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  • Unsere schönen neuen Kleider

    geschrieben am 29. Februar 2012 von Gastautor

    Gegen die marktkonforme Demokratie – für demokratiekonforme Märkte

    ein Gastartikel von Ingo Schulze

    Anmerkung: Dies ist die Rede, die Ingo Schulze am 26. Februar im Rahmen der Dresdner Reden 2012 im Dresdner Schauspielhaus gehalten hat. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.

    Meine sehr verehrten Damen und Herren!

    Sie alle kennen das Märchen Des Kaisers neue Kleider von Hans Christian Andersen. Es ist ein Märchen, das sich leicht nacherzählen lässt, denn es läuft auf eine Pointe hinaus, die man kennt – oder zu kennen glaubt – und die in unserem Alltagsbewusstsein gegenwärtig ist. Sooft ich selbst an das Märchen dachte oder es nacherzählte, endete ich damit, dass durch den Ruf eines Kindes: „Aber der Kaiser hat ja gar nichts an!“ der ganze Schwindel auffliegt und das Volk schließlich ruft: 
„Aber er hat ja gar nichts an!“
    Doch so war es nur in meiner Vorstellung. Hans Christian Andersen lässt seine Geschichte besser, das heißt, er lässt sie mehrdeutiger enden, auch wenn es nur zwei Sätze sind, die meine Erinnerung unterschlagen hat.
    Erlauben Sie mir bitte, Ihnen das Märchen vorzulesen, es nachzuerzählen wäre längst nicht so schön.


    Des Kaisers neue Kleider

    Vor vielen Jahren lebte ein Kaiser, der so ungeheuer viel auf neue Kleider hielt, daß er all sein Geld dafür ausgab, um recht geputzt zu sein. Er kümmerte sich nicht um seine Soldaten, kümmerte sich nicht um Theater und liebte es nicht, in den Wald zu fahren, außer um seine neuen Kleider zu zeigen. Er hatte einen Rock für jede Stunde des Tages, und ebenso wie man von einem König sagte, er ist im Rat, so sagte man hier immer: „Der Kaiser ist in der Garderobe!“ 
In der großen Stadt, in der er wohnte, ging es sehr munter her. An jedem Tag kamen viele Fremde an, und eines Tages kamen auch zwei Betrüger, die gaben sich für Weber aus und sagten, daß sie das schönste Zeug, was man sich denken könne, zu weben verstanden. Die Farben und das Muster seien nicht allein ungewöhnlich schön, sondern die Kleider, die von dem Zeuge genäht würden, sollten die wunderbare Eigenschaft besitzen, daß sie für jeden Menschen unsichtbar seien, der nicht für sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei. 
’Das wären ja prächtige Kleider‘, dachte der Kaiser; ’wenn ich solche hätte, könnte ich ja dahinterkommen, welche Männer in meinem Reiche zu dem Amte, das sie haben, nicht taugen, ich könnte die Klugen von den Dummen unterscheiden! Ja, das Zeug muß sogleich für mich gewebt werden!‘ Er gab den beiden Betrügern viel Handgeld, damit sie ihre Arbeit beginnen sollten. 
Sie stellten auch zwei Webstühle auf, taten, als ob sie arbeiteten, aber sie hatten nicht das Geringste auf dem Stuhle. Trotzdem verlangten sie die feinste Seide und das prächtigste Gold, das steckten sie aber in ihre eigene Tasche und arbeiteten an den leeren Stühlen bis spät in die Nacht hinein. ’Nun möchte ich doch wissen, wie weit sie mit dem Zeuge sind!‘ dachte der Kaiser, aber es war ihm beklommen zumute, wenn er daran dachte, daß keiner, der dumm sei oder schlecht zu seinem Amte tauge, es sehen könne. Er glaubte zwar, daß er für sich selbst nichts zu fürchten brauche, aber er wollte doch erst einen andern senden, um zu sehen, wie es damit stehe. Alle Menschen in der ganzen Stadt wußten, welche besondere Kraft das Zeug habe, und alle waren begierig zu sehen, wie schlecht oder dumm ihr Nachbar sei. 
’Ich will meinen alten, ehrlichen Minister zu den Webern senden‘, dachte der Kaiser, ’er kann am besten beurteilen, wie der Stoff sich ausnimmt, denn er hat Verstand, und keiner versieht sein Amt besser als er!‘ 
Nun ging der alte, gute Minister in den Saal hinein, wo die zwei Betrüger saßen und an den leeren Webstühlen arbeiteten. ’Gott behüte uns!‘ dachte der alte Minister und riß die Augen auf. ’Ich kann ja nichts erblicken!‘ Aber das sagte er nicht. 
Beide Betrüger baten ihn näher zu treten und fragten, ob es nicht ein hübsches Muster und schöne Farben seien. Dann zeigten sie auf den leeren Stuhl, und der arme, alte Minister fuhr fort, die Augen aufzureißen, aber er konnte nichts sehen, denn es war nichts da. ’Herr Gott‘, dachte er, ’sollte ich dumm sein? Das habe ich nie geglaubt, und das darf kein Mensch wissen! Sollte ich nicht zu meinem Amte taugen? Nein, es geht nicht an, daß ich erzähle, ich könne das Zeug nicht sehen!‘ 
„Nun, Sie sagen nichts dazu?“ fragte der eine von den Webern. 
„Oh, es ist niedlich, ganz allerliebst!” antwortete der alte Minister und sah durch seine Brille. „Dieses Muster und diese Farben! – Ja, ich werde dem Kaiser sagen, daß es mir sehr gefällt!“ 
„Nun, das freut uns!“ sagten beide Weber, und darauf benannten sie die Farben mit Namen und erklärten das seltsame Muster. Der alte Minister merkte gut auf, damit er dasselbe sagen könne, wenn er zum Kaiser zurückkomme, und das tat er auch. 
Nun verlangten die Betrüger mehr Geld, mehr Seide und mehr Gold zum Weben. Sie steckten alles in ihre eigenen Taschen, auf den Webstuhl kam kein Faden, aber sie fuhren fort, wie bisher an den leeren Stühlen zu arbeiten. 
Der Kaiser sandte bald wieder einen anderen tüchtigen Staatsmann hin, um zu sehen, wie es mit dem Weben stehe und ob das Zeug bald fertig sei; es ging ihm aber gerade wie dem ersten, er guckte und guckte; weil aber außer dem Webstuhl nichts da war, so konnte er nichts sehen. 
„Ist das nicht ein ganz besonders prächtiges und hübsches Stück Zeug?“ fragten die beiden Betrüger und zeigten und erklärten das prächtige Muster, das gar nicht da war. 
’Dumm bin ich nicht‘, dachte der Mann; ’es ist also mein gutes Amt, zu dem ich nicht tauge! Das wäre seltsam genug, aber das muß man sich nicht merken lassen!‘ Daher lobte er das Zeug, das er nicht sah, und versicherte ihnen seine Freude über die schönen Farben und das herrliche Muster. „Ja, es ist ganz allerliebst!“ sagte er zum Kaiser. 
Alle Menschen in der Stadt sprachen von dem prächtigen Zeuge. Nun wollte der Kaiser es selbst sehen, während es noch auf dem Webstuhl sei. Mit einer ganzen Schar auserwählter Männer, unter denen auch die beiden ehrlichen Staatsmänner waren, die schon früher dagewesen, ging er zu den beiden listigen Betrügern hin, die nun aus allen Kräften webten, aber ohne Faser oder Faden. 
„Ja, ist das nicht prächtig?“ sagten die beiden ehrlichen Staatsmänner. „Wollen Eure Majestät sehen, welches Muster, welche Farben?“ und dann zeigten sie auf den leeren Webstuhl, denn sie glaubten, daß die andern das Zeug wohl sehen könnten. 
’Was!‘ dachte der Kaiser; ’ich sehe gar nichts! Das ist ja erschrecklich! Bin ich dumm? Tauge ich nicht dazu, Kaiser zu sein? Das wäre das Schrecklichste, was mir begegnen könnte.‘ „Oh, es ist sehr hübsch“, sagte er; „es hat meinen allerhöchsten Beifall!“ und er nickte zufrieden und betrachtete den leeren Webstuhl; er wollte nicht sagen, daß er nichts sehen könne. Das ganze Gefolge, was er mit sich hatte, sah und sah, aber es bekam nicht mehr heraus als alle die andern, aber sie sagten gleich wie der Kaiser: „Oh, das ist hübsch!“ und sie rieten ihm, diese neuen prächtigen Kleider das erste Mal bei dem großen Feste, das bevorstand, zu tragen. 
„Es ist herrlich, niedlich, ausgezeichnet!“ ging es von Mund zu Mund, und man schien allerseits innig erfreut darüber. Der Kaiser verlieh jedem der Betrüger ein Ritterkreuz, um es in das Knopfloch zu hängen, und den Titel Hofweber. 
Die ganze Nacht vor dem Morgen, an dem das Fest stattfinden sollte, waren die Betrüger auf und hatten sechzehn Lichte angezündet, damit man sie auch recht gut bei ihrer Arbeit beobachten konnte. Die Leute konnten sehen, daß sie stark beschäftigt waren, des Kaisers neue Kleider fertigzumachen. Sie taten, als ob sie das Zeug aus dem Webstuhl nähmen, sie schnitten in die Luft mit großen Scheren, sie nähten mit Nähnadeln ohne Faden und sagten zuletzt: „Sieh, nun sind die Kleider fertig!“ 
Der Kaiser mit seinen vornehmsten Beamten kam selbst, und beide Betrüger hoben den einen Arm in die Höhe, gerade, als ob sie etwas hielten, und sagten: „Seht, hier sind die Beinkleider, hier ist das Kleid, hier ist der Mantel!“ und so weiter. „Es ist so leicht wie Spinnwebe; man sollte glauben, man habe nichts auf dem Körper, aber das ist gerade die Schönheit dabei!“ 
„Ja!“ sagten alle Beamten, aber sie konnten nichts sehen, denn es war nichts da. 
„Belieben Eure Kaiserliche Majestät Ihre Kleider abzulegen“, sagten die Betrüger, „so wollen wir Ihnen die neuen hier vor dem großen Spiegel anziehen!“ 
Der Kaiser legte seine Kleider ab, und die Betrüger stellten sich, als ob sie ihm ein jedes Stück der neuen Kleider anzogen, die fertig genäht sein sollten, und der Kaiser wendete und drehte sich vor dem Spiegel. 
„Ei, wie gut sie kleiden, wie herrlich sie sitzen!“ sagten alle. „Welches Muster, welche Farben! Das ist ein kostbarer Anzug!“ – 
„Draußen stehen sie mit dem Thronhimmel, der über Eurer Majestät getragen werden soll!“ meldete der Oberzeremonienmeister. 
„Seht, ich bin ja fertig!“ sagte der Kaiser. „Sitzt es nicht gut?“ und dann wendete er sich nochmals zu dem Spiegel; denn es sollte scheinen, als ob er seine Kleider recht betrachte. 
Die Kammerherren, die das Recht hatten, die Schleppe zu tragen, griffen mit den Händen gegen den Fußboden, als ob sie die Schleppe aufhöben, sie gingen und taten, als hielten sie etwas in der Luft; sie wagten es nicht, es sich merken zu lassen, daß sie nichts sehen konnten. 
So ging der Kaiser unter dem prächtigen Thronhimmel, und alle Menschen auf der Straße und in den Fenstern sprachen: „Wie sind des Kaisers neue Kleider unvergleichlich! Welche Schleppe er am Kleide hat! Wie schön sie sitzt!“ Keiner wollte es sich merken lassen, daß er nichts sah; denn dann hätte er ja nicht zu seinem Amte getaugt oder wäre sehr dumm gewesen. Keine Kleider des Kaisers hatten solches Glück gemacht wie diese. 
„Aber er hat ja gar nichts an!“ sagte endlich ein kleines Kind. „Hört die Stimme der Unschuld!“ sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte. 
„Aber er hat ja gar nichts an!“ rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: ’Nun muß ich aushalten.‘ Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

    Wie einfältig kam ich mir selbst vor, als ich diesen Schluss las. Was hatte ich denn gedacht, was nach dem Ruf des Kindes, nach dem Ruf des ganzen Volkes passieren würde? Sollten der Kaiser und sein Hofstaat erröten und die Flucht ergreifen und damit eingestehen, dass sie einem Schwindel aufgesessen sind? Sollte die einfache Wahrheit, laut ausgesprochen, die Welt verändern? Wer den Herbst 1989 miterlebt hat, ist womöglich anfällig für solch eine Erwartung.

