt, sorgt eben dafür, dass der Begriff “links” völlig inhaltsleer wird – aber dazu muß man das Buch von Eva C. Schweitzer schon einmal gelesen haben.
Übrigens jeder, der noch klar sieht, sieht doch mittlerweile, dass es sogar Versuche in Deutschland gibt der Merkel das Etikett “links” und “sozialdemokratisch” anzuheften, und in der SPD nennen sich Seeheimer wie Steinbrück, Gabriel und Steinmeier sowie die gute Frau Nahles neuerdings auch – vor wichtigen Wahlen – wieder Linke. Von den Grünen gar nicht erst zu reden, die allem das Etikett “links” anheften, in ihrer Partei, dass bei drei nicht auf den Bäumen ist.
Nein, ich bleib dabei – siehe oben – auch bei uns gibt es mittlerweile Versuche den Begriff “links” so zu entwerten, dass sich alles Bürgerliche neuerdings “links” nennt – Vor der Bundestagswahl wartet da so manche Überraschung auf uns, z.B. ein Linker namens Schäuble, eine Linke namens Von der Leiharbeit und ein Linker namens Westerwelle bzw. Rösler……
Die US-Strategie der Tea Party färbt eben auch auf Deutschland ab – Ein Land das gerne Sachen vom jeweiligen Großen Bruder übernommen hat, und da war es ganz egal ob der im Westen oder im Osten sitzt.
Gar nicht amüsierte Grüße
Bernie
Ergänzung: Ich bin mir übrigens fast sicher, dass sich sogar Rechtsextremisten neuerdings wieder den Titel “Links” anheften, wie schon einmal anno 1932/33, aber wie bereits erwähnt vor 2013 wartet sicher noch so manche – böse – Überraschung in dieser Hinsicht auf uns.
….übrigens die angeblichen “Linken” Sarrazin, und dessen Fan Gauck, habe ich fast vergessen…..
Vor 2013 wartet eine “linke” Einigkeit in Deutschland Parteienlandschaft auf uns, da kann die echte Linkspartei abrocken…..
Gar nicht amüsierte Grüße
Bernie
Der Artikel fordert Widerspruch heraus, da Behauptungen und Unterstellungen aufgestellt werden, aber nicht oder sehr schwach belegt wurden. Wahrscheinlich liegt an der Länge eines Artikels und der Anzahl von angerissen Behauptungen.
Wieso enttäuscht? Schröder hat doch alles geändert – Finanzsystem, Hartz, Riester-Rente.
Was ist eine “strukturelle bürgerliche Mehrheit”? Es gibt keine bürgerliche Mehrheit, sondern Hoffnungslosigkeit, Uninformiertheit, Hilflosigkeit gegen mediale Manipulationen und jedes Fehlen in Vertrauen der politischen Schwätzer.
In keiner Partei bestehen genaue Vorstellungen, denn es gibt erhebliche Unterschiede zwischen Aussagen in Parteiprogrammen und der praktizierten Politik. Teilweise gibt es in den Parteien überhaupt keine Vorstellungen zu einigen Punkten, sondern nur Vorstellungen von Lobbygruppen.
Dieses stimmt nur, wenn “bürgerlich” und “Spießer” gleich gesetzt werden – zumindest bei den Grünen.
Ja?
Da sieht man mal, dass Parteiprogramme (oder fehlende Programme) keine Bedeutung haben.
Besonders die Grünen verfolgen den Weg einer “Waschmittelwerbung”.
Ich würde sagen, die Führungsspitze die Grünen entwickeln sich zur Theatergruppe.
Mein Kommentar ist zu lang, aber ein “echter Sasse” lässt etwas anderes kaum zu.
Das Problem war nie und ist nicht, dass sich die Inhalte der Begriffe “links”, “bürgerlich”, “Mitte”, “rechts” oder, was ebenso in diese Kategorie gehört, “extrem” geändert haben oder in Gänze verloren gegangen sind, sondern, dass sie nie einen Inhalt hatten.
Es sind, wie von Stefan Sasse geschrieben, Etiketten. Diese werden, je nach eigener Position, munter verteilt, um sich abzugrenzen oder die eigene Nähe zu verdeutlichen.
Das tolle an diesen Etiketten ist, dass sich mit dem Inhalt einer politischen Position/Aussage niemand mehr beschäftigen muss, da ja schon die Bezeichnung alles sagt.
Genau so ist es. Und damit tritt an die Stelle der inhaltlichen / politischen Auseinandersetzung eine Gezerre um Worte, etwas, womit man am besten eine PR-Agentur beauftragt. Wer die besten PR-Leute hat bzw. diese sich leisten kann, der gewinnt. Es geht nur darum, selbst positive Begriffe zu besetzen und, wenn das nicht möglich ist, positiven Begriffen, die traditionell der “Gegner” besetzt hält, eine negative Konnotation anzuhängen.
Es war doch zum Beispiel bezeichnend, wie aus dem “Bürgerrechtler” Gauck (was inhaltlich schon zu hinterfragen wäre) erst der “Bürgerpräsident” und schließlich der Kandidat der “bürgerlichen Parteien” wurde.
@ Kiki
Kann man so nicht sagen. Ohne Inhalt sind in der Tat Begriffe wie „bürgerlich“ oder/und „Mitte“. Diese sind sozusagen deutsche Leer-Begriffe. Inhaltsbegriffe hingegen sind die Begriffe „links“ und „rechts“. Das wird auch dadurch nicht anders, daß alle diese Begriffe als Etiketten in der sogenannten Postdemokratie gebraucht werden. Um sie aber als solche gebrauchen zu können, müssen sie vorher sinnentleert worden sein. Das fällt um so leichter, je weniger die Bürger politisch aufgeklärt sind. Zumal es sich scheinbar von selbst versteht, daß ein Bürger sich als bürgerlich versteht.
Eine völlig andere Bedeutung bekommen Bürger und Bürgerlich aber, wenn man sich einmal die Bedeutung dieser Begriffe im Französischen anschaut (das zu tun ist deshalb akzeptable, weil die Bürgerlichen nur deshalb als herrschende Klasse präsent sind, weil’s die Französische Revolution gegeben hat). Dort ist ein Bürger nämlich erst einmal jemand der verwaltet wird, er ist ein administré oder eine administrée, ein/e Administrierte/r also (chers administrés, … „Liebe Mitbürger, …“).
Redet man also von Bürgern, bürgerlich, Bürgerlichen, Bürgerlichkeit, fällt mir immer das Bild eines Verwalteten, eines Genasführten, eines in der Masse Schweigenden ein. Und so sind es die Kleinbürger die die sogenannte Mittelschicht mit ihren Mittelschichtzwischenschichten bevölkern.
Dem entgegen stehen die Citroyens (Citoyennes). Diese sind die selbstbewußten Bürger, jene also, die das Administiertwerden sowohl für sich als auch für andere ablehnen. Sie sind diejenigen, die Obrigkeit und Obrigkeitsstaat ablehnen – und deshalb sind sie politisch links, weil sie wissen, daß echte Freiheit materielle Basis voraussetzt _ für alle.
(Wobei „bürgerlich und Bürgerlichkeit“ in Deutschland zudem deshalb eine verschleiernde Bedeutung haben, weil es hier nie eine echte und vor allem erfolgreiche bürgerliche Revolution geben hat: Im entscheidenden Moment fielen die deutschen Bürger rechtzeitig um, und schmiegten sich an den autoritären Staat, den Obrigkeitsstaat an, der ihnen die Profite sicherte [und sichert] und das Proletariat vom Leib hielt. Da wird zwar ‘mal gebrummelt, aber … )
Mit freundlichen Grüßen, Joachim Endemann
Tippfehler! Richtig: … Citoyens …
^Jo_Cit^
Ein interessanter Ansatz, die politische Landschaft mal jenseits der eh stets recht vage bleibenden Begriffe/Kategorien rechts – links zu ordnen.
Was mir fehlt ist eine genauere Differenzierung des Begriffs von “Bürgerlichkeit”. Spätestens mit der Verschwinden der klaren Trennlinien zwischen Arbeitern und Angestellten beginnt die klassische Identifikation zu bestimmten Millieus zu brökeln. Bürgerlichkeit hatte vielleicht früher einen klaren Kern, seit mehreren Jahrzehnten reicht das Spektrum ihrer politisichen Repräsentation aber bereits von FDP und CDU bis zu SPD und Grünen. Insofern erklärt der Ansatz Bürgerlichkeit nur partiell, die eigentlich zu beantwortende Frage, wie es dazu gekommen ist, dass sich zwischen allen diesen Parteien der “neue große Konsens” gebildet hat, der seit zehn Jahren die Politik bestimmt.
So isses. Die allermeisten Menschen brauchen keinen, der sie bescheißt, das machen di schön selber.
Empfehlenswert: “Hurra wir dürfen zahlen – Der Selbstbetrug der Mittelschicht”, Ulrike Herrmann.
Das geht auch kürzer: Sasse hat Angst, daß Angie 2013 wieder den Durchmarsch schafft. Wird sie auch, denn alle können mit allen, wenn es um die Macht geht. Solange die Rentner fleißig CDU wählen, wird es immer für selbige reichen. Und die Linke bleibt außen vor, Schmuddelkinder eben.
@ André B.
Wir lassen Putin gegen Angie antreten ! ;-)
Jetzt darf sie Angst haben.
Gar nicht mal ganz so OT…:
Opposition sieht Kanzlerin geschwächt
SPD-Fraktionsvize Joachim Poß wertete die Äußerungen Friedrichs als Beleg dafür, dass eine eigene Mehrheit der Koalition nicht mehr sicher sei. “Das hat zur Desorientierung geführt – auch in den eigenen Reihen, und so ist zu erklären, dass selbst ein Bundesminister sich nicht in der Lage sieht, diesem Paket zuzustimmen”, sagte Poß im SWR. Für die Regierungskoalition sei die Bundestagsabstimmung jedoch existenziell. Wenn sie die Mehrheit nicht bekomme, “müsste die Regierung für sich überlegen, ob sie noch lebensfähig ist”, sagte Poß.