    Wie im Märchen ist auch in unserer Welt eigentlich alles recht offensichtlich: die beständige Schwächung der Demokratie, die zunehmende soziale und ökonomische Polarisierung in Arm und Reich, der Ruin des Sozialstaates, die Privatisierung und damit Ökonomisierung aller Lebensbereiche (der Bildung, des Gesundheitswesens, des öffentlichen Verkehrssystems usw.), die Blindheit für den Rechtsextremismus, die offene und verdeckte Zensur (mal als direkte Ablehnung, mal in Form von Quote oder Format), und, und, und …
    Wer hinsieht, müsste doch eigentlich sehen, was passiert! Oder nicht?

    Wenn Sie mich fragen, warum ich Ihnen mit diesem Märchen komme, so müssen Sie mich vorher noch fragen, warum ich überhaupt hier stehe. Ich lese Ihnen ja heute nicht aus meinem neuesten Buch vor. Es geht auch nicht, wie bei meinem letzten Besuch in diesem Haus vor einem Jahr, um die Gegendemonstrationen zu den Neonaziaufmärschen und um – zumindest in den beiden Vorjahren – das wenig demokratiewürdige Verhalten der Stadtoberen.

    Bisher ist es mir immer gelungen, solch ehrenvolle Rede-Einladungen zu umgehen, ohne zu deutlich schreiben zu müssen: Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich erzählen sollte, was die Zuhörer nicht schon längst wissen oder unschwer selbst nachlesen könnten. Wenn ich jetzt doch hier stehe, so nicht, weil ich glaube, Ihnen etwas sagen zu können, was Sie nicht schon längst wissen oder unschwer selbst nachlesen können, sondern weil das, was Sie längst wissen oder unschwer selbst nachlesen können in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle spielt und praktisch keinen Einfluss auf die politischen Entscheidungen hat, die in diesem Land getroffen werden.
    Meine bescheidenen Erfahrungen als Unternehmer haben mich nie zu dem Glauben verleitet, ich würde etwas von Wirtschaft oder gar vom Finanzwesen verstehen. Das glaubte ich nicht mal, als ich mich wunderte, wie unangemessen oder gar falsch die kostspieligen Hinweise von Beratern waren, die Jura oder Betriebswirtschaft studiert hatten und über langjährige Erfahrung in der sogenannten freien Wirtschaft verfügten. Je mehr ich aber von Wirtschaftswissenschaftlern, Finanzexperten und Politikern zu hören bekomme, wie kompliziert und unberechenbar die Abläufe der Ökonomie und des Finanzwesens sind, umso mehr habe ich den Eindruck, dass ich grundsätzlich kapiere, was da passiert.

    Weiterlesen

    Anmerkung: Da die Rede mit einem Umfang von rund 75.000 Zeichen leider zu groß für die WordPress-Datenbank ist, habe ich sie in voller Länge als PDF eingestellt. Es lohnt sich, sie zu lesen!

    92 Kommentare Print This Post
    Gegen die marktkonforme Demokratie – für demokratiekonforme Märkte ein Gastartikel von Ingo Schulze Anmerkung: Dies ist die Rede, die Ingo Schulze am 26. Februar im Rahmen der Dresdner Reden 2012 im Dresdner Schauspielhaus gehalten hat. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors. Meine sehr verehrten Damen und Herren! Sie alle kennen das Märchen Des Kaisers neue Kleider ...
    Tags: Politischer Diskurs
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    92 Kommentare:

    1. RobatArt schrieb am 29. Februar 2012 at 09:23 - Permalink

      Eine großartige Rede, die wunderbar deutlich die Parallelen der Politik der letzten Jahrzehnte zu dem Märchen zeigt. Bemerkenswet ist auch der Vergleich mit der Opposition, die sturr weiter an den vermeintlich neuen Kleidern festhält, um keinen Fehler zuzugeben.

      Ingo Schulze ist ein Intellektueller, der den Namen verdient. Ganz großes Lob!

    2. salvo schrieb am 29. Februar 2012 at 09:42 - Permalink

      wunderbar, das Problem ist aber, dass realiter nicht nur der ‘König’ solche virtuelle Kleider trägt, sondern ‘wir’ alle, und uns gegenseitig deren ‘Realität’ zusichern, das ist das, ja ‘wir’ sind Träger und Weber zugleich, Betrogene und Betrüger

      nicht umsonst nannte Lacan das Bewusstsein als die Quelle der Täuschung

      • Lutz Hausstein schrieb am 29. Februar 2012 at 14:23 - Permalink

        Das ist so nicht ganz korrekt.

        Die meisten von uns sind das Volk, welches schweigend den nackten Kaiser betrachtet und sich nicht traut, die bloßliegende Wahrheit offen auszusprechen. Weil ja, wie Ingo Schulze auch sehr schön beschreibt, den Offenbarer des Offensichtlichen der Bannstrahl zu treffen droht.

        Was ja de facto auch schon jetzt passiert. Wer die (nackte) Wahrheit laut ausspricht, ist wahlweise ein “Ewiggestriger”, ein “Sozialromantiker”, ein “Radikaler”, ein “Berufsdemonstrant”, ein “Altkommunist”, ein Spinner” oder, wenn es ausnahmsweise mal etwas verhaltener sein darf, ein “Träumer”. All diese keulenartig genutzten Abwertungen tragen dazu bei, dass die breite Masse der Bevölkerung sich immer noch scheut, die (nackte) Wahrheit offen auszusprechen.

      • bridgR schrieb am 29. Februar 2012 at 18:42 - Permalink

        Ich würde das doch differenzieren wollen. Es gibt sowohl Betrüger – in erster Linie vielleicht 2000 financial spin-doctors bei der DB & Commerz-Bank etwa, als auch Betrogene.
        99% Betrogene, die vom ‘königlichen Hofstaat’ – der Politik & den Medien an der Nase herumgeführt werden. Und einzig die alternative Medien- und Blogger-Szene, die dem in kindlicher Naivität ihre eigene Wahrnehmung entgegen-bloggen und versuchen auf ihre – oftmals objektivere – Sicht der Dinge hinzuweisen.
        Die pubertierenden Betrogenen werden dann zunehmend affin zu conspiracy-theories. Und können nicht mehr an eine blose Sinnes-Täuschung des gesamten Hofstaates glauben, sondern ziehen konspirative Verbindungen der Betrüger zum König & dessen Hofstaat nach.

        Sicher wird es auch eine gewisse Schnittmenge geben.., in der sowohl Betrogene als auch Betrüger in derselben Person anzutreffen sind. Aber Vertreter dieser Schnittmenge werden das wohl selbst nur selten realisieren und falls doch, sich lieber einreden doch maßgeblich zu den Gewinnern zu gehören, auch wenn das zugleich ein Eingeständnis an die eigene Verdorbenheit bedeutet. Ich bin aber davon überzeugt, dass sich das Gros diese Verdorbenheit lieber eingesteht – “die Welt ist kein Zuckerschlecken”, als sich freiwillig selbst zu disqualifizieren / den Ast abzusägen und sich auf die Seite der – zurecht angepissten – Betrogenen zu stellen.

      • unbequemer schrieb am 1. März 2012 at 10:48 - Permalink

        Nun, ich habe mehrfach versucht Menschen auf Dinge aufmerksam zu machen. Ohne Erfolg. So habe ich mir den Ruf als Querulant erarbeitet. Mein letzter Text:

        Die drei Affen sind nur ein Sinnbild. Nichts hören, also Taub sein, nichts sehen, also Blind sein, nichts sagen, also Stumm sein.

        Alles in einem, also Taub, Blind und Stumm sind Menschen die aus Furcht vor möglichen Folgen alles erdulden und ertragen. Sind Sie so ein „Dreifachaffe“? Nur nicht auffallen?

        Erinnern Sie sich noch an den Ruf “Wir sind das Volk“? Dieser Mut fehlt inzwischen den meisten Menschen. Leider. Es wäre angebracht diese Art von Montagsdemo
        wieder zu erwecken. Nicht nur in Deutschland, sondern in allen Ländern in denen die gewählten Politiker nicht mehr die Interessen des Volkes beachten.

        Um an ein Ziel gelangen zu können ein Hinweis. Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Der erste Schritt ist nun einmal, nicht mehr Taub, Blind und Stumm zu sein.

    3. chriwi schrieb am 29. Februar 2012 at 10:08 - Permalink

      Die Frage ist nun, ob die Politiker nackt sind oder wir. Schließlich lassen wir uns ständig von den Scharlatanen an der Naser herumführen und glauben ihnen ihr Gerede über niedrige Arbeitslosenzahlen, steigenden Wohlstand und alternativlose Politik.

      • Mod schrieb am 29. Februar 2012 at 10:33 - Permalink

        Die Lügen die durch die Medien verbreitet werden kommen bei vielen nicht mehr an und wenn Frau von der Leyen heute Morgen behauptet das Zeitarbeit nur 3% am Arbeitsmarkt ausmacht und es 1 Million offener Stellen gibt und viele Unternehmen auf ältere Arbeitnehmer zurückgreifen, weil sie der Silberschatz eines Unternehmen sind?, sollte man die Frau eigentlich sofort verhaften, wegen Begünstigung und Lüge? Zudem will sie das Streikrecht beschneiden. Der Beitrag:

        http://mediathek.daserste.de/themen/204_politik-weltgeschehen/435054_morgenmagazin/9666352_von-der-leyen-aeltere-sind-nicht-altes-eisen-?buchstabe=W

        da passt es natürlich auch das aus den blühenden Landschaften, wie Bundeskanzler Helmut Kohl es vor langer Zeit formulierte, die Landschaft jetzt komplett verschwindet? Die Lüge vom Atomausstieg, wird dazu genutzt Braunkohle abzubauen, in neuen Braunkohlekraftwerken zu verheizen und durch Emissionshandel für die Wirtschaft ertragreich gemacht wird? Vergessen wir nicht das durch die Restlaufzeiten der AKWs, die alten Dinger an anderer Stelle weiterlaufen und das Gesetze durch die Bundesregierung, immer wieder geändert werden können?

        “Überall liest man von 17 kommerziell genutzte Kernkraftwerke und geht damit von 17 Kernreaktoren in ganz Deutschland aus. Tatsächlich gibt es noch weiter 11 Forschungsreaktoren, davon 6 Unterrichtsreaktoren. Insgesamt sind also 28 Kernreaktoren in Betrieb.”

        http://www.bds-online.info/2011/03/27/die-luge-uber-den-atomausstieg/

        “Weiterbaggern angesagt” Braunkohle Abbau und die Folgen, Energiegipfel in Leuna!

        http://www.jungewelt.de/2012/02-29/027.php

        • ElBarto schrieb am 29. Februar 2012 at 11:12 - Permalink

          Mit den Gewerkschaften und dem Flughafenstreik habe ich so nebenbei mitbekommen. Da kam noch jemand zu Wort, und dessen Aussage war sinngemäß: “Es ist ja wohl ein Unding, dass diese kleine Gewerkschaft da alles blockieren könne. Das schadet der Wirtschaft und das kann ja keiner wollen und das wäre dann so wie in England vor Thatcher.”

          Klare Ansage, der auch nicht widersprochen wurde.

          • HHarlekin schrieb am 29. Februar 2012 at 11:54 - Permalink

            “… diese kleine Gewerkschaft da alles blockieren könne. Das schadet der Wirtschaft und das kann ja keiner wollen…”

            Diese/r Aussage/Tenor ist heute schon auf mehreren Kanälen unwidersprochen gelaufen, teilweise ergänzt durch den Zusatz, daß (sinngemäß) die von schwarz-gelb geplante Änderung des Streikrechts der Gewerkschaften bzw. der Gültigkeit von Tarifverträgen zu begrüßen sei.
            Alles unwidersprochen, diese Verlautbarungs-”Journaille” – egal welcher Sender – machen sich diese Position deckungsgleich zu eigen – keine Gegenposition. Nix. TINA. Die Propaganda läuft ununterbrochen.

            Grüße

          • Granado schrieb am 29. Februar 2012 at 21:43 - Permalink

            “Aktuelles Beispiel Fraport AG. Im Laufe der Jahre haben einheitliche Unternehmen sich immer mehr zersplittert, um die Löhne drücken zu können. Nun beschweren sie sich darüber, daß es keinen einheitlichen Tarifvertrag mehr gibt, daß die von ihnen herbeigeführte Zersplitterung dazu führt, daß eine kleine Gewerkschaft den ganzen Betrieb lahm legen kann. Ist das nicht witzig? Weniger witzig ist jedoch, daß selbst dieser eindeutige Zusammenhang niemandem aufzufallen scheint, außer der Fraport Ag selbst, die ihn aber wohlweislich verschweigt.”

      • klaus baum schrieb am 29. Februar 2012 at 11:33 - Permalink

        @chriwi, ich hatte neulich angesichts der vielen positiven Prädikate und Attribute, mit denen man Herrn Gauck anläßlich seiner Nominierung zum Bundespräsidenten überhäuft hat, auf Andersen verwiesen. Man erzählt dem Volk, Herr Gauck trage das Gewand des Bürgerrechtlers, obwohl er gar kein Gewand anhat. Seine Förderer dichten es ihm an, damit sie ihn besser verkaufen können.

        • bridgR schrieb am 29. Februar 2012 at 18:51 - Permalink

          Genau. Einen BP im Gewand eines schmierigen Despoten-Freundes und schlüpfrigen Hasardeurs wirft ein schlechtes Licht zurück auf die Parteien und Gauck wäre seinen angedichteten Konsens-Kandidaten-Status los.

          • bridgR schrieb am 29. Februar 2012 at 19:05 - Permalink

            derzeit leben wir zwar noch in einer aristokratischen Republik; diese tendiert aber stark zur Despotie – jedenfalls ist dieser Hang in gewissen Pheripherie-Staaten unübersehbar. Griechenland & Co..

        • bridgR schrieb am 29. Februar 2012 at 19:31 - Permalink

          achja, dass die Medien & die Führung der Leit-Parteien Gauck oder der Kanzlerin Merkel Gewänder anziehen können, wie sie wollen, das unterstreicht nur ihre surrealistische Rolle in dieser sogenannten parlamentarischen Demokratie. Surreal deswegen, weil tatsächlich diese hohen Ämter lediglich noch durch Polit-Marionetten besetzt werden. Marionetten kann man immer mit beliebigen Kleidern in Szene setzen. Ihnen mal das werks-taugliche, beschmutze Gewand eines hart schuftenden Bauarbeiters überstreifen um Bürgernähe zu suggerieren, dann wieder das optisch aufreizende Gewand eines vornehmen Hoteliers, um der neoliberalen Lobby als einer von ihnen die Fahne hochzuhalten. Je nach dem, was sie gerade repräsentieren sollen, wie es gewünscht wird – in welche Richtung sie ihre Wendehälse recken.

    4. klaus baum schrieb am 29. Februar 2012 at 11:16 - Permalink

      Ich habe mir erlaubt, dieRede von Ingo Schulze als Nicht-PDF auf meinen Blog ganz zu übernehmen. Man findet sie dort unter der Rubrik Philosophische Notizen.

      http://klausbaum.wordpress.com/philosophische-notizen/ingo-schulze-rede-in-dresden-nicht-als-pdf/

    5. moro schrieb am 29. Februar 2012 at 11:21 - Permalink

      Man gewöhnt sich an allem, sogar am Dativ …

      Korrektes Deutsch wäre: “Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.”

      Ist allerdings dem Genitiv :-)

    6. chapultepec schrieb am 29. Februar 2012 at 12:00 - Permalink

      mangels dt. Übersetzung zitiere ich hier was John Dewey zu diesem Thema zu sagen hatte:

      “Power today resides in control of the means of production, exchange, publicity, transportation and communication. Whoever owns them rules the life of the country, not necessarily by intention, not necessarily by deliberate corruption of the nominal government, but by necessity. Power is power and must act, and it must act according to the nature of the machinery through which it operates. In this case, the machinery is business for private profit through private control of banking, land, industry, reinforced by command of the press, press agents and other means of publicity and propaganda. In order to restore democracy, one thing and one thing only is essential. The people will rule when they have power, and they will have power in the degree they own and control the land, the banks, the producing and distributing agencies of the nation. Ravings about Bolshevism, Communism, Socialism are irrelevant to the axiomatic truth of this statement. They come either from complaisant ignorance or from the deliberate desire of those in possession, power and rule to perpetuate their privilege. . . .”

      “As long as politics is the shadow cast on society by big business, the attenuation of the shadow will not change the substance. . . .” “The ultimate problem of production,” he commented, “is the production of human beings. To this end, the production of goods is intermediate and auxiliary. It is by this standard that the present system stands condemned. ‘Security’ is a means, and although an indispensable social means, is not the end. . . . The means have to be implemented for the production of free human beings associating with one another on terms of equality.”…”

      http://www.understandingpower.com/Chapter9.htm#f16

    7. R_Winter schrieb am 29. Februar 2012 at 12:01 - Permalink

      Sehr gute Rede.
      Die Fakten sind bekannt, aber sie erzeugen bei mir immer wieder Wut.
      Wut auf jene, die den Vorteil auf Kosten der Allgemeinheit ziehen.
      Wut auf jene, die als Politiker Steigbügelhalter dieser Kriminellen sind.
      Wut auf fast alle Medien, die Fakten unterschlagen, verdrehen oder bruchteilhaft veröffentlichen.

      Leider kennen fast 90% der Mitbürger so gut wie nichts von diesen Fakten und werden bewusst unwissend gehalten, denn sonst hätten wir Gelächter über all (wie im Märchen)
      und mehr.
      Aber was ist die Alternative?
      Wie bekommen wir diese Blutsauger in den Griff?
      Sie sind zu sehr verteilt und ein großer Bestandteil dieser Gesellschaft.

      • danielmite schrieb am 29. Februar 2012 at 16:24 - Permalink

        Wut ist negativ, such mal bei youtube nach “Zorn Georg Schramm”.

        • Mod schrieb am 29. Februar 2012 at 18:28 - Permalink

          Wut kann positiv besetzt sein wenn es um Erhalt geht.

      • FetteNeute schrieb am 29. Februar 2012 at 19:28 - Permalink

        Aber was ist die Alternative?
        Wie bekommen wir diese Blutsauger in den Griff?
        Sie sind zu sehr verteilt und ein großer Bestandteil dieser Gesellschaft.

        Ein Großteil der Parteien und staatlichen Institutionen sind unterwandert. Der Versuch in korrupten Institutionen Veränderungen zu bewirken produziert lediglich noch mehr korruptes Personal. (s.a. unsere ehemaligen Blumenkinder von SPD/Grün die sich mittlerweilen sehr wohl im Korruptionssumpf fühlen und mit den korrupten Leutchen von CDU/FDP gut befreundet sind)
        Mehrheitlich wird sich keine Änderung ergeben, da sich die meisten Menschen auch weiterhin von den Massenmedien manipulieren lassen werden.

        Somit müssen eigene Strukturen geschaffen werden. Daran führt wohl kein Weg vorbei. In diesem Zusammenhang ist sowohl das Qualitätssicherungsproblem zu lösen (Gute Arbeit muß zu irgendeiner Art von Belohnung führen; schlechte Arbeit zu einer Sanktion; Korrupte Kräfte müssen qualifiziert identifiziert und “gekündigt” werden können; auch fristlos) als auch das Selektionsproblem (qualifizierte Bestimmung von Kräften für Fachpositionen; beide Seiten – also Wähler und Gewählte – müssen zur Verantwortung gezogen werden; im positiven wie im negativen Sinne).
        Ne Menge Arbeit also. Leider interessiert sich noch niemand für solche Themen.

        Historisches Beispiel für eine alternative Struktur (ohne eine Lösung für die oben genannten beiden Problemfelder):
        Einführung der Arbeitslosenversicherung durch die Gewerkschaften (~1890)

        Es geht tatsächlich nur, wenn die Menschen sich organisieren. Vielleicht wird eine Bewegung wie Occupy eines Tages mal der Anfang sein. Im Augenblick beherrscht Lethargie das Land.

    8. klaus baum schrieb am 29. Februar 2012 at 12:06 - Permalink

      Museumspädagogen beziehungsweise Kunstvermittler haben schon seit Jahrzehnten mit demProblem zu tun, das etwas zur Kunst erklärt wird, was in den Augen vieler keine Kunst ist.
      Eines der Stichworte in diesem Zusammenhang ist “Ready Made”. Das bekannteste, das gleichsam auch die Tradition des Ready Mades begründete, ist das Pissoir von Marcel Duchamp. Wenn man nun als Kunstvermittler tätig ist, sagen wir, auf der documenta, dann hört man oft die Frage des Publikums, ob man es hier bei diesem oder jenem Werk nicht mit des Kaisers neuen Kleidern zu tun habe?
      John Armleder beispielsweise hängt eine schwarze Jalousie auf eine weiße Wand – und fertig ist die grafische Struktur. Donald Judd stellt Eisenteile auf dem industriellen Verwertungszusammenhang auf den Museumsboden – und fertig ist die Skulptur.
      In eine solch prestigeträchtige Ausstellung wie die documenta gelangen nur Künstler, gelangen vermeintlich nur Künstler, die etwas Besonderes zu sagen haben, die besonders gut sind, herausragend usw.
      Und dann sieht man in einer Ausstellung eine Jalousie an der Wand und fragte sich, was soll das.
      Und so, wie im Kunstbetrieb den Menschen ständig etwas als Kunst verkauft wird, so wird in der Politik dem Volk – allgemein gesagt – die Barbarei als humaner Fortschritt verkauft.

      • Spiegelfechter schrieb am 29. Februar 2012 at 13:10 - Permalink

        Und dann sieht man in einer Ausstellung eine Jalousie an der Wand und fragte sich, was soll das.

        Und exakt das ist es, was Kunst bewirken soll – die Auseinandersetzung mit dem Werk. Unvergessen ist für mich in diesem Zusammenhang der geniale und viel zu früh verstorbene Christoph Schlingensief, der auf der Documenta X eine Installation aus Sandsäcken, die den Besuchern den Durchgang durch dei Halle versperrte, als Kunst bezeichnete und alle Besucher, die über seine Installation hinwegstiegen als “Zerstörer seiner Kunst” beschimpfte. Was für ein Theater ;-)

        • salvo schrieb am 29. Februar 2012 at 13:50 - Permalink

          ja, wobei Schlingensief dadurch gerade den Ort ‘entheiligt’ hat, an dem das Werk als Kunst authorisiert wird. Das Publikum als unbewussten Zerstörer von Kunst an dem Ort zu beschimpfen, an dem es per Konvention Kunst konsumieren darf, war in der Tat große Kunst

        • klaus baum schrieb am 29. Februar 2012 at 19:30 - Permalink

          @die auseinandersetzung mit dem werk.

          im übertragenen sinne ist gauck eine gute wahl, denn wir setzen uns mit ihm und seiner nominierung nun schon seit 10 tagen auseinander.

          schlingensief hat sich offenbar an flatz bedient, der einst galeriebesucher einmauerte, und zwar dergestalt, dass man die einzige tür zum raum, zum ausgang mit büchern zubaute. die besucher wurden dann aggressiv und rissen die mauer ein undtraten auf den büchern herum.

          auf der documenta 9 hatte flatz einen großen raumen mit boxsäcken zugehängt, so dass man sich durchboxen musste, um durch den raum zu gelangen.

          aber all das meine ich nicht, sondern das gefühl von besuchern, dass man ihnen etwas als kunst serviert, dass in ihren augen keine ist.

          und hier liegt die analogie zu den statements der politik. gauck wird zum bürgerrechtler hochstilisiert. aber war er wirklich einer?

    9. HELLMOOD schrieb am 29. Februar 2012 at 13:26 - Permalink

      Zu dieser Rede fällt mir zunächst nur Eines ein: Bravissimo!
      Und – mit Blick auf’s Datum, – dass man Derartiges wahrlich nur alle vier Jahre zu lesen bekommt.

    10. R@iner schrieb am 29. Februar 2012 at 15:47 - Permalink

      @sf: Daß Du denText wegen seiner Länge nicht in Datenbank geschoben bekommst, liegt nicht am dafür vorgesehenen DB-Feld. Dieses kann nämlich 4294967295 (2^32 – 1) Zeichen aufnehmen.
      Für das nächste Mal kann der admin die Lösung probieren, die in diesem Artikel vorgeschlagen wird.

      Zum Text selbst kann ich nur sagen, daß ich ihn hervorragend finde.

      • Mod schrieb am 29. Februar 2012 at 16:15 - Permalink

        passt doch?!

    11. Sigmund schrieb am 29. Februar 2012 at 16:23 - Permalink

      Wirklich ein sehr schöner Text. Hab ich schon vor 2 Tagen in den NDS gelesen.

      Man möchte noch hinzufügen:
      Wer heute “Der hat ja gar nichts an!” ruft, wird als Spalter (zwischen König und Volk) beschimpft und kommt in den Verfassungsschutzbericht.

      Und wer die beiden Betrüger Betrüger nennt, dem wird vorgeworfen, man seie ja nur neidisch auf den Erfolg der Beiden.

    12. danielmite schrieb am 29. Februar 2012 at 16:27 - Permalink

      Großartiger Text, leider lesen sich die meisten Menschen diese 26 Seiten nie durch..

    13. Kaktus schrieb am 29. Februar 2012 at 16:44 - Permalink

      Hamburger Kunsthalle. Ausstellung von Mark Rothko. Ein wandfüllendes Bild, komplett schwarz.
      Kommentar meines Sohnes, wenn ich das im Kunstunterricht abliefern würde, bekäme ich einen
      glatten Fünfer!