Da rügt Herr Poß doch tatsächlich die Koalition dafür, dass sie in der Frage des neuen Hilfspaketes für Griechenland sich nicht einig ist und dass die Abstimmung “existenziell” für sie sei und gleichzeitig stimmt die SPD zusammen mit den Grünen (wie kann es auch anders sein) nach Angaben von Frau Nahles und Herrn Özdemir GESCHLOSSEN für den Antrag der Regierung. Seit 15 Uhr berichtet PHOENIX übrigens live aus Absurdistan…
“Absurdistan live:
“Und so müssen wir auch im transatlantischen Verhältnis unsere Handelsvoraussetzungen vereinfachen und somit unsere Wachstumsmöglichkeiten ausbauen.” (Merkel eben gerade auf Phoenix, ich hoffe, ich habe annähernd richtig zitiert)
Bei Sätzen wie diesen muß man sich orgiastisch wälzen, und ausrufen:”Oh ja! Oh ja! Oh ja!”
Oder mindestens andächtig nicken. Denn es ist Mutti. ;-)
Grüße
Diese Absonderungen werden immer grotesker.Manchmal habe ich den Eindruck/ Vision, es zieht sich gleich die Maske ab und zum Vorschein kommt der Herr Priol, bekannt aus “Neues aus der Anstalt”.
“es zieht sich gleich die Maske ab und zum Vorschein kommt der Herr Priol”
Das wäre ja noch die optimistische Variante.
Realistischer ist doch das hier:
http://www.youtube.com/watch?v=0HRC4uWkruM ;-)
Grüße
Freiheit
Wachstum
Wohlstand
Freiheit
Wachstum
Wohlstand
Freiheit
Wachstum
Wohlstand
Es fehlt noch :
Scheitert der Euro, scheitert Europa ( und ich kann nicht in den Vorstand des Konzerns RWE/EON oder sonstwo wechseln ) .
Scheitert der Euro, scheitert Europa ( und ich kann nicht in den Vorstand des Konzerns RWE/EON oder sonstwo wechseln ) .
Scheitert der Euro, scheitert Europa ( und ich kann nicht in den Vorstand des Konzerns RWE/EON oder sonstwo wechseln ) .
Das Volk ist nur zur Wahl zu miss/gebrauchen….
Das ist ausgesprochen bedenklich.
Was Freud wohl dazu sagen würde?
:-D
Die deutschen Kleinbürger liegen sozusagen in ödipaler Schichtung vor … Mutti. Was zu vermuten war. …
Falls jemand nach den Folgen fragen sollte: politische Inzucht. Insofern wird übrigens erst verständlich, wieso Muttis Meinung sich so leicht in die Köpfe der Mittelschichtler machen läßt.
Es sprach bereits der berühmte Massenpsychologe George Orwell anno 1984 in einem Anfall historisch dimensionierter Prophetie:
“ER LIEBTE DIE GROSSE MUTTI.”
qed. ;-)
@ Hharlekin
Völlig richtig, ich erinnere mich genau … und jetzt wird mir erst klar, warum Schorsch:
„Mutti lügt wahrh a f t i g, das macht die Lüge wahr, und so erscheint die Wahrheit lügenl a s t i g der ödipalen Kleinwürgschar“, in sein ursprünglich verfaßtes Nachwort zu „1984“ geschmuggelt hatte. Diesen schmuggligen Satz (erinnerte ihn wohl so prophetisch an die Festland-Piraten, daß es ihm wehtat – auch hierfür verdient er Sympathie) hatte er dann wieder gestrichen, d.h. man findet ihn in der redigierten Fassung nicht mehr.
^Jo_Cit^
@Joachim Endemann
Ja, der “schorsch” Orwell…
und er war nicht allein – sein langjähriger “Pen-Friend” Willi, der Speerschüttler, hat seinerzeit in seiner umstrittenen Streitschrift “Der gemeine Grieche” schon festgehalten: “Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen?”, auf den sich MUTTI absichtsvoll nicht bezog, sondern vielmehr auf dessen nicht minder berühmten Essay: “Was ich will”, und dessen zentraler Aussage: “Halts Maul, du Griech´ – du Griech´halts Maul!”
weshalb man das Fazit des Justian v. d. Abendsonne nicht außer Acht lassen sollte, mir ist, als hätt er es erst Samstag gesagt:
“Der Flügelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert,
und grausig GAUCKT der Golz.”
Wir leben in der Zeit glückseliger Erfüllung.
Mutti will unser Bestes, und wahrlich, sie wird es auch bekommen, daran dürfen wir gerne glauben, denn wahrlich, sie saget uns:
Nicht mehr nur im Wonnemonat zur Meyen-Zeit
seien wir bereit, denn
bald gilt MUTTI-Tag zu JEDER Zeit … ;-)
Grüße, und
MÖGEN WIR IN SCHRÄGEN ZEITEN LEBEN!
Ober,Mittel,Unterschicht…
Ich gehöre der Anderschicht an. ;-)
Mfg
“Piraten sind nicht links”
befindet auch der Anti Kommunistische Arbeitskreis (AKA) der Piraten und:
“Wir, der AKA, stellen uns gegen linksextreme Bestrebungen innerhalb der Piratenpartei und fordern ein Ende der faschistischen und anti-demokratischen politischen Verfolgung, welche in der Bundesrepublik an der Tagesordnung steht. Insbesondere wenn es um den K(r)ampf gegen Rechts geht, wo Andersdenkende in unglaublicher Weise politisch verfolgt, diskriminiert und kriminalisiert werden.”
http://piratenaka.wordpress.com/
@Jacques Roux
Danke für den Hinweis ;-)
Nun ist klar, dass die Piratenpartei unwählbar ist, wenn die so zum angeblichen Kampf gegen den Rechtsextremismus steht, und es wundert mich nicht, dass so Gerüchte entstehen, dass so mancher Pirat vorher aktiv bei NPD, REPS, DVU & Konsorten war.
Traurige Grüße
Bernie
(schon wieder eine antineoliberale Hoffnung namens Piratenpartei gestorben)
PS: Oder handelt es sich hierbei um bitterböse Satire gegen die Piratenpartei? Zynischer Art – meine ich ;-)
Piraten und FDP – arbeiten doch gut zusammen:
http://www.nwzonline.de/Region/Stadt/Delmenhorst/Artikel/2800701/Auch-interkommunal-gut-vernetzt.html
@unbequemer
Darum geht es mir nicht, sondern um den Vorwurf, dass die Piratenpartei mit (Neo-)Nazis paktiert.
Ich vermute aber stark, dass ich hier einer, wenn auch bitterbösen, Satire aufgesessen bin ;-)
Amüsierte Grüße
Bernie
Daran kannste jetzt nicht die Piraten fest machen. Auch wenn ich die Spinner für mehr als nur flüssig halte, kann man nicht aus einem Haufen Irrer auf die restlichen Irren schließen. Ich befürchte eher, die Piraten machen sich zur nächsten FDP auf.
Satire, oder? Das ist ja so was von schräg, das können die nicht ernst meinen.
Ich kann euch versichern, dass der Antikommunistische Arbeitskreis ein trollversuch gegen die Piraten ist.
Weder bekennt sich jemand zum AKA (angeblich aus Selbstschutz) noch gibt es in der Partei Kenntnis von denen.
Der AKA hat mit uns gar nichts zu tun.
Sollten da wirklich Piraten beteiligt sein, dann stehen die sehr einsam.
Für ein realistisches Bild der Piraten kann ich nur die Stammtische, das Wiki oder die Mailinglisten empfehlen.
Hier der Beleg vom Bundesvorstand zum AKA im offiziellen Protokoll der Vorstandssitzung vom 16.02.12
http://vorstand.piratenpartei.de/2012/02/22/protokoll-zur-vorstandssitzung-2012-02-16/#TOP_8:_Fragen_an_den_Bundesvorstand
Wer den Link zum AKA verbreitet, unterstützt nur die Neonazi Trolle.
Seit langer, langer Zeit schaue ich wieder mal hier vorbei. (“vorbei” triffts!)
Und sehe also, wie die wechselnde Anordnung der Creme- und Sahneschichten in einer Torte diskutiert werden.
Frohe Ostern schon jetzt!
ein netter, aber auch einschläfernder Artikel – bei all dem Gift im System. All das Gift, was weder bürgerlich-konservative Schwarz-Gelb Anhänger, noch bürgerlich-konservative Grün-Rot oder Orange -Anhänger durch eine versöhnliche, nicht-progressive Politik aussaugen können.
Somit stirbt die demokratisch-geprägte, bürgerlich-libertäre Gesellschaft nach und nach ab und verkommt zu einer degenerierten, in sich tief gespaltenen Masse separierter KlassenVertreter. Sich selbst schauspielender Klassen-Vertreter einer degenerierten Gesellschaft, bestehend aus ideologietreuen, marktgläubigen Freiwirtschafts-Theologen und Konsum-Fetischisten auf der einen Seite wie auch alternativen, kapitalismus-kritischen Aktivisten, um sozial-verträgliche Jobs bemühte Arbeiter, Jobbern & JobSuchende und ausgegrenzten ‘Lethargiern’ & Rebellen auf der anderen Seite, welche den vorherrschenden Zeitgeist des gesellschafts-tragenden Dilletantismus richtig erkannt haben…
Irgendein italienischer Regisseur (Neorealismus oder so) hat einmal eine Anekdote erzählt, dass er als Bürgerkind die Ferien unter wirklich armen Dorfkindern verbracht hat. Er hat die Not nicht verstanden und konnte sie nicht hinnehmen.
Bürgerlich heißt für mich zu versuchen, sich mit viel Kraft pekuniär in den Wertschöpfungsprozeß zu integrieren, auch wenn man öfters mal von irgendwelchen Hirnspacken in der Psycho-Zone Büro eine aufs Maul kriegt.
Ich hab von beiden etwas.
Ich wusste das Du das brauchst. Die Konservativen, die ich so kenne, die brauchen es auch von vorne UND vor allem von hinten. Sonst fühlen die sich nicht wohl.