      • klaus baum schrieb am 29. Februar 2012 at 19:33 - Permalink

        @kaktus, mark rothko hat auch ein komplett schwarzes bild gemalt?

    14. HHarlekin schrieb am 29. Februar 2012 at 17:11 - Permalink

      Nun habe ich ihn auch durch.
      Ja, der Text ist klasse. Phantastisch.
      Danke.

      Grüße

    15. Mo schrieb am 29. Februar 2012 at 17:44 - Permalink

      Ingo Schulze schreibt in seinem Text und kommt zu der Ansicht/Erkenntnis :

      Auf den Ruf des Kindes folgt der Satz: „’Hört die Stimme der Unschuld!‘, sagte der Vater;“……..
      Diese Vaterfigur hat nur diesen einen Satz. Aber sie ist der Held des Märchens. Dieser Märchen-Vater leistet Großes: Er zeugt für den Zeugen.Er ist derjenige, der wirklich etwas riskiert.Das Kind würde schlimmstenfalls ausgelacht oder ausgeschimpft werden. Der Vater aber, der den Ruf seines Kindes aufnimmt, setzt seine bürgerliche Existenz aufs Spiel. Hat er ein Amt, so könnte er sich nun als untauglich dafür erwiesen haben.

      Ich muss gestehen, dass sich mir die Heldenfigur des Vaters mit diesem Ausspruch nicht erschließt.
      Hätte der Vater statt: “Hört die Stimme der Unschuld!” aber gesagt: “Jawohl so ist es,ich bin der Meinung meines Sohnes!” oder “Ja,ich sehe auch,dass der Kaiser nichts anhat!” ,
      dann würde sich mir ein Heldentum des Vaters sicher eher erschließen.
      Ich unterstelle einem Heldentum den Anspruch, dass es auch darauf ankommt, WAS und WIE etwas gesagt wird – und nicht nur darauf ankommt, DASS überhaupt etwas gesagt wird.
      Im Falle des Vaters ist das Heldentum, wie es Herr Schulze sieht, für mich nicht erfüllt.
      Oder anders ausgedrückt: Der Vater hat unzureichend für sich selbst gesprochen.

      • danielmite schrieb am 1. März 2012 at 08:56 - Permalink

        Warum der Vater der Held ist, ist doch meiner Meinung nach einleuchtend. Das Kind kann sagen was es will, es wird nicht ernst genommen und es ist prinzipiell alles Quatsch, was ein Kind kontroverses anzubieten hat. Erst durch die Bestätigung (Zeuge) eines „richtigen“ Teil der Bevölkerung (erwachsener Mann) bekommt die Stimme des Kindes Gehör geschenkt, da es sich nicht um unsinnige Gedanken eines „nicht reifen Kindes“ handelt. Und gerade durch die Projektion der Meinung auf einen Vertreter der Bevölkerung, bekommt er (der Held) auch das Risiko aufgebürdet, was das Kind nie hatte.. Helden haben Mut, dass ist es was der Vater gezeigt hat, denn für jemanden der sagen kann was er will ohne Konsequenzen zu erleben (das Kind), ist es nicht mutig was kontroverses zu sagen, deswegen kann das Kind nicht der Held sein.

    16. leslie schrieb am 29. Februar 2012 at 18:34 - Permalink

      Den Autor mag ich.

      Er sieht genauso aus wie ich,
      wenn ich einen geraucht hab.
      Die Augen. :-)

      Und die Haare auch noch schön…

      Und auf Märchen steh ich auch.
      http://www.youtube.com/watch?v=hMM_T_PJ0Rs

      Mfg

      • R@iner schrieb am 29. Februar 2012 at 20:17 - Permalink

        Jetzt sag aber bitte nicht, er hätte die Haare so schön. ;-)

        • leslie schrieb am 1. März 2012 at 10:41 - Permalink

          Ouuu war ich gestern high.
          Aber die Haare hat er immernoch schön. :-))

          Mfg

    17. Knut Gröndahl schrieb am 29. Februar 2012 at 19:01 - Permalink

      Richtig und wichtig – schlicht guter Text.
      Vielen Dank Ingo !
      und herzliche Grüsse Knut

    18. Cheops schrieb am 29. Februar 2012 at 19:13 - Permalink

      Es existiert in Europa eben nur eine konstituelle Demokratie, die sich nur dann zeigt, wenn Banken und Wirtschaft es zulassen.

    19. aeroween schrieb am 29. Februar 2012 at 20:04 - Permalink

      Welch eine Rede! Famos! Und sehr berührend. Auch ich habe beim Lesen des Textes eine Reise in und durch die Vergangenheit gemacht – und bin bedröppelt im Hier und Jetzt wieder zu mir gekommen.

    20. ola schrieb am 29. Februar 2012 at 22:44 - Permalink

      National Konservative Dummbrote wird auch so eine Rede nicht erreichen. Die BILD Zeitung sagt andere Sachen, Diskussion beendet.

    21. Joachim Endemann schrieb am 29. Februar 2012 at 23:08 - Permalink

      … Ich bin am Ende meiner Rede. Wie Sie sehen, hatte ich Ihnen nichts Neues zu sagen. …

      … wie schön er das sagt. Vielen Dank für diesen Text!

    22. chapultepec schrieb am 29. Februar 2012 at 23:58 - Permalink

      George Orwell
      1984

      THEORIE UND PRAXIS DES OLIGARCHISCHEN KOLLEKTIVISMUS
      von Emmanuel Goldstein
      Kapitel III, Krieg bedeutet Frieden

      „…Das Hauptziel der modernen Kriegsführung (gemäß den Prinzipien des Zwiedenkens wird dieses Ziel von den leitenden Köpfen der Inneren Partei gleichzeitig anerkannt und abgestritten) besteht darin, die industrielle Produktion zu verbrauchen, ohne den allgemeinen Lebensstandard zu heben. Seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts war in der industriellen Gesellschaftsordnung schon immer das Problem latent, was man mit der Überproduktion von Verbrauchsgütern anfangen sollte…“

      „…Nichtsdestoweniger sind die der Maschine innewohnenden Gefahren noch immer vorhanden. Vom Augenblick des ersten Erscheinens der Maschine an war es allen denkenden Menschen klar, daß damit die unabänderliche Mühsal und damit zum großen Teil auch die Ungleichheit der Menschen erledigt waren. Wenn man die Maschine wohlüberlegt mit diesem Ziel vor Augen in Dienst gestellt hätte, konnten Hunger, Überarbeitung, Elend, Unbildung und Krankheit in ein paar Generationen überwunden werden. Und tatsächlich hob die Maschine, ohne dafür besonders eingesetzt zu werden, sondern gleichsam durch einen automatischen Vorgang — indem sie nämlich ein Mehr produzierte, das zu verteilen sich manchmal nicht umgehen ließ — während eines Zeitraums von ungefähr fünfzig Jahren gegen Ende des neunzehnten und zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts sehr beträchtlich den Lebensstandard des Durchschnittsmenschen.

      Aber ebenso klar war es, daß ein allgemein wachsender Wohlstand das Bestehen einer hierarchisch geordneten Gesellschaft bedrohte, ja gewissermaßen ihre Auflösung bedeutete. In einer Welt, in der jedermann nur wenige Stunden arbeiten mußte, in der jeder genug zu essen hatte, in einem Haus mit Badezimmer und Kühlschrank wohnte, ein Auto oder sogar ein Flugzeug besaß, in einer solchen Welt wären die augenfälligsten und vielleicht wichtigsten Formen der Ungleichheit nicht mehr vorhanden. Wurde dieser Wohlstand erst einmal Allgemeingut, konnte er keine Vorzugsstellung mehr verleihen. Theoretisch war es zweifellos möglich, sich eine Gesellschaftsordnung vorzustellen, in welcher der Wohlstand, der persönliche Besitz von Luxusartikeln, gleichmäßig verteilt war, während die Macht in den Händen einer kleinen privilegierten Schicht lag. Aber in der Praxis konnte eine solche Gesellschaftsordnung nicht lange Bestand haben. Denn sobald alle gleichermaßen Muße und Sicherheit genossen, mußte die große Masse der Menschen, die normalerweise durch ihre Armut abgestumpft war, sich heranbilden und selbständig denken lernen. War sie erst einmal so weit, mußte sie früher oder später dahinterkommen, daß die privilegierte Minderheit keine eigentliche Funktion hatte und würde sie beseitigen. Auf lange Sicht war daher eine hierarchisch geordnete Gesellschaft nur auf der Grundlage von Armut und Unbildung möglich…“

      „…Das Problem bestand darin, die Industrie in Gang zu halten, ohne den wirklichen Wohlstand der Welt zu erhöhen. Verbrauchsgüter mußten zwar produziert, aber keinesfalls verteilt werden. Der einzige Weg, dieses Ziel zu erreichen, war praktisch ein immerwährender Krieg.

      Die Hauptwirkung des Krieges ist Zerstörung, nicht ausschließlich von Menschenleben, sondern auch von Erzeugnissen der menschlichen Arbeit. Der Krieg ist ein Mittel, um Güter, die sonst dazu benützt werden könnten, den Massen das Leben bequem und damit, auf lange Sicht, ihre Intelligenz größer zu machen, statt dessen in Stücke zu sprengen, in die Stratosphäre zu jagen oder in die Tiefe des Meeres zu versenken. Selbst wenn diese Kriegsrüstung nicht wirklich zerstört wird, so ist schon ihre Fabrikation ein bequemer Weg, Arbeitskraft zu verbrauchen, ohne etwas Konsumfähiges zu erzeugen. In einer Schwimmenden Festung zum Beispiel steckt eine Arbeitsleistung, die mehrere hundert Frachtschiffe bauen könnte. Sie wird eines schönen Tages als überholt abgewrackt, ohne jemals irgend jemandem Nutzen gebracht zu haben, und mit einem neuen riesigen Arbeitsaufwand wird eine neue Schwimmende Festung gebaut. So dienen die Kriegsanstrengungen im Prinzip dazu, jeden Überschuß, der vielleicht nach Befriedigung der unerläßlichen Bedürfnisse der Bevölkerung verbleiben könnte, aufzuzehren…“

      • der Herr Karl schrieb am 1. März 2012 at 12:44 - Permalink

        @chapultepec
        Du beschreibst wunderschön die Wirkungsweise der Quadratur des Zirkels, auch “Das Wunder des ewiges Wachstums” genannt.
        Durch diese eingebaute Zerstörung (von Material und Menschenleben) bleibt das Geheimnis des Wachstumszwanges verborgen.
        Es soll eine Sekte geben, deren Anhänger glauben, dass der Zinseszins etwas mit dem Wachstumszwang zu tun haben soll.

        @anton_narki
        Die Utopie gebar die Realität.

      • Lohengrin schrieb am 1. März 2012 at 16:55 - Permalink

        Das haben schon viele erkannt und beschrieben.
        Die interessante Frage ist: Wie kommen wir da raus? Wie kriegen wir es hin, dass der Wohlstand für alle wächst?

      • Lohengrin schrieb am 1. März 2012 at 20:58 - Permalink

        Heute geht das vor allem ohne Krieg.
        Da werden viele Menschen verhartzt, und dann dazu gedrängt, sich selbst und anderen sehr viel Arbeit zu machen. Da wird dem Verhartzten eine Wohnung aufgeschwatzt, die er gar nicht braucht. Wenn ein Kind auszieht, dann wird der Verhartzte nicht nur vor die Wahl gestellt, die 50 Euro Differenz von den 374 Euros selbst zu zahlen, oder umzuziehen (wobei der Umzug ihm natürlich bezahlt wird), sondern es wird ihm gedroht, dass die 374 Euro gekürzt oder in Wertgutscheinen ausgezahlt würde, weil er ja damit beweisen würde, dass er mit seinem Geld nicht umgehen könne (so in etwas steht es in dem Begleitheft SGB II, Grundsicherung für Arbeitsuchende, Arbeitslosengeld II/Sozialgeld, August 2011). Er wird gedrängt, sein Kleinkind in den Kindergarten zu schicken, und wenn das Kind damit nicht klar kommt, dann wird er gedrängt, mit dem Kind einen Psychologen aufzusuchen. Er wird gedrängt, wenn er krank ist, zum Arzt zu gehen. Usw, usw.

        Wie werden wir das Problem los? Wie kommen wir aus diesem Wahnsinn raus?
        Es hilft nur eins: Lass dich nicht verhartzen.
        Leider sind die Linken da ganz anderer Meinung. Diese Arbeitsfetischisten wollen möglichst alle arbeiten sehen. Und organisieren soll das ein Apparat, weil nur so alles gerecht werden könne. Die Linken sind genauso gefährlich wie die Kapitalisten.

        • Mod schrieb am 1. März 2012 at 21:08 - Permalink

          Die Linken sind da ganz´auf deiner Seite?, wo ist Gegenteiliges zu hören?

          • Lohengrin schrieb am 1. März 2012 at 22:07 - Permalink

            Die Linken sind nicht dumm. Die fordern ein Recht auf Arbeit und verwalten gerne. Wenn es denen um die Abschaffung von Arbeit und hohe Löhne ginge, würden sie das sagen.
            Schröders “sozial ist, was Arbeit schafft”, ist kein Versehen. Das ist typisch. Der NPD-Spruch “Arbeit nur für Deutsche” ebenso.
            Ich meine sogar, dass in den DDR-Gesetzen etwas von “Recht auf und Pflicht zur Arbeit” stand.

            Wenn man, so wie ich, arbeitscheu ist, und Wohlstand für alle fordert, dann ist man weder ein Linker noch ein Rechter. Um das zu erkennen, muss man nur mal mit Rechten und Linken sprechen. Die meisten von beiden sind Arbeitsfetischisten.

            Ich bin fanatischer Anhänger von Industrialisierung. Wo man Maschinen einsetzen kann, da muss man Maschinen einsetzen.
            Ich habe inzwischen mitgekriegt, dass diese Einstellung typisch deutsch ist. Ich war viele Monate lang in britisch kolonialisierten Gebieten (Südafrika, Kanada, Australien). Da ist der Arbeitsfetischismus noch viel stärker als bei uns.
            Nach diesen Erlebnissen weiß ich, was deutsch ist. Und ich weiß, dass an diesem Wesen die Welt genesen kann. Und jetzt erwarte ich das Donnerwetter von den Linken.

            • HHarlekin schrieb am 1. März 2012 at 22:23 - Permalink

              @ Lohengrin

              “Sozial ist, was Arbeit schafft” war die INSM, und CDU/CSU/FDP haben ihn verwendet. Man kann Schröder vieles zu Recht nachsagen, aber diesen Spruch ausnahmsweise nicht.
              Er geht übrigens zurück auf den alten ultrarechten Medienunternehmer Hugenberg von der Harzburger Front, der die Nazis mit an die Macht brachte: “Sozial ist, wer Arbeit schafft.”

              http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2002/08/16/a0023

              Grüße

            • Lohengrin schrieb am 1. März 2012 at 23:12 - Permalink

              @HHarlekin
              Ich meine, dass Schröder im Fernsehn mal genau das gesagt habe.
              Dass dieser menschenverachtende Dreck auf Nazis zurückgeht, ist klar. Dieser Arbeitsfetisschismus, der 1933 die Macht übernommen hat, ist von britischen Imperium eingeschleppt worden. Das war alles andere als typisch deutsch.

              Ich will die Linken dazu bringen, dieses Thema zu behandeln. Es reicht! Seit über hundert Jahren werden mit diesem menschenverachtenden Dreck die die Arbeiter verarscht.

              Die vielen Leute aus den 1920ern, die sich als Anarchisten bezeichneten, wurden von den Arbeitsfetischisten in den Sack gesteckt. Ob links oder rechts ist einerlei.

              Es gibt ein schönes deutsches Wort, nämlich “Feierabend”. Wer alles Deutsche verabscheut, kann das natürlich nicht verstehen.

        • anton_narki schrieb am 2. März 2012 at 09:33 - Permalink

          @ Lohengrin:

          Es hilft nur eins: Lass dich nicht verhartzen.

          Eigenartigerweise verstehen meist nur Hartz-IV-Bezieher,
          weshalb ich lieber hungere, als etwas vom Amt anzunehmen.
          Hartz IV ist ein maechtiges Stigma und verhindert die Eingliederung in die regulaere Arbeitswelt.

          @ der Herr Karl:
          Traurigerweise ist es wohl war, dass die Warner einer negativen Entwicklungen diese auch mitbeguenstigen.
          Mit meinem Kommentar meinte ich, dass die Distopie von “1984″ inzwischen an vielen Stellen von der technischen Entwicklung ueberholt wurde. Orwell hat unterschaetzt, wie einfach sich die Menschen in einen Zustand der gegenseitigen Totalueberwachung hineinmanipulieren lassen.

          • Lohengrin schrieb am 2. März 2012 at 19:42 - Permalink

            Eigenartigerweise verstehen meist nur Hartz-IV-Bezieher,
            weshalb ich lieber hungere, als etwas vom Amt anzunehmen.
            Hartz IV ist ein maechtiges Stigma und verhindert die Eingliederung in die regulaere Arbeitswelt.

            Das wissen auch viele Malocher, die es mit Verhartzten zu tun haben. Die ARGE ist ein Ungeheuer.
            Es gibt zwei Sorten von Verhartzten. Die einen sind angewidert, und wollen da raus. Und die anderen haben sich mit dem System bestens arrangiert und fordern, fordern und fordern.

            Ich habe heute wieder einen Brief von der ARGE bekommen. Seit Januar habe ich einen Job und will mit diesem Ungeheuer nichts mehr zu tun haben. Das habe ich der ARGE schon fünf mal gesagt und geschrieben.
            Jetzt wollen die die Lohnabrechnung für Februar haben, um feststellen zu können, ob mir noch etwas zusteht. Verdammtnochmal! Wie werde ich diese Zecke los? Die sollen damit aufhören, mir, anderen und sich selbst Arbeit zu machen. Und vor allem sollen die damit aufhören, so zu tun, als hätte ich das bestellt.
            Ich werde das Schreiben jetzt ignorieren. Es reicht.

          • ola schrieb am 2. März 2012 at 19:50 - Permalink

            Prima! Dann hat die Reform ja bestens hingehauen. Sie sind aus der Statistik raus und kosten uns nichts. Das ist wirklich aller Ehren wert. Nein, natürlich ist es das nicht, es ist hochgradig behämmert.

            • Lohengrin schrieb am 2. März 2012 at 20:35 - Permalink

              Was soll ich stattdessen tun?

              Wenn ich mich verhartzen lassen, und alles abgreife was geht, dann muss ich beim Nachbarn einziehen, damit die ARGE mir Miete zahlt. Ich kriege dann 374 Euro von der ARGE und werde durch Arbeit noch 100 Euro dazubekommen. Macht 474 Euro für mich.
              Jetzt lebe ich bei Freunden, unterstütze diese, und fahre jede Nacht drei Stunden mit dem Fahrrad herum und höre Podcasts. So habe ich 530 Euro für mich.
              Von meinem Einkommen her ist es gehopst wie gesprungen. In ein paar Monaten kann ich dann wieder auf Weltreise gehen.

              Ich habe es einfach nicht länger ausgehalten, diesem Ungeheuer die Existenzberechtigung zu liefern. Ist das hochgradig behämmert?

              Ich könnte übrigens einen Job kriegen, in dem ich ein paar tausend Euros pro Monat erbeuten könnte. Da müsste ich allerdings erheblichen Schaden anrichten. Gewissen ist wohl hochgradig behämmert.

          • Lohengrin schrieb am 3. März 2012 at 00:44 - Permalink

            Hartz IV ist ein maechtiges Stigma und verhindert die Eingliederung in die regulaere Arbeitswelt.

            Warum ist das so?
            Weil es unter den Verhartzten viele Leute gibt, die einfach mal nicht zum Arbeiten erscheinen. Leute, die so drauf sind, werden schnell verhartzt, und Verhartzte werden durch die ARGEn dazu angeleitet, sich so zu verhalten. Deswegen ist der Anteil solcher Leute unter den Verhartzten extrem hoch.
            Kann man es einem Arbeitgeber, der den zukünftigen Arbeitnehmer nicht kennt, aber weiß, dass er verhartzt ist, übel nehmen, dass er lieber einen anderen einstellt?

            Wer über zu niedriges Einkommen der Verhartzten klagt, oder gar Ganztagsschulen und andere Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, angeblich zum Wohle der Verhartzten fordert, hat das Problem nicht verstanden, oder handelt mit böser Absicht.
            Das Ungeheuer muss weg!

            • anton_narki schrieb am 3. März 2012 at 13:39 - Permalink

              Wir sind uns da recht aehnlich, auch ich haette ein gutes Einkommen, wenn ich die irregeleitete Leistungsgesellschaft bedienen wollte.

              Ich sehe das Problem aber dennoch nicht bei den Menschen, die mit der strukturierten Arbeitswelt nicht klarkommen, sondern in der Arbeitswelt, die versucht, aus Individuen Roboter zu machen.

              Die Verantwortung sehe ich eher beim Arbeitgeber als beim Arbeitnehmer:
              fuer den Staerkeren ist es leichter, ein Missverhaeltnis zu veraendern.

              Aber in jedem Fall von mir Respekt fuer deinen Weg, genau dies braucht es mehr in unserer Gesellschaft.
              Dass du damit aus der Statistik faellst ist nur ein Fettspritzerchen auf des Kaisers neuem Kleid.

        • Peleo schrieb am 2. März 2012 at 10:11 - Permalink

          “Lieben und arbeiten können” ist nach Siegmund Freud ein Kriterium für seelische Gesundheit. Gilt vor allem nur für nicht-entfremdete Arbeit. Arbeitssüchtige gibt es auch, sind damit aber nicht gemeint.

          Handwerker, Künstler, auch Unternehmer “arbeiten” gern. Dies scheint Dir gänzlich fremd zu sein.

          Allerdings gibt es auch Menschen für die ein geregelter Tagesablauf auch bei nicht-kreativer Arbeit eine wichtige Stütze ist. Die so pauschal zu verdammen halte ich für verwerflich.

          • chapultepec schrieb am 2. März 2012 at 17:10 - Permalink

            “…Für Humboldt ist – ebenso wie für Rousseau und davor die Cartesianer – das wichtigste Kennzeichen des Menschen seine Freiheit. „Forschen und Schaffen – darum drehen und darauf beziehen sich wenigstens, wenngleich mittelbarer oder unmittelbarer, alle Beschäftigungen des Menschen.“ Aber außerdem hat laut Humboldt „alle Bildung … ihren Ursprung allein in dem Innern der Seele und kann durch äußre Veranstaltungen … nie hervorgebracht werden. … Überhaupt wird der Verstand des Menschen doch, wie jede andre seiner Kräfte, nur durch eigne Tätigkeit, eigne Erfindsamkeit oder eigne Benutzung fremder Erfindungen gebildet.“
            Ausgehend von diesen Annahmen entwickelte Humboldt eine Bildungstheorie, auf die ich hier nicht weiter eingehen werde. Aber sie ziehen noch viel weitreichendere Schlüsse nach sich. So skizziert Humboldt die ersten Ansätze einer Theorie der Ausbeutung und der entfremdeten Arbeit, die meines Erachtens in vielerlei Hinsicht an den frühen Marx erinnert. Ganz in diesem Sinn ergänzt Humboldt die eben zitierten Bemerkungen über die Ausbildung des Verstandes durch spontane Tätigkeit durch folgende Beobachtung: „Nun aber hält der Mensch das nie so sehr für sein, was er besitzt, als was er tut, und der Arbeiter, welcher einen Garten bestellt, ist vielleicht in einem wahreren Sinne Eigentümer als der müßige Schwelger, der ihn genießt.“ Und da die wahrhaft menschliche Tätigkeit erst jene ist, die aus innerem Antrieb erfolgt,
            ließen sich vielleicht aus allen Bauern und Handwerkern Künstler bilden, d. h. Menschen, die ihr Gewerbe um ihres Gewerbes willen liebten, durch eigengelenkte Kraft und eigne Erfindsamkeit verbesserten und dadurch ihre intellektuellen Kräfte kultivierten, ihren Charakter veredelten, ihre Genüsse erhöhten. So würde die Menschheit durch eben die Dinge geadelt, die jetzt, wie schön sie auch an sich sind, so oft dazu dienen, sie zu entehren. … Freilich ist Freiheit die notwendige Bedingung, ohne welche selbst das seelenvollste Geschäft keine heilsamen Wirkungen dieser Art hervorzubringen vermag. Was nicht von dem Menschen selbst gewählt, worin er auch nur eingeschränkt und geleitet wird, das geht nicht in sein Wesen über, das bleibt ihm ewig fremd, das verrichtet er nicht eigentlich mit menschlicher Kraft, sondern mit mechanischer Fertigkeit.
            Und wenn ein Mensch mechanisch handelt und lediglich auf äußere Forderungen oder Anweisungen reagiert, statt sich so zu verhalten, wie es seine eigenen Interessen, Energien und Fähigkeiten bestimmen, „mögen wir bewundern, was er tut, aber wir verachten, was er ist“.
            Für Humboldt ist der Mensch also zum Forschen und Schaffen geboren, und wenn ein erwachsener Mensch oder ein Kind sich aus eigener freier Wahl entschließt, zu forschen oder zu schaffen, wird diese Person dadurch auf ihre besondere Art zum Künstler statt zu einem Werkzeug der Produktion oder einem wohltrainierten Papagei. Das ist die Essenz der Auffassung Humboldts von der menschlichen Natur. Und ich finde, dass es sehr aufschlussreich und interessant ist, diese Gedanken mit denen von Marx und den Ideen in dessen frühen Manuskripten zu vergleichen, besonders aber mit seiner Beschreibung der „Entfremdung der Arbeit, wenn die Arbeit dem Arbeiter äußerlich ist, d. h., nicht zu seinem Wesen gehört, [so] dass er sich daher in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint … [und] seine Physis abkasteit und seinen Geist ruiniert“. Diese entfremdete Arbeit „wirft einen Teil der Arbeiter zu einer barbarischen Arbeit zurück und macht den anderen Teil zur Maschine“, wodurch sie den Menschen seines „Gattungscharakters“ der „freien bewussten Tätigkeit“ und des „produktiven Lebens“ beraubt….”