Was würdet Ihr nur ohne die Master/Slave-Beziehung machen? Keine Herren mehr – und keine Diener. Kein Stöckchenspringen mehr fürs Hündchen.
Wohin dann mit all den devoten Sklaven?
Schreckliche Vorstellung.
@ FetteBeute
… Und dann noch ohne Leit(Kultur)Planken …
Nun, sie würden sich verlaufen. Da lassen die sich lieber irreleiten. Genau dafür dienen übrigens solche Verschleierungsbegriffe wie „bürgerlich / Bürgerlichkeit / bürgerliche Parteien / Mitte“. Alles Leerformeln, beliebig im Herrschaftssinne zu füllen. Ist alte Methode.
Die Mittelschicht ist die Schicht der Kleinbürger. Kleinbürger sind latent (und reaktiv) aggressiv. Das kommt daher, daß sie zwischen dem herrschenden Bürgertum (Bourgeoisie) …
_ _ _ ( Nein, dieser Begriff ist nicht obsolet, übrigens genauso wenig wie der Begriff Klasse. Typisch ist es überdies, wenn von Schichten gesprochen wird, weil das die Heterogenität der Gesellschaft besser abbilde. Als wenn die Angehörigen der Klasse der Lohnabhängigen eine monolithisch anmutende Bewußtseinslage hätten oder je hatten, oder die Angehörigen der herrschenden Klasse eine solche hätten oder je hatten – diese haben nur in letzter Konsequenz ein gewisses Eigeninteresse, daß die Verhältnisse so bleiben wie sie sind – deshalb benutzt man beispielsweise obige
Verschleierungsbegriffe) _ _ _
… und dem zukünftigen Proletariat, das heute erst Prekariat ist, eingeklemmt sind. Das heißt Kleinbürger neigen wegen ihrer latenten (und reaktiven) Aggressivität dann zur Auflehnung (Trotz), wenn sich die herrschende Klasse schwach zeigt. Reagiert die herrschende Klasse beizeiten darauf und liefert Autorität, nun, dann geht diese reaktive Aggressivität ins übliche Grummen über und das Kleinbürgertum begnügt sich mit dem Üblichen: nach unten treten und nach oben buckeln.
^Jo_Cit^
Das Klassenbewusstsein hat sich verflüchtigt, damit auch der Begriff.
Haha, das glauben auch nur Sie. Und das sollen Sie auch glauben, damit man Sie besser schröpfen kann. Eventuell muss man sich vom klassischen Bild der Arbeiterklasse alter Prägung verabschieden, aber in der Sache sind Klassen aktueller denn je. Die upperclass jedenfalls weiss wo sie hingehört..
@ Peleo
Dann gäb es also auch keine kapitalistische Produktionsweise und somit keine kapitalistische Gesellschaft, d.h. bürgerliche Gesellschaft mehr?
Ein Sachverhalt verliert nicht dadurch seine Bedeutung, nur weil er unbewußt abläuft. Allerdings führt dieser unbewußt bleibende Ablauf dazu, daß seine Auswirkungen unerklärlich erscheinen (Der Schein des Seins ist Tarnung). Diese Unerklärlichkeit wird sofort ersetzt durch Erklärlichkeit, ist einem der entsprechende Sachverhalt bekannt bzw. bewußt. Erst hierdurch wird man übrigens zum Akteur, weil man so eine Entwicklung abschätzen kann, mit Glück sogar relativ sicher voraussehen kann.
Das heißt eine Klasse hört nicht deshalb auf, eine Klasse zu sein, nur weil Angehörigen einer bestimmten Klasse ihre Klassenzugehörigkeit nicht bewußt oder ihnen dieses Bewußtsein abhandengekommen ist (und dies nicht durch Zufall übrigens, so läßt sich als herrschende Klasse jedenfalls bequem thronen).
Hingegen ist es so, daß die Masse der Angehörigen einer Klasse, der das Klassenbewußtsein fehlt, nicht in der Lage ist, für ihre Rechte zu kämpfen. Wer nämlich für seine Rechte kämpfen will, muß erst einmal wissen, wo seine Interessen liegen. Weiß er das nicht, so kann es höchstens durch Zufall sein, daß er sich an die richtigen Leute wendet, um Verbündete zu finden, mit denen er gemeinsam für seine Interessen kämpfen kann – weil er wegen seiner Klassenselbstbewußtlosigkeit leicht zu manipulieren ist – von denen, die im Dienste der herrschenden Klasse tätig sind, ob als “Wissenschaftler“, Politiker, Journalist, Pädagoge etc.
Wer so redet wie Du, muß sich erst noch finden. Ich kenne eine gesellschaftliche Schicht, die betreibt ihre Findungssuche alle paar Jahrzehnte aufs Neue. Es ist die sogenannte Mittelschicht. Diese in der Tat bildet eine Zwischenklasse, denn sie ist ständig in der Gefahr von oben wie von unten zerrieben bzw. zerrissen zu werden … Je nach Krisenheftigkeit des kapitalistischen Systems.
Wem wir heute beiwohnen, ist der Prozeß einer materiellen Prekarisierung größer werdender Bevölkerungsteile. Das heißt die Schere zwischen Zuvielhabenden und Zuwenighabenden wird größer. Das birgt so lange kein Umsturzpotential in sich, so lange den Prekarisierten das zusammenhängende Bewußtsein ihrer Lage fehlt, d.h. das Klassenbewußtsein.
Dieses Bewußtsein kann allerdings genau deshalb nicht vorhanden sein, weil in den Präkarisierten das traditionelle Bewußtsein, der Mittelschicht anzugehören, charakterlich noch verankert ist: „Charakter ist geronnener soziologischer Prozeß einer bestimmten Epoche“ (W. Reich).
Wann sich diese charakterliche Verankerung so weit gelöst hat, daß ein Klassenbewußtsein entstehen kann, das mit der tatsächlichen Seinslage (_D a s e i n s l a g e_) korreliert, hängt von vielen variablen Faktoren ab und läßt sich deshalb nicht bestimmen, sondern nur vermuten. Ein Hinweis ist jedenfalls, daß von der herrschenden Seite dieser Bewußtwerdungsprozeß erwartet wird, denn anders ist es objektiv nicht zu erklären, daß soziale Überwachungstechniken verfeinert werden (hierzu wird selbst der Einsatz von „Drohnen“ schon diskutiert), und von militärischer Seite bereits Einheiten zu diesem Zweck abgestellt …
_ _ _ (Bekannt ist das von den USA: First Brigade Combat Team, ausdrücklich für den aktiven Kampf im Staatsgebiet der USA in den USA stationiert – dieses “Team” hat besondere Erfahrungen mit Häuserkampf unter Kriegsbedingungen im Irak gesammelt. Für Deutschland anzunehmen ist, daß Eingreifkräfte der „Division Spezielle Operationen [DSO] zum Einsatz kommen werden) _ _ _
…. und in Kriegsgebieten entsprechende Einsätze eingeübt werden, die sich im Bedarfsfall gegen die eigene Bevölkerung richten können. Unwahrscheinlich? Nun, das ist eine Frage, ob der soziale Druck, der durch die neoliberalen „Reformen“ kontinuierlich erhöht wird, auf „Sündenböcke“ ausreichend abgeleitet werden kann (z.B. auf Hartz-IV-Turm-Bewohner, Migranten, „Griechenland“ etc.). Hilfreich hierbei sind Leute à la Sarazzin, Henkel, Sloterdijk, Guttenberg (vorerst gescheitert), Gauck (der Levitenvorleser) und was es da sonst noch reichlich und verschiedenen sozial schattiert gibt und geben wird.
Erleichtert wird dieses Festhalten an der überkommenen gesellschaftlichen Zugehörigkeit zum einen dadurch, daß mit dem Prozeß der Prekarisierung meist eine Vereinzelung der Individuen einhergeht, die man als soziale Atomisierung bezeichnen kann (hierdurch wird die Bildung eines zusammenhängenden Bewußtseins erschwert). Zum anderen selbstredend dadurch, daß die im Dienste der Herrschenden Stehenden, den (ihnen selbst meist unbewußt bleibenden) “Auftrag“ haben, diese Selbstbewußtwerdung zu verhindern oder zumindest zu behindern, da die Herrschenden genau wissen (und wüßten sie das nicht, wären sie keine Herrschenden), daß mit der Klassenbewußtwerdung des Prekariats, das genau hierdurch dann zum Proletariat würde (das falsche Traditionsbewußtsein ist dann ersetzt worden durch das richtige Bewußtsein, dem Bewußtsein also, das der Seinslage entspricht), sein Kampf um seine Interessen begänne. _ _ _ Und gegen wen richtet sich dann dieser Kampf? Gegen die thronende Klasse. Und wie heißt ein solcher gesellschaftlicher Kampf? Klassenkampf.
Das Problem sind nicht die alten Begriffe, sie sind weiterhin gültig. Das Problem liegt eher darin, daß durch die Verschleierung der Zusammenhängende, falsches Bewußtsein bewußt erzeugt wird, und, wie exemplarisch Du, so viele wenig Kenntnis von den sozialen Wirkzusammenhängen haben, was allerdings nur ein Beweis für diese bewußte Falschbewußtseinserzeugung ist.
^Jo_Cit^
Und die Partei Die Linke hat einen nicht unbedeutenden kleinen Teil davon in den eigenen Reihen (und meine da eher die Basis vor Ort.
@ Tom
Ich würde sie eher Spießbürger nennen. Im Unterschied zum Rest der Schicht sind die aber durchaus bereit, eine Veränderung der Gesellschaft hin zu mehr Gerechtigkeit mitzutragen.
@Dirk, Tom
Meint ihr die ehemalige WASG in der Linkspartei, oder die Linke in der Ex-DDR? Also ich – als “Wessi” – war mal bei einer solchen Linken-Versammlung, wo sogar – man lese und staune – gestandene Steuerberater, und BWLer, zu Parteimitgliedern zählten.
Allerdings im “Westen”, d.h. es dürfte sich hierbei um ehemalige WASGler handeln…..