            (aus “Die Zukunft des Staates” von N. Chomsky)

          • Lohengrin schrieb am 2. März 2012 at 20:04 - Permalink

            Unterscheide zwischen Arbeit und Werk!
            Das Beste für einen Menschen ist, wenn sein Lebensunterhalt gesichert ist, so dass er Zeit für Werke hat.

            Frag mal einen Handwerker, der als Leiharbeiter mit dem Bus geholt wird und dann für eine Woche auf Montage im Arbeitslager verbringt! Ich kenne nur Arbeitsvermittler, Verhartzte, Sozialisten (egal ob International oder National) und Psychologen, die behaupten, dass so ein Handwerker dies gerne täte.

            Es gibt Menschen, die einen geregelten Tagesablauf durch Arbeit brauchen, um sich wohlzufühlen, das ist eine Form der Arbeitsucht.
            Diese Leute sollen tun, was sie für sich für richtig halten. Aber sie sollen mich nicht belästigen.

    23. chapultepec schrieb am 1. März 2012 at 00:18 - Permalink

      “…In den ersten 25 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, die oft als „das goldene Zeitalter des Kapitalismus“ bezeichnet werden, gab es ein sehr rasches, tatsächlich bis dahin noch nie da gewesenes Wachstum – und es war egalitäres Wachstum. So wuchs in den Vereinigten Staaten, dem am wenigsten egalitären Land unter den Industriestaaten, das Einkommen der untersten zwanzig Prozent der Einkommensskala schneller als das der obersten zwanzig Prozent. Und so ging es weiter bis Anfang der siebziger Jahre. Dann kam es zu einer starken Gegenbewegung, die das Ziel verfolgte, die Demokratie – die in diesen Kreisen, von ihrem Standpunkt aus ganz zu Recht, als große Gefahr betrachtet wird – zu zerstören und das bis dahin herrschende System zu untergraben, das es den Regierungen erlaubte, auf die Bedürfnisse und Forderungen der Bevölkerung zu reagieren und sozialstaatliche Verhältnisse zu schaffen. Der erste Schritt in diese Richtung war die Beseitigung der Kapitalkontrollen, weil man sich darüber klar war, dass solche Kontrollen unentbehrlich sind, wenn der Staat irgendeinen Freiraum für unabhängige Entscheidungen haben soll. Wenn man sie beseitigt und einen freien Währungsaustausch zulässt, kommt es zu einer gewaltige Explosion der Währungsspekulation und vielen weiteren unkontrollierten Entwicklungen.

      Und wenn man sich die neoliberalen Programme einmal näher betrachtet, sieht man, dass jeder einzelne Aspekt von ihnen tatsächlich vorwiegend darauf abzielt, demokratische Verhältnisse zu verunmöglichen. Beispiele hierfür sind die Beseitigung der festen Währungskurse und die Ermöglichung der Kapitalflucht. Privatisierungen untergraben schon per definitionem die Demokratie. Sie entfernen wichtige Entscheidungen aus der öffentlichen Arena. Wenn Dienstleistungen unter private Kontrolle gestellt werden, verliert der Staat Regierung in diesem Bereich seinen Handlungsspielraum. Wenn also in Deutschland von der Ohnmacht des Staates die Rede ist, stimmt das, aber nur deshalb, weil der Staat es selbst so eingerichtet hat. Sie haben das System so konstruiert, dass der Staat die Möglichkeit verliert, auf die Bedürfnisse seiner Bürger zu reagieren und statt dessen gezwungen ist, den Forderungen der in den Konzernen verkörperten Konzentrationen privater Macht Genüge zu tun…”

      http://www.zmag.de/artikel/ZNet-Interview-mit-Noam-Chomsky

      • awmrkl schrieb am 2. März 2012 at 09:53 - Permalink

        Vielen Dank für die Erinnerung an Noam Chomsky, ja, der hatte und hat eine Menge wohlbegründetes zum Thema zu sagen. BTW ist mir der bereits Anfang der ’70er bei Gymnasium-Projekttagen als Linguist über den Weg gelaufen – sehr interessant. Damals wußte ich noch nicht, wie intelligent er sich auch zu anderen Themen äußern kann und konnte.

        • chapultepec schrieb am 2. März 2012 at 17:07 - Permalink

          gern geschehen! Kennste dies hier?
          http://www.kontext-tv.de/node/151

    24. Lohengrin schrieb am 1. März 2012 at 00:46 - Permalink

      An Ingo Schulze!

      Du schwärmst vom Recht auf Arbeit. Weißt du eigentlich, was Arbeit ist?
      Arbeit ist Mühsal und Plage. Das Ziel muss sein, die Menschen von der Arbeit zu befreien.
      Ich fordere Wohlstand für alle. Und Arbeitslosigkeit ist Wohlstand.

      Auch die Begriffe Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind richtig. Arbeit ist so etwas wie Müll. Arbeit wird mit einem negativen Preis verkauft. Wer Arbeit gibt, muss dafür bezahlen, dass ihm jemand die Arbeit abnimmt.

      Schau nur auf Produktion und Konsum.
      Es gibt Leute, die viel produzieren und wenig konsumieren. Das ist die Unterschicht. Dazu zählen die Verharzten, die 40 Stunden pro Woche arbeiten, und die nichtverhartzten Leiharbeiter.
      Es gibt Leute, die viel konsumieren und wenig produzieren, oder sogar nur Produzierende behindern. Das ist die Oberschicht. Dazu gehören Verwalter, Juristen und Verhartzte, die niemandem Danke sagen wollen, Ansprüche stellen und die, die für sie arbeiten verachten.
      Und es gibt Leute, die ungefähr soviel erarbeiten wie sie verbrauchen. Das ist die Mittelschicht.

      Bedenke, dass Geld, das nie zu Markte getragen wird, gar nicht existiert. Wenn ein Ackermann jedes Jahr eine Millionen Euro verprasst und zehn Millionen Euro anlegt, dann belastet dieser Ackermann die Produzierenden nur mit einer Millionen Euro. Er häuft zwar einen Haufen Euros an, in der Hoffnung dafür in Zukunft Zinsen zu erbeuten, aber diese Zinsen wird er nie bekommen. Er wird irgend wann einmal zusammen mit den anderen Geldklumpen der Allgemeinheit große Teile der Schulden erlassen und sich als Wohltäter feiern lassen.
      Frag mal den gewöhnlichen Malocher, für wen er arbeitet. Ein Taxifahrer fährt zB hohe Verwalter zum Flughafen, das Kind einer Verhartzten zum Psychologen, und er fährt auch den Lokführer, dem sein Auto heute kaputtgegangen ist, zur Arbeit. Ein Wasserinstallatör baut dem hohen Verwalter den Whirlpool ein, holt in der Wohnung des Verhartzten das Fritösenfett aus dem Abfluss, und er baut dem Taxifahrer das Ideal-Standard rein.
      Wären da nicht die Oberschicht, dann müsste der gewöhnliche Malocher nur noch halb soviel arbeiten. Er hätte mehr Freizeit. Er könnte mehr Arbeitslosigkeit genießen.

      Es gibt da dieses Märchen, wo der Fronherr seiner Tocher sagt “und wäre nicht der Bauer, so hätten wir kein Brot.”. Und genauso muss sowohl den Verwaltern und Juristen als auch den Hilfsbedürftigen gesagt werden, dass da irgend ein Trottel ist, der ihnen ihren Wohlstand erarbeitet.

      Sowohl Kapitalismus als auch Kommunismus sind Arbeitsfetischisten, zum Wohle der Oberschicht.

      • der Herr Karl schrieb am 1. März 2012 at 10:48 - Permalink

        @Lohengrin
        Sehr tiefgehende Überlegungen und schön formuliert.
        Mein Lieblingsmärchen war “Hans im Glück”. Ich fand einmal in einer Brockenstube ein altes Märchenbuch mit dem Titel “Märchen aus Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz” aus der Reihe “Märchen europäischer Völker”. Es steckt sehr viel Weisheit in Märchen. An einem 24. Dezember vor einigen Jahren, als die Kinder noch kleiner waren, erzählte ich anstelle einer Weihnachtsgeschichte ein gruseliges Märchen mit dem Titel “Das Teufelswirtshaus” aus diesem Märchenbuch, wo es um die Neugier der Menschen ging. (Anfang: Vater Satan sagte eines Tages: “Auf Erden gibt es eine Strasse, auf der viele Reisende daherkommen; das ist die Strasse der Neugier. Ich will dort ein Wirtshaus aufmachen und zwei von meinen Söhnen ausschicken, die die Wirtschaf führen sollen…”)
        Die Kinder erzählen noch heute davon…

        • ola schrieb am 1. März 2012 at 12:15 - Permalink

          Sie geben eine schöne Antwort darauf, warum die ständig erwartete Inflation nicht stattfindet.

          Und ja, der Arbeitsbegriff gehört bei uns Linken schnellstmöglich überdacht.

        • Lohengrin schrieb am 1. März 2012 at 16:47 - Permalink

          Ich kann das Märchen nicht im Web finden. Bitte mehr Info!

        • der Herr Karl schrieb am 2. März 2012 at 11:02 - Permalink

          @Lohengrin
          Das Teufelswirtshaus
          Vater Satan sagte eines Tages: “Auf Erden gibt es eine Strasse, auf der viele Reisende daherkommen; das ist die Strasse der Neugier. Ich will dort ein Wirtshaus aufmachen und zwei von meinen Söhnen ausschicken, die die Wirtschaft führen sollen. Aber ich will sie hässlich machen, so hässlich, dass niemand des Weges kommen wird, der nicht sagt: ‘Ihr Unseligen, was habt ihr gemacht, dass ihr so ausschaut?’”
          Der Teufel rief einen von seinen Söhnen herbei, und damit er so hässlich würde, wie beabsichtigt, schlug er ihm die Nase ein, riss ihm ein Ohr auseinander, schor ihn kahl und verunzierte ihm die Stirne mit einem schrecklichen Geschwür. Bei dem anderen machte er es ebenso und sprach: “Geht auf die Erde, richtet euch an der Strasse der Neugier ein und schickt mir alle herunter, die euch fragen, was passiert sei. Hierher zurückkehren dürft ihr erst, wenn ihr einen gefunden habt, der so hartgesotten ist, dass er gleichgültig an euch vorüberzieht.”
          Die Teufelssöhne machten sich auf den Weg, und tausend Jahre lang sandten sie eine riesige Menge von Neugierigen in die Hölle hinab. Kein Passant war vorbeigekommen, ohne von Mitleid gerührt zu werden. Aber kaum hatte er seine Frage gestellt: “Was ist mit Euch?”, als er auch schon von Stockschlägen niedergestreckt und in Stücke geschnitten war. Das Fleisch servierten die Teufel dann den Reisenden, die als nächste kamen.
          (1. Teil von 4; Forsetzung folgt hier)

          • Lohengrin schrieb am 2. März 2012 at 20:14 - Permalink

            Danke. Schreib weiter! Ich bin neugierig.

          • Lohengrin schrieb am 4. März 2012 at 13:51 - Permalink

            Danke! Schreib weiter! Ich will doch wissen, wie ich zerlegt werde.

            Unterwegs traf er eine schöne Dame, die ihn fragte: “Antonarello, wo gehst du hin!” – “Ich gehe das Glück suchen.” – “Du bist sehr jung dafür; dazu muss man viel Erfahrung haben und alle seine närrischen Launen kennen, und selbst dann trifft es nicht immer ein.”

            Wenn viel Erfahrung dazugehört, ist es kein Glück mehr. Möglicherweise ist das aber ein Übersetzungsfehler. Das Original ist französisch?

            Warum heißt der eigentlich Antonarello? Ich hätte die Frau Petra genannt, und sie ihn mit “Herr” anreden lassen.

        • der Herr Karl schrieb am 3. März 2012 at 03:23 - Permalink

          @Lohengrin
          Das Teufelswirtshaus, 2. Teil
          Es lebte damals eine sehr arme Frau. Als sie alles verkauft hatte, was sie besass, blieben ihr 45 Francs, und diese teilte sie unter ihre Söhne. Eines Morgens sagte sie zu ihrem ältesten Sohn: “Mein Kind, nimm diese fünfzehn Francs, zieh aus und mach dein Glück.”
          Der Älteste verliess seine Mutter und seine Brüder und schlug die Strasse der Neugierde ein, welche breiter und schöner war als alle anderen. So kam er an das Wirtshaus, und da er hungrig war, trat er ein. Doch als er die beiden Unholde erblickte, regte sich sein Herz in ihm, und er konnte sich nicht enthalten zu fragen: “Ihr Unglücklichen, was für eine schreckliche Krankheit hat euch so abgenagt?” Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als er auch schon von Stockschlägen niedergestreckt und seine Leiche in einen finsteren Keller geworfen war.
          Einige Zeit danach sagte die Mutter zu dem zweiten Sohn: “Mein Kind, nimm deine fünfzehn Francs, zieh aus und mach dein Glück.” Und der zweite Sohn ging ebenfalls fort und schlug den nämlichen Weg ein, der ihm ebenfalls zum Verhängnis wurde.
          Und die Mutter sagte dasselbe zu ihrem letzten Sohn: “Mein Kind, nimm deine fünfzehn Francs, zieh aus und mach dein Glück.” Auch dieser zog aus. Unterwegs traf er eine schöne Dame, die ihn fragte: “Antonarello, wo gehst du hin!” – “Ich gehe das Glück suchen.” – “Du bist sehr jung dafür; dazu muss man viel Erfahrung haben und alle seine närrischen Launen kennen, und selbst dann trifft es nicht immer ein.”
          (Fortsetzung folgt hier)

        • der Herr Karl schrieb am 4. März 2012 at 14:25 - Permalink

          @Lohengrin
          Das Teufelswirtshaus, 3. Teil
          “Und was ist am notwendigsten, damit man es findet?” – “Notwendig ist, dass du mit deinen fünfzehn Francs drei Ratschläge von mir kaufst.” -”Das will ich gern,” sagte Antonarello, “denn ich sehe wohl, dass Ihr über meiner Angelegenheit besser Bescheid wisst als ich selber.”
          Und die Dame sprach: “Das ist der erste Rat: Misch dich nie in fremde Angelgenheiten ein. – Willst du noch einen ?” – “Ja.” – ” Gib nie den alten Weg für den neuen auf!” – “Gebt mir noch den dritten!” – “Sei blind und taub.” – “Danke, Madame, hier sind die fünfzehn Francs.”
          Und Antonarello, der nicht gemerkt hatte, dass es die liebe Heilige Jungfrau gewesen war, setzte ruhig seinen Weg fort. Doch wie gross war seine Überraschung, als er die Hand in die Tasche steckte und dreimal soviel Geld fand, als darin gewesen war. ‘Ein Wunder!’ dachte er und machte sich fröhlich wieder auf den Weg.
          Nach einiger Zeit traf er auf eine schöne Strasse. ‘Ob ich die einschlage?’ dachte er. Doch er erinnerte sich an den ersten Rat, und das war sein Glück, denn an diesem Weg waren drei Diebe versteckt, die ihn unfehlbar umgebracht hätten.
          Nach einigen Tagen traf er mehrere Leute, die sich prügelten. ‘Man muss sie trennen’, dachte Antonarello, doch der zweite Rat: “Misch dich nicht in fremde Angelegenheiten!” hielt ihn zurück. Er hatte grosses Glück, denn die Streitenden gerieten in solche Wut, dass sie sich gegenseitig umbrachten bis auf den letzten Mann, und der brave kleine Bruder wäre umgekommen wie die anderen zwei.
          Nachdem er viele Tage gewandert war, kam er schliesslich vor der Teufelsosteria an. “Heda, Wirtschaft, ich habe grossen Hunger, was könnt Ihr mir anbieten?” – “Was Euch beliebt.” Der Wanderer liess sich ein ausgezeichnetes Mahl auftragen, ass gut, trank noch besser, zahlte und ging.
          (Fortsetzung des letzten Teils folgt hier)

          @Bernie und andere
          Ersetze “die liebe Heilige Jungfrau” durch “Bruno Giordano”…

          • Lohengrin schrieb am 5. März 2012 at 22:07 - Permalink

            Ich muss es wohl wieder triggern.
            Herr Karl, schreib weiter!
            Danke!

        • der Herr Karl schrieb am 6. März 2012 at 14:04 - Permalink

          @Lohengrin
          Das Teufelswirtshaus, letzter Teil
          Da liess sich ein schreckliches Gebrüll vernehmen, und einer von den Teufeln sprach zu Antonarello: “Staubgeborener, du hast aber ein ziemlich hartes Herz, dass du so ungerührt an uns vorüberziehst!” – “Ich mische mich nicht in fremde Angelegeheiten, und wenn nötig, bin ich blind und taub.”
          Die Teufel sahen ein, dass sie nichts erreichen konnten, und gaben sich geschlagen. Sie zündeten das Wirtshaus an, damit niemand mehr dort Zuflucht finde, und kehrten schäumend vor Wut in die Hölle zurück.
          Vater Satan empfing sie sehr unsanft, schickte sie aber bald wieder aus, um an einer anderen Strasse eine Herberge zu errichten. Die Ernte wir ja immer gut sein und die Hölle kaum jemals arbeitslos.
          Antonarello aber ging seine Strasse fort. Ob er das Glück schon gefunden hat, weiss ich nicht, aber er wird es sicher bald finden, wenn er die Ratschläge anwendet, die ihm die liebe Heilige Jungfrau gegeben hat.
          (Ende)

    25. Peleo schrieb am 1. März 2012 at 09:00 - Permalink

      Wie das Kind so die Sänger. Mikis Theordorakis, gefunden bei Konstantin Wecker:

      http://hinter-den-schlagzeilen.de/2012/02/29/theodorakis-die-wahrheit-uber-griechenland/

      Die Rüstungslieferungen an GR geraten so langsam in den Fokus. Anfangs hat man davon gar nichts gehört. Es ist unbegreiflich, dass die unangetastet bleiben sollten. Ist der Grund nur die Korruption?

      Theodorakis sieht das m. E. zu patriotisch und die Griechen nur als Opfer. Denn auch Gregor Gysi, der die Halbierung der Rüstungsexporte verlangt (geradezu moderat!) sieht die Griechen in der Pflicht, ihre (Steuer- und Kataster-) Verwaltung in Ordnung zu bringen.

      Es ist nicht leicht, sich ein einigermaßen objektives Bild zu machen.

      • ola schrieb am 1. März 2012 at 12:27 - Permalink

        Richtig die Griechen haben genug zu tun, keine Frage. Ist aber nicht vordergründig meine Aufgabe als Deutscher denen zu befehlen was sie zu tun haben. Meine Aufgabe ist es, zu sehen dass in meinem Land die Sache richtig läuft. Das ist für mich erste Bürgerspflicht. Und beim Griechenlandbashing tuen sich ja gerade diejenigen besonders hervor, die im eigenen Land das Maul nicht aufbekommen und täglich im Arsch irgendeines Vorgestzten oder direkt bei Frau Merkel verschwinden und genau das ist nicht akzeptabel.

        Es hat viel damit zu tun, wie sich ein Volk definiert. Fragen Sie einen Italiener oder Franzosen, einen Griechen oder Dänen, ob er stolz auf sein Land ist, wird er Ihnen das vollumfänglich bejahen und als Gründe auf seine Kultur, seine Landschaft, seine Geschichte verweisen. Fragen Sie einen Deutschen, der stolz auf sein Land ist warum, wird er Ihnen mit 90% Sicherheit antworten, dass er der bessere aller Kunden ist, die anderen eh nur doof und er das Maximum der geistigen und körperlichen Elite darstellt. Und genau so betrachten die unterschiedlichen Charaktere auch diese Welt. Das fällt ihnen vor allem dann auf, wenn sie mal länger im Ausland tätig waren. Von den wesentlich höheren Anforderungen an einen Vorgesetzten, der dort meist überzeugen muss und nicht einfach deligieren kann und auf seine persönliche Arschkriecher wartet, mal ganz abgesehen. (Verallgemeinerte Aussage)

    26. anton_narki schrieb am 1. März 2012 at 09:34 - Permalink

      Die Rede ist brilliant, ich werde sie so weit verbreiten, wie es mir moeglich ist.
      Danke auch an chapultepec fuer den sehr passenden Auszug; allmaehlich wird “1984″ zur Utopie…

    27. salvo schrieb am 1. März 2012 at 10:23 - Permalink

      das passt übrigens sehr gut zu diesem Bild, letzten Endes geht es darum, wie unsere soziale Wirklichkeit diskursiv konstruiert wird und wer diesen Prozess kontrolliert

      “The New Priesthood: An Interview with Yanis Varoufakis”

      http://www.nakedcapitalism.com/2012/03/the-new-priesthood-an-interview-with-yanis-varoufakis-part-i.html

    28. Leser2011 schrieb am 1. März 2012 at 20:39 - Permalink

      Der Vergleich ist nicht neu. Dirk Müller hat das schon in seinem Buch “Crashkurs” aufgegriffen. Fragt sich wer zuerst auf die Idee mit Vergleich kam, Müller oder Schulze.

    29. fixelheimer schrieb am 2. März 2012 at 03:31 - Permalink

      Danke für den lesenswerten Vortrag.

      Auch sehr interessant:

      1318 Konzerne üben die
      Kontrolle über alle 43060 international tätigen Unternehmen aus, die 2007 in der
      Wirtschaftsbank Orbis erfasst waren, wobei 40 Prozent wiederum in den Händen von nur 147
      Unternehmen liegen. Die zweite Überraschung: Die Plätze 1 bis 49 nehmen ausschließlich
      Banken und Versicherungsgesellschaften ein. Man braucht keine Verschwörungstheorien zu
      bemühen. Es reicht schon eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich
      (Harald Welzer anlässlich von Angriff auf die Demokratie – Eine Intervention, im Haus der Kulturen
      der Welt, Berlin, 18.12.2011).

      • chapultepec schrieb am 2. März 2012 at 08:50 - Permalink

        Wenn 147 Konzerne die ganze Wirtschaft kontrollieren
        http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Wenn-147-Konzerne-die-ganze-Wirtschaft–kontrollieren-/story/24530287

        The network of global corporate control
        http://arxiv.org/abs/1107.5728

    30. awmrkl schrieb am 2. März 2012 at 10:01 - Permalink

      Vielen Dank für diesen Artikel und den Hinweis auf den sehr lesenswerten Vortrag.

      @Klaus Baum
      Dir ebenfalls herzlichen Dank für die ungekürzte Veröffentlichung

    31. Lohengrin schrieb am 3. März 2012 at 20:38 - Permalink

      @anton_narki

      Ich sehe das Problem aber dennoch nicht bei den Menschen, die mit der strukturierten Arbeitswelt nicht klarkommen, sondern in der Arbeitswelt, die versucht, aus Individuen Roboter zu machen.

      Die Verantwortung sehe ich eher beim Arbeitgeber als beim Arbeitnehmer:
      fuer den Staerkeren ist es leichter, ein Missverhaeltnis zu veraendern.

      Das System handelt nicht. Es sind Menschen, die handeln. Es ist möglich, sich aus dem ganzen Quatsch relativ weit rauszuhalten.
      Lass dich nicht zum Roboter machen und mach andere nicht zum Roboter!
      Halte dich insbesondere fern von Menschen, die das System verinnerlicht haben. Dazu gehören Arbeitsfetischisten, Juristen, Arbeitsvermittler und Leute, die gierig und verschwenderisch sind und sich anmaßen, dass das ihnen zustände.

      • anton_narki schrieb am 4. März 2012 at 10:59 - Permalink

        Das System handelt nicht. Es sind Menschen, die handeln. Es ist möglich, sich aus dem ganzen Quatsch relativ weit rauszuhalten.

        Da bin ich anderer Meinung. Auch das System per se handelt. Die Verbindung zwischen Mensch und Maschine ist symbiotisch; Technologie hat wesentliche Charaktereigenschaften von Lebewesen. Namentlich Energieverbrauch, Replikation und evolutionaere Anpassung. Dass Maschinen hierbei von Menschen abhaengig sind, ist nicht relevant, da auch Menschen zur Replikation von anderen Lebewesen abhaengig sind.

        Das Leben mit Maschinen veraendert das eigene Denken und Handeln.
        Hier eine schoene taoistische Darstellung dazu:
        Maschinenherz

        Man kann sich Freiheit erkaempfen, aber niemals absolute.
        Der Einsiedler im Wald kann nur einsiedeln, solange er behoerdlich geduldet wird.

        Lass dich nicht zum Roboter machen und mach andere nicht zum Roboter!