Gruß
Bernie
Ausgezeichneter Text, vielen Dank. Du hast dich seit deinen Anfängen hier enorm weiterentwickelt.
Ach ja: “Tatsächlich sind breite Teile der Wähler – immer noch – bürgerlich geprägt” stimmt, und das ist auch gut so. Denn Gesellschaften wurden und werden niemals auf Dauer durch randständige Sonderlinge und Utopisten in einem für die große Mehrheit lebens- und wünschenswertem Zustand erhalten und asugebaut. Extreme sind Mist, egal von welchem Rand – ob braun oder rot ist für die jeweiligen Opfer kein relevanter Unterschied.
Unser Problem hierzulande ist tatsächlich, dass es keine ernstzunehmende linke und auch keine liberale Ergänzung bzw. Gegengewicht zum rotschwarzgrünen konservativen Einheitsbrei mehr gibt. Der übrigens mitnichten die Wünsche, Sorgen und Ziele bürgerlicher Mehrheiten vertritt – er ist für die nur das geringste aller politischen Übel, und alle diese Übel sind unsäglich.
sollte wohl eher heißen:
Die “Rechten” lassen sich sehr einfach identifizieren. Es geht diesen Leuten gar nicht um irgendwelche politischen Inhalte. Sondern darum, wer an der Macht ist. Und in diesen Arsch kriechen die “Rechten” dann rein. Es ist schlicht das einfachste und erfolgsversprechendste für diese Leute. Und wenn man charakterlos genug ist, dann stimmt das eben auch. Der Opportunist hat es unter jeder x-beliebigen Führung am besten. Unter den Nazis ist er Nazi. Und wenn anschließend die Demokraten an die Macht kommen, dann ist er eben Demokrat oder tut zumindest so. Egal.
Das alles verwirrt den gebildeteten Beobachter immer etwas. Aber viel mehr passiert bei den “Rechten” nicht.
Dabei kann es dann schon mal vorkommen, das politische Inhalte von der “anderen Seite” geklaut werden. Sinn und Zweck der Übung ist aber lediglich: Noch mehr Arschkriecher rekrutieren. Die Stammarschkriecher stecken ja schon fest. Die kommen da gar nicht mehr raus. So tief sind die involviert.
Es gibt trotzdem etwas, das der “Rechte” als störend empfindet. Wenn gar nicht so richtig klar ist, wer jetzt eigentlich “führt”. Dann muß natürlich eine Ordnung hergestellt werden bei der ganz klar ist in welchen Arsch reingekrochen werden muß. Sonst wäre das alles zu kompliziert und der “Rechte” bekäme einen Tilt.
@FetteBeute
Ich denke einmal deine Analyse stimmt genau.
Zumal sich der “Der betörende Glanz der Charakterlosigkeit” gerade jetzt wieder, bei der Gauck-Wahl, zeigt:
“[...]CDU nominiert Alice Schwarzer als Bundespräsidenten-Wahlfrau
Die Feministin bekam von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder vorher 150.000 Euro für ein Archiv in Aussicht gestellt[...]”
Quelle und ganzer Text:
http://www.heise.de/tp/blogs/8/151506
Zynische Frage:
Wieso genau ist Wulff noch einmal zurückgetreten worden? Wäre es nicht einmal an der Zeit die seltsame Art der Frau Schröder näher zu beleuchten, wenn die es nötig hat “gestandene” Feministinen zu kaufen?
Frägt sich
Bernie
Danke Bernie. Deine Beiträge sind auch immer wieder eine Stütze für uns alle.
Zum Girls-Club um Merkel:
Anscheinend will man eine Art weiblicher Führungsmannschaft generieren. Deshalb war auch schon mal propagandistisch ein weiblicher Bundespräsident in der Vorbereitung.
Außerdem wirkt ja das Intrigantentrio Merkel, Springer, Mohn sehr erfolgreich hinter den Kulissen (in Kooperation mit Beate Baumann) und serviert massenmedial einen potentiellen Konkurrenten von Merkel nach dem anderen ab. Wulff war da nur einer von vielen. Vorher waren da noch Oettinger, Koch, Stoiber, Huber, Beckstein usw usf.
Ich denke die Weibchen haben einen antimaskulinen Totalschaden. Die Weibchen fühlen sich anscheinend von den Männchen etwas übergangen. Deshalb wollen die jetzt den Spieß umdrehen.
Bedauerlicherweis wurden die Weibchen aber nicht übergangen. Sondern haben einfach kein Talent. (Wenn man mal von der Fähigkeit zur Intrigenspinnerei absieht)
Schwartzer gehört dann wohl mit in die Networking-Schiene rein. Bestechen muß man die nicht. Gauck hat die Unterstützung unserer geliebten Einheits-Partei (CDU/CSU/SPD/FDP/Grün). Man muß sich da keine Stimmen mehr kaufen.
Es ist zum Totlachen. Oder zum Heulen…
Sie treten in diesem Forum als eine vermeintliche Speerspitze der ‘wahren’ Linken auf, verdammen (durchaus mit wohlüberlegten Argumenten) die bürgerliche Heuchelei und Ausbeutung – und dann entpuppen Sie sich ohne einen Anschein von Scham als reaktionärer, misogyner Waschlappen.
Eine bedauerliche Beobachtung aus zahlreichen politischen Postillen und Diskussionen im Netz: Die sogenannte Linke (wenigstens viele ihrer selbsternannten Fürsprecher, darunter auch Witzfiguren und Elendsgestalten, denen hier publizistischer Platz eingeräumt wurde) hat eine ihrer ursprünglichen Überzeugungen verlernt und benötigt dringend Nachhilfe in feministischer Gesellschaftsphilosophie und -politik, sowie der dazugehörigen Sensibilität
/(Anmerkung der Mod, Link gelöscht, versuchen sie es mit einer Deutschsprachigen Internetseite)/
Im Interesse Ihrer Aufklärung: So wenig wie ein Befürworter rassistischer Bevölkerungspolitik wie Herr Sarrazin links sein kann, so wenig kann es ein “post-feministischer” oder gar “maskulinistischer” Selbstbemitleider sein. Die Linke verzichtet gerne auf Ihre Speerspitze.
Setzen. Sechs.
/(Anmerkung der Mod, die Linke hier zeichnet sich vor allem darin aus, das sie auch ihnen Platz für “Publizistik” einräumt, wer sich dabei zu einer Witzfigur degradiert, ist klar ersichtlich? Das es ihnen dabei an Argumenten fehlt, wie immer eigentlich?, stellen die Linken, durch eine Vielzahl an Beiträgen mit einer Menge an Argumenten hier im Forum zur Diskussion.)/
Dass ich nicht lache, Herr Berger.
Ich habe auf Ihrer Seite noch keine “Argumente” für die Diskriminierung und Marginalisierung von Frauen gelesen. Mag daran liegen, dass es keine gibt.
Zu sehen, wie sich sogenannte Linke zum Steigbügelhalter reaktionärster Selbstbemitleidung (wie sie die Biologisten und Rechtskonservativen einst für sich gepachtet hatten…) machen, ist schlichtweg traurig.
Sie wollten Argumente? Mein Link hätte Sie und ihresgleichen rasch und nachhaltig aufgeklärt.
Und da Sie so infam sind, die Publikation unumwunden frauenfeindlicher Artikel auf Ihrer Seite mit “linker” Meinungsvielfalt zu rechtfertigen: Warum laden Sie denn nie Leute von PI-News hierher ein? Die haben zum Feminismus und der Rolle von Frauen doch das Gleiche zu sagen, wie der von mir kritisierte Kommentar.
Wie erbärmlich.
Wenn sich hier im Forum jemand darüber aufregt das Politik käuflich ist, bleibt das die Sache jedes Einzelnen, natürlich kann man Art und Form kritisieren, das hätten sie tun sollen und hinterfragen, ohne Ausfallend zu werden und einen Rundumschlag zu betreiben. Und ihn deswegen in die Position von PI zu schieben geht am Ziel wohl ebenso vorbei? Mod ist auch nicht Jens Berger!
Mit den “Artikeln” bezog ich mich im Übrigen auf Gastbeiträge Ihrer Seite und deren maskulinistisch-reaktionäre Verfasser, nicht auf obigen Kommentar oder dessen Verfasser FetteBeute.
Das ändert natürlich nichts an meiner überaus linken Verachtung für alle vermeintlich linken Verächter des originär linken Kampfes für die Gleichberechtigung der Frauen und anderer marginalisierter Menschengruppen.
Wer ist denn die oder der “maskulinistisch-reaktionäre Verfasser”? Wenn sie Gleichberechtigung wollen ist Alice Schwarzer garantiert die “Richtige” wenn es überhaupt den oder die Richtige gibt? Das Frau Schwarzer evt. doch nicht die Richtige für ihr oder mein Anliegen ist, alle Menschen als Gleichberechtigt zu betrachten, dürfte jedem klar sein, wenn sie sich dazu noch kaufen lässt, sind wir wieder beim Thema? Mein Verständnis für Diskussionsteilnehmer die dieses kritisieren ist eben so gegeben wie ihre Kritik auf Art und Form des Beitrags von Fette Beute, aber auch sie müssen sich den Vorwurf gefallen lassen in Art und Form!
http://www.heise.de/tp/blogs/8/151506
Wer aus einem Kopftuch eine Flagge des Islamismus macht, lehnt sich ganz schön weit aus dem Fenster?
http://www.derwesten.de/nachrichten/schwarzer-widerspricht-dem-bundespraesidenten-id3921068.html
Mit “maskulinistisch-reaktionären” “Witzfiguren und Elendsgestalten” bezog ich mich unter anderem auf diesen Tiefpunkt der Spiegelfechter-Publizistik:
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/6454/leitkultur-feminismus
(Daher auch meine PI-News-Analogie)
Dass Schwarzer sich von BILD und Union kaufen lässt, hat im Übrigen mit “dem Feminismus” (den es natürlich gar nicht gibt) oder irgendwelchen empirischen Fragen über das Vermögen weiblicher Politiker nichts zu tun und entschuldigt ferner niemanden (siehe FetteBeute) dafür, in seinen Kommentaren sexistische (dh misogyne) Pauschalbeleidigungen und reaktionäres Geschwätz als dezidiert “linke” oder Meinungsäußerung zu verkaufen. Wer links ist, ist bis auf Weiteres Feminist oder – als Mann- Verbündeter des Feminismus.
Zuletzt: Pardon, dass ich Sie oben unkritisch mit Herrn Berger identifiziert habe.
Das war ein Replik eines Machos und es ist nichts weiter wie der Versuch, Gleichberechtigung um jeden Preis zur Diskussion zu stellen, dazu mit Beispielen die allesamt geeignet sind Gleichberechtigung um jeden Preis in jeder Disziplin zumindest mal zu hinterfragen? Denke wenn das schon nicht mehr möglich ist weil sich dadurch irgendjemand auf den Schlipps getreten fühlt?, sind wir nicht wirklich Frei?! Aber um mal bei dem von ihnen angesprochenen Beitrag zu bleiben und darin der Typ vom Bund bzw. Marine
“Man wird des öfteren den Eindruck nicht los, dass die heutige Generation von Frauen (und auch Männern) ein gefühltes Jahrtausend selbst erlebter weiblicher Unterdrückung nun mit einem Schlag wieder gut machen will. Gefördert wird dieser Zwang zu Gleichmacherei durch eine Medienschlacht, die auf fast allen relevanten Feldern beruflicher, kultureller und sportlicher Tätigkeiten ausgetragen wird. Zweifel an der Sinnhaftigkeit solcher Debatten einerseits, oder an der Nützlichkeit bzw. Notwendigkeit weiblicher Profilierung und Frauenquoten in traditionell männlichen Domänen andererseits, sind mittlerweile nicht mehr ganz gefahrlos zu äußern.
Das musste bereits der Autor eines Marinemagazins leidvoll erfahren.”
Diesen Eindruck kann ich nicht teilen und gehe mit der Sache mal ganz unbefangen um, das der Marine Autor den Tod der Kadettin mit der weiblichen Schwäche oder nicht Eignung um in die Segel?, Takelage?, zu steigen begründet, kann ich soweit nicht Nachvollziehen, weil bei der Musterung oder in der Grundausbildung jedem Vorgesetzten die Grenzen seiner Rekruten, hier sind es Matrosen kennt und niemand der seinen Job verantwortungsvoll als Vorgesetzter ausübt, würde so etwas zulassen? Oder haben wir es auch mit einem Verfall an Werten innerhalb der Bundeswehr zu tun?, in denen von einem Kriminellen, sie doch dazu gezwungen wurde in die Takelage zu steigen? Dann müssten wir die Diskussion an anderer Stelle weiter führen, dann ist es ein gesellschaftliches Problem und diesen Zerfall sehen wir an jeder Ecke! Wenn die Polizei die wir haben, ein Spiegelbild der Gesellschaft darstellt, ist es durchaus Wahrscheinlich das nicht jeder geeignet ist, um Soldat oder Vorgesetzter zu sein? Ein Gesellschaftsproblem!
Aber um zu dem vom Autor angesprochener Gleichmacherei zu kommen, meine Zeit beim Bund kam ganz ohne Frauen aus und wie so eine Grundausbildung nun mal lief zu dieser Zeit, war sie recht Anstrengend. da mussten wir Flüsse und Bäche und Hindernisse überwinden, die fast alle an den Rand der Erschöpfung trieb. Neulich vorm TV wurde ich Zeuge einer Begebenheit bei einem Offiziersanwärter Kurs und wie dort ebenfalls Bäche und Flüsse überwunden wurden, mit Frauen in dem Anwärterkurs, da sollte ein Bach von vielleicht drei oder vier Metern breite überwunden werden, das Wasser war Knietief und reichte manchmal bis zur Hüfte, ja also was sollte ich sagen?, während wir im Winter und es war Saukalt mit Gepäck und nass bis auf die Knochen so etwas im Kampfanzug überwunden, zogen sich die Damen und Herren Soldaten bis zur Unterhose aus und gingen wie in der Badeanstalt an das Gegenüberliegende bewaldete Ufer, um sich abzutrocknen und wieder anzuziehen. Keine Ahnung ob der Kampfauftrag für den solche Übungen ja vorgesehen sind Feminiert wurde in den letzten 30 Jahren?, dann wäre er aber Überflüssig und gehörte Ersatzlos gestrichen? Oder?
Ich denke, er hat in soweit Recht, als dass die momentane Politikerinnengeneration, großteils erzogen im Geiste des Nationalsozialismus, für Fürungspositionen wirklich nur marginale Verwendung finden kann. Da ist Talentfreiheit offensichtlich erste Frauenpflicht. Das mag, weil nicht gottgewollt oder genetisch bedingt, mit den kommenden Generationen besser werden. immerhin haben wir ja jetzt auch 2 oder 3 gute politische Kabarettisitinnen. Gabs auch selten, obwohl da doch eher weniger gesellschaftliche Blockade vorhanden war. Drücken wir gemeinsam die Daumen, dass die Frauen neuer Prägung endlich ihr eigenes Verständins von der Rolle in der Welt finden und nicht einfach nur die noch dümmeren Männer sein wollen. Meinen Segen habt ihr^^
@ola:
Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu, aber diese Talentfreiheit ist doch kein Alleinstellungsmerkmal irgendeiner weiblichen Politikergeneration.
Als anecdotal evidence mag man sich dazu Bouffiers tränennasse Antwort auf Schirrmachers Baby-Boomer-Schelte durchlesen: Der Mann ist ein netzwerkender, prinzipienloser Waschlappen und auch noch stolz darauf:
http://www.faz.net/-gqz-6xyjz
Eine von der Leyen, Künast oder gar Merkel demgegenüber als politisch irgendwie besonders ungeeignet darzustellen, erscheint mir völlig unbegründet und geht, im Falle des Kommentatoren FetteBeute, wohl eher auf Sexismus denn aufrichtige Sorge um die Lage unserer Demokratie zurück…
@Mod:
Zur Klärung der Frage, ob und inwiefern Frauen als kämpfende Mitglieder eines modernen Militärs geeignet sind, muss man weder persönliche Erfahrungen noch Vorfälle bei der Bundeswehr oder – was auch gerne getan wird – Erhebungen der US-Streitkräfte (denen erst ein Präsident ihre institutionalisierte Frauen- und Schwulendiskriminierung austreiben musste) heranziehen. Denn die Frage wurde sowohl wissenschaftlich als auch praktisch (nämlich in der kampferprobtesten Armee der westlichen Welt) bereits hinreichend beantwortet:
http://en.wikipedia.org/wiki/Israel_Defense_Forces#Women
und
http://en.wikipedia.org/wiki/Women_in_the_Israel_Defense_Forces
(siehe vor allem die wissenschaftliche Literatur unten)
Der von mir kritisierte Gastartikel fällt im Übrigen selbstverständlich unter das Recht auf freie Meinungsäußerung. Aber darunter fällt nun einmal fast alles, was man an Dummheiten, Unwissen oder Vorurteilen jedweder Art von sich geben kann. Es ändert ferner nichts daran, dass der Artikel misogyner, reaktionärer Schwachsinn war. Freilich ebenso, wie die Behauptung, dass “die Weibchen” einen “antimaskulinen Totalschaden” haben, “sich anscheinend von den Männchen etwas übergangen” fühlen und “jetzt den Spieß umdrehen” wollen – aber “[b]edauerlicherweis” [sic!] “einfach kein Talent” haben “(Wenn man mal von der Fähigkeit zur Intrigenspinnerei absieht)”.
Diese Aussage ist im Übrigen auch dann sexistisch, wenn sie sich lediglich auf den “Girls-Club um Merkel” beziehen sollte (das muss man heutzutage ja scheinbar selbst Linken – noch?/wieder? – erklären…).
Natürlich bringt man seine pers. Erfahrungen da mit ein? Meine Erfahrungen bei der BW liessen mich glatt und während der Wehrdienstzeit zum Pazifisten werden, mit den in Kauf genommenen Unannehmlichkeiten die Feldjäger verbreiten können. Aber zu ihrem Beitrag, sie trollen?
Gnädigste…. wenn Sie wollen, dass andere Ihre Interessen mitvertreten, dann müssen Sie dem schon sagen, wo denn der Mehrwert liegt. Warum um alles in der Welt soll ich mich jetzt für noch mehr von der Leyden einsetzen, wenn es ein Ramsauer auch tut? Wofür eine Nahles, wo auch Gabriel als Verräter eine veritable Rolle spielt?
Wenn Ihr der Gesellschaft eure Stärken gnadenlos verweigert, muss ich nicht den Horst und mich bei meinen Kollegen zum Deppen machen, wenn ich “support our girls” schreie.
Um mich da einzubringen, kommt mir halt zu wenig. Das Gleiche gilt übrigens für Frauen in Vorstandspositionen, die sich offensichtlich dadurch definieren, noch gnadenloser zu agieren als ihre männlichen Pendants.
Gnädigste…
Köstlich-erfrischende Wortwahl aus einer Zeit, als die Schwäche des “schwachen Geschlechtes” noch deren Stärke war.
@F
Da ist ja einiges mißverständlich rübergekommen. Gemeint war weiter oben, dass die Gruppe Merkel, Schavan & Konsorten völlig talentfrei ist. Mit “Weibchen” war diese Personengruppe gemeint. Und nicht das ganze Geschlecht. Die Aufregung ist also eigentlich gar nicht nötig.
Zweifelsohne gibt es sehr talentierte Frauen. Beispielsweise Sahra Wagenknecht, Esther Vilar, Ursula Engelen-Kefer zähle ich dazu (um nur einige Beispiele zu nennen).
Die wollen wir gerne in Führungspositionen sehen. Da wird (auch wenn es in Abhängigkeit von der Einzelperson sicher unterschiedliche Geschmäcker gibt) wohl kaum jemand hier ein Problem damit haben.
Was mich stört ist folgendes: In diesem Land kommt eine kleine Camarilla von intriganten Nichtsnutzen an die Macht über systematische Manipulation der Bevölkerung via Massemedien.