        Das ist mir so wichtig wie dir, und ich kaempfe dafuer! Derzeit bin ich freier denn je…

        • Lohengrin schrieb am 4. März 2012 at 13:25 - Permalink

          Du hast recht. Mensch und Maschine bilden eine Einheit.
          Es geht dann aber auch nicht darum, dass ein Mensch sich der Arbeitswelt anpassen müsse, oder sich die Arbeitswelt die Menschen nicht zu Robotern machen müsse.
          Wir, also Menschen und Maschinen, müssen so werden, dass wir ein bequemes Leben in Wohlstand haben. Und da läuft seit über hundert Jahren vieles falsch.

          Das Leben mit Maschinen veraendert das eigene Denken und Handeln.
          Hier eine schoene taoistische Darstellung dazu: Maschinenherz

          Dass man sowas im Web finden kann, ist das Beste dabei.
          Mir ist der Mensch, der keinen Ziehbrunnen benutzen will, egal. Der soll machen, was er will. Aber er soll nicht von mir verlangen, dass ich für ihn arbeite, und mir verbieten, einen Ziehbrunnen zu bauen.

          Ich hatte vorletzten Sommer ein Erlebnis in Kanada.
          Ich fuhr mit dem Fahrrad durch British Columbia auf dem Alaska Highway. Es regnete. Ein Mann aus Texas mit seinem Sohn auf dem Wege nach Alaska hielt an, und lud mich ein. Er erzählte mir von seiner Arbeit bei der Planung von Ölförderanlagen in Kuwait. Er erzählte mir dann, was der Unterschied zwischen Deutschen und Amerikanern sei.
          “Die Deutschen kommen. Sie schauen sich das Ganze gut an. Dann planen sie. Dann kommen sie mit vielen Maschinen, und nach drei Monaten läuft das Ding. Dann räumen sie auf, und gehen nach Hause.
          Wir Amerikaner machen das anders. Wir überlegen uns, wie wir damit den Leuten Jobs geben können. Dann besorgen wir Schaufeln und Arbeitskleidung. Und dann
          lassen wir zehn Jahre lang die Leute arbeiten. Während der Zeit haben die Leute
          ein Einkommen.”
          Ich war entsetzt. Ich sagte ihm, dass die Leute dort zehn Jahre lang Freizeit haben sollen. Einkommen haben sie, wegen des Öls. Und bezahlen können sie die Deutschen auch, denn genug Öl fließt ja.”
          Er sagte mir, dass Menschen, wenn sie nichts zu tun hätten, Unfug treiben würden.
          Das war für mich ein Schlüsselerlebnis. Jetzt weiß ich, dass mein Menschenbild typisch deutsch ist.

          • anton_narki schrieb am 5. März 2012 at 14:00 - Permalink

            Wir, also Menschen und Maschinen, müssen so werden, dass wir ein bequemes Leben in Wohlstand haben. Und da läuft seit über hundert Jahren vieles falsch.

            Genau darum geht es. Der Taoismus ist meiner Meinung nach nicht so absolut, dass er jede Verwendung von Technologie in Form von Werkzeugen ablehnt. Das Gleichnis soll nur vor einer falsch gearteten Symbiose mit der Technologie warnen.
            Und in einer solchen befinden wir uns.
            Mit der enormen Produktivitaet der Technologie wird in allerhoechstem Maße verschwenderisch umgegangen. Geplante Obsoleszenz ist ein Stichwort.

            Allerdings kann ich deine Arbeitsverachtung nicht ganz verstehen.
            Ich verachte die aktuelle Verwendung des Begriffes Arbeit,
            die Produktion glorifiziert und Arbeit mit Menschen entwertet.
            Das muss sich aendern.

            Im Manifest habe ich schonmal ein wenig gestoebert.
            Ich bin aber ueberzeugt davon, dass ein Mensch ohne Betaetigung,
            der er einen Wert beimisst, ein unzufriedenes Leben fuehrt.

            • Lohengrin schrieb am 5. März 2012 at 18:40 - Permalink

              Allerdings kann ich deine Arbeitsverachtung nicht ganz verstehen.
              Ich verachte die aktuelle Verwendung des Begriffes Arbeit,
              die Produktion glorifiziert und Arbeit mit Menschen entwertet.
              Das muss sich aendern.

              Ich unterscheide zwischen Arbeit und Werk. Diese Unterscheidung gibt es in vielen Sprachen.
              Freizeit ist Zeit, in der man nicht arbeiten muss, und Zeit zum Werken hat. Wenn jemand in seiner Freizeit zum alten Nachbarn geht und mit ihm Schach spielt, und daran Freude hat, dann ist das nicht Arbeit, sondern Werk. Wenn jemand Spaß daran hat, Autos zu reparieren, und das in seiner Freizeit tut, dann ist das keine Arbeit, sondern Werk.
              Der Unterschied zwischen Arbeit und Werk liegt nicht in Bezahlung, sondern darin, ob der Ausführende es gerne tut.

              Selbstverständlich soll ein Werkender bezahlt werden. Wenn ein Zahlungsfähiger aber Zahlungsunwilliger an meinem Werk interessiert ist, dann weigere ich mich, weil ich das für unredlich halte. Die Bezahlung muss nicht in Geld erfolgen. Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu revangieren. Und ein Reicher zahlt gewöhnlich mehr als ein Armer.
              Für Kapitalisten ist das ein rotes Tuch. Sie nennen das Diskriminierung.

              Wo mir besonders der Hut hoch geht, ist, wenn einer einen auf arm macht, dh ein Zahlungfähiger nicht zahlungswillig ist. Feilschen ist so etwas. Das widerstrebt meiner Natur.
              Es geht auch anders. Und damit bin ich bisher sehr gut durchgekommen.

              Ich bin aber ueberzeugt davon, dass ein Mensch ohne Betaetigung, der er einen Wert beimisst, ein unzufriedenes Leben fuehrt.

              Das Problem liegt in der Bewertung von Arbeit und Werk. Wer nur auf Bezahlung schaut, ist ein Griesgram. Er wird auch durch Bezahlung nicht glücklicher, sondern nur gieriger und verschwenderischer.

              Dies ist das Problem, das angegangen werden muss. Und das ist das Fundament der kapitalistischen Wirtschaftsordnung.

            • anton_narki schrieb am 6. März 2012 at 09:56 - Permalink

              Na, da sind wir ja so ziemlich einer Meinung. Die Unterscheidung zwischen Arbeit und Werk in anderen Sprachen ist interessant; ist das ein Wiederspruch zum deutschen, eher solitaeren, “Hobby”?
              Ich finde allerdings dass die Trennung zwischen Arbeit und Werk schwierig ist, also dass Werk je nach Zeitaufwand zu Arbeit mutieren kann.
              Beispielsweise macht das umgraben eines Kartoffelfeldes fuer eine halbe Stunde bei gutem Wetter durchaus Freude…
              Da muss es noch bessere Begriffe geben.

              Selbst in unserer hochautomatisierten Gesellschaft gibt es aber eine nicht geringe Menge von Arbeit in deinem Sinne. Ziel muss es ja sein, die Gesellschaft so zu strukturieren, dass die Arbeit auf alle arbeitsfaehigen Schultern halbwegs gerecht und auch nach Interesse verteilt wird, so dass ein Maximum an Werk-Zeit fuer alle entsteht. Dazu brauchen wir echte Demokratie, also Basisdemokratie, sowie planwirtschaftliche Ansaetze in den oberen Ebenen dieser Basisdemokratie.

        • Lohengrin schrieb am 4. März 2012 at 13:43 - Permalink

          Zum Teufel mit den Sozialisten, egal ob international oder national!
          Woher kommt der Dreck “Arbeit hat noch niemandem geschadet”, “Sozial ist was Arbeit schafft”, “den Müßiggänger schiebt beiseite”, “Arbeit macht frei”, “Arbeitsbeschaffungsmaßnahme”, “Reichtsarbeitsdienst”, “Arbeitswertlehre”, “Recht auf Arbeit”, “Vernichtung durch Arbeit”? Deutsch ist das nicht!

          Ich habe mit mehreren Leuten aus verschiedenen Kulturen über den typischen Deutschen gesprochen. Es ist nämlich sehr interessant, zu erfahren, was andere Leute über einen denken. Und immer wieder habe ich, nachdem die Hollywood-Version auch genannt wurde, das gleiche gehört wie von den Texaner. Und ich habe darauf geachtet, dass ich meinem Gesprächspartner nie irgend etwas in den Mund gelegt habe.

        • Lohengrin schrieb am 4. März 2012 at 14:07 - Permalink

          Ich habe mal einem Verhartzten, der versucht alles mitzunehmen, was ihm zusteht, das Manifest gegen die Arbeit zu lesen gegeben. Danach sagte er mir “Wer das geschrieben hat, der hat jahrelang nichts zu tun gehabt und tierisch Langeweile. Ohne Arbeit werden Menschen unglücklich. Das ist nicht gut.”
          Ich hatte ihm übrigens den Text ausgedruckt. Mit Web und dergleichen hat er nichts am Hut. Er liest Bildzeitung.

    32. Lohengrin schrieb am 6. März 2012 at 18:32 - Permalink

      @anton_narki

      Die Unterscheidung zwischen Arbeit und Werk in anderen Sprachen ist interessant; ist das ein Wiederspruch zum deutschen, eher solitaeren, “Hobby”?

      Heute wird das Wort “Hobby” benutzt, weil die Unterscheidung zwischen Arbeit und Werk verlorengegangen ist. Eine Beschäftigung, die keine Arbeit ist, gilt als wertlos. Da das Wort “Werk” in vielen Wörtern vorkommt, die man nicht als wertlos abstempeln kann, musste ein neues Wort für “Werk” her.
      Hier ist ein Stück aus dem Manifest gegen die Arbeit.

      Erlebte König Midas es immerhin noch als Fluch, daß alles, was er berührte, sich in Gold verwandelte, so ist sein moderner Leidensgenosse über dieses Stadium bereits hinaus. Der Arbeitsmensch merkt nicht einmal mehr, daß durch die Angleichung an das Muster der Arbeit jedes Tun seine besondere sinnliche Qualität verliert und gleichgültig wird. Im Gegenteil: nur durch diese Angleichung an die Gleichgültigkeit der Warenwelt mißt er einer Tätigkeit überhaupt erst Sinn, Berechtigung und soziale Bedeutung zu. Mit einem Gefühl wie Trauer etwa kann das Arbeitssubjekt nicht viel anfangen; die Verwandlung von Trauer in “Trauerarbeit” indes macht diesen emotionalen Fremdkörper zu einer bekannten Größe, über die man sich mit seinesgleichen austauschen kann. Selbst noch das Träumen wird so zur “Traumarbeit”, die Auseinandersetzung mit einem geliebten Menschen zur “Beziehungsarbeit” und der Umgang mit Kindern zur “Erziehungsarbeit” entwirklicht und vergleichgültigt. Wo immer der moderne Mensch auf der Ernsthaftigkeit seines Tuns beharren will, hat er auch schon das Wort “Arbeit” auf den Lippen.

      Ich finde allerdings dass die Trennung zwischen Arbeit und Werk schwierig ist, also dass Werk je nach Zeitaufwand zu Arbeit mutieren kann.
      Beispielsweise macht das umgraben eines Kartoffelfeldes fuer eine halbe Stunde bei gutem Wetter durchaus Freude…
      Da muss es noch bessere Begriffe geben.

      Das Problem, dass Werk mit Arbeit verbunden sein kann, oder zur Arbeit ausarten kann, kann nicht durch Wortakrobatik beseitigt werden. Man muss das einfach akzeptieren. Aber dann hat der, der alles in Geld bewerten will, ein Problem, weil er erkennen muss, dass er einem großen Unsinn aufgesessen ist.

      Selbst in unserer hochautomatisierten Gesellschaft gibt es aber eine nicht geringe Menge von Arbeit in deinem Sinne. Ziel muss es ja sein, die Gesellschaft so zu strukturieren, dass die Arbeit auf alle arbeitsfaehigen Schultern halbwegs gerecht und auch nach Interesse verteilt wird, so dass ein Maximum an Werk-Zeit fuer alle entsteht.

      Was dem einen Arbeit ist, kann dem anderen Werk sein. Meine Forderung nach Minimierung der Arbeit aller schließt das Übertragen der Tätigkeiten auf die, die Spaß daran haben, ein. Der Rest lässt sich wunderbar mit einem Arbeitsmarkt aufteilen. Arbeit, die niemand tun will, muss so teuer sein, dass sie soweit wie möglich vermieden wird, oder derjenige, der diese Arbeit nimmt, möglichst viel Nutzen davon hat.

      • anton_narki schrieb am 7. März 2012 at 20:44 - Permalink

        Jo,
        machen wir.
        Morgen 9:00h vorm Verfassungsschutz, oder fangen wir mit dem Bundestag an?

        We are Legion; as we are many!


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