Das ist eine schlimme Sache.
Das grundsätzlichere Thema “Geschlechterkampf” kann man ruhig noch mal gesondert diskutieren. Wäre mal etwas für ein Forum zu einem entsprechenden Artikel.
Ich sag schon mal: Ring frei!
bürgerlich = alle parteien und kräfte die gauck wollen.
es ist der geldadel, welcher a) den status quo (den besitz!) bewahren will FREIHEIT FREIHEIT FREIHEIT und b) auf den braunen bodensatz der gesellschaft zurückgreift (aus not) um den frust auf die ärmsten (da kein geld für lobbies) zu leiten SARRAZINVERSTEHER
das ist die bourgeoisie, das ist sie wie sie schon dem kaiser zujubelte, als die arbeiter in den mietskasernen blut husteten, wie sie sich dem hitler (SOZIALIST = LINKS) andienten und wie sie heute die worthülse freiheit auf jeden abfeuern, der nicht mit SCHWARZ ROT GEIL mitmacht.
ein widerwärtiges system, aber ich brauche kein LINKS RECHTS MITTE wasauchimmer um da durchzublicken, es langt einfach, wenn dieses system mal GESUNDSCHRUMPFT (und das wird es so hoffe ich mal)
Ein interessanter Beitrag. Auch wenn er nur gewollt/ungewollt klar macht, dass die Begriffe “links” und “bürgerlich” so leicht zu fassen sind wie ein gut geöltes Wiesel.
Die einzige Partei, die der Autor als nicht dezidiert “bürgerlich” bezeichnet, die Linke, wäre damit also “links” und also auch “revolutionär”… Naja, wenn das denn stimmen würde, so dürfte das zumindest den Staatsschutz interessieren… ;-)
Worauf ich hinaus will, ist, dass der Spiegelfechter-Blog schon mal weiter war; am 11.03.08 schrieb Herr Berger unter der Überschrift “Gesäßgeographie”:
“[...] Einen besseren Ansatz als die klassische Links-Rechts Skala bietet das Nolan-Diagramm, auf dem die Positionen der Parteien nicht an einer, sondern an zwei Achsen abgebildet werden. Auf der X-Achse wird die wirtschaftliche Freiheit bemessen und auf der Y-Achse die gesellschaftliche Freiheit. [...]”
Dem kann ich wenig hinzufügen.
Denn ein “Linker” wird das Wahre, Schöne und Gute immer als Ziel “linker” Politik betrachten und bezeichnen; und ein “Rechter” das Wahre, Schöne und Gute immer als Ziel “rechter” Politik. Und beide Seiten werden meinen, sie hätten fundamental etwas ausgesagt. Und darüber streiten bis zum Namenstag Sankt Nimmerleins.
Als “Links diffamiert” geht nur deshalb, weil wir uns auch diffamieren lassen. Wollen wir nicht nochmal drüber reden? Ein Unding, links und diffamieren in einem Satz zu verwenden, da ist der bürgerliche brain drain beim Sasse schon wieder voll eingeschlagen. Schöne Leistung heute wieder von deinen SPD Kaspern. Ich glaube noch dümmere Eseleien wie sie sich die SPD mit dem Gauckler und dem Rettungsschirm in den letzten beiden Wochen geleistet hat, sind objektiv nicht mehr möglich. Das Maximum an Verrat ist erreicht. Und dabei spielt es überhaupt keine Rolle mehr ob Opa Paschulke das kapiert oder nicht. Schließlich hat die SPD kräftig dabei mitgeholfen, dass Opa Paschulke plötzlich gar keine Wahl mehr hatte und gar nicht mehr weiss, was links eigentlich bedeutet. Gute Nacht.
Ich möchte Deine Hoffnung/ Glauben ja nicht minimieren, aber sollen die Sozen 2013 wieder (als Juniorpartner einer schwarz/ roten Koalition) auf der Regierungsbank sitzen wird es für die kleinen Leute erst so richtig lustig. Ich empfehle da mal Blick z.B. nach Griechenland was die sozialen Grausamkeiten anbelangt, denn das ist das was uns auch noch in ein paar Monaten oder Jahren bevorstehen wird.
Es gibt eine linke demokratische Partei im Bundestag die auch Opa Paschulke wählen könnte um seine Interessen zu wahren, weil er es aber (aus welchen Gründen auch immer) nicht macht, unterstützt er die politischen Kräfte weiter die ihm die Rente den letzten Jahren ohne mit der Wimper zu zucken gekürzt haben und auch weiter kürzen werden. Analoges gilt für H4 Empfänger, Niedriglöhner, Leiharbeiter, Alleinerziehende usw. usw.
In Summe kann man durchaus sagen, wir haben genau das an Politik (politischen Entscheidungen, Gesetzen, Entscheidungsträger/ Politikern etc.) was wir auch verdienen!
Opa Paschulke wurde spätestens Anfang des Jahrtausend von der SPD ideologisch völlig alleine gelassen. Davon hat er sich nie erholt. Auf meine Partei zu verweisen ist zwar nett, aber unrealistisch. Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.
Wenn sollte dann schon heißen “…, wählt er nicht.” und beschreibt m.E. auch ein kleines Fragment der Problematik, denn was bitte sollte Opa P. denn logischerweise anderes machen (es sei denn er wäre Masochist), wenn “seine” Partei seine Interessen billigst verkauft und ihn übelst ver*rscht, als die Partei zu wechseln?
In Mehrzahl machen das die enttäuschten SPD Wähler ja auch nicht, u.a. läuft es darum auch so wie es läuft -> Grob könnte man deshalb auch sagen “Selber Schuld!” und “Beschwert euch ja nicht!”.
Jo selbst schuld bin ich immer dabei. Es gibt nichts Gott gewolltes. Man muss natürlich auch einschränknd sagen, dass diejenigen, die es besser wissen, oft genug die Fresse halten und sich damit natürlich auch definitiv schwer versündigen.
von diesem Land erwarte ich keine progressiven Veränderungen, eher das Gegenteil. Man sollte seine Hoffnungen anderswo richten, zb hier
“Michael Hudson: 2,181 Italians Pack a Sports Arena to Learn Modern Monetary Theory – The Economy Doesn’t Need to Suffer Neoliberal Austerity”
http://www.nakedcapitalism.com/2012/02/michael-hudson-2181-italians-pack-a-sports-arena-to-learn-modern-monetary-theory-%E2%80%93-the-economy-doesn%E2%80%99t-need-to-suffer-neoliberal-austerity.html
Das ist aber eine alte Binsenweisheit ;), denn was soll man von einem Land halten welches aus eigener Kraft noch eine gescheite Revolution* hin bekommen hat?
*Wobei einem das friedliche Ende der DDR schon fast wie eine Revolution vorkommen könnte, wenn nicht der allgemeine Zerfall des Ostblocks und Gorbie&Co. da nicht immense Hilfestellung geleistet hätte.
Wenn die Medien so fest in den Klauen der herrschenden Klasse sind, warum kann man dieshttp://www.ftd.de/wissen/leben/:gier-und-luegen-reiche-autofahrer-brechen-haeufiger-verkehrsregeln/60174470.html
darin lesen?
Ich weiß, ich weiß: Repressive Toleranz, besonders perfide Form der Meinungsmache….
Ja, eine headline die uns 3 Wochen auf allen Kanälen begleiten wird. Oder doch nicht? Doch eher ein Lückenfüller? Haben Sie das System gar nicht verstanden, kann das sein? Auf Seite 14 finden Sie oft Richtigstellungen und Interessantes, auf Seite 1 nicht.
In der DDR gab es auch ab und an Berichte über Versorgungsengpässe, als Ausweis von Pressefreiheit hat das bisher aber niemand genannt.
Die Faulheit der Politik ist die wahre Ursache dieses Phänomens, die mangelhafte Bereitschaft dicke Bretter zu bohren, die Bequemlichkeit, die dazu führt, dass man sich nicht mit Springer und Bertelsmann anlegen möchte, um diese Bretter zu bohren. Deshalb kam die Möglichkeit gerade richtig, sich der Sekte namens Neoliberalismus anzuschließen, die sich schlichtweg auf folgenden Kernsatz reduzieren ließ:
‘Liebe Politiker, lasst uns nur machen, geift nicht ein, wir werden es richten! Wir werden, weil wir ausschließlich gut sind, soviel Geld auf die Häupter der Habenichtse wohl- doch knappdosiert regnen lassen, dass ihr Ruhe haben werdet. Dabei auftretende und unvermeidliche Kolateralschäden werden wir mit unserer versammelten Medienmacht wegquasseln’
Auf der Basis dieses Credos wurde jahrzentelang Politik gemacht. Es ist das Glaubensbekennnis, dessen Einsickern in die Gesamtheit der Politik gerade an der Schröder-ff-SPD so überdeutlich wird. Es ist eine Politik, die zur Stabilisierung der Alternativlosigkeit stets großkoalitionär denkt. Es ist eine Politik, die unentwegt darüber seufzt, dass es eigentlich unerträglich ist, beim Politikmachen der Anwesenheit von Bürgern ausgesetzt zu sein. (Es würde doch genügen bei alleiniger Anwesenheit der Märkte zu regieren) Das Volk bekam aufs Maul, bekam eine Regel nach der anderen und gegenüber den ‘Märkten’ tat man so, als würde man um freiwillige Vereinbarungen ringen. Dabei strangulierte man die ‘Unterschicht’ und zunehmend die Mittelschicht oder diejenigen, die glauben zu dieser zu gehören. Glaubt denn wirklich jemand, dass einer, der sich ein Kleines erarbeitet hat, noch viel Energie zum Widerstand hat, wenn er mit seiner Familie überproportional durch Mwst. belastet wird, wenn er die Studiengebühren für seine Kinder auch noch bezahlt hat, wenn er darum bangt, dass diese gut ausgebildet vielleicht noch einen nicht präkären Arbeitsplatz ergattern können, etc. etc. etc.. Glaubt denn da einer, er hätte noch die Energie zur geistigen Erleuchtung ‘ich gehöre gar nicht zur Mittelschicht – wenn irgendeine Kleinigkeit jetzt auch noch passiert, bin ich mitten im Verarmungskampf”? Nein, diese Leute beanspruchen ein Stück Sicherheit und sie haben auch ein Recht darauf. Sie wissen instinktiv zwar, dass der ungeheuerliche Begriff ‘marktgerechte Demokratie’ genaue diese Sicherheit vollständig zerstören will, aber dies reicht nicht zum Widerstand, denn sie werden zugemüllt mit verlautbarter Sicherheit, an die sie glauben wollen, an die sich sich festkrallen, solange es geht. (Bayern hat die Hauptschule abgeschafft – die heißen jetzt alle Mittelschule – aha “Mittelschichtsschule” – Unterschichtsschule gibts nicht mehr – toll gemacht, oder?) Es mag erbärmlich sein, sich derart “bürgerlich” festzukrallen – wohl wahr – aber es ist auch erbarmungswürdig! Aber eine Antenne dafür gibt es in der Politik nicht mehr, am wenigsten dort, wo man sie vermutet hätte.
@baumbaron
Ein pöser Kommentar der aber m.E. auch viel richtiges aussagt. Als Analogie dazu fällt mir ein Esel (z.B. Arbeitnehmer) ein, dem man eine Möhre (z.B. soziale Sicherheit) vorhält die er aber nie erreichen kann/ soll. Mittlerweile gibt es sogar für viele “Esel” sogar diese “Möhre” nicht mehr, und statt froh zu sein das die falsche Illusion nicht mehr besteht und sie was grundsätzliches ändern sollten, wollen sie statt einer echten erreichbaren “Möhre” doch nur wieder die unerreichbare “virtuelle Möhre”. ;)
Ich warte mal, bis dieser Geschlechterkampf-Shitstorm vorüber ist.
F heisst in Wirklichkeit Klaus…
Nein. :)
Papperlapap, shitstorm:) Was gibts netteres als das andere Geschlecht? Und dann auch noch ein politisch interesisertes? So etwas trifft man nicht allzu oft in freier Wildbahn an.. Sollte es Klaus heissen, wöre ich aber sauer.
Geschlecht? Ein politisch interessiertes Geschlecht? Also geschlechtlich bin ich nicht politisch interessiert, geschlechtliche Gespräche führe ich nicht politisch, sondern von Geschlecht zu Geschlecht (… von Haus zu Haus …) – d.h. nicht dynastisch. …
Wenn man sich die Umfragen ansieht , dann sieht es wohl eher so aus als wenn ‘die Linke’ um ihren Wiedereinzug kämpfen muss und ein zulegen eher im Bereich ‘Traumwelt’ einzuordnen ist.
Momentan werden die bei 7-8% gesehen , was einem minus von 5% entspricht und wäre damit neben der FDP diejenigen die am meisten einbüssen.
Im Vergleich zu allen anderen europäischen Linken , die Kommunisten eingeschlossen , zeichnet sich nur die deutsche Linke durch einen Hass auf die eigenen Bürger und das eigene Land aus. Das ist einmalig in ganz Europa und wahrscheinlich auch der Grund dafür warum die deutsche Linke ebenso als einzige in Europa von der Wirschaftskrise nicht profitieren kann.
Bezeichnend ist zb. das andere linke Parteien in Europa nicht das vergessen haben wofür sie einmal eintraten , während deutsche Linke das wofür sie einmal standen ablegen wie einen alten Frack.
‘Antireligiös’ , ja klar aber nur solange bis es um den Islam geht .
Frauenrechte aber sicher, jedoch nur solange andere Kulturen ausgeklammert werden.
Diskreminierung lehnt man natürlich ab , es sei denn die Mehrheit wird diskreminiert dann ist man ohne wenn und aber dafür.
Diktaturen lehnt man natürlich ab, ausser es sind sozialistische Dikataturen dann gratuliert man selbstverständlich.
Natürlich trägt man die Menschenrechte wie ein Banner vor sich her, es sei denn es geht um die ‘negative Religionsfreiheit’ oder aber die Gesinnungsfreiheit welche man am liebsten abgeschafft sehen würde.
Hier unterscheiden sich deutsche Linke von den europäischen drastisch, und das ist auch der Grund warum sie niemals auch nur in die Nähe einer Mehrheit kommen werden.
Würdest Du das bitte mal mit einem konkreten Fallbeispiel unterstützen? Vielen Dank!
Keine Sorge,
politikfähige Pragmatiker und BAK Shalom bringen die LINKE schon noch auf den “rechten” Weg.
Aha, das ist mir bislang noch gar nicht aufgefallen. Und wenn ichs mir Recht überlege, kann ich daran auch jetzt nichts wahres finden, denn ich kenne Europas Linke, Sie anscheinend nicht. Netter Versuch,
Niemand ordnet sich da ein, weil man eben einer Minderheit angehören muss, um hier voranzukommen. Frauen beispielsweise, die in Hochschulabschlüssen die Männer überrundet haben stellen sich immernoch als absoulte Minderheit dar.
Des weiteren möchte auch niemand “dem Mainstream” angehören. Was der Mainstream ist, ist dann aber auch nicht definierbar. Oder doch: “Die anderen”. Man selbst möchte ja lieber den Anstrich haben eine elitären, kleinen Gruppe anzuhören, die nicht mit dem Strom schwimmt. Man will was besseres als andere sein. Genauso wie die Faschisten andere als minderwertig betrachtet haben.
Auf rechten Seiten wird vom linken Mainstream geredet und hier vom rechten Mainstream. Verrückte Welt.
Auf dieser Seite sollte man aber auch nicht vergessen, dass sich linke Themen bis auf wirtschaftliche überall durchgesetzt haben. Mainstream ist Gleichberechtigung, Anerkennung von Homosexuellen, Ökogie, politische Korrekheit,Pazifismus, Kapitalismuskritik und Multikulti. Was wohl eher weniger typische konservative Themen sind. Vor 40 Jahren war genau das Gegenteil von dem genannten Mainstream. Und in 40 Jahren wird es wieder was anderes sein.
Der einzig klare rechte Teil ist die Wirtschaft, mehr aber eben auch nicht. Das wird gerne vergessen oder bewusst verschwiegen, weil man dann als Linker ja nicht mehr in der elitären Gruppe der Revolutionäre und Weltversteher ist.
Und genau das erklärt eben auch den Post oben. Diese Dinge haben sich als Mainstream durchgesetzt und werden auch von bürgerlichen Parteien aufgegriffen. Es haben eben nicht nur die SPD und Grünen ihre Werte verraten, sondern eben auch die CDU/CSU. Auch die haben klar linke und grüne Positionen mittlerweile.
Niemand hat von denen Linke Positionen übernommen, Niemand und wenn sie sich mit den Themen beschäftigen, merken sie das!
Und noch was ganz wichtiges: Dieses Unterschichtengerede findet man besonders von Leuten, die es sonst verurteilen. Wenn es nämlich ums Fernsehen geht. Da wird dann nicht von dummen Menschen gesprochen, sondern von “Unterschichtenfernsehen”. Womit man finanziell schwache Leute generell als dumm darstellt. Und das eben nur, weil man ja aussagen will: “Gucke kein Unterschichtenfernsehen, bin also schlau.” Siehe Mario Barth. Der macht nicht für “die Unterschicht” Witze, sondern für Leute, die einen simplen Humor haben. Die Unterschicht kann sich da gar keine Tickets leisten.
Menschen ohne Bildung gucken übrigens kaum andere Programme als Gebildete, letztere gucken im Schnitt nur etwas weniger. Aber es ging mit dem Begriff ja eh nur darum, andere abzukanzeln und sich selbst wichtig zu machen.
@ Fette Beute meint:
“Zweifelsohne gibt es sehr talentierte Frauen. Beispielsweise Sahra Wagenknecht, Esther Vilar, Ursula Engelen-Kefer zähle ich dazu (um nur einige Beispiele zu nennen).
Die wollen wir gerne in Führungspositionen sehen. Da wird (auch wenn es in Abhängigkeit von der Einzelperson sicher unterschiedliche Geschmäcker gibt) wohl kaum jemand hier ein Problem damit haben.”
@ Fette Beute,
mich ärgert Ihr Kommentar, weil Sie von sich auf andere schließen.
Ich habe sehr wohl ein Problem damit.
Ich kann nur sagen: Keine Macht den Frauen, egal wie sie heißen und aussehen.
Jede neue Machtposition einer Frau, ist die Vernichtung eines Arbeitsplatzes für den Mann.
Das kann ich nicht befürworten.
Wenn es nach mir ginge würden wir, was die Rolle der Frau betrifft, noch in der Steinzeit leben. ;-)
Wie schön und erfrischend der Kommentar von ola? sehe ich doch ähnlich, was wären wir ohne Frauen? Das Forum zu degenerieren dagegen ist nicht Nett und wenig Hilfreich?
@Mo
Erzählen Sie mal. Wie sieht das in der Steinzeit so aus?
@ Fette Beute,
auf meinen Kommentar bezogen, gehe ich bei den Wort Steinzeit von der Zeit vor den Beginn der Emanzipation aus, also deutlich nach 1945. ;-)
Bin zwar nicht @Mo, antworte aber trotzdem:
Keule über die Birne und dann an den Haaren nach Hause ziehen oder zeigen wieviel schöne Muscheln man hat, dann kommt sie ganz freiwillig mit. Kann sein, dass der, der das vorher getan hat ärger macht. Keule über die Birne oder mit schönen Muscheln besänftigen, dann wird er schon Ruhe geben.
Seitdem hat sich nicht viel verändert. Das haben wir in unseren Genen.
@ Joachim Endemann
In einigen Punkten stimme ich Dir durchaus zu. Die Frage von Hannes Wader
“sag warum schlagen/ so viele Leute/ gestern wie heute/ den eigenen Interessen/
voll ins Gesicht/ und merken es nicht”
hat Stefan Sasse ja zumindest teilweise beantwortet.
Ich bin allerdings der Auffassung, dass man mit den Kategorien des 19. Jahrhunderts (Zwei-Klassen-Dichotomie) die heutige gesellschaftliche Realität nicht erfassen kann. Zu Marx´ Zeit spielten die Angestellten (Ingenieure, Techniker) noch kaum eine Rolle. Auch die Kleinunternehmer und Selbständigen haben sich vervielfacht und sind nicht in einer der beiden Klassen aufgegangen, wie Marx meinte. Gab es damals die Villenviertel auf der einen und die Mietskasernen auf der anderen Seite – sieh Dir heute die Wohnviertel an – und die Autos davor. Subjektiv: es gibt offenbar sehr viele, die mehr haben als ich, und ich bin nicht arm.
Der Begriff der Zwei-Drittel-Gesellschaft trifft eher die Realität.
Primär auf Pump … einer der Gründe, wieso’s so wenig muckt …
Ansonsten: letztlich geht’s um die Tendenz oder In welcher Richtung rast sich der Zug?
Man könnte natürlich auch schreiben: In welcher Richtung rast der Zug?
@Peleo
Ja durchaus, aber der Hauptgrund für dieses ungenaue Modell besteht darin, dass das Proletariat in Mehrheit als Arbeitskraft gar nicht mehr gebraucht wird. Mit der Folge, dass es auch machtloser und noch austauschbarer als damals ist. Verstärkt wird das Ganze auch durch die Globalisierung.
Ich bitte um Vorsicht mit solchen Vergleichen über völlig verschiedene Gesellschaften und Zeitepochen hinweg. Was hier ggf. objektiv was bringen könnte wäre ein Vergleich der Proportionen des Einkommen/ Vermögen der einzelnen Gesellschaftsschichten. Heute besitzen ca. 10% der Gesellschaft 90% des Vermögens. Das erinnert mich stark an den Feudalismus, und ich kann mit nicht vorstellen das in den Gründerzeiten des 19. Jahrhunderts die Reichen/ Adel noch mehr (im Verhältnis) besessen haben könnten.
Ich kann Dir versichern, dass auch heute Ingenieure u. Techniker im Grunde auch nur besser bezahlte (aber nur wenn deren Arbeitskraft gebraucht wird) lohnabhängige im Prinzip jederzeit austauschbare Beschäftigte sind, und m.E. keine eigne Gesellschaftsschicht darstellen die Aufgrund ihrer Qualifikationen etwa aus dem “Proletariat” herausragt. Im Gegenteil, das es früherrr im Verhältnis viel weniger hoch qualifizierte Ings./ Techniker gab, waren diese eher was “besonders”.
P.S.: Danke für den Hinweis auf Gevater Hannes, ich bin ein großer Fan dieses Barden!
P.P.S.: Zur werten Lektüre, zumal IMO passend analysiert!
Der anachronistische Zug oder Freiheit, die sie meinen
Franz Josef Degenhardt
@ Joachim Endemann
Ja, Franz-Josef Degenhardt war ein wortmächtiger Barde und als Künstler schätze ich ihn sehr, aber in seiner Gesellschaftsanalyse ist er den 60ern verhaftet geblieben.
Wer hört heute noch auf die mit den Monstranzen und Purpurgewändern?
Und “diesen Dingsbums – Sozialismus mit dem menschlichen Gesicht” sehe ich durchaus nicht so verächtlich. Ich bin alt genug, um Armut (absolute, nicht nur relative) noch erlebt zu haben: Als Kind musste ich Ähren sammeln auf abgeernteten Feldern und Bucheckern für das Speiseöl. In der Familie ein Frühinvalide (wegen fehlender Schutzvorrichtungen als Fabrikarbeiter) und Sozialist, den dann ausgerechnet die Rentenreform der Adenauer-CDU aus der Armut holte.
Das hatte auch mit der Erhard-Marktwirtschaft zu tun, die mir (wie nicht wenigen hier und auch Gregor Gysi) als (Etappen?)ziel durchaus akzeptabel erscheint. Jedenfalls sinnvoller, als auf eine Erhebung der Massen zu setzen. Revolutionsromantik ist nicht mein Ding.
@Peleo
Ich denke die meisten Menschen (ich möchte mich da auch nicht ausnehmen), nur die Personen und deren äußere Form haben sich geändert, den was zum Beispiel sind die heutigen Wirtschaftsexperten mit ihren vielen Dr. Titeln in feinstem Zwirn anderes als moderne Paffen des Neoliberalismus?
Das empfinde ich total anders. Ein Sozialismus als Fassade, der nur die herrschenden Strukturen überdeckt wird m.E. von den Sozen aktuell praktiziert, und es mag sogar Zeitgenossen geben die dies nicht nur verachten sondern sogar als Verrat bezeichnen.
P.S.: Joachim Endemann Heldentasse ;)
Nö, nicht unbedingt:
Franz Josef Degenhardt-Wölfe mitten in mai
@ Peleo, # 33
Ich bestreite keineswegs, daß die „Zweidrittelgesellschaft“ die Realität begrifflich benennt. Aber deshalb den Begriff „Klassengesellschaft“ fallenlassen?
Eine Gesellschaft verliert ihren Klassencharakter nicht dadurch, daß man ihn verschleiert. (Nimmt man allerdings die Position der herrschenden Klasse ein, so ist es eine Notwendigkeit, diesen Charakter zu verschleiern.)
Der Begriff „Zweidrittelgesellschaft“ ist kein tatsächlicher Ersatz für „Klassengesellschaft“, sondern dieser Begriff ist ein klassischer Verschleierungsbegriff der bürgerlichen Machtelite (Bourgeoisie). Denn die sogenannte „Zweidrittelgesellschaft“ ist ein Ergebnis der bürgerlichen „Klassengesellschaft“.
Oder anders ausgedrückt: Der „Zweidrittelgesellschaft“ als Ergebnis der bürgerlichen „Klassengesellschaft“ fehlt das „Drittel“ der sozial Abgehängten. Ist dieses aber deshalb nicht mehr vorhanden? Selbstverständlich nicht, aber eben aus diesem Grund macht es aus der ideologischen Sicht der Machtelite Sinn, diesem „abgehängten Drittel“ die ursprüngliche Schuld für seine Misere in die Schuhe zu schieben, ansonsten ginge sie (diese ursprüngliche Schuld für diese Misere) schließlich als Frage, nämlich als Soziale Frage an die Herrschenden zurück – in Form von Klassenkampf, dann, wenn nicht beizeiten das aktuelle System reformiert wird. (Fakt ist jedenfalls, daß es nicht konsequent und standhaft reformiert worden ist.)
_ _ _ _ _ _ (Ich meine mit „Reformen“ tatsächliche Verbesserungen der Lebenssituation der Menschen, die darauf angewiesen sind, daß sich der Staat als ihr Anwalt versteht – und dies ist der Sozialer Rechtsstaat) _ _ _ _ _ _
Diese Reformen bedeuteten aber prinzipiellen Machtverlust für die Herrschenden.
Bisher gibt es, als Klasse, keine Erfahrung mit der freiwilligen Teilung von Macht, über die nur eine soziale Klasse (Bourgeoisie) verfügt. (Der Beginn der Nachnaziära könnte zwar als eine solche freiwillige Teilung von Macht mißverstanden werden, bei näherer Betrachtung zeigte sich aber, daß dies nicht stimmt – und die „Rollback-Sozialpolitik“ seit ca. der 80er Jahre u.f.Z. [vgl. „Lambsdorff-Papier“, „Agenda 2010“] macht deutlich, daß aktuell tatsächlich ein Klassenkampf stattfindet: von oben. _ Wer das nicht wahrhaben oder gar negieren will, ist’s selber schuld: … man hält in der bürgerlichen Gesellschaft doch soviel von Eigenverantwortung – nicht wahr?)
Das heißt mit anderen Worten, daß das Profitsystem (das kapitalistische System, das bürgerliche System also), nicht in der Lage ist, allen drei „Dritteln“ der bürgerlichen Gesellschaft eine Teilhabe am sozialen Leben zu bieten, daß die Freiheitsgrade aller (relativ) unverletzt läßt. (Dies ist ein Affront der Würde des einzelnen Menschen.) „Überleben“ kann ein solches System nur durch Perfektionierung der Verknechtung des Menschengeschlechts, d.h. auf bürokratisch-militärdiktatorische Weise.
Dieses Ergebnis („Zweidrittelgesellschaft“) der bürgerlichen „Klassengesellschaft“ wird je nach politischer Wahrnehmung verschieden interpretiert:
- „das ist halt so“ (klassisch bewußtlos [bzw. herrschaftskonforme] bürgerliche Sicht),
- „das muß durch soziale Reformen verändert werden“ (einst programmatische und [relativ] praktisch von der SPD vertretene, heute von der Linken vertretene Sicht, d.h. auch DieLinke stellt nicht die soziale Machtfrage und steht damit diesseits des bürgerlichen Rubikon _ die Grünen changieren in diesem Feld)
und:
- „Das Profitsystem läßt sich nicht reformieren, wie die Vergangenheit gezeigt hat, es ist zur Rettung der eigenen Spezies wie auch ihrer materiellen Basis (dies ist die Erde) revolutionär zu ersetzen durch ein gemeinwohlorientiertes System, das sich nicht mehr an Nationalstaaten (den territorialen Spielwiesen der Machteliten dieser Staaten, die eben nicht die Völker dieser Staaten repräsentieren [!].) orientiert, sondern an der Vereinigung von bisher nationalstaatlich organisierten Territorien, die hierdurch wirtschaftlich [nicht kulturell!] verschmelzen und so erst den Völkern und Individuen dieser vereinigten Staaten ermöglichen, ihre je typischen kulturellen Eigenheiten tatsächlich ausformen zu können – ungehemmt also von dem nationalstaatlichen Diktat (der Machteliten dieser Nationalstaaten). Wobei dieser revolutionäre Prozeß möglichst koordiniert weltweit stattfinden muß – wie alle Marxisten wußten und wissen – und das „stalinistische Sozialismus-in-einem-Land-Projekt“ schmerzhaft gezeigt hat.“ (Dies ist sozialistische Sichtweise, und diese ist meine.)
^Jo_Cit